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Augenärzte

medi-AugenarztClausHervatin  Augenarzt Claus Hervatin

Augenarzt darf weiter Brillen vertreiben. Aber Celle muss erneut über Klage gegen Laatzener Mediziner verhandeln, urteilt der BGH. Foto: Umstrittene Fassungen: Augenarzt Claus Hervatin in seiner Praxis.

    Für Menschen mit Sehschwäche ist es eine bequeme Alternative, für Optiker eine ungewollte Konkurrenz: Seit Jahren kämpft der Laatzener Augenarzt Claus Hervatin dafür, seinen Patienten direkt in seiner Praxis Brillen vermitteln zu können. Doch die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs hält sein Geschäftsmodell für unzulässig und hat den Augenarzt bis zum Bundesgerichtshof verklagt. Gestern fällten die Karlsruher Richter in dem Fall eine Entscheidung von grundsätzlicher Bedeutung: Ein Augenarzt darf mit bestimmten Optikern nur dann kooperieren, wenn ein „hinreichender Grund" dafür vorliegt.
   Allein die Bequemlichkeit der Patienten, die nach der Untersuchung gleich in der Praxis die Brille aussuchen und von dort aus an den Optiker schicken lassen möchten, reicht den obersten Richtern als Begründung nicht aus. Hervatin hatte zwar auch an die Patienten mit Gehbehinderung gedacht, denen er Wege ersparen wollte. „Ich freue mich aber trotzdem über das Urteil. Im Ergebnis wurde meine Auffassung bestätigt", sagte er gestern. Schließlich sei es ihm nicht grundsätzlich verboten worden, die Brillen in seiner Praxis zu vermitteln, wie es die Kläger gefordert hatten. Der niedergelassene Augenarzt bietet Patienten an, sich nach der Messung der Augen- werte unter 60 Musterbrillenfassungen eines Partner-Optikers aus Nordrhein-Westfalen ein Exemplar auszu- suchen. Die Ergebnisse übermittelt der Arzt dann zusammen mit der Verschreibung an die Firma, die die fertige Brille entweder direkt an den Patienten oder in die Arztpraxis schickt, wo der Sitz der Brille kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert wird.
   Hervatin sagt, ihm gehe es bei dem Modell im Wesentlichen um medizinische Spezialfälle, die etwa aufgrund schwieriger Augenkrankheiten spezielle Anforderungen an Brillen hätten. Dies seien von seinen gut 7.000 Patienten jährlich etwa zwei bis drei Prozent. „Ich bin kein Optiker im weißen Kittel und bekomme keine Prämie", sagt er:  „Ich  möchte vielmehr den Leuten helfen, für die es sonst keine hinreichenden Lösungen gibt." Bei diesen Patienten habe es nicht ausgereicht, ein Rezept zu schreiben, das vielleicht nicht richtig gelesen werde. Das sieht die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs anders. Deren Anwältin hatte kritisiert, der Arzt nehme „letztlich ein Verkaufsgespräch" vor. Ihm seien jedoch Tätigkeiten verboten, die von finanziellen Interessen ge- leitet sein könnten.
   Der Zentralverband der Augenoptiker bemängelte, dass Mediziner in der Brillenherstellung und -anpassung nicht ausgebildet seien. Außerdem seien sie nicht in der Lage, Serviceleistungen zu erbringen. Hervatin hält dagegen, dass es da doch der beste Weg sei, zu kooperieren - schließlich dürften Optiker ja auch nicht die wesentlichen Augenmessungen vornehmen. Das Oberlandesgerichts Celle, das die Klage in der Vorinstanz zurückgewiesen hatte, muss sich nun erneut mit dem Fall beschäftigen. Dabei wird es ausarbeiten müssen, was ein „hinreichender Grund" ist, um die Brille gleich beim Augenarzt bestellen zu können. Dafür werden sich sicherlich auch andere Ärztegruppen interessieren. HAZ 090710SonjaFröhlich

Augeninnendruck
   Augenoptiker dürfen laut Oberlandesgericht Koblenz bei ihren Kunden den Augeninnendruck messen oder das Gesichtsfeld prüfen. Die so genannte Tonometrie und die automatische Perimetrie stellten keine unerlaubten Heil- behandlungen dar, hieß es im Urteil. Az.:4 U 1214/01dpaNOZ020921

 Die Augen zeigen die Gesundheit

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Augenarzt Cord Feuerhake Foto scannt im Augen-Diagnostik-Centrum
die Netzhautgefäße eines Patienten für die Analyse ein.

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   So funktioniert die Untersuchung. Ist die Pupille erweitert, kann der Augenarzt durch Hornhaut und Linse bis zur Netzhaut sehen. Das Analysegerät fotografiert mit einer Spezialkamera die kleinen Netzhautäderchen und misst an verschiedenen Stellen den Durchmesser und die Fähigkeit zur Erweiterung.

