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China II

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Auf dieser Seite lesen Sie:
1. Peking und Vatikan offenbar einig über Bischofsernennungen
2
. Brief von Papst Benedikt XVI. an die chinesischen Katholiken zur Versöhnung der “offiziellen”
mit der “Untergrundkirche”
im Reich der Mitte in autorisierter Übersetzung
3. Chinesische Bischöfe äußern sich dankbar und zufrieden
4. Der Fall Boading und der Brief des Papstes
5. Befragung der Untergrundbischöfe
6. Lucas Li Jingfeng (87) ist Bischof von Feng Xiang (Schaanxi, Zentralchina)
7. “Die Konfusion ist vorbei!” von Petrus Feng Xinmao, Bischofkoadjutor von Hengschui
8. Als der kommunistische Sekretär einen Kelch für die Messfeier brachte
9. Interview mit Prof. Ren Yanli, Mitglied der chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften:
Der Glaube des Volkes hat den Plan für eine unabhängige Landeskirche scheitern lassen
10. Bischöfe Chinas in Haft und Gefängnissen
11.  Fotobericht: Bischofsweihe in der Marienkathedrale von Schanghai
12. Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht die Kathedrale in Schanghai
13. Pudong: Marienkirche eingeweiht
14. Boom der Frauenorden in China: 5.000 Nonnen; 1.300 Schwestern in Ausbildung
15. Die Arbeit des Jesuitenpaters Matteo Ricci am Kaiserhof

Papst hofft auf „missionarische Bekehrung der Kirche“

   Papst Franziskus hofft auf eine „missionarische Bekehrung der Kirche“. Ihr Kernpunkt sei „der Dienst an der Menschheit, so wie unser Herr seinen Jüngern die Füße gewaschen hat“. Das sagte der Papst zu Bischöfen aus Missionsländern, die er im Vatikan traf. Bischöfe seien Diener, sie sollten sich um Nähe zu den ihnen Anvertrauten bemühen.  Der Papst bedauerte, dass keine Bischöfe aus der Volksrepublik China bei einer solchen Audienz dabei sein können. „Ich hoffe zutiefst, dass dieser Tag aber nicht fern ist“, sagte er wörtlich. Er versichere den Bischöfen in Festland-China „nicht nur meine und unsere Solidarität, sondern die der Bischöfe weltweit“. Wenn sie sich manchmal allein fühlten, sollten sie daran denken, „dass ihre Leiden Frucht – und große Frucht! – tragen werden für das Wohl ihrer Gläubigen, ihrer Mitbürger und der ganzen Kirche“. Rv140921

Angeblicher Papstbrief sorgt für Aufmerksamkeit
   Katholische Internetseiten in der Volksrepublik China berichten über einen handschriftlichen Brief von Papst Franziskus an den chinesischen Präsidenten. Darin habe der Papst Xi Jinping in den Vatikan eingeladen, um miteinander über den Frieden in einer multipolaren Welt zu sprechen. Der Vatikan hat die Existenz des Briefes bisher nicht bestätigt, staatliche chinesische Medien übergehen ihn mit Schweigen. Franziskus hatte auf dem Rückflug von Korea gesagt, er selbst hätte durchaus Lust zu einer Reise nach China, „schon morgen".
   Wie die katholische Nachrichtenagentur asianews berichtet, verbinden viele Katholiken in China Hoffnungen mit dem Brief. Ein Priester wird mit der Einschätzung zitiert, es sei geschickt, Präsident Xi „zunächst einmal als wichtigen Führer anzuerkennen“ und mit ihm das Gespräch über internationale Fragen zu suchen. Über die Probleme der Kirche in China könne der Papst mit Xi noch nicht gleich reden, das könne erst zu einem späteren Zeitpunkt versucht werden.
  Erstmals aufgetaucht war die Geschichte von dem Brief in Medien der argentinischen Heimat von Papst Franziskus. Danach hat sich der Papst Anfang September im Vatikan mit einem peronistischen Politiker aus Argentinien und mit einem Repräsentanten der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Südamerika beraten. Dabei sei man sich schnell einig gewesen, dass der Vatikan auf die Volksrepublik China zugehen und sich um bessere Kontakte bemühen müsse.
   Die Volksrepublik China gehört zu den wenigen Staaten, zu denen der Heilige Stuhl keine diplomatischen Beziehungen unterhält. Bei einer Reise nach Südkorea hat Papst Franziskus im August deutlich gemacht, dass ihm an einem besseren Verhältnis zu Peking liegt. Mit einer Veröffentlichung des Papst-Briefes – falls es ihn denn wirklich gibt – durch den Vatikan ist nicht zu rechnen. Mit einer schnellen Antwort aus Peking auch nicht. Aber ein Ping-pong (so formuliert Asianews) ist, vielleicht, in Gang gekommen. Die Agentur rät dem Papst allerdings, nicht nur auf einem Feld zu spielen, sprich: nicht nur den Kontakt zu Präsident Xi zu suchen, sondern am Thema China in vielfältiger Hinsicht dranzubleiben. Rv140919sk

Vatikan und China: Positive Zeichen der „Zurückhaltung“?
   „Wir sind China nahe. Es ist ein großes Volk, das ich liebe.“ Das sagte der Papst im März 2014 in einem Interview. „Ich habe Präsident Xi Jinping einen Brief geschrieben, als er gewählt wurde, drei Tage nach mir, und er hat mir geantwortet“, so Franziskus im Gespräch mit der italienischen Tageszeitung „Corriere della sera“. Es sollte nicht bei diesem einen Papstbrief an Peking bleiben: Zuletzt berichteten Medien in Argentinien und dann China, Franziskus habe Xi Jinping sogar in den Vatikan eingeladen. Die Katholiken im Reich der Mitte jubelten, der Vatikan bestätigte die Meldung nicht, dementierte sie aber auch nicht. Hat sich die Tür zwischen Heiligem Stuhl und China in den letzten Monaten wieder einen Spalt weit geöffnet? Dies fragte Radio Vatikan Katharina Wenzel-Teuber vom China- Zentrum Sankt-Augustin; sie ist Chefredakteurin der Zeitschrift „China heute“.
   „Das ist schwer zu sagen. Zumindest ist Papst Franziskus deutlich darum bemüht, die Beziehung zu China zu entspannen. Und die Reaktion von chinesischen Seite ist bisher, würde ich sagen, verhalten, aber nicht negativ. Also es gab beispielsweise, seit die Regierung angetreten ist, zumindest auch keine erzwungenen, illegitimen Bischofsweihen… Zumindest sind von Seiten des Papstes deutliche Bemühungen da, das Verhältnis zu verbessern.“
   Zu diesen Bemühungen ist auch die Einladung des Papstes an die Volksrepublik zu rechnen, doch diplomatische Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl aufzunehmen. In Korea hatte sich Franziskus im August mit einer entsprechenden Bitte an die Länder Asiens ohne Botschafteraustausch mit dem Heiligen Stuhl gewandt. Bereits vor der Reise hatten Medien spekuliert, der Vatikan peile formelle Gespräche mit Peking an. Die Volksrepublik zählt immer noch zu den Staaten, zu denen der Vatikan bis heute keine offiziellen Verbindungen unterhält. Chinas Führung habe Franziskus‘ Gesten bisher mit „Zeichen der Zurückhaltung“ quittiert, so Teuber-Wenzel.
   „Und was in offiziellen chinesischen Medien immer positiv hervorgehoben wurde: dass der neue Papst ein Jesuit ist. Jesuit - das ist in China weitgehend positiv besetzt, weil es ja die Jesuiten-Missionare im 17. und 16. Jahrhundert gab wie Matteo Ricci, die der chinesischen Kultur sehr viel Respekt entgegengebracht haben und die Begründer eines ost-westlichen Kulturaustausches waren.“
   Deswegen habe ein Papst, der Jesuit sei, „vielleicht bessere Chancen, in einen Austausch mit der chinesischen Führung einzutreten“, vermutet die Beobachterin: „Aber man muss wirklich abwarten, wie sich’s entwickeln wird.“
Kirche in Hongkong: Aufruf zum friedlichen Widerstand
   Vor allem die romtreue Seite von Chinas Kirche bemüht sich im eigenen Land derweil um Dialog und Vermittlung. So etwa bei den aktuellen Protesten der Demokratiebewegung in Hongkong. Direkt an den Demos teil nehmen der emeritierte Erzbischof von Hongkong, Kardinal Zen Ze-kun, und Vertreter der Kommission Justitia et Pax teil. Dazu Wenzel-Teuber:
   „Im Grunde unterstützt die Diözese die Anliegen der Proteste. Und sie hat auch unter gewissen Umständen einen friedlichen zivilen Ungehorsam für richtig befunden.“
   Und dabei selbst ziemliche Entschiedenheit an den Tag gelegt: „Wir rechneten eigentlich damit, verhaftet zu werden, und haben es uns fast gewünscht, denn das hätte die Menschen für unsere Sache hier und woanders in der Welt sensibilisiert“, sagte der 82-jährige Kardinal Zen, der inmitten der blockierten Zone des Stadtzentrums mit Demonstranten eine Messe feierte und die Protestler zu friedlichen Formen des Widerstandes ermunterte. Er kündigte an, weiter bei den verbleibenden Studenten zu bleiben und mit ihnen im Geschäftszentrum zu übernachten. Im Kontext der Proteste war es von Seiten der chinesischen Behörden teils zu gewaltsamen Übergriffen gekommen.
   Ende vergangener Woche hatten die Studentenführer dann das Gesprächsangebot der Hongkonger Regierung angenommen. Der nun beginnende Dialog stehe allerdings eher auf wackligen Beinen, urteilt Katharina Wenzel- Teuber:
   „Natürlich muss man sehen, was dabei überhaupt erreicht werden kann, denn die Hongkonger Regierung ist ja auch nicht wirklich frei, Zugeständnisse zu machen, weil ja Peking das letzte Wort hat...“
   Ob es zu einer Einigung kommen kann, bleibt damit also zunächst offen. Kardinal Zen bewertete die Gesprächsangebote der politischen Führung als Trick, um auf Zeit zu pokern und die Protestbewegung zu spalten: „Ich glaube kein bisschen daran. Die Regierung spielt - einerseits sagt sie Ja zum Dialog, auf der anderen Seite sagt sie, sie könne die Entscheidung aus Peking nicht umstürzen. Das ist also schon das Fazit des Dialogs“, so Zen gegenüber dem Pressedienst Asianews. Zugleich warnte der frühere Bischof von Hongkong die Studenten, sich als „Herren“ zu gebärden und die Führerschaft an sich nehmen zu wollen. Die Demonstrationen seien „ein Erfolg des ganzen Volkes, nicht nur der Studierenden“.
   Hintergrund der Proteste sind Forderungen nach mehr Demokratie: Die Wähler der ehemaligen britischen Kronkolonie wollen die Kandidaten der ersten direkten Wahlen in Hongkong, die 2017 durchgeführt werden, selbst bestimmen. Laut Chinas Führung sollen die Hongkonger Bürger bei der Abstimmung dagegen zum großen Teil zwischen Kandidaten auswählen, die Peking dem Volk vorsetzen will. Das hatte für großen Unmut gesorgt:
   „Natürlich fühlt sich die Bevölkerung da betrogen, das ist ja keine wirklich demokratische Wahl unter diesen Umständen. Und Peking hat auch gesagt, nur solche Kandidaten sind akzeptabel, die das Land lieben, das heißt eben auch: die sich politisch nicht gegen die Zentralregierung stellen.“
Proteste in dieser Form neu
   Medien sprechen mit Blick auf die Proteste von der größten politischen Krise in Hongkong seit 1997, als die ehemals britische Kronkolonie an China zurückgegeben wurde. Ein „deutlicher Teil der Hongkonger Bevölkerung“ hat sich laut Wenzel-Teuber an den Demos beteiligt. Und wenn auch nicht alle Städter aktiv hinter den Protesten stünden, sei „vielen Hongkongern mehr Demokratie doch sehr wichtig“. Immerhin 800.000 Bürger hätten sich bereits beim Referendum vom Juni zur Frage gemeldet, wie eine Nominierung für den Regierungschef ablaufen sollte. Die Hongkonger Proteste seien – innerhalb der Bewegungen für mehr Demokratie in der Volksrepublik – „in dieser Form etwas Neues“, resümiert die Beobachterin. In Pekings Augen freilich seien sie „illegal“:
   „Da gab es schon in verschiedenen Pressemeldungen der amtlichen Medien in China Aussagen wie: ,Das ist Widerstand gegen das höchste Staatsorgan, gegen den Nationalen Volkskongress‘, der ja eben schon eine Entscheidung getroffen hat, was die Nominierung des Kandidaten betrifft. Diese Medien warnen auch, dass damit eine Linie überschritten werde. Das heißt, es ist in der Tat schon auch eine kritische Situation im Moment, und deshalb muss man wirklich hoffen, dass der Dialog da auch wirklich zu einer Lösung beitragen kann.“ Rv141007asianews

Peking und Vatikan offenbar einig über Bischofsernennung

   Die chinesische Regierung und der Vatikan scheinen eine Einigung im Streit um Bischofsernennungen für Chinas katholische Kirche erreicht zu haben. Wie die Hongkonger Zeitung „Wen Wei Po" berichtete, ist in vierjährigen inoffiziellen Verhandlungen zwischen Peking und dem Vatikan jetzt eine prinzipielle Übereinkunft erreicht worden, nach der beide Seiten einer Bischofsernennung zustimmen müssten.
   Damit wäre eine der größten Streitfragen, die bislang eine Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Seiten verhindert hat, gelöst. Offenbar muss nun der Papst die Überein­kunft der Unterhändler billigen. Diese sei dem Vatikan vorgelegt worden, und man erwarte eine Antwort bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres, schrieb die „Wen Wei Po", die gewöhnlich über verlässliche Informationen aus Peking verfügt, unter Berufung auf eine nicht näher benannte offizielle Quelle.
   Nach der Übereinkunft sollen die chi­nesischen Diözesen jeweils einen oder zwei Kandidaten vorschlagen. Wenn sowohl die chinesische Regierung als auch der Vatikan dem Kandidaten zustimmen, könnte der Bischof geweiht werden. Sollten beide Seiten sich nicht einig sein, wollen sie darauf verzichten, einseitig Bischöfe zu ernennen oder Bischofsweihen zu erzwingen - wie dies in der Vergangenheit der Fall war. Die Frage, wer in China Bischöfe ernennen darf, ist seit der kommunistischen Machtergreifung umstritten. Die katholische Kirche Chinas musste sich vom Papst lossagen und ist angewiesen, ihre Bischöfe selbst zu ernennen. Aus Protest dagegen spaltete sich eine „Untergrundkirche" ab, deren Bischöfe vom Papst ernannt wurden. Für die chinesische Regierung ist die „Untergrundkirche" eine illegale Organisation, und viele ihrer Priester und Bischöfe wurden verfolgt und inhaftiert.
   Eine Annäherung zwischen der chinesischen Regierung und dem Vatikan wäre eine gute Nachricht für Chinas etwa 15 Millionen Katholiken, die ungefähr zur Hälfte der offiziellen und der Untergrundkirche angehören. Die meisten Bischöfe der offiziellen Kirche sind bereits mit insgeheimer Zustimmung des Papstes geweiht. Die offizielle Kirche hat aber auch in den vergangenen Jahren noch Bischöfe weihen lassen, die vom Papst nicht genehmigt waren.
   Papst Franziskus hatte der chinesischen Regierung freundliche Signale geschickt, als er diesen Sommer auf dem Weg nach Südkorea eine Botschaft an Chinas Staatspräsident Xi Jinping und das chinesische Volk sandte und erklärte, dass er China gern besuchen wollte. Dass der Papst erstmals durch chinesischen Luftraum fliegen durfte, wurde als Entgegenkommen der chinesischen Regierung gewertet. In einem weiteren Anzeichen von Tauwetter wurde jetzt Bischof Peng Weizhao aus der Provinz Jiangxi nach sechs Monaten aus dem Hausarrest entlassen. Er war in diesem Jahr heimlich mit Zustimmung des Papstes geweiht worden,  berichtet der Nachrichtendienst ucanews.
   Aus dem Vatikan war keine Bestätigung für den Bericht der „Wen Wei Po" zu erhalten. Inoffiziell hieß es aber, dass es gut verlaufende Verhandlungen gebe und dass die zitierte Vereinbarung denkbar sei; zumal sie schon in Teilen der Praxis entspreche. Schon Papst Benedikt XVI. hatte sich um die Überwindung der Eiszeit zwischen Vatikan und Peking bemüht. Doch Franziskus habe es als Jesuit und Südamerikaner leichter, die Beziehungen zu verbessern, hieß es.  Mit dem Jesuiten Matteo Ricci habe die Arbeit der katholischen Kirche vor 400 Jahren begonnen. Riccis Name werde in China bis heute geachtet, weil er sich dessen Kultur mit Respekt genähert habe.
FAZ141121PKjöb

Sin01xx

Papst Benedikt XVI. schreibt an die chinesischen Katholiken am 27. Mai 2007
1. Der Brief im Wortlaut.  2. Die Antwort von drei chinesischen Bischöfen.

        INHALTSVERZEICHNIS
        Gruß [1]
        Anliegen des Briefes [2]
        ERSTER TEIL: DIE LAGE DER KIRCHE. THEOLOGISCHE ASPEKTE
        Globalisierung, Modernität und Atheismus [3]
        Bereitschaft zu einem respektvollen und konstruktiven Dialog [4]
        Gemeinschaft unter den Teilkirchen in der Universalkirche [5]
        Spannungen und Spaltungen innerhalb der Kirche: Vergebung und Versöhnung [6]
        Kirchliche Gemeinschaften und staatliche Organe:
         in Wahrheit und Liebe zu lebende Beziehungen [7]
        Der chinesische Episkopat [8]
        Bischofsernennungen [9]
        ZWEITER TEIL: ORIENTIERUNGEN FÜR DAS PASTORALE LEBEN
        Sakramente, Leitung der Diözesen, Pfarreien [10]
        Die Kirchenprovinzen [11]
        Die katholischen Gemeinschaften [12]
        Die Priester [13]
        Die Berufungen und die religiöse Ausbildung [14]
        Die gläubigen Laien und die Familie [15]
        Die christliche Initiation der Erwachsenen [16]
        Die missionarische Berufung [17]
        SCHLUSS
        Aufhebung von Befugnissen und pastoralen Weisungen [18]
        Gebetstag für die Kirche in China [19]
        Abschließender Gruß [20]
        © Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana

BRIEF DES HEILIGEN VATERS PAPST BENEDIKT XVI. AN DIE BISCHÖFE, DIE PRIESTER, DIE PERSONEN DES GOTT- GEWEIHTEN LEBENS UND AN DIE GLÄUBIGEN LAIEN DER KATHOLISCHEN KIRCHE IN DER VOLKSREPUBLIK CHINA

Gruß
   1. Verehrte Mitbrüder im Bischofsamt, liebe Priester, liebe gottgeweihte Männer und Frauen und alle Gläubige der katholischen Kirche in China, »wir danken Gott, dem Vater Jesu Christi, unseres Herrn, jedesmal, wenn wir für euch beten. Denn wir haben von eurem Glauben an Christus Jesus gehört und von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt, weil im Himmel die Erfüllung eurer Hoffnung für euch bereitliegt.[...] Wir hören nicht auf, inständig für euch zu beten, dass ihr in aller Weisheit und Einsicht, die der Geist schenkt, den Willen des Herrn ganz erkennt. Denn ihr sollt ein Leben führen, das des Herrn würdig ist und in allem sein Gefallen findet. Ihr sollt Frucht bringen in jeder Art von guten Werken und wachsen in der Erkenntnis Gottes. Er gebe euch in der Macht seiner Herrlichkeit viel Kraft, damit ihr in allem Geduld und Ausdauer habt« Kol 1,3-5.9-11.
   Diese Worte des Apostels Paulus sind sehr geeignet, um dem Empfinden, das ich als Nachfolger Petri und oberster Hirte der universalen Kirche euch gegenüber hege, Ausdruck zu verleihen. Ihr wisst wohl, wie sehr ihr in meinem Herzen und in meinen täglichen Gebeten gegenwärtig seid und wie stark die Bande der Gemeinschaft sind, die uns geistlich vereinen.
Anliegen des Briefes
   2. Ich möchte daher euch allen den Ausdruck meiner brüderlichen Nähe zukommen lassen. Groß ist die Freude über eure Treue zu Christus, dem Herrn, und zur Kirche, eure Treue, die ihr »manchmal sogar unter Inkaufnahme großen Leids« [1] gezeigt habt, »denn euch wurde die Gnade zuteil, für Christus dazusein, also nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch seinetwegen zu leiden« Phil 1,29. Dennoch besteht auch Anlass zur Sorge hinsichtlich einiger wichtiger Aspekte des kirchlichen Lebens in eurem Land.
  Ohne jedes Detail der komplexen Problemkreise, die euch gut bekannt sind, behandeln zu wollen, möchte ich mit diesem Brief einige Orientierungspunkte in bezug auf das Leben der Kirche und das Werk der Evangelisierung in China geben, um euch zu helfen, das zu entdecken, was der Herr und Meister Jesus Christus, »der Schlüssel, der Mittelpunkt und das Ziel der ganzen Menschheitsgeschichte« [2], von euch will.

ERSTER TEIL: DIE LAGE DER KIRCHE. THEOLOGISCHE ASPEKTE
Globalisierung, Modernität und Atheismus

   3. Bei einer aufmerksamen Betrachtung eures Volkes, das sich unter den anderen Völkern Asiens durch den Glanz seiner jahrtausendealten Kultur mit all ihrer Weisheit und philosophischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Erfahrung ausgezeichnet hat, freut es mich festzustellen, wie es sich besonders in jüngster Zeit angeschickt hat, bedeutende Ziele des wirtschaftlich-sozialen Fortschritts zu erreichen, und dabei das Interesse der ganzen Welt auf sich zieht.
   Wie schon mein verehrter Vorgänger Papst Johannes Paul II. betont hat, »[verfolgt] die katholische Kirche ... ihrerseits mit Hochachtung diesen erstaunlichen Elan und die vorausblickende Planung von Initiativen und bietet diskret ihren Beitrag an bei der Förderung und Verteidigung der menschlichen Person, ihrer Werte, ihrer Spiritualität und ihrer transzendenten Berufung. Der Kirche liegen bestimmte Werte und Zielsetzungen, die auch für das moderne China von erstrangiger Bedeutung sind, besonders am Herzen: Solidarität, Friede, soziale Gerechtigkeit, ein intelligentes Umgehen mit dem Globalisierungsphänomen.« [3]
   Das Streben nach der gewünschten und notwendigen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung und die Suche nach Modernität werden von zwei verschiedenen, gegensätzlichen Phänomenen begleitet, die aber gleichermaßen mit Klugheit und positivem apostolischem Geist zu beurteilen sind. Auf der einen Seite merkt man, besonders unter den Jugendlichen, ein zunehmendes Interesse an der spirituellen und transzendenten Dimension der menschlichen Person mit einem daraus folgenden Interesse an Religion, insbeson- dere am Christentum. Auf der anderen Seite spürt man auch in China den Trend zum Materialismus und zum Hedonismus, die dabei sind, sich von den großen Städten aus auf das ganze Land auszubreiten.[4]
   In diesem Kontext, in dem zu arbeiten ihr gerufen seid, möchte ich euch daran erinnern, wie sehr Papst Johannes Paul II. mit lauter und kraftvoller Stimme betont hat: Die Neuevangelisierung verlangt nach der Verkündigung des Evangeliums [5] an den modernen Menschen im Bewusstsein, dass so, wie das Kreuz während des ersten Jahrtausends in Europa und während des zweiten in Amerika und Afrika eingepflanzt wurde, während des dritten Jahrtausends eine große Ernte des Glaubens auf dem weiten und lebendigen asiatischen Kontinent eingebracht werden wird. [6]
   »Duc in altum’’ Lk 5,4. Dieses Wort erklingt heute für uns und lädt uns ein, dankbar der Vergangenheit zu gedenken, leidenschaftlich die Gegenwart zu leben und uns vertrauensvoll der Zukunft zu öffnen: „Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit’’ Hebr 13,8.« [7] Auch die Kirche in China ist dazu berufen, Zeugin Christi zu sein, mit Hoffnung nach vorn zu schauen und sich – in der Verkündigung des Evangeliums – mit den neuen Herausforderungen zu messen, die das chinesische Volk angehen muss.
   Noch einmal hilft uns das Wort Gottes, den geheimnisvollen und tiefen Sinn des Weges der Kirche in der Welt zu entdecken. Denn »eine der Hauptvisionen der Offenbarung hat [das] Lamm zum Gegenstand: Es ist im Begriff, ein Buch zu öffnen, das zuvor mit sieben Siegeln verschlossen war, die niemand lösen konnte. Es wird sogar gesagt, dass Johannes weint, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen und es zu lesen vgl. Offb 5,4. Die Geschichte kann nicht entschlüsselt werden, sie bleibt unverständlich. Niemand kann sie lesen. Vielleicht ist dieses Weinen des Johannes vor dem dunklen Geheimnis der Geschichte Ausdruck der Erschütterung der Gemein- den Asiens aufgrund des Schweigens Gottes angesichts der Verfolgungen, denen sie in jener Zeit ausgesetzt waren. Es ist eine Erschütterung, in der sich auch unsere Bestürzung widerspiegelt angesichts der großen Schwierigkeiten, dem Unverständnis und der Feindseligkeit, die die Kirche auch heute in verschiedenen Teilen der Welt erleidet. Es sind Leiden, die die Kirche sicher nicht verdient hat, so wie Jesus selbst seine Hinrichtung nicht verdient hat. Sie enthüllen jedoch sowohl die Bosheit des Menschen, wenn er den Versuchungen des Bösen erliegt, als auch die höhere Führung der Ereignisse durch Gott.« [8]
   Heute wie gestern bedeutet das Evangelium verkünden, den gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus, den neuen Menschen, den Sieger über Sünde und Tod, zu verkünden und zu bezeugen. Er erlaubt den Menschen, in eine neue Dimension einzutreten, wo die Barmherzigkeit und die Liebe, die auch dem Feind gelten, den Sieg des Kreuzes über alle menschliche Schwachheit und alles menschliche Elend bezeugen. Auch in eurem Land wird die Verkündigung des gekreuzigten und auferstandenen Christus in dem Maß möglich sein, in dem ihr in Treue zum Evangelium und in Gemeinschaft mit dem Nachfolger des Apostels Petrus und mit der universalen Kirche die Zeichen der Liebe und der Einheit zu verwirklichen wisst (»Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt. [...] Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast«: Joh 13,34- 35; 17,21.
Bereitschaft zu einem respektvollen und konstruktiven Dialog
 
