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Amoris Laetitia II

Die Freude der Liebe
Nachsynodales Apostolisches Schreiben des Heiligen Vaters Papst Franziskus
2. Teil: Kapitel 6-9

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Sechstes Kapitel
EINIGE PASTORALE PERSPEKTIVEN
199.  Die Debatten des synodalen Weges haben uns dazu geführt, die Notwendigkeit der Entwicklung neuer pastoraler Methoden ins Auge zu fassen; ich werde versuchen, diese jetzt allgemein zu umreißen.  Es wird dann Aufgabe der verschiedenen Gemeinschaften sein, stärker praxisorientierte und wirkungsvolle  Vorschläge zu erarbeiten, die sowohl die Lehre der Kirche als auch die Bedürfnisse und Herausforderungen vor Ort berücksichtigen. Ohne den Anspruch zu erheben, hier eine Familienpastoral vorzulegen, möchte ich nur dabei verweilen, einige der großen pastoralen Herausforderungen aufzugreifen.
Heute das Evangelium der Familie verkünden

200. Die Synodenväter haben nachdrücklich betont, dass die christlichen Familien durch die Gnade des Ehesakraments die hauptsächlichen Subjekte der Familienpastoral sind, vor allem, indem sie » das freudige Zeugnis der Eheleute und der Familien, der Hauskirchen «[225] geben. Deshalb hoben sie hervor: » Es geht darum, erfahrbar zu machen, dass das Evangelium der Familie Freude ist, die „das Herz und das gesamte Leben erfüllt“, weil wir in Christus „von der Sünde, von der Traurigkeit, von der inneren Leere und von der Vereinsamung“ befreit sind (Evangelii gaudium, 1). Im Lichte des Gleichnisses vom Sämann (vgl. Mt 13,3-9) ist es unsere Aufgabe, an der Aussaat mitzuarbeiten. Alles andere ist das Werk Gottes. Man darf auch nicht vergessen, dass die Kirche, die über die Familie predigt, Zeichen des Widerspruchs ist «,[226], doch die Eheleute sind dankbar, wenn die Hirten sie motivieren zu einem mutigen Einsatz durch eine starke, tragfähige, dauerhafte Liebe, die imstande ist, allem, was sich ihnen in den Weg stellt, die Stirn zu bieten. Die Kirche möchte mit demütigem Verstehen auf die Familien zugehen, und es ist ihr Wunsch, » jede einzelne und alle Familien zu begleiten, damit sie den besten Weg entdecken, um die Schwierigkeiten zu überwinden, denen sie begegnen «.[227] Es genügt nicht, eine allgemeine Sorge um die Familie in die großen Pastoralpläne aufzunehmen. Damit die Familien immer stärker aktive Subjekte der Familienpastoral sein können, bedarf es » eines evangelisierenden und katechetischen Bemühens, das auf das Innere der Familie gerichtet ist «[228] und ihnen in diesem Sinn Orientierung bietet.
201. »Deshalb ist von der ganzen Kirche eine missionarische Umkehr gefordert: Man darf nicht bei einer rein theoretischen, von den wirklichen Problemen der Menschen losgelösten Verkündigung stehen bleiben. «[229] Die Familienpastoral » muss erfahrbar machen, dass das Evangelium der Familie die Antwort auf die tiefsten Erwartungen des Menschen darstellt: auf seine Würde und auf die vollkommene Verwirklichung in der Gegenseitigkeit, in der Gemeinschaft und in der Fruchtbarkeit. Es geht nicht allein darum, Normen vorzulegen, sondern Werte anzubieten und damit auf eine Sehnsucht nach Werten zu antworten, die heute selbst in den säkularisiertesten Ländern festzustellen ist. «[230] Ebenso » wurde die Notwendigkeit einer Evangelisierung unterstrichen, die offen die kulturellen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Konditionierungen, wie den übermäßigen Einfluss der Logik des Marktes, anprangert, welche ein authentisches Familienleben verhindern und Diskriminierungen, Armut, Ausgrenzung und Gewalt hervorrufen. Deshalb muss ein Dialog und eine Zusammenarbeit mit den gesellschaftlichen Strukturen entwickelt werden, und es gilt, jene Laien zu ermutigen und zu unterstützen, die sich als Christen im kulturellen und gesellschaftspolitischen Bereich engagieren. « [231]
202. » Den wichtigsten Beitrag zur Familienpastoral leistet die Pfarrgemeinde, eine Familie von Familien, in der die Beiträge der kleinen Gemeinschaften, Bewegungen und kirchlichen Vereinigungen harmonisch aufeinander abgestimmt werden. «[232] Gemeinsam mit einer spezifisch auf die Familien ausgerichteten Pastoral zeigt sich uns die Notwendigkeit » eine[r] angemessenere[n] Ausbildung von Priestern, Diakonen, Ordensleuten, Katecheten und anderen Mitarbeitern in der Seelsorge «.[233] In den Antworten auf die in alle Welt verschickten Befragungen wurde betont, dass es den geweihten Amtsträgern gewöhnlich an einer geeigneten Ausbildung fehlt, um mit den vielschichtigen aktuellen Problemen der Familien umzugehen. In diesem Sinn kann auch die Erfahrung der langen östlichen Tradition der verheirateten Priester nützlich sein.
203.  Die Seminaristen sollten Zugang haben zu einer umfassenderen interdisziplinären Schulung über Verlobungszeit und Ehe, und das nicht nur in Bezug auf die Doktrin. Außerdem ermöglicht ihnen die Ausbildung nicht immer die Entfaltung ihrer persönlichen psychoaffektiven Welt. Auf einigen lastet die Erfahrung der eigenen verwundeten Familie mit dem Fehlen der Eltern und mit emotionaler Unbeständigkeit. Es muss während der Ausbildung eine Reifung gewährleistet sein, damit die zukünftigen Priester das psychische Gleichgewicht besitzen, das ihre Aufgabe erfordert. Die familiären Bindungen sind grundlegend, um das gesunde Selbstwertgefühl der Seminaristen zu stärken. Darum ist es wichtig, dass die Familien den gesamten Weg des Seminars und des Priestertums begleiten, weil sie helfen, ihn auf lebensnahe Weise zu stärken. In diesem Sinn ist die Kombination zwischen einer gewissen Zeit im Seminar und einer anderen in Pfarrgemeinden heilsam: Das ermöglicht, mehr in Kontakt mit der konkreten Wirklichkeit der Familien zu kommen. Denn im Laufe seines pastoralen Lebens begegnet der Priester ja vor allem Familien. » Die Anwesenheit von Laien und Familien und vor allem von Frauen in der Priesterausbildung fördert die Wertschätzung der Vielfalt und der Komplementarität der verschiedenen Berufungen in der Kirche. «[234]
204.  Die Antworten auf die Befragungen haben auch mit Nachdruck die Notwendigkeit zum Ausdruck gebracht, mit Hilfe von Psychopädagogen, Familienärzten, Ärzten für Allgemeinmedizin, Sozialarbeitern, Kinder-, Jugend- und Familienanwälten Laienmitarbeiter für die Familienpastoral auszubilden und dabei offen zu sein für Beiträge aus Psychologie, Soziologie, Sexualforschung und auch Counceling. Die Fachleute, besonders diejenigen, die Erfahrungen auf dem Gebiet der Begleitung haben, helfen dabei, die pastoralen Vorschläge in den realen Situationen und den konkreten Sorgen der Familien in die Praxis umzusetzen. » Ausbildungsprogramme und -kurse, die spezifisch für die Mitarbeiter der Seelsorge bestimmt sind, können sie befähigen, den Weg der Ehevorbereitung in die weitere Dynamik des kirchlichen Lebens einzuordnen. «[235] eine gute pastorale Fortbildung ist wichtig, » auch im Hinblick auf besondere Notsituationen, die sich aus Fällen von häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch ergeben «.[236] All das schmälert keineswegs den grundlegenden Wert der geistlichen Begleitung, der unschätzbaren spirituellen Ressourcen der Kirche und der sakramentalen Versöhnung, sondern ergänzt sie.
Auf dem Weg der Ehevorbereitung zum Eheversprechen führen
205.  Die Synodenväter haben auf verschiedene Weise darauf hingewiesen, dass wir den jungen Menschen helfen müssen, den Wert und den Reichtum der Ehe zu entdecken.[237]. Sie müssen die Attraktivität einer vollständigen Bindung begreifen können, welche die soziale Dimension des Lebens erhöht und vervollkommnet, der Geschlechtlichkeit ihren erhabensten Sinn verleiht und zugleich das Wohl der Kinder fördert und ihnen den besten Kontext für ihre Reifung und Erziehung bietet.
206.  » Die komplexe gesellschaftliche Wirklichkeit und die Herausforderungen, mit denen sich die Familien heute auseinandersetzen müssen, erfordern einen größeren Einsatz der ganzen christlichen Gemeinde im Hinblick auf die Vorbereitung der Brautleute auf die Ehe. Dazu ist es notwendig, an die Bedeutung der Tugenden zu erinnern. Unter ihnen erweist sich die Keuschheit als wertvolle Voraussetzung für ein echtes Wachstum der zwischenmenschlichen Liebe. Bezüglich dieses Erfordernisses betonen die Synodenväter übereinstimmend, dass es notwendig ist, die ganze Gemeinde stärker einzubeziehen und das Zeugnis der Familien selbst zu begünstigen. Ferner sollte die Ehevorbereitung im Weg der christlichen Initiation verankert werden, indem die Verbindung zwischen Ehe und Taufe und den anderen Sakramenten betont wird. Zugleich wurde die Notwendigkeit besonderer Kurse zur unmittelbaren Vorbereitung der Eheschließung betont, die eine wirkliche Erfahrung der Teilnahme am kirchlichen Leben sind und die unterschiedlichen Aspekte des Familienlebens vertiefen. «[238
]
207.  Ich bitte die christlichen Gemeinden zu erkennen, dass es ihnen selbst gut tut, den Weg der Liebe der Verlobten zu begleiten. Die Bischöfe Italiens haben das gut erklärt: Diejenigen, die heiraten, sind für die christliche Gemeinde » eine kostbare Ressource. Wenn sie sich nämlich ernsthaft bemühen, in der Liebe und in der gegenseitigen Hingabe zu wachsen, können sie dazu beitragen, das Gefüge des gesamten kirchlichen Leibes zu erneuern: Die besondere Form der Freundschaft, die sie leben, kann ansteckend werden und die christliche Gemeinde, zu der sie gehören, in der Freundschaft und in der Brüderlichkeit wachsen lassen. «[239] Es gibt verschiedene legitime Weisen, die unmittelbare Vorbereitung auf die Ehe zu gestalten, und jede Ortskirche soll unterscheiden, was für sie das Beste ist. Dabei soll sie für eine angemessene Fortbildung sorgen, die zugleich die jungen Menschen nicht vom Sakrament fernhält. Weder geht es darum, ihnen den gesamten Katechismus beizubringen, noch darum, sie mit allzu vielen Themen zu übersättigen. Denn auch hier gilt: » Nicht das viele Wissen sättigt und befriedigt die Seele, sondern das innerliche Verspüren und Schmecken der Dinge «.[240]  Die Qualität zieht mehr an als die Quantität, und – zusammen mit einer erneuerten Verkündigung des Kerygmas – muss man jenen Inhalten den Vorrang geben, die in anziehender und herzlicher Form vermittelt  ihnen helfen, sich » mit Großmut und Freigebigkeit «[241] zu einem Weg für das ganze Leben zu verpflichten. Es handelt sich um eine Art „Initiation“ in das Ehesakrament, die ihnen die notwendigen Elemente vermittelt, um es mit der besten inneren Bereitschaft empfangen zu können und das Familienleben mit einer gewissen Standfestigkeit zu beginnen.
208.  Darüber hinaus müssen Formen gefunden werden, durch missionarisch aktive Familien, durch die Familien der Verlobten selbst und durch verschiedene pastorale Hilfsmittel eine schon sehr früh ansetzende Vorbereitung anzubieten, welche die Liebe der beiden reifen lässt. Dazu bedarf es einer Begleitung, die ihnen nahe ist und Zeugnis gibt. Sehr hilfreich sind gewöhnlich die Gruppen für Verlobte und zusätzliche Gesprächsangebote über eine Vielfalt von Themen, welche die jungen Leute wirklich interessieren. Dennoch sind einige persönlich gestaltete Momente unerlässlich, denn das Hauptziel ist, jedem Einzelnen zu helfen, diese konkrete Person, mit der er das ganze Leben teilen will, lieben zu lernen. Jemanden lieben zu lernen ist nicht etwas, das man improvisiert, noch kann es das Ziel eines kurzen Kurses vor der Feier der Trauung sein. In Wirklichkeit bereitet sich jeder Mensch von seiner Geburt an auf die Ehe vor. Alles, was seine Familie ihm vermittelte, müsste ihm erlauben, aus der eigenen Geschichte zu lernen, und ihn zu einer vollständigen und endgültigen Verbindlichkeit befähigen.  Wahrscheinlich kommen diejenigen besser vorbereitet zur Trauung, die von ihren eigenen Eltern gelernt haben, was eine christliche Ehe ist, wo beide einander bedingungslos erwählt haben und diese Entscheidung immer wieder erneuern. In diesem Sinn sind alle pastoralen Unternehmungen, die den Eheleuten helfen wollen, in der Liebe zu wachsen und das Evangelium in der Familie zu leben, eine unschätzbare Hilfe, damit ihre Kinder sich auf deren zukünftiges Eheleben vorbereiten.  Ebenso wenig darf man die wertvollen Mittel der Volkspastoral vergessen. Um ein einfaches Beispiel zu bringen, erinnere ich an den Valentinstag, der in manchen Ländern von der Wirtschaft besser genutzt wird als von der Kreativität der Seelsorger.
209. Wenn es der Pfarrgemeinde gelingt, die bereits Verlobten eine gute Zeit vorher zu begleiten, dann muss diese Vorbereitung auch die Möglichkeit schaffen, Unverträglichkeiten oder Risiken zu erkennen. Auf diese Weise kann man zu der Erkenntnis kommen, dass es nicht sinnvoll ist, sich auf diese Verbindung festzulegen, um sich nicht einem absehbaren Scheitern auszusetzen, das sehr schmerzliche Folgen haben wird. Das Problem ist, dass die Anfangsbegeisterung dazu führt, dass man versucht, vieles zu verbergen oder zu relativieren; man vermeidet Unstimmigkeiten, und so schiebt man die Schwierigkeiten nur vor sich her. Die Verlobten müssten Anregung und Hilfe erfahren, damit sie darüber sprechen können, was jeder von einer eventuellen Ehe erwartet, was er unter Liebe und Verpflichtung versteht, was er sich vom anderen wünscht, welche Art von gemeinsamem Leben man planen möchte. Diese Gespräche können die Augen dafür öffnen, dass es in Wirklichkeit wenige Berührungspunkte gibt und dass die bloße gegenseitige Attraktion keine ausreichende Grundlage für eine Verbindung ist. Nichts ist flüchtiger, unsicherer und unberechenbarer als das Begehren, und niemals darf man zu der Entscheidung einer Eheschließung ermutigen, wenn nicht andere Motivationen ergründet worden sind, die dieser Bindung wirkliche Chancen zur Beständigkeit verleihen.
210. Wenn man die Schwachstellen des anderen deutlich erkennt, muss man auf jeden Fall realistisch auf die Möglichkeit vertrauen können, dem Besten in seiner Person zur Entfaltung zu verhelfen, um dem Gewicht seiner Schwachheiten entgegenzuwirken, mit der festen Absicht, ihn als Menschen zu fördern. Das bedeutet, mit starkem Willen die Möglichkeit zu bejahen, manchem Verzicht, schwierigen Momenten und Konfliktsituationen zu begegnen und sich fest entschlossen darauf vorzubereiten. Man muss imstande sein, die Anzeichen der Gefahr, welche die Beziehung in sich bergen kann,  zu entdecken, um vor der Heirat Hilfsmittel zu finden, die erlauben, ihr erfolgreich zu begegnen. Leider gelangen viele zur Hochzeit, ohne sich zu kennen. Sie haben nur gemeinsam Zeit verbracht, haben gemeinsame Erfahrungen gemacht, haben sich aber nicht der Herausforderung gestellt, sich selbst zu offenbaren und zu lernen, wer der andere wirklich ist.
211. Sowohl die unmittelbare Vorbereitung als auch die Begleitung über längere Zeit müssen sicherstellen, dass die Verlobten die Heirat nicht als das Ende eines Weges ansehen, sondern die Ehe als eine Berufung annehmen, die sie vorwärts treibt, mit dem festen und realistischen Entschluss, alle Prüfungen und schwierigen Momente gemeinsam zu durchleben. Die Seelsorge in der Vorbereitung auf die Ehe und die Ehepastoral müssen vor allem eine Seelsorge der Bindung sein, wo Elemente vermittelt werden, die helfen, sowohl die Liebe reifen zu lassen als auch die schweren Zeiten zu überstehen. Diese Elemente sind nicht einzig und allein doktrinelle Überzeugungen, sie dürfen nicht einmal auf die wertvollen spirituellen Ressourcen beschränkt werden, welche die Kirche immer darbietet, sondern müssen auch praktische Wege, gut „inkarnierte“ Ratschläge,  aus der Erfahrung erwachsene Vorgehensweisen und psychologische Orientierungen sein. All das bildet eine Pädagogik der Liebe, welche die heutige Sensibilität junger Menschen nicht unbeachtet lassen darf, um sie innerlich bereit zu machen. Zugleich muss es in der Vorbereitung der Verlobten möglich sein, sie auf Orte und Personen, Beratungsstellen oder bereite Familien hinzuweisen, an die sie sich wenden können, um Hilfe zu suchen, wenn Schwierigkeiten aufkommen sollten. Doch niemals darf man vergessen, ihnen die sakramentale Versöhnung nahezulegen, die ermöglicht, durch die barmherzige Vergebung Gottes und seine heilende Kraft die Sünden und Fehler des vergangenen Lebens und der Beziehung selbst abzulegen.
Die Vorbereitung der Feier
212. Die nähere Vorbereitung auf die Trauung konzentriert sich gewöhnlich auf die Einladungen, die Kleidung, das Fest und die unzähligen Einzelheiten, die sowohl die Finanzen als auch die Energien und die Freude aufzehren. Die Brautleute gelangen erschöpft und abgespannt zur Hochzeit, anstatt ihre besten Kräfte dafür zu verwenden, sich als Paar auf den großen Schritt vorzubereiten, den sie gemeinsam tun werden. Diese Mentalität spiegelt sich auch in manchen faktischen Lebensgemeinschaften wider, die niemals zur Eheschließung gelangen, weil sie an zu kostspielige Festlichkeiten denken, anstatt der gegenseitigen Liebe und deren Formalisierung vor den anderen den Vorrang zu geben. Liebe Verlobte, habt den Mut, anders zu sein, lasst euch nicht von der Gesellschaft des Konsums und des Scheins verschlingen. Das, worauf es ankommt, ist die Liebe, die euch eint und die durch die Gnade gestärkt und geheiligt wird. Ihr seid fähig, euch für ein schlichtes, einfaches Fest zu entscheiden, um die Liebe über alles zu setzen. Die in der Pastoral Tätigen und die ganze Gemeinde können dazu beitragen, dass diese Priorität nicht eine Ausnahme bleibt, sondern zur Normalität wird.
213. In der direkten Vorbereitung ist es wichtig, den Verlobten die nötige Einsicht zu vermitteln, damit sie die liturgische Feier ganz tief erleben, und ihnen zu helfen, den Sinn jeder Geste zu begreifen und innerlich nachzuvollziehen. Erinnern wir uns: Wenn es sich um zwei Getaufte handelt, können ein so bedeutendes Versprechen wie jenes, das der Ehekonsens ausdrückt, und die Vereinigung der beiden Körper, welche die Ehe vollzieht, nur als Zeichen der Liebe des Sohnes Gottes gedeutet werden, der Mensch geworden ist und sich in einem Bund der Liebe mit seiner Kirche vereint hat. Bei den Getauften verwandeln sich die Worte und die Gesten in ein beredtes Sprechen des Glaubens. Der Körper mit den Bedeutungen, die Gott bei der Schöpfung in ihn hineingelegt hat, wird » zur Sprache der Verwalter des Sakraments, die wissen, dass im ehelichen Bündnis jenes Geheimnis Ausdruck findet «.[242]
214. Manchmal begreifen die Brautleute nicht das theologische und spirituelle Gewicht des Konsenses, der ein Licht auf die Bedeutung aller späteren Gesten wirft. Es muss betont werden, dass diese Worte nicht auf die Gegenwart beschränkt werden können; sie beinhalten eine Totalität, welche die Zukunft einschließt, „bis der Tod sie scheidet“. Der Sinn des Konsenses zeigt: » Freiheit und Treue stehen nicht im Gegensatz zueinander, sondern unterstützen sich vielmehr gegenseitig, sowohl in den zwischenmenschlichen als auch in den gesellschaftlichen Beziehungen. Denken wir an die Schäden, die in der Kultur der globalen Kommunikation durch die Inflation unerfüllter Versprechen verursacht werden […] Die Ehre des gegebenen Wortes, die Treue zum Versprechen kann man weder kaufen noch verkaufen. Sie können nicht mit Gewalt erzwungen, aber auch nicht ohne Opfer gehütet werden. «[243]
215. Die Bischöfe von Kenia warnten: » Übermäßig konzentriert auf den Hochzeitstag, vergessen die zukünftigen Eheleute, dass sie sich auf eine Verbindlichkeit vorbereiten, die ein Leben lang dauert. «[244]  Man muss ihnen bewusst machen, dass das Sakrament nicht nur ein Moment ist, der nachher zu einem Teil der Vergangenheit und der Erinnerungen wird, denn es übt ständig seinen Einfluss auf das gesamte eheliche Leben aus.[245] Die auf die Fortpflanzung bezogene Bedeutung der Geschlechtlichkeit, die Körpersprache und die lebendigen Gesten der Liebe in der Geschichte einer Ehe verwandeln sich in eine » ununterbrochene Weiterführung der liturgischen Sprache «, und so » wird das eheliche Leben in gewissem Sinn Liturgie «.[246]
216.  Man kann auch über die biblischen Lesungen meditieren und zu einem tieferen Verständnis des Ringtausches oder anderer Zeichen kommen, die einen Teil des Ritus bilden. Doch es wäre nicht gut, wenn man zur Trauung käme, ohne gemeinsam gebetet zu haben, einer für den anderen. Dabei sollten die Brautleute Gottes Hilfe erbitten, um treu und großherzig zu sein, und ihn gemeinsam fragen, was er von ihnen erwartet; sie können auch ihre Liebe vor einem Marienbild weihen. Diejenigen, die sie in der Vorbereitung auf die Ehe begleiten, müssten sie so orientieren, dass sie diese Momente des Gebetes, die ihnen sehr gut tun können, zu leben verstehen. » Die Eheliturgie ist ein einzigartiges Ereignis, das im familiären und gesellschaftlichen Rahmen eines Festes gefeiert wird. Das erste Wunder Jesu erfolgte beim Hochzeitsmahl zu Kana: Der gute Wein des vom Herrn gewirkten Wunders, der das Entstehen einer neuen Familie verschönert, ist der neue Wein des Bundes Christi mit den Männern und Frauen aller Zeiten […] Häufig hat der Zelebrant die Gelegenheit, sich an eine Versammlung zu richten, die aus Menschen besteht, die wenig am kirchlichen Leben teilnehmen oder anderen christlichen Bekenntnissen oder religiösen Gemeinschaften angehören. Es handelt sich um eine kostbare Gelegenheit zur Verkündigung des Evangeliums Christi. «[247]
Die Begleitung in den ersten Jahren des Ehelebens
217. Wir müssen es als einen großen Wert anerkennen, dass die Ehe als eine Frage der Liebe verstanden wird, dass nur diejenigen heiraten können, die einander frei wählen und sich lieben. Wenn jedoch die Liebe zu einer bloßen gegenseitigen Anziehung oder zu einer undefinierbaren Zuneigung wird, führt das dazu, dass die Ehepartner unter einer außerordentlichen Zerbrechlichkeit leiden, wenn die Zuneigung in Krise gerät oder wenn die physische Attraktivität nachlässt. Da es häufig diese Unklarheiten gibt, erweist sich eine Begleitung in den ersten Ehejahren als unerlässlich, um die bewusste und freie Entscheidung, einander zu gehören und zu lieben bis zum Ende, zu beleben und zu vertiefen. Oft reicht die Verlobungszeit nicht aus, wird die Entscheidung, zu heiraten, aus verschiedenen Gründen übereilt getroffen, und zu allem Übel hat sich die Reifung der jungen Menschen verzögert. Daher müssen die Neuvermählten diesen Prozess vervollständigen, den sie während der Verlobungszeit hätten verwirklichen sollen.
218. Andererseits möchte ich betonen, dass die Ehepastoral vor der Herausforderung steht, zu der Einsicht zu verhelfen, dass die Ehe nicht als ein Fertigprodukt verstanden werden darf. Die Vereinigung ist real, unwiderruflich und durch das Ehesakrament bestätigt und geheiligt worden. Doch indem sie sich zusammenschließen, werden die Eheleute zu Protagonisten, die ihre Geschichte selbst in der Hand haben, und zu Schöpfern eines Projektes, das sie gemeinsam voranbringen müssen. Der Blick richtet sich auf die Zukunft, die Tag für Tag mit der Gnade Gottes aufgebaut werden muss, und eben darum verlangt man vom Ehepartner nicht, dass er bzw. sie vollkommen ist. Man muss die Illusionen beiseite lassen und den anderen Menschen so annehmen wie er ist: unvollendet, berufen zu wachsen, in der Entwicklung. Wenn der Blick auf den Ehepartner ständig kritisch ist, zeigt dies, dass man auch die Ehe nicht als ein mit Geduld, Verständnis, Toleranz und Großherzigkeit gemeinsam zu gestaltendes Vorhaben angenommen hat. Das führt dazu, dass die Liebe allmählich ersetzt wird durch einen inquisitorischen und unerbittlichen Blick, durch die Kontrolle der Verdienste und Rechte eines jeden, durch Beanstandungen, Konkurrenz und Selbstverteidigung. So werden die Ehepartner unfähig, sich umeinander zu kümmern, um gemeinsam zu reifen und in der Einigkeit zu wachsen. Den Neuvermählten ist dies von Anfang an in realistischer Klarheit zu zeigen, damit sie sich bewusst werden, dass sie „gerade erst beginnen“. Das „Ja“, das sie einander gegeben haben, ist der Anfang eines Weges mit einem Ziel, das fähig ist, das, was die Umstände mit sich bringen, wie auch die Hindernisse, die sich in den Weg stellen, zu überwinden. Der empfangene Segen ist eine Gnade und ein Antrieb für diesen immer offenen Weg. Er pflegt ihre Bereitschaft zu fördern, miteinander zu sprechen, um ihre konkreten Pläne in ihren Zielen, ihren Mitteln und ihren Einzelheiten auszuarbeiten.
