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Alexander VI.

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Unten auf dieser Seite finden Sie unseren Bericht über Rodrigo Borgia: Der Renaissance-Papst Alexander VI.
Zunächst aber lesen Sie bitte: Evangelii Gaudium II
1. Benedikt XVI. überreicht 44 neuerannten Erzbischöfen das Pallium
2. Orthodoxe Delegation in Rom
3. Gästehaus St. Martha - die Wohnung von Papst Franziskus
4. Das Wahlprozedere beim Konklave - “Extra omnes”.
5. “Die Kardinalswürde, Annahme, Verzicht und Verlust.
6. Konklave zur Wahl Leos XIII. (20. Februar 1878): Stimmabgabe der Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle.
7. Eine Buchvorstellung mit Fürstin Alessandra Borghese und Gloria von Thurn und Taxis
8. Interview mit Fr. Paul Bonnici: Die Fürstin entdeckt wie schön ein Leben mit Jesus ist 

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Die Kardinalswürde - Annahme, Verzicht und Verlust

   Die Aufnahme in den Senat der Kirche, in das Berater- und Wahlgremium des Papstes, ist durch rechtliche Normen genauestens festgelegt, ebenso der Verzicht auf dieses Amt und der Verlust der mit dem Kardinalat verbundenen Rechte und Privilegien. 
   Die Ankündigung des Papstes, verdiente Geistliche in das Kardinalskollegium zu berufen, lässt viele Medien, darunter auch kirchliche, immer wieder von der erfolgten Ernennung neuer Kardinäle sprechen. Dass eine solche Mitteilung noch nicht die Aufnahme dieser Kleriker in das Beratergremium des Heiligen Vaters bedeutet, illustriert eine Begebenheit aus dem Jahre 1988. Der selige Johannes Paul II. (1978-2005) hatte sich damals mit der Absicht getragen, den bedeutenden Schweizer Theologen Hans Urs von Balthasar (1905-1988) zum Hochfest der Apos- telfürsten in das Kardinalskollegium aufzunehmen. Der Geistliche verstarb jedoch einige Tage zuvor. Daher wird sein Name nicht im offiziellen Verzeichnis der Kardinäle geführt.
   »Die Kardinäle werden kreiert durch Dekret des Papstes, das vor dem Kardinalskollegium verkündet wird; von der Verkündigung an haben sie die im Gesetz umschriebenen Pflichten und Rechte«, heißt es im § 2 des Kanons 351 des kirchlichen Gesetzbuches. Wird durch den Papst nichts anderes verfügt, ist der Ort der Kreierung neuer Purpurträger das Konsistorium, die feierliche Versammlung der Kardinäle mit dem Heiligen Vater. An Konsistorien kennt das kirchliche Gesetzbuch das consistorium ordinarium (Ordentliche Konsistorium) und das consistorium extraordinarium (Außerordentliche Konsistorium). Nur das erstere »kann öffentlich sein, wenn nämlich außer den Kardinälen Prälaten, Gesandte weltlicher Mächte oder andere hierzu Geladene Zutritt erhalten« can. 353, § 4.
   Hat sich der Papst entschieden, neue Mitglieder in das Kardinalskollegium zu berufen, informiert er die künftigen Purpurträger über das Datum des Konsistoriums, in dem ihre Ernennung erfolgen soll. Die betreffenden Geistlichen werden durch den Heiligen Vater zur Wahrung des »Päpstlichen Geheimnisses« verpflichtet, d.h. bis zur offiziellen Verkündigung durch den Pontifex ist es ihnen unter Androhung kirchlicher Strafen verboten, irgendjemandem hierüber Mitteilung zu machen.
   Im Laufe der Jahrhunderte haben immer wieder Kandidaten den Papst gebeten, von einer Ernennung Abstand zu nehmen. Der berühmte Humanist Erasmus von Rotterdam (1466-1536) hatte auf Papst Paul III. (1534-1549) mit Hinweis auf sein Alter und seine schlechte Gesundheit dahin eingewirkt, auf eine Kreierung zu verzichten. Dom Prosper Gueranger OSB (1805-1875), der erste Abt von Saint Pierre de Solesmes und weltbekannte Liturgiker, bat den seligen Pius IX. (1846-1878), ihn nicht nach Rom zu berufen und ihn als einfachen Abt in Solesmes zu belassen. Der Kirchenjurist und langjährige Dekan der Sacra Romana Rota Johannes von Montel (1831-1910) lehnte dreimal die Erhebung in den Kardinalsstand ab - 1881 und 1897 gegenüber Leo XIII. (1878-1903) und 1908 gegenüber dem heiligen Pius X. (1903-1914). Der Theologe Romano Guardini (1885-1968) sprach 1965 gegenüber Papst Paul VI. (1963-1978) die Bitte aus, nicht mit dem Purpur ausgezeichnet zu werden.
   Manchmal versterben die zur Kardinalswürde bestimmten Geistlichen vor der Ankündigung eines Konsistoriums. Dass er am 21. Februar 1998 ein Konsistorium einberufen werde, hatte der selige Johannes Paul II. am 18. Januar des Jahres den Gläubigen vor dem sonntäglichen Angelusgebet mitgeteilt; wenige Stunden zuvor war einer der Kandidaten für den Kardinalspurpur, der ehemalige Apostolische Nuntius in Deutschland und Sekretär der Kongre- gation für die Evangelisierung der Völker, Titularerzbischof Josip Uhac, in einem römischen Krankenhaus verstor- ben.
Außergewöhnliche Überreichung
   Papst Benedikt XVI. hatte 2007 Ignacy Ludwik Jez, den emeritierten Bischof von Koszalin-Kolobrzeg/Köslin- Kolberg (Polen) auf die Liste der anstehenden Kardinalserhebungen gesetzt. Am 16. Oktober 2007, einen Tag vor der offiziellen Bekanntgabe der Namen, verstarb der polnische Bischof.
   Nicht immer erlebt ein Geistlicher seine Erhebung in den Senat der Kirche bei der Feier eines Konsistoriums. 1998 zwang die schwere Erkrankung eines künftigen Purpurträgers, des Pro-Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Titularerzbischof Alberto Bovone, das vatikanische Zeremoniell zu einem ab- weichenden Vorgehen. Monsignore Alberto Bovone befand sich in der römischen Poliklinik »Agostino Gemelli«. An dem Tag (21. Februar), an dem der Heilige Vater auf dem Petersplatz das Öffentliche Konsistorium abhielt, begab sich Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano in das Krankenhaus. In der Kapelle des Hospitals hatten sich dreihun- dert Gläubige, unter ihnen Verwandte, Freunde und Mitarbeiter des neuen Purpurträgers, versammelt. Zu Beginn der Zeremonie legte Erzbischof Bovone den vorgeschriebenen Treueeid ab. Ein Päpstlicher Zeremoniar verlas an- schließend die Ernennungsbulle des Papstes. Der Kardinalstaatssekretär setzte dann dem neuen Purpurträger das Rote Birett auf, übergab ihm die Bulle und überreichte den Kardinalsring. Kardinal Alberto Bovone erholte sich nicht mehr von seiner schweren Krankheit und verstarb am 17. April 1998.
