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 Alterssicherung

Warum man überhaupt Altersvorsorge betreiben muss und wie groß der Bedarf ist. 

  Immer mehr Rentner beziehen Sozialhilfe.

   Ende 2013 erhielten rund 499 000 Personen ab 65 Jahren die sogenannte Grundsicherung im Alter. Damit sei ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit. In Deutschland leben rund 20 Millionen Rentner. Die Sozialverbände sehen in dem Anstieg die Vorboten einer wachsenden Altersarmut. Sie forderten höhere Sozialhilfesätze für Rentner und eine andere Schwerpunktsetzung in der Rentenpolitik. Grüne und Linke forderten die Bundesregierung auf, umfassende Maßnahmen gegen Altersarmut zu ergreifen.
   Die Quote sozialhilfeabhängiger Senioren beträgt im Bundesschnitt 2,5 Prozent. Auf Grundsicherung ab 65 Jahren insbesondere westdeutsche Frauen angewiesen: Ende 2013 bezogen in Westdeutschland 3,6 Prozent der über 65-jährigen Frauen Grundsicherung. Bei den Männern dieses Alters waren es im Westen 2,7 Prozent. In den neuen Ländern einschließlich Berlin sind die Zahlen mit 2,2 Prozent bei den Frauen und 2,0 Prozent bei den Männern niedriger. NOZ141105epd

Hamburg Spitze bei Grundsicherung
Rund 24.000 Senioren beziehen in der Hansestadt diese staatliche Unterstützung

   Hamburger Rentner haben im März dieses Jahres Grundsicherung im Alter bezogen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, erhielten damit im Durchschnitt 69 von 1000 Senioren Grundsicherung. Damit ist Hamburg Spitzenreiter unter den Bundesländern.
           Neben den rund 24.000 Empfängern von Grundsicherung im Rentenalter gab es im März 2015 in Hamburg 16.193 Grundsicherungsempfänger wegen dauerhaft voller Erwerbsminderung. Diese waren mindestens 18 Jahre alt, hatten das Rentenalter allerdings noch nicht erreicht. Damit bezogen insgesamt im März 2015 rund 40.000 volljährige Menschen in Hamburg Leistungen der Grundsicherung.
   Deutschlandweit waren rund 512.000 Personen ab 65 Jahre und drei Monate auf die Leistungen angewiesen. Von 1000 älteren Frauen erhielten 31, von den Männern 26 Grundsicherung. Insgesamt seien es 995.000 Menschen gewesen. Im Westen der Republik waren 34 von 1.000 Frauen und 28 von 1000 Männern auf das Geld angewiesen. In den neuen Ländern einschließlich Berlin erhielten sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen im Rentenalter jeweils 19 von 1.000 diese Unterstützung.
   Die Grundsicherung kann als Sozialhilfe bezogen werden - bei Bedürftigkeit von 18- bis 64-Jährigen, die auf Dauer erwerbsgemindert sind. Oder sie kommt als Grundsicherung im Alter Menschen zugute, die älter als 65 Jahre und drei Monate sind. Seit Januar 2012 wird die Altersgrenze - entsprechend dem Renteneintrittsalter - schrittweise auf 67 Jahre angehoben.
   Da es seit diesem Jahr eine neue Art der Erhebung der Grundsicherung gibt, können die aktuellen Zahlen den Statistikern zufolge nicht mit denen aus den Vorjahren verglichen werden. Nach Einschätzung des Bundesamtes ist die Tendenz aber generell leicht steigend. Ende 2012 gab es demnach rund 900.000 Grundsicherungsempfänger; Ende 2014 seien es über eine Million gewesen. Lediglich aufgrund einer Untererfassung in einigen Ländern liege diese Jahreszahl leicht unter der aktuellen Quartalszahl, erklärte das Statistische Bundesamt.
   Bis Ende des Jahres 2014 wurde die Zahl der Empfänger dezentral und einmal im Jahr erfasst. Nun erfasst das Statistische Bundesamt die Grundsicherungsstatistik zentral und einmal im Quartal. HA150807

 512.000 Rentner erhalten Grundsicherung
insgesamt eine Million Leistungsempfänger - Statistiker: Tendenz leicht steigend

   Vor allem ältere Menschen brauchen zusätzlich zur Rente finanzielle Unterstützung: Mehr als die Hälfte der Empfänger von Grundsicherung sind im Rentenalter.  Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden weiter mitteilte, bezogen im März dieses Jahres 512.000 Menschen im Rentenalter die Grundsicherung. Unter ihnen hätten Frauen mit einem Anteil von 61 Prozent überwogen, hieß es. Insgesamt seien es 995.000 Empfänger gewesen.
    Die Grundsicherung kann als Sozialhilfe bezogen werden - bei Bedürftigkeit von 18- bis 64-Jährigen, die auf Dauer erwerbsgemindert sind. Oder sie kommt als Grundsicherung im Alter Menschen zugute, die älter als 65 Jahre und drei Monate sind. Seit Januar 2012 wird die Altersgrenze schrittweise auf 67 Jahre angehoben.
   Da es seit diesem Jahr eine neue Art der Erhebung der Grundsicherung gibt, können die aktuellen Zahlen den Statistikern zufolge nicht mit denen aus den Vorjahren verglichen werden. Nach Einschätzung des Bundesamtes ist die Tendenz aber generell leicht steigend. Ende 2012 gab es demnach rund 900.000 Grundsicherungsempfänger.
   Vor allem in Westdeutschland beziehen viele Menschen nach Angaben des Bundesamtes die Grundsicherung: Dort waren es 31 von 1.000 Einwohnern. In den östlichen Bundesländern und Berlin seien es 19 von 1.000 Einwohnern gewesen. NOZ150807 

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Die private Rente ist für Normalverdiener harte Kost
Die Altersvorsorge zwingt zu Konsumverzicht, was bei schmalem Geldbeutel hohe Disziplin erfordert

    Der durchschnittliche Deutsche liebt den Umgang mit Mittelwerten. Wie hoch ist das durchschnittliche Einkommen? Wie hoch ist die durchschnittliche Miete? Wie hoch ist die durchschnittliche Sparrate? Wie hoch ist die durchschnittliche Rente? So heikel der Umgang mit Durchschnitten ist, so verständlich ist das Verlangen, die eigene Position abschätzen zu können. Liegt man unter dem Durchschnitt, liegt frau über dem Durchschnitt, oder liegen beide, wenn von Paaren die Rede ist, ir­gendwo in der Mitte? Der soziale Standort spielt bei der Frage, wie glücklich und zufrieden Menschen sind, eine wichtige Rolle, und aus diesem Grund lohnt ein Blick in die Statistik, wo der durchschnittliche Deutsche in finanzieller Hinsicht steht und welche Anstrengungen nötig sind, diese Position nach Möglichkeit ein Leben lang zu halten. Die deutsche Rentenversicherung geht bei der Berechnung der Einzahlungen in die gesetzliche Rentenkasse von einem durchschnittlichen Verdienst von 34.857 Euro im Jahr aus. Das sind monatlich 2.905 Euro, so dass das mittlere Monatseinkommen bei großzügiger Aufrundung rund 3.000 Euro beträgt. Davon bleiben einem Alleinstehenden rund 1.900 Euro, weil der Staat sechsmal die Hände aufhält: 45 Euro für die Arbeitslosenversicherung, 246 Euro für die Krankenkasse, 457 Euro für die Lohnsteuer, 38 Euro für die Pflegeversicherung, 284 Euro für die Rentenversicherung und 25 Euro für den Solidaritätszuschlag.
   Die Bewertung dieses Nettolohns ist genauso heikel wie die Frage nach der Bedeutung von drei Haaren. Auf dem Kopf sind drei Haare relativ wenig, doch in der Suppe verhältnismäßig viel, so dass es zweckmäßig erscheint, sich auf den Kompromiss zu einigen, anderthalb Haare pro Kopf und Teller seien anständige Mittelwerte. Genauso sieht es bei der Miete aus, die in vielen Haushalten zu den größten Ausgaben gehört. Die monatliche Kaltmiete pro Quadratmeter liegt in Deutschland bei sechs Euro. Darüber können Mieter in München und Stuttgart, auch dort leben durchschnittliche Bürger, nur den Kopf schütteln, weil hier andere Preise selten, doch in Bremerhaven und Emden sind die Einwohner in der glücklichen Lage, fürs Wohnen weniger als sechs Euro pro Quadratmeter auf den Tisch legen zu müssen.
   In sämtlichen Fällen wird deutlich, dass 1.900 Euro in jeder Hinsicht durchschnittlich sind. Es reicht zum Leben, doch große Sprunge sind mit diesem Nettolohn nicht möglich. Die durchschnittliche Wohnfläche von Einzelpersonen liegt zwischen 50 und 60 Quadratmetern. Folglich liegt die Kaltmiete im Mittel bei 330 Euro im Monat, und wenn die Nebenkosten, in der Regel zwischen 20 und 25 Prozent der Kaltmiete, zu diesem Betrag addiert werden, kommt unter dem Strich eine durchschnittliche Gesamtmiete von 400 Euro zusammen.
   Der nächste Großposten im Haushaltsbudget ist das Auto. Die Deutschen fahren im Schnitt jährlich 10.000 Kilometer, und wenn für jeden Kilometer ein halber Euro angesetzt wird, schlägt das Auto mit weiteren 400 Euro zu Buche. Die beiden Posten summieren sich zu 800 Euro. Nun fallen Aufwendungen für Nahrungsmittel und Kleidung an, außerdem sind Freizeit und Urlaub zu bezahlen. Wenn für diese Dinge monatlich 500 beziehungsweise 300 Euro angesetzt werden, kostet das durchschnittliche Leben in Deutschland jeden Monat rund 1.600 Euro. Folglich bleiben 300 Euro übrig, und diese 300 Euro sollten auf die Seite gelegt werden, um den Lebensstandard im Alter aufrechterhalten zu können. Das ist vielen Privatleuten bewusst, doch die Beträge sind so hoch, dass es kein Wunder ist, das Problem nach Möglichkeit aus dem Bewusstsein auszublenden.
    Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen im Mittel monatlich 568 Euro in die gesetzliche Rentenkasse. Das heißt zum Beispiel für einen 32 Jahre alten Mann, dass beide Parteien bis zum 67. Geburtstag des Anlegers insgesamt 238.560 Euro einbezahlen werden, wenn die Beiträge konstant blieben. Das ist natürlich Spekulation, doch es ist genauso Utopie, irgendwelche Annahmen zu treffen, wie sich die Einzahlungen in den nächsten 35 Jahren entwickeln werden. Das gilt auch für die Auszahlung. Wenn die 239.000 Euro ohne Zins und Zinseszins an den Rentner zurückfließen, kann bis zum 85. Lebensjahr eine Rente von rund 1.100 Euro bezahlt werden.
   Nun wird es spannend. Die aktuellen Ausgaben betragen 1600 Euro, die mögliche Rente liegt bei 1.100 Euro. Was passiert mit der Lücke von 500 Euro? In der allgemeinen Diskussion ist oft die Rede davon, die Altersrente solle 60 bis 70 Prozent des Nettolohns betragen. Das hört sich gut an, das sieht ordentlich aus, doch die entscheidenden Fragen lauten: Kann der durchschnittliche Rentner im Alter billiger wohnen? Wird der durchschnittliche Rentner im Ruhestand zu Fuß gehen? Wird der durchschnittliche Rentner in 40 Jahren die Ausgaben für Ernährung und Kleidung reduzieren?
  Wer den heutigen Konsum im Alter nicht einschränken will, außerdem nicht bereit ist, vor dem 85. Geburtstag von der Bühne abzutreten, braucht zu Beginn des Ruhestandes, da gibt es nicht viel zu berechnen, insgesamt 108.000 Euro, um ordnungs- und standesgemäß - eben im Schnitt - über die Runden zu kommen. Das bedeutet bei einer Spardauer von 35 Jahren, dass jeden Monat etwa 250 Euro auf die hohe Kante gelegt werden müssen. Das sind 13 Prozent des verfügbaren Einkommens, und dieser Wert entspricht in etwa der aktuellen Sparquote in Deutschland.
   Der durchschnittliche Deutsche hat, wie im vorliegenden Fall deutlich geworden ist, monatlich 300 Euro übrig, so dass monatliche Sparleistungen von 250 Euro kein Problem zu sein scheinen. Die Betonung liegt aber auf dem letzten Verb des letzten Satzes, weil solche Sparquoten in der Wirklichkeit riesige Probleme sind. Durchschnitt und Median sind, wie jeder Fachmann weiß, verschiedene Stiefel. Bei der ersten Kennzahl werden alle Menschen in einen Topf geworfen, und beim zweiten Wert werden die Menschen in zwei Lager aufgeteilt, die gleich groß sind. Das hat zur Folge, dass die Zahl der Menschen, die im Monat weniger als 3.000 Euro einnimmt, größer ist als jene Zahl, die mehr als 3.000 Euro verdient.
   Die ungleiche Verteilung hat zur Folge, dass die meisten Menschen gewaltige Probleme haben, monatlich 250 Euro m die Altersvorsorge zu stecken. Und viele Menschen, die keine Schwierigkeit mit diesem Wert haben, haben doch ein Problem mit dieser Zahl, weil sie jeden Monat, eigentlich jeden Tag, vor der Entscheidung stehen, ob sie das Geld lieber heute oder doch erst in Zukunft ausgeben. Vor allem jüngere Menschen neigen in der Regel dazu, das Geld heute auszugeben und sich über die Zukunft keinen Kopf zu machen.
   Die Haltung ist, so heikel sie sein mag, durchaus verständlich. Man lebt nur einmal, die Jugend ist kurz, und der Verzicht zugunsten der Zukunft gehörte noch nie zu den menschlichen Stärken. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich Sparen in den Augen vieler Privatleute gar nicht mehr lohnt. Geldanlagen sind unsicher, und Zinsen auf Sparverträge sind Fremdwörter geworden. Stattdessen greift die Sorge um sich, für jeden Sparvertrag auf irgendeine Art und Weise bestraft zu werden, sei es durch Inflation, sei es durch Steuern, sei es durch Umverteilung.
   Die emotionalen und finanziellen Rahmenbedingungen der privaten Altersvorsorge sind zurzeit eine Katastrophe, und es sind keine Anzeichen erkennbar, dass sich daran in naher Zukunft viel ändern wird. Das Vertrauen in die Politik ist gering, doch das Schimpfen auf Gesellschaft und Staat ist nur die halbe Wahrheit. Politiker sind ein Abziehbild ihrer Bürger, und die andere Hälfte der Wahrheit sind kollektive Ansprüche, die nicht zu bezahlen sind. Und wie sollen sich die Menschen verhalten, die Verantwortung für sich und ihren Lebensabend übernehmen wollen? Beten, hoffen oder sparen? Die Antwort ist schwierig und simpel zugleich.
   Jeder durchschnittliche Mensch mit mittlerer Intelligenz wird erkennen, dass mit einem Nettolohn von 1.900 Euro kein Blumentopf zu gewinnen ist. Kinder sind bei diesem Einkommen, so grausam das klingt, eine Gefahr für jeden Geldbeutel, und die Folgen sind nicht nur in Deutschland ein Drama. Genauso kommen Eigenheime bei durchschnittlichen Einkommen nicht in Frage. Mieten von 350 Euro und Sparleistungen von 250 Euro ergeben einen Betrag von monatlich 600 Euro. Mit diesen Raten könnte im Laufe von 35 Jahren ein Kredit von 156.000 Euro bedient werden, doch die Summe ist so gering, dass es selbst in Ostfriesland oder in der Niederlausitz schwierig werden dürfte, für diesen Betrag ein ordentliches Dach über dem Kopf zu finden.
   Noch schlimmer ist freilich die Tatsache, dass die Hütte oder Kate nur ein Zuhause auf Zeit ist, weil das Objekt im Alter wieder verkauft werden muss, um den geplanten Lebensstandard bezahlen zu können. Bei diesen Perspektiven sollte die Kirche besser im Dorf stehen bleiben, und das heißt in diesem Fall:  Finger weg von Krediten, voller Einsatz am Arbeitsplatz, die laufenden Ausgaben im Auge behalten, die Überschüsse in preisgünstige Anlagen stecken und zur Not auf Zinsen verzichten. Das ist für viele Anleger bittere Medizin, doch der Traum vom großen Wohlstand ist bei diesen Rahmenbedingungen einfach nicht zu erfüllen. Stattdessen sollten sich die Anleger auf bewährte und preisgünstige Sparverträge besinnen.
   Die einfachste Lösung ist die Aufteilung der Sparrate in zwei gleiche Beträge. Die erste Hälfte fließt in eine Kapitalversicherung mit Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit, und die zweite Hälfte fließt in einen Aktienfonds. Die Empfehlung bietet wenig Anlass zum Jubel, doch welcher Sparvertrag bietet im Augenblick schon Freude? Die Zinsen sind im Moment im Keller, und die Kurse der Aktien sind zurzeit in der Höhe. Auf lange Sicht aber, und 35 Jahre sind 35 Jahre, werden normale Sparer zu diesen Klassikern trotz bester Absichten keine Alternative finden.
   Die traditionelle Kapitalversicherung, vorzugsweise eine Rentenversicherung ohne Todesfallschutz, ist ein Sparvertrag, bei dem die Prämien in festverzinsliche Wertpapiere angelegt werden. Dafür gibt es zur Zeit jährlich Zinsen von 2 bis 3 Prozent. Das ist natürlich Magerkost, doch Jammern und Schimpfen haben keinen Zweck. Wer seine Altersvorsorge, aus welchen Gründen auch immer, selbst in die Hand nehmen möchte, muss die Lage akzeptieren, wie sie ist, und Sicherheit ist beim ersten Sparvertrag wichtiger als der Zins. Das spiegelt sich auch in der Empfehlung wider, das Fundament des Vermögensaufbaus gegen Invalidität abzusichern. Die Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit sorgt dafür, dass die Versicherung die Raten übernimmt, wenn der Sparer aus gesundheitlichen Gründen aus dem Berufsleben ausscheiden muss, im Alter also trotzdem ein kleines Vermögen zur Verfügung steht.
   Provisionen und Gebühren spielen beim Abschluss der Police eine große Rolle, und da hilft nur der Rat, vor der Unterschrift unter den Vertrag einen Blick ins Kleingedruckte der Produktinformationsblätter zu werfen. Die Versicherungen müssen die Kosten der Verträge offenlegen, und das ist in diesem Fall ein Segen für die Verbraucher. Üblich sind Abschlusskosten von 4 bis 5 Prozent der Prämiensumme, doch es geht auch preiswerter. Mehr als 2 bis 2,5 Prozent sollten es nach Möglichkeit nicht sein, weil die Kapitalmarktzinsen so gering sind.
   Die Warnung gilt auch für den Aktienfonds. Die klassischen Investmentfonds mit Ausgabeaufschlägen von 5 Prozent und Jahresgebühren von 2 Prozent kommen für Normalverdiener nicht in Frage, weil sie einfach nicht reich genug sind, um sich diesen Luxus leisten zu können. Bei einer Sparrate von 100 bis 150 Euro im Monat ist ein Indexfonds die beste Lösung. Es ist nicht nötig, sich acht oder zehn Indexfonds zu besorgen, weil ein Indexfonds, der das Kapital global in 500 bis 1000 Aktien streut, in der Regel völlig ausreicht. Viel wichtiger ist die Disziplin, die Sparraten zu überweisen und den Aktienfonds nach Möglichkeit zu vergessen, weil Disziplinlosigkeit beziehungsweise die Versuchung, das Kapital vor dem Ruhestand anzugreifen, der größte Feind des durchschnittlichen Sparers ist. Dagegen ist kein Kraut gewachsen, und es gibt auch keine Möglichkeit, sich gegen dieses Risiko zu versichern.  
FAZ141011VolkerLohmann Der Autor ist Finanzanalytiker in Stuttgart.

Die Altersarmut nimmt zu - Mehr Rentner in Deutschland brauchen Grundsicherung

  Immer mehr Rentner sind auf staatliche Unterstützung angewiesen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bezogen Ende 2013 rund 499.000 Personen über 65 Jahre in Deutschland die sogenannte Grundsicherung im Alter. Das waren 7,4 Prozent mehr als Ende 2012, wie das Amt in Wiesbaden mitteilte.
   Damit stieg der Anteil der Menschen, die als arm im Rentenalter gelten, von 3 auf 3,2 Prozent im Westen und von 2 auf 2,1 Prozent im Osten. Auf Grundsicherung im Alter sind besonders westdeutsche Frauen angewiesen: Ende 2013 bezogen im Westen 3,6 Prozent der Frauen über 65 Jahre diese Sozialleistung und 2,7 Prozent der Männer. In den neuen Ländern einschließlich Berlin waren es 2,2 Prozent der Frauen und 2 Prozent der Männer. Regional verzeichneten die Statistiker eine besonders hohe Altersarmut in Hamburg (6,8 Prozent), Bremen (5,9 Prozent) und Berlin (5,8 Prozent). Mit jeweils 1,1 Prozent lag die Altersarmut in Sachsen und Thüringen am niedrigsten. Darüber hinaus gibt es in Deutschland rund 463.000 Empfänger von Grundsicherung wegen dauerhafter Erwerbsminderung.
   Das hat Folgen für den Haushalt: Das Bundesarbeitsministerium rechnet in den nächsten vier Jahren mit steigenden Kosten für die Sicherung der Existenz Älterer. Im Sommer hieß es, dass die Kosten für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung von voraussichtlich rund 5,5 Milliarden Euro in diesem Jahr bis 2018 auf etwa 7,2 Milliarden Euro steigen werden. FAZ141105enn

 50.000 Rentner erhalten finanzielle Hilfe. Grundsicherung für 30 von 1.000 älteren Niedersachsen

   Ungefähr 50.000 Rentner in Niedersachsen bezie­hen Grundsicherung. Ende 2013 bekamen 30 von 1.000 Einwohnern ab 65 Jahren finanzielle Unterstützung zu ihren Einkommen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden berichtete. Im früheren Bundesgebiet lag die Quote bei 32 von 1.000 Einwohnern, in den neuen Ländern mit Berlin bei 21 von 1.000. Besonders häufig auf Grundsicherung angewiesen waren Frauen. Diese erhielten in Niedersachsen 34 von 1.000 Frauen. Bei den Männern waren es 26 von 1.000.
Grundsicherung beziehen können aber auch jüngere Menschen wegen dauerhafter Erwerbsminderung. In Niedersachsen war dies Ende 2013 bei fast 52.000 Betroffenen der Fall. Nach dem Sozialgesetzbuch bekommen Menschen im Alter und bei Erwerbsminderung Grundsicherung, wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können. Die Höhe der Leistungen berechnet sich individuell. HAZ141105

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 Produkte zur Altersvorsorge sollen vergleichbar werden
Anbieter müssen für einheitliche Informationsblätter sorgen - Verbraucherschützer bezweifeln Transparenz

      Die steuerliche Förderung der privaten Altersvorsorge und die Vergleichbarkeit von Riester-Produkten sollen verbessert werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen wurde vom Bundestag gegen die Stimmen der Opposition angenommen. Zur Optimierung des Verbraucherschutzes sieht er unter anderem die Einführung von verpflichtenden Produktinformationsblättern einheitlich für alle Produktgruppen zertifizierter Altersvorsorgeverträge vor. Bei einem fehlerhaften Infoblatt soll dem Kunden ein zweijähriges Rücktrittsrecht vom Vertrag eingeräumt werden. „Die Infoblätter sorgen für Transparenz und Vergleichbarkeit", betont der CDU- Finanzexperte Mathias Middelberg gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.
   Dem widerspricht der Verbraucherzentrale-Bundesverband (vzbv). Die Tatsache, dass die Anbieter in den Infoblättern für die Darstellung der Kosten weiterhin die unterschiedlichsten Bezugsgrößen verwenden dürften, mache den Vergleich für den Kunden weiterhin unmöglich. Der vzbv forderte, die Anbieter zu verpflichten, die Kosten einheitlich als Prozentsatz auf das gebildete Kapital anzugeben.
   Ebenfalls in dem Gesetz enthalten ist nach Angaben von Middelberg die Deckelung der Kosten beim Wechsel des Anbieters. Dies soll den Wettbewerb fördern. Der vzbv kritisierte aber, dass beim Vertragswechsel 50 Prozent des übertragenen Kapitals ein weiteres Mal mit Abschluss- und Vertriebskosten belastet werden dürften.
   Im Bereich der Altersvorsorge in Form selbst genutzten Wohneigentums sieht der Entwurf Vereinfachungen bei der Entnahme von gefordertem Altersvorsorgekapital vor. So soll zukünftig die jederzeitige Kapitalentnahme für selbst genutztes Wohneigentum in der Ansparphase möglich sein. Ein altersgerechter Umbau wird in die Förderung einbezogen.
   Für die Basisversorgung im Alter soll die Förderhöchstgrenze von 20.000 auf 24.000 Euro erhöht werden. Die Anhebung des bisherigen Abzugsvolumens für Beiträge zugunsten der gesetzlichen Rentenversicherung, Knappschaft, berufsständischen Versorgung, landwirtschaftlichen Alterskasse und privater Basisrenten schaffe Spielräume für den Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge, so die Koalitionsfraktionen. Auch der Spielraum zur Absicherung gegen Berufsunfähigkeit oder verminderte Erwerbsfähigkeit werde verbessert, hieß es.
NOZ130201WaltraudMessmann

