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Afrika

unsere aktuelle Seite zum Staatsbesuch des Papstes in Zentral-Afrika im November 2015
                                       > Teil I auf dieser Seite - weiter zum Besuch des Papstes zur Seite Afrika II

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Papst Franziskus reist Ende November nach Afrka: - Foto: Wieder auf Reisen: Papst Franziskus

Papst Franziskus reist vom 25. bis 30. November nach Afrika. Das hat der Vatikan am Donnerstag nun auch offiziell bestätigt. Die Bischofskonferenzen der besuchten Länder hatten die Termine bereits bekannt gegeben. Nach Auskunft des Vatikan besucht der Papst vom 25. bis 27. November Kenia, vom 27. bis 29. November Uganda und vom 29. bis 30. November die Zentralafrikanische Republik. Das Programm der Reise wird demnächst bekanntgegeben, wie der Vatikan mitteilte. Rv150910

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Der Vatikan bestätigt den Besuch des Papstes in drei afrikanischen Ländern
Papst Franziskus wird im November 2015 Kenia, Uganda und die Zentralafrikanische Republick besuchen

   Es wird der erste Besuch von Papst Franziskus auf diesem Kontinent sein. “Auf Einladung der Staatspräsidenten, sowie auch der dortigen Bischöfe unternimmt Franziskus diese Apostolische Reise nach Kenia vom 25.–27. November, nach Uganda vom 27.-29. November und in die Zentralafrikanische Republik vom 29. -30. November 2015, verlautet aus dem Vatikan. Das Programm wird “zu gegebener Zeit” veröffentlicht werden.
 Die gepalante Reise des Papstes nach Kuba und den USA wird Ende September 2015 durchgeführt. Franziskus besucht Kuba vom 19.-22. September und die USA vom 22.-27. September 2015. CH150910staff

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Papst Franziskus bereist im November auch Kenia  Foto: Jesuitenkirche in Nairobi

   Papst Franziskus kommt im November im Zug seiner Afrikareise auch nach Kenia. Das haben die Bischöfe des ostafrikanischen Landes nun offiziell bestätigt. In einer Mitteilung des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Bischof Philip Anyolo von Homa Bay, bezeichnet dieser die Papstvisite als Staatsbesuch, referiert der vatikanische Fidesdienst. Kenia ist demnach die erste Station der Papstreise nach Afrika, die bereits seit längerem geplant wird. Im Anschluss wird Franziskus nach Uganda und in die Zentralafrikanische Republik reisen.
  Kenias Bischöfe erwarten den Papst am 25. November in Kenia, wo er zwei Tage verweilen wird. Das Programm sieht Gespräche mit dem Präsidenten in dessen Residenz, eine Messe und ein Treffen mit Priestern und Ordensleuten vor. Außerdem werde Franziskus das Büros der Vereinten Nationen in Nairobi besuchen und einen Abstecher in den Slums der Hauptstadt machen. Kenia ist demnach die erste Station der Papstreise nach Afrika, die bereits seit längerem geplant wird. Im Anschluss werde Franziskus nach Uganda und in die Zentralafrikanische Republik reisen. Rv150907gs 

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Vatikan stellt Papstreise nach Afrika vor  Foto: Papst Franziskus an der Synodenaula

    Der Vatikan hat Details zur Papstreise nach Kenia, Uganda und Zentralafrikanische Republik vorgestellt. Demnach reist Franziskus am Mittwoch, 25. November, nach Nairobi. Dort bleibt er bis Freitag, 27. November. In der kenianischen Hauptstadt sind Treffen mit Politikern, Religionsvertreter, Priestern und Ordensleute vorgesehen. Auch ein Besuch in einem Armenviertel der Großstadt ist für Freitag, 27. November, geplant. In Entebbe (Uganda) wird der Papst bis Sonntagmorgen, 29. November, bleiben. Dort wird er vor allem Jugendliche treffen sowie einen Besuch beim anglikanischen Märtyrerheiligtum von Namugongo abstatten. Von Sonntag, 29. November, bis Montagmittag, 30. November, hält sich dann der Papst in der Zentralafrikanischen Republik auf. In dem Kriegs- und Krisengeschüttelten Land wird er eine Moschee aufsuchen und im Stadion von Boganda eine Heilige Messe feiern. Insgesamt sind mindestens 17 Reden und Predigten vorgesehen. Rv151017mg

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Motto und Logo von Papstreise nach Afrika

   Schneider in Nairobi bereiten Kleidung für den Papst und rund 300 Priester vor, die sie während der Papstmesse in Nairboi tragen werden. Zu sehen ist das Logo, das die kenianische Bischofskonferenz dafür gestaltet hat.
   Am Freitag hat der Vatikan Motto und Logo für den Papstbesuch in Kenia, Uganda und der Zentralafrikanischen Republik von 25. bis 30. November vorgestellt. Das Motto, das die Bischofskonferenz von Kenia gewählt hat, lautet „Seid stark im Glauben. Habt keine Angst“.
   Das Logo ist in den Landesfarben gehalten, zu sehen sind die geografischen Umrisse des Landes, eine Taube, Kreuz und Feuer als Symbol der Barmherzigkeit. Weitere Informationen zur Papstreise nach Kenia befinden sich auf der Homepage der kenianischen Bischofskonferenz www.kccb.or.ke und auf der Homepage des
Heiligen Stuhls.
   Das Motto für die Reise von Franziskus in die Zentralafrikanische Republik lautet „Auf zum anderen Ufer“ in Anlehnung an das Lukas-Evangelium. Auf dem Logo ist ein kleines Boot zu sehen mit einem Mann und einer Frau, in der Mitte des Bootes die Umrisse des Landes und im Hintergrund Papst Franziskus.
   Franziskus besucht vom 25. bis 27. November Kenia, vom 27. bis 29. November Uganda und von 29. bis 30. November die Zentralafrikanische Republik.  Rv151023cz

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Religionsführer Zentralafrikas setzen Hoffnung in Papstbesuch

Die Zentralafrikansische Republik setzt alle Hoffnungen auf Papst Franziskus.
   Die Religionsführer der Zentralafrikanischen Republik hoffen darauf, dass der bevorstehende Papstbesuch die verfeindeten Gruppen des Landes miteinander versöhnen könnte. „Das wird eine Schlüsselveranstaltung für alle Zentralafrikaner - welcher Religion sie auch immer angehören mögen“, sagte Imam Omar Kobine Layamam, Präsident des Islamischen Rates, am Wochenende im Interview der US-Nachrichtenagentur Catholic News Service (CNS).
   Er und weitere religiöse Führer wünschten sich vom Papst „eine klare Botschaft“, um die von den bewaffneten Gruppen zerstörten gesellschaftlichen Brücken wiederaufzubauen, so der Imam weiter. Man habe Franziskus etwa gebeten, die Rebellen zur Niederlegung ihrer Waffen aufzufordern.
   „Der Heilige Vater wird an die Herzen von Christen und Muslimen appellieren. Wir hoffen, er findet die richtigen Worte und Gesten, um das Land voranzubringen“, wird der Sprecher der Zentralafrikanischen Bischofskonferenz, Cyriaque Gbate Doumalo, zitiert.
   Der Besuch des Papstes in der Zentralafrikanischen Republik findet vom 29. bis 30. November statt - fast drei Jahre, nachdem ein von Muslimen angeführter Aufstand das Land in einen Bürgerkrieg stürzte. Rund ein Drittel der 4,4 Millionen Einwohner sind Katholiken. Rv151025kap

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Kenia: „Papstbesuch wird Zusammenhalt fördern“

   Der Besuch von Papst Franziskus wird den von Terroranschlägen, Korruption und ethnischer Spaltung gefährdeten Zusammenhalt in Kenia fördern. Davon sind die Bischöfe des Landes überzeugt, die unterdessen zum Gebet für den Papstbesuch vom 25. bis 27. November aufriefen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Philip Anyolo von Homa Bay bezeichnete den Besuch des Papstes als „Geschenk Gottes“.
   Der Vorsitzende des Veranstaltungsausschusses für den Papstbesuch, Stephen Okello, gab bekannt, dass auf dem Besuchsprogramm auch interreligiöse Begegnungen mit Vertretern der Muslime, Hindus und Stammesreligionen vorgesehen seien. Gleichsam werde der Papst auch Vertretern der anderen christlichen Konfessionen begegnen. Im Mittelpunkt stehet die Überwindung der Radikalisierung und der Förderung des gegenseitigen Respekts. Rv151027fides

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Die Reise des Papstes in die „Stadt der Toten“ Foto: Kathedrale Notre-Dame in Bangui, Zentralafrika

   Der Papst wird Ende November nach Afrika reisen. Sein Ziel ist unter anderem am 29. und 30. November die Zentralafrikanische Republik, fast drei Jahre nachdem ein von Muslimen angeführter Aufstand das Land in einen Bürgerkrieg stürzte. Zwischenzeitlich waren die Spannungen und gewalttätigen Ausschreitungen so zahlreich, dass man an dem Papstbesuch zweifelte. Der Erzbischofs von Bangui, Dieudonné Nzapalainga, spricht angesichts der vielen Toten und Verletzten der vergangenen Monate von der Hauptstadt Bangui als einer „Stadt der Toten“, man habe den Eindruck, als würde man mitten im Krieg stehen. Doch die Erwartungen im Lande sind groß.
   Vor Ort ist auch die aus Köln stammende Esther Kurz. Sie ist seit 30 Jahren für humanitäre Organisationen in Afrika im Einsatz und zurzeit Landesdirektorin des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes in der Zentralafrikanischen Republik. Der Flüchtlingsdienst ist seit 2009 in der Zentralafrikanischen Republik tätig. Zurzeit sind insgesamt 20 Angestellte vor Ort. Schwerpunktmäßig arbeiten sie in den Bereichen Bildung und Versöhnung. In einem Interview mit Radio Vatikan erzählt uns Esther Kurz über die Situation im Papstreiseland. Auf die Frage, ob sie diesen Eindruck der „Stadt der Toten“ teilt, sagt sie:
   „Das ist nicht ganz mein Eindruck, aber phasenweise ja. Wenn es zum Beispiel zu bestimmten kriegerischen Auseinandersetzungen in Bangui kommt, zwischen verfeindeten Gruppen, ob Moslem oder nicht Moslem, dann kann man schon zumindest für zwei, drei Tage den Eindruck gewinnen: da wird jetzt eine Säuberung durchgeführt. Aber global gesehen sehe ich es nicht so“.
   In der Zentralafrikanischen Republik leben 4,6 Millionen Menschen. Rund ein Drittel davon sind Katholiken. Das Land ist reich an Bodenschätzen, wie Öl, Gold und Diamanten. Dennoch ist die politische und wirtschaftliche Lage sehr instabil. Seit 2014 sind neben den französischen Truppen auch Friedenstruppen der Vereinten Nationen vor Ort. Der Konflikt in den vergangenen Jahren habe sich von einem ethnischen auf einen religiösen verlagert, so Kurz:
„Dies ist ja ein richtig neues Phänomen. Früher waren es mehrere Konflikte zwischen ethnischen Gruppen und jetzt hat es sich verlagert auf die religiösen Gruppen, was aber für mich so auch eine aufgesetzte, eine künstliche Sache war und ist.“
   In dem Konflikt stehen sich die mehrheitlich muslimisch geprägten Séléka-Milizen und die von Christen dominierten Anti-Balaka gegenüber. Beide Gruppen verübten schwere Menschenrechtsverletzungen und begingen Massaker an der Zivilbevölkerung. Die Spannung zwischen den Religionen konnte erst kürzlich eine Delegation erleben, die im Rahmen der Vorbereitungen der Papstreise die Moschee besuchten, die auch auf Franziskus‘ Besuchs-Programm steht. Dabei begegneten sie Anfeindungen. Die gegen die vatikanische Delegation gerichteten verbalen Drohungen seien kein Einzelfall, berichtet Esther Kurz: „Dadurch, dass wir einen Kindergarten gegenüber der Moschee haben, erlebe ich diese Anfeindungen täglich. Aber ist das denn ein Grund, nicht da hinzugehen? Diese Anfeindungen, die kommen ja von den Gruppen, die eben nicht die moderaten Gruppen sind, sondern ich nenne sie „faschistische“ Gruppen, die den Anspruch haben, mich zu bedrohen. Aber ich denke nicht, dass das der Fall sein wird, wenn der Papst kommt, denn die Sicherheit ist ja auch ein Thema da. Man soll sich nicht unterkriegen lassen, von irgendwem, von einer Minderheit – das ist nämlich eine Minderheit in der muslimischen Bewegung, die so denken“
   Dass der Papst trotz der aktuellen Lage das Land besuchen wird, ist für viele ein Hoffnungszeichen. Gerade der geplante Besuch in der Moschee spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle:
   „Also zunächst mal muss ich großen Respekt davor zeigen, dass der Papst überhaupt den Mut hat, nach Zentralafrika zu kommen. Also ich finde es großartig und ich finde auch, er ist der große Vermittler zwischen den verschiedenen Gruppen. Und er kann da Zeichen setzen. Ich finde das wahnsinnig gut, dass er diesen Mut hat und er wird bestimmt sehr sehr freundlich empfangen von den Muslimen. Weil es gibt ja sehr viele moderate Muslime. Es gibt natürlich auch Muslime, die faschistische und radikale Einstellungen haben, aber es gibt durchaus sehr viele Muslime, die den Besuch des Papstes ganz positiv sehen und ich persönlich auch.“
   So berichtete auch der örtliche Imam Kobine Layama von zahlreichen Anrufen von Moslems, die auf den Besuch des Papstes warten.
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Zentralafrikanische Republik: Kriegszustand in Papstreiseland – Foto: Keine guten Nachrichten vor der Papstreise

   Wenige Wochen vor dem Besuch von Papst Franziskus in der Zentralafrikanischen Republik sind die Nachrichten aus dem Land derzeit alles andere als positiv: Drei Dutzend Tote und hunderte Verletzte gab es bei gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Hauptstadt Bangui. Und eine weitere tragische Meldung: UNO-Blauhelmsoldaten haben Berichten zufolge mindestens drei Demonstranten in der Nähe des Präsidentenpalastes getötet. Weitere sieben Menschen seien in der Hauptstadt Bangui verletzt worden, als die UNO-Blauhelme das Feuer auf mehrere hundert Demonstranten eröffneten, wie ein Krankenhaus-Vertreter am Montag mitteilte. Die erste Reise von Papst Franziskus auf afrikanischem Boden ist für Ende November geplant. In diesem Rahmen steht auch ein Besuch in der Zentralafrikanischen Republik an.
   Der Erzbischof von Bangui, Dieudonné Nzapalainga, spricht von einer „Stadt der Toten“. Man habe den Eindruck, mitten im Krieg zu stehen, beschreibt er die Lage im Gespräch mit Radio Vatikan.
   „Man sieht nur wenige Autos herumfahren. Es gibt viele Barrikaden. Ich selber bin herumgefahren, um Flüchtlinge aufzunehmen und jene zu besuchen, die alles verloren haben. Viele sind in den Pfarreien geflüchtet. Viele flüchten mit Säcken auf dem Kopf weg aus der Stadt.“
   Er selber wisse nicht genau, weshalb es so weit gekommen sei. Jedenfalls sei es in letzter Zeit „zu oft“ zu Fällen von Lynchjustiz gekommen und dies habe wohl zur jetzigen Gewaltspirale geführt.
   „Unschuldige verlieren ihr Leben! Ich habe in den Krankenhäuser sehr viele Verletzte gesehen, auch Tote. Die alle waren unschuldig und haben mit dem jetzigen Krieg nichts zu tun. Es herrschen zu viel Hass und Rachegelüste. Als Kirche verurteilen wir das. Einzig der soziale Zusammenhalt kann zum Frieden führen.“
   Zur Rolle der UNO-Blauhelme sagt Erzbischof Nzapalainga, dass sie wohl überrascht gewesen seien, wie sich die Gewaltspirale plötzlich drehte. Es seien wohl auch ihnen einige Fehler unterlaufen.
   „Es sind zu viele Waffen im Umlauf. Wir Religionsführer des Landes haben einen gemeinsamen Aufruf gestellt, um die Waffen einzusammeln. Es ist, als ob wir auf einem gefährlichen Pulverfass säßen: ein kleiner Funke kann dies alles zur Explosion führen. Wenn nun so viele Bürger hier so viele Waffen herumtragen, kann dies nichts gut verheißen.“
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Vatikanbotschafter in Zentralafrika und die Erwartungen an die Papstreise
Foto:
Ein kleiner Flüchtlingsjunge in Bambari, Zentralafrikanische Republik

