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Anglikaner II

Auf dieser Seite lesen Sie: Berichte über die Weltgemeinschaft der Anglikaner: Church of England
und über die ökumenische Arbeit der Anglikanisch-Römisch-Katholischen Internationalen Kommission ARCIC

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Anglikaner

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Großbritannien: Anglikanische Kirche streitet über Frauenordination Foto: Anglikanerprimas Justin Welby

   Die Anglikanische Kirche ist gespalten über die Frage nach der Bischofsweihe für Frauen und die Gleichstellung Homosexueller. Das bestätigte Erzbischof von Canterbury Justin Welby in einem Interview mit der Londoner Zeitung The Times. Es bestehe die Möglichkeit, dass die Anglikanische Kirche dadurch zerfalle oder zumindest weniger stark zusammenhalte als in der Vergangenheit. Das Interview entstand nach Abschluss einer Tour des Erzbischofs durch alle 38 Länder, in denen die anglikanische Kirche verwurzelt ist. Viele westliche Anglikaner stimmen Welby zu. Es ginge nicht nur um Sexualität, sondern vor allem darum, wie wörtlich die Bibel genommen werden muss, so Rod Thomas, Vorsitzender eines evangelikalen Netzwerks und Mitglied der Generalsynode der Kirche von England.
    Auch wenn der Sitz von Welby als „Mutterkirche“ gilt, stellen weltweit konservative Anglikaner die Autorität des Erzbischofs von Canterbury in Frage. Welbys Ansicht nach sei auch noch nicht klar, ob es überhaupt ein erneutes Zusammentreffen aller religiösen Führer der anglikanischen Kirche geben wird. Zumindest der letzte Besuch in den USA sei ein „Geschenk in Sachen Kommunikation“ gewesen: „Wenigstens gab es ein Verständnis, warum wir nicht übereinstimmen statt einfach nur nicht übereinzustimmen und gegenseitig kein Verständnis aufzubringen.“ rv110214var

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Großbritannien: Welby befürchtet anglikanische Kirchenspaltung  Foto: Der anglikanische Primas Justin Welby

   Der Primas der anglikanischen Weltgemeinschaft, Erzbischof Justin Welby, fürchtet eine Kirchenspaltung zwischen den verschiedenen anglikanischen Realitäten. Für Januar 2016 hat er zu einem Sondergipfel nach Canterbury eingeladen. Ziel sei es, die teils offenen Feindseligkeiten zwischen den Nationalkirchen zu überwinden und zu neuer Einheit zu finden, zitieren britische Medien den Primas. Streitpunkte zwischen liberalen und konservativen Anglikanern waren und sind vor allem die Frauenordination und die Bischofsweihe für Homosexuelle. Turnusmäßig findet alle zehn Jahre die sogenannte Lambeth Conference als höchstes Beschlussgremium der anglikanischen Weltgemeinschaft statt; die nächste steht 2018 an. 2008 hatte etwa ein Viertel der Nationalkirchen die Lambeth Conference aus Protest gegen die Bischofsweihe eines homosexuellen US-Priesters boykottiert.
   Die Londoner Tageszeitung  „Daily Telegraph" berichtet, Welby sehe eine Zwei-zu-eins-Wahrscheinlichkeit, dass seine Strategie der Versöhnung in Teilen scheitere - und eine Eins-zu-zwei-Wahrscheinlichkeit, dass das Treffen „in einem Desaster" ende, das eine endgültige Kirchenspaltung zur Folge haben könnte. Die gesellschaftlichen und kulturellen Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden des Erdballs „bergen die Gefahr, dass wir uns als Christen trennen, wo die Schrift, die Gebete Jesu, die kirchliche Tradition und Theologie zur Einheit mahnen", wird Welby zitiert. Rv150917gs

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Zerbricht die anglikanische Gemeinschaft? Foto: Der anglikanische Primas Justin Welby
Die Verbindung der 70 Millionen Anglikaner untereinander ist akut gefährdet.

Father Alexander Lucie-Smith beobachtet im Londoner katholischen „Catholic Herald“
die Meldungen von „Daily Telegraph“ und „Guardian“.

   Der Vorschlag des Erzbischofs und Primas von Canterbury Justin Welby ist ist geprägt von einem gesunden Menschenverstand: Nach ihm sollte die anglikanischen Weltgemeinschaft in einen lockeren Club umgewandelt werden. Wir wollen hoffen, dass die katholische Kirche nicht denselben Weg geht. Es gibt Nachrichten aus der Anglikanischen Weltgemeinschaft, die bedeuten, dass sie nicht länger existierten wird. Erzbischof Welby ist dabei, sie in eine lockere Struktur umzuformen, in der sich verschiedene anglikanische Gemeinschaften im Ausland einer Verbindung mit Canterbury erfreuen, aber nicht mehr untereinander. Das alles steht noch schön verdeckt im “Guardian” in einem Kommentar von Andrew Brown und auch in weiteren aufschlussreichen Analysen.
   Die anglikanischen Gemeinschaften sind schon immer in der ganzen Welt rechtlich autonom verfasst. Sie haben auch – was das Dogma - die Lehre - angeht – noch nie wirklich “aus demselben Gesangbuch” gesungen, berufen sich jedoch alle auf ein gewisses “gemeinsames anglikanisches Erbe”. Das Neue ist nun, dass die Weltgemeinschaft nicht aufgelöst werden muss, sondern es muss eingestanden werden, dass der Begriff ohne jede Bedeutung ist; dieser Begriff ist nichts anderes als ein allgemeines Gefühl. 
   Wir wollen aber in Erinnerung rufen, dass es authentische Gemeinschaften von Kirchen gibt. Beispiel: Dreiundzwanzig autokephale [rechtlich selbständige] Kirchen mit ihren verschieden östlichen Riten, unterstehen dem Papst. Im Internet listet Wikipedia diese selbständigen Kirchen auf und schätzt die Zahl ihrer Mitglieder auf über 16 Millionen. Diese Kirchen sind in Lehre und Praxis vereint (obschon sie in der Liturgie ihren eigenen Traditionen folgen und sich somit voneinander unterscheiden). Die Garantie dieser Einheit ist die Gemeinschaft mit Petrus.
   Der Anglikanismus freilich wurde von Leuten gegründet, die weg von Petrus wollten. Ihr erstes Ziel war die Ablehnung  römischer Rechtsentscheidungen,  die als Einmischung eines fremden Bischofs in Sachen, die die englische Kirche betrafen. Das wurde im Jahr 1533 durchgesetzt.  Menschen, die behaupten – wie ich es tue – dass es keine Einheit ohne den Petrusdienst geben kann, wird oft das Beispiel der östllichen Orthodoxie entgegengehalten, die eine Gemeinschaft von 14 unterschiedlichen autokephalen Kirchen sind. Obschon die Orthodoxie in der Liturgie streng einig ist, ist sie aber nicht einig in allen Fragen der Theologie, was sie nicht selten trennt. Zur Zeit gibt es verschiedene Schismen [Trennungen] in der orthodoxen Kirche: eine Trennung der orthodoxen Kirchen von Jerusalem und Antiochien über den Status von Qatar. Eine weiter Trennung gibt es in Serbien, deren Einzelheiten ich nicht verstehe. Weil diese Schismen schon seit einiger Zeit bestehen, hat sich die Orthodoxie zersplittert: Da gibt es die Alt-Kalendaristen: keine von ihnen steht in Gemeinschaft mit der Kirche von Konstantinopel, wohl aber stehen sie untereinander in Gemeinschaft. Sie werden allgemein als “nicht-kanonisch” orthodox bezeichnet. Das alles ist sehr kompliziert.
   Ich denke mit Andrew Brown, dass es richtig ist, die Einheit der Anglikanischen Weltgemeinschaft zu überprüfen. Diese “Communio” hat hat niemals einen Inhalt gehabt, besonders nicht in den letzten Jahrzehnten. Eine Art lockerer Club, ohne Anspruch auf Einheit in der Lehre, ist ein besserer Begriff dafür. Die Idee, eine Einheit zu beanspruchen, die nicht exisitert, ist geradezu absurd – und dazu noch moralisch schlecht. Wir stehen vor zwei Herausforderungen: Wir müssen eins sein. Alle Christen sind zur Einheit gerufen. Wer aber sind wir, um das zu erreichen, wenn die Einheit weiter entfernt ist denn je. Vor allem, wenn die Anglikaner sich nicht mit sich selbst einigen können, wie um Himmels willen können sich die Anglikaner mit Rom vereinigen?
   Die zweite Herausforderung liegt innerhalb der katholischen Kirche: wie können wir die Einheit sicherstellen? Wer sind wir, dass wir dieselbe Praxis und denselben Glauben der Kirche überall in der Welt gewährleisten können unter Berücksichtigung der ungebrochenen ererbten Tradition? Jede Generation hat ihre Herausforderungen. Die Familiensynode  macht uns klar:  auch wir haben unsere.  CH150918FrAlexanderLucie-Smith

Anglikanische Kirche wendet Spaltung ab

   Die Anglikanische Kirche hat eine Spaltung verhindert, den Streit über ihren Umgang mit sexuellen Minderheiten aber nicht beilegen können. Nach vier Tagen dauernden Beratungen im südenglischen Canterbury einigten sich die Kirchenvertreter aus allen Teilen der Welt auf ein Papier, das als Teilsieg der konservativen Kräfte interpretiert wird. Darin wird unter anderem die liberale Episkopalkirche der Vereinigten Staaten drei Jahre lang von Treffen und Entscheidungen der anglikanischen Weltgemeinde ausgeschlossen. Die Episkopalkirche hatte 2003 einen Schwulen zum Bischof geweiht und damit Proteste in der globalen anglikanischen Gemeinde hervorgerufen. Die Traditionalisten gründeten später eine alternative Kirche in Amerika, deren Erzbischof am Verhandlungstisch in Canterbury saß.
   Liberale Geistliche zeigten sich am Freitag enttäuscht. Das Abschlusspapier erwähnte das eigentliche Thema der Konferenz - Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle (LGTB) - nicht und nahm nur Bezug auf die „traditionelle Doktrin" von der Ehe zwischen Mann und Frau. Von einer „verlorenen Chance" sprach Martyn Percy von der Christ Church Oxford. Alan Wilson, Bischof von Buckingham, nannte das Ergebnis der Beratungen einen „Triumph der Kirchendiplomatie", beharrte aber darauf, dass die gerettete „Einheit der Kirche auch die LGTB-Leute einbezieht". Vertreter der Traditionalisten zeigten sich zufrieden mit dem Signal, das durch die Sanktion gesendet wurde, vermissten aber eine schärfere Klärung. Der Kompromiss sei „ziemlich inadäquat", bemängelte der frühere Erzbischof von Sydney, Peter Jensen. Er hätte sich auch Strafaktionen gegen andere Abteilungen der anglikanischen Kirche gewünscht, die Schwule und Lesben einstellten und die Homo-Ehe begrüßten, etwa in Kanada. Die Kirche sei grundsätzlich offen für „sexuell Desorientierte", sagte Jensen, solle sich aber lieber um diese kümmern und für sie beten.  FAZ160116job

Die Freigabe des Bischofsamtes für Frauen ...

in der Kirche von England ist ab sofort Gesetz. Nach dem am Freitag veröffentlichten amtlichen Bericht des britischen Parlaments hat Königin Elisabeth der Neuregelung die endgültige Zustimmung gegeben. Mit ihrer Unterschrift ist die Entscheidung der Kirchenleitung nun Gesetz. Nach dem britischen Oberhaus hatte vergangene Woche auch das Unterhaus der Freigabe des Bischofsamtes für Frauen in der anglikanischen Kirche zugestimmt. Die im kommenden Monat tagende Generalsynode der Anglikaner muss nun die Neuerung in das Kirchenrecht überführen. Rv141028kna

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Papst Franziskus betet für die Anglikaner
Foto: Der neue Erzbischof von Canterbury Justin Welby küsst die Bibel in der Canterbury Cathedral

     Erzbischof Welby, 57, wurde feierlich in sein Amt als geistlicher Führer von 77 Millionen Anglikanern eingeführt. Dabei übernahm die Worte, die Franziskus bei seiner Amtseinführung auf dem Petersplatz sprach, und forderte die Menschen in seiner Predigt auf, Sorge für einander zu tragen, um eine friedliche Welt zu erbauen. „Nur unter der Herrschaft von Gott … werden wir zu einer wirklich humanen Gemeinde, von der wir alle träumen.“
 Es gibt zahlreiche Hinweise auf eine wachsende Säkularisierung der britischen Gesellschaft. Der Erzbischof warnte die Gemeinde in Canterbury, unter ihnen auch den britischen Premierminister David Cameron und Prinz Charles, vor der Gefahr, den Glauben an Jesus zu verlieren. Über tausend Jahre hat dieses Land gewissermaßen zu er- kennen gesucht, dass Jesus der Sohn Gottes ist - in der Gesellschaftsordnung, durch Gesetze und auch durch den Gemeinsinn, sagte Erzbischof Welby, der verheiratet und Vater von fünf Kindern ist. Weiter sagte der Erzbischof: „mal ist es mehr und mal ist es weniger gelungen“. Dabei wies er hin auf die Abschaffung der Sklaverei, die Einführung der kostenfreien Krankenversicherung und den Fortschritt in den Arbeitsbedingungen als bedeutende Errungenschaft einer christgläubigen Gesellschaft.
   Heute aber leide die Kirche in der ganzen Welt. „Ebenso viele Christen wie in der Vergangenheit werden heute zu Martyrern. Die Kirche verwandelt die Gesellschaft, wenn sie das Wagnis der Erneuerung im Gebet und der Ver- söhnung angeht“, sagte der Erzbischof, und erinnerte an die vielen Dienste der Kirche, ihren Beratungsstellen und sozialen Hilfsangeboten für arme und schutzlose Menschen in England und der Welt. Es gibt einen ganz realen Optimismus im Hinblick auf den christlichen Glauben in der Welt und in diesem Land.“
   Erzbischof Welby erhielt Glückwünsche von Papst Franziskus und Papst Benedikt XVI. In seinem Brief versichert Papst Franziskus seine Gebete „zur Übernahme Ihrer neuen Verantwortung. Ich bitte Sie, für mich zu beten, da ich nun dem Ruf des Herrn folge“. Dann fügte Franziskus hinzu: „Ich sehe in naher Zukunft einem Treffen entgegen in der Fortführung der herzlichen brüderlichen Beziehungen, deren sich unsere Vorgänger erfreuten.“
   In einer längeren Botschaft, die Papst Benedikt bereits am 04. Februar ausgefertigt hat, erinnert er Erzbischof Welby daran, dass er sein Amt übernimmt „in einer Zeit, wo der christliche Glaube in vielen Teilen der westlichen Welt in Frage gestellt wird von denen, die behaupten, dass Religion Privatsache sei… Die Diener des Evangeliums müssen die verbreitete Taubheit gegenüber der Melodie des Glaubens und eine allgemeine Müdigkeit, die dem Anspruch der Jüngerschaft aus dem Wege geht, ansprechen.“
   Der Schweizer Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit des Glaubens, war bei der Amtseinführung von Erzbischof Welby in Canterbury zugegen, wie auch Vincent Nichols, Erzbischof von Westminster und Präsident der katholischen Bischofskonferenz von England und Wales und Kardinal Cormac Murphy-O’Conner, der emeritierte Erzbischof  von Westminster.
   Die Einführungszeremonie umfasste die Einsetzung als Erzbischof von Canterbury und zugleich auch die Übernahme  der Kathedra des St. Augustinus  „als Primas von All England“. Damit ist das Amt des geistlichen Führers der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft verbunden. CT130331SimonCaldwell

Ök-gHomo-x        Aufruf des Bischofs

  Der frühere anglikanische Bischof von Oxford, Lord Richard Harries, hat sich dagegen ausgesprochen, die anglikanische Kirche per Gesetz von der Trauung homosexueller Paare auszuschließen. Ein entsprechendes staatliches Verbot leiste einer Diskriminierung homosexueller Geistlicher Vorschub und könne innerhalb der Kirche „die familiären Beziehungen ihrer lesbischen und schwulen Mitglieder untergraben“. Das erklärte der Bischof in einem von der Zeitung „Sunday Telegraph“ veröffentlichten Schreiben. 150 Unterzeichner schlossen sich dem Appell an, darunter 45 Kleriker. Wenn der aktuelle Regierungsentwurf zur Trauung gleichgeschlechtlicher Paare in Religionsgemeinschaften Gesetz würde, führte dies zu seelsorglichen und rechtlichen Problemen für die anglikanische Kirche, hieß es in der Stellungnahme weiter. Anglikanische Geistliche müssten dann gleichgeschlechtliche Paare mit Heiratswunsch an andere Konfessionen verweisen. Großbritanniens konservative Regierung hatte einen Gesetzentwurf zur Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe vorgestellt. Er sieht vor, dass Religionsgemeinschaften auf ausdrücklichen Wunsch Trauungen homosexueller Paare durchführen dürfen. Der anglikanischen Staatskirche von England und Wales soll dies hingegen untersagt sein. Das Vorhaben findet auch innerhalb der Partei von Regierungschef David Cameron Widerstand. RVsk121215kna
 Anglikanischer Bischof für Segnung gleichgeschlechtlicher Ehe
   Ein hochrangiger Bischof der Kirche von England hat sich für eine kirchliche Segnung homosexueller Partner- schaften ausgesprochen. Zugleich müsse die Unterscheidung zwischen traditioneller Ehe und gleichgeschlecht- lichen Partnerschaften beibehalten werden. Das forderte der anglikanische Bischof von Liverpool, James Jones, am Wochenende vor seiner Diözesansynode. Er frage sich, wie Historiker die derzeitigen Debatten innerhalb der anglikanischen Staatskirche wohl bewerten müssten, so der Bischof. Sie müssten es doch für „außergewöhnlich“ erachten, wenn im beginnenden 21. Jahrhundert der „Lackmustest christlicher Rechtgläubigkeit“ darin bestanden habe, ob jemand eine klare Meinung zum Umgang mit Homosexuellen hatte.
  Es gebe für ihn klare Unterschiede zwischen heterosexuellen Verbindungen und gleichgeschlechtlicher Sexualität, betonte Jones. Er halte es zudem für angemessen, die Unterschiede auch in der Sprache beizubehalten. Die Kirche bezeichne die Einrichtung ziviler gleichgeschlechtlicher Partnerschaften inzwischen als eine berechtigte Antwort auf die Bedürfnisse Homosexueller. „Dann muss sich die Kirche sicherlich jetzt auch die Frage stellen, inwiefern sie ihnen den Segen Gottes zu einer berechtigten Sache vorenthalten kann“, so der Bischof. RVkna130317cs

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Erste anglikanische Bischöfin in Dublin auf den  Britischen Inseln geweiht.
   Die verheiratete Irin Pat Storey Foto rechts, Mutter zweier erwachsener Kinder, ist künftig  Bischöfin der Kirche von Irland in Meath and Kildare, wie der Sender BBC berichtete.Foto links: mit Erzbischof Michael Jackson Dublin. Die irischen Anglikaner hatten als erste der vier  Nationalkirchen auf den Britischen Inseln das Bischofsamt für Frauen geöffnet.  Die schottische Episkopalkirche folgte, die Kirche von Wales steht kurz vor  diesem Schritt. Inzwischen ist ein Drittel des anglikanischen Klerus weiblich; weltweit zählt die anglikanische Kirche etwa 77 Millionen Mitglieder. Außerhalb  Englands gibt es 38 anglikanische Nationalkirchen in 26 Kirchenprovinzen,  darun- ter in den USA, Australien und - mit wachsender Bedeutung - in mehreren  afrikanischen Ländern. Der englischen Mutterkirche steht die Königin als  weltliches Oberhaupt vor.  RV131201kna

Die anglikanische Kirche entstand zur Zeit der Reformation in England. König Heinrich VIII. brach 1533 mit dem Papst, weil dieser sich weigerte, die Ehe des Königs mit Katharina von Aragon zu annullieren. Als Oberhaupt einer neuen Staatskirche setzte sich Heinrich VIII. 1534 selbst ein. In Glaubensfragen blieben die Anglikaner zunächst bei der katholischen Lehre. Später setzten sich protestantische Einflüsse durch, die 1549 zur Veröffentlichung des ersten anglikanischen Glaubensbuches führten, des „Book of Common Prayer“. Außerhalb Englands gibt es 26 anglikanische Kirchenprovinzen, darunter in den USA, Australien und in mehreren afrikanischen Ländern, die an Bedeutung zunehmen. Der Mutterkirche von England steht die britische Königin beziehungsweise der König als weltliches Oberhaupt vor. Geistliches Oberhaupt, Primas der Kirche von England sowie Ehrenoberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft ist der Erzbischof von Canterbury. Er hat jedoch als „Primus inter pares“ (Erster unter Gleichen) keine Weisungsbefugnis für die jeweiligen Nationalkirchen. TirolerTZ120317A

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Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams Foto, trat zum Ende des Jahres 2012 von seinem Amt zurück. Williams hatte das Amt seit 2002 inne. Es sei „ein Privileg“ gewesen, über zehn Jahre als Erzbischof von Canterbury und Ehrenoberhaupt der anglikanischen Kirchengemeinschaft dienen zu dürfen, so Williams auf seiner Webseite. Er habe die Position des Leiters des Magdalene College in Cambridge akzeptiert. Vor seiner Ernennung zum Bischof der anglikanischen Kirche wirkte Williams als Theologiedozent zunächst in Cam- bridge und dann in Oxford. rv120315
 
Der scheidende Führer der 80 Millionen Anglikaner weltweit mahnt seine Kirche eindringlich zu Zusammenhalt. Die streitenden Fraktionen dürften nicht „wie entfernte Verwandte werden, die sich nur noch einmal im Jahr eine Weihnachtskarte schicken“, schreibt Primas Rowan Williams in seiner Abschiedsbotschaft an die anglikanischen Christen in 38 Ländern, die „schon viel Leid und Verwirrung durchgestanden haben und immer noch leben“. Auch wenn „wir nie die Art von Kirche waren, die nach einer zentralen Autorität sucht“, werde die anglikanische Welt- gemeinschaft doch auch künftig „klare Bezugspunkte zum Organisieren unseres gemeinsamen Lebens“ brauchen. RV121203ap
   Williams hatte das Amt des Erzbischofs von Canterbury im Jahr 2002 übernommen. Das Jahrzehnt, in dem er die Church of England und die weltweite anglikanische Gemeinschaft führte, war geprägt von innerkirchlichen Fehden und Auseinandersetzungen über die Frage der Ordinierung weiblicher Bischöfe und die Zulassung Homosexueller zum Priesteramt.
  Williams deutete an, dass die Auseinandersetzungen in der Kirche seinen Rücktritt befördert haben könnten. Er sagte, es gebe Konflikte, die einfach nicht aufhören wollten, „wie lange man auch mit ihnen ringt". Williams hatte die Weihe weiblicher Bischöfe unterstützt und in der englischen Anglikanischen Kirche einen Kurs eingeschlagen, der jenen Gemeinden, die nicht von einer Frau verwaltet werden wollten, den Ausweg einer Unterordnung unter eigens geschaffene traditionelle Diözesen offen ließe. Doch wählen einige Gemeinden und Priester den Weg zur Katholischen Kirche, indem sie sich dem anglo-katholischen Personalordinariat anschließen. Andere anglikanische Kirchen in Amerika, Afrika und Australien drohten dem Erzbischof mit einem Schisma, falls die Anglikaner in der Frage der Weihe homosexueller Priester nicht einen ablehnenden Kurs steuere.
   Premierminister Cameron sagte, Williams habe die Kirche Zeiten voll Wandel und Herausforderungen geführt. Williams sagte, er bedauere, dass nicht jedem in der Anglikanischen Gemeinschaft und in der Church of England daran gelegen sei, „Schisma oder Teilung zu vermeiden". Er sagte zur Wahl seines Nachfolgers, er hoffe, dass dieser „die Konstitution eines Ochsen und die Haut eines Nilpferdes hat". FAZ120317Lt~
 

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Anlass für die Vesper waren die Feiern zum 1000jährigen Bestehen des Kamaldulenserordens, dessen Kloster sich auf dem Celio-Hügel in unmittelbarer Nachbarschaft der Papst Gregor dem Großen gewidmeten Kirche befindet.
Auf unserem Foto: der Heilige Vater mit Erzbischof Williams beim Besuch des Klosters.

