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Credo

 > zu unserer Seite > Sonntag, der Tag des Herrn

Auf dieser Seite lesen Sie:
1. Papst Franziskus: Gewissenserforschung mit Matthäus - Die Seligpreisungen
2. Papst Franziskus: Die Kraft der Auferstehung Jesu wird uns alle auferwecken
3. Wir müssen uns nicht vor dem Tod fürchten
4. Benedikt XVI.: Der fundamentale Zugang zum ewigen Leben: Die Taufe
5.  Benedikt XVI.: Zu glauben ist nicht unmodern, sondern vernünftig
6. Kardinal Georges Cottier OP: Sensus Fidei - Reflexionen  über Geheimnis und Leben der Kirche
7. Der Bischof von Rom im Gespräch mit seinen Priestern
8. Der Kurz-Katechismus der katholischen Kirche - Vademecum des Glaubens
9. Neu: Jugendbibel Youcat
10. KardinalSpidlik: “Ich glaube an den einzigen Vater”
11. Benedikt XVI.: Ich glaube an den Vater, den Allmächtigen
12. Pfingstpredigt 2015: Papst Benedikt
13. Papst Paul VI. verfasste das “Credo des Gottesvolkes”
14. Thomas von Aquin: “Das ewige Leben” - Ich will mich satt sehen an deiner Herrlichkeit
15. BenediktXVI. / Bartholomais: Neuevangelisierung ist ein gemeinsames Anliegen
16. Wie kommt Gott ins Internet: YOUCAT
17. Was hat der heilige Nikolaus mit dem Credo zu tun?

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Gewissenserforschung mit Matthäus
Der Heilige Vater empfiehlt die Lektüre der Seligpreisungen - Generalaudienz am 6. August 2014

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!
   Bei den vorhergehenden Katechesen haben wir gesehen, wie die Kirche ein Volk bildet, ein Volk, das von Gott mit Geduld und Liebe bereitet wurde und dem anzugehören wir alle aufgerufen sind. Heute möchte ich die Neuheit herausstellen, die dieses Volk charakterisiert: Es handelt sich wirklich um ein neues Volk, das auf einem neuen Bund gründet, der von Jesus, dem Herrn, durch das Geschenk seines Lebens gestiftet wurde. Diese Neuheit verleugnet weder den vorhergehenden Weg, noch ist sie diesem ent­gegengesetzt, sondern sie führt ihn viel­mehr weiter, vollendet ihn.
1. Es gibt eine bedeutungsreiche Gestalt, die das Bindeglied zwischen dem Alten und dem Neuen Testament darstellt: Johannes der Täufer. Für die synoptischen Evangelien ist er der „Wegbereiter", derjenige, der das Kommen des Herrn vorbereitet, indem er das Volk für die Umkehr des Herzens und die Annahme der Tröstung des nunmehr nahen Gottes bereit macht. Für das Evangelium des Johannes ist er der „Zeuge", da er uns in Jesus Denjenigen erkennen lässt, der von oben kommt, um unsere Sünden zu vergeben und um aus seinem Volk seine Braut zu machen, Ursprung der neuen Menschheit. Als „Wegbereiter" und „Zeuge" nimmt Johannes der Täufer eine zentrale Rolle in der ganzen Heiligen Schrift ein, insofern er als Brücke zwischen der Verheißung des Alten Testaments und ihrer Erfüllung, zwischen den Prophezeiungen und ihrer Verwirklichung in Jesus Christus dient. Mit seinem Zeugnis weist Johannes auf Jesus hin, fordert er uns auf, ihm zu folgen und sagt uns klar und deutlich, das dies Demut, Reue und Umkehr erfordert: Es ist eine Aufforderung zur Demut, zur Reue und zur Umkehr.
2. Wie Mose den Bund mit Gott kraft des am Sinai empfangenen Gesetzes geschlossen hat, so übergibt Jesus von einem Berg am Ufer des Sees von Galiläa seinen Jüngern und der Menge eine neue Lehre, die mit den Seligpreisungen beginnt. Mose gibt das Gesetz auf dem Sinai und Jesus, der neue Mose, gibt das Gesetz auf jenem Berg, am Ufer des Sees von Galiläa. Die Seligpreisungen sind der Weg, den Gott als Antwort auf den dem Menschen innewohnenden Wunsch nach Glück weist, und sie vervollkommnen die Gebote des Alten Bundes. Wir sind es gewohnt, die zehn Gebote zu lernen - sicher, Ihr kennt sie alle, Ihr habt sie bei der Katechese gelernt - aber wir sind es nicht gewohnt, die Seligpreisungen zu wiederholen. Versuchen wir ge- unserem Herzen einzuprägen. Machen wir folgendes: ich werde sie eine nach der anderen aufzählen und Ihr wiederholt sie. Einverstanden?