   Vom 29-30. November 2015 wird Papst Franziskus die Zentralafrikanische Republik besuchen. Die letzten gewalttätigen Ausschreitungen führten zu Spekulationen, dass der Besuch vielleicht doch ins Wasser fallen könnte. Doch die Erwartungen sind groß in der Bevölkerung, erklärt der Nuntius von Zentralafrika, Franco Coppola.
   „Die Situation ist noch immer sehr angespannt, im Sinne davon, dass die Ausschreitungen von Ende September und Anfang Oktober die Atmosphäre stark getroffen haben, vor allem in der Hauptstadt. Die Auseinandersetzungen sind abgeklungen, aber der Präsident versucht einen Ausweg zu finden, für den Moment, er trifft alle Parteien und hört sich an, was jeder Einzelne zu sagen hat. Aber das ist ein Prozess, der notwendigerweise, Zeit in Anspruch nehmen wird und im Moment gibt es noch keine Lösung. Aber man hat aufgehört zu schießen, das ist schon sehr positiv.“
   Die erneuten Unruhen waren ausgebrochen, als Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza zu den Vereinten Nationen nach New York aufgebrochen war. Ausgelöst wurden die Kämpfe durch den Tod eines muslimischen Mannes, dessen Leichnam in der Nähe einer Moschee zurückgelassen worden war. Die Kirche in dem afrikanischen Staat ist vor allem eine helfende, so Coppola:
   „Die Kirche bietet Schutz und Zuflucht. Das Schöne ist, dass Menschen jeder Konfession hinter den Mauern der Kirche, der Pfarren und der Klöster Schutz suchen. Muslime haben unlängst in der Erzdiözese Schutz gesucht, sie hatten Angst um ihr Leben. Also bietet die Kirche vor allem Schutz und dann versucht sie zu helfen, wo es geht. In der letzten Krise sind rund 40.000 Menschen geflüchtet und standen plötzlich vor dem Nichts. Der Erzbischof war hier sehr engagiert und besuchte alle Flüchtlingslager und brachte ihnen Wörter der Hoffnung und auch konkrete Hilfe, die der Papst von der zentralafrikanischen Kirche schickte.“
   Positive Schlagzeilen hatte das kleine Land zwischen den instabilen Ländern Sudan, Südsudan und Kongo schon lange nicht. Gewaltspirale, Armut, Flucht, Krieg: Nach Einschätzungen der Vereinten Nationen drohe dem Land ein Völkermord. Seit März 2013 leidet die Zentralafrikanische Republik an dem Putsch der Seleka-Rebellen. Morde und Plünderungen der muslimischen Aufständischen hätten zu Vergeltungsaktionen christlicher Milizen geführt. 
    Drei Dutzend Tote und hunderte Verletzte gab es bei aktuellen gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Hauptstadt Bangui. Dann war da auch die Schreckensnachricht der UNO-Blauhelmsoldaten die Berichten zufolge mindestens drei Demonstranten in der Nähe des Präsidentenpalastes getötet haben und dann gibt es da auch die Vorwürfe, dass französische UNO Blauhelme in der Zentralafrikanischen Republik Kinder vergewaltigt haben sollen. Der Besuch von Franziskus soll Hoffnung spenden, betont der Nuntius. Der Friedensprozess soll durch seine Ankunft beschleunigt werden, denn alle religiösen Gruppen würden seinen Besuch erwarten.
   Wahlen seien wichtig für den Demokratisierungsprozess, so der Nuntius. Für die im Oktober geplanten Wahlen seien zehn Millionen Dollar notwendig, die jedoch die internationale Gemeinde derzeit nicht für Zentralafrika habe - auch weil die Aufmerksamkeit auf andere Krisenherde der Welt fokussiert sei. Ein wenig Aufmerksamkeit brauche Zentralafrika, so der Nuntius Coppola, die vielleicht Franziskus mitbringen könne. Rv151021

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Heiliges Jahr: „Vorpremiere“ in Afrika -  Foto: Der Papst beim Angelus

   Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit startet in Zentralafrika etwas früher als im Rest der Weltkirche – das hat sich beim Angelusgebet des Papstes an diesem Sonntag herausgestellt. Franziskus sprach mit einiger Sorge über die jüngsten Gewaltausbrüche in der Zentralafrikanischen Republik; er machte deutlich, dass er an seiner Visite in der Hauptstadt Bangui Ende November festhalten will. Und dann sagte er überraschend:
  
„Ich will die betende Nähe der ganzen Kirche zu dieser so leidgeprüften, gequälten Nation zeigen und alle Zentralafrikaner dazu aufrufen, immer mehr Zeugen der Barmherzigkeit und der Versöhnung zu sein. Darum plane ich, am Sonntag, 29. November, die Heilige Pforte der Kathedrale von Bangui zu öffnen – während der Apostolischen Reise, die ich hoffe, durchführen zu können.“
   Offiziell startet das von Franziskus ausgerufene Heilige Jahr der Barmherzigkeit erst am 8. Dezember in Rom; der Papst wird dazu feierlich die Heilige Pforte des Petersdoms öffnen. Eine afrikanische „Vorpremiere“ zum Heiligen Jahr ist ein absolutes Novum in der Kirchengeschichte. Franziskus will während seiner ersten großen Afrikareise außer der Z entralafrikanischen Republik auch Kenia und Uganda besuchen. Rv151101sk

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Franziskus und die Heilige Pforte der Hoffnung in Zentralafrika
Bangui, die Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik

   Trotz der Unruhen in Zentralafrika will Papst Franziskus sich davon nicht abhalten lassen, das Land Ende November zu besuchen. Am 29. November möchte er in der Kathedrale der Hauptstadt Bangui sogar eine Heilige Pforte öffnen. Die Absicht dieser Vorpremiere des Heiligen Jahres in Afrika kündigte er beim Angelusgebet am Sonntag an. Erzbischof Franco Coppola ist Nuntius in der Zentralafrikanischen Republik und erzählt im Interview mit Radio Vatikan, es seien „sehr schwierige Tage für die Hauptstadt“.
   „Die Unruhen sind auf zwei, drei Viertel Banguis begrenzt. Es ist nicht das gesamte Land oder die gesamte Stadt betroffen, aber die Unruhen haben viel Schaden angerichtet, und Familien mussten ihre Häuser verlassen. Die Milizen brennen systematisch Häuser nieder und plündern diese. Das verursacht viel Leid unter der Zivilbevölkerung, die nichts mit dem Konflikt zu tun hat.“
   Gut hundert Wohnungen seien in Brand gesetzt worden, mehrere Menschen starben. Für das Niederbrennen der Häuser seien Muslime aus dem Stadtviertel PK5 verantwortlich, berichteten Nachrichtenagenturen. Angesichts der Gewalt und Plünderungen seien tausende Einwohner geflüchtet. Was hat ein Papstbesuch in einer solchen Lage zu sagen? Franziskus würde dem Land „eine Stimme geben“ und die Aufmerksamkeit der Welt auf die Ungerechtigkeiten in Zentralafrika lenken, so Erzbischof Coppola.
   „Zu selben Zeit ermutigt er so die Fatima-Pfarrei, die zu einer regelrechten Insel geworden ist: Sie ist von UNO-Blauhelmsoldaten umzingelt, im Inneren gibt dort nur noch drei Priester und einen Seminaristen, dazu aber rund 700 Vertriebene, die dort Zuflucht gefunden haben. Rundherum scheint alles eine Wüste zu sein. Verschiedene Gangs treiben sich herum, die Häuser plündern und niederbrennen. Der Papst will die Vertriebenen ermutigen und ihnen Hoffnung schenken. Er sendet ihnen seine Nähe mit dieser Ankündigung dieses Ereignisses.“
   Die Heilige Pforte in Bangui also die erste sein, die für Menschen zugänglich sein wird - noch vor der Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom am 8. Dezember. Die Freude in Zentralafrika sei groß und kaum in Worte zu fassen, so der Vatikan-Diplomat des Bürgerkriegslandes. „Gleich nach Pfortenöffnung und der darauffolgenden Papstmesse wird eine Buß-Gebetswache stattfinden. Dabei können alle Bewohner von Bangui in einem Geist der Buße durch die Heilige Pforte schreiten, um im Sinn des Heiligen Jahres zu handeln, aber um vor allem auch die Gnade des Geistes der Barmherzigkeit und der Versöhnung zu erhalten, die dieses Land für den Friedensprozess dringend braucht.“
Rv151104no

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Ein Priester der Zentralafrikanische Republik sagt: “Man will unsere Kirche zerstören und uns alle abschlachten”
Foto:
Ein französischer Soldat bewacht die St.Josef-Kathedrale in Bambari (Zentralafrikanische Republik)

   Ein Comboni-Missionar hofft, dass der Besuch von Papst Franziskus “dieses wunderbare Land, das in Blut Blutgetränkt ist”, erneuern wird. Der Priester berichtet von den gewalttätigen Aktion rund um die Kirchengemeinde in der Hauptstadt und erwartet dass der bevorstehende Besuch des Papstes die Herzen des Volkes für die Liebe Gottes öffnet.
   Pater Moses Otii Alir von der Comboni-Missionsgesellschaft beschreibt gestern auf seiner web-site die Gewalt im Umkreis der Fatima-Kirche in Bangui. Papst Franziskus wird Bangui vom 29.-30. November besuchen
   Pater Alier erzählt, eine Gruppe von moslemischen Jugendlichen suchten ein gestohlenes Motorrad; dabei kam es in der Nachbarsachaft einen Zusammenstoß “mit einigen Schägern” aus der Gegend. Drei Muslim wurden dabei getötet, das löste Repressalien aus. “Auf dem Weg zur Kirche plünderten sie und zündeten alle Häuser und Geschäfte an. Sie sammelten sich am Portal der Kirche und wollten unsere Kirche zerstören und alle von uns abschlachten. Einer der zehn UNO-Friedenssoldaten wurde verwundet. Die Kirche und die Unterkünfte von Flüchlingen wird seit 2014 angegriffen. Das Schießen und Abbrennen der Häuser dauerte etwa zehn stunden”, sagte der Pater.
   Am nächsten Tag war die Lage beruhigt – abgesehen von einigen Gewehrschüssen. Pater Alir besuchte mit einigen Soldaten die Umgebung der Kirche. “Was wir dor sahen war schockierend: eine Zerstörung jenseits jeglicher Vorstellung. Die Plündeerung und das Abfackeln der Häuser wurde auch an diesem Abend fortgesetzt, ebenso am 31. Oktober und am 01. November. Im Angelus-Gebet des Papstes auf dem Petersplatz drückte Franziskus seine Solidarität aus mit den Comboni-Pateres der Fatima-Gemeinde in Bangui, und den zahlreichen Flüchtlingen am Ort.”
    “Noch am Mittwoch, dem 04. Januar, war die Gemeinde noch in der Hand der Angreifer und es ist uns kaum möglich, hier herauszukommen.  Die Lage scheint sich nicht zu bessern. Wir wissen nicht, was im nächsten Augenblich passieren wird.”
   Seit 2013 steht das Land unter Gewalt und Aufruhr. Obwohl die Relilgionsführer betonen, dass es sich um einen politischen und ethnischen Konflikt handelt. Aber der Kampf hat Grenzen zwischen den Religionen gezogen: zwischen überwiegend muslimischen bewaffneten Rebellen und ovorwiegend christlichen Milizen. Örtliche Führer der Christen und Muslim, wie auch das Hilfswerk der amerikanischen Bischöfe bringen Menschen aller Religionen zusammen und bemühen sich, den Frieden zu säen.  CT151106CindyWooden

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Die Etappen der nächsten Papstreise: Kenia, Uganda, Zentralafrika

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   Die französische Armeeführung ist äußerst besorgt über den Plan von Papst Franziskus, Ende November die Zentralafrikanische Republik zu besuchen. Nach Angaben von Le Monde versucht sie den Heiligen Stuhl in vertraulichen Gesprächen davon zu überzeugen, diese Etappe der Reise abzusagen. Die Sicherheit des Papstes und seiner Begleiter sei kaum zu gewährleisten, so das Argument der Franzosen. Ein Vertrauter von Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian wird von der Zeitung mit den Worten zitiert: „Wir haben die Sicherheitsverantwortlichen des Papstes darauf hingewiesen, dass das eine Reise unter hohem Risiko wird.“
  
Zentralafrika ist seit zwei Jahren heftigen Spannungen und blutiger Gewalt zwischen muslimischen (Seleka) und christlichen (Anti-Balaka) Milizen ausgesetzt. Außer 9.000 Blauhelmen der UNO sind 900 französische Soldaten vor Ort, um die Lage einigermaßen friedlich zu halten. Frankreich fürchtet, dass der Papstbesuch die Spannungen unter den Volksgruppen ungewollt anheizen könnte. Außerdem sei das Land kaum auf einen Ansturm von Pilgern aus den Nachbarländern vorbereitet. Erzbischof Franco Coppola, Nuntius in der Zentralafrikanischen Republik,
sagte im Interview mit Radio Vatikan vor einer Woche, es seien „sehr schwierige Tage für die Hauptstadt".

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   Die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ nennt den geplanten Besuch von Franziskus in Bangui seine bisher „schwierigste Auslandsmission“. Sie wäre „ein wichtiges Zeichen gegen das Vergessen eines der schlimmsten Krisenherde Afrikas“, erklärt der Verband, der im deutschen Göttingen seinen Sitz hat. Gleichzeitig warnt er aber ebenfalls „vor unkalkulierbaren Risiken für den Pontifex selbst wie auch für Hunderttausende Christen, die aus weiten Teilen des Landes sowie Nachbarstaaten anreisen werden, um mit ihm die Messe zu feiern“. Ein Großereignis wie einen Papstbesuch könnten die in der Hauptstadt Bangui konzentrierten Sicherheitskräfte nicht wirksam schützen. Das hätten die mehreren Dutzend Übergriffe christlich und muslimisch geprägter Milizen gezeigt, bei denen 75 Menschen seit Ende September 2015 getötet wurden. Angesichts wachsender Sicherheitsbedenken sei es fraglich, „ob nicht eine Verschiebung des Papstbesuchs sinnvoller wäre“.
    Franziskus seinerseits will an der Visite in der Zentralafrikanischen Republik festhalten. Die Afrika-Reise ist für 25. bis 30. November  anberaumt, letzte Station ist Bangui. Dort will der Papst unter anderem eine „Pforte der Barmherzigkeit“ in der Kathedrale eröffnen, wenige Tage vor der Eröffnung des Heiligen Jahres in Rom. leMonde151112rv

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Papstreise nach Afrika: Papst hat keine Angst  Foto:  Im Kangemi-Slum von Nairobi

   Sechs Tage, drei Staaten, ein anderer Kontinent: Papst Franziskus reist vom 25. bis 30. November zum ersten Mal in seinem Pontifikat nach Afrika. Der 78-jährige besucht im Zuge seiner elften Auslandsreise Kenia, Uganda und Zentralafrika. Das Programm wurde in einer Pressekonferenz an diesem Donnerstag im vatikanischen Pressesaal im Detail vorgestellt. Rund anderthalb Tage pro Staat wird der Papst zur Verfügung haben ein wie immer ausgesprochen dichtes Programm. Auch diesmal werden es anstrengende Tage für ihn sein, sagte der vatikanische Pressesprecher Pater Federico Lombardi vor den internationalen Medien.
   Besonders interessant werden diesmal die Treffen mit den Jugendlichen, da sie in Afrika eine wirklich andere Realität erleben, betonte der Sprecher. Ein weiterer Akzent wird seiner Ansicht nach auf dem Thema Umweltprobleme in Afrika liegen.
   In Kenia wird der Papst nach einer Begegnung mit der Regierung eine Ansprache am Sitz der UNEP halten (United Nations Environment Programm, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen). Daran schließen sich ein Besuch des Slums in Kangemi sowie das Zusammentreffen mit Jugendlichen im Stadion Kasarani an. Hier sagt Lombardi voraus, dass Studenten bewegende Berichte vortragen werden. Man dürfe nicht vergessen, dass viele katholische Jugendliche vor gar nicht langer Zeit Schreckliches erlebt hätten:
   „Das sind Jugendliche, die in den vergangenen Monaten Furchtbares durchgemacht haben aufgrund des Massakers in Garissa. Im April sind an der dortigen Universität 150 Menschen getötet worden, und ich denke, dass das Risiko der Gewalt spürbar sein wird.“
   Auch in Uganda wird Franziskus zunächst die Regierung treffen, dann will er in der Märtyrerkirche von Maugongo eine Messe halten und schließlich mit Jugendlichen sprechen und sich ihre Geschichten anhören. Auch ein interreligiöses Treffen wird in Uganda stattfinden.
   Die Zentralafrikanische Republik - dritte Station dieser Papstreise - gilt als besonders gefährlich, weil es dort auch jetzt noch immer wieder zu Gewalt in der Hauptstadt Bangui kommt. Dort wird Franziskus Diplomaten und Politiker treffen sowie eine große Messe im Stadion halten.
   Die Terrorattacken von Paris hätten nicht sonderlich viel an den Plänen der jetzigen Reise geändert, betonte Lombardi. Von Anfang an seien die Gefahren klar gewesen, an der Einschätzung der Lage habe sich mit Blick auf Afrika kaum etwas geändert.
   Journalisten wollten vor allem eines wissen: Wie sicher ist denn die Reise in die Zentralafrikanische Republik? Wird Franziskus mit offenem Papamobil durch die Massen fahren? Hat der Papst womöglich Angst? Lombardi antwortete, dass die Situation natürlich dann vor Ort je nach Bedarf auch angepasst werde, aber es seien auch in Zentralafrika Runden mit dem Papamobil vorgesehen.
   „Der Papst ist nicht besonders um seine eigene Sicherheit besorgt. Natürlich gilt in diesen Fällen, dass er an die vielen anwesenden Menschen denkt, und dass die Events voller Freude und Friede sein sollen, statt die Menschen zu beunruhigen. Aber es ist nicht so, dass der Papst vor allem um seine Sicherheit Angst hat.“ Rv151119no

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Papst in Afrika: Das ausführliche Programm