   Papst Benedikt XVI. und das Ehrenoberhaupt der anglikanischen Gemeinschaft, Erzbischof Rowan Williams, haben am 10. März 2012 gemeinsam einen ökumenischen Vespergottesdienst gefeiert. In seiner Predigt rief der Papst Katholiken und Anglikaner zum Gebet für die Einheit auf. Erzbischof Williams bekräftigte die gemeinsame Vision einer vollständigen sakramentalen Gemeinschaft. Wer sich für Gott entscheide, müsse demütig und geduldig den ökumenischen und den interreligiösen Dialog führen und dem Charisma des Ordens treu bleiben, hob der Papst in der Kirche »San Gregorio Magno« hervor. Es handelte sich um die dritte Feier eines Papstes mit einem Oberhaupt der Anglikaner an diesem Ort nach 1989 und 1996. Von dem damaligen Benediktinerkloster auf dem Hügel Celio nahm im 6. Jahrhundert die Mission Englands ihren Anfang. Papst Gregor der Große entsandte im Jahr 597 den Prior des Klosters, Augustinus von Canterbury, mit 40 Missionaren nach England. Dort wurde der Mönch der erste Erzbischof von Canterbury. OR120316

 Papst Benedikt XVI. mit Erzbischof Rowan Williams in St.Gregor, Rom  ök-be-RowanWilliams-z

Papst drängt auf Erneuerung des Versprechens die Einheit zu suchen
   In Erinnerung an die gemeinsamen Wurzeln der Christenheit sollten römisch-katholische und anglikanische Christen ihre Verpflichtung erneuern, für die Einheit der Christen zu beten und zu arbeiten, sagt Papst Benedikt XVI. Mit dem Führer der anglikanischen Weltgemeinschaft Rowan Williams feierte er eine Abendandacht in der römischen St. Gregor Basilika Von hier aus sandte im Jahr 597 Papst Gregor der Große St. Augustin von Canterbury und seine Mönche zur Evangelisierung Englands aus.
   Die liturgische Vesper war Teil der Feierlichkeiten zum 1000jährigen Jubiläum der Gründung des Kamaldulenser- Ordens, einem Zweig der Benediktiner. Kamaldulenser Mönche und Nonnen leben und beten in der St. Gregor- Basilika und pflegen aktiv ökumenische Kontakte.
   „Wir hoffen, dass das Zeichen unserer gemeinsamen Gegenwart vor dem heiligen Altar, wo Papst Gregor  das eucharistische Opfer zelebrierte, uns erinnern wird an unser brüderliches, aber auch alle Gläubigen, Katholiken wie Anglikaner, ermutigen wird … unsere Verpflichtung zu fortwährendem Gebet und Einsatz für die Einheit zu erneu- ern, und in voller Übereinstimmung mit dem Gebet Jesu an den Vater: ut unum sint – damit sie eins seien“, pre- digte Benedikt in der Abendliturgie.
  Glaube ist ein Geschenk Gottes, das aber eine Antwort erwartet, sagte der Papst. „Es erwartet von uns, dass wir uns wieder in die Tugenden Christi kleiden: seine Zartheit, seine Güte, seine Demut, seine Bescheidenheit, seine Großherzigkeit, seine Vergebung und über allem als die Zusammenfassung und Krone: die Agape – die Liebe, die Gott uns durch Jesus gegeben hat, die Liebe, die der Heilige Geist in unsere Herzen gegossen hat.“
   Kamaldulenser-Mönche und Nonnen in ihren weißen Gewändern, Kardinäle, anglikanische und katholische Gläubige und Vertreter anderer christlichen Gemeinschaften in Rom nahmen Teil an diesem Abendgebet.
   Als der Papst mit dem Erzbischof in die Basilika eintrat, wurden sie von zahlreichen Mitgliedern der Missio- narinnen, der Caritas - dem Orden von Mutter Teresa - begrüßt, die nahebei ihr Kloster haben und Schutz- räume für Nichtsesshafte vorhalten. Vor der Vesper hatte Erzbischof Rowan Williams beim Papst eine Privataudienz. Der anglikanische Primas sagte in Radio Vatikan, er und der Papst hätten über die Lage der Christen in Mittel-Ost ge- sprochen und „über unsere gemeinsamen Gefühle und die tiefe Sorge und Frustration und Ungewissheit über deren Zukunft”. Sie hätten auch über die Einladung das Papstes gesprochen, dass er im Oktober in der Bischofs- synode zur Neuevangelisation ein Grußwort sprechen solle. „Ich bin eingeladen, eine theologische Betrachtung über die Mission, über die Evangelisation zu halten. Ich bin ganz außerordentlich erfreut über diese Einladung“, sagte Rowan Williams im Radio Vatikan. „Ich denke, das ist ein Zeichen, dass wir in der Neuevangelisation Europas zusammenarbeiten können. Es ist verhängnisvoll, wenn eine einzelne Kirche dies allein versucht oder auch annimmt, sie habe allein den Schlüssel“, weil die Wiederbelebung des christlichen Glaubens in Europa bedarf so vieler „und so tiefer Hilfsquellen, wie wir nur finden können.“
   Die Predigt des Erzbischofs in der Abendliturgie mit dem Papst sprach die Bemühungen der Kamaldulenser an, einen Ausgleich zu finden zwischen dem Mönchsleben und dem Leben in der Gemeinschaft. Dieses lehrt uns, dass die Tugenden der einzelnen Christen wie auch der christlichen Gemeinschaften einander annehmen müssen in Zusammenarbeit und im Zeugnis des Evangeliums für alle Menschen.
   Anglikanismus und römischer Katholizismus seien verpflichtet zu „einer Vision der Erneuerung der vollen sakramentalen Einheit, eines für alle sichtbaren eucharistischen Lebens und sie damit absolut glaubwürdige Zeugen sind, damit eine verwirrte und geplagte Welt in das einladende und verwandelnde Licht Christ eintreten kann“. 
   Aber die katholisch-anglikanische Einheit ist unvollkommen, nicht zuletzt deswegen, weil Katholiken und Angli- kaner eine „unsichere und unvollkommene“ Erkenntnis von einander als Leib Christi haben, meint Erzbischof Williams. „Ohne diese volle Anerkennung sind wir noch nicht völlig frei, die verwandelnde Kraft des Evangeliums“ in der christlichen Gemeinschaft und in der Welt zu leben. Williams sagte gegenüber Radio Vatikan, dass anglika- nische und katholische Christen auf Themen wie Amt und Kirchenstrukturen fixiert seien, dass man das Geschenk der Taufe und die Gabe einander in der Taufe zu geben vergessen kann“, da aber liege das Fundament für die Einheit.
   Auch am nächsten Tag sprach Erzbischof Williams in der Basilika St. Gregor, auf einer Konferenz über Ökumene und Mönchtum. Alle Christen könnten lernen vom Weg der Kamaldulenser, einen Ausgleich zu finden zwischen dem Mönchsleben und dem Leben in der Gemeinschaft. „Christliche Einsamkeit ist der Weg auf dem wir uns vor Gott prüfen und unseren Individualismus überwinden.“ Das führe uns zu einem Leben in Gemeinschaft, wo Christen erkennen, dass die Einheit im Glauben verortet ist und nicht in Bindungen von Blut oder Nationalität.
   „Das ist die härteste, aber auch bedeutendste Lehre: die verschiedenen christlichen Gemeinschaften müssen heute lernen, dass sie nicht ohne einander leben können und dass kein isoliert Einzelner im Besitz der ganzen Heiligen Schrift ist“, sagte der Erzbischof. Während ihrer Trennung haben christliche Gemeinschaften ihre beson- deren Gaben und Traditionen entwickelt, die sie teilen sollten, um so alle Gemeinschaften aufzubauen.
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Anglikaner wählen neuen Primas

   In London hat ein dreitägiges Treffen zur Auswahl des neuen anglikanischen Erzbischofs von Canterbury und Primas der Staatskirche von England stattgefunden. Die sogenannte Nominierungskommission berät der Krone über die Nachfolge von Erzbischof Rowan Williams, der aus dem Amt scheidet. Der Erzbischof von Canterbury wird von Königin Elizabeth II. auf Vorschlag von Premierminister David Cameron ernannt; seit 1976 schlägt ein kirch- liches Gremium dem Regierungschef zwei Kandidaten zur Nominierung vor. Rv1209-KNA

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Großbritannien: Künftiger Primas denkt visionär und strategisch
   Justin Welby Foto (56), derzeitiger Bischof von Durham, wird neuer Primas der anglikanischen Staatskirche von England. Königin Elizabeth II. ernannte den derzeitigen Bischof von Durham zum Nachfolger von Rowan Williams (62) als Erzbischof von Canterbury, wie die Kirchenleitung bekanntgab. Am 21. März 2013 wird Welby den Kathe- dralsitz von Canterbury feierlich übernehmen. Welby ist Absolvent der Eliteschule Eton, Jurist und Theologe. Er wurde erst 1993 zum Priester und im Oktober 2011 zum Bischof geweiht. Von 2007 bis 2011 war er Dekan der Kathedrale von Liverpool. Unter anderem arbeitete er zuvor elf Jahre als Manager im Ölgeschäft. Erste Reaktionen auf seine Wahl haben nicht lange auf sich warten lassen. Christina Rees ist Mitglied des Führungsorgans der angli- kanischen Kirche, der Generalsynode der Kirche von England. Im BBC-Interview sagte sie:
   „Wir werden in Welby sicherlich einen visionären und strategisch denkenden Primas haben. Er ist bekannt dafür, dass er weise und kooperativ ist, aber auch bereit ist, Risiken einzugehen. Außerdem ist er sehr klug. Wie gesagt, er hat für viele Jahre in der Wirtschaft, genauer in der Ölindustrie gearbeit. Er ist auch vom persönlichen Gesichts- punkt her ein sehr warmherziger Mensch und ein sehr spirtueller Mann der Kirche.“
   Es sei, so Christina Rees, sehr bedeutsam, dass der künftige Primas eine langjährige Erfahrung aus dem welt- lichen Leben und aus einer Führungsposition in der Industrie mitbringe. Dies sei gerade jetzt, in der Zeit der gro- ßen Wirtschaftskrise, besonders wichtig.
   „Er ist jemand, der mit finanziellen Realitäten umgehen muss. Die Kirche von England hat die Krise recht gut überstanden, aber wir müssen dennoch auf unsere Finanzen aufpassen, und er wird uns in dieser Beziehung sehr gut leiten. Er versteht diese Welt, so wie er auch die Welt der Kirche versteht. Er ist auch ein großer Vermittler, so dass ich denke, er ist ein Mensch, der uns sehr gut in die Zukunft führen wird.“
   Ab 19. November 2012  findet die große Generalsynode der anglikanischen Kirche von England statt, bei der auch über die Bischofsweihe für Frauen abgestimmt werden soll. Justin Welby, so Rees, sei bekannt dafür, dass er die Bischofsweihe von Frauen befürworte. Aber auch in anderen umstrittenen Belangen könnte er, so die Ein- schätzung der Synodenvertreterin, seine aktuelle Position ändern, wenn die Argumente dafür überzeugend seien.
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Die  Generalsynode  Foto der anglikanischen Gemeinschaft
   stimmte am 19. November 2012 in London mit Nein zu Frauen im Bischofsamt. Alle drei Kammern der General- synode hätten mit Zwei-Drittel-Mehrheit dafür stimmen müssen. Während bei den Bischöfen und Geistlichen diese Mehrheit zustande kam, wurde sie in der Laien-Kammer verfehlt: 132 stimmten dort mit Ja und 74 mit Nein. Zur anglkanischen Gemeinschaft bekennen sich 27 Millionen Engländer, das sind 40 Prozent der Bevölkerung. Sonn- täglich besuchen  392.000  (etwa 1,6 Prozent der Mitglieder) die Kirche. Oberhaupt der Anglikaner ist die Queen.
   Für die Weihe von Bischöfinnen hatten sich sowohl der scheidende Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, als auch sein designierter Nachfolger Justin Welby, ausgesprochen. Das Abstimmungsergebnis wurde in London auch als persönliche Niederlage und als möglicher Autoritätsverlust für den 52 Jahre alten Welby gewertet. Mit dem Nein dürfte das Thema für die kommenden Jahre erst einmal vom Tisch sein.
   Der Bischof von Chelmsford, Stephen Cottrell, äußerte sich enttäuscht. "Das ist für die Menschen in der Kirche und in der Welt kaum zu verstehen", sagte Cottrell. "Wir müssen viel arbeiten, um die Laien in der Synode zu überzeugen, dass es gemeinsam vorwärts gehen kann." Eine Sondersitzung der Bischöfe ist vorgesehen,  um über die Folgen zu beraten.
   Das Thema sorgt seit Jahren für Streit zwischen den Traditionalisten und den Liberalen in der anglikanischen Kir- che. Einige anglikanische Bischöfe und über 100 Priester haben sich nach der letzten Abstimmung mit ähnlichem Ergebnis zu einem anglikanisch-katholischen Personlordinariat zusammengeschlossen und sich dem Papst unter- stellt. > Anglikaner

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Der neue Primas: Wer ist Justin Welby? Foto
  Der neue Erzbischof von Canterbury ist ein Spätberufener: Justin Welby, 56 Jahre alt, bisher Bischof im nordeng- lischen Durham. Der Eton- und Cambridge-Absolvent hat zunächst elf Jahre auf hohen Posten in der Ölindustrie gearbeitet, bevor er den Wechsel ins geistliche Fach wagte. Nach dem Theologen Rowan Williams rückt damit im Frühjahr 2013 ein dezidierter Seelsorger an die Spitze der „Church of England“. Die BBC fragte Welby wie es zu seinem ungewöhnlichen Berufswechsel kam.
   „Ich fand keinen Arbeitsplatz! Es waren die späten siebziger Jahre, und die wirtschaftliche Lage war nicht so einfach; ich bewarb mich um mehrere Jobs, die ich nicht bekam. Stattdessen wollte mich eine französische Ölfirma in Paris für ihre Rechenabteilung einstellen; dabei sprach ich gar kein Französisch!“
   Welby ging dennoch mit seiner Frau Caroline nach Paris, hatte beruflich vor allem mit Nigeria- und Nordsee- Ölplattformen zu tun. Doch in Paris erlebte er eine Tragödie: Sein erstes Kind, Johanna, starb bei einem Autounfall; sie war erst sieben Monate alt. „Eine sehr schwere Zeit für Caroline und mich“, sagt Welby. „Aber auf eine selt- same Weise brachte uns das Gott näher.“ Das Paar kehrte zurück nach London.
   „Damals war ich sehr engagiert in einer großen anglikanischen Pfarrgemeinde in London, und das beanspruchte immer mehr von meiner Zeit;  es ist nicht so, dass ich auf einmal aus heiterem Himmel kontemplativ geworden wäre, aber in mir wuchs das Gefühl: Das ist die Richtung, in die ich eigentlich gehen sollte, und meine Frau war derselben Ansicht. Das Ölgeschäft verließ ich aus purem Überdruss; ich habe mit aller Kraft versucht, da heraus- zukommen.“
   Immerhin, er nimmt viel mit aus seiner Öl- und Finanzwelt-Zeit. Eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit vor allem, und Unerschrockenheit, wie ihm seine Bekannten bescheinigen. Als Kirchenmann hat er später oft in Afrika heikle Konflikte gelöst: ein „troubleshooter“, ein Friedens-Profi, wie ihn auch die anglikanische Kirche gut gebrauchen kann.
   „Es gab schon einen besonderen Moment der Erleuchtung, wenn man so will, während eines Sonntagabend- Gottesdienstes in einer Kirche. Volle Kirche, schöne Predigt – und das Gefühl, als ob Gott mir sagen wollte: Das solltest du tun. Allerdings, dann begann ein zweijähriger Auswahlprozess für die Kirche von England, und da sagt keiner: Schön, dass Sie zu uns stoßen, kommen Sie herein! Ganz im Gegenteil, die stellen bohrende Fragen, und je mehr sie dies taten, umso mehr war ich in Versuchung, hinzuschmeißen. Ich entkam aber nicht diesem Eindruck, berufen zu sein.“
   Diesen Eindruck hatten damals nicht alle. „Für Sie ist kein Platz in der Kirche von England“, sagte etwa der Bischof von Kensington zu Welby. Und weiter: „Ich habe Tausende von Kandidaten für das Priesteramt befragt – Sie kommen bei mir noch nicht mal unter die ersten Tausend.“ Aber Welby hielt stand, fühlte sich berufen.
   „Berufen zu etwas, was ich sowieso schon tue: Ihm nachzufolgen nämlich. Aber berufen, das auf einem ganz bestimmten Weg zu tun, nämlich durch die Priesterweihe. Das war merkwürdig... und ich hatte keine Ahnung, wohin mich das führen würde.“
   Es führte ihn, zunächst einmal, wieder auf die Schulbank:
   „Ich ging wieder zur Universität. Dort war ich viel älter als alle anderen Studenten und schlief in den Vorlesungen immer wieder mal ein. Nach meinem Abschluss in Theologie wurde ich dann zum Priester geweiht und in eine Pfar- rei in den Midlands geschickt.“
   Das war zu Anfang der neunziger Jahre; seine Doktorarbeit schrieb er über die Frage: „Können Unternehmen sündigen?“ Welby wurde Dekan in der Arbeiterstadt Liverpool und erst vor genau einem Jahr in Durham Bischof. Damals wurde er gefragt, worauf er sich bei dieser Aufgabe am meisten freue. Seine Antwort scheint charakte- ristisch für ihn zu sein:
   „Das ist sehr einfach: Ich bin gern mit Menschen zusammen, verbringe Zeit mit ihnen, höre ihnen zu, mache mit bei dem, was sie tun. Es tut mir gut, mich als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen. Ob ich jetzt im Theater bin oder auf einer Konferenz oder einfach in irgendeinem Pub – ich sitze gerne mit Menschen herum und interessiere mich für das, was sie so denken und sagen.“
   Welby steht – so formuliert die „Times“ – für einen historischen Wandel, „den wichtigsten, seit die Kirche von England sich 1992 für die Priesterweihe von Frauen entschied“. Sein Eintreten für die Bischofsweihe für Frauen könnte bei der Generalsynode der Kirche „über die Zweifler den Sieg davontragen“. Ein weiteres wichtiges Streitthema, das auf Welby wartet, ist der kirchliche Umgang mit Homosexuellen; in diesem Punkt gilt er als traditionell. Das könnte ihm laut „Times“ die Sympathie der Anglikaner in Afrika einbringen: eine wichtige Vor- aussetzung, um die anglikanische Weltgemeinschaft noch vor dem Auseinanderbrechen zu bewahren.
RVsk-BBC-online121109times

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Fotos:  Erzbischof Justin Welby links: mit seiner Ehefrau Caroline