219. Ich erinnere mich an ein Sprichwort, das besagte, dass stehendes Wasser verdirbt und zu faulen beginnt. Das ist es, was passiert, wenn dieses Leben der Liebe in den ersten Ehejahren stagniert, wenn es aufhört, in Bewegung zu bleiben, wenn es diese Ruhelosigkeit verliert, die es vorantreibt. Der Tanz in dieser jungen Liebe, Schritt für Schritt voran, der Tanz auf die Hoffnung zu, die Augen voller Staunen – er darf nicht zum Stillstand kommen. Es ist die Hoffnung, die in der Verlobungszeit und in den ersten Ehejahren die treibende Kraft des „Sauerteigs“ ist, die über die Widersprüchlichkeiten, die Konflikte, die Wirtschaftslage hinwegsehen lässt und stets einen größeren Weitblick schenkt. Sie ist es, die alle Ruhelosigkeit in Gang bringt, um auf einem Weg des Wachsens zu bleiben. Dieselbe Hoffnung ist es, die uns einlädt, die Gegenwart voll und ganz zu leben und das Herz an das Familienleben zu hängen, denn die beste Form, die Zukunft vorzubereiten und zu festigen, besteht darin, die Gegenwart gut zu leben.
220. Zum Weg gehört es, verschiedene Phasen zu durchlaufen, die zu einer großherzigen Selbsthingabe einladen: Vom ersten Eindruck, der durch eine stark gefühlsmäßige Anziehung gekennzeichnet ist, kommt man dahin, des anderen zu bedürfen und dies als Teil des eigenen Lebens zu empfinden. Von da aus gelangt man zum Gefallen am wechselseitigen Zugehören, danach zum Verständnis des gesamten Lebens als eines Vorhabens beider, zur Fähigkeit, das Glück des anderen über die eigenen Bedürfnisse zu stellen, und zur Freude darüber, die eigene Ehe als ein Gut für die Gesellschaft zu sehen. Die Reifung der Liebe schließt auch ein, „verhandeln“ zu lernen. Das ist keine eigennützige Haltung oder ein geschäftsmäßiges Spiel, sondern letztlich eine Übung der gegenseitigen Liebe, denn dieses Handeln ist eine Verflechtung wechselseitiger Geschenke und Verzichte zum Wohl der Familie. In jeder neuen Phase des Ehelebens muss man sich zusammensetzen, um wieder Vereinbarungen auszuhandeln, so dass es nicht Gewinner und Verlierer gibt, sondern beide gewinnen. Im häuslichen Kreis werden die Entscheidungen nicht unilateral getroffen, und beide Ehepartner teilen die Verantwortung für die Familie, doch jede Hausgemeinschaft ist einmalig, und jede eheliche Synthese ist anders.
221. Eine der Ursachen, die zu Brüchen in der Ehe führen, besteht in den übertrieben hohen Erwartungen an das Eheleben. Wenn man die Wirklichkeit entdeckt, die begrenzter und herausfordernder ist als das, was man sich erträumt hatte, liegt die Lösung nicht darin, schnell und unverantwortlich an eine Trennung zu denken, sondern darin, die Ehe als einen Weg der Reifung anzunehmen, wo jeder der Ehepartner ein Werkzeug Gottes ist, um den anderen wachsen zu lassen. Veränderung, Wachstum und die Entfaltung der guten Eigenschaften, die jeder in sich trägt, sind möglich. Jede Ehe ist eine „Heilsgeschichte“. Und das bedeutet, dass man von einer Anfälligkeit ausgeht, die dank der Gabe Gottes und einer kreativen und großherzigen Antwort einer immer tragfähigeren und wertvolleren Wirklichkeit Raum gibt. Vielleicht ist die größte Aufgabe eines Mannes und einer Frau in der Liebe die, einander mehr Mann oder mehr Frau werden zu lassen. Wachsen lassen bedeutet, dem anderen zu helfen, sich in seiner eigenen Identität auszuformen. Darum ist die Liebe ein Handwerk. Wenn man den Abschnitt der Bibel über die Erschaffung des Menschen liest, sieht man zuerst, wie Gott den Mann „formt“ (vgl. Gen 2,7), wie er aber bald bemerkt, dass etwas Wesentliches fehlt (vgl. Gen 2,18), und die Frau „formt“, und dann sieht man die Überraschung des Mannes: „Oh, ja jetzt, die ist‘s!“ (vgl. Gen 2,22-23). Und dann scheint man dieses schöne Zwiegespräch zu hören, wo der Mann und die Frau einander entdecken. Denn auch in den schwierigen Momenten überrascht der andere wieder, und es öffnen sich neue Türen für eine Wiederbegegnung, als sei es das erste Mal. Und in jeder neuen Phase beginnt man wieder zu „formen“, sich gegenseitig zu gestalten. Die Liebe bewirkt, dass einer auf den anderen wartet und diese dem Handwerker eigene Geduld übt, die man von Gott geerbt hat.
222. Die Begleitung muss die Eheleute ermutigen, großherzig in der Weitergabe des Lebens zu sein. » Dem persönlichen und menschlich umfassenden Charakter der ehelichen Liebe gemäß, ist der richtige Weg für die Familienplanung der des einvernehmlichen Dialogs zwischen den Eheleuten, der Berücksichtigung der Zeiten und der Beachtung der Würde des Ehepartners. In diesem Sinn gilt es, die Enzyklika Humanae vitae (vgl. 10-14) und das Apostolische Schreiben Familiaris consortio (vgl. 14, 28-35) wiederzuentdecken, um […] einer Mentalität, die dem Leben oftmals feindlich gegenübersteht «, entgegenzuwirken. » Die verantwortliche Entscheidung für die Elternschaft setzt die Bildung des Gewissens voraus, „die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist“ (Gaudium et spes, 16). Je mehr die Eheleute versuchen, in ihrem Gewissen auf Gott und seine Gebote zu hören (vgl. Röm 2,15) und sich geistlich begleiten lassen, desto mehr wird ihre Entscheidung zuinnerst frei von subjektiver Willkür und von der Anpassung an Verhaltensweisen ihres Umfelds sein. «[248] Die klare Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils bleibt bestehen: Beide sollen » durch gemeinsame Überlegung versuchen, sich ein sachgerechtes Urteil zu bilden. Hierbei müssen sie auf ihr eigenes Wohl wie auf das ihrer Kinder – der schon geborenen oder zu erwartenden – achten; sie müssen die materiellen und geistigen Verhältnisse der Zeit und ihres Lebens zu erkennen suchen und schließlich auch das Wohl der Gesamtfamilie, der weltlichen Gesellschaft und der Kirche berücksichtigen. Dieses Urteil müssen im Angesicht Gottes die Eheleute letztlich selbst fällen. «[249] Andererseits soll » zur Anwendung der Methoden, die auf den „natürlichen Zeiten der Fruchtbarkeit“ (Humanae vitae, 11) beruhen […] ermutigt werden. Dabei ist zu unterstreichen: „Diese Methoden achten den Leib der Eheleute, ermutigen diese zur Zärtlichkeit und begünstigen die Erziehung zu echter Freiheit“ (Katechismus der Katholischen Kirche, 2370). Es muss immer hervorgehoben werden, dass Kinder ein wunderbares Geschenk Gottes sind, eine Freude für die Eltern und für die Kirche. Durch sie erneuert der Herr
die  Welt. «[250]
Einige Hilfsmittel
  223. Die Synodenväter haben darauf hingewiesen, dass » die ersten Jahre der Ehe […] ein wesentlicher und heikler Zeitabschnitt [sind], während dessen die Paare im Bewusstsein der Herausforderung und der Bedeutung der Ehe wachsen. Hieraus ergibt sich das Erfordernis einer pastoralen Begleitung, die nach der Feier des Sakramentes fortgesetzt wird (vgl. Familiaris consortio, III.Teil). Bei dieser Pastoral ist die Anwesenheit erfahrener Ehepaare von großer Bedeutung. Die Pfarrei wird als der Ort verstanden, an dem erfahrene Paare jüngeren zur Verfügung stehen können, möglicherweise unter Mithilfe von Vereinigungen, kirchlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften. Die Brautleute sollen zu der grundlegenden Haltung ermutigt werden, Kinder als ein großes Geschenk anzunehmen. Dabei gilt es, die Bedeutung der Spiritualität der Familie, des Gebetes und der Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistie zu unterstreichen. Die Paare sollen ermutigt werden, sich regelmäßig zu treffen, um das Wachstum des geistlichen Lebens sowie die Solidarität in den konkreten Herausforderungen des Lebens zu fördern. Die Liturgie, Übungen der Frömmigkeit und die Eucharistie für die Familien, vor allem am Hochzeitstag, wurden als wichtig zur Förderung der Evangelisierung durch die Familien erwähnt. «[251]
224. Dieser Weg ist eine Frage der Zeit. Die Liebe braucht verfügbare, geschenkte Zeit, die andere Dinge an die zweite Stelle setzt. Es bedarf der Zeit, um miteinander zu sprechen, um sich ohne Eile zu umarmen, um Pläne miteinander zu machen, um einander zuzuhören, einander anzusehen, einander zu würdigen, um die Beziehung zu stärken. Manchmal besteht das Problem im hektischen Rhythmus der Gesellschaft oder in den von den Arbeitsverpflichtungen vorgegebenen Zeiten. Andere Male besteht es darin, dass die gemeinsam verbrachte Zeit keine Qualität hat. Wir teilen nur einen physischen Raum, aber ohne aufeinander zu achten. Die in der Pastoral Tätigen und die Ehegruppen müssten den jungen oder zerbrechlichen Ehen helfen, damit sie lernen, in diesen Momenten einander zu begegnen, einer vor dem anderen innezuhalten und auch Momente des Schweigens miteinander zu teilen, die sie dazu bringen, die Gegenwart des Ehepartners zu empfinden.
225. Die Ehepaare, die eine gute Erfahrung eines Lernprozesses in diesem Sinn haben, können die praktischen Hilfsmittel weitergeben, die ihnen selbst nützlich waren: die Planung der Momente ungezwungenen Beisammenseins, die Zeiten der Erholung mit den Kindern, die verschiedenen Weisen, wichtige Dinge zu feiern, die Freiräume für gemeinsam gelebte Spiritualität. Aber sie können auch Mittel und Wege lehren, die helfen, diese Momente mit Inhalt und Sinn zu füllen, um zu lernen, besser miteinander zu kommunizieren. Das ist von höchster Bedeutung, wenn die Neuheit der Verlobungszeit verblasst ist. Wenn man nämlich nichts mit der gemeinsam verbrachten Zeit anzufangen weiß, wird schließlich der eine oder andere der beiden Ehepartner Zuflucht in der Technologie suchen, andere Verpflichtungen erfinden, andere Arme suchen oder der unbequemen Vertrautheit entfliehen.
226. Die jungen Ehepaare muss man auch anregen, eine eigene Alltagsroutine zu schaffen, die ein gesundes Gefühl von Stabilität und Halt vermittelt und die man mit einer Reihe von täglichen gemeinsamen Ritualen aufbaut. Es ist gut, den Morgen immer mit einem Kuss zu beginnen und jeden Abend einander zu segnen, auf den anderen zu warten und ihn zu empfangen, wenn er ankommt, manchmal zusammen auszugehen und die häuslichen Aufgaben gemeinsam zu erledigen. Zugleich ist es aber auch gut, die Routine durch das Fest zu unterbrechen, nicht die Fähigkeit zu verlieren, in der Familie zu feiern, sich zu freuen und die schönen Erfahrungen festlich zu begehen. Sie müssen gemeinsam über die Gaben Gottes staunen und gemeinsam die Begeisterung für das Leben nähren. Wenn man zu feiern versteht, erneuert diese Fähigkeit die Energie der Liebe, befreit sie von der Eintönigkeit und erfüllt die Alltagsroutine mit Farbe und Hoffnung.
227. Wir Hirten müssen die Familien ermutigen, im Glauben zu wachsen. Zu diesem Zweck ist es gut, sie zu häufigem Beichten, zu geistlicher Begleitung und zum Besuch von Einkehrtagen zu animieren. Man soll sie auch dazu anregen, wöchentliche Freiräume für das Gebet in der Familie zu schaffen, denn „die Familie, die vereint betet, bleibt vereint“. Manchmal, wenn wir die Familien besuchen, müssten wir alle Familienmitglieder für einen Moment zusammenrufen, um füreinander zu beten und um die Familie den Händen des Herrn anzuvertrauen. Zugleich ist es angebracht, die Ehegatten einzeln dazu aufzufordern, Gebetsmomente in der Einsamkeit vor Gott zu halten, denn jeder hat seine geheimen Kreuze zu tragen. Warum sollte man Gott nicht erzählen, was das Herz umtreibt, oder von ihm die Kraft erbitten, die eigenen Wunden zu heilen, und das Licht erflehen, das man braucht, um das eigene Versprechen zu halten? Die Synodenväter betonten auch: » Das Wort Gottes ist Quelle des Lebens und der Spiritualität der Familie. Die betrachtende Lesung der Heiligen Schrift in Gemeinschaft mit der Kirche muss die Familienpastoral innerlich formen und die Mitglieder der Hauskirche bilden. Das Wort Gottes ist nicht nur eine frohe Botschaft für das Privatleben der Menschen, sondern auch ein Urteilskriterium und ein Licht der Unterscheidung der verschiedenen Herausforderungen, mit denen sich die Eheleute und Familien auseinandersetzen. «[252]
228. Es ist möglich, dass einer der beiden Ehegatten nicht getauft ist oder die Verbindlichkeiten des Glaubens nicht leben möchte. In diesem Fall bewirkt der Wunsch des anderen, als Christ zu leben und zu wachsen, dass die Gleichgültigkeit jenes Partners schmerzlich erlebt wird. Trotzdem ist es möglich, einige gemeinsame Werte zu finden, die miteinander geteilt und mit Begeisterung gepflegt werden können. Den ungläubigen Ehegatten zu lieben, ihn glücklich zu machen, seine Leiden zu lindern und das Leben mit ihm zu teilen ist in jedem Fall ein Weg der Heiligung. Andererseits ist die Liebe ein Geschenk Gottes, und dort, wo sie sich ergießt, lässt sie ihre verwandelnde Kraft spüren, manchmal auf geheimnisvolle Weise und bis zu dem Punkt, dass » der ungläubige Mann […] durch die Frau geheiligt [ist] und die ungläubige Frau […] durch ihren gläubigen Mann « (1 Kor 7,14).
229. Die Pfarreien, die Bewegungen, die Schulen und andere Einrichtungen der Kirche können Hilfestellung leisten, um die Familien zu betreuen und neu zu beleben. Zum Beispiel durch Mittel wie Versammlungen von benachbarten oder befreundeten Ehepaaren, kurze Einkehrtage für Ehepaare, Vorträge von Spezialisten über ganz konkrete Problemkreise des Familienlebens, Eheberatungs-Zentren; durch missionarisch Tätige, die besonders dafür da sind, mit den Eheleuten über ihre Schwierigkeiten und Wünsche zu sprechen; durch Beratungsstellen für verschiedene familiäre Situationen (Sucht, Untreue, Gewalt in der Familie), durch Räume für Spiritualität, durch Workshops zur Ausbildung von Eltern mit schwierigen Kindern und durch Familienversammlungen. Das Pfarrsekretariat müsste bereit sein, familiäre Notfälle mit Herzlichkeit aufzunehmen und zu betreuen oder sie mühelos an jene weiterzuleiten, die ihnen helfen können. Es gibt auch eine pastorale Unterstützung, die in den Gruppen der Ehepaare gewährt wird, sowohl durch Hilfen als auch in Form von Mission, Gebet, Fortbildung oder gegenseitiger Unterstützung. Diese Gruppen bieten die Gelegenheit, zu geben, die Öffnung der Familie auf die anderen hin zu leben, den Glauben miteinander zu teilen, aber zugleich sind sie ein Mittel, um die Ehe zu stärken und wachsen zu lassen.
230. Es ist wahr, dass viele Brautleute nach der Hochzeit aus der christlichen Gemeinde verschwinden, doch oft verpassen wir einige Gelegenheiten, in denen sie wieder auftauchen und wir ihnen das Ideal der christlichen Ehe auf anziehende Weise erneut nahelegen und sie mit Formen der Begleitung in Kontakt bringen könnten. Ich beziehe mich zum Beispiel auf die Taufe eines Kindes, auf die Erstkommunion oder wenn sie an einem Trauergottesdienst oder an der Hochzeit eines Verwandten oder Freundes teilnehmen. Fast alle Ehepaare tauchen bei diesen Gelegenheiten wieder auf, die besser genutzt werden könnten. Ein anderer Weg der Annäherung ist die Segnung der Wohnungen oder der Besuch eines Marienbildes, welche die Gelegenheit bieten, ein seelsorgliches Gespräch über die Situation der Familie zu entwickeln. Es kann auch nützlich sein, reifere Ehepaare mit der Aufgabe zu betrauen, jung verheiratete Eheleute in ihrer Nachbarschaft zu begleiten, indem sie sie besuchen, sie in ihren Anfängen begleiten und ihnen einen Weg des Wachstums vorschlagen. Bei dem derzeitigen Lebensrhythmus wird die Mehrheit der Ehepaare nicht zu häufigen Treffen bereit sein, und wir können uns nicht auf eine Pastoral der kleinen Eliten beschränken. Heute muss die Familienpastoral grundsätzlich missionarisch sein, im Aufbruch, in der Umgebung, anstatt sich darauf zu beschränken, eine Werkstatt mit Kursen zu sein für die wenigen, die sie besuchen.
Licht in Krisen, Ängste und Schwierigkeiten tragen
231. Ein Wort sei an diejenigen gerichtet, die in ihrer Liebe den neuen Wein der Verlobungszeit schon haben ausreifen lassen. Wenn der Wein mit dieser Erfahrung des Weges reifer wird, dann erscheint die Treue der kleinen Momente des Lebens und erblüht in ihrer ganzen Fülle. Es ist die Treue der Erwartung und der Geduld. Diese Treue voller Opfer und Freuden blüht gleichsam auf in dem Lebensabschnitt, in dem alles zur Reife des Alters gelangt und die Augen bei der Betrachtung der Kindeskinder zu glänzen beginnen. Treu war diese Liebe von Anfang an, doch sie ist jetzt bewusst geworden, hat sich gesetzt und ist gereift in der täglichen Überraschung – Tag für Tag, Jahr für Jahr. Wie der heilige Johannes vom Kreuz lehrte, » sind die alten Liebenden die […] erfahrenen und erprobten; sie gären nicht mehr in sinnenhaften Wallungen, in stürmischen Brünsten nach außen; sie genießen die Lieblichkeit des durchklärten Weines der Liebe […] die tief im Wesen der Seele abgelagert ist. «[253] Das setzt voraus, dass man fähig war, gemeinsam die Krisen und die Zeiten der Angst zu überstehen, ohne vor den Herausforderungen zu fliehen und die Schwierigkeiten zu verbergen.
Die Herausforderung der Krisen
232. Die Geschichte einer Familie ist durchfurcht von Krisen aller Art, die auch Teil ihrer dramatischen Schönheit sind. Man muss helfen zu entdecken, dass eine überwundene Krise nicht zu einer weniger intensiven Beziehung führt, sondern dazu, den Wein der Verbindung zu verbessern, sich setzen und reifen zu lassen. Man lebt nicht zusammen, um immer weniger glücklich zu sein, sondern um zu lernen, in einer neuen Weise glücklich zu sein, ausgehend von den Möglichkeiten, die jede neue Phase erschließt. Jede Krise bedeutet eine Lehrzeit, die erlaubt, die Intensität des miteinander geteilten Lebens zu vertiefen oder zumindest einen neuen Sinn in der Eheerfahrung zu finden. Unter keinen Umständen darf man sich mit einer absteigenden Entwicklung, einer zwangsläufigen Verschlechterung, mit einer erträglichen Mittelmäßigkeit abfinden. Im Gegenteil, wenn man die Ehe als eine Aufgabe annimmt, die auch bedeutet, Hindernisse zu überwinden, wird jede Krise als eine Gelegenheit erkannt, dahin zu gelangen, gemeinsam den besseren Wein zu trinken. Es ist gut, die Eheleute zu begleiten, damit sie die Krisen, in die sie geraten, hinnehmen können und imstande sind, sich der Herausforderung zu stellen und sie zu einem Ort im Leben der Familie  zu machen. Die von der Erfahrung geprägten Ehepaare müssen bereit sein, andere in dieser Entdeckung so zu begleiten, dass die Krisen sie nicht erschrecken, noch sie dazu bringen, übereilte Entschlüsse zu fassen. Jede Krise birgt eine gute Nachricht, die zu hören man lernen muss, indem man das Ohr des Herzens verfeinert.
233. Die unmittelbare Reaktion ist, sich gegen die Herausforderung einer Krise zu sträuben und in die Defensive zu gehen, weil man spürt, dass sie der eigenen Kontrolle entgleitet, denn sie zeigt die Unzulänglichkeit der eigenen Lebensweise, und das stört. Dann greift man zu dem Mittel, die Probleme zu leugnen, sie zu verbergen, ihre Bedeutung zu relativieren, nur auf Zeit zu setzen. Doch das verzögert die Lösung und führt dazu, viel Energie für nutzlose Verdrängung zu verbrauchen, welche die Dinge immer noch weiter kompliziert. Die Bindungen werden mürbe, und es verstärkt sich eine Abschottung, welche die Vertrautheit schädigt. In einer nicht angenommenen Krise ist das, was am meisten beeinträchtigt wird, die Kommunikation. Auf diese Weise wird der, welcher „der Mann, den ich liebe“ war, nach und nach „mein Gefährte von jeher“, dann nur noch „der Vater meiner Kinder“ und schließlich ein Fremder, bzw. „die Frau, die ich liebe“ wird über die gleichen Abstufungen schließlich zu einer Fremden.
234. Um einer Krise zu begegnen, muss man präsent sein. Das ist schwierig, denn manchmal isolieren sich die Menschen, um nicht zu zeigen, was sie empfinden; sie ziehen sich ins kleinliche und trügerische Schweigen zurück. In diesen Momenten ist es notwendig, Räume zu schaffen, um sich von Herz zu Herz auszutauschen. Das Problem ist, dass es schwieriger wird, sich in einem Moment der Krise so auszutauschen, wenn man diesen Austausch nie gelernt hat. Es ist eine wirkliche Kunst, die man in Zeiten der Ruhe lernt, um sie in schwierigen Zeiten anzuwenden. Man muss helfen, die verborgensten Ursachen in den Herzen der Ehepartner aufzuspüren und sie anzugehen wie eine Geburt, die vorübergehen und einen neuen Schatz hinterlassen wird. Doch die Antworten auf die durchgeführten Befragungen machten deutlich, dass die Mehrheit sich in schwierigen oder kritischen Situationen nicht an eine pastorale Begleitung wendet, weil sie diese nicht als verständnisvoll, nahe, realistisch und „inkarniert“ empfindet. Darum versuchen wir jetzt, den Ehekrisen mit einem Blick näherzukommen, der ihre Last an Schmerz und Angst nicht übersieht.
235. Es gibt allgemeine Krisen, die gewöhnlich in allen Ehen vorkommen, wie die Anfangskrise, wenn man lernen muss, die Unterschiede in Einklang zu bringen und sich von den Eltern zu lösen; oder die Krise der Ankunft des Kindes mit ihren neuen emotionalen Herausforderungen; die Krise seines Heranwachsens, das die Gewohnheiten des Ehepaares ändert; die Krise der Pubertät des Kindes, die viele Energien erfordert, die Eltern aus dem Gleichgewicht bringt und sie manchmal entzweit; die Krise des „leeren Nestes“, die das Ehepaar dazu zwingt, sich wieder selbst in den Blick zu nehmen; die Krise, die ihren Ursprung in der Betagtheit der Eltern der Ehepartner hat, die mehr Gegenwart, mehr Betreuung und schwierige Entscheidungen fordern. Das sind anspruchsvolle Situationen, die Ängste, Schuldgefühle, Depressionen oder Erschöpfungszustände auslösen, welche die Bindung schwer in Mitleidenschaft ziehen können.
236. Dazu kommen die persönlichen Krisen, die mit wirtschaftlichen, arbeitsbedingten, affektiven, sozialen und spirituellen Schwierigkeiten verbunden sind und sich auf das Paar auswirken. Und es gesellen sich unerwartete Umstände dazu, die das Familienleben verändern können und einen Weg der Vergebung und Versöhnung erfordern. Gleichzeitig mit dem Versuch, den Schritt zur Versöhnung zu tun, muss jeder sich mit ungetrübter Demut fragen, ob er nicht die Bedingungen geschaffen hat, die den anderen der Gefahr, gewisse Fehler zu begehen, aussetzen. Einige Familien gehen unter, wenn die Ehegatten sich gegenseitig beschuldigen, doch » die Erfahrung zeigt, dass ein großer Prozentsatz der Ehekrisen durch eine angemessene Hilfe und die versöhnende Kraft der Gnade in zufriedenstellender Weise überwunden werden. Vergeben können und Vergebung erfahren ist eine grundlegende Erfahrung des Familienlebens «.[254]» Die mühevolle Kunst der Versöhnung, die der Unterstützung der Gnade bedarf, erfordert die großherzige Mitarbeit von Verwandten und Freunden und manchmal auch einer professionellen Hilfe von außen. «[255]
237. Es geschieht immer häufiger, dass einer, wenn er das Gefühl hat, nicht das zu bekommen, was er sich wünscht, oder dass sich nicht erfüllt, was er sich erträumte, dies als ausreichend betrachtet, um die Ehe zu beenden. So wird er nie eine dauerhafte Ehe haben. Manchmal reicht für die Entscheidung, dass alles zu Ende ist, eine Unzufriedenheit, eine Abwesenheit in einem Moment, in dem man den anderen gebraucht hätte, ein verletzter Stolz oder eine unklare Befürchtung. Es gibt Situationen, die zu der unvermeidlichen menschlichen Schwachheit gehören und denen ein übermäßig großes gefühlsmäßiges Gewicht beigemessen wird. Zum Beispiel das Gefühl, nicht die vollkommene Erwiderung zu erfahren; die Eifersucht; die Verschiedenheiten, die zwischen den beiden auftauchen; die Attraktion durch andere Menschen; die neuen Interessen, die dazu neigen, sich des Herzens zu bemächtigen; die physischen Veränderungen des Gatten bzw. der Gattin und viele andere Dinge, die weniger Angriffe auf die Liebe sind als vielmehr Gelegenheiten, die dazu einladen, sie einmal mehr neu zum Leben zu erwecken.
238. Unter diesen Umständen haben manche die nötige Reife, um den anderen – unabhängig von den Einschränkungen der Beziehung – erneut als Weggefährten zu wählen, und akzeptieren mit Realismus, dass er nicht alle gehegten Träume befriedigen kann. Sie vermeiden, sich nur als die Märtyrer anzusehen, nutzen die kleinen oder begrenzten Möglichkeiten, die ihnen das Familienleben bietet, und setzen darauf, die Bindung zu stärken in einem Bau, der Zeit und Mühen erfordern wird. Denn im Grunde erkennen sie, dass jede Krise wie ein neues „Ja“ ist, das es möglich macht, dass die Liebe gestärkt, verwandelt, gereift und erleuchtet neu geboren wird. Von einer Krise ausgehend, hat man den Mut, die tiefen Wurzeln dessen zu suchen, was geschieht, wieder über die Grundvereinbarungen zu verhandeln, ein neues Gleichgewicht zu finden und gemeinsam eine neue Phase zu durchschreiten. Mit dieser Haltung einer ständigen Offenheit kann man viele schwierige Situationen bewältigen! Aufgrund der Erkenntnis, dass die Versöhnung möglich ist, erscheint jedenfalls heute » ein Dienst, der sich denen widmet, deren eheliche Beziehung zerbrochen ist, […] besonders dringend «.[256]
Alte Wunden
 