  Die feinen Adern in unserer Netzhaut, auch Augenhintergrund genannt, verraten dem Arzt, wie es um unsere Blutgefäße bestellt ist. Ein neues Gerät kann sogar das Schlaganfallrisiko berechnen sowie den Erfolg von Medikamenten gegen Diabetes und Bluthochdruck überwachen.
   An rechtzeitige Gefahrenwarnungen sind wir gewöhnt. Im Alltag weisen uns Staumelder auf Verkehrsschlangen hin und Rauchmelder auf Feuer. In unserem Körper allerdings ist das etwas komplizierter. Denn viele Krankheiten - insbesondere so häufige Leiden wie Bluthochdruck und Diabetes - können jahrelang bestehen, ohne dass der Betroffene davon etwas merkt. Und dann ist es oft schon zu spät. Nun soll eine neue Diagnosemethode den Ärzten helfen, in die Zukunft zu schauen und ihre Patienten rechtzeitig zu behandeln. Dabei analysiert ein Spezialgerät die Netzhautgefäße. Eines der wenigen deutschen Systeme steht seit rund zwei Monaten im privaten Augen-Diagnostik-Centrum (ADC) in Hannover. Es wird auch von Forschern der Medizinischen Hochschule Hanno- ver (MHH) genutzt.
  Der Schlüssel zu Krankheiten wie Diabetes, Schlaganfall und Bluthochdruck sind die feinen Blutgefäße, die unsere Organe mit Sauerstoff versorgen. Durch Rauchen, Bewegungsmangel, große Mengen von Blutfetten oder hohen Blutdruck verlieren sie ihre Elastizität und können sich so stark mit Plaques zusetzen, dass das Blut kaum noch zu seinem Bestimmungsort gelangt. Eine solche Atherosklerose bleibt oft lange unbemerkt, bis Blutgerinnsel in den verengten Gefäßen plötzlich einen Schlaganfall oder Herzinfarkt verursachen.
   „Große Gefäße wie die Aorta kann man heute reparieren”, erklärt Prof. Hermann Haller, Leiter der Abteilung für Nierenerkrankungen der MHH. „Entscheidend für unsere Gesundheit ist aber auch die so genannte Mikrozirkulation in den kleinen Gefäßen - und die sind oft nur schlecht zu erreichen.” Bisher haben die Gefäßforscher daher Nieren- gefäße anhand von Zellen und Eiweißpartikeln im Urin überprüft - und kleine Hirngefäße mit teuren Kernspin- untersuchungen sichtbar gemacht. Doch es geht auch einfacher. „Das neue Gerät fotografiert mit einer Spezial- kamera die Gefäße im Augenhintergrund, die bei erweiterter Pupille gut sichtbar sind”, erläutert Cord Feuerhake, Augenarzt und Geschäftsführer des Augen-Diagnostik-Centrums. Das ist vor allem deshalb kompliziert, weil eventuelle Augenbewegungen herausgerechnet werden müssen.
   Entwickelt wurde das Analysesystem von der Jenaer Firma Imedos, die aus der Arbeitsgruppe Mikrozirkulation der Friedrich-Schiller-Universität Jena hervorgegangen ist. Das rund 120.000 Euro teure System soll zusätzliche Forschungsmöglichkeiten in der Medizin eröffnen, aber auch die Diagnose von Gefäßerkrankungen verfeinern. „Wir sind die Einzigen in Niedersachsen, die dieses neu entwickelte Gerät haben”, sagt Feuerhake. Zudem sei das ADC Kompetenz- und Weiterbildungszentrum für den Bereich Mikrogefäße.
   Für die Patienten ist die Messung völlig schmerzlos. Sie bekommen lediglich Tropfen zur Pupillenerweiterung und müssen etwa 40 Minuten vor dem Apparat sitzen. In dieser Zeit analysiert eine ausgetüftelte Software den Durch- messer der Gefäße sowie ihre Fähigkeit zur Erweiterung und Verengung. Letzteres geschieht mit Hilfe eines Flackerlichtes, das die Gefäße zu einer kurzzeitigen Erweiterung anregt. Ob die Gefäße eines Patienten normal reagieren oder nicht, stellt das System im Vergleich mit den in Testreihen mit gesunden Probanden gewonnenen Standarddaten fest.
   „So sieht man, ob es bereits Frühzeichen für eine Atherosklerose gibt”, sagt Feuerhake. Dann kann der behandelnde Internist, Nierenarzt oder Diabetologe die Behandlung darauf abstimmen. Die Netzhautgefäßanalyse ist sowohl zur Früherkennung als auch für Patienten mit bekannten Gefäßkrankheiten geeignet. Denn Atherosklerose ist umkehrbar und lässt sich durch richtige Ernährung und ausreichend Bewegung, aber auch Medikamente verbessern. Wie gut das funktioniert, kann der Arzt an den Netzhautgefäßen ablesen.
   Mit weiteren Forschungsprojekten und Testreihen wollen Haller und seine Kollegen die wissenschaftlichen Möglichkeiten des Gerätes klären. Und wer weiß - vielleicht führt die Arbeit mit dem System letztendlich zu Medikamenten, die ganz gezielt Atherosklerose bekämpfen und weniger Nebenwirkungen haben als die bisherigen.
DAS ADC
   Medizinische Geräte sind meist teuer und werden selten rund um die Uhr genutzt. „Man müsste sich solche Sachen teilen”, dachten sich der Lehrter Augenarzt Cord Feuerhake und sechs weitere Kollegen daher im Jahr 2003. Ihr Vorbild war das erste Augendiagnostikzentrum Deutschlands in München. Gesagt, getan: Die Augenärzte fragten bei anderen Berufskollegen aus der Region das Interesse an einer „Apparategemeinschaft” ab. „15 wollten wir mindestens sein”, erzählt Feuerhake. Inzwischen hat der Erfolg das hannoversche Projekt zu einem Selbstläufer gemacht. Etwa 60 Augenärzte aus der Region Hannover, aus Hildesheim, Celle und Neustadt sind dem Ende 2003 aus der Taufe gehobenen Augen-Diagnostik-Centrum (ADC) Hannover beigetreten und investieren gemeinsam in teure Geräte, deren Anschaffung sich für eine einzelne Praxis nicht lohnt. Zudem ist das ADC in Hannover auch Kompetenzzentrum für die Netzhautgefäßanalyse und darf Weiterbildungen durchführen.
  Zur Ausstattung des Augen-Diagnostik-Centrums in Hannover am Kröpcke gehören ein Retina-Tomograph zum Abtasten des Sehnervs, ein Gerät zur Messung der Hornhautdicke, ein besonders schnelles System zur Gesichtsfeldmessung sowie ein neues Gerät zur Analyse der Netzhautgefäße (RVA). Die beteiligten Augenärzte checken ihre Patienten für die teuren Untersuchungen per Internet in den Terminkalender des Zentrums ein. Dort bedienen drei Mitarbeiter die Geräte - bis auf den RVA, der von einem Arzt betreut werden muss. Das Ergebnis erhalten die behandelnden Augenärzte auf einer CD zurück. Die Kosten für die zusätzlichen Untersuchungen muss in der Regel der Patient tragen. Lediglich Privatkassen erstatten diese im Einzelfall. NicolaZellmerHAZ060614

Netzhautprobleme: Was ein Patient erlebte   mediPatientJörgBläß-x   Jörg Bläß 

Patient suchte einen Augenarzt für die Nachbehandlung nach einer OP
Drei Ärzte lehnten eine Therapie ab, weil sie im Quartal keine neuen Patienten mehr aufnahmen.

   Als ich nach meiner Augenoperation aus dem Krankenhaus entlassen wurde und dringend Hilfe brauchte, wollte kein Arzt mir einen Termin geben. Ich wurde in mehreren Praxen abgelehnt", erzählt Jörg Bläß (45), kaufmän- nischer Angestellter aus Bargteheide. Er hat als gesetzlich Versicherter eine Odyssee auf der Suche nach einem Augenarzt hinter sich.
   Angefangen hat alles im Februar bei einem Besuch bei seinem Augenarzt in Ahrensburg. Eigentlich hatte Bläß keine konkreten Beschwerden. Er ist zwar Brillenträger, wollte aber nur nach längerer Zeit zur Routine- untersuchung gehen. Dabei stellte der behandelnde Arzt jedoch fest, dass die Netzhaut möglicherweise nicht richtig anliege und riet dem 45-Jährigen, sich noch einmal im Krankenhaus Heidberg in Hamburg untersuchen zu lassen. Dort bestätigte sich der Verdacht und man teilte Jörg Bläß mit, dass er in den nächsten zwei Tagen ope- riert werden müsse.
   Der Eingriff verlief gut, und im Krankenhaus sagte man dem Bargteheider, er solle dreimal wöchentlich bei einem niedergelassenen Arzt zur Nachuntersuchung gehen, es bestünde die Gefahr, zu erblinden. Kurz vor seiner Entlas- sung kam es jedoch noch zu einer Meinungsverschiedenheit  mit einer Assistenzärztin in Heidberg. Bläß fragte, ob er eine größere Menge der Augentropfen bekommen könnte, woraufhin man ihm unterstellte, sich um die Nach- untersuchungen zu drücken. „Da bin ich doch etwas lauter geworden. Schließlich habe ich immer wieder genau nachgefragt, was alles passieren könne und wie ich mich weiterhin verhalten solle. Dann werden mir bei der Frage nach mehr Augentropfen solche Unterstellungen gemacht", sagt Bläß empört. Doch kaum aus dem Krankenhaus entlassen, musste er sich mit weiteren Ärzten bzw. deren Vorzimmern auseinandersetzen.
   „Erst habe ich meinen behandelnden Augenarzt angerufen. Dort lief aber nur ein Band, dass zurzeit das sogenannte Regelleistungsvolumen erschöpft sei, der Arzt momentan keine Patienten mehr aufnehmen könne und sich deshalb im Urlaub befände", erklärt Jörg Bläß. Dann musste er sich nach einer Alternative umsehen, doch bei zwei weiteren Ärzten in Volksdorf und Ahrensburg wurde er auch mit der Begründung abgelehnt, dass in diesem Quartal keine Patienten mehr aufgenommen würden. „Da habe ich mal nachgefragt, wie ernst es die Herren denn mit ihrem Eid nehmen würden. Schließlich müssen Notfälle behandelt werden. Darauf bekam ich aber leider keine Antwort."
   Auch eine weitere Anfrage von Bläß im Krankenhaus Heidberg, ob die Nachuntersuchung dort stattfinden könne, wurde abgelehnt. Schließlich fand sich ein Arzt in Duvenstedt, der bereit war, Jörg Bläß im laufenden Quartal noch aufzunehmen. Inzwischen hat Bläß keine Beschwerden mehr. HA090507MiraChopra 

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Fotos oben: Netzhautablösungen werden in der Regel operiert. Eine Netzhautablösung muss sofort behandelt werden. Denn sonst droht dem Patienten eine Verschlechterung seines Sehvermögens.