4. Als oberster Hirte der universalen Kirche möchte ich meinen innigen Dank an den Herrn für das Zeugnis der Treue zeigen, das die katholische Gemeinde in China unter wirklich schwierigen Umständen und im Leiden gegeben hat. Zugleich verspüre ich als meine innerste und unverzichtbare Pflicht und als Ausdruck meiner Vaterliebe die Dringlichkeit, die chinesischen Katholiken im Glauben zu bestärken und ihre Einheit mit den der Kirche eigenen Mitteln zu fördern.
  Mit besonderem Interesse verfolge ich auch die Geschehnisse des ganzen chinesischen Volkes, dem gegenüber ich große Wertschätzung hege und für das ich Freundschaft empfinde, bis hin zu dem Wunsch, »dass bald konkrete Wege der Verständigung und der Zusammenarbeit zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China geschaffen werden«, denn »Freundschaft nährt sich durch Kontakte, durch geteilte Empfindungen in freudigen und traurigen Situationen, durch Solidarität, durch gegenseitige Hilfe« [9]. Und in dieser Blickrichtung hat mein verehrter Vorgänger hinzugefügt: »Es ist für niemanden ein Geheimnis, dass der Heilige Stuhl im Namen der ganzen katholischen Kirche und – so glaube ich – zum Vorteil der gesamten Menschheit die Eröffnung einer Möglichkeit zum Dialog mit den Behörden der Volksrepublik China anstrebt, um hierdurch die Missverständnisse der Vergangenheit zu überwinden und sich dann gemeinsam für das Wohl des chinesischen Volkes und für den Frieden in der Welt einzusetzen.« [10]
   Ich bin mir bewusst, dass eine Normalisierung der Beziehungen mit der Volksrepublik China Zeit erfordert und guten Willen auf beiden Seiten voraussetzt. Der Heilige Stuhl bleibt seinerseits stets für Verhandlungen offen, die notwendig sind, um die gegenwärtige schwierige Zeit zu überwinden. Diese drückende Situation von Missver ständnissen und von Unverständnis nützt in der Tat weder den chinesischen Autoritäten noch der katholischen Kirche in China. Wie Papst Johannes Paul II., daran erinnernd, was Pater Matteo Ricci aus Beijing schrieb [11], erklärte, »erwartet auch die heutige katholische Kirche von China und von seinen politisch Verantwortlichen keine Privilegien, sondern nur, den Dialog wiederaufnehmen zu können, um zu Beziehungen gegenseitiger Achtung und vertiefter Kenntnis zu gelangen« [12]. China möge wissen: Die katholische Kirche hat die feste Absicht, noch ein- mal einen bescheidenen und uneigennützigen Dienst in den ihr zukommendenDingen zum Wohl der chinesischen Katholiken und aller Bewohner des Landes anzubieten.
   Was die Beziehungen zwischen der politischen Gemeinschaft und der Kirche in China betrifft, ist es hilfreich, an die erhellende Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils zu erinnern, das erklärt hat:»Die Kirche, die in keiner Weise hinsichtlich ihrer Aufgabe und Zuständigkeit mit der politischen Gemeinschaft verwechselt werden darf noch auch an irgendein politisches System gebunden ist, ist zugleich Zeichen und Schutz der Transzendenz der menschlichen Person«. Und es fährt so fort: »Die politische Gemeinschaft und die Kirche sind auf je ihrem Gebiet voneinander unabhängig und autonom. Beide aber dienen, wenn auch in verschiedener Begründung, der persönlichen und der gesellschaftlichen Berufung der gleichen Menschen. Diesen Dienst können beide zum Wohl aller um so wirksamer leisten, je mehr und besser sie rechtes Zu- sammenwirken miteinander pflegen; dabei sind jeweils die Umstände von Ort und Zeit zu berücksichtigen.« [13]
   Daher hat auch die katholische Kirche in China die Sendung, nicht die Struktur oder die Verwaltung des Staates zu ändern, sondern den Menschen Christus, den Retter der Welt, zu verkünden. Dabei stützt sie sich – in der Erfüllung ihres eigenen Apostolats – auf die Kraft Gottes. Wie ich in meiner Enzyklika Deus caritas est in Erinnerung gerufen habe, »kann nicht und darf nicht [die Kirche] den politischen Kampf an sich reißen, um die möglichst gerechte Gesellschaft zu verwirklichen. Sie kann und darf nicht sich an die Stelle des Staates setzen. Aber sie kann und darf im Ringen um Gerechtigkeit auch nicht abseits bleiben. Sie muss auf dem Weg der Argumentation in das Ringen der Vernunft eintreten, und sie muss die seelischen Kräfte wecken, ohne die Gerechtigkeit, die immer auch Verzichte verlangt, sich nicht durchsetzen und nicht gedeihen kann. Die gerechte Gesellschaft kann nicht das Werk der Kirche sein, sondern muss von der Politik geschaffen werden. Aber das Mühen um die Gerechtigkeit durch eine Öffnung von Erkenntnis und Willen für die Erfordernisse des Guten geht sie zutiefst an.« [14]
   Im Lichte dieser unverzichtbaren Grundsätze kann die Lösung der bestehenden Probleme nicht durch einen andauernden Konflikt mit den legitimen zivilen Autoritäten angestrebt werden; zugleich ist aber eine Fügsamkeit ggenüber denselben nicht annehmbar, wenn diese sich unrechtmäßig in Angelegenheiten einmischen, die den Glauben und die Disziplin der Kirche betreffen. Die zivilen Autoritäten sind sich wohl bewusst, dass die Kirche in ihrer Lehre die Gläubigen dazu auffordert, gute Bürger, respektvolle und aktive Mitarbeiter des Gemeinwohls in ihrem Land zu sein. Aber es ist ebenso klar, dass sie vom Staat verlangt, diesen katholischen Bürgern die volle Ausübung ihres Glaubens unter der Achtung einer echten Religionsfreiheit zu gewährleisten.
Gemeinschaft unter den Teilkirchen in der Universalkirche
   5. Katholische Kirche in China, du kleine Herde, die du lebst und tätig bist in der Weite eines riesigen Volkes, das in der Geschichte unterwegs ist, wie ermutigend und auffordernd klingen für dich die Worte Jesu: »Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben« Lk 12,32!  »Ihr seid das Salz der Erde, [...] das Licht der Welt«: Daher »soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen« Mt 5,13.14.16.
   In der katholischen Kirche in China wird die Universalkirche gegenwärtig, die Kirche Christi, die wir im Credo als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen, das heißt die universale Gemeinschaft der Jünger des Herrn.
   Wie ihr wisst, wurzelt die tiefe Einheit, die die in China bestehenden Teilkirchen untereinander verbindet und die sie auch in eine enge Gemeinschaft mit den anderen Teilkirchen in aller Welt stellt, außer in demselben Glauben und in der gemeinsamen Taufe vor allem in der Eucharistie und im Bischofsamt. [15] Die Einheit des Episkopats, von der »der Bischof von Rom [...] als Nachfolger Petri das immerwährende, sichtbare Prinzip und Fundament [ist]« [16], dauert durch die Jahrhunderte vermittels der apostolischen Nachfolge fort und ist auch das Fundament der Identität der Kirche einer jeden Zeit mit der Kirche,  die Christus auf Petrus und auf die anderen Apostel gebaut hat. [17]
   Die katholische Lehre besagt, dass der Bischof sichtbares Prinzip und Fundament der Einheit in der seinem Hirtendienst anvertrauten Teilkirche ist. [18] Aber damit jede Teilkirche im vollen Sinne Kirche ist, muss in ihr die höchste Autorität der Kirche, das heißt das Bischofskollegium gemeinsam mit seinem Haupt, dem Bischof von Rom, und niemals ohne dieses Haupt, gegenwärtig sein. Daher gehört der Dienst des Nachfolgers Petri »von innen her« [19] zum Wesen jeder Teilkirche. Ferner sind die Gemeinschaft aller Teilkirchen in der einen katholischen Kirche und folglich die geordnete hierarchische Gemeinschaft aller Bischöfe, der Nachfolger der Apostel, mit dem Nachfolger Petri die Gewährleistung der Einheit des Glaubens und des Lebens aller Katholiken. Daher ist es für die Einheit der Kirche in den einzelnen Nationen unerlässlich, dass jeder Bischof mit den anderen Bischöfen in Gemeinschaft steht und dass alle Bischöfe mit dem Papst in sichtbarer und konkreter Gemeinschaft stehen.
   Niemand in der Kirche ist ein Fremder, sondern alle sind Bürger desselben Volkes, Glieder desselben mystischen Leibes Christi. Das Band sakramentaler Einheit ist die Eucharistie, die durch den Dienst des Bischofs und der Priester gewährleistet ist. [20]
   Die ganze Kirche in China ist dazu berufen, diese Einheit in einer reicheren Spiritualität der Gemeinschaft zu leben und deutlich zu machen, die unter Berücksichtigung der konkreten komplexen Lage, in der sich die katholische Gemeinde befindet, auch in einer harmonischen hierarchischen Gemeinschaft wachsen möge. Daher sind Hirten und Gläubige gerufen, das, was zur Lehre und Tradition der Kirche gehört, zu verteidigen und zu schützen.
Spannungen und Spaltungen innerhalb der Kirche: Vergebung und Versöhnung
  6. Als er sich mit dem Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte an die ganze Kirche wandte, sagte mein verehrter Vorgänger Papst Johannes Paul II.: Ein »andere[r] große[r] Bereich, wo sich ein entschlossenes Engagement für die Planung auf der Ebene der Gesamtkirche und der Teilkirchen ausdrücken muss, ist die Gemeinschaft koinonía, communio, die das eigentliche Wesen des Geheimnisses der Kirche verkörpert und deutlich macht. Die Gemeinschaft ist Frucht und sichtbarer Ausdruck jener Liebe, die aus dem Herzen des ewigen Vaters entspringt und durch den Geist, den Jesus schenkt vgl. Röm 5,5, in uns ausgegossen wird, um aus uns allen “ein Herz und eine Seele’’ Apg 4,32 zu machen. Durch die Verwirklichung dieser Liebesgemeinschaft offenbart sich die Kirche als „Sakrament’’, das heißt als „Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit’’. Die Worte, die der Herr dafür findet, sind zu klar, als dass man ihre Bedeutung unter- schätzen könnte. Wenn die Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit auch im neuen Jahrhundert viele Dinge braucht, ohne die Liebe agape wäre alles umsonst. Der Apostel Paulus selbst erinnert uns daran in seinem Hymnus an die Liebe: Auch wenn wir in den Sprachen der Menschen und Engel redeten und einen Glauben hätten, “um damit Berge zu versetzen’’, hätten aber die Liebe nicht, wäre alles „nichts’’ vgl. 1 Kor 13,2. Die Liebe ist wirklich das „Herz’’ der Kirche.« [21]
   Diese Hinweise, die die Natur selbst der Universalkirche betreffen, haben eine besondere Bedeutung für die Kirche in China. In der Tat entgehen euch nicht die Probleme, mit denen sie sich momentan auseinandersetzt, um – in ihrem Inneren und in ihren Beziehungen mit der bürgerlichen Gesellschaft Chinas – Spannungen, Spaltungen und Schuldzuweisungen zu überwinden.
   Was dieses Thema betrifft, hatte ich schon im Vorjahr bei einer Ansprache über die Anfänge der Kirche Gelegenheit, daran zu erinnern, dass »die Gemeinschaft der Jünger von Anfang an nicht nur die Freude des Heiligen Geistes, die Gnade der Wahrheit und der Liebe [kennt], sondern auch die Prüfung, die vor allem in Gegensätzen bezüglich der Glaubenswahrheiten und daraus entstehenden Spaltungen in der Gemeinschaft besteht. So wie es die Gemeinschaft der Liebe von Anfang an gab und bis ans Ende geben wird vgl.1 Joh 1, 1ff, so kommt es leider auch von Anfang an zur Spaltung. Wir dürfen uns nicht darüber wundern, dass es sie auch heute gibt. [...] Es besteht also in den Geschehnissen der Welt und auch in den Schwächen der Kirche immer die Gefahr, den Glauben und damit auch die Liebe und die Brüderlichkeit zu verlieren. Derjenige, der an die Kirche der Liebe glaubt und in ihr leben will, hat daher die Pflicht, auch diese Gefahr zu erkennen.« [22]
   Die Geschichte der Kirche lehrt uns außerdem, dass echte Gemeinschaft sich nicht ohne mühseliges Ringen um Versöhnung entfaltet. [23] Die Reinigung des Gedächtnisses, die Vergebung für den, der Böses getan hat, das Vergessen erlittenen Unrechts und die Aussöhnung der Herzen in der Liebe, die im Namen des gekreuzigten und auferstandenen Christus zu verwirklichen sind, können in der Tat die Überwindung von persönlichen Standpunkten und Ansichten, die schmerzlichen oder schwierigen Erfahrungen entspringen, erfordern; sie sind aber dringliche Schritte, die gesetzt werden müssen, um die Bande der Gemeinschaft zwischen den Gläubigen und den Hirten der Kirche in China zu vermehren und deutlich zu machen.
   Daher hatte schon mein verehrter Vorgänger mehrmals eine eindringliche Einladung zur Vergebung und Versöhnung an euch gerichtet. Diesbezüglich möchte ich gern an einen Abschnitt der Botschaft erinnern, die er euch in zeitlicher Nähe zum Heiligen Jahr 2000 gesandt hat: »In eurer Vorbereitung auf die Abhaltung des Großen Jubiläumsjahres dürft ich nicht vergessen, dass in der biblischen Tradition eine solche Zeit immer die Verpflichtung zum gegenseitigen Schuldenerlass, zur Wiedergutmachung von begangenem Unrecht und zur Versöhnung mit dem Nachbarn mit sich brachte. Auch euch wurde die “große Freude” verkündet, die „allen Völkern zuteil wurde’’: die Liebe und Barmherzigkeit des Vaters, die in Christus erwirkte Erlösung. In dem Maße, wie ihr selbst bereit seid, diese freudige Kunde anzunehmen, werdet ihr sie auch durch euer Leben allen Männern und Frauen an eurer Seite vermitteln können. Mein sehnlichster Wunsch ist, dass ihr den inneren Eingebungen des Heiligen Geistes nachkommt und euch gegenseitig all das vergebt, was zu vergeben ist, euch einander näherkommt, euch gegenseitig akzeptiert und alle Barrieren überwindet, um all das zu umgehen, was euch trennen kann. Vergesst die Worte Jesu beim Letzten Abendmahl nicht: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt’’ Joh 13,35. Ich habe mit Freude vernommen, dass das wert- vollste Geschenk, das ihr zur Feier des Großen Jubiläumsjahres anbieten wollt, die Einheit unter euch und mit dem Nachfolger Petri sein soll. Ein solches Vorhaben kann nur die Frucht des Geistes sein, der seine Kirche auf die nicht leichten Wege der Versöhnung und Einheit führt.« [24]
   Wir alle sind uns der Tatsache bewusst, dass dieser Weg sich nicht von heute auf morgen erfüllen können wird, aber seid gewiss, dass die ganze Kirche für euch in diesem Anliegen beharrlich betet.
  Berücksichtigt ferner, dass euer Weg der Versöhnung vom Beispiel und vom Gebet vieler »Glaubenszeugen« getragen wird, die gelitten und vergeben haben, während sie ihr Leben für die Zukunft der Kirche in China hingegeben haben. Ihre Existenz selbst stellt einen ständigen Segen für euch beim himmlischen Vater dar und ihr Andenken wird es nicht an reichen Früchten fehlen lassen.
Kirchliche Gemeinschaften und staatliche Organe: in Wahrheit und Liebe zu lebende Beziehungen
7. Eine sorgfältige Analyse der schon erwähnten schmerzlichen Situation starker Gegensätze vgl. Nr. 6, von der gläubige Laien und Hirten betroffen sind, stellt unter den verschiedenen Ursachen die wichtige Rolle heraus, die von jenen Organen und Einrichtungen wahrgenommen wird, die als Hauptverantwortliche des Lebens der katholischen Gemeinschaft durchgesetzt worden sind. In der Tat ist noch heute die Anerkennung durch diese Organe und Einrichtungen das Kriterium, um eine Gemeinde, eine Person oder einen religiösen Ort als legal und somit »offiziell« zu erklären. Das alles hat Spaltungen sowohl im Klerus als auch unter den Gläubigen verursacht. Dies ist eine Situation, die vor allem von Faktoren außerhalb der Kirche abhängt, die aber ernsthaft ihren Weg konditi- oniert hat, indem sie Anlass zu Verdächtigungen, zu gegenseitigen Beschuldigungen und Anzeigen gibt, und die weiterhin eine besorgniserregende Schwäche der Kirche darstellt.
   Hinsichtlich der delikaten Frage nach den mit den Organen des Staates zu unterhaltenden Beziehungen ist besonders die Einladung des Zweiten Vatikanischen Konzils erhellend, dem Wort und der Handlungsweise Jesu Christi zu folgen. Denn »er lehnte es ab, ein politischer Messias zu sein, der äußere Machtmittel anwendet. [25] Statt dessen zog er es vor, sich den Menschensohn zu nennen, der gekommen ist, „um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für die vielen’’ Mk 10,45. Er erwies sich als der voll- kommene Gottesknecht [26], der „das geknickte Rohr nicht zerbricht und den glimmenden Docht nicht auslöscht’’ Mt 12,20. Die staatliche Gewalt und ihre Rechte erkannte er an, als er befahl, dem Kaiser Steuer zu zahlen, mahnte aber deutlich, dass die höheren Rechte Gottes zu wahren seien: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist’’ Mt 22,21. Schließlich hat er durch das Erlösungswerk am Kreuz, um den Menschen das Heil und die wahre Freiheit zu erwerben, seine Offenbarung zur Vollendung gebracht. Er gab der Wahrheit Zeugnis [27], und dennoch wollte er sie denen, die ihr widersprachen, nicht mit Gewalt aufdrängen. Sein Reich wird ja nicht mit dem Schwert beschützt [28], sondern wird gefestigt im Bezeugen und Hören der Wahrheit und wächst in der Kraft der Liebe, in der Christus, am Kreuz erhöht, die Menschen an sich zieht vgl. Joh 12,32.« [29]
   Wahrheit und Liebe sind die zwei tragenden Säulen des Lebens der christlichen Gemeinschaft. Aus diesem Grund habe ich daran erinnert: »Die Kirche der Liebe ist auch die Kirche der Wahrheit, vor allem im Sinne der Treue zum Evangelium, das der Herr Jesus den Seinen anvertraut hat. [...] Um aber in Einheit und Frieden zu leben, braucht die Familie der Kinder Gottes jemanden, der sie in der Wahrheit bewahrt und sie mit weisem und maßgebendem Unterscheidungsvermögen führt: Dies zu tun, ist die Aufgabe, zu der das Apostelamt berufen ist. Und hier kommen wir zu einem wichtigen Punkt. Die Kirche ist ganz aus dem Heiligen Geist; sie besitzt aber eine Struktur, die Apostolische Sukzession, der die Verantwortung obliegt, zu gewährleisten, dass die Kirche in der von Christus geschenkten Wahrheit bleibt, aus der auch die Fähigkeit zur Liebe kommt. [...] Die Apostel und ihre Nachfolger sind daher die Bewahrer und maßgeblichen Zeugen des der Kirche übergebenen Gutes der Wahrheit, so wie sie auch die Diener der Liebe sind: zwei Aspekte, die zusammengehören. [...] Die Wahrheit und die Liebe sind zwei Gesichter derselben Gabe, die von Gott kommt und die dank des apostolischen Dienstes in der Kirche bewahrt wird und uns bis in unsere Gegen- wart hinein erreicht!.« [30]
  Das Zweite Vatikanische Konzil betont daher: »Achtung und Liebe sind auch denen zu gewähren, die in gesellschaftlichen, politischen oder auch religiösen Fragen anders denken oder handeln als wir. Je mehr wir in Menschlichkeit und Liebe inneres Verständnis für ihr Denken aufbringen, desto leichter wird es für uns, mit ihnen ins Gespräch zu kommen«. Dasselbe Konzil mahnt uns jedoch: »Diese Liebe und Güte dürfen uns aber keineswegs gegenüber der Wahrheit und dem Guten gleichgültig machen.« [31]
   Wenn wir den »ursprünglichen Plan Jesu« [32] betrachten, stellt sich klar heraus, dass der Anspruch einiger vom Staat gewollter und der Struktur der Kirche fremder Organe und Einrichtungen, der darin besteht, sich über die Bischöfe selbst zu stellen und das Leben der kirchlichen Gemeinde zu lenken, nicht der katholischen Lehre entspricht, nach der die Kirche »apostolisch« ist, wie es auch das Zweite Vatikanische Konzil bekräftigt hat. Die Kirche ist apostolisch »aufgrund ihres Ursprungs, da sie „auf das Fundament der Apostel’’ gebaut ist Eph 2,20; aufgrund ihrer Lehre, welche die Lehre der Apostel ist; und aufgrund ihrerStruktur, weil sie bis zur Wiederkunft Christi von den Aposteln belehrt, geheiligt und geleitet wird – und zwar durch ihre Nachfolger, die Bischöfe in Gemeinschaft mit dem Nachfolger des Petrus.«[33] In jeder Teilkirche »weidet« daher nur »der Diözesanbischof ... im Namen des Herrn die ihm als dem eigentlichen, ordentlichen und unmittelbaren Hirten anvertraute Herde« [34], und auf nationaler Ebene kann nur eine rechtmäßige Bischofskonferenz pastorale Orientierungen aufstellen, die für die ganze katholische Gemeinschaft des betreffenden Landes Geltung besitzen. [35]
   Auch das erklärte Ziel der oben genannten Stellen, das darin besteht, »die Prinzipien der Unabhängigkeit und Autonomie, der Selbstverwaltung und der demokratischen Administration« [36] zu verwirklichen, ist mit der katholischen Lehre unvereinbar,  die beginnend mit den antiken Glaubensbekenntnissen die Kirche als »eine, heilige, katholische und apostolische« bekennt.
   Im Lichte der oben dargelegten Prinzipien werden sich die Hirten und die gläubigen Laien daran erinnern, dass die Verkündigung des Evangeliums, die Katechese und das karitative Wirken, die Liturgie und der Kult sowie alle pastoralen Entscheidungen einzig den Bischöfen gemeinsam mit ihren Priestern in der bleibenden Kontinuität des Glaubens, der von den Aposteln in den Heiligen Schriften und durch die Tradition überliefert worden ist, zustehen und daher keiner Einmischung von außen unterliegen dürfen.
  In Anbetracht dieser schwierigen Situation fragen sich nicht wenige Glieder der katholischen Gemeinschaft, ob nicht die Anerkennung seitens der zivilen Autoritäten – die für das öffentliche Wirken erforderlich ist – irgendwie die Gemeinschaft mit der Universalkirche kompromittiert. Ich weiß gut, dass diese Problematik die Herzen der Hirten und der Gläubigen schmerzlich beunruhigt. Diesbezüglich bin ich zunächst der Ansicht, dass die notwendige und entschiedene Bewahrung des Glaubensgutes und der sakramentalen und hierarchischen Gemeinschaft an und für sich dem Dialog mit den Autoritäten über jene Aspekte des kirchlichen Lebens, die in den zivilen Bereich fallen, nicht entgegensteht. Daher bestehen dann keine besonderen Schwierigkeiten für die Annahme der von den zivilen Autoritäten erlassenen Anerkennung, wenn die Bedingung erfüllt ist, dass eine solche staatliche Anerkennung nicht die Leugnung unverzichtbarer Prinzipien des Glaubens und der kirchlichen Gemeinschaft mit sich bringt. In nicht wenigen konkreten Fällen jedoch, wenn nicht sogar fast immer, greifen im Anerkennungsverfahren Organe und Einrichtungen ein, die die beteiligten Personen dazu verpflichten, Haltungen anzunehmen, Handlungen zu setzen und Aufgaben zu übernehmen, die dem, was das Gewissen eines Katholiken gebietet, entgegengesetzt sind. Ich verstehe daher, wie schwer es fällt, unter solch verschiedenen Bedingungen und Umständen die richtige Entscheidung zu treffen. Aus diesem Grund überlässt der Heilige Stuhl – nachdem er erneut die Prinzipien dargelegt hat – die Entscheidung dem einzelnen Bischof, der, nach Anhörung seines Presbyteriums, besser imstande ist, die örtliche Situation zu kennen, die konkreten Wahlmöglichkeiten abzuwägen und die eventuellen Folgen innerhalb der diözesanen Gemeinschaft einzuschätzen. Es könnte sein, dass am Ende seine Entscheidung nicht die Zustimmung aller Priester und Gläubigen findet. Ich wünsche mir jedoch, dass sie Annahme findet, auch wenn dies unter Leid geschieht, und dass die Einheit der diözesanen Gemeinschaft mit dem eigenen Hirten aufrecht erhalten wird.
   Schließlich wird es gut sein, dass Bischöfe und Priester sich mit wahrem Hirtenherzen mit allen Mitteln darum bemühen, keinen Anlass zu anstoßerregenden Situationen zu geben, indem sie die Gelegenheiten nutzen, um das Gewissen der Gläubigen zu bilden, und dabei besondere Aufmerksamkeit gegenüber den schwächeren Gliedern walten lassen: All dies soll in der Gemeinschaft und in brüderlichem Verständnis sowie unter Vermeidung von Urteilen und gegenseitigen Verurteilungen gelebt werden. Auch in diesem Fall muss man berücksichtigen, dass es für die Beurteilung der Sittlichkeit einer Handlung – insbesondere beim Fehlen eines wahren Freiheitsraumes – notwendig ist, außer dem objektiven Fehler mit besonderer Sorgfalt die tatsächlichen Absichten der betroffenen Person zu kennen. Jeder Fall wird daher einzeln unter Berücksichtigung der Umstände eingehend geprüft werden müssen.
Der chinesische Episkopat
   8. In der Kirche, dem Volk Gottes, steht allein den geweihten Amtsträgern, die nach einer angemessenen Ausbildung und Formung in rechter Weise die heilige Weihe empfangen haben, die Ausübung des Amtes »des Lehrens, des Heiligens und des Leitens« zu. Die gläubigen Laien können mit der kanonischen Beauftragung durch den Bischof einen nützlichen kirchlichen Dienst bei der Weitergabe des Glaubens leisten.
   In den letzten Jahren seid ihr, liebe Brüder im Bischofsamt, aus verschiedenen Gründen auf Schwierigkeiten gestoßen, da im Namen verschiedener staatlicher Organe nicht »geweihte« – zuweilen auch nicht getaufte – Personen Entscheidungen in wichtigen kirchlichen Fragen kontrollieren und treffen, einschließlich der Ernennung von Bischöfen. Folglich ist es zu einer Abwertung des Petrus- und des Bischofsamtes aufgrund einer Sicht der Kirche gekommen, nach welcher der Papst, die Bischöfe und die Priester Gefahr laufen, de facto Personen ohne Amt und ohne Amtsgewalt zu werden. Hingegen sind das Petrus- und das Bischofsamt, wie schon gesagt wurde, wesenliche und integrale Bestandteile der katholischen Lehre über die sakramentale Struktur der Kirche. Diese Natur der Kirche ist eine Gabe des Herrn Jesus, denn »er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi. So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen« Eph 4, 11-13.
   Die Gemeinschaft und die Einheit – es sei mir gestattet, dies hier zu wiederholen vgl. Nr. 5 – sind wesentliche und integrale Bestandteile der Kirche. Daher ist der Plan einer – im religiösen Bereich – vom Heiligen Stuhl »unabhängigen« Kirche unvereinbar mit der katholischen Lehre.
   Ich bin mir der großen Schwierigkeiten bewusst, denen ihr in der oben genannten Situation begegnen müsst, um Christus, seiner Kirche und dem Nachfolger Petri treu zu bleiben. Indem ich euch daran erinnere, dass – wie schon der heilige Paulus sagte vgl. Röm 8,35-39– keine Schwierigkeit uns von der Liebe Christi scheiden kann, vertraue ich darauf, dass ihr im Vertrauen auf die Gnade des Herrn alles Mögliche zu tun wisst, um die Einheit und die kirchliche Gemeinschaft auch unter Inkaufnahme großer Opfer zu bewahren.
  Viele Mitglieder des chinesischen Episkopats, die in den letzten Jahrzehnten die Kirche geleitet haben, gaben – und geben – den eigenen Gemeinden und der Universalkirche ein leuchtendes Zeugnis. Noch einmal komme aus dem Herzen ein Hymnus des Lobes und des Dankes an den »obersten Hirten« der Herde 1 Petr 5,4: Man kann in der Tat nicht vergessen, dass viele von ihnen Verfolgung erlitten haben und in der Ausübung ihres Amtes be- hindert wurden und dass einige von ihnen die Kirche mit dem Vergießen des eigenen Blutes fruchtbar gemacht haben. Die neuen Zeiten und die sich daraus ergebende Herausforderung der Neuevangelisierung heben die Funktion des bischöflichen Dienstes hervor. Wie Papst Johannes Paul II. den Hirten, die aus allen Teilen der Welt zur Heiligjahrfeier nach Rom gekommen waren, sagte, »trägt [an erster Stelle] der Bischof die Verantwortung, und er belebt die kirchliche Gemeinschaft sowohl im Streben nach Gemeinschaft als auch in ihren missionarischen Vorhaben. Angesichts des Relativismus und Subjektivismus, die so weite Bereiche der gegenwärtigen Kultur verschmutzen, sind die Bischöfe dazu berufen, die Einheit ihrer Gläubigen in der Lehre zu verteidigen und zu fördern. Achtsam und bemüht gegenüber allen Situationen, in denen der Glaube verlorengeht oder unbeachtet bleibt, setzen sich die Bischöfe mit aller Kraft für die Evangelisation ein. Sie bereiten Priester, Ordensleute und Laien auf diese Aufgabe vor und stellen die hierfür nötigen Mittel zur Verfügung.« [37]
    Bei demselben Anlass rief mein verehrter Vorgänger in Erinnerung, dass »der Bischof als Nachfolger der Apostel [jemand ist], für den Christus alles bedeutet. So kann er jeden Tag mit Paulus wiederholen: „Denn für mich ist Christus das Leben’’ Phil 1,21. Hierfür muss er mit seinem ganzen Dasein Zeugnis ablegen. Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt: “Ihrer apostolischen Aufgabe sollen sich die Bischöfe zuwenden als Zeugen Christi vor allen Menschen’’ Dekret Christus Dominus, 11.« [38]
   Hinsichtlich des bischöflichen Dienstes nehme ich die Gelegenheit wahr, um an das zu erinnern, was ich erst kürzlich gesagt habe: »Die Bischöfe [tragen] die erste Verantwortung dafür [...], dass die Kirche als Familie Gottes und als ein Ort der gegenseitigen Hilfe und der Dienstbereitschaft aufgebaut wird. Um diese Sendung erfüllen zu können, habt ihr mit der Bischofsweihe drei besondere Ämter erhalten: das munus docendi, das munus sancti- ficandi und das munus regendi, die zusammen das munus pascendi bilden. Insbesondere besteht die Zielsetzung des munus regendi im Wachstum der kirchlichen Gemeinschaft, das heißt im Aufbau einer Gemeinschaft, die einmütig festhält an der Lehre der Apostel, am Brechen des Brotes, an den Gebeten und an der Gemeinschaft. Das Leitungsamt – eben das munus egendi – ist eng mit den Ämtern des Lehrens und der Heiligung verbunden und bildet so für den Bischof einen wahren Akt der Liebe Gott und dem Nächsten gegenüber, der in der pastoralen Liebe zum Ausdruck kommt.« [39] Wie in der restlichen Welt, so wird auch in China die Kirche von Bischöfen geleitet, denen in der Bischofsweihe, die ihnen von anderen gültig geweihten Bischöfen erteilt wurde, zusammen mit dem Amt des Heiligens auch die Ämter des Lehrens und des Leitens des ihnen in den jeweiligen Teilkirchen anvertrauten Volkes übertragen wurden – mit der zugehörigen Amtsgewalt, die ihnen mittels der Gnade des Weihesakraments von Gott verliehen wurde. Die Ämter der Lehre und der Leitung»[können] jedoch ihrer Natur nach nur in der hierarchischen Gemeinschaft mit Haupt und Gliedern des [Bischofs-] Kollegiums ausgeübt wer- den« [40]. Denn – so legt dasselbe Zweite Vatikanische Konzil präzise dar – »Glied der Körperschaft der Bischöfe wird man durch die sakramentale Weihe und die hierarchische Gemeinschaft mit Haupt und Gliedern des Kolle- giums« [41].
   Gegenwärtig sind alle Bischöfe der katholischen Kirche in China Söhne des chinesischen Volkes. Trotz vieler und großer Schwierigkeiten ist die katholische Kirche in China durch eine besondere Gnade des Heiligen Geistes nie des Dienstes rechtmäßiger Hirten beraubt worden, die die Apostolische Sukzession intakt bewahrt haben. Wir müssen dem Herrn für diese beständige und leidgeprüfte Anwesenheit von Bischöfen danken, die die Bischofs- weihe in Übereinstimmung mit der katholischen Tradition empfangen haben, das heißt in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom, dem Nachfolger Petri, und durch gültig und rechtmäßig geweihte Bischöfe unter Beachtung des Ritus des katholischen Kirche.
   Einige von ihnen, die einer widerrechtlichen, über das Leben der Kirche ausgeübten Kontrolle nicht unterliegen wollten und wünschten, eine volle Treue zum Nachfolger Petri und zur katholischen Lehre zu bewahren, sahen sich gezwungen, sich im geheimen weihen zu lassen. Der Untergrund fällt nicht in die Normalität des Lebens der Kirche, und die Geschichte zeigt, dass Hirten und Gläubige dazu nur mit dem mit Leid verbundenen Wunsch greifen, den eigenen Glauben unversehrt zu bewahren und keine Einmischung von staatlichen Organen in Dingen zu dulden, die das Innerste des Lebens der Kirche berühren. Aus diesem Grund wünscht der Heilige Stuhl, dass diese rechtmäßigen Hirten als solche von den Regierungsautoritäten auch mit zivilrechtlichen Folgen anerkannt werden können – soweit diese erforderlich sind – und dass alle Gläubigen den eigenen Glauben im gesellschaftlichen Umfeld, in dem sie leben, frei zum Ausdruck bringen können.
   Andere Hirten hingegen haben unter dem Druck besonderer Umstände eingewilligt, die Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag zu empfangen, haben aber in der Folge darum gebeten, in die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und mit den anderen Brüdern im Bischofsamt aufgenommen werden zu dürfen. In Anbetracht der Aufrichtigkeit ihrer Gesinnung und der Vielschichtigkeit der Situation sowie unter Berücksichtigung der Meinung der Bischöfe in ihrer Nähe hat der Papst ihnen kraft der eigenen Verantwortung als oberster Hirte der universalen Kirche die volle und rechtmäßige Ausübung der bischöflichen Jurisdiktion gewährt. Diese Initiative des Papstes entsprang der Kenntnis der besonderen Umstände ihrer Weihe und seiner großen pastoralen Sorge, die Wiederherstellung der vollen Einheit zu fördern. Leider sind die Priester und die Gläubigen meistens nicht entsprechend über die erfolgte Legitimierung ihres Bischofs unterrichtet worden, und dies hat zu nicht wenigen und schweren Gewissensproblemen Anlass gegeben. Darüber hinaus haben einige legitimierte Bischöfe keine Gesten vollzogen, die die erfolgte Legitimierung deutlich unter Beweis gestellt hätten. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass die erfolgte Legitimierung zum geistlichen Wohl der betroffenen diözesanen Gemeinschaft in kurzer Zeit in die Öffentlichkeit gebracht wird und dass die legitimierten Bischöfe immer mehr unzweideutige Zeichen der vollen Einheit mit dem Nachfolger Petri setzen.
   Schließlich gibt es einige Bischöfe – in sehr beschränkter Zahl –, die ohne päpstlichen Auftrag geweiht wurden und die die notwendige Legitimierung nicht erbeten oder noch nicht erhalten haben. Gemäß der Lehre der katholischen Kirche sind sie als unrechtmäßige, aber gültig geweihte Bischöfe anzusehen, sofern die Gewissheit besteht, dass sie die Weihe von gültig geweihten Bischöfen empfangen haben und dass der katholische Ritus der Bischofsweihe eingehalten worden ist. Selbst wenn sie nicht in Gemeinschaft mit dem Papst stehen, üben sie daher ihren Dienst in der Spendung der Sakramente gültig aus, wenn auch in unrechtmäßiger Weise. Welch großer geistlicher Reichtum könnte der Kirche in China daraus erwachsen, wenn auch diese Hirten unter Einhaltung der notwendigen Bedingungen zur Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und mit dem ganzen katholischen Episkopat gelangten! Nicht nur ihr bischöflicher Dienst würde legitimiert werden, sondern auch ihre Gemeinschaft mit den Priestern und Gläubigen, die die Kirche in China als Teil der katholischen Kirche in Einheit mit dem Bischof von Rom und mit allen anderen Teilkirchen in der Welt betrachten, würde sich als tiefer erweisen.
   In den einzelnen Nationen bilden alle rechtmäßigen Bischöfe eine Bischofskonferenz, die nach einem eigenen Statut, das nach Vorgabe des kanonischen Rechts vom Apostolischen Stuhl approbiert werden muss, geleitet wird. Solch eine Bischofskonferenz bringt die brüderliche Gemeinschaft aller Bischöfe einer Nation zum Ausdruck und behandelt Fragen der Lehre und der Pastoral, die für die ganze katholische Ge- meinschaft im Land von Bedeutung sind, ohne sich aber in die Ausübung der ordentlichen und unmittelbaren Gewalt jedes Bischofs in seiner eigenen Diözese einzumischen. Ferner unterhält jede Bischofskonferenz angemessene und nützliche Kontakte mit den örtlichen zivilen Autoritäten, auch um die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat zu fördern. Dabei ist jedoch klar, dass eine Bischofskonferenz in Fragen des Glaubens und des glaubensgemäßen Lebens fides et mores, sakramentales Leben, die ausschließlich in die Zuständigkeit der Kirche fallen, keiner zivilen Autorität unterstellt sein kann.
  Im Lichte der oben dargelegten Prinzipien kann das Kollegium der katholischen Bischöfe Chinas [42] in seiner gegenwärtigen Form vom Apostolischen Stuhl nicht als Bischofskonferenz anerkannt werden: Die »Untergrundbischöfe«, das heißt die von der Regierung nicht anerkannten Bischöfe, die in Gemeinschaft mit dem Papst stehen, gehören ihm nicht an; es schließt Bischöfe ein, die weiterhin unrechtmäßig sind, und es richtet sich nach Statuten, die Elemente enthalten, die mit der katholischen Lehre unvereinbar sind.
Bischofsernennungen
  9. Wie euch allen bekannt ist, liegt eines der heikelsten Probleme in den Beziehungen des Heiligen Stuhls mit den Autoritäten eures Landes in der Frage der Bischofsernennungen. Einerseits kann man verstehen, dass die Regierungsautoritäten in Anbetracht der gesellschaftlichen Auswirkungen, die dieses Amt – in China wie in der restlichen Welt – auch im zivilen Bereich besitzt, bei der Auswahl derer aufmerken, die die wichtige Rolle der Leiter und Hirten der örtlichen katholischen Gemeinden ausüben werden. Andererseits verfolgt der Heilige Stuhl mit besonderer Sorgfalt die Ernennung der Bischöfe, weil diese das Herz des Lebens der Kirche selbst berührt, da die Ernennung der Bischöfe durch den Papst die Gewährleistung der Einheit der Kirche und der hierarchischen Gemeinschaft ist. Aus diesem Grund legt der Codex des kano- nischen Rechtes vgl. Canon 1382 schwere Strafen fest sowohl für den Bischof, der freiwillig die Bischofsweihe ohne apostolischen Auftrag spendet, als auch für den Empfänger: Eine solche Weihe stellt in der Tat eine schmerzhafte Wunde in der kirchlichen Gemeinschaft dar und ist eine schwere Verletzung der kano- nischen Ordnung.
   Wenn der Papst den apostolischen Auftrag zur Weihe eines Bischofs erteilt, übt er seine höchste geistliche Autorität aus – eine Autorität und ein Handeln, welche streng im religiösen Bereich angesiedelt bleiben. Es geht hier also nicht um eine politische Autorität, die sich unrechtmäßigerweise in die inneren Angelegenheiten eines Staates einmischen und seine Souveränität verletzen würde.
   Die Ernennung von Hirten für eine bestimmte religiöse Gemeinschaft wird auch in internationalen Dokumenten als ein konstitutives Element für die volle Ausübung des Rechts auf Religionsfreiheit verstanden.[43] Der Heilige Stuhl möchte bei der Ernennung der Bischöfe ganz frei sein; [44] daher hoffe ich in Anbetracht des in jüngerer Zeit beschrittenen besonderen Weges der Kirche in China darauf, dass eine Vereinbarung mit der Regierung gefunden werde, um einige Fragen sowohl bezüglich der Auswahl der Kandidaten für das Bischofsamt zu lösen als auch bezüglich der Bekanntgabe der Bischofsernennungen sowie der Anerkennung – für die, soweit notwendigen, zivil- rechtlichen Folgen – der neuen Bischöfe seitens der staatlichen Autoritäten.
   Schließlich möchte ich hinsichtlich der Auswahl der Kandidaten für das Bischofsamt, auch wenn ich eure diesbezüglichen Schwierigkeiten kenne, an die Notwendigkeit erinnern, dass diese würdige, von den Gläubigen geachtete und geliebte Priester und Vorbilder eines Lebens aus dem Glauben sein mögen und dass sie eine gewisse Erfahrung im seelsorglichen Dienst besitzen und daher besser geeignet sind, um der schweren Verantwortung eines Hirten der Kirche gerecht zu werden. [45] Falls es in einer Diözese unmöglich sein sollte, passende Kandidaten für die Besetzung des bischöflichen Stuhls zu finden, kann die Zusammenarbeit mit den Bischöfen der benachbarten Diözesen helfen, geeignete Kandidaten zu ermitteln.