  Verbraucher haben es schwer, wenn sie einen Altersvorsorgevertrag abschließen wollen. Sie werden einerseits mit Informationen überhäuft, tappen jedoch andererseits beim Vergleich verschiedener Angebote häufig im Dunkeln. Doch das soll sich nach dem Willen der Bundesregierung ändern. Im Finanzministerium wird an einem Gesetz gearbeitet, das für mehr Transparenz bei geförderten Altersvorsorgeverträgen, also „Riester-Renten" und „Rürup-Renten", sorgen soll. Das Vorhaben wird von Verbraucherschützern begrüßt, stößt jedoch in der Branche auf Kritik. Ein Diskussionsentwurf des Bundesfinanzministeriums sieht vor, dass die Unternehmen vom Jahr 2013 an dem Kunden standardisierte Produktionsinformationsblätter vor Vertragsabschluss an die Hand geben sollen. Diese sollen in knapper, übersichtlicher und vor allem einheitlicher Form wichtige Informationen für die Entscheidungsfindung liefern. Insgesamt geht es um Angaben zu 19 Punkten, die auf maximal drei Seiten zusammengefasst sein sollen.
   Zu den wesentlichen Neuerungen soll gehören, dass künftig die Versicherer Effektivkosten und Effektivrendite des jeweiligen Angebots nennen müssen. Außerdem soll jedes Produkt einer von fünf Chance-/Risikoklassen zugeordnet werden. Bislang finden sich solche Angaben, wenn überhaupt, nur im Kleingedruckten, sie sind zudem kaum miteinander vergleichbar.
   Das Institut für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA) in Berlin spricht von einem „Meilenstein auf dem Weg zu einem transparenten Altersvorsorgemarkt". Die Vorgabe eines Produktinformationsblattes nach einheitlichem Muster sei „genau die richtige Entscheidung, um Kunden einen echten Produktvergleich zu ermöglichen", erklärt ITA-Geschäftsführer Mark Ortmann.
   Auch Andreas Gernt von der Verbraucherzentrale Niedersachsen unterstützt das Vorhaben. „Jede Maßnahme, die die Transparenz in diesem Bereich verbessert, ist zu begrüßen." Die Verbraucherschützer stellten in ihrer Beratungspraxis immer wieder eine große Verunsicherung der Verbraucher in Sachen Alters Vorsorge fest. Allerdings sei ein Vergleich über verschiedene Produktklassen hinweg sehr schwierig, räumt Gernt ein. So wisse der Kunde beim Abschluss einer klassischen Rentenversicherung im Prinzip genau, wie hoch später die garantierte Rente ausfällt. Anders dagegen bei einem Riester-Banksparplan: Dieser schneidet zwar bei den Kosten gut ab, gibt jedoch dem Kunden wenig Klarheit über die Leistungen in der Rentenbezugsphase.
   Die im Verband der Versicherungskaufleute (BVK) zusammengeschlossenen Versicherungsvermittler halten wegen der vielen Detailprobleme das Vorhaben der Bundesregierung insgesamt für fragwürdig. Bei der Altersvorsorge handele sich um ein „äußerst beratungsintensives Produkt, welches eben gerade nicht dazu geeignet ist, alle nötigen Informationen in einem Blatt zusammenzufassen". Dieses könnte beim Verbraucher „die Illusion einer ausreichenden Information wecken" und damit sogar das Gegenteil von Aufklärung und Transparenz bewirken. Ein durchschnittlicher Verbraucher sei wegen der Komplexität dieses Bereichs auf die Beratung und Aufklärung des Vermittlers angewiesen, hieß es.
HAZ110808AlbrechtScheuermann

    Zu erwartende Rentenleistung
Nettorenten bei verschiedenen Monatslöhnen, unterschiedlichen Erwerbsdauern und Niveaus

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Grundlagen:                                                                                                                                     Grafik: kbwn
   Aktuelle Rechtslage, Vollzeit, keine Kindererziehungszeiten, keine Pflegezeiten, keine zusätzliche Vorsorge, keine künftigen Lohn- und Rentensteigerungen berücksichtigt, keine Anhebung des Grundsicherrungsbedarfs berücksichtigt. Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Die Rentenversicherung rechnet ab
Öffentliche Kritik am Arbeitsministerium - „Zusammenhänge bei Altersarmut komplexer als nahegelegt”

   s geschieht nicht oft, dass die um Seriosität und Überparteilichkeit bemühte Deutsche Rentenversicherung (DRV) sich mit politischen Stellungnahmen zu Wort meldet. Doch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat es jetzt geschafft. Ihre Darstellung, auch langjährig versicherte Vollzeitbeschäftigte seien in hohem Maß von Altersarmut bedroht, will die DRV so nicht stehen lassen. Die Zusammenhänge zwischen dem Niveau der gesetzlichen Rente und Altersarmut seien „weitaus komplexer, als es überschlägige Betrachtungen nahelegen".
   Die Rentenversicherung moniert vor allem, dass die Beispiele des Arbeitsministeriums weder Kindererziehungszeiten noch Pflegezeiten aufweisen. „Damit bleiben aber bei einer Regelarbeitszeit von aktuell bereits über 65 Jahren wenigstens weitere zehn Jahre der Erwerbsbiografie nicht berücksichtigt."
   Von der Leyen hatte vorrechnen lassen, dass Arbeitnehmer 2.500 Euro brutto im Monat verdienen und 35 Jahre Vollzeit arbeiten müssten, um wenigstens eine Rente in Höhe des Grundsicherungsbetrags von 688 Euro zu erhalten. Wer weniger verdient, wird demnach zum Sozialfall. Hintergrund ist die Rentenreform, nach der das Rentenniveau bis 2030  von derzeit 51 Prozent auf 43 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns vor Steuern sinkt.
   Die DRV entgegnet, eine niedrige gesetzliche Rente sei „nicht zwangsläufig mit Armut im Alter gleichzusetzen". Hierauf habe auch die Bundesregierung immer wieder zu Recht hingewiesen. Denn: „Von Armut im Alter kann man nicht sprechen, wenn zwar das eigene Einkommen eines Versicherten niedrig ist, sein Ehepartner jedoch über ein entsprechend hohes Alterscinkommen verfügt."
   Die Versicherung räumt zugleich ein, dass das Rentenniveau aufgrund der Reformen von 2001 und 2004 sinkt. Jedoch sei damals zugleich der Aufbau einer Zusatzvorsorge beschlossen worden. „Sofern Versicherte diese Förderung nutzen, wird - nach den Berechnungen der Bundesregierung - im Alter zwar ihr Rentenniveau geringer, das Niveau ihrer Alterseinkünfte aus gesetzlicher Rente und Zusatzvorsorge insgesamt aber sogar höher ausfallen als heute. Das Rentenniveau (vor Steuern) sinkt danach zwar im Zeitraum von 2008 bis 2025 von 50,5 Prozent auf 46,2 Prozent, das Versorgungsniveau (vor Steuern) einschließlich Riester-Rente steigt aber auf 51,3 Prozent an."
   Von der Leyen versucht mit ihren Beispielen die Notwendigkeit einer Zuschussrente zu belegen. Doch auch das lässt die DRV nicht gelten. So gehe die Ministerin davon aus, dass Versicherte neben der gesetzlichen keine zusätzliche Vorsorge haben. Genau dies, eine langjährige Zusatzvorsorge, sei aber Voraussetzung für den Erhalt der geplanten Zuschüsse. Fazit: „Die jetzt vorgelegten Berechnungen sind als zusätzliche Argumentation zugunsten der Einführung einer Zuschussrente nicht geeignet."
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Ohne Zusatzvorsorge fehlen Alten 800 Euro
   Arbeitnehmern, die nur über die gesetzliche Rentenversicherung für ihr Alter vorsorgen fehlen dereinst nach heutiger Kaufkraft im Schnitt 800 Euro im Monat. Die gesetzliche Rente reicht damit nicht annähernd aus, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Anders sieht es bei Beamten aus, die meist schon durch ihre Pensionsansprüche ausreichend versorgt sind. Zu diesen Ergebnissen kommt der neue „Vorsorgeatlas Deutschland" des Forschungszentrums Generationenverträge der Universität Freiburg unter Leitung des Finanzwissenschaftlers Bernd Raffelhüschen, der im Auftrag der Kapitalanlagegesellschaft Union Investment erstellt wurde. Die 16,6 Millionen Menschen, die schon heute privat zusätzlich für ihr Alter vorsorgten, könnten dagegen im Durchschnitt ihre Rentenlücke schließen. Einschließlich der Zusatzrente kämen sie fast auf das lebensstandardsichernde Ziel von 60 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens. Raffelhüschen sagte aber in der Verteilung der Ansprüche gebe es deutliche Unterschiede. Rund die Hälfte der Personen (8,3 Millionen) mit gesetzlicher und privater Altersversorgung erhalte nämlich weniger als 54,6 Prozent ihres letzten Brutto- einkommens. Besonders dramatisch sehe es für junge Menschen aus, weil das Rentenniveau sinke. Die 20 bis 34 Jahre alten Arbeitnehmer könnten mit ihrer künftigen Rente nur 38,4 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens ersetzen. Wollten sie ihren Lebensstandard halten, müssten sie zusätzlich Vorsorgen. Allerdings habe bisher nur gut ein Drittel dieser Altersgruppe ein private oder betrieblich Altersvorsorge.
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Altersvorsorge ohne Fachchinesisch - Gesetzliche Rente reicht oftmals nicht mehr

   Die Anbieter von Altersvorsorgeverträgen sind sich weitgehend einig: Die Bereitschaft, langfristig für das Alter vorzusorgen, hat in den vergangenen Jahren nachgelassen. Die möglichen Gründe dafür sind zahlreich: Mal wird auf die Folgen der Krise verwiesen oder auf die unsicheren Zukunftsaussichten der jungen Leute, mal auf schlechte Erfahrungen mit Finanzprodukten oder auf die Verunsicherung durch negative Berichte in manchen Medien.
   Was auch immer die Gründe für die Zurückhaltung sind, an der Begründung für die Altersvorsorge gibt es nichts zu rütteln: Wer im Alter ein einigermaßen sorgenfreies Leben haben will, muss sich rechtzeitig darum kümmern. Die gesetzliche Rente allein dürfte in vielen Fällen künftig nicht mehr ausreichen. Private Vorsorge für das Alter ist heute daher unbedingt notwendig.
   Viele junge Leute verschließen jedoch vor dieser Einsicht die Augen. Mit 30 kommt einem das ganze Thema noch sehr fern vor. Später ist schließlich noch genug Zeit, sich um solche Sachen zu kümmern, denken viele. Allerdings dürfte dann oft der Zug abgefahren sein. Wer erst dann mit der Vorsorge für den Ruhestand anfängt, wenn dieser in Sicht ist, kommt in der Regel zu spät. So viel Geld verdient kaum jemand, um in wenigen Jahren ein Kapital aufzubauen, das dann ein nennenswertes Zubrot zur Rente sichert. Dass es häufig an der Bereitschaft zur Vorsorge mangelt, dürfte aber noch einen anderen Grund haben: Viele halten das Thema für ausgesprochen kompliziert - und um komplizierte Themen machen die meisten Menschen einen Bogen. Zu dieser Einschätzung hat auch die Finanzbranche beigetragen. Gerne wird suggeriert, dass die Altersvorsorge zu schwierig ist, als dass der Normalbürger sich selbst ein Bild machen könnte. Da kommen dann die „Berater" ins Spiel, die jedoch nicht von der Beratung, sondern vom Verkauf von Versicherungen oder sonstigen Finanzprodukten leben.
   Nicht dass die Beratungsleistungen dieser Vermittler deswegen grundsätzlich schlecht sind - viele von ihnen sind gut ausgebildet und machen durchaus einen ordentlichen Job. Dennoch: Altersvorsorge ist keineswegs so schwierig, dass der Nichtfachmann vor lauter Fachchinesisch und höherer Mathematik kapitulieren muss. Jeder kann und sollte sich selbst ein Bild von den Möglichkeiten, den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Altersvorsorgeformen machen und sich damit eine solide Basis für die eigene Entscheidung schaffen. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung will Ihnen dabei helfen.
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Viele Rentner haben Anrecht auf Wohngeld
Der Zuschuss zur Miete kann bei Behörden einfach und schnell beantragt werden

   In den Großstädten steigen die Mieten immer schneller. Das ist besonders bitter für Rentner, deren Einkünfte kaum Schritt halten. Sie sollten deshalb prüfen, ob sie Anspruch auf Wohngeld haben. Es wird entweder als Mietzuschuss und bei Eigentumswohnungen als Lastenzuschuss geleistet. Die staatliche Unterstützung ist leichter zu erhalten, als viele denken. Zunächst wird Bedürftigkeit vorausgesetzt, also ein geringes Einkommen im Verhältnis zur monatlichen Miete. Allerdings sind die Hürden niedriger als etwa für einen Anspruch auf Hartz IV. Die örtlichen Wohngeldstellen prüfen nicht, ob Größe und Ausstattung der Wohnung angemessen sind. Ersparnisse werden ebenfalls nicht angerechnet. Lediglich „erhebliches Vermögen" gefährdet den Anspruch auf Wohngeld Paragraf 21, Absatz 3 Wohngeldgesetz. Die Unterstützung wird generell für zwölf Monate bewilligt und kann danach erneut beantragt werden.
   Ob und wie viel Anspruch auf Wohngeld besteht, hängt einerseits vom Einkommen ab, andererseits vom Wohnort sowie der Zahl der Haushaltsangehörigen. Wer in einer teuren Stadt wohnt, der hat bessere Chancen. Es gibt sechs sogenannte Mietstufen. Hamburg gehört der Mietstufe V an, Berlin der Stufe IV.  Wer wissen möchte, ob er einen Anspruch auf Zuschuss hat, kann dies auf
www.hamburg. de/wohngeldrechner nachprüfen. Auch die Länder Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Schleswig-Holstein sowie Thüringen bieten solche Berechnungen an. Wer glaubt, berechtigt zu sein, sollte mit dem Antrag nicht warten: Frühestens für den Monat der Antragstellung wird Wohngeld gewährt, rückwirkend gibt es nichts. HAZ110917ftx

Mehr Senioren geringfügig beschäftigt

   Die Zahl der geringfügig beschäftigten Personen in Deutschland, die 65 Jahre oder älter sind, ist zwischen 2004 und 2010 um rund 13 Prozent gestiegen. Dies teilte das Bundesarbeitsministerium mit und beantwortete damit eine kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke. Demnach gingen zum Jahresende 2004, dem ersten vollen Jahr nach der gesetzlichen Neuregelung der geringfügigen Beschäftigung, etwa 584.000 Personen über 65 einem sogenannten Mini-Job nach. Im Jahre 2010 lag die Zahl bei rund 661.000. Der Anteil der geringfügig Beschäftigten unter den Senioren wuchs demnach um 0,1 Prozentpunkte von 3,8 auf 3,9 Prozent. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der über Fünfundsechzigjährigen an der Bevölkerung in Deutschland um rund 1,47 Millionen.
   In einer mit den Zahlen veröffentlichten Stellungnahme widersprach das Bundesarbeitsministerium Äußerungen des Bundestagsabgeordneten Matthias Birkwald (Die Linke). Birkwald hatte in der „Saarbrücker Zeitung" gesagt: „Ruhestand war gestern, malochen bis zum Tode heißt heute das Schicksal von immer mehr Rentnerinnen und Rentnern." Das Ministerium teilte indes mit, dass der Anteil der Senioren in geringfügiger Beschäftigung auch wegen der Neuregelung der Mini-Jobs zwischen 2000 und 2010 zwar von 3,0 auf 3,9 Prozent gestiegen sei. Doch lasse sich aus dieser Zahl nicht auf eine „gestiegene Notwendigkeit zum Arbeiten über 65 hinaus oder gar auf mehr Bedürftigkeit im Alter schließen", hieß es. Das lasse auch die Zahl der Bezieher von Grundsicherung erkennen: Zwischen 2007 und 2009 habe sich die Zahl der über 65-Jährigen, die diese Sozialleistung beziehen, konstant bei rund 400.000 bewegt. Trotz des fortschreitenden demographischen Wandels habe sich die Zahl der Grundsicherungsempfänger nicht maßgeblich nach oben entwickelt.
FAZ110823magr

Eine Lücke ist meist zu schließen - Abstand von Gehalt und Rente ist oft sehr groß 

  Über die Basis ihrer Altersvorsorge müssen sich Arbeitnehmer in Deutschland keine Gedanken machen: Sie müssen stets bei der gesetzlichen Rentenversicherung angemeldet sein, den Beitrag teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Beamte haben im Alter sogar eine Pension zu erwarten, ohne dass sie selbst dafür Beiträge zu entrichten hatten. Anders dagegen Selbstständige, Gewerbetreibende und Unternehmer: Sie müssen sich in der Regel eigenverantwortlich um ihre Altersvorsorge kümmern - und gerade in dieser Gruppe sind die Lücken in der Altersvorsorge nach Untersuchungen besonders groß.
   Aber auch die Renten, die Arbeitnehmer zu erwarten haben, sind überschaubar. Derzeit beträgt in Westdeutschland die so genannte Standardrente 1.224 Euro. Dafür muss man aber 45 Jahre lang regelmäßig Beiträge in durchschnittlicher Höhe eingezahlt haben. Und ein gut verdienender Angestellter, der ebenfalls 45 Jahre lang ein Gehalt an oder oberhalb der Bemessungsgrenze (derzeit 5.500 Euro monatlich) kassiert hat, kommt auf 2.215 Euro. Dieser Fall dürfte jedoch nur extrem selten vorkommen. Die tatsächlich gezahlte Altersrente für langjährige Versicherte im alten Bundesgebiet beträgt derzeit im Durchschnitt für Männer nur rund 1.000 Euro, für Frauen nicht einmal 600 Euro.
  
Bei diesen Zahlen ist zu bedenken, dass es sich um Bruttowerte handelt – davon werden also noch der Krankenversicherungsbeitrag von 8,2 Prozent und 1,95 Prozent (Kinderlose: 2,2 Prozent) für die Pflege- versicherung abgezogen. Und je nach Höhe der Rente, der sonstigen Einkünfte und des Zeitpunktes des Rentenbeginns wird eventuell auch noch Einkommensteuer fällig.
   Wer genau wissen will, was er an Rente zu erwarten hat, sollte einen Blick in die Renteninformation werfen, die einmal jährlich den Versicherten zugesandt wird. Bei den Zukunftsaussagen handelt es sich aber nur um Prognosen. Niemand weiß heute genau, wie sich die Rentenzahlungen in den nächsten 20 oder 30 Jahren entwickeln. Ebenso wenig lässt sich die Geldentwertung vorhersagen - und diese entscheidet darüber, was die Rente wirklich wert ist.
   Es ist also eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Klar ist jedoch so viel: Für die allermeisten Arbeitnehmer fällt die gesetzliche Rente erheblich niedriger aus als das Erwerbseinkommen. Das heißt nicht, dass die Differenz zwischen den beiden Werten vollständig durch private Vorsorge ausgeglichen werden muss. Häufig lassen sich im Alter bestimmte Ausgaben senken. Zum Beispiel brauchen Arbeitnehmerehepaare keine zwei Autos mehr, um zur Arbeit zu kommen. Auch sind die Kinder in der Regel aus dem Haus und verdienen schon ihr eigenes Geld.
   Dennoch dürfte bei den meisten Menschen eine mehr oder weniger große Lücke zwischen der zu erwartenden gesetzlichen Rente und dem Einkommen klaffen, das man im Alter benötigt. Generelle Aussagen über die Größe dieser Lücke sind nicht möglich. Zum Beispiel müssen Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes Beiträge an die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) zahlen und bekommen dafür später eine zusätzliche Rente.
   Nicht wenige Ruheständler verfügen auch über ein schon abbezahltes Eigenheim oder eine Eigentumswohnung, sodass sie mietfrei wohnen können. Die ersparte Miete senkt natürlich auch den monatlichen Geldbedarf.
   Und dann gibt es auch noch die Gruppe von Menschen, die dank Erbschaften oder großen Sparfleißes über eine gewisses Geld- oder Immobilienvermögen verfügen, um den Ruhestand mit Zinsen, Kapital- oder Mieterträgen aufzupolstern. Wer jedoch nicht in den eigenen vier Wänden lebt und im Alter im Wesentlichen nur die Zahlung der gesetzlichen Rentenversicherung zu erwarten hat, muss sich rechtzeitig mit dem Thema Altersvorsorge befassen.
   Die Deutsche Rentenversicherung bietet im Internet unter
www.deutsche-rentenversicherung.de umfangreiche Informationen zum Thema, darunter auch einen Rentenrechner, mit dem man sich die zu erwartende Rente ausrechnen kann. HAZ110704AlbrechtScheuermann

Mehr Freiheit in der dritten Schicht.
Es gibt auch Vorsorge jenseits von Riester und Rürup - mit Vor- und Nachteilen

   Es gibt auch Altersvorsorge jenseits von Riester und Rürup - und sie muss nicht unbedingt schlechter abschneiden. Gemeint sind damit alle Möglichkeiten des Sparens für das Alter, die nicht durch Zulagen oder Steuervorteile in der Ansparphase von Vater Staat unterstützt werden. Die Fachleute sprechen von der dritten Schicht der Altersvorsorge. Die erste bilden die gesetzliche Rente und die Basisrente, auch Rürup- Rente genannt, die zweite die Förderrente oder Riester-Renten sowie die verschiedenen Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung.
   Anders als bei Schicht eins und zwei müssen die Vorsorgesparer die Beiträge für die dritte Schicht komplett aus dem Netto-Einkommen aufbringen, es gibt also keine Steuererleichterungen. Dafür schneiden diese Varianten jedoch später, wenn die Leistungen in Anspruch genommen werden, steuerlich oft besser ab.
Die Möglichkeiten sind vielfältig. Grundsätzlich kann man sie unterteilen
* in Versicherungslösungen sowie
* reine Kapitalanlagen.
   Zur ersten Gattung zählen Lebensversicherungen, private Rentenversicherungen - sei es in Form von klassischen Versicherungen mit langfristig garantierten Leistungen, sei es in Form von sogenannten fondsgebundenen Versicherungen, bei denen das Geld des Versicherten in einen Fonds investiert wird. Zur zweiten Art gehören vor allem Investmentfonds, aber auch alle Arten von Spareinlagen, Gold oder Immobilien.
   Wer schon eine Riester-Rente, eine Rürup-Rente und/oder eine betriebliche Altersversorgung hat, sollte sich gut überlegen, ob er noch mehr Geld in Versicherungen stecken will. Das Problem bei all steuerlich geförderten Varianten ist nämlich, dass sie
* hinsichtlich der späteren Geldverwendung stark reglementiert sind und
* das Geld sehr langfristig gebunden ist.
   Wer zum Beispiel einen Riester-Vertrag abschließt, kann sich das angesparte Kapital zum größten Teil erst ab dem Rentenbeginn zurückholen - und das auch nur ganz langfristig in monatlichen Raten beziehungsweise Rentenzahlungen. Vererben oder Verschenken an die Nachkommen geht nicht, auch ein plötzlich auftretender Geldbedarf lässt sich damit nicht ohne große finanzielle Nachteile decken. Eine Ausnahme ist der Kauf einer selbst genutzten Immobilie, aber auch hier gibt es Haken und Ösen. Deshalb sollte sich jeder, der über diese geförderte Altersvorsorge hinaus Geld für den Ruhestand zurücklegen will, in der „dritten Schicht" umsehen, weil diese mehr finanzielle Freiheit verspricht. Dies gilt insbesondere für die Geldanlage in Investmentfonds. Damit lässt sich sehr flexibel ein Kapital aufbauen, das ein Zubrot im Alter sichert. Man kann jedoch auch problemlos auf das Geld zugreifen, wenn man es benötigt.
   Allerdings sind bei solchen Geldanlagen stets die Vor- und Nachteile abzuwägen. Interessant für einen langfristigen Sparprozess sind vor allem Aktienfonds. Damit beteiligt sich der Sparer breit gestreut an in- oder ausländischen Unternehmen - mit allen damit verbundenen Chancen und Risiken. Dass Letztere größer sind als zuvor vielfach gedacht, haben die vergangenen zehn Jahre gezeigt. Gleichwohl gilt nach wie vor die Regel, dass ein guter Aktienfonds auf längere Sicht attraktive Renditen abwirft. Da die Schwankungen allerdings groß sein können, muss man dafür die entsprechenden Nerven mitbringen. Und auch die jederzeitige Verfügbarkeit ist de facto eingeschränkt - denn was ist, wenn der Geldbedarf ausgerechnet in die Zeit eines Börsenrutsches fällt? Wer dann verkaufen muss, hat wenig Freude.
   Wer das Risiko verringern will, kauft einen gemischten Fonds, der außer in Aktien auch in festverzinsliche Papiere und eventuell Immobilien investiert. Es gibt auch Fonds, bei denen Rohstoffe zur Mischung dazu gehören. Je mehr verschiedene Anlageklassen ein Fonds umfasst, desto geringer ist im Normalfall das Risiko - aber auch die Renditechance.
   Reine Rentenfonds, die nur in Anleihen investieren, sind jedenfalls dann weniger empfehlenswert, wenn der Vorsorgesparer schon eine klassische Riester oder Rürup-Versicherung bespart. Hier fließt das Geld schließlich auch ganz überwiegend in Festverzinsliche - und auch hier lauern beachtliche Risiken, wie die Staatsschulden- krise illustriert. Unter dem Gesichtspunkt der Mischung könnte der Vorsorgesparer daher auch Aktienfonds gut vertragen.
Fazit: Es gibt nicht die Altersvorsorge für jedermann. Jede Variante hat ihre Licht- und Schattenseiten. Am wichtigsten ist es, rechtzeitig damit anzufangen. HAZ110801AlbrechtScheuermann

sen-gRente-z       Nicht nur die Rente zählt

Krankenkasse: Mancher muss Beiträge auf alle Einkünfte zahlen
Die Absicherung der Gesundheitskosten kann im Rentenalter teurer werden als gedacht

   Wer aus dem Arbeitsleben ins Rentnerdasein wechselt, ist im Allgemeinen darauf eingestellt, künftig mit weniger Geld auskommen zu müssen. Doch einen Kostenfaktor haben viele dabei nicht im Blick: die Beiträge zur Krankenversicherung. Denn wer neben seiner gesetzlichen Rente Bezüge aus einer Betriebsrente, einem Sparvertrag oder auch Mieteinnahmen hat, muss in vielen Fällen auch dafür Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlen.
   Wenn man einen Rentenantrag bei der Deutschen Rentenversicherung stellt, wird automatisch geprüft, ob man als Pflichtversicherter in die Krankenversicherung der Rentner (KVdR) aufgenommen wird. Durch diese ist man in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert, d.h. wer vorher Mitglied z.B. der AOK oder TK oder einer Betriebs- krankenkasse war, bleibt dort auch weiterhin. „Ausschlaggebend ist die sogenannte Vorversicherungszeit", erläutert Dörte Elß von der Verbraucherzentrale Berlin. „Wer in der zweiten Hälfte seiner Erwerbstätigkeit 9/10 der Zeit in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert war, wird in der KVdR pflichtversichert." Wichtig: Man muss als Arbeitnehmer nicht pflichtversichert gewesen sein. Auch wer freiwilliges Mitglied in einer gesetzlichen Kasse war oder z. B. über den Ehepartner familienversichert war, wird als Rentner in der KVdR pflichtversichert.
   Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllt, hat meist aber noch die Möglichkeit, als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung zu bleiben. „Bedingung ist, dass man zuvor 12 Monate pflichtversichert war oder innerhalb der letzten fünf Jahre insgesamt 24 Monate Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse bzw. dort familienversichert war", sagt Dörte Elß.
Einmalzahlungen werden auf zehn Jahre umgelegt
  
Bei den Leistungen der Krankenkasse gibt es keinen Unterschied zwischen Pflicht- und freiwillig Versicherten. Doch auf die Höhe der Beiträge kann sich dies erheblich auswirken. Entscheidend sind die Einnahmen, die man neben der Rente noch hat. Bei der gesetzlichen Rente werden die Beiträge ähnlich berechnet wie beim Arbeitseinkommen: Von den 15,5 Prozent Beitragssatz trägt der Versicherte 0,9 Prozent allein, der Rest wird geteilt, d. h. 7,3 Prozent übernimmt der Rentenversicherungsträger. Der Rentner zahlt insgesamt 8,2 Prozent. Dazu kommen 1,95 Prozent Pflegeversicherung, Kinderlose zahlen 2,2 Prozent.
   Auf Betriebsrenten und andere Versorgungsbezüge (z.B. aus der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes, Versicherungen für bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte, Rechtsanwälte, Journalisten, Direktversicherungen, Riester-Renten) wird ebenfalls ein Beitragssatz von 15,5 Prozent für die Krankenversicherung erhoben, außerdem Beiträge zur Pflegeversicherung. Hier zahlt der Versicherte allerdings allein. Eine Einmalzahlung z.B. aus einer Direktversicherung wird auf zehn Jahre umgelegt, man muss also zehn Jahre lang monatlich auf 1/120 der Summe Krankenkassenbeiträge entrichten. Bei einer Auszahlung von 50.000 Euro, sind das rund 72,75 Euro Kranken- und Pflegeversicherung.
   Freiwillig versicherte Rentner müssen noch tiefer in die Tasche greifen. „Hier wird alles zugrunde gelegt, was an Einnahmen zur Verfügung steht", so Dörte Elß, „das kann unter Umständen sogar ein Teil des Einkommens des gut verdienenden privat versicherten Ehepartners sein." Auch Einkünfte wie z.B. Zinsen aus Kapitalvermögen, Dividenden, Mieteinnahmen oder private Lebens- und Rentenversicherungen werden beitragspflichtig. Hier gilt allerdings ein ermäßigter Satz von 14,9 Prozent für die Krankenversicherung, die Beiträge für die Pflege- versicherung bleiben gleich.
Private Versicherung vom Einkommen unabhängig
   Es gibt jedoch eine Obergrenze. Für Rentner gilt wie für Arbeitnehmer: Beiträge zur Kranken- und Pflege- versicherung müssen auf Einkünfte höchstens bis zur Beitragsbemessungsgrenze (zurzeit 3.712,50 Euro) gezahlt werden. Der Zusatzbeitrag, den einige Krankenkassen erheben, ist allerdings immer Privatsache. „Hier lohnt sich eventuell ein Kassenwechsel", sagt Dörte Elß, „doch vorher sollte man sich unbedingt beraten lassen, um die Kasse zu finden, die am besten zu einem passt." Die Verbraucherzentrale Berlin nutzt dafür ein Programm der Stiftung Warentest, das regelmäßig aktualisiert wird.
   Von Rente und Einkommen unabhängig sind die Beiträge für private Krankenversicherungen. Aber: „Als Rentner freiwillig in der gesetzlichen Kasse versichert zu sein ist häufig günstiger als die private Versicherung", gibt Dörte Elß allen zu bedenken, die noch im Arbeitsleben stehen und den Wechsel in eine private Kasse erwägen. Hier lohnt sich eine Berechnung, was man nach heutigem Stand in der Zeit des Berufslebens sparen kann und welche Kosten im Rentenalter fällig werden können.
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Merkblatt:  Alle Bestimmungen zur Krankenversicherung der Rentner hat die Deutsche Rentenversicherung in einem Merkblatt zusammengefasst. Zu finden unter www.deutsche-rentenversicherung-bund.de, im Suchfenster „Merkblatt KVdR" eingeben.