239. Es ist verständlich, dass es in den Familien viele Krisen gibt, wenn eines ihrer Mitglieder seine Art, in Beziehung zu treten, nicht voll entwickelt hat, weil es die Wunden aus irgendeinem Abschnitt seines Lebens nicht hat ausheilen lassen. Eine schlecht erlebte Kindheit oder Jugendzeit ist ein Nährboden für persönliche Krisen, die schließlich die Ehe in Mitleidenschaft ziehen. Wenn alle normal gereifte Menschen wären, wären Krisen weniger häufig und weniger schmerzlich. Tatsache ist aber, dass manchmal Menschen im Alter von vierzig Jahren eine noch ausstehende Reifung durchmachen müssen, die mit dem Abschluss ihrer Jugendzeit hätte erreicht sein sollen. Manchmal liebt man mit einer dem Kind eigenen egozentrischen Liebe, die in einer Phase steckengeblieben ist, wo die Realität sich verzerrt und man in der kapriziösen Vorstellung lebt, dass alles sich um das eigene Ich dreht. Es ist eine unersättliche Liebe, die schreit oder weint, wenn sie nicht erhält, was sie sich wünscht. Andere Male wird mit einer Liebe geliebt, die in der pubertären Phase steckengeblieben und von Konfrontation, bissiger Kritik, von der Gewohnheit, die anderen zu beschuldigen, und von der Logik des Gefühls und der Fantasie geprägt ist, wo die anderen die eigene Leere füllen oder sich nach den eigenen Launen richten müssen.
240. Viele beenden ihre Kindheit, ohne jemals gespürt zu haben, dass sie bedingungslos geliebt werden, und das schädigt die Fähigkeit, zu vertrauen und sich hinzugeben. Eine schlecht gelebte Beziehung zu den eigenen Eltern und Geschwistern, die nie geheilt wurde, taucht wieder auf und schädigt das Eheleben. Dann muss man einen Prozess der Befreiung durchmachen, dem man sich noch nie gestellt hat. Wenn die Beziehung zwischen den Eheleuten nicht gut funktioniert, sollte man, bevor man wichtige Entscheidungen fällt, sicherstellen, dass jeder der beiden diesen Weg der Heilung der eigenen Geschichte gegangen ist. Das erfordert, die Notwendigkeit der Heilung einzusehen, eindringlich die Gnade zu erbitten, vergeben und um Vergebung bitten zu können, Hilfe anzunehmen, positive Beweggründe zu suchen und das alles immer wieder neu zu versuchen. Jeder muss mit sich selbst sehr ehrlich sein, um zu erkennen, dass seine Art, die Liebe zu leben, diese Formen der Unreife besitzt. So sehr es auch offensichtlich erscheinen mag, dass die ganze Schuld beim anderen liegt, ist es doch niemals möglich, eine Krise zu überwinden, wenn man erwartet, dass nur der andere sich ändert. Man muss sich auch nach den Dingen fragen, in denen man selber reifen oder ausheilen könnte, um die Überwindung des Konfliktes zu fördern.
Begleiten nach Brüchen und Scheidungen
241. In einigen Fällen verlangt die Geltendmachung der eigenen Würde und des Wohls der Kinder, dass den übertriebenen Ansprüchen des anderen, einer großen Ungerechtigkeit, der Gewalt oder einem chronisch gewordenen Mangel an Achtung eine unverrückbare Grenze gesetzt wird. Man muss zugeben, » dass es Fälle gibt, in denen die Trennung unvermeidlich ist. Manchmal kann sie sogar moralisch notwendig werden, wenn es darum geht, den schwächeren Ehepartner oder die kleinen Kinder vor schlimmeren Verletzungen zu bewahren, die von Überheblichkeit und Gewalt, von Demütigung und Ausbeutung, von Nichtachtung und Gleichgültigkeit verursacht werden «.[257] Sie muss jedoch » als ein äußerstes Mittel angesehen werden, nachdem jeder andere vernünftige Versuch sich als vergeblich erwiesen hat «.[258]
242. Die Synodenväter wiesen darauf hin, dass » ein besonderes Urteilsvermögen […] unerlässlich [ist], um die Getrenntlebenden, die Geschiedenen und die Verlassenen pastoral zu begleiten. Vor allem muss das Leid derer angenommen und geachtet werden, die ungerechterweise Trennung oder Scheidung erlitten haben, die verlassen wurden oder wegen Misshandlungen durch den Ehepartner gezwungen waren, das Zusammenleben aufzugeben. Die Vergebung des erlittenen Unrechts ist nicht einfach, sie ist aber ein Weg, den die Gnade möglich macht. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit einer Pastoral der Versöhnung und der Mediation, auch durch besondere Beratungsstellen, die in den Diözesen einzurichten sind. «[259] Zugleich müssen » nicht wiederverheiratete Geschiedene, die oft Zeugen der ehelichen Treue sind, […] ermutigt [werden], in der Eucharistie die Nahrung zu finden, die sie in ihrer Lebensform stärkt. Die Gemeinde vor Ort und die Hirten müssen diese Menschen fürsorglich begleiten, vor allem wenn Kinder vorhanden sind, oder sie unter schwerer Armut leiden. «[260] Ein familiäres Scheitern wird noch viel traumatischer und schmerzlicher, wenn Armut herrscht, denn dann gibt es viel weniger Hilfsmittel, um das Leben neu zu ordnen. Ein armer Mensch, der den Schutzraum der Familie verliert, ist der Verwahrlosung und allen Arten von Gefahren für seine Integrität doppelt ausgesetzt.
243. Was die Geschiedenen in neuer Verbindung betrifft, ist es wichtig, sie spüren zu lassen, dass sie Teil der Kirche sind, dass sie » keineswegs exkommuniziert « sind und nicht so behandelt werden, weil sie immer Teil der kirchlichen Communio sind.[261] Diese Situationen » verlangen eine aufmerksame Unterscheidung und von großem Respekt gekennzeichnete Begleitung, die jede Ausdrucksweise und Haltung vermeidet, die sie als diskriminierend empfinden könnten. Stattdessen sollte ihre Teilnahme am Leben der Gemeinschaft gefördert werden. Diese Fürsorge bedeutet für das Leben der christlichen Gemeinschaft keine Schwächung ihres Glaubens und ihres Zeugnisses im Hinblick auf die Unauflöslichkeit der Ehe. Im Gegenteil, sie bringt gerade in dieser Fürsorge ihre Nächstenliebe zum Ausdruck. «[262]
244.  Andererseits hat ein großer Teil der Synodenväter » die Notwendigkeit unterstrichen, die Verfahren zur Anerkennung der Nichtigkeit einer Ehe zugänglicher und schneller zu gestalten und möglicherweise ganz auf Gebühren zu verzichten «.[263] Die Langsamkeit der Prozesse ärgert und ermüdet die Menschen. Meine beiden jüngsten Dokumente zu diesem Thema[264] haben zu einer Vereinfachung der Verfahren für eine eventuelle Erklärung der Nichtigkeit einer Ehe geführt. Durch sie wollte ich auch mit Klarheit feststellen, » dass der Bischof selbst in seiner Kirche, für die er zum Hirten und zum Haupt bestellt ist, Richter der ihm anvertrauten Gläubigen ist «.[265]» Die Umsetzung dieser Dokumente stellt folglich eine große Verantwortung für die Diözesanbischöfe dar, die aufgerufen sind, selbst einige Verfahren zu beurteilen und in jedem Fall den Gläubigen einen einfacheren Zugang zur Justiz zu gewährleisten. Das impliziert die Ausbildung von genügend Fachpersonal – bestehend aus Geistlichen und Laien –, das sich vorrangig diesem kirchlichen Dienst widmet. Es wird daher erforderlich sein, den Menschen, die getrennt leben, oder den Paaren, die eine Krise durchleben, einen mit der Familienpastoral verbundenen Informations-, Beratungs- und Schlichtungsdienst zur Verfügung zu stellen, der auch hinsichtlich der Voruntersuchung (vgl. Mitis Iudex Dominus Iesus, Art. 2-3) zur Verfügung steht. «[266]
245. Die Synodenväter haben auch » die Folgen der Trennung oder der Scheidung für die Kinder « hervorgehoben, » die in jedem Fall unschuldige Opfer der Situation sind «.[267] Über allen Erwägungen, die man anstellen mag, sind sie die erste Sorge, die durch keinerlei andere Interessen und Ziele getrübt werden darf. Die getrennten Eltern bitte ich: » Ihr dürft das Kind nie, nie, nie als Geisel nehmen! Aufgrund vieler Schwierigkeiten und aus vielerlei Gründen habt ihr euch getrennt. Das Leben hat euch diese Prüfung auferlegt, aber die Kinder dürfen nicht die Last dieser Trennung tragen, sie dürfen nicht als Geisel gegen den anderen Ehepartner benutzt werden. Während sie aufwachsen, müssen sie hören, dass die Mutter gut über den Vater spricht, auch wenn sie nicht zusammen sind, und dass der Vater gut über die Mutter spricht. «[268] Es ist unverantwortlich, das Bild des Vaters oder der Mutter zu schädigen mit dem Ziel, die Zuneigung des Kindes zu monopolisieren, um sich zu rächen oder um sich zu verteidigen, denn das verletzt das Innenleben dieses Kindes und wird Wunden hervorrufen, die schwer zu heilen sind.
246. Auch wenn die Kirche Verständnis hat für die Konfliktsituationen, welche die Ehen durchmachen müssen, darf sie doch nicht aufhören, Stimme der Schwächsten zu sein: der Kinder, die leiden, oft im Stillen. » Trotz unserer scheinbar weit entwickelten Sensibilität und all unserer raffinierten psychologischen Analysen frage ich mich, ob wir nicht auch für die seelischen Wunden der Kinder taub sind […] Spüren wir das Gewicht des Berges, der die Seele eines Kindes erdrückt in den Familien, in denen man einander schlecht behandelt und einander wehtut, bis hin zum Zerreißen des Bandes ehelicher Treue? «[269]  Diese schlechten Erfahrungen tragen nicht dazu bei, dass diese Kinder reifen, um zu wirklichen, definitiven Verbindlichkeiten fähig zu sein. Darum dürfen die christlichen Gemeinden die geschiedenen Eltern in neuer Verbindung nicht alleine lassen. Im Gegenteil, sie müssen sie einschließen und in ihrer Erziehungsaufgabe begleiten. Denn » wie können wir im Übrigen diesen Eltern raten, alles zu tun, um die Kinder zum christlichen Leben zu erziehen und ihnen Vorbild eines überzeugten und praktizierten Glaubens zu sein, wenn wir sie vom Leben der Gemeinde fernhalten, so als wären sie exkommuniziert? Man muss dafür sorgen, dass ihnen keine weiteren Lasten aufgebürdet werden über jene hinaus, die die Kinder in diesen Situationen bereits zu tragen haben! «[270]  Den Eltern zu helfen, ihre Wunden zu heilen, und ihnen spirituell beizustehen, kommt auch den Kindern zugute: Sie brauchen das familiäre Gesicht der Kirche, die ihnen in dieser traumatischen Erfahrung Halt gibt. Die Scheidung ist ein Übel, und es ist sehr beunruhigend, dass die Anzahl der Scheidungen zunimmt. Darum besteht zweifellos unsere wichtigste pastorale Aufgabe in Bezug auf die Familien darin, die Liebe zu stärken und zur Heilung der Wunden beizutragen, so dass wir dem Vordringen dieses Dramas unserer Zeit vorbeugen können.
Einige komplexe Situationen
247. » Die Probleme bezüglich der konfessionsverschiedenen Ehen erfordern besondere Aufmerksamkeit. „Die Ehen zwischen Katholiken und anderen Getauften weisen jedoch, wenn auch in ihrer besonderen Eigenart, zahlreiche Elemente auf, die es zu schätzen und zu entfalten gilt, sei es wegen ihres inneren Wertes, sei es wegen des Beitrags, den sie in die ökumenische Bewegung einbringen können“. Daher soll „ein herzliches Zusammenwirken zwischen den katholischen und nichtkatholischen Geistlichen angestrebt werden, und zwar schon bei der Vorbereitung auf die Ehe und die Trauung“ (Familiaris consortio, 78). Was die gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie betrifft, wird in Erinnerung gerufen, dass „die Entscheidung über die Zulassung oder die Nichtzulassung des nichtkatholischen Teils zur eucharistischen Kommunion in Übereinstimmung mit den bestehenden allgemeinen Normen auf diesem Gebiet zu treffen [ist], sei es für die orientalischen Christen, sei es für die anderen Christen. Dabei ist der besonderen Situation Rechnung zu tragen, die dadurch gegeben ist, dass zwei getaufte Christen das christliche Ehesakrament empfangen. Obgleich den Gatten einer bekenntnisverschiedenen Ehe die Sakramente der Taufe und der Ehe gemeinsam sind, kann die gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie nur im Ausnahmefall erfolgen, und man muss in jedem einzelnen Fall die oben erwähnten Normen […] beachten“  (Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Direktorium zur Ausführung der Prinzipien und Normen über den Ökumenismus [25. März 1993], 159. 160). «[271]
248.  »Religionsverschiedene Ehen stellen einen bevorzugten Ort für den interreligiösen Dialog « dar. Sie » bringen einige besondere Schwierigkeiten mit sich, sowohl im Hinblick auf die christliche Identität der Familie, als auch auf die religiöse Erziehung der Kinder […] Die sowohl in den Missionsgebieten als auch in Ländern mit langer christlicher Tradition steigende Zahl von Familien, denen eine religionsverschiedene Ehe zu Grunde liegt, verdeutlicht die dringende Notwendigkeit, für eine den verschiedenen sozialen und kulturellen Zusammenhängen entsprechende differenzierte Seelsorge zu sorgen. In einigen Ländern, in denen keine Religionsfreiheit herrscht, ist der christliche Ehepartner verpflichtet, zu einer anderen Religion überzutreten, um heiraten zu können, und kann weder mit Dispens eine kirchliche Trauung feiern, noch die Kinder taufen lassen. Wir müssen daher die Notwendigkeit bekräftigen, dass die Religionsfreiheit allen gegenüber respektiert wird. «[272] Es ist » erforderlich, den Menschen, die sich in solchen Ehen verbinden, besondere Aufmerksamkeit zu schenken, nicht nur in der Zeit vor der Eheschließung. Besonderen Herausforderungen sehen sich die Ehepaare und Familien gegenüber, in denen ein Partner katholisch und der andere nicht gläubig ist. In solchen Fällen ist es notwendig, zu bezeugen, dass das Evangelium sich auf diese Situationen einlassen kann, um die Erziehung der Kinder zum christlichen Glauben zu ermöglichen. «[273] 
249. »Besondere Schwierigkeiten bereiten die Situationen, welche die Zulassung von Menschen zur Taufe betreffen, die sich im Hinblick auf die Ehe in einer komplexen Lage befinden. Es handelt sich um Menschen, die zu einer Zeit eine feste eheliche Vereinigung eingegangen sind, in der wenigstens einer der Partner den christlichen Glauben noch nicht kannte. Die Bischöfe sind aufgerufen, in diesen Fällen eine pastorale Unterscheidung vorzunehmen, die auf das geistliche Wohl der Eheleute ausgerichtet ist. «[274]
250. Die Kirche passt ihre Haltung Jesus, dem Herrn, an, der sich in grenzenloser Liebe für jeden Menschen, ohne Ausnahme, geopfert hat.[275] Mit den Synodenvätern habe ich die Situation von Familien bedacht, welche die Erfahrung machen, dass in ihrer Mitte Menschen mit homosexueller Orientierung leben – eine Erfahrung, die nicht leicht ist, sowohl für die Eltern, als auch für die Kinder. Darum möchten wir vor allem bekräftigen, dass jeder Mensch, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung, in seiner Würde geachtet und mit Respekt aufgenommen werden soll und sorgsam zu vermeiden ist, ihn » in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen «[276] oder ihm gar mit Aggression und Gewalt zu begegnen. In Bezug auf die Familien kommt es hingegen darauf an, eine respektvolle Begleitung zu gewährleisten, damit diejenigen, welche die homosexuelle Tendenz zeigen, die notwendigen Hilfen bekommen können, um den Willen Gottes in ihrem Leben zu begreifen und ganz zu erfüllen.[277]
251. Im Laufe der Debatte über die Würde und die Mission der Familie haben die Synodenväter angemerkt: » Was die Pläne betrifft, die Verbindungen zwischen homosexuellen Personen der Ehe gleichzustellen, gibt es keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn. « Es ist unannehmbar, » dass auf die Ortskirchen in dieser Frage Druck ausgeübt wird und dass die internationalen Organisationen Finanzhilfen für arme Länder von einer Einführung der „Ehe“ unter Personen des gleichen Geschlechts in ihrer Gesetzgebung abhängig machen «.[278]
252. Familien mit nur einem Elternteil entstehen oft durch » leibliche Mütter oder Väter, die sich nie in das Familienleben einfügen wollten; Situationen der Gewalt, aus der eines der Elternteile mit den Kindern fliehen musste; Tod eines Elternteils; Verlassen der Familie seitens eines Elternteils oder ähnliche Situationen. Welches auch immer der Grund ist, der Elternteil, der mit dem Kind zusammenwohnt, muss Unterstützung und Trost bei den anderen Familien finden, welche die christliche Gemeinschaft bilden, sowie auch bei den pastoralen Einrichtungen der Pfarrei. Diese Familien werden oftmals zusätzlich durch schwere wirtschaftliche Probleme, eine unsichere Arbeitssituation, die Schwierigkeit, für den Unterhalt der Kinder zu sorgen, oder das Fehlen einer Wohnung belastet. «[279]
Wenn der Stachel des Todes eindringt
253. Manchmal sieht sich das Familienleben herausgefordert durch den Tod eines geliebten Menschen. Wir müssen hier das Licht des Glaubens anbieten, um die Familien zu begleiten, die in diesen Momenten leiden.[280] Eine Familie zu verlassen, wenn sie durch einen Tod verletzt ist, wäre ein schwerer Mangel an Barmherzigkeit und bedeutete, eine Gelegenheit zu verpassen, wo Pastoral gefragt ist. So eine Haltung kann uns für jede andere Initiative der Evangelisierung die Türen verschließen.
   254. Ich verstehe die Beklommenheit dessen, der einen sehr geliebten Menschen verloren hat, einen Ehegatten bzw. eine Ehegattin, mit dem bzw. der man so viele Dinge geteilt hat. Jesus selbst war zutiefst erschüttert und weinte bei der Totenwache für einen Freund (vgl. Joh 11,33.35). Und wie könnte man nicht die Klage derer verstehen, die ein Kind verloren haben? Denn es » ist so, als würde die Zeit stehenbleiben: Ein Abgrund tut sich auf, der die Vergangenheit und auch die Zukunft verschlingt […] Und manchmal gibt man sogar Gott die Schuld. Wie viele Menschen – ich verstehe sie – sind wütend auf Gott. «[281] » Die Verwitwung [stellt] eine besonders schwierige Erfahrung dar […] In dem Moment, in dem sie diese Erfahrung durchleben müssen, zeigen einige, dass es möglich ist, die eigenen Kräfte mit noch mehr Hingabe den Kindern und Enkeln zu schenken, und finden in dieser Erfahrung der Liebe eine neue erzieherische Sendung […] Diejenigen, die nicht auf die Gegenwart von Angehörigen zählen können, denen sie sich widmen und von denen sie Liebe und Nähe erhalten können, müssen von der christlichen Gemeinschaft durch besondere Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft unterstützt werden, vor allem, wenn sie bedürftig sind. «[282]
255. Im Allgemeinen erfordert die Trauer für die Verstorbenen ziemlich viel Zeit, und wenn ein Seelsorger diesen Prozess begleiten will, muss er sich an die Bedürfnisse jeder einzelnen Phase anpassen. Der gesamte Prozess ist von Fragen durchzogen: nach den Ursachen des Todes; danach, was man hätte tun können; nach dem, was ein Mensch im Moment vor seinem Tod erlebt. Durch einen ehrlichen und geduldigen Weg des Gebetes und der inneren Befreiung kehrt der Friede zurück. Irgendwann während der Trauer muss man zu der Einsicht verhelfen, dass wir, wenn wir einen geliebten Menschen verloren haben, immer noch eine Aufgabe zu erfüllen haben und dass es uns nicht gut tut, das Leiden in die Länge ziehen zu wollen, als sei das eine Huldigung. Der geliebte Mensch hat weder unser Leiden nötig, noch erweist es sich für ihn als schmeichelhaft, wenn wir unser Leben ruinieren. Ebenso wenig ist es der beste Ausdruck der Liebe, jeden Moment an ihn zu denken und ihn zu erwähnen, denn das bedeutet, von einer Vergangenheit abhängig zu sein, die nicht mehr existiert, anstatt diesen realen Menschen zu lieben, der sich jetzt im Jenseits befindet. Seine physische Gegenwart ist nicht mehr möglich, doch wenn der Tod auch mächtig ist: » Stark wie der Tod ist die Liebe « (Hld 8,6). Die Liebe besitzt eine Intuition, die ihr erlaubt, das Lautlose zu hören und das Unsichtbare zu sehen. Das bedeutet nicht, sich den geliebten Menschen so vorzustellen, wie er war, sondern ihn verwandelt anzunehmen, wie er jetzt ist. Als Jesu Freundin Maria ihn nach seiner Auferstehung fest in die Arme schließen wollte, bat er sie, ihn nicht anzurühren (vgl. Joh 20, 17), um sie zu einer anderen Art der Begegnung zu führen.
256. Es tröstet uns, zu wissen, dass es keine vollständige Vernichtung derer gibt, die sterben, und der Glaube versichert uns, dass der Auferstandene uns nie verlassen wird. So können wir den Tod daran hindern, » unser Leben zu vergiften, unsere Bindungen zu zerstören, uns in die finsterste Leere fallen zu lassen «.[283]  Die Bibel spricht von einem Gott, der uns aus Liebe geschaffen und uns so gemacht hat, dass unser Leben nicht mit dem Tod endet (vgl. Weish 3,2-3). Der heilige Paulus spricht uns von einer Begegnung mit Christus unmittelbar nach dem Tod: » Ich sehne mich danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein « (Phil 1,23). Mit ihm erwartet uns nach dem Tod » das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben « (1 Kor 2,9). Die Präfation in der Liturgie für die Verstorbenen formuliert das sehr schön: » Bedrückt uns auch das Los des sicheren Todes, so tröstet uns doch die Verheißung der künftigen Unsterblichkeit. Denn deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen. «  Denn » unsere Angehörigen sind nicht in der Finsternis des Nichts verschwunden: Die Hoffnung versichert uns, dass sie in den guten und starken Händen Gottes sind «.[284]
257. Eine Weise, mit unseren verstorbenen Lieben in Kontakt zu bleiben, besteht darin, für sie zu beten.[285]  Die Bibel sagt, dass » für die Toten zu beten […] ein heiliger und frommer Gedanke « ist (2 Makk 12,44-45). Für sie zu beten » kann nicht nur ihnen selbst helfen: Wenn ihnen geholfen ist, kann auch ihre Fürbitte für uns wirksam werden. «[286] Die Offenbarung des Johannes zeigt die Märtyrer, wie sie für diejenigen Fürbitte einlegen, die unter der Ungerechtigkeit auf der Erde leiden (vgl. 6,9-11), in Solidarität mit dieser Welt, die unterwegs ist. Einige Heilige trösteten vor ihrem Tod ihre Lieben, indem sie ihnen versprachen, ihnen mit ihrer Hilfe nahe zu sein. Die heilige Thérèse von Lisieux spürte, dass sie vom Himmel aus weiter Gutes tun werde.[287]  Der heilige Dominikus bekräftigte, er werde » nach dem Tode nützlicher sein […] mächtiger, Gnaden zu erhalten «.[288] Es sind Bande der Liebe,[289] denn » die Einheit der Erdenpilger mit den Brüdern, die im Frieden Christi entschlafen sind, hört keineswegs auf, wird vielmehr […] gestärkt durch die Mitteilung geistlicher Güter «.[290]
258. Wenn wir den Tod akzeptieren, können wir uns auf ihn vorbereiten. Der Weg besteht darin, in der Liebe zu denen, die mit uns unterwegs sind, zu wachsen bis zu dem Tag, da » der Tod […] nicht mehr sein [wird], keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal « (Offb 21,4). Auf diese Weise bereiten wir uns auch darauf vor, den geliebten Menschen, die bereits gestorben sind, wieder zu begegnen. Jesus, der den Sohn, der gestorben war, » seiner Mutter zurück[gab] « (Lk 7,15), wird mit uns ähnlich handeln. Verschleißen wir keine Energien damit, uns Jahre um Jahre in der Vergangenheit aufzuhalten. Je besser wir auf dieser Erde leben, umso mehr Glück werden wir mit unseren Lieben im Himmel teilen können. Je besser es uns gelingt, zu reifen und zu wachsen, umso mehr schöne Dinge werden wir ihnen für das himmlische Gastmahl mitbringen können.