   Das menschliche Auge ist ein komplizierter Apparat, der aus vielen einzelnen Teilen besteht, die im Idealfall reibungslos zusammenarbeiten.
   Ein Teil dieses Apparates ist die Netzhaut, die auf der hinteren Innenwand des Auges die innere Schicht der Augenhäute bildet und auf der mittleren Schicht, der Aderhaut, aufliegt. Die Trennschicht zwischen diesen beiden Augenhäuten wird von der Pigmenthaut gebildet. Die Netzhaut enthält spezialisierte Zellen, Fotorezeptoren und Nervenzellen, und hat die Aufgabe, das auftreffende Licht in elektrische Impulse umzuwandeln, die dann über die Nervenzellen bis ins Gehirn weitergeleitet werden. Dort werden diese Impulse in der Sehrinde zu einem Sehein- druck, einem Bild verarbeitet. Wenn sich die Netzhaut von der darunter liegenden Pigmenthaut ablöst, kommt es zu einer Sehverschlechterung. Anzeichen einer solchen Netzhautablösung können zum Beispiel Lichtblitze oder kleine schwarze Flecken vor den Augen sein oder Schatten, die plötzlich im Gesichtsfeld auftauchen. Wer solche Symptome bei sich bemerkt, sollte sofort zum Augenarzt gehen. Dieser kann durch eine einfache Untersuchung des Augenhintergrunds Netzhautablösungen erkennen. Behandelt werden Ablösungen und Löcher der Netzhaut im Auge in der Regel operativ. Die Methode richtet sich nach Art und Schweregrad der Ablösung. Sehr kleine Netzhautdefekte können mit einem Laser behandelt werden. Diese Behandlung führt dazu, dass die Netzhaut an den gelaserten Stellen mit der darunter liegenden Pigmenthaut verklebt, sodass sie sich nicht mehr lösen kann. Bei größeren Defekten werden operative Verfahren eingesetzt, die zum Ziel haben, die Netzhaut wieder an ihre Unterlage anzulegen, Dabei werden auf der Außenseite des Auges Polster (Plomben) oder Bänder (Cerclagen) aus Silikon aufgenäht. Dadurch wird erreicht, dass die abgelösten Stellen wieder aufeinandergepresst werden. In einem zweiten Schritt werden die betroffenen Stellen zusätzlich durch einen Kältestab oder mit dem Laser mit der darunter liegenden Schicht „verschweißt".
   Wenn mit diesen Verfahren keine Besserung erreicht werden kann, kann der Glaskörper ganz oder teilweise aus dem Auge entfernt werden, Experten sprechen dann von einer Vitrektomie. Anschließend wird der Augapfel mit einem Gas oder mit Silikonöl gefüllt. Auf diese Weise wird durch den erhöhten Druck die Netzhaut wieder an die Pigmenthaut angelegt.  HA090507cw

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Kontrolle statt Blindheit. 
Warum empfiehlt der Berufsverband der Augenärzte zur Vorsorge regelmäßige Besuche beim Augenarzt?

   Zweimal im Jahr kann man als gesetzlich Versicherter seine Zähne untersuchen lassen, ohne dass es etwas kostet. Das sollte auch bei den Augen so sein, um einer Blindheit vorzubeugen, meint Dr. Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands.
   Je eher eine Krankheit erkannt wird, desto besser kann man sie behandeln. Das gilt auch für die Augen. Leider übernehmen die Kassen die Vorsorgeuntersuchungen in der Regel nicht. Es sind vor allem drei gefährliche Augenerkrankungen, vor denen man sich schützen sollte.
   Da ist zum einen das Glaukom, früher hat man auch Grüner Star genannt, bei dem die Sehnervenfasern geschädigt werden. Dann gibt es die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), bei der in der Makula, also im Bereich des schärfsten Sehens, die zentralen Sinneszellen zerstört werden. Die diabetische Retinopathie schließlich führt zu Netzhautblutungen und Ödemen. Bei Diabetikern zahlen die Kassen eine Netzhautuntersuchung, weil eine Erkrankung vorliegt.
Wann und in welchen Abständen sollte man seine Augen untersuchen lassen?
   Augenärzte raten zu einer Glaukomkontrolle etwa ab dem 35. Lebensjahr - und zwar alle ein oder zwei Jahre. Ab dem 40. oder dem 45. Lebensjahr sollte man auch die Makula untersuchen lassen.
Manche Kritiker sagen, auch regelmäßige Glaukomuntersuchungen könnten Erblindungen nicht zuverlässig verhindern. Stimmt das?
   Das ist meines Erachtens falsch. Ein Glaukom lässt sich heute mit hundertprozentiger Sicherheit erkennen. Neben der Messung des Augeninnendrucks wird immer der Sehnervenkopf beurteilt, zur noch genaueren Messung kann man diesen mit einem Laser abtasten und zudem das Gesichtsfeld messen.
Was kosten mich diese Untersuchungen?
   Die Messung des Augeninnendrucks zur Glaukomvorsorge kostet zwanzig Euro, die weiteren Diagnosen sind etwas teurer. Eine Makulauntersuchung kostet etwa 25 Euro
   Die häufigste Sehbehinderung in Deutschland ist die Makuladegeneration (AMD). Früher konnte man diese Krankheit sehr schlecht behandeln. Wie sieht es heute aus?
   Zumindest bei der feuchten AMD hat sich in den vergangenen zwei Jahren eine Menge getan. Beispielweise haben wir seit Kurzem Medikamente, die in das Auge gespritzt werden, und die den Verlust des zentralen Sehvermögens verhindern können. Auch bei der trockenen AMD kann man im frühen Stadium einiges tun, zum Beispiel mit hoch dosierten Vitaminen und einer ausgewogenen Ernährung.
In welchen Abständen sollten Diabetiker zum Augenarzt gehen?
   Wenn der Diabetes gut eingestellt ist, reicht es alle sechs bis zwölf Monate. Bei schwankenden Blutzucker- werten sollte man jedoch schon alle drei Monate zur Kontrolle kommen. InterviewAngelikaFriedlHAZ071112

Alles eine Frage der Werte
Bluthochdruck kann zur Erblndung führen. Daher bringen wir diesen Bericht von der MHH

   Rund 16 Millionen Deutsche leiden unter Bluthochdruck, der zu Schlaganfall, Herzinfarkt, Nierenversagen oder Blindheit führen kann. Allerdings würden derzeit nur etwa ein Viertel der Patienten optimal mit Medikamenten behandelt, sagt MHH-Prof. Hermann Haller. Um so wichtiger seien innovative Formen der Therapie.
   Der Blutdruck wird in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) gemessen. Der höhere (systolische) Wert gibt den Druck an, der in den Arterien herrscht, wenn das Herz pumpt. Der niedrigere (diastolische) Wert beschreibt den Druck, wenn sich das Herz wieder mit Blut füllt. Die Einheit mmHg bezeichnet die Millimeter, die der Blutdruck das flüssige Quecksilber in einer Messsäule ansteigen lassen würde.
Optimaler Blutdruck: 120/80 mmHg
Normaler   Blutdruck:   130/85   mmHg;
Nierenkranke, Diabetiker und Schwangere sollten diesen Bereich erreichen.
Vorstufe Bluthochdruck: 130-139/85-89 mmHg;
Gefäße nehmen Schaden, regelmäßige Kontrolle nötig, Lebensstil verbessern.
Leichter Bluthochdruck: 140-159/90-99 mmHg;
unbedingt Lebensstil ändern, bei weiteren Risikofaktoren Medikamente nehmen.
Mittelschwerer Bluthochdruck: 160-179/100-109 mmHg;
Medikamente sind nicht mehr zu vermeiden, Sport kann unter Umständen die Dosis vermindern.
Schwerer Bluthochdruck: 180/110 mmHg; hohes Risiko, sofort Medikamente einsetzen, wahrscheinlich sind mehrere Wirkstoffe in Kombination nötig.
Akute Blutdruckkrise: 210/120 mmHg; es besteht Lebensgefahr, Herz, Hirn und Nieren werden geschädigt, Infarkt und Schlaganfall drohen. Sofort zum Arzt!         HAZJulianeKaune080820

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Impulse gegen Bluthochdruck. Als erste deutsche Klinik setzt die MHH Patienten mit extremen Werten einen Schrittmacher ein. Foto links: Minimaschine: Der Blutdruckschrittmacher.
Foto rechts: Walter Unkert lebt mit einem Schrittmacher, den ihm Maximilian Pichlmaier eingesetzt hat