   Es kann vorkommen, dass es aus politischen Gründen zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht opportun erscheint, eine Kardinalsernennung öffentlich bekanntzugeben, da sie dem Erwählten oder der Kirche zu großem Schaden gereichen kann. Daher haben die Päpste die Berufung eines Geistlichen in den Senat der Kirche bisweilen in pectore vollzogen, d. h. seinen Namen in ihrem Herzen beschlossen, aber nicht öffentlich gemacht. Dieser Brauch geht auf Papst Martin V. (1417-1431) zurück und wurde von Urban VIII. (1623-1644) in eine Rechtsnorm gefasst; die heutige gesetzliche Praxis wird durch den Codex Iuris Canonici von 1983 can. 351, § 3 geregelt. Entfallen die Gründe für eine Geheimhaltung, gibt der Papst für gewöhnlich den Namen bekannt. Mit der Bekanntgabe des Namens besitzt der betreffende Kardinal alle ihm zustehenden Rechte und Privilegien; er erhält sein Rangalter rückwirkend von dem Tag an zugesprochen, an dem seine Ernennung »in pectore« vollzogen wurde. Die Über- reichung der Insignien ist von keinerlei Bedeutung für die Gültigkeit der Ernennung.
   Legt ein Papst sein Amt nieder oder stirbt er, bevor er den Namen förmlich bekannt gegeben hat, kann sich niemand auf eine Ernennung »in pectore« berufen. Die Kirchengeschichte kennt eine Reihe von Kardinals- erhebungen »in pectore«, die nie oder erst nach dem Tod des Purpurträgers publik gemacht wurden. Der rumänische Märtyrerbischof Iuliu Hossu (1885-1970) wurde im Konsistorium vom 28. April 1969 zum Kardinal »in pectore« ernannt. Kardinal Hossu verstarb zu 1970, von seinen Lager- und Gefängnissaufenthalten gezeichnet, in einem Bukarester Hospital; seine Kreierung wurde erst drei Jahre später im Konsistorium vom 5. März 1973 bekannt gegeben. Der selige Johannes Paul II. sprach während seines Pontifikates viermal die Ernennung von Geistlichen zu Kardinälen »in pectore« aus. Die Namen dreier Purpurträger wurden vom Papst in den Konsistorien der Jahre 1991 Ignatius Gong Pin-mei, Bischof von Shanghai/China, kreiert 1979) und 2001 Marian Jaworski, Erzbischof von Lemberg/Ukraine, und Janis Pujats, Erzbischof von Riga/Lettland, beide kreiert 1998 mitgeteilt; den Namen des vierten Würdenträgers behielt der Heilige Vater für sich.
Gründe der Ablehnung
   Die Geschichte des Kardinalskollegiums kennt auch den Verzicht und den Verlust dieser höchsten vom Papst verliehenen Würde der katholischen Kirche. Die Gründe hierfür können verschiedener Natur sein. Cesare Borgia (1475-1507), im September 1493 zum Kardinal kreiert, bat am 18. August 1498 Papst Alexander VI. (1492-1503), von diesem Amt entbunden zu werden. Der Pontifex entsprach der Bitte, damit Cesare, ein genialer Militär- stratege, nach dem plötzlichen Tod seines Bruders Juan den Oberbefehl über die päpstlichen Truppen einnehmen konnte. Oft lag die Aufgabe des Kardinalats in der persönlichen Frömmigkeit seines Trägers begründet. Der spanische Ordensmann Fernando de Toledo de Oropesa OP(1520-1590), ein begnadeter und eifriger Seelsorger, hatte alle Würden und Ehren, die ihm der spanische König zukommen ließ, stets zurückgewiesen. Auf Drängen König Felipes II. wurde er im Konsistorium vom 21. Februar 1578 zum Kardinal erhoben. Als ihm im Mai des Jahres das Rote Birett zugesandt wurde, verweigerte er dessen Annahme mit dem Verweis auf seine persönliche Un- würdigkeit. Da sich der Dominikaner nicht umstimmen ließ, annullierte der Papst die Kreierung.
   Die meisten Ansuchen, die auf eine Entpflichtung vom Kardinalat hinzielten, waren durch die Sorge um die Fort- führung einer Dynastie motiviert. Ferdinando Gonzaga (1587-1626), der zweite Sohn Vincenzos I., des Herzogs von Mantua, war im Jahre 1607 zum Kardinal erhoben worden. Nach dem Tode seines Vaters, Bruders und Neffen drohte das Ende des Herrschergeschlechts. Im Konsistorium vom 16. November 1615 stimmte der Papst dem Ver- zicht auf die Kardinalswürde zu. Zwei Jahre später heiratete Ferdinando Gonzaga Caterina de Medici; tragi- scherweise blieb die Ehe des Paares kinderlos. Rinaldo d'Este (1655-1737), der Sohn des Herzogs von Modena, hatte 1686 den römischen Purpur erhalten. Um nach einer Reihe von Todesfällen den Fortbestand der Familie zu garantieren, gab Papst Innozenz XII. (1691-1700) am 21. März 1695 sein Placet zur Entlassung des D'Este- Sprösslings aus dem Heiligen Kollegium. Die Heirat Rinaldo d'Estes mit einer Prinzessin aus dem Hause Braun- schweig brachte den erhofften Nachwuchs und sicherte so den Weiterbestand der Dynastie.
   Nur selten erbaten die Päpste von Mitgliedern des Kardinalskollegiums einen Verzicht auf ihre Würde. Es waren in der Regel moralische oder politische Gründe, die einen solch schwerwiegenden Schritt verlangten. Die neuere Zeit kennt nur einen einzigen Fall. Der französische Kardinal Louis Billot SJ (1846-1931), kreiert im Konsistorium vom 27. November 1911, besaß eine enge Bindung zur »Action Française«, die von Papst Pius XI. (1922-1939) verurteilt worden war. Da Billot der verbotenen Vereinigung weiterhin seine Sympathie zukommen ließ, forderte ihn der Papst auf, um den Verzicht auf die Kardinalswürde anzusuchen, dem der Pontifex am 13. September 1927 entsprach und im Konsistorium vom 19. Dezember verkündete.
   Der Verzicht und Verlust der Kardinalswürde berührt vor allem das vornehmste Privileg des päpstlichen Senats, die Aufgabe, nach der Sedisvakanz des Apostolischen Stuhles für einen Nachfolger des heiligen Petrus Sorge zu tragen. Über die Wähler des Oberhauptes der katholischen Kirche äußert sich die im Jahre 1996 von Papst Johannes Paul II. erlassene Apostolische Konstitution Universi Dominci Gregis unmissverständlich: »Das Recht, den Römischen Papst zu wählen, steht einzig und allein den Kardinälen der Heiligen Römischen Kirche zu mit Ausnahme derer, die vor dem Todestag des Papstes oder vor dem Tag der Vakanz des Apostolischen Stuhles schon das 80. Lebensjahr überschritten haben«. »Keiner der wahlberechtigten Kardinäle kann von der aktiven oder passiven Wahl aus irgendeinem Grund oder Vorwand ausgeschlossen werden«, schärft die päpstliche Verfügung ein, wobei sie jedoch daran erinnert, dass dieses Recht nicht den Kardinälen zukomme, »die rechtmäßig abgesetzt wurden oder mit Zustimmung des Papstes auf die Kardinalswürde verzichtet haben. Außerdem darf das Kardinalskollegium während der Sedisvakanz diese nicht wieder aufnehmen oder rehabilitieren«.
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Gästehaus Santa Marta hinter den Mauern des Vatikans
 Es gibt ein Hotel, das in keinem Reiseführer vermerkt ist. Es macht keine Werbung und hat keine "Sterne"