ZWEITER TEIL: ORIENTIERUNGEN FÜR DAS PASTORALE LEBEN
Sakramente, Leitung der Diözesen, Pfarreien

  10. In letzter Zeit sind Schwierigkeiten aufgetreten im Zusammenhang mit Einzelinitiativen von Hirten, Priestern und gläubigen Laien, die, bewegt von einem großherzigen seelsorglichen Eifer, nicht immer die Aufgaben und Ver- antwortlichkeiten anderer beachtet haben.
   Diesbezüglich erinnert uns das Zweite Vatikanische Konzil daran, dass die einzelnen Bischöfe, wenn sie einerseits »als Glieder des Bischofskollegiums und rechtmäßige Nachfolger der Apostel ... aufgrund von Christi Stiftung und Vorschrift zur Sorge für die Gesamtkirche gehalten [sind]«, andererseits »ihr Hirtenamt über den ihnen anvertrauten Teil des Gottesvolkes, nicht über andere Kirchen und nicht über die Gesamtkirche aus[üben].« [46]
   Angesichts gewisser Probleme, die in den letzten Jahren in verschiedenen diözesanen Gemeinschaften aufgetreten sind, scheint es mir ferner eine Pflicht zu sein, an die kanonische Vorschrift zu erinnern, nach der jeder Kleriker in einer Teilkirche oder in einem Institut des gottgeweihten Lebens inkardiniert sein muss und seinen Dienst in Gemeinschaft mit dem Diözesanbischof ausüben muss. Nur aus gerechten Gründen kann ein Kleriker Dienst in einer anderen Diözese tun, aber immer nach vorheriger Vereinbarung der beiden Diözesanbischöfe, das heißt des Diözesanbischofs der Teilkirche, in der er inkardiniert ist, und des Bischofs jener Teilkirche, für deren Dienst er bestimmt wurde. [47]
   Ihr habt euch sodann bei nicht wenigen Anlässen die Frage nach der Konzelebration der Eucharistie gestellt. Diesbezüglich erinnere ich daran, dass diese als Bedingungen das Bekenntnis desselben Glaubens und die hierarchische Gemeinschaft mit dem Papst und mit der Universalkirche voraussetzt. Es ist daher legitim, mit Bischöfen und Priestern zu konzelebrieren, die in Gemeinschaft mit dem Papst stehen, auch wenn diese von den zivilen Autoritäten anerkannt sind und Beziehungen mit vom Staat gewollten, nicht zur kirchlichen Struktur gehörenden Organen und Einrichtungen unterhalten, vorausgesetzt – wie oben gesagt wurde vgl. Nr. 7, Absatz 8 –, dass die Anerkennung und die Beziehung nicht die Leugnung von unverzichtbaren Prinzipien des Glaubens und der kirchlichen Gemeinschaft mit sich bringen.
   Auch die gläubigen Laien, die von einer aufrichtigen Liebe zu Christus und zur Kirche beseelt sind, sollen nicht zögern, an der Eucharistie teilzunehmen, die von Bischöfen und Priestern gefeiert wird, die in voller Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri stehen und von den staatlichen Autoritäten anerkannt sind. Dasselbe gilt für alle anderen Sakramente.
  Immer im Licht der Prinzipien der katholischen Lehre müssen die Probleme gelöst werden, die mit jenen Bischöfen auftreten, die, wenn auch unter Einhaltung des katholischen Ritus der Bischofsweihe, jedoch ohne päpstlichen Auftrag geweiht worden sind. Ihre Weihe ist – wie ich schon gesagt habe vgl. Nr. 8, Absatz 12– unerlaubt, aber gültig, so wie die von ihnen erteilten Priesterweihen und auch die von solchen Bischöfen und Priestern gespendeten Sakramente gültig sind. Unter Berücksichtigung dessen müssen daher die Gläubigen für die Eucharistiefeier und die übrigen Sakramente nach Möglichkeit Bischöfe und Priester suchen, die in Gemeinschaft mit dem Papst stehen: Wenn dies nicht ohne schwere Unannehmlichkeiten für sie machbar sein sollte, können sie sich, wenn es ihr geistliches Wohl erfordert, auch an jene wenden, die nicht in Ge- meinschaft mit dem Papst stehen.
   Schließlich halte ich es für angebracht, eure Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was die kanonische Gesetzgebung vorsieht, um den Diözesanbischöfen bei der Erfüllung ihrer eigenen Hirtenaufgabe zu helfen. Jeder Diözesanbischof ist aufgefordert, von den unerlässlichen Mitteln der Gemeinschaft und der Zusammenarbeit innerhalb der diözesanen katholischen Gemeinschaft Gebrauch zu machen: die Diözesankurie, der Priesterrat, das Konsultorenkollegium, der Diözesanpastoralrat und der Diözesanvermögensverwaltungsrat. Diese Organe bringen die Gemeinschaft zum Ausdruck, sie fördern die Teilhabe an der gemeinsamen Verantwortung und sind von großer Hilfe für die Hirten, die sich in dieser Weise der brüderlichen Mitarbeit der Priester, der gottgeweihten Personen und der gläubigen Laien bedienen können.
   Dasselbe gilt für die verschiedenen Räte, die das kanonische Recht für die Pfarreien vorsieht: pfarrlicher Pastoralrat und pfarrlicher Vermögensverwaltungsrat.
   Sowohl für die Diözesen als auch für die Pfarreien heißt es, besonderes Augenmerk auf die zeitlichen – beweglichen und unbeweglichen – Güter der Kirche zu richten, die im zivilen Bereich auf den Namen der Diözese oder der Pfarrei und niemals auf den Namen einzelner Personen (das heißt des Bischofs, des Pfarrers oder einer Gruppe von Gläubigen) registriert werden müssen. Gleichzeitig behält die herkömmliche pastorale und missionarische Orientierung ihre volle Gültigkeit, die im Grundsatz »nihil sine Episcopo« zusammengefasst ist.
   Aus der Analyse der oben dargelegten Problemstellungen ergibt sich mit Deutlichkeit, dass eine wahre Lösung derselben in der Förderung der Gemeinschaft wurzelt, die von Christus, dem Abbild der Liebe des Vaters, der gleichsam ihre Quelle ist, Stärke und Schwung bezieht. Die Liebe, die immer über allem ist vgl.1 Kor 13,1-12, wird die Kraft und der Maßstab in der seelsorglichen Arbeit zum Aufbau einer kirchlichen Gemeinschaft sein, die den auferstandenen Christus dem Menschen von heute gegenwärtig macht.
Die Kirchenprovinzen
   11. Während der letzten fünfzig Jahre sind im zivilen Bereich zahlreiche verwaltungsmäßige Änderungen eingetreten. Dies hat auch verschiedene Kirchenbezirke betroffen, die aufgehoben oder zusammengelegt wurden oder die in ihrer territorialen Gestalt auf der Grundlage der zivilen Verwaltungsbezirke verändert wurden. Diesbezüglich möchte ich bekräftigen, dass der Heilige Stuhl bereit ist, die gesamte Frage der Kirchenbezirke und Kirchenprovinzen in einem offenen und konstruktiven Dialog mit dem chinesischen Episkopat und – soweit angebracht und nützlich – mit den Regierungsautoritäten anzugehen.
Die katholischen Gemeinschaften
   12. Mir ist wohl bekannt, dass die auf dem weiten chinesischen Territorium verstreuten diözesanen und pfarrlichen Gemeinschaften eine besondere Lebendigkeit des christlichen Lebens, des Glaubenszeugnisses und seelsorglicher Initiativen erkennen lassen. Es ist für mich tröstlich festzustellen, dass die Bischöfe, die Priester, die gottgeweihten Personen und die gläubigen Laien trotz der vergangenen und gegenwärtigen Schwierigkeiten ein tiefes Bewusstsein bewahrt haben, in Glaubens- und Lebensgemeinschaft mit allen katholischen Gemeinden in der Welt lebendige Glieder der Universalkirche zu sein. In ihrem Herzen wissen sie, was es heißt, katholisch zu sein. Und genau diesem katholischen Herzen muss auch der Einsatz entspringen, um sowohl innerhalb der einzelnen Gemeinden als auch in den Beziehungen zu den anderen Gemeinden jenen Geist der Gemeinschaft, des Verständ- nisses und der Vergebung deutlich zu machen und wirksam werden zu lassen, der – wie oben gesagt wurde vgl. Nr. 5, Absatz 4, und Nr. 6 – das sichtbare Siegel einer wahren christlichen Existenz ist. Ich bin mir sicher, dass der Geist Christi, so wie er den Gemeinden geholfen hat, den Glauben in Zeiten der Verfolgung lebendig zu erhalten, auch heute allen Katholiken helfen wird, in der Einheit zu wachsen.
   Ich habe bereits darauf hingewiesen vgl. Nr. 2, Absatz 1, und Nr. 4, Absatz 1, dass es den Mitgliedern der katholischen Gemeinschaft in eurem Land – insbesondere den Bischöfen, den Priestern und den gottgeweihten Personen – leider noch nicht gestattet ist, bestimmte Aspekte ihrer Zugehörigkeit zur Kirche und ihrer hierarchischen Gemeinschaft mit dem Papst voll und auch auf sichtbare Weise zu leben und zum Ausdruck zu bringen, insofern ihnen freie Kontakte mit dem Heiligen Stuhl und mit anderen katholischen Gemeinschaften in den verschiedenen Ländern in der Regel verwehrt sind. Es stimmt, dass gegenüber der Vergangenheit die Kirche in den letzten Jahren größere Religionsfreiheit genießt. Trotzdem kann man nicht leugnen, dass weiterhin schwere Einschränkungen bestehen bleiben, die den Kernbereich des Glaubens berühren und zu einem gewissen Maß die Seelsorge behindern. In diesem Zusammenhang erneuere ich den Wunsch vgl. Nr. 4, Absatz 2-4, dass im Rahmen eines respektvollen und offenen Dialogs zwischen dem Heiligen Stuhl und den chinesischen Bischöfen auf der einen Seite und den Regierungsautoritäten auf der anderen Seite die genannten Schwierigkeiten über- wunden werden können und man so zu einer gewinn- bringenden Einigung gelangt, die der katholischen Gemeinschaft und dem gesellschaftlichen Zusammen- leben zum Nutzen gereichen wird.