Zunächst: „Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich." [Alle wiederholen]
„Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden." [Alle  wiederholen]
„Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben." [Alle wiederholen]
„Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden." [Alle wiederholen]
„Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden." [Alle wiederholen]
„Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen." [Alle wiederholen]
„Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden." [Alle wiederholen]
„Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich." [Alle wiederholen]
„Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet."
„Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein." [Alle wiederholen]  Mt 5,3-12

   Gut habt Ihr das gemacht! Doch tun wir folgendes: ich gebe Euch eine Hausaufgabe, eine Aufgabe, die Ihr zu Hause machen sollt. Nehmt das Evangelium, das Ihr bei Euch tragt... Ihr erinnert Euch, dass Ihr immer ein kleines Evangelium bei Euch tragen sollt, in der Jackentasche, in der Handtasche, immer; das, was Ihr zu Hause habt. Nehmt das Evangelium und in den ersten Kapiteln bei Matthäus - im fünften, glaube ich - sind die Seligpreisungen. Und wenn Ihr heute oder morgen zu Hause seid, dann lest sie. Werdet Ihr das tun? (Alle: ,Ja!") Um sie nicht zu vergessen, denn sie sind das Gesetz, das Jesus uns gibt. Werdet Ihr das tun? Danke.
In diesen Worten findet sich die ganze Neuheit, die Christus bringt, die ganze ten. Die Seligpreisungen sind das Bild Jesu, seine Lebensform; und sie sind der Weg zum wahren Glück, dem auch wir mit der Gnade folgen können, die Jesus uns schenkt.
3. Über das neue Gesetz hinaus übergibt Jesus uns auch das „Protokoll", anhand dessen wir einmal gerichtet werden. Am Ende der Welt werden wir gerichtet werden. Und welche Fragen werden sie uns dann stellen? Welche Fragen werden das sein? Nach welchem Protokoll wird der Richter über uns urteilen? Nach dem, was wir im fünf- undzwanzigsten Kapitel des Matthäus­Evangeliums finden. Die heutige Aufgabe lautet, das fünfte Kapitel des Matthäusevangeliums zu lesen, in dem die Seligpreisungen sind; und das fünfundzwanzigste Kapitel zu lesen, in dem sich das Protokoll findet, die Fragen, die man uns am Tag des Gerichts stellen wird. Wir werden keine Titel, keine Guthaben und keine Privilegien haben, die wir anführen können. Der Herr wird uns erkennen, wenn wir unsererseits Ihn im Armen, im Hungrigen, im Fremden und Obdachlosen, in dem, der leidet und allein ist erkennen. Das ist einer der wichtigsten Maßstäbe zur Überprüfung unseres christliches Lebens, an dem uns zu messen Jesus uns jeden Tag einlädt. Ich lese die Seligpreisungen und denke darüber nach, wie mein christliches Leben sein soll, und dann überprüfe ich mein Gewissen anhand dieses fünfundzwanzigsten Kapitels bei Matthäus. Jeden Tag: ich habe das getan, ich habe das getan, ich habe das getan.... Das wird uns gut tun! Das sind einfache, aber konkrete Dinge.
   Liebe Freunde, der neue Bund besteht gerade darin: darin, dass man sich in Christus von der Barmherzigkeit und dem Mitleid Gottes umfangen sieht. Das erfüllt unser Herz mit Freude, und das macht unser Leben zu einem schönen und glaubwürdigen Zeugnis der Liebe Gottes für alle Brüder und Schwestern, denen wir täglich begegnen. Denkt an Eure Aufgaben: das fünfte und das fünfundzwanzigste Kapitel bei Matthäus! Danke!
Ein Sprecher verlas folgenden Gruß des Papstes an die deutschsprachigen Gäste:
Von Herzen grüße ich die Pilger und Besucher deutscher Sprache, insbesondere die vielen jungen Menschen, die an dieser Audienz teilnehmen. Strahlt auch in eurer Heimat die Freude aus, Christ zu sein, und tragt die Liebe des Erlösers zu euren Mitmenschen. Der Heilige Geist geleite euch auf euren Wegen.
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Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reinmüller