   Gäste rufen nicht an und können sich nicht selbst in der Rezeption dieses exklusiven Hotels einloggen. Dieses Gästehaus versteckt sich hinter den Mauern des Vatikans. Es ist ein verborgener Edelstein, vergleichbar in vieler Hinsicht mit einem üblichen Hotel, aber es gibt fundamentale Unterschiede, die es vor allen Hotels auszeichnet. Der Name: Domus Sanctae Marthae - Gästehaus Santa Marta. Im Schatten des Petersdoms ist das Gebäude wenig auffällig. Kein Logo schmückt den Haupteingang an einer nicht besonders gestalteten Fassade. Zurückhaltende Diskretion gehört zum Charakter des sechsstöckigen Hotels mit 120 Suiten.
   Das Gästehaus des Vatikans wurde vor zwanzig Jahren erbaut und ersetzte andere Gebäude, die im Lauf der Jahrhunderte verfallen waren. Über dem westlichen Teil der Gärten des Kaisers Caligula, die im Jahre 50 n.Chr. von Kaiser Nero erweitert wurden, steht heute der Petersdom. Im Mittelalter wurden hier zwei Oratorien und Gebäude von Mönchen errichtet, die im Dienst der Patriachal-Basilika standen. Zum Neubau des Petersdoms im 16. Jahrhundert wurden die Oratorien mit den damit verbundenen Gebäuden abgerissen. Das Gelände neben der Basilika lag dann bis zum 19. Jahrhundert brach.
   Während der Cholera-Epidemie im Jahre 1891 ordnete Papst Leo XIII. für die Kranken in den dicht besiedelten Mietshäusern in der Nähe des Vatikans den Bau eines Hospitals an, das hier errichtet wurde. Nach der überstan- denen Epidemie stand diese Klinik den Arbeitern und Angestellten des Vatikans offen. Das Ende des Kirchen- staates und der Verlust von Grundbesitz hatte Auswirkungen auf Rom. Als Pius IX. sich in den Vatikan zurückzog folgten ihm eine große Zahl von Angestellten und Beamten. Erst 1929 wurden viele Fragen, die sich aus der Übernahme des Kirchenstaates durch die italienische Regierung ergaben, einvernehmlich gelöst. Stationäre und ambulante medizinische Versorgung konnten jetzt in Rom - außerhalb des Vatikans - eingerichtet werden. Das kleine Hospital im Vatikan wurde nun geschlossen.
   Während des Zweiten Weltkrieges konnten jüdische Flüchtlinge hier hinter den Mauern des Vatikans Zuflucht fin- den. Auch Botschaftern, die ihre diplomatischen Beziehungen zu Italien abgebrochen hatten, aber Italien nicht ver- lassen konnten, gewährte Pius XII. hier Unterkunft.
   Für die Dauer des II. Vatikanischen Konzils in den 1960er Jahren diente die alte Klinik einigen Kardinälen als Quartier.Später wurden vom Gouverneur des Vatikan-Staates verschiedene Pläne entworfen, hier ein angemesse- nes Gästehaus zu bauen. Der amerikanische Geschäftsmann John Connolly stand in Verbindung mit dem Gouver- neur Rosario Castilla Lara, bekam die Lizenz, Replike der vatikanischen Museen herzustellen und die Kunst einer breiten Öffentlichkeit in den USA anzubieten. Als Gegenleistung bot er dem Vatikan an, 13 Millionen US-Dollar für das Gästehaus bereitzustellen. Im Jahr 1998 richteten die Vatikanischen Museen eine Sonderausstellung in den USA aus: "Das Unsichtbare sichtbar machen - Engel vom Vatikan". Kunst-Repliken wurden in mehreren Staaten in Verbindung mit dem Katalog verkauft. Der finanzielle Erfolg auch weiterer ähnlicher Aktionen entsprach nicht den Erwartungen. 

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Büste von Johannes Paul II. in der Empfangs-Lobby des Gästehauses

   Der amerikanische Architekt Louis D. Astorino von Pittsburgh, Pennsylvanie, das Gästehaus mit Hauskapelle zu errichten. Die Kapelle ist dem Heiligen Geist geweiht. Bezeichnend ist das zeltähnliche Dach der Kapelle. Die Lobby im Hotel-Empfang des Gästehauses ist mit Marmor ausgelegt. Von der Rezeption führt eine breite Treppe zum Großen Speisesaal und den Leseräumen. Zwei große rechteckige Baukörper werden verbunden durch einen Zentralkorridor. 106 kleine Suiten stehen den Gästen zur Verfügung (Schlaf-, Studierzimmer und Bad) und 22 Einzelzimmer. Eine Suite ist reserviert für die Gäste des Papstes. Nur wenige Zimmer sind bewohnt von Mitgliedern der Kurie, doch Domus Sanctae Marthae ist gebaut für Gäste des Vatikans.

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Kapelle im Gästehaus St. Martha mit dem Zeltdach

   In der Apostolischen Konstitution Universi Domini Gregis ordnete Papst Johannes Paul II. an, dass die Kardinäle während des Konklave hier ihre Residenz haben. Da die Zahl der wahlberechtigten Kardinäle zur Wahl eines neuen Papstes auf 120 Personen begrenzt ist, werden 11 durch Los bestimmt, wer ein Einzelzimmer bekommt. Die Unterkunft ist der heutigen Zeit angepasst und weit komfortabler als in früheren Konklaven, als die Kardinäle in einer Halle neben der Sixtinischen Kapelle ohne fließend Wasser und gemeinschaftlichen Sanitäranlagen. Heute steht ein Shuttle-Bus morgens und abends bereit, den Transfer zwischen Sixtinischer Kapelle und dem Gästehaus sicher zu stellen. CT130203FrMichaelCollins

cdd-KardinäleSixtina-xx Extra Omnes - Das Wahlprozedere beim Konklave

   "Ferner bestimme ich, dass die anwesenden wahlberechtigten Kardinäle nach Eintritt der rechtmäßigen Vakanz des Apostolischen Stuhles fünfzehn volle Tage auf die abwesenden warten müssen; allerdings überlasse ich es dem Kardinalskollegium, den Beginn der Wahl, wenn schwerwiegende Gründe vorhanden sind, noch um einige Tage hinauszuschieben." Universi Dominici Gregis UDG 37.
  