   Es fällt ihm nicht leicht, die passenden Worte zu finden. Walter Unkert überlegt, zögert kurz, dann sagt er: „Ich fühle mich wie ein neuer Mensch.” Seit Anfang Januar sitzt unter seinem Schlüsselbein ein Gerät, das etwa doppelt so groß und halb so dick ist wie eine Streichholzschachtel. Die kleine Maschine sorgt dafür, dass der extrem hohe Blutdruck des 60-Jährigen auf ein annähernd normales Maß gesenkt werden kann. Den neuartigen Schrittmacher hat Andreas Maximilian Pichlmaier, Gefäßchirurg an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Unkert einge- setzt. Die MHH ist die einzige deutsche Klinik, an der das in den USA entwickelte Gerät im Rahmen einer europa- weiten klinischen Studie implantiert wird.
   Das Implantat soll Patienten helfen, die unter einem außergewöhnlich hohen Blutdruck leiden, und der mit Medikamenten nicht therapierbar ist. Das batteriebetriebene Aggregat, das dem Patienten in einer zwei- bis vier- stündigen Operation bei Vollnarkose eingesetzt wird, ist einem Herzschrittmacher vergleichbar. Über Elektroden wird das Gerät mit den Nervenknoten der beiden Halsschlagadern verbunden und sendet elektrische Impulse aus. Auf diese Weise wird das Gehirn „ausgetrickst”: Die Elektrosignale gaukeln dem Denkorgan einen noch höheren Blutdruck vor. Daraufhin steuert das Hirn mit dem Befehl zur Gefäßerweiterung gegen - und der Blutdruck sinkt.
   Die neue Methode sei vielversprechend, sagt MHH-Studienleiter Jan Menne. 35 Patienten in verschiedenen europäischen Studienzentren wurde das Implantat bisher eingesetzt, acht von ihnen an der MHH. Nach einem Zeitraum von einem Jahr sei der Blutdruck bei den Betroffenen deutlich gesunken, erklärt Menne. Nun bereitet der Hersteller eine weitere Studie für die Zulassung des Geräts mit 300 Patienten aus den USA und Europa vor, an der auch die MHH beteiligt sein wird. Ab 2011 könnte der Schrittmacher dann auf den Markt kommen. Nach dem der- zeitigen Entwicklungsstand muss die Batterie nach ein bis zwei Jahren in einem ambulanten Eingriff ausgetauscht werden.
    Trotz des Implantats müssen die meisten Patienten allerdings weiterhin Medikamente einnehmen. Die akute Blutdrucksenkung durch den Schrittmacher reduziere vor allem die Gefahr lebensbedrohlicher Folgekrankheiten wie eines Schlaganfalls drastisch, erklärt Prof, Hermann Haller, Direktor der MHH-Klinik für Nieren- und Hochdruck- erkrankungen.
   Für Walter Unkert war es denn auch keine Frage, sich für die Operation zu entscheiden. „Der hohe Blutdruck macht einen fertig”, sagt er. Mehr als 20 Jahre litt er unter extremen Werten, vor zehn Jahren musste er seinen Beruf als Papiermacher aufgeben und in Rente gehen. Zu Spitzenzeiten wurden bei Unkert Werte von 280/170 mmHG festgestellt. Siebeneinhalb Monate nach dem Eingriff haben sich seine Werte erheblich verbessert. Aktuell hätten die Ärzte bei ihm einen Blutdruck von 138/86 mmHG gemessen, berichtet er. Und Mediziner Menne ist zuversichtlich, dass die 13 Medikamente, die Unkert bisher noch nehmen muss, schrittweise auf etwa die Hälfte reduziert werden können.
   Ursachen des Bluthochdrucks: Als einzige deutsche Klinik ist die MHH an einer von der EU mit zehn Millionen Euro finanzierten europaweiten Studie zu den Ursachen des Bluthochdrucks beteiligt. 20 Medizinzentren in 14 Ländern untersuchen erstmals mögliche genetische Faktoren für die Krankheit. Noch seien in 95 Prozent der Fälle die Ursachen für Bluthochdruck unbekannt, sagt MHH-Professor Haller.
  Impfung gegen Bluthochdruck: Wie berichtet, leiten MHH-Mediziner die bundesweit größte Studie, in der ein Impf- stoff gegen Bluthochdruck getestet wird. Sollten die Ergebnisse positiv ausfallen, könnte das Serum, das die Einnahme von Medikamenten überflüssig machen soll, bereits in vier Jahren auf den Markt kommen. Diese Form der Therapie kommt zunächst für Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Bluthochdruck infrage.
HAZJulianeKaune080820

  Auf die Augenmedizin in Deutschland kommen vermutlich große Herausforderungen zu:
Um nicht weniger als 60 Prozent soll die Zahl der Neuerblindungen in den kommenden 20 Jahren zunehmen, prognostiziert der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA).

   Schuld ist die demografische Entwicklung: Weil die Bevölkerung immer älter wird, verzeichnen Mediziner eine deutliche Häufung altersbedingter Augenkrankheiten. Schon heute werden laut BVA 85 Prozent aller Erblindungen von drei Augenkrankheiten verursacht, die vor allem Menschen im Seniorenalter treffen. Dabei handelt es sich um das Glaukom (grüner Star), die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) sowie die diabetische Retinographie, eine diabetesbedingte Netzhauterkrankung.
   Die gute Nachricht: «Bei den meisten Menschen lässt sich eine Erkrankung und damit eine spätere Erblindung vermeiden», sagt Augenarzt und BVA-Vizevorsitzender Professor Bernd Bertram. Voraussetzung sind regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen. Doch genau hier liegt das Problem: Über die Möglichkeiten der Krebs-Prävention etwa ist die Bevölkerung gut informiert und geht regelmäßig zur Darmspiegelung oder Mammographie. «Dass man auch etwas für den Erhalt seiner Augengesundheit tun kann und sollte, wissen dagegen vergleichsweise wenige Menschen», beklagt Bertram. Insbesondere beim Glaukom ist rechtzeitige Vorsorge wichtig. Bei der auch unter dem Namen grüner Star bekannten Krankheit liegt eine Beschädigung des Sehnervs vor, häufig ausgelöst durch erhöhten Augendruck. Von den Seiten her trübt das Blickfeld immer mehr ein. «Die Erkrankung verläuft schleichend und wird vom Patienten meist erst im fortgeschrittenen Stadium wahrgenommen», sagt Augenarzt und BVA- Sprecher Georg Eckert. Zu diesem Zeitpunkt sei das Blickfeld schon so weit eingeschränkt, dass sie zu erheblichen Behinderungen im Alltag führe. Therapieren lässt sich das Glaukom mit Medikamenten, die den Augendruck senken und die Durchblutung fördern. Allerdings: «Was an Sehvermögen einmal weg ist, kann nicht wiederhergestellt werden», betont Eckert. Ratsam sei, ab dem 40. Lebensjahr alle ein bis zwei Jahre zur Glaukom-Vorsorge zu gehen, um es erst gar nicht zu den Schäden infolge des grünn Stars kommen zu lassen. Die Prophylaxe mit Inspektion des Sehnervs kostet Eckert zufolge in der Regel 20 Euro, bei einer erweiterten Untersuchung des Gesichtsfelds bis zu 40 Euro. Auch die Früherkennungsprogramme bei der altersabhängigen Makuladegeneration übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nicht. Bei AMD handelt es sich um Altersschäden im Zentrum der Netzhaut. Etwa drei Millionen Deutsche sind laut BVA betroffen, damit ist AMD die Hauptursache für Erblindung und schwere Sehbehinderung im Alter. Anders als beim Glaukom führt die AMD nicht zu Sichteintrübungen des peri- pheren, sondern des zentralen Blickfelds.  «Ein guter Selbsttest ist ein Blick auf die Kacheln im Badezimmer. Wenn die Fugen gewellt aussehen, obwohl sie eigentlich gerade sein sollten, stimmt vermutlich etwas mit den Augen nicht», sagt Eckert. Der Mediziner empfiehlt, für die AMD-Vorsorge ab dem 50. Lebensjahr alle ein bis zwei Jahre zum Augenarzt zu gehen. Die Behandlung kostet etwa 25 Euro. Wer lieber zu Hause bleibt, riskiert Eckert zufolge «dramatische Einbußen» bei der Sehschärfe. Bei der diabetischen Retinopathie kommt es zu krankhaften Aus- sackungen der Blutgefäße, Einblutungen in den Augenkörper trüben das Blickfeld ein. Mit Laserstrahlen lässt sich die Erkrankung therapieren. Einzig bei dieser altersbedingten Augenkrankheit sind die Vorsorgeuntersuchungen für den Patienten kostenlos. Diabetiker sind bereits erkrankt: «Daher ist die Untersuchung der Netzhaut bei zuckerkranken Menschen keine Vorsorgeuntersuchung im eigentlichen Sinn, sondern vielmehr Pflichtprogramm», betont Eckert.   ddp070910