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Die Kraft der Auferstehung Jesu wird uns alle auferwecken

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!
   Heute komme ich noch einmal auf das Wort zurück: »Ich glaube an ... die Auferstehung der Toten.« Es handelt sich um eine Wahrheit, die nicht einfach und alles andere als selbstverständlich ist, denn solange man in dieser Welt lebt, ist es nicht leicht, die kommenden Wirklichkeiten zu verstehen. Das Evangelium erleuchtet uns jedoch: Unsere Auferstehung ist eng verbunden mit der Auferstehung Jesu. Die Tatsache, dass er auferstanden ist, ist der Beweis, dass es die Auferstehung der Toten gibt. Ich möchte daher über einige Aspekte sprechen, die die Beziehung zwischen der Auferstehung Christi und unserer Auferstehung betreffen. Er ist auferstanden. Und weil er auferstanden ist, werden auch wir auferstehen.
   Zunächst enthält die Heilige Schrift selbst einen Weg zum vollen Glauben an die Auferstehung der Toten. Dieser kommt zum Ausdruck als Glaube an Gott, den Schöpfer des ganzen Menschen - Seele und Leib -, und als Glaube an Gott, den Befreier, den Gott, der dem Bund mit seinem Volk treu ist. Der Prophet Ezechiel betrachtet in einer Vision die Gräber der Verbannten, die wieder geöffnet werden, und die ausgetrockneten Gebeine, die wieder zum Leben erwachen durch die Ausgießung eines lebenspendenden Geistes. Diese Vision bringt die Hoffnung auf die kommende »Auferstehung Israels« zum Ausdruck, also auf die Neugeburt des besiegten und gedemütigten Volkes vgl. Ez 37,1-14.
   Im Neuen Testament bringt Jesus diese Offenbarung zur Vollendung und bindet den Glauben an die Auferstehung an seine eigene Person und sagt: »Ich bin die Auferstehung und das Leben« Joh 11,25. Denn Jesus, der Herr, wird am Letzten Tag alle auferwecken, die an ihn geglaubt haben. Jesus ist zu uns gekommen, er ist in allem Mensch geworden wie wir außer in der Sünde; auf diese Weise hat er uns auf seinem Weg der Rückkehr zum Vater mit sich genommen. Das fleischgewordene Wort, er, der für uns gestorben und auferstanden ist, schenkt seinen Jüngern den Heiligen Geist als Unterpfand der vollen Gemeinschaft in seinem herrlichen Reich, das wir wachsam erwarten. Diese Erwartung ist die Quelle und der Grund unserer Hoffnung: einer Hoffnung, die, wenn sie gepflegt und bewahrt wird - unsere Hoffnung, wenn wir sie pflegen und bewahren -, zum Licht wird, das unsere persönliche Geschichte und auch die gemeinschaftliche Geschichte erleuchtet. Denken wir immer daran: Wir sind Jünger dessen, der gekommen ist, der jeden Tag kommt und der am Ende kommen wird. Wenn es uns gelingen würde, uns diese Wirklichkeit besser vor Augen zu halten, wären wir weniger bedrückt vom Alltag, weniger im Vergänglichen verhaftet und eher bereit, mit Barmherzigkeit auf dem Weg des Heils zu wandeln.