Franziskus und Benedikt senden brüderliche Grüße nach Canterbury
   Der emeritierte Papst Benedikt XVI. und auch Papst Franziskus senden dem neuen Erzbischof von Canterbury ihre Grüße. Justin Welby wurde am 21. März als 105. Erzbischof von Canterbury inthronisiert. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. schrieb Justin Welby bereits vor seinem Rücktritt seine Segenswünsche. Er betont die schwierigen Zeiten, in denen Welby sein neues Amt antritt. Unterstreicht aber auch, dass die Sehnsucht nach Gott auch in diesen Zeiten präsent sei, auch wenn sie unentdeckt bleibt. Besonders dankbar betont er die feste ökumenische Verbindung beider Kirchen – auch Dank ihrer Vorgänger. Auf dieses Erbe wollte Papst Benedikt der XVI. trotz den Herausforderungen aufbauen. Diese „brüderliche Beziehung“ will nun Papst Franziskus in seinem Pontifikat fortführen; wie er in seinem Brief an Welby versichert. Er freue sich auf ein Treffen in naher Zukunft und bittet den neuen Erzbischof für ihn zu beten, so wie er es für ihn tue. Den kurzen, aber herzlichen Brief unterschreibt Papst Franziskus mit einem schlichten: „Francis“. RV130321pd

Einführung des Erzbischofs von Canterbury: Gemeinsam mit Papst Franziskus
   Canterbury bekam am 21. März offiziell einen neuen anglikanischen Erzbischof - und damit die gesamte angli- kanische Kirche ein neues Oberhaupt. Justin Welby wurde am Nachmittag offiziell in der Kathedrale der Stadt im Südosten Englands inthronisiert. Für den Vatikan nahm der Ökumenebeauftragte, Kardinal Kurt Koch, an der Zeremonie teil. Damit hat nicht nur die römisch-katholische, sondern auch die anglikanische Kirche ein neues geistliches Oberhaupt; allerdings ist das ein Vergleich, den Welby selbst im Interview mit Radio Vatikan kurz vor der Inthronisierung zurückweist.
   „Man darf uns beide nicht im gleichen Satz nennen. Er ist ein ganz außergewöhnlicher Mensch. Alles, was man von ihm jetzt hört, ist beachtlich, sowohl sein bisheriges Leben als auch die Predigt am Dienstag.“
   Direkt nach seiner Ernennung im vergangenen Jahr hatte Welby auf den Einfluss anderer christlicher Traditionen auf seine Spiritualität hingewiesen, besonders hatte er damals die benediktinische und die jesuitische genannt. Diesen Einfluss bestätigt er noch einmal:
   „Ich bin Oblate eines anglikanischen Benediktikerhauses, und das schon seit fast fünfzehn Jahren. Ich lese je- den Tag etwas von den Regeln Benedikts und versuche, mein Leben danach auszurichten. Ich finde Benedikt so gnadenlos vernünftig, voller Einsichten und Herausforderungen. Besonders in den letzten Jahren bin ich beein- flusst durch eine römisch-katholische Gemeinschaft namens Chemin Neuf, die mit ihren Wurzeln in der jesuitischen Spiritualität eine charismatische Version dieser Frömmigkeit bildet. Sie ist sehr ökumenisch, eine bemerkenswerte Gruppe. Ihre Spiritualität hat mich sehr beeinflusst, wie auch meine Frau, die in ihrer Arbeit als geistliche Begleite- rin diese Impulse sehr wichtig findet.“
   Er habe also viel vom ersten Jesuitenpapst zu lernen, so Welby. Aber auch auf einem anderen Gebiet sieht er Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche. Welby denkt da an die Betonung, die Papst Franziskus der Sozial- lehre der Kirche gleich zu Beginn seines Pontifikates gibt.
   „Wenn Sie mir etwas Kritik bei Radio Vatikan erlauben: Ihr haltet die katholische Soziallehre viel zu sehr ver- steckt. Sie ist einer der größten Schätze, den die Kirchen weltweit anzubieten haben, und sogar viele Katholiken wissen nichts darüber. Angefangen mit Rerum Novarum im 19. Jahrhundert und durch die außergewöhnlichen Ent- wicklungen unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. und natürlich durch das Zweite Vatikanum. Man sieht hier eine umfassende und gut durchdachte Annäherung an die Weise, wie wir unsere Gesellschaft ordnen sollten, und zwar so, dass christliches Denken und Werte dadurch reflektiert werden. Es ist ein Schatz, von dem die gesamte Kirche lernen kann, und er wird uns in bessere Zusammenarbeit führen.“
Hintergrund
   Bereits im November 2012 war Welby von Königin Elisabeth II. zum Erzbischof von Canterbury ernannt worden, damit war ein längerer Auswahlprozess zu Ende gegangen. Weltweit zählt die anglikanische Kirche knapp 80 Millionen Mitglieder. Anders als der Papst hat der Erzbischof von Canterbury als Primus inter Pares keine Weisungs- oder Ernennungsbefugnis für Bischöfe oder Ortskirchen. RV130321ord

Erzbischof Welby ins Amt eingeführt
   Der neue Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, ist offiziell inthronisiert worden. Der Zeremonie in der Kathe- drale von Canterbury wohnten 2.000 Mensehen bei, unter ihnen Premierminister David Cameron und der Thronfolger, Prinz Charles. Sie markiert den offiziellen Amtsantritt des Geistlichen, der als 105. Ehrenprimas der anglikanischen Weltgemeinschaft etwa 77 Millionen Gläubige führt. Der verheiratete, heute 57 Jahre alte Erz- bischof wurde - nach der frühen Scheidung seiner Eltern - von seinem Vater großgezogen, einem Sohn jüdischer Einwanderer aus Deutschland. Nachdem er die Universität Cambridge, wo er Jura und Geschichte studierte, ver- lassen hatte, arbeitete Welby als Finanzmanager in der Ölindustrie und bereiste weite Teile der Welt.  1989 begann er ein Theologiestudium und trat drei Jahre später in den Kirchendienst ein. In den vergangenen Jahren unternahm er verschiedentlich Missionen in politisch fragile Staaten, was Spekulationen über eine Nähe zum britischen Geheimdienst nährte. Eine Kirchensprecherin dementierte dies mit den Worten: „Der Erzbischof arbeitet nicht für den MI6 und hatte nie Verbindung zu ihm."
   In einem Interview mit der BCC äußerte sich der Erzbischof zu der in Großbritannien umstrittenen Homo- sexuellenehe. Er verteidigte die ablehnende Position seiner Kirche, sprach aber von einer „Herausforderung", die in der Abwägung zweier christlicher Prinzipien liege: der Auffassung, dass die Ehe eine lebenslange Verbindung  zwischen einem Mann und einer Frau sei, und der essentiellen Bedeutung der Würde. Insofern müsse die anglika- nische Kirche eine „klare Haltung zur Homophobie" beziehen. Einige homosexuelle Paare lebten Beziehungen von „erstaunlicher Qualität", sagte der Erzbischof. FAZ130322jöb

cdd-KurtKoch-4x      Kardinal Koch gratuliert neuem anglikanischen Primas

  Der vatikanische Ökumene-Verantwortliche, Kardinal Kurt Koch, gratuliert Justin Welby zu seiner Wahl zum neuen anglikanischen Primas. Der Schweizer Kurienkardinal bestätigte gegenüber Radio Vatikan, dass er bei der Feier zur Amtseinführung Welbys teilnehmen wird. Auch werde Koch den neuen Erzbischof von Canterbury sobald wie mög- lich nach Rom einladen und ein Treffen mit dem Papst organisieren. RV121110mg

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Anglikaner bereit für Bischöfinnen
  In der anglikanischen Kirche Englands werden vermutlich bald Bischöfinnen geweiht werden können. Die General- synode der Church of England stimmte mit großer Mehrheit dafür, die Beschränkung auf männliche Kandidaten bei der Bischofswahl aufzuheben. Der traditionalistische und evangelikale Flügels innerhalb der Kirche hatte sich massiv dagegen gewandt. Die spirituellen Führer der Church of England, die Erzbischöfe von Canterbury, Williams, und York, Sentamu beide auf dem Foto rechts, hatten sich vergeblich für einen Kompromiss eingesetzt. Sie unter- stützten den Vorschlag, dass sich evangelikal orientierte Gemeinden in einer Diözese, in der künftig ein weiblicher Bischof amtiert, einer eigens für sie geschaffenen Ausweich-Hierarchie unterstellen könnten. Dieser Kompromiss verfehlte jedoch knapp die Mehrheit; sein Scheitern beschädigte ein weiteres Mal die Autorität des Erzbischofs von Canterbury, der zuvor schon im Zusammenhang mit der Berufung eines homosexuellen Bischofs in seiner Kirche in die Kritik geraten war. Nach dem Beschluss des Kirchenparlaments rief Williams dazu auf, die Kirchenreform nun zügig zu beenden. Die geänderten Regeln müssen nun in allen Diözesen der Church of England beraten und dann, samt möglichen Ergänzungswünschen, in spätestens zwei Jahren von der Generalsynode endgültig mit einer Zweidrittelmehrheit in Kraft gesetzt werden.
  Die Synode entschied sich auf ihrer Tagung in York dagegen, evangelikalen Priestern, die wegen des Reform- kurses die Church of England verlassen, Abfindungen oder Ruhestandsgehälter zu gewähren. Bei den Austritten von Klerikern, die vor zwanzig Jahren die Weihe weiblicher Priester ablehnten, waren solche Kompensationen noch gewährt worden. Die Zeitung „The Guardian" meldete, 70 Priester der anglikanischen Kirche hätten sich jüngst mit einem römisch-katholischen Bischof getroffen, um Details des von Papst Benedikt XVI. errichteten eige- nen Ordinariats für anglikanische Katholiken zu erörtern. Auch die Fragen ihrer künftigen materiellen Versorgung spielen dabei offenkundig eine Rolle. FAZ100724Lt
   Lange Zeit war die Anglikanische Kirche die einzige, die es ihrer inneren wie äußeren Verfassung nach mit der katholischen Kirche aufnehmen konnte: Sie hat das Bischofsamt, die Sakramente und eine hochkirchliche Liturgie bewahrt und ist dazu durch die Expansion des britischen Empires auf allen Kontinenten präsent. Nach der Ent- kolonialisierung hatte es eine Zeitlang sogar den Anschein, als sei die Lambeth Conference, das regelmäßige Zusammentreffen aller anglikanischen Bischöfe, Sinnbild einer Nord-Süd-Ökumene, in der Herkunft und Hautfarbe keine Rolle mehr spielten. Mittlerweile ist die Anglican Communion wohl unwiderruflich dem Atergang geweiht. Viele Kirchen des Südens halten das Wohlwollen der Episkopal Church in den Vereinigten Staaten und der Church of England gegenüber Homosexuellen und Frauen im Bischofsamt für einen neue Spielart des weißen Imperialis- mus. Nicht nur die Schrift und die Tradition haben sie auf ihrer Seite, sondern auch die Demographie. Wenn die Anglikanische Kirche dieses Jahrhundert überlebt, dann nicht als „weiße" Kirche. FAZ100724DD
 “The Times”: Doch keine Weihe von “Bischöfinnen”?
   In der anglikanischen Gemeinschaft von England wird es vorerst wohl keine Bischöfinnen geben. Nach Angaben der „Times" wird ein Vorstoß zur Bischofsweihe von Frauen innerhalb der Generalsynode keine Zustimmung finden. Für eine entsprechende neue Struktur sind in allen drei Häusern der Synode Zweidrittelmehrheiten nötig. Innerhalb der anglikanischen Weltgemeinschaft gibt es seit Jahren einen Streit über den Kurs der Kirche. Dabei geht es auch um die Zulassung von Frauen und Homosexuellen zum Bischofsamt. HA101020
   Wie das Verhältnis der verschiedenen Flügel in der anglikanischen Kirche in England verteilt ist, illustriert das Abstimmungsergebnis auf der Generalsynode in der strittigen Frage der Bischofsordination. 28 Bischöfe, 124 Priester und 111 Laien votierten dafür, zwölf Bischöfe, 44 Priester und 68 Laien sprachen sich dagegen aus - bei insgesamt sieben Enthaltungen.

Anglikaner stimmen über Bischöfinnen ab
   Es geschieht Entscheidendes für das katholisch-anglikanische Verhältnis der Zukunft: In London tritt für drei Tage die Generalsynode der anglikanischen „Kirche von England“ zusammen. Sie wird darüber entscheiden, ob Frauen künftig auch zu Bischöfinnen geweiht werden können. Die Priesterweihe bekommen sie längst, und schon das hat die anglikanische Weltkirche an den Rand der Spaltung gebracht. 2005 hatte die Synode bereits grund- sätzlich Ja zu Bischöfinnen gesagt, aber ohne entsprechende Auswirkungen für das Kirchengesetz. Rowan Wil- liams ist der scheidende anglikanische Primas und Erzbischof von Canterbury; er hatte lange laviert, um den Keil in seiner Kirche nicht noch tiefer zu treiben. Doch inzwischen hat er sich entschieden: für die „women bishops“. „Genug gewartet“, heißt eine Kampagne des Primas, die für ein Ja zu Bischöfinnen wirbt.
Vor langer Zeit
   „Der Prozess hat vor sehr langer Zeit begonnen, und in den letzten Jahren hat die Generalsynode mehr als ein- mal über dieses Thema debattiert; alle Bistümer der Kirche von England hatten die Chance, ihre Sicht darzulegen“, so Erzbischof Williams in einer Radioansprache. „Seit Februar wissen wir, dass wirklich eine überwältigende Mehr- heit der Kirche von England Frauen als Bischöfe will! Es wurde aber auch klar, dass alle eine saubere Lösung wollen für die, die Bischöfinnen aus Gewissensgründen ablehnen und Schwierigkeiten damit hätten, ihren Dienst zu akzeptieren.“
   Genau dieser Spagat wird jetzt in London versucht. Den Gegnern einer Bischofsweihe für Priesterinnen wird ein Kompromiss angeboten: Sie können in ihren Gemeinden die Dienste eines männlichen Bischofs von auswärts in Anspruch nehmen, wenn ihr eigenes Bistum von einer Bischöfin geleitet wird. Doch die Bischöfin ist natürlich auch in einer solchen traditionalistischen Pfarrei vollauf weisungsberechtigt. Die Befürworter der „women bishops“ brau- chen eine Zweidrittelmehrheit. Wie sein Nachfolger Justin Welby hofft auch der scheidende „Archbishop of Canter- bury“ Williams, dass seine Kirche über diesem Thema nicht zerfällt – er mahnt alle Seiten zu Respekt.
Respekt und Abmachung
   „Respekt ist das Entscheidende. Er bedeutet, dass man die anderen in ihrer eigenen Sicht gelten lässt. Dass man sie selbst definieren lässt, was sie glauben und wer sie sind. Es geht um eine Abmachung, die allen zu sagen erlaubt: Unsere Sicht ist ernst genommen worden! Die Bischöfe hoffen, dass die Synode einen akzeptablen Weg nach vorne findet, der uns allen erlaubt, vom Dienst von Bischöfinnen bereichert und belebt zu werden. Ich freue mich darauf, zusammen mit vielen meiner Kollegen!“
   Das Problem sind die, die sich nicht so sehr auf Bischöfinnen freuen. Etwa zwanzig Prozent der Mitglieder der „Kirche von England“ sollen gegen die Bischofsweihe für Frauen sein, aus biblischen Gründen. Draußen in der weiten Welt, wo inzwischen eine Mehrheit der anglikanischen Weltgemeinschaft lebt, ist die Zahl der Bischöfinnen- Gegner noch höher – vor allem im traditionelleren Afrika. Auch Freunde der Anglikaner in der ökumenischen Land- schaft warnen vor dem Schritt:  die russisch-orthodoxe Kirche unlängst in einem Schreiben an den künftigen Primas, und die katholische Kirche sowieso. Orthodoxe wie Katholiken sagen ja schon zu Priesterinnen nein – von Bischöfinnen ganz zu schweigen.
Unterschiedliche Richtungen
 „Beide haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert, die römisch-katholische und die anglikanische Familie“, sagt Williams dazu im Gespräch mit Radio Vatikan „Sie haben sich in unterschiedliche Richtungen ent- wickelt, das ist einfach eine Realität. Wir warten nicht immer auf den anderen, wenn wir uns verändern, das ist Tatsache ... Was Bischöfinnen betrifft, werden wir schon innerhalb der Kirche von England keine für alle akzeptable Lösung finden können, das wäre sonst ein echtes Wunder. Aber die Bischöfe haben viel Blut, Schweiß und Tränen daran gesetzt, eine Balance zu finden, die der Minderheit gegenüber großzügig genug ist und doch im Grund- sätzlichen eindeutig genug. Viel Arbeit und Gebet ist dahinein geflossen; ich bin zuversichtlich, dass sie nicht umsonst waren.“
   Lehnt die Synode in diesen Tagen den Gesetzentwurf ab, dann ist er endgültig gescheitert; kommt er hingegen durch, dann könnten schon 2014 die ersten Frauen die Bischofsweihe erhalten. „Eine Kirche, die Frauen zu Priestern weiht, aber nicht zu Bischöfen, wäre unnormal“, argumentiert der Primas, und unter der Überschrift „Genug gewartet“ springen ihm viele hochrangige Mitglieder der Kirche von England in Videobotschaften bei. Steven Croft, der Bischof von Sheffield, beruft sich auf einen britischen Säulenheiligen:
 „1805 gab Admiral Nelson an seine Flotte die berühmteste Losung der Seefahrtsgeschichte aus: England er- wartet, dass jeder seine Pflicht erfüllt. Ich glaube, unser Land schickt der Generalsynode jetzt dasselbe Signal. Die meisten Menschen, denen die Kirche von England in Pfarreien landesweit dient, wollen Bischöfinnen. Die Gesell- schaft erwartet von uns eine positive Entscheidung, und dass wir vorwärtsgehen!“ Die Bibel verbietet Bischöfinnen nicht, ist Croft überzeugt: „Maria Magdalena war die erste Zeugin der Auferstehung Jesu, und Paulus erwähnt viele Frauen als Mit-Leiterinnen und Mitarbeiterinnen. Natürlich ist es wichtig, dass wir mit anderen christlichen Kirchen im Gleichschritt bleiben – und darüber haben wir sehr lange nachgedacht. Aber die Mehrheit von uns glaubt, dass wir diese Entscheidung jetzt treffen können, auch weil wir viele solcher Entscheidungen in der Vergangenheit getroffen haben.“
   „Ich bin leidenschaftlich für Bischöfinnen, weil ich mit vielen Frauen in der Kirche zusammenarbeite“, sagt Bischof Pete Broadbent von Willesden. „Es liegt auch eine Logik darin, denn wir haben ja schon Priesterinnen, da ist der nächste Schritt nur logisch. Wenn Sie gegen Bischöfinnen sind – darf ich Sie bitten, das noch einmal zu über- denken? Denn ich glaube, es ist wichtig, dass wir diesmal eine Zweidrittelmehrheit zusammenbekommen und nicht in den Augen der Gesellschaft völlig bescheuert dastehen und dann noch einmal fünf oder zehn Jahre lang von neuem über dieses Thema diskutieren.“
   „Viele von uns fragen sich: Warum reden wir solange über das Thema, warum gehen wir nicht hin und machen es jetzt einfach?“ Das fragt Rebecca Swinson, jüngstes Mitglied aller Zeit im Erzbischöflichen Rat von Canterbury. „Es ist doch seltsam, dass wir jetzt Frauen auf allen Ebenen der Kirche haben, nur nicht im Bischofsamt. Wir sollten jetzt zeigen, dass Frauen in der anglikanischen Kirche wirklich akzeptiert und in ihrem Dienst gewürdigt werden. Und die nächsten fünf oder zehn Jahre sollten wir dann über die wichtigeren Themen diskutieren: unser Gesund- heitssystem zum Beispiel! Das, was den Leuten wirklich am Herzen liegt.“
  Die Generalsynode der anglikanischen Kirche von England trifft eine – so oder so – historische Entscheidung. Im Vatikan wird man das aufmerksam verfolgen. RV121119sk

Simbabwe: Ein abtrünniger anglikanischer Bischof

   muss seiner Gemeinschaft Kircheneigentum zurückerstatten. Das hat ein Richter des Obersten Gerichts in Harare entschieden. Bischof Nolbert Kunonga habe kein Recht, Kircheneigentum zu behalten, weil er die anglikanische Kirche verlassen habe und von ihr 2007 exkommuniziert worden sei. Kunonga gilt als Anhänger von Präsident Robert Mugabe; er wurde exkommuniziert, weil er in Predigten zur Gewalt gegen Oppositionsanhänger aufgerufen hatte. Als Kunonga eine eigene, unabhängige Diözese von Harare gründete, half ihm die Polizei dabei, die bisherige anglikanische Kathedrale der Hauptstadt sowie mehrere andere Kirchen unter seiner Kontrolle zu behalten. RV121119ap

   Die anglikanische Kirche des südlichen Afrikas hat mit Ellinah Ntombi Wamukoya die erste Bischöfin des Kontinents ernannt. Dies teilte der Informationsdienst der Anglikanischen Gemeinschaft mit. In der Angli- kanischen Kirche Südafrikas, die auch Angola, Mosambik, Namibia und Lesotho einschließt, werden bereits seit der Synode von 1992 Frauen zu kirchlichen Ämtern wie dem Presbyterium und dem Priesteramt zugelassen. Somit fällt Wamukoyas Wahl zur Bischöfin von Swasiland mit dem 20-jährigen Jubiläum von Frauen in den südafrikanischen Kirchenämtern der Anglikaner zusammen. Weltweit ist sie die 24. Priesterin der Gemeinschaft, die zur Bischöfin geweiht wird. Die Bischöfinnen wirken unter anderem in Neuseeland, Australien, Kanada und Kuba. RV120720sir

kk-Spaemann,Robert-Z Prof. Dr. Robert Spaemann in der FAZ: Die Kirche kann Frauen nicht zu Priestern weihen