Die Augen  lassen tief blicken. Spiegel der Seele und auch des Körpers von Gelbsucht bis zur Diabetes. NOZ040824

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  Die Augen sind nicht nur der Spiegel der Seele, sie sind in gewissem Maß auch ein Spiegel des Körpers. Denn sie verraten viel über die Gesundheit des Menschen. Das auffälligste Signal, dass etwas nicht in Ordnung ist, ist die starke Gelbfärbung des Auges, die in späten Stadien verschiedener Lebererkrankungen auftritt. Andere Verän- derungen des Auges betreffen häufig die kleinen Blutgefäße in der Netzhaut,den so genannten Augenhintergrund.
    „Typische Veränderungen treten bei Diabetes, Bluthochdruckerkrankungen und bestimmten Nierenveränder- ungen auf”,  sagt der Berliner Augenarzt und Vorsitzende des Berufsverbandes der Augenärzte, Uwe Kraffel. Die Gefäße des Auges haben dabei einen entscheidenden Vorteil: Sie sind ohne einen weiteren Eingriff bei einer einfachen Untersuchung sichtbar.
    Bei Diabetes können bereits in einem sehr frühen Stadium Aussackungen und kleine Blutungen an den feinen Gefäßen der Netzhaut beobachtet werden. „Häufig weiß der Patient dann noch gar nichts von seiner Krankheit”, berichtet Augenarzt Georg Eckert aus Senden (Bayern). Auch eine plötzliche Veränderung der Sehfähigkeit kann ein Hinweis auf eine bislang unentdeckte Zuckerkrankheit sein.
   Bluthochdruck drückt den Blutgefäßen der Netzhaut ebenfalls einen unverkennbaren Stempel auf. Die Arterien sind verengt, und es treten ebenfalls typische Blutungen auf. Auch bei Nierenpatienten verändern akute Phasen bestimmter Erkrankungen die Blutgefäße am Augenhintergrund, die dann typische Verformungen zeigen. Manchmal können sogar Krebserkrankungen bei einer Augenspiegelung entdeckt werden.
   Doch nicht nur der Augenhintergrund spiegelt körperliche Probleme wider. Störungen im Fettstoffwechsel zeigen sich beispielsweise in der Hornhaut, in der sich bei zu hohen Blutfettwerten Ablagerungen bilden. Auch ein zu trockenes Auge kann ein Alarmsignal sein: „Einige rheumatische Erkrankungen befallen die Tränendrüsen und zerstören sie mit der Zeit”, sagt Uwe Kraffel. Bei Vitamin-A-Mangel ist die Befeuchtung des Auges ebenfalls ver- mindert, weil zu wenig vom fettigen Anteil der Tränenflüssigkeit gebildet wird. Weitere Ursachen für ein trockenes Auge können hormonelle Störungen oder eine Schilddrüsenüberfunktion sein.
   Sehr auffällig sind die Veränderungen der Augen auch bei bestimmten Autoimmunerkrankungen wie der Base- dow-Krankheit. Dabei greifen Antikörper die Augenmuskulatur an. Dadurch wird die Lidspalte immer breiter, und die Augäpfel der Betroffenen quellen hervor. Sehr umstritten ist allerdings die so genannte Irisdiagnose, die fast ausschließlich von Heilpraktikern und Alternativmedizinern angeboten wird.

Dr.ErikBeekeOSxx     Augenarzt Dr.Erik Beeke

Regelmäßig zum Augenarzt. Auch das Auge wird älter.
Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung mit Dr. Erik Beeke, Osnabrück

   Etwa mit Mitte 40 braucht der normalsichtige Mensch eine Lesebrille. Wer bisher schon Brillenträger war, greift dann zur Gleitsichtbrille. Aber Achtung: Es gibt auch schwere Alterskrankheiten des Auges, sie können bis zur Erblindung führen. Wir sprachen mit dem Augenarzt Dr. Erik Beeke über Gleitsichtbrillen, grauer Star und die gefürchtete Makuladegeneration.