   Ein weiterer Aspekt: Was bedeutet »auferstehen«? Unserer aller Auferstehung wird am letzten Tag geschehen, am Ende der Welt, durch das Wirken der Allmacht Gottes, der unserem Leib das Leben zurückgeben und ihn wieder mit der Seele vereinigen wird, kraft der Auferstehung Jesu. Das ist die grundlegende Erklärung: Weil Jesus auferstanden ist, werden wir auferstehen. Wir haben die Hoffnung auf die Auferstehung, weil er uns die Tür zu dieser Auferstehung geöffnet hat. Und diese Verwandlung, diese Verklärung unseres Leibes wird in diesem Leben vorbereitet durch die Beziehung zu Jesus in den Sakramenten, besonders in der Eucharistie. Wir, die wir uns in diesem Leben mit seinem Leib und mit seinem Blut genährt haben, werden auferstehen wie er, mit ihm und durch ihn. Wie Jesus mit seinem Leib auferstanden, aber nicht zu einem irdischen Leben zurückgekehrt ist, so werden wir auferstehen mit unserem Leib, der in einen verherrlichten Leib verwandelt werden wird. Das ist keine Lüge! Das ist wahr. Wir glauben, dass Jesus auferstanden ist, dass Jesus in diesem Augenblick lebt. Glaubt ihr denn, dass Jesus lebendig ist? Und wenn Jesus lebendig ist, meint ihr dann, dass er uns sterben lassen und uns nicht auferwecken wird? Nein! Er wartet auf uns, und weil er auferstanden ist, wird die Kraft seiner Auferstehung uns alle auferwecken.
   Ein letztes Element: Bereits in diesem Leben tragen wir einen Anteil an der Auferstehung Christi in uns. Wie es wahr ist, dass Jesus uns am Ende der Zeiten auferwecken wird, so ist es auch wahr, dass wir in gewisser Hinsicht bereits mit ihm auferstanden sind. Das ewige Leben beginnt schon in diesem Augenblick, es beginnt während des ganzen Lebens, das auf den Augenblick der endgültigen Auferstehung ausgerichtet ist. Wir sind nämlich schon durch die Taufe auferstanden, wir sind hineingenommen in den Tod und die Auferstehung Christi und haben teil am neuen Leben, das sein Leben ist. In Erwartung des letzten Tages haben wir daher in uns selbst ein Samenkorn der Auferstehung, als Angeld der vollen Auferstehung, die wir als Erbe erlangen werden. Daher ist auch der Leib eines jeden von uns ein Widerhall der Ewigkeit und muss daher stets in Ehren gehalten werden; und vor allem muss das Leben der Leidenden in Ehren gehalten und geliebt werden, damit sie die Nähe des Reiches Gottes spüren, jenes Zustands des ewigen Lebens, auf den wir zugehen. Dieser Gedanke schenkt uns Hoffnung: Wir sind auf dem Weg zur Auferstehung. Jesus sehen, Jesus begegnen: Das ist unsere Freude! Wir werden alle zusammen sein - nicht hier auf dem Platz, sondern woanders -, aber freudig mit Jesus. Das ist unsere Bestimmung!
O.R.ital131205GeneralaudienzPetersplatz04.Dez.3013