Hier finden Sie das ausführliche Programm der Papstreise nach Kenia, Uganda und die Zentralafrikanische Republik vom 25. – 30. November. Die Gelegenheiten, bei denen Franziskus eine Ansprache bzw. Predigt hält, sind mit einem Stern * markiert.
Mittwoch, 25. November 2015
07.45 Uhr Abflug vom Flughafen Rom-Fiumicino nach Nairobi, Kenia
17.00 Uhr Landung auf dem Internationalen Flughafen Nairobi-Jomo Kenyatta und Begrüßungszeremonie im State House
18.00 Uhr Höflichkeitsbesuch beim Staatspräsidenten im State House in Nairobi
18.30 Uhr Begegnung mit den Vertretern der Regierung und des öffentlichen Lebens Kenias, sowie mit dem Diplomatischen Korps *
Donnerstag, 26. November 2015
08.15 Uhr Interreligiöse und ökumenische Begegnung im Salon der Apostolischen Nuntiatur in Nairobi *
10.00 Uhr Eucharistiefeier auf dem Campus der Universität Nairobi *
15.45 Uhr Begegnung mit dem Klerus, den Ordensleuten, Seminaristen auf dem Sportplatz der St Mary’s School *
17.30 Uhr Besuch des Büros der Vereinten Nationen in Nairobi (UNON) *
Freitag, 27. November 2015
08.30 Uhr Besuch im Elendsviertel Kangemi in Nairobi *
10.00 Uhr Begegnung mit Jugendlichen im Kasarani-Stadion *
11.15 Uhr Begegnung mit den Bischöfen von Kenia im VIP-Saal des Stadions
15.10 Uhr Abschiedszeremonie auf dem internationalen Flughafen Nairobi-Jomo Kenyatta
15.30 Uhr Abflug von Nairobi nach Entebbe
16.50 Uhr Landung auf dem Internationalen Flughafen von Entebbe in Uganda
17.30 Uhr Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten im State House in Entebbe
18.00 Uhr Begegnung mit den Vertretern der Regierung und des öffentlichen Lebens, sowie mit dem Diplomatischen Korps im Konferenzsaal des State House
19.15 Uhr Besuch in Munyonyo und Begrüßung der Katecheten und Lehrer
Samstag, 28. November, 2015
08.30 Uhr Besuch des anglikanischen Märtyrerheiligtums von Namugongo
09.00 Uhr Besuch des katholischen Märtyrerheiligtums von Namugongo
09.30 Uhr Eucharistiefeier für die Märtyrer Ugandas auf dem Areal des katholischen Heiligtums *
15.15 Uhr Begegnung mit Jugendlichen auf dem Kololo Air Strip, Kampala*
17.00 Uhr Besuch des Caritasheims von Nalukolongo *
18.00 Uhr Begegnung mit den Bischöfen von Uganda am Erzbischofsitz
19.00 Uhr Begegnung mit den Priestern, Ordensleuten und Seminaristen in der Kathedrale *
Sonntag, 29. November 2015
09.00 Uhr Abschiedszeremonie auf dem Flughafen von Entebbe
09.15 Uhr Abflug von Entebbe nach Bangui in der Zentralafrikanischen Republik
10.00 Uhr Landung auf dem internationalen Flughafen Banguy-M'Poko und  Begrüßungszeremonie
11:00 Uhr Höflichkeitsbesuch bei der Interimspräsidentin im Präsidentenpalast „de la  Renaissance "
11.30 Uhr Begegnung mit der Führungsschicht und dem Diplomatischen Korps *
12.15 Uhr Besuch eines Flüchtlingslagers
13.00 Uhr Begegnung mit den Bischöfen der Zentralafrikanischen Republik
16.00 Uhr Begegnung mit den evangelischen Gemeinden am Sitz der FATEB (Evangelisch-theologische Fakultät Bangui) *
17.00 Uhr Eucharistiefeier mit Priestern, Ordensleuten, Katecheten und Jugendlichen in der Kathedrale von Bangui *
19.00 Uhr Beichte einiger Jugendlicher und Auftakt der Gebetsvigil auf dem Feld vor der Kathedrale *
Montag, 30. November 2015
08.15 Uhr Begegnung mit der muslimischen Gemeinde in der Moschee von Koudoukou in Bangui *
09.30 Uhr Eucharistiefeier im Stadion der Sportanlage Barthélémy Boganda *
12.15 Uhr Abschiedszeremonie auf dem Internationalen Flughafen Bangui-M'Poko
12.30 Uhr Abreise mit dem Flugzeug nach Rom
18.45 Uhr Landung auf dem Flughafen Rom-Ciampino
                         rv151120sk

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Franziskus kommt und bringt Hoffnung – Foto: Die Kathedrale von Bangui wird Papst Franziskus besuchen.

   Die 11. Auslandsreise naht.  Während Europa von Kriegsszenarien berichtet, reist Papst Franziskus nach Afrika. Er besucht von 25. bis 30. November  Kenia, Uganda und die Zentralafrikanische Republik. Länder die Kriegsszenarien kennen, die von Flüchtlingsproblematiken betroffen sind – in anderen Ausmaßen als in der europäischen Welt. Don Mathieu Bondobo ist Rektor der Kathedrale von Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, die Papst Franziskus am 29. November besuchen wird. Franziskus eröffnet dort das erste „Tor“ für das Heilige Jahr der Barmherzigkeit - noch zehn Tage vor der offiziellen Eröffnung im Petersdom eröffnet. Für Don Bondobo ist klar, warum der Papst die Zentralafrikanische Republik als Zielort wählte: „Er hat die Zentralafrikanische Republik gewählt, ein Land, das einen schwierigen Moment in der eigenen Geschichte erlebt – im Zentrum von Afrika.“
   Es sei ein Zeichen von Franziskus genau dorthin zu gehen, wo er benötigt werde ,nämlich an den Peripherien, betont Don Bondopo. Die Öffnung der Heiligen Pforte sei eine „sich realisierende Hoffnung“, so der Geistliche. Die Nachricht von Franziskus soll vor allem Frieden bringen, in einem Land, wo Frieden ein seltenes Gut sei. Mit seiner bisher schwierigsten Auslandsmission will der Papst in Zentralafrika trotz anhaltender Konflikte für Verständigung und Versöhnung zwischen den Menschen werben.
   „Jeden Tag sterben Menschen, sie haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren, es gibt Menschen , die haben ihre Häuser abbrennen gesehen, Kinder, die nicht in die Schule gehen können, verletzte Menschen. Und deswegen ist die Situation in Zentralafrika schrecklich. Ich wünsche mir für das Land Frieden. Ich glaube wirklich daran. Ich glaube, dass der Besuch von Papst Franziskus ein guter Startpunkt sein könnte, eine neue Seite, die wir für Zentralafrika schreiben.“   Große Hoffnung setzt er vor allem auf die Öffnung der Heiligen Pforte, die erste die in Bangui in der Geschichte existieren wird.  Franziskus wird bei seiner letzten Etappe der Afrikareise in Bangui auch eine Moschee besuchen und auf die muslimische Gemeinde von Koudoukou treffen.  Rv151122no

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Kenia: Junge Leute, alte Probleme -  Foto: Strassenszene in Nairobi

   Um 17:00 Ortszeit landet Papst Franziskus in Nairobis Hauptstadt Kenia. „Aufregung, Erwartung und viel Freude“ erwarten ihn dort, berichtet David Omwoyo, Pressechef der katholischen Bischofskonferenz von Kenia. Das ostafrikanische Land steht in diesen Jahren vor vielen Herausforderungen – von politischen Krisen und Korruption bis hin zu Terroranschlägen der vom Nachbarland Somalia aus operierenden Shabaab Miliz. Omwoyo hofft nun auf eine Art nationalen Heilungsprozess: „Denken Sie an die Zeit, als der Papst anfing, über die Herausforderungen der kenianischen Kirche zu reflektieren, und als er von seiner Absicht sprach, das Land sobald wie möglich zu besuchen – das war nach den Terror-Angriffen!“ Damit meint Omwoyo das Massaker an der Universität Garissa vom letzten April - als Shabaab-Kämpfer 148 christliche Studenten hinrichteten.
   „In diesem Moment fühlte sich die Kirche richtiggehend verfolgt, und der Papst wollte kommen und seine Solidarität gegenüber den Menschen hier zeigen. Und dann, im Laufe der Zeit, als der Reiseplan konkreter wurde, wurde auch klar, wie dringend es ist, religiöse  und politische Führer für eine nationale Aussöhnung und einen internen Friedensprozess zusammenzubringen. Und wie dringend es auch ist, Solidarität mit den jungen Leuten zu zeigen.“ Die Jugendlichen stellen nämlich mittlerweile etwa siebzig Prozent der Bevölkerung Kenias.
  Zwei Jahre vor dem Terror-Angriff auf die Universität hatte es in Nairobi einen Terrorangriff auf ein Einkaufszentrum gegeben; dabei starben mitten in der Hauptstadt 67 Menschen. Dass die Shabaab immer wieder in Kenia zuschlagen, hängt mit Kenias militärischem Eingreifen in Somalia zusammen. Die Terrorangriffe haben Präsident Kenyatta derart in Bedrängnis gebracht, dass er über den Bauer einer Grenzmauer zu Somalia nachdenkt. 
   Doch Omwoyo hat den Eindruck, dass sich die Lage augenblicklich etwas gebessert hat. Die Polizei arbeite effizienter, und schon länger habe es keinen Terroranschlag und keine politsche Gewalt im Land mehr gegeben. „Kenia ist sehr sicher im Moment ... es zählt zu einem der sichersten Länder des afrikanischen Kontinents“, behauptet er .
   Ein Drittel der 44 Millionen Kenianer bekennen sich nach vatikanischen Angaben zur katholischen Kirche. Sie ist vor allem im Bildungssektor und in der Gesundheitsvorsorge sehr engagiert, betont Omwoyo. Die knapp 14 Millionen kenianischen Katholiken verteilen sich nach jüngsten Zählungen auf 925 Pfarreien und 6.542 weitere pastorale Zentren. Die Zahl der Diözesan- und Ordenspriester beläuft sich auf fast 2.750. Hinzu kommen mehrere tausend Seminaristen.
Rv151125no

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Franziskus: Ermutigung zur Transparenz   - Foto: Papst Franziskus bei seiner Ankunft in Nairobi

   Papst Franziskus spricht in Nairobi die Korruption des Landes an und ruft die Vertreter der Regierung und des öffentlichen Lebens zu Transparenz auf. Kurz nach der offiziellen Begrüßung in Kenia hat Papst Franziskus direkt seinen ersten Termin wahrgenommen. Er traf über 3.000 Vertreter der Regierung und des öffentlichen Lebens Kenias sowie das Diplomatischen Korps. Ebenfalls anwesend waren Vertreter der Wirtschaft und der Kultur.
   Franziskus betonte die Schönheit des Landes und die unerschöpflichen Ressourcen des Landes. Er erinnerte die Führungsschicht eben jenes Landes an die Verantwortung, die sie tragen - nicht zuletzt auch für verantwortliche Modelle des Wirtschaftswachstum. Darin bestehe auch eine Verbindung zum Umweltschutz und zum Aufbau einer gerechten und fairen Gesellschaftsordnung, betonte Franziskus. „Die Erfahrung zeigt, dass Gewalt, Konflikt und Terrorismus durch Angst, Misstrauen und durch die Verzweiflung genährt werden, die aus Armut und Frustration entspringt. Letztlich muss der Kampf gegen diese Feinde des Friedens und des Wohlstands von Männern und Frauen geführt werden, die unerschrocken an die großen geistigen und politischen Werte, welche die Geburt der Nation inspirierten, glauben und sie ehrlich bezeugen.“
   Eben jener Kampf, den Papst Franziskus hier ansprach, der Kampf gegen Armut, Spaltungen, Angst und Misstrauen, liege in der Verantwortung der Führungsschicht Kenias, also der Adressaten seiner Rede. Franziskus scheute sich auch nicht, indirekt die Korruption in Kenia anzusprechen. „In diesem Sinn ermuntere ich Sie, mit Rechtschaffenheit und Transparenz für das Gemeinwohl zu arbeiten und in allen Gesellschaftsschichten einen Geist der Solidarität zu fördern. Ich bitte Sie insbesondere, eine aufrichtige Sorge für die Bedürfnisse der Armen und die Bestrebungen der Jugendlichen erkennen zu lassen und für eine gerechte Verteilung der natürlichen und menschlichen Ressourcen zu sorgen, mit denen der Schöpfer Ihr Land gesegnet hat.“
   Mit menschlichen Ressourcen meinte Papst Franziskus vor allem die Jugend im Land. Kenia ist ein sehr junges Land, 42 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre. Bereits in seiner Videobotschaft an Kenia hatte Papst Franziskus die Jugend des Landes hervorgehoben.  „Sie zu schützen, in sie zu investieren und ihnen eine helfende Hand zu reichen, ist die beste Weise, wie wir eine Zukunft sichern können, die der Weisheit und der geistigen Werte ihrer Vorfahren würdig ist – Werte, die das eigentliche Wesen eines Volkes ausmachen.“ Papst Franziskus wird Jugendliche des Landes am Freitag Vormittag im Kasarani-Stadion besuchen. Ein Highlight seines Kenia- Aufenthalts, wie er selber in der Videobotschaft sagte.
   Vor seinem Treffen mit den Vertretern der Regierung und des öffentlichen Lebens wurde Papst Franziskus mit 21 Kanonenschüssen und militärischen Ehren an diesem Mittwochnachmittag im State House des Staatspräsidenten von Kenia, Uhuru Kenyatta, begrüßt. Während der Papst sich zu einem Gespräch mit dem Präsidenten in dessenprivaten Räume zurückzog, traf sich die vatikanische Delegation, also die Kardinäle Parolin, Filoni, Turkson und Erzbischof Becciu, zu einem bilateralen Gespräch mit einer kenianischen Delegation.
Rv151125pdy

Bischöfe Afrikas schicken dem Papst Willkommensbotschaft
   Die Bischöfe Afrikas haben Papst Franziskus eine Willkommensbotschaft übermittelt. Sie betonen darin die Bedeutung der Familie in der afrikanischen Gesellschaft und die Notwendigkeit von Frieden, gerade in Regionen, in denen derzeit Terror und gewalttätige Konflikte herrschen. Der Besuch des Papstes in Afrika werde „das Vertrauen unserer Leute in die Kirche als Familie Gottes“ stärken, so die Bischöfe. 
   Sie verurteilen die terroristischen Akte in Afrika, die vor allem von der Islamistengruppe Boko Haram in Nigeria und angrenzenden Ländern begangen werden, und rufen alle Kämpfer „im Namen Gottes“ dazu auf, die Waffen niederzulegen und den „Weg des Dialogs und des Friedens“ einzuschlagen, besonders mit Blick auf die nachkommenden Generationen.
Rv151125ma

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Papst Franziskus vor Vertretern der kenianischen Regierung  Foto: Franziskus vor der Führungsschicht Kenias