Siebentes Kapitel
DIE ERZIEHUNG DER KINDER STÄRKEN
259. Die Eltern beeinflussen immer die moralische Entwicklung ihrer Kinder – zum Guten oder zum Schlechten. Deswegen ist es am besten, wenn sie diese unausweichliche Aufgabe akzeptieren und sie bewusst, begeistert, vernünftig und sachgerecht erfüllen. Da diese Erziehungsaufgabe der Familien so bedeutend ist und sehr kompliziert geworden ist, möchte ich speziell auf diesen Punkt ausführlicher eingehen.
Wo sind die Kinder?
260. Die Familie darf nicht aufhören, ein Ort des Schutzes, der Begleitung, der Führung zu sein, auch wenn sie ihre Methoden neu erfinden und neue Mittel heranziehen muss. Man muss sich überlegen, welchen Dingen man seine Kinder aussetzen will. Darum ist es unumgänglich, sich zu fragen, wer sich darum kümmert, ihnen Spaß und Unterhaltung zu verschaffen, wer über die Bildschirme in ihre Wohnungen eindringt, welcher Führung man die Kinder in ihrer Freizeit überlässt. Allein die Momente, die wir mit ihnen verbringen, indem wir in Einfachheit und Liebe mit ihnen über wichtige Dinge sprechen, und die gesunden Möglichkeiten, die wir schaffen, damit sie ihre Zeit nutzen, werden erlauben, eine schädliche Invasion zu vermeiden. Stets bedarf es einer Aufsicht. Die Kinder sich selbst zu überlassen, ist niemals gesund. Die Eltern müssen ihre Kinder und Jugendlichen orientieren und vorbereiten, damit sie Situationen zu bewältigen wissen, in denen zum Beispiel die Gefahr von Aggressionen, von Missbrauch oder Drogenkonsum bestehen kann.
261. Übertriebene Sorge erzieht nicht und man kann nicht alle Situationen, in die ein Kind geraten könnte, unter Kontrolle haben. Hier gilt das Prinzip: » Die Zeit ist mehr wert als der Raum «.[291] Das heißt, es geht mehr darum, Prozesse auszulösen, als Räume zu beherrschen. Wenn ein Vater versessen darauf ist zu wissen, wo sein Sohn ist, und alle seine Bewegungen zu kontrollieren, wird er nur bestrebt sein, dessen Raum zu beherrschen. Auf diese Weise wird er ihn nicht erziehen, er wird ihn nicht stärken und ihn nicht darauf vorbereiten, Herausforderungen die Stirn zu bieten. Worauf es ankommt, ist vor allem, mit viel Liebe im Sohn Prozesse der Reifung seiner Freiheit, der Befähigung, des ganzheitlichen Wachstums und der Pflege der echten Selbständigkeit auszulösen. Nur so wird dieser Sohn in sich selbst die Elemente besitzen, die er braucht, um sich schützen zu können und um unter schwierigen Umständen klug und intelligent zu handeln. Die große Frage ist also nicht, wo das Kind sich physisch befindet, mit wem es in diesem Moment zusammen ist, sondern wo es sich in existenziellem Sinn befindet, wo es unter dem Gesichtspunkt seiner Überzeugungen, seiner Ziele, seiner Wünsche und seiner Lebenspläne steht. Darum lauten die Fragen, die ich an die Eltern stelle: » Versuchen wir zu verstehen, „wo“ die Kinder sich wirklich auf ihrem Weg befinden? Wissen wir, wo ihre Seele wirklich ist? Und vor allem: Wollen wir es wissen? «[292]
262. Wenn die Reifung nur in der Entfaltung von etwas bestünde, das von vornherein im genetischen Code enthalten ist, wäre nicht viel zu tun. Die Besonnenheit, das gute Urteilsvermögen und die Vernünftigkeit hängen nicht von bloß quantitativen Wachstumsfaktoren ab, sondern von einer ganzen Kette von Elementen, die im Innern der Person eine Synthese bilden, genauer gesagt: im Zentrum ihrer Freiheit. Es ist unvermeidlich, dass jedes Kind uns überrascht mit den Plänen, die aus dieser Freiheit aufkeimen und die unsere Vorstellungen durchkreuzen, und es ist gut, dass das geschieht. Die Erziehung schließt die Aufgabe ein, verantwortliche Freiheiten zu fördern, die in den entscheidenden Momenten mit Sinn und Verstand wählen; Personen, die ohne Vorbehalte verstehen, dass ihr Leben und das ihrer Gemeinschaft in ihren Händen liegt und dass diese Freiheit ein unermessliches Geschenk ist.
Die ethische Erziehung der Kinder
263. Auch wenn die Eltern die Schule brauchen, um eine grundlegende Bildung ihrer Kinder sicherzustellen, so können sie doch niemals ihre moralische Erziehung völlig aus der Hand geben. Die emotionale und ethische Entwicklung eines Menschen bedarf einer grundlegenden Erfahrung: daran zu glauben, dass die eigenen Eltern vertrauenswürdig sind. Das stellt eine Verantwortung auf dem Gebiet der Erziehung dar: mit der Zuneigung und dem eigenen Vorbild Vertrauen in den Kindern zu wecken, ihnen einen liebevollen Respekt einzuflößen. Wenn ein Kind nicht mehr spürt, dass es seinen Eltern kostbar ist, obwohl es unvollkommen ist, oder wenn es nicht wahrnimmt, dass sie ehrlich um es besorgt sind, erzeugt das tiefe Verwundungen, die viele Schwierigkeiten in seiner Reifung verursachen. Diese Abwesenheit, diese affektive Verlassenheit löst einen tiefer liegenden Schmerz aus als eine eventuelle Zurechtweisung, die es für eine schlechte Tat erhält.
264. Die Aufgabe der Eltern schließt eine Erziehung des Willens ein und eine Entwicklung guter Gewohnheiten und gefühlsmäßiger Neigungen zum Guten. Das bedeutet, dass man zu lernende Verhaltensweisen und zu entwickelnde Neigungen als etwas Begehrenswertes darstellt. Es handelt sich jedoch immer um einen Prozess, der vom Unvollkommenen zum Vollkommeneren voranschreitet. Der Wunsch, sich an die Gesellschaft anzupassen, oder die Gewohnheit, auf eine unmittelbare Befriedigung zu verzichten, um sich einer Regel zu fügen und ein gutes Zusammenleben zu sichern, ist bereits in sich selbst ein Anfangswert, der die innere Bereitschaft erzeugt, um dann zu höheren Werten zu kommen. Die moralische Erziehung muss immer mit aktiven Methoden und einem erzieherischen Dialog verwirklicht werden, der die Sensibilität der Kinder und ihren eigenen Sprachgebrauch aufnimmt. Außerdem muss diese Erziehung auf induktive Weise geschehen, so dass das Kind dazu gelangen kann, von sich aus die Bedeutung bestimmter Werte, Grundsätze und Regeln zu entdecken, anstatt dass sie ihm als unwiderlegbare Wahrheiten aufgezwungen werden.
265. Um gut zu handeln, reicht es nicht, „sachgemäß zu urteilen“ oder ganz klar zu wissen, was man tun muss – obschon das vorrangig ist. Oft sind wir inkonsequent mit unseren eigenen Überzeugungen, selbst wenn diese gefestigt sind. Sosehr unser Gewissen uns ein bestimmtes moralisches Urteil eingibt, haben hin und wieder andere uns anziehende Dinge mehr Macht, wenn wir es nicht erreicht haben, dass das vom Verstand erfasste Gute sich als tiefe gefühlsmäßige Neigung in uns eingewurzelt hat. Es ist dann wie ein Wohlgefallen am Guten, das schwerer wiegt als andere Attraktionen, und es führt uns zu der Einsicht, dass das, was wir als gut erfassen, auch „für uns“ hier und jetzt gut ist. Eine wirkungsvolle ethische Erziehung bedeutet, dem Menschen zu zeigen, wie weit es ihm selbst nützlich ist, gut zu handeln. Heute ist es gewöhnlich wirkungslos, etwas zu verlangen, das Anstrengung und Verzicht erfordert, ohne deutlich das Gute zu zeigen, das man damit erreichen kann.
266. Es ist notwendig, Gewohnheiten zu entwickeln. Auch die Angewohnheiten, die man sich seit der Kindheit angeeignet hat, haben eine positive Funktion, da sie dazu verhelfen, dass die großen verinnerlichten Werte sich in gesunden und gefestigten äußeren Verhaltensweisen niederschlagen. Es kann jemand eine verträgliche Gesinnung und eine gute Bereitschaft gegenüber den anderen haben, wenn er sich aber nicht über lange Zeit durch die Eindringlichkeit der Erwachsenen daran gewöhnt hat, „bitte“, „darf ich?“ und „danke“ zu sagen, wird seine gute innere Bereitschaft schwerlich in diesen Formen zum Ausdruck kommen. Die Stärkung des Willens und die Wiederholung bestimmter Handlungen bilden die moralische Grundhaltung, und ohne die bewusste, freie und gewürdigte Wiederholung bestimmter guter Verhaltensweisen kommt man mit der Erziehung zu besagter Grundhaltung nicht zum Ziel. Die Beweggründe oder die Attraktion, die wir einem bestimmten Wert gegenüber empfinden, werden nicht zu einer Tugend ohne diese in geeigneter Weise motivierten Taten.
267. Die Freiheit ist etwas Großartiges, doch wir können beginnen, sie zu verlieren. Die moralische Erziehung ist eine Schulung der Freiheit durch Vorschläge, Motivationen, praktische Anwendungen, Anregungen, Belohnungen, Beispiele, Vorbilder, Symbole, Reflexionen, Ermahnungen, Überprüfungen der Handlungsweise und Dialoge, die den Menschen bei der Entwicklung jener festen inneren Grundsätze helfen, die sie dazu bewegen, spontan das Gute zu tun. Die Tugend ist eine in ein tragfähiges inneres Handlungsprinzip verwandelte Überzeugung. Folglich baut das tugendhafte Leben die Freiheit auf; es stärkt und erzieht sie und vermeidet so, dass der Mensch zum Sklaven zwanghafter entmenschlichender und unsozialer Neigungen wird. Denn die Menschenwürde selbst verlangt, dass jeder » in bewusster und freier Wahl handle, das heißt personal, von innen her bewegt und geführt «.[293]
Der Wert der Strafe als Ansporn
268. Zudem ist es unerlässlich, das Kind oder den Heranwachsenden zu sensibilisieren, damit er merkt, dass die schlechten Taten Folgen haben. Man muss die Fähigkeit wecken, sich in die Lage des anderen zu versetzen und sein Leiden schmerzlich zu empfinden, wenn man ihm wehgetan hat. Einige Strafen – für unsoziales, aggressives Verhalten – können diesen Zweck teilweise erfüllen. Es ist wichtig, das Kind mit Nachdruck dazu zu erziehen, um Verzeihung zu bitten und den Schaden, den es anderen zugefügt hat, wieder gutzumachen. Wenn der Weg der Erziehung in einer Reifung der persönlichen Freiheit seine Früchte zeigt, wird der eigene Sohn bzw. die eigene Tochter irgendwann beginnen, dankbar anzuerkennen, dass es gut für ihn oder sie war, in einer Familie aufzuwachsen und auch die Anforderungen zu ertragen, die jeder Erziehungsprozess vorsieht.
269. Die Zurechtweisung ist ein Ansporn, wenn zugleich die Bemühungen gewürdigt und anerkannt werden und wenn das Kind entdeckt, dass seine Eltern ein geduldiges Vertrauen behalten. Ein liebevoll zurechtgewiesenes Kind fühlt sich beachtet, nimmt wahr, dass es jemand ist, und merkt, dass seine Eltern seine Möglichkeiten anerkennen. Das erfordert nicht, dass die Eltern makellos sind, sondern dass sie demütig ihre Grenzen einzugestehen wissen und ihre eigenen Bemühungen zeigen, sich zu bessern. Doch eines der Zeugnisse, die die Kinder von den Eltern brauchen, ist, dass sie sich nicht vom Zorn leiten lassen. Das Kind, das eine schlechte Tat begeht, muss zurechtgewiesen werden, aber niemals wie ein Gegner oder wie der, an dem man die eigene Aggressivität auslässt. Außerdem muss ein Erwachsener anerkennen, dass einige schlechte Taten mit der Anfälligkeit und den Grenzen zu tun haben, die für ein bestimmtes Alter typisch sind. Darum wäre eine ständig strafende Haltung, die nicht helfen würde, die unterschiedliche Schwere der Taten zu bemerken, schädlich und würde Entmutigung und Ärger auslösen: » Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn « (Eph 6,4; vgl. Kol 3,21).
270. Grundlegend ist, dass die Disziplin sich nicht in eine Verstümmelung des Verlangens verwandelt, sondern zu einem Anreiz wird, immer weiter fortzuschreiten. Wie kann man Disziplin mit innerer Ruhelosigkeit verbinden? Wie kann man erreichen, dass die Disziplin eine konstruktive Grenze des Weges ist, den ein Kind einschlagen muss, und nicht eine Mauer, die Verneinung bedeutet, oder eine Dimension der Erziehung, die ihm Komplexe verursacht? Man muss eine Balance finden können zwischen zwei Extremen, die gleichermaßen schädlich sind: Das eine wäre, eine Welt maßgerecht nach den Wünschen des Kindes aufbauen zu wollen, das dann in dem Gefühl aufwächst, Subjekt von Rechten, nicht aber von Verantwortungen zu sein. Das andere Extrem wäre, es dazu zu bringen, ohne Bewusstsein seiner Würde, seiner einmaligen Identität und seiner Rechte zu leben, gequält von den Pflichten und abhängig davon, die Wünsche anderer zu verwirklichen.
Geduldiger Realismus
271. Die moralische Erziehung beinhaltet, von einem Kind oder einem Jugendlichen nur das zu verlangen, was für ihn kein unverhältnismäßig großes Opfer bedeutet, und von ihm nur ein Maß an Anstrengung einzufordern, das keinen Unwillen auslöst oder rein erzwungene Handlungen veranlasst. Der gewöhnliche Weg besteht darin, kleine Schritte vorzuschlagen, die verstanden, akzeptiert und gewürdigt werden können und einen proportionierten Verzicht einschließen. Durch übermäßiges Fordern erreichen wir dagegen nichts: Sobald der Mensch sich von der Autorität befreien kann, wird er wahrscheinlich aufhören, gut zu handeln.
272. Die ethische Erziehung ruft manchmal Verachtung hervor, die auf Erfahrungen von Verlassenheit, Enttäuschung, Mangel an Zuneigung oder auf ein schlechtes Bild der Eltern zurückzuführen ist. Auf die ethischen Werte werden die verzerrten Bilder der Vater- bzw. Mutterfigur oder die Schwachheiten der Erwachsenen projiziert. Darum muss man den Heranwachsenden helfen, die Analogie zu vollziehen: Die Werte sind besonders in einigen sehr vorbildlichen Menschen verwirklicht, werden aber auch unvollkommen und in verschiedenen Abstufungen realisiert. Da die Widerstände der Jugendlichen sehr mit schlechten Erfahrungen verbunden sind, ist es zugleich notwendig, ihnen zu helfen, einen Weg der Heilung dieser verwundeten inneren Welt zu gehen, so dass sie den Schritt tun können, die Menschen und die Gesellschaft zu verstehen und sich mit ihnen zu versöhnen.
273. Wenn man Werte vorschlägt, muss man kleine Schritte machen, auf verschiedene Weise vorangehen, abgestimmt auf das Alter und die konkreten Möglichkeiten der Menschen, ohne starre, unabänderliche Methoden anwenden zu wollen. Die wertvollen Beiträge der Psychologie und der Erziehungswissenschaften zeigen die Notwendigkeit eines stufenweisen Prozesses, um Verhaltensänderungen zu erreichen, doch auch die Freiheit braucht „Fahrrinnen“ und Anregungen, denn wenn sie sich selbst überlassen bleibt, ist keine Reifung gewährleistet. Die konkrete, reale Freiheit ist begrenzt und bedingt. Sie ist keine reine Fähigkeit, das Gute mit absoluter Spontaneität zu wählen. Nicht immer wird angemessen unterschieden zwischen einer „freiwilligen“ Handlung und einer „freien“ Handlung. Jemand kann etwas Böses mit großer Willenskraft anstreben, die aber in einer unwiderstehlichen Leidenschaft oder einer schlechten Erziehung ihren Ursprung hat. In diesem Fall ist seine Entscheidung ganz freiwillig, sie widerspricht nicht der Neigung seines Wollens, ist aber nicht frei, denn es ist ihm fast unmöglich geworden, sich nicht für dieses Böse zu entscheiden. Es ist das, was mit einem zwanghaft Drogensüchtigen geschieht. Wenn er nach der Droge verlangt, tut er das mit all seinem Begehren, doch er ist so abhängig, dass er in dem Moment nicht fähig ist, eine andere Entscheidung zu treffen. Seine Entscheidung ist also freiwillig, aber sie ist nicht frei. Es hat keinen Sinn, „ihm die freie Wahl zu lassen“, da er tatsächlich nicht wählen kann und ihn der Droge auszusetzen nur seine Abhängigkeit steigert. Er braucht die Hilfe der anderen und einen Weg der Erziehung.
Das Familienleben als erzieherisches Umfeld
274. Die Familie ist die erste Schule der menschlichen Werte, wo man den rechten Gebrauch der Freiheit lernt. Es gibt Neigungen, die gleichsam durch Osmose aufgenommen werden: „Mir hat man das so beigebracht“; „Das ist es, was man mir eingeschärft hat.“ Im Bereich der Familie kann man auch lernen, die Botschaften der verschiedenen Kommunikationsmittel kritisch zu unterscheiden. Leider üben einige Fernsehprogramme oder manche Formen der Reklame oft einen negativen Einfluss aus und schwächen die Werte, die man im Leben der Familie empfangen hat.
275. In dieser Zeit, in der die Ängstlichkeit und die Hast der Technik regieren, besteht eine äußerst wichtige Aufgabe der Familien darin, zur Fähigkeit des Abwartens zu erziehen. Es geht nicht darum, den Kindern zu verbieten, mit den elektronischen Geräten zu spielen, sondern darum, die Form zu finden, um in ihnen die Fähigkeit zu erzeugen, die verschiedenen Denkweisen zu unterscheiden und nicht die digitale Geschwindigkeit auf sämtliche Lebensbereiche zu übertragen. Der Aufschub bedeutet nicht, einen Wunsch abzulehnen, sondern seine Befriedigung zu verschieben. Wenn die Kinder oder die Jugendlichen nicht dazu erzogen sind, zu akzeptieren, dass einige Dinge warten müssen, werden sie zu rücksichtslosen Menschen, die alles der unmittelbaren Befriedigung ihrer Bedürfnisse unterwerfen, und wachsen mit dem Laster des „Ich will und ich bekomme“ auf. Das ist eine schwere Irreführung, die die Freiheit nicht fördert, sondern schwächt. Wenn man hingegen dazu erzieht zu lernen, einige Dinge aufzuschieben und den geeigneten Moment abzuwarten, dann lehrt man, was es heißt, Herr seiner selbst zu sein, eigenständig gegenüber den eigenen Trieben. Wenn das Kind so erfährt, dass es sich selbst in die Hand nehmen kann, steigert sich sein Selbstwertgefühl. Zugleich bringt ihm das bei, die Freiheit der anderen zu respektieren. Selbstverständlich bedeutet das nicht, von den Kindern zu verlangen, dass sie sich wie Erwachsene verhalten, doch ebenso wenig ist es angebracht, ihre Fähigkeit zu unterschätzen, in der Reifung einer verantwortlichen Freiheit zu wachsen. In einer gesunden Familie geht diese Lehre auf ganz alltägliche Weise aus den Erfordernissen des Zusammenlebens hervor.
276. Die Familie ist der Bereich der primären Sozialisierung, denn sie ist der erste Ort, wo man lernt, gegenüber dem anderen eine Stellung zu beziehen, zuzuhören, mitzufühlen, zu ertragen, zu respektieren, zu helfen und zusammenzuleben. Es ist die Aufgabe der Erziehung, das Empfinden der Welt und der Gesellschaft als einer Familie zu wecken; es ist eine Erziehung, die befähigt, jenseits der Grenzen des eigenen Hauses zu „wohnen“. Im familiären Kontext wird gelehrt, Dinge wie den Sinn für Nachbarschaft, die Umsicht, das Grüßen wiederzuerlangen. Dort wird der erste Kreis des tödlichen Egoismus aufgebrochen, um zu erkennen, dass wir gemeinsam mit anderen leben, mit anderen, die unsere Aufmerksamkeit, unsere Freundlichkeit und unsere Zuneigung verdienen. Es gibt keine soziale Bindung ohne diese erste alltägliche, gleichsam mikroskopische Dimension: das Zusammensein in der Nachbarschaft, wo wir uns in bestimmten Momenten des Tages über den Weg laufen, uns um das kümmern, was alle angeht, und uns in den kleinen alltäglichen Dingen gegenseitig helfen. Die Familie muss alle Tage neue Formen erfinden, die gegenseitige Anerkennung zu fördern.