Papst: „Wir müssen uns nicht vor dem Tod fürchten“

   Das ewige Leben - darum ging es in Franziskus‘ Katechese auf dem Petersplatz. Habt keine Angst vor dem Tod, denn der Herr rettet uns, so sein Aufruf vor tausenden Pilgern und Besuchern, die zur Generalaudienz gekommen waren. Im letzten Teil seiner Katechesenreihe zum Glaubensbekenntnis ging der Papst auf das „Letzte Gericht“ ein: Damit sei jene „Beurteilung Gottes“ gemeint, die uns am Schluss des irdischen Lebens erwarte und die dann beim Jüngsten Gericht bestätigt werde, erläuterte der Papst.
  „Diese Beurteilung beginnt schon während unseres Lebens. Jeden Tag gibt es sozusagen eine Urteilsverkündung. Wenn wir uns der Liebe Jesu verschließen, dann verurteilen wir uns selber. Doch wir können uns retten, indem wir uns Jesus öffnen, der der Erretter schlechthin ist. Das gilt auch, wenn wir Sünder sind. Doch wir sind es alle.“
   Franziskus rief alle Menschen auf, Gott um Vergebung zu bitten und keine Angst zu haben, denn Jesus verzeihe immer. Ein Zeichen der Hoffnung sei auch, dass man in jenem Augenblick des Urteils nicht alleine sei, so Franziskus, der im Folgenden auf das „Jüngste Gericht“ einging, den Moment, an dem Christus am Ende der Zeiten wieder- kommen werde, wie es im Matthäus-Evangelium heißt. Dieses Gericht sei ein Geheimnis, so der Papst.
   „Wenn wir an die Wiederkunft Christi und an sein Gericht denken, bei dem es um die Offenlegung des Guten geht und darum, was jeder während seines Lebens auf der Erde getan oder unterlassen hat, dann wird uns bewusst, dass wir vor einem Geheimnis stehen. Dieses Geheimnis übersteigt uns, denn wir können das uns nicht einmal vor- stellen. Es ist ein Geheimnis, das instinktiv Furcht und vielleicht auch Zittern erweckt. Doch eigentlich ist es so, dass wenn man darüber nachdenkt, sich dann das Herz öffnet. Und das führt zu einem großen Trost und Vertrauen.“
   Wichtig sei auch das Zeugnis der ersten Christen, die mit dem Gebetsruf „Maranatha!“ – „Komm, o Herr!“ ihren Wunsch nach der Wiederkunft Christi zum Ausdruck gebracht hätten. Eine wichtige Stütze seien die Heiligen, fügte Franziskus an.
   „Denn sie leben bereits im Angesicht Gottes, im Glanz seiner Herrlichkeit und beten für uns, die wir noch auf der Erde leben. Das ist doch ein großer Trost, der in unseren Herzen erweckt wird! Wir sind nicht allein. Darin zeigt sich einmal mehr, wie die Kirche Mutter ist. Sie sorgt sich um das Wohl ihrer Kinder. Das gilt insbesondere für jene, die am meisten leiden.“
   Der Gläubige dürfe nicht aufgeben und jeweils über seine Gedanken und sein Handeln wachen, damit auch im irdischen Leben „die Wärme und der Glanz des Angesicht Gottes“ erfahrbar seien, so der Papst:
   „Vorwärts! Und denken wir an dieses Gericht, das nun beginnt, ja das schon begonnen hat. Öffnen wir unser Herz für Jesus Christus und seine Erlösung. Vorwärts ohne Furcht, denn die Liebe Jesu ist größer, und wenn wir um Vergebung für unsere Sünden bitten, vergibt er uns. Jesus ist so! Vorwärts in dieser Gewissheit, die uns zur Herrlichkeit des Himmels bringen wird“. RV131211mg

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Foto links: Straßenmalerei, London Foto rechts: Wandmalerei in Südkorea

Papst Franziskus erinnert auch an unsere eigene Erfahrung, daran,
wie glücklich wir bei unserer ersten Begegnung mit Jesus waren«
Im kontemplativen Gebet erfahren wir dieses Glück erneut. Doch wie geht das?