Das eigentliche Wahlprozedere beginnt mit einer öffentlichen Messe Pro eligendo Papa. Auch das Konklave ist eher mit einer Liturgie zu vergleichen denn mit einer politischen Veranstaltung, auch wenn ein demokratischer Wahl-Prozess im Zentrum steht. Es werden keine Reden gehalten und keine Parteien gebildet. Stattdessen be- ginnt die Wahl mit einer Prozession: von der Capella Paolina im Apostolischen Palast in die Capella Sixtina, unter Singen des Veni Creator Spiritus. Die Sixtina ist dann streng abgeschlossen, nichts darf herausdringen.
Wähler
 „Das Recht, den Römischen Papst zu wählen, steht einzig und allein den Kardinälen der Heiligen Römischen Kirche zu mit Ausnahme derer, die vor dem Todestag des Papstes oder vor dem Tag der Vakanz des Apostolischen Stuhles schon das 80. Lebensjahr überschritten haben. Die Höchstzahl der wahlberechtigten Kardinäle darf nicht mehr als 120 betragen. Unbedingt ausgeschlossen ist das aktive Wahlrecht eines anderen kirchlichen Würden- trägers oder die Einmischung einer weltlichen Macht, gleich welchen Ranges und welcher Ordnung sie sein mag.” UDG 33.
Geheimhaltung
  Alles um die Wahl des Papstes herum wird mit strengen Vorschriften zur Geheimhaltung belegt. Immer und immer wieder erläutert die Verfahrensordnung Grund und Praxis für diese Vertraulichkeit, man kann sie neben dem geistlichen Charakter als das Hauptmerkmal der Papstwahl bezeichnen. Alle Kardinäle legen einen Eid ab:
  "Ich, N.N., verspreche und schwöre absolute Geheimhaltung gegenüber allen, die nicht zum Kollegium der wahl- berechtigten Kardinäle gehören, und zwar auf ewig, (.) Ich verspreche und schwöre überdies, dass ich keinerlei Aufnahmegeräte benütze, sei es zur Registrierung von Stimmen oder von Bildern während der Zeit der Wahl innerhalb des Bereiches der Vatikanstadt, und insbesondere von dem, was direkt oder indirekt irgendwie mit den Wahlhandlungen selber zusammenhängt." UDG 43.
   UDG wird sehr konkret: Kein Telefon, kein Kontakt auf dem Weg von der Casa Santa Marta zur Sixtinischen Kapelle, UGD 51 schreibt sogar die Durchsuchung der Sixtinischen Kapelle auf audiovisuelle Hilfsmittel vor, damit nichts aufgezeichnet oder übertragen werden kann. Und dann befasst sich noch einmal ein ganzes Extra-Kapitel von UDG mit der Geheimhaltung.
  Seit 1274 ist es kirchliche Vorschrift, die Kardinäle einzuschließen. Diese Form des Konklave hatte sich als hilfreich herausgestellt, um sowohl Kaiser, Könige und Stadtfürsten von Eingriffen abzuhalten, als auch die Kardinäle zu einer zügigen Wahl zu motivieren. Es ist aber heute vor allem ein Schutz der Vertraulichkeit.
  Ort des Einschließens ist seit den Vorschriften Johannes Pauls II. die Sixtinische Kapelle. Früher war es Jahrhun- derte lang der Lateran - oder auch Städte außerhalb von Rom wie Viterbo, Avignon oder Konstanz.
Die Wahl
   Direkt nach dem Einzug und dem Eid zur Geheimhaltung sagt der Zeremonienmeister Extra Omnes, und alle Nichtkardinäle verlassen den Raum. Noch einmal wird ein Eid abgelegt:
   "Wir alle und jeder einzelne wahlberechtigte zu dieser Wahl des Papstes anwesende Kardinal versprechen, verpflichten uns und schwören, uns treu und gewissenhaft an alle Vorschriften zu halten, die in der Apostolischen Konstitution Papst Johannes Pauls II., Universi Dominici Gregis, vom 22. Februar 1996 enthalten sind. Ebenso versprechen wir, verpflichten wir uns und schwören, dass jeder von uns, wenn er durch Gottes Fügung zum Papst gewählt wird, sich bemühen wird, das munus petrinum des Hirten der Universalkirche in Treue auszuüben und unermüdlich die geistlichen und weltlichen Rechte sowie die Freiheit des Heiligen Stuhles zu wahren und zu verteidigen. Vor allem aber versprechen und schwören wir, in bedingungsloser Treue und mit allen, seien es Kleriker oder Laien, Geheimhaltung über alles zu wahren, was in irgendeiner Weise die Wahl des Papstes betrifft, und was am Wahlort geschieht und direkt oder indirekt die Abstimmungen betrifft; dieses Geheimnis in keiner Weise während oder nach der Wahl des neuen Papstes zu verletzen, außer wenn vom Papst selbst eine aus- drückliche Erlaubnis dazu erteilt worden ist. Gleichermaßen versprechen und schwören wir, niemals eine Ein- mischung, eine Opposition noch irgendeine andere Form zu unterstützen oder zu begünstigen, wodurch weltliche Autoritäten jeglicher Ordnung und jeglichen Grades oder irgendwelche Gruppen oder Einzelpersonen sich in die Papstwahl einzumischen versuchen sollten.“ UDG 53.

Leiter des Konklaves   cdd-GiovanniBattistaRe-2xx   Kardinal Giovanni Battista Re

  Danach verlässt auch der Zeremonienmeister die Sixtinische Kapelle, und sie wird versiegelt. Nach dem Verschlie- ßen der Kapelle fragt der Leiter des Konklaves, [im Jahr 2013 Kardinal Giovanni Battista Re], noch einmal, ob es noch Unklarheiten bezüglich des Verfahrens gibt. Danach geht es unverzüglich zum ersten Wahlgang.
   Gewählt werden kann grundsätzlich jeder katholische männliche getaufte Christ. De facto hat sich aber die Praxis herausentwickelt, nur einen der versammelten Kardinäle zum Papst zu wählen; das letzte Mal wurde im Spätmittelalter jemand gewählt, der nicht Mitglied des Kardinalskollegiums war.
Exkurs: Das Veto
   In der Vergangenheit gab es die Praxis, Kandidaten durch ein Veto von der Wahl auszuschließen. So erhob sich 1721 Kardinal Althan während des Konklaves und erklärte, "Seine Majestät der Kaiser" (Österreichs) werde der Wahl des Kardinals Paolucci niemals zustimmen. Und Paolucci wurde daraufhin nicht gewählt. Von zehn Konklaven zwischen 1605 und 1903 ist ein solches Veto belegt. Kirchenjuristen stritten und streiten über die Zulässigkeit eines Vetos, das über einen beim Konklave vertretenen Kardinal von Spanien, Frankreich oder Österreich erhoben wurde. Zuletzt wurde es von Kaiser Franz Josef I. 1903 gegen Kardinal Rampolla vorgebracht, die Empörung unter den Kardinälen war zwar groß, die Zustimmung für Rampolla stieg sogar, gewählt wurde aber ein anderer, Papst Pius X.. Dieser machte endgültig Schluss mit dem Einfluss von außen: Jeder Kardinal, der ein solches Veto einer politischen Macht vorbringe, sollte von da an exkommuniziert sein.
  Die notwendige Mehrheit für eine gültige Wahl besteht in zwei Dritteln der anwesenden Wähler; für den Fall, dass eine Teilung durch drei nicht glatt möglich ist, ist für die Gültigkeit der Wahl eine Stimme zusätzlich erforderlich UDG 62.
Der Wahlgang
   Bei jedem Wahlgang schreibt jeder Kardinal geheim auf einem Wahlzettel unter dem Satz Eligo in Summum Pontificem den Namen seines Kandidaten. Die Wahlzettel werden nacheinander in die mit einem Teller bedeckte Urne gegeben, dazu schreitet der Kardinal mit erhobener Hand nach vorne und wirft ihn ein. Dabei spricht er: "Ich rufe Christus, der mein Richter sein wird, zum Zeugen an, dass ich den gewählt habe, von dem ich glaube, dass er nach Gottes Willen gewählt werden sollte." UDG 66. Wahlhelfer, die unter den Kardinälen ausgelost worden sind, unterstützen zum Beispiel kranke Wähler, es gibt sogar drei ebenfalls ausgewählte Infirmarii, die die Stimmen derer abholen, die krank in ihren Zimmern bleiben müssen.
   Alle Wahlzettel werden gemischt, gezählt, einzeln entfaltet, von den drei Wahlhelfern nacheinander eingesehen und dann vom dritten laut vorgelesen. Dann wird der Zettel beim Wort eligo gelocht und auf eine Schnur aufgezogen. Die Wahlprüfer zählen und überprüfen die Niederschriften der Ergebnisse. Jede Unregelmäßigkeit macht sofort den Wahlgang ungültig, und es muss neu gewählt werden.
   Das bekannteste Element des Wahlvorgangs ist das Verbrennen der Wahlzettel, das nach jeweils zwei Wahl- gängen erfolgen soll: So entsteht der berühmte schwarze, nach dem letzten, erfolgreichen Wahlgang schließlich weiße Rauch. Jeden Tag (außer dem ersten, wo es nur einen gibt) sollen vier Wahlgänge abgehalten werden.
Übernahme des Amtes
   Bei Annahme der Wahl, nach der der Leiter des Konklaves fragt, ist der Gewählte sofort Bischof von Rom mit allen Kompetenzen des Papstes. Alle Kardinäle bekunden ihren Gehorsam, und gemeinsam wird ein Dankgebet gesprochen. Erst dann verkündet der Kardinalprotodiakon die Wahl und den Gewählten vom Balkon der Peters- kirche aus: "Habemus Papam!" RV130221ord

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Konklave zur Wahl Leos XIII. (20. Februar 1878): Stimmabgabe der Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle. Zeitgenössischer Holzstich, nachträglich koloriert.