277. Im Familienkreis kann man auch die Konsumgewohnheiten neu entwerfen, um miteinander für das „gemeinsame Haus“ zu sorgen: » Die Familie ist das wichtigste Subjekt einer ganzheitlichen Ökologie, weil sie das vorrangige soziale Subjekt ist, das in seinem Innern die beiden Grundprinzipien der menschlichen Zivilisation auf der Erde enthält: das Prinzip der Gemeinschaft und das Prinzip der Fruchtbarkeit. «[294] Die schwierigen und harten Momente im Familienleben können ebenfalls sehr erzieherisch wirken. Das geschieht zum Beispiel, wenn eine Krankheit eintritt, denn » angesichts der Krankheit entstehen auch in der Familie Schwierigkeiten aufgrund der menschlichen Schwäche. Aber im Allgemeinen stärkt die Zeit der Krankheit die familiären Bindungen […] Eine Erziehung, die gegen die Einfühlsamkeit für die menschliche Krankheit abschirmt, verhärtet das Herz. Und sie führt dazu, dass die Kinder gegenüber dem Leiden anderer „narkotisiert“ werden, unfähig, sich mit dem Leiden auseinanderzusetzen und die Erfahrung der Grenze zu machen. «[295]
278. Die erzieherische Begegnung zwischen Eltern und Kindern kann durch die immer raffinierteren Kommunikations- und Unterhaltungstechnologien sowohl erleichtert als auch beeinträchtigt werden. Wenn sie gut verwendet werden, können sie nützlich sein, um die Familienmitglieder trotz der Entfernung miteinander zu verbinden. Die Kontakte können häufig sein und helfen, Schwierigkeiten zu lösen.[296]  Es muss aber klar sein, dass sie die Notwendigkeit des persönlicheren und tieferen Gesprächs, das den physischen Kontakt oder zumindest die Stimme der anderen Person verlangt, weder ersetzen, noch ablösen. Wir wissen, dass diese Mittel manchmal voneinander entfernen, statt einander zu nähern, wie zum Beispiel wenn zur Essenszeit jeder mit seinem Mobiltelefon herumspielt oder wenn einer der Ehegatten einschläft, während er auf den anderen wartet, der sich stundenlang mit irgendeinem elektronischen Gerät die Zeit vertreibt. Auch das muss in der Familie Anlass zu Gesprächen und Abmachungen sein, die erlauben, der Begegnung ihrer Mitglieder den Vorrang einzuräumen, ohne in unvernünftige Verbote zu fallen. Jedenfalls darf man die Gefahren der neuen Kommunikationsformen für die Kinder und Jugendlichen, die manchmal zu willensschwachen, von der realen Welt abgeschotteten Wesen werden, nicht ignorieren. Dieser „technische Autismus“ setzt sie leichter den Machenschaften derer aus, die versuchen, mit egoistischen Interessen in ihr Innerstes einzudringen.
279. Ebenso wenig ist es gut, dass die Eltern für ihre Kinder zu allmächtigen Wesen werden, denen allein sie trauen können, denn auf diese Weise verhindern sie einen angemessenen Prozess der Sozialisierung und der affektiven Reifung. Um diese Ausdehnung der Elternschaft auf eine umfassendere Realität wirksam zu machen, sind » die christlichen Gemeinden […] aufgerufen, dem Erziehungsauftrag der Familien Unterstützung zu bieten «,[297] besonders durch die Katechesen der Initiation. Um die ganzheitliche Erziehung zu fördern, müssen wir »den Bund zwischen der Familie und der christlichen Gemeinschaft neu […] beleben «.[298] Die Synode wollte die Bedeutung der katholischen Schulen bekräftigen: Sie » üben eine wichtige Funktion aus, wenn es darum geht, die Eltern bei der Aufgabe der Kindererziehung zu unterstützen […] Die katholischen Schulen sollten in ihrer Sendung ermutigt werden, den Schülern zu helfen, zu reifen Erwachsenen heranzuwachsen, die die Welt durch den Blick der Liebe Jesu sehen können und das Leben als eine Berufung verstehen, Gott zu dienen. « [299] Zu diesem Zweck » muss mit Entschiedenheit auf der Freiheit der Kirche bestanden werden, ihre eigene Lehre zu vermitteln, sowie auf dem Recht der Erzieher, aus Gewissensgründen Einspruch einzulegen. «[300]
Ja zur Sexualerziehung
280.  Das Zweite Vatikanische Konzil sprach von der Notwendigkeit, die Kinder und Jugendlichen » durch eine positive und kluge Geschlechtserziehung « zu unterweisen, die » den jeweiligen Altersstufen « angepasst ist und die » Fortschritte der psychologischen, der pädagogischen und der didaktischen Wissenschaft « verwertet.[301] Wir müssten uns fragen, ob unsere Erziehungseinrichtungen diese Herausforderung angenommen haben. Es ist schwierig, in einer Zeit, in der die Geschlechtlichkeit dazu neigt, banalisiert zu werden und zu verarmen, eine Sexualerziehung zu planen. Sie könnte nur im Rahmen einer Erziehung zur Liebe, zum gegenseitigen Sich-Schenken verstanden werden. Auf diese Weise sieht sich die Sprache der Geschlechtlichkeit nicht einer traurigen Verarmung ausgesetzt, sondern wird bereichert. Der Sexualtrieb kann geschult werden in einem Weg der Selbsterkenntnis und der Entwicklung einer Fähigkeit zur Selbstbeherrschung, die helfen können, wertvolle Fähigkeiten zur Freude und zur liebevollen Begegnung zu Tage zu fördern.
281. Die Sexualerziehung bietet Information, jedoch ohne zu vergessen, dass die Kinder und die Jugendlichen nicht die volle Reife erlangt haben. Die Information muss im geeigneten Moment kommen und in einer Weise, die der Phase ihres Lebens angepasst ist. Es ist nicht dienlich, sie mit Daten zu übersättigen, ohne die Entwicklung eines kritischen Empfindens zu fördern gegenüber einem Überhandnehmen von Vorschlägen, gegenüber der außer Kontrolle geratenen Pornographie und der Überladung mit Stimulierungen, welche die Geschlechtlichkeit verkrüppeln lassen können. Die Jugendlichen müssen bemerken können, dass sie mit Botschaften bombardiert werden, die nicht ihr Wohl und ihre Reifung anstreben. Man muss ihnen helfen, die positiven Einflüsse zu erkennen und zu suchen, während sie sich zugleich von all dem distanzieren, was ihre Liebesfähigkeit entstellt. Ebenso müssen wir akzeptieren, dass sich » die Notwendigkeit einer neuen und angemesseneren Sprache […] vor allem [zeigt], wenn Kinder und Jugendliche in das Thema der Sexualität eingeführt werden sollen «.[302]
282. Eine Sexualerziehung, die ein gewisses Schamgefühl hütet, ist ein unermesslicher Wert, auch wenn heute manche meinen, das sei eine Frage anderer Zeiten. Es ist eine natürliche Verteidigung des Menschen, der seine Innerlichkeit schützt und vermeidet, zu einem bloßen Objekt zu werden. Ohne Schamhaftigkeit können wir die Zuneigung und die Sexualität zu Formen von Besessenheit herabwürdigen, die uns nur auf den Geschlechtsakt konzentrieren, auf Krankhaftigkeiten, die unsere Liebesfähigkeit entstellen, und auf verschiede Formen sexueller Gewalt, die uns dazu führen, unmenschlich behandelt zu werden oder andere zu schädigen.
283. Häufig konzentriert sich die Sexualerziehung auf die Einladung, sich zu „hüten“, und für einen „sicheren Sex“ zu sorgen. Diese Ausdrücke vermitteln eine negative Haltung gegenüber dem natürlichen Zeugungszweck der Geschlechtlichkeit, als sei ein eventuelles Kind ein Feind, vor dem man sich schützen muss. So wird anstatt einer Annahme die narzisstische Aggressivität gefördert. Es ist unverantwortlich, die Jugendlichen einzuladen, mit ihrem Körper und ihren Begierden zu spielen, als hätten sie die Reife, die Werte, die gegenseitige Verpflichtung und die Ziele, die der Ehe eigen sind. Auf diese Weise ermutigt man sie leichtsinnig, den anderen Menschen als Objekt von Kompensationsversuchen eigener Mängel oder großer Beschränkungen zu gebrauchen. Es ist hingegen wichtig, ihnen einen Weg aufzuzeigen zu verschiedenen Ausdrucksformen der Liebe, zur gegenseitigen Fürsorge, zur respektvollen Zärtlichkeit, zu einer Kommunikation mit reichem Sinngehalt. Denn all das bereitet auf ein ganzheitliches und großherziges Sich-Schenken vor, das nach einer öffentlichen Verpflichtung seinen Ausdruck findet in der körperlichen Hingabe. So wird die geschlechtliche Vereinigung als Zeichen einer allumfassenden Verbindlichkeit erscheinen, die durch den ganzen vorangegangenen Weg bereichert ist.
284. Man darf die jungen Menschen nicht täuschen, indem man sie die Ebenen verwechseln lässt: Die sexuelle Anziehung » schafft zwar im Augenblick die Illusion der Vereinigung, aber ohne Liebe bleiben nach dieser „Vereinigung“ Fremde zurück, die genauso weit voneinander entfernt sind wie vorher «.[303] Die Körpersprache verlangt eine geduldige Lehrzeit, die ermöglicht, das eigene Verlangen zu deuten und zu erziehen, um sich wirklich hinzugeben. Wenn man alles auf einmal hingeben will, ist es möglich, dass man gar nichts hingibt. Verständnis zu haben für die Schwachheiten oder Verwirrungen der Heranwachsenden ist etwas anderes, als sie zu ermutigen, die Unreife ihrer Art zu lieben in die Länge zu ziehen. Doch wer spricht heute über diese Dinge? Wer ist fähig, die jungen Menschen ernst zu nehmen? Wer hilft ihnen, sich ernsthaft auf eine große und großherzige Liebe vorzubereiten? Mit der Sexualerziehung wird sehr leichtfertig umgegangen.
285. Die Sexualerziehung muss auch die Achtung und die Wertschätzung der Verschiedenheit einbeziehen, die jedem die Möglichkeit zeigt, die Einschließung in die eigenen Grenzen zu überwinden, um sich der Annahme des anderen zu öffnen. Jenseits der verständlichen Schwierigkeiten, die jeder erleben mag, muss man helfen, den eigenen Körper so zu akzeptieren, wie er geschaffen wurde, da » eine Logik der Herrschaft über den eigenen Körper sich in eine manchmal subtile Logik der Herrschaft über die Schöpfung verwandelt […] Ebenso ist die Wertschätzung des eigenen Körpers in seiner Weiblichkeit oder Männlichkeit notwendig, um in der Begegnung mit dem anderen Geschlecht sich selbst zu erkennen. Auf diese Weise ist es möglich, freudig die besondere Gabe des anderen oder der anderen als Werk Gottes des Schöpfers anzunehmen und sich gegenseitig zu bereichern. «[304] Nur wenn man die Angst vor der Verschiedenheit verliert, kann man sich schließlich aus der Immanenz des eigenen Seins und aus der Selbstverliebtheit befreien. Die Sexualerziehung muss dazu verhelfen, den eigenen Körper so zu akzeptieren, dass man nicht darauf abzielt, » den Unterschied zwischen den Geschlechtern auszulöschen, weil [man] sich nicht mehr damit auseinanderzusetzen versteht «.[305]
286. Ebenso wenig darf man übersehen, dass in der Ausgestaltung der eigenen weiblichen oder männlichen Seinsweise nicht nur biologische oder genetische Faktoren zusammenfließen, sondern vielfältige Elemente, die mit dem Temperament, der Familiengeschichte, der Kultur, den durchlebten Erfahrungen, der empfangenen Bildung, den Einflüssen von Freunden, Angehörigen und verehrten Personen sowie mit anderen konkreten Umständen zu tun haben, welche die Mühe der Anpassung erfordern. Es ist wahr, dass man das, was männlich und weiblich ist, nicht von dem Schöpfungswerk Gottes trennen kann, das vor allen unseren Entscheidungen und Erfahrungen besteht und wo es biologische Elemente gibt, die man unmöglich ignorieren kann. Doch es ist auch wahr, dass das Männliche und das Weibliche nicht etwas starr Umgrenztes ist. Darum ist es zum Beispiel möglich, dass die männliche Seinsweise des Ehemannes sich flexibel an die Arbeitssituation seiner Frau anpassen kann. Häusliche Aufgaben oder einige Aspekte der Kindererziehung zu übernehmen, machen ihn nicht weniger männlich, noch bedeuten sie ein Scheitern, ein zweideutiges Benehmen oder ein Schande. Man muss den Kindern helfen, diese gesunden Formen des „Austausches“, die der Vaterfigur keinesfalls ihre Würde nehmen, ganz normal zu akzeptieren. Die Starrheit wird zu einer übertriebenen Darstellung des Männlichen oder Weiblichen und erzieht die Kinder und die Jugendlichen nicht zur Wechselseitigkeit, die in den realen Bedingungen der Ehe „inkarniert“ sind. Diese Starrheit kann ihrerseits die Entwicklung der Fähigkeiten eines jeden bis zu dem Punkt hemmen, dass man es schließlich für wenig männlich hält, sich der Kunst oder dem Tanz zu widmen, und für wenig weiblich, irgendeine Führungstätigkeit zu entwickeln. Das hat sich gottlob geändert. Doch mancherorts verengen gewisse unsachgemäße Vorstellungen weiterhin die legitime Freiheit und verstümmeln die echte Entwicklung der konkreten Identität der Kinder oder ihrer Möglichkeiten.
Den Glauben weitergeben
287.  Die Erziehung der Kinder muss von einem Weg der Glaubensweitergabe geprägt sein. Das wird erschwert durch den aktuellen Lebensstil, durch die Arbeitszeiten und durch die Kompliziertheit der Welt von heute, wo viele einen hektischen Rhythmus leben, um überleben zu können.[306]  Trotzdem muss das Zuhause weiter der Ort sein, wo gelehrt wird, die Gründe und die Schönheit des Glaubens zu erkennen, zu beten und dem Nächsten zu dienen. Das beginnt mit der Taufe, wo – wie der heilige Augustinus sagte – die Mütter, die ihre Kinder bringen, » an der heiligen Geburt mitwirken «.[307] Danach beginnt der Weg des Wachstums dieses neuen Lebens. Der Glaube ist ein Geschenk Gottes, das in der Taufe empfangen wird, und nicht das Ergebnis eines menschlichen Tuns, doch die Eltern sind Werkzeuge Gottes für seine Reifung und Entfaltung. » Es ist schön, wenn Mütter ihre kleinen Kinder anleiten, Jesus oder der Gottesmutter einen Kuss zu senden. Wie viel Zärtlichkeit liegt darin! In jenem Augenblick wird das Herz der Kinder zu einem Ort des Gebets. «[308] Die Weitergabe des Glaubens setzt voraus, dass die Eltern die wirkliche Erfahrung machen, auf Gott zu vertrauen, ihn zu suchen, ihn zu brauchen. Denn nur auf diese Weise verkündet ein Geschlecht dem andern den Ruhm seiner Werke und erzählt von seinen gewaltigen Taten (vgl. Ps 145,4), nur so erzählt der Vater den Kindern von Gottes Treue (vgl. Jes 38,19). Das erfordert, dass wir das Handeln Gottes in den Herzen, dort, wo wir nicht hingelangen können, erflehen. Das Senfkorn, der so kleine Same, wird zu einem großen Baum (vgl. Mt 13,31-32), und so erkennen wir die Unverhältnismäßigkeit zwischen dem Handeln und seiner Wirkung. Dann wissen wir, dass wir nicht Herren der Gabe sind, sondern ihre sorgsamen Verwalter. Unser kreativer Einsatz ist jedoch ein Beitrag, der uns mit Gottes Initiative mitarbeiten lässt. Daher sind » die Ehepaare, die Mütter und Väter, in Zusammenarbeit mit den Priestern, den Diakonen, den Personen gottgeweihten Lebens und den Katecheten als aktive Subjekte der Katechese wertzuschätzen […] Von großer Hilfe ist die Familienkatechese als wirksame Methode, um die jungen Eltern auszubilden und ihnen ihre Sendung als Verkünder des Evangeliums in ihrer eigenen Familie bewusst zu machen. «[309]
288.  Die Erziehung im Glauben muss es verstehen, sich jedem Kind anzupassen, denn manchmal funktionieren die gelernten Mittel oder die „Rezepte“ nicht. Die Kinder brauchen Symbole, Gesten, Erzählungen. Die Heranwachsenden geraten gewöhnlich in Krise mit Autoritäten und Vorgaben. Deshalb muss man in ihnen eigene Glaubenserfahrungen anregen und ihnen leuchtende Vorbilder bieten, die allein durch ihre Schönheit überzeugen. Die Eltern, die den Glauben ihrer Kinder begleiten wollen, sollen aufmerksam auf deren Veränderungen achten, denn sie müssen wissen, dass die spirituelle Erfahrung nicht aufgenötigt werden darf, sondern ihrer Freiheit anheimgestellt werden muss. Es ist grundlegend, dass die Kinder ganz konkret sehen, dass das Gebet für ihre Eltern wirklich wichtig ist. Daher können die Momente des Gebetes in der Familie und die Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit eine größere Evangelisierungskraft besitzen als alle Katechesen und alle Reden. Ich möchte speziell allen Müttern meinen Dank ausdrücken, die wie die heilige Monika für ihre Kinder beten, die sich von Christus entfernt haben.
289.  Wenn der Glaube den Kindern so vermittelt wird, dass sie ihn leichter ausdrücken und in ihm wachsen können, trägt das dazu bei, dass die Familie verkündend wird, und ganz von selbst beginnt sie, den Glauben an alle weiterzugeben, die mit ihr in Berührung kommen, auch außerhalb des eigenen Familienkreises. Die Kinder, die in missionarischen Familien aufwachsen, werden häufig selber zu Missionaren, wenn die Eltern diese Aufgabe so zu leben verstehen, dass die anderen sie als nahe und freundschaftlich empfinden, dass also die Kinder in dieser Weise aufwachsen, Beziehung mit der Welt zu knüpfen, ohne auf ihren Glauben und ihre Überzeugungen zu verzichten. Erinnern wir uns daran, dass Jesus selbst mit den Sündern aß und trank (vgl. Mk 2,16; Mt 11,19), dass er dabei verweilen konnte, mit der Samariterin zu sprechen (vgl. Joh 4,7-26) und des Nachts Nikodemus zu empfangen (vgl. Joh 3,1-21), dass er sich von einer Prostituierten die Füße salben ließ (vgl.  Lk 7,36-50) und nicht zögerte, die Kranken zu berühren (vgl. Mk 1, 40-45; 7,33). Dasselbe taten seine Apostel, die keineswegs die anderen verachteten, sich nicht etwa in kleine Gruppen Erwählter zurückzogen und vom Leben ihres Volkes absonderten. Während die Machthaber sie verfolgten, waren sie » beim ganzen Volk beliebt « (Apg 2,47; vgl. 4,21.33; 5,13).
290.  » Die Familie konstituiert sich so als Subjekt pastoralen Handelns, über die ausdrückliche Verkündigung des Evangeliums und das Erbe vielfältiger Formen des Zeugnisses: die Solidarität gegenüber den Armen, die Offenheit für die Verschiedenheit der Personen, die Bewahrung der Schöpfung, die moralische und materielle Solidarität gegenüber den anderen Familien, vor allem den bedürftigsten, den Einsatz für die Förderung des Gemeinwohls, auch durch die Überwindung ungerechter sozialer Strukturen, ausgehend von der Umgebung, in der man lebt, indem Werke leiblicher und geistlicher Barmherzigkeit geübt werden. «[310] Das muss im Rahmen der kostbarsten Überzeugung der Christen angesiedelt sein: der Überzeugung von der Liebe des Vaters, die uns stützt und fördert, die offenbart wurde in der Ganzhingabe Jesu Christi, der unter uns lebt und uns fähig macht, gemeinsam allen Unbilden und allen Phasen des Lebens entgegenzutreten. Auch im Herzen jeder Familie muss man das Kerygma erklingen lassen – gelegen oder ungelegen –, damit es den Weg erleuchtet. Alle müssten wir aufgrund der lebendigen Erfahrung in unseren Familien sagen können: » Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen « (1 Joh 4,16). Nur von dieser Erfahrung aus wird die Familienpastoral erreichen können, dass die Familien zugleich Hauskirchen und evangelisierender „Sauerteig“  in der Gesellschaft sind.