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Die gesetzliche Rente bietet oft keine ausreichende Versorgung mehr fürs Alter
Basisrente für Selbstständige interessant

Altersvorsorge wird zu einem immer wichtigeren Thema.
Dies zeigte sich auch bei der jüngsten Telefonaktion der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung in
Zusammenarbeit mit dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft.
Foto von links:  Brigitte SZ, Martina Langner, Sanmartin-Gacio, Ines Mohren, Mathias Zunk. Hier eine Auswahl von Fragen und Antworten

Mein Sohn ist 30 Jahre alt, fest angestellt und hat noch keine Altersvorsorge. Was empfehlen Sie ihm?
  
Am wichtigsten ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung, wobei etwa 60 Prozent vom Bruttojahreseinkommen abgesichert sein sollte. Empfehlenswert ist es, die Versicherung auf das Endalter von 65 bis 67 Jahre abzuschließen. Für die Altersvorsorge sollte er die staatliche Förderung nutzen. Da kommen ein Riester-Vertrag oder eine betriebliche Altersversorgung infrage.
Was ist der Unterschied zwischen einer Riester-Rente und einer Rürup-Rente?
  
Beim Riester-Vertrag gibt es Zulagen je nach Familienstand. Neben der jährlichen Grundzulage von 154 Euro pro Person gibt es pro Kind 300 Euro, wenn es ab 2008 geboren ist. Für Kinder die vor 2008 auf die Welt kamen, erhält man 185 Euro. Zusätzlich kann es eine Steuererstattung bei der Einkommenssteuererklärung geben. Die
Rürup-Rente, offiziell Basisrente genannt, kennt keine Zulagen, die Beiträge können steuerlich geltend gemacht werden. Die Höhe der Förderung hängt also nur vom persönlichen Steuersatz ab. Sie ist vor allem für Selbstständige zu empfehlen.
Was mache ich bei Arbeitslosigkeit mit meinem Riester-Vertrag? Soll ich ihn beitragsfrei stellen oder kündigen
  
Riester ist immer anpassbar an die Lebenssituation. Um jedoch die volle Förderung zu bekommen, sind 4 Pro- zent des Vorjahreseinkommens abzüglich der Zulagen als Eigenbeitrag zu zahlen. Wenn das für Sie nicht finanzierbar ist, können Sie den Vertrag ruhen lassen. Riester-Verträge sind übrigens Harz-IV-sicher. Sie müssen also nicht aufgelöst werden, wenn Arbeitslosengeld II beantragt wird.
Ich (alleinstehend, 48 Jahre) bin seit einigen Jahren selbstständig und habe noch keine private Alters- vorsorge. Was sollte ich tun?
   Eine gute Möglichkeit ist die Basisrente, um die Versorgungslücke durch eine lebenslange Leibrente aufzufüllen. Die Aufwendungen hierfür können Sie bis zu 20.000 Euro steuerlich geltend machen. Vorteilhaft für Selbstständige ist die flexible Beitragszahlung.
Ich habe eine Riester-Rente abgeschlossen. Kann ich mir das angesparte Kapital auch auszahlen lassen?
Sie können sich 30 Prozent des Vorsorgekapitals mit Rentenbeginn auszahlen lassen. Der Rest wird als lebenslange Rente ausgegeben.
Soll ich besser eine private Rentenversicherung oder die betriebliche Altersvorsorge wählen?
  
Das hängt von Ihren Lebensumständen ab. Die private Rentenversicherung zahlen Sie aus Ihrem Netto- einkommen, also aus Einkommen, das bereits versteuert wurde, und nach Abzug der Sozialabgaben. Dafür ist die steuerliche Belastung der Rente nur sehr gering. Die betriebliche Altersvorsorge hingegen zahlen Sie vom Bruttolohn, also ohne Abzug von Steuern und Sozialabgaben. Damit sind die Beiträge, die über eine betriebliche Altersvorsorge eingezahlt werden, wesentlich höher. Dafür ist die daraus gezahlte Rente dann grundsätzlich voll steuerpflichtig. Wenn Sie Mitglied der Krankenkasse sind, fallen außerdem Krankenversicherungsbeiträge an.
Mein Sohn ist 30, hat das Studium abgeschlossen und ist für die Doktorarbeit nach England gegangen. Für seine private Altersvorsorge könnten einmalig 25.000 Euro aufgewendet werden. Lieber eine fonds- gebundene oder doch eine klassische Lebensversicherung?
  
Bei der fondsgebundenen Variante hängt die Wertentwicklung von den Kapitalmärkten ab. Bei der klassischen Variante gibt es bei einem Vertragsabschluss in diesem Jahr noch einen Garantiezins von 2,25 Prozent. Wer erst im nächsten Jahr abschließt, muss sich mit einem Garantiezins von 1,75 Prozent zufriedengeben. Ihr Sohn sollte sich auf jeden Fall auch finanziell gegen Berufsunfähigkeit absichern - falls er dies noch nicht getan hat. Für nach 1961 Geborene sind die staatlichen Leistungen unzureichend.
Ist es für einen Beamten sinnvoll zu riestern?
   Ja, Sie erhalten die gleichen Zulagen und Steuervorteile wie ein Angestellter. Als Beamter müssen Sie Ihrem Dienstherren eine Einwilligungserklärung erteilen, um Ihre Daten ans Zulagenamt bzw. Finanzamt zu melden. Diese Erklärung erhalten Sie bei Vertragsabschluss.
Ich bin 29 und habe ein Nettogehalt von 2.000 Euro monatlich. Wie viel sollte ich für die Altersvorsorge aufbringen? In einen Riester-Vertrag zahle ich bereits monatlich 175 Euro, weitere 200 bis 300 Euro könnte ich zur Seite legen ...
  
Einen festen Prozentsatz für die Altersvorsorge gibt es nicht, das hängt von den persönlichen Umständen ab. Empfehlenswert ist eine betriebliche Altersversorgung. Hier können Sie jährlich bis zu 2.640 Euro steuerfrei und sozialabgabenfrei einzahlen. Das sind im Monat 220 Euro. Darüber hinaus sind weitere 1.800 Euro im Jahr bzw. 150 Euro im Monat steuerfrei möglich.
Aus einer Lebensversicherung erhalte ich 50.000 Euro. Soll ich eine Sofortrente oder einen Auszahlplan wählen?
   Eine Sofortrente wird Ihnen lebenslang gezahlt, egal, wie alt Sie werden. Ein Zugriff auf das Kapital ist aber nicht möglich. Ein Auszahlplan kann individuell gestaltet werden. Notfalls können Sie hier auch über das gesamte Kapital verfügen. Ihre Entscheidung hängt also von den persönlichen Vorstellungen ab.
Meine Lebensversicherung läuft schon seit 20 Jahren. Jetzt kann ich nicht mehr zahlen. Was kann ich machen?
  
Wenn Sie überhaupt nicht mehr zahlen können, haben Sie die Möglichkeit, den Vertrag beitragsfrei zu stellen. Oder Sie beantragen eine Überschussverrechnung oder eine Beitragsstundung. Wenn Sie nur vorübergehend nicht in der Lage sind, die Beiträge zu zahlen, könnten Sie die Dynamik einfrieren oder die Zahlungsweise ändern.
Ich habe gehört, dass die Riester-Rente auf die Grundsicherung angerechnet wird. Lohnt sich dann der Abschluss überhaupt?
   Es stimmt zwar, dass die Riester-Rente auf die Grundsicherung angerechnet wird, aber das gilt auch für die gesetzliche Rente und alle anderen Vermögen wie beispielsweise Sparkonten.  Das sollte Sie aber jedenfalls dann, wenn der Ruhestand noch in weiter Ferne liegt, nicht davon abhalten, fürs Alter beispielsweise mit einem staatlich geförderten Riester-Vertrag vorzusorgen. Niemand kann in die Zukunft schauen. Lassen Sie sich nicht verunsichern.
   Vor zwei Jahren erhielt ich meine Direktversicherung ausgezahlt. Hierfür musste ich Beiträge zur Kranken- versicherung entrichten. Kann ich mir diese Beiträge von der Krankenversicherung zurückholen?
   
Leider nein. Auf alle Verträge über eine betriebliche Direktversicherung, egal, ob arbeitgeberfinanziert oder durch Gehaltsumwandlung, wird bei Ablauf der volle Krankenkassenbeitrag fällig, sofern man in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert oder freiwillig versichert ist. Bei der Auszahlung in Form einer einmaligen Kapitalleistung wird der Beitrag aber auf zehn Jahre verteilt.
   Weitere Informationen zum Thema Altersvorsorge bietet das Informationszentrum der deutschen Versicherer unter
www.klipp-und-klar.de. Telefonische Beratung gibt es unter der kostenfreien Rufnummer (08 00) 339 9399.        Die aktuellen Broschüren „Die neue Rente" und die „Riester-Rente" können kostenfrei unter (08 00) - 7 42 43 75 angefordert werden oder von der genannten Internetseite heruntergeladen werden. HAZ110621

Kein Rauswurf trotz Umzugs ins Altenheim - Eigenbedarf muss auch für Pflegekräfte akzeptiert werden

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Rechte für Rentner. Erlaubt: Rollatoren dürfen im Hausflur abgestellt werden. Nur so ist ein schneller Zugriff auf die Gehhilfe möglich.  Mobilität hat Vorrang: Technische Hilfsmittel wie hier ein Treppenlift können Senioren das Leben in den eigenen vier Wänden erleichtern. Vermieter und Miteigentümer müssen den Einbau in der Regel zulassen.

   Auch als Rentner fühlt sich heute kaum jemand so richtig alt. Aber irgendwann setzen dann doch die Probleme ein: Man kommt nicht mehr in die Duschwanne hinein, benutzt eine Gehhilfe und braucht dann doch größere Umbauten in der Wohnung, um dort weiterleben zu können. Deutsche Gerichte haben Senioren dabei einen weiten Rahmen gesteckt. Die HAZ hat einige Urteile zum aktuellen Thema gesammelt:
Wohnrecht behalten: Um für das Alter gewappnet zu sein und eine bereits überschriebene Immobilie im Streitfall nicht vorzeitig zu verlieren, lassen sich viele Menschen notariell ein lebenslanges unentgeltliches Wohnrecht zusichern. So hatte es auch eine Frau getan, die ihr Haus verkauft hatte, in einer der Wohnungen aber weiterhin mit Tochter zusammenlebte. Als die Frau in eine stationäre Pflegeeinrichtung umzog, forderte die Eigentümerin der Wohnung den Auszug der nunmehr allein lebenden Tochter. Das Oberlandesgericht Schleswig stellte sich allerdings auf die Seite der Seniorin. Der Umzug ins Altenheim sei noch kein Grund, ihr die Immobilie bereits komplett wegzunehmen. Davon könne man allenfalls dann sprechen, wenn es aus medizinischen Gründen ausgeschlossen scheine, dass sie jemals wieder zurückkehren werde.
Az.: 3 U 116/06
Wohnrecht erloschen: Dieser Fall trat bei einer 80-jährigen Frau ein. Weil sie nicht in der Lage war, die Heimkosten aus eigenen Mitteln zu begleichen, wollte sie vom Eigentümer der Immobilie 600 Euro monatlich als Entschädigung für den Verzicht auf das Wohnrecht. Der lehnte ab und meinte, das Wohnrecht sei erloschen, weil die Frau es nach objektiven Kriterien nicht mehr wahrnehmen könne. Das Landgericht Heidelberg gab keiner der beiden Parteien recht. Die alte Dame habe lediglich ein persönliches Wohnungsrecht und keinen Anspruch auf Geldersatz, der Eigentümer aber auch keinen Anspruch darauf, dass sie aufs Wohnrecht verzichtet. Die Parteien müssen die Pattsituation selbst lösen. Az.: 7 O 14/09
Eigenbedarf für Pflegekräfte:
Ein Mieter muss sogar dann weichen, wenn der Eigentümer Platz schaffen will für Pflegekräfte, die sich um seine im selben Haus lebenden Eltern kümmern. Das stellte das Landgericht Koblenz fest.  Die Nähe des Pflegers zu den Betreuungsbedürftigen bringe in Notfällen erhebliche Vorteile, hieß es im Urteil. Allerdings müsse die Pflegebedürftigkeit nachgewiesen sein. Az.: 6 T 102/07
Treppenlifte erlaubt:
Treppenlifte sind deutlich preiswerter und technisch eher machbar als ein richtiger Aufzug. So sah es auch eine 95-jährige Hamburgerin, die im zweiten Stock eines Hauses lebte und unter schwerer Arthrose litt. Bauamt und Eigentümermehrheit stimmten zu, eine Eigentümerin jedoch fürchtete um das Erscheinungsbild des repräsentativen Treppenhauses und zog vor das Landgericht Hamburg. Die Justiz wertete aber die Erleichterung für die behinderte Mitbewohnerin deutlich höher als die geringfügige Änderung des Treppenhauses. Az.: 318 T 70/99
Rollator stört nicht:
Auch mit den Rollatoren, also den Gehhilfen, die viele ältere Menschen brauchen, sind die Zivilrichter relativ großzügig. Zum Beispiel dann, wenn es um den möglichst raschen Zugriff auf das technische Hilfsmittel geht. Das Amtsgericht Hannover musste entscheiden, ob ein älterer Herr seinen Rollator im Hausflur abstellen dürfe. Die Antwort: ein klares „Ja". Selbst dann übrigens, wenn die vorgeschriebene Mindestbreite des Rettungsweges nicht eingehalten werden kann. Der Rollator lasse sich bei Bedarf schnell entfernen. Az.: 503 C 3987/05
Blindenführhund muss genehmigt werden:
Nicht nur Technik, auch geschulte Tiere können den Alltag erleichtern und sind von Vermietern kaum zu verbieten. „Eine Hundehaltung sollte genehmigt werden, wenn ein Mieter auf den Hund angewiesen ist, zum Beispiel bei der Haltung eines erforderlichen Blindenführhundes", urteilte das Landgericht Karlsruhe. Az.: 5 S 121/01
Verkürzte Kündigungsfrist:
Zum Schluss noch ein Urteil zum Umzug ins Altenheim: Eine 67-jährige Frau in Nordrhein-Westfalen musste ihre Wohnung aus gesundheitlichen Gründen ziemlich rasch verlassen. Der Vermieter beharrte auf Einhaltung der vollen Kündigungsfrist, scheiterte aber vor dem Landgericht Duisburg. Eine vorzeitige Entlassung aus dem Vertrag sei möglich, wenn - wie hier - wichtige Gründe vorlägen und wenn zudem ein gleichwertiger Mieter vorhanden beziehungsweise die Wohnung ohnehin leicht an den Mann zu bringen sei. Az.: 23 S 361/98 HAZ1120122bw

Für viele Deutsche wächst die Gefahr der Altersarmut.
Höhere Arbeitslosigkeit sorgt laut Studie für Versorgungslücken

   Immer weniger Beschäftigte in Deutschland blicken auf ein Leben ohne Phasen der Arbeitslosigkeit zurück. Die Folge: Die Gefahr der Altersarmut steigt. Das geht aus einer von der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichten Studie zur Entwicklung der Erwerbsbiografien zwischen 1984 und 2007 hervor. Ihr Fazit: Die Erwerbsbiografien werden immer lückenhafter.
   Dramatisch sei die Entwicklung in der Berufseinstiegsphase, bei den 20-bis 30-Jährigen. „Arbeitslosigkeit wird zur allgemeinen Erfahrung", schreiben die Wissenschaftler Ernst Kistler und Falko Trischler. Ob Männer oder Frauen, ob in Ost- oder Westdeutschland: Für alle Gruppen nahm zwischen 1991 und 2007 das Risiko zu, ohne Job zu sein. Selbst Dauerarbeitslosigkeit ist demnach in dieser Lebensphase keine Seltenheit mehr. Jeder zwanzigste 20-bis 30-Jährige war in den fünf Jahren von 2003 bis 2007 mindestens zweieinhalb Jahre ohne Job. Zwischen 1985 und 1989 war nur jeder Hundertste von derartiger Dauerarbeitslosigkeit betroffen.
   Dies habe langfristige Auswirkungen, denn von den Betroffenen würden weder Berufserfahrungen noch relevante Rentenansprüche gesammelt. Außerdem ist der Studie zufolge bei den unter 30-Jährigen der Anteil der Vollzeitbeschäftigten gesunken.
  Die Kernerwerbsphase mit den 30-bis 50-Jährigen hat sich der Studie zufolge über die Jahrzehnte am wenigsten verändert. Wesentliche Neuheit sei, dass inzwischen deutlich mehr Frauen arbeiteten als früher, schrieben die Forscher. Allerdings führte das nicht zu einem erheblichen Zuwachs von Frauen in Vollzeitstellen, sondern in mehr geringfügiger und Teilzeitbeschäftigung.
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen legte um das 3,5-Fache zu
  
Arbeitslosigkeit und prekäre Jobs sind seltener als in den anderen Phasen des Arbeitslebens. Dennoch hätten zwischen 2003 und 2007 immerhin 20 Prozent der 30- bis 50-Jährigen dauerhaft ein sogenanntes atypisches Arbeitsverhältnis gehabt, und sieben Prozent waren mehr als zweieinhalb Jahre arbeitslos (1985 bis 1989: zwei Prozent). Die Zeiten von Arbeitslosigkeit sind dabei für Geringqualifizierte genauso wie für Akademiker gestiegen.
   Deutliche Veränderungen stellten die Forscher beim Übergang zur Rente fest - der immer seltener direkt ist. Verbreitet sind demnach inzwischen trotz Rentenabschlägen Frühverrentungen. Immer mehr Menschen seien aber auch noch kurz vor der Rente arbeitslos. Damit würden vor allem künftige Ostrentner, aber auch die Menschen im Westen nicht mehr auf stabile Erwerbsbiografien zurückblicken können, warnten Kistler und Trischler: „Die Gefahr der Altersarmut steigt."
HAafp100506apn

Studie: Hamburger unterschätzen Vorsorge für Ruhestand

   Jedem Zweiten fehlt im Alter Geld - Zielmarke von 60 Prozent des letzten Bruttoeinkommens erreichen viele trotz Riester-Rente nicht. Hansestadt schlechter als Bund.
   Mehr als die Hälfte der Hamburger wird seinen Lebensstandard im Alter nicht halten können. Rund 55 Prozent der Bevölkerung in Hamburg erreicht auch unter Einbeziehung von Riester-Rente oder betrieblicher Alters- vorsorge kein ausreichendes Versorgungsniveau im Rentenalter. Das geht aus der detaillierten Regional- auswertung eines Altersvorsorgeatlas hervor, den die Fondsgesellschaft Union-Investment mit dem Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg erstellte. Mit dem Wert von 55,5 Prozent steht Hamburg im bundesweiten Vergleich (42,8 Prozent) sehr schlecht da, denn nur der Ostteil Berlins kommt mit 62,6 Prozent auf einen noch schlechteren Wert, geht aus der Studie hervor.
   Berücksichtigt man nur die Zählungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung sieht die Lage in der Han- sestadt noch besorgniserregender aus. Dann erreichen 77,4 Prozent der Bevölkerung kein ausreichendes Versorgungsniveau. 1.013 Euro bekommen die Hamburger im Durchschnitt als Rente. „Damit können sie lediglich 41 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens ersetzen", sagt Professor Bernd Raffelhüschen vom Forschungs- zentrum Generationenverträge der Universität Freiburg.  Die  Beamten in Hamburg bekommen im Durchschnitt 2507 Euro
siehe Tabelle. Damit können sie immerhin 63 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens ersetzen. Hinter den Durchschnittswerten können sich je nach Alter, Geschlecht oder Einkommen der Betroffenen große Unterschiede verbergen.

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   Als ausreichendes Versorgungsniveau gelten 60 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. „Das bezieht sich dann auf alle drei Schichten der privaten Altersvorsorge", sagt Manfred Jäger vom Institut der deutschen Wirtschaft. Die erste Schicht ist die gesetzliche Rentenversicherung. Unter die zweite Schicht fallen staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte wie Riester- oder Rürup-Rente. Als dritte Schicht gilt die vollständig private, individuelle Altersvorsorge in Form von Rentenversicherungen oder Wohneigentum. „Es kommt darauf an, die persönliche Altersvorsorge durch Streuung auf eine möglichst breite Basis zu stellen", sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsmitglied von Union Investment. Dabei sollten Anleger auch auf Aktien trotz der großen Schwankungen nicht verzichten. Nach seiner Einschätzung werden Aktien künftig im Durchschnitt zwischen sechs und acht Prozent Rendite bringen. „Aber andere Anlageformen bringen deutlich weniger", sagt er. „Deshalb kommen Anleger an Aktien nicht vorbei."
   Allein die gesetzliche Rente reicht künftig für den Ruhestand nicht mehr aus, denn die Leistungen wurden seit 1992 in mehreren Schritten gesenkt. So richtet sich die Entwicklung der Renten nicht mehr nach den Brutto-, sondern nach den Nettoverdiensten. Als Ausgleich für die Absenkung des Rentenniveaus wurde die staatlich geförderte Riester-Rente eingeführt, die in Hamburg lediglich von 26 Prozent der Anspruchsberechtigten genutzt wird.
   Zusätzlich unterliegt die geringer werdende Rente der Besteuerung. Je später der Rentenbeginn, desto höher der Steueranteil. Wer ab dem Jahr 2040 in Rente geht, muss seine gesetzlichen Altersbezüge voll versteuern. Auch bei der Riester-Rente greift der Fiskus zu. „Am härtesten trifft es jene, die zwar von einem großen Teil der Rentenreform betroffen sind, jedoch wenig Zeit haben, dies abzugleichen", sagt Raffelhüschen. „Das sind die heute 40- bis 45-Jährigen." Die Riester-Rente gleicht nur einen Teil der Rentenreformen der vergangenen Jahre aus. „Wer seinen Lebensstandard im Alter halten will, muss deutlich mehr tun", sagt Raffelhüschen. Er rät, zwischen sechs und acht Prozent des Lohnes als langfristige Ersparnis zurückzulegen. 
HA091103SteffenPreißler

 Welche Altersabsicherung  für Frauen sinnvoll ist. Im Alter ist jede dritte Hamburgerin finanziell von ihrem Mann abhängig. Die Durchschnittsrente der Frau beträgt 473 Euro.

   Frauen haben gravierende Probleme, wenn es um ihre Altersvorsorge geht. Denn Familienpausen, Teilzeitbeschäftigung und geringere Löhne führen zu einer niedrigen staatlichen Rente. Durchschnittlich nur 473 Euro Rente im Monat bekommen Frauen, ermittelte die Deutsche Rentenversicherung. 65 Prozent aller Rentnerinnen müssen heute mit bis zu 600 Euro im Monat auskommen - siehe die folgende Tabelle.