Das moderne Konklave, 1878
   Die während des Zweiten Konzils von Lyon im Jahr 1274 erlassene Dekretale Ubi periculum zur Regelung der Papstwahl und des Ablaufs eines Konklaves wurde 1276 von Hadrian V. mit Einverständnis der Bischöfe vorüber- gehend aufgehoben. Coelestin V. setzte fast zwanzig Jahre später die strengen Vorschriften der Konzilskonstitu- tion wieder in Kraft. Bonifatius VIII. übernahm diese in das Liber Sextus, sodass die Dekretale fester Bestandteil des römisch-katholischen Kirchenrechts wurde. Das gesamte Mittelalter hindurch waren die Konklaven durch Ver- suche der Kardinäle geprägt, mithilfe der „Wahlkapitulation" die Politik des zukünftigen Papstes zu beeinflussen. Dabei machten die Kandidaten in einem Vertrag Zusagen für den Fall ihrer Wahl. Im 16. Jahrhundert machten die Geburt des modernen Kirchenstaats mit dem Papst als Alleinherrscher und die Reformversuche der katholischen Kirche, die zum Konzil von Trient und zur Reform der römischen Kurie durch Sixtus V. (1588) führen sollten, die Krise deutlich, in der sich Bedeutung und Macht des Kardinalkollegiums befanden: Das Zeitalter der Konsistorien(Versammlung der Kardinäle unter dem Vorsitz des Papstes) ging in das der Kongregationen über. An der Spitze der Kirche stand allein der Papst. Auch das Verfahren bei der Papstwahl und die Konklavewahlordnung erfuhr eine Neuregelung. Mit der Konstitution In eligendis vereinheitlichte Pius IV. im Jahr 1562 alle vorherigen Richtlinien und bestimmte unter anderem, dass die Kardinäle sich nach einer Frist von zehn Tagen nach dem Tod des Papstes in das Konklave zurückziehen mussten, um einen Wahlgang pro Tag durchzuführen. 1586 legte Sixtus V., dem Vorbild der siebzig Ältesten des Moses folgend, die Anzahl der teilnehmenden Kardinäle auf siebzig fest (eine Bestimmung, die über dreieinhalb Jahrhunderte bestehen bleiben sollte).

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Schaulustige auf dem Petersplatz in Erwartung des weißen Rauchs, der die Wahl Papst Pius X. ankündigt

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Wahlurne im Konklave 1939 - die Kardinäle legten ihre Stimme für Pius XII. in diese Gefäße

Geheime Wahl in Rom
   Im Konklave von 1590, aus dem Niccolo Sfrondati als Papst Gregor XIV. hervorging, wurde erstmals das „Exklusivrecht" angewendet, also das direkte oder indirekte Eingreifen ausländischer Herrscher, um die Wahl eines Kandidaten zu fördern oder zu verhindern. Mit der Einführung des Wahlgeheimnisses durch Gregor XV. im Jahr 1621 entstand das moderne Konklave, dessen Regeln im Großen und Ganzen bis ins frühe 20. Jahrhundert unverändert bleiben sollten. Mit Ausnahme des Konklave von 1799-1800, das anlässlich des Todes Pius VI. in Venedig abgehalten wurde, fanden alle modernen Konklave in Rom statt. Die Kardinäle versammelten sich im vatikanischen Palast oder, in wenigen Ausnahmen, im Quirinalspalast. In neuerer Zeit wurden die Unterkünfte der Kardinäle in den Wohnungen vatikanischer Würdenträger eingerichtet, die diese während der Klausur zur Verfü- gung stellen mussten, wie aus der Nota zum Konklave von 1878 anlässlich des Todes Pius' IX. hervorgeht. 

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Liste der während des Konklave den Kardinälen zugeteilten Unterkünfte im Vatikanpalast (1878)
Archivio Segreto Vaticano, Segr. Stato, Morte di Pontefici e Conclavi, b. 8,fasc. l,f. 41rv

Die Stimmzettel

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 Eine der Besonderheiten des modernen Konklave war der Accessus": die Möglichkeit, den Papst in einem zwei- ten Durchgang zu wählen, das heißt, nach der Auswertung der Wahl entweder einem anderen, von den Kollegen gewählten Kandidaten seine Stimme zu geben oder aber sie zu annullieren nemini". Um die von Gregor XV. eingeführte geheime Wahl garantieren zu können, ohne dass die Geheimhaltung dazu führte, dass von den Wählern behauptet wurde, den schon ernannten Kandidaten gewählt zu haben oder sogar sich selbst zu wählen, wurde ein Stimmzettel erdacht, der für jeden wählenden Kardinal die Möglichkeit vorsah, oben seinen eigenen Namen einzutragen und weiter unten einen Wahlspruch niederzuschreiben.
   Dann wurde das Dokument gefaltet und versiegelt. Nun schrieb der Wähler den Namen des von ihm bevor- zugten Kandidaten in die Mitte des Blattes. 

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   Nach dem ersten Wahlgang wurde der untere Teil des Stimmzettels entsiegelt, um sicherzustellen, dass nicht zwei gleiche Wahlsprüche für denselben Kandidaten verwendet wurden. Von den hier vorliegenden Dokumenten diente eines der endgültigen Auswertung der Stimmen Eligo in Summum Pontificem...", während das andere für den Accessus vorgesehen war. Beide Stimmzettel wurden während des Konklave nach dem Tode Pius'IX. benutzt, aus dem Kardinal Vincenzo Gioacchino Pecci als Papst Leo XIII. hervorging.