Papst Franziskus Begegnung mit Vertretern der Regierung und des öffentlichen Lebens sowie mit dem diplomatischen Korps in Nairobi, State House, am 25. November 2015. Wir dokumentieren im Wortlaut. 
Herr Präsident,
ehrenwerte Vertreter der Regierung und des öffentlichen Lebens,
sehr geehrte Mitglieder des Diplomatischen Corps, liebe Mitbrüder im Bischofsamt, meine Damen und Herren,
   ich bin sehr dankbar für Ihren herzlichen Empfang bei diesem meinem ersten Besuch in Afrika. Ich danke Ihnen, Herr Präsident, für Ihre freundlichen Worte im Namen des kenianischen Volkes und ich freue mich auf meinen Aufenthalt bei Ihnen. Kenia ist eine junge und lebenssprühende Nation, eine sehr vielfältige Gesellschaft, die in der Region eine bedeutende Rolle spielt. In vieler Hinsicht ist Ihre Erfahrung der Gestaltung einer Demokratie die gleiche wie in vielen anderen afrikanischen Nationen. Wie Kenia arbeiten auch diese daran, auf den soliden Fundamenten der gegenseitigen Achtung, des Dialogs und des Zusammenwirkens eine multiethnische Gesellschaft aufzubauen, die wirklich harmonisch, gerecht und inklusiv ist.
   Ihre Nation ist auch eine Nation junger Menschen. Ich freue mich darauf, in diesen Tagen vielen von ihnen zu begegnen, mit ihnen zu sprechen und sie in ihren Hoffnungen und Bestrebungen für die Zukunft zu ermutigen. Die Jugendlichen sind die wertvollste Ressource jeder Nation. Sie zu schützen, in sie zu investieren und ihnen eine helfende Hand zu reichen, ist die beste Weise, wie wir eine Zukunft sichern können, die der Weisheit und der geistigen Werte ihrer Vorfahren würdig ist – Werte, die das eigentliche Wesen eines Volkes ausmachen.
   Kenia ist nicht allein durch eine unermessliche Schönheit in seinen Bergen, Flüssen und Seen, seinen Wäldern, Savannen und Halbwüsten gesegnet, sondern auch durch einen Überfluss an natürlichen Ressourcen. Das kenianische Volk hat einen starken Sinn für diese gottgegebenen Schätze und ist bekannt für eine Kultur des Bewahrens, die Ihnen alle Ehre macht. Die schwere Umweltkrise, mit der unsere Welt konfrontiert ist, verlangt eine immer größere Sensibilität für den Zusammenhang zwischen Mensch und Natur. Wir tragen eine Verantwortung dafür, die Schönheit der Natur in ihrer Unversehrtheit an die kommenden Generationen weiterzugeben, und sind verpflichtet, die erhaltenen Gaben in rechter Weise zu verwalten. Diese Werte sind tief in der afrikanischen Seele verwurzelt. In einer Welt, die fortfährt, unser gemeinsames Haus eher auszubeuten, als es zu schützen, müssen sie die Bemühungen nationaler Leader um die Förderung verantwortlicher Modelle des Wirtschaftswachstums inspirieren.
   Tatsächlich besteht eine deutliche Verbindung zwischen dem Umweltschutz und dem Aufbau einer gerechten und fairen Gesellschaftsordnung. Es kann keine Erneuerung unserer Beziehung zur Natur geben ohne eine Erneuerung der Menschheit selbst vgl. Laudato si’, 118. In dem Maße, in dem unsere Gesellschaften ethnische, religiöse oder  wirtschaftliche Spaltungen erleben, sind alle Menschen guten Willens aufgefordert, für Versöhnung und Frieden, Vergebung und Heilung zu arbeiten. Bei der Bemühung, eine gesunde demokratische Ordnung zu schaffen und Zusammenhalt und Integration, Toleranz und Achtung gegenüber anderen zu stärken, muss die Verfolgung des Gemeinwohls ein Hauptziel sein. Die Erfahrung zeigt, dass Gewalt, Konflikt und Terrorismus durch Angst, Misstrauen und durch die Verzweiflung genährt werden, die aus Armut und Frustration entspringt. Letztlich muss der Kampf gegen diese Feinde des Friedens und des Wohlstands von Männern und Frauen geführt werden, die unerschrocken an die großen geistigen und politischen Werte, welche die Geburt der Nation inspirierten, glauben und sie ehrlich bezeugen.
   Meine Damen und Herren, die Förderung und Bewahrung dieser großen Werte ist in besonderer Weise Ihnen, den Leaders des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens Ihres Landes anvertraut. Das ist eine große Verantwortung, eine wahre Berufung im Dienst des gesamten kenianischen Volkes. Das Evangelium sagt uns, dass von denjenigen, denen viel anvertraut wurde, viel verlangt wird (vgl. Lk 12,48). In diesem Sinn ermuntere ich Sie, mit Rechtschaffenheit und Transparenz für das Gemeinwohl zu arbeiten und in allen Gesellschaftsschichten einen Geist der Solidarität zu fördern. Ich bitte Sie insbesondere, eine aufrichtige Sorge für die Bedürfnisse der Armen und die Bestrebungen der Jugendlichen erkennen zu lassen und für eine gerechte Verteilung der natürlichen und menschlichen Ressourcen zu sorgen, mit denen der Schöpfer Ihr Land gesegnet hat. Ich versichere Sie der ständigen Bemühungen der Gemeinschaft der katholischen Christen, durch ihre  Bildungseinrichtungen und ihre karitativen Werke ihren besonderen Beitrag auf diesen Gebieten zu leisten.
   Liebe Freunde, man hat mir gesagt, dass es hier in Kenia bei den kleinen Schulkindern Tradition ist,  Bäume für die Nachwelt zu pflanzen. Möge dieses beredte Zeichen der Hoffnung auf die Zukunft und des Vertrauens auf das von Gott gegebene Wachstum Sie alle in Ihren Bemühungen unterstützen, auf dem Boden dieses Landes und überall auf dem großen afrikanischen Kontinent eine Gesellschaft der Solidarität, der Gerechtigkeit und des Friedens zu fördern. Ich danke Ihnen nochmals für Ihren herzlichen Empfang und rufe auf Sie und Ihre Familien sowie auf das ganze geschätzte kenianische Volk den reichen Segen des Herrn herab.Mungu abakiri Kenya!   (Gott segne Kenia!)

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UNO-Umweltprogramm in Nairobi: Papst setzt Zeichen Foto: Achim Steiner leitet das UNO-Umweltprogramm

   In Kenia wird der Papst nach einer Begegnung mit der Regierung eine Ansprache am Sitz der UNEP halten (United Nations Environment Programm, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen). Daran schließen sich der Besuch eines Slums in Kangemi sowie das Treffen mit Tausenden Jugendlichen im Stadion Kasarani an. Er wird eine Messe auf einem Uni-Campus halten sowie an einem interreligiösen Treffen teilnehmen. Am Freitag fliegt Franziskus weiter nach Uganda. Rv151125no

   Franziskus besucht am zweiten Tag seiner elften apostolischen Reise den Hauptsitz von UNEP, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen in Nairobi. Seine Rede wird mit Spannung erwartet. Immerhin hat seine päpstliche Enzyklika „Laudato si'“ sich keinem anderen Thema als dem Umweltschutz  – dem Schutz „unseres gemeinsamen Hauses“ – gewidmet.  Frieden und Umwelt – das sind für den Papst wie für die Vereinten Nationen entscheidende Punkte, betont Michele Candotti, Beirat des Exekutivdirektors von UNEP, im Interview mit Radio Vatikan. Dass UNEP, welche 1972 bei der ersten UNO-Konferenz über Umwelt in Stockholm gegründet wurde, sich im Herzen von Afrika befindet, sei ganz und gar nicht grundlos.
   „Das Interessante ist: Als die Entscheidung 1972 getroffen wurde, war sie auch an die äußerst komplexe koloniale Vergangenheit des Landes gebunden; man sah auf Afrika, ein geographisches Gebilde aus über fünfzig Ländern, mit den Hoffnungen dieser Zeit. Heute hat Afrika noch einen weiteren Aktivposten: Kaum ein anderer Kontinent kann noch eine derartige Biodiversität (biologische Vielfalt) und Primärwälder vorweisen! Und hier tut sich eine Schwierigkeit auf: Einerseits gilt es, die Ressourcen zu schützen, andererseits muss man aber auch dem Wunsch der Bevölkerung nach Entwicklungschancen nachzukommen.“
   Der Besuch des Papstes sei ein wichtiges Symbol. Er zeige vor allem sein Engagement für den Umweltschutz, den Schutz unseres Planeten. Auch der Moment des Besuchs sei äußerst passend, betont Candotti. In einer so angespannten Situation mit ethnischen Konflikten, Terrorismus und politischen Spannungen könne der Besuch für eine gefühlte Trendwende sorgen. Es sei kein Zufall, dass nahezu alle jungen Menschen Afrika verlassen wollen.
   „Wir sind verantwortlich für die Neugeburt von Afrika. Einerseits müssen wir sie unterstützen und andererseits auch behüten. Wir müssen den Afrikanern zur Seite stehen, wenn es darum geht der Jugend eine Zukunft zu bieten. Das ist vielleicht überhaupt das Wichtigste von allem: Afrika ist der jüngste Kontinent, den es gibt.“
   Papst Franziskus besucht das Büro der Vereinten Nationen in Nairobi am Donnerstagnachmittag. Der Deutschbrasilianer Achim Steiner ist seit dem 15. Juni 2006 Exekutivdirektor von UNEP.  Rv151125no

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Hohe Erwartungen in Afrika an den Papst  -  Foto: Messe im Flüchtlingslager von Bangui

   Junge Afrikaner wünschen sich vom Papst
ein deutliches Statement gegen Korruption, Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung: Das ist der Tenor der afrikanischen Presse am ersten Tag des Besuchs. Die kenianische Hauptstadt Nairobi ist bereits voll von Plakaten mit der Aufschrift „Karibu Francesco“, was „Willkommen Franziskus“ auf Suaheli heißt. Wie die kenianische
Tageszeitung The Standard schreibt,  erwarten sich 75 Prozent der Kenianer vom Papst einen  „Aufruf für friedliches Zusammenleben“ und „für stärkeres Verantwortungsbewusstsein der Politiker“.
Moira Njade aus Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, schreibt auf Twitter, dass sie die Geste des Papstes beeindrucke, nicht nur Bangui zu besuchen, sondern auch die Moschee von Koudoukou, „wohin sich niemals ein Staatschef hinwagen“ werde. Andere Stimmen Zentralafrikas aus dem Internet hoffen auf Worte des Papstes zur Versöhnung und zum „Ende der Straffreiheit für die Verantwortlichen schwerer Verbrechen“. Ugandas Homosexuelle wünschen sich vom Papst eine Erweiterung des „Konzepts von Toleranz und dem Zusammenleben aller“. Rv151125ma

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Pilgerfahrt nach Afrika. Lange stand die Reise auf der Kippe.
 Doch Franziskus schlug die Sicherheitsbedenken in den Wind und besucht Kenia, Uganda und Zentralafrika.

   Vor dem Apostolischen Palast in Vatikan hängt ein großer gelber Ballon, auf dem Papst Franziskus eine „Gute Reise" gewünscht wird. Dabei hätten die Sicherheitsdienste seine sechstägige Pilgerfahrt nach Afrika gerne verhindert. Und danach sah es zunächst aus; denn über Monate bestätigte der Heilige Stuhl die schon lange angekündigte Reise nach Kenia, Uganda und in die Zentralafrikanische Republik nicht. Dann aber baten bei der Vorbereitung der jüngsten Familiensynode schwarzafrikanische Bischöfe den Papst, nicht auf die Sicherheitswarnungen zu hören, sondern nach Albanien und Südkorea endlich auch Afrika zu besuchen. Nach den Terroranschlägen in Paris hatte der Sicherheitschef des Vatikans nochmals versucht, den Papst davon abzuhalten. Aber der 78 Jahre alte Argentinier stellte dem Vernehmen trotzig fest: Jetzt erst recht.
   In einer Videobotschaft kündigte Franziskus am Dienstag an, er werde als Diener des Evangeliums nach Afrika kommen und dabei Jesu Botschaft der Versöhnung, des Vergebens und Friedens mitbringen. Auch wenn er vornehmlich die katholische Kirche stärken wolle, so wünsche er doch, „alle Menschen" und vor allem die Armen und Bedürftigen auf seinem Reiseweg zu treffen. Er wolle ihnen sagen, dass Frau und Mann die gleichen Rechte hätten, und dazu aufrufen, in den Familien Frieden zu halten. Schließlich richtete sich der Papst in seiner Videobotschaft an alle Menschen, die an Gott glauben, „an welchen auch immer", und forderte sie auf, sich gegenseitig Respekt zu zollen. Der Papst wollte deutlich machen, dass seine Kirche zum Dialog bereit ist und erst recht als Märtyrerkirche stark bleibe. Weiter sagte dieser Tage der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, Franziskus werde „seinen Aufruf zur Toleranz an alle Religionen erneuern". Die Anhänger der Religionen sollten endlich einen Weg finden, brüderlich nebeneinander leben könnten.
  
Der Papst wird viele zehntausend Menschen auf einem Kontinent sehen, auf dem die Kirche - mit derzeit wohl 180 Millionen Katholiken - wächst und nicht mehr von europäischen Missionaren aufgebaut, sondern von eigenen Kirchenleuten geprägt wird. Auch bei der jüngsten Familiensynode traten schwarzafrikanische Kardinäle hervor. Gegenüber dieser Zeitung sagte der Chef der Lituigiekongregation aus Ghana, Kardinal Robert Sarah, natürlich lenke weiterhin die europäische Theologie das Denken der Priester in Afrika; aber der afrikanische Glaube sei im Vergleich dazu neu und frisch. Der ebenfalls aus Ghana stammende Chef des päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Peter Turkson, befand im Gespräch mit dieser Zeitung, es sei extrem wichtig, dass der Papst komme. Die Kirche könne in Afrika |ür mehr Stabilität sorgen, im Falle gescheiterte Regime Aufgaben im Bildungssektor ersetzen und so dazu beitragen, dass nicht weiter junge
Menschen nach Europa fliehen, „wo wir doch jeden einzelnen von ihnen zum Aufbau brauchen und nicht einen von ihnen vermissen können". Bei der Familiensynode wurde auch deutlich, dass der afrikanische Klerus andere Probleme hat als die Zulassung wieder verheirateter Geschiedener zur Eucharistie. Turkson beklagte die Vielehe und das Konkubinat vieler junger Leute schon vor der Ehe sowie die große Zahl von Aids-Kranken.
   In Kenias Hauptstadt Nairobi wird Franziskus am Donnerstag eine Messe unter freiem Himmel feiern und den Slum von Kangemi besuchen, wo rund 100 000 Menschen ohne festem Dach über dem Kopf leben. Dort gebe es in vielen Hütten ein Radiogerät, wo alltäglich die päpstliche Botschaft gehört werde und wo man sich von „Bruder Franziskus" Hilfe erhoffe, sagte ein örtlicher Priester gegenüber Radio Vatikan. Die Kluft zwischen Reichtum und Armut sei der beste Nährboden für Gewalt und Terror.
   In Uganda wird Franziskus am Samstag anglikanischer und katholischer Märtyrer gedenken, die Ende des 19. Jahrhunderts wegen ihres Glaubens bei lebendigem Leib verbrannt wurden. Weiter wolle der Papst in dem Land angesichts des Reichtums an Rohstoffen, der aber den meisten nicht zugutekommt, über soziale Gerechtigkeit reden, heißt es. Schließlich wird Franziskus in Bangui erwartet, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, eines der ärmsten und immer wieder von Gewalt zwischen Christen und Muslimen erschütterten Länder Afrikas. Hier ist jeder Fünfte auf der Flucht. Blauhelmsoldaten sollen für Franziskus' Sicherheit sorgen. In Bangui will Franziskus eine Moschee besuchen, um zu zeigen, dass der Islam eine verehrungswürdige Religion bleibt. Franziskus wird ein christliches Flüchtlingslager besuchen und mit evangelischen Gemeinden sprechen, bevor er zum Abschluss seiner Reise eine Messe zelebrieren wird. In Afrikas Peripherie von Bangui will er dabei schon einmal das Heilige Jahr der Barmherzigkeit beginnen und in der Kathedrale die erste „Heilige Pforte" öffnen.
FAZ15112JörgBremer

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Papst an Priester und Ordensleute und Seminaristen: Dient, Dient, Dient!

   Den anderen dienen und sich nicht von anderen bedienen lassen: das ist die richtige Haltung für Priester und Ordensleute. Papst Franziskus kam bei seiner Begegnung mit ihnen in Nairobi auf eines seiner Lieblingsthemen für Kleriker zurück. Die vorbereitete Rede legte er gleich eingangs beiseite und sprach frei auf Spanisch, sein bewährter Übersetzer aus dem Staatssekretariat, Monsignore Mark Miles, dolmetschte auf Englisch.
   „Was bedeutet es, erwählt zu sein? Ich wurde angesehen, ich wurde gewählt“, begann Franziskus seine mit witzigen Bemerkungen und Applaus durchsetzte Rede, die gleichwohl auch kritische Töne enthielt. So wandte er sich gegen den Typus des Karrierepriesters und der Ordensfrau, die dem Ruf Jesu aus weltlichem Interesse folgt. „Erinnern wir uns an die Mutter von Jakob und Johannes: Herr, ich möchte dich bitten, wenn du die Torte anschneidest, gibt das größte Stück meinen Söhnen. Den einen zu deiner rechten, den anderen zu deiner Linken“, erinnerte Franziskus. „Es gibt die Versuchung, dem Herrn aus Ehrgeiz zu folgen. Doch im Leben eines Menschen, der Jesus folgt, ist kein Platz für Ehrgeiz, weder nach Reichtum noch nach dem Bestreben, eine wichtige Person zu sein.“ Und mit einem Witz fuhr er fort: „Alles was ihr tun müsst, ist Jesus bis ans Kreuz zu folgen, für die Auferstehung sorgt dann schon er selbst!“
  
Die Kirche sei kein Business und keine Nichtregierungsorganisation: „die Kirche ist ein Geheimnis. Das Geheimnis des Angeschaut-Werdens von Christus.“ Klar sei natürlich, dass Jesus einen Mann oder eine Frau, die er beruft, „nicht gleich heiligspricht.  Wir sind immer noch dieselben Sünder.  Aber uns rettet  die Zärtlichkeit und die Liebe Jesu.“
   „Jeder, der sich von Jesus erwählen ließ, ist dazu gerufen, zu dienen“, schärfte der Papst den Priestern, Ordensleuten und Seminaristen ein: dem Volk Gottes zu dienen. Den Ärmsten, den Ausgeschlossenen, den Kindern und den Alten, den Leuten, die sich ihres eigenen Stolzes überhaupt nicht bewusst sind.“ Und der Papst erwähnte als abschreckendes Beispiel ein Treffen mit Priestern vor einem Jahr. „Während dieser Exerzitien gab es jeden Tag einen Altardienst nach dem Rotationsprinzip. Einige Priester beklagten sich: Nein, wir müssen doch bedient werden! Wir können doch bezahlen dafür, dass ein anderer den Altardienst macht! Bitte! Niemals, niemals so etwas in der Kirche!“, bat Franziskus eindringlich.
   Am Schluss sprach er den Priestern und Ordensleuten einen bewegenden Dank aus: „Danke für die Nachfolge Jesu. Für jedes Mal, wenn ihr euch als Sünder fühlt. Für jede Geste der Zärtlichkeit an jenen, die es brauchen. Für jedes Mal, wenn ihr Sterbende in Frieden begleitet habt. Danke dafür, dass ihr euch helfen und korrigieren lasst. Und ich bitte euch, vergesst nicht für mich zu beten, weil ich es brauche.“
  Rv151126gs