   Warum Jesus keine Frauen zu Aposteln gemacht hat, warum also das Charisma der Frauen unvereinbar ist mit dem Priesteramt, ist eine Frage, über die man nachdenken kann. Schließlich war Maria Magdalena die erste Ver- künderin der Osterbotschaft, und die Mutter Jesu wird in der katholischen ebenso wie in der orthodoxen Kirche als Königin der Apostel und Königin der Engel gefeiert. Im Übrigen hatte Jesus Frauen in seiner ständigen Begleitung. Das Nachdenken über die Frage „Warum" wird heute blockiert durch die Frage „Ob denn wirklich". Für die orthodoxe Kirche ist diese Frage durch die ausnahmslose Überlieferung beantwortet. Für die katholische Kirche hat Papst Johannes Paul II. diese Tradition durch eine Ex-cathedra-Entscheidung definitiv bekräftigt. Der Papst hat nicht gesagt, die Kirche dürfe nicht Frauen zu Priestern weihen, sondern sie könne es nicht. Mit einer „Priester- weihe" von Frauen würde die Kirche ihre Vollmacht überschreiten. Eine solche „Weihe" würde nichts bewirken außer einer Kirchenspaltung.
  Was das „Warum?" betrifft, so will ich hier statt tieferer anthropologischer Gründe nur die skeptische Begründung Karl Rahners nennen. Rahner sagte sinngemäß: Würden wir die Gründe und Motive Jesu zweifelsfrei kennen, dann könnte die Kirche darüber urteilen, ob diese Gründe nur zeitbedingt waren und deshalb für uns nicht mehr maß- gebend sein können. Angesichts der Unabhängigkeit Jesu von kontingenten Traditionen ist es unwahrscheinlich, dass er sich in dieser Wahl dem Zeitgeist unterworfen hat. Wenn wir aber die Gründe nicht zweifelsfrei kennen, können wir sie nicht relativieren und uns über sie hinwegsetzen. Und wenn der Staat sich hier einmischen würde, würde die Kirche in den Untergrund gehen müssen, wo wir von gültig geweihten Priestern die Lossprechung von unseren Sünden erhalten und den Leib Christi empfangen. FAZ101020

an-epRichadChartresLondon-x    Bischof Richard Chartres, London

   Weil anglikanische Geistliche das neue römisch-katholische Messbuch verwenden wollen, drohen Verstimmungen in der anglikanischen Kirche von London. Bischof Richard Chartres erklärte, er habe „mit Bestürzung“ von der Ab- sicht mancher seiner Priester erfahren, vom ersten Advent an nach dem römischen Messbuch zu zelebrieren. Die englische Neuübersetzung der liturgischen Texte wird in der katholischen Kirche Englands mit Beginn des Advents eingeführt. Chartres verwies darauf, dass das römische Messbuch auch Gebete für den Papst enthalte. Er äußerte zwar Verständnis dafür, in anglikanischen Messen auch für den Papst als „Patriarchen des Westens“ zu beten; der römische Ritus enthalte aber „nicht nur ein Gebet für den Papst, sondern den Ausdruck einer Gemeinschaft mit ihm“. Im Blick auf Anglikaner wäre dies „eine Gemeinschaft, die Papst Benedikt XVI. sicherlich ablehnen würde“, so der Londoner Bischof. Der anglikanische Oberhirt verwies auf „veränderte Umstände“ nach der Einladung des Papstes an Anglikaner, unter Wahrung ihrer Tradition zur katholischen Kirche überzutreten. RV111120kna

Streit bei Anglikanern geht weiter

   Die Kirche von England hat dem theologischen Konsenspapier der anglikanischen Weltgemeinschaft, dem soge- nannten „Anglican Covenant", mit großer Mehrheit zugestimmt. Zugleich wurd bekannt, dass die konservative Vereinigung GAFCON, ein Zusammenschluss von anglikanischen Nationalkirchen aus Afrika und Asien, die Formu- lierung dieses gemeinsamen theologischen Nenners ablehnt. Das Dokument sei in der derzeitigen Form „voller fataler Mängel", heißt es in einer GAFCON-Erklärung vom selben Tag. Eine Unterstützung für diese Initiative sei „nicht länger angemessen". Das Nein der Afrikaner könnte die Gräben innerhalb der anglikanischen Weltge- meinschaft weiter vertiefen. Deren Ehrenprimas, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury, hatte vor der Gene- ralsynode der Kirche von England vor einer „stückweisen Auflösung" der Gemeinschaft gewarnt und für eine Zustimmung zum „Covenant" geworben. Entscheidungen, die in einer Kirchenprovinz fielen, beträfen auch alle anderen Provinzen weltweit. Der „Anglican Covenant" ist eine Art theologisches Bündnis aller 38 autonomen Provinzen der anglikanischen Weltgemeinschaft, die derzeit rund 77 Millionen Mitglieder umfasst. Nur Provinzen, die diesem gemeinsamen Nenner zustimmen, gehörten künftig zur anglikanischen Weltgemeinschaft, so Williams. Anglikanische Theologen hatten den „Covenant" als Antwort auf den internen Streit der Weltgemeinschaft um Ho- mosexuelle und Frauen erarbeitet. Zu den Auslösern gehörte auch die Ernennung des homosexuellen US-Bischofs Gene Robinson 2003. Das Bündnis soll eine größtmögliche Einheit der Anglikaner erhalten. Neue Entwicklungen wie die Ernennung Homosexueller zum Bischofsamt sollen demnach künftig nur mit Zustimmung aller Provinzen stattfinden können. Liberale Anglikaner fürchten jedoch um die Autonomie ihrer Provinzen und befürchten eine mögliche Oktroyierung von Entscheidungen durch den konservativen Flügel der Weltgemeinschaft. Diese wiederum beklagen eine Aufweichung der Kirchendisziplin und der kirchlichen Tradition. Ein hochrangiger Kirchenvertreter hatte im linksliberalen „Guardian" vor einem Scheitern des „Covenant" gewarnt. „Es gibt keinen Plan B. Wenn es schiefgeht, dann liegt die Gemeinschaft in Trümmern", wird er zitiert. RV101127DT

Erzbischof Rowan Williams unterstützt homosexuelle Bischöfe - und verweist auf Tradition des Zölibats
  Der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, hat sich erstmals öffentlich für die Weihe homosexueller Bischöfe in der anglikanischen Kirche von England ausgesprochen. In einem Interview der „Times" sagt Williams, er habe „kein Problem" mit schwulen Bischöfen, solange sie zölibatär lebten. Dies verlange die Tradition, so der Anglikaner- primas. Bislang habe er in der innerkirchlichen Debatte den konservativen Flügel gegen schwule Bischöfe un- terstützt, weil „der Preis für die Kirche zu groß" gewesen sei, erklärte Williams gegenüber der Zeitung. Das gelte etwa im Fall von Jeffrey John, der wegen einer homosexuellen Beziehung 2003 nicht zum Bischof von Reading ernannt wurde und später von der engeren Auswahlliste für das Bischofsamt in Southwark gestrichen wurde.
   Die Risse in der anglikanischen Weltgemeinschaft werden tiefer. Die Episkopalkirche in den USA setzt sich durch die Weihe von Homosexuellen immer mehr vom Hauptstrom ab, schreibt die evangelische Nachrichtenagentur „Idea“ in einer Analyse. Das geistliche Oberhaupt der rund 70 Millionen Anglikaner, Erzbischof Rowan Williams, nennt es „bedauerlich“, dass sich die 2,1 Millionen Mitglieder zählende US-Kirche über die Bitte der Weltgemein- schaft um „gnädige Zurückhaltung“ bei der Homosexuellen-Weihe hinwegsetzt. Dies habe ernste Konsequenzen für die Einheit der Anglikaner. Die Weltgemeinschaft befindet sich am Rande der Spaltung, seit die US-Kirche im Jahr 2003 den schwulen Theologen Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire weihte. Hinzu kommt in diesem Jahr eine lesbische Bischöfin. Die Bischöfe der Episkopalkirche bestätigten jetzt die im Dezember erfolgte Wahl der 56-jährigen Mary Glasspool zur Weihbischöfin der Diözese Los Angeles. Die bisherige Bischofsassistentin und „Domherrin“ in der Diözese von Maryland lebt seit 1988 mit ihrer Partnerin Becki Sander zusammen. Glasspools Amtseinführung soll am 15. Mai stattfinden. Vor allem die wachsenden theologisch konservativen Kirchen in der Dritten Welt, aber auch konservative Anglikaner im Westen betrachten die Ordination und Bischofs- weihe von praktizierenden Homosexuellen als unvereinbar mit Bibel und Kirchenlehre. Etliche haben die Gemeinschaft mit der US-Episkopalkirche aufgekündigt. Glasspool erklärte, sie sei „überglücklich, erleichtert und zutiefst dankbar“. Die Bestätigung ihrer Wahl deutet sie als eine positive Reaktion auf „die erfrischende, erneu- ernde Bewegung von Gottes Heiligem Geist“. Sie bedeute große Hoffnung für Kirche und Welt. Robinson bezeichnete Glasspools Bestätigung als Weihbischöfin als „großen Tag für die Kirche“. Er sei dankbar, dass er sich nicht mehr so allein fühlen müsse. Der 62-Jährige war von 1972 bis zu seiner Scheidung 1986 verheiratet und hat aus dieser Ehe zwei Töchter. Seit 1989 lebt er mit Mark Andrews zusammen. 2008 ließen sie ihre Partnerschaft im Bundesstaat New Hampshire gesetzlich registrieren. Rv100321idea
  Die anglikanische Kirche hat „kein Problem“ damit, Homosexuelle zu Bischöfen zu weihen. Das meinte der anglikanische Primas, Erzbischof Rowan Williams, jetzt in einem Interview mit der „Times“. Allerdings müssten diese Bischöfe dann „die historische Tradition und den Standard“ einhalten und zölibatär leben, so Williams. Der Primas betonte, es sei sein wichtigstes Anliegen, dass die anglikanische Kirche über diese und ähnliche Fragen nicht auseinanderbreche. Seine Äußerungen stießen in einigen Teilen der anglikanischen Weltgemeinschaft auf Protest. Williams gab an, es sei ihm schwergefallen, einen Diakon, der in ziviler Partnerschaft mit einem Mann zu- sammenlebt, kürzlich zum Bischofsamt zuzulassen. RV100925ansa

Aber nur bei Enthaltsamkeit
   Die Bischöfe der anglikanischen „Kirche von England“ machen den Weg frei für homosexuelle Bischöfe. Das berichtet die BBC. Homosexuelle Priester könnten zu Bischöfen geweiht werden, wenn sie Enthaltsamkeit gelob- ten, so die Bischöfe der Staatskirche. Schon bisher gilt, dass Homosexuelle anglikanische Priester bzw. Diakone werden können, wenn sie ihre sexuelle Beziehung aufgeben und sich von ihrer Vergangenheit distanzieren. Die konservative evangelikale Gruppe „Reform“ kündigte Widerstand gegen die neue Regelung an. „Das wird zu noch mehr Spaltung führen als das Thema Bischofsweihe für Frauen“, sagte der Leiter der Gruppe, Rod Thomas, der BBC. „Wenn Sie dachten, dass das mit den Frauen ein Sturm war, dann warten Sie mal ab, was erst passiert, wenn der erste Homosexuelle zum Bischof gemacht wird.“ Im Jahr 2003 war schon einmal ein homosexueller Geistlicher in Reading zum anglikanischen Bischof ernannt worden. Angesichts der Proteste dagegen trat er aber zurück.  RVsk050113KNAreuters

Washingtoner Kathedrale traut Homosexuelle
   Die anglikanische National Cathedral in Washington, eine der bedeutendsten Kirchen der USA, bietet sich künftig auch homosexuellen Paaren als Ort für Trauungen an. Kathedraldekan Gary Hall nannte die Entscheidung laut dem US-Sender CNN einen „weiteren historischen Schritt zu mehr Gleichberechtigung". Um in der Washingtoner Kathe- drale heiraten zu dürfen, muss mindestens einer der Partner Kirchenmitglied sein. DT130110kna

Ök-aepRawanWilliams-xx     „Anglican Communion Covenant“ – 

  - so heißt ein grundlegendes Konsenspapier, das derzeit allen 38 Provinzen der anglikanischen Weltgemeinschaft vorliegt. Der Text, der in jahrelanger Arbeit entstanden ist, soll die fragile Einheit der Anglikaner retten. Erzbischof Rowan Williams Foto oben von Canterbury, der Primas der anglikanischen Kirche, hat das Konsenspapier vor Kur- zem vorgestellt; es bemüht sich um den Entwurf einer gemeinsamen theologischen und pastoralen Vision und soll ein Prozedere festlegen, das im Fall von Auseinandersetzungen gilt.
   „Es ist ziemlich wichtig, daran zu erinnern, was der ‚Covenant‛ ist und was er nicht ist – was er erreichen kann und was er nicht erreichen kann.“ Das sagt Erzbischof Williams in einer YouTube-Botschaft, die in den ersten Tagen 5.316 Mal aufgerufen wurde. „Das Papier wird nicht alle Probleme lösen; es ist weder eine Verfassung noch ein Gesetzbuch, das alle Regelbrecher bestraft. Vielmehr zeigt der ‚Covenant‛, wie sich bei einer Meinungsver- schiedenheit verfahren lässt, um Spaltungen zu vermeiden. Und er hilft uns zu verstehen, worin unsere Gemein- samkeit besteht, so dass wir unseren Zusammenhalt und unser Vertrauen untereinander verstärken.“
   Der letzte der vier Teile des „Covenant“ beschäftigt sich mit dem Thema der Sexualität aus biblischer Sicht. Dieses Thema hat die anglikanische Kirche in den letzten Jahren entzweit und an den Rand der Spaltung gebracht, seit die US-Anglikaner 2003 einen bekennenden Homosexuellen zum Bischof von New Hampshire geweiht haben. Der Erzbischof von Canterbury versucht allerdings, den „Covenant“ nicht nur als Minimalkonsens darzustellen: Denn vielleicht könne der Text sogar einmal für andere Christen attraktiv werden...  RV100209webArchbCanterbury
   Anlässlich des Streits um die Weihe von Frauen zu Bischöfinnen hat der anglikanische Primas Rowan Williams vor einem Zerwürfnis seiner Kirche gewarnt. Die Weihe von Frauen zum Leitungsamt dürfe nicht dazu führen, dass ganze Gruppen von Gläubigen verloren gingen. Das sagte der Erzbischof von Canterbury an vor der Kirchensyn- ode in London. rv100210
  Die anglikanische Gemeinschaft des Landes will eine konservative Abspaltung nordamerikanischer Anglikaner vor- erst nicht als Kirche anerkennen. Einen entsprechenden Beschluss fassten die Delegierten der Generalsynode in London. Man akzeptiere den Wunsch der neuen „Anglican Church in North America“ nach Anerkennung der angli- kanischen Weltgemeinschaft. Vorher seien aber weitere Prüfungen nötig. Der amerikanische Ableger hatte sich im letzten Sommer aus Protest gegen liberale Tendenzen in der anglikanischen Gemeinschaft gegründet.  rv100211

Suche nach „anglikanischer Lösung"
     Der anglikanische Primas-Erzbischof Rowan Williams von Canterbury hat in einem Interview in der Londoner Ta- geszeitung „The Daily Telegraph" mit Blick auf die im Oktober von Papst Benedikt XVI. initiierten Personalordi- nariate für Anglikaner, die zum Katholizismus übertreten wollen, dabei aber ihre eigenen Riten weiterführen möchten, erklärt, das Vorpreschen der katholischen Kirche sei „nicht vollkommen neu". Die katholische Kirche in England erlebe in Zyklen immer wieder einen „zweiten Frühling", wie beispielsweise durch Kardinal John Henry Newman im 19. Jahrhundert. Es gebe ein „Muster" in der Hoffnung, dass „die Wunden der Reformation zugunsten Roms geheilt werden", so der Primas der englischen Staatskirche. Williams, zugleich Ehrenprimas der anglikani- schen Weltgemeinschaft, räumte ein, dass das Angebot des Papstes traditionlistische Anglikaner in ihrer ab- lehnenden Haltung gegenüber Frauen im Bischofsamt beeinflusst habe. Dennoch gibt es nach seinen Worten ge- nügend Gründe für Anglo-Katholiken, vor allem die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes, nicht katholisch zu werden. Deshalb suchte die Mehrheit der Traditionalisten weiter nach einer „anglikanischen Lösung" des Pro- blems. Eine solche werde derzeit, allerdings durch die Episkopalkirche in den USA erschwert. Er habe Zweifel, ob die Einheit der anglikanischen Kirche die Zulassung homosexueller Bischöfinnen und Bischöfe langfristig überleben werde. DT091215kna

Anglikaner können viele Pfarrer nicht mehr bezahlen
  Mit einem drastischen Pfarrermangel aus finanziellen Gründen rechnet die anglikanische Kirche von England. In den kommenden fünf Jahren wird sie jeden zehnten angestellten Geistlichen verlieren; ihre Stellen sollen Ehren- amtiche füllen. Verantwortlich ist die Finanzkrise: Die Kirche hat die Mittel ihres in den neunziger Jahren ein- gerichteten Pensionsfonds in Aktien angelegt, die durch die Krise stark an Wert verloren haben. Auch sitzt in England, wo es keine Kirchensteuer gibt, das Kollektengeld bei den Kirchgängern nicht mehr so locker. Zudem gehen die Zahlen der Gottesdienstbesucher zurück. Wie die Londoner Zeitung Times berichtet, wird die Zahl der bezahlten Pfarrer von derzeit 8.400 in den kommenden vier Jahren um 8,3 Prozent auf 7.700 sinken. RvDT091202I

Rowann Williams    an-B-RowanWilliams-z  Westminster Abbey

an-be-RWillLambeth-Bibel-z an-beRWLambethWurelJesse-z

Erzbischof Rowan Williams zeigt Papst Benedikt XVI. am Ende ihrer Begegnung im Lononer Lambeth Palace
die Buchmalerei der “Wurzel Jesse” in der Lambeth-Bibel am 17. September 2010

   Der „Sunday Telegraph“ enthüllte die vertraulichen Gespräche der Bischöfe von Ebbsfleet und Richborough zu Ostern 2008 in Rom: „Einige Anglikaner mit katholischer Tradition wollen in der anglikanischen Gemeinschaft bleiben. Andere wünschen aus Gewisssensgründen spezielle Wege. Eine weitere Gruppe Anglikaner werden wohl eine Karawane bilden – ähnlich wie das Volk Israel, als es durch die Wüste zog in das verheißene Land.“
   Der Erzbischof von Canterbury  sprach von der Notwendigkeit in der anglikanischen Gemeinschaft, um das reiche anglo-katholische Erbe zu bewahren. Er wurde in die Gespräche nicht mit einbezogen und erfuhr erst zwei Wo- chen vor der Erklärung des Papstes davon. Erzbischof Rowan Williams jedoch besteht darauf, dass in der Einla- dung des Papstes nichts Neues steht und schreibt in einem Brief an alle anglikanischen Bischöfe: „Im Licht der jüngsten Diskussion mit Hohen Geistlichen im Vatikan kann ich sagen, dass diese neue Möglichkeit in absolut keiner Weise beabsichtigt, die bestehenden Beziehungen zwischen unseren beiden Gemeinschaften zu unterminieren, und auch kein Akt des Proselytismus oder der Agression ist.“
  Kardinal Levada antwortete auf die Frage, ob er denke, dass die Initiative des Papstes die anglikanische Gemein- schaft schwäche: “Ich würde nicht wagen, das zu kommentieren. Nach den langen Jahren des Britischen Empire und der Arbeit der anglikanischen Missionare, besteht die anglikanische Gemeinschaft als andere und sehr ver- schiedene weltweite Gemeinschaft.“ Als ein anderer Journalist unterstellte, der Anglikanismus liege im Sterben, antwortete der Kardinal: „Kein Kommentar.“
   Der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation William Kardinal Levada sagte: „Diese Anglikaner, die auf Rom zugegangen sind, haben klar ihren Wunsch auf volle, sichtbare Einheit mit der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche erklärt. Gleichzeitig haben sie uns von ihrem anglikanischen Glaubensweg, ihren Traditi- onen der Spiritualität und des Gottesdienstes berichtet.“
   In den vergangenen Jahrzehnten haben Tausende konservative Priester und Laien in England, Amerika und Australien  die anglikanische Gemeinschaft  wegen der Frauenordination und eines offen homosexuellen Klerus, die sie für schrift- und traditionswidrig halten, verlassen. Seit Beginn der Frauenordination im Jahre 1990 haben allein in England mehr als 400 Priester ihr Amt aufgegeben.
   Bitten enttäuschter Anglikaner haben zu dieser beispiellose Einladung des Papstes geführt. In Pressekonferen- zen in Rom und London wurde ihnen die volle Eingliederung in die römisch-katholische Kirche angeboten, unter Bewahrung ihrer Traditionen, soweit sie nicht katholischer Lehre widersprechen.