Frühmesse mit Papst Franziskus in der Kapelle des Gästehauses Santa Marta
Das Evangelium in Griffweite - Anleitung zum kontemplativen Gebet

   Jeden Tag »zehn, fünfzehn Minuten und nicht länger« einen Abschnitt des Evangeliums lesen, dabei »den Blick fest auf Jesus gerichtet« halten, um »mich in die Szene hineinzuversetzen und so mit ihm zu sprechen, wie es mir mein Herz eingibt«: das sind die Merkmale des »kontemplativen Gebets«, der wahren Quelle der Hoffnung für unser Leben. So lautete die Anregung des Papstes in der Frühmesse, die in der Kapelle des Hauses Santa Marta feierte.
   Franziskus machte darauf aufmerksam, dass »der Verfasser des Hebräerbriefes 12,1-4 an die allerersten Tage nach der Bekehrung, nach der Begegnung mit Jesus, erinnert, wie auch an das Gedenken an unsere Väter: >Wie sehr haben sie gelitten, als sie aufgebrochen sind.«< Gerade »im Hinblick auf diese Väter sagt er: >Da auch uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt.<« Also sei es »das Zeugnis unserer Vorväter«, das er »in Erinnerung ruft«. Und »er erinnert auch an unsere eigene Erfahrung, daran, wie glücklich wir bei unserer ersten Begegnung mit Jesus waren«. Das »ist die Erinnerung, die wir als einen Bezugspunkt des christlichen Lebens bezeichnet haben«.
   Heute aber, so betonte der Papst, »spricht der Verfasser dieses Briefes über den anderen Bezugspunkt, das heißt über die Hoffnung«. Und »er sagt uns, dass wir den Mut aufbringen müssen, weiterzugehen: >Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettlauf laufen, der uns aufgetragen ist.<« Dann »sagt er, was der Hoffnung zugrunde liegt: >auf Jesus blicken<«. Gerade darum gehe es: »Wenn wir nicht auf Jesus blicken, dann können wir schwerlich Hoffnung haben.« Es sei nicht auszuschließen, »dass wir optimistisch sein können, dass wir positiv denken können, aber Hoffnung haben?«
   Im Übrigen, so erläuterte Franziskus, »lernt man Hoffnung nur dadurch, dass man auf Jesus blickt, über Jesus nachdenkt; man lernt es durch das kontemplative Gebet«. »Das ist es, worüber ich heute sprechen möchte«, sagte er und fügte sofort hinzu: »Darf ich euch fragen: Wie betet ihr?« Man könne, so sagte er, beispielsweise antworten: »Ich spreche die Gebete, die ich als Kind gelernt habe.« Und der Papst kommentierte: »In Ordnung, das ist gut.« Jemand anderes könnte noch hinzufügen: »Ich bete auch den Rosenkranz, und zwar jeden Tag!« Darauf der Papst: »Es ist gut, wenn man jeden Tag den Rosenkranz betet« Schließlich könnte auch noch jemand sagen: »Ich spreche auch mit dem Herrn, wenn ich ein Problem habe oder mit der Muttergottes oder mit den Heiligen...« Und auch »das ist gut«.
   Angesichts dieser Antworten stellte der Papst gleichwohl noch eine weitere Frage: »Aber widmest du dich auch dem kontemplativen Gebet?« Eine Frage, die vielleicht ein wenig verblüffend wirkt, weshalb der eine oder andere fragen könnte: »Worum handelt es sich dabei? Was ist das für ein Gebet? Wo erhält man es? Wie geht das?« Die Antwort, die Franziskus erteilte, war eindeutig: »Man kann es nur mit dem Evangelium in der Hand tun.« Er schlug vor: »Du nimmst das Evangelium, suchst dir eine Stelle aus, liest sie einmal, liest sie ein zweites Mal; dann versetze dich so hinein, als könntest du sehen, was geschieht, und betrachte Jesus.«
  Um einen praktischen Hinweis zu geben, nahm der Papst den Text des Tagesevangeliums Mk 5,21-43 als Beispiel, das »uns viele schöne Dinge lehrt«. Mit diesem Text als Ausgangspunkt fragte er: »Wie stelle ich es an, das heutige Tagesevangelium zu betrachten?« Einen ersten Gedanken verband er mit seiner persönliche Erfahrung: »Ich sehe, dass Jesus mitten unter den Menschen war, um ihn herum war eine große Menschenmenge. Dieser Abschnitt wiederholt ganze fünf Mal das Wort >Menge<. Aber hat sich Jesus denn nicht ausgeruht? Ich denke etwa: Immer ist er von einer Menschenmenge umgeben! Der größte Teil des Lebens Jesu ereignete sich auf der Straße, inmitten einer Menschenmenge. Aber ruhte er denn nicht aus? Ja, einmal:  Das Evangelium sagt, dass er auf dem Boot schlief, aber dann kam ein Sturm und die Jünger weckten ihn auf. Jesus war ständig mitten unter den Menschen.« So »betrachtet man Jesus auf diese Art und Weise, ich betrachte Jesus so, so stelle ich mir Jesus vor. Und ich sage Jesus all das, was mir in den Sinn kommt und ich ihm sagen möchte.«