Achtes Kapitel
DIE ZERBRECHLICHKEIT BEGLEITEN, UNTERSCHEIDEN UND EINGLIEDERN

291. Die Synodenväter haben zum Ausdruck gebracht, dass die Kirche, obwohl sie der Überzeugung ist, dass jeder Bruch des Ehebandes » Gottes Willen zuwiderläuft, [sich] auch der Schwäche vieler ihrer Kinder bewusst [ist] «.[311] Erleuchtet durch den Blick Jesu Christi, » wendet sich die Kirche liebevoll jenen zu, die auf unvollendete Weise an ihrem Leben teilnehmen. Sie erkennt an, dass Gottes Gnade auch in ihrem Leben wirkt und ihnen den Mut schenkt, das Gute zu tun, um liebevoll füreinander zu sorgen und ihren Dienst für die Gemeinschaft, in der sie leben und arbeiten, zu erfüllen. «[312] Außerdem wird diese Haltung im Kontext des der Barmherzigkeit gewidmeten Jubiläumsjahres noch gestärkt. Auch wenn sie stets die Vollkommenheit vor Augen stellt und zu einer immer volleren Antwort auf Gott einlädt, » muss die Kirche ihre schwächsten Kinder, die unter verletzter und verlorener Liebe leiden, aufmerksam und fürsorglich begleiten und ihnen Vertrauen und Hoffnung geben wie das Licht eines Leuchtturms im Hafen oder das einer Fackel, die unter die Menschen gebracht wird, um jene zu erleuchten, die die Richtung verloren haben oder sich in einem Sturm befinden. «[313] Vergessen wir nicht, dass die Aufgabe der Kirche oftmals der eines Feldlazaretts gleicht.
292. Die christliche Ehe, ein Abglanz der Vereinigung Christi und seiner Kirche, wird voll verwirklicht in der Vereinigung zwischen einem Mann und einer Frau, die sich in ausschließlicher Liebe und freier Treue einander schenken, einander gehören bis zum Tod, sich öffnen für die Weitergabe des Lebens und geheiligt sind durch das Sakrament. Dieses Sakrament schenkt ihnen die Gnade, um eine Hauskirche zu bilden und ein Ferment neuen Lebens für die Gesellschaft zu sein. Andere Formen der Vereinigung widersprechen diesem Ideal von Grund auf, doch manche verwirklichen es zumindest teilweise und analog. Die Synodenväter haben betont, dass die Kirche nicht unterlässt, die konstitutiven Elemente in jenen Situationen zu würdigen, die noch nicht oder nicht mehr in Übereinstimmung mit ihrer Lehre von der Ehe sind. [314]
Die Gradualität in der Seelsorge
293.  Die Synodenväter haben ebenfalls die besondere Situation einer reinen Zivilehe oder – bei aller gebührenden Unterscheidung – eines bloßen Zusammenlebens ins Auge gefasst: » Wenn eine Verbindung durch ein öffentliches Band offenkundig Stabilität erlangt, wenn sie geprägt ist von tiefer Zuneigung, Verantwortung gegenüber den Kindern, von der Fähigkeit, Prüfungen zu bestehen, kann dies als Anlass gesehen werden, sie auf ihrem Weg zum Ehesakrament zu begleiten. «[315]  Andererseits ist es besorgniserregend, dass viele junge Menschen heute die Ehe beargwöhnen und zusammenleben, indem sie die Eheschließung auf unbestimmte Zeit verschieben, während andere die eingegangene Verpflichtung beenden und unmittelbar darauf eine neue beginnen. Diejenigen, » die zur Kirche gehören, brauchen eine barmherzige und ermutigende seelsorgliche Zuwendung «.[316] Denn den Hirten obliegt nicht nur die Förderung der christlichen Ehe, sondern auch die » pastorale Unterscheidung der Situationen vieler Menschen, die diese Wirklichkeit nicht mehr leben «. Es geht darum, » in einen pastoralen Dialog mit diesen Menschen zu treten, um jene Elemente in ihrem Leben hervorzuheben, die zu einer größeren Offenheit gegenüber dem Evangelium der Ehe in seiner Fülle führen können «.[317] In der pastoralen Unterscheidung muss man » jene Elemente erkennen, welche die Evangelisierung und das menschliche und geistliche Wachstum fördern können. «[318]
294. »Die Entscheidung für die Zivilehe, oder, in anderen Fällen, für das einfache Zusammenleben, hat häufig ihren Grund nicht in Vorurteilen oder Widerständen gegen die sakramentale Verbindung, sondern in kulturellen oder faktischen Gegebenheiten. «[319] In diesen Situationen wird man jene Zeichen der Liebe hervorheben können, die in irgendeiner Weise die Liebe Gottes widerspiegeln.[320] Bekanntlich » wächst […] die Zahl derer, die nach einem langen Zusammenleben um die Feier der kirchlichen Trauung bitten. Das einfache Zusammenleben wird oft aufgrund der allgemeinen Mentalität gewählt, die sich gegen Institutionen und endgültige Verpflichtungen wendet, aber auch in Erwartung einer existentiellen Sicherheit (Arbeit und festes Einkommen). Schließlich sind die faktischen Verbindungen in anderen Ländern sehr zahlreich, nicht nur, weil die Werte der Familie und der Ehe zurückgewiesen werden, sondern vor allem, weil dort die Heirat aus gesellschaftlichen Gründen als Luxus betrachtet wird, so dass die materielle Not die Menschen zu solchen faktischen Verbindungen drängt. «[321] Doch » all diese Situationen müssen in konstruktiver Weise angegangen werden, indem versucht wird, sie in Gelegenheiten für einen Weg hin zur Fülle der Ehe und der Familie im Licht des Evangeliums zu verwandeln. Es geht darum, sie mit Geduld und Feingefühl anzunehmen und zu begleiten. «[322]  Das tat Jesus mit der Samariterin (vgl. Joh 4,1-26): Er sprach ihre Sehnsucht nach wahrer Liebe an, um sie von allem zu befreien, was ihr Leben verfinsterte, und sie zur vollen Freude des Evangeliums zu führen.
295. Auf dieser Linie schlug der heilige Johannes Paul II. das sogenannte » Gesetz der Gradualität « vor, denn er wusste: Der Mensch » kennt, liebt und vollbringt […] das sittlich Gute […] in einem stufenweisen Wachsen «.[323] Es ist keine „Gradualität des Gesetzes“, sondern eine Gradualität in der angemessenen Ausübung freier Handlungen von Menschen, die nicht in der Lage sind, die objektiven Anforderungen des Gesetzes zu verstehen, zu schätzen oder ganz zu erfüllen. Denn das Gesetz ist auch ein Geschenk Gottes, das den Weg anzeigt, ein Geschenk für alle ohne Ausnahme, das man mit der Kraft der Gnade leben kann, auch wenn jeder Mensch » von Stufe zu Stufe entsprechend der fortschreitenden Hereinnahme der Gaben Gottes und der Forderungen seiner unwiderruflichen und absoluten Liebe in das gesamte persönliche und soziale Leben «[324] voranschreitet.
Die Unterscheidung der sogenannten „irregulären“ Situationen [325]
296.  Die Synode hat verschiedene Situationen der Schwäche oder der Unvollkommenheit angesprochen. Diesbezüglich möchte ich hier an etwas erinnern, das ich der ganzen Kirche in aller Klarheit vor Augen stellen wollte, damit wir den Weg nicht verfehlen: » Zwei Arten von Logik […] durchziehen die gesamte Geschichte der Kirche: ausgrenzen und wiedereingliedern […] Der Weg der Kirche ist vom Jerusalemer Konzil an immer der Weg Jesu: der Weg der Barmherzigkeit und der Eingliederung […] Der Weg der Kirche ist der, niemanden auf ewig zu verurteilen, die Barmherzigkeit Gottes über alle Menschen auszugießen, die sie mit ehrlichem Herzen erbitten […] Denn die wirkliche Liebe ist immer unverdient, bedingungslos und gegenleistungsfrei. «[326] » Daher sind […] Urteile zu vermeiden, welche die Komplexität der verschiedenen Situationen nicht berücksichtigen. Es ist erforderlich, auf die Art und Weise zu achten, in der die Menschen leben und aufgrund ihres Zustands leiden. «[327]
297.  Es geht darum, alle einzugliedern; man muss jedem Einzelnen helfen, seinen eigenen Weg zu finden, an der kirchlichen Gemeinschaft teilzuhaben, damit er sich als Empfänger einer » unverdienten, bedingungslosen und gegenleistungsfreien « Barmherzigkeit empfindet. Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums! Ich beziehe mich nicht nur auf die Geschiedenen in einer neuen Verbindung, sondern auf alle, in welcher Situation auch immer sie sich befinden. Selbstverständlich kann jemand, wenn er eine objektive Sünde zur Schau stellt, als sei sie Teil des christlichen Ideals, oder wenn er etwas durchsetzen will, was sich von der Lehre der Kirche unterscheidet, nicht den Anspruch erheben, Katechese zu halten oder zu predigen, und in diesem Sinn gibt es etwas, das ihn von der Gemeinschaft trennt (vgl. Mt 18,17). Er muss erneut der Verkündigung des Evangeliums und der Einladung zur Umkehr Gehör schenken. Doch auch für ihn kann es eine Weise der Teilnahme am Leben der Gemeinde geben, sei es in sozialen Aufgaben, in Gebetstreffen oder in der Weise, die seine eigene Initiative gemeinsam mit dem Unterscheidungsvermögen des Pfarrers nahelegt. Hinsichtlich der Art, mit den verschiedenen sogenannten „irregulären“ Situationen umzugehen, haben die Synodenväter einen allgemeinen Konsens erreicht, den ich unterstütze: » Einer pastoralen Zugehensweise entsprechend ist es Aufgabe der Kirche, jenen, die nur zivil verheiratet oder geschieden und wieder verheiratet sind oder einfach so zusammenleben, die göttliche Pädagogik der Gnade in ihrem Leben offen zu legen und ihnen zu helfen, für sich die Fülle des göttlichen Planes zu erreichen «,[328] was mit der Kraft des Heiligen Geistes immer möglich ist.
298. Die Geschiedenen in einer neuen Verbindung, zum Beispiel, können sich in sehr unterschiedlichen Situationen befinden, die nicht katalogisiert oder in allzu starre Aussagen eingeschlossen werden dürfen, ohne einer angemessenen persönlichen und pastoralen Unterscheidung Raum zu geben. Es gibt den Fall einer zweiten, im Laufe der Zeit gefestigten Verbindung, mit neuen Kindern, mit erwiesener Treue, großherziger Hingabe, christlichem Engagement, mit dem Bewusstsein der Irregularität der eigenen Situation und großer Schwierigkeit, diese zurückzudrehen, ohne im Gewissen zu spüren, dass man in neue Schuld fällt. Die Kirche weiß um Situationen, in denen » die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können «.[329] Es gibt auch den Fall derer, die große Anstrengungen unternommen haben, um die erste Ehe zu retten, und darunter gelitten haben, zu Unrecht verlassen worden zu sein, oder den Fall derer, die »eine neue Verbindung eingegangen [sind] im Hinblick auf die Erziehung der Kinder und […] manchmal die subjektive Gewissensüberzeugung [haben], dass die frühere, unheilbar zerstörte Ehe niemals gültig war «.[330] Etwas anderes ist jedoch eine neue Verbindung, die kurz nach einer Scheidung eingegangen wird, mit allen Folgen an Leiden und Verwirrung, welche die Kinder und ganze Familien in Mitleidenschaft ziehen, oder die Situation von jemandem, der wiederholt seinen familiären Verpflichtungen gegenüber versagt hat. Es muss ganz klar sein, dass dies nicht das Ideal ist, welches das Evangelium für Ehe und Familie vor Augen stellt. Die Synodenväter haben zum Ausdruck gebracht, dass die Hirten in ihrer Urteilsfindung immer » angemessen zu unterscheiden «[331] haben, mit einem » differenzierten Blick « für » unterschiedliche Situationen «.[332] Wir wissen, dass es » keine Patentrezepte «[333] gibt.
299. Ich nehme die Bedenken vieler Synodenväter auf, die darauf hinweisen wollten, dass » Getaufte, die geschieden und zivil wiederverheiratet sind, […] auf die verschiedenen möglichen Weisen stärker in die Gemeinschaft integriert werden [müssen], wobei zu vermeiden ist, jedwelchen Anstoß zu erregen. Die Logik der Integration ist der Schlüssel ihrer pastoralen Begleitung, damit sie nicht nur wissen, dass sie zum Leib Christi, der die Kirche ist, gehören, sondern dies als freudige und fruchtbare Erfahrung erleben können. Sie sind Getaufte, sie sind Brüder und Schwestern, der Heilige Geist gießt Gaben und Charismen zum Wohl aller auf sie aus. Ihre Teilnahme kann in verschiedenen kirchlichen Diensten zum Ausdruck kommen: Es ist daher zu unterscheiden, welche der verschiedenen derzeit praktizierten Formen des Ausschlusses im liturgischen, pastoralen, erzieherischen und institutionellen Bereich überwunden werden können. Sie sollen sich nicht nur als nicht exkommuniziert fühlen, sondern können als lebendige Glieder der Kirche leben und reifen, indem sie diese wie eine Mutter empfinden, die sie immer aufnimmt, sich liebevoll um sie kümmert und sie auf dem Weg des Lebens und des Evangeliums ermutigt. Diese Integration ist auch notwendig für die Sorge und die christliche Erziehung ihrer Kinder, die als das Wichtigste anzusehen sind. «[334]
300. Wenn man die zahllosen Unterschiede der konkreten Situationen – wie jene, die wir vorhin erwähnten – berücksichtigt, kann man verstehen, dass man von der Synode oder von diesem Schreiben keine neue, auf alle Fälle anzuwendende generelle gesetzliche Regelung kanonischer Art erwarten durfte. Es ist nur möglich, eine neue Ermutigung auszudrücken zu einer verantwortungsvollen persönlichen und pastoralen Unterscheidung der je spezifischen Fälle. Und da » der Grad der Verantwortung […] nicht in allen Fällen gleich [ist] «[335]  müsste diese Unterscheidung anerkennen, dass die Konsequenzen oder Wirkungen einer Norm nicht notwendig immer dieselben sein müssen.[336] Die Priester haben die Aufgabe, » die betroffenen Menschen entsprechend der Lehre der Kirche und den Richtlinien des Bischofs auf dem Weg der Unterscheidung zu begleiten. In diesem Prozess wird es hilfreich sein, durch Momente des Nachdenkens und der Reue eine Erforschung des Gewissens vorzunehmen. Die wiederverheirateten Geschiedenen sollten sich fragen, wie sie sich ihren Kindern gegenüber verhalten haben, seit ihre eheliche Verbindung in die Krise geriet;  ob es Versöhnungsversuche gegeben hat; wie die Lage des verlassenen Partners ist; welche Folgen die neue Beziehung auf den Rest der Familie und die Gemeinschaft der Gläubigen hat; welches Beispiel sie den jungen Menschen gibt, die sich auf die Ehe vorbereiten. Ein ernsthaftes Nachdenken kann das Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes stärken, die niemandem verwehrt wird. «[337] Es handelt sich um einen Weg der Begleitung und der Unterscheidung, der » diese Gläubigen darauf aus[richtet], sich ihrer Situation vor Gott bewusst zu werden. Das Gespräch mit dem Priester im Forum internum trägt zur Bildung einer rechten Beurteilung dessen bei, was die Möglichkeit einer volleren Teilnahme am Leben der Kirche behindert, und kann helfen, Wege zu finden, diese zu begünstigen und wachsen zu lassen. Da es im Gesetz selbst keine Gradualität gibt (vgl. Familiaris consortio, 34), wird diese Unterscheidung niemals von den Erfordernissen der Wahrheit und der Liebe des Evangeliums, die die Kirche vorlegt, absehen können. Damit dies geschieht, müssen bei der aufrichtigen Suche nach dem Willen Gottes und in dem Verlangen, diesem auf vollkommenere Weise zu entsprechen, die notwendigen Voraussetzungen der Demut, der Diskretion, der Liebe zur Kirche und ihrer Lehre verbürgt sein. «[338]  Diese Haltungen sind grundlegend, um die schwerwiegende Gefahr falscher Auskunft zu vermeiden wie die Vorstellung, dass jeder Priester schnell „Ausnahmen“ gewähren kann oder dass es Personen gibt, die gegen Gefälligkeiten sakramentale Privilegien erhalten können. Wenn ein verantwortungsbewusster und besonnener Mensch, der nicht beabsichtigt, seine Wünsche über das Allgemeinwohl der Kirche zu stellen, auf einen Hirten trifft, der den Ernst der Angelegenheit, die er in Händen hat, zu erkennen weiß, wird das Risiko vermieden, dass eine bestimmte Unterscheidung daran denken lässt, die Kirche vertrete eine Doppelmoral.
Die mildernden Umstände in der pastoralen Unterscheidung
301. Um in rechter Weise zu verstehen, warum in einigen sogenannten „irregulären“ Situationen eine besondere Unterscheidung möglich und notwendig ist, gibt es einen Punkt, der immer berücksichtigt werden muss, damit niemals der Gedanke aufkommen kann, man beabsichtige, die Anforderungen des Evangeliums zu schmälern. Die Kirche ist im Besitz einer soliden Reflexion über die mildernden Bedingungen und Umstände. Daher ist es nicht mehr möglich zu behaupten, dass alle, die in irgendeiner sogenannten „irregulären“ Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben. Die Einschränkungen haben nicht nur mit einer eventuellen Unkenntnis der Norm zu tun. Ein Mensch kann, obwohl er die Norm genau kennt, große Schwierigkeiten haben » im Verstehen der Werte, um die es in der sittlichen Norm geht «,[339] oder er kann sich in einer konkreten Lage befinden, die ihm nicht erlaubt, anders zu handeln und andere Entscheidungen zu treffen, ohne eine neue Schuld auf sich zu laden. Wie die Synodenväter richtig zum Ausdruck brachten, » kann [es] Faktoren geben, die die Entscheidungsfähigkeit begrenzen «.[340] Schon der heilige Thomas von Aquin räumte ein, dass jemand die Gnade und die Liebe besitzen kann, ohne jedoch imstande zu sein, irgendeine der Tugenden gut auszuüben,[341] so dass er, selbst wenn er alle ihm eingeflößten moralischen Tugenden besitzt, das Vorhandensein irgendeiner von ihnen nicht deutlich offenbart, weil die praktische Ausübung dieser Tugend erschwert ist: » Es wird gesagt, dass einige Heilige keine Tugenden besitzen, insofern sie Schwierigkeiten empfinden in deren Ausübung, obwohl sie die Gewohnheiten aller Tugenden haben. «[342]
302. In Bezug auf diese Bedingtheiten macht der Katechismus der Katholischen Kirche eine überzeugende Aussage: » Die Anrechenbarkeit einer Tat und die Verantwortung für sie können durch Unkenntnis, Unachtsamkeit, Gewalt, Furcht, Gewohnheiten, übermäßige Affekte sowie weitere psychische oder gesellschaftliche Faktoren vermindert, ja sogar aufgehoben sein. «[343] Ein weiterer Abschnitt bezieht sich erneut auf Umstände, welche die moralische Verantwortlichkeit vermindern, und erwähnt mit großer Ausführlichkeit » affektive Unreife, die Macht eingefleischter Gewohnheiten, Angstzustände und weitere psychische oder gesellschaftliche Faktoren «.[344] Aus diesem Grund beinhaltet ein negatives Urteil über eine objektive Situation kein Urteil über die Anrechenbarkeit oder die Schuldhaftigkeit der betreffenden Person.[345] Im Kontext dieser Überzeugungen halte ich für sehr angemessen, was viele Synodenväter festhalten wollten: » Unter bestimmten Umständen kann es für Menschen eine große Schwierigkeit darstellen, anders zu handeln […] Die pastorale Bemühung, die Geister zu unterscheiden, muss sich, auch unter Berücksichtigung des  recht geformten Gewissens der Menschen, dieser Situationen annehmen. Auch die Folgen der vorgenommenen Handlungen sind nicht in allen Fällen notwendigerweise dieselben. «[346]
303. Aufgrund der Erkenntnis, welches Gewicht die konkreten Bedingtheiten haben, können wir ergänzend sagen, dass das Gewissen der Menschen besser in den Umgang der Kirche mit manchen Situationen einbezogen werden muss, die objektiv unsere Auffassung der Ehe nicht verwirklichen. Selbstverständlich ist es notwendig, zur Reifung eines aufgeklärten, gebildeten und von der verantwortlichen und ernsten Unterscheidung des Hirten begleiteten Gewissens zu ermutigen und zu einem immer größeren Vertrauen auf die Gnade anzuregen. Doch dieses Gewissen kann nicht nur erkennen, dass eine Situation objektiv nicht den generellen Anforderungen des Evangeliums entspricht. Es kann auch aufrichtig und ehrlich das erkennen, was vorerst die großherzige Antwort ist, die man Gott geben kann, und mit einer gewissen moralischen Sicherheit entdecken, dass dies die Hingabe ist, die Gott selbst inmitten der konkreten Vielschichtigkeit der Begrenzungen fordert, auch wenn sie noch nicht völlig dem objektiven Ideal entspricht. Auf jeden Fall sollen wir uns daran erinnern, dass diese Unterscheidung dynamisch ist und immer offen bleiben muss für neue Phasen des Wachstums und für neue Entscheidungen, die erlauben, das Ideal auf vollkommenere Weise zu verwirklichen.
Die Normen und die Unterscheidung
304.  Es ist kleinlich, nur bei der Erwägung stehen zu bleiben, ob das Handeln einer Person einem Gesetz oder einer allgemeinen Norm entspricht oder nicht, denn das reicht nicht aus, um eine völlige Treue gegenüber Gott im konkreten Leben eines Menschen zu erkennen und sicherzustellen. Ich bitte nachdrücklich darum, dass wir uns an etwas erinnern, das der heilige Thomas von Aquin lehrt, und dass wir lernen, es in die pastorale Unterscheidung aufzunehmen: » Obgleich es im Bereich des Allgemeinen eine gewisse Notwendigkeit gibt, unterläuft desto eher ein Fehler, je mehr man in den Bereich des Spezifischen absteigt […] Im Bereich des Handelns […] liegt hinsichtlich des Spezifischen nicht für alle dieselbe praktische Wahrheit oder Richtigkeit vor, sondern nur hinsichtlich des Allgemeinen; und bei denen, für die hinsichtlich des Spezifischen dieselbe Richtigkeit vorliegt, ist sie nicht allen in gleicher Weise bekannt […] Es kommt also umso häufiger zu Fehlern, je mehr man in die spezifischen Einzelheiten absteigt. «[347]  Es ist wahr, dass die allgemeinen Normen ein Gut darstellen, das man niemals außer Acht lassen oder vernachlässigen darf, doch in ihren Formulierungen können sie unmöglich alle Sondersituationen umfassen. Zugleich muss gesagt werden, dass genau aus diesem Grund das, was Teil einer praktischen Unterscheidung angesichts einer Sondersituation ist, nicht in den Rang einer Norm erhoben werden kann. Das gäbe nicht nur Anlass zu einer unerträglichen Kasuistik, sondern würde die Werte, die mit besonderer Sorgfalt bewahrt werden müssen, in Gefahr bringen.[348]
305. Daher darf ein Hirte sich nicht damit zufrieden geben, gegenüber denen, die in „irregulären“ Situationen leben, nur moralische Gesetze anzuwenden, als seien es Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft. Das ist der Fall der verschlossenen Herzen, die sich sogar hinter der Lehre der Kirche zu verstecken pflegen, » um sich auf den Stuhl des Mose zu setzen und – manchmal von oben herab und mit Oberflächlichkeit – über die schwierigen Fälle und die verletzten Familien zu richten «.[349] Auf derselben Linie äußerte sich die Internationale Theologische Kommission: » Das natürliche Sittengesetz sollte also nicht vorgestellt werden als eine schon bestehende Gesamtheit aus Regeln, die sich a priori dem sittlichen Subjekt auferlegen, sondern es ist eine objektive Inspirationsquelle für sein höchst personales Vorgehen der Entscheidungsfindung. «[350] Aufgrund der Bedingtheiten oder mildernder Faktoren ist es möglich, dass man mitten in einer objektiven Situation der Sünde – die nicht subjektiv schuldhaft ist oder es zumindest nicht völlig ist – in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann, wenn man dazu die Hilfe der Kirche bekommt.[351]  Die Unterscheidung muss dazu verhelfen, die möglichen Wege der Antwort auf Gott und des Wachstums inmitten der Begrenzungen zu finden. In dem Glauben, dass alles weiß oder schwarz ist, versperren wir manchmal den Weg der Gnade und des Wachstums und nehmen den Mut für Wege der Heiligung, die Gott verherrlichen. Erinnern wir uns daran, dass »ein kleiner Schritt inmitten großer menschlicher Begrenzungen […] Gott wohlgefälliger sein [kann] als das äußerlich korrekte Leben dessen, der seine Tage verbringt, ohne auf nennenswerte Schwierigkeiten zu stoßen «.[352] Die konkrete Seelsorge der Amtsträger und der Gemeinden muss diese Wirklichkeit mit einbeziehen.