Erzbischof Williams sieht die positive Seite der Gespräche in Rom Ök-anglAERowanWilliams-xx

   Der Primas der anglikanischen Gemeinschaft hält in der Ökumene „das Glas für halb voll“ und erhebt dabei das Glas, um seine Worte zu unterstreichen. Im Wirbel um die besondere Fürsorge von Papst Benedikt XVI. für jene Anglikaner, die die Herde von Erzbischof Williams verlassen wollen und sich der katholischen Kirche anschließen wollen, überraschte die Bewertung der katholisch-anglikanischen Beziehungen des Erzbischofs doch ein wenig vor der Audienz im Vatikan. Seine Bemerkungen über die nächsten Schritte im ökumenischen Dialog überraschten dann weniger: eine deutliche Aufforderung an die Führung und Theologen der katholischen Kirche: „Anglikaner und römisch-katholische Christen – wirklich alle Christen, die in den letzten 40 Jahren am ökumenischen Dialog beteiligt sind – müssen sich ernstlich fragen, ob die Lehre und Praxis, die sie noch trennen, annähernd so wichtig sind, wie die wesentlichen Dogmen, die sie gemeinsam haben“, sagte der Primas am Abend vor einer Serie von Gesprächen mit Papst Benedikt und einigen vatikanischen Beamten.
   Unter anderen Themen standen besonders die abschließenden Vorbereitungen für die dritte Runde der anglika- nisch-römisch-katholischen internationalen Kommission zur Weiterführung des theologischen Dialogs auf der Ta- gesordnung. „Sehr viele Übereinstimmungen in hochrangigen Fragen über Wesen und Sendung der Kirche sind bisher erreicht; ist es dann wirklich gerechtfertigt weitere Themen als ebenso vital und für die Einheit erforderlich zu behandeln?“, fragte der Erzbischof. Der Primas äußerte Zweifel an der vatikanischen Sicht, dass die Ordination von Priesterinnen und Bischöfinnen in einigen Sprengeln der anglikanischen Gemeinschaft ein endgültiges Hinder- nis für jede Form eine katholisch-anglikanischen Einheit sein soll. Der ökumenische Dialog ist von beiden Seiten gewollt. Wenn nun Menschen ordiniert werden, damit sie der Weltgemeinschaft dienen, die Heiligkeit fördern und die Gläubigen mit Gott und miteinander zu versöhnen, „in wie weit wird das untergraben, wenn dieser Dienst durch beide Geschlechter augeübt wird?“ Papst Johannes Paul II. lehrte, dass die katholische Kirche keine Voll- macht zur Weihe von Priesterinnen hätte, weil Jesus ausschließlich Männer zu seinen Aposteln wählte.
   Erzbischof Williams sagte, er wolle nicht alle Argumente für und gegen die Frauenordination wiederholen, meinte aber „viele Anglikaner sehen in der Ablehnung der Weihe für beide Geschlechter einen unerwünschten Unter- schied zwischen getauften Frauen und Männern“, einen Unterschied, der in keinem christlichen Glaubensbe- kenntnis gemacht wird. Der Streit in der anglikanischen Gemeinschaft über die Frauenordination haben zu offen- sichtlichen inneren Spannungen geführt, aber die Anglikaner suchen noch Wege, um ihre Einheit zu bewahren ohne Zwang gegenüber denen in der Gemeinschaft, die eine andere Meinung haben. „Und wenn dies innerhalb der anglikanischen Familie erreicht werden kann, wäre das nicht ein Modell für die weltweite Ökumene?“
   Erzbischof Williams denkt nicht, dass die Fragen um die Ordination und die Unterschiede in wichtigen Kirchen- strukturen nebensächliche oder rein politisch zu werten seien, stellt aber nachdrücklich in Frage, ob diese „so fun- damental kirchentrennend sind, wie das unsere römisch-katholischen Freunde behaupten und annehmen“. Um das zu unterstreichen hält der Erzbischof ein Glas Wasser hoch, während er er seine Rede über den Ökumenismus an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom hält. Unter Bezugnahme auf die Beziehungen zwischen Katho- liken und Anglikanern meint Dr. Williams, das „ökunenische Glas ist echt halbvoll“. „Die Verantwortlichen für den ökumenischen Dialog und das Leben der christlichen Gemeinschaften müssen sich fragen, ob die Unterschiede im Amt und in der Autorität der Kirche dasselbe Gewicht haben, wie die Übereinstimmung, die in fundamentalen Glaubensfragen bereits erreicht ist.“
   Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Walter Kardinal Kasper, bestätigte erneut die Verpflichtung der katholischen Kirche, fortzufahren in der Suche nach der vollen Einheit: „Die Ökumene hat eine Zukunft, nicht, weil wir sie wünschen, sondern weil Jesus Christus sie wünscht und sein Geist hilft uns in dieser Verpflichtung. Die katholische Kirche kann nicht einfach stehen bleiben und warten. Sie hat eine be- sondere Verantwortung. Diese einzigartige ökumenische Verantwortung liegt – paradoxerweise – im Petrus- Amt (im Dienst des Papstes), das oft als Haupthindernis für die Einheit gesehen wird, aber das sich selbst als Dienst an der Einheit versteht.“
   Hinsichtlich der Fragen, die Anglikaner und Katholiken noch trennen, einschließlich der Frauenordination, erklärte der Kardinal den Reportern: „Wir müssen unterscheiden zwischen Unterschieden, die unvereinbar sind und solchen, die sich gegenseitig ergänzen. Die letzteren können in der Kirche nebeneinander bestehen.“ In seiner Rede sagte Kardinal Kasper: „Papst Benedikt hat klar verkündet, dass Gott die Liebe ist; Liebe ist der wahre Motor der Ökumene. Liebe respektiert die Freiheit des Anderen und achtet auch ihr Anderssein. Liebe schafft Raum für legitime Unterschiede.“ Abschließend sagt der Kardinal: „Liebe verlangt Einheit. Darum kann das Endziel der Öku- mene nur die volle Gemeinschaft im Glauben, in den Sakramenten, im apostolischen Dienst und in der Sendung sein.“ CZ091129CindyWooden

John L. Kirkly  an-JohnLKirley-   an-MaryDGlasspooLosAngeles-  Mary Glasspol

 Die anglikanische episcopale Kirche der USA steht vor einer neuen Belastungsprobe 
Die anglikanische Diözese von Los Angeles und die vonMinnesota habe zwei lesbische Kandidaten
und einen homosexuellen Mann  für das Bischofsamt aufgestellt.

   Die Diözese Los Angeles hat eine „bekennend lesbische“ Priesterin zur Weihbischöfin gewählt. Mary Glasspool - deren Vater auch anglikanischer Priester war - wohnt seit 1988 mit ihrer Partnerin Becki Sander zusammen. Die anglikanische Kirche heißt in den USA „Episkopalkirche“; sie hat im Juli 2009 ein Moratorium zur Wahl homosexu- eller Bischöfe aufgehoben. Die Frage der Wahl homosexueller Bischöfe hat die anglikanische Kirche seit der Weihe eines homosexuellen Bischofs in New Hampshire 2003 in eine tiefe Krise gestürzt. Mehrere Diözesen der US-Angli- kaner haben seither versucht, sich entweder „traditionellen“ anglikanischen Erzbischöfen in Afrika oder Südasien zu unterstellen oder katholisch zu werden. Mary Glasspool erklärte nach ihrer Wahl, „jede Gruppe von Menschen, die wegen eines isolierten Aspekts ihrer Persönlichkeit unterdrückt wird“, habe das Bedürfnis nach Gerechtigkeit und gleichen Rechten. Der anglikanische Primas Rowan Williams reagiert besorgt auf die Nachricht aus den USA: Das werfe „sehr ernste Fragen für die weltweite anglikanische Gemeinschaft“ auf, meinte der Erzbischof von Canterbury. Williams erinnert daran, dass sich die anglikanische Kirche eigentlich auf eine Art Auszeit geeinigt hatte, was kontroverse Ernennungen betreffe. RV091207reuters
 “Trauung” Der anglikanische Bischof Thomas Shaw von Massachusetts erlaubt seinen Priestern die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare. Die christliche Heirat sei eine sakramentale Zeremonie, erläutert Shaw in einem Schreiben auf der Webseite der Diözese. Auch wenn der Ritus nicht für jeden notwendig sei, müsse er doch allen offenstehen. „Es ist an der Zeit, dass wir Schwulen und Lesben dieselben Rechte auf das Ehe-Sakrament einräumen wie heterosexuellen Paaren“, zitiert eine Zeitung den Bischof. Die Bestimmung trat zum ersten Adventssonntag 2009 in Kraft. Es handele sich um eine Erlaubnis, nicht um eine Anordnung, erläutert Shaw in seinem Schreiben. Jeder Geistliche dürfe die Trauung ablehnen. Im Bundesstaat Massachusetts gibt es die soge- nannte Homo-”Ehe” seit 2004. RV091202kna

Erzbischof Robert Duncan   Ök-anglAEpRobertDuncan-x  Konservative Anglikaner spalten sich ab

  Konservative Anglikaner in Nordamerika haben eine Gegenkirche gegründet. Die „Anglican Church in North Ame- rica" ACNA bestimmte im texanischen Bedford Robert Duncan (60) zum Erzbischof und Primas der neuen Gemeinschaft. Bereits zuvor hatte die ACNA nach Angaben auf ihrer Webseite eine Verfassung verabschiedet. Sie sieht sich selbst als „Alternative" zur anglikanischen US-Episkopalkirche, für die Duncan bis vergangenes Jahr Bischof in Pittsburgh war.
   Die neue Kirche zählt nach eigenen Angaben gut 100.000 Mitglieder in 700 Gemeinden und 28 Bistümern in den USA und Kanada. Sie strebt eine Anerkennung durch die anglikanische Weltgemeinschaft an. Dazu ist unter ande- rem die Zustimmung von zwei Dritteln der geistlichen Leiter der weltweit 38 Nationalkirchen nötig. Die nordameri- kanische Episkopalkirche hat rund zwei Millionen Mitglieder. Medienberichten zufolge will sie sich derzeit nicht über die ACNA äußern. Die anglikanische Weltgemeinschaft wird seit Jahren von einem innerkirchlichen Streit um ihren Kurs erschüttert. Dabei sind der liberale und der konservative Flügel der Gemeinschaft etwa uneins über die Zulas- sung von Frauen und Homosexuellen zum Priester- und Bischofsamt.
   Die Auseinandersetzung führte bereits verschiedentlich zu Abspaltungen und Parallelstrukturen. So boy- kottierten einige konservative Anglikaner im vergangenen Jahr die Lambeth-Konferenz, das höchste Bera- tungsgremium der Anglikaner. Die Gründungsversammlung der ACNA trat in der St. Vincent-Kathedrale von Bedford zusammen. Gut 800 Personen nahmen daran teil. Unter den Gästen waren neben Vertretern von neun anglikanischen Nationalkirchen der katholische Bischof von Fort Worth, Kevin William Vann. DT090627kna

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Es geht nicht um Rechte oder Gerechtigkeit”. Der anglikanische Reverend Stephen Seamer bedauert die Entscheidung der Kirche von England, Bischöfinnen zu weihen

  Reverend Stephen Seamer leitet seit 2007 die anglikanische Christ-Church-Gemeinde in Düsseldorf. Regina Einig fragte ihn zu seiner Einschätzung der jüngsten Entscheidung der Kirche von England, Frauen zu Bischöfinnen zu weihen.
Wie wird sich die Entscheidung der Kirche von England, Frauen zu Bischof innen zu weihen,auf die Ökumene auswirken?
   Ich bedauere diese Entscheidung zutiefst. Aus Rom war zu hören, dass die ökumenischen Beziehungen der Anglikaner zur römisch-katholischen Kirche nun komplizierter werden. Diese römische Einschätzung trifft aus meiner Sicht zu. Auch wenn einige protestantische Kirchen diese Entscheidung begrüßen, räumt das Sorgen innerhalb der Kirche von England nicht einfach beiseite. Die Entscheidung ist nämlich lediglich eine Hilfe, etwas einzuführen. Es gibt keine Klauseln, wie mit Anglikanern verfahren wird, die diese Entscheidung aus theologischen und biblischen Gründen nicht akzeptieren. Bei der Frage, ob Frauen die Bischofsweihe gespen- det werden darf, geht es nicht um Rechte oder Gerechtigkeit.
  Hier geht es um Gottes Wort, um Führung und Autorität. Ich erwähne das hier nicht, um Frauen abzuwerten, sondern weil ich katholische Freunde habe, die es gerne sähen, wenn die römisch-katholische Kirche einen ähnlichen Kurs ansteuern würde.
Welche theologischen und biblischen Argumente sprechen gegen die Ordination von Frauen?
   Die Heilige Schrift lässt an der Führungsrolle des Mannes in der Familie und in der Kirche als der Familie Gottes keine stichhaltigen Zweifel zu. Frauen als Bischöfinnen sind ein Widerspruch zu den Plänen Gottes. Die Schwierigkeiten in der Episkopalkirche in den Vereinigten Staaten und anderswo zeigen das Elend, das ent- steht, wenn die Menschen Gottes Plänen zuwiderhandeln.
Was bedeutet die Entscheidung für die anglikanische Kirche?
   Die Autorität und die Führungsriege der anglikanischen Kirche verlagern sich immer mehr in Richtung des sogenannten globalisierten Südens, also zu den Diözesen in Lateinamerika und Afrika, in denen die Mehrzahl der anglikanischen Christen lebt. Die Jerusalemer Erklärung geht im wesentlichen auf sie zurück, denn sie treibt die Sorge, dass die überlieferte christliche Lehre nicht in Vergessenheit gerät.
Ist die Führungskrise in der Kirche von England auch die Folge der vernachlässigten Disziplin gegenüber liberalen Dissidenten?
  Jeder, der Erzbischof Rowan Williams persönlich begegnet, erlebt einen vorsichtigen und liebenswürdigen Menschen. Ich richte mich hier nicht gegen meinen Erzbischof, allerdings habe ich die Sorge, dass er durch Konsens führen will. Er will jeden mitnehmen - und dieser Stil greift nicht. Dafür ist die Situation in der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft seit der Weihe des homosexuellen Bischofs Gene Robinson zu ernst. Wir brauchen eine Führung mit mehr Klarheit, Disziplin und Überzeugung.
Welche Konsequenzen kommen auf die Anglikaner zu?
Manche werden zu den Anglokatholiken oder zu den Evangelikalen übertreten. Beide verzeichnen wachsende Mitgliederzahlen, weil sie einen orthodoxen Glauben haben und die Bibel ernst nehmen. Junge engagierte Gläubige um die 20 oder 30 werden sich sehr genau überlegen, ob sie einen geistlichen Beruf in der anglikanischen Kirche ergreifen. Ich habe Kinder in den Zwanzigern. Sie müssen sorgfältig abwägen, wenn sie Gottes Ruf zu einem geistlichen Beruf in der Kirche spüren. DTkna080710sei

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Anglikaner aus Afrika fordern mehr Einfluss Foto: Erzbschof Henry Orombi, Uganda

    Der anglikanische Erzbischof Henry Orombi von Uganda fordert eine tiefgreifende Strukturreform seiner Kirche. Er stellte kurz vor Ende der Lambeth-Konferenz in einem Gastkommentar in der Zeitung „The Times” die Autorität des geistlichen Oberhaupts der Anglikaner, des Erzbischofs von Canterbury in Frage. Orombi nannte die Form der Ernennung des Erzbischofs von Canterbury falsch, auf die der britischen Premierminister Einfluss hat. Selbst der Papst werde aus der Mitte der Bischöfe gewählt, sagte Orombi.  „In den vergangen fünf Jahren haben wir gese- hen, wie sehr dies ein Relikt des alten britischen Kolonialismus ist, das uns nicht guttut." Orombi forderte eine Leitungsstruktur, die nicht nur auf eine Person beschränkt sei und die die nichtenglischen Kirchen stärke. Gleich- zeitig betonte Orombi, dass er und andere konservative Kirchenführer keine Spaltung der anglikanischen Gemein- schaft im Sinn hätten. Orombi warf Erzbischof Rowan Williams vor, die bibeltreuen Kirchen verraten zu haben, indem er diejenigen amerikanischen Bischöfe zur Lambeth-Konferenz nach Canterbury eingeladen habe, die den offen homosexuell lebenden Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire geweiht hatten.  FAZkna080802

Henry Orombi: „Wir wollen endlich tun, was Jesus Christus will”. Der ugandische Erzbischof begründet,
warum er liberale Entwicklungen in der anglikanischen Gemeinschaft ablehnt

  Die tiefe Spaltung der anglikanischen Weltgemeinschaft ist spätestens seit der jüngsten Jerusalemer Konferenz des konservativen Kirchenflügels unübersehba Foto oben links. Knapp 300 Bischöfe waren unter den Teilneh- mern, die für sich beanspruchen, knapp die Hälfte aller 77 Millionen Anglikaner weltweit zu vertreten. Sie bekunde- ten in der „Jerusalemer Erklärung” Unmut über liberale Entwicklungen in anglikanischen Gemeinschaft und kün- digten den Ausbau eigener kirchlicher Strukturen an. Was Beobachter als den Anfang eines Schismas bezeichnen, nennt der anglikanische Erzbischof Henry Luke Orombi Foto oben rechts einen verheißungsvollen Neuanfang.
Erzbischof Orombi, spalten Sie die anglikanische Weltgemeinschaft?
  Wir sehen uns als eine neue Bewegung innerhalb der anglikanischen Gemeinschaft. Bisher war unser konservati- ver Flügel in der Defensive - jetzt ist eindeutig zu erkennen, dass sehr viele Menschen frustriert und enttäuscht sind. Die „Jerusalemer Erklärung” ist ein Druckmittel, um die Welt verstehen zu lassen, dass wir uns austauschen und vorwärtsgehen. Es ist ja nicht so, dass die Liberalen in der Kirche überhaupt nicht verstünden, worum es uns geht. Aber früher waren wir für sie Missionsland - ihre Vorfahren sind vor 130 Jahren gekommen, haben uns die Frohe Botschaft verkündet, und wir haben sie angenommen. Die Großenkel unserer einstigen Missionare haben jedoch eine neue Richtung eingeschlagen. Können sie von uns erwarten, dass wir ihnen folgen? Die Antwort ist: nein. Meiner Meinung nach haben sie das Feuer, die Leidenschaft und die Sehnsucht verloren, die ihre Vorfahren antrieb. Wir haben das alles noch.
Sie haben bei der Jerusalemer Konferenz einen eigenen Bischofsrat gegründet.Was soll der konkret tun?
   Wir wollen uns jetzt endlich wieder auf unseren eigentlichen Auftrag besinnen: die Menschen aufzufordern, hin- auszugehen, zu predigen, die Armen, Kranken und Bedürftigen zu besuchen - kurz: das zu tun, was Jesus Christus von uns will.
In der „Jerusalemer Erklärung” wenden Sie sich nicht nur gegen praktizierte Homosexualität und die Weihe von bekennenden Homosexuellen zu Priestern. Sie beschwören auch die alte Tradition in der Sexualmoral: eheliche Treue, Enthaltsamkeit vor der Ehe und so weiter. Gerade in Afrika gibt es aber riesige Probleme in diesem Bereich.
   An Gott zu glauben, ist eine Frage der Entscheidung. Gott zwingt niemanden. Aber wenn jemand wirklich auf ihn hört, dann wird er zu einem Werk des Gehorsams. Wenn ich auf meiner Kanzel stehe, dann predige ich etwa über die Abstinenz. Jeden Samstag führe ich Hochzeiten durch, von zehn Uhr morgens bis nach sechs abends. Worüber spreche ich? Über die Treue, die ich von dir, Mann, erwarte, der du diese Frau heiratest und eine Familie gründest. Mein eigener Großvater hatte sechs Frauen. Mein Vater hatte „nur” noch zwei. Ich bin also selbst in einer polyga- men Familie groß geworden und habe gesehen, was für eine Tragödie das bedeutet. Als mein Großvater alt wurde, hat er schließlich bei keiner seiner sechs Frauen gelebt. Ich weiß nicht, warum sie ihn alle rausgeworfen haben. Auch mein Vater hatte mit seinen zwei Frauen nie Frieden im Haus: Die beiden haben unentwegt gestritten. So habe ich als Junge schon die missliche Lage meines Vaters gesehen und mir geschworen, dass ich nur eine Frau haben würde. Und ich habe nur eine. In meiner Kirche stehe ich als einer, der den Menschen erklärt, was es heißt, eine echte, dauerhafte Beziehung zu haben. Das ist wirklich biblisch - und das ist es, was ich lehre. DT080705

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Schisma in Zeitlupe. Der Geist des Empire verweht. Die Weltgemeinschaft der Anglikaner
steht vor der Spaltung. Mehr als tausend Priester drohen mit dem Austritt.