Die Priester
   13. Sodann möchte ich mich besonders den Priestern zuwenden – vor allem den in den letzten Jahren geweihten Priestern – und eine Einladung an sie richten, die mit großer Hochherzigkeit den Weg des Seelsorgedienstes eingeschlagen haben. Mir scheint, dass die gegenwärtige kirchliche und gesell- schaftspolitische Situation immer dringender erfordert, aus den Quellen der priesterlichen Spiritualität Licht und Kraft zu schöpfen. Es sind dies die Liebe zu Gott, die bedingungslose Nachfolge Christi, die Leidenschaft für die Verkündigung des Evangeliums, die Treue zur Kirche und der großherzige Dienst am Nächsten.[48] Wie könnte man hier als allen geltende Ermutigung nicht an die leuchtenden Gestalten jener Bischöfe und Priester erinnern, die in den schwierigen Jahren der jüngeren Vergangenheit eine unerschütterliche Liebe zur Kirche bezeugt haben – auch mit der Hingabe des eigenen Lebens für die Kirche und für Christus!
   Liebe Priester! Ihr, die ihr »den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze« Mt 20,12 ertragt, die ihr Hand an den Pflug gelegt habt und nicht zurückblickt vgl. Lk 9,62, denkt an die Orte, wo die Gläubigen sehnsuchtsvoll auf einen Priester warten, einen solchen seit vielen Jahren vermissen und nicht aufhören, seine Anwesenheit herbeizuwünschen. Ich weiß sehr wohl, dass es unter euch Mitbrüder gibt, die sich mit schwierigen Zeiten und Situationen auseinandersetzen mussten und Positionen eingenommen haben, die vom kirchlichen Gesichtspunkt aus nicht immer nachvollziehbar waren, und die trotz allem wünschen, in die volle Gemeinschaft der Kirche zurückzukehren. Im Geiste jener tiefen Versöhnung, zu der mein verehrter Vorgänger die Kirche in China wiederholt aufgerufen hat [49], wende ich mich an die Bischöfe, die in Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri stehen, damit sie in väterlicher Gesinnung Fall für Fall prüfen und einem solchen Wunsch eine rechte Antwort geben – wenn notwendig unter Anrufung des Apostolischen Stuhls. Ich denke, als Zeichen dieser erhofften Ver- söhnung gibt es keine bedeutungsvollere Geste, als – anlässlich des Priestertages am Gründonnerstag, wie es in der Universalkirche der Fall ist, oder zu einem anderen Anlass, der dafür als besser geeignet erachtet wird – gemeinsam das Bekenntnis des Glaubens zu erneuern, zum Zeugnis der erlangten vollen Gemeinschaft, zur Erbauung des eurer Hirtensorge anvertrauten heiligen Volkes Gottes und zum Lob der Heiligsten Dreifaltigkeit.
  Ich bin mir bewusst, dass auch in China, wie in der übrigen Kirche, Bedarf an einer angemessenen Fort- und Weiterbildung des Klerus besteht. Aus dieser Erkenntnis richte ich an euch Bischöfe die Einladung, in eurer Eigenschaft als Verantwortliche der kirchlichen Gemeinschaften besonders an den jungen Klerus zu denken, der in zunehmendem Maße neuen pastoralen Herausforderungen ausgesetzt ist, die in Verbindung mit den Erfordernissen des Auftrags zur Evangelisierung einer so vielschichtigen Gesellschaft wie der gegenwärtigen chinesischen stehen. Daran hat Papst Johannes Paul II. erinnert: Die Weiterbildung der Priester ist »ein Erfordernis, das dem Geschenk des sakramentalen Amtes selbst innewohnt und sich zu jeder Zeit als notwendig offenbart. Heute erweist sie sich aber als besonders dringlich, nicht nur aufgrund der rasanten gesellschaftlichen und kulturellen Veränderung der Menschen und der Völker, unter denen das Priesteramt vollzogen wird, sondern auch wegen der,Neuevangelisierung’’, die den wesentlichen und unaufschiebbaren Auftrag der Kirche am Ende des zweiten Jahrtausends dar- stellt.« [50]
Die Berufungen und die religiöse Ausbildung
   14. Während der letzten fünfzig Jahre hat es in der Kirche in China nie an einer reichen Blüte an Berufungen zum Priestertum und zum gottgeweihten Leben gefehlt. Dafür muss man dem Herrn Dank sagen, denn es handelt sich hier um ein Zeichen der Lebendigkeit und um einen Grund zur Hoffnung. Im Laufe der Jahre sind dann viele heimische Ordensgemeinschaften entstanden: Die Bischöfe und die Priester wissen aus Erfahrung, wie unersetzlich der Beitrag der Ordensfrauen in der Katechese und im pfarrlichen Leben in all seinen Formen ist. Darüber hinaus ist die Sorge gegenüber den Bedürftigen, die auch in Zusammenarbeit mit den zivilen Autoritäten geleistet wird, Ausdruck jener Liebe und jenes Dienstes am Nächsten, die das glaubwürdigste Zeugnis für die Kraft und die Lebendigkeit des Evangeliums Jesu sind.
   Ich bin mir aber bewusst, dass diese Blüte heute von nicht wenigen Schwierigkeiten begleitet wird. Daher ergibt sich die Notwendigkeit sowohl einer sorgfältigeren Unterscheidung der Berufungen seitens der kirchlichen Verantwortlichen als auch einer gründlicheren Erziehung und Ausbildung der Anwärter für das Priestertum und für das Ordensleben. Trotz der Unzulänglichkeit der zur Verfügung stehenden Mittel muss man sich für die Zukunft der Kirche in China darum bemühen, dass einerseits eine besondere Sorgfalt in der Pflege der Berufungen und andererseits eine in menschlicher, spiritueller, philosophisch-theologischer und pastoraler Hinsicht solidere Ausbildung, die in den Seminaren und in den Ordensinstituten zu erfolgen hat, gewährleistet wird.
   Diesbezüglich verdient die Erziehung der Priesteramtskandidaten zum zölibatären Leben eine besondere Erwähnung. Es ist wichtig, dass die Seminaristen lernen, den Zölibat als kostbares Geschenk Gottes und als eminent eschatologisches Zeichen zu leben und zu schätzen, der eine ungeteilte Liebe zu Gott und zu seinem Volk bezeugt und den Priester Jesus Christus, dem Haupt und Bräutigam der Kirche, gleichgestaltet. Dieses Geschenk ist in der Tat auf hervorragende Weise »Ausdruck des priesterlichen Dienstes an der Kirche in und mit dem Herrn« [51] und stellt einen prophetischen Wert für die Welt von heute dar.
  Hinsichtlich der Ordensberufung ist es im gegenwärtigen Kontext der Kirche in China notwendig, dass ihre beiden Dimensionen immer leuchtender erscheinen: und zwar einerseits das Zeugnis des Charismas der gänzlichen Weihe an Christus durch die Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams und andererseits die Antwort auf das Erfordernis, das Evangelium in den heutigen geschichtlich-gesellschaftlichen Bedingungen des Landes zu verkünden.
Die gläubigen Laien und die Familie
   15. In den sehr schwierigen Zeiten der jüngeren Geschichte der katholischen Kirche in China haben die gläubigen Laien sowohl als einzelne und in der Familie wie auch als Mitglieder geistlicher und apostolischer Bewegungen völlige Treue zum Evangelium gezeigt, wobei sie für die eigene Treue zu Christus auch persönlich bezahlt haben. Ihr Laien seid auch heute dazu berufen, das Evangelium in eurem Leben Fleisch werden zu lassen und durch einen großherzigen und tatkräftigen Dienst für das Wohl des Volkes und die Entwicklung des Landes Zeugnis zu geben: und diesen Auftrag erfüllt ihr mit einem Leben als ehrliche Bürger und als aktive und mitverantwortliche Mitarbeiter bei der Verbreitung des Wortes Gottes in eurer ländlichen oder städtischen Umgebung. Ihr, die ihr in der jüngsten Vergangenheit mutige Glaubenszeugen gewesen seid, bleibt die Hoffnung der Kirche für die Zukunft! Dies erfordert eure immer besser motivierte Teilnahme in allen Bereichen des Lebens der Kirche in Gemeinschaft mit euren jeweiligen Hirten.
  Da die Zukunft der Menschheit über die Familie geht, halte ich es für unverzichtbar und dringlich, dass die Christgläubigen die Werte der Familie fördern und die familiären Erfordernisse schützen. Die Laien kennen im Glauben ganz und gar den wunderbaren Plan Gottes mit der Familie. Sie haben daher einen Grund mehr, diesen konkreten und anspruchsvollen Auftrag zu übernehmen: Die Familie ist in der Tat »jene natürliche Umgebung, die den jungen Generationen ermöglicht, die personale und soziale Reife zu erlangen. Die Familie trägt das Erbe der Menschheit selbst in sich, denn durch sie wird das Leben von Generation zu Generation weitergegeben. In den asiatischen Kulturen nimmt die Familiengemeinschaft eine wichtige Stellung ein, und familiäre Werte wie die respektvolle Haltung der Kinder den Eltern gegenüber, liebevolle Fürsorge für die Alten und Kranken, die Liebe für die Kleinen und die Eintracht untereinander sind, wie die Synodenväter hervorheben, in allen Kulturen und Religionen Asiens hochgeschätzt.« [52]
   Die oben erwähnten Werte sind Teil des bedeutenden chinesischen kulturellen Umfelds; dennoch fehlt es auch in eurem Land nicht an Kräften, die auf verschiedene Weise negativ auf die Familie einwirken. Daher muss die Kirche in China, die sich bewusst ist, dass das Wohl der Gesellschaft und ihr eigenes mit dem Wohl der Familie eng verbunden sind [53], stärker und überzeugender ihre Sendung verspüren, allen den Plan Gottes hinsichtlich von Ehe und Familie zu verkünden, um deren volle Lebenskraft zu sichern.[54]
Die christliche Initiation der Erwachsenen
   16. Die jüngste Geschichte der Kirche in China weist eine hohe Zahl von Erwachsenen auf, die auch dank des Zeugnisses der örtlichen christlichen Gemeinschaft zum Glauben gekommen sind. Ihr Hirten seid aufgerufen, in besonderer Weise für die christliche Initiation dieser Personen durch eine entsprechende und ernsthafte Zeit des Katechumenats Sorge zu tragen. Ein solches Katechumenat soll ihnen helfen und sie darauf vorbereiten, ein Leben als Jünger Christi zu führen.
  In diesem Zusammenhang möchte ich daran erinnern, dass Evangelisierung niemals nur bloße intellektuelle Weitergabe des Glaubens bedeutet, sondern auch Lebenserfahrung, Reinigung und Umwandlung der ganzen eigenen Existenz sowie ein gemeinschaftlich beschrittener Weg. Nur so kann eine rechte Beziehung zwischen Denken und Leben hergestellt werden.
   Mit Blick auf die Vergangenheit muss man leider feststellen, dass viele Erwachsene nicht immer ausreichend in die vollständige Wahrheit des christlichen Lebens eingeführt wurden und auch den Reichtum der Erneuerung nicht kennen gelernt haben, die das Zweite Vatikanische Konzil mit sich gebracht hat. Daher scheint es dringend notwendig, ihnen eine solide und gründliche christliche Bildung und Formung anzubieten – auch in der Form eines Katechumenats nach der Taufe. [55]
Die missionarische Berufung
   17. Die Kirche ist immer und überall missionarisch und als solche berufen, das Evangelium zu verkünden und zu bezeugen. Auch die Kirche in China muss in ihrem Herzen den missionarischen Eifer ihres Gründers und Meisters spüren.
   Als sich Johannes Paul II. im Heiligen Jahr 2000 an die jugendlichen Pilger auf dem Berg der Seligpreisungen wandte, sagte er: »Vor seiner Himmelfahrt gab Jesus seinen Jüngern einen Auftrag und eine Zusicherung: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern [...] Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt’’ Mt 28, 18-20. Zweitausend Jahre lang haben die Jünger Christi diesen Auftrag erfüllt. Jetzt, an der Schwelle des dritten Jahrtausends, seid ihr an der Reihe. Jetzt liegt es bei euch, in die Welt hinauszugehen und die Botschaft von den Zehn Geboten und den Seligpreisungen zu predigen. Wenn Gott spricht, dann spricht er von Dingen, die für jeden Menschen von größter Wichtigkeit sind, für die Menschen des 21. Jahrhunderts nicht weniger als für die des ersten Jahrhunderts. Die Zehn Gebote und die Seligpreisungen sprechen von Wahrheit und Güte, von Gnade und Freiheit: von allem, was zum Eintritt in Christi Reich nötig ist.« [56]
   Nun, liebe chinesische Jünger des Herrn, kommt euch die Aufgabe zu, mutige Apostel dieses Reiches zu sein. Ich bin gewiss, dass eure Antwort stark und großmütig sein wird.

SCHLUSS
Aufhebung von Befugnissen und pastoralen Weisungen
   18. In Anbetracht von, erstens, einigen positiven Entwicklungen der Lage der Kirche in China und, zweitens, der besseren Möglichkeiten und der Erleichterungen im Bereich der Kommunikation und schließlich auch in Anbetracht der Bitten, die verschiedene Bischöfe und Priester an den Heiligen Stuhl gerichtet haben, hebe ich mit diesem Schreiben alle Befugnisse auf, die gewährt wurden, um den besonderen, in wahrhaft schweren Zeiten aufgetretenen pastoralen Erfordernissen zu begegnen.
   Dasselbe gilt bezüglich der älteren und neueren Weisungen pastoraler Natur. Die Lehrgrundsätze, die sie angeregt hatten, finden nun Anwendung in den im vorliegenden Schreiben enthaltenen Vorgaben.
Gebetstag für die Kirche in China
   19. Liebe Hirten und alle Gläubige, der 24. Mai, der liturgische Gedenktag der Allerseligsten Jungfrau Maria unter dem Titel Hilfe der Christen – die sich im Marienheiligtum von Scheschan in Schanghai so großer Verehrung erfreut–, könnte in Zukunft den Katholiken auf der ganzen Welt Gelegenheit bieten, sich im Gebet mit der Kirche in China zu vereinen.
   Ich möchte, dass dieses Datum für euch ein Tag des Gebets für die Kirche in China werde. Ich ermuntere euch, ihn zur Erneuerung eurer Gemeinschaft des Glaubens an den Herrn Jesus Christus und der Treue zum Papst zu feiern. Dabei werdet ihr darum beten, dass die Einheit unter euch stets größer und sichtbarer werde. Ferner erinnere ich euch an das Gebot der Liebe, das Jesus uns gegeben hat, damit wir unsere Feinde lieben und für die beten, die uns verfolgen. Gleichfalls erinnere ich an die Aufforderung des heiligen Apostels Paulus: »Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können. Das ist recht und gefällt Gott, unserem Retter; er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen« 1 Tim 2,1-4.
 
Am selben Tag werden die Katholiken auf der ganzen Welt – insbesondere jene chinesischer Herkunft – ihre brüderliche Solidarität und Sorge für euch bekunden, indem sie den Herrn der Geschichte um die Gabe der Beharrlichkeit im Zeugnis bitten, wohl wissend, dass eure vergangenen und gegenwärtigen Leiden für den heiligen Namen Jesu und eure furchtlose Treue zu Seinem Stellvertreter auf Erden belohnt werden, auch wenn es zuweilen scheinen mag, dass alles traurig scheitert.
Abschliessender Gruss
  20. Am Ende dieses Briefes wünsche ich euch, liebe Hirten der katholischen Kirche in China, euch Priestern, gottgeweihten Männern und Frauen und gläubigen Laien, dass ihr »voll Freude« seid, »obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter mancherlei Prüfungen leiden müsst. Dadurch soll sich euer Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist. So wird (eurem Glauben) Lob, Herrlichkeit und Ehre zuteil bei der Offenbarung Jesu Christi« 1 Petr 1,6-7.
   Die Allerseligste Jungfrau Maria, Mutter der Kirche und Königin Chinas, die in der Stunde des Kreuzes in der Stille der Hoffung auf den Morgen der Auferstehung zu warten verstand, begleite euch mit ihrer mütterlichen Sorge und halte gemeinsam mit dem heiligen Josef und den zahlreichen heiligen Märtyrern Chinas Fürbitte für euch alle.
   Gerne versichere ich euch meines beständigen Gebetes und denke mit inniger Zuwendung auch an die betagten Menschen, an die Kranken, an die Kinder und Jugendlichen eures edlen Landes, und ich segne euch von Herzen.
Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter,
am 27. Mai 2007, Pfingstsonntag, im dritten Jahr meines Pontifikats.        Sign-B-
  

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Ch-Scheschan05xx Ch-Scheschan04x

[1] Benedikt XVI., Angelus am 26. Dezember 2006: »Mit besonderer geistlicher Nähe denke ich auch an jene Katholiken, die dem Stuhl Petri ohne Kompromisse treu bleiben und dafür manchmal sogar großes Leid in Kauf nehmen. Die ganze Kirche bewundert ihr Beispiel und betet dafür, dass sie die Kraft haben standzuhalten, in dem Wissen, dass ihre Bedrängnisse Quelle des Sieges sind, auch wenn sie im Augenblick als Niederlage erscheinen mögen«: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 5. Januar 2007, S. 12.
[2] Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 10.
[3] Botschaft an die Teilnehmer am Internationalen Kongreß »Matteo Ricci: für einen Dialog zwischen China und dem Westen« Con intima gioia (24. Oktober 2001), Nr. 4: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 9. Nov. 2001, S. 7.
[4] Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Asia (6. Nov. 1999), Nr. 7: AAS 92 (2000), 456.
[5] Vgl. ebd., Nrn. 19 und 20: AAS 92 (2000), 477-482.
[6] Vgl. Ansprache an die Vertreter der Föderation der asiatischen Bischofskonferenzen (Manila, 15. Januar 1995), Nr. 11: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 10. Februar 1995, S. 8.
[7] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), Nr. 1: AAS 93 (2001), 266.
[8] Benedikt XVI., Generalaudienz (Mittwoch, 23. August 2006): L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 1. September 2006, S. 2.
[9] Johannes Paul II., Botschaft an die Teilnehmer am Internationalen Kongreß »Matteo Ricci: für einen Dialog zwischen China und dem Westen« Con intima gioia (24. Oktober 2001), Nr. 6: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 9. November 2001, S. 8.  [10] Ebd.
[11] Vgl. Fonti Ricciane, hrsg. von Pasquale M. D'Elia SJ, Bd. 2, Rom 1949, Nr. 617, S. 152.
[12] Botschaft an die Teilnehmer am Internationalen Kongreß »Matteo Ricci: für einen Dialog zwischen China und dem Westen« Con intima gioia (24. Oktober 2001), Nr. 4: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 9. November 2001, S. 7.  [13] Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 76.
[14] Enzyklika Deus caritas est (25. Dezember 2005), Nr. 28: AAS 98 (2006), 240. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 76.
[15] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 26.  [16] Ebd., Nr. 23.
[17] Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben an die Bischöfe der Katholischen Kirche über einige Aspekte der Kirche als Communio Communionis notio (28. Mai 1992), Nrn. 11-14: AAS 85 (1993), 844-847.
[18] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 23.
[19] Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben an die Bischöfe der Katholischen Kirche über einige Aspekte der Kirche als Communio Communionis notio (28. Mai 1992), Nr. 13: AAS 85 (1993), 846.
[20] Vgl. Benedikt XVI.: Nachsynodales Apostolisches Schreiben Sacramentum Caritatis (22. Februar 2007), Nr. 6: »Der Glaube der Kirche ist im wesentlichen ein eucharistischer Glaube und erhält seine Nahrung in besonderer Weise beim Mahl der Eucharistie. Glaube und Sakramente sind zwei sich gegenseitig ergänzende Aspekte des kirchlichen Lebens. Durch die Verkündigung des Wortes Gottes erweckt, nährt sich der Glaube und wächst in der gnadenreichen Begegnung mit dem auferstandenen Herrn, die sich in den Sakramenten verwirklicht: ,,Der Glaube drückt sich im Ritus aus, und der Ritus stärkt und festigt den Glauben’’. Darum steht das Altarssakrament immer im Mittelpunkt des kirchlichen Lebens; “dank der Eucharistie wird die Kirche immer wieder neu geboren!’’ Je lebendiger der eucharistische Glaube im Gottesvolk ist, um so tiefer ist dessen Teilnahme am kirchlichen Leben durch eine überzeugte Unterstützung der Sendung, die Christus seinen Jüngern aufgetragen hat. Das bezeugt die Geschichte der Kirche selbst. Jede große Reform ist in irgendeiner Weise verbunden mit der Wiederentdeckung des Glaubens an die eucharistische Gegenwart des Herrn inmitten seines Volkes«: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 23.03. 2007, Dokumentation,S. II
[21] Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), Nr. 42: AAS 93 (2001), 296. Vgl. Benedikt XVI., Enzyklika Deus caritas est (25. Dezember 2005), Nr.12: »Dieses Handeln Gottes nimmt seine dramatische Form nun darin an, dass Gott in Jesus Christus selbst dem ,,verlorenen Schaf’’, der leidenden und verlorenen Menschheit, nachgeht. Wenn Jesus in seinen Gleichnissen von dem Hirten spricht, der dem verlorenen Schaf nachgeht, von der Frau, die die Drachme sucht, von dem Vater, der auf den verlorenen Sohn zugeht und ihn umarmt, dann sind dies alles nicht nur Worte, sondern Auslegungen seines eigenen Seins und Tuns. In seinem Tod am Kreuz vollzieht sich jene Wende Gottes gegen sich selbst, in der er sich verschenkt, um den Menschen wieder aufzuheben und zu retten – Liebe in ihrer radikalsten Form«: AAS 98 (2006), 228.
[22] Benedikt XVI., Generalaudienz (Mittwoch, 5. April 2006): L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 14. April 2007, S. 2.
[23] Für alle sollte die Erfahrung der alten Kirche in der Zeit der Verfolgungen erhellend sein sowie die Lehre, die diesbezüglich gerade die Kirche von Rom gegeben hat. Während sie die rigorosen Ansichten der Novatianer und Donatisten zurückwies, forderte sie zu Großherzigkeit in Vergebung und Versöhnung gegenüber denjenigen auf, die während der Verfolgungen dem Glauben abgeschworen hatten (die »lapsi«) und wünschten, wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen zu werden.  [24] Johannes Paul II., Botschaft an die Katholiken in China Alla vigilia (8. Dezember 1999), Nr. 6: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 14. Januar 2000, S. 9.
[25] Vgl. Mt 4, 8-10; Joh 6, 15.  [26] Vgl. Jes 42, 1-4.   [27] Vgl. Joh 18, 37.  [28] Vgl. Mt 26, 51-53; Joh 18, 36.
[29] Zweites Vatikanisches Konzil, Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanae, Nr. 11.
[30] Benedikt XVI., Generalaudienz (Mittwoch, 5. April 2006): L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 14. April 2007, S. 2.  [31] Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 28.
[32] Benedikt XVI., Generalaudienz (Mittwoch, 5. April 2006): L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 14. April 2007, S. 2.  [33] Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 174. Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nrn. 857 und 869.    [34] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Apostolos suos (21. Mai 1998), Nr. 10: AAS 90 (1998), 648.  [35] Vgl. Codex des kanonischen Rechtes, can. 447.
[36] Satzungen der Patriotischen Vereinigung der chinesischen Katholiken (Chinese Catholic Patriotic Association, CCPA), 2004, Art. 3.   [37] Homilie anläßlich der Heiligjahrfeier der Bischöfe (8. Oktober 2000), Nr. 5: AAS 93 (2001), 28. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche Christus Dominus, Nr. 6.
[38] Johannes Paul II., Homilie anläßlich der Heiligjahrfeier der Bischöfe (8. Oktober 2000), Nr. 4: AAS 93 (2001), 27.
[39] Benedikt XVI., Audienz für die neu ernannten Bischöfe (21. September 2006): AAS 98 (2006), 696.
[40] Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 21. Vgl. auch Codex des kanonischen Rechtes, can. 375 § 2.  [41] Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 22. Vgl. auch »Erläuternde Vorbemerkung«, Nr. 2.   [42] China Catholic Bishop's College (CCBC).
[43] Auf weltweiter Ebene sei zum Beispiel auf die Anordnungen des Artikels 18, Paragraph 1 des International Convenant on Civil and Political Rights vom 16. Dezember 1966 verwiesen (»Everyone shall have the right to freedom of thought, conscience and religion. This right shall include freedom to have or to adopt a religion or belief of his choice, and freedom, either individually or in community with others and in public or private, to manifest his religion or belief in worship, observance, practice and teaching«) und auf die verbindliche Interpretation für die Mitgliedsstaaten, die das Menschenrechtskomitee der Vereinten Nationen in »General Comment, No. 22« (Nr. 4) vom 30. Juli 1993 dazu vorgelegt hat (»the practice and teaching of religion or belief includes acts integral to the conduct by religious groups of their basic affairs, such as the freedom to choose their religious leaders, priests and teachers, the freedom to establish seminaries or religious schools and the freedom to prepare and distribute religious texts or publications«).
Auf regionaler Ebene sei dann zum Beispiel auf die folgenden Verpflichtungen verwiesen, die im Wiener Treffen der Vertreter der Teilnehmerstaaten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) angenommen wurden: »Um die Freiheit des einzelnen zu gewährleisten, sich zu seiner Religion oder Überzeugung zu bekennen und diese auszuüben, werden die Teilnehmerstaaten unter anderem  [...]  das Recht dieser religiösen Gemeinschaften achten, [...] sich nach ihrer eigenen hierarchischen und institutionellen Struktur zu organisieren, ihr Personal in Übereinstimmung mit ihren jeweiligen Erfordernissen und Normen sowie mit etwaigen zwischen ihnen und ihrem Staat freiwillig vereinbarten Regelungen auszuwählen, zu ernennen und auszutauschen [...]« (Abschlußdokument 1989, Prinzip Nr. 16 des Abschnitts »Fragen der Sicherheit in Europa«). Vgl. auch Zweites Vatikanisches Konzil, Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanae, Nr.4.
[44] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Erklärung über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche Christus Dominus, Nr. 20.  [45] Diesbezüglich sei auf die entsprechenden Normen des Codex des kanonischen Rechtes (vgl. can. 378) verwiesen.  [46] Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 23.
[47] Vgl. Codex des kanonischen Rechtes, cann. 265-272.
[48] Für eine Betrachtung über die Lehre und Spiritualität des Priestertums und über das Charisma des Zölibats verweise ich auf meine Ansprache an die Römische Kurie (22. Dezember 2006): L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 5. Januar 2007, S. 7-8.
[49] Vgl. Johannes Paul II., Botschaft an die Kirche in China zum 70. Jahrestag der Weihe der ersten Gruppe von chinesischen Bischöfen in Rom und zum 50. Jahrestag der Errichtung der kirchlichen Hierarchie in China La memoria liturgica (3. Dezember 1996), Nr. 4: AAS 89 (1997), 256.   [50] Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis (25. März 1992), Nr. 70: AAS 84 (1992), 782.   [51] Ebd., Nr. 29: AAS 84 (1992), 704.
[52] Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Asia (6. November 1999), Nr. 46: AAS 92 (2000), 521. Vgl. Benedikt XVI., Fünftes Welttreffen der Familien in Spanien (Valencia, 8. Juli 2006): »Die Familie ist ein notwendiges Gut für die Völker, ein unverzichtbares Fundament für die Gesellschaft und ein großer Schatz für die Eheleute während ihres ganzen Lebens. Sie ist ein unersetzliches Gut für die Kinder, die Frucht der Liebe und der großherzigen Ganzhingabe der Eltern sein sollen. Die ganze Wahrheit der Familie zu verkünden, die auf die Ehe als ,,Hauskirche und Heiligtum des Lebens’’ gegründet ist, dafür tragen alle eine große Verantwortung. [...] Christus hat offenbart, was stets die höchste Quelle des Lebens für alle und daher auch für die Familie ist: ,,Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt’’ (Joh 15,12–13). Die Liebe Gottes hat sich in der Taufe über uns ergossen. Deshalb sind die Familien dazu berufen, diese Vollkommenheit der Liebe zu leben, denn der Herr macht sich zum Garanten dafür, dass uns das möglich ist durch die menschliche Liebe, feinfühlig, zärtlich, barmherzig wie die Liebe Christi«: AAS 98 (2006), 591-592.
[53] Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 47.
[54] Vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981), Nr. 3: AAS 74 (1982), 84.
[55] Wie die Synodenväter der VII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode (1.-30. Oktober 1987) sagten, kann in der Ausbildung der Christen, »auch eine Katechese nach der Taufe, nach der Art eines Katechumenats von Hilfe sein. Sie soll einige wesentliche Elemente aus dem Ritus der christlichen Einführung für Erwachsene aufnehmen und so dazu beitragen, die immensen außerordentlichen Reichtümer und Verantwortungen der Taufe zu verstehen und zu verwirklichen«: Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Christifideles laici (30. Dezember 1988), Nr. 61: AAS 81 (1989), 514. Vgl. Katechismus des Katholischen Kirche, Nrn. 1230-1231.
[56] Homilie auf dem Berg der Seligpreisungen (Israel, 24. März 2000), Nr. 5: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 7. April 2000, S. 11.