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Papstmesse in Kenia: „Würde jedes Mannes und jeder Frau verteidigen" Foto: Am Rand der Messe in Nairobi

   Hunderttausende Menschen haben am Donnerstagmorgen an der ersten Messe von Papst Franziskus in Afrika teilgenommen. Der Papst, der am Mittwoch in Kenias Hauptstadt Nairobi eingetroffen ist, feierte die Messe auf dem Campus der Universität; trotz strömenden Regens gaben unzählige Gläubige mit Tänzen und Gesängen dem Gottesdienst einen freudigen Akzent. In der ersten Reihe saß Kenias Präsident Uhuru Kenyatta, der Franziskus am Abend zuvor im „State House“ willkommen geheißen hatte.
   Im offenen Papamobil fuhr der Papst zu Beginn der Messfeier durch die Menge. Im Regen hatten die vielen Menschen stundenlang ausgeharrt, um sich einen guten Platz auf dem Gelände zu sichern. Zelebriert wurde auf Englisch und Swahili, der verbreitetsten Sprache Ostafrikas, Fürbitten gab es auch in den Sprachen der Massai und des in Nordkenia lebenden Turkana-Volkes. Franziskus hielt seine Predigt auf Italienisch; sie wurde für die Zuhörer ins Englische übersetzt. Zum Schluss brandete Jubel auf, als der Papst auf Swahili rief: „Mungu awabariki! Mungu abariki Kenya!“ (Gott segne euch! Gott segne Kenia!) 
   Eindringlich erinnerte Franziskus die Kenianer an den in ihrer Tradition verankerten hohen Wert des Familienlebens, „mit einer tiefen Achtung vor der Weisheit der Alten und mit einer Liebe zu den Kindern“. Die „Gesundheit jeder Gesellschaft“ hänge „von der Gesundheit der Familien ab“, mahnte er. „Zu ihrem Wohl und zum Wohl der Gesellschaft ruft uns unser Glaube an das Wort Gottes auf, die Familien in ihrer Sendung in der Gesellschaft zu unterstützen, die Kinder als einen Segen für unsere Welt anzunehmen und die Würde jedes Mannes und jeder Frau zu verteidigen, denn wir alle sind Brüder und Schwestern in der einen Menschheitsfamilie.“
   Zugleich bat der Papst seine Zuhörer, sich „Bräuchen zu widersetzen, die in den Männern Arroganz begünstigen, die die Frauen verletzen oder verachten, sich nicht um die Alten kümmern und das Leben der unschuldigen Ungeborenen bedrohen“. Mit dem Hinweis auf Frauen verletzende Praktiken spielt der Papst offensichtlich auf Genitalverstümmelung an, die in Kenia, obzwar verboten, jede vierte Frau betrifft.
   Alle Menschen seien zu gegenseitiger Achtung aufgerufen, fuhr Franziskus fort. „Die christlichen Familien haben diese besondere Aufgabe: die Liebe Gottes auszustrahlen und das lebenspendende Wasser seines Geistes zu verströmen. Das ist heute besonders wichtig, denn wir erleben die Ausbreitung neuer Wüsten, die durch eine Kultur des Materialismus und der Gleichgültigkeit gegenüber den anderen gebildet werden.“
   Franziskus wies auf Kenias und generell Afrikas großen Reichtum an Kindern und Jugendlichen hin. Er sprach die jungen Leute auch direkt an: „Mögen die großen Werte der afrikanischen Tradition, die Weisheit und die Wahrheit des Wortes Gottes und der großherzige Idealismus eurer Jugend euch in dem Einsatz leiten, eine Gesellschaft zu bilden, die immer gerechter, immer inklusiver und immer respektvoller gegenüber der Menschenwürde ist. Mögen euch immer die Bedürfnisse der Armen am Herzen liegen, und verwerft alles, was zu Vorurteil und Diskriminierung führt, denn diese Dinge sind – wie wir wissen – nicht von Gott.“
   Der Besuch steht unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Rund 10.000 Polizisten sollen laut kenianischen Medienberichten die Ordnung gewährleisten. Die Regierung rief für diesen Donnerstag einen landesweiten Feiertag aus und lud die Bürger ein, auf die Straßen zu gehen und Franziskus zu feiern. 
  Rv151126

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Zentralafrika: Imam will Frieden „vor, während und nach Papstbesuch“  Foto:  In Bangui

Der Imam der wichtigsten Moschee der Zentralafrikanischen Republik hat zu Frieden und Ruhe „vor, während und nach dem Papstbesuch“ aufgerufen. Tidjani Moussa Nahibi, der Imam des muslimischen Gebetshauses in der Hauptstadt Bangui, äußerte sich bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem katholischen Erzbischof der Stadt, Dieudonné Nzapalainga. Dieser erwartet sich von Papst Franziskus eine Botschaft der Versöhnung und der Barmherzigkeit. Die Zentralafrikanische Republik wird seit Monaten von blutigen Auseinandersetzungen mit interreligiöser Befrachtung geschüttelt. Franziskus besucht am Montag die Moschee von Bangui und hält dort eine Rede. Rv151126gs

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Papst Franziskus bei den Vereinten Nationen in Nairobi
Foto: Papst Franziskus Ansprache bei den Büros der Vereinten Nationen in Nairobi am 26. November 2015

Wir dokumentieren im Wortlaut.
   Ich möchte mich bedanken für die freundliche Einladung und für die Worte, mit denen die Generaldirektorin des Büros der Vereinten Nationen in Nairobi, Frau Sahle-Work Zewde, wie auch der Exekutiv-Direktor des Umwelt- Programms der Vereinten Nationen, Herr Achim Steiner, und der Exekutiv-Direktor des Programms UN-HABITAT, Herr Joan Clos, mich willkommen geheißen haben. Ich nutze die Gelegenheit, um das gesamte Personal zu grüßen sowie alle, die mit den hier gegenwärtigen Institutionen zusammenarbeiten.
   Auf dem Weg zu diesem Saal wurde ich eingeladen, im Park des Zentrums der Vereinten Nationen einen Baum zu pflanzen. Ich habe mich gerne auf diese symbolische und einfache Geste eingelassen, die in vielen Kulturen reich an Bedeutung ist.
   Einen Baum zu pflanzen, ist an erster Stelle eine Einladung, weiter gegen Phänomene wie die Entwaldung und die Wüstenbildung zu kämpfen. Es erinnert uns an die Wichtigkeit, die »an biologischer Vielfalt überreichen Lungen des Planeten« zu schützen und verantwortlich zu verwalten, wie wir das auf diesem Kontinent anhand des Kongobeckens gut beurteilen können. Es ist ein »für die Gesamtheit des Planeten und für die Zukunft der Menschheit« wesentlicher Ort. Hohe Wertschätzung und Ermutigung gilt deshalb stets der »Aufgabenstellung von internationalen Organisationen und Vereinigungen der Zivilgesellschaft, welche die Bevölkerungen sensibilisieren und kritisch mitwirken – auch unter Einsatz legitimer Druckmittel –, damit jede Regierung ihre eigene und nicht delegierbare Pflicht erfüllt, die Umwelt und die natürlichen Ressourcen ihres Landes zu bewahren, ohne sich an unehrliche lokale oder internationale Interessen zu verkaufen« Enzyklika Laudato si’, 38.
   Andererseits veranlasst uns das Pflanzen eines Baumes, weiter zu vertrauen, zu hoffen und besonders dazu, uns mit eigenen Händen dafür zu engagieren, all die Situationen von Ungerechtigkeit und Verfall, unter denen wir heute leiden, umzukehren.
   In wenigen Tagen wird in Paris ein wichtiges Treffen über den Klimawandel beginnen, wo die internationale Gemeinschaft als solche sich erneut mit dieser Problematik auseinandersetzen wird. Es wäre traurig – und ich wage zu sagen: sogar katastrophal –, wenn die Partikularinteressen über das Gemeinwohl siegen und dazu führen würden, die Information zu manipulieren, um die eigenen Planungen zu schützen.  
   In diesem internationalen Kontext, wo sich uns die Alternative stellt, die wir nicht ignorieren können, nämlich die Umwelt zu verbessern oder sie zu zerstören, weist jede kleine oder große individuelle oder kollektive Initiative zum Schutz der Schöpfung den sicheren Weg zu jener »großherzigen und würdigen Kreativität, die das Beste des Menschen an den Tag legt« ebd., 211.
   »Das Klima ist ein gemeinschaftliches Gut von allen und für alle […] Der Klimawandel ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Umwelt-Aspekten und ernsten sozialen, wirtschaftlichen, distributiven und politischen Dimensionen; er stellt eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit dar« ebd., 23.25, deren Bewältigung »eine soziale Perspektive einbeziehen [muss], welche die Grundrechte derer berücksichtigt, die am meisten übergangen werden« ebd., 93. Denn »der Missbrauch und die Zerstörung der Umwelt gehen zugleich mit einem unaufhaltsamen Prozess der Ausschließung einher« Ansprache an die UN-Generalversammlung 25. September 2015.
   Die COP21 ist ein wichtiger Schritt in dem Prozess der Entwicklung eines neuen Energiesystems, das so wenig wie möglich von den fossilen Kraftstoffen abhängt, Energieeffizienz anstrebt und sich auffächert durch den Gebrauch von Energie mit niedrigem oder gar keinem CO2-Ausstoß. Wir stehen vor der großen politischen und wirtschaftlichen Verpflichtung, das Versagen und die Verzerrungen des aktuellen Entwicklungsmodells neu zu überdenken und zu korrigieren.
   Die Vereinbarung von Paris kann ein deutliches Zeichen in dieser Richtung setzen, vorausgesetzt – wie ich bereits vor der Generalversammlung der UNO sagte – dass wir »jede Versuchung meiden […], einem Nominalismus zu verfallen, der sich in Deklarationen erschöpft und einen Beruhigungseffekt auf  das Gewissen ausübt. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Institutionen wirklich effektiv sind« ebd.. Darum hoffe ich, dass die COP21 zum Abschluss einer globalen und „verwandelnden“ Vereinbarung gelangt, die auf den Grundsätzen von Solidarität, Gerechtigkeit, Fairness und Beteiligung basiert und auf die Verfolgung dreier Ziele ausgerichtet ist, die zugleich vielschichtig und interdependent sind: Linderung der Auswirkung des Klimawandels, Kampf gegen die Armut und Achtung der Menschenwürde.
   Trotz vieler Schwierigkeiten setzt sich zur Zeit die »Tendenz« durch, »den Planeten als Heimat zu begreifen und die Menschheit als ein Volk, das ein gemeinsames Haus bewohnt« Enzyklika Laudato si’, 164. Kein Land kann sich bei seinem Handeln »einer allgemeinen Verantwortung entziehen. Wenn wir wirklich eine positive Veränderung wollen, müssen wir demütig unsere wechselseitige Abhängigkeit akzeptieren« Ansprache an die Volksbewegungen 9. Juli 2015. Das Problem entsteht, wenn wir meinen, Interdependenz sei gleichbedeutend mit einem Aufoktroyieren oder mit der Unterwerfung einiger im Hinblick auf die Interessen anderer – Unterwerfung des Schwächeren zugunsten des Stärkeren.
   Es bedarf eines ehrlichen und offenen Dialogs in verantwortlichem Zusammenwirken aller: der politischen Verantwortungsträger, der Welt der Wissenschaft, des Unternehmertums und der Zivilgesellschaft. Es fehlt nicht an positiven Beispielen, die uns beweisen, dass eine wirkliche Zusammenarbeit von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft fähig ist, bedeutende Ergebnisse zu erzielen.
   Wir wissen andererseits, dass »die Menschen, die fähig sind, sich bis zum Äußersten herabzuwürdigen, […] sich auch beherrschen, sich wieder für das Gute entscheiden und sich bessern [können]« Enzyklika Laudato si’, 205. Diese tiefe Einsicht lässt uns hoffen: Wenn die Menschheit des post-industriellen Zeitalters vielleicht als eine der verantwortungslosesten der Geschichte in der Erinnerung bleiben könnte, dann möge »die Menschheit vom Anfang des 21. Jahrhunderts in die Erinnerung eingehen […], weil sie großherzig ihre schwerwiegende Verantwortung auf sich genommen hat« ebd., 165. Dazu ist es notwendig, dass die Wirtschaft und die Politik in den Dienst der Völker gestellt werden, wo »der Mensch im Einklang mit der Natur das gesamte System von Produktion und Distribution so gestaltet, dass die Fähigkeiten und die Bedürfnisse jedes Einzelnen einen angemessenen Rahmen im Gemeinwesen finden« Ansprache an die Volksbewegungen 9. Juli 2015. Es handelt sich nicht um eine phantastische Utopie, sondern im Gegenteil um eine realistische Perspektive, die den Menschen und seine Würde als Ausgangspunkt nimmt und als das Ziel, dem alles zufließen muss.
   Der Kurswechsel, den wir brauchen, kann nicht verwirklicht werden ohne einen wesentlichen Einsatz für die Erziehung und die Ausbildung. Nichts wird möglich sein, wenn die politischen und technischen Lösungen nicht mit einem Erziehungsprozess einhergehen, der neue Lebensstile fördert. Einen neuen kulturellen Stil. Das verlangt eine Erziehung, die darauf ausgerichtet ist, Kindern, Frauen und Männern, Jugendlichen und Erwachsenen eine Kultur der Achtsamkeit nahezubringen – Achtsamkeit gegenüber sich selbst, gegenüber dem anderen, gegenüber der Umwelt – anstelle der Kultur des Verfalls und des Wegwerfens, in der man sich selbst, den anderen und die Umwelt „wegwirft“. Die Förderung des »Bewusstsein[s] des gemeinsamen Ursprungs, einer wechselseitigen Zugehörigkeit und einer von allen geteilten Zukunft […] würde [uns] die Entwicklung neuer Überzeugungen, Verhaltensweisen und Lebensformen erlauben. [Das ist] eine große kulturelle, spirituelle und erzieherische Herausforderung […], die langwierige Regenerationsprozesse beinhalten wird« Enzyklika Laudato si’, 202, die wir noch rechtzeitig in Gang setzen können.
   Die Verfalls- und Wegwerfkultur hat dazu geführt, den Götzen des Gewinns und des Konsums viele Gesichter, Geschichten und offensichtliche Folgen bei Tausenden von Menschen zu opfern. Wir müssen uns vor einem traurigen Zeichen der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ hüten: davor, uns allmählich an das Leiden der anderen zu gewöhnen, als wäre es etwas Normales Vgl. Botschaft zum Welternährungstag 2013 16. Oktober 2013, 2 oder – noch schlimmer – uns mit den extremen und skandalösen Formen des „Wegwerfens“ und der sozialen Ausschließung abzufinden, wie sie uns in den neuen Formen der Sklaverei, in Menschenhandel, Zwangsarbeit, Prostitution und dem Handel mit Organen begegnen. »Tragisch ist die Zunahme der Migranten, die vor dem Elend flüchten, das durch die Umweltzerstörung immer schlimmer wird, und die in den internationalen Abkommen nicht als Flüchtlinge anerkannt werden; sie tragen die Last ihres Lebens in Verlassenheit und ohne jeden gesetzlichen Schutz« Enzyklika Laudato si’, 25. Es sind viele Leben, viele Geschichten, viele Träume, die in unserer gegenwärtigen Zeit Schiffbruch erleiden. Davor dürfen wir nicht gleichgültig bleiben. Wir haben kein Recht dazu.
   Parallel zur Unachtsamkeit gegenüber der Umwelt sind wir seit langem Zeugen einer schnell fortschreitenden Urbanisierung, die bedauerlicherweise häufig »das maßlose und ungeordnete Wachsen vieler Städte [verursacht], die für das Leben ungesund geworden sind« ebd., 44 und sich als unwirtschaftlich erweisen. Zudem sind es Orte, wo sich besorgniserregende Symptome eines tragischen Zerreißens der Bande von Integration und sozialer Gemeinschaft ausbreiten. Das führt zur »Zunahme der Gewalt und [zum] Aufkommen neuer Formen sozialer Aggressivität, [zu] Rauschgifthandel und steigende[m] Drogenkonsum unter den Jüngsten, [zum] Verlust der Identität« ebd., 46, zu Entwurzelung und zu sozialer Anonymität vgl. ebd., 149.
   Ich möchte allen Mut zusprechen, die auf lokaler und internationaler Ebene dafür arbeiten sicherzustellen, dass der Prozess der Urbanisierung sich in ein wirksames Mittel für Entwicklung und Integration verwandelt, um allen – und besonders den in den Randvierteln Lebenden – würdige Lebensbedingungen zu gewährleisten, indem man ihnen die Sicherheit der Grundrechte auf Land, Wohnung und Arbeit bietet. Es ist notwendig, Initiativen der Städteplanung und der Pflege der öffentlichen Plätze zu fördern, die in diese Richtung gehen und die Beteiligung der Menschen vor Ort vorsehen. Dabei geht es darum, den vielen Ungleichheiten und den Inseln städtischer Armut entgegenzuwirken, die nicht nur den wirtschaftlichen, sondern auch den gesellschaftlichen und ökologischen Bereich betreffen. Die kommende HABITAT-III-Konferenz, die für Oktober 2016 in Quito vorgesehen ist, könnte ein wichtiger Moment sein, um Wege ausfindig zu machen, wie man diesen Problemkreisen begegnen kann.
   In wenigen Tagen wird diese Stadt Nairobi Sitz der 10. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation sein. 1967 stellte mein Vorgänger Paul VI. angesichts einer immer stärker interdependenten Welt – und indem er der aktuellen Wirklichkeit der Globalisierung um Jahre zuvorkam – Überlegungen darüber an, wie die Handelsbeziehungen zwischen den Staaten ein grundlegendes Element für die Entwicklung der Völker oder aber Ursache von Elend und Ausschließung sein könnten Vgl. Enzyklika Populorum progressio, 56-62. Auch wenn man anerkennt, dass vieles auf diesem Gebiet bereits getan wurde, scheint doch noch kein internationales Handelssystem erreicht zu sein, das gerecht ist und ganz im Dienst des Kampfes gegen Armut und Ausschließung steht. Die Handelsbeziehungen zwischen den Staaten, die ein unerlässlicher Teil der Beziehungen zwischen den Völkern sind, können ebenso dazu dienen, die Umwelt zu schädigen, wie dazu, sie zurückzugewinnen und für die kommenden Generationen zu sichern.
   Ich äußere meinen Wunsch, dass die Beschlüsse der kommenden Konferenz von Nairobi nicht nur ein bloßer Ausgleich von entgegengesetzten Interessen seien, sondern ein wirklicher Dienst an der Sorge für das gemeinsame Haus und an der ganzheitlichen Entwicklung der Menschen, speziell derer, die am meisten übergangen werden. Im Besonderen möchte ich mich den Sorgen weiter Kreise anschließen, die sich in der Mitarbeit an der Entwicklung und im Gesundheitswesen engagieren – unter ihnen auch die Ordensgemeinschaften, die sich um die Ärmsten und die am meisten Ausgeschlossenen kümmern – den Sorgen in Bezug auf die Vereinbarungen über das geistige Eigentum und den Zugang zu Medikamenten und zur medizinischen Grundversorgung. Die regionalen Freihandelsabkommen über den Schutz des geistigen Eigentums, besonders auf pharmazeutischem und biotechnologischem Gebiet, dürfen nicht nur die den Staaten bereits erteilten Befugnisse für multilaterale Vereinbarungen nicht begrenzen, sondern müssten im Gegenteil ein Mittel sein, um allen ein Minimum an Gesundheitsfürsorge und an Zugang zu den Basisheilmitteln zu gewähren. Die multilateralen Diskussionen müssen ihrerseits den ärmsten Ländern die Zeit, die Flexibilität und die notwendigen  Ausnahmen gewähren für eine geordnete und nicht traumatische Anpassung an die Handelsnormen. Die Interdependenz und die Integration der Ökonomien dürfen nicht die geringste Beeinträchtigung der bestehenden Gesundheitssysteme und der Sozialfürsorge beinhalten; sie müssen, im Gegenteil, ihre Schaffung und ihr Funktionieren begünstigen. Einige Gesundheits-Themen wie die Beseitigung der Malaria und der Tuberkulose, die Pflege der sogenannten „seltenen Krankheiten“ orphan diseases und die vernachlässigten Sektoren der Tropenmedizin verlangen eine primäre politische Beachtung, vor jeglichen anderen wirtschaftlichen oder politischen Interessen.
   Afrika bietet der Welt eine Schönheit und einen natürlichen Reichtum, der uns veranlasst, den Schöpfer zu loben. Dieses Erbe Afrikas und der gesamten Menschheit ist ständig in Gefahr, aufgrund menschlicher Egoismen aller Art und aufgrund des Missbrauchs von Armut und Ausschließung zerstört zu werden. Im Kontext der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Staaten und den Völkern darf man nicht unterlassen, von Formen illegalen Handels zu sprechen, die in einem Milieu der Armut zunehmen und ihrerseits die Armut und die Ausschließung nähren.  Der illegale Handel von Diamanten und Edelsteinen, von seltenen oder strategisch sehr wertvollen Metallen, von Hölzern und biologischem Material und von tierischen Produkten – wie im Fall des Elfenbeinhandels und des damit verbundenen Abschlachtens von Elefanten – fördert die politische Instabilität, das organisierte Verbrechen und den Terrorismus. Diese Situation ist auch ein Schrei der Menschen und der Erde, der von der internationalen Gesellschaft gehört werden muss.
   Bei meinem jüngsten Besuch des Sitzes der UNO in New York konnte ich meinen Wunsch und meine Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass das Werk der Vereinten Nationen und aller multilateralen Entwicklungen »Unterpfand einer sicheren und glücklichen Zukunft für die kommenden Generationen sein [möge]. Und das wird es sein, wenn die Vertreter der Staaten verstehen, sektorale Interessen und Ideologien auszublenden, und aufrichtig nach dem suchen, was dem Gemeinwohl dienlich ist« Ansprache an die UN-Generalversammlung 25. September 2015.
   Ich bekräftige noch einmal die Unterstützung der katholischen Gemeinschaft und meine eigene durch Gebet und Zusammenarbeit, damit die Früchte des regionalen Zusammenwirkens, die heute in der Afrikanischen Union und in den vielen afrikanischen Vereinbarungen über Handel, Zusammenarbeit und Entwicklung ihren Ausdruck finden, lebendig und kraftvoll sind und immer das Gemeinwohl der Söhne und Töchter dieses Landes im Auge haben.
   Der Segen des Allmächtigen sei mit allen und mit jedem bzw. jeder Einzelnen von Ihnen sowie mit Ihren Völkern. Danke.  rv151126-