   Die Allerseelenkirche im Londoner Innenstadtviertel Marylebone verdankt ihr Dasein vor allem dem Umstand, dass die Regent Street, die vor 180 Jahren entstandene Prachtstraße König Georgs IV., an dieser Stelle einen komischen Knick machen musste, um weiter nördlich den ebenfalls damals neu angelegten Regents-Park zu er- reichen. In diesem neoklassischen Kirchenbau mit dem auffälligen ionischen Säulenturm hat jetzt die anglikanische Weltgemeinschaft selbst einen Knick bekommen. In Zeitlupe, aber in unbarmherziger Entschlossenheit vollzieht sich gegenwärtig ein Schisma, eine Kirchenspaltung unter den Anglikanern. Es treibt die Gläubigen im englischen Mutterland auseinander und trennt zugleich die Bänder zwischen der „Mutterkirche” - der in der Regierungszeit König Heinrichs VIII. entstandenen Church of England - und den anglikanischen Kirchen in den Ländern des ehe- maligen Empires und in Nordamerika.
   Die Gewalt der Teilung speist sich aus vielen Motiven, sie bündeln sich in einem Ringen spirituell-konservativer Kirchenführer (vor allem die afrikanischen Anglikaner, aber auch Lateinamerikaner zählen dazu) mit den eher libe- ral-progressiven Bischöfen der nördlichen Hemisphäre, also vor allem Englands und Nordamerikas. Die Anlässe des Streites reichen von der Rolle Homosexueller in der Kirche über die Anfechtung der Führungsrolle des Erzbischofs von Canterbury bis hin zu Differenzen über aktive Missionierung und über das Verhältnis zu anderen Religionen.
  Die Unruhe hat einen ungeahnten Verbreitungs- und Beschleunigungseffekt gewonnen durch die Wahl und Weihe des ersten homosexuellen Bischofs in der amerikanischen Episkopalkirche. Die Bestimmung von Gene Ro- binson zum Bischof von New Hampshire weckte vor vier Jahren den Widerstand anglikanischer Kirchen im Süden der Welt, der sie schließlich erst zu einer Konferenz nach Jerusalem, und nun nach London führte. Die Anglikaner aus Uganda, Nigeria oder Australien gründeten unterwegs einen Zusammenschluss namens „Foca” - der Begriff kürzt den Namen „Gemeinschaft bekennender Anglikaner” ab - und formulierten eine „Jerusalemer Erklärung”. Darin sagen sie sich faktisch von der Autorität des Erzbischofs von Canterbury los, der anders als der Papst in der katholischen Kirche zwar keine formelle, aber doch eine gewohnheitsrechtliche Rolle als spiritueller Anführer der anglikanischen Gemeinschaft hat - über seine Funktion des geistigen Oberhaupts der Church of England hinaus. In der Erklärung stellen die „Abtrünnigen” fest: Während wir die historische Rolle des Bischofssitzes von Canterbury anerkennen, sind wir nicht bereit, anzuerkennen, dass die Identität der Anglikaner allein durch die Beglaubigung des Erzbischofs von Canterbury bestimmt werden kann.
   Nach der anglikanischen Tradition ist genau dies aber bislang der Fall gewesen. Obwohl schriftliche Weisungs- und Unterordnungsregeln innerhalb der Kirche fehlten, hatte doch jede einzelne anglikanische Gliedkirche sich in Übereinstimmung mit Kirchenrecht und Glaubensregeln der Zentrale in Canterbury zu befinden, wollte sie sich als Teil der Gemeinschaft fühlen. Die Ausdehnung der Anglikaner auf der Welt fiel im 18./19. Jahrhundert zusammen mit der Expansion des britischen Empire. Heute zählen 77 Millionen Gläubige zur anglikanischen Gemeinschaft, die Hälfte davon gehört der Church of England an. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts nutzte der Erzbischof von Canter- bury die einmal im Jahrzehnt stattfindende „Lambeth-Konferenz (benannt nach dem Londoner Stadtteil, in dem der Palast des Kirchenoberhauptes liegt) als ein informelles Konzil, um die Einheit der Gliedkirchen sicherzustellen. Die nächste dieser Zehnjahreskonferenzen fand jetzt in Canterbury. Mehr als 200 Bischöfe aus den Kirchen der südlichen Hemisphäre hatten vorab angekündigt, sie würden nicht erscheinen - die meisten von ihnen waren hin- gegen dem Aufruf der „Foca” gefolgt und nach Jerusalem gereist.
   Die Abordnung der Foca-Traditionalisten, die nun in London Station machte, umfasste unter anderen den Erz- bischof von Uganda, Orombi, den Erzbischof von Sydney, Jensen, und den Erzbischof „des südlichen Horns”, der Länder Lateinamerikas also, Venables. Alle drei bestritten, bei einem Auftritt in der Allerseelen-Kirche, dass sie die Anführer einer Spaltung seien. Sie wollten sich vielmehr als Bewahrer der richtigen, der ursprünglichen anglika- nischen Kommunion verstanden sehen. Der ugandische Bischof Orombi sagte in vermeintlich naiver Freude, seine Kirche sei ja ein Missionskind der Kirche von England. Viele seiner Landsleute hätten seit 150 Jahren ihren eigenen Glauben aufgegeben und seien dem neuen Evangelium gefolgt. Nun komme er mit diesem Evangelium „ins Mutter- land zurück”. Für Rowan Williams, den Erzbischof von Canterbury, bedeuten diese Ereignisse gleich eine doppelte existenzielle Bedrohung. Er saß bislang schon mit seinem Bemühen, die Kirche in den gesellschaftlichen Schlachten zwischen Progressiven und Konservativen auf einem Mittelweg zu halten, zwischen beiden Lagern. Während er den homosexuellen Bischof Robinson gar nicht erst einlud zur Lambeth-Konferenz, sagten die Traditionalisten unaufgefordert ab. Und während nun Foca, der rasch entstandene Zusammenschluss der Traditionalisten, den weltweiten geistigen Führungsanspruch des Bischofssitzes von Canterbury faktisch gebrochen hat, sieht sich Williams zusätzlich durch dieses Beispiel des Aufbegehrens zugleich zu Hause, in seiner eigenen Kirche, in der Führungsrolle herausgefordert. 1.300 englische Priester, unter ihnen elf Bischöfe, haben in einem Brief an Williams ihren Austritt aus der Kirche angedroht, falls es in der Church of England zur Ordination weiblicher Bischöfe kommt. Im Grundsatz ist dieser Schritt schon beschlossen, eine Synode der englischen Anglikaner fasste noch einige Tage vor der internationalen Lambeth-Konferenz einen ausdrücklichen Beschluss dazu. Weibliche Priester sind bei den englischen Anglikanern seit Jahrzehnten zugelasssen - 1.300 Priesterinnen haben sich auch in einer Stellungnah- me zu Wort gemeldet und vor der Diskriminierung von Frauen in der Kirche gewarnt.
   Der Erzbischof von Canterbury sieht sich demnach von allen Seiten bedrängt und eingeklemmt. Vorerst hat er den Foca-Bischöfen die Autorität bestritten, seine eigene Autorität anzuzweifeln. Doch als Orombi, Venables und Jensen am Montag in London eintrafen, da warteten nicht die angemeldeten 400, sondern vielleicht 1.000 engli- sche Kleriker auf sie, um zu erfahren, wie sie die Bewegung der Traditionalisten auch auf englischem Boden fort- führen könnten. Der australische Bischof Jensen orakelte in der Krypta der Allerseelen-Kirche, etwas Großes, etwas Spirituelles entstehe gegenwärtig in der Gemeinschaft der Anglikaner, ohne dass er sagen könne, was. Sicher ist allenfalls, dass der Geist des Empire, in dem vor 180 Jahren Allerseelen in der Regent-Street errichtet wurde, nun auch bei den Anglikanern verweht. FAZJohannesLeithäuser080702

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 Konservative Anglikaner hoffen auf Rom. Wegen Frauen im Bischofsamt
wollen einzelne Gemeinden von katholischen Bischöfen betreut werden - Spaltung weiter möglich

   Eine umstrittene Entscheidung hat die Generalsynode Foto oben der anglikanischen Kirche von England und Wales getroffen: Sie will Frauen zum Bischofsamt zulassen.
    Nach der umstrittenen Öffnung der anglikanischen Kirche von England für Frauen im Bischofsamt hoffen Gegner dieser Entscheidung auf Hilfe aus Rom. Der Bischof von Ebbsfleet, Andrew Burnham, habe Papst Benedikt XVI. um eine „großzügige Geste” gebeten, wonach anglikanische Gemeinden künftig von katholischen Bischöfen betreut werden könnten, berichteten britische Medien. Der Bischof habe schon entsprechende Gespräche mit dem Präfek- ten der Glaubenskongregation, Kardinal William Joseph Levada, und dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, geführt, hieß es. Burnham gehört zu den sogenannten fliegenden Bischöfen, die Gemeinden betreuen, die keine Frauen im Priesteramt akzeptieren wollen. Nach der Öffnung der anglikanischen Kirche in England und Wales 1992 für Frauen im Priesteramt waren bereits mehrere hundert anglikanische Geistliche zur römisch-katholischen Kirche konvertiert. Viele anglokatholische Gemeinden folgen schon jetzt der römischen Liturgie.
   Wie das Verhältnis der verschiedenen Flügel in der anglikanischen Kirche in England verteilt ist, illustriert das Ab- stimmungsergebnis auf der Generalsynode in der strittigen Frage der Bischofsordination. 28 Bischöfe, 124 Priester und 111 Laien votierten dafür, zwölf Bischöfe, 44 Priester und 68 Laien sprachen sich dagegen aus - bei insge- samt sieben Enthaltungen.
   Die Meldungen über den Kontakt von anglikanischen Konservativen mit dem Vatikan heizten nun Spekulationen über eine Spaltung der anglikanischen Kirche zusätzlich an. Nach Angaben des Londoner Synodenmitglieds David Houlding wolle die Mehrheit der Konservativen jedoch innerhalb der Gemeinschaft bleiben und weiter gegen die Zulassung von Frauen zum Episkopat kämpfen. Sie hofften nach den Neuwahlen auf eine konservative Mehrheit in der Generalsynode.
   Der Vatikan hatte die Entscheidung der Generalsynode von York für die Zulassung von Bischöfinnen als „Bruch mit der apostolischen Tradition” und „neues Hindernis” für die Versöhnung zwischen der katholischen Kirche und der anglikanischen Kirche von England bezeichnet. Deshalb hat nun auch Kurienkardinal Kasper beschlossen, an der „Lambeth-Konferenz” in Canterbury teilzunehmen, dem wichtigsten Entscheidungsgremium der anglikanischen Weltgemeinschaft, um die katholische Position darzustellen. Nach Angaben der anglikanischen Gemeinschaft wird auch der indische Kurienkardinal Ivan Dias, Präfekt der vatikanischen Missionskongregation, als einer von rund 75 ökumenischen Beobachtern nach Canterbury reisen.
   Traditionalisten in der Kirche von England warnten indessen im Vorfeld dieser Konferenz vor einer Katastrophe für den Ehrenprimas der anglikanischen Weltgemeinschaft, Erzbischof Rowan Williams. Nach dem „Kirchenchaos” um „Schwulenhochzeiten” und Bischöfinnen werde Williams „keine Autorität” haben, sagte Synodenmitglied Houlding.
   Unterstützung hat der Ehrenprimas dagegen vom Erzbischof von York, John Sentamu, erhalten. Williams dürfe nicht zum Prügelknaben für Probleme der Kirche gemacht werden. Die Angriffe gegen ihn seien ungerechtfertigt und spiegelten nicht seine Persönlichkeit wieder. Sentamu rief die Gläubigen auf, vor lauter Kirchenpolitik nicht die wahren Probleme der Welt aus den Augen zu verlieren. DT080710

aepPeterAkinolaNIGx     Erzbischof Peter Akinola, Nigeria

Konservative rufen Liberale zu Umkehr auf. Streit um Homosexuelle:
Anglikaner unterstreichen in Jerusalem die Autorität der Heiligen Schrift

   Mit einem Aufruf an liberale Anglikaner zur Rückkehr zur „wahren Lehre” ist in Jerusalem die Globale Anglika- nische Zukunfts-Konferenz GAFCON eröffnet worden. In seiner von mehr als tausend Teilnehmern bejubelten Eröffnungsrede forderte der nigerianische Primas, Erzbischof Peter Akinola Foto oben, die Befürworter der Priesterweihe bekennender Homosexueller auf, die „Autorität der Heiligen Schrift” anzuerkennen. Diese bezeichne gleichgeschlechtliche Beziehungen klar als Sünde. Die anglikanische Weltgemeinschaft mit ihren 77 Millionen Mit- gliedern ist von Spaltung bedroht. Die Spannungen zwischen eher liberalen Kirchenprovinzen in den Vereinigten Staaten und Europa und den eher traditionell eingestellten Provinzen auf der Südhalbkugel sind immer mehr ge- wachsen, seit 2003 der bekennende Homosexuelle Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire ernannt wurde. Auch in den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien sagten sich einzelne Bischöfe und Priester von den liberalen Strömungen in ihrem Umfeld los und schlossen sich dem afrikanisch geführten konservativen Flügel an.
   Die in Jerusalem zusammengekommenen konservativen Anglikaner seien nicht schuld an der offensichtlichen Spaltung der anglikanischen Gemeinschaft, sagte Akinola, der in seiner Rede immer wieder von Applaus und „Amen”-Rufen unterbrochen wurde. Vielmehr habe der liberale Flügel durch seine modernistische Linie die Einheit aufgekündigt und zerstöre die anglikanische Identität und Zukunft: „Wir können nicht erlauben, dass Millionen Gläubige, die wir repräsentieren, in einen religiösen und spirituellen Kerker geführt werden.” Modernen „Plagen wie  Homosexualität,  Vergewaltigung und Kindesmissbrauch” müsse durch pastorale Strategien begegnet wer- den, forderte der Nigerianer.
   An dem Treffen in Jerusalem nehmen nach Angaben der Organisatoren mehr als dreihundert Bischöfe teil, vor allem aus Afrika und Nordamerika. Es ist eine inoffizielle Konkurrenz-Veranstaltung zur Lambeth-Konferenz, dem höchsten Beschlussgremium der anglikanischen Weltgemeinschaft, das alle zehn Jahre tagt. Viele der bei GAFCON vertretenen Bischöfe haben angekündigt, die Lambeth-Konferenz „aus Gewissensgründen” zu boykottieren. Den- noch wird damit gerechnet, dass das Jerusalemer Treffen die Weichen für die Entscheidungen konservativer Mit- glieder des Bischofsgremiums stellen wird. Vergangene Woche hatten konservative anglikanische Kirchenführer in einem Dokument namens „Der Weg, die Wahrheit und das Leben” de facto eine Abspaltung von dem liberalen Flügel angekündigt. Die Kirche befinde sich in der tiefsten Krise seit der Reformation, hieß es dort. Akinola warf dem Ehrenprimas der Weltgemeinschaft, Erzbischof Rowan Williams von Canterbury, fehlende Führungsqualitäten vor. Er habe es versäumt, die Episkopalkirche der Vereinigten Staaten für die Ernennung eines Homosexuellen zu disziplinieren und der anglikanischen Gemeinschaft damit eine „verheerende Wunde” zugefügt.
  Die GAFCON wird sich laut Akinola mit der Frage befassen, ob die Einheit der Kirche noch zu retten sei, da sich ein „beträchtlicher Teil” der anglikanischen Weltgemeinschaft im „Irrtum” befinde und nicht wenige „abtrünnig” seien. Zu den Bischöfen, die die Lambeth-Konferenz boykottieren wollen, gehört auch der britsche Bischof von Rochester, Michael Nazir-Ali. Der Vertreter des konservativen Lagers war 2002 dem Liberalen Williams bei der Ernennung zum Erzbischof von Canterbury unterlegen. „Ich hätte ihn gerne als Erzbischof von Canterbury gesehen”, wird der Erzbischof von Uganda, Henry Orombi, im britischen „Daily Telegraph” zitiert.
   Beobachtern zufolge könnten die Ergebnisse der GAFCON zu einer Spaltung der anglikanischen Weltgemein- schaft führen. Die Organisatoren der Konferenz weisen dies bislang zurück. „Wir können nirgendwo anders hin- gehen, und wir haben nicht die Absicht, eine neue Kirche zu gründen”, so Akinola. DT080626KNA

Ök-anglLambCf-xx KatherineJeffertsSchori

Ultimatum in letzter Minute - Die Anglikaner kommen in Tansania noch einmal ohne Spaltung davon.
Foto rechts: anglikanische Bischöfin Katharine Jefferts
Foto links: anglikanische Bischöfe auf der Lambeth-Konferenz 2008

   Nach der Konferenz der anglikanischen Weltgemeinschaft in Daressalam berichteten Sprecher im Strandhotel vor die Presse von einem neuen Ultimatum zur Vermeidung der endgültigen Spaltung der Anglikaner. Von Beginn an ging es an Jangwani Beach wenig geschwisterlich zu. Die Konservativen vor allem aus afrikanischen National- kirchen weigerten sich, mit der Leitenden Bischöfin der liberalen nordamerikanischen Kirche, Katharine Jefferts Schori Foto, das Abendmahl zu feiern und ebenso mit ihrem Ehrenprimas, Erzbischof Rowan Williams von Canter- bury, der die umstrittene Kirchenführerin nach Tansania eingeladen hatte: Schon die Existenz von Bischöfinnen, erst recht einer Leitenden, ist für die Gruppierung des „Global South”, der für sich reklamiert, die Hälfte der gut 77 Millionen Anglikaner weltweit zu repräsentieren, ein Verstoß gegen biblische Lehre.
   Die gemeinsame Abschlusserklärung enthält ein scharfes Ultimatum an die nordamerikanischen Liberalen, die endgültige Abkehr von ihrem Kurs zum Thema Homosexualität unter Beweis zu stellen: keine Bischofsweihen mehr für Homosexuelle und keine Segnungsriten für gleichgeschlechtliche Paare. Ansonsten droht eine Nicht-Einladung zur Lambeth-Konferenz. Wie nun die nordamerikanischen Bischöfe mit diesem Ultimatum umgehen, konnte auch Williams nicht sagen. „Es ist ein Experiment”, sagte er: „Betet dafür.” Bislang freilich hat die nordamerikanischen Kirchenführung nur halbherzig auf die tumultartigen Proteste aus Übersee reagiert.
   Der Drahtseilakt wird noch dadurch erschwert, dass der Wortführer der Konservativen, Primas Peter Akinola aus Nigeria, nun eine Art Aufseher in den Vereinigten Staaten eingesetzt hat. Martyn Minns, ein konservativer nord- amerikanischer Geistlicher aus Virginia, soll als Bischof der nigerianischen Anglikaner jene Pfarreien in den Verei- nigten Staaten betreuen, die nicht unter liberaler Leitung stehen wollen. Ein klarer Verstoß gegen das Territorial- prinzip der Nationalkirchen. DTkna070222

KatherineJefferts-xx

Nordamerika: Streit bei Anglikanern spitzt sich zu

   Der Streit bei den nordamerikanischen Anglikanern geht weiter. Die Leitende Bischöfin der Episkopalkirche, Katharine Jefferts Schori Foto oben Mitte, erklärte die Bischofswahl eines konservativen Amtsbruders für „null und nichtig”, wie die amerikanische Presse jetzt berichtete. Reverend Mark Lawrence war im September zum 14. Bischof der Diözese von South Carolina gewählt worden. Er erkennt wie das gesamte Bistum die Autorität Jefferts Schoris wegen ihrer liberalen theologischen Haltung nicht an. Im Dezember leitete die Diözese erste Schritte zu einer formalen Abspaltung von der Episkopalkirche ein. Jefferts Schori teilte Lawrence nun mit, dass einige Ge- meinden South Carolinas nur mit formalen und „kanonischen Mängeln” an der Wahl von Lawrence teilgenommen hätten. Damit sei kein formaler Konsens erreicht worden. Zugleich ordnete sie eine Neuwahl an. Der liberale Kurs der nordamerikanischen Kirche hat auch die anglikanische Weltgemeinschaft mit ihren 77 Millionen Mitgliedern an den Rand einer Spaltung gebracht. DTkna070320CT070304

epHendersonEpJohnFleming Tuam,AnglKath.IRL epCoIRichardHenderson

Anita Henderson, Ehefrau eines anglikanischen Bischofs wurde katholisch
Foto Mitte: anglikanische Kathedrale von Tuam, Foto rechts: Bischof Richard Henderson,
Foto links: Bischof Henderson mit dem katholischen Bischof von Kilala John Fleming

  Bischof Richard Henderson von Tuam, Killala und Achonry unterstütze den Schritt seiner Frau, teilte die angli- kanische Diözese auf ihrer Website mit. Er habe auch mit der ganzen Familie dem Gottesdienst beigewohnt, bei dem die Konversion vollzogen wurde. Anita Henderson wurde als Tochter eines Priesters der Kirche von Irland in Cork geboren. Familie Henderson hat zwei Töchter und einen Sohn.
   Im Anschluss veröffentlichte Bischof Henderson gemeinsam mit dem katholischen Bischof von Killala, John Fle- ming, eine Erklärung, in der sie auf die Religionsfreiheit verweisen. Darin heißt es, die Gewissensentscheidung der Frau verdiene Respekt. Gute Wünsche, Gebet und Segen beider Bischöfe würden sie künftig begleiten. Die Bi- schöfe betonen, die Zeit, in der die Entscheidung Anita Hendersons reifte, sei eine Zeit “beispielloser Freundschaft und Zusammenarbeit” gewesen. Die Gemeinden seien sich bewusst geworden, “wie viel wir gemeinsam haben und wie unverwechselbar die unterschiedlichen Traditionen gleichzeitig bleiben”. In diesen Zeiten sei es ein positives Zeichen, wenn sich jemand so intensiv auf die Suche nach seiner spirituellen Heimat mache. kap0710 
   Anita Henderson kommentiert ihre Entscheidung: “Dies ist der Höhepunkt einer langen Reise des geistlichen Suchens. Ich bin sicher, dass Gott mich auf diesen Weg gerufen hat”. Frau Henderson setzte sich mit ihrem Mann  stark für die ökumenischen Beziehungen zur irischen katholischen Kirche ein. Ihre Freunde berichten, dass sie öfter an geistlichen Besinnungstagen amerikanischer Mönche in Holy Hill Heritage in Skreen, Co. Sligo, teilge- nommen hat. Anita Henderson unterstütze den Gottesdienst in der anglikanischen St. Patrick-Kathedrale in Killala, wo sie das Amt einer Lektorin übernommen hatte. Bischof Hendersen ist ein hochgebildeter Mann der Kirche von Irland, ein exzellenter Prediger und geistlicher Führer.