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Das einstimmige Wahlergebnis des Konklave 1774/75
   Im Konsistorialarchiv werden unter anderem auch die Dokumente des langen Konklave nach dem Tod Clemens' XIV. am 22. September 1774 verwahrt. Am 5. Oktober wurden die Türen verschlossen, und die Kardinäle mit ihrem Gefolge verblieben in den für sie reservierten Zellen im Apostolischen Palast. Das Konklave sollte in einer durch Spannung, Konflikt und Verdacht überschatteten Atmosphäre stattfinden, hervorgerufen durch die gewaltsame Unterdrückung der Jesuiten durch den verstorbenen Papst. Nun standen sich zwei Parteien gegenüber: die der „Kronkardinäle", die ihre Ernennung einem europäischen Fürsten verdankten, und die der „Eiferer", die auf das Eigenrecht und die Autonomie der Kirche pochten. Nach Monaten des Stillstands der Verhandlungen einigten sich beide Parteien auf den siebenundfünfzigjährigen Giannangelo Braschi aus Cesenatico, ehemaliger Sekretär Benedikts XIV. Er wurde am 15. Februar beim morgendlichen Wahlgang - dem 256. des Konklaves - einstimmig zum Papst gewählt, während er selbst für den Kardinaldiakon Gianfrancesco Albani gestimmt hatte. Am darauf folgenden 22. Februar nahm er den Namen Pius VI. an, wurde zum Bischof geweiht und feierlich gekrönt. Das vorliegende Dokument weist in der oberen Zeile das Datum der Stimmauszählung auf; dann folgt die Liste der Mitglieder des Kardinalskollegiums, unterteilt inEpiscopi, Presbyteri und Diaconi. Rechts vom Namen befindet sich ein dem Wahlresultat vorbehaltener Raum: Braschi hatte dreiundvierzig Stimmen erhalten, also die Einstimmigkeit. Links der Namensliste sind die Stimmen des Accessus aufgeführt, die in diesen Fall keine Relevanz hatten. Im letzten Teil des Dokuments werden die drei Stimmauszähler benannt, des Weiteren die drei Infirmarii, die beauftragt waren, den kranken Kardinälen die Stimmzettel zu überbringen und die Recognitores (Revisoren). Schließlich folgen die Anmerkungen zu den teilnehmenden Kardinälen: „Presentes in Conclavi; Aegroti absentes a scrutinio; Absentes a Curia; Omnes sunt numero [...]". Luca Carboni

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Rodrigo Borgia: Der Renaissance-Papst Alexander VI.

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 Rodrigo Borgia Borgia (1431-1503): Münze mit Papst Alexander VI. Foto oben,
National Gallery of Art in Washington

 Fact und fiction – Jeremy Irons spielt die Hauptrolle als Rodrigo Borgia, dem späteren Papst Alexander VI.,
im Fernsehfilm des Sky-TV: The Borgias – The Original Crime Family. Der endlose Mythos der Borgia-Familie.

   In einem dieser Seifenopern der BBC über den 1. Weltkrieg sagt ein Schauspieler einem einfachen Soldaten: „Wenn du deine Marschverpflegung im Offizierskasino aufgetragen hättest, wärst du in Arrest genommen für die größte Massenvergiftung seit Lucrezia Borgia 500 Freunde zu einer Wein- und Anthrax-Party eingeladen hatte.“
   Zuerst schien mir dieser Scherz harmlos, aber intelligent, doch dann erkannte ich, dass hier nur der unendliche Borgia-Mythos weitergeführt wird. Regelmäßig finden wir auf unseren Bildschirmen „Historien“- Serien, wie jetzt wieder im ZDF und in einem kommerziellen Kanal die Spielfilme über Papst Alexander VI. Hier wird der Eindruck erweckt, dass uns aus der Renaissancezeit Fakten in einem neuen 6-Teiler aus den USA vorgeführt werden: „The Original Crime Family“. Wie üblich werden hier Fakten und Fiktion vermischt, und wir sollten wissen, dass es sich bei den Alexander-Filmen nicht um seriöse Dokumentation handelt, sondern um aufwendig und opulent gemachte Dramen.
  Die Renaissance-Päpste werden oft abgetan als extravagant und unmoralisch; oft verbinden wir sie mit Reichtum und Prachtentfaltung. Moderne Touristen bewundern in Rom gerade die Gebäude aus dieser Zeit, wie die Sixtinische Kapelle oder den Petersdom Foto.