   Franziskus setzte seine Reflexion dann mit den folgenden Worten fort: »Dann war da mitten unter der Menge diese kranke Frau, und Jesus bemerkte sie. Aber wie kann Jesus unter so vielen Leuten bemerken, dass ihn eine Frau berührt hat?« Tatsächlich stelle er selbst die ganz direkte Frage: »Wer hat mein Gewand berührt?« Die Jünger ihrerseits hätten Jesus darauf hingewiesen: »Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und da fragst du: >Wer hat mich berührt?<« Der eigentliche Punkt, so präzisierte der Papst, sei, dass »Jesus nicht nur die Menge versteht, die Menge fühlt, sondern dass er den Herzschlag eines jeden von uns höre: er nimmt sich aller und auch jedes einzelnen Menschen an, immer!«
   Der Papst setzte die Lektüre des Markustextes fort und erläuterte, dass sich diese Situation auch wiederholt habe, als sich »der Synagogenvorsteher Jesus genähert habe, um ihm von seiner schwerkranken Tochter zu erzählen. Und er lässt alles stehen und liegen und kümmert sich darum: Jesus im Großen wie im Kleinen, immer!« Dann, so fuhr er fort, »können wir weitergehen und sehen, wie er in dieses Haus kommt, das Durcheinander sieht, den Lärm hört, die Klageweiber, die man ruft, damit sie während der Totenwache weinen und jammern: Schreie, lautes Weinen«. Aber Jesus sage: »Seid still: das Kind schläft nur!« Als er das gesagt habe, hätten einige der Anwesenden gar angefangen, ihn auszulachen. Aber »er sagt nichts«, und bringe es fertig, diesen Augenblick mit seiner »Geduld« zu ertragen und denen nicht zu antworten, die ihn auslachten.
   Der Höhepunkt dieser Begebenheit aus dem Evangelium sei »die Auferstehung des Mädchens«. Und »statt zu sagen: >Auf geht's, bei Gott< sagt Jesus zu ihnen: >Gebt ihr bitte etwas zu essen<« Denn Jesus, so schloss der Papst, »denkt immer auch an die kleinsten Details«.
   »Das, was ich mit diesem Evangelientext getan habe«, so erläuterte dann Franziskus, »ist genau das, was kontemplatives Gebet ist: das Evangelium nehmen, es lesen und mich in die Szene hineinversetzen, mir vorstellen, was geschieht und so mit Jesus sprechen, wie es mir mein Herz eingibt« Und »dadurch lassen wir unsere Hoffnung wachsen, weil wir den Blick fest auf Jesus gerichtet halten«. Daher forderte er auf: »Widmet euch diesem kontemplativen Gebet!« Und er regte an, dass man selbst bei zahlreichen Verpflichtungen immer die Zeit hierfür finden könne, etwa fünfzehn Minuten, zuhause: »Nimm das Evangelium, einen kurzen Abschnitt, stelle dir vor, was da geschehen ist und sprich mit Jesus darüber.« Auf diese Art und Weise »wird dein Blick fest auf Jesus gerichtet sein, und nicht etwa auf die Telenovela; dein Ohr konzentriert sich dann auf die Worte Jesu und weniger auf den Klatsch des Nachbarn oder der Nachbarin.«
   »Das kontemplative Gebet hilft uns zu hoffen« und es bringt uns bei, »von dem zu leben, was der eigentliche Gehalt des Evangeliums ist«, unterstrich der Bischof von Rom. Und dazu müsse man »immerfort beten: die Gebete sprechen, den Rosenkranz beten, mit dem Herrn sprechen, aber sich auch diesem kontemplativen Gebet widmen, damit unser Blick fest auf Jesus gerichtet bleibt«. Von dorther komme die Hoffnung. Und so »bewegt sich unser christliches Leben in diesem Koordinatensystem zwischen Erinnerung und Hoffnung: Erinnerung an den ganzen bereits zurückgelegten Weg, Erinnerung an die zahlreichen Gnaden, die uns der Herr geschenkt hat - und Hoffnung: indem man den Herrn anblickt, den Einzigen, der mir Hoffnung schenken kann.« Und »um den Herrn anzuschauen, um den Herrn kennenzulernen, nehmen wir das Evangelium in die Hand und widmen wir uns diesem kontemplativen Gebet!«
   Abschließend versäumte Franziskus nicht, erneut die Erfahrung des kontemplativen Gebets zu empfehlen: »Heute zum Beispiel«, regte er an, »nehmt euch zehn, fünfzehn Minuten Zeit, nicht mehr: lest das Evangelium, versetzt euch hinein und sagt etwas zu Jesus. Nichts weiter. Und dadurch wird eure Kenntnis Jesu zunehmen und eure Hoffnung wird wachsen. Vergesst nicht, dabei den Blick fest auf Jesus gerichtet zu halten!« Gerade deshalb heiße es auch »betrachtendes Gebet«. OR150213