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   Wegen solcher Zahlen sorgen sich auch immer mehr Hamburgerinnen um ihre finanzielle Zukunftssicherung. Fast jede dritte Frau in Hamburg fürchtet deshalb im Alter von ihrem Lebenspartner abhängig zu sein. Das geht aus einer repräsentativen Erhebung der Hamburger Sparkasse (Haspa) hervor.
   „Ein Grund dafür sind die Ausfallzeiten in ihrer Berufsbiografie", sagt die Finanzberaterin Rita Helmke von der Hamburger Agentur Frauenfinanzen. Zwar wird Familienarbeit bei der Rente angerechnet. Große finanzielle Folgen hat das aber nicht. So werden nur drei Jahre als Erziehungszeit den Frauen bei der Rente angerechnet. Erwerbstätige Frauen, die zwischen dem dritten und zehnten Geburtstag ihres Kinder unterdurchschnittlich verdient haben, weil sie nur Teilzeit arbeiten konnten, erhalten eine Gutschrift.
   In der Umfrage der Haspa sagen 36 Prozent der Frauen über 50 Jahren, dass die fehlende Berufsausbildung der Grund für ihre schlechte finanzielle Stellung im Alter ist. Der Großteil der Frauen macht Einkommens- unterschiede und Kindererziehungszeiten für die finanziellen Nachteile verantwortlich.
   Experten befürchten, dass Frauen ihre Altersvorsorge vernachlässigen. Rationale Argumente reichen oft nicht aus, um Frauen für das Thema Altersvorsorge zu sensibilisieren. Anders nach einer Scheidung. Ein solcher Einschnitt macht häufig die Lücken bewusst. Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg warnt aber vor übertriebenen Aktionismus, wenn solche Lücken durch Banken oder Finanzberater aufgezeigt werden. „Das dient häufig nur als Verkaufsargument", sagt die Verbraucherschützerin.
   „Es nützt nichts, für das Alter zu sparen, wenn man gleichzeitig ständig das Girokonto überzieht", sagt Castelló. Vor der finanziellen Vorsorge für das Alter müssen existenzielle Risiken wie Berufsunfähigkeit  abgesichert werden. Auch eine Haftpflichtversicherung ist Pflicht.
   Spezielle Geldanlageprodukte für Frauen gibt es nicht. „Doch Frauen  stellen  besondere  Ansprüche", sagt Helmke. „Für Frauen ist wichtig, dass das Finanzkonzept nicht starr ist, sondern sich flexibel an geänderte Lebensbedingungen anpassen lässt." Zwar beschäftigen sich Frauen oft später als Männer mit der Geldanlage, dabei aber umso intensiver. Sie stellen dabei hohe Ansprüche an Transparenz und Übersichtlichkeit. Auch ethisch- ökologische Kriterien bei der Geldanlage zählen. Da Frauen in der Regel weniger Geld zur Verfügung haben, bevorzugen sie sichere Anlagen. Die Rendite ist ihnen dabei weniger wichtig.
   „Lieber in kleinen Beträgen sparen, als gar nichts zur Seite zu legen", rät Castelló. Gerade wenn wenig Geld zur Verfügung stehe, sollte es sicher angelegt werden. Dafür eignen sich Sparpläne, Sparbriefe oder Bundesschatz- briefe. „Wenn man daraus einen finanziellen Grundstock von 10.000 bis 15.000 Euro hat, können Frauen über weitergehende Anlagen wie Aktienfonds nachdenken, wenn das zu ihrer Risikobereitschaft passt."
    Für die Altersvorsorge rät Helmke zunächst zu staatlich geförderten Produkten. Vor allem die Riester-Rente und die betriebliche Altersvorsorge. Die Riester-Rente ist für Frauen mit Kindern besonders attraktiv, da neben der Grundzulage (154 Euro) für jedes Kind eine Kinderzulage (185) gewährt wird. Auch Hausfrauen und Mütter in Elternzeit oder Erziehungsurlaub können die Riester-Rente nutzen. So lässt sich auch ohne eigenen Beitrag oder nur mit einem Sockelbetrag von jährlich 60 Euro eine eigene kleine Zusatzrente aufbauen. Statt Versicherungs- produkte empfiehlt Helmke lieber Fonds- oder für konservative oder schon ältere Frauen Banksparpläne. Alle drei Anlageformen stehen für die Riester-Rente zur Auswahl. Da die eingezahlten Beiträge und die Förderung sicher sind, gehen Frauen auch bei Fondssparplänen kein unüberschaubares Risiko ein.
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Wie sorge ich fürs Alter vor? Für die private Altersvorsorge gibt es viele Möglichkeiten.
Die richtige Wahl zu treffen ist nicht einfach: Telefonaktion der HAZ zur Altersvorsorge mit Experten
der Versicherungswirtschaft: Dirk Luttermann, Peter Flöge, André Altkämper, Sven Stadler (v.l.n.r.)

Die Finanzkrise beunruhigt mich. Soll ich meinen fondsgebundenen Riester-Vertrag kündigen?
Zu kündigen wäre wohl die schlechteste Lösung. Aktuell kaufen Sie die Fondsanteile günstig ein, da die Kurse niedrig sind. Halten Sie durch und führen Sie den Vertrag weiter. Das Risiko bei Investmentfonds ist eine Funktion der Zeit, das heißt langfristig bieten sie trotz der Wertschwankungen attraktive Renditechancen.
Muss ich mir wegen der Finanzkrise Sorgen um die Sicherheit meiner Riester-Rente machen?
Nein, bei zertifizierten Riester-Verträgen sind zumindest die eingezahlten Beiträge und die staatlichen Zulagen bei Beginn der Auszahlung garantiert. Das gilt unabhängig von der Entwicklung an den Kapital- und Finanz- märkten.
Lohnt es sich eine betriebliche Altersversorgung abzuschließen?
Ja, eine betriebliche Altersversorgung wird vom Staat gefördert. Beiträge sind in diesem Jahr bis zu 2.592 Euro steuer- und sozialabgabenfrei (bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze West der gesetzlichen Renten- versicherung in Höhe von zur Zeit 64.800 Euro). Das heißt: Zahlen Sie zum Beispiel 2.000 Euro aus Ihrem Bruttoeinkommen in die betriebliche Altersversorgung, dann verzichten Sie je nach persönlichem Steuersatz netto nur auf etwa 800 bis 1.200 Euro.
Ich habe eine fondsgebundene Lebensversicherung. Was geschieht, wenn die Investmentgesellschaft pleite gehen sollte, ist meine Versicherung dann nichts mehr wert?
Lassen Sie sich nicht verunsichern. Investmentfonds sind Sondervermögen. Das bedeutet: Sie werden getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt. Auch bei einer Insolvenz der Gesellschaft bleibt Ihnen also der Wert der Fondsanteile erhalten.
Ich bin Berufseinsteiger, 23 Jahre alt, Angestellter, mit einem monatlichen Einkommen von brutto 3.500 Euro. Soll ich „riestern" oder lieber eine betriebliche Altersversorgung abschließen?
Falls möglich, rate ich Ihnen beide Förderwege zu nutzen, denn sowohl ein Riester-Vertrag als auch eine betriebliche Altersversorgung werden staatlich gefördert und sind grundsätzlich attraktiv zur Vorsorge. Und nicht vergessen: Sichern Sie sich unbedingt gegen Berufsunfähigkeit finanziell ab.
Ich bin 58 Jahre alt und habe einen Betrag von 60.000 Euro zur Verfügung. Mit 61 oder 62 Jahren möchte ich in Rente gehen. Kann man über eine Laufzeit von drei bis vier Jahren eine Versicherung abschließen? Ich möchte mit dem Geld dann meine Rente aufbessern ...
Eine private Rente gegen Einmalbeitrag wäre eine Lösung: Sie zahlen den Betrag in eine private Rentenversicherung ein, aus der Sie dann mit 61 oder 62 Jahren eine regelmäßige private Rente beziehen. Bis zu Beginn der Rentenzahlung legt die Versicherung das Geld für Sie an. Um sicher zu gehen, sollte keine fondsgebundene Versicherung gewählt werden. Vorteilhaft ist die niedrige Besteuerung der privaten Rente, denn steuerpflichtig ist nur der sogenannte Ertragsanteil der Rentenzahlung. Beziehen Sie Ihre Rente ab dem 62. Geburtstag, sind zum Beispiel nur 21 Prozent der Rentenzahlung zu versteuern, 79 Prozent sind dagegen grundsätzlich steuerfrei.
Mein Sohn, 33, macht sich als Designer selbstständig. Seine betriebliche Altersversorgung hat er bereits beitragsfrei gestellt. Was kann er für seine Altersvorsorge tun neben der Künstlersozialkasse?
Empfehlenswert ist eine Basisrente. Beiträge dazu kann Ihr Sohn steuerlich geltend machen. Je nachdem wie seine selbstständige Tätigkeit finanziell verläuft, kann er einen einmaligen Beitrag am Jahresende leisten oder aber kleine monatliche Beiträge von zum Beispiel 50 oder 100 Euro und dann eine steuerlich optimierte Zuzahlung. Wichtig ist für Ihren Sohn zudem eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese kann er auch mit der Basisrente abschließen. Am besten holt sich Ihr Sohn hierzu verschiedene Angebote ein. Wenn die berufliche Situation eines Tages gefestigt und stabil ist, kann Ihr Sohn dann ergänzend weitere private Vorsorge treffen. Auch ein Riester- Vertrag ist möglich.
Was heißt Garantierente, Gewinnrente und Rentengarantiezeit bei einer privaten Rentenversicherung?
Garantierente ist die von der Versicherungsgesellschaft fest zugesagte Rentenhöhe. Die Gewinnrente kommt noch obendrauf, ihre Höhe hängt ab von der Entwicklung an den Kapitalmärkten. Mit einer Rentengarantiezeit können Angehörige abgesichert werden, in diesem Fall wird die private Rente auch nach dem Tod des Versicherten weiter ausgezahlt.
Was halten Sie vom Abschluss einer Basisrente, wenn man Hartz-IV-Empfänger ist?
Das lohnt sich allenfalls für den Vermittler, nicht aber für den Hartz-IV-Empfänger, da er den Steuervorteil nicht nutzen können. Die Einzahlung in einen Basisvertrag würde also aus dem „Netto" erfolgen, die Auszahlung ist dagegen trotzdem voll steuerpflichtig.
Seit 35 Jahren zahle ich in eine Lebensversicherung ein, die in etwa drei Jahren fällig wird. Kann die Versicherungsgesellschaft die Garantieleistung reduzieren?
Nein, der Versicherer kann von vertraglich zugesagten Garantien nicht zurücktreten. Er kann lediglich keine Überschüsse mehr zahlen, was dazu führt, dass sich die garantierte Leistung nicht mehr erhöht.
Ich bin 56 Jahre alt und habe eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersversorgung, bisher mit Pauschalversteuerung. Die soll nun umgestellt werden auf eine steuerfreie Einzahlung. Ist das rechtens?
Eine Umstellung von Betriebsrenten ist grundsätzlich unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Dabei sollte durch den Betriebsrat eventuell mit Unterstützung der Gewerkschaft auf Wertgleichheit geachtet werden.
Der Wert meiner fondsgebundenen Lebensversicherung  ist nach dem letzten Statusbericht deutlich gesunken. Was soll ich machen?
Der gesunkene Wert ist die Folge der schlechten Entwicklung an den Finanzmärkten und Aktienbörsen. Andererseits sind die nun niedrigeren Preise für die Fondsanteile bei längeren Restlaufzeiten der Verträge günstig. Denn Sie erhalten nun mehr Fondsanteile für die Sparbeiträge. Sie kaufen also billiger ein als früher, was langfristig erfahrungsgemäß von Vorteil ist. Deshalb rate ich dazu, durchzuhalten und weiterzumachen und keinesfalls vorschnell den Vertrag zu kündigen.
Kann man bei einer Basisrente in wirtschaftlich schlechten Zeiten mit den Beitragszahlungen vorübergehend aussetzen?
Ja, eine Beitragsfreistellung ist grundsätzlich möglich. Steuervorteile müssen in diesem Fall nicht zurückgezahlt werden.
Kann ich mir die Riester-Rente  später im Alter auch in Form einer einmaligen Kapitalsumme auszahlen lassen?
Nein, nur 30 Prozent des Vorsorgekapitals können einmalig ausgezahlt werden. Ansonsten wird die Riester-Rente als lebenslange Leibrente gezahlt.
Ist eine Kapitalauszahlung der betrieblichen Altersversorgung sozialabgabenpflichtig?
Für alle gesetzlich Krankenversicherten besteht volle Kranken- und Pflegeversicherungspflicht. Um Härten zu vermeiden, wird der anfallende Betrag aber auf zehn Jahre verteilt. HAZ090504

 Private Altersvorsorge wird immer wichtiger, doch wie macht man es richtig?
Bei einer weiteren Telefonaktion der HAZ in Zusammenarbeit mit dem Gesamtverband der
Deutschen Versicherungswirtschaft stellten sich die vier Experten Martina Langner, Thomas Alt,
Philip Ziemek sowie Eimer Felker den Fragen der Leser. Hier ein Teil der Fragen und Antworten.

Ende des Jahres erhalte ich meine Lebensversicherung ausbezahlt, die ich vor 25 Jahren abgeschlossen habe und für die ich regelmäßig Beiträge gezahlt habe. Muss ich die Auszahlung versteuern?
   Da Sie die Bedingungen für eine steuerfreie Auszahlung - mindestens zwölf Jahre Laufzeit des Vertrages und mindestens fünf Jahre lang regelmäßige Beitragszahlungen - erfüllt haben, ist die Auszahlung steuerfrei.
Ich bin 32 Jahre alt und war fünf Jahre lang angestellt tätig. Nun habe ich mich selbstständig gemacht. Kann ich meine Direktversicherung, die im Rahmen einer betrieblichen Altersversorgung abgeschlossen wurde, weiterführen?
   Ja, das ist möglich. Sie können die Direktversicherung übernehmen und selbst weiter besparen.
Lohnt sich der Abschluss einer Basisrente für mich als Selbstständiger?
 Die Basisrente wurde vor allem geschaffen, um gerade Selbstständigen die Möglichkeit einer steuerbegünstigten Altersvorsorge zu bieten. Hier können in der Ansparphase Beiträge bis zu 20.000 € (Ledige) beziehungsweise 40000 Euro für Verheiratete jährlich steuerlich geltend gemacht werden. Neben regelmäßigen Beiträgen sind auch Zuzahlungen möglich, was für Selbstständige mit unregelmäßigen Einkünften vorteilhaft ist. Darüber hinaus kann die Basisrente auch mit einer Berufsunfähigkeitsrente gekoppelt werden. Die Beiträge können dann auch steuerlich angesetzt werden. Die Auszahlung erfolgt in Form einer Leibrente, sie ist grundsätzlich steuerpflichtig.
Ich habe vor 15 Jahren eine Lebensversicherung abgeschlossen, die in fünf Jahren fällig wird. Kann der Garantiezins gekürzt werden?
   Nein, der vereinbarte Garantiezins steht für die gesamte Laufzeit des Vertrages fest. Nur die Überschüsse können sich ändern, wobei bereits gutgeschriebene Überschussanteile ebenfalls fest sind.
Mein Sohn hat bereits während des Studiums eine private Rentenversicherung abgeschlossen. Jetzt tritt er ins Berufsleben ein. Was empfehlen Sie als zusätzliche Vorsorge für sein Alter?
   Ich empfehle Ihrem Sohn den Abschluss einer Direktversicherung. Hier kann er bis zu 2.640 Euro pro Jahr Steuer- und Sozialversicherungsfrei einzahlen. Netto wird er so nur mit etwa der Hälfte belastet. Weiterhin sollte der Vertrag eine Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit haben.
Kann jeder eine betriebliche Altersversorgung abschließen?
   Seit 1. Januar 2002 kann jeder in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversicherte Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber verlangen, dass von seinem Gehalt Beiträge bis zur Höhe von 4 Prozent der Beitrags- bemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung durch eine sogenannte Entgeltumwandlung für seine betriebliche Altersversorgung verwendet werden.
Ich bin 52 Jahre alt und habe kein großes Einkommen, erhalte aber einen größeren Geldbetrag aus einer Erbschaft. Was empfehlen Sie mir, und worauf sollte ich achten?
   Sie können zum Beispiel drei Viertel des Betrages in eine aufgeschobene private Rentenversicherung mit zwölf Jahren Laufzeit anlegen und den Rest als Festgeld, um finanziell flexibel zu sein. Vorteil: Die spätere Rente aus der aufgeschobenen Rentenversicherung wird nur mit dem sogenannten Ertragsanteil versteuert, der niedrig ist. Wählen Sie statt der regelmäßigen Rentenzahlung eine einmalige Kapitalabfindung, werden nach zwölf Jahren nur 50 Prozent der Erträge steuerpflichtig.
Lohnt es sich, mit 46 Jahren noch eine Riester-Rente abzuschließen?
   Ja, aufgrund der staatlichen Förderung durch Zulagen und der Möglichkeit, Beiträge bis zu 2.100 Euro im Jahr steuerlich geltend zu machen, lohnt sich der Abschluss einer Riester-Rente fast immer.
Wie sicher sind meine Beiträge bei Einmalzahlungen in eine private Rentenversicherung?
   Der Versicherer zahlt zum einen eine Garantierente oder eine garantierte Kapitalauszahlung. Hinzu kommen Überschüsse, die individuell ausfallen und wesentlich von der Entwicklung an den Kapitalmärkten abhängen.
Stimmt es, dass Berufseinsteiger einen Extrabonus beim Abschluss einer Riester-Rente erhalten?
   Das gilt für Berufseinsteiger unter 25 Jahren - sie erhalten bei Abschluss eines Riester-Vertrages einen einmaligen Bonus von 200 Euro.
Kann ich Vertriebskosten bei einem Riester-Vertrag einsparen, wenn ich das Produkt bei der Bank direkt abschließe?
   Nein, grundsätzlich ist jeder Riester-Vertrag auch mit Vertriebskosten verbunden.
Ich bin Beamtin, Mitte 30, kann ich auch riestern?
   Ja, inzwischen haben auch Beamte die Möglichkeit, einen förderfähigen Riester-Vertrag abzuschließen. Wenn Sie Ihre Altersvorsorge verbessern wollen, ist das eine gute Möglichkeit. Neben der Grundzulage von 154 Euro jährlich zahlt der Staat für jedes Kind eine Kinderzulage von 184 Euro und für ab 2008 geborene Kinder sogar 300 Euro pro Jahr. Darüber hinaus können Beiträge steuerlich geltend gemacht werden.
Ist meine fondsgebundene Riester-Rente noch sicher?
   Bei allen zertifizierten Riester-Verträgen sind die eingezahlten Beiträge einschließlich der gezahlten Zulagen garantiert. Von daher besteht kein Grund zur Sorge. Wenn Ihnen Ihr Vertrag dennoch nicht mehr gefällt, kann das Guthaben auch in einen neuen Vertrag übertragen werden. Sie müssen dann aber mit neuen Abschluss- kosten rechnen.
Die Deutsche Rentenversicherung teilt mir eine Altersrente von voraussichtlich 1.000 Euro mit. Ich habe noch zwei private Rentenversicherungen, aus denen ich zusammen etwa 400 Euro monatlich erhalte. Reicht das aus, um meinen Lebensstandard zu halten?
   Das ist nicht so einfach zu beantworten. Entsprechen die 1.400 Euro Ihrem derzeitigen Einkommen? Fallen im Alter Belastungen weg, wie zum Beispiel Baufinanzierungen? Oder kommen neue Belastungen hinzu? Die Summe aller Renten sollten den Ausgaben entsprechen. Bedenken Sie auch, dass die Kaufkraft der Renten sinken kann.
Wie viel muss oder sollte ich für meine Altersvorsorge jetzt aufbringen?
   Das hängt vom Einzelfall ab. Faustregel: 10 Prozent vom Brutto- oder 25 Prozent vom Nettoeinkommen.
Ich bekomme demnächst meine betriebliche Altersversorgung ausgezahlt. Nun habe ich gehört, dass ich Krankenversicherungsbeiträge darauf zahlen muss. Ist das richtig?
  Ja, es fällt der volle Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag an. Es sei denn, Sie sind privat krankenversichert - dann fallen keine Versicherungsbeiträge an.
Ich bin 63 Jahre alt. Nun wird meine private Rentenversicherung fällig. Muss ich die Rentenzahlungen versteuern?
   Bei privaten Rentenversicherungen ist nur der sogenannte Ertragsanteil steuerpflichtig. Dessen Höhe hängt ab vom Alter bei Beginn der Rentenzahlung. Wenn Sie 63 Jahre alt sind, beträgt der Ertragsanteil 20 Prozent. Nur 20 Prozent wären also grundsätzlich einkommensteuerpflichtig, 80 Prozent der Rentenzahlung dagegen steuerfrei.
Meine Frau erhält eine sehr kleine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Muss sie trotzdem Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen?
   Ja. Es gibt hier keine Freibeträge.
Ich habe jetzt mein Studium abgeschlossen und werde demnächst anfangen zu arbeiten. Was empfehlen Sie mir?
   Zur Absicherung Ihrer Arbeitskraft empfehle ich Ihnen eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Für die Altersvorsorge  sollten Sie  eine  Direktversicherung  abschließen. In  diese können Sie aktuell bis zu 2.640 Euro jährlich Steuer- und sozialversicherungsfrei einzahlen. Weiterhin sind diese Einzahlungen Hartz-IV-sicher und können vom 60. Lebensjahr an abgerufen werden.
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Beratung der Verbraucherzentralen am Pranger

  Verbraucherzentralen kritisieren gern Banken und Versicherungen: schlechte Beratung, ungeeignete Produkte, mangelnde Risikoaufklärung. Die Finanzkrise brachte den staatlich subventionierten Beratern noch mehr Aufwind. Doch jetzt offenbart ein Test Schwächen in der eigenen Beratung. „Nur wenige Verbraucherzentralen schaffen es, eine sehr gute und kompetente Beratung anzubieten, in der alle relevanten Daten aufgenommen, individuelle Berechnungen erstellt und hilfreiche Unterlagen ausgehändigt werden", sagt Wilhelm Ahns vom Hamburger Institut für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) dem Hamburger Abendblatt. Das Institut testete anonym in fünf Großstädten, darunter auch Hamburg, die Beratungsleistungen der Verbraucherzentralen zum Thema Altersvorsorge. „Für diese Stichprobe gab es keinen Auftraggeber und auch keinen Geldgeber", sagt Alms. „Wir haben das aus eigenem Antrieb gemacht,  weil wir uns vorrangig mit dem Thema Servicequalität beschäftigen."
  Und daran mangelt es den Verbraucherzentralen (VZ) offenbar. „Es gibt bei den meisten VZ keinen standardisierten Beratungsprozess und damit ist die Qualität stark vom einzelnen Berater abhängig", sagt Alms. Im ersten Testfall sollte die Versorgungslücke berechnet werden und eine Empfehlung gegeben werden, wie sie geschlossen werden kann. Die Versorgungslücke ist die Differenz zwischen gesetzlicher Rente und tatsächlichem Bedarf im Alter. Bei der Verbraucherzentrale in Hamburg konnte die Versorgungslücke nicht berechnet werden. Auch bei der persönlichen Bestandsaufnahme wurden nur elf von 16 Kriterien erfasst, zum Beispiel fragten die Berater nicht nach Risikobereitschaft und Erfahrung in der Geldanlage. Das geht aus der Studie hervor, die dem Hamburger Abendblatt vorliegt. Bei der Erfragung der Vorsorgesituation blieb in Hamburg jede zweite Frage, die die Tester für erforderlich halten, vom Berater ungestellt. Außerdem wurden keine Unterlagen ausgehändigt, die sich auf die persönliche Finanzstuation des Ratsuchenden beziehen.
  Der Tester bewertete die Beratung als „mittelmäßig", die Produktempfehlungen aber als „gut". Seinen Freunden würde er aber die VZ Hamburg „bestimmt nicht" empfehlen. Die Beratung kostete 120 € „Gemessen am Preis- Leistungs-Verhältnis kann man schon eine umfassendere Dokumentation erwarten", so Alms. Im zweiten Test ging es darum, wie 150 Euro monatlich am besten für das Alter angelegt werden können. Hier schnitt Hamburg bei der Beratung mit „gut" ab und erreichte bei den Produktempfehlungen ein „sehr gut". Auch in diesem Fall gab es handwerkliche Mängel. Diesen Widerspruch zur positiven Bewertung erklärt Alms so: „Das Urteil konnten die Tester subjektiv vergeben und sie fühlten sich bei der Verbraucherschützern, die auch kein Fachchinesisch sprachen, freundlich aufgenommen." Die einzelnen Beratungskriterien wurden dagegen objektiv erfasst.
   In diesen Details hat die VZ Köln am besten abgeschnitten. „Wir haben ein standardisiertes Verfahren zur Erfassung der Vorsorgesituation und geben dem Verbraucher auch ein Protokoll mit", sagt Wolfgang Schuldzinski von der VZ Nordrhein-Westfalen. Die VZ Hamburg räumt ein, dass die Ratsuchenden keine computergestützten, persönlichen Unterlagen erhalten und sich auch mal eine Empfehlung selbst notieren. „Die Berechnung der Versorgungslücke machen wir nicht", sagt Edda Castelló von VZ Hamburg. Das sei nur ein Türöffner, um irgendwelche Finanzprodukte zu verkaufen. „In den neun Jahren, seit wir die Beratung machen, hat sich noch keiner gemeldet, der Schadenersatz wegen Falschberatung von uns verlangt hat." Man müsse sich nicht den Kriterien der Banken unterwerfen, „weil wir kein Interesse am Verkaufbestimmter Produkte haben".
   Der Bundesverband der Verbraucherzentralen rät dagegen seinen Mitgliedern, für ihre Beratung Protokolle zu verwenden und auch über Ausbildungsstandards wird diskutiert. Ein Verbraucherschützer: „Was umgesetzt wird, bleibt Sache der einzelnen Länder." Hamburg hat sich schon festgelegt: „Wir werden den Beratungsprozess nicht standardisieren und auch keine zusätzlichen Prüfungen ablegen", sagt Castelló.
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Illusioin Rente  - Mehrheit der Bürger rechnet mit zu hohen Einkünften

   Mehr als die Hälfte der Bundesbürger kalkuliert einer Studie zufolge mit einer zu hohen Rente im Alter. Nach einer Untersuchung der Deutschen Bank, für die mehr als 3.000 Menschen im Alter von 18 bis 55 Jahren im August befragt wurden, rechnen 55 Prozent mit einem Rentenanspruch von 40 bis 60 Prozent des letzten Bruttogehaltes. Viele Bundesbürger wüssten nicht, „dass sie im Jahr 2040 nur noch maximal 40 Prozent ihres letzten Bruttogehaltes als Grundversorgung erwarten können."
   Wie die Bank weiter mitteilte, gibt es aber je nach Alter deutliche Unterschiede. Die jüngeren Bundesbürger hätten sich gut informiert und gingen realistisch von geringeren staatlichen Rentenleistungen aus. Fast die Hälfte aller 18- bis 29-Jährigen erwarte nicht mehr als 30 bis 40 Prozent des Bruttogehaltes. Dagegen hoffe die Mehrheit der 50- bis 55-Jährigen noch auf 50 bis 70 Prozent der letzten Gehaltszahlung. Die Deutsche Bank betonte aber, selbst wer zusätzlich zur gesetzlichen Grundversorgungsrente privat vorgesorgt habe, solle berücksichtigen, dass die Inflation großen Einfluss auf die Kaufkraft in der Zukunft haben werde.
   Zwar rechne eine Mehrheit der Befragten von einem Kaufkraftverlust von 10 bis 20 Prozent in den kommenden zehn Jahren. Dennoch gaben nur 17 Prozent an, die Auswirkungen der Inflation bei ihrer Altersvorsorge bereits vollständig berücksichtigt zu haben.
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Günstiger Weg zur Rente für Mütter

   Attraktive Neuregelung für Mütter und Väter im Rentenalter, die bisher keinen Rentenanspruch hatten: Von sofort an können sie freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und dadurch Anspruch auf eine Rente erwerben. Darauf weist die Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover hin. Wer beispielsweise drei Kinder hat, bekommt bereits nach weniger als zwei Jahren Rentenbezug sein Geld wieder heraus. Je nachdem, wie viele Kinder erzogen worden sind, kann es sogar noch kürzer, aber auch länger dauern.
   Erforderlich für eine Rente sind in jedem Fall fünf Jahre mit Beiträgen. Für jedes vor 1992 geborene Kind wird dem Rentenkonto ein Beitragsjahr gutgeschrieben. Um sich die Rente zu sichern, muss der fehlende Zeitraum mit freiwilligen Beiträgen aufgefüllt werden. Zurzeit sind das mindestens 955,20 Euro für ein Jahr. Die neue Regelung nutzen können alle, die mindestens ein Kind erzogen haben und denen diese Zeit im Rentenkonto gutgeschrieben werden kann.
   Wer rechtzeitig in den Genuss der Rente kommen möchte, sollte möglichst kurz vor dem 65. Geburtstag die Nachzahlung beim nächstgelegenen Beratungszentrum der Deutschen Rentenversicherung beantragen. Selbstverständlich können sich auch alle über 65-Jährigen auf diesem Weg günstig eine Rente kaufen.
   Weitere Informationen gibt es auch am kostenlosen Servicetelefon unter (0800) 100 04 8010 sowie bei den Versichertenältesten in der unmittelbaren Nachbarschaft.
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Lebensversicherungen. Ratingagenturen bewerten jeden dritten Konzern schlechter.
Renditen für Altersvorsorge im Sinkflug - Viele Verträge werfen nur noch drei Prozent Plus ab.
Beschwerden bei Verbraucherzentrale nehmen massiv zu.