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Papst bei der ökumenischen und interreligiösen Begegnung - Foto: Der Papst in Nairobi

Papstansprache bei der ökumenischen und interreligiösen Begegnung im Salon der Apostolischen Nuntiatur von Nairobi am 26. November 2015. Wir dokumentieren im Wortlaut.
Liebe Freunde,
  
ich bin dankbar, dass Sie heute hier zugegen sind, und freue mich, diese Gelegenheit eines Gedankenaustauschs mit Ihnen zu haben. In besonderer Weise möchte ich Bischof Kairo, Erzbischof Wabukala der anglikanischen Kirche und Professor El-Busaidy für ihre Worte danken, mit denen sie mich in Ihrer aller Namen und im Namen ihrer jeweiligen Gemeinschaften willkommen geheißen haben. Es ist mir immer wichtig, bei dem Besuch der Katholiken einer Ortskirche die Möglichkeit zu haben, die Leader anderer christlicher Gemeinschaften und anderer religiöser Traditionen zu treffen. Und so hoffe ich, dass diese gemeinsam verbrachte Zeit ein Zeichen für die Wertschätzung sei, welche die Kirche den Anhängern aller Religionen entgegenbringt; möge dieser Moment dazu beitragen, die Bande der Freundschaft, die bereits zwischen uns bestehen, zu stärken.
   Ehrlich gesagt, bedeutet diese Beziehung für uns eine Herausforderung; sie stellt uns Fragen. Doch der ökumenische und interreligiöse Dialog ist kein Luxus. Er ist nicht etwas Zusätzliches oder Optionales, sondern er ist wesentlich, etwas, das unsere durch Konflikte und Spaltungen verletzte Welt immer dringender braucht.
  In der Tat beeinflussen die religiösen Überzeugungen und die Art, sie zu leben, entscheidend unser Sein und unser Verständnis von der Welt, die uns umgibt. Sie sind für uns ein Quell von Erleuchtung, Weisheit und Solidarität, und auf diese Weise bereichern sie die Gesellschaften, in denen wir leben. Wenn wir für das spirituelle Wachstum unserer Gemeinschaften Sorge tragen, indem wir den Geist und die Herzen zur Wahrheit und zu den von unseren religiösen Traditionen gelehrten Werten erziehen, werden wir zum Segen für die Gemeinden, in denen unsere Leute leben. In einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft wie Kenia wird das Zusammenwirken der religiösen Leader
und ihrer Gemeinschaften ein wichtiger Dienst am Gemeinwohl.
   In diesem Licht und in einer zunehmend interdependenten Welt sehen wir immer deutlicher die Notwendigkeit des gegenseitigen Verstehens der Religionen, ihrer Freundschaft und ihrer Zusammenarbeit, um die Würde zu verteidigen, die Gott den Einzelnen und den Völkern verliehen hat, sowie ihr Recht auf ein Leben in Freiheit und Glück. Indem sie die Achtung dieser Würde und dieser Rechte fördern, spielen die Religionen eine wesentliche Rolle bei der Gewissensbildung, bei der Weitergabe der tiefen spirituellen Werte unserer jeweiligen Traditionen an die jungen Menschen, damit sie diese verinnerlichen. So bilden sie gute Bürger heran, die fähig sind, in die Zivilgesellschaft Ehrlichkeit, Redlichkeit und eine Weltanschauung einzubringen, die gegenüber der Macht und dem materiellen Gewinn den Menschen in den Vordergrund stellt.
   Ich denke hier an die Bedeutung unserer gemeinsamen Überzeugung, der zufolge der Gott, dem zu dienen wir uns bemühen, ein Gott des Friedens ist. Sein heiliger Name darf niemals gebraucht werden, um Hass und Gewalt zu rechtfertigen. Sie haben die barbarischen Anschläge auf das Westgate-Einkaufszentrum, auf das Garissa University College und in Mandera in lebendiger Erinnerung. Allzu häufig werden Jugendliche im Namen der Religion zu Extremisten gemacht, um Zwietracht und Angst zu säen und um das Gefüge unserer Gesellschaften zu zerstören. Wie wichtig ist es, dass wir als Propheten des Friedens, als Friedenstifter erkannt werden, welche die anderen einladen, in Frieden, Eintracht und gegenseitiger Achtung zu leben! Möge der Allmächtige die Herzen derer anrühren, die diese Gewalt verüben, und unseren Familien und Gemeinschaften seinen Frieden gewähren!
   Liebe Freunde, in dieses Jahr fällt der fünfzigste Jahrestag des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils, in dem die katholische Kirche sich für den ökumenischen und interreligiösen Dialog im Dienst des gegenseitigen Verstehens und der Freundschaft eingesetzt hat. Diesen Einsatz, der aus unserer Überzeugung von der Universalität der Liebe Gottes und des Heils, das er allen anbietet, hervorgeht, möchte ich erneut bekräftigen. Die Welt erwartet zu Recht, dass in der Bewältigung der vielen Probleme, die die Menschheitsfamilie bewegen, die Gläubigen mit den Menschen guten Willens zusammenarbeiten. Im Blick auf die Zukunft beten wir, dass alle Männer und Frauen sich als Brüder und Schwestern betrachten, die in ihren Verschiedenheiten und über sie hinweg friedlich vereint sind. Beten wir für den Frieden!
   Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und bitte Gott, den Allmächtigen, Ihnen und Ihren Gemeinschaften seinen reichen Segen zu gewähren.
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In der Peripherie von Nairobi

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Der Papst in Kangemi

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Der Papst in Kangemi
   Einen Slum mitten im Herzen der Millionenstadt Nairobi hat Papst Franziskus am Freitag besucht. Am Morgen seines dritten und letzten Reisetags in Kenia fuhr er im offenen Papamobil durch die Barackenstadt, in der mehr als 100.000 Menschen aus vielen Regionen Kenias und aus dem afrikanischen Ausland wohnen. Der Slum heißt Kangemi, er hat sich zwischen Wohnvierteln gebildet; kurz vor dem Papstbesuch installierte die Stadtverwaltung endlich Straßenbeleuchtung, ein erster greifbarer Erfolg der Visite.
   Franziskus grüßte viele Einwohner und auch seine Mitbrüder aus dem Jesuitenorden, die in dem Slum die Pfarrei St. Joseph leiten; angeschlossen sind eine Krankenstation, ein Zentrum für Mütter in Schwierigkeiten und eine Ausbildungsstation für technische Berufe. Schon bei seiner Visite in Lateinamerika im Sommer diesen Jahres hatte der Papst, der Favelas aus seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires gut kennt, ein vergleichbares Elendsviertel besucht.
   In seiner Ansprache versicherte der Papst den Bewohnern der Hütten und Baracken von Kangemi, er wisse genau „um die Schwierigkeiten, die ihr Tag für Tag durchmacht“, und um „die Ungerechtigkeiten, die ihr erleidet“. Ihre Freuden und Ängste seien ihm „nicht gleichgültig“. Genauso würdigte er aber auch, was er „die Weisheit der Armenviertel“ nannte: „eine Weisheit, die aus dem zähen Widerstand des Echten hervorsprießt, aus den Werten des Evangeliums, welche die durch den zügellosen Konsum eingeschlummerte Wohlstandswelt zu vergessen haben scheint“.
   Wörtlich sagte Franziskus: „Ihr seid fähig, Bande der Zugehörigkeit und des Zusammenlebens zu knüpfen, die das Gedränge in eine Gemeinschaftserfahrung verwandeln, wo die Wände des Ichs durchbrochen und die Schranken des Egoismus überwunden werden.“ Die „Kultur der Armenviertel“ leiste mit „dieser besonderen Weisheit“ einen wichtigen „Beitrag für die Zeit, in der wir leben“. Als Beispiel für diese „andere Art von Kultur“ mit ihren „Werten, die nicht an der Börse gehandelt werden“, nannte er das Sprichwort: „Wo zehn essen, da essen auch zwölf!“
„Gott hat die Erde dem ganzen Menschengeschlecht geschenkt“
   Beredt rügte der Papst dann die „abscheuliche Ungerechtigkeit der städtischen Ausgrenzung“: „Es sind die Wunden, die Minderheiten verursachen, welche Macht und Reichtum konzentrieren und egoistisch verschwenden, während wachsende Mehrheiten sich in verwahrloste, verseuchte, ausgesonderte Randzonen flüchten müssen! Das verschärft sich, wenn wir die ungerechte Verteilung des Bodens sehen..., die in vielen Fällen dazu führt, dass ganze Familien überhöhte Mieten zahlen für Behausungen in ungeeignetem baulichen Zustand. Ich weiß auch um das schwerwiegende Problem des Hamsterkaufs von Ländereien durch gesichtslose „private Entwickler“, die sogar versuchen,  sich  den Pausenhof  der Schulen ihrer Kinder anzueignen.“  Das alles passiere, „weil man vergisst, dass Got die Erde dem ganzen Menschengeschlecht geschenkt hat“, so Franziskus mit einem Zitat des hl. Johannes Paul II.
   „In diesem Sinn stellt der mangelnde Zugang zu Infrastrukturen und den wichtigsten Serviceleistungen ein schwerwiegendes Problem dar. Ich meine damit Toiletten, Abwasserkanäle, Abflüsse, Müllabfuhr, Elektrizität, Wege, aber auch Schulen, Krankenhäuser, Erholungs- und Sportzentren und Kunstwerkstätten.“ Vor allem der Zugang zu Trinkwasser sei eigentlich ein fundamentales Menschenrecht, das keinem verweigert werden dürfe, fuhr der Papst fort. „Diese Welt lädt eine schwere soziale Schuld gegenüber den Armen auf sich, die keinen Zugang zum Trinkwasser haben, denn das bedeutet, ihnen das Recht auf Leben zu verweigern, das in ihrer unveräußerlichen Würde verankert ist. Einer Familie unter irgendeinem bürokratischen Vorwand das Wasser zu verweigern, ist eine große Ungerechtigkeit, vor allem, wenn aus dieser Not ein Nutzen gezogen wird.“
   Noch schlimmer werde das Gewebe aus „Gleichgültigkeit und Feindseligkeit, unter dem die Armenviertel leiden“, durch Gewalt und organisierte Kriminalität. All diese „Wirklichkeiten“ seien „keine zufällige Kombination von Einzelproblemen“, diagnostizierte der Papst. „Sie sind vielmehr die Folge neuer Formen von Kolonialismus... Tatsächlich fehlt es nicht an Druck, damit (die armen Länder) politische Maßnahmen der Aussonderung ergreifen wie die zur Geburtenbeschränkung – eine Art Wegwerfpolitik.“
   Der Papst warb für eine Trendwende: „Weder Ausmerzung, noch Paternalismus, noch Gleichgültigkeit, noch bloße Zügelung. Wir brauchen Städte, die integriert und für alle da sind.“ Alle Menschen hätten das Recht auf Land, Wohnung und Arbeit: „Das ist keine Philanthropie, es ist eine Verpflichtung aller!“
  