Der fundamentale Zugang zum ewigen Leben: Die Taufe.
Was geschieht in diesem Initiations-Sakrament? Eine Ansprache von Papst Benedikt XVI.

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Foto oben:  Tauffeier in der Sixtinischen Kapelle am Fest der Taufe des Herrn
Die Taufe - ein Ja zum großen Geschenk des wahren Lebens 

Predigt von Papst Benedikt zur Taufe

Liebe Eltern, Taufpaten und Taufpatinnen, liebe Brüder und Schwestern!
   Was geschieht bei der Taufe? Was erwartet man von der Taufe? Auf der Schwelle, die zu dieser Kapelle führt, habt ihr eine Antwort gegeben: Wir erwarten für unsere Kinder das ewige Leben. Das ist der Zweck der Taufe. Aber wie kann er umgesetzt werden? Wie kann die Taufe das ewige Leben geben? Was ist das ewige Leben?
   Mit einfacheren Worten könnte man sagen: Wir erwarten für unsere Kinder ein gutes Leben, das wahre Leben, Glück auch in einer noch unbekannten Zukunft. Wir sind nicht in der Lage, dieses Geschenk für die gesamte Dauer der unbekannten Zukunft zu gewährleisten und wenden uns daher an den Herrn, um es von ihm zu erhalten.
   Auf die Frage: »Wie soll das geschehen?« können wir zwei Antworten geben. Die erste Antwort ist folgende: Durch die Taufe wird jedes Kind in einen Freundeskreis aufgenommen, der es nie, weder im Leben noch im Tod, verlassen wird, denn diese Gemeinschaft ist die Familie Gottes, die die Verheißung der Ewigkeit in sich trägt. Dieser Freundeskreis, diese