  Fast zwei Jahrzehnte hat Helmut Trübe aus Ahrensburg in seine Lebensversicherung eingezahlt, 2.400 Euro pro Jahr. Sein Vermittler von der Generali hatte ihm vor 19 Jahren vorgerechnet, was er einmal ausgezahlt bekommen sollte: 162.858 Mark (83.268 Euro). Doch als Zahltag war, kam die Überraschung: Nur 65.000 Euro bekam der 70- Jährige überwiesen - 22 Prozent weniger als erwartet. „Die Beschwerden über sinkende Ablaufleistungen nehmen massiv zu", sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. „Wir haben rund 100 abgelaufene Policen nachgerechnet und sind nur noch auf eine Rendite von gut drei Prozent gekommen."
Überschussbeteiligung sinkt
   Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gerieten viele Versicherer in Bedrängnis, viele mussten ihre Reserven anbrechen, weitere Abschreibungen drohen, das Neugeschäft lahmt. „Wir haben den Ausblick für die gesamte deutsche Lebensversicherungsbranche schon im Oktober 2007 auf ‚negativ' gesetzt und diese Prognose hat sich bei den Einzelratings bestätigt", sagt Tim Ockenga von der Ratingagentur Fitch dem Hamburger Abendblatt. Rund ein Drittel der bewerteten Versicherer hat 2009 ein schlechteres Rating als ein Jahr zuvor.
   Fast jeder ist betroffen. Die Deutschen haben 686 Milliarden Euro in 93 Millionen Verträgen investiert. Jeder vierte Euro des Vermögens liegt bei einer Lebensversicherung, wozu auch Rentenversicherungen oder Pensionskassen gehören.
Große Abhängigkeit von Banken
   Die Finanzkrise offenbarte, wie extrem abhängig die Versicherungen von den Banken sind. Rund 60 Prozent ihrer festverzinslichen Anlagen haben die Versicherer bei den Banken, schätzt die Ratingagentur Fitch. Ein Zusammenbruch der inzwischen verstaatlichen Hypo Real Estate wäre für die Kunden der Lebensversicherer zur Katastrophe geworden. „Ohne Stützungen des Staates für die Banken wäre die Altersvorsorge der Deutschen extrem gefährdet gewesen", sagt Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata. Er sieht kaum Alternativen für das große Engagement der Lebensversicherer bei den Banken. „Sie waren in der Vergangenheit sehr bonitätsstarke Schuldner und wurden deshalb von den Versicherern bevorzugt", sagt Daniela Roben vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV). Ein Vorteil dieser Anlagen: Im Gegensatz zu Unternehmens- anleihen drohen bei Schuldscheindarlehen der Banken keine Kursverluste, die abgeschrieben werden müssen.
Unter 5 Prozent in Aktien angelegt
   Ohne Erleichterungen bei der Bilanzierung wäre es nicht möglich gewesen, Abschreibungen zu vermindern und das Kapitalanlageergebnis aufzupolieren. Ein Kursrutsch von 20 Prozent bei einem Wertpapier muss nicht gleich in der Bilanz berücksichtigt werden.
   Manche rechnen Kursverluste mit künftigen eventuellen Dividendenzahlungen auf. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) schiebt die Verantwortung den Wirtschaftsprüfern zu, die bei der Bilanz die Interpretationsspielräume nutzen. „Bei Abweichungen von mehr als 20 Prozent vom Kurswert hinterfragen wir das Testat des Abschlussprüfers im Einzelfall kritisch", sagt BaFin-Sprecherin Kathi Schulten. 2003 lag die Grenze noch bei zehn Prozent. Die Anhebung sei den hohen Schwankungen an den Kapitalmärkten geschuldet. Ein Trost für die Kunden bleibt allerdings: Die Versicherer haben weniger als fünf Prozent Aktien in den Depots.

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Stresstest bestanden
   Erleichterungen gibt es auch beim Stresstest, den die Versicherer einmal jährlich unter Aufsicht der BaFin absolvieren müssen. Dabei wird geprüft, wie sich ein plötzlicher Kurssturz bei Aktien und anderen Wertpapieren auf die eingegangenen Verpflichtungen auswirkt. In diesem Jahr fielen zwei Unternehmen durch. Im Aktienbereich wurde bisher ein Kurssturz von 35 Prozent simuliert. „Jetzt gibt es einen variablen Wert, der sich nach dem Stand des Euro-Stoxx50 richtet", sagt Schulten. Je niedriger der Index notiert, umso geringer das angenommene Rückschlagpotenzial, obwohl auch ein niedriger Index noch um 50 Prozent und mehr fallen kann. So müsste jetzt beim BaFin-Stresstest nur noch ein Kurseinbruch von 20 Prozent verkraftet werden.
Versprechen für 2009: 4,28 Prozent
   Für 2009 versprachen die Lebensversicherer ihren Kunden eine Überschussbeteiligung von 4,28 Prozent. Eine stolze Verzinsung angesichts des niedrigen Zinsniveaus am Markt. Für die Branche ist das ein gutes Argument, um ihr Produkt gerade in Krisenzeiten zu bewerben. „In guten Kapitalmarktzeiten werden Sicherheitspuffer aufgebaut, die in unruhigen Zeiten zur Glättung der Überschüsse der Versicherten verwendet werden", sagt Daniela Roben vom Branchenverband GDV „Da wir sehr langfristig anlegen, profitieren wir auch noch von höheren Zinsniveaus in der Vergangenheit", ergänzt Udo Rössler von der Allianz. Mit jährlichen Rückstellungen für Beitragsrückerstattung (RfB) kann in schlechten Zeiten die Überschussbeteiligung aufgepeppt werden. Doch die Reserven schmelzen dahin. „Innerhalb von zwei Jahren hat die RfB-Quote im Branchen- durchschnitt um rund 40 Prozentpunkte abgenommen", sagt Will. 2008 lag der Puffer bei 1,5 Prozent der Kapitalanlagen, zehn Jahre zuvor waren es 14 Prozent.
Jedes dritte Rating gesenkt
   Fitch hat nicht nur die Ratings von einem Drittel der geprüften Lebensversicherer gesenkt, sondern viele Unternehmen auf einen negativen Ausblick gesetzt. Damit drohen weitere Abstufungen. Ockenga begründet den negativen Ausblick mit den noch vorhandenen Risiken. „Die Schwankungen an den Aktienmärkten sind nach wie vor hoch. Zusammen mit nachgeholten Abschreibungen auf andere Wertpapiere wird dies auch 2009 die Nettoverzinsung der Lebensversicherer belasten", sagt der Fitch-Experte. „Zudem stehen manche Versicherer auch vor größeren Vertragsabläufen, ohne dass sie das mit Neugeschäft kompensieren können."
Weniger Neuabschlüsse
   Schon im vergangenen Jahr wurden zwölf Prozent weniger Policen abgeschlossen. Schlimmer trifft die Branche, dass immer mehr Policen vorzeitig gekündigt werden. 2008 waren das Lebensversicherungen im Wert von 14 Milliarden Euro. Wegen neuer Regeln des Bundesgerichtshofs können die Versicherten nicht mehr mit minimalen Rückkaufswerten abgespeist werden. Mit steigender Arbeitslosigkeit und sinkender Überschussbeteiligung wächst die Gefahr, dass immer mehr Kunden vorzeitig aus ihren Verträgen aussteigen.
   Die größte Herausforderung für die Versicherer sind deshalb die niedrigen Zinsen. „Um allein den durch- schnittlichen Garantiezins erfüllen zu können, müssen die Versicherer mit ihren Kapitalanlagen eine Rendite von circa 3,2 Prozent erwirtschaften", sagt Ockenga. Bei niedrigen Zinsen sieht Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchendienstes Map-Report eine Verschärfung der Probleme für die Branche. „Das kann gefährlicher werden als das Krisenjahr 2008", sagt er.
   Wer vor 20 Jahren eine Lebensversicherung (z.B. für 1.200 Euro pro Jahr) abgeschlossen hat, erhält im Marktdurchschnitt 40.721 Euro ausbezahlt, so der Map-Report. Wer jetzt eine abschließt, kommt nach einer Prognose nur noch auf 35.796 Euro und erhält wie Helmut Trübe am Ende eventuell noch viel weniger.
HA091006SteffenPreißler
Lebensversicherung 2012
 
Wer eine Renten- oder Lebensversicherung zur privaten Altersvorsorge neu abschließt, muss sich mit einem Garantiezins von nur noch 1,75 statt bisher 2,25 Prozent zufriedengeben.

re-Lebensversicherungen-xx

Die Renditen der Lebensversicherungen sind stark gesunken: Weniger Geld fürs Alter
Finanzmarktkrise und Börsencrash haben den Assekuranzen schwer zugesetzt. Aktienquote sinkt

   Die Hamburger Brüder Rolf und Werner Heinrich hatten keine Zweifel, bei welcher Gesellschaft sie ihre Kapitallebensversicherung abschließen. Natürlich beim Marktführer Allianz. Der ältere Bruder Rolf ging bereits vor zehn Jahren in den Ruhestand und erhielt 105.700 Euro ausgezahlt, nachdem er 30 Jahre lang monatlich 100 Euro für die Versicherung gespart hatte.  Das entspricht einer Rendite von 6,27 Prozent und kann sich für eine risikoarme Anlage sehen lassen. Sein jüngerer Bruder Werner muss im Ruhestand mit rund 14.250 Euro weniger auskommen, weil er zehn Jahre später mit der Altersvorsorge startete und seine Versicherung erst 2010 auslief. Die Rendite sank auf 5,48 Prozent.
   Das Beispiel zeigt, worauf sich die Kunden bei Deutschlands beliebtester Altersvorsorge einstellen müssen: Seit Jahren sinken die Auszahlungen bei auslaufenden Verträgen, wie eine Studie des Branchendienstes map-Report belegt. Er vergleicht Jahr für Jahr die tatsächlich erreichten Ablaufleistungen bei Kapitallebensversicherungen über verschiedene Laufzeiten. Manche Gesellschaften wie Hannoversche, Provinzial NordWest oder Cosmos zahlen ihren Kunden rund 20 Prozent weniger aus als vor zehn Jahren
siehe Tabelle oben auf 5,19 Prozent gesunken", sagt map-Herausgeber Manfred Poweleit. Das mag nicht dramatisch erscheinen, bedeutet aber rund 17.300 Euro weniger für die Altersvorsorge.
   Noch härter dran sind jene Kunden, die es nicht schaffen, über Jahrzehnte etwas für den Ruhestand zurückzulegen. Wer nur zwölf Jahre monatlich 100 Euro spart, erhält jetzt im Schnitt 18.000 Euro ausgezahlt. Vor zehn Jahren waren es noch knapp 4.000 Euro mehr.  Innerhalb des Vergleichszeitraums hat sich die Rendite von 6,22 auf 3,36 Prozent fast halbiert. „Die weltweite Niedrigzinspolitik der Notenbanken und mehrere Zusammenbrüche der Aktienmärkte seit 2000 machen sich bei den zwölfjährigen Verträgen besonders bemerkbar", sagt Poweleit. Vor allem vom Börseneinbruch im Jahr 2002 wurden viele Versicherer hart getroffen.
   Doch auch die jüngste Finanzkrise hat tiefe Spuren bei den Assekuranzen hinterlassen. Im Krisenjahr 2008 verdienten die Versicherer mit ihren Kapitalanlagen nicht mal eine Milliarde Euro, während sie in guten Jahren auf acht bis zehn Milliarden Euro kommen. Allein im Zeitraum von 2008 bis jetzt sanken die Auszahlungen bei Verträgen mit 30 Jahren Laufzeit um 4.200 Euro.
   Die Kunden müssten sich auf noch größere Einbußen einstellen, wenn die Versicherer nicht noch andere Quellen als die Gewinne aus Kapitalanlagen für die Überschussbeteiligung zur Verfügung hätten. „Eine große Rolle spielen inzwischen die Risikogewinne, die 2008 rund 6,5 Milliarden Euro ausmachten", sagt Poweleit. Solche Gewinne entstehen, in der Lebensversicherung, wenn weniger Menschen vorzeitig sterben und einkalkulierte Beiträge für den Todesfallschutz nicht im geplanten Umfang benötigt werden. Solche Besonderheiten und auch ein Ausgleichstopf für schlechte Zeiten sorgen dafür, dass die Lebensversicherungskunden die sehr niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt nicht ungedämpft zu spüren bekommen. Aber an weiter sinkenden Ablaufleistungen werden sie kaum etwas ändern. „Die Auszahlungen der Versicherer sind heute weit von dem entfernt, was den Kunden bei Vertragsabschluss einmal in Aussicht gestellt wurde", sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten.
   Nicht alle Versicherer sind vom Rückgang der Ablaufleistungen gleich stark betroffen. So sind die Auszahlungen der Debeka nur um ein Prozent innerhalb von zehn Jahren gesunken. Vor zehn Jahren gab es noch einige Versicherungen wie die Neue Leben oder die HUK Coburg, die die Debeka bei den Ablaufleistungen deutlich übertrafen. Inzwischen hat die Debeka mit einer sehr konservativen, langfristigen und geringe Kosten verursachenden Anlagepolitik die Konkurrenz hinter sich gelassen.
   „Unsere Aktienquote liegt unter einem Prozent. Das ist sicherlich ein Grund dafür, dass wir durch das letzte Jahrzehnt relativ schadlos gekommen sind", sagt Unternehmenssprecher Christian Arns. Das Unternehmen setzt vor allem auf festverzinsliche Wertpapiere ohne Währungsrisiko und mit höchster Bonität. „Wir investieren trotz hoher Rendite nicht in griechische Staatsanleihen", sagt Arns. Die Allianz begründet den Rückgang der Ablaufleistungen mit dem Rückgang der Zinsen. „Dennoch liegt unsere Verzinsung noch deutlich über den Kapitalmarktzinsen", sagt Katrin Wahl von der Allianz. Außerdem müsse man berücksichtigen, dass die Inflation heute deutlich niedriger ist als vor zehn Jahren, die Einbußen der Kunden sich also relativieren. Dennoch bleibt der Abstand des Marktführers zum Erstplazierten Debeka: rund 17.400 Euro.
   Könnten sich die Brüder Heinrich noch einmal entscheiden, würden sie wahrscheinlich nicht automatisch auf den Marktführer setzen.
HA100416SteffenPreißler

re-gStatistit-xx  Vorsorgeatlas Deutschland

Ohne private Vorsorge droht Altersarmut   Quelle: FAZ-Grafik Brocker

   Viele Deutsche dürften im Alter nur wenig Geld haben. Oft reicht auch Riester-Sparen nicht. Dies zeigt der erste deutsche „Vorsorgeatlas”.
   Vielen Beschäftigten droht ohne zusätzliche private Vorsorge im Alter eine Einkommenslücke. Diese Aussage untermauert nun ein erstmals erstellter „Vorsorgeatlas”, der die regionalen Unterschiede in der Altersvorsorge in Deutschland darstellt. „74,7 Prozent der Rentenbezieher wären ohne eine zusätzliche Altersvorsorge unterversorgt”, sagte Hans Joachim Reinke, Vorstandsmitglied der Fondsgesellschaft Union Investment, die bei Professor Bernd Raffelhüschen und dem Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg die Untersuchung in Auftrag gegeben hatte. „Ziel war, den Altersvorsorgestatus der deutschen Bevölkerung zwischen 20 und 65 Jahren möglichst vollständig abzubilden", sagte Reinke.
   Nur 56 Prozent der Beschäftigten könnten hoffen, im Alter mindestens 60 Prozent ihres letzten Brutto- einkommens zu erhalten, obwohl sie mit Riester-Verträgen, betrieblicher Altersvorsorge und ähnlichen Angeboten eigene Anstrengungen unternähmen. Die Versorgung misst Raffelhüschen an der Ersatzquote, die sich aus dem Verhältnis zwischen der Rente und dem letzten Einkommen ergibt. Eine Unterversorgung liegt demnach vor, wenn die Ersatzquote unter 60 Prozent fällt, wie dies im überwiegenden Teil Deutschlands der Fall ist
siehe Grafik oben.
   Im wirtschaftlich starken Südwesten allerdings ist die Ersatzquote deshalb auf einem niedrigen Niveau, weil hier die Arbeitseinkommen im Durchschnitt besonders hoch sind, so dass hier private Altersvorsorge weniger notwendig ist, um Altersarmut abzuwenden, sondern um den Lebensstandard auch im Alter zu halten. Vielen Bundesbürgern droht dennoch Altersarmut, wenn sie die zu erwartende Rente nicht über private Vorsorge aufstocken, lautet ein Fazit der Studie. Nur rund ein Viertel der Anspruchsberechtigten könne allein aus der gesetzlichen Rentenversicherung ein ausreichendes Versorgungsniveau im Alter halten. „Besonders die Jün- geren weisen hohe Unterversorgungsquoten auf”, heißt es in der Untersuchung. In der Altersgruppe 20 bis 34 Jahre mache die künftige Rente nur 39 Prozent des letzten Einkommens aus. Geringverdiener wiederum mit einem Einkommen von weniger als 900 Euro netto monatlich seien relativ gut versorgt.
   Vor allem mittlere Einkommensschichten müssten private Vorsorge treffen, um keine Einbußen zu erleiden. Bundesbürger mit einem Monatseinkommen von mehr als 1.500 Euro hätten bei Betrachtung der gesetzlichen Ansprüche eine Unterversorgungsquote von 88 Prozent und unter Einbeziehung der schon abgeschlossenen Altersvorsorgeverträge eine Unterversorgungsquote von immerhin noch 59 Prozent. Regional ist besonders Ostdeutschland betroffen. Zwar seien die aktuellen Rentner dort besser versorgt als westdeutsche Rentenbezieher. Doch die heutigen Beitragszahler müssten größere eigene Anstrengungen unternehmen. „Viele haben gar nicht mehr das Geld, um private Vorsorge zu treffen”, sagt Reinke. „Dennoch werden wir an dieser Stelle nicht lockerlassen.”
FAZ090806hlr

Reicht die Rente nicht? Jeder Zweite kann Lebensstandard nicht halten
   Fast die Hälfte der Erwerbstätigen in Deutschland kann laut einer Studie ihren Lebensstandard im Alter nicht halten. Nach einer Untersuchung des Freiburger Wissenschaftlers Bernd Raffelhüschen im Auftrag der Fonds- Gesellschaft Union Investment können derzeit lediglich 56 Prozent der Beschäftigten im Alter auf mindestens 60 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens hoffen. Dabei haben diese bereits mit Riester, betrieblicher Altersvorsorge oder über die Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst vorgesorgt.
   Bei denjenigen, die sich ganz auf die gesetzliche Rentenversicherung, Beamtenpensionen oder berufsstän- dische Versorgung verlassen, reicht es bei nur einem Viertel im Alter für den gewohnten Lebensstandard. Besonders deutlich fällt die Rentenlücke bei jungen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren aus, und hier vor allem im Süden. Das liegt allerdings daran, dass dort die höchsten Gehälter gezahlt werden und besonders viele Bayern und Baden-Württemberger oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung verdienen.
   Die 20- bis 65-jährigen Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung haben der Studie zufolge einen durchschnittlichen Rentenanspruch von 984 Euro im Monat. Bei den Beamten liegt der Mittelwert der Pen- sionsansprüche bei 2.570 Euro.
   Spitzenreiter bei den gesetzlichen Renten sind die Menschen in Oberbayern, Stuttgart und Darmstadt mit knapp 1.100 Euro Rentenanspruch. Erwerbstätige aus der Region Dessau haben den geringsten monatlichen Anspruch: 774 Euro. Hannover liegt mit 982 Euro genau im Bundesdurchschnitt.
HAZp090806ap

sen-gFondsrente-xx

Geplatzter Traum von der dicken Fondsrente. Aktiendebakel: Versicherte bangen um ihr Geld

   Fondsrenten zur Aufbesserung der kargen gesetzlichen Rente? Das kann ins Augen gehen. Elf Jahre lang hat Frau B. ihre fondsgebundene Rentenversicherung bespart. Gut 6.750 Euro legte sie an, freiwillig, um später im Alter mal eine schöne Zusatzrente herauszubekommen. Pustekuchen. Ihr Vertrag sei momentan nur noch 4.549 Euro wert, teilte der Versicherer der entsetzten Dame unlängst mit. Die Kurseinbrüche an der Börse, teure Gebühren und hohe Provisionen haben den Traum vom Finanzpolster platzen lassen wie eine Seifenblase.
   Wie Frau B. ergeht es zurzeit Tausenden Versicherten, die in fondsgebundene Rentenversicherungen investiert haben. „Viele Leute sind schockiert und in Panik", weiß Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucher- zentrale Rheinland-Pfalz. Bei dieser Altersvorsorge hängt die spätere Rente stark davon ab, wie gut der Aktienfonds gelaufen ist. Doch viele Kunden wussten bei Abschluss gar nicht, dass sie mit ihrem Modell an der Börse spekulieren. Und viel Geld verlieren können.
   In den neuen Pflichtmeldungen der Versicherer zur Wertentwicklung sehen es die meisten jetzt erstmals schwarz auf weiß: Ihr Vertrag steckt tief im Minus, so manche Altersvorsorge ist momentan nur noch die Hälfte wert oder noch weniger. Ob Verluste von bis zu 80 Prozent bis zum Rentenbeginn wiedergutgemacht und wenigstens noch ein paar Euro Rente drin sind, steht für viele Sparer in den Sternen. „Wir stellen häufig fest, dass man nicht verstanden hat, auf welches Produkt man wirklich gesetzt hat", berichtet Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen.
   Viele Anleger denken, dass sie mit einer fondsgebundenen Rentenversicherung eine ähnlich sichere Altersvorsorge wie die herkömmliche klassische Rentenversicherung an Land gezogen haben, nur mit besonderen Gewinnchancen an der Börse. So wird das Produkt auch gern verkauft.
   Aber weit gefehlt, denn bei der Fondsvariante geht es nicht um sichere Zinsanlagen, sondern um ein Investment in Aktienfonds, in Anleihen oder Immobilien. Den Sparanteil des Beitrags legt ein Fondsmanager an, nicht die Versicherung. Das volle Risiko trägt auch nicht der Anbieter, sondern der Kunde. Bei guter Wertentwicklung darf er sich über Renditen freuen, bei schlechter - wie jetzt - müssen herbe Verluste verkraftet werden.
   Im Gegensatz zur klassischen Rentenversicherung weiß der Versicherte deshalb auch bis zum Ruhestand nicht, ob und wenn ja, mit wie viel Rente er eigentlich rechnen kann. „Für jemanden, der sehr sicherheitsorientiert ist, eignet sich das Produkt nicht", warnt Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Nur Sparer, die eine Fondsrente mit Garantie gewählt haben, können sich in vielen Fällen wenigstens darauf verlassen, dass ihre Einzahlungen erhalten bleiben.
   Was Frau B. und die vielen anderen zusätzlich in die Bredouille gebracht hat, sind die immensen Kosten der Fondsrente, die zum Teil doppelt so hoch sind wie herkömmliche Rentenpolicen. „Schuld an der Misere ist nicht nur die Börse, sondern auch die hohen Abschlussprovisionen und Verwaltungsgebühren", sagt Gottschalk. Das zehre massiv. „Von 100 Euro im Monat kommen vielleicht nur 83 Euro im Fonds an, der Rest geht vorher schon drauf."
   Wer aus seiner fondsgebundenen Altersvorsorge rauswill, sollte sich unbedingt beraten lassen, betont Verbraucherschützer Wortberg. Eine übereilte Kündigung aus Panik sei nicht ratsam. „Dann kann alles Eingezahlte hin sein", warnt der Fachmann. Oft sei es besser, den Vertrag erst einmal beitragsfrei zu stellen und erst nach einer Kurserholung zu kündigen. Voraussetzung: Der Vertrag hat die vorgeschriebene beitragsfreie Mindestsumme bereits erreicht. Kleiner Trost: Wer sich dazu entschließt, weiter zu sparen und Verlorenes aufzuholen, bekomme in diesen Zeiten wenigstens mehr Fondsanteile fürs gleiche Geld, so Wortberg. Vor allem bei jüngeren Policen könne es allerdings sinnvoll sein, schnellstmöglich die Reißleine zu ziehen und sich für ein verlustreiches Ende mit Schrecken zu entscheiden, betonen die Verbraucherschützer.
NOZ090504AP    

HerbertRische     Präsident Dr. Herbert Rische

Dr. Herbert Rische (66) ist seit 2005 Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund,
er war seit 1991 bereits Chef der BfA: „Das deutsche Rentensystem hat Altersarmut weitgehend verhindert!