epJeffreySteensonRioGr epDanHerzogAlbany KatherineJeffertsSchori

   Dies ist nun bereits der zweite prominente Übertritt von der anglikanischen Gemeinschaft zur katholischen Kirche in einem Monat. Auch der Bischof Jeffrey Steenson Foto oben links von der protestantischen Episcopal-Krche ging diesen Weg. Sie stehen in der geschichtlichen Tradition von englischen bekannten Persönlichkeiten wie den Seligen John Henry Kardinal Newman, die Heilige Elizabeth Seton, Msgr. R.R.Benson, Msgr. Ronald Know, Pfarrer Gerard Manley Hopkins, Pfarrer Motague Summers, G. K. Chesterton und Evelyn Waugh.
 Der Grund für den Schritt: „Ich merke, dass mich die Verpflichtungen meines Amtes in der Episkopalkirche an einen Platz abseits von Schrift und Tradition führen.”  Der US-anglikanische Bischof Jeffrey N. Steenson hat jetzt seine Heimkehr zur katholischen Kirche bekannt gemacht. Das berichtete die konservative anglikanische Vereinigung ‘Living Church Foundation’. Steenson gehört zum konservativen Richtung der Episkopalkirche – wie sich die US- Anglikaner offiziell nennen. Er ist seit 2005 Bischof der anglikanischen Diözese Rio Grande im südlichen US-Bundes- staat New Mexiko.
   Seine Konversion kündigte Steenson in einem Schreiben an die Pfarrer an. Darin lud er diese auch zusammen mit der Vorsitzenden der US-anglikanischen Bischofskonferenz, Frau Katharine Jefferts Schori Foto oben rechts, zu einer Konferenz ein. Danach werden die Gläubigen seiner Diözese brieflich informiert.
  Manchen erscheine seine Konversion als unverständlich, anderen als unloyal – erklärte Steenson im Gespräch mit der  ‘Living Church Foundation’: „Ich glaube, dass der Herr mich nun in diese Richtung ruft.” Für Steenson ist es wichtig, die anglikanische Gemeinschaft in Übereinstimmung mit den geltenden Regulierungen zu verlassen. Darum hat er seine Vorgesetzte, Frau Schori, um Rat und Gebet angefragt. Ende des Jahres wird er beim ‘House of Bishops’ den Rücktritt einreichen. Bis dahin möchte er von seinen Gelübden als Bischof der Episkopalkirche ent- pflichtet sein. Die Entscheidung zur Konversion begründet Steenson mit dem Treffen der US-anglikanischen Bischöfe – dem ‘House of Bishops’ – im März.
  Dieses Treffen war für ihn eine „zutiefst beunruhigende Erfahrung”. Dabei ging es um das Kirchenverständnis der Episkopalkirche. Die Mehrheit der US-anglikanischen Bischöfe betrachte die Episkopalkirche als unabhängige Orts- kirche, die nur über eine freiwillige Bindung in Kontakt mit der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft stehe, bedauert Steenson: „Das ist nicht die katholische Lehre der Kirche und wird zu vielen bedauerlichen Konse- quenzen führen.”Er habe die Kirche, wie sie diese Bischofsversammlung beschrieben hat, nicht wiedererkannt. In einer Stellungnahme für das ‘House of Bishops’ erklärt Steenson sein bedrücktes Gewissen: „Ich merke, dass mich die Verpflichtungen meines Amtes in der Episkopalkirche an einen Platz abseits von Schrift und Tradition führen.”
   Im Januar konvertierte der anglikanische Bischof der Diözese Albany im US-Bundesstaat New York, Dan Herzog Foto oben Mitte gemeinsam mit seiner Frau. Der Weg nach Rom von Bischof Herzog bedeutet, dass er sein Amt als Bischof, Priester und Diakon niederlegen muss. In seinem Brief drückt er seine Gefühle zu dieser Entscheidung aus: “Mich erfüllte ein freudiges Gefühl der Zufriedenheit, in Einheit mit dem Amt des heiligen Petrus und der universalen Kirche zu stehen. Aber ich spüre auch ein Gefühl der Trauer darüber, die besondere Beziehung zu verlieren zum Klerus und den führenden Laien die Christus dienen in der Episkopalkirche von Albany und der anglikanischen Gemeinschaft.
   Der anglikanische Bischof von Fort Worth im südlichen US-Bundesstaat Texas trat im August 2007 zur katho- lischen Kirche über.

ök-anglOrdoEpB'ham-xx EU-DarlastonGB-St.Josef-z

Erzbischof Vincent Nichols von Birmingham spendete Vater und Sohn nach der Konversion zur katholischen Kirche die Priesterweihe: Ron Cosslett rechts im Bild und Dominic Cosslett links.

  Father Dominic Cosslett, 36, wird eine Aufgabe in derselben Diözese wie sein Vater, Father Ron Coslett, 70, über- nehmen. Die Priesterweihe fand statt in der Christkönigskirche in Coventry. Der Vater erhielt die Weihe schon im Jahre 2005. Jetzt ist er Priester an der St.Josephs-Kirche in Darlaston, West Midlands Foto rechts.
     Erzbischof Nichols eröffnete mit bewegten Worten die Weihehandlung: „Dies ist eine einzigartiger großer Tag im Leben unserer Diözese. Beide, Vater und Sohn, werden nach der Weihe der Kirche als katholische Priester die- nen.“ Mehr als 60 Priester waren bei der feierlichen Konzelebration mit dem Erzbischof anwesend. Beim Friedens- gruß umarmte der Sohn den Vater sehr herzlich. In die Textbroschüren für die Gläubigen schrieb Fr. Dominic diese Botschaft: „Besonders möchte ich meinen Eltern und meiner Familie danken für die liebende Unterstützung, die sie mir in diesen Jahren gegeben haben. Ihr starker Glaube war für mich beispielhaft. Auch möchte ich meinen Freunden danken für ihre offene und freundliche Ermutigung.“
  Nach der Liturgie ergriff seine älter Schwester Vaness Jones das Wort – sie arbeitet als Krankenschwester auf der Intensivstation des Allgemeinkrankenhauses in Southampton: „Ich fühle mich geehrt und beschenkt dass mein Vater und mein Bruder Priester der katholischen Kirche sind und danke Gott, dass er unsere Familie begnadet hat, katholisch zu werden.“
  Der Regens des Priesterseminars in Oscott sagte: „Dominic war nur 18 Monate bei uns. Wir werden ihn vermis- sen und wünschen ihm Gottes Segen für die Zukunft. Dies ist die zehnte Priesterweihe in diesem Jahr – es war ein gutes Jahr für unser Seminar.“
   Father Dominic übernimmt die Stelle als Kaplan an der St.Georgs-Gemeinde in Worcester. Er ist nicht verheiratet. Er fühlt sich von jungen Jahren an zum Zölibat berufen. Seine Mutter konvertierte schon fünf Jahre zuvor – zugleich mit seinem Vater. Ein Jahr später folgten auf diesen Weg auch seine Schwester mit ihren Kindern. Die Primizmesse feierte der Neupriester zusammen mit seinem Vater. „Wir beide gehörten zur katholischen Traditon der anglikanischen Gemeinschaft“, meint Fr. Dominic.  Ähnlich wie viele in dieser anglikanischen Tradition haben wir immer gefühlt, dass wie katholische Kirche der Fels ist, von dem wir abgeschlagen waren. Es war immer ein Teil unserer Reise und unseres Glaubens: die Einheit mit Rom zu suchen. Schließlich kamen wir zu dem Punkt, wo wir fühlten, dass wir unser Verständnis der katholischen Tradition nicht in der anglikanischen Gemeinschaft leben konnten. Es wurde Zeit für uns, nach Hause zu gehen.“
   Auf die Frage, ob er meint, dass katholische Priester heiraten sollten, meint Fr. Dominic: „Das ist nicht meine Entscheidung. Die Lehre der Kirche ist klar. Der heilige Vater hat großzügig erlaubt, dass ehemals anglikanische Priester, die verheiratet sind, die Priesterweihe empfangen dürfen. Die Lehre ist bekannt – und es steht mir nicht zu, diese zu kommentieren. Katholisch zu werden ist nicht in der Unzufriedenheit mit der anglikanischen Gemein- schaft zu begründen – entscheidend ist der Einsatz für die kathlische Kirche. Ich bin außerordentlich dankbar in diesen Tagen. Und ich erkenne, dass es noch etwas anderes in der katholischen Kirche gibt. Das hat sehr stark meine Entscheidung beeinflusst.“ CT090111JamesHastings

Card.O'Connor

Katholiken und Anglikaner. Die Muttergottes und der Weg der Einheit
Interview mit Kardinal Cormac Murphy-O’Connor Foto: Westminster Cathedral

Maria-mKind-BrLibrary ökAngl-kathLeeds2006

Foto oben links: Maria mit Jesuskind, 14.Jh., British Library
Foto oben rechts: Treffen der anglikanischen und katholischen Bischöfe Englands in Leeds

In Sachen Dialog mit der anglikanischen Gemeinschaft wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen.
Der gemeinsame Text über die Mutter Jesu, Maria: Gnade und Hoffnung in Christus, Frucht der Arbeit der Anglikanisch-Römisch-Katholischen Internationalen Kommission ARCIC, kann nicht nur der theologischen und kirchlichen Debatte hilfreich sein, sondern auch einer praktischen, gemeinsamen Sicht der Volksfrömmigkeit.

   Das jüngste Werk der Anglikanisch-Römisch-Katholischen Internationalen Kommission ARCIC wurde vorgestellt: Maria: Gnade und Hoffnung in Christus. Das Dokument ist ein bedeutender Schritt im ökumenischen Dialog zwischen Anglikanern und Katholiken. Wir haben uns mit Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, darüber unterhalten.
Herr Bischof, warum gerade jetzt ein Text über Maria? Welche Bedeutung kommt ihr im Dialog zwischen An- glikanern und Katholiken zu?
  CORMAC MURPHY-O'CONNOR: Maria kam im Leben und in der Liturgie der Anglikaner und der Katholiken schon immer eine große Bedeutung. Wegen der beiden marianischen Dogmen der Unbefleckten Empfängnis und der Auf- nahme Mariens in den Himmel, wie auch wegen einigen früher üblichen Formen der katholischen Marienverehrung kam es zwischen Anglikanern und Katholiken zu massiven Unstimmigkeiten. Und damit war klar, dass wir diese Frage im Namen eines ehrlichen Dialogs früher oder später hätten klären müssen. Der andere Grund, über Maria zu sprechen, war der Umstand, dass - unterschiedliche Auffassungen über die Autorität in der Kirche bestehen. Unser Dokument will das Problem also direkt angehen, beleuchtet die Gestalt Mariens anhand der Bibel und der frühchristlichen Tradition.
Welche Antwort wird in dem Text gegeben?
   MURPHY-O'CONNOR: Der Teil des Textes, der Maria in der Schrift gewidmet ist, ist wirklich gut gemacht und könn- te für den Unterricht gebraucht werden. Was daraus hervorgeht, ist eine Art „Neuannahme” Mariens sowohl von katholischer als auch anglikanischer Seite, eine erneuerte Sicht der verschiedenen Aspekte der Tradition,die man vielleicht aus den Augen verloren hatte. Das Dokument wird vielen Anglikanern dabei helfen, Aspekte einer ge- meinsamen Tradition zu entdecken, die sie verloren hatten, und zu sehen, dass die - richtig verstandene - katho- lische Marienverehrung wahrlich der biblischen und kirchlichen Tradition entspricht. Und ich denke, dass das den Katholiken dabei helfen wird, einige der biblischen Grundlagen wie auch den theologischen Horizont über Maria wieder zu entdecken, was in einigen Formen der Verehrung nicht mehr deutlich war. Es ist ein Dokument, das unseren beiden Traditionen neue Impulse gibt und unsere jeweiligen Auffassungen einander näher bringt.
Die ARCIC hat die marianische Tradition des Ostens (Maria die „Allerheiligste” sowie die „Entschlafung” Mariens) analysiert, um die Probleme zu ergründen, die den Westen gespalten haben. Auffallend sind die häu- figen Paulus-Zitate.
   MURPHY-O'CONNOR: Es ist überraschend, was alles passieren kann, wenn Männer des Glaubens gemeinsam die Heilige Schrift studieren!  Die Kommission hat sich besonders intensiv auf Kapitel 8,28-30 des Briefes an die Römer konzentriert, der eigentlich kein spezifischer Marientext ist.

Brief an die Römer:
 8,28 Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind; 29 denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei. 30 Die aber, die er vorausbestimmt hat, hat er auch berufen, und die er berufen hat, hat er auch gerecht gemacht; die er aber ge- recht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

  Für die Kommission ist er jedoch zu einer Art Interpretationswerkzeug geworden, das es ihr erlaubt hat, Maria als Urbild der Gnade und der Hoffnung zu sehen, als diejenige, die uns die Art und Weise enthüllt, in der Gott an den Menschen handelt. Sowohl die Unbefleckte Empfängnis als auch die Aufnahme Mariens in den Himmel zeigen etwas davon, wie Gott in der Vorwegnahme an uns handelt, um uns im Laufe unseres Lebens zu rufen, wie auch von dem Ziel, zu dem uns Gott anspornt. Somit ist Maria Urbild im Ruf und in der Antwort, und die Marienverehrung kann uns durch Jesus Christus Gott näher bringen.
Ist dieses gemeinsame Dokument ein Schritt in Richtung gemeinsamer Eucharistie mit den Anglikanern?
   MURPHY-O'CONNOR: Es hat unglaublich dabei geholfen, diesen weiteren Zankapfel zwischen Katholiken und An- glkanern zu beseitigen. Ob es uns einer gemeinsamen Eucharistie näher bringt? Jein, würde ich sagen. Nein, weil die Vorgangsweise der ARCIC darauf abzielt, die Unterschiede zu klären, und nicht, sie zu beseitigen. Man will sozusagen den Weg bereiten, damit die beiden Konfessionen besser nebeneinander einherschreiten können. Und das, weil wir - und hier würde ich Ihre Frage mit Ja beantworten - je besser wir miteinander gehen können, um so mehr jene Einheit bauen, aus der die gemeinsame Eucharistie erwächst.
Wie sieht im Hinblick auf diesen gemeinsamen Weg die heutige Realität der katholischen Kirche in einem Land mit anglikanischer Mehrheit wie Großbritannien aus?
   MURPHY-O'CONNOR: Ich finde das Leben eines katholischen Bischofs oder Kardinals im heutigen Alltagsleben in Großbritannien ehrlich gesagt recht faszinierend. Auf der einen Seite ist in unserem Land  ein schnell voran- schreitender Entchristlichungsprozess im Gange, der mir wirklich Sorge macht: die Krise der Familie ist offen- sichtlich, der fehlende Respekt vor dem menschlichen Leben - Abtreibung, Euthanasie, Experimente mit mensch- lichen Embryos - wie auch die fehlende Großzügigkeit den Immigranten gegenüber, ein allgemeiner Egoismus. Auf der anderen Seite dagegen kann ich für die katholische Kirche und ihren Kardinal die noch bis vor kurzem unge- ahnte Möglichkeit erkennen, sich Gehör zu verschaffen.
Inwiefern?
   MURPHY-O'CONNOR: Aus vielerlei Gründen können ich und die anderen katholischen Bischöfe uns heute zu Themen des Lebens, der Abtreibung, der Euthanasie, der Familie, der Reform der Gefängnisse, des Beistands für die Armen äußern, was in dieser Form noch vor einigen Jahren nicht möglich gewesen wäre. Als ich noch jung war, bewegte sich die katholische Kirche am Rand der britischen Gesellschaft, wurde mit Misstrauen betrachtet. Heute stehen wir im Zentrum der brennenden Fragen unserer Zeit, und was wir sagen, hat Gewicht. Das liegt zum Teil daran, dass die Katholiken nicht länger nur aus Irland gekommene Immigranten sind, sondern britische Bürger, die sich Gehör verschaffen wollen. In vielen gesellschaftlichen Alltagsbereichen kann man daher Katholiken finden, auch in der Regierung.
Welche Unterstützung kann die Kirche Englands Papst Benedikt XVI. anbieten?
   MURPHY-O'CONNOR: Das große Geschenk der Kirche Englands ist ihre unbeugsame Treue in Zeiten der Prüfung. Ich war jahrelang Rektor des Englischen Kollegs und weiß beispielsweise, dass während der Reformation 44 Studenten des Kollegs den Märtyrertod erlitten. Die katholische Kirche und die Katholiken wurden jahrhunderte- lang verfolgt und unterdrückt. Aus dieser Erfahrung ist die Kirche im 19. Jahrhundert neu geboren worden und kann seither voranschreiten. Die englische Kirche besitzt also ein Erbe der Treue, der großen Treue zum Papst und zur universalen Kirche. Und die Erfahrung der britischen Kirche hat der universalen Kirche mit ihrer Art und Weise, im modernen Europa präsent zu sein, viel zu bieten. Konkret bedeutet das, dass wir dem Papst mit dem Rat zur Seite stehen, den wir ihm geben können, mit der Einheit unserer Kirche, unserer Bischöfe, vereint in der Kollegia- lität.
   So geben wir dem Papst das Beispiel einer Hierarchie, die Einheit ist, die alles daran setzt, die Kirche stärker zu machen, im Inneren unserer heutigen Kultur größere Evangelisierungskraft zu erlangen.
In der letzten Zeit mußte sich der anglikanische Primas vielen Krisen innerhalb der anglikanischen Gemein- schaft stellen. Konnten Sie ihm irgendwie dabei hilfreich sein?
   MURPHY-O'CONNOR: Erzbischof Williams weiß, dass er nicht nur auf meine Freundschaft zählen kann, sondern auch auf die von Kardinal Kasper  und des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen in Rom. Er weiß, dass er bei uns immer auf Verständnis stoßen wird, was in einer Freundschaft schließlich auch selbstverständlich ist. Wir sprechen regelmäßig über die Themen, die innerhalb der anglikanischen Gemeinschaft für Aufruhr sorgen, auch, weil diese die Einheit der Christen betreffen. Wir versuchen, ihm in jeder nur möglichen Weise behilflich zu sein.

be-162-Dipl.Neujahr2011   ARCIC in Hong Kong  an-RowanWilliams-2z

   Die Mitglieder der Internationalen Anglikanisch-Katholischen Kommission ARCIC sind in Hong Kong zu einer Woche des Gesprächs zusammengetroffen. Es geht um die im vergangenen Mai im Kloster Bose angestoßene Dis- kussion über gemeinsame ethische Standpunkte und die Kirche als lokale und universale Gemeinschaft.
   Die Anglikanisch-Katholische Kommission besteht seit 1969 und befindet sich derzeit in ihrer dritten aktiven Pha- se. Diese geht auf ein Treffen zwischen Papst Benedikt und dem Anglikanerprimas Rowan Williams von 2006 zu- rück, bei der beide Kirchenführer den Wunsch äußerten, wieder mehr miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Dialog war von vatikanischer Seite aus nach der Ernennung eines offen homosexuellen Anglikaner-Bischofs auf Eis gelegt worden. Hauptanliegen der ARCIC-Gespräche war von Anfang an, die Differenzen zwischen den beiden Kirchen zu überwinden, die durch das Schisma im 16. Jahrhundert hervorgerufen bzw. verstärkt wurden. Rv120505

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Fotos oben: Der anglikanische Erzbischof von Canterbury Rowan Williams
miit Papst Benedikt XVI. links und Papst Johannes Paul II.

Wie kann die Einheit der Christen Ihrer Meinung nach auf anglikanischem „Terrain" umgesetzt werden?
   MURPHY-O'CONNOR: Augustinus wollte Einheit in den wesentlichen Dingen; Freiheit in denen, die nicht wesent- lich sind und Liebe in allen. Eine optimale Maxime. Wir sind immer noch auf der Suche nach der Art und Weise, wie man in den wesentlichen Glaubensdingen auf einen Nenner kommen kann.
   Die Trinität, die Fleischwerdung, die Auferstehung sind drei große Mysterien, die wir im Glaubensbekenntnis teilen. Dann haben wir noch die grundlegenden Lehren der Kirche, mit denen die Mehrheit der Anglikaner einver- standen sein kann. Sagen wir es einmal so: was wir der anglikanischen Gemeinschaft zu bieten haben, ist das Ge- schenk, das wir erhalten haben, unser Verständnis von dem, was Kirche-Sein bedeutet und die damit gemachte Erfahrung. Die letzten Monate haben uns in einer einzigartigen Weise die Ekklesiologie des Katholizismus gezeigt: den Papst, die Bischöfe, das Gottesvolk und die unglaubliche Einheit, die all das trägt. Ich glaube, dass das auch andere christliche Gemeinschaften - wie sie auch die Vertiefung der Kollegialität brauchen; es nötig ist, zu sehen, wie die Einheit wirkt, in Liebe, Freiheit und der gemeinsamen Teilhabe am Glauben.
Und was kann uns die anglikanische Gemeinschaft lehren?
   MURPHY-O'CONNOR: Beispielsweise eine größere Miteinbeziehung der Laien in den Diözesen. Der Bischof küm- mert sich um seine Diözese, muss seinen Priestern Gehör schenken, den Ordensleuten und den Laien, was be- deutet, dass er von einer Art  der Kirchenleitung abhängt, die mehrheitlich synodal ist. Das ist wahrscheinlich etwas, das wir von den Anglikanern lernen können, was wir aber ins Innere der gesamten Ekklesiologie der Kirche übertragen müssen. Und da haben wir dann das Papsttum, in seiner Rolle, die darin besteht, in der ganzen Welt der Gemeinschaft der Christen zu dienen. Johannes Paul II. hat in seiner Enzyklika Ut unum sint von den christ- lichen Gemeinschaften Antworten erbeten, wie das Petrus-Amt am besten der Sache der Gemeinschaft dienen kann, und ich denke, dass wir diesen Dialog noch weiter verfolgen müssen.  GiovanniCubeddu30Giorni0506/7

epMichaelEvansEastAnglia EU-NorwichGB-JohannisKath-z

     Fotos: Bischof Michael Evans, East Anglia - Johannes-Kathedrale Norwich
“Einwanderer beleben das katholische Leben in Großbritannien”