„Ich möchte alle Christen, besonders die Hirten, aufrufen, den missionarischen Schwung zu erneuern, gegenüber so vielen Ungerechtigkeiten die Initiative zu ergreifen, in die Probleme der Nächsten einzugreifen, sie in ihrem Ringen zu begleiten, die Früchte ihrer Gemeinschaftsarbeit zu schützen und gemeinsam jeden kleinen und großen Sieg zu feiern. Ich weiß, dass sie schon viel tun, aber ich bitte sie, sich daran zu erinnern, dass es nicht eine zusätzliche Aufgabe, sondern jedes Mal die wichtigste Aufgabe ist, denn die Armen sind die ersten Adressaten des Evangeliums.“ Letzteres war übrigens ein Zitat aus einer Rede von Benedikt XVI. an brasilianische Bischöfe.
   Nach seinem Besuch in Kangemi fuhr der Papst weiter zu einem Treffen mit Jugendlichen im Kasarani-Stadion von Nairobi. Daran soll sich dann ein Treffen mit den Bischöfen des Landes anschließen. Am Nachmittag steht der Weiterflug in das Nachbarland Uganda auf dem Programm, zweite Station auf der Afrikareise des Papstes.  Rv151127sk

af-128-Z-Orden-Nairobi             St. Mary’s School Nairobi

Papst Franziskus in Nairobi vor Klerikern, Ordensleuten und Seminaristen -

    Papst Franziskus Ansprache bei der Begegnung mit dem Klerus, den Ordensleuten und den Seminaristen in der St. Mary´s School in Nairobi am 26. November 2015. Franziskus hat diese Rede nicht gehalten, sondern frei gesprochen. Dennoch dokumentieren wir die vorbereitete Rede hier im Wortlaut.
V. Tumisufu Yesu Kristu!      (Gelobt sei Jesus Christus!)
R. Milele na Milele. Amina   (Von nun an bis in Ewigkeit. Amen)

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst, Brüder und Schwestern gottgeweihten Lebens, liebe Seminaristen,
   ich freue mich sehr, bei euch zu sein, die Freude in euern Gesichtern zu sehen und eure Worte und eure glücklichen und hoffnungsvollen Gesänge zu hören. Ich danke Bischof Mukobo, Pater Phiri und Schwester Michael Marie für ihre Worte, mit denen sie mich in eurem Namen willkommen geheißen haben. Ich danke auch den Schwestern des heiligen Felix von Cantalice für ihre Gastfreundschaft.
   Zu allererst danke ich euch für den aktiven Beitrag, den viele Gottgeweihte und Priester für die Kirche und für die kenianische Gesellschaft leisten. Ich bitte euch, eure Brüder und Schwestern, die heute nicht hier bei uns sein können, herzlich von mir zu grüßen, besonders die Alten und die Kranken eurer Gemeinschaften.
  „[Gott], der bei euch das gute Werk begonnen hat, möge es auch vollenden bis zum Tag Christi Jesu“ vgl. Phil 1,6. Heute Nachmittag möchte ich mir dieses innige Gebet, das von einem Wort des Apostels Paulus abgeleitet ist, zu Eigen machen, in Dankbarkeit für euren treuen Dienst für den Herrn inmitten seines Volkes.
   Jeden Tag, wenn ihr euch in den Krankenhäusern und den Wohnungen unter die Kranken, die Leidenden, die Armen und die Ausgegrenzten begebt, verkündet ihr das liebevolle Erbarmen und Mitgefühl Gottes.  In den Pfarreien, Schulen und Bildungsinstituten arbeitet ihr, um die jungen Menschen zu Christen und rechtschaffenen Bürgern zu erziehen. Diese Anstrengungen sind gut eingesetzt. Ihr helft, das geistige und moralische Leben der Gesellschaft auf soliden Fundamenten von Redlichkeit, Gerechtigkeit und Solidarität und auf dem verantwortlichen Gebrauch der Freiheit aufzubauen. Im Besonderen leistet ihr euren Dienst als lebendiges Zeichen der Gemeinschaft der Kirche, die alle Völker und Sprachen umgreift, niemanden ausschließt und das Heil aller sucht.
   Ich bitte euch alle, eure Berufung als ein Geschenk Gottes zu bewahren und das Feuer eures Eifers stets neu zu entfachen. Diese Ermutigung gilt speziell den hier anwesenden Ordensleuten und den Personen gottgeweihten Lebens. Eure jungen Herzen sind von der Schönheit eines Lebens auf den Spuren Christi entflammt worden, das Gott und dem Nächsten geweiht ist. Wenn ihr täglich euer „Ja“ zum Ruf des Herrn, ihm gemäß dem Evangelium in Keuschheit, Armut und Gehorsam nachzufolgen, erneuert, gebt ihr ihm alles, was ihr habt und seid. Obwohl wir in der Welt leben und unser Apostolat ausüben, muss unser Herz immer zum Himmel gerichtet sein. Das persönliche, liturgische und gemeinschaftliche Gebet soll das Herzstück eures Tages sein. Und hier möchte ich den in Klausur lebenden gottgeweihten Personen danken für ihr verborgenes Apostolat, das so sehr zur Fruchtbarkeit der Mission der Kirche in diesem Land beiträgt.
   Liebe Brüder im priesterlichen Dienst, eure Berufung selbst fordert euch auf, in der Nachfolge Christi, des guten Hirten, die Armen und die Kranken aufzusuchen sowie alle, die der Barmherzigkeit Gottes bedürfen. Das ist die Quelle unserer Freude, Boten und Diener seines Mitgefühls und seiner Liebe zu sein, die er unterschiedslos für alle hegt. Unter den vielen Verpflichtungen und Tätigkeiten des pastoralen Dienstes müssen das Gebet, die priesterliche Brüderlichkeit, die geistige und herzliche Verbundenheit mit euren Bischöfen und die häufige Inanspruchnahme der Gnade des Bußsakramentes eure Kraftquelle und ein Bollwerk gegen die unterschwelligen Versuchungen der spirituellen Weltlichkeit sein. Der Herr beruft uns, Diener seiner Gnade zu sein trotz unserer Grenzen und Schwachheiten. Als unser ewiger Hoherpriester, der durch Leiden vollendet wurde Hebr 2,10, wird er euer Zeugnis in der verwandelnden Kraft seines Kreuzes und in der Freude über seinen ewigen Sieg stärken.
   Liebe junge Seminaristen, auch ihr seid meinem Herzen ganz nahe! Diese Jahre der Vorbereitung und der Unterscheidung sind eine Zeit voller Gnade, in der ihr euch über den Willen Gottes für euer Leben klar werdet. Von euch verlangt das Ehrlichkeit, Selbsterkenntnis und Lauterkeit der Absichten; außerdem muss es vom persönlichen Gebet getragen werden und von der inneren Freiheit gegenüber der Selbstsucht oder gegenüber negativen Anhänglichkeiten. Vor allem soll es eine Zeit geistlicher Freude sein – einer Freude, deren Quelle in einem für die Stimme Gottes offenen Herzen liegt, das demütig darauf vorbereitet ist, alles für den Dienst an seinem heiligen Volk zu opfern.
   Liebe Freunde, das Evangelium, das wir verkünden und zu leben versuchen, ist kein einfacher Weg; es ist ein schmaler Pfad, erfüllt aber das Herz mit unsagbarer Freude. Noch einmal nehme ich die Worte des Apostels auf und versichere euch, dass ich immer mit Freude für euch bete vgl. Phil 1,4. Ich bitte euch, für mich zu beten, und vertraue euch alle der grenzenlosen Liebe an, die wir in Christus Jesus erfahren haben. Allen erteile ich von ganzem Herzen meinen Segen. Mungu awabariki!   (Gott segne euch!)
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Papstpredigt auf dem Campus der Universität Nairobi  - Foto: Papstmesse in Nairobi

Papstpredigt während der Eucharistiefeier auf dem Campus der Universität Nairobi am 26. November 2015.
Wir dokumentieren im Wortlaut.
   D
as Wort Gottes spricht zu uns in der Tiefe unseres Herzens. Heute sagt Gott uns, dass wir ihm gehören. Er hat uns gemacht, wir sind seine Familie, und er wird immer für uns da sein. Fürchtet euch nicht, sagt er uns, ich habe euch erwählt und verspreche euch, euch meinen Segen zu geben
vgl. Jes 44,2-3.
  
Diese Verheißung haben wir in der ersten Lesung von heute gehört. Der Herr sagt uns, dass er in der Wüste, in einem dürstenden Land, Wasser hervorsprudeln lassen wird; er wird bewirken, dass die Kinder seines Volkes wie Schilfgras aufsprossen und wie üppig wachsende Weidenbäume. Wir wissen, dass diese Prophetie sich in der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten verwirklicht hat. Aber wir sehen auch, dass sie sich überall dort erfüllt, wo das Evangelium verkündet wird und neue Völker Glieder der Familie Gottes, der Kirche, werden. Heute freuen wir uns, weil sie sich in diesem Land erfüllt hat. Durch die Verkündigung des Evangeliums seid auch ihr Teil der großen christlichen Familie geworden.
   Die Prophetie Jesajas lädt uns ein, auf unsere Familien zu schauen und uns bewusst zu werden, wie wichtig sie im Plan Gottes sind. Die Gesellschaft Kenias ist lange Zeit hindurch mit einem soliden Familienleben, mit einer tiefen Achtung vor der Weisheit der Alten und mit einer Liebe zu den Kindern gesegnet gewesen. Die Gesundheit jeder Gesellschaft hängt von der Gesundheit der Familien ab. Zu ihrem Wohl und zum Wohl der Gesellschaft ruft uns unser Glaube an das Wort Gottes auf, die Familien in ihrer Sendung in der Gesellschaft zu unterstützen, die Kinder als einen Segen für unsere Welt anzunehmen und die Würde jedes Mannes und jeder Frau zu verteidigen, denn wir alle sind Brüder und Schwestern in der einen Menschheitsfamilie.
   Im Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes sind wir auch aufgerufen, uns Bräuchen zu widersetzen, die die Arroganz unter den Männern begünstigen, die die Frauen verletzen oder verachten, sich nicht um die Alten kümmern und das Leben der unschuldigen Ungeborenen bedrohen. Wir sind aufgerufen, uns gegenseitig zu achten und zu ermutigen und alle zu erreichen, die in Not sind. Die christlichen Familien haben diese besondere Aufgabe: die Liebe Gottes auszustrahlen und das lebenspendende Wasser seines Geistes zu verströmen. Das ist heute besonders wichtig, denn wir erleben die Ausbreitung neuer Wüsten, die durch eine Kultur des Materialismus und der Gleichgültigkeit gegenüber den anderen gebildet werden.
   Hier, im Zentrum dieser Universität, wo der Geist und die Herzen der neuen Generationen geformt werden, appelliere ich besonders an die jungen Menschen der Nation. Mögen die großen Werte der afrikanischen Tradition, die Weisheit und die Wahrheit des Wortes Gottes und der großherzige Idealismus eurer Jugend euch in dem Einsatz leiten, eine Gesellschaft zu bilden, die immer gerechter, immer inklusiver und immer respektvoller gegenüber der Menschenwürde ist. Mögen euch immer die Bedürfnisse der Armen am Herzen liegen, und verwerft alles, was zu Vorurteil und Diskriminierung führt, denn diese Dinge sind – wie wir wissen – nicht von Gott.
   Alle kennen wir gut das Gleichnis Jesu von dem Mann, der sein Haus auf Sand baute statt auf den Felsen. Als die Stürme tobten, stürzte es ein und wurde völlig zerstört
vgl. Mt 7,24-27. Gott ist der Fels, auf den wir bauen sollen. Er sagt uns das in der ersten Lesung und fragt uns: »Gibt es einen Gott außer mir?« Jes 44,8.
Wenn der auferstandene Jesus im heutigen Evangelium bekräftigt: »Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde« Mt 28,18, sagt er uns, dass er selbst, der Sohn Gottes, der Fels ist. Außer ihm gibt es niemanden. Als einziger Retter der Menschheit möchte er Männer und Frauen aller Zeiten und Orte zu sich ziehen, um sie zum Vater bringen zu können. Er möchte, dass wir alle unser Leben auf dem festen Fundament seines Wortes aufbauen.
  
Das ist der Grund, warum Jesus nach seiner Auferstehung und im Moment seiner Rückkehr zum Vater seinen Aposteln den großen Missionsauftrag erteilt hat, den wir im heutigen Evangelium gehört haben: »Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe« Mt 28,19-20
  
Und das ist die Aufgabe, die der Herr jedem von uns gibt. Er verlangt von uns, missionarische Jünger zu sein, Männer und Frauen, die die Wahrheit, die Schönheit und die Kraft des Evangeliums ausstrahlen, das das Leben verwandelt. Männer und Frauen, die Kanäle der Gnade Gottes sind, die seiner Barmherzigkeit, seinem Wohlwollen und seiner Wahrheit erlauben, die Bauelemente für ein Haus zu werden, das fest und beständig bleibt. Ein Haus, das ein Heim ist, in dem Brüder und Schwestern endlich in Eintracht und gegenseitiger Achtung leben, im Gehorsam gegenüber dem Willen des wahren Gottes, der uns in Jesus den Weg zu jener Freiheit und jenem Frieden gezeigt hat, nach denen alle Herzen streben.
   Jesus, der gute Hirt, der Fels, auf den wir unser Leben bauen, leite euch und eure Familien alle Tage eures Lebens auf dem Weg des Guten und der Barmherzigkeit. Er segne alle Einwohner Kenias mit seinem Frieden.
»Seid stark im Glauben! Habt keine Angst!« Denn ihr gehört dem Herrn.
Mungu awabariki!      (Gott segne euch!)        -   Mungu abariki Kenya!     (Gott segne Kenia!)       rv151126-

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Papst in Afrika: Eine Presseschau  - Foto: Presse in Afrika zum Papstbesuch.

   Die Medien Kenias zeichneten am Donnerstag ein positives Bild der Visite von Papst Franziskus. Mit der Afrika- Reise habe er ein „neues Kapitel in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche auf dem Kontinent geöffnet", schreibt die kenianische Tageszeitung „The Standard". Die „Daily Nation" lobte die Fahrzeugwahl des Papstes. „Anders als die meisten Prominenten hat Franziskus mit dem Honda ein Auto gewählt, das auch einfache Kenianer jeden Tag nutzen." Der graue Honda Ballade war eines der Lieblingsthemen kenianischer Medien. So schrieb auch der „Star", das japanische Auto sei in vielen afrikanischen Ländern „ein Fortbewegungsmittel der Mittelklasse".
   Der Fernsehsender Citizen TV lobte die Rede des Papstes im State House, in der er nicht nur soziale Gerechtigkeit gefordert habe. „Im selben Atemzug rief er die Kenianer auf, die Umwelt zu schützen." Alle Kenianer trügen die Verantwortung, den Nachkommen eine saubere und bessere Umwelt zu hinterlassen.
   Die Zeitung „Daily Nation" bezeichnete die Papstrede als „Mischung aus ernsten Themen für Politiker, gewürzt mit der Wärme und Freundlichkeit eines geistlichen Führers, der die Herzen anspricht". Damit habe Franziskus den Ton für seine Kenia-Reise vorgegeben.
   In Uganda mahnte der „Daily Monitor", die Papst-Reise müsse für die weitere Entwicklung des Landes genutzt werden. Es sei wichtig, dass Franziskus den besten Eindruck vom Land bekomme. Jedoch müssten auch nach dem „historischen Besuch" weitere Straßen gebaut und Häuser renoviert werden.
   Der „Independent" nutzte den Papstbesuch für eine vergleichende Rückschau mit Blick auf Erfolge im Kampf gegen HIV/Aids. „Papst Franziskus kommt nach Uganda, aber es ist nicht dasselbe Land, das Johannes Paul II. 1993 vorfand.“
   Auch die Medien der Zentralafrikanischen Republik messen dem Papst-Besuch große Bedeutung zu. Als „Botschaft des Friedens und des Dialogs" bezeichnet das Portal „Corbeau News" die kurz vor der Reise veröffentlichte Videobotschaft des Papstes. Laut dem UN-Radio Ndeke Luka spiegeln Franziskus' versöhnende Worte den Geist seiner Afrika-Reise wider.
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Papst an Kenias Jugend: Nein zu Tribalismus, Ja zum Gebet  -  Foto: Der Papst mit Jugendlichen

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Kenias Jugend sollte sich vor Spaltungen und Stammesdenken hüten. Das riet der Papst in einer engagierten, improvisierten Rede vor mehreren zehntausend Jugendlichen im Kasarani-Stadion der Hauptstadt Nairobi. Gleichzeitig prangerte der Papst am Freitagmorgen die Korruption als „Weg des Todes“ an.