Mit der Zeit bekommt der Mensch graue Haare oder Falten. Kriegt er eigentlich auch ganz zwangsläufig irgendwann eine Brille?
   Dr. Beeke: Ganz allgemein gesprochen, muss man diese Frage wohl bejahen. Etwa mit 45 ist bei den meisten Menschen der Zeitpunkt gekommen, wo sie als bisher Normalsichtige auf kurze Entfernung Probleme bekommen, während auf weite Distanz alles in Ordnung ist. Die Vergrößerung reicht zum Lesen nicht mehr aus, der Mensch braucht eine Lesebrille. Eine berühmte Ausnahme war der Bundeskanzler Konrad Adenauer, der auch im hohen Alter ohne Brille auskam. In Wahrheit war Adenauer auf einem Auge kurzsichtig und auf dem anderen weitsichtig, er kompensierte das Defizit immer wechselseitig.
Und was ist die Ursache für die Sehschwäche?
   Kurz gesagt: Die Zoom-Funktion der Augenlinse lässt nach. Die Linse wird starr, die Muskeln zur Brennweiten- Verstellung werden schwächer. Im Ergebnis kann das Auge sich nicht mehr von weiten Entfernungen auf kurze Distanzen umstellen. Das ist ein degenerativer Prozess, und deshalb sollten Brillenträger alle zwei Jahre die Sehschärfe überprüfen lassen - entweder vom Augenarzt oder dem dafür auch qualifizierten Augenoptiker.
Wenn die Lesebrille gewissermaßen unausweichlich ist, was geschieht dann bei Menschen, die schon von Jugend an eine Brille tragen müssen?
   Die Ausgangslage ist zwar anders, aber die Problematik bleibt im Grunde unverändert bestehen: Auf kurze Entfernung reicht die Anpassungsfähigkeit des Auges nicht mehr. Nur braucht der Brillenträger jetzt eben ver- schiedene Gläserstärken für fern und nah. Oder, was eigentlich eine geniale Idee ist, man schleift ein Brillenglas mit zwei Brennpunkten: Das ergibt dann eine Bifokal- oder eine Gleitsichtbrille.
Nun gibt es aber immer wieder Klagen, die heue Gleitsichtbrille passe irgendwie nicht richtig. Liegt das am Glas, am Optiker oder eben am Träger der Brille?
  Die Brille und die Gläser müssen in der Tat optimal angepasst werden. Es geht ja nicht nur um die Sehschärfe, es geht auch um die Zentrierung des Glases in der Fassung und um die verschiedenen Sichtzonen innerhalb des Glases. Da muss vom Optiker sehr sorgfältig gearbeitet werden. Außerdem bieten die Hersteller heute individuelle Gleitsichtgläser an, deren Progressionszonen stufenlos und variabel jeder vom Kunden gewünschten Brillen- fassung angepasst werden können. Hat der Brillenträger seine Wunsch-Brillenfassung ausgewählt, werden die individuellen Parameter ermittelt, und das Gleitsichtglas kann präzise auf die Bedürfnisse des einzelnen Kunden abgestimmt werden.
Aber manchmal scheint das in der Praxis nicht ganz zu klappen?
   Es gibt in der Tat eine gewisse Gruppe von Patienten, die auch mit ihrer optimalen Gleitsichtbrille auf Dauer nicht leben können. Nach unserer Erfahrung sind das vielleicht zehn bis 15 Prozent, bei denen das Sehzentrum im Gehirn diese Anpassungsleistung unterschiedlicher Sehschärfen in kurzen Intervallen nicht leistet. Da bleibt nur die Möglichkeit, weiterhin mit zwei Fassungen für nah und fern zu arbeiten. Umgekehrt lassen sich ja viele Gleitsichtbrillen-Träger noch eine reine Lesebrille für die Arbeit am Computer oder die Zeitungslektüre machen, weil sie es als bequemer empfinden.
Nun besteht die Arbeit eines Augenarztes nicht allein darin, Brillengläser zu verschreiben. Bei einer Pauschale von 16 Euro pro Patient und Quartal könnte er davon ja nicht existieren. Wo liegen die wahren Heraus- forderungen des Faches?
   Die weitaus häufigste Augenkrankheit zumal bei älteren Patienten ist heute der graue Star, die fortschreitende Linsentrübung. Die Betroffenen sehen zunächst durch einen leichten Grauschleier, später wird oft nur noch hell und dunkel unterschieden. Die Krankheit ist sehr häufig, etwa 600.000 Patienten werden in Deutschland jährlich am grauen Star operiert.
Wie läuft so eine Operation am Auge ab, und wie sind die Ergebnisse?
   Der Eingriff geschieht mit örtlicher Betäubung und dauert in der Regel nur 15 Minuten. Meist wird er sogar ambulant gemacht, und Komplikationen sind äußerst selten. Bei der Staroperation wird die getrübte Augenlinse geöffnet und der Inhalt entfernt. Und durch den kleinen Schnitt setzen wir dann eine gefaltete Kunstlinse ein, die sich im Augen- inneren entfaltet und elastisch verankert. Und das Schöne daran:  Es ist sehr effektiv. Die Patienten sind hinterher ganz glücklich, weil sie nahezu ihre 100-prozentige Sehfähigkeit zurückbekommen.
Neben dem grauen Star gibt es noch das Krankheitsbild des grünen Stars. Als individuelle Vorsorgeleistung wird von vielen Augenärzten die Messung des Augendrucks empfohlen. Kann das den grünen Star verhindern?
   Verhindern natürlich nicht. Aber nur diese Früherkennungsuntersuchung kann sicher darüber Aufschluss geben, ob man an einem Glaukom leidet. Jeder ab 40 sollte deshalb alle zwei Jahre zum Augenarzt gehen, damit der erhöhte Augendruck erkannt wird: Der führt nämlich zu einem gequetschten Sehnerv und in der Folge zu einer fortschreitenden Erblindung.
Wie   häufig   ist   das Glaukom?
 Etwa  800.000  Deutsche sind an einem Glaukom oder grüner Star erkrankt. Darunter wiederum 50.000 so stark gefährdet, dass sie erblinden könnten.
Und was kann der Arzt dagegen tun?
   Es gibt Medikamente, die ins Auge getropft werden und den Augendruck mindern. Auch mit dem Laser oder mit einer Augenoperation kann der Arzt eine Abflussmöglichkeit und damit Abhilfe schaffen, so dass die Lebensqualität auf Dauer nicht beeinträchtigt wird.
Wir sprechen ja über das alternde Auge. Und dabei darf selbstverständlich die altersbedingte Makula- degeneration nicht fehlen. Gibt es mittlerweile wirksame Mittel gegen diese Erkrankung?
   Die Makuladegeneration tritt bereits ab dem 50. Lebensjahr auf und hat wirklich gravierende Auswirkungen. Sie gilt als die häufigste Erblindungsursache in den westlichen Industrienationen. Heilung im eigentlichen Sinne gibt es bis heute nicht. Aber immerhin können wir mit bestimmten Therapien den Verlauf stoppen und sogar einen Teil der verlorenen Sehkraft  zurückgewinnen.
Was geschieht denn bei der Krankheit, und wo setzt die Therapie an?
   Die Makula, der “gelbe Fleck” auf der Netzhaut, ist die Zone des schärfsten Sehens überhaupt. Wenn diese Zone durch Ablagerungen zerstört wird (trockene Makuladegeneration) oder die versorgenden Blutgefäße undicht werden (feuchte Makuladegeneration), dann wird gerade die Zone des zentralen Sehens ausgeschaltet. Das Tückische daran ist, dass die Krankheit keine Schmerzen verursacht und deshalb meist zu spät erkannt wird. Auch hier die Empfehlung, regelmäßig vom Augenarzt prüfen zu lassen.
Noch einmal die Frage: Welche Behandlungsmöglichkeiten helfen wirklich? In manchen Zeitschriften werden ja wahre „Wundermittel” gegen die Makula Degeneration angepriesen.
  Wunder kann die verantwortliche Medizin nicht bewirken. Das gilt leider gerade bei der Makuladegeneration. Vorbeugend helfen bestimmte Regeln, etwa eine Sonnenbrille bei grellem Licht zu tragen und auf vitaminreiche Ernährung mit dem Schutzfaktor Lutein zu achten. In der Behandlung wird heute mit guten Erfolgen die Photo- dynamische Therapie, eine Kombination aus einem Medikament und „kaltem” Laserlicht, angewendet. Wirksam, aber zurzeit noch sehr teuer, ist auch die Injektion spezieller Medikamente in den Augapfel. Diese Behandlung wird nur auf Antrag von den Kassen erstattet. Obwohl in klinischen Studien bewiesen wurde, dass damit die verloren gegangene Sehkraft durchaus wieder verbessert werden konnte. FrankHenrichvarkNOZ050320

Zur Person:  Dr.ErikBeekeOSx  Die Sehkraft auch im Alter erhalten

   Der Augenarzt Dr. Erik Beeke (Foto) arbeitet gemeinsam mit fünf weiteren Kolleginnen und Kollegen in einer überörtlichen Gemeinschaftspraxis für Augenheilkunde in Osnabrück. Das Team wird unterstützt von 25 Helferin- nen an drei Standorten in der Parcelsus-Klinik, im Städtischen Klinikum am Finkenhügel sowie in einer Einzelpraxis. Im Quartal werden hier an die 10.000 Patienten betreut. Beeke (41) beschäftigt sich vorrangig mit operativen Eingriffen im Auge sowie plastischen und funktionellen Lid-Operationen oder Laser-Behandlungen am Augen- hintergrund wie zum Beispiel bei Diabetes.

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Neue Einblicke ins menschliche Auge. Augenarzt Dr. Helmut Opel heilt und forscht.
Dabei braucht er kriminalistischen Spürsinn

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  Dr. Helmut Opel (59) fotografiert und filmt Foto oben. Hier macht eine Kamera die Netzhaut eines Patienten auf dem Monitor sichtbar. Für das Bild des Tränenfilms Foto darunter erhielt Opel auf der Photokina den “Best Presentation Award”.
  