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Die Bischöfe der Volksrepublik China berichten von von ihrer Rührung und Dankbarkeit für den Brief von Benedikt XVI. an die Katholiken des ehemaligen Reichs der Mitte: “Wir sind alle sehr zufrieden:”
Fotos oben:
Bischof Aloysius Jin Luxian, Schanghai

   Der Jesuit Aloysius Jin Luxian wurde vor 95 Jahren in einem christlichen Dorf in der Peripherie von Schanghai geboren. Nach seiner Verhaftung am 8. September 1955 verbrachte er mehr als 20 Jahre im Gefängnis und stand danach unter Hausarrest. 1985 akzeptierte er seine Ernennung zum Bischof von Schanghai mit Anerkennung der Regierung, aber ohne die des Papstes.
   2005 nahm Jin die Weihe seines Nachfolgers in pectore Joseph Xing Wenzhi vor. Fotos von der Bischofsweihe finden Sie unten auf dieser Seite. Wenzhi war vom Papst ernannt, von der Diözese „gewählt” und von der Regie- rung approbiert worden. Auch für Jins Episkopat blieb die kanonische Legitimierung des Papstes nun nicht länger aus, der Jin auch zur Bischofssynode über die Eucharistie nach Rom einlud. Allerdings ohne Erfolg.
 In der Wahl zum Bischofs-Coadjutor der Diözese Shanghai im Juni 2012 gewann der Priester Thaddeus Ma Daquin die Mehrheit. Von den 205 wahlberechtigten Priestern, Ordensschwestern und Laien stimmten 190 ab. Fr. Ma, dessen genaues Alter nicht bekannt ist, soll etwa 40 Jahre alt sein. Er stand als einziger Kandidat zur Wahl und erhielt 160 Stimmen in der von der Regierung festgelegten Wahl einer „demokratischen“ Bischofswahl. Es gab zwei Gegenstimmen und 28 Enthaltungen.
   Der Vatikan hat für diese dem Koadjutor noch kürzlich seine Zustimmung erteilt. Der Bischof von Schanghai Aloysius Jin Luxian, 95, übernahm die Leitung bei dieser Wahl und gab ebenfalls seine Stimme ab.
   Die staatlich sanktionierte Bischofskonferenz der katholischen Kirche in China hat diese Wahl im Juni bestätigt. Bischof Ma ist nun der zweite junge Bischof dem der Bischof Jin die Weihe erteilte. „Niemand erwähnte während der Wahl den Weihbischof Joseph Xing Wenzhi“,  berichtet ein Teilnehmer der Wahl. Bischof Xing Wenzhi wurde 2005 vom Papst ernannt und von der Regierung anerkannt. Seit Dezember 2011 wurde er nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen.  CT120610

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Der Fall Baoding und der Brief des Papstes
Foto links: Kathedrale von Baoding Foto rechts:  Francis An Shuxin, Bischof von Baoding

   Die wahre Geschichte Francis An Shuxins. Eines Bischofs, der zehn Jahre Gefangener der Kommunisten war, sich von katholischen Nachrichtenagenturen und seinen Brüdern im Glauben verunglimpfen lassen musste, und der selbst den Vatikan manchmal in Verlegenheit gebracht hat. Eine Geschichte, die auch zeigt, dass oft keine große Bereitschaft bestand, die pastoralen Hinweise aufzunehmen, die Benedikt XVI. in seinem Brief an die Katholiken in China gegeben hat.
   Baoding ist sowohl über die Autobahn als auch mit der Eisenbahn leicht zu erreichen. Es liegt knapp 150 km süd- lich von Peking. Die umweltverschmutzenden Fabriken sind schon lange geschlossen. Jetzt setzt man auf die Herstellung von Windturbinen und andere Methoden, die die Energie von Sonne, Wind und Biomasse nutzen. Das ist auch der Grund, warum die regierungstreue Presse Baoding als Paradestadt der erneuerbaren Energie preist, als Musterbeispiel für den chinesischen Run auf die nachhaltige Entwicklung Fotos unten. Aber auch für jene, die einen Teil der jüngsten Geschichte der Katholiken in China kennen, ist Baoding kein Ort wie jeder andere. Wenn auch aus anderen Gründen als den oben genannten.
   Die Geschichte von Francis An hat etwas Paradoxes: Ein legitimer, in voller Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom stehender Bischof wird von einem Teil seines Klerus abgelehnt und bezichtigt, dem Heiligen Stuhl nicht treu genug zu sein.
   Die Stadt Hebei, die derzeit knapp eine Million Einwohner zählt, taucht auch in den Berichten über die chinesische Katholizität der jüngeren Zeit immer wieder auf. Sie gilt als Epizentrum heikler und kontroverser Episoden. So war es beispielsweise hier in Baoding, wo Bischof Joseph Fan Xueyan Foto unten Mitte schon 1981 „Untergrund"- Bischöfe zu weihen begann und sich der Kontrolle der patriotischen Organismen entzog, die das Regime der Kirche aufdrängen wollte. Eine folgenschwere Entscheidung, die Papst Wojtyla im nachhinein autorisiert hat. So konnte rasch ein ganzes Netz von Untergrund-Bischöfen entstehen, die nicht akzeptieren konnten, dass das kirchliche Leben der Kontrolle der Partei unterstellt sein sollte und die folglich auch nicht von der Regierung anerkannt wurden.
   Dreißig Jahre später steht Baoding nun erneut im Mittelpunkt einer Kontroverse, die in gewisser Weise an den Fall Joseph Fan erinnert. Dieses Mal geht es um einen Bischof aus dem Untergrund-Bereich, der beschlossen hat, sein pastorales Amt in der Öffentlichkeit auszuüben und die Bedingungen der zivilen Autoritäten zu akzeptieren. Ein Beschluss, der in der katholischen Gemeinschaft der Region bittere Polemik auslöst, die nicht einmal vor dem Vatikan Halt machte. Die Episode ist nicht sehr klar, und bisher haben die lückenhaften und parteiischen Rekonstruktionen, die von wenig seriösen Presseagenturen und Möchtegern-Experten im Internet verbreitet wurden, nur noch mehr Verwirrung gestiftet. Zwei Dokumente aber, die die westlichen Presseagenturen noch heute ignorieren, können Licht darauf werfen, was wirklich vorgefallen ist. Sie zeigen, welch weitreichende Verwicklungen dieser sehr komplexe Fall mit sich bringt.

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Baoding, in der chinesischen Provinz Hebei, ist die Paradestadt für den chinesischen Kurs der nachhaltigen Entwicklung; Foto rechts: die Installation von Windturbinen, Foto links: ein Arbeiter kontrolliert den Bau
einer mit Solarenergie betriebenen Ampel; Foto Mitte: Joseph Fan Xueyan Baodin

Eine schlecht erzählte Geschichte
  Hebei war schon immer eines der chinesischen Gebiete mit der größten Zahl von Katholiken. Und Baoding gilt seit der Zeit des verstorbenen Bischofs Fan - dessen Leichnam seiner Familie im April 1992 von der Polizei zurückerstattet wurde - als eine der Hochburgen der sogenannten Untergrund-Gemeinschaften.
  Der 60-jährige Francis An Shuxin, einer der Protagonisten jener turbulenten Zeit, ist ein geistlicher Sohn Joseph Fans. Er übte sein Priesteramt in den sogenannten Untergrund-Strukturen und Gemeinschaften aus, die nicht bei den Regierungsorganen registriert sind. 1992 wurde er sogar „Untergrund"- Weihbischof von Baoding. Das ist auch der Grund, warum er zehn Jahre in Haft und strenger Isolation verbringen musste (von 1996 bis 2006). Im August 2006 wurde er befreit und konnte sein Pastoralamt wieder ausüben. Nun nicht länger im Untergrund.
   Über den von Francis An eingeschlagenen Weg schieden sich die Geister, und man hat ihn auch im Untergrund- bereich seiner Diözese nicht immer verstanden. Im Laufe der Zeit wurde aus der Ablehnung einiger Priester und Gläubiger, denen schon seine Haftentlassung ein Dorn im Auge war, offene Feindseligkeit. Man bezichtigte den Bischof des Verrats, ja sprach ihm sogar die bischöfliche Autorität ab.
   Westliche Presseagenturen listeten im Internet alle Vorwürfe auf, die angeblich beweisen, dass An vom rechten Weg abgekommen sei. Beispielsweise seinen Beschluss, mit dem „offiziellen“ Bischof von Baoding, John Su Changshan (der zwar von der Regierung anerkannt wird, nicht aber vom Apostolischen Stuhl), die Messe zu konzelebrieren. Besonders angekreidet hat man ihm die Übernahme von Ämtern in der Patriotischen Vereinigung der Diözese, dem von der kommunistischen Partei inspirierten hybriden Organ, das die chinesische Kirche kontrollieren soll. Über den Verbleib des Untergrund-Bischofs von Baoding, Jacob Su Zhimin, der von den patriotischen Polizei- Apparaten 1996 in Gewahrsam genommen wurde, ist nichts bekannt. Zu allem Übel haben die unerbittlichsten Kritiker Ans nun auch den Apostolischen Stuhl mit hineingezogen. Es wurden Mutmaßungen über den Druck laut, den die Kongregation Propaganda Fide auf den Bischof ausgeübt haben soll, damit er den Untergrund verlässt und mit den politischen Autoritäten zusammenarbeitet.
   Dank der Schwarz-Weiß-Malerei der Presseagenturen und Blogs läuft das Ganze nun Gefahr, zu einem Fall von plattem Opportunismus abgestempelt zu werden: Dem eines Geistlichen, der sein Mäntelchen nach dem Wind hängt, mit dem Gegner kollaboriert und mit undurchsichtigen vatikanischen Beamten unter einer Decke steckt, die sich naiv geben. Aber ist es tatsächlich so gewesen?
  ln einem Brief vom 29. Juni 2008 an die Diözese Baoding weist Kardinal Ivan Dias alle Spekulationen über die von dem Bischof unternommenen Schritte oder Kritik an denselben entschieden zurück: „Alle müssen wissen, dass der Bischof vom Heiligen Stuhl geschätzt wird und sein volles Vertrauen genießt. Daher darf sich niemand erlauben, an seiner Aufrichtigkeit zu zweifeln oder sich seiner Autorität zu widersetzen, indem er vorschnelle Urteile fällt, die die Gläubigen verunsichern."

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Dokument Nr. 1. Die Befragung der Untergrundbischöfe

   Die detaillierteste Rekonstruktion der Ereignisse stammt aus einer Quelle, die bekanntlich keine großen Sympathien für Bischof An hegt. Gemeint ist ein Gespräch, das der Bischof Ende November mit einem chinesischen Priester geführt hat. Letzterer hat es Mitte Dezember letzten Jahres gegen Ans Willen auf der Internetseite der Untergrundszene der Kirche www.ccccn.org veröffentlicht. Besagtes Interview (das im kompletten Wortlaut in italienischer Sprache www.30giorni.it eingesehen werden kann) nimmt manchmal fast inquisitorische Züge an, die das geduldige Zeugnis von Bischof An allerdings nur noch beeindruckender hervortreten lassen. So berichtet er, bereits im Jahr 2000 eine Kursänderung bei den politischen Funktionären festgestellt zu haben, die er zur Zeit seiner Isolationshaft kennengelernt hat. Damals „haben auch sie zu sagen begonnen, dass man dem Papst gehorchen müsse, weil es sonst keine katholische Kirche mehr gäbe. Denn man gehorcht dem Papst im Glauben, in der Disziplin und in der Lehre." Besagte Funktionäre beharrten zwar auf einer politischen und administrativen Kontrolle der Leitung der Kirche, fügten aber an, dass „die Verwaltung, die uns vorschwebt, nicht - wie ihr meint - heißt, dass wir die Glaubensinhalte verwalten wollen.  In eure Glaubensangelegenheiten können wir nicht eingreifen."
   In besagtem Interview erklärt An, dass ihn nicht die Parteifunktionäre davon überzeugt hätten, sein Untergrund- Dasein aufzugeben. Viel überzeugender wären Fakten und Nachrichten gewesen, die einige Klischees ausgeräumt haben, die auch sein eigenes Urteil über die Kirche Chinas beeinflusst hatten. „Ich habe erfahren. dass der Papst viele offizielle Bischöfe anerkannt hat", erklärte er. „Wir hatten eigentlich geglaubt, dass das Probleme aufwerfen würde, aber der Papst hat sie trotzdem anerkannt. Und wenn es für den Papst kein Problem ist, warum soll es dann für uns eins sein? Wenn wir nicht aufhören, den anderen zu unterstellen, Probleme zu haben, dann sind eigentlich wir diejenigen, die welche haben." An erzählt, dass er als erstes ein paar „Untergrund"-Priester aufgefordert hätte, sich bei den politischen Organismen registrieren zu lassen. Als er dann aber selbst beschlossen hat, diesen Schritt zu tun, hat er auf Tricks zurückgegriffen, die unmissverständlich zeigen, dass seine Absichten ehrlich waren: Als die Formulare unterzeichnet werden sollten, mit denen man - wie für den Klerus von Hebei vorgesehen - den „Bischofsschein" bekommt, hat er es vermieden, den Abschnitt über die Selbstwahl der Bischöfe zu unter- schreiben und stattdessen unter den unterzeichneten Teil eine wichtige, erklärende Note angefügt („unter der Voraussetzung, dem katholischen Glauben nicht zuwiderzuhandeln"). Unter jene Stelle nämlich, wo von den Prinzipien der Selbstverwaltung und Unabhängigkeit der chinesischen Kirche die Rede war. Die Regierungsbeamten haben ihn dann gebeten, zur Demonstration der Einheit mit dem offiziellen Bischof von Baoding die Messe zu konzelebrieren. Diese Konzelebration, die seine Kritiker als Beweis für den vermeintlichen skandalösen Verrat anprangerten, kam laut An in vollem Einklang mit den kanonischen Normen zustande, die die sakramentale Ge- meinschaft mit den illegitimen Bischöfen verbieten: „Ich habe mit Su Changshan konzelebriert, weil Su beim Heiligen Stuhl oft um seine Legitimierung angesucht hat. obwohl er wusste, dass ihn der Heilige Stuhl gar nicht legitimieren konnte. Immerhin waren in Baoding noch der legitime Bischof Su Zhimin und ich selber tätig. Der Heilige Stuhl antwortete Su Changshan. dass man ihm nichterlauben könnte, sein Bischofsamt auszuüben, er aber als Priester wirken dürfe. Natürlich habe auch ich damals überlegt, wie man es vermeiden könnte, das Prinzip der sakramentalen Gemeinschaft zu verletzen. Das war auch der Grund, warum wir beide bei der Konzelebration weder Paramente noch Bischofsinsignien getragen haben."
   Zum Schicksal von Msgr. Su Zhimin befragt, erklärt An, nichts über den Verbleib des ordentlichen Bischofs der Diözese zu wissen; er kann sich aber gut daran erinnern, dass „Bischof Su Zhimin Anfang 1996 oder Ende 1995 nicht länger im Untergrund tätig sein wollte, und ich selbst es ihm verboten habe." An erzählt auch, vor einigen Monaten das Amt des Vizepräsidenten der lokalen Patriotischen Vereinigung angenommen zu haben, wobei er seine Disponibilität „nur mündlich" erklärt hätte, also ohne dem „patriotischen" Organismus beigetreten zu sein. Auf den Hinweis seines Interviewpartners, ob es ihm denn nicht klar sei, einen Verstoß gegen die Prinzipien begangen zu haben, als er ein Amt von einer Vereinigung angenommen hat, die sich über die Kirche stellt, ant- wortet An mit entwaffnender Offenheit: „Wenn ein Diözesanbischof ein Amt von der Patriotischen Vereinigung annimmt, muss man darauf achten, ob er dabei dem Glauben entsprechend handelt oder nicht. Auch uns erscheint es ein wenig widersprüchlich, dass manche Bischöfe vom Papst anerkannt worden sind, als sie noch Ämter in der Patriotischen Vereinigung inne hatten. In Wahrheit ist das aber kein Widerspruch. Der Papst hat zwar die Bischöfe anerkannt, nicht aber die Patriotische Vereinigung. Und die Bischöfe nehmen das Amt nur an, damit sie ihre Diözesen besser leiten können." Bischof An erklärt, nur das getan zu haben, was er bereits in anderen Diözesen beobachten konnte. Diözesen, in denen Bischöfe seit Jahrzehnten den von den patriotischen Apparaten auf das Leben der Kirche ausgeübten Druck ausschalten, indem sie einfach selbst die Kontrolle über diese Organismen übernehmen. An erklärt, lediglich die Absicht gehabt zu haben, die „anomale Leitung der Diözesen" zu verhindern, wo das Fehlen von Ordnung „nicht anderen zuzuschreiben ist, sondern uns selbst." Er wollte, dass „die Gläubigen ganz normal in die Kirche gehen können."

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sin-3-PekingBeichte-z   Weihnachtsbeichte in Peking

   Der Bischof ist sich bewusst, „gewisse Risiken eingegangen zu sein." Aber er hat das Gefühl, mit den vom Apostolischen Stuhl ergangenen Hinweisen im Einklang zu stehen, und das ist ihm ein großer Trost: „Ich folge lediglich der Linie des Heiligen Stuhls und handle auch danach. Im Jahr 1996 konnten die Gläubigen der beiden Bereiche, dem „Untergrund" und dem von den politischen Autoritäten anerkannten, nicht einmal gemeinsam beten, und das hat großen Schaden angerichtet. Es gab einmal eine Zeit, in der man in der Diözese Baoding glaubte,  dass die selbsternannten und selbstgeweihten Bischöfe bestraft werden müssten, dass sie einer schismatischen Kirche angehörten, und dass die von ihnen gespendeten Sakramente Probleme aufwerfen würden. Später habe ich dann erfahren, dass mehr als 80% dieser Bischöfe vom Papst anerkannt worden sind ..." An erklärt auch seine sofortige Bereitschaft, zurückzutreten, „falls der Heilige Stuhl mir sagt, dass das, was ich getan habe, nicht in Ordnung ist."
  In Wahrheit hat der Heilige Stuhl schon 2006 eine Reihe von Dokumenten nach Baoding geschickt, in denen dem Bischof, der den Untergrund aufgegeben hatte, die legitime Autorität zuerkannt wird, die Diözese zu verwalten. Aber diese päpstlichen „Bescheinigungen" wurden von den Priestern, denen die Ernennung Ans ein Dorn im Auge war, einfach ignoriert. Und dass sogar mit derart an den Haaren herbeigezogenen Begründungen wie dem angeblichen Fehlen von Stempeln oder Unterschriften, weshalb die aus Rom geschickten Dokumente ungültig seien. Als dann aus dem Vatikan der Brief einging, mit dem An vom Weihbischof zum Bischofskoadjutor ernannt wurde - eine weitere Bestätigung seiner bischöflichen Autorität -, zeigte er ihn seinen Kritikern und erzählt, dass seine Gegner nun „zwar keine Zweifel mehr anmelden konnten, aber es trotzdem nicht akzeptieren wollten." Ihrer Meinung nach ist An, der sich angeblich den Forderungen der politischen Beamten und der patriotischen Apparate gebeugt hat, nicht würdig, Bischof zu sein. Und das haben sie auch in den Briefen geschrieben, die schon zu Beginn der Querelen in den Vatikan geschickt wurden.

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Fotos: Betende Gläubige vor der Krippe in einer Kirche in Qingdao, in der chinesischen Provinz Schandong

Der Brief von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker
  Auf dem Gipfel der Polemik behaupteten einige Presseagenturen unter Berufung auf anonyme, mit Baoding und dem Vatikan zusammenhängen de Quellen, Bischof An hätte den Untergrund auf Druck der Kongregation für die Evangelisierung der Völker hin verlassen. Am 3. November 2009 dementierte das vatikanische Dikasterium, das sich mit den chinesischen Kirchensprengeln befasst, mit einer ebenso ungewöhnlichen wie kategorischen Note diese Behauptung. Einer Note, die von der Agentur Fides veröffentlicht wurde.
  In Wahrheit hat der Heilige Stuhl keinen Druck ausgeübt, sondern sogar mehrfach die legitime Autorität Bischof Ans bekräftigt und auch seine Person mehrmals schriftlich verteidigt. Besonders unmissverständlich ist ein Brief vom 29. Juni 2008 an die Bischöfe. Priester. Ordensleute und Gläubigen der Diözese Baoding. Unterzeichnet hat ihn Kardinal Ivan Dias, Präfekt der Kongregation Propaganda Fide. Das Dokument wurde auch auf der Internetseite www.ccccn.org veröffentlicht und ist im vollständigen Wortlaut (in italienischer Übersetzung) bei www. 30giorni.it zu lesen.
   Das lange Schreiben ist gespickt mit Verweisen auf den Hirtenbrief, den Benedikt XVI. im Juni 2007 an die Katholiken in China geschrieben hat siehe oben auf dieser Seite. Einen Text, der auf dem Weg der Aussöhnung als richtungsweisend empfohlen wird. Jene Teile, in denen von der besonderen Situation in Baoding die Rede ist, sind unmissverständlich. Dias teilt der Diözese mit, „welches Glück es ist, Jacob Su Zhimin und dessen Koadjutor Francis An Shuxin als legitime Bischöfe zu haben - wenngleich sich ersterer auch noch in Haft befindet, sein Amt also nicht ausüben kann." Der Kardinal schreibt, dass alle, „ohne Ausnahme", die Pflicht haben, die beiden als legitime Bischöfe der Diözese Baoding anzuerkennen und sie sowohl konkret als auch spirituell zu unterstützen, „vor allem unter den derzeit für ihre Hirtensendung so schwierigen Gegebenheiten. Die im Brief des Papstes vertretene traditionelle Linie ‚nihil sine episcopo'Nr. 10 § 9 hat weiterhin Gültigkeit." Der Präfekt von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker bestätigt, dass „Papst Benedikt XVI. und der Heilige Stuhl über das, was Bischof Francis An Shuxin seit seiner Entlassung aus der Haft getan hat, gut informiert sind." Außerdem ist - wie Dias schreibt - allgemein bekannt, dass der Bischof „durch seine mehr als 10 Jahre Gefängnis Zeugnis abgelegt hat für seine Treue zu Christus und zur Kirche", wobei er stets, „das Wohl der Kirche im Auge habend, in aller Aufrichtigkeit und mit dem besten Willen" gehandelt habe. Spekulationen über die von dem Bischof unternommenen Schritte oder Kritik an denselben weist er entschieden zurück: „Alle müssen wissen, dass der Bischof vom Heiligen Stuhl geschätzt wird und sein volles Vertrauen genießt. Daher darf sich niemand erlauben, an seiner Aufrichtigkeit zu zweifeln oder sich seiner Autorität zu widersetzen, indem er vorschnelle Urteile fällt, die die Gläubigen verunsichern. Das ist nicht nur ein gefundenes Fressen für die Feinde der Kirche, sondern zeigt auch einen bedenklichen Mangel an Liebe Gott und der Kirche gegenüber."
   Deutliche Worte, die die Angelegenheit in ihrer tatsächlichen, wenn auch paradoxen Dimension zeigen: Ein legitimer, in voller Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom stehender Bischof wird von einem Teil seines Klerus abgelehnt und bezichtigt, dem Heiligen Stuhl nicht treu genug zu sein.

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Foto links: Chinesische Kinder bei der Gabenbereitung; rechts: Prozession mit der Muttergottesstatue im Heiligtum von Scheschan (Schanghai). An der Wallfahrt vom 1. Mai nahmen mehr als 3.000 Menschen teil.

   Bischof An erzählt, wie der Papstbrief von den Katholiken in China aufgenommen wurde: „Nach seiner Veröffentlichung im Jahr 2007 haben viele Priester den Gläubigen verboten, den Hirtenbrief zu lesen, weil der Papst - wie sie es nannten - ,konfus' sei. "Alles in allem erscheinen die von Bischof An unternommenen Schritte als Versuch, den Brief des Papstes umzusetzen. Und vielleicht ist das, was so manchem inner- und außerhalb Kontinentalchinas ein Dorn im Auge ist, ja gerade der Brief des Papstes.

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Die Zeit der Aussaat  Foto links: Kirche von Xiushui / Sichuan - Verteilung von Heiligenbildern
Foto rechts:  Rosenkranzgebet in der Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis (Nantang) in Peking.

Als der kommunistische Sekretär einen Kelch für die Messfeier brachte
  
Die ersten Fragen des langen Gesprächs eines Priesters aus der Untergrundkirche mit Bischof Francis An Shuxin (der vollständige Wortlaut kann online bei www.30giorni.it eingesehen werden) betreffen die Zeit, in der Msgr. An inhaftiert war und in Isolation gehalten wurde (1996 bis 2006). Das einfache Zeugnis des Bischofs zeigt, wie die Gnade des Herrn die Herzen seiner Kinder auch unter den widrigsten Umständen trösten und stärken kann.
Wir interessieren uns vor allem für Ihre Lage in der Zeit des Hausarrests, insbesondere für Ihr Gebet und Ihre innere Verfasstheit. Können Sie uns mehr dazu sagen?
Francis An Shuxin:
Die Regierungspolitik den Bischöfen und Priestern gegenüber ist jetzt anders als zuvor, ein bisschen menschlicher. Wir Bischöfe werden in Isolation gehalten, an einen bewachten Ort gebracht, wo wir keine Möglichkeit haben, Irgendjemanden zu kontaktieren. Besonders die Menschen, die uns nahestehen, dürfen wir nicht sehen. Man hat aber auch nach Gelegenheiten gesucht, mich andere Diözesen besuchen zu lassen, wonach ich natürlich sofort wieder zurückkehren musste. Dass ich die Isolation verlassen durfte, war natürlich nicht oft der Fall, aber das ein oder andere Mal Ist es schon passiert. [...]
   1996 wirbelte ein von einem französischen Filmteam gedrehter Dokumentarfilm über die Diözese Baoding viel Staub auf. Peking war hellhörig geworden und zeigte auf einmal reges Interesse an der Diözese Baoding. Selbst die Stadt Baoding maß der Angelegenheit große Bedeutung bei, und so wurden auch wir auf einmal „interessant". Die Anordnungen kamen direkt aus Peking. Allein für die Überwachung meiner Person waren Dutzende von Personen zuständig.
    Dann erkannte man, dass wir nichts getan hatten, dass alles normal war, dass es einfach nur um unseren Glauben ging. Und da hat auch die Kontrolle nachgelassen, wurde das Kontrollpersonal reduziert. Die Beschränkungen aber blieben.
   Am Anfang hatte Ich nichts. Dank Bischof Jin Luxian bekam ich dann irgendwann endlich ein Brevier, später sogar ein eigenes Zimmer nur für mich allein.  Als mich der Sekretär der kommunistischen Partei des Dorfes besuchen kam, brachte er mir liturgische Paramente und einen Kelch für die Messfeier mit.
  Ich habe Trauben gekauft, um Wein herstellen zu können, ich weiß, wie man Wein macht. Wenn Wein übrig blieb, habe Ich ihn immer mit den Männern getrunken, die mich kontrollieren sollten.
  Später habe ich dann die Bücher gesehen, die die Verlage Faith und Guang Qi herausgebracht haben: sie wurden uns mit der Post geschickt. Wir haben also eine schöne Zeitlang in Harmonie gelebt und es ging uns nicht wirklich schlecht.
Hat man Ihnen in jener Zeit keine „Umerziehungs-Lektionen" erteilt?
An Shuxin:
Am Anfang haben die Oberen den Kontrollorganen gesagt, dass sie mich „erziehen" sollten. Aber was hätten sie mir beibringen sollen? Wenn wir beieinander saßen, haben wir uns über den Sinn des Lebens unterhalten. In Sachen Moral hatten sie mir nicht viel zu sagen. Wir haben zusammen die Zeitung Faith oder andere Zeitungen und Zeitschriften gelesen. Und das, was wir gelesen haben, wussten wir eigentlich schon. Sie haben vielleicht andere Ideen als wir. Ob sie aber wirklich die Forderungen der Oberen erfüllt haben oder nicht, das steht auf einem anderen Blatt.   30Giorni0912GianniValente  

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   Der Glaube des Volkes hat den Plan von einer unabhängigen Landeskirche scheitern lassen. Auch die Regierung muss nun ihr Verhalten den katholischen Gemeinden Chinas gegenüber überdenken. Interview mit Ren Yanli, Mitglied der chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften.  