306. Unter allen Umständen muss gegenüber jenen, die Schwierigkeiten haben, das göttliche Gesetz völlig in ihr Leben umzusetzen, die Einladung erklingen, die via caritatis, den Weg der Liebe zu beschreiten. Die Nächstenliebe ist das vorrangige Gesetz der Christen (vgl. Joh 15,12; Gal 5,14). Vergessen wir nicht die Verheißung der Schrift: » Vor allem haltet fest an der Liebe zueinander; denn die Liebe deckt viele Sünden zu « (1 Petr 4,8). » Lösch deine Sünden aus durch rechtes Tun, tilge deine Vergehen, indem du Erbarmen hast mit den Armen « (Dan 4,24). » Wie Wasser loderndes Feuer löscht, so sühnt Mildtätigkeit Sünde « (Sir 3,30). Das ist es auch, was der heilige Augustinus lehrt: » Wie wir in der Gefahr eines Brandes eilen würden, um Löschwasser zu suchen […] so ist es auch, wenn aus unserem Stroh die Flamme der Sünde aufsteigen würde und wir darüber verstört wären: Wird uns dann die Gelegenheit zu einem Werk der Barmherzigkeit gegeben, freuen wir uns über dieses Werk, als sei es eine Quelle, die uns angeboten wird, damit wir den Brand löschen können. «[353]
Die Logik der pastoralen Barmherzigkeit
307.  Um jegliche fehlgeleitete Interpretation zu vermeiden, erinnere ich daran, dass die Kirche in keiner Weise darauf verzichten darf, das vollkommene Ideal der Ehe, den Plan Gottes in seiner ganzen Größe vorzulegen: » Die jungen Getauften sollen ermutigt werden, nicht zu zaudern angesichts des Reichtums, den das Ehesakrament ihrem Vorhaben von Liebe schenkt, gestärkt vom Beistand der Gnade Christi und der Möglichkeit, ganz am Leben der Kirche teilzunehmen. «[354] Lauheit, jegliche Form von Relativismus oder übertriebener Respekt im Augenblick des Vorlegens wären ein Mangel an Treue gegenüber dem Evangelium und auch ein Mangel an Liebe der Kirche zu den jungen Menschen selbst. Außergewöhnliche Situationen zu verstehen bedeutet niemals, das Licht des vollkommeneren Ideals zu verdunkeln, und auch nicht, weniger anzuempfehlen als das, was Jesus dem Menschen anbietet. Wichtiger als eine Seelsorge für die Gescheiterten ist heute das pastorale Bemühen, die Ehen zu festigen und so den Brüchen zuvorzukommen.
308.  Doch aus unserem Bewusstsein des Gewichtes der mildernden Umstände – psychologischer, historischer und sogar biologischer Art – folgt, dass man » ohne den Wert des vom Evangelium vorgezeichneten Ideals zu mindern, die möglichen Wachstumsstufen der Menschen, die Tag für Tag aufgebaut werden, mit Barmherzigkeit und Geduld begleiten « und so eine Gelegenheit schaffen muss für die » Barmherzigkeit des Herrn, die uns anregt, das mögliche Gute zu tun «.[355] Ich verstehe diejenigen, die eine unerbittlichere Pastoral vorziehen, die keinen Anlass zu irgendeiner Verwirrung gibt. Doch ich glaube ehrlich, dass Jesus Christus eine Kirche möchte, die achtsam ist gegenüber dem Guten, das der Heilige Geist inmitten der Schwachheit und Hinfälligkeit verbreitet: eine Mutter, die klar ihre objektive Lehre zum Ausdruck bringt und zugleich » nicht auf das mögliche Gute [verzichtet], auch wenn [sie] Gefahr läuft, sich mit dem Schlamm der Straße zu beschmutzen «.[356] Die Hirten, die ihren Gläubigen das volle Ideal des Evangeliums und der Lehre der Kirche nahelegen, müssen ihnen auch helfen, die Logik des Mitgefühls mit den Schwachen anzunehmen und Verfolgungen oder allzu harte und ungeduldige Urteile zu vermeiden. Das Evangelium selbst verlangt von uns, weder zu richten, noch zu verurteilen (vgl. Mt 7,1; Lk 6,37). Jesus » hofft, dass wir darauf verzichten, unsere persönlichen oder gemeinschaftlichen Zuflüchte zu suchen, die uns erlauben, gegenüber dem Kern des menschlichen Leids auf Distanz zu bleiben, damit wir dann akzeptieren, mit dem konkreten Leben der anderen ernsthaft in Berührung zu kommen und die Kraft der Zartheit kennen lernen. Wenn wir das tun, wird das Leben für uns wunderbar komplex.«[357]
309.  Es fügt sich gut, dass sich diese Überlegungen im Zusammenhang des der Barmherzigkeit gewidmeten Jubiläumsjahres entwickeln, denn angesichts der verschiedensten Situationen, welche die Familie in Mitleidenschaft ziehen, hat die Kirche » den Auftrag, die Barmherzigkeit Gottes, das pulsierende Herz des Evangeliums, zu verkünden, das durch sie das Herz und den Verstand jedes Menschen erreichen soll. Die Braut Christi macht sich die Haltung des Sohnes Gottes zu Eigen, der allen entgegengeht und keinen ausschließt«.[358] Sie weiß sehr wohl, dass Jesus sich selbst als Hirten von hundert Schafen darstellt und nicht von neunundneunzig. Er will sie alle. Aufgrund dieses Bewusstseins wird es möglich sein, dass » alle, Glaubende und Fernstehende, […] das Salböl der Barmherzigkeit erfahren [können], als Zeichen des Reiches Gottes, das schon unter uns gegenwärtig ist.«[359]
310.  Wir dürfen nicht vergessen, dass » Barmherzigkeit nicht nur eine Eigenschaft des Handelns Gottes ist. Sie wird vielmehr auch zum Kriterium, an dem man erkennt, wer wirklich seine Kinder sind. Wir sind also gerufen, Barmherzigkeit zu üben, weil uns selbst bereits Barmherzigkeit erwiesen wurde. «[360] Das ist kein romantischer Vorschlag oder eine schwache Antwort angesichts der Liebe Gottes, der die Menschen immer fördern will. Denn die Barmherzigkeit ist » der Tragebalken, der das Leben der Kirche stützt […] Ihr gesamtes pastorales Handeln sollte umgeben sein von der Zärtlichkeit, mit der sie sich an die Gläubigen wendet; ihre Verkündigung und ihr Zeugnis gegenüber der Welt können nicht ohne Barmherzigkeit geschehen. «[361] Es ist wahr, dass wir uns manchmal » wie Kontrolleure der Gnade und nicht wie ihre Förderer [verhalten]. Doch die Kirche ist keine Zollstation, sie ist das Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben.«.[362]
311.  Die Lehre der Moraltheologie dürfte nicht aufhören, diese Betrachtungen in sich aufzunehmen, denn obschon es zutrifft, dass auf die unverkürzte Vollständigkeit der Morallehre der Kirche zu achten ist, muss man besondere Achtsamkeit darauf verwenden, die höchsten und zentralsten Werte des Evangeliums hervorzuheben und zu ihnen zu ermutigen,[363] speziell den Primat der Liebe als Antwort auf die ungeschuldete Initiative der Liebe Gottes. Manchmal fällt es uns schwer, der bedingungslosen Liebe in der Seelsorge Raum zu geben.[364] Wir stellen der Barmherzigkeit so viele Bedingungen, dass wir sie gleichsam aushöhlen und sie um ihren konkreten Sinn und ihre reale Bedeutung bringen, und das ist die übelste Weise, das Evangelium zu verflüssigen. Es ist zum Beispiel wahr, dass die Barmherzigkeit die Gerechtigkeit und die Wahrheit nicht ausschließt, vor allem aber müssen wir erklären, dass die Barmherzigkeit die Fülle der Gerechtigkeit und die leuchtendste Bekundung der Wahrheit Gottes ist. Darum sollte man immer bedenken, »dass alle theologischen Begriffe unangemessen sind, die letztlich Gottes Allmacht selbst und insbesondere seine Barmherzigkeit infrage stellen «.[365]
312.  Das verleiht uns einen Rahmen und ein Klima, die uns davon abhalten, im Reden über die heikelsten Themen eine kalte Schreibtisch-Moral zu entfalten, und uns vielmehr in den Zusammenhang einer pastoralen Unterscheidung voll barmherziger Liebe versetzen, die immer geneigt ist zu verstehen, zu verzeihen, zu begleiten, zu hoffen und vor allem einzugliedern. Das ist die Logik, die in der Kirche vorherrschen muss, um » die Erfahrung [zu] machen, das Herz zu öffnen für alle, die an den unterschiedlichsten existenziellen Peripherien leben«.[366] Ich lade die Gläubigen, die in komplexen Situationen leben, ein, vertrauensvoll auf ein Gespräch mit ihren Hirten oder mit anderen Laien zuzugehen, die ihr Leben dem Herrn geschenkt haben. Nicht immer werden sie bei ihnen die Bestätigung ihrer eigenen Vorstellungen und Wünsche finden, doch sicher werden sie ein Licht empfangen, das ihnen erlaubt, ihre Situation besser zu verstehen, und sie werden einen Weg der persönlichen Reifung entdecken. Und ich lade die Hirten ein, liebevoll und gelassen zuzuhören, mit dem aufrichtigen Wunsch, mitten in das Drama der Menschen einzutreten und ihren Gesichtspunkt zu verstehen, um ihnen zu helfen, besser zu leben und ihren eigenen Ort in der Kirche zu erkennen.
Neuntes Kapitel
SPIRITUALITÄT IN EHE UND FAMILIE
313.  Die Liebe nimmt verschiedene Formen an, entsprechend dem Lebensstand, zu dem jeder Einzelne berufen ist. Schon vor einigen Jahrzehnten, als das Zweite Vatikanische Konzil sich auf das Laienapostolat bezog, hob es die Spiritualität hervor, die aus dem Familienleben entspringt. Es betonte, dass das geistliche Leben der Laien auch » vom Stand der Ehe und der Familie […] her ein besonderes Gepräge annehmen [muss] «[367]  und dass die familiären Sorgen nicht etwas sein dürfen, das » außerhalb des Bereiches ihres geistlichen Lebens « steht.[368]  Es lohnt sich also, dass wir kurz innehalten, um einige grundlegende Züge dieser besonderen Spiritualität zu beschreiben, die sich in der Dynamik der Beziehungen des Familienlebens entwickelt.
Spiritualität der übernatürlichen Gemeinschaft
314.  Immer haben wir von der göttlichen Einwohnung im Herzen eines Menschen gesprochen, der in der Gnade lebt. Heute können wir auch sagen, dass die Dreifaltigkeit im Tempel der ehelichen Gemeinschaft gegenwärtig ist. So wie sie im Lobpreis des Volkes wohnt (vgl. Ps 22,4), lebt sie zuinnerst in der ehelichen Liebe, die sie verherrlicht.
315.  Die Gegenwart des Herrn wohnt in der realen, konkreten Familie mit all ihren Leiden, ihren Kämpfen, ihren Freuden und ihrem täglichen Ringen. Wenn man in der Familie lebt, ist es schwierig zu heucheln und zu lügen; wir können keine Maske aufsetzen. Wenn die Liebe diese Echtheit beseelt, dann herrscht der Herr dort mit seiner Freude und seinem Frieden. Die Spiritualität der familiären Liebe besteht aus Tausenden von realen und konkreten Gesten. In dieser Mannigfaltigkeit von Gaben und Begegnungen, die das innige Miteinander  reifen lassen, hat Gott seine Wohnung. Diese Hingabe ist es, die » Menschliches und Göttliches in sich eint «[369] denn sie ist erfüllt von der Liebe Gottes. Letztlich ist die eheliche Spiritualität eine Spiritualität der innigen Verbindung, in der die göttliche Liebe wohnt.
316.  Eine gut gelebte Gemeinschaft in der Familie ist ein echter Weg der Heiligung im gewöhnlichen Leben wie auch des mystischen Wachstums, ein Mittel zur innigen Vereinigung mit Gott. Denn die geschwisterlichen und gemeinschaftlichen Anforderungen des Lebens in der Familie sind eine Gelegenheit, das Herz immer mehr zu öffnen, und das ermöglicht eine immer vollkommenere Begegnung mit dem Herrn. Das Wort Gottes sagt: » Wer aber seinen Bruder hasst, ist in der Finsternis « (1 Joh 2,11), » bleibt im Tod « (1 Joh 3,14) und » hat Gott nicht erkannt « (1 Joh 4,8).  Mein Vorgänger Benedikt XVI. hat betont, dass » die Abwendung vom Nächsten auch für Gott blind macht«[370] und dass die Liebe letztlich das einzige Licht ist, » das eine dunkle Welt immer wieder erhellt«.[371] Nur » wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet « (1 Joh 4,12). Da » der Mensch […] eine eingeborene, seiner Struktur eingegebene soziale Dimension [besitzt]«[372] und » die soziale Dimension des Menschen […] ihren ersten und ursprünglichen Ausdruck im Ehepaar und in der Familie [findet] «,[373] nimmt die Spiritualität im familiären Miteinander Fleisch und Blut an. Wer also ein tiefes Verlangen nach Spiritualität hat, soll nicht meinen, die Familie halte ihn von einem Wachstum im Leben des Geistes fern; sie ist vielmehr ein Weg, den der Herr verwendet, um ihn auf die Gipfel der mystischen Vereinigung zu führen.
Vereint im Gebet im Licht des Ostergeheimnisses
317. Wenn es der Familie gelingt, sich auf Christus zu konzentrieren, eint und erleuchtet er das gesamte Familienleben. Die Schmerzen und die Ängste erlebt man in der Gemeinschaft mit dem Kreuz des Herrn, und seine Umarmung ermöglicht, die schlimmsten Momente zu ertragen. In den bitteren Tagen der Familie gibt es eine Vereinigung mit dem verlassenen Jesus, die einen Bruch verhindern kann. So erreichen es die Familien nach und nach, » mit der Gnade des Heiligen Geistes durch das Eheleben ihre Heiligkeit zu verwirklichen, auch dadurch, dass sie am Geheimnis des Kreuzes Christi teilhaben, das Schwierigkeiten und Leiden in ein Opfer der Liebe verwandelt «.[374] Andererseits werden die Momente der Freude, der Erholung oder des Festes und auch die Sexualität als eine Teilhabe an der Fülle des Lebens in seiner Auferstehung erlebt. Die Eheleute bilden mit verschiedenen täglichen Gesten jenen » göttliche[n] Ort […] an dem die mystische Gegenwart des auferstandenen Herrn erfahren werden kann«.[375]
318. Das Gebet in der Familie ist ein bevorzugtes Mittel, um diesen Osterglauben auszudrücken und zu stärken. [376] Man kann jeden Tag ein paar Minuten finden, um gemeinsam vor dem lebendigen Herrn zu stehen, ihm die Dinge zu sagen, die Sorge bereiten, zu bitten um das, was die Familie braucht, zu beten für jemanden, der einen schwierigen Moment durchmacht, von Gott die Hilfe zu erbitten, um lieben zu können, ihm zu danken für das Leben und die guten Dinge und von der Jungfrau Maria den Schutz unter ihrem mütterlichen Mantel zu erflehen. Mit einfachen Worten. So kann dieser Moment des Gebetes für die Familie sehr viel Gutes bewirken. Die verschiedenen Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit sind für viele Familien ein Schatz der Spiritualität. Der gemeinsame Weg des Gebetes erreicht seinen Höhepunkt in der gemeinsamen Teilnahme an der Eucharistie, besonders inmitten der Sonntagsruhe. Jesus klopft an die Tür der Familie, um mit ihr das eucharistische Mahl zu halten (vgl. Offb 3,20). Dort können die Eheleute immer neu den österlichen Bund besiegeln, der sie vereint hat und der den Bund widerspiegelt, den Gott mit der Menschheit am Kreuz besiegelte.[377] Die Eucharistie ist das Sakrament des Neuen Bundes, wo die Erlösungstat Christi vergegenwärtigt wird (vgl. Lk 22,20). So gewahrt man die innigen Verbindungen, die zwischen dem Eheleben und der Eucharistie bestehen.[378] Die Nahrung der Eucharistie ist Kraft und Anreiz, den Ehebund jeden Tag als » Hauskirche «[379] zu leben.
Spiritualität der ausschließlichen, aber nicht besitzergreifenden Liebe
319.  In der Ehe lebt man auch den Sinn dessen, nur einem einzigen Menschen ganz zu gehören. Die Eheleute nehmen die Herausforderung an und haben den Herzenswunsch, gemeinsam alt zu werden und ihre Kräfte einzusetzen, und so spiegeln sie die Treue Gottes wider. Dieser feste Entschluss, der einen Lebensstil kennzeichnet, ist eine » dem ehelichen Liebesbund innewohnende Notwendigkeit «,[380] denn » wer sich nicht entscheidet, für immer zu lieben, für den ist es schwierig, auch nur einen Tag wirklich lieben zu können «.[381]  Doch das hätte keinen geistlichen Sinn, wenn es sich nur um ein mit Resignation gelebtes Gesetz handelte. Es ist eine Zugehörigkeit des Herzens, dort, wo nur Gott es sieht (vgl. Mt 5,28). Jeden Morgen beim Aufstehen fasst man vor Gott erneut diesen Entschluss zur Treue, was im Laufe des Tages auch immer kommen mag. Und beim Schlafengehen hofft jeder, wieder aufzuwachen, um dieses Abenteuer fortzusetzen im Vertrauen auf die Hilfe des Herrn. So ist jeder Ehepartner für den anderen Zeichen und Werkzeug der Nähe des Herrn, der uns nicht alleine lässt: » Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt « (Mt 28,20).
320.  Es gibt einen Punkt, an dem die Liebe des Paares seine größte Befreiung erlangt und zu einem Raum heilsamer Autonomie wird: wenn jeder entdeckt, dass der andere nicht sein Eigentum ist, sondern einen viel bedeutenderen Besitzer hat, nämlich seinen einzigen Herrn. Niemand anderes kann beanspruchen, Besitz zu ergreifen vom innersten und geheimsten persönlichen Bereich des geliebten Menschen, und nur er kann das Zentrum seines Lebens einnehmen. Zugleich bewirkt der Grundsatz eines geistlichen Realismus, dass der Ehepartner nicht mehr den Anspruch erhebt, dass der andere seine Bedürfnisse vollkommen befriedigt. Es ist notwendig, dass der geistliche Weg jedes Einzelnen ihm hilft – wie Dietrich Bonhoeffer es gut ausdrückte – eine gewisse » Enttäuschung «[382] über den anderen zu erfahren, es aufzugeben, von diesem Menschen das zu erwarten, was allein der Liebe Gottes eigen ist. Das erfordert einen inneren Verzicht. Der ausschließliche Raum, den jeder der Ehepartner seinem einsamen Umgang mit Gott vorbehält, erlaubt nicht nur, die Verwundungen des Zusammenlebens zu heilen, sondern ermöglicht auch, in der Liebe Gottes den Sinn des eigenen Lebens zu finden. Wir müssen jeden Tag das Handeln des Heiligen Geistes erflehen, damit diese innere Freiheit möglich ist.
Spiritualität der Fürsorge, des Trostes und des Ansporns
321.  » Die christlichen Eheleute sind füreinander, für ihre Kinder und die übrigen Familienangehörigen Mitarbeiter der Gnade und Zeugen des Glaubens. «[383] Gott beruft sie zur Zeugung und zur Fürsorge. Eben deshalb war die Familie » schon immer das nächstgelegene „Krankenhaus“ «.[384] Pflegen wir einander, stützen wir einander, spornen wir uns gegenseitig an, und leben wir all das als Teil unserer familiären Spiritualität. Das Leben als Paar ist eine Teilhabe am fruchtbaren Werk Gottes, und jeder ist für den anderen eine ständige Provokation des Heiligen Geistes. Die Liebe Gottes drückt sich » auch in den persönlichen Worten aus […] mit denen Mann und Frau einander ihre eheliche Liebe konkret kundtun«.[385] So sind die beiden füreinander Widerschein der göttlichen Liebe, die mit dem Wort, dem Blick, der Hilfe, der Liebkosung und der Umarmung tröstet. Darum ist » der Wunsch, eine Familie zu gründen […] der Entschluss, ein Teil von Gottes Traum zu sein, der Entschluss, mit ihm zu träumen, der Entschluss, mit ihm aufzubauen, der Entschluss, sich gemeinsam mit ihm in dieses Abenteuer zu stürzen, eine Welt aufzubauen, wo keiner sich allein fühlt «.[386]
322.  Das ganze Leben der Familie ist ein barmherziges „Weiden und Hüten“. Behutsam malt und schreibt jeder in das Leben des anderen ein: » Unser Empfehlungsschreiben seid ihr; es ist eingeschrieben in unser Herz […] geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes« (2 Kor 3,2-3). Jeder ist ein „Menschenfischer“ (vgl. Lk 5,10), der im Namen Jesu „die Netze auswirft“ (vgl. Lk 5,5) nach den anderen, oder ein Bauer, der das frische Erdreich seiner Lieben bearbeitet und das Beste aus ihnen herausholt. Die eheliche Fruchtbarkeit bedeutet auch zu fördern, denn » jemanden zu lieben heißt, etwas Unbestimmbares und Unvorhersehbares von ihm zu erwarten; und es bedeutet zugleich, ihm auf irgendeine Weise zu dem Mittel zu verhelfen, um dieser Erwartung entsprechen zu können «.[387] Das ist ein Gottesdienst, denn Gott ist es, der viele gute Dinge in uns aussäte, in der Hoffnung, dass wir sie wachsen lassen.
323.  Es ist eine tiefe geistliche Erfahrung, jeden geliebten Menschen mit den Augen Gottes zu betrachten und in ihm Christus zu erkennen. Das erfordert eine gegenleistungsfreie Bereitschaft, die erlaubt, seine Würde zu schätzen. Man kann dem anderen gegenüber vollkommen gegenwärtig sein, wenn man sich ihm „einfach so“ voll und ganz widmet und alles andere ringsum vergisst. Der geliebte Mensch verdient die ganze Aufmerksamkeit. Jesus war dafür ein Vorbild, denn wenn jemand auf ihn zukam, um mit ihm zu sprechen, nahm er ihn in den Blick und schaute ihn mit Liebe an (vgl. Mk 10,21). Niemand fühlte sich in seiner Gegenwart außer Acht gelassen, weil seine Worte und seine Gesten ein Ausdruck dieser Frage waren: » Was soll ich dir tun? « (Mk 10,51). Das wird mitten im alltäglichen Leben der Familie gelebt. Dort erinnern wir uns, dass dieser Mensch, der mit uns lebt, all das verdient, denn er besitzt eine unendliche Würde, da er Objekt der unermesslichen Liebe des himmlischen Vaters ist. So keimt die Zärtlichkeit auf, die fähig ist, » im anderen die Freude hervorzurufen, sich geliebt zu fühlen. Sie drückt sich in besonderer Weise darin aus, sich den Grenzen des anderen mit vorzüglicher Achtsamkeit zuzuwenden, besonders dann, wenn diese Begrenzungen offensichtlich hervortreten. «[388]
324.  Unter dem Antrieb des Heiligen Geistes nimmt die Kernfamilie das Leben nicht nur an, indem sie es im eigenen Schoß zeugt, sondern auch indem sie sich öffnet, aus sich herausgeht, um ihr Gut unter den anderen zu verbreiten, um für sie zu sorgen und ihr Glück zu suchen. Diese Öffnung kommt besonders in der Gastfreundschaft zum Ausdruck,[389] zu der das Wort Gottes in verlockender Weise ermutigt: » Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt « (Hebr 13,2). Wenn die Familie die anderen aufnimmt und zu ihnen hinausgeht, besonders zu den Armen und Verlassenen, dann ist sie » Symbol und Zeugin für die […] Mutterschaft der Kirche, an der sie aktiv teilnimmt«.[390] Die soziale Liebe, ein Abglanz der Dreifaltigkeit, ist in Wirklichkeit das, was den geistlichen Sinngehalt der Familie und ihre Mission außerhalb ihrer selbst zusammenschließt, denn sie lässt das Kerygma mit allen seinen auf die Gemeinschaft bezogenen Anforderungen gegenwärtig werden. Die Familie lebt ihre besondere Spiritualität, indem sie zugleich Hauskirche und lebendige Zelle für die Verwandlung der Welt ist.[391] 
325.  Die Worte des Meisters (vgl. Mt 22,30) und die des heiligen Paulus (vgl. 1 Kor 7,29-31) über die Ehe sind – nicht zufällig – in die letzte und endgültige Dimension unseres Lebens eingefügt, die wir wiedergewinnen müssen. Auf diese Weise werden die Eheleute den Sinn des Weges, den sie gehen, erkennen können. Denn, wie wir mehrere Male in diesem Schreiben in Erinnerung gerufen haben, ist keine Familie eine himmlische Wirklichkeit und ein für alle Mal gestaltet, sondern sie verlangt eine fortschreitende Reifung ihrer Liebesfähigkeit. Es besteht ein ständiger Aufruf, der aus der vollkommenen Communio der Dreifaltigkeit, aus der kostbaren Vereinigung zwischen Christus und seiner Kirche, aus jener so schönen Gemeinschaft der Familie von Nazareth und aus der makellosen Geschwisterlichkeit unter den Heiligen des Himmels hervorgeht. Trotzdem erlaubt uns die Betrachtung der noch nicht erreichten Fülle auch, die geschichtliche Wegstrecke, die wir als Familie zurücklegen, zu relativieren, um aufzuhören, von den zwischenmenschlichen Beziehungen eine Vollkommenheit, eine Reinheit der Absichten und eine Kohärenz zu verlangen, zu der wir nur im endgültigen Reich finden können. Es hält uns auch davon ab, jene hart zu richten, die in Situationen großer Schwachheit leben. Alle sind wir aufgerufen, das Streben nach etwas, das über uns selbst und unsere Grenzen hinausgeht, lebendig zu erhalten, und jede Familie muss in diesem ständigen Anreiz leben. Gehen wir voran als Familien, bleiben wir unterwegs! Was uns verheißen ist, ist immer noch mehr. Verzweifeln wir nicht an unseren Begrenztheiten, doch verzichten wir ebenso wenig darauf, nach der Fülle der Liebe und der Communio zu streben, die uns verheißen ist.