Herr Rische, es gibt Arbeitgeberverbände, die die gesetzliche Rentenversicherung abschaffen und auf eine Grundsicherung beschränken wollen. Was ist so schlecht an der Idee?
Herbert Rische:
Wenn Sie auf internationaler Ebene vergleichen, wie sich die Renten in Deutschland und in anderen Ländern entwickelt haben, sehen wir doch, dass das deutsche Rentensystem in den vergangenen Jahrzehnten Altersarmut ganz weitgehend verhindert hat. Und dass steuerfinanzierte Grundrentensysteme im Alter meistens nicht diese Sicherheit bieten. In Ländern mit Grundrentensystemen ist die Altersarmut teilweise deutlich ausgeprägter als in Deutschland, da viele Menschen nicht zusätzlich Vorsorgen können und allein auf die häufig sehr niedrige Grundrente angewiesen sind.
Wie sieht es mit der Rendite aus?
   Wir veröffentlichen seit Jahren Renditeuntersuchungen. In der Rentenversicherung bekommt man mehr heraus, als eingezahlt wurde: Auch in Zukunft haben wir eine Rendite um die drei Prozent, wie von der Stiftung Warentest bestätigt wird. Das ist besser als bei manch anderem Produkt, wenn ich mir die aktuellen Entwicklungen auf dem Aktienmarkt so ansehe.
Bei der Rente gibt es auf der einen Seite Horrormeldungen von Altersarmut, auf der anderen Seite hat die Rentenversicherung ein üppiges Plus angehäuft. Was stimmt?
   Ich wundere mich manchmal, wenn manche Leute sagen: Altersarmut wird in 20 Jahren um 20 Prozent zunehmen. Aus unseren Zahlen geht das nicht hervor. Und ich meine, man kann das seriös auch nicht voraussagen. Wir haben höhere Einnahmen in der Rentenversicherung. Und man muss die Frage stehen: Was kommt an bei den Rentnern? Auf der anderen Seite ist da die Einnahmesituation des Arbeitnehmers. In den letzten drei, vier Jahren gab es da netto nicht unbedingt große Zuwächse. Wenn bei den Aktiven weniger zu verteilen ist, ist auch bei den Rentnern weniger zu verteilen.
Wie kann man die Zahl der auch für die Rentenkasse so wichtigen sozialversicherungspflichtigen Jobs erhöhen?
   Die Rahmenbedingungen müssen so sein, dass jeder durch sein Einkommen vorsorgen kann für sein Alter, über welche Schiene auch immer. Da ist natürlich ein weiteres Anwachsen des Niedriglohnsektors kontraproduktiv. Eine solche Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Absicherung im Alter. Wenn wir feststehen, dass die Fälle von Grundsicherung ...
…das sind die Menschen, die im Alter rund 600 Euro bekommen, weil sie nicht genug zum Leben haben...
   ... dass diese Zahl zunimmt, so sind vielfach die betroffen, die überhaupt nicht in der Rentenversicherung abgesichert sind. Da steht sich natürlich die Frage: Gibt es Personengruppen, die eigentlich in die Renten- versicherung einbezogen werden müssten?
Wer sollte das sein?
   Man muss über eine Erwerbstätigenversicherung nachdenken, in die man die Selbstständigen mit einbezieht, die nicht bereits anderweitig abgesichert sind. Manche werden in die Selbstständigkeit gezwungen und zu billigen Arbeitskräften gemacht. Das ist teilweise auch ein Ausnutzen dieser Leute, die sagen: Bevor ich gar nichts tue, mache ich wenigstens das. Die haben keine Krankenversicherung, keine Rentenversicherung.
Das heißt, die Gesellschaft zahlt am Ende womöglich zweimal.
   Ich will es so sagen: Der Steuerzahler subventioniert auf verschiedenste Art und Weise. Zum einen etwa über Lohnkostenzuschüsse beim aktiven Einkommen. Und zum anderen im Alter, weil der aktive Lohn in der Erwerbsphase zu gering war, man deshalb nicht ausreichend vorsorgen konnte und im Alter auf die steuerfinanzierte Grundsicherung angewiesen ist.
Union und SPD planen, Arbeitnehmer an ihren Firmen zu beteiligen. Das soll auch der Altersvorsorge dienen. Wird da ein Fass zu viel aufgemacht?
   Man muss erst einmal sehen, was da wirklich kommt. Ich habe ein Problem damit, wenn zusätzliche Möglichkeiten der Altersvorsorge geschaffen werden, die zu Lasten der Rentenversicherung gehen. Wenn etwa die abgabenfreie Beteiligung am Betriebsvermögen ausgeweitet wird, kann es auch sein, dass nur bestimmte Personenkreise davon profitieren. Da die Renten bei abgabenfreier Entgeltumwandlung tendenziell sinken, geht das zu Lasten derjenigen, die nicht in den Genuss der Firmenbeteiligungen kommen. Ich kann nur den Finger heben und warnen, weitere abgabenfreie Bereiche zu produzieren.
Was raten Sie derzeit einem Berufsanfänger für seine Altersvorsorge?
   Für einen 25-Jährigen gilt: erstens, so lange und so gut wie möglich in der gesetzlichen Rentenversicherung abgesichert sein. Zweitens, so früh wie möglich mit privaten Sparbemühungen anfangen. Der ehemalige Arbeitsminister Franz Müntefering hat das in etwa so gesagt: Früher bekam man ein Sparbuch zur Konfirmation. Heute müsste man einen Riester-Vertrag bekommen.
Interview:HAChristophRybarik070215

Rentenrechner - mit Vorsicht zu genießen

   Die gesetzliche Rente kann nur ein Baustein für die Altersvorsorge sein, allein reicht sie nicht aus - da sind sich die Experten einig. Aber wie viel ist zusätzlich auf die hohe Kante zu legen, um im Alter ein sorgenfreies Leben zu führen zu können. Hilfe bieten Banken und Finanzvertriebe mit ihren Rentenrechnern im Internet an. Sie versprechen, die Rentenlücke, also die Differenz zwischen der voraussichtlichen gesetzlichen Rente und dem erforderlichen Einkommen, zu errechnen. Doch Vorsicht, warnt die Bank ING-DiBa. Die Angaben der Rechner können sehr unterschiedlich ausfallen - und dienen auch als Verkaufshilfe für Altersvorsorgeprodukte.
   Fachleute schätzen, dass rund 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens ausreichen, um im Ruhestand den gewohnten Lebensstandard halten zu können. Die gesetzliche Rente ist jedoch in der Regel erheblich kleiner. Wer nun seine genaue Lücke ermitteln will, erlebt im Internet manche Überraschung: Je nach angeklicktem Rentenrechner können die Unterschiede zum Beispiel bei einem Angestellten mit einem Bruttoeinkommen von 50000 Euro mehrere Hundert Euro pro Monat ausmachen. Dies liegt nicht zuletzt an den unterschiedlichen Abfragen, die in den Rechnern programmiert sind. Manche Banken und Versicherer wollen nur ein paar Daten wie das Alter und das Brutto- sowie Nettoeinkommen wissen, schon ist die Rentenlücke errechnet. Und die fällt dann meistens entsprechend groß aus - der tatsächliche Sparbedarf auch. Mit der tatsächlichen Versorgungslücke haben die Zahlen dann aber eher weniger zu tun. Wer im Internet seine Rentenlücke kalkulieren will, sollte deshalb drei Faustregeln beachten:
- Je genauer und ausführlicher die Abfragen, desto näher an der Wirklichkeit sollte auch die danach errechnete Rentenlücke sein. Relativ viele Angaben müssen Interessenten zum Beispiel beim „Rentenschätzer" des Deutschen Instituts zur Altersvorsorge (DIA) machen
www.dia-vorsorge.de
-  Sehr hilfreich ist auch der Rentenschätzer der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Er findet sich im Finanzportal der DRV.
www.ihre-vorsorge.de
- Wer sich über seine Rentenlücke informieren will, sollte stets die jährlich versandten Renteninformationen der DRV anschauen. Dort wird die voraussichtliche Altersrente ebenfalls genau angegeben.
- Die Angaben im Internet können generell nur ein grober Anhaltspunkt sein. Auf keinen Fall sollten sie Interessenten dazu verleiten, unüberlegt einen langfristigen Altersvorsorgevertrag zu unterzeichnen. Anleger sollten sich vorher genau informieren und gegebenenfalls persönlich beraten lassen. Bei der Suche nach einem geeigneten Vorsorgevertrag hilft auch das Serviceportal der Verbraucherzentralen.

www.vorsorgedurchblick.de. HAZ090105e

gImmobilie-xx

Studie: Eigentümer wohnen großzügiger als Mieter. Mietfreies Wohnen spart 30 Prozent der Rente.
Wer für das Alter vorsorgt, liegt mit der eigenen Immobilie im Trend.

   Fast die Hälfte der Berufstätigen in Deutschland (46 Prozent) möchte ihre Altersvorsorge ausbauen. Jeder Zehnte dieser Gruppe (11 Prozent) will deshalb eine Immobilie erwerben und vermieten. Doppelt so viele (22 Prozent) planen, in ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu investieren und selbst darin zu wohnen. Diese Ergebnisse einer vom Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Postbank durchgeführten Studie zeigen, dass der Wunsch, im Alter mietfrei zu leben, weit verbreitet ist. Aber auch die Option, sich durch Mieteinnahmen eine „zweite Rente” zu sichern, wird zunehmend beliebter.
Beide Varianten im Vergleich
   Die Vermietung einer Immobilie kann steuerlich attraktiv sein: Werbungskosten und Abschreibungen lassen die Einkommenssteuer sinken. Je höher der persönliche Steuersatz, desto höher auch der Steuervorteil. Unter die Werbungskosten fallen Zinsbelastungen für die aufgenommenen Darlehen, Disagio, Bürgschaftsgebühren, Notar- und Grundbuchkosten, Kosten für Reparaturen, Instandhaltung sowie Betriebskosten, die nicht vom Mieter bezahlt werden. Selbstnutzer haben diese steuerlichen Vorteile nicht, dafür aber die Mietersparnis. Außerdem können sie die Wirtschaftlichkeit ihrer Immobilie steigern, indem sie Fördergelder ausschöpfen, etwa für Energie schonende Baumaßnahmen.
   Angesichts der Vielzahl der Programme, die angeboten werden, ist es ratsam, sich vom Fachmann individuell beraten zu lassen, um möglichst viel für sich herauszuholen. Eine weitere Finanzspritze ist auch die Riester- Förderung. Egal ob die Wahl letztlich auf Selbstnutzung oder Vermietung fällt - wer ein Haus oder eine Wohnung erwerben will, sollte das Objekt einer kritischen Prüfung unterziehen: Lage, Infrastruktur, Größe, Bauqualität und Energiebilanz - das sind heute die entscheidenden Kriterien für die Wertbeständigkeit einer Immobilie.
   Besonderheiten sind bei denkmalgeschützten Immobilien zu beachten. Hier gibt es auch für Eigennutzer Abschreibungsmöglichkeiten und eine Fülle absetzbarer Werbungskosten.
Ersparnis im Alter durch selbst genutztes Wohneigentum
   Ein  typischer Rentnerhaushalt kann sein verfügbares Einkommen durch mietfreies Wohnen um rund 30 Prozent aufbessern. Konkret: Ein Ruheständler wird monatlich im Schnitt um 519 (West: 530, Ost: 403) Euro entlastet, wenn er, statt zur Miete, im schuldenfreien Eigentum lebt. Diese Zahlen hat das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest ermittelt. Ehepaare kommen laut Statistischem Bundesamt sogar auf etwa 612 (West 632, Ost: 461) Euro. Die „Zusatzrente” ermittelt sich dabei aus dem „Mietwert des selbst genutzten Wohneigentums”, wobei die Aufwendungen für den Unterhalt der Immobilie bereits abgezogen sind. Hinzu kommt, dass Hausbesitzer meistens mehr Wohnfläche zur Verfügung haben: Ein westdeutsches Rentnerpaar, das zur Miete wohnt, lebt durchschnittlich auf 79 Quadratmetern. Das Paar im eigenen Häuschen dagegen auf etwa 114 Quadratmetern.
HAZpb.zwm.rck080227

Rentenexperte: Junge müssen mehr Vorsorgen. Der Lebensstandard sinkt.
Millionen Deutsche kümmern sich zu wenig um die private Absicherung.

   Millionen Arbeitnehmern in Deutschland droht Altersarmut. Weil sie sich allein auf die gesetzliche Rente verlassen, nicht privat Vorsorgen und ihnen oft Beitragszeiten wegen Arbeitslosigkeit fehlen, sinkt ihr Lebensstandard im Ruhestand erheblich.
   Dieses Schreckensszenario malte der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische, an die Wand. Aus der gemeinsam mit dem Bundesarbeitsministerium vorgestellten Studie Altersvorsorge in Deutschland 2005 geht hervor, dass selbst mit privater Vorsorge die heute unter 50-Jährigen als Rentner deutlich weniger im Portemonnaie haben werden als diejenigen, die jetzt in Rente gehen.
   Aus der Studie, die auf 293 Seiten verschiedene Altersgruppen miteinander vergleicht, ist zu lesen, wie viele der 46- bis 50-Jährigen überhaupt nicht privat Vorsorgen: 15 Prozent aller westdeutschen Männer (Osten: 27 Prozent) und 24 Prozent aller westdeutschen Frauen (18 Prozent). Sie müssten in den kommenden Jahren zur Sicherung eines halbwegs akzeptablen Lebensstandards erhebliche Summen auf die hohe Kante legen.
   Selbst mit einer privaten Absicherung werden sich viele über das wundern, was ihnen nach dem Arbeitsleben bleibt: Laut Studie werden westdeutsche Endvierziger auch mit Betriebsrente und privater Absicherung rund sechs  Prozent  weniger  haben  als  vergleichbare  Pensionäre heute. Der Durchschnitt sinkt von 1.700 Euro auf 1.596 Euro. Dabei sind Preissteigerungenn noch nicht eingerechnet.
   Besonders beunruhigend ist, dass die meisten Arbeitnehmer gar nicht mehr auf die Zahl an Versicherungs- jahren kommen, die heute für das Mindestniveau der Rente angenommen werden. Anstatt 45 Jahre zahlen westdeutsche Männer heute im Schnitt 38,4 Jahre in die zurzeit wieder prall gefüllte Rentenkasse. Hierbei spielen ebenfalls sogenannte gebrochene Erwerbsbiografien eine Rolle. Arbeitslosigkeit zwischen verschiedenen Jobs, mal länger, mal kürzer.
   Nach einer Studie der Postbank hat jeder sechste Deutsche Angst vor Altersarmut. In Ostdeutschland fürchtet jeder Vierte, im Alter zu wenig Geld zu haben. Neben privater Altersvorsorge sind die Konjunktur und der Arbeitsmarkt die wichtigsten Bestandteile für ein Gegenrezept.
   Und wer einen Job hat, dem steht auch wieder Geld zur Verfügung für Betriebs- und die Riesterrente.
Mehr dazu: betriebliche Altersversorgung, Riester. In den letzten zwei Jahren hat sich die Zahl der abgeschlossenen Verträge auf über 10 Millionen mehr als verdoppelt. HAChristophRybarczyk071122

       gRente-x

Grundsicherung - was ist das bitte genau?

   Die bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung gibt es seit 2003 als eigenständige Sozialleistung. Sie wird durch die Sozialämter der Kreise und kreisfreien Städte oder durch überregionale Leistungsträger gezahlt.
  Sichergestellt werden soll der Bedarf für den Lebensunterhalt von Menschen, die wegen Alters oder aufgrund voller dauerhafter Erwerbsminderung endgültig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind und deren Einkünfte für den notwendigen Lebensunterhalt nicht ausreichen. Dadurch soll die Zahlung von Sozialhilfe vermieden werden. Im Gegensatz zur Sozialhilfe wird auf Einkommen der Kinder oder Eltern nicht grundsätzlich zurückgegriffen.
   Der monatliche Regelsatz der Grundsicherung beträgt für einen Alleinstehenden 345 €. Hinzu kommen die „angemessenen tatsächlichen Aufwendungen für Unterkunft und Heizung”. Außerdem werden Kranken- versicherungsbeiträge und Pflegeversicherungsbeiträge übernommen, soweit sie nicht anderweitig abgedeckt werden.
   Von diesem Bedarf werden jeweils die eigenen Einkünfte abgezogen. Sind die Einkünfte höher als der Bedarf, besteht kein Anspruch auf eine Grundsicherungsleistung. Sind die eigenen Einkünfte niedriger als der Bedarf, wird der Unterschiedsbetrag als Grundsicherung ausgezahlt. 
HAZe080121

Immer mehr Rentner beziehen Grundsicherung

   Immer mehr Rentner erhalten staatliche Unterstützung: Die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung haben Ende 2006 rund 682.000 Menschen in Deutschland in Anspruch genommen. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gut acht Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Jeder hundertste Bürger über 18 Jahre war somit auf diese Sozialleistung angewiesen, berichtete die Behörde in Wiesbaden. NOZdpa071013

GrRentenentwicklung-xx

Die Entwicklung der Altersrenten in den vergangenen zehn Jahren: Während ein Mann In Westdeutschland
vor sechs Jahren im Durchschnitt 915 Euro pro Monat bezog, waren es 2006 noch 817 €

Rentendauer     Rentner-Jahre

Versicherungsexperten antworten in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung auf Fragen zur “Rente mit 67”.
Die Fotos zeigen in der Telefonaktion von links nach rechts: Michael Schmidt, Ralph Wendt, Christine Brekerbaum, Dirk Nienstedt und Axel Schulte vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft

Versicherungs-Experten-xx 

Was kann ich für meine 29-jährige, alleinstehende Tochter zur Altersvorsorge tun, die zurzeit kein festes Einkommen hat vielleicht eine Lebensversicherung abschließen?
  
Besser ist eine private Rentenversicherung. Denn Ihre Tochter braucht, da sie alleinstehend ist, ja keine Hinterbliebenenabsicherung. Im Alter erhält sie dann eine lebenslang gezahlte private Rente, egal, wie alt sie wird.
Ich bin 34 Jahre alt, verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Lohnt sich für mich die Riester-Rente?
  
Ja, nutzen Sie die staatliche Förderung, die Ihnen bei einem Riester-Vertrag geboten wird. Neben einer Grundzulage von 154 Euro können Sie für jedes Kind eine Kinderzulage in Höhe von 185 Euro erhalten. Neben den Zulagen kann man bei höheren Einkommen zusätzlich Steuern zurückerhalten. Voraussetzung für eine volle Förderung ist, dass Sie mindestens vier Prozent Ihres Vorjahreseinkommens in den Vertrag einzahlen.
Wie lange kann ich Kinderzulagen bei einem Riester-Vertrag bekommen?
   
Solange sich die Kinder in der Ausbildung befinden bzw. Sie für Ihre Kinder Kindergeld erhalten.
Kann ich die Riester-Rente mit 60 Jahren in einer Summe auszahlen lassen?
   Nein, bei einem Riester-Vertrag erhalten Sie grundsätzlich eine lebenslange Rentenzahlung. Allerdings können Sie bis zu 30 Prozent des Vorsorgekapitals mit Beginn der Rentenzahlung einmalig auszahlen lassen - das Übrige wird verrentet.
Mein Sohn ist Auszubildender im ersten Jahr. Kann er schon eine Riester-Rente abschließen?
  
Ja, das kann er. Da kein Vorjahreseinkommen zugrunde gelegt werden kann, beträgt der Mindestbeitrag 60 Euro im Jahr.
Was geschieht mit meinem Riester-Vertrag, wenn ich arbeitslos werden sollte und die Beiträge nicht mehr zahlen kann?
   In einem solchen Fall ist eine Beitragsfreistellung möglich.
Ich bin Hausfrau, verheiratet, nicht berufstätig. Was kann ich für meine Altersvorsorge tun?
  
Wenn Ihr Mann einen Riester-Vertrag hat, können Sie einen eigenen Riester-Vertrag abschließen, der nur mit den staatlichen Zulagen bedient wird. Zudem kann eine private Rentenversicherung für Sie sinnvoll sein. Das ist möglich mit monatlichen Beiträgen oder auch durch Zahlung eines größeren Einmalbeitrags.
Was kann ich als lediger Selbstständiger für meine Altersvorsorge tun?
   Für Selbstständige, die an einer steuerlich geförderten Altersvorsorge interessiert sind, ist die Basisrente, auch Rürup-Rente genannt, grundsätzlich geeignet. 64 Prozent der Beiträge für eine Basisrente können in diesem Jahr steuerlich geltend gemacht werden. Die steuerfreie Summe erhöht sich jedes Jahr um weitere zwei Prozent- punkte, bis im Jahr 2025 schließlich 100 Prozent erreicht sind.
Ich bin 26 Jahre alt und habe vor einem halben Jahr meine erste Arbeitsstelle angetreten. Welche Vorsorge hat Vorrang?
  
Am wichtigsten ist zunächst die finanzielle Absicherung durch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn Ihre Arbeitskraft ist das wichtigste Kapital. Dann wäre an eine Altersvorsorge zu denken, zum Beispiel eine Riester-Rente oder eine betriebliche Altersversorgung.
Was kostet eine Berufsunfähigkeits-Versicherung?
Das hängt ab vom Alter und vom Gesundheitszustand. Wer in jungen Jahren eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, zahlt weniger. Für einen 20- oder 25-Jährigen muss man schon mit einem monatlichen Beitrag von etwa 50 Euro rechnen für rund 1.000 Euro monatlich und bis Endalter 60.
Welche private Altersvorsorge ist denn „Hartz-IV”-geschützt?
  
Vollständig vor dem staatlichen Zugriff geschützt sind Riester-Rente, Basisrente und auch Verträge einer betrieblichen Altersversorgung.
Mein Sohn arbeitet als Selbstständiger. Kann er eine Basisrente (Rürup-Rente) in schlechten Zeiten beitragsfrei stellen?
   Ja, das ist möglich. Steuervorteile müssen in diesem Fall nicht zurückgezahlt werden.
Ich bin 1951 geboren. Lohnen sich für mich noch die Riester-Rente oder eine Direktversicherung?
  
Auf jeden Fall lohnt der Abschluss beider Verträge, auch wenn aufgrund der relativ kurzen Laufzeit keine Renten entstehen, aus denen man den Lebensunterhalt bestreiten kann. Doch zur Ergänzung der Alter- svorsorge sollten Sie die staatlichen Förderungen nutzen, die geboten werden.
Kann ich als Angestellter einer kleinen Firma auch eine betriebliche Altersversorgung bekommen?
   Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf „Entgeltumwandlung”. Das heißt, Sie können von Ihrem Arbeitgeber verlangen, dass er Teile Ihres Gehaltes steuerfrei für eine betriebliche Altersversorgung verwendet.
Ich erhalte eine Abfindung. Wie kann ich das Geld sinnvoll, das heißt steuergünstig, für meine Altersvorsorge nutzen?
  
Eine gute Möglichkeit ist die Basisrente. Sie können dort einen größeren Beitrag steuersparend als Einmalbeitrag einzahlen.
Meine Lebensversicherung wird demnächst fällig. Muss ich die versteuern?
   Wenn Sie eine Vertragslaufzeit von mindestens zwölf Jahren eingehalten haben und wenigstens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt haben, dann ist die Auszahlung steuerfrei.
Wie kann ich mir einen Überblick verschaffen über meine finanzielle Lücke, die ich im Alter haben werde?
  
Das ist zum Beispiel möglich mit dem „Eigenvorsorge-Report”, den die Versicherungswirtschaft entwickelt hat. Er ist erhältlich im Internet unter: www.eigenvorsorge-report.de. Sie müssen dort nur einige Zahlen eintragen aus den Standmitteilungen der gesetzlichen Rentenversicherung, einer betrieblichen Altersversorgung oder einer eventuellen privaten Rentenversicherung. Dann können Sie die Versorgungslücke schnell feststellen.
Ich bin Freiberufler. Kann ich bei einer Basisrente neben den regelmäßigen Beiträgen Sonder- einzahlungen vornehmen?
  
Ja, das ist möglich.
Ich möchte meine fällige Lebensversicherung verrenten lassen. Muss ich die daraus entstehende monat- liche Privatrente versteuern?
   Rentenzahlungen aus einer Lebensversicherung oder einer privaten Rentenversicherung sind nur mit dem sogenannten Ertragsanteil steuerpflichtig. Dieser ist relativ niedrig und abhängig vom Renteneintrittsalter. Sind Sie 65 Jahre alt bei Beginn der Rentenzahlung, dann beträgt der Ertragsanteil 18 Prozent. Das heißt, bei einer Rentenzahlung von 1.000 Euro sind gerade einmal 180 Euro steuerpflichtig, die übrigen 82 Prozent dagegen grundsätzlich steuerfrei.
Meine Frau ist 60 Jahre alt und bekommt nur eine kleine Rente. Ich erhalte eine hohe Pension. Was können wir noch tun?
  