   Ren Yanli, Mitglied der chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften und des Forschungsinstituts für Weltreligionen, befasst sich seit Jahrzehnten mit den Ereignissen um die katholische Kirche Chinas und die Beziehungen zwischen Volksrepublik China und Vatikan. Der Professor versteht es, die einzelnen Fakten in die richtige historische Perspektive zu stellen, ohne über die Veränderungen zu urteilen, die es in den letzten Jahrzehnten in den Beziehungen zwischen katholischer Kirche und Volksrepublik China gegeben hat. Anlässlich seines Besuchs am Sitz der Stiftung für Religionswissenschaften, „Johannes XXIII." in  Bologna gab er der italienischen Zeitschrift Trenta Giorni ein Interview.
Herr Professor, wie ist es um die katholische Kirche in China bestellt? Es gibt viele Gerüchte...
Ren Yanli Yanli:
Die chinesischen Katholiken sind Katholiken wie alle anderen. Sie haben denselben Glauben, lesen dieselbe Bibel, gehen aus freien Stücken zur Messe in die Kirche, wo sie beten und die Sakramente empfangen. Wie alle anderen Katholiken lieben sie ihre Heimat und wollen zur Modernisierung Chinas beitragen.
Warum gibt es dann aber Probleme?
    Es hat eine Zeit gegeben, in der es nicht möglich zu sein schien, gleichzeitig die Heimat und die Kirche zu lieben. Als die Volksrepublik China entstand, betrachtete man den Vatikan als politischen Feind des neuen kommunistischen China. Dann, Ende der 1950er Jahre, als die Politik von der anti-imperialistischen Bewegung beherrscht wurde, brach man alle Beziehungen zum Heiligen Stuhl ab. Die chinesische Kirche schlug die politische Linie der Unabhängigkeit und der eigenmächtigen Bischofsernennungen ein. Aber schon damals verloren jene, die aus Pa- triotismus oder auch nur dem Schein nach diese Linie verfolgten, schon bald ihre spirituelle Gelassenheit, schienen nicht länger gemeinsame Front zu machen. Wie soll eine Ortskirche, die keine Beziehung zum Apostolischen Stuhl hat, katholisch sein können? So kam es dann ja auch, dass die chinesischen Katholiken nach der unglückseligen Zeit der Kulturrevolution und der von Deng Xiaoping vorangetriebenen neuen Öffnung Chinas die Beziehung zum Heiligen Stuhl, zum Papst und zur katholischen Weltkirche wieder aufnehmen wollten. Wenn auch im gegebenen Zeitrahmen und mit den damals möglichen Mitteln.
Ein Wunsch, den man auf verschiedenen Wegen in die Tat umzusetzen versucht hat.
   Einige haben sich den heimlich geweihten Bischöfen angeschlossen, die in Gemeinschaft mit dem Papst standen und die jegliche Beziehung zur politischen Macht oder Kontrolle ablehnten. Aber auch die Bischöfe, die ohne Genehmigung des Apostolischen Stuhls geweiht worden waren, baten nach und nach darum, vom Papst anerkannt und legitimiert zu werden. Auch sie sind also davon abgekommen, die Unabhängigkeit anzustreben. Dieses allgemein feststellbare Phänomen muss in seiner Gesamtheit gesehen werden.
Wie lässt sich das erklären?  Was waren die Ursachen?
  Mir wird eigentlich immer klarer, dass der wichtigste Grund der Glaube der chinesischen Katholiken war, und zwar sowohl der Laien als auch des Klerus. Die Priester sind nun nicht mehr bereit, ohne apostolisches Mandat Bischöfe zu werden, wenn ihre Ernennung also nicht vom Papst kommt. Vielen neuen Bischöfen war es ein Anliegen, am Anfang und am Ende ihrer Weihezeremonie den Brief, in dem der Papst ihre Ernennung bekannt gibt, öffentlich zu machen. Man weiß immerhin nur allzu gut, dass die Gläubigen den Geistlichen, die - ohne Zustimmung des Papstes - autonom gewählt und geweiht worden sind, kein Gehör schenken. Die ohne päpstliches Mandat ernannten Bischöfe werden gemieden; niemand will bei der Messe aus ihren Händen die Kommunion empfangen. Wenn es in der Vergangenheit also auch den ein oder anderen gegeben hat. der vielleicht in einer unabhängigen Kirche Karriere machen wollte, scheiterte dieses Vorhaben letztendlich am Glauben unseres Volkes. Und das hat auch der Regierung geholfen, einen anderen Kurs einzuschlagen.
Worin sehen Sie diese Kursänderung? Nicht alle sind der Meinung, dass die chinesischen Machthaber heute elastischer sind als früher.
   Wenn die Regierung will, dass Bischöfe Hirten sind, die von den Gläubigen geschätzt und respektiert werden und man sie nicht als von außen aufgedrängte Beamte betrachtet, dann muss sie verstehen - und das tut sie -, dass eine vom Papst kommende Ernennung und die volle Gemeinschaft mit ihm unabdingbar sind. Etwas, worauf man nicht verzichten kann. Im Klartext heißt das, dass man von dem Gedanken abgekommen ist, der Kirche eine Unabhängigkeit aufzudrängen, die die Trennung vom Papst und von der Weltkirche bedeutet. Die Tendenz zu einer Bekräftigung der Gemeinschaft der chinesischen Bischöfe mit dem Papst - und zu allem, was damit zusam- menhängt - ist nicht mehr rückgängig zu machen. Es gibt kein Zurück mehr.
Wie würden Sie die jüngste Phase der Beziehungen zwischen China und dem Vatikan beurteilen?
   Meiner Meinung nach hat es wenig Sinn, von einem Ende der „Eiszeit" zu sprechen, weil es ja schon lange kein Eis mehr gibt und die beiden Seiten bereits vor vielen Jahren direkte Kontakte aufgenommen haben. Aber da ist immer noch dieses Hin und Her: jedes Mal. wenn eine Seite die Initiativen der anderen als Versuch betrachtet, sie auszuschalten, folgen gleich darauf Taten, die als „Gegenschlag" interpretiert werden können.
Können Sie uns ein Beispiel nennen?
   Nehmen wir das Jahr 2005. Alle in jenem Jahr geweihten Bischöfe hatten bereits vor der Weihe die Ernennung durch den Papst in der Tasche. Es war ein friedliches Jahr. 2006 wurde dann aber der Bischof von Hongkong. Joseph Zen, zum Kardinal kreiert - und schon fing man in China wieder damit an, Bischöfe ohne Mandat des Papstes zu ernennen: im April und im November. So konnten sich die Fronten zwischen chinesischer Regierung und Römischer Kurie erneut verhärten. Im Januar 2007, als durchsickerte, dass Benedikt XVI. an die Kirche in China einen Hirtenbrief geschrieben hätte, hörten die von Rom nicht autorisierten Weihen auf. Auch der neue Bischof von Peking wurde damals mit Genehmigung des Papstes gewählt. Dann aber feierte man in China mit großem Pomp den fünfzigsten Jahrestag der Patriotischen Vereinigung und der ersten Bischofsernennungen, zu denen es 1958 ohne Mandat des Papstes gekommen war. Und bei diesen Feierlichkeiten haben die politischen Verantwortlichen betont, dass die chinesische Kirche ihre Unabhängigkeitslinie beibehalten müsse.

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Foto links: Kreuzwegandacht in Tianshui, in der chinesischen Provinz Gansu. Foto rechts: Prof. Ren Yanli

Ein Zeichen für eine Eiszeit also, einer der vielen, immer wieder erfolgten Rückschläge?
   Der Heilige Stuhl hat diesbezüglich das Kompendium des Briefes veröffentlicht, den Benedikt XVI. im Jahr 2007 geschrieben hat. In einem Anhang dieses neuen Dokuments steht zu lesen, dass der Heilige Stuhl - sofern das notwendig sein sollte - den chinesischen Bischöfen wieder die Befugnis gewähren könnte, weitere Bischöfe zu weihen und dann später die Genehmigung des Papstes zu erbitten. Es wird also praktisch darauf hingewiesen, dass den Untergrund-Gemeinschaften diese Sonderbefugnisse, die mit dem Papstbrief aufgehoben worden waren, wieder zurückgegeben werden könnten.
Welche Reaktionen hat das auf chinesischer Seite ausgelöst?
   Man musste befürchten, dass es zu neuen Konflikten kommen würde. Als dann aber Hu Jin-tao zum G 8 nach Italien kam, ließ ihn der Papst wissen, dass er ihn gerne im Vatikan begrüßen würde. Diese Begegnung konnte nicht stattfinden; dass der Papst aber diese Einladung ausgesprochen hat, wurde sehr geschätzt.
Und wie geht es jetzt weiter?
   2009 hätte der achte Kongress der chinesischen Katholiken stattfinden sollen. Das ist die Versammlung der Delegierten der Diözesen, die bei der staatlichen Verwaltung der religiösen Angelegenheiten registriert sind. Ihr obliegt es auch, in offiziellen Organen der Kirche Chinas wie der Patriotischen Vereinigung und dem Bischofskollegium leitende Posten neu zu besetzen, wenn die sie bisher innehabenden Bischöfe verstorben sind. Die politischen Machthaber haben beschlossen, den Kongress auf 2010 zu verschieben.
Was bedeutet diese Verschiebung Ihrer Meinung nach?
   Vielleicht wollte man die Dinge nicht überstürzen. In Peking hat man eingesehen, dass die Oberhäupter der offiziellen Organismen nur dann anerkannt und respektiert werden, wenn es sich um Bischöfe handelt, die in Gemeinschaft mit dem Papst stehen. Und die legitimen Bischöfe hätten Schwierigkeiten damit, Ämter zu übernehmen, wenn der Heilige Stuhl ausdrücklich dagegen sein sollte. Die Entscheidung muss auf den richtigen Mann fallen. Und das dauert seine Zeit. Die heutigen chinesischen Politiker sind Pragmatiker und tendieren dazu, die sich ihnen stellenden Probleme schrittweise zu lösen, ohne allzu drastisch zu sein. Vor diesem Hintergrund fürchte ich, dass solange es nicht gelingt, einige grundlegende Probleme zu lösen, immer die Gefahr bestehen wird, zermürbende Konflikte wieder aufleben zu lassen, die nichts mehr mit der Geschichte zu tun haben. Und das würde letztendlich allen schaden.
Wie kann man die von Ihnen beschriebene Spirale von Aktion und Reaktion unterbrechen?
   Der Heilige Stuhl würde gut daran tun, die chinesische Kirche mit einzubeziehen. Wie bereits gesagt: die Treue der chinesischen Katholiken zum Glauben der Apostel war entscheidend. Und das gilt auch für die Entwicklung der Beziehungen zu den politischen Machthabern unseres Landes.
Was erwarten Sie sich von den chinesischen Politikern?
   Im Mai 2008 hat eine anonyme, aber einflussreiche chinesische Persönlichkeit in einer Hongkonger Zeitung darauf aufmerksam gemacht, dass Peking in Sachen Autonomie, Unabhängigkeit und Selbstregierung der Ortskirche umdenken könnte. In Seminaren, die für die politischen Entscheidungsträger abgehalten werden, befasst man sich schon seit geraumer Zeit mit dem Thema, wie man eine neue Definition für eine Unabhängigkeit finden kann, die den kirchlichen Aspekt des Glaubens vom politischen trennt. Das Konzept der Unabhängigkeit kann nicht länger auf die mit dem Glauben zusammenhängenden Aspekte des kirchlichen Lebens angewandt werden, sondern ist nur politisch zu verstehen.
Können Sie uns ein konkretes Beispiel nennen?
   Die Regierung will die Garantie, dass sich die Kirche nicht wie ein politisches Organ verhält. Dass die chinesischen Bischöfe unabhängig sind von etwaigen politischen und geopolitischen Linien der Römischen Kurie. In der Praxis bedeutet das, dass man vermeiden will, dass ein Bischof oder eventuell ein Nuntius die von der Regierung betriebene Politik kritisieren kann. Und das ist auch der Grund dafür, warum in Peking so mancher die Kontrolle über die Bischofsernennungen beibehalten möchte. TrentaGiorni0912GianniValente
 

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   Lucas Li Jingfeng (87)  Foto ist Bischof von Feng Xiang (Schaanxi, Zentralchina). Bis 2003 war es vielleicht die einzige Diözese Volkschinas, in der das gesamte Leben außerhalb der Kontrolle der Patriotischen Vereinigung wieder erblühen konnte. 2004 wurde Bischof Li auch von der Regierung als Bischof anerkannt, ohne sich bei der Patriotischen Vereinigung eintragen lassen zu müssen. Li ist einer der vier chinesischen Bischöfe, die Benedikt XVI. zur Bischofssynode 2005 nach Rom geladen hatte (und denen die Regierung die Erlaubnis verweigerte, China verlassen zu dürfen).

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Der Brief von Lucas Li Jingfeng, Bischof von Feng Xiang

   Meiner Meinung nach ist der Brief des Heiligen Vaters vom 30. Juni überaus aufschlussreich. Er hat die Wahrheit klar herausgestellt und niemanden verletzt, weder die „öffentliche” Kirche noch die im Untergrund, und auch nicht die Kommunisten. Vielmehr werden dort nur ausführlich und präzise die Wahrheiten der Kirche dargelegt, die notwendig sind für die gegenwärtige Situation der chinesischen Kirche. Diese Wahrheiten sind die der Theologie der Kirche und sie sind all denen bekannt, die sich mit Theologie befassen. Was für herrliche Worte! Man kann wirklich sagen, dass der Geist mit dem Stellvertreter Christi ist.
   Was in dem Brief geschrieben steht, ist genau das, was ich schon seit 20 Jahren der Regierung gegenüber mit Nachdruck vertrete. Dieser Brief ist dazu angetan, die Einheit zu begünstigen, und zwar sowohl für die Christen im „Untergrund” als auch die „öffentlichen.” Aber das wird meiner Meinung nach für die Christen im Untergrund schwieriger sein als für die öffentlichen. Einige von ihnen sind nämlich sehr starrköpfig und wollen nicht von ihrer Meinung lassen. Was nicht gottgefällig ist. Beten wir für sie zu Gott.
   Zur Regierung habe ich einmal gesagt: wir müssen in allen Dingen eine Vereinbarung mit der Welt erreichen, aber nun zeigt dieser Brief den Weg zu einer Vereinbarung mit der Welt in den Fragen der katholischen Kirche. Ich hoffe, dass die Regierung ihn annehmen wird.
   Vielleicht ist es für viele schwer, den Glauben und die Lehre der Kirche der Regierung klar zu machen. Denn das muss mit Demut und Aufrichtigkeit geschehen. Wenn wir unseren Glauben der Regierung in dieser Weise klar machen, kann sie sich ein Urteil bilden und uns auch ihre Approbation erteilen. Beten wir darum!
   Mit dem Brief des Heiligen Vaters sind alle vorherigen Privilegien und pastoralen Weisungen abgeschafft. Dieser Brief wird das zu verfolgende Prinzip sein. Das ist sehr gut für die Stabilität der Kirche und des Staates. Es ist der einzige und beste Weg, die Zwietracht auszulöschen, die Konfusion und das Fehlen von Frieden in der derzeitigen chinesischen Kirche.

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  Foto: Bischof Petrus Feng Xinmao beim Spenden einer Taufe. Petrus Feng Xinmao, der 44-ährige Bischofskoadjutor von Hengschui, Provinz Hebei, war der erste der neuen, 40jährigen Bischöfe, die von der Regierung anerkannt und erst dann geweiht wurden, als ihre Ernennung durch den Papst öffentlich bekannt gegeben war.Am 6. Januar 2004, dem Tag seiner Bischofsweihe, begann die Liturgie in der kleinen Kirche dieser Stadt, wo der dienstälteste Priester der Diözese die Dokumente verlas, die die Ernennung des neuen Bischofs durch den Papst bestätigen. Dann, um die Gläubigen nicht zu enttäuschen, die in der Kirche keinen Platz mehr gefunden hatten, zogen der Klerus und die Gläubigen über den Platz, und die Weiheliturgie ging in dem großen Saal des dortigen Hauses des Volkes weiter.

“Die Konfusion ist vorbei!” von Petrus Feng Xinmao, Bischofkoadjutor von Hengschui

   Wir sind alle überaus zufrieden mit dem Brief des Heiligen Vaters Benedikt XVI. an die chinesischen Katholiken. An seinem Blick auf die jüngste Geschichte der katholischen Gemeinschaft in China sieht man, wie sehr uns der Papst liebt, wie sehr uns die ganze Universalkirche liebt. Und das ist uns ein großer Trost. In China ist der Brief überall frei zugänglich. In meiner Diözese haben wir ihn aus dem Internet herunter geladen, fotokopiert und an alle Priester und religiösen Gemeinschaften verteilt, die ihn dann gemeinsam gelesen haben. Wir haben ihn auch bei meinem letzten Monatstreffen mit den Priestern der Diözese vorgelesen. Und jeder Pfarrer hat Hunderte von Fotokopien gemacht, um sie in der Pfarrei zu verteilen. Ich verlese und kommentiere ihn auch in den Homilien, die ich bei meinen Pastoralbesuchen in den Pfarreien halte.
   Natürlich behandelt der Inhalt viele Aspekte. Der wichtigste Teil sind die Weisungen für das christliche Leben in China. Lange Jahre gab es Konfusion darüber, wie man sich dem Staat und den Beschlüssen der so genannten Untergrundgemeinschaften gegenüber verhalten soll. In der Vergangenheit wurden der chinesischen Kirche Sonderbefugnisse zugestanden, besonders den Untergrundgemeinschaften. Diese sind nun aufgehoben. Unsere neue Richtlinie ist der Brief des Papstes, der der chinesischen Kirche eine große Hilfe ist.
   Darin wird festgehalten, dass der Untergrund keine normale Befindlichkeit für die christliche Gemeinschaft ist. Normal ist, dass die christlichen Gemeinschaften vom Staat anerkannt sind und man ihnen erlaubt, ihren Glauben offen zu erklären und auszuüben.
   Einige Untergrund-Christen sind verwirrt. Sie glauben, dass man, wenn man bei den staatlichen Organen eingetragen ist, nicht in Gemeinschaft mit dem Papst steht. Der Brief des Papstes hat diesen Punkt geklärt. Die Christen befolgen die Gesetze. Und wenn das staatliche Gesetz von einem Christen irgendeine Form der zivilen Registrierung verlangt, lassen wir uns eben registrieren. Das ist weder gegen den Glauben noch gegen die Lehre. Der Papst hat jenen Christen, die noch immer verwirrt sind gesagt, dass sie die Messen besuchen dürfen, die in den „offenen” Kirchen gefeiert werden. Wir werden nun sehen, ob sie dem Papst dem Wort nach oder auch mit Taten folgen werden.
   In meiner Diözese gibt es z. B. nur sehr wenige Untergrund-Christen. Und in Wahrheit gibt es ja auch keinen Grund mehr, das „Untergrundleben” zu wählen, um den eigenen Glauben zu leben. Sie könnten problemlos zu den Messen in den offenen Kirchen kommen: dort sind Pfarrer, die ich ernannt habe, und ich selbst bin wiederum vom Papst zum Bischof erwählt worden. Das wissen sie. Einige Untergrund-Leiter waren auch bei meiner Priesterweihe dabei. Aber vielleicht wollen sie ganz einfach nur nicht von ihren Gewohnheiten lassen.
   Ich weiß nicht, ob die Regierung mit dem Brief genauso zufrieden sein wird, wie wir es sind. Darin werden nämlich einige Punkte behandelt, die die Regierung anders sieht als der Papst. Die Rolle der Patriotischen Vereinigung z.B. Der Papst vertritt die Meinung, dass die Leitung der Kirche den Bischöfen obliegen muss.
   Vielleicht kann man eine neue Rolle für die Patriotische Vereinigung finden. Keinesfalls darf man aber vergessen, dass der Einfluss und die Rolle der Patriotischen Vereinigung schon jetzt von Diözese zu Diözese stark variieren. In unserer Diözese gibt es nur einen Christen, der als örtlicher Verantwortlicher von der Patriotischen Vereinigung ein Gehalt bezieht. Aber man kann nicht sagen, dass er sich in die Belange der Kirche einmischt. Zu den staatlichen oder regionalen Treffen der Patriotischen Vereinigung geht er oft gar nicht hin. Dann und wann ruft er mich an, gibt mir diesen oder jenen Ratschlag. Das ist alles.  30Giorni0707

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Foto oben: Chinesische Katholiken beten bei einer Messfeier in der Kathedrale von Nan Tang, Peking
Foto unten: Chinesische Katholiken beten vor der Pekinger Kathedrale 

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Foto unten: Demonstrationszug in Hongkong (v.l.n.r.:) Kardinal Zen Ze-kiun, der frühere Gesetzgeber Szeto Wah und der prodemokratische Gesetzgeber Martin Lee fordern gemeinsam am 1. Juli das allgemeine Wahlrecht in Hong-Kong.

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 China bemüht sich um normale Beziehungen zum Vatikan

  Für Papst Johannes Paul II. war es ein bis zuletzt unerfüllter Traum. Für Papst Benedikt XVI. aber könnte es Wirklichkeit werden: ein Besuch im Reich der Mitte. Unter der Eisfläche ist einiges in Bewegung geraten.
  Die Nachrichtenagentur Xinhua meldet ein Treffen in Peking zwischen dem belgischen Kardinal Danneels und dem chinesischen Vizepremier. Es gab intensive Gespräche. Die zwei Bedingungen Pekings lauten erstens Abbruch aller diplomatischen Beziehungen des Vatikans zu Taiwan und zweitens Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas. Im Klartext: Peking, und nicht etwa der Vatikan, soll Bischöfe ernennen.
   Die erste Bedingung ist weniger heikel. Der Vatikan hat seine „Ein-China-Politik” nie geändert, auch nicht, als die Kommunisten 1951 in der Hitze ihrer antiimperialistischen Kampagne - in Korea kämpften sie gerade verlustreich gegen die Amerikaner - die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl abbrachen und den päpstlichen Nuntius Antonio Riberi auswiesen. Aus Sicht des Vatikans wurde der Nuntius-Sitz lediglich von Nanking nach Taipeh verlegt, zuständig ist der kirchliche Gesandte aber weiterhin für die Gläubigen in ganz China. Deshalb ist es auch vorstellbar, den Sitz in Taipeh gegen einen in Peking einzutauschen. Dies würde man in Taipeh zwar sehr bedauern, denn der Vatikan ist die letzte diplomatische Bastion der Insel in Europa. Die taiwanischen Bischöfe aber hätten für eine Verlegung Verständnis. Schon 1985 haben sie Papst Johannes Paul II. für diesen Fall ihre volle Unterstützung zugesichert: Man werde sich als „Brückenkirche” einsetzen.
   Schwierig aber wird es bei der zweiten Bedingung. Denn hier geht es nicht mehr um Diplomatie, sondern um die Freiheit des Glaubens.  Sie war es auch, die 1958 zur Spaltung der katholischen Kirche in China führte. Diese genoss nach den wilden Verfolgungsjahren 1950/51 eine kurze Atempause, in der Papst Pius XII. achtzehn chinesische Priester zu Bischöfen ernennen konnte. Doch als im Juni 1957 die Kommunisten ihren Rachezug gegen jene Intellektuellen starteten, die der Forderung des Vorsitzenden Mao Folge geleistet und die Regierung tatsächlich kritisiert hatten, war alles vorbei. Peking hielt nun die Politik der Einheitsfront für überflüssig und setzte auf absolute Parteiführung. Im Juli wurde die „patriotische Versammlung der chinesischen Katholiken” gegründet, der sich die Kirche unterzuordnen hatte, und Anfang 1958 wurden zwei Linientreue von der Regierung zu Bischöfen ernannt: Der Papst habe sie gefälligst zu segnen. Der lehnte empört ab, und das Tischtuch war zerschnitten.
  Seitdem hat sich vieles innerhalb der Kirche geändert. Dem Bruch mit dem Vatikan folgten ein Massenaustritt der Gläubigen aus der nun „patriotischen” Kirche und die Gründung einer papsttreuen Untergrundkirche. Deren Mitglieder waren es, die Anfang der siebziger Jahre,  kommunistischer Verfolgung trotzend, den katholischen Glauben von Haus zu Haus zunächst im Süden und dann in ganz China wiederbelebt haben. Die „patriotische” Kirche besitzt dagegen die Kathedralen, die heute mit staatlichen Mitteln und großzügiger Hilfe aus dem Westen verschönert werden, um Pekings Toleranz zu demonstrieren.
   Im Streit um den wahren Glauben indes befand sich die „patriotische” Kirche von Anfang an in der Defensive. Das erste Zugeständnis erfolgte erst Mitte der achtziger Jahre, als sich ein chinesischer Bischof mit der Bitte an den Vatikan wandte, vom Papst bestätigt zu werden. Denn ein „patriotischer” Bischof genießt zwar im weltlichen Leben viele Privilegien, zum Beispiel hat er einen Dienstwagen und darf ins Ausland reisen. Aber ihm fehlt das Vertrauen der Gläubigen seiner Diözese. In den neunziger Jahren sind daher immer mehr „patriotische” Bischöfe dem Beispiel ihres Kollegen gefolgt. Und dank der „Brückenkirchen” in Taiwan und Hongkong gibt es inzwischen viele Wege, die nach Rom führen. Schwester Beatrice Leung, Professorin für internationale Beziehungen am Wenzao Ursuline College of Languages in Taiwan, weiß, dass fast siebzig der insgesamt sechsundsiebzig „patriotischen” Bischöfe bereits heimlich ihre Bestätigung im Vatikan eingeholt haben.
   Diese Entwicklung bringt China wie den Vatikan zum Nachdenken und löst hüben wie drüben Streit aus. So herrscht zwar in der kommunistischen Führung Einigkeit über die Notwendigkeit einer Normalisierung der Beziehungen zum Heiligen Stuhl, doch in der Religionsfrage bleibt sie zerstritten. Denn wie kraftvoll der Glaube auch im heutigen China gedeihen kann, hat sich am Beispiel der verbotenen Falun Gong gezeigt. Die Orthodoxen in Peking wollen daher nicht nur das Sagen über die „patriotische” Kirche behalten, sondern durch eine Normalisierung des Verhältnisses zum Vatikan zugleich auch die Untergrundkirche unter Staatskontrolle bringen. Dagegen sehen die Pragmatiker um Pan Yue, der zuletzt als grüner Vordenker viel Wirbel ausgelöst hat, in der Religion ein notwen- diges Übel, mit dem man sich schlecht oder gut arrangieren müsse.
   Die Pragmatiker schlagen eine friedliche Koexistenz vor: Die Kirche möge die Autorität der Partei anerkennen und dann die Glaubenslücke füllen, die das Hinscheiden des Marxismus hinterlassen hat. Als Gegenleistung soll die Partei ihr eine Sonderstellung im Staat mit finanziellen und administrativen Vorteilen zugestehen.
 Dieser innerparteiliche Streit ist verantwortlich für die unterschiedlichen Signale, die in den vergangenen Jahren in China zu hören waren. So zeigte Peking 1995 mit der Entsendung einer Delegation zum Weltjugendtag in Manila guten Willen, lehnte aber kurz danach die Bitte von Mutter Teresa, in China ein Caritaszentrum eröffnen zu dürfen, mit der lapidaren Bemerkung ab, in der Volksrepublik gebe es keine Armen. 1999, nach dem Staatsbesuch Jiang Zemins in Italien, begann man in China plötzlich von einem bevorstehenden „großen Durchbruch” zu reden, und im Vatikan wurde Kardinal Sodano schon mit den Worten zitiert, man sitze in Taipeh auf gepackten Koffern. Doch am 6. Januar 2000 folgte die Ernennung von fünf neuen Bischöfen durch die chinesische Regierung.
   Im Vatikan sahen sich dadurch die Skeptiker bestätigt und drängten auf scharfe Reaktion. Am 1. Oktober 2000, dem chinesischen Nationalfeiertag, sprach Papst Johannes Paul II. 120 Märtyrer der chinesischen Kirche heilig - ein Schritt, der angesichts des symbolträchtigen Datums nicht unumstritten war. Kritik kam vor allem von den „Brückenkirchen”. Sie sind der Ansicht, vorrangig müsse man sich bemühen, wieder nach China hineinzukommen, denn von außen könne man nur wenig ausrichten. Der Papst schrieb deshalb einen persönlichen Brief an Präsident Jiang Zemin, in dem er sich für die Wahl des Datums entschuldigte. Ein Jahr später nahm er anlässlich des vierhundertjährigen Jubiläums der Ankunft des Jesuitenpaters Matteo Ricci in China die Gelegenheit wahr, auch für etwaige Fehler, die die katholische Mission in China einst begangen hat, um Verzeihung zu bitten.
   Diese Demut des Papstes blieb nicht ohne Wirkung, auch wenn sie sich erst langsam einstellte. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass sich auf beiden Seiten Pragmatismus durchsetzt. Ein erster kleiner Durchbruch wurde im Januar 2004 durch die Ernennung von Bischof Peter Feng Xiunmao, einer Wahl des Vatikans, als Koadjutorbischof der Diözese Hengshui erreicht. Und auch in Schanghai wurde ein Weihbischof eingesetzt, auf den sich Regierung und Vatikan offenbar gemeinsam verständigt haben. Joseph Zen, Bischof von Hongkong, hat bereits laut darüber nachgedacht, ob dies eine mögliche Form für eine künftige Zusammenarbeit werden könnte. Ihm schwebt eine Lösung nach polnischem Vorbild vor: Der Vatikan konsultiert Peking mit einer Liste seiner Kandidaten, bevor der Papst einen daraus zum Bischof ernennt. So wurde einst ein Pole namens Karol Wojtyla Bischof von Krakau. ZhouDerongFAZ060709

China und die Kirche: Die beiden ältesten, ununterbrochen bestehenden Kulturen der Menschheit liegen miteinander im Streit. Die römisch-katholische Kirche, die größte Glaubensgemeinschaft der Christenheit mit 1,3 Milliarden Mitgliedern und China mit 1,3 Milliarden Einwohnern. Vor einem Jahr ließ Papst Benedikt XVI., nachdem die Regierung in Beijing gegen den Willen des Papstes Bischöfe für die Kirche in China ernannte und weihen ließ - fast kampfeslustig den Vatikansprecher eine offizielle Erklärung abgeben, in welcher der Staats­und Parteiführung in Peking das „tiefe Missfallen des Heiligen Vaters” unverhohlen ausgesprochen wurde. Der Brief des Papstes an die Kirche in China ist ein ernsthaftes Angebot zum Frieden.