   Bald könne es in Großbritannien mehr praktizierende Katholiken als Anglikaner geben. Grund dafür sind die zahl- reichen Einwanderer aus katholischen Ländern, besonders aus Osteuropa, die seit neuestem die Zahlen der Kirchenbesucher auf der Insel in die Höhe treiben. Diese Einwanderer seien eine „große Chance”, aber auch eine „große Bedrohung” für die katholische Kirche, heißt es in einer Studie des Von-Hügel-Instituts in Cambridge. Die Chance ist leicht zu erkennen. Sonntag für Sonntag strömen zahlreiche junge Leute aus Osteuropa, Afrika, Asien und Lateinamerika in britische Kirchen. Die meisten Einwanderer leben in London, wo manche Gemeinden Sonn- tags von acht Uhr morgens bis um acht Uhr abends Messen anbieten müssen, um alle Gläubigen unterzubringen.
  Das sind gute Nachrichten für eine katholische Kirche, die seit der Reformation in Großbritannien eine Minderheit vertreten hat. Die britische Tageszeitung The Times zitierte Statistiken, nach denen jeden Sonntag rund eine Million Katholiken in England und Wales in die Kirche gehen, genauso viele wie Anglikaner. Allerdings gebe es dort rund 25 Millionen Anglikaner, aber nur 4,2 Millionen Katholiken. Das heißt, relativ gesehen sind die Katholiken heute schon aktiver. Und ihre Zahl steigt beständig.
   Die größte katholische Einwanderergruppe bilden zurzeit die Osteuropäer, die nach der ersten EU-Osterweiter- ung 2004 zum Arbeiten nach Großbritannien gekommen sind, vor allem Polen. Die zweite Osterweiterung könnte mehr Einwanderer aus Süd- und Osteuropa bringen. Dazu kommen Krankenschwestern von den Philippinen, Computer-Fachleute aus Indien, Taxi-Fahrer aus Ghana, Küchenhilfen aus Brasilien und viele andere Katholiken aus aller Herren Länder.
   „Es ist gut, die Kirche wachsen zu sehen”, meint Michael Evans, katholischer Bischof der ostenglischen Diözese East Anglia. „Aber das ist kein Konkurrenzkampf.  Das wäre albern.” Bei der Studie gehe es in erster Linie um ein Migrationsproblem, und zwar um die Integration der Zuwanderer in die katholische Kirche. Und da lägen auch die größten Herausforderungen.
   „Es geht hier nicht nur um den Glauben, sondern darum, die Einwanderer willkommen zu heißen und ihnen ein zuhause zu geben,” erklärt Evans. Nach der Studie aus Cambridge ist die katholische Kirche für viele Migranten der erste Kontakt und Zufluchtsort in der neuen Umgebung. Eine Italienerin, die in der Studie zitiert wird, sagt beispielsweise: „In eine katholische Kirche zu gehen ist so, als ob man einer Familie angehört. Man hat seine eigene Gemeinschaft in einem fremden Land, einen Ort, wo man hingehört.”
   Um dieses Gefühl der Zugehörigkeit zu stärken, müsse sich die Kirche an den Bedürfnissen der Migranten orien- tieren, meint Bischof Evans. Dazu gehöre es beispielsweise auch, Messen in der Muttersprache der Einwanderer anzubieten. Einige Gemeinden in seiner Diözese hätten etwa Messen auf Polnisch oder Portugiesisch. Die Gefahr sei allerdings, dass sich einzelne Ausländergruppen isolierten und keinen Kontakt zu anderen Gemeindemitglie- dern hätten.
   Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, und einige Bischöfe im Großraum von London haben sich der Sache ange- nommen. „Migranten... sind eine von vielen Quellen der Hoffnung für die katholische Kirche der Zukunft”, schreiben die Bischöfe in einer Stellungnahme zu der Studie des Von Hügel-Instituts in Cambridge.  GabyMahlbergDT070222

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Ökumene in Grossbritannien - Westminster’s Kardinal Cormac Murphy-O’Connor und Erzbischof Rowan Williams, Primus der anglikanischen Gemeinschaft links im Foto im Gebet in der Geburtskirche zu Betlehem.

Kardinal: "Die englische Nation verleugnet Gott”
   “Britannien fällt zurück auf ein zutiefst notleidendes Land”, meint Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, “wenn es versucht, die Religion aus dem öffentlichen Leben zu entfernen”. Der Krdinal sieht in der Säkularisation die Ur- sache für den Verlust gemeinsamer moralischer Werte, der letztlich zu einem Gefühl der Verzweiflung führt. “Unsere Nation ist in großer Not, weil sie beraubt wird vom großen  Wert des Lebens und unserer Hoffnung” predigte der Kardinal in der Londoner Westminster Kathedrale. Der Grund für diesen Kultur-Notstand sei die Leugnung der Existenz Gottes, an dessen Stelle die individuelle Freiheit gesetzt werde. “In unserer Kultur zeigt sich ein radikaler Bruch mit dem Christentum und auch mit den moralischen und religiösen Traditionen der Mensch- lichkeit. Damit wird unsere Gesellschaft unfähig zu einem fairen Dialog mit anderen. Wir sind dann nicht mehr im Stande, grundsätzliche Fragen über Sinn und Ziel unseres Lebens zu beantworten.”  
   Der Kardinal verurteilte Tendenzen, die Rolle des Christentums aus dem Leben der Nation hinauszudrängen und ermutigte die Christen, ihren Glauben frei von Furcht zu bekennen. “In unserem Land wird Gott zunehmend aus dem öffentlichen Leben entfernt. Der Glaube an ihn wird schwieriger, weil Gott nicht mehr in Erscheinung tritt. Gott scheint überflüssig und fehl am Platze zu sein”, sagte der Kardinal. In seiner Predigt fordert der Erzbischof die Gemeinde auf: “Zeigt Freude in eurem Glauben, und erweist euch glücklich darüber, dass Gott euch dieses große Geschenk gegeben hat, dass ihr glauben, hoffen und ihn lieben könnt.”
  Der Kardinal war gerade erst von Betlehem zurückgekehrt, wohin ihn eine Pilgerreise zusammen mit dem anglika- nischen Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, und weiteren Religionsführern geführt hatte. Er sei traurig darüber, dass Christen wegen des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern das Heilige Land verließen. “Aber auch in unserem Land steht nicht alles zum Besten.Wir haben hier weder Krieg noch Hunger, aber England zeigt sich heute als ein zutiefst notleidendes Land.” SimonCaldwellCT070107

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Die anglikanisch-katholische Kommission: Die Suche nach Einheit ist nicht optional!

 Papst Franziskus hat zwanzig Mitglieder der Anglikanisch-Römisch Katholischen Internationalen Kommission ARCIC in Privat-Audienz empfangen. Das Treffen der ARCIC diente dem Studium der Beziehung zwischen der Universalen Kirche  und den Ortskirchen, unter besonderer Berücksichtigung der Diskussionen und Entscheidungen moralischer und ethischer Fragen. Die Einrichtung dieser Kommission war ein Ergebnis der historischen Begegnung im Jahr 1966 zwischen Papst Paul VI. und dem Erzbischof von Canterbury, Arthur Michael Ramsey. Damals unterzeichneten sie eine gemeinsame Erklärung, um einen Dialog auf der Grundlage der Heiligen Schrift und der gemeinsamen Tradition zu beginnen mit der Hoffnung, die Einheit in Wahrheit zu erlangen, wofür Jesus Christus betete.
   Obgleich das Ziel bisher noch nicht erreicht ist, so zeigt doch der Besuch der Kommission beim Papst wie „wie die gemeinsame Tradition des Glaubens und der Geschichte zwischen Anglikanern und Katholiken unsere Bemühungen voranbringen und stärken kann, um die Hindernisse zur vollen Einheit zu überwinden. Mehr noch: die Kommission wird in Kürze fünf gemeinsame Erklärungen veröffentlichen von der zweiten Phase des anglikanisch-katholischen Dialogs – eine Erinnerung, dass die ökumenischen Beziehungen und die Dialoge nicht zweitrangig sind im Leben der Kirchen. „Die Sache der Einheit ist keine beliebige Aufgabe und die Unterschiede, die uns trennen müssen wir nicht als unabwendbar ansehen“, sagt der Heilige Vater.
   „Es gibt ein starkes Band, das uns schon eint und das über allen Trennungen steht“, unterstreicht Franziskus. „Es ist das Zeugnis der Christen von verschiedenen Kirchen und Traditionen, Opfer der Verfolgung und der Gewalt wegen ihres Glaubens. Und das nicht nur heute, da es viele von ihnen gibt; ich denke auch an die Märtyrer von Uganda, zur Hälfte Katholiken und Anglikaner. Das Blut dieser Märtyrer wird eine neue Zeit ökumenischer Bindungen bewirken im heißen Wunsch, den Letzten Willen und das Testament des Herrn zu erfüllen: Dass alle eins seien. Dieses Zeugnis unser Brüder und Schwestern verlangt von uns, dass wir in Übereinstimmung mit dem Evangelium entschlossen den Willen des Herrn für seine Kirche erfüllen. Heute erwartet die Welt dringend das gemeinsame Zeugnis der Christen für das Leben und die Menschenwürde, die Förderung von Gerechtigkeit und Frieden. Lasst uns zusammen die Gaben des Heiligen Geistes herabrufen, um fähig zu sein, um mutig die Antwort zu geben auf die ‚Zeichen der Zeit‘, die alle Christen zur Einheit und zum gemeinsamen Zeugnis rufen.“ CH150430

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Die heutigen Lehr-Streitigkeiten könnte man als bedeutungslos für die kommenden Generationen halten
Foto: Erzbischof Justin Welby von Cnterbury segnet Papst Franziskus während einer Privataudienz im Vatikan.

   Es scheint heute nicht mehr wichtig, dass Luther Arsitoteles kritisierte. Ebenso wird es politischen Themen in der Zukunft ergehen. Es ist für viele doch wohl eine Überraschung, dass ARCIS noch aktiv ist. Aber die “Anglikanisch- römisch-katholische internationale Kommission”, das Forum für Gespräche zwischen Katholiken und der anglikanischen Weltgemeinschaft, traf sich kürzlich in Rom, wo sie durch Papst Franziskus begrüßt wurde.
   ARCIC arbeitet schon eine beachtliche Zeit für die Ökumene. Ihre Geschichte ist beachtenswert, zumal die ökumenische Bewegung erst in moderner Zeit entstand. Als die Kirchen Missionare ins Ausland sandten, nach Afrika und Asien, wurde natürlich erkannt, dass es unterschiedliche Gemeinden entstanden. Wie aber sollte man den Afrikanern erklären, dass die christliche Kirche ist einig, heilig, katholisch und apostolisch ist, tatsächlich aber ein Strauß von konkurrierenden Unternehmen ist? Unter den protestantischen Gemeinschaften gab es Überlegungen, dass in einem Land nicht verschiedene Gemeinschaften missionieren sollten, damit nicht Streit hineingetragen würde.
   Wenn man heute Kenia besucht, findet man dort zahlreiche protestantische Gemeinden, die sich dort etabliert haben: Anglikaner, Presbyterianer, Methodisten und auch die Gruppe “Kirche der Freunde”, die sich in Europa sich “Gesellschaft der Freunde” nennt.
   Viele Menschen unterscheiden das nicht, wie der islamistische “Staat” ISIS. Sie töten alle Christen, gleich welcher Richtung sie zugehören. Das ist der Grund, warum Papst Franziskus von der “Ökumene des Blutes” spricht. Eben weil die christlichen Missionare einst versuchten, ein gemeinsames Zeugnis zu geben, was aber misslungen ist, hat die wahllose Ermordung von verschieden Christen durch ISIS erreicht, dass die Märtyrer verschiedener Konfessionen ökumenische Blutzeugen wurden. Dies könnte man sozusagen als Fortschritt sehen, aber Papst Franziskus erinnert auch daran, dass noch Trennungen fortbestehen, einige aber sind ganz neu. Dazu gehören Unterschiede in Moral und Lehre (Scheidung, Abtreibung und Homosexualität) und auch Fragen de Liturgie und Dogma (wie z.B. die Weihe von Priesterinnen). Dies Unterschiede, insbesondere die Frauenordination, scheinen mir unüberwindbar zu sein, wenn nicht noch ein Wunder geschehen wird, um diese Hindernisse zur Einheit wegzuräumen. Aber diese Sperre ist – so scheint es mir – nicht wirklich aus der Lehre selbst zu sehen, sondern eher historisch, denn die von der anglikanischen Gemeinschaft vertretenen Lehrsätze stammen aus einer Zeit ihrer Gründung. Die turbulenten Zeiten der Reformation liegen nun hinter uns, Gott sei Dank!, heute sollte man in der Lage sein, die Entstehung dieser Unterschiede als zeitgebunden zu verstehen. Eben weil diese Zeit vorüber ist, so ist auch das ein Argument, dass die doktrinale Veränderung abstützt. CH150501FrAlexanderLucie-Smith

cdKeithO'Brian-McDonald-x       Ökumene in Schottland

Kardinal Keith O'Brian links und der Moderator der schottischen Anglikaner Alan MacDonald
gaben erstmals eine gemeinsame Erklärung ab.

Historisches ökumenisches Gebet für Gerechtigkeit und Frieden.
   Gemeinsam erklärten beide Religionsführer: "Nie gab es eine Zeit, wo Frieden dringender notwendig war als heute”. Sie forderten die Parlamentarier in Westminster auf, jetzt die Schritte zu tun, zu denen sich das Land sich vor Jahren verpflichtet hätte, die Atomwaffen zu beseitigen. “Friede kann nicht durch Massenvernichtungswaffen erreicht werden!”
   “Weil wir unser kleines Land lieben, sind wir beschämt über das Erbe von Trennung und Gewalt. Wir rufen alle auf, der Versuchung zu widerstehen, Menschen aus religiösen oder anderen Gründen zu trennen. Friede gilt allen Menschen, über Konfession und Glauben hinweg.” Dann segneten beide besonders jene Menschen am Rande unserer Gesellschaft: die Wohnungslosen, die Armen, die Gefangenen, jene, die unter uns ein neues Leben suchen. “Möge unser Friedensaufruf für sie eine Quelle der Hoffnung sein!” JamHastingsCT070107

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Fotos: Kardinal Walter Kasper im Ushaw College Durham:  Ökumene hat oberste Priorität für die Kirche

  „Während viele der Glaubensunterschiede, die seit Jahrhunderten die Christenheit getrennt hatten, fast über- wunden sind, haben moderne ethische Fragen die Einheit wieder in weite Ferne gerückt”, sagt Walter Kardinal Kasper, der Präsident des päpstlichen Rates für die Einheit der Christen. „Es macht mich sehr traurig, dass wir nicht mit einer Stimme sprechen können, damit die Welt uns hört”, sagte der Kardinal auf einer internationalen ökumenischen Konferenz im Ushaw College, Durham. 
   Aus Anlass der Verleihung der Doktorwürde hielt der Kardinal das Grundsatzreferat zur Eröffnung einer ökume- nischen Konferenz der Universität in  Durham  und erklärte, welche Schritte die katholische Kirche und ihre Dialog- partner heute zur Einheit gehen sollten.
   Kardinal Kasper sagte den Konferenzteilnehmern, dass Christen die Hoffnung auf Einheit nicht aufgeben dürfen, weil die Spaltung der Kirche „eine Sünde vor Gott und ein Skandal vor der Welt” ist.
   Mit den Worten von Papst Benedikt XVI. sagte der Kardinal: der Einsatz für die Ökumene hätte künftig Priorität für die katholische Kirche: „Das gehört zu meinen pastoralen Prioritäten und ist Fundament für die Zukunft.” Was heute notwendig ist, sei ein Ökumenismus, der in die Zukunft schaut, nicht eine Rückkehr, sondern ein gemeinsa- mes Vorwärtsgehen. Er gab jedoch zu, dass sich dem ökumenischen Dialog nach 40 Jahren gewaltiger Fortschritte nun ernste, unvorhergesehene Hindernisse entgegenstellen.
   Differenzen unter Katholiken, Orthodoxen, Anglikanern und Protestanten über Themen wie Homosexualität, Schwangerschaftsabbruch, Euthanasie und andere Grundwerte „stehen nicht oben in der Hierarchie der Wahr- heiten” wie es der Glaube an Jesus als Erlöser ist, „aber sie sind sehr emotional und deshalb sehr trennend,” sagte er.
   Vor nur fünf oder sechs Jahren hätten  katholische Bischöfe und andere christliche Gemeinschaften konkrete Schritte zur vollen Einheit der Kirche gesucht. Seitdem jedoch ist klar geworden dass sich weltweit die ökume- nische  Stimmung wie auch die ökumenische Gesamtlage radikal verändert haben und wir von einer Gegen- strömung zur ökumenischen Bewegung sprechen müssen.
   Das katholische Engagement für die Ökumene, sagt Kardinal Kasper, ziele nicht darauf ab, alle Christen in die katholische Kirche zurückzuführen, noch versuche es, eine neue Kirche zu schaffen, die aus dem besten aller christlichen Partner neu konstruiert würde. Das Ziel ist „eine spirituell erneuerte Kirche, in welcher die konkret existierende Kirche zum vollsten Grad ihrer entwicklungsfähigen Natur gelangt, zu einer Kirche, die sie immer war und bleibt: die eine, heilige Kirche, die alle Christen zusammen im apostolischen Glaubensbekenntnis bekennen”. GedNaughtonCindyWoodenCT.

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Audienz für die Mitglieder der Internationalen Anglikanisch/Römisch-katholischen Kommission  arcic
Gemeinsam wollen wir mutig auf die Zeichen der Zeit antworten. Ansprache von Papst Franziskus am 30. April 2015

»Das Anliegen der Einheit ist keine fakultative Verpflichtung,
und die uns trennenden Divergenzen dürfen nicht als unvermeidlich angesehen werden«, so der Papst.

Liebe Brüder und Schwestern in Christus!
   Ich freue mich über diese Begegnung mit Ihnen, den Mitgliedern der Internationalen Anglikanisch/Katholischen Kommission. In diesen Tagen sind Sie zu einer neuen Sitzungsperiode Ihres Dialogs zusammengekommen, in dem Sie zur Zeit die Beziehung zwischen Universalkirche und Ortskirche untersuchen, unter besonderer Bezugnahme auf Diskussions- und Entscheidungsprozesse hinsichtlich moralischer und ethischer Fragestellungen. Herzlich heiße ich Sie willkommen und wünsche Ihnen ein erfolgreiches Treffen.
   Ihr Dialog ist Frucht der historischen Begegnung, die 1966 zwischen Papst Paul VI. und Erzbischof Ramsey stattgefunden hat. Sie führte zur Entstehung der ersten Internationalen Anglikanisch/Katholischen Kommission. Bei jenem Anlass waren beide voller Hoffnung, »einen aufrichtigen Dialog aufzunehmen, der auf dem Evangelium und den alten gemeinsamen Traditionen gründet« und »zu jener Einheit in der Wahrheit führen soll, für die Christus gebetet hat« (Gemeinsame Erklärung von Papst Paul VI. und dem Erzbischof von Canterbury Michael Ramsey, Rom, 24. März 1966).
  
Wir haben dieses Ziel noch nicht erreicht, aber wir sind überzeugt, dass der Heilige Geist uns weiterhin in diese Richtung drängt, trotz der Schwierigkeiten und neuer Herausforderungen. Ihre heutige Anwesenheit zeigt, wie die Anglikanern und Katholiken gemeinsame Tradition des Glaubens und der Geschichte unsere Bemühungen zur Überwindung der Hindernisse, die der vollen Gemeinschaft entgegenstehen, inspirieren, und unterstützen kann. Auch wenn wir uns der Größe der vor uns liegenden Herausforderungen bewusst sind, hegen wir die realistische Hoffnung und das Vertrauen, dass wir gemeinsam noch viele Fortschritte machen können.
   In Kürze werden Sie fünf gemeinsame Erklärungen der zweiten Phase des Anglikanisch/Römisch-katholischen Dialogs mit Kommentaren und Antworten veröffentlichen. Ich gratuliere Ihnen zu dieser Arbeit. Sie erinnert uns daran, dass die ökumenischen Beziehungen und der ökumenische Dialog keine untergeordneten Elemente im Leben der Kirchen sind. Das Anliegen der Einheit ist keine fakultative Verpflichtung, und die uns trennenden Divergenzen dürfen nicht als unvermeidlich angesehen werden. Einige hätten sich gewünscht, dass nach 50 Jahren in Bezug auf die Einheit größere Fortschritte erzielt worden wären. Trotz der Schwierigkeiten dürfen wir uns nicht entmutigen lassen, sondern müssen noch mehr auf die Macht des Heiligen Geistes vertrauen, der uns heilen, versöhnen und auch bewirken kann, was menschlich unmöglich scheint.
   Es gibt bereits ein festes Band, das uns über alle Spaltungen hinaus vereint: Es ist das Zeugnis von Christen verschiedener Kirchen und Traditionen, die allein aufgrund des von ihnen bekannten Glaubens Opfer von Verfolgung und Gewalt werden. Und nicht nur heute sind es viele, ich denke auch an die Märtyrer von Uganda, die zur Hälfte Katholiken und zur Hälfte Anglikaner waren.
   Das Blut dieser Märtyrer wird eine neue Epoche des ökumenischen Engagements fördern, einen neuen leidenschaftlichen Willen, das Gebot des Herrn zu erfüllen: alle sollen eins sein vgl. Joh 17,21. Das Zeugnis dieser unserer Brüder und Schwestern ermahnt uns, konsequenter in Übereinstimmung mit dem Evangelium zu leben und uns zu bemühen, entschieden zu verwirklichen, was der Herr für seine Kirche will. Die Welt braucht heute dringend das gemeinsame und freudige Zeugnis der Christen, angefangen von der Verteidigung des Lebens und der Menschenwürde bis hin zur Förderung von Gerechtigkeit und Frieden.
   Gemeinsam wollen wir die Gaben des Heiligen Geistes herabrufen, um mutig auf die »Zeichen der Zeit« antworten zu können, die alle Christen zur Einheit und zum gemeinsamen Zeugnis auffordern. Möge der Heilige Geist Ihre Arbeit in Fülle inspirieren. Vielen Dank für Ihren Dienst. italOR150501

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Anglikaner und Episkopale auf dem Weg nach Rom > Anglikaner 

          kbwn:Anglikaner II

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