Sie könnten für Ihre Frau eine lebenslange zusätzliche Rentenzahlung erreichen, wenn Sie einen Einmalbeitrag in eine private Rentenversicherung leisten.
HAZ070308

Immer mehr Kinder sollen für Ihre pflegebedürftigen Eltern zahlen
Doch wer richtig informiert ist, kann dies oft verhindern

   Die Rechtslage ist eindeutig: Gemäß Paragraph 1601 Bürgerliches Gesetzbuch sind Verwandte in gerader Linie zum Unterhalt verpflichtet. Vorrangig bezieht sich das auf Eltern, die den Lebens- unterhalt ihrer Kinder sichern müssen und auch dann noch finanziell in die Pflicht genommen werden können, wenn diese längst erwachsen sind. In jüngster Zeit aber geistert zunehmend ein umgekehrter Anspruch durch die Medien und sorgt für Unsicherheit bei den Betroffenen: der sogenannte Elternunterhalt. Er wird vor allem dann relevant, wenn Eltern pflegebedürftig werden, ihre Versorgung aber nicht aus eigener Tasche bezahlen können. Grundsätzlich, erläutert Peter Niemann, Jurist im Referat Sozialrecht des Diakonischen Werkes in Münster, macht es keinen Unterschied, “ob man in aufsteigender oder absteigender Linie mit einem Hilfsbedürftigen verwandt ist”.
   Dennoch ist Niemann, der vor allem Heimleitungen und -mitarbeiter in Sachen Elternunterhalt berät, keines- wegs glücklich über die derzeit geführte Diskussion. Oftmals, sagt er, “wird mehr Angst erzeugt, als der Situation angemessen ist”. Denn schließlich greife der Anspruch nur in ganz genau definierten Fällen und sei außerdem anderen Unterhaltsansprüchen nachgeordnet. Reiche das Geld nicht, müsse keineswegs geteilt werden, wie viele glaubten: “Erst kommen minderjährige Kinder, dann volljährige Kinder und erst dann die eigenen Eltern.” Und auch der Unterhaltsanspruch des Ehegatten hat Vorrang.
   Darüber hinaus habe die Rechtsprechung den Kindern in den letzten Jahren durchaus Freiräume zugestanden, sagt Niemann. Schlimm findet er angesichts immer wieder gemalter Schreckensszenarien vor allem die daraus resultierende Handlungsstarre der Betroffenen. Aus Angst, zahlen zu müssen, würden notwendige Schritte oft viel zu lange hinausgezögert. “Es wird zu lange hingewartet.” Das bestätigt auch die Brühler Rechtsanwältin Eva Gerz. Die Fachanwältin für Familienrecht, die sich auf das Thema Elternunterhalt spezialisiert hat, meint damit allerdings nicht nur, dass beispielsweise eine notwendige Heimeinweisung hinausgezögert wird, sondern vor allem auch, dass das Thema insgesamt in den Familien nicht frühzeitig besprochen wird. Aber nur wer sich rechtzeitig mit dem Thema befasse, sagt die Juristin, habe auch die Chance, die Finanzen so zu regeln, dass auch eine eigene umfassende Alterssicherung möglich sei.
   Eine Einschätzung, welche die Münchner Vermögensberaterin Constanze Hintze eindeutig teilt. Zwar kritisiert Hintze die Sozialpolitik des Staates als “wenig nachhaltig”, da er einerseits der sogenannten Babyboomer- Generation die eigene Altersvorsorge aufbürde, ihr aber andererseits Teile davon dann wieder wegnehme. Hintze betont jedoch auch, dass ein offener Umgang mit dem Thema Schlimmeres verhindere.
   Auch darin sind sich Juristin und Finanzberaterin einig: Schwierig wird es vor allem dann, wenn den Eltern das Geld bereits ausgegangen und ein Sozialhilfeantrag gestellt ist. Oftmals, so die Erfahrung, wird dieser nicht von den Eltern selbst initiiert, sondern – wenn diese im Heim leben – von der dortigen Sozialstation. Das Sozialamt zahlt in der Regel umgehend, wendet sich jedoch genauso umgehend an die Kinder. Und denen flattert dann eine sogenannte Rechtswahrungsanzeige ins Haus, in der die Sozialbehörde den Betroffenen mitteilt, dass sie den Unterhaltsanspruch der Eltern oder eines Elternteils auf sie übergeleitet hat.
   Ist der Bescheid erst einmal da, wird es ernst. Schonungslos fordert das Amt dann die Offenlegung sämtlicher Einnahmen und Ausgaben. Und die Betroffenen haben keine Möglichkeit, sich zu wehren. Sogar Einkommen von Schwiegerkindern müssen dabei offenbart werden und haben Auswirkungen auf den Elternunterhalt. Zwar sind angeheiratete Partner nicht direkt unterhaltspflichtig, der Bundesgerichtshof betrachtet es jedoch als zulässig, deren Einkommen auf das Familieneinkommen anzurechnen und damit zahlen sie dann auf Umwegen doch.
   Auf 1.400 Euro wird derzeit der sogenannte Selbstbehalt des Pflichtigen beziffert und liegt damit 100 Euro höher als der Freibetrag beim Kindesunterhalt. Hat der Ehegatte kein eigenes Einkommen, kommen noch einmal 1.050 Euro dazu. Allerdings: Zum unterhaltsrelevanten Einkommen zählen alle Einkünfte, also auch Sonderzahlungen des Arbeitgebers, Mieteinnahmen und Renten. Lediglich Erziehungsgeld, Kindergeld und Sozialhilfe sind ausgenommen.
   Strittig ist dann in der Praxis vor allem der Punkt, welche Ausgaben angerechnet werden dürfen. Wird hier jedoch rechtzeitig vorgesorgt - so die Erfahrung der Münchner Anwältin Sigrid Koppenhöfer - stehen die Chancen für den Unterhaltspflichtigen gar nicht so schlecht. Wurde beispielsweise vorher eine Riester- oder Rürup-Rente abgeschlossen, gehört diese zum schützenswerten Vermögen. Auch private Rentenversicher- ungen, die zur Altersvorsorge  dienen,  bleiben unangetastet. Gibt es dagegen noch keinen Vertrag für die eigene Altersabsicherung, wird der Betrag, der dafür veranschlagt werden kann, auf 5 Prozent des Bruttoeinkommens beschränkt - und auch das erst nach neueren Urteilen. Vorher waren gar keine Rückstellungen möglich.
   Unterschiede gibt es auch bei Ratenzahlungen und selbstgenutzten Immobilien. Erstere werden nach neuer Rechtsprechung zumindest immer dann berücksichtigt, wenn sie zu einem Zeitpunkt abgeschlossen wurden, als die Bedürftigkeit der Eltern noch nicht absehbar war - wer also rechtzeitig ein neues Auto anschafft oder das Dach renoviert, ist fein raus. Auch Tilgungen für das Eigenheim mindern die Einnahmen, wenn dieses zur Alterssicherung dient. Ohnehin wird ein eigenes Haus zur Versorgung der Eltern nicht angetastet; liegt der Wert der Immobilie dagegen als Bargeld auf dem Konto, weiß Familienanwältin Gerz, “sind Auseinandersetzungen mit den Behörden zumeist programmiert”.
   Doch auch nach Erhalt der Rechtswahrungsanzeige, darin sind sich alle Experten einig, ist noch nicht aller Tage Abend. Was viele nicht wissen: Die Zahlungsaufforderung, die dann nach Feststellung der Einkommens- Verhältnisse zugestellt wird, ist keineswegs eine amtliche Festsetzung, die einfach hinzunehmen ist. Das Gegenteil sei der Fall, betont Sozialexperte Niemann, die Behörde handle nicht nach der Sozialhilfegesetzgebung, sondern aufgrund des übergeleiteten Anspruchs - und damit nur nach bürgerlichem Recht. Mit anderen Worten: Die Behörden haben auch nicht mehr Rechte und Möglichkeiten, als die Eltern selbst sie hätten. Weigern sich die Kinder, überhaupt oder in der geforderten Höhe zu zahlen, muss ein Kompromiss gesucht werden. Gelingt das nicht, bleibt nur der Schritt vors Gericht. Dort allerdings, berichten Familienrechtsexperten fast einstimmig, setzen sich die Behörden nur selten mit ihren Ursprungsforderungen durch. Oft wird ein Vergleich angestrebt, nicht selten werden Bescheide sogar ganz aufgehoben. Niemann empfiehlt daher, Zahlungsaufforderungen immer rechtlich überprüfen zu lassen.
   Und noch einen Tip gibt der Fachmann Betroffenen mit auf den Weg: Sind mehrere Kinder da, versuchen die Behörden oft, das Geld von dem zu bekommen, bei dem sie am meisten vermuten oder den sie am einfachsten fassen können. Auch das jedoch ist nicht Rechtens. Die Forderung muss so auf die Kinder verteilt werden, wie es deren Einkommensverhältnissen entspricht. “Und das korrekt festzulegen”, sagt Niemann, “ist Aufgabe der Behörden, nicht etwa der Kinder.” 
SabineHildebrandt-WoeckeliiFAZ061223

 Experten beantworten Fragen zur Altersvorsorge. Eine Telefon-Aktion des Hamburger Abendblattes.
Für wen lohnt sich die Riester-Rente? Von welcher Höhe an müssen Renten versteuert werden?
Wann werden Betriebsrenten angepasst?

Seit 2002 bekomme ich Altersrente in Höhe von 2.000 Euro, auch eine Betriebsrente. Meine Frau bekommt 260 Euro Altersrente. Ich höre, dass wir die Renten jetzt versteuern müssen. Stimmt das?
  
Ja. Als Faustregel gilt: Wer als Alleinstehender im Monat mehr als 1.575 Euro Rente bekommt, muss Steuern zahlen. Um so mehr, wenn noch eine Betriebsrente oder andere Bezüge,  etwa aus Vermietung oder Verpachtung, hinzukommen. Sind Sie verheiratet und werden Sie mit Ihrer Frau zusammen steuerlich veranlagt, gilt für die gesetzliche Rente der doppelte Betrag. Ob Sie Steuern zahlen müssen, hängt auch von der Form der Betriebsrente ab. Je nachdem ob sich der Arbeitgeber an der Betriebsrente beteiligt hat, muss sie kom- plett versteuert werden, oder es geht nur der Ertragsanteil in die steuerliche Berechnung ein. Wir empfehlen Ihnen, sich mit einem Steuerberater oder mit dem Finanzamt in Verbindung zu setzen.
Meine Tochter ist arbeitslos und muss demnächst Hartz IV beantragen. Kann sie trotzdem eine Riester- Rente abschließen?
   Ja, auch Bezieher von Lohnersatzleistungen können die Riester-Förderung bekommen. Auch sie müssen drei Prozent des Vorjahres-Bruttoeinkommens minus Zulagen in einen Vertrag einzahlen. Als Berechnungsgrundlage gilt das Arbeitslosengeld. Bekommt Ihre Tochter sehr wenig Arbeitslosengeld, braucht sie lediglich einen Mindestbeitrag zu entrichten, den so genannten Sockelbetrag. Das sind 60 Euro im Jahr beziehungsweise fünf Euro im Monat. Einige Anbieter verlangen aber in der Praxis als Mindestbeitrag mehr als den Sockelbetrag. Dafür bekommt sie die in diesem Jahr mögliche volle Förderung von 154 Euro Grundzulage und eventuell eine Kinderzulage von 184 Euro. Die Kinderzulage bekommen Riester-Sparer für jedes Kind, für das Kindergeld bezogen wird.
Seit 1992 bekomme ich eine gesetzliche Erwerbsunfähigkeitsrente. Ich habe von einem Gerichtsurteil gehört, nachdem es künftig mehr Geld geben soll. Wie verhält es sich damit?
  
Gemeint ist sicherlich ein Urteil des Bundessozialgerichtes vom Mai 2006. Das Gericht hat darin einer Klägerin Recht gegeben, die gegen die Abschläge bei ihrer Erwerbsminderungsrente geklagt hatte. Von der Deutschen Rentenversicherung wird jetzt geprüft, ob das Urteil praktisch wirksam oder ob es als Einzelfallentscheidung behandelt wird. Auf Sie hat das Urteil in beiden Fällen keine Auswirkungen. Es geht ausschließlich um gesetzliche Erwerbsminderungsrenten, die vor dem 60. Lebensjahr bezogen werden und die es erst seit 2001 gibt.
Ich bin Hausfrau, mein Mann ist zehn Jahre älter als ich und Rentner. Bekäme ich die Riester-Förderung?
     Nein, Hausfrauen, Studenten, Rentner und nicht versicherungspflichtige Selbständige haben keinen eigenen Anspruch auf die Riester-Förderung. Da Ihr Mann Rentner ist, können Sie auch keinen abgeleiteten Riester-Vertrag erhalten. Ansonsten können Hausfrauen und Studenten einen solchen abgeleiteten Vertrag bekommen, sofern ihr Ehepartner förderberechtigt ist und einen eigenen Riester-Vertrag besitzt.
Meine Tochter möchte einen Riester-Vertrag abschließen. Wie sicher ist das? Reicht das als Altersvorsorge aus?
  
Die Riester-Rente ist absolut sicher. Gleich ob Sie einen Fonds, eine Versicherung oder einen Banksparplan wählen, die eingezahlten Beiträge plus Zulagen oder Steuervergünstigungen sind Ihnen gesetzlich garantiert. Da Ihre Tochter noch sehr jung ist, sollte sie sich renditebewusst für einen Fondssparplan entscheiden. Aber: Die Riester-Rente reicht bei weitem nicht aus für die Altersvorsorge. Sie ist eigentlich nur dazu gedacht, die Absenkung des Niveaus der gesetzlichen Rente abzufangen. Man schätzt, dass heute die 30-Jährigen etwa zehn Prozent ihres Einkommens für die Altersvorsorge investieren müssen. Wenn Ihre Tochter über die Riester-Rente hinaus auf eine sichere Vorsorge Wert legt, sollte sie eine private Rentenversicherung abschließen.
Meine Frau ist 56, seit einem Jahr arbeitslos. Kann sie mit 60 in Rente gehen?
   Gleich ob Ihre Frau arbeitslos ist oder nicht, sollte sie sich nach der Altersrente für Frauen erkundigen. Denn Frauen, die bis 1951 geboren wurden, können diese Altersrente für Frauen in Anspruch nehmen. Vorausgesetzt sie weisen eine Versicherungszeit von 15 Jahren nach und haben nach dem 40. Geburtstag mindestens zehn Jahre und einen Monat Pflichtbeiträge gezahlt. Der Abschlag beträgt 18 Prozent.
Ich bekomme im Herbst eine Kapitalzahlung aus einer Direktversicherung. Muss ich darauf Krankenkassen- beiträge zahlen? Wenn ja, hat es Sinn, Widerspruch einzulegen?
  
Sie müssen in der Tat auf die gesamte Summe Krankenkassenbeiträge zahlen. Die Beiträge werden auf zehn Jahre gestreckt. Sie können Widerspruch einlegen bei Ihrer Krankenkasse. Das hat zwar keine aufschiebende Wirkung, denn zahlen müssen Sie. Wenn das Gericht gegen diese Praxis entscheidet, bekommen Sie Geld zurück - sofern Sie widersprochen haben. Wann das entschieden wird, steht noch nicht fest.
Ich habe mir ausgerechnet, dass ich wahrscheinlich Steuern auf meine Rentenbezüge zahlen muss. Kommt das Finanzamt auf mich zu?
  
Früher oder später wird das Finanzamt auf Sie aufmerksam. Denn die gesetzliche Rentenversicherung, die Versorgungswerke und die privaten Versicherer müssen alle Rentenzahlungen an die zentrale Stelle für Altersvermögen melden. Wir empfehlen Ihnen, selber aktiv zu werden und eine Einkommenssteuererklärung abzugeben, um Nachzahlungen und Säumniszuschlage zu vermeiden.
Kann ich einen Riester-Vertrag für den Kauf einer Immobilie verwenden?
   Ja, das ist möglich. Allerdings müssen sich bereits 10.000 Euro Guthaben im Vertrag befinden, bevor Sie gewissermaßen bei sich selbst ein Darlehen aufnehmen können. Dieses Darlehen muss bereits im Jahr nach der Anschaffung der Immobilie wieder schrittweise in den Riester-Vertrag zurückgezahlt werden. Spätestens beim Renteneintritt müssen sämtliche geliehenen Gelder wieder zurückgezahlt sein. Der Gesetzgeber denkt gegenwärtig über eine praktikablere Nutzung der Riester-Förderung für den Erwerb selbst genutzter Immobilien nach.
Seit zwölf Jahren ist meine Betriebsrente immer gleich hoch. Müssen Betriebsrenten nicht auch angepasst werden?
  
Das hängt von der Art Ihrer Betriebsrente ab. Wenn Ihre Betriebsrente aus einer Direktzusage vor 1999 stammt, muss sie alle drei Jahre an die Lohnentwicklung angepasst werden. Für neuere Verträge besteht diese Verpflichtung nicht.
Ich bin Beamter. Sollte ich auch einen Riester-Vertrag abschließen?
   Unbedingt, die Riester-Rente ist eine private Vorsorge, die staatlich gefördert wird, und für jeden Bürger in Deutschland passt. Auch an den Beamtenpensionen wurden ja Abstriche gemacht.
Ich überlege, einen Riester-Vertrag abzuschließen, habe aber einen unsicheren Job. Verliere ich den Vertrag, wenn ich Hartz IV beantragen muss?
  
Nein, Riester-Verträge wie auch Verträge der betrieblichen Altersversorgung und Rürup-Renten sind vor dem Zugriff der Arbeitsagentur geschützt.
   Die Experten, die die Leserfragen beantworteten, waren Walter Glanz von der Deutschen Rentenversicherung Bund, Jochen Kerres und Jörg Milde vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und Thomas Dambier von der Redaktion „Finanztest” bei der Stiftung Warentest. Weitere Informationen erteilt die Deutsche Renten-Versicherung kostenlos unter 0800 - 10 00 48 00 oder online unter:
www.deutsche- rentenversicherung.de.
Fragen zur privaten Altersvorsorge beantwortet das Informationszentrum der deutschen Versicherungen unter www.klipp-und-klar.de.
Ein breites Informationsangebot zum Thema findet man unter: www.finanztest.de HA061007

Papier2x  Präsident Hans-Jürgen Papier

Rente: Experten und Verfassungsrichter warnen

   Die Arbeitnehmer werden nach Angaben der Rentenversicherer auch in Zukunft mehr an Rente bekommen, als sie an Beiträgen eingezahlt haben. Die Deutsche Rentenversicherung Bund wies Darstellungen zurück, die Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung seien für junge Menschen ein Verlustgeschäft.
   Unter anderem der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, hatte vor einem Ungleichgewicht zwischen Rentenbeitragszahlungen und der später ausgezahlten Rente gewarnt. „Rentenbeiträge kommen in eine verfassungsrechtliche Problemzone, wenn das eingezahlte Kapital regelhaft bei weitem das übersteigt, was der Einzelne später an Leistungen erhält”, sagte Präsident Papier der Zeitung „Die Welt”. Er betonte, die Verfassung verbiete eine offenkundige Unverhältnismäßigkeit zwischen Beitrags- und Versicherungs- leistungen.
  Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische, entgegnete, nach den jüngsten Reform- maßnahmen in der Rentenversicherung „werden sich die Renditen in der Rentenversicherung zwar verringern, bleiben aber auch künftig positiv”. Dies ergäben Untersuchungen unabhängiger Institutionen. Wenn andere Berechnungen niedrige oder sogar negative Renditen ergeben hätten, sei dabei oft nicht berücksichtigt worden, dass die gesetzliche Rentenversicherung neben der Altersrente auch noch Leistungen wie Erwerbsminderungsrenten, Hinterbliebenenrenten und Rehabilitationsleistungen umfasse.
   Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen sagte: „Immer mehr junge Menschen werden aus der Rentenversicherung weniger herausbekommen, als sie eingezahlt haben.” Ohnehin seien die Rendite-Prognosen der Rentenversicherer immer schon viel zu optimistisch gewesen.
   Der Rentenexperte Meinhard Miegel kritisierte, die langfristigen Prognosen der Versicherer von mindestens drei Prozent Rendite beruhten auf haltlosen Annahmen, die geeignet seien, die Bevölkerung weiter in die Irre zu führen. Laut Miegel wird der Geburtsjahrgang 1930 eine Rendite von etwa drei Prozent erzielen. „Die Rendite des Jahrgangs 1950 wird nur noch ein Prozent betragen. Männer des Jahrgangs 1970 und jüngere können überhaupt keine positive Rendite mehr erwarten.”  NOZ060718   Mehr dazu unter: >
Rente

„Was im Rentensystem kürzbar war, ist gekürzt worden”.  Rentenfachmann verteidigt
die Anhebung der Altersgrenze und warnt vor dem Weg in die steuerfinanzierte Grundrente

  Ohne Köpfe wie Franz Ruland gäbe es die beitragsfinanzierte gesetzliche Rente in Deutschland vielleicht schon nicht mehr. Der langjährige Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger gehört seit drei Jahrzehnten zu den besten Kennern des Umlagesystems, das er ohne Wenn und Aber verteidigt. Blind für dessen Schwächen ist er deswegen nicht, an allen Reformen zur Stabilisierung der Rentenfinanzen hat der Jurist und Sozialdemokrat mitgewirkt, viele hat er vorgedacht und mit angeschoben: Im Zuge der Organisationsreform der Rentenversicherung sich der 63jährige zur Ruhe gesetzt.
Herr Ruland, ist die gesetzliche Rentenversicherung Schuld,  dass die Deutschen zu wenige Kinder bekommen?
   Nein, der Zusammenhang ist falsch. Es gab die Rentenversicherung längst, als wir noch einen „Kinderboom“ hatten. Die Kinderlosigkeit hat viele Ursachen, die Rentenversicherung ist keine. Richtig ist aber, dass alle Alterssicherungssysteme von den nachwachsenden Generationen abhängen. Das gilt zum Beispiel auch für die Beamtenversorgung, die berufsständischen Versorgungswerke und die private und betriebliche Vorsorge. Deshalb ist der notwendige Kinderlastenausgleich eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft, nicht allein der gesetzlichen Rentenversicherung. Dabei sollte nicht nur über monetäre Vergünstigungen nachgedacht werden. Notwendig ist, mehr in die Betreuungsinfrastruktur zu investieren, damit Eltern Erwerbstätigkeit und Kindererziehung besser miteinander verbinden können. In Ländern, die das getan haben, ist die Kinderzahl auch ganz deutlich gestiegen, etwa in Schweden.
Dennoch scheint die Zahl derer zu wachsen, die Kinderlosen gerne einen höheren Beitrag zur Rente abverlangen möchten oder wahlweise die Rente nach Kinderzahl staffeln wollen. Erwarten Sie, dass diese Vorstöße Erfolg haben werden?
   Hier werden immer noch Schlachten geschlagen, die längst entschieden sind. Der finanzielle Ausgleich zwischen Familien und Kinderlosen muss sich im Steuersystem vollziehen. Es ist viel gerechter, da die Steuer alle und die Leistungsfähigkeit progressiv erfasst. Ein Kinderlastenausgleich über die nach oben durch die Beitrags- bemessungsgrenze gedeckelten Sozialbeiträge würde zur Entlastung der wirtschaftlich Stärkeren führen.
In der öffentlichen Debatte werden meist nur noch die Schwächen des Rentensystems wahrgenommen. Gibt es noch Stärken der gesetzlichen Rentenversicherung?
  Die Rentenversicherung ist viel solidarischer als jedes andere Sicherungssystem. Sie hat die Krisen der Vergangenheit besser überstanden als die anderen Systeme. Ohne die umlagefinanzierte Rentenversicherung hätte es 1990 keine Sozialunion zwischen West- und Ostdeutschland geben können. Die Rentenversicherung ist in der Vergangenheit überfordert worden. Seit 1960 haben sich die Rentenlaufzeiten um 70 Prozent verlängert, das ist ein entsprechender Wertzuwachs, der auch finanziert werden muss. Die Zahl der Rentner hat sich in den alten Bundesländern von 7,8 auf 19,2 Millionen erhöht. Die Beiträge sind in dieser Zeit jedoch nur um 40 Prozent gestiegen. Da wurden Korrekturmaßnahmen notwendig, und deswegen mussten Leistungen gekürzt werden.
Ein lohnendes Geschäft scheint die gesetzliche Rente kaum noch ...
   Meine größte Sorge ist, dass das Rentenniveau durch die verschiedenen Dämpfungsfaktoren zu sehr heruntergefahren wird. Dabei muss man berücksichtigen, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Versicherten, weil sie vorzeitig in Ruhestand geht, Abschläge hinnehmen muss, die die Rente deutlich mildern. Das alles führt in vielen Fällen - vor allem bei Arbeitslosen - dazu, dass die Rente auch nach einem langen Erwerbsleben nur noch wenig oberhalb der Grundsicherung liegt. Diese Entwicklung ist bedrohlich, denn ein Alterssicherungssystem, das auf Beiträgen beruht, muss sich in seinen Leistungen deutlich von der Grundrente unterscheiden.
Wird die Anhebung der gesetzlichen Altersgrenze auf 67 Jahre, für die Sie sich seit langem eingesetzt haben, dieses Problem nicht noch verschärfen?
   Die Anhebung der Altersgrenze ist leider unumgänglich, da der Beitragssatz 22 Prozent vom Lohn nicht übersteigen soll. Die Lebenserwartung wird bis 2030 deutlich mehr steigen, als die Anhebung der Regel- altersgrenze um zwei Jahre ausmacht. Die Laufzeiten der Rente werden sich weiter erhöhen; darauf muss das System reagieren. Das Niveau kann nicht weiter abgesenkt werden. Wir müssen daher bei den Laufzeiten ansetzen.
Findet hier eine Rentenkürzung durch die Hintertür statt?
   Es stimmt, dass in der aktuellen Situation hoher Arbeitslosigkeit eine Anhebung der Altersgrenze nur dazu führen würde, dass viele Versicherte weiter frühzeitig Rente beanspruchen müssen, die dann um höhere Abschläge gekürzt würde. Um das zu vermeiden, hat die Anhebung auch erst 2012 begonnen und wird bis 2029 dauern. Sie lässt sich nur vertreten, wenn es gelingt, den Älteren mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt einzuräumen. Diese Aufgabe betrifft alle Politikbereiche.
Sehen Sie noch Sparpotential in der gesetzlichen Rentenversicherung, etwa bei den Witwenrenten?
   Nein. Was kürzbar war, ist gekürzt worden. Die Witwenrenten sind für viele Frauen eine notwendige Kom- pensation dafür, dass sie auch wegen der Kindererziehung eine niedrige eigene Rente bekommen.
   Zwar werden immer mehr Frauen erwerbstätig, viele aber bisher nur in Teilzeit, so dass sie dringend auf die Ergänzung durch die Hinterbliebenenrenten angewiesen sind. Doch werden die Ausgaben für die Witwenrenten wegen der Anrechnung von Einkommen sinken,wenn die Renten für Frauen höher werden.
Der Steuerzuschuss zur Rente steigt immer weiter, die Leistungen sinken. Ist der Marsch in eine steuerfinanzierte Grundrente unausweichlich?
   Nein. Die Bundeszuschüsse betragen ein Viertel der Rentenausgaben. Die außerdem gezahlten Beiträge des Bundes zu den Kindererziehungszeiten sind genauso wenig ein Zuschuss wie zum Beispiel Beiträge für Arbeitslose. Die Bundeszuschüsse decken selbst nach einer Untersuchung der Bundesregierung knapp die der Rentenversicherung aufgebürdeten nicht beitragsgedeckten Leistungen ab. Sie sind daher kein Argument, das Umlagesystem in Frage zu stellen. Die Rentenversicherung macht derzeit dieselbe Finanzkrise durch, in der alle anderen staatlichen Institutionen auch stecken. Die Jahre der wirtschaftlichen Stagnation gehen auch an der Rentenversicherung nicht spurlos vorüber. Ein Anziehen der Konjunktur, wofür es erste Anzeichen gibt, würde auch der Rentenversicherung sehr helfen. Im übrigen: Welche Kürzungen hätte angesichts der Nöte des Bundeshaushalts eine steuerfinanzierte Grundsicherung erfahren, wenn es sie gegeben hätte? Es wäre sofort eine Bedürftigkeitsprüfung eingeführt worden. Als Ergebnis hätten wir als soziale Alterssicherung nur noch die Sozialhilfe. Das wollen wir alle nicht.
Sind Sie nach knapp 30 Jahren Arbeit für die Rentenversicherung zuversichtlich, dass  das System über den Rest des Jahrhunderts trägt?
   Länger! Ich habe kürzlich noch einmal die Geschichte der Rentenversicherung rekapituliert und mir dabei vor Augen geführt, vor welchen Problemen unsere Vorgänger gestanden haben. Diese Probleme - Kriege, Kriegsfolgen, Inflationen - waren viel existentieller als die, die wir heute durchmachen. Die Rentenversicherung war kraft ihrer Anpassungsfähigkeit immer in der Lage,  diese Probleme zu meistern. Diese Anpassungsfähigkeit sichert auch ihre Zukunft. Es gibt zur umlagefinanzierten Rentenversicherung keine sinnvolle Alternative. 
HeikeGöbelFAZ060403

  Eine Rente für alle Fälle. Kombiangebote ermöglichen Berufsunfähigkeitsschutz mit staatlicher Förderung.