   Anlass für diesen Streit war, dass im kommunistischen China zwei Priester zu Bischöfen geweiht worden waren, „ohne die notwendige Gemeinschaft mit dem Papst zu respektieren”, wie es hieß, „ohne den Auftrag und die Zustimmung des Papstes”. Der Vatikan wusste es auch ganz genau, zu genau für den Geschmack der chinesischen Diplomaten in Rom; die Priester Giuseppe Ma Yinglin und Giuseppe Liu Xinhong am Sonntag, 30. April, in Kunming(Provinz Yunnan) und am Mittwoch, 3. Mai, in Wuhu (Provinz Anhui). Der Vatikan hatte ungewöhnlich schnell, nur einen Tag später, reagiert, war also vorbereitet.
Weit mehr als innerkirchliche Querelen
   Eine „illegitime”, nicht „ungültige”, Bischofsweihe - das erscheint auf den ersten Blick wie eine innerkirchliche Querele, ein leichtfertiges oder absichtliches Übertreten kirchenrechtlicher Normen, des Kanons 1382 des Kodex, ein kleiner Verstoß gegen die Einheit der Kirche, aber nicht mehr. Dann könnte die Pekinger Führung leicht zur Tagesordnung übergehen und weiter wähnen, dass sie Herr im eigenen Haus sei.  Aber es ist weit mehr. Es betrifft nicht nur China, sondern auch andere Weltgegenden. Hier ist nicht nur ein wunder Punkt der päpstlichen, römisch-kirchenrechtlichen Kompetenz berührt, sondern ein weltpolitischer Streit um die Freiheit der Kirche und die Würde des Menschen offengelegt.
Denn der Theologe auf dem Papstthron zieht seine Anklage weit über den Binnenraum der Kirche hinaus. Nicht ein Kirchenparagraph steht zur Debatte, sondern, wie es für China heißt, dass „Bischöfe und Priester starken Pressionen und Drohungen unterworfen wurden, um an diesen Bischofsweihen teilzunehmen, gegen ihr Gewissen”. Einige hätten, so heißt es weiter, diesen Drohungen widerstanden, andere hätten sich „mit innerem Leid” gefügt und seien in ihrem Gewissen „verletzt”.
   Vielleicht kümmert das die Parteiführer in Peking nicht. Aber das bedeutete, dass sie nicht ganz auf der Höhe der Zeit sind und die Entwicklung der Menschenrechte seit gut einem halben Jahrhundert nicht wahrhaben oder verdrängen wollen. Nach 1949 konnten die Machthaber unter Mao die Christen auf dem chinesischen Festland ohne große internationale Anteilnahme verfolgen und schikanieren. Damit schufen sie jedoch auch Märtyrer für künftige Gläubige. Denn trotz aller Behinderungen gibt es immer noch zehn bis 30 Millionen Christen in der Volksrepublik.
Kirche als Anwalt der Menschenrechte
   Das „Päpstliche Jahrbuch” verzeichnet Jahr für Jahr alle kirchlichen Bistümer und Provinzen, die seit 430 Jahren (so Macau), vor allem jedoch im 20. Jahrhundert vor dem kommunistischen Regime, errichtet wurden und nur der „Auffüllung” harren. Die Unterdrückung von Minderheiten und die Verletzung von Menschenrechten ist seit den Erklärungen der Vereinten Nationen nicht mehr „Privatsache” eines Staates, sondern eine internationale Angelegenheit.
   Zudem haben sich die chinesischen Kommunisten einen denkbar ungünstigen Partner für ihren Kulturkampf ausgesucht. Denn der „Heilige Stuhl”, der kleine Vatikanstaat als Regierungszentrale der katholischen Kirche, repräsentiert nicht eine kleine Sekte. Er ist vielmehr ein von fast allen Staaten anerkanntes Völkerrechtssubjekt, dem dadurch - das ist das Besondere - das Recht gegeben wird, die Interessen der Katholiken zu vertreten und sich dabei auch „in die inneren Angelegenheiten” dieser Staaten „einzumischen”.
   So werden Religions- und Gewissensfreiheit international beachtetes und einklagbares Recht. Die Kirche wurde zum Anwalt der Menschenrechte, nicht aus Gnade der Staaten, sondern wegen der Einsicht „des Staates”, dass nicht alles vom Menschen ihm gehört. Diese Einsicht hat sich in China noch nicht durchgesetzt.
Diktatur über das Gewissen
   Deshalb hielt sich der päpstliche Protest auch nicht lange auf mit der seit Jahrzehnten geläufigen, doch immer weniger tauglichen Unterscheidung zwischen einer katholischen „Patriotischen Kirche”, die von den Behörden gelenkt wird, und einer im Untergrund. Die erste ist nach vielen Zeugnissen viel weniger „patriotisch”, als es die Kommunisten gern hätten, die zweite lebt gar nicht so versteckt wie anzunehmen war.
   Die Religion hat sich auch in China als stärker erwiesen als die Ideologie. Die „Erklärung” berührt auch nicht das „Problem Taiwan”, die Inselrepublik, die sich an internationale Standards hält und den Christen ihre Freiheit gewährt. Denn es wäre das erste Mal, dass die vatikanische Diplomatie einen solchen Knoten nicht fein auflösen könnte. Das Regime in Peking schiebt nach römischer Ansicht diese innerchinesische Auseinandersetzung vor, um eine Diktatur über Gewissen ausüben zu können, die ihm nicht zusteht.
   Etwas Ähnliches hat freilich auch die katholische Kirchenführung in China lernen müssen. Man feiert jetzt den 500. Geburtstag des Jesuiten-Missionars Franz Xaver, der als erster in der Neuzeit die christliche Botschaft nach China bringen wollte, der jedoch 1552 vor dem ihm verschlossenen Festland starb.
Kampf um den Menschen
   Immer wieder gedenkt der Priesterorden der „Gesellschaft Jesu” auch seiner „Mandarine”, des Italieners Matteo Ricci, des Deutschen Adam Schall, die in Peking eine Synthese zwischen chinesischer Kultur und christlichem Glauben versuchten, etwa bei der Verehrung der Ahnen oder der Anbahnung einer Hochzeit zwischen dem Kaiser und einer päpstlichen Nichte. Ihre „Akkomodation” und „Inkulturation” stießen in Rom (und bei den europäischen Kolonialmächten) auf Widerstand. Sie wurden erst vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) und Johannes Paul II. (1981) gebilligt und gepriesen.
   Auch andere Orden, Benediktiner, Salesianer oder „Steyler”, haben im 20. Jahrhundert an Universitäten in China gewirkt, nicht zum Schaden der Chinesen. Jetzt muss nur die kommunistische Führung einsehen, dass es nicht ein Streit von Kulturen oder Ideologien ist, sondern ein Kampf um den Menschen. Der Vatikan bietet dafür im Schlusssatz „seine Bereitschaft zu einem ehrenhaften und konstruktiven Dialog” an. Allerdings ohne illegitime Bischofsweihen.
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Bischof nach zehn Jahren Haft frei

   Bischof Franciscus An Shuxin (57) ist nach zehn Jahren Haft in der Volksrepublik China wieder frei. Von dem Weihbischof in Baoding (Hebei) fehlte seit seiner Verhaftung fast jede Spur. Derzeit sind noch sechs Bischöfe sowie Dutzende Priester in Haft. Shuxin wurde im Mai 1996 bei einer Razzia der Polizei im Priesterseminar in Baoding verhaftet, für das er zuständig war. Nur ein Mal wurde er laut asianews seither kurz von Zeugen gesehen, als er im Jahr 2000 seine schwer kranke Mutter besuchen durfte. Während der Haft sei er gut behandelt worden, habe der Bischof in einer ersten Erklärung mitgeteilt. DT060829

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Lesen Sie den Bericht über die Kathedrale von Schanghai unten auf dieser Seite

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   Joseph Xing Wenzhi empfing vor wenigen Wochen das Sakrament der Bischofsweihe in der Kathedrale von Schanghai. Ernannt hatte ihn, kurz vor seinem Tod, Johannes Paul II. Dann hat ihn die Mehrheit der Vertreter der Diözese - Priester, Schwestern, Laien der Diözese Schanghai - „gewählt”. Und schließlich kam auch die „Genehmigung” seitens der Pekinger Regierung. So konnte ihn sein neunzigjähriger Bischof, Aloysius Jin Luxian, seit 1988 Leiter der Diözese Schanghai, mit Einverständnis der Regierung, aber - noch - ohne Genehmigung des Heiligen Stuhls, durch Handauflegung ins Bischofskollegium in feierlicher Liturgie einreihen.
   Vor der Messe haben die knienden Gläubigen bereits gemeinsam den Rosenkranz und den Kreuzweg gebetet. Der ein oder andere verharrt am Eingang, vor einem Tisch mit den Büchern über das Leben der Heiligen, über dem ein Megaposter von Papst Benedikt hängt. In der Kapelle hinter dem Altar stehen Gläubige Schlange, um Kerzen anzuzünden und vor dem Gemälde, auf dem Papst Johannes Paul II. abgebildet ist, niederzuknien. An diesem Sonntag erläutert Jesus im Evangelium das Gleichnis vom Sämann. Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt: „Sobald er aber um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er zu Fall. „In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, „der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum,  und es bringt keine Frucht.“ Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, „der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.”

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Fotos oben: Bischof Aloysius Jin Luxian legt Joseph Xing Wenzhi bei der Bischofsweihe
die Hände links und das Evangelienbuch rechts auf

Zikawei, 8. September 1955
  Anfang des 17. Jahrhunderts - er hatte gerade die Taufe empfangen - machte der Mandarin Xu Guangqi, mächtiger Freund des Jesuiten Matteo Ricci, die Gebiete rund um die Kathedrale, wo sich heute Wolkenkratzer und Einkaufszentren erheben, der Kirche zum Geschenk. Noch heute trägt das Viertel Xujiahui - Zikawei in Shanghaier Dialekt - den Namen von Xus Familie. Hier hatten die Jesuiten Mitte des 19. Jahrhunderts begonnen, in den Vororten dessen, was schon damals eine große kosmopolitische Metropole war, ihre christliche Stadt zu errichten. Die Kathedrale, das Priesterseminar, das astronomische Observatorium.
  Die damalige Residenz der Patres ist heute die Bibliothek von Zikawei, das antike Refektorium dient als Lesesaal. Im ehemaligen Kloster der Ordensschwestern befindet sich heute ein elegantes Restaurant. Hier in Zikawei war Pater Zhang Boda als Rektor des St.Ignatius-Kollegs tätig - nach jenem ersten Jesuiten benannt, der 1951 als gegenrevolutionärer Märtyrer in den Kerkern Maos starb. Hier in Zikawei schlug die Strategie Maos zur Vernichtung der chinesischen Kirche - indem man sie von der sichtbaren Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri trennte - am gnadenlosesten zu. Immerhin waren die Diözese Schanghai und deren Bischof Ignatius Gong Pinmei ein Symbol für das gesamte riesige Land,  die Hochburg des katholischen Widerstands gegen den Plan der kommunistischen Partei, eine Nationalkirche des Regimes zu schaffen, die jegliche Bindung an den Apostolischen Stuhl ablehnte, den man als „imperialistische Zentrale” des Vatikan sah.
   Auch der Laie Simon He, der heute 71 Jahre alt ist und damals gerade die Mittelschule absolviert hatte, wird diese Nacht des 8. September 1955 wohl nie wieder vergessen: „Die Polizei umstellte alle Gebäude, in denen religiöse Einrichtungen untergebracht waren: die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag lang. Mehr als 400 Menschen wurden verhaftet, alles, was Rang und Namen hatte: Bischof Gong, alle Priester, die seine engsten Mitarbeiter waren, sowie fast alle Laien, die der Legion Mariens angehörten.  Man beschuldigte sie, eine paramilitärische Gruppierung zu sein, die für kapitalistische Mächte arbeitete. Weitere tausend mussten in der kirchlichen Oberschule drei Jahre lang Gehirnwäsche über sich ergehen lassen, den Versuch also, die Jugendlichen für den Sozialismus einzunehmen und gegen den ‚imperialistischen’ Vatikan aufzuwiegeln.” Ihrer Führungskräfte und des Großteils ihrer Seelenhirten beraubt, lebte die Kirche Schanghais jahrelang in Unsicherheit. Bis zu dem Moment - Mitte der Sechzigerjahre -, in dem auch hier, wie über ganz China, die dunkle Nacht der Kulturrevolution hereinbrach. „Das Seminar wurde zum Krankenhaus umfunktioniert”, erinnert sich Simon. „Das Haus, in dem die Schwestern einst zu Hause waren, war eine Schirmfabrik geworden, die Schwestern selbst Fabrikarbeiterinnen. Alle Kirchen wurden entweder beschlagnahmt oder geschlossen. Wir aber haben nicht aufgehört, in unseren Privathäusern zu beten.
   Auch der Kathedrale Zikawei wurde übel mitgespielt. Die Roten Garden schlugen die Scheiben ein, beschädigten das Dach und die Turmspitzen. Der Rest blieb jedoch unbeschädigt.”

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Fotos oben und unten: Sonntagsmesse in der Kathedrale von Zikawei / Schanghai mit dem neugeweihten Bischof Joseph Xing und Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel

Der 2009 geweihte junge Bischof Joseph Xing ist seit Dezember 2011 nicht mehr öffentlich gesehen worden

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„Wir müssen nicht mehr die Helden spielen“
   Das alles scheint nun der Vergangenheit anzugehören. Wer heute nach Zikawei kommt, findet dort eine Kirche vor wie jede andere, die von den Gläubigen in aller Freiheit besucht werden kann. Heute muss sich niemand mehr verstecken, wenn er beten oder die Kommunion empfangen will. Gleich neben der Kathedrale wurde vor kurzem auch das neue Bischofshaus eingeweiht  und das zehn Stockwerke hohe Haus für Priester, das mit Marmorstatuen der vier Evangelisten geschmückt ist. Dennoch haben die Wirren der vergangenen Jahre unter der scheinbaren Normalität des Lebens der Kirche Schanghais noch offene Wunden hinterlassen.
   Vor fünfzig Jahren waren der junge Jesuit Aloysius Jin und sein Bruder im Priesteramt, Joseph Fan Zhongliang, zwei der engsten Mitarbeiter von Bischof Gong Pinmei. Auch sie wurden in der Nacht der großen Razzia verhaftet. Beide genossen das Vertrauen ihres Bischofs: ersterer war Rektor des Priesterseminars geworden, dem zweiten war die kirchliche Oberschule anvertraut. Im Jahr 1954, als der Wirbelsturm nahte, waren auch sie mit ihrem Bischof zum Marienheiligtum Unsere Liebe Frau von Scheschan emporgestiegen und hatten geschworen, mit Hilfe der Jungfrau Maria, niemals ihren Glauben zu verleugnen. Nach den schrecklichen Jahren der Kulturrevolution, nach fast 50 Jahren Gefängnis und Ausgrenzung,  wurden schließlich auch Jin und Fan befreit, wie Tausende von Priestern, Ordensleuten und Gläubigen damals auch. Das China Deng Xiaopings ließ die Kirchen wieder öffnen, forderte Priester, Ordensschwestern und Bischöfe auf, ihre Arbeit wieder aufzunehmen, wenn auch unter strenger politischer Überwachung. Und das war der Moment, in dem sich die Wege der beiden Jesuiten trennten.
   Jin wurde Rektor des Seminars; 1985 wurde er zum Weihbischof von Schanghai geweiht, mit Genehmigung der Regierung, aber ohne die des Papstes von Rom; 1988 wurde ihm die Leitung der Diözese übertragen, während der betagte Gong Pinmei, rechtmäßiger Inhaber des Bischofssitzes, weiterhin unter Zwangsarrest stand  (im Mai jenes Jahres begann sein Exil in Connecticut). Fan dagegen lehnte jegliche Zusammenarbeit mit den „patriotischen” Vereinigungen ab, mit denen das Regime das Leben der Kirche kontrollieren wollte. 1985 wurde auch er, ohne Regierungsgenehmigung, zum Bischof geweiht und der Vatikan erkannte ihn als einzigen rechtmäßigen Nachfolger des im Jahr 2000 verstorbenen Gong Pinmei an. Die Gemeinschaft der „Untergrund”-Gläubigen, die auch weiterhin den Rosenkranz betete, in Privathäusern Messen feierte und sich von den Kirchen fernhielt, die nach und nach unter Kontrolle der Regierung geöffnet wurden, gruppierten sich um Fan und fühlten sich in ihrem gewollten unerschütterlichen Widerstand von Rom unterstützt. Sie waren die „treue Kirche”, diejenigen, die im Namen der vollen Treue zum Nachfolger Petri jeden Kompromiss mit der separatistischen Linie abgelehnt hatten, die das Regime den chinesischen Katholiken auferlegen wollte. Jin, seine Kurie und seine Priester, erschienen ihnen als Verräter, Marionetten des Regimes. Sie waren das Unkraut im Garten des Herrn.
  Bischof Fan ist heute schwerkrank: er leidet an Alzheimer, verbringt seine Tage ohne Erinnerung in der Wohnung, wo das Regime 20 Jahre lang zwar seine „illegalen” Aktivitäten toleriert, ihn aber stets beobachtet und in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt hat. Den Untergrund-Gemeinschaften wurde mitgeteilt, dass der Heilige Stuhl keinen anderen Untergrundbischof für die Kirche Schanghais anerkennen würde, und dass - nach seiner Pen- sionierung - der einzig rechtmäßige Hirte für die Katholiken Schanghais sein Nachfolger Joseph Xing wäre, der von der Pekinger Regierung anerkannt ist.
   Ein Paradox kirchlicher Undankbarkeit? Zeigt die römische Kurie gerade denen die kalte Schulter, die dem Papst den höchsten Treue-Tribut entrichtet haben? Verbündet sie sich mit jenen, die Kompromisse mit den Verfolgern eingegangen sind? Gerade anhand dieser Bischofsweihe in Schanghai wird die Wahrheit der komplexen Geschichte der chinesischen Christenheit in den letzten 50 Jahren deutlich. Die Meinung, dass es in China zwei Kirchen gibt - eine papsttreue und eine regimetreue - ist Legende.
   In den letzten Jahren hat man in Rom erkannt, dass Jin den 1954 Marienwallfahrtsort Scheschan geleisteten Eid niemals gebrochen hat. Er hatte zwar akzeptiert, ohne Erlaubnis des Papstes Bischof zu werden. Das hatte ihn dem Verdacht der Spaltung augesetzt. Inzwischen aber ist ersichtlich, dass auch er - wie der Großteil der Bischöfe, die in jenen Jahren rechtswidrig die Bischofsweihe empfangen haben - keineswegs das Ziel einer „autarken” Landeskirche verfolgte. Er hat vielmehr versucht, sich die wenigen Öffnungen, die das Regime dem kirchlichen Leben zugestand, zu nutzen. Somit konnte er dafür sorgen, dass die Kontinuität der kirchlichen Einrichtungen, wie auch die Sakramentenspendung gewährleistet blieb - und zwar in aller Öffentlichkeit. So ist es nicht verwunderlich, wenn die meisten von ihnen bereits Anfang der Achtzigerjahre auf inoffiziellem Weg beim Apostolischen Stuhl darum ansuchten, als rechtmäßige Bischöfe anerkannt zu werden.
   Die Tatsache schließlich, dass ScBuhanghai in diesen Jahren so viele reiche Früchte hervorbringen konnte, spricht Bände: in der ganzen Stadt wurden neue Kirchen gebaut, ein modernes Priesterseminar entstand, eine Druckerei, die für ganz China Evangelien druckte, der Vereinigung der katholischen Intellektuellen wurde neuer Auftrieb gegeben, Verbindungen zu katholischen Universitäten und Einrichtungen der ganzen Welt hergestellt. „Die katholische Kirche ist  eine, auch in China“, meint Pater Joseph Lu lächelnd. Er hat in den USA studiert, leitet zwei Pfarreien im Zentrum, und hat nun ein Visum für Auslandsreisen beantragt, um nach Europa kommen zu können. „Wir und die Katholiken im Untergrund sind zwei Gesichter ein und derselben Medaille. Wenn wir alle demselben Hirten folgen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer Aussöhnung kommen wird. Wenn die Kirchen offen sind, warum soll man dann zuhause versteckt die Messe feiern? Zumindest in Schanghai muss man nun nicht mehr die Helden spielen!”

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Das Herz vergisst
  Das Schanghai ohne Helden ist jenes dekadente und vergnügungssüchtige Schanghai, das sich am linken Ufer des Huangpu zur Schau stellt, wo in den Glaspalästen im europäischen Stil die eleganten Restaurants und repräsentativen Häuser der chinesischen Finanzkolosse untergebracht sind. Hier vergnügt sich die der intellektuellen Elite abends in New Heaven and Earth, jenem Stadtviertel im Stil Anfang der Neunzigerjahre, mit seinen italienischen Restaurants, französischen Stripperinnen, der lateinamerikanischen Musik, dem deutschen Bier und den Designerbüros der neuen Schanghaier Kunst. Das Finanz-Herz der Megametropole, das heute in einem wahr- haft atemberaubend schnellen Rhythmus schlägt, befindet sich heute in Pudong, jenseits des Flusses. Hier boomt der zyklopenhafte Städtebau eines ausufernden Kapitalismus, der das postkommunistische China prägt. Dort, in der Peripherie des Finanz-Herzens von ganz Asien, versammelt Pater John Gong seine tausend Pfarrkinder in der schlichten Marienkirche, die es erst seit wenigen Wochen gibt. Ein einfaches Samenkorn, hier inmitten der Wolkenkratzer aus Glas und Zement und den hermetisch abgeschlossenen Wohnanlagen der Neureichen. Angesichts der veränderten Zeiten kommt gelegentlich eine nicht eingestandene Sehnsucht nach jenen vergangenen Zeiten wieder auf, in denen die Christen so mutig für ihren Glauben Zeugnis ablegten.