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   Das einstündige Treffen begann mit den Berichten und Fragen von zwei jungen Leuten. Sie brachten den Papst dazu, sein vorbereitetes Redemanuskript beiseitezulegen und frei zu sprechen - auf Spanisch. Ein Vatikan- Mitarbeiter übersetzte das dann ins Englische.
Krieg und Spaltungen
   Beim Thema „Krieg und Spaltungen“ wies Franziskus darauf hin, dass bereits auf den ersten Seiten der Bibel ein Brudermord beschrieben werde, „gleich nach den wunderbaren Dingen, die Gott erschaffen hat“. Der Geist des Bösen stifte die Menschen zur Zerstörung und zur Zerstrittenheit an, zum Tribalismus, zur Korruption, zur Drogenabhängigkeit. Das Gegenmittel dazu sei, so der Papst, das Gebet. „Das Leben ist voller Schwierigkeiten, aber es gibt zwei Möglichkeiten, darauf zu schauen: als etwas, das dich blockiert und bremst, oder als eine Chance. Ihr habt die Wahl!“
Stammesdenken
  Eine große Herausforderung sei der Tribalismus, also das Stammesdenken. Man überwinde ihn nur durch „das Ohr, das Herz und durch die Hand“, also durch das Nachdenken, den Respekt und die Zuwendung. „Wenn ihr keinen Dialog führt und anderen nicht zuhört, dann bleibt ihr im Tribalismus stecken! Das ist wie ein Wurm, der in der Gesellschaft immer fetter wird“, fuhr Franziskus fort. Kenias Jugend solle die vielen Formen von Fanatismus überwinden und durch Dialog zu Einheit gelangen. „Wir sind eine Nation“, wiederholte der Papst in seiner improvisierten Ansprache; und er lud er die Anwesenden ein, sich die Hände zu reichen. Vielleicht eines der stärksten, symbolgeladenen Bilder dieser Afrikareise. 
Korruption
   Dann kam der Papst auf das Thema Korruption, die sich schlechthin nie rechtfertigen lasse. In der Politik und im täglichen Leben sei sie verbreitet, sogar im Vatikan gebe es Korruptionsfälle, so der Papst. Korruption sei etwas, das sich in den Menschen einniste; „wie Zucker, ganz süß, etwas das schmeckt und einfach ist“. Aber zu viel Zucker führe zu Diabetes, und das könne auch einem ganzen Land passieren. „Bitte: Gewöhnt euch nicht an diesen Zucker namens Korruption! Korruption ist kein Weg des Lebens, sie ist ein Weg des Todes.“
Familie
   Ausdrücklich rief der Papst die Jugendlichen auf, die Familie zu schützen, die auch die älteren Menschen einschließen müsse. Überall gebe es verlassene Kinder, bei der Geburt verlassen oder vom Leben verlassen – sie spürten keine Familienliebe um sich herum. Das sei der Grund, warum Familie so wichtig sei. „Fleisch heilt Fleisch: Darum ist Gott Fleisch geworden, um sich uns anzunähern.“
Fanatismus
   Franziskus prangerte auch ausdrücklich jede Form von Fanatismus an. Es sei nicht hinnehmbar, dass Jugendliche sich gegenseitig verletzten und vernichteten. Dazu brauche es den Geist der Einheit. „Fanatismus darf uns nicht den Bruder rauben!“ Man dürfe sich von Herausforderungen nicht überrollen lassen, sondern sie als Chance für einen Neuanfang begreifen. Vor allem sollten die Jugendlichen sich für die Armen einsetzen, aber auch für andere Jugendliche auf Abwegen, die etwa von kriminellen Gruppen rekrutiert würden.
   Die beste Art und Weise, um die Radikalisierung von jungen Leuten zu verhindern, sei Ausbildung und Arbeit. Es bestehe eine soziale Gefahr, wenn ein Land von einem internationalen System abhänge, welches ungerecht sei. Da stehe nicht der Mensch im Mittelpunkt, sondern der Geld-Gott. „Was kann ich tun, um diesem jungen Menschen zu helfen und ihn zurückzubringen? Als erstes: Beten, aber kräftig! Gott ist stärker als jedwede Rekrutierungskampagne. Und dann: mit ihm voller Liebe und Sympathie sprechen – und mit viel Geduld. Ihn einladen zu einem Fußballmatch, zu einem Spaziergang, in deine Gruppe zu kommen. Lass ihn nicht allein!“
Kommunikation
   Sogar zum Umgang mit den Medien sprach der Papst: Um die Botschaft Christi zu verbreiten und gute Initiativen zu fördern, sei vor allem Freundschaft nötig. „Wenn ihr euch einander annähert und euch anlächelt, auch wenn ihr aus verschiedenen Stämmen kommt, und wenn ihr euch den Armen, den Kranken, den Verlassenen, den Alten annähert, dann sind diese Kommunikationsgesten ansteckender als alle Fernsehkanäle!“
Glaube und Hoffnung
   Der Papst erzählte auch etwas Persönliches, was vielen noch nicht bekannt war: In seiner Tasche trage er immer zwei Dinge mit sich, und zwar einen Rosenkranz, um zu beten, „und etwas Merkwürdiges: das hier!“ Er zeigte auf einen kleinen Taschen-Kreuzweg. „Mit diesen beiden Dingen in der Tasche tue ich, was ich kann. Dank dieser beiden Dingen verliere ich nie die Hoffnung.“
   Nach der Begegnung mit den Jugendlichen traf der Papst in einem Nebenraum des Stadions mit den Bischöfen des Landes zu einer kurzen Begegnung zusammen. Für den Nachmittag steht die Weiterreise nach Uganda, der zweiten Station seiner ersten Afrika-Reise, auf dem Programm. Der rund 500 Kilometer weite Flug von Nairobi nach Entebbe dauert etwas über eine Stunde.
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Zweite Etappe der Afrika-Reise: Papst trifft in Uganda ein

   Papst Franziskus hat die zweite Etappe seiner sechstägigen Afrika-Reise erreicht: Am Freitagnachmittag traf er in Uganda ein. Auf dem internationalen Flughafen von Entebbe begrüßten ihn Präsident Yoweri Museveni sowie Ugandas Bischöfe. Für den Nachmittag stehen ein Besuch am Sitz des Präsidenten und eine Begegnung mit Vertretern von Staat und Diplomatie auf dem Programm. Vergangene Woche hat in dem ostafrikanischen Land der Wahlkampf begonnen. Im Februar sollen die Ugander einen Präsidenten wählen.
   Uganda ist ein Land mit vielen Herausforderungen: neben dem wirtschaftlichem Aufschwung gibt es auch eine starke Ausgrenzung vieler Menschen und folglich Armut und Elend, wie im Gespräch mit Radio Vatikan der Vorsitzende der Bischofskonferenz Ugandas, John Baptist Odama, sagt. „Die Bevölkerung Ugandas ist sehr froh über den Besuch, und wir dürfen nicht vergessen, dass ein Großteil der Bevölkerung junge Menschen sind“, so der Bischof. Sein Land brauche eine Botschaft der Geschwisterlichkeit, des Dialogs und der Einheit, fügt der Vorsitzende der Bischofskonferenz an. „Ich denke, er erwartet von uns, dass wir uns jenen zuwenden, die am Straßenrand sind. Ich glaube, er will, dass wir als gesamte Nation uns diesen Werten zuwenden, nämlich den Armen und Schwachen helfen und den Kranken beistehen.“
   Auch Bischöfe müssten sich neu überlegen, was ihr eigentlicher Dienst sei. „Oberhaupt sein bedeutet nicht, bedient zu werden, sondern den Menschen zu dienen“, so Odama. Im Gegensatz zu seinen Nachbarländern befinde sich Uganda derzeit in einer „prosperierenden und vor allem friedvollen Situation“. Auch der ökumenische und interreligiöse Dialog funktioniere dort gut, sagt Odama gegenüber Radio Vatikan.
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Franziskus lobt Uganda für menschlichen Umgang mit Migranten - Foto: Papst am Flughafen

   Papst Franziskus ist in Uganda eingetroffen, der zweiten Station seiner Afrikareise. Am Freitagnachmittag wurde er von Staatspräsident Yoweri Kaguta Museveni am Flughafen von Entebbe in Empfang genommen und richtete sich in seiner ersten Rede auf dem Boden Ugandas im sogenannten „State House“ an Vertreter des Regierung und des öffentlichen Lebens sowie an das Diplomatische Corps. Wie bereits bei seinem Besuch im Nachbarland Kenia nahm sich Franziskus kein Blatt vor den Mund, als er den afrikanischen Regierungsleuten ihre Verantwortung für das Land vor Augen führte. Zugleich lobte er die einzigartige Flüchtlingspolitik Ugandas, die bereits seit langer Zeit jeden asylberechtigten Migranten mit einer Arbeitserlaubnis und einem Stück Land versorgt.
   Regierungsvertreter seien damit beauftragt, „eine gute und transparente Regierung, eine ganzheitliche menschliche Entwicklung, eine breite Beteiligung am nationalen Leben sowie eine vernünftige und gerechte Verteilung der Güter zu gewährleisten“, sagte der Papst und pries Ugandas reiche Ressourcen, besonders an Menschen. Er würdigte die „starken Familien“ und die Jugendlichen und verband diese Anerkennung umgehend mit einem weiteren Auftrag an die Regierung und das öffentliche Leben: den Jugendlichen müsse „Hoffnung, Chancen für Ausbildung und Erwerbstätigkeit und vor allem die Möglichkeit einer vollen Teilnahme am Gesellschaftsleben gegeben werden“. Auch die alten Menschen seien ein Segen: „Sie sind die lebendige Erinnerung jedes Volkes“, und ihre Weisheit und Erfahrung sollten als Kompass genutzt werden, um der Gegenwart mit Rechtschaffenheit zu begegnen.
   Ein ausdrückliches Lob sprach Franziskus Uganda für seinen Umgang mit Flüchtlingen aus. Das Land habe es den Fremden ermöglicht, „ihr Leben in Sicherheit neu aufzubauen und die Würde zu erfahren, die darauf beruht, den eigenen Lebensunterhalt durch ehrliche Arbeit zu verdienen“. An dieser Stelle weitete der Papst den Blick auf die großen Menschenströme unserer Zeit in anderen Weltgegenden, also auch Europa, und stellte klar: „Die Art, wie wir die Migranten behandeln, ist ein Test für unsere Menschlichkeit, für unsere Achtung vor der Menschenwürde und vor allem unsere Solidarität mit unseren bedürftigen Brüdern und Schwestern“.
   Uganda ist mit seinen 35 Millionen Einwohnern bitterarm, doch seit Jahrzehnten politisch stabil. Weil es als ruhender Pol von Krisenherden wie dem Kongo, dem Südsudan und Kenia umgeben ist, wird es von zahlreichen afrikanischen Flüchtlingen angesteuert. 
   Anlass seines Besuchs in Uganda sei das Gedenken zum 50. Jahrestag der Heiligsprechung der ugandischen Märtyrer durch Papst Paul VI., sagte Franziskus. Den Märtyrer-Wallfahrtsort Namugongo, der eine anglikanische und eine katholische Sektion hat, wird der Papst am Samstag besuchen. Franziskus ist nach Paul VI. (1963-1978) und Johannes Paul II. (1978-2005) der dritte Papst, der Uganda besucht.
   Nach Vatikan-Angaben sind 47 Prozent der Ugander katholisch. Das Land hat damit einen der höchsten Katholikenanteile im südlichen Afrika. Seit den 1930er Jahren ging von Uganda die Ausbildung eines einheimischen afrikanischen Klerus aus. Heute sind 90 Prozent der katholischen Bischöfe und Geistlichen in Afrika selbst Afrikaner. Rv151127gs

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Papst an die Regierung Ugandas  -  Papst Franziskus begegnet in Entebbe, Uganda, Vertretern der Regierung und des öffentlichen Lebens sowie dem Diplomatischen Corps: die Rede in offizieller deutscher Übersetzung. 
Foto: Yoweri Museveni, Präsident von Uganda

Herr Präsident, ehrenwerte Vertreter der Regierung und des öffentlichen Lebens, sehr geehrte Mitglieder des Diplomatischen Corps, liebe Mitbrüder im Bischofsamt, meine Damen und Herren,
   ich danke Ihnen für Ihren freundlichen Empfang, und ich freue mich, in Uganda zu sein. Mein Besuch in Ihrem Land hat vor allem den Sinn, des fünfzigsten Jahrestags der Heiligsprechung der ugandischen Märtyrer durch meinen Vorgänger Papst Paul VI. zu gedenken. Doch ich hoffe, dass meine Anwesenheit hier auch als ein Zeichen der Freundschaft, Wertschätzung und Ermutigung für alle Menschen dieser großen Nation verstanden wird.
   Die Märtyrer – die katholischen wie die anglikanischen – sind wahre Nationalhelden. Sie geben Zeugnis für die leitenden Grundsätze, die in Ugandas Motto – Für Gott und mein Land – zum Ausdruck kommen. Sie erinnern uns an die Bedeutung, die der Glaube, die moralische Rechtschaffenheit und das Engagement für das Gemeinwohl im kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Leben dieses Landes hatten und immer noch haben. Sie erinnern uns auch daran, dass wir alle trotz unserer unterschiedlichen Glaubensrichtungen und Überzeugungen aufgerufen sind, nach der Wahrheit zu suchen, für Gerechtigkeit und Versöhnung zu arbeiten und einander als Glieder unserer einen Menschheitsfamilie zu achten, zu schützen und zu helfen. Diese hohen Ideale werden besonders von Männern und Frauen verlangt, die wie Sie beauftragt sind, eine gute und transparente Regierung, eine ganzheitliche menschliche Entwicklung, eine breite Beteiligung am nationalen Leben sowie eine vernünftige und gerechte Verteilung der Güter zu gewährleisten, die der Schöpfer diesen Ländern in solcher Reichhaltigkeit geschenkt hat.
  Mein Besuch hat auch den Sinn, die Aufmerksamkeit auf Afrika als Ganzes, auf seine Aussichten, seine Hoffnungen, sein Ringen und seine Leistungen zu lenken. Die Welt schaut auf Afrika als den Kontinent der Hoffnung. Tatsächlich ist Uganda von Gott mit überreichen natürlichen Ressourcen gesegnet, und Ihre Herausforderung besteht darin, sich als deren verantwortliche Verwalter zu erweisen. Vor allem aber ist die Nation gesegnet in ihrem Volk: in seinen starken Familien, seinen Jugendlichen und seinen älteren Menschen. Ich freue mich auf meine morgige Begegnung mit den jungen Menschen, denen ich Worte der Ermutigung und der Herausforderung zusprechen werde. Wie wichtig ist es, dass ihnen Hoffnung, Chancen für Ausbildung und Erwerbstätigkeit und vor allem die Möglichkeit einer vollen Teilnahme am Gesellschaftsleben gegeben werden! Doch ich möchte auch den Segen erwähnen, den Sie in den älteren Menschen besitzen. Sie sind die lebendige Erinnerung jedes Volkes. Ihre Weisheit und Erfahrung sollten stets als ein Kompass genutzt werden, welcher der Gesellschaft ermöglichen kann, die rechte Richtung zu finden, um den Herausforderungen der Gegenwart mit Rechtschaffenheit, Weisheit und Weitsicht zu begegnen.
   Hier in Ostafrika hat Uganda eine außerordentliche Sorge für die Aufnahme von Flüchtlingen bewiesen, da es ihnen ermöglicht hat, ihr Leben in Sicherheit neu aufzubauen und die Würde zu erfahren, die darauf beruht, den eigenen Lebensunterhalt durch ehrliche Arbeit zu verdienen. Unsere Welt, die in Kriegen, Gewalt und verschiedenen Formen der Ungerechtigkeit gefangen ist, erlebt eine nie dagewesene Bevölkerungsbewegung. Die Art, wie wir die Migranten behandeln, ist ein Test für unsere Menschlichkeit, für unsere Achtung vor der Menschenwürde und vor allem für unsere Solidarität mit unseren bedürftigen Brüdern und Schwestern.
   Obwohl mein Besuch kurz ist, hoffe ich, die vielen Bemühungen zu bestärken, die im Stillen unternommen werden, um für die Armen, die Kranken und für all die zu sorgen, die sich in jeder Art von Schwierigkeiten befinden. Diese kleinen Zeichen sind es, in denen wir die wahre Seele eines Volkes erkennen. In vieler Hinsicht wächst unsere Welt näher zusammen, doch zugleich beobachten wir mit Sorge die Globalisierung der „Wegwerfkultur“, die uns für spirituelle Werte blind werden lässt, unsere Herzen gegenüber den Bedürfnissen der Armen verhärtet und unseren Jugendlichen die Hoffnung nimmt.
   In der Vorfreude auf die Begegnungen und die gemeinsame Zeit mit Ihnen bete ich, dass Sie und das ganze geschätzte Volk Ugandas sich immer der Werte, welche die Seele Ihrer Nation gebildet haben, als würdig erweisen möge. Ihnen allen erbitte ich den reichsten Segen des Herrn.
Mungu awabariki!   (Gott segne Sie!)  rv151127gs

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Drei Staatschefs bei Papstmesse in Uganda  -  In Namugongo

   Zu einer Messe mit Papst Franziskus in Namugongo nahe der ugandischen Hauptstadt Kampala werden am Samstag laut Medienberichten 1.300 Politiker und religiöse Führer aus dem In- und Ausland erwartet. Unter den Gästen sind demnach auch der südsudanische Staatspräsident Salva Kiir Mayardit und sein ruandischer Amtskollege Paul Kagame. Neben Ugandas Präsident, dem seit 1986 amtierenden Yoweri Museveni, dürften auch dessen Herausforderer bei den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen an dem Gottesdienst teilnehmen. Im Februar wählt das Land ein neues Staatsoberhaupt. Der Sprecher des kirchlichen Organisationskomitees für den Papstbesuch in Uganda, Bischof Joseph Franzelli, rief im Vorfeld zur Beilegung politischer Differenzen auf.
   Der Papst feiert die Messe bei der Wallfahrtskirche für die ugandischen Märtyrer in Namugongo. Auf dem Freigelände finden rund 100.000 Menschen Platz. Mit dem Gottesdienst erinnert Franziskus besonders an Karl Lwanga (1865-1886), der an dieser Stelle gemeinsam mit anderen katholischen und anglikanischen Christen verbrannt worden war. Lwanga wurde 1964 während des Zweiten Vatikanischen Konzils heiliggesprochen; er ist einer der bekanntesten afrikanischen Heiligen. Die Wallfahrtskirche von Namugongo weihte Papst Paul VI. (1963- 1978) im August 1969 persönlich.
   Franziskus hält sich von Freitagnachmittag bis Sonntag in Uganda auf. Danach reist er in die Zentralafrikanische Republik weiter. Rv151127ma

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