Er will hinter Oberflächen gucken, sucht ungewöhnliche Sichtweisen. Augenarzt Dr. Helmut Opel, Hamburg, fotografiert, um bei schwierigen Augenerkrankungen die Veränderungen für seine Patienten sichtbar zu machen. Er will den Patienten Einblick ins eigene Auge geben.
   “Die Bilder dienen als Brücke zwischen Arzt und Patient, sie machen den Patienten zum gleichwertigen Ge- sprächspartner, sie ermöglichen den partnerschaftlichen Dialog über seine Erkrankung und die Behandlung”, sagt der Mediziner, dessen Müdigkeit nach einem Zwölf-Stunden-Tag sofort verfliegt, wenn er über seine wissen- schaftliche Fotografie redet.
   Mit Leidenschaft entwickelt, kombiniert und bastelt er immer neue Apparate für die Diagnose und Dokumentation von Augenerkrankungen. Er will Fotos mit immer stärkeren  Vergrößerungen und noch detailreichere Videos. Im Jahre 2000 wurde er für seine Fotografie des Tränenfilms und die Darstellung der dafür notwendigen Apparate auf der “Weltmesse des Bildes”, der Photokina, in der Sektion Medizin mit dem “Best Presentation Award” aus- gezeichnet.
   “Die Bilder erschließen immer neue Dimensionen. Eigentlich lerne ich jeden Tag dazu, das begeistert mich bis heute”, sagt der kräftig gebaute Mediziner, der nur dieses nicht mag: Engstirnigkeit und Bürokratismus.
   Früh reizte es ihn, die Natur zu entdecken. Bereits mit zehn Jahren begann er das Verhalten von Tieren, speziell von Vögeln zu untersuchen.  Und er fotografierte, natürlich vor allem Tiere, leitete die Schüler-Foto-AG. Nach Ab- schluss der Schulzeit in Hildesheim hatte der 1943 in Wittenberg geborene Helmut Opel mit Medizin noch nichts im Sinn, gleichwohl reizte ihn der Umgang mit Menschen. So begann er 1962 an der Universität Hamburg Philosophie, Philologie und Theologie zu studieren, um Lehrer zu werden.
   Doch nicht nur die geistige Welt, auch die konkrete lockte ihn. Daher trampte er mit 20 Jahren während der etwas verlängerten Semesterferien einmal um die ganze Welt. Daran erinnert er sich noch heute gern. Danach landete der junge Student im Oberseminar über Platon, das der Physiker und Philosoph Professer Carl Friedrich von Weizsäcker abhielt.  Eine wegweisende Begegnung. Denn der erfahrene Professor riet ihm, “erst einmal eine ordentliche Naturwissenschaft zu studieren”.  Helmut Opel folgte dem Rat und entschied sich, damals 21 Jahre alt, auch ins Medizinstudium einzusteigen.
   Die Medizin ließ ihn nicht mehr los. Seine Doktorarbeit verfasste dieser Querdenker 1988 über den Sinn und Un- sinn der deutschen medizinischen Doktorarbeit. “Aus dieser zog ich die Konsequenz, mich niederzulassen. Denn durch diese Arbeit erkannte ich, dass die meisten medizinischen Studien an vergleichsweise wenigen Patienten im Krankenhaus und nicht mit den viel zahlreicheren Kranken in den ärztlichen Praxen durchgeführt werden”, er- läuterte er. Bis heute verbindet der niedergelassene Augenarzt, inzwischen in einer Gemeinschaftspraxis, Heilen und Forschen. So untersuchte er, wie lange Kontaktlinsen in Augen verbleiben können, wie sich die Tränen- flüssigkeit bei bestimmten Allgemeinerkrankungen verändert oder wie die Hornhaut und Netzhaut auf Laser- behandlungen reagieren, wie das Augeninnere manchmal auf das Einsetzen von Kunstlinsen antwortet - und immer hielt er seine Erkenntnisse im Bild fest. So entstanden schier ungezählte Bilder.
   Doch nicht nur Bilder, auch die Sprache reizt den Mediziner bis heute. Er verfasste beispielsweise einen Patien- tenratgeber in einer sehr bildhaften Sprache. So lautet die anschauliche Übersetzung für eine der häufigsten Erkrankungen des eigenen Auges, der Makula-Degeneration: “Es ist, als wenn das Silber vom Spiegel abblättert”. Im Auge droht bei dieser Erkrankung das Netzhautzentrum allmählich seinen Dienst zu versagen.
   Augenarzt wurde der vielseitig interessierte Mediziner, weil das Organ Auge Einblick in viele Facetten des Menschen gibt und die Behandlung seiner Erkrankungen häufig interdisziplinär erfolgt. Jeden Tage kommen Menschen in die Praxis, deren Augenleiden unter anderem mit Stress, Familien- und Berufsproblemen, orthopädischen Erkrankungen, Diabetes,  Bluthochdruck, Stoffwechselkrankheiten oder mit Haut- sowie Nasen- und Ohren-Erkrankungen zusammenhängen. “Um die Ursachen herauszufinden, bedarf es manchmal sogar eines gewissen kriminalistischen Gespürs. Mein Vorbild ist Inspektor Columbo”, sagt Opel nicht ohne Ironie.
   Mehr noch versteht sich der Mediziner als Wegbegleiter von Patienten, deren Leben durch schwere Augen- erkrankungen von Glaukom bis Retinitis pigmentosa erheblich beeinträchtigt wird. Neben der Arbeit bleibt viel zu wenig Zeit, um all die wissenschaftlichen Fotografien systematisch aufzuarbeiten, bedauert der Mediziner, Vater dreier erwachsener Söhne. Er hat sich aber fest vorgenommen, die Fotografien zu analysieren, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse zugänglich zu machen.    FotosSolcherGrafikHasse

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Hilfe für mehr als nur den einen Augenblick. Arzt rettet Augenlicht junger Litauerin

  Schon wenige Stunden nach der Operation ging für Roberta ein Traum in Erfüllung: Sie sah am Himmel über Bad Laer einen Heißluftballon. Offensichtlich ist die Augenoperation gelungen.
   Möglich gemacht hatten das Friederike Landwehr, Kristina Sokolova und Egon Knies. Durch ihr Engagement für Hilfslieferungen nach Litauen erfuhren die Bad Laererin, die litauische Studentin und der Hagener von dem Schick- sal der 17-Jährigen aus Kleipeda. Sie drohte zu erblinden, wenn ihre Augen nicht operiert würden, aber in Litauen war das nicht möglich.
   Friederike Landwehr sprach daraufhin den Augenarzt Dr. Michael Stade im Bad Laerer Gesundheitszentrum an, der sich spontan bereit erklärte, ohne Honorar zu helfen. Nach einer Untersuchung vor rund einem halben Jahr sah er große  Hoffnung,  die jetzt nach der gelungenen Operation bestätigt wurde.
   Für die drei Helfer und die Mutter von Roberta Baikaite eine riesengroße Erleichterung. „Das war das erste Mal, dass wir so direkt helfen konnten”, erklärt Landwehr, „aber ich würde das jederzeit wieder machen.” Für Egon Knies war das nur ein weiterer Punkt auf seiner langen Liste an Hilfen, die er in über hundert Fahrten mit Hilfsgütern nach Litauen gebracht hat. Statt der sonst üblichen und benötigten Kleidung, Medikamente und medizinischen Materialien reist nun die junge Litauerin sehend zurück in ihre Heimat, wo sie jetzt endlich ihren Traumberuf Friseurin erlernen kann. Diesen Traum hatte sie nämlich schon fast begraben müssen, nachdem ihre Sehkraft immer schlechter geworden war. Kein Wunder, dass bei der ersten Nachuntersuchung bei den Beteiligten ein paar Freudentränen in den Augen schimmerten. NOZsp050715FotoJörnMartens

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“Das System steht vor dem Kollaps” Augenarzt Siegfried Rettkowski, Laatzen, fürchtet,
dass Patienten eines Tages die komplette Behandlung selbst bezahlen müssen. bkHAZ030123