   Vorsorge für den Fall der Berufsunfähigkeit ist wichtiger als eine zusätzliche Altersvorsorge. Denn wer nichts mehr verdienen kann, kann auch nichts fürs Alter sparen. Wie sich beides kombinieren lässt, beschreibt die Zeitschrift „Finanztest“: Integriert der Sparer den Invaliditätsschutz in eine betriebliche Altersvorsorge  oder in eine Rürup-Rente, kann er den Staat an der Finanzierung der Beiträge beteiligen.
   Von Kombinationen mit privaten Geldanlagen wie Kapital-Lebensversicherungen und privaten Renten- versicherungen rät die Zeitschrift ab. Die Kombination bringe keine Vorteile, sondern nur Nachteile gegenüber Einzelverträgen. Die Verbindung mit der betrieblichen Altersvorsorge und mit Rürup-Verträgen könne dagegen manchmal sinnvoll sein.
  Arbeitnehmer können zum Beispiel Teile ihres Gehalts in Beiträge für eine Betriebsrente umwandeln und dabei auch für Berufsunfähigkeit Vorsorgen. Sinnvoll ist auf jeden Fall ein kleiner Berufsunfähigkeitsschutz innerhalb einer Betriebsrente in Form der Beitragsbefreiung. Der Kunde bekommt dann zwar keine Berufsunfähigkeitsrente, aber es ist sichergestellt, dass seine Altersvorsorge weiter wächst, auch wenn er selbst wegen Berufsunfähigkeit nicht mehr einzahlen kann. Diese Vereinbarung im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge kostet nicht viel und ist meist leicht zu haben. Denn die Beitragsbefreiung wird oft ohne oder mit geringfügiger Gesundheitsprüfung gewährt.
   Für einen umfassenden Berufsunfähigkeitsschutz sind dagegen Gesundheitsfragen üblich. Davor scheuen sich viele Arbeitnehmer, wenn sie diese im Rahmen der betrieblichen Vorsorge beantworten sollen. Sie befürchten, dass diese Informationen von Leuten in der Personalabteilung gelesen werden könnten. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Invaliditätsschutz per Betriebsrente verloren ist, wenn ein Mitarbeiter seinen Job wechselt. Das seit 2005 geltende Mitnahmerecht für Betriebsrenten umfasst nur das angesparte Kapital für eine Altersrente.
  Der Staat hilft auch bei der „Rürup-Rente” durch Steuervorteile beim Sparen. Dort dürfen bis zu 49 Prozent des Beitrags für Invaliditätsleistungen verwendet werden. Viele Versicherer schlagen diese Kombination inzwischen bewusst vor. 
ftdHAZ060213

Altersvorsorge: Lücken im Versicherungskonto rechtzeitig schließen

Wer im Ruhestand finanziell gut versorgt sein möchte, sollte genau rechnen. Dazu gehört auch die Überprüfung, ob die Anwartschaften komplett gemeldet und von den Rentenversicherungsträgern berücksichtigt wurden.
Denn Lücken im Versicherungsverlauf können die spätere Rente schmälern.

   Nur mit vollständigen Angaben wird der Rentenanspruch später ganz ausgeschöpft. Schon früh sollten Sie sich darum kümmern.
  Auf den ersten Blick wirkte die Erwerbsbiographie von Reinhard Eckstein komplett.  Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) hatte ihm seinen Versicherungsverlauf zugeschickt - mit der Bitte, die Daten zu überprüfen. Aber dann merkte Eckstein doch, dass es einige Lücken gab. Ein Auslandsaufenthalt, ein Schulbesuch und ein Jahr seiner Beschäftigung bei einer Firma waren nicht erfasst.
  So wie Eckstein geht es Millionen anderen Bürgern auch. „Wir verschicken in diesem Jahr an sieben Millionen Versicherte im Alter zwischen 30 und 60 Jahren die Dokumentation ihrer bisher bei uns gespeicherten Daten, eine sogenannte Kontenklärung”, sagt Katrin Gleibs, BfA-Renten-Expertin. Achtlos zur Seite legen sollte diese Aufstellung niemand.
  „Meist gibt es irgendwelche Lücken im Versicherungsverlauf”, sagt der Hamburger Rentenberater Martin Otto Reißig. „Das Rentenkonto sollte man hüten wie sein Sparbuch”, rät er, „und überprüfen, ob wirklich alle Zeiträume ab dem 17. Lebensjahr erfasst sind”.
   Die Übersicht über das persönliche Rentenkonto sollte nicht verwechselt werden mit der jährlichen Renteninformation, die jeder erhält, der schon fünf Beitragsjahre angesammelt hat. Dabei erfährt der Beitragszahler, wie hoch künftig seine Rente voraussichtlich ausfallen wird.
  „Auch der Renteninformation liegt aber eine Aufstellung der bisher gespeicherten Versicherungszeiten bei”, sagt Gleibs. Und nur wenn diese vollständig ist, kann die spätere Rente korrekt ausgewiesen werden. „Wer also hier  Lücken entdeckt, sollte sich um eine Kontenklärung bemühen, auch wenn es bis zur Rente noch weit hin ist.”
  Rentenexperten empfehlen deshalb, sich schon ab einem Alter von dreißig Jahren darum zu kümmern. Wer zu spät anfängt, hat unter Umständen Schwierigkeiten, alle Belege zu bekommen. Das gilt vor allem für ehemalige DDR-Bürger. „Zum Jahresende 2006 endeten die Aufbewahrungsfristen für Lohnunterlagen von ehemaligen VEB- und Treuhandbetrieben. Nach diesem Zeitpunkt wird die Rekonstruktion der Versicherungszeiten in der DDR deutlich schwieriger”, sagt Gleibs.
  Auch für Westdeutsche kann es schwierig sein, Nachweise für lang zurückliegende Berufs- oder Ausbildungsjahre zu beschaffen. Wer Nachweise wie Lohnbescheinigungen nicht mehr hat, macht zunächst in den Vordrucken seine Angaben und die Rentenversicherer können dann von sich aus weitere Ermittlungen einleiten. Denn jedes Beschäftigungsjahr ist später bares Geld wert. „Gemessen am Durchschnittseinkommen von knapp 30.000 Euro bedeutet ein vergessenes Beschäftigungsjahr monatlich 26 Euro weniger Rente”, sagt Gleibs. Nachweise für Ausbildungs- und Beschäftigungszeiten müssen im Original oder als beglaubigte Kopie erfolgen. Allerdings sollte mit Originalunterlagen, die nicht zu ersetzen sind, sehr vorsichtig umgegangen werden. Die Beglaubigung von Ablichtungen nehmen neben den Beratungsstellen der Rentenversicherer auch die Krankenkassen sowie Städte und Gemeinden vor.
  Häufiger betreffen die Lücken im Rentenkonto aber die Zeit vor Berufsbeginn. Denn Schul- und Studienzeiten werden nicht automatisch erfasst. „Auch Schulaufenthalte im Ausland zählen mit”, so Rentenberater Reißig. „Insgesamt werden bis zu acht Jahre an Schul- und Studienzeiten anerkannt.” Bei Rentenbeginn nach dem Jahr 2008 steigern sie zwar nicht mehr die Höhe der Rente.
  „Aber diese Zeiträume zählen als rentenrechtliche Zeit”, sagt Reißig. Wer schon mit 63 Jahren in Rente gehen will, muss mindestens 35 Jahre rentenrechtliche Zeit vorweisen: „Da kann es auf jeden Monat ankommen, der noch aus Schul- und Studienzeiten anerkannt wird.”
  Eltern sollten kontrollieren, ob alle Zeiten für Kindererziehung richtig erfasst sind. Meist gilt das für die Frau, aber auch Männer können Erziehungszeiten geltend machen. Für ein Kind, das vor 1992 geboren wurde,  werden Rentenanwartschaften auf  der Basis des Durchschnittsverdienstes für ein Jahr gutgeschrieben. Dies bringt für die Rente monatlich 26 Euro. Bei Geburten ab 1992 werden für die Erziehung Rentenanwartschaften in den ersten drei Lebensjahren des Kindes gutgeschrieben. Das  steigert  die monatliche Rente um  rund 78 Euro. Das gilt auch, wenn die Frau in dieser Zeit schon wieder arbeitet und eigene Beiträge zur Rentenversicherung zahlt.
   Frauen, die nach Vollendung des dritten Lebensjahres ihres Kindes wieder in Teilzeit arbeiten, bekommen bis zum zehnten Lebensjahr einen Zuschlag zur Rente, der bis zur Hälfte des eigenen Verdienstes betragen kann. Wer 1.000 Euro im Monat verdient, dem werden für die Rentenberechnung 1.500 Euro zugrunde gelegt.
   Auch wer sich mindestens 14 Stunden pro Woche um einen Pflegebedürftigen kümmert, sollte prüfen, ob sich das in seinem Rentenkonto niederschlägt. Die Pflegekasse entrichtet dann Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Die Höhe richtet sich nach dem zeitlichem Aufwand und der Pflegestufe. Außerdem gehören noch Zeiten von Bundeswehr, Zivildienst, Arbeitslosigkeit oder längere Krankheit (über sechs Wochen) in das Rentenkonto.
  Der Rentenversicherungsträger stellt alle Zeiten, die länger als sechs Jahre zurückliegen, als verbindlich fest, wenn alle offenen Zeiten geklärt sind. Auch jene, die auf die Kontenklärung nicht reagieren, müssen damit rechnen, dass nach einer Mahnung und einer weiteren Frist von 120 Tagen das Verfahren abgeschlossen wird. Die bisherigen Daten gelten dann als verbindlich. Das heißt nicht, dass man später keine Nachweise mehr einreichen kann. Selbst wenn der Versicherte schon Rente bezieht, kann er Papiere noch nachreichen. Ergibt sich daraus eine höhere Rente, wird aber nur für maximal vier Jahre nachgezahlt.
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So prüft man den Versicherungsverlauf:
   Die Schreiben von der BfA oder der Landesversicherungsanstalt (LVA), den beiden größten Rentenversicherungsträgern, enthalten den gespeicherten Versicherungsverlauf. Die Aufstellung zeigt gemeldete Zeiten der Beschäftigung mit den entsprechenden Verdiensten.
   Diese Daten vergleicht der Versicherte mit den jedes Jahr vom Arbeitgeber ausgestellten Sozialversicherungs- nachweisen ab.
   Besonders aufmerksam sollte geprüft werden, wenn der Arbeitgeber häufig gewechselt wurde, ob wirklich für jedes Jahr zwölf Pflichtbeiträge registriert sind. Auch auf Zahlendreher bei den Verdienstangaben achten.
   Neben Beschäftigungsverhältnissen gehören auch Schul- und Studienzeiten, Lehrzeiten, Wehrdienst, Zivildienst, längere Krankheit, Arbeitslosigkeit und Kindererziehungszeiten in das Rentenkonto.
   Fehlende Zeiten müssen auf einem Extraformular mit den entsprechenden Nachweisen eingetragen werden. Wer bereits 55 Jahre ist und sein Rentenkonto noch nicht kontrolliert hat, sollte schnell aktiv werden. Unabhängig davon  kann jederzeit ein Antrag auf Kontenklärung gestellt werden. Weitere Informationen gibt es auf den Internet-Seiten:
www.bfa.de, www.lva.de, www.vdr.de, www.ihre-vorsorge.de Service-Telefone:  0800 - 333 19 19 (BfA) und 0800 - 5300 1111 (LVA). HAstp050813

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Neue Versicherungsangebote wenden sich speziell an Menschen mit schweren Vorerkrankungen

   Die Alterung der deutschen Gesellschaft schafft nicht nur Probleme, sondern auch neue Geschäftschancen. Davon ist man jedenfalls bei der Hannover Rück überzeugt. Die zum Talanx-Konzern gehörende Rückversicherung - sonst eher für ihre finanzielle Beteiligung an Hurrikanen, Flugzeugunglücken oder Erdbeben bekannt - sieht im Seniorenmarkt große Möglichkeiten. Zusammen mit einem Partner hat sie deshalb jetzt die DSP Deutsche-Senior- Partner AG gegründet. Ihre Aufgabe: neue Finanzprodukte für den „Seniorenmarkt” zu entwickeln und zu vermarkten.
   Dabei will die Hannover Rück - als „Versicherer der Versicherer” - nicht selbst als Anbieter auftreten. Vielmehr ist eine Kooperation mit Erstversicherern ins Auge gefasst, die die neuen Policen unter ihrem Namen auf den Markt bringen können. Wie Hannover-Rück-Spezialist Jens Blohm erläutert, stehen drei konkrete Angebote vor der Vermarktung.
Die Vorzugsrente
   ist eine private Rentenversicherung für Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Schlaganfall, Krebs oder Herzinfarkt. Damit reagiert die Hannover Rück auf eine Widersprüchlichkeit der Branche: Wer an schweren Krankheiten leidet oder gelitten hat,  muss für eine Lebensversicherung wegen des größeren Risikos hohe Beitrags-Zuschläge zahlen oder bekommt gar keinen Vertrag. Umgekehrt müssten für solche Menschen Rentenversicherungen billiger sein. Schließlich ist ihre Lebenserwartung deutlich geringer, die Rente muss daher im Schnitt für kürzere Zeit gezahlt werden. Doch bislang gelten für diese Risikogruppen die gleichen Beiträge wie für Kerngesunde. Das soll sich ändern. Das Konzept der Hannover Rück sieht günstigere Prämien für diese Risikokunden vor. In jedem Einzelfall ist aber eine individuelle Untersuchung und Einstufung des Gesundheitszustandes nötig. Dabei gilt das Prinzip: Je niedriger die verbleibende Lebenserwartung, desto günstiger die Versicherung.
Pflege-Sofortrente:
  Sie soll an bereits pflegebedürftige Menschen verkauft werden. Die Leistung besteht ebenfalls in einer lebens- langen  Rente,  der  Beitrag  wird zu Beginn in einer Summe gezahlt. Das können dann zum Beispiel 30.000 Euro sein, die auf einem Sparbuch angelegt sind. Die Versicherung soll den Betroffenen und ihren Verwandten mehr Planungssicherheit geben und die Angst nehmen, dass das Geld ausgeht - angesichts der teuren Pflegeheimplätze keine kleine Sorge. Wieder gilt der Grundsatz: Je trüber die medizinische Prognose, desto mehr Rente gibt es fürs gleiche Geld.
Mobilitäts-Police:
   Hier geht es um vorübergehende Leistungen, zum Beispiel nach einem Unfall oder nach einer Operation. Kooperationspartner ist der Malteser Hilfsdienst.
  Die Hannover Rück sieht einen stark wachsenden Markt für solche Angebote. Federführend ist die für die Lebensrückversicherung zuständige Sparte Hannover Life Re, die über eine eigene medizinische Abteilung mit sieben Ärzten verfügt. Der hannoversche Rückversicherer hofft, dass möglichst viele Versicherungsunternehmen das Expertenwissen in Hannover für ihre Zwecke nutzen wollen. Den Anfang machen die zum südafrikanischen Konzern First Rand gehörende Momentum Leben AG in Liechtenstein, der britische Versicherer Pension Annuity Friendly Society (PAFS) in London sowie ein deutscher Lebensversicherer, den die Hannover Rück noch nicht bekannt geben will.
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           Armut ist weiblich

   Drei von vier Frauen droht Altersarmut, aber Männer haben mehr Problembewusstsein -
BfA informiert Direktinformation bei der BfA: 
www.bfa.de  Telefon: 030-856-225 68 
Verbraucherzentralen als Ansprechpartner:
www.vzbv.de

 Rentenbeiträge  - Frauen sorgen wenig vor

   Vor allem Frauen sparen laut einer Studie zu wenig für die Rente. Bei drei Vierteln der 30- bis 59-jährigen Frauen werde das Geld später nicht ausreichen, schreibt die Fachzeitschrift „karriere”. Demnach legen Frauen derzeit im Schnitt 160 Euro pro Monat für ihre Rente zurück, heißt es unter Berufung auf eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge, das von der Deutschen Bank getragen wird. Das sei in den meisten Fällen zu wenig. Fast 40 Prozent der 30- bis 39-Jährigen zeigten zudem kein Interesse, sich heute schon um die Altersvorsorge zu kümmern. Jede vierte Frau befasse sich gar nicht mit dem Thema Geld.
   Im Vergleich zu Männern zahlten Frauen nicht so viel in die gesetzliche Rentenkasse ein und hätten geringere Freiräume für eine zusätzliche private Altersvorsorge, schreiben die Autoren weiter. Zum einen verdienten sie selbst bei gleicher Qualifikation im Schnitt fast ein Viertel weniger. Außerdem führten Babypausen und Teilzeitjobs oft zu Lohneinbußen. Dabei müssten Frauen wegen ihrer höheren Lebenserwartung mehr Vorsorgen als Männer.
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Wir sind ein Volk - von Rentnern
Der Osten Deutschlands altert und schrumpft noch viel schneller als der Westen

   Bis zum Jahr 2060 werden in den neuen Bundesländern (ohne Berlin) 37 Prozent weniger Menschen leben als 2008. 36 Prozent der Bevölkerung dort werden dann 65 Jahre und älter sein, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter geht demnach im Osten bis 2060 von acht Millionen (Stand 2008) auf vier Millionen zurück, sie halbiert sich also. Der Altenquotient - er zeigt an, wie viele Senioren auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter kommen - wird sich von heute 37 auf 74 im Jahr 2060 verdoppeln. Die Statistiker setzen dabei das erwerbsfähige Alter von 20 bis 65 Jahre an.
   Auch der Westen Deutschlands altert und schrumpft, aber nicht so stark wie der Osten. Für die alten (Flächen-) Länder geben die Wiesbadener Statistiker in der zwölften koordinierten Bevölkerungsberechnung an, die Bevölkerung werde bis 2060 um 19 Prozent sinken. Auch dort und in den Stadtstaaten werde dann jeder dritte Einwohner 65 Jahre oder älter sein. Die Zahl der Erwerbstätigen schrumpft von knapp 38 Millionen (Stand 2008) auf 26 Millionen, der Altenquotient verdoppelt sich von 33 auf 66. Im Westen verlaufen die demographischen Prozesse nach Angaben der Statistiker merklich langsamer als im Osten. So schrumpft die Bevölkerung im Westen in den kommenden 20 Jahren bis 2030 nur um vier Prozent. Im Osten dagegen werden 2030 schon 15 Prozent weniger Menschen leben als noch 2008.
   Der Bevölkerungsrückgang wird nach den Angaben aus Wiesbaden in Sachsen-Anhalt am stärksten sein. Dort leben 2060 knapp 43 Prozent weniger Menschen als jetzt. Auf Platz zwei folgt Thüringen (minus 41 Prozent) vor Mecklenburg-Vorpommern (minus 36 Prozent). Erst hinter Brandenburg auf Platz vier kommt mit dem Saarland eines der alten Bundesländer (minus 33 Prozent). Die Statistiker legten ihren Angaben folgende Annahmen zugrunde: eine fast konstante Geburtenziffer von 1,4 Kindern je Frau, eine Zunahme der Lebenserwartung bei Jungen um acht und bei Mädchen um sieben Jahre bis 2060, sowie ein Wanderungssaldo (Zuwanderungs- überschuss) von 100.000 Personen pro Jahr. 
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Immer mehr pensionierte Beamte des Bundes

   Die Zahl der Pensionsempfänger ist im Jahresvergleich leicht gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden mitteilte, erhielten im Januar 2009 rund 171.600 Personen - Beamte, Berufssoldaten sowie deren Hinterbliebene - Versorgungsleistungen des öffentlichrechtlichen Alterssicherungssystems. Das sei gegenüber 2008 ein Anstieg um 1,1 Prozent. Der größte Teil der Neupensionierten schied mit Erreichen der Regelsaltersgrenze von 65 Jahren aus dem Beruf aus.
   Die Zahl der Pensionäre stieg um 1,7 Prozent auf 123.400, während die Zahl der Hinterbliebenen mit Versorgungsleistungen um 0,3 Prozent auf 48.200 zurückging. Von den im Jahr 2008 rund 3.000 neupensionierten Bundesbeamten gingen laut den Statistikern rund 59 Prozent mit Vollendung des 65. Lebensjahrs - der Regelaltersgrenze - in den Ruhestand. Ein Jahr zuvor waren es 57 Prozent gewesen. Seit 2005 ist dieser Anteil weitgehend stabil.
   Die Möglichkeit, mit 63 Jahren in den Ruhestand einzutreten, nutzten wie im Vorjahr rund zehn Prozent der Neupensionierten. Der Anteil der Beamten, die mit Vollendung des 60. Lebensjahrs wegen Schwerbehinderung in den Ruhestand eintraten, lag wie im Vorjahr bei sieben Prozent. 2008 gingen rund zwölf Prozent der Neupensionierten des Bundes wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand. Ein Jahr zuvor waren es 14 Prozent gewesen.
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Wohnberatung für Senioren - Kostenlose Hilfe bei Umbauten / Zinslose Darlehen

   Mehr als 90 Prozent der über 65-Jährigen möchten in ihrem gewohnten Umfeld wohnen bleiben, möglichst in der vertrauten Wohnung oder im eigenen Haus. Doch Erkrankungen wie ein Schlaganfall oder ein Sturz, die die Benutzung eines Rolllators oder Rollstuhls erfordern, können diese Perspektive zunichte machen. Dann werden Stufen oder Badewannen zu unüberwindlichen Barrieren. „Hier sind Anpassungsmaßnahmen unumgänglich”, sagt Peter Sander, der als Altenwohnberater der Region Hannover auf eine 15-jährige Arbeit zurückblickt.
   Er steht allen älteren Menschen in Hannover und den 20 Umlandkommunen als Berater zur Verfügung. Sein Angebot ist kostenlos, und gemeinsam mit Betroffenen und Angehörigen bespricht er vor Ort, welche Umbaumaßnahmen getroffen werden müssen. Das kann der Einbau eines Treppenlifts oder Wannenlifters sein, zusätzlich  angebrachte Haltegriffe am WC oder Stufenrampen im Bereich des Hauseingangs. „Mein Ziel ist es, die eigenständige Lebensführung zu erhalten oder wieder herzustellen”, sagt Sander. „Nicht nur die Technik hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, auch viele Handwerksbetriebe sind inzwischen geschult, um Anpassungsmaßnahmen wie den Einbau einer barrierefreien Dusche fachgerecht auszuführen.” Häufig werden bauliche Veränderungen notwendig, die mit einigem finanziellen Aufwand verbunden sind. Die Pflegekassen übernehmen die Kosten für Umbaumaßnahmen bis maximal 2.557 Euro. Darüber hinaus ge- währt das Land zinslose Darlehen bis 10.000 Euro, und die Region Hannover gibt Baukostenzuschüsse zur Verbesserung der Wohnverhältnisse bis 4.500 Euro. Auch über die Eingliederungshilfe sind finanzielle Hilfen möglich.
     Peter Sander, Wohnberater der Region Hannover, ist telefonisch unter 0511 – 61 62 25 07, per Fax unter 0511 - 61 61 12 32 76 oder per eMail unter
Peter.Sander@region-hannover.de zu erreichen. HAZ080625

Anspruch auf Zahnersatz bei niedrigem Einkommen

  Wer nur ein geringes Einkommen hat, muss deshalb auf Zahnersatz nicht verzichten. Wenn die monatlichen Einnahmen bestimmte Grenzen nicht überschreiten, hat der Versicherte Anspruch auf einen sogenannten „doppelten Festzuschuss". Darauf weist die Unabhängige Patientenberatung hin. Normalerweise übernimmt die Gesetzliche Krankenkasse von den Kosten einer normalen Brücke per Festzuschuss rund 50 Prozent. In Härtefällen verdoppelt sich dieser Zuschuss. Dafür gelten aber Einkommensgrenzen. Alleinstehende dürfen maximal 1.008 Euro verdienen, um Anspruch auf den doppelten Zuschuss zu haben, Paare höchsten 1.386 Euro. Mit jedem weiteren Familienmitglied erhöht sich die Einkommensgrenze um 252 Euro.  NOZ090407ap

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