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  Es überrascht nicht, dass Päpste und Kardinäle eindrucksvolle Bauten hinterlassen wollten. Sie gaben damit nicht nur Gott die Ehre, sondern gleichzeitig auch ihren eigenen Familien. Sie gaben aber auch der Kirche und Rom neues Ansehen. Erinnern wir uns: die Kirche erholte sich gerade von 150 Jahren der Spaltung. Die lange Abwesen- heit der Päpste von Rom und die Übersiedlung ins französische Avignon (1309-1378) ließ Rom zu einer Geister- stadt werden. Dann die Zeit der Gegenpäpste, wo jeweils zwei oder drei Kandidaten die Nachfolge des heiligen Petrus für sich reklamierten. Nun gab es einen Papst in Rom, der die Aufgabe übernahm, die spirituelle und weltliche Autorität des Papstes wiederherzustellen. Mehr noch: die Bausubstanz der Ewigen Stadt war desolat, viele Kirchen und öffentliche Gebäude mussten saniert werden.
   Natürlich waren die Päpste der Reanaissance-Zeit geistliche Führer, aber sie sahen sich auch als italienische Fürsten, die um die Erweiterung ihrer Landesgrenzen besorgt waren, mit ihren Rivalen stritten und den Adel in Schach hielten. Ihre täglichen Sorgen unterschieden sich sehr von denen unserer heutigen Päpste. Besonders der Borgia-Papst Alexander VI. (1492-1503) blieb in Erinnerung als besonders korrupt in der Ausübung seiner politi- schen Macht.
   Er stammte aus der spanischen Familie Borja. Seine ausländische Herkunft mag einer der Gründe für die Lang- lebigkeit der „schwarzen Legenden“ sein, Ursache des Misstrauens seiner italienischen Zeitgenossen. Spätere Generationen führten nahtlos diesen Ruf weiter wegen der Grausamkeiten des katholischen Spanien etwa in der Inquisition.
   Rodrigo Borgia war ein Neffe von Papst Calixtus III. Im jugendlichen Alter von 25 Jahren wurde er zum Kardinal ernannt. Offensichtlich kannte er sich im Machtsystem aus. Er kaufte sich ein Diplom im Kirchenrecht von der Universität Bologna, erwarb zahlreiche Pfründe, die ihn zu einem reichen und mächtigen Prälaten machten. Er wurde Vater von neun Kindern und hielt sich öffentlich eine Mätresse, auch noch nach erfolgter Wahl zum Papst.
   Als Papst stand er in einem ausgezeichneten Kontrast zu seinem Vorgänger, Papst Innocenz VIII., der mit der Verwaltung überfordert war. Was immer auch die Wahrheit hinter den Gerüchten ist, dass er seine Wahl erkauft habe, klar ist, dass er ein offensichtlich fähiger Kandidat war, der bedeutende Ämter am päpstlichen Hof seiner Vorgänger ausfüllte. Es ist sicher ein unfairer Vergleich, aber seine Wahl war keineswegs überraschender als die Wahl Eugenio Pacelli zu Papst Pius XII. oder auch Giovanni Montini zu Papst Paul VI. Und es gibt keinen Hinweis, dass die Leute „erschrocken“ waren durch seine Wahl zum Papst durch die Kardinäle.
   Der neue Papst war bedauerlicherweise nicht der erste, der seine Stellung dazu gebrauchte, seiner Familie Vorteile zu verschaffen, indem für seine Söhne Herzogtümer aus dem päpstlichen Latifundien errichtete, eine vorteilhafte Hochzeit für seine Tochter Lucrezia arrangierte. Sein ehrgeiziger Sohn wird erwähnt in Machiavellis „der Fürst“. Alexander konnte rücksichtslos sein, auch gegen seinen Sohn Juan, oder auch gegen einen von Lucrezias Ehemännern, wenn die seinen Plänen im Weg standen. Die einzige Lichtgestalt unter seinen Nach- komnen war sein Enkel Francis, der Mitglied der Gesellschaft Jesu wurde und später zu einem der bedeutendsten Heiligen seiner Zeit: St. Francis Borgia.
   Es muss hier noch erwähnt werden, dass die meisten „schwarzen Legenden“ von den Gegnern der Borgias ausgingen, besonders von seinem Nachfolger Julius II. (1503-1513). Obgleich seine laxe Moral und sein Nepotismus nicht geleugnet werden können, war Alexander nicht der grausame Herrscher, als der er oft dar- gestellt wird. Er selbst lebte wirklich einfach, seine Mahlzeiten bestanden hauptsächlich aus Brot, Sardinen, Käse und Wein. Außerdem nahm er sein Papstamt ernst. Er suchte die öffentliche Ordnung wieder her- zustellen und stand jeden Dienstag bereit, die Bitten und Gesuche seiner Römer anzuhören. Zur besseren Verteidigung der Ewigen Stadt befestigte er die Engelsburg, gerade zur rechten Zeit, denn es war die Periode der italienischen Kriege, als die Habsburger und die französichen Könige (Valois) ihren dynastischen Streit auf der Halbinsel Italien ausfochten. Die Franzosen besetzten Rom im Jahre 1494.
   Für viele überraschend zeigte Alexander ein Interesse an kirchlichen Reformen (obgleich er dabei wenig er- folgreich war), er hieß große Pilgergruppen im Heiligen Jahr 1500 in Rom willkommen, förderte Kunst und Wis- senschaft (wie viele andere Päpste), versuchte die Christenheit zu einigen im Kreuzzug gegen die Türken.
   Die Tatsache, dass die katholische Welt ihn als höchsten Schiedsrichter akzeptierte, wurde im Jahre 1493 deut- lich, als er die Demarkationslinie westlich der Azoren festlegte. Alle östlich davon liegende Gebiete in Südamerika übergab er Portugal, die westlichen Gebiete fielen an Spanien. Das ist der Grund, dass in Brasilien bis heute portugiesisch gesprochen wird und in allen anderen Ländern Lateinamerikas spanisch.
   Was ist aber nun mit den „Wein- und Anthrax-Parties“? Gift war bei Mord und Attentaten sicher ein probates Mittel, die Voraussetzungen dazu waren zum Teil von Alchemisten geschaffen worden. Zahlreiche Gerüchte be- richten davon, dass die Borgias ein geheimes Rezept benutzten (La Cantarella) und dass Lucrezia einen Ring besaß, der Gift enthielt, das sie nach Belieben einsetzen konnte. Als Papst Alexander im August 1503 starb, nachdem er an einem Bankett im Haus des Kardinals Adrian Castellesi teilgenommen hatte, wurde erzählt, dass er an Gift gestorben sei, das für einen anderen Kardinal bestimmt gewesen sei. In dieser Sache scheint es aber wahrscheinlicher, dass er wie viele in diesem heißen Sommer an Malaria erkrankte und daran starb. Alle diese sensationellen Details sind historisch nicht zu belegen und daher weithin ein Produkt des „Borgia-Mythos“. Tatsächlich ist die Verbindung zwischen Papst Alexander und dem Gift so dicht, dass im Fernsehfilm schon in der ersten Episode der Borgias einer seiner Rivalen, der Kardinal Orsini (gespielt von Derek Jacobi) während einer Party vergiftet wird. Aber das ist künstlerische Freiheit und reine Fiktion.
   Aber auch dies kann von Alexander VI. gesagt werden: wenn unsere Kirchen dreimal täglich zum Angelus-Gebet läuten, sollten wir an Papst Alexander denken. Von ihm wird gesagt, dass er die Mutter Gottes sehr verehrte, darum förderte er weltweit das Angelus-Läuten, das bis heute besteht.
   Der Borgia-Papst ist ein gutes Beispiel für das theologische Prinzip „ex opere operato“, das in der Regel auf die Sakramente bezogen ist. Kirchenrechtlich gilt, dass die Gültigkeit der heiligen Messe nicht abhängt von der persönlichen Heiligkeit des Priesters. Das Pontifikat Alexanders VI. war in vielfacher Weise erfolgreich. Mit seinen Kräften wirkte er mit am Werk der Kirche, Menschen zu Christus zu führen. Das gelang ihm trotz seiner persön- lichen Unwürdigkeit. CT1109FrNicholasSchofield

Alexander VI. Papst
* 1. Januar 1431 (oder 1432) in Xiva in Spanien † 18. August 1503 in Rom

  Rodrigo de Borja y Borja war ein Neffe von Papst Callistus III.; sein Onkel schickte ihn zum Studium nach Bologna und ernannte ihn 1456 zum Kardinaldiakon.  Als fähiger Verwalter war er - mit reichen Pfründen versehen- Vize- Kanzler unter fünf Päpsten. Er wurde als klug und glänzend begabt, gewandt und geschäftskundig gerühmt.
   Rodrigo hatte eine ganze Reihe von Frauen und Kinder, darunter ein ehebrecherisches Verhältnis zu Vannozza Catenei, die ihm die Kinder Juan, Cesare, Lucrezia und Gottfried gebar. 1484, nach dem Tod von Papst Sixtus IV., versuchte Rodrigo das Amt zu kaufen, scheiterte aber. 1492 wurde er dann gewählt als Alexander VI.
   Gegen das Eindringens Frankreichs und Spaniens in Italien vermochte er sich zu behaupten, indem er sich zunächst in der Heiligen Liga von 1495 mit Spanien, dann ab 1499 mit Frankreich verbündete; auch ein Paktieren mit den Osmanen scheute er nicht, um so ein Gegengewicht zum Einfluss der Franzosen in Italien zu bilden. 1493 entschied Alexander den Streit zwischen Spanien und Portugal über deren Besitztümer in Südamerika, indem er die Demarkationsline festlegte, die im Vertrag von Tordesillas 1494 fixiert wurde. Er stärkte die Zentralgewalt im Kirchenstaat, ernannte seinen Sohn Cesare zum Bischof und verheiratete seine Kinder in Adelskreise.
   Das Jahr 1500 ließ Alexander als Jubeljahr festlich begehen. Er unterstützte die Rechristianisierung von Grönland und das Wirken von Michelangelo; die Appartamenti Borgia im Vatikan gingen aus Alexanders Mäzenatentum hervor.
   Nach Alexanders Tod hielt sich das Gerücht, er sei von einem Kardinal vergiftet worden. Tatsächlich starb er wohl an Malaria.
www.heiligenlexikon.de

Lucrezia Borgia          vat-LucreziaBorgia-z

          Lucrezia Borgia war von dem sittlichen Verderben jener Zeit nicht unberührt, aber doch besser als ihr Ruf. Als Witwe heiratete sie mit 21 Jahren und lebte seither als Christin ohne Tadel. Mit 39 Jahren starb sie als Mitglied des 3. Ordens des heiligen Franziskus, verehrt von den Armen, gerühmt von den Gelehrten und Künstlern.