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Neue Kirchen in Pudong: Turm der Herz-Jesu-Kirche Foto oben rechts
und die moderne Marienkirche in Pudong Foto oben links

  Auch Pater John, der hier jeden Morgen nach dem Breviergebet mit seinen Gläubigen die Heilige Messe feiert, war einer der jungen Seminaristen, die - nach 1955 - drei Jahre lang die von den Maoisten im Seminar von Zikawei durchgeführten „Umerziehungskurse“ in Sachen Sozialismus und Verschwörungen des Vatikan über sich ergehen lassen mussten. Dann hat er dreißig Jahre lang geduldig darauf gewartet, dass der Sturm vorüberzog. Das in der Jugend gegebene Versprechen hat er gehalten. Er hat nicht geheiratet und trat 1987 in das Seminar von Scheschan ein, das erste, das in den Jahren der von Deng eingeleiteten Öffnung wieder seine Tore öffnen konnte. Erst 1990, im Alter von 52 Jahren, wurde er Priester. Aber jetzt, wo ihm von Pudong aus ein guter Einblick in das China von morgen möglich ist, kann er erkennen, dass die Rechnung nicht aufgeht. „Als sich die Verfolgung abzuzeichnen begann, riet uns Bischof Gong Pinmei, uns bereit zu halten. Betet, dass uns der Herr beistehe und uns den Glauben bewahre, unseren einzigen Schatz. Heute habe ich den Eindruck, dass sich niemand mehr dieses Schatzes bewusst ist. Die Leute wollen nur Geld scheffeln, arbeiten auch 12 Stunden am Tag. Für die jungen Leute, auch die aus christlichen Familien, gehören die Geschichten derer, die den Glauben in jenen schwierigen Jahren bewahrt haben, der Vergangenheit an. Das Herz der Menschen vergisst oft auch die größte Vergangenheit.”
Explosion christlicher Spiritualität in China?
   Im Westen spekulieren phantasievolle Journalisten derweil über eine ,Explosion’ christlicher Spiritualität in China – als  Nebenwirkung der ausufernden Konsumhaltung - im chinesischen Universum. Ob dem wirklich so ist, sei dahingestellt - in den gesättigten Gesichtern der Menschen, denen man in dieser brodelnden, scheinbar nie zur Ruhe kommenden Stadt begegnen kann, ist jedenfalls nichts davon zu erkennen.  Wer ein Kreuz um den Hals trägt, imitiert vielleicht nur irgendeinen der hier bekannten Rapper. Aber sicher wissen sie nichts von den lateini- schen Litaneien, die in den Lagern gesungen wurden, von der patriotischen Vereinigung, der Regierung, die alle ausspionierte, und noch weniger von den zwanzig Jahren ,brüderlicher Zwistigkeiten' zwischen Christen im ,Untergrund’ und denen der ‚offenen’ Kirchen.
   Auch Therese aus Peking wusste nichts davon. Als sie noch ein Kind war, haben ihr ihre Eltern, kommunistische Funktionäre, sicher nichts davon erzählt. Auch, weil sie nie zuhause, viel zu sehr mit ihrer politischen Karriere in der Mongolei beschäftigt waren. Dann hat sie eine christliche Freundin gefunden, begann, in die Kirche zu gehen, empfing mit 25 Jahren die Taufe. Sie erzählt, dass sie, als man sie fragte, welchen christlichen Namen sie denn wählen würde, antwortet, den der liebsten Heiligen. „Die Taufpatin sah mich zunächst überrascht an, schenkte mir dann aber ein Buch über das Leben von Theresa von Lisieux ... Als ich ins Ausland ging, fragte mich ein ausländischer Priester, ob ich der ,Untergrund’-Kirche angehöre. Ich wusste gar nicht, wovon er sprach. Ich antwortete ihm, dass man in China keine unterirdischen Kirchen gebaut hätte, ich in den U-Bahn-Stationen nie solche gesehen hätte ...” Heute fühlt sie sich im pulsierenden Schanghai pudelwohl. Sie hält sich gern bis spät in die Nacht in den Ateliers der Künstler auf oder in den neuen Restaurants,  in denen sie sich mit ihren Freunden zu treffen pflegt. Und sie ist es auch, die die Evangeliumsszenen und die chinesischen Symbole auf die Glasscheiben der Kathedrale von Zikawei zeichnet. Dieselben, die noch vor einiger Zeit von den Steinen der Roten Garden eingeworfen wurden.
   Auch die Seminaristen, die jungen Priester und Schwestern, die in der Pfarrei Sankt Petrus von Schanghai zusammenkommen, bevor sie sich in ganz Schanghai verteilen, um Sommerkurse in Katechismus zu halten, scheint es nicht sehr zu kümmern, ob das Christentum, das in der spirituellen Wüste der chinesischen Megalopolis doch auf so fruchtbaren Boden fallen sollte, nun wirklich auf dem Vormarsch ist oder nicht. Aber auch die satte Konsumhaltung ihrer Altersgenossen scheint ihnen kein Kopfzerbrechen zu bereiten. „Das ist nun einmal die Zeit, in der wir leben”, meint Anthony Zhao mit einer resignierenden Handbewegung. Der Theologiestudent im letzten Semester am Seminar von Scheschan hat im Juli an den von der Diözese organisierten vier Einkehrtagen teil- genommen, an denen man Methoden studieren wollte, „wie man den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, für die wir Katechismusunterricht geben, den Glauben nahe bringen kann.”
   Der neue Bischof Joseph Xing weiß, wenn er an die abenteuerlichen Jahre denkt, die ihm bevorstehen: weder sein Können und seine Fähigkeiten, noch seine Fehler und Grenzen werden dafür ausschlaggebend sein, ob der Same christlicher Freude, der ja sogar in den stürmischen Zeiten der Verfolgung Früchte trug, auf chinesischem Boden verdorren oder - einer nach dem anderen - wundersam aufblühen wird in den Herzen der Männer und Frauen dieser großen Lichterstadt. cfGianniValente/M.Quattrucci30Giorni0508

Bischofsweihe in Guanxi (China). Erstmalig seit der Entstehung der Volksrepublik China wurden zwei Bischöfe mit Zustimmung der Regierung und nach der päpstlichen Ernennung  geweiht. Aber auch die bisher ohne Mandat des Papstes erfolgten Bischofsweihen sind sakramental gültig.

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 Fotos: [von oben nach unten] 1. Kirche Dongtang in Peking  2. Die Bischofsweihe von John Baptist Tan Yanqan Bischofskoadjutor  der Diözese Guanxi (21. Januar 2003) 3. Heilige Messe in der Kathedrale Fuzhou 
4. Feststimmung vor der Kirche von Niupidi im Dorf St. Josef in der südöstlichen Provinz Guandong

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Fotos (von oben nach unten:) 5. Betende Gläubige beim Marien-Wallfahrtsort von Scheschan, nahe Schanghai, bei der jährlichen Wallfahrt vom 24. Mai. 6. Kniende Gläubige beim Empfang der Heiligen Kommunion in der Kirche Nantang in Peking. 7. Betende Gläubige in der Kirche St. Michael Bejing. GianniValente in 30GIORNI 0405

tn_ChinaSr_psd     China: Boom bei Frauenorden     tn_China01_jpg

  Die weiblichen Ordensgemeinschaften erleben in der Volksrepublik China eine unverhoffte Renaissance. Das geht aus einer in Paris erscheinenden Zeitschrift “Eglises d’Asie” veröffentlichten Studie hervor. Seien 1986 nur noch 250 Ordensfrauen in China tätig gewesen, so sei ihre Zahl derzeit auf rund 5.000 gewachsen, sagte Studienleiterin Schwester Beatrice Leung Kitfun von der Universität Lingnan in Hongkong. Dabei sei kein Unterschied zwischen “patriotischer” und romtreuer Kirche gemacht worden. Die Ordensfrau bedauerte allerdings, dass manche im Ordensleben eine Flucht in materielle Sicherheit sähen. Zudem sei das Ausbildungsniveau der Novizinnen derzeit oft noch sehr niedrig. Nach den jüngsten Veränderungen im Führungsgremium der Kommunistischen Partei der Volksrepublik China hofft die katholische Kirche auf mehr Religionsfreiheit im Land. Zuletzt hatte ein westlicher Jesuitenpater nach einer Chinareise berichtet, die Lage der katholischen Christen hätte sich in den vergangenen fünf Jahren in mehreren Regionen des Landes stark zum Besseren verändert. In der Region Hebei mit ihren rasch wachsenden Großstädten könnten die katholischen Gemeinden heute wieder ein blühendes Leben entfalten. “China ist offener denn je”, so der Wiener Jesuit  Friedrich Sperringer wörtlich.  Er warnte vor falschen Klischee- bildern. Anfang der neunziger Jahre sei überall die Liturgie des Zweiten Vatikanischen Konzils eingeführt worden; in allen Messen werde “für den Papst gebetet”. Es geschehe sehr viel, damit die völlige Einheit der Kirche in China mit dem Vatikan wiederhergestellt werden kann.

Die Kirche in China wächst

   Die Katholische Kirche Hong-Kongs will in einer großangelegten Evangelisierung in diesem Jahr 10.000 Chinesen für die Kirche begeistern. Eine starke Initiative zur Verkündigung des Evangeliums. Trotz der traditionellen religi- ösen Intoleranz in China möchten die Christen Menschen zur Taufe ermutigen. Sieben Millionen Rosenkränze wurden unters Volk gebracht. Der Weihbischof von Hong Kong, Bischof John Tong, verwendet für diese Mission Rosenkranzkarten, die mit Hilfe der Caritas und dem Hilfswerk Kirche in Not hergestellt werden konnten. So können Menschen angesprochen und ihnen eine Einführung in das Gebet des Rosenkranzes gegeben werden. Auf diesen Karten ist ein Bild  “Unserer Lieben Frau von China” zu sehen, eine Madonna mit Kind in chinesischen Gewändern.
   Bischof Tong erklärte vor der Presse, dass diese Evangelisation an Kraft gewinnt durch das starke Wachstum der Kirche in China, die trotz der Unterdrückung in voller Blüte steht. Die 12 staatlich anerkannten Priesterseminare in China könnten die 2.000 Priesteramtskandidaten kaum fassen.
   Die chinesische Regierung plane ein restriktives nationales Sicherheits-Gesetz durchzusetzen. Gleichwohl zeigte sich Bischof Tong zuversichtlich, dass der Staat sich weiter für die Demokratie öffnen und somit der Freiheitsraum wachsen werde. Der Bischof bittet die westlichen Regierungen “mehr Aufmerksamkeit auf die religiösen Menschen- rechte in China” zu richten. Bischof Tong erwartet, dass die Zahl der Seminaristen weiterhin steigen werde und berichtete von der Berufung der zukünftigen Priester Chinas. Ein Seminarist fühlte sich zum Priestertum berufen, weil er die Arbeit seines Onkels fortsetzen wolle, der als katholischer Priester von den Kommunisten hingerichtet worden war.
  Zuversichtlich äußerte sich der Bischof über die neuen Bemühungen zur Wiedervereinigung der staatlich anerkannten mit der “Untergrundkirche”, die in ihrer ungebrochenen Treue zu Rom die chinesischen Behörden in Erstaunen versetzt hat. “Die Beziehungen zwischen den beiden Richtungen der Kirche sind ziemlich gut”, meinte Bischof Tong. “Wenn da nicht der Wille wäre, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich gegenseitig zu lieben, werde es keine Lösung für die innere Trennung der katholischen Christen geben.” JohnPontifexCT030817

Die katholische Kirche in China:
12-14 Millionen Mitglieder
6.000 Kirchen und Kapellen
138 Diözesen - 90 Bischöfe - 2.800 Priester
5.000 Schwestern - 2.000 Priesteramtskandidaten
                          80 Ordensnoviziate - 1.300 Schwestern in Ausbildung             te2008S2

Hongkong: 3.000 Erwachsenentaufen zu Ostern 2010
   3.000 Taufbewerber wurden in der Diözese Hong Kong zu Ostern von der Kirche aufgenommen. In der Feierstunde in der St.Franzikus-Gemeinde in Hong Kong, sprach Bishof John Tong über das Thema “Lebendiges Wasser”, und erklärte, dass beständiges Gebet der beste Weg sei, um dieses lebendige Wasser von Jesus zu erhalten. Der Bischof ermutigte die Taufbewerber, täglich das Wort Gottes zu meditieren und sich abzuwenden „von allem, was mit dem Glauben unvereinbar ist“. Nur so könnten Christen „näher zu Christus und unserem himmlischen Vater gelangen und Zeugnis für Jesus geben“.
   Während des Gottesdienstes übergab Bischof Ton die Bibel an die Katechumenen, damit das Wort Gottes ihr Begleiter im Leben sei und die Flamme des Glaubens in ihren Herzen brenne.
   Im Jahr 2009 waren es 2.700 Taufbewerber. Heute zählt die katholische Kirche in Hong Kong 250.000 Mitglieder, bei einer Bevölkerung von 7 Millionen. CT100321PeterClarke

Matteo Ricci und der Kaiser,es bewegt sich etwas: die katholische Kirche im großen China

   Er war der »Apostel Chinas« und der erste, der die mit der »Inkulturation« verbundene Missionsmethode gleichsam erfand: der Jesuitenpater Matteo Ricci. Dieser Missionar knüpfte Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts, 300 Jahre nach Marco Polo, wieder Kontakte zum Chinesischen Kaiserreich, das damals von der Ming-Dynastie beherrscht wurde.
   Matteo Ricci wurde am 6. Oktober 1552 in Macerata in der heutigen Region Marken geboren, damals ein Teil des Kirchenstaates. Sein Vater war Giovanni Battista Ricci, seine Mutter die Adelige Giovanna Angelella. Er wurde zunächst von einem Privatlehrer, dem Priester Nicolò Bencivegni aus Siena erzogen, der später dem Jesuitenorden beitrat. Ab 1561 besuchte er die neugegründete Jesuitenschule seiner Heimatstadt, 16jährig sandte ihn der Vater zum Jurastudium nach Rom, denn Matteo sollte wie einige andere Verwandte in den päpstlichen Dienst treten. Entgegen dem Wunsch seines Vaters begann er 1571 sein Noviziat bei den Jesuiten und legte 1572 die ersten Gelübde ab. Nach der Beendigung der humanistischen Studien in Florenz trat er in die berühmte Jesuitenschule »Collegium Romanum« ein und studierte Rhetorik und Philosophie.
  Der junge Student beschäftigte sich unter anderem mit Werken von Platon, Aristoteles, Cicero und Quintilian, natürlich in den Originalsprachen Griechisch und Latein, die er fließend beherrschte. Einige Werke kannte er auswendig, er verfügte über ein erstaunliches Gedächtnis, das ihm später bei der Erlernung der chinesischen Sprache half. Das Studium der Philosophie umfasste Logik, Dialektik, Physik, Mathematik, Astronomie, Geographie und Kartographie. In Mathematik wurde Matteo Ricci von dem aus Bamberg stammenden Jesuiten Christophorus Clavius (Christoph Clau) unterrichtet. Dieser berühmte Mathematiker, ein Freund von Galileo Galilei, stand in Briefkontakt mit zahlreichen Persönlichkeiten seiner Zeit und war an der Kalenderreform von Papst Gregor XIII. beteiligt. Während seines Studiums befasste sich Ricci auch mit Musik, Malerei, Architektur und Theater. Im Römischen Kolleg eröffnete sich ihm die Welt der europäischen Kultur, was ihm später in China sehr hilfreich sein sollte.
Priesterweihe in Cochin
  Im Jahr 1577 wurde Matteo Ricci für die Mission in China ausgewählt. Er verließ Rom zunächst in Richtung Portugal. Nach einem kurzen Aufenthalt in Coimbra segelte er 1578 nach Goa und dann Cochin; dort empfing er die Priesterweihe. 1582 gelangte er nach Macao, wo ihn sein Mitbruder Michele Ruggeri bereits dringend erwartete. Auf seinen Rat hin begann Ricci mit dem Studium der chinesischen Sprache und Schrift. Nach vergeblichen Versuchen gelang es den beiden, im September 1583 nach China einzureisen. Sie hatten die Erlaubnis des Gouverneurs Wang Pan, in Shaoking (Provinz Kanton) ein Ordenshaus und eine Kirche zu errichten.
   Doch das Misstrauen der Chinesen war groß. Die beiden Jesuiten beherzigten daher den Rat, sich Bart und Haare abzuschneiden und die europäische Kleidung gegen die chinesische der Bonzen einzutauschen. Außerdem nahmen sie chinesische Namen an. Matteo Ricci ließ sich fortan Li Madou nennen. Die Chinesen waren nun neugierig, und groß war ihr Staunen darüber, mit welcher Schnelligkeit der geniale Pater Ricci ihre Sprache lernte. Als eines Tages der Gouverneur Wang Pan das in europäischer Art errichtete Ordenshaus besuchte, fiel ihm eine kleine Landkarte von Europa auf. Er erkannte, dass China nicht der Mittelpunkt der Welt war, wie die Chinesen glaubten, sondern dass es inmitten von vielen, mitunter größeren Ländern lag. Er forderte den Jesuiten auf, eine ähnliche Karte mit chinesischen Aufschriften anzufertigen. Einige Monate später - man schrieb das Jahr 1584 - überreichte der Missionar dem Gouverneur eine Weltkarte in chinesischer Sprache sowie eine mechanische Uhr, die er extra für Wang Pan konstruiert hatte. Von seinem Meisterwerk, der berühmten Weltkarte, ließ Pater Ricci fünf verschiedene Versionen drucken. Die letzte entstand 1608 und zwar auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers Wanli. Die Herstellung einer Weltkarte war nur eine von vielen kulturellen Leistungen des überaus gebildeten und gleichzeitig charismatischen Jesuitenpaters. So übersetzte er Texte über Astronomie und Mathematik in die chinesische Sprache und machte die Chinesen mit der Theologie, mit Philosophie, Literatur, Kunst und den Naturwissenschaften in Europa vertraut. Er verfasste den Katechismus auf chinesisch, ein portugiesisch-chinesisches Wörterbuch und übersetzte die Lehren des Konfuzius ins Lateinische.
  Im Jahr 1597 wurde Pater Ricci zum Superior der Mission in China ernannt. Nach einem ersten vergeblichen Versuch, sich in Peking niederzulassen, gründete er nunmehr die inzwischen vierte Missionsstation - in Nanking. 1601 gelang es ihm endlich, in die Hauptstadt einzureisen und stabile Kontakte zum kaiserlichen Hof zu knüpfen. Seine Bemühungen um die Evangelisierung trugen Früchte: In diesen Jahren bekehrten sich selbst Chinesen aus den höchsten Kreisen zum Christentum. Als Ricci 1610 starb, zählte China etwa 2.500 Christen. Der Kaiser erwies ihm eine hohe Ehre: Der Missionar bekam ein eigenes Grundstück für die Errichtung des Grabes in Peking, wo er heute noch verehrt wird.
Europa und die fremde Welt
   Die größte Leistung von Pater Ricci bestand darin, dass er sich in die chinesische Kultur, vor allem in den Konfuzianismus, hineindachte und -lebte. Das Christentum sollte für die Chinesen kein Fremdkörper sein; Pater Ricci versuchte, es ihnen auf dem Weg ihrer eigenen hohen chinesischen Kultur nahe zu bringen. Der Missionar hob in seinen Schriften Ähnlichkeiten bei den Bräuchen der verschiedenen Religionen hervor. Er übernahm von den Chinesen Sprache, Kleidung und Sitten. Nachdem er zunächst Li Madou hieß, wurde er später Xitai, »Lehrer aus dem Okzident«, genannt. Er brauchte 18 Jahre, um mit der Frohen Botschaft von Macao nach Peking vorzudringen und lebte zehn Jahre am Hof mit dem Titel eines Mandarins, unterstützt von Mitteln des chinesischen Staates.
   Das Wirken Riccis wurde nach seinem Tod in Europa häufig missverstanden. Sein Werk wurde erst in neuerer Zeit wiederentdeckt und ins rechte Licht gerückt. Papst Johannes Paul II. sagte anlässlich seiner Rede in der Päpstlichen Universität Gregoriana am 6. April 2001: »Nehmt euch ... die herausragende Gestalt des großen Missionars Pater Matteo Ricci zum Vorbild, der sein religiöses Zeugnis in das Herz der chinesischen Gesellschaft einfließen ließ. Er verstand es, wenn er vom Evangelium sprach, bei jeder Gelegenheit den angemessenen kulturellen Zugang für den Gesprächspartner zu finden«. SilviaMontanariOR050311

Jesuitenpater Matteo Ricci: Apostel Chinas vor 400 Jahren

   Er ist nicht so berühmt wie Kolumbus. Aber dass der Italiener Matteo Ricci zu den großen europäischen Entdeckern fremder Kulturen gehört, steht außer Zweifel. Dass man nun im Herzen Roms, an der Piazza Venezia, dem Ordensmann - am 6. Oktober 1552 im mittelitalienischen Macerata geboren, am 11. Mai 1610 in der chinesischen Hauptstadt Peking gestorben - eine eigene Lebensausstellung widmet, wird vielleicht seine Bekanntheit nicht wesentlich erhöhen. Aber „sachlich” ist Ricci von großer Aktualität für das gespannte Verhältnis zwischen der ka- tholischen Kirche und dem kommunistischen China, darüber hinaus für die Fragen, wie man zugleich Christ und Chinese sein kann oder, noch allgemeiner, zugleich „Westler” und „Asiat”, was für eine universale, globale Ausrichtung des Christentums vielleicht noch bedeutender ist.
   Eine dramatische Hypothese drängt sich angesichts der Bilder und Erinnerungsstücke in den Sälen auf: Die Weltpolitik wäre anders verlaufen, wenn man - die Kirche und die Kolonialmächte - dem Jesuitenpater gefolgt wäre. Denn Matteo Ricci beeindruckte zu seiner Zeit als Mathematiker und Astronom den chinesischen Kaiser in Peking (seit 1601) mit der überlegenen „westlichen” Technik; er war einfach besser und bescheidener als die Mandarine und konnte genauer die Wirklichkeit vorausberechnen. Als Christ und „Missionar” jedoch respektierte er die chinesische Kultur, deren Religion und Moral als Wert in sich. Er suchte die christlichen Lehren und die chinesische „Weltanschauung” zu „akkomodieren”. So einsichtig war dem Kaiser diese gegenseitige „Inkulturation”, dass er Papst Klemens VIII. (1592 bis 1605) um die Hand einer Nichte bat. In dem kaiserlichen Schreiben nach Rom hieß es wörtlich: „Indem Ihr, Vater und Freund, Unserem Wunsch willfahrt, werdet Ihr ein Bündnis und ewige Freundschaft zwischen Euren Königreichen und Unserem mächtigen Land herstellen. Unsere Gesetze werden vereinigt sein, wie das Schlinggewächs sich dem Baume anschmiegt ...” Leider kam es nicht zu der Hochzeit. Schade, dann müsste man sich heutzutage wohl keine Gedanken mehr machen über chinesische Billigimporte und Dumpingpreise. Auch die Kirche brauchte sich nicht  zu grämen über die schwierigen Verhältnisse in Volks-China mit nur zehn bis 20 Millionen Katholiken und ebenso vielen anderen Christen. Es gäbe kein kirchenpolitisches Tauziehen zwischen Rom und Peking über die den kommunistischen Behörden verbundene und unterstellte „Patriotische Kirche” und die dem Papst ohne Kompromisse ergebene „Untergrundkirche”. Der Vatikan könnte die zahllosen Erzbistümer und Diözesen in „Festland-China”, die meist vor sechzig Jahren, vor der Machtergreifung durch die Kommunisten, eingerichtet wurden, wieder mit tüchtigen Bischöfen besetzen. Die kommunistische Staats- und Parteiführung müsste nicht befürchten, dass Katholiken etwas anderes wünschten als legitime Menschen- und Bürgerrechte, die ja auch einer guten Regierung am Herzen liegen.
   Leider kam es anders. Die „Akkomodations-Theologie” wurde in Rom angeschwärzt und schließlich verurteilt, in Übereinstimmung mit den herrschenden politischen Meinungen in Europa. Denn zur Debatte stand die prinzipielle Entscheidung der europäischen Mächte, ob man sich auf die Kultur der neuentdeckten Länder einlassen oder die Völker zum eigenen Nutzen als Kolonial-(oder Missionierungs-) Objekte behandeln solle. In dem sogenannten „Ritenstreit” - über die Erlaubtheit von Chinesischem im Christlichen; Ähnliches galt für Indien -  ging es ein Jahrhundert  hin und her. Die Gegner Riccis und seiner deutschen Priesterfreunde und Nachfolger aus dem Jesuitenorden, wie Adam Schall aus Köln oder Christoph Claver aus Bamberg, verloren. Erst 400 Jahre später korrigierte Papst Johannes Paul II die Irrtümer seiner Vorgänger, als er 1981 in Manila vor Exil-Chinesen erklärte: „Die Kirche sucht die Traditionen und kulturellen Werte eines jeden Volkes zu respektieren. Die christliche Botschaft ist nicht der ausschließliche Besitz irgendeiner Gruppe oder Rasse; sie richtet sich an jedermann und gehört allen. Deshalb besteht kein Gegensatz, zugleich wirklich Christ und wirklich Chinese zu sein.” Damit war Matteo Ricci nicht nur rehabilitiert. Seine „Akkomodation”, die Einpassung des Christlichen  in eine nichteuropäische Kultur und „Ideologie”, wurde zur Leitlinie erhoben. Deshalb wird im Vatikan auch die Stimme des 90 Jahre alten Bischofs Aloysius Jin Luxian, Schanghai, zur Kenntnis genommen, obwohl - oder vielleicht weil - dieser zwischen Peking und Rom, zwischen „offizieller” Kirche und jener im verborgenen, steht. Längst hat die streng organisierte kommunistische Partei in China erkannt, längst hat auch die hierarchisch verfasste Kirche begriffen, dass man nicht alles büro kratisch regeln und unterscheiden kann. Mit der Ausstellung in Rom geht die Geschichte zwischen zwei Milliarden gemeinschaften im Zeichen Matteo Riccis weiter. FAZHeinz-JoachimFischer050216

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Benedikt XVI.:
Gebete und Gefühle der Wertschätzung für die chinesische Kirche und das edle chinesische Volk”

   „Pater Ricci Fotos und Zieichnungen oben wollte China nicht die Wissenschaft und die Kultur des Westens bringen. Er brachte das Evangelium, damit die Menschen Gott kennen lernen konnten. So schrieb er auch: ,Mehr als 20 Jahre lang habe ich jeden Morgen und jeden Abend mit Tränen in den Augen zum Himmel gebetet. Ich weiß, dass der Herr des Himmels Erbarmen hat mit den Lebewesen, dass er ihnen vergibt [...]. Die Wahrheit über den Herrn des Himmels ist bereits ins Herz der Menschen gelegt. Aber die Menschen verstehen sie nicht gleich und zeigen auch keine große Bereitschaft, über eine solche Frage nachzudenken' Die wahre Bedeutung des ,Herrn des Himmels', Rom 2006, SS. 69-70. Und gerade während er das Evangelium brachte, wurde Pater Ricci Foto oben von seinen Gesprächspartnern um eine tiefer gehende Debatte gebeten, so dass die vom Glauben ausgelöste Begegnung auch Dialog zwischen den Kulturen werden konnte; ein Dialog ohne Hintergedanken, frei von Macht- gelüsten und Wirtschaftsinteressen. Ein Dialog in aller Freundschaft, der das Werk Pater Riccis und seiner Jünger zu einem der schönsten und wichtigsten Momente in der Beziehung zwischen China und der westlichen Welt macht." Mit diesen Worten gedachte Benedikt XVI. Pater Matteo Ricci, dessen 400. Todestag sich jährt. Zum Abschluss sagte er: „Wie einst Pater Matteo Ricci möchte heute auch ich die tiefe Wertschätzung zum Ausdruck bringen, die ich dem edlen chinesischen Volk und seiner Jahrtausende alten Kultur entgegenbringe. Ich bin überzeugt davon, dass die Begegnung des chinesischen Volkes mit dem Christentum, die einst das friedliche Zusammenleben der Völker bewirkte, auch heute viele gute Früchte tragen kann. Danke"
   Der Beitrag des Papstes wurde am 30. Mai 2010 in der italienischen Ausgabe des Osservatore Romano veröffentlicht - Übersetzung30Giorni1005

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Handgeschriebene Seite des Missionars: “Von der Ankunft der Gesellschaft Jesu und des Christentums in China...”
(Della entrata della Compagnia di Giesù e Christianità nelle Cina ... )

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