   Die Praxis in einem modernen Geschäftshaus an der Albert-Schweitzer-Straße im Zentrum von Laatzen hat Siegfried Rettkowski selbst gestaltet. Dezente Farben und moderne Kunst strahlen Ruhe und Wärme aus, in der großzügigen Wartezone sitzen Patienten mit Blickkontakt zu den Arzthelferinnen am Empfang: “Ich bin ein ästhetischer Mensch”, sagt der 52-jährige Augenarzt - und er ist einer der schärfsten Kritiker der aus Ärztesicht “leistungsfeindlichen Staatsmedizin”. Rettkowski, Vater von drei erwachsenen Kindern und Landeschef seiner Berufsgruppe, hat sich 1986 mit einer Einzelpraxis niedergelassen. Ein Schritt, den er heute nicht mehr wagen würde. “Ich bin immer noch gern Arzt, aber das ambulante Versorgungssystem steht vor dem Kollaps”. Seit Jahren gedeckelte Kassenbudgets führten dazu, dass die Ärzte regelmäßig einen Tag in der Woche ohne Honorar arbeiten. Und was die Kassen zahlen, sei dürftig: “Für augenärztliche Behandlung samt ambulanter Operationen bekommen wir je Patient durchschnittlich gerade mal 25 Euro.”
   Wenn es nach Rettkowski geht, drohen Kassenpatienten bald radikale Veränderungen: Bei weiter sinkenden Einnahmen seien die Augenärzte am Ende gezwungen, ihre Kassenzulassung kollektiv zurückzugeben. “Wir würden dann nur noch auf Privatrechnung behandeln, die die Patienten dann bei ihrer Kasse einreichen müssten.”
  Vorwürfe, die Ärzte jammerten “auf hohem Niveau” und wollten Patienten “abzocken”, nennt Rettkowski Stimmungsmache:  “Der Kunde, also der Patient, ist König. Die wollen wir gut behandeln. Zum Kassentarif ist das aber längst nicht mehr kostendeckend möglich.” Würden Augeärzte strikt nach Budget behandeln, hieße dies “vorne gucken, Brille und raus”, meint Rettkowski. Auf unwirtschaftliche, zeitintensive Untersuchungen von Sehnerv oder Netzhaut müsste dann weitgehend verzichtet werden. Seine Sparreserven hält der Mediziner für ausgeschöpft: “Wenn ich eine Arzthelferin entlasse, leidet die Qualität der Behandlung. Viele Untersuchungen wären ohne die Helferinnen nicht möglich.”  Der Augenarzt beschäftigt sechs Mitarbeiterinnen, darunter eine Aus- zubildende und zwei Halbtagskräfte: “Die Lohnkosten entsprechen der Hälfte meiner Einnahmen als Kassenarzt.” Insgesamt machten die Festkosten der Praxis 80 Prozent seines Umsatzes aus. Den Angestellten weniger zu bezahlen möchte er aber nicht: “Deren Einkommen sind sowieso nicht gerade üppig.”
   Also wo sparen? Abstriche in der Medizintechnik könne sich ein Augenarzt nicht leisten. Jährlich investiere er also rund 25.000 Euro, um den Anschluss zu halten. Rettkowski kann seine Praxis dank Einnahmen von Privatpatienten und der Mitarbeit in einem privaten Augen-Laser-Zentrum finanzieren. Unter den rund 70 Augenärzten in der Region gibt es aber Kollegen, die als Immobilieneigner lediglich von Mieteinnahmen leben. Sein Sohn habe zu- nächst auch Medizin studiert - gegen seinen Rat, sagt Rettkowski.  Schließlich sei er dann doch auf Betriebs- wirtschaft umgestiegen. “Er hat die Entscheidung nicht bereut.”

Dr.Georg,BdR.   Augenklinik Dr. Georg, Bad Rothenfelde

 Interview der NOZ mit dem Leiter der Augenklinik Dr. Georg, Bad Rothenfelde,Dr. Klaus-Peter Ehrhardt.
Schwierige Bedingungen für die jungen Augenärzte -  monatelanges Warten auf einen Termin

Ist die augenärztliche Versorgung mittelfristig noch gesichert?
   Der Leiter der Augenklinik Dr. Georg in Bad Rothenfelde, Dr. Klaus-Peter Ehrhardt, zweifelt daran. “Schon jetzt gibt es für die Patienten unserer Gemeinschaftspraxis Wartezeiten von über vier Monaten”, so der Mediziner. In Bad Iburg stehe seit über einem Jahr eine Praxis leer. Und Nachwuchs finde sich nur schwer, weil sich die Arbeits- bedingungen für Ärzte in den vergangenen eineinhalb Jahren dramatisch verschlechtert hätten.
   Dr. Ehrhardt kann für das Fachgebiet Augenheilkunde bestätigen, was die Bundesärztekammer vor wenigen Tagen hatte verlauten lassen: Immer weniger Absolventen eines Medizinstudiums lassen sich nach Abschluss ihrer langwierigen Ausbildung tatsächlich als Ärzte nieder.
   Die Gründe dafür liegen nicht zuletzt in der veränderten Struktur des Gesundheitswesens: “Wer mit etwa 35 seine Ausbildung durchlaufen hat, muss dann mindestens 300.000 Euro in die Einrichtung einer modernen augen- ärztlichen Praxis investieren”, erläutert Ehrhardt. Durch die Budgetbildung für Ärzte durch die Krankenkassen sei eine solche Investition auch durch härteste Arbeit kaum in angemessener Zeit abzuarbeiten.
   Der Mediziner macht das anhand der Abläufe in der Bad Rothenfelder Gemeinschaftspraxis deutlich: Vier Ärzte behandeln hier pro Tag zwischen 200 und 300 Patienten, die Wartelisten sind lang. Und oft auch die Wartezeiten: Die Zeitkalkulation ist eng, um möglichst vielen Menschen helfen zu können - sie wird jedoch immer wieder durch akute Fälle gesprengt, die eingeschoben werden müssen. Ein strenges Budget der Krankenkassen erlaubt den Bad Rothenfelder Medizinern im Jahr 2.500 ambulante Operationen am “Grauen Star”, die gleiche Zahl von stationären Operationen kann in der Dr. Georg Augenklinik durchgeführt werden. “Doch der Bedarf ist viel größer”, macht der Klinikleiter deutlich.
   Ähnlich sieht es bei den Überweisungen aus: “Rund 55 Prozent der Menschen kommen zu uns, weil ihre Ärzte nicht mit der Erkrankung fertig werden oder nicht die entsprechende Technik haben”, so Ehrhardt. 330 Überweisungen dürfe er laut Budget behandeln, die weiteren könnten es dann im nächsten Jahr noch einmal versuchen. Doch für die Bad Rothenfelder Augenärzte steht das Wohl der Patienten im Vordergrund: Ist das Budget im vierten Quartal des Jahres ausgeschöpft, werden die “überzähligen” Patienten nicht nach Hause geschickt.
  Das Ergebnis: Fast jede zweite Untersuchung wird “umsonst” gemacht. Denn alle Kosten über die Budgets hinaus werden im kommenden Jahr von den Krankenkassen wieder abgezogen. Auch über die Verschreibung von Medikamenten sollte nach dem Willen der Krankenkassen eigentlich nicht mehr allein der medizinische Sachv- erstand entscheiden: “Pro Patienten wird uns ein Arzneimittelbudget von drei Euro zugebilligt, bei Rentnern liegt es immerhin bei sechs Euro”, berichtete der Klinikleiter. Die Konsequenz ist aus seiner Sicht unvermeidbar, wenn er seine Patienten vernünftig versorgen will: Die Bad Rothenfelder Augenärzte überziehen dieses Limit im Schnitt pro Patient um 240 Prozent.
   Richtig ärgerlich ist Dr. Ehrhardt über eine neu von den Krankenkassen ins Gespräch gebrachte Regelung. So sollen künftig Star-Operationen nur noch ambulant durchgeführt werden, weil das aus Sicht der Krankenkassen Kosten spart. Doch die Dr. Georg Augenklinik hate einen Einzugsbereich von rund 200 Kilometern, viele der Patienten sind ältere Menschen. “Wenn also eine allein stehende alte Dame aus Lingen zur Voruntersuchung, zur Operation und zu Nachuntersuchung mit dem Taxi an- und abreist, ist das nicht nur für die Patientin eine schwere Belastung”, betont der Klinikleiter. Bei einem Basispflegesatz von rund 38 Euro sei ein stationärer Eingriff auch für die Kassen deutlich günstiger.
  Keine ermutigenden Bedingungen also für junge Ärzte, so Dr. Ehrhard. Er würde sich von den Krankenkassen oft mehr gesunden Menschenverstand anstelle starrer Regelungen wünschen. Dass es bald grundlegende Reformen geben muss, davon ist er überzeugt: “Denn so funktioniert das System auf Dauer nicht.”
KimberlyLübbersmannNOZ020405

Kindergartenkinder leiden unter Sehstörungen

  Rund 30 Prozent aller Kinder leiden unter Sehstörungen. Dies fanden Augenärzte der Universitätsklinik Münster in einer Reihenuntersuchung an 600 Kindergartenkindern im Alter von drei bis vier Jahren heraus, wie die “Ärztezeitung” berichtete. Die Sehstörungen reichten von Schielen bis hin zu einer unzureichenden Entwicklung der Sehfähigkeit. Dabei könnten viele Augenerkrankungen im frühen Kindesalter erfolgreich behandelt werden. Die Wissenschaftler kritisierten, dass Kinderärzte nicht ausreichend ausgebildet seien, um Sehstörungen zu erkennen. Regelmäßige Augenuntersuchungen wie beispielsweise in der ehemaligen DDR könnten chronische Augen- erkrankungen im Jugendalter verhindern. Am besten sei es, wenn Augenärzte in die Kindergarten geschickt würden. APNOZ02092                             

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