500 Jahre nach dem Tod Papst Alexanders VI. stellt eine seiner Nachkommen: Fürstin Alessandra Borghese
ihr erstes Buch vor der Presse in Rom vor:

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Eine Buchvorstellung mit Fürstin Alessandra Borghese links und Gloria von Thurn und Taxis rechts.
Interview mit Fr. Paul Bonnici: Die Fürstin entdeckt wie schön ein Leben mit Jesus ist

   Alessandra Borghese sieht Gott und die Kirche mit neuen Augen. Wie der Name schon sagt, findet sich in ihrer Ahnentafel der Papst, der den Bau der St.Petersbasilika in Rom vollendete, auch ein Heiliger ist darunter, und ein Kardinal, der die größte Kunstsammlung Europas – die Vatikanischen Museen – begründete.
   Die Verleihung des Titels, den Fürstin Alessandra Borghese trägt, liegt schon Jahrhunderte zurück. Diese Zeit der weltlichen Herrschaft des Papstes ist mit dem Einmarsch der italienischen Truppen im Rom im Jahre 1870 ver- gangen.
   In ihrem neuen Buch Con Occhi Nuovi (Mit neuen Augen), das in Rom veröffentlicht und zugleich in mehrere Sprachen übersetzt wurde, schreibt Fürstin Alessandra Borghese über ihre neue Liebe. Das ist keine neue Seifenoper. Sie schreibt sehr nüchtern, klar und ehrlich: „Ich bin verliebt in Gott!“
   Fr. Paul Bonnici traf sie am Ufer des Tiber zu einem Interview. „Unsere katholische Religion”, sagt sie, „ist eine Begegnung mit Gott. Es mag überzogen klingen, solches zu sagen, aber es ist wahr. In unserer Religion erleben wir den menschenfreundlichen Gott als wahren Gott und wahren Menschen. Wenn sich das in dir ereignet, kannst du es nicht für dich selbst behalten, du musst es weitersagen. Es ist so, wie wenn du eine wunderschöne Reise in ein liebenswertes Land gemacht hast, dann möchtest du es deinen Eltern, deinen Freunden und Bekannten er- zählen.
   Aber Gott zu begegnen und Gott zu erkennen ist weit mehr als eine kurzer Trip. Es ist eine Reise, der Grund des Lebens. Da ich denke, dass ich etwas Talent habe und zu schreiben verstehe, habe ich dieses Buch geschrieben, um anderen diese Reise und diese Begegnung mitzuteilen.”
   „Mit neuen Augen”, schreibt die Fürstin die Geschichte ihrer Umkehr. Das ist eine alte katholische Heimkehr, die den Lebensstil verändert. Das Herz drängt zur Beichte zu gehen, die heilige Messe täglich zu besuchen, und die Lehre der Kirche besser kennen zu lernen. „Für viele Jahre lebte ich in der Gesellschaft angepasst, Gott spielte keine große Rolle in meinem Leben, weil ich dachte, ich könnte alles allein schaffen. Ich war jung, sah gut aus, hatte Geld und einen interessanten Namen. Wozu brauchte ich Gott? Alles, was ich wollte, konnte ich tun. So legte ich Gott in eine Schublade, holte ihn hervor, wenn ich in Not war, und sehr selten, um Danke zu sagen. Es war eine sehr distanzierte Beziehung. Ich glaubte an Gott, aber er war sehr, sehr weit weg, und ich wollte mich auch nicht auf ihn einlassen. Darum erschien mir auch die Kirche als alt, kompliziert, rückwärtsgewandt und wie ein Widerspruch zur heutigen Freiheit. Dann änderte ich meine Meinung. Ich denke, wer seine Meinung ändert, zeigt, dass er intelligent und nicht festgefahren ist. Ich änderte mich, denn ich berührte die Liebe Gottes. Meine Beziehung zu Gott änderte sich total. Zu Beginn hätte ich gesagt: ich glaube an Gott. Seit sieben oder acht Jahren, seit ich zur Kirche gehe, auch zur Beichte, kann ich sagen: ich vertraue auf Gott und ich weiß dass er mich liebt und dass er immer für mich da ist.”
   Alessandra besuchte das berühmte Sacré-Coeur-Gymnasium an der Spanischen Treppe in Rom. Sie gibt zu: „selbst in der Zeit, als ich mich weit vom Glauben entfernte, besonders in den schlimmsten Jahren, habe ich „vielleicht nur durch die Erziehung einer Kindergärtnerin und das Bemühen meiner Lehrer immer – wenn auch noch so armselig - gebetet. Immer habe ich den Samen des Glaubens am Leben erhalten, einen Glauben an die Existenz Gottes, gewiss nicht lebendig, auch fühlte ich mich Gott nicht nahe, aber ich habe niemals aufgehört, irgendwie zu glauben. Vielleicht hat sich das, was ich gelernt hatte, tief in meinem Unterbewusstsein gespeichert. Nun habe ich den christkatholischen Glauben in seiner ganzen Fülle wiederentdeckt,  der nie ganz ausgelöscht war, aber erdrückt und erwürgt in einem Winkel meines Herzens lag.”
   Bei einem Abendessen mit ihrer Freundin, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis Foto oben begegnete sie dem attraktiven, jungen deutschen Monsignore Michael Schmitz, der von Kardinal Ratzinger die Priesterweihe erhalten hatte. Sie sprach mit dem Priester über die Beichte, und wie sehr sie den Kardinal bewundere und wie gern sie an seinen Messen teilnahm und seinen Worten zuhörte, schon bevor er zum Papst gewählt wurde. Die Prinzessin zeigt sich tief beeindruckt von seiner Einfachheit und seinem heiligmäßigen Leben.
   Alessandra Borghese ist eine Römerin, alles, was sie sagt und tut, macht sie mit Leidenschaft, das gehört zu Rom. Und sie erzählt ganz offen, wie sie Christus nachfolgt. Sie sagt: „Heute kommt uns die Kirche vor wie ein Handbuch mit komplizierten Regeln, sehr schwierig und nervend, und die Freiheit einengt. Man darf dies nicht tun. Man darf das nicht tun. Ich sehe, dass es manchmal schwierig ist, Jesus Christus zu folgen. Es ist viel leichter, ihm nicht zu folgen. Ich behaupte nicht, dass uns die Nachfolge Jesu Erfolg bringt, oder uns der rote Teppich ausgerollt wird. Aber wir werden klar wissen, wohin wir gehen. Jeder Mensch sollte wissen, wohin er geht, und was der Sinn dieses Lebens ist. Ich habe erfahren, dass mir die Kirche und die Sakramente helfen können, und ohne sie könnte es oft schwierig werden.”
   Fr. Paul Bonnici fragt: „Was würden Sie den Menschen sagen, denen es schwer wird, zu beichten?” Sie ant- wortet, sie wisse wohl, wie mühsam das ist, und erzählt dann die Geschichte eines englischen Lord, mit dem sie befreundet sei, und der von der anglikanischen Gemeinschaft zur katholischen Kirche konvertiert ist: „Ich fragte ihn, was für ihn das Schönste gewesen sei, als er katholisch wurde. Er antwortete: ‚Die Beichte’. Als ich ihn fragte, warum?, sagte er: ‚Das war wunderschön. Ich spürte, dass ich geliebt und nicht verurteilt wurde.’ Menschen, die zu Psychologen gehen, lassen sich analysieren. Beichte ist keine Analyse. Man geht nicht zu einem Priester zur Analyse. Du gehst zu einem Priester und sagst: ‚Gott möge mir verzeihen. Ich habe wieder gesündigt. Ich war schwach. Ich habe Gott beleidigt. Bitte, gib mir deine Hand, hilf mir!”
   Und dann frage ich sie: „Und was ist der Unterschied, wie sehen Sie die Kirche heute?” „Ich sehe die Kirche heute aus der Sicht einer römischen Frau. Die Kirche lebt. Sie ist gut aufgestellt. Die Kirche ist jung. Ich bin der Kirche begegnet. Kirche - das sind nicht nur Bischöfe und Priester. Kirche – das ist Gottes Volk. Wir sind wohl nicht in der Mehrheit, aber die Qualität ist hervorragend”, antwortet die Fürstin. FrPaulBonniciCT061105

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