Gebet zur Heiligen Familie

                Jesus, Maria und Josef,
                in euch betrachten wir
                den Glanz der wahren Liebe,
                an euch wenden wir uns voll Vertrauen.
                Heilige Familie von Nazareth,
                mache auch unsere Familien
                zu Orten innigen Miteinanders
                und zu Gemeinschaften des Gebetes,
                zu echten Schulen des Evangeliums
                und zu kleinen Hauskirchen.
                Heilige Familie von Nazareth,
                nie mehr gebe es in unseren Familien
                Gewalt, Halsstarrigkeit und Spaltung;
                wer Verletzung erfahren
                oder Anstoß nehmen musste,
                finde bald Trost und Heilung.
                Heilige Familie von Nazareth,
                lass allen bewusst werden,
                wie heilig und unantastbar die Familie ist
                und welche Schönheit sie besitzt im Plan Gottes.
                Jesus, Maria und Josef,
                hört und erhört unser Flehen.
                Amen.

Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, im Außerordentlichen Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit, am 19. März, dem Hochfest des heiligen Josef, im Jahr 2016, dem vierten meines Pontifikats.
                                                                                         fr-sign--

Wissenschaftlicher Apparat - Anmerkungen

[1]  III. Außerordentliche Generalversammlung der Bischofssynode, Relatio Synodi (18. Oktober 2014), 2.
[2] XIV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode, Relatio finalis (24. Oktober 2015), 3.
[3] Ansprache zum Abschluss der XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode (24. Oktober 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45,          Nr. 44 (30. Oktober 2015), S. 1. Vgl. Päpstliche Bibelkommission, Fede e cultura alla luce della Bibbia. Atti della Sessione plenaria 1979 della Pontificia        Commissione Biblica (Glaube und Kultur im Licht der Bibel. Akten der Plenarsitzung 1979), Turin 1981; Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst.              
Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute, 44; Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio (7. Dezember 1990), 52: AAS 83           (1991), S. 300; Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium (24. November 2013), 69. 117: AAS 105 (2013), S. 1049.1068-1069.
[4] Ansprache bei der Begegnung mit den Familien in Santiago de Cuba (22. September 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 40 (2. Oktober                2015), S. 8.
[5] Jorge Luis Borges, Calle desconocida, in Fervor de Buenos Aires, Buenos Aires 2011, S. 23.
[6]  Homilie in der Eucharistiefeier in Puebla de los Ángeles (28. Januar 1979), 2: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 9, Nr. 6 (9. Februar 1979), S. 9; AAS 76        (1979), S. 184.
[7] Vgl. ebd.
[8] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben
Familiaris consortio (22. November 1981), 4: AAS 74 (1982), S. 84.
[9]  Relatio Synodi 2014, 5.
[10]  Bischofskonferenz von Spanien, Matrimonio y familia (6. Juli 1979), 3.16.23.
[11] Relatio finalis 2015, 5.
[12] Relatio Synodi 2014, 5.
[13] Relatio finalis 2015, 8.
[14]
Ansprache an den Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika (24. September 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 40             2. Oktober 2015), S. 10.
[15]  Relatio finalis 2015, 29.
[16]
Relatio Synodi 2014, 10.
[17] III. Außerordentliche Generalversammlung der Bischofssynode, Botschaft: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 44, Nr. 43 (24. Oktober 2014), S. 12.
[18] Relatio Synodi 2014, 10.
[19] Relatio finalis 2015, 7.
[20] Ebd., 63.
[21] Konferenz der katholischen Bischöfe von Korea, Towards a Culture of Life! (15. März 2007).
[22]  Relatio Synodi 2014, 6.
[23]
Päpstlicher Rat für die Familie, Charta der Familienrechte (22. Oktober 1983), 11.
[24] Vgl. Relatio finalis 2015, 11-12.
[25] 
Päpstlicher Rat für die Familie, Charta der Familienrechte (22. Oktober 1983), Einführung.
[26]  Ebd., 9.
[27]  Relatio finalis 2015, 14.
[28]  Relatio Synodi 2014, 8.
[29]  Vgl. Relatio finalis 2015, 78.
[30]  Relatio Synodi 2014, 8.
[31]  Relatio finalis 2015, 23; vgl.
Botschaft zum Welttag des Migranten und Flchtlings 2016 (12. September 2015): L’Osservatore Romano          (dt.) Jg. 45, Nr. 44 (30. Oktober 2015), S. 11.
[32]  Relatio finalis 2015, 24.
[33]  Ebd., 21.
[34]  Ebd., 17.
[35]  Ebd., 20.
[36]  Vgl. ebd., 15.
[37]  
Ansprache zum Abschluss der XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode (24. Oktober 2015): L’Osservatore                  Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 44 (30. Oktober 2015), S. 1.
[38]
Bischofskonferenz von Argentinien, Navega mar adentro (31. Mai 2003), 42.
[39]   Bischofskonferenz von Mexiko, Que en Cristo nuestra paz México tenga vida digna (15. Februar 2009), 67.
[40]   Relatio finalis 2015, 25.
[41]   Ebd., 10.
[42] 
Generalaudienz (22. April 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 18 (1. Mai 2015), S. 2.
[43] 
Generalaudienz (29. April 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 19 (8. Mai 2015), S. 2.
[44]  Relatio finalis 2015, 28.
[45]  Ebd., 8.
[46]   Ebd., 58.
[47]   Ebd., 33.
[48]   Relatio Synodi 2014, 11.
[49]  Bischofskonferenz von Kolumbien, A tiempos difíciles, colombianos nuevos (13. Februar 2003), 3.
[50]  Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium (24. November 2013), 35: AAS 105 (2013), S. 1034.
[51]  Ebd., 164: AAS 105 (2013), S. 1088.
[52]   Ebd.
[53]   Ebd., 165: S. 1089.
[54]  Relatio Synodi 2014, 12.
[55]   Ebd., 14.
[56]   Ebd., 16.
[57]   Relatio finalis 2015, 41.
[58]   Ebd., 38.
[59]   Relatio Synodi 2014, 17.
[60]    Relatio finalis 2015, 43.
[61]   Relatio Synodi 2014, 18.
[62]   Ebd., 19.
[63]   Relatio finalis 2015, 38.
[64]   ohannes Paul II., Apostolisches Schreiben
Familiaris consortio (22. November 1981), 13: AAS 74 (1982), S. 94.
[65]   Relatio Synodi 2014, 21.
[66]   Katechismus der Katholischen Kirche, 1642.
[67]   Ebd.
[68]  
Generalaudienz (6. Mai 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 20 (15. Mai 2015), S. 2.
[69]  Leo der Grosse, Epistula Rustico narbonensi episcopo, inquis. IV: PL 54, Sp. 1205 A; vgl. Hinkmar von Reims, Epist. 22: PL 126, Sp. 142.
[70]  Vgl. Pius XII., Enzyklika
Mystici Corporis Christi (29. Juni 1943): AAS 35 (1943), S. 202: »  Matrimonio enim quo coniuges sibi invicem sunt ministri           gratiae… «.
[71]  Vgl. Codex des Kanonischen Rechtes, Can. 1116; 1161-1165; vgl. auch Gesetzbuch der katholischen Ostkirchen, Can. 832; 848-852.
[72]   Codex des Kanonischen Rechtes, Can. 1055 § 2.
[73]   Relatio Synodi 2014, 23.
[74]   Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben
Familiaris consortio (22. November 1981), 9: AAS 74 (1982), S. 90.
[75]   Relatio finalis 2015, 47.
[76]   Ebd.
[77]  
Homilie in der Eucharistiefeier zum Abschluss des VIII. Weltfamilientags (Philadelphia, 27. September 2015): L’Osservatore                   Romano (dt.) Jg. 45, Nr.40 (2. Oktober 2015), S. 4.
[78]   Relatio finalis 2015, 53-54.
[79]   Ebd., 51.
[80]  Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst.
Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute, 48.
[81] Vgl. Codex des Kanonischen Rechts, Can 1055 § 1: »  Ad bonum coniugum atque ad prolis generationem et educationem ordinatum «.
[82]   Katechismus der Katholischen Kirche, 2360.
[83]   Ebd., 1654.
[84]   Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst.
Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute, 48.
[85]   Katechismus der Katholischen Kirche, 2366.
[86]   Vgl. Paul VI., Enzyklika Humanae vitae (25. Juli 1968), 11-12: AAS 60 (1968), S. 488-489.
[87]   Katechismus der Katholischen Kirche, 2378.
[88]   Kongregation für die Glaubenslehre, Instruktion
Donum vitae (22. Februar 1987), II, 8: AAS 80 (1988), S. 97.
[89]   Relatio finalis 2015, 63.
[90]   Relatio Synodi 2014, 57.
[91]   Ebd., 58.
[92]   Ebd., 57.
[93]   Relatio finalis 2015, 64.
[94]   Relatio Synodi 2014, 60.
[95]   Ebd., 61.
[96]   Codex des Kanonischen Rechtes Can. 1136; vgl. Gesetzbuch der katholischen Ostkirchen, Can. 627.
[97]   
Päpstlicher Rat für die Familie,ᅠ Menschliche Sexualit¦t: Wahrheit und Bedeutung (8. Dezember 1995), 23.
[98]   
Generalaudienz (20 Mai 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 22 (29. Mai 2015), S. 2.
[99]   Vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben
Familiaris consortio (22. November 1981), 38: AAS 74 (1982), S. 129.
[100]  Vgl.
Ansprache zur Er￶ffnung der Pastoraltagung der Di￶zese Rom (14. Juni 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 26 (26.                 Juni 2015), S. 7.
[101]  Relatio Synodi 2014, 23.
[102]   Relatio finalis 2015, 52.
[103]   Ebd., 49-50.
[104]   Katechismus der Katholischen Kirche, 1641.
[105]  Vgl. Benedikt XVI.,
Enzyklika Deus caritas est (25. Dezember 2005), 2: AAS 98 (2006), S. 218.
[106]  Ejercicios Espirituales, Contemplación para alcanzar amor, 230 (dt. Ausg.: Geistliche Übungen, Betrachtung, um Liebe zu erlangen, 230, Würzburg            2015 3).
[107]  Octavio Paz, La llama doble, Barcelona 1993, S. 35.
[108]  Thomas von Aquin, Summa Theologiae II-II ae, q. 114, art. 2, ad 1.
[109]  Generalaudienz (13. Mai 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg 45, Nr. 21 (22. Mai 2015), S. 2.
[110]   Summa Theologiae II-II ae, q. 27, art. 1, ad 2.
[111]   Ebd., art. 1.
[112]   Generalaudienz (13. Mai 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 21 (22. Mai 2015), S. 2.
[113] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981), 21: AAS 74 (1982), S. 106.
[114]  Sermon delivered at Dexter Avenue Baptist Church, Montgomery, Alabama (17. November 1957).
[115]  Thomas von Aquin versteht diese Liebe als »  vis unitiva « ( Summa Theologiae I, q. 20, art. 1, ad 3) und greift dabei auf eine Formulierung des Pseudo-Dionysios Areopagita zurück (vgl. De divinis nominibus, IV, 12: PG 3, Sp. 709).
[116]  Thomas von Aquin, Summa Theologiae II-II ae, q. 27, art. 2. [117] Enzyklika Casti connubii (31. Dezember 1930): AAS 22 (1930), S. 547-548.
[118]  Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben
Familiaris consortio (22. November 1981), 13: AAS 74 (1982), S. 94.
[119]   Generalaudienz (2. April 2014): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 44, Nr. 15 (11. April 2014), S. 2.
[120]   Ebd.
[121]   Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben
Familiaris consortio (22. November 1981), 9: AAS 74 (1982), S. 90.
[122]   Thomas von Aquin, Summa contra Gentiles, III, 123; vgl. Aristoteles, Nikomachische Ethik, 8, 12 (ed. Bywater, Oxford 1984, S. 174).
[123]   Enzyklika Lumen fidei (29. Juni 2013), 52: AAS 105 (2013), S. 590.
[124]   De sacramento matrimonii I, 2, in: Ders., Disputationes, III, 5, 3 (ed. Giuliano, Neapel 1858, S. 778).
[125]   Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst.
Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute, 50.
[126]   Ebd., 49.
[127]   Summa Theologiae I-II ae, q. 31, art. 3, ad 3.
[128]   Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst.
Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute, 48.
[129]   Thomas von Aquin, Summa Theologiae I-II ae, q. 26, art. 3.
[130]    Ebd., q. 110, art. 1.
[131]   Confessiones, VIII, 3, 7: PL 32, Sp. 752.
[132]  Ansprache an die Familien aus aller Welt anl¦sslich ihrer Pilgerreise nach Rom im トJahr des Glaubensモ (26. Oktober 2013): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 43, Nr. 44 (1. November 2013), S. 7.
[133]  Angelus (29. Dezember 2013): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 44, Nr. 1 (3. Januar 2014), S. 1.
[134]
Ansprache an die Familien aus aller Welt anl¦sslich ihrer Pilgerreise nach Rom im トJahr des Glaubensモ (26. Oktober 2013):                 L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 43, Nr. 44 (1. November 2013), S. 7.
[135]  Summa Theologiae II-II ae, q. 24, art. 7.
[136] Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst.
Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute, 48.
[137]
Bischofskonferenz von Chile , La vida y la familia: regalos de Dios para cada uno de nosostros (21. Oktober 2014).
[138]   Past. Konst. Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute, 49.
[139]  Antonin-Gilbert Sertillanges O.P., L’amour chrétien, Paris 1920, S. 174.
[140]  Vgl. Thomas von Aquin, Summa Theologiae I-II ae, q. 24, art 1.
[141]  Vgl. ebd., q. 59, art. 5.
[142]  Enzyklika
Deus caritas est (25. Dezember 2005), 3: AAS 98 (2006), S. 219-220.
[143]  Ebd., 4: AAS 98 (2006), S. 220.
[144]  Vgl. Thomas von Aquin, Summa Theologiae I-II ae, q. 32, art. 7.
[145]  Vgl. ebd., II-IIae, q. 153, art. 2, ad 2: »  Abundantia delectationis quae est in actu venereo secundum rationem ordinato, non                         contrariatur medio virtutis. «
[146]  Johannes Paul II., Generalaudienz (22. Oktober 1980), 5: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 10, Nr. 44 (31. Oktober 1980), S. 2.
[147]   Ebd., 3.
[148]  Ders., Generalaudienz (24. September 1980), 4: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 10, Nr. 40 (3. Oktober 1980), S. 2.
[149]  Generalaudienz (12. November 1980), 2: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 10, Nr. 47 (21. November 1980), S. 2.
[150]   Ebd., 4.
[151]   Ebd., 5.
[152]   Ebd., 1.
[153]   Generalaudienz (16. Januar 1980), 1: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 10, Nr. 4 (25. Januar 1980), S. 1.
[154]  Josef Pieper, Über die Liebe, München 2014, S. 174-175.
[155]  Johannes Paul II., Enzyklika
Evangelium vitae (25. März 1995), 23: AAS 87 (1995), S. 427.
[156]  Paul VI., Enzyklika
Humanae vitae (25. Juli 1968), 13: AAS 60 (1968), S. 489.
[157]  Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst.
Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute, 49.
[158] Generalaudienz (18. Juni 1980), 5: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 10, Nr. 26 (27. Juni 1980), S. 2.
[159]  Ebd., 6.
[160] Vgl. Generalaudienz (30. Juli 1980), 1: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 10, Nr. 32/33 (16. August 1980), S. 2.
[161]  Generalaudienz (8. April 1981), 3: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 11, Nr. 16/17 (17. April 1981), S. 2.
[162] Generalaudienz (11. August 1982), 4: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 12, Nr. 35 (27. August 1982), S. 9.
[163] Enzyklika
Deus caritas est (25. Dezember 2005), 5: AAS 98 (2006), S. 221.
[164]  Ebd., 7.
[165]  Relatio finalis 2015, 22.
[166]  Generalaudienz (14. April 1982), 1: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 12, Nr. 17 (23. April 1982), S. 2.
[167]  Glossa in quatuor libros sententiarum Petri Lombardi, IV, XXVI, 2 (Quaracchi 1957, S. 446).
[168]  Johannes Paul II., Generalaudienz (7. April 1982), 2: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 12, Nr. 17 (23. April 1982), S. 11.
[169]  Ders., Generalaudienz (14. April 1982), 3: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 12, Nr. 17 (23. April 1982), S. 2.
[170]   Ebd.
[171]   Ders., Enzyklika
Redemptor hominis (4. März 1979), 10: AAS 71 (1979), S. 274.
[172]   Vgl. Thomas von Aquin, Summa Theologiae II-II ae, q. 27, art. 1.
[173] 
Päpstlicher Rat für die Familie, Ehe, Familie und faktische Lebensgemeinschaften (26. Juli 2000), 40.
[174]  Johannes Paul II., Generalaudienz (31. Oktober 1984), 6: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 14, Nr. 45 (9. November 1984), S. 2.
[175]  Benedikt XVI., Enzyklika Deus caritas est (25. Dezember 2005), 8: AAS 98 (2006), S. 224.
[176]  Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben
Familiaris consortio (22. November 1981), 14: AAS 74 (1982), S. 96.
[177]  Generalaudienz (11. Februar 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 8 (20. Februar 2015), S. 2.
[178]   Ebd.
[179]   Generalaudienz (8. April 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 16 (17. April 2015), S. 2.
[180]   Ebd.
[181]  Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst.
Gaudium et spes, 51: » Mögen alle daran denken: Das menschliche Leben und               die Aufgabe, es weiterzuvermitteln, haben nicht nur eine Bedeutung für diese Zeit und können deshalb auch nicht von daher allein            bemessen und verstanden werden, sondern haben immer eine Beziehung zu der ewigen Bestimmung des Menschen. «
[182]  Brief an die Generalsekretärin der internationalen Konferenz der UNO für Bevölkerungs- und Entwicklungsfragen (18. März 1994),             5: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 24, Nr. 18 (6. Mai 1994), S. 4.
[183]  Johannes Paul II., Generalaudienz (12. März 1980), 3: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 10, Nr. 12 (21. März 1980), S. 2.
[184]   Ebd., 6.
[185]  
Ansprache bei der Begegnung mit den Familien in Manila (16. Januar 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 4, (23.                      Januar 2015), S. 7; AAS 107 (2015), S. 176.
[186]  
Generalaudienz (11. Februar 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 8 (20. Februar 2015), S. 2.
[187]  
Generalaudienz (14. Oktober 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 43 (23. Oktober 2015), S. 2.
[188]  Konferenz der katholischen Bischöfe Australiens, Hirtenbrief Don’t Mess with Marriage, (24. November 2015), S. 11.
[189]  Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst.
Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute, 50.
[190]   Johannes Paul II., Generalaudienz (12. März 1980), 2: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 10, Nr. 12 (21. März 1980), S. 1.
[191]  Vgl. Ders., Apostolisches Schreiben
Mulieris dignitatem (15. August 1988), 30-31: AAS 80 (1988), S. 1726-1729.
[192]    
Generalaudienz (7. Januar 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 3 (16. Januar 2015), S. 2.
[193]   Ebd.
[194] 
Generalaudienz (28. Januar 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 6 (6. Februar 2015), S. 2.
[195]    Ebd.
[196]    Vgl. Relatio finalis 2015, 28.
[197] 
Generalaudienz (4. Februar 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 7 (13. Februar 2015), S. 2.
[198]  Ebd.
[199] Generalversammlung des Episkopats von Lateinamerika und der Karibik, Dokument von Aparecida (29. Juni 2007), 457.
[201] 
Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst.
Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute, 50.
[200]   Relatio finalis 2915, 65.
[202]   Ebd.    
[203] 
Ansprache bei der Begegnung mit den Familien in Manila (16. Januar 2015): L‘Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 4 (23. Januar                    2015), S. 7; AAS 107 (2015), S. 176.
[204] Mario Benedetti, Te quiero, in: Poemas de otros, Buenos Aires 1993, S. 316.
[205] Vgl.
Generalaudienz (16. September 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 39 (25. September 2015), S. 2.
[206]  Generalaudienz (7. Oktober 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 42 (16. Oktober 2015), S. 2.
[207] Benedikt XVI., Enzyklika
Deus caritas est (25. Dezember 2005), 14: AAS 98 (2006), S. 228.
[208] Vgl. Relatio finalis 2015, 11.
[209] 
Generalaudienz (18. März 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 14 (3. April 2015), S. 9.
[210] 
Generalaudienz (11. Februar 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 8 (20. Februar 2015), S. 2.
[211] Vgl. Relatio finalis  2015, 17-18.
[212] 
Generalaudienz (4. M¦rz 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 11 (13. März 2015), S. 2.
[213] 
Generalaudienz (11. M¦rz 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 12/13 (20. März 2015), S. 2.
[214] Apostolisches Schreiben
Familiaris consortio (22. November 1981), 27: AAS 74 (1982), S. 113.
[215] Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer des „Internationalen Forums über das Dritte Lebensalter“ (5. September 1980), 5: Insegnamenti III, 2            (1980), S. 539.
[216] Relatio finalis 2015, 18.
[217]  Generalaudienz (4. März 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 11 (13. März 2015), S. 2.
[218]  Ebd.
[219] 
Ansprache bei der Begegnung mit den alten Menschen (28. September 2014): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 44, Nr. 40 (3. Oktober               2014), S. 3.
[220] 
Generalaudienz (18. Februar 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 9 (27. Februar 2015), S. 2.
[221]  Ebd.
[222]  Ebd.
[223] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben  
Familiaris consortio (22. November 1981), 18: AAS 74 (1982), S. 101.
[224] 
Generalaudienz (7. Oktober 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 42 (16. Oktober 2015), S. 2.
[225] Relatio Synodi 2014, 30.
[226] Ebd. 31.
[227] Relatio finalis 2015, 56.
[228]  Ebd., 89.
[229]  Relatio Synodi 2014, 32.
[230]  Ebd. 33.
[231]  Ebd. 38.
[232]  Relatio finalis 2015, 77.
[233]  Ebd. 61.
[234]  Ebd.
[235]  Ebd.
[236]  Ebd.
[237] Vgl. Relatio Synodi 2014, 26.
[238]  Ebd., 39.
[239] Italienische Bischofskonferenz. Bischöfliche Kommission für Familie und Leben, Orientamenti pastorali sulla preparazione al matrimonio e alla                      famiglia (22. Oktober 2012), 1.
[240] Ignatius von Loyola, Ejercicios Espirituales, anotación 2 (dt. Ausg.: Geistliche Übungen, Anmerkung 2, Würzburg 2015 3).
[241]  Ebd., Anmerkung 5.
[242] Johannes Paul II., Generalaudienz (27. Juni 1984), 4: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 14, Nr. 27 (6. Juli 1984), S. 2.
[243]  Generalaudienz (21. Oktober 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 44 (30. Oktober 2015), S. 2.
[244] Bischofskonferenz von Kenia, Botschaft zur Fastenzeit (18. Februar 2015).
[245] Vgl. Pius XI., Enzyklika Casti connubii (31. Dezember 1930): AAS 22 (1930), S. 583.
[246] Johannes Paul II., Generalaudienz (4. Juli 1984), 3. 6: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 14, Nr. 28 (13. Juli 1984), S. 2.
[247]  Relatio finalis 2015, 59.
[248]  Ebd., 63.
[249] Past. Konst.
Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute, 50.
[250] Relatio finalis 2015, 63.
[251] Relatio Synodi 2014, 40.
[252] Ebd., 34.
[253]  Cántico Espiritual, B, XXV, 11 (dt. Ausg: Das Lied der Liebe, Einsiedeln 1992 4, S. 161).
[254] Relatio Synodi 2014, 44.
[255] Relatio finalis 2015, 81.
[256] Ebd., 78.
[257]  Generalaudienz (24. Juni 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 27 (3. Juli 2015), S. 2.
[258] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben
Familiaris consortio (22. November 1981), 83: AAS 74 (1982), S. 184.
[259]  Relatio Synodi 2014, 47.
[260]  Ebd., 50.
[261] Vgl.
Generalaudienz (5. August 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 34 (21. August 2015), S. 10.
[262]  Relatio Synodi 2014, 51; vgl. Relatio finalis 2015, 84.
[263]  Relatio Synodi 2014, 48.
[264] Vgl. Motu proprio
Mitis Iudex Dominus Iesus (15. August 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 39 (25. September 2015), S. 4-6;                vgl. Motu proprio Mitis et Misericors Iesus (15. August 2015).
[265] Motu proprio Mitis Iudex Dominus Iesus (15. August 2015), Einleitung, III: L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 39 (25. September 2015),             S. 4.
[266]  Relatio finalis 2015, 82.
[267]  Relatio Synodi 2014, 47.
[268] 
Generalaudienz (20. Mai 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 22 (29. Mai 2015), S. 2.
[269] 
Generalaudienz (24. Juni 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 27 (3. Juli 2015), S. 2.
[270] 
Generalaudienz (5. August 2015): L’Osservatore Romano (dt.) Jg. 45, Nr. 34 (21. August 2015), S. 10.
[271]  Relatio finalis 2015, 72.
[272]  Ebd., 73.
[273]  Ebd., 74.
[274]  Ebd., 75.

 

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kbwn: Amoris Laetitia II

Die Freude der Liebe
Nachsynodales Apostolisches Schreiben des Heiligen Vaters Papst Franziskus
2. Teil: Kapitel 6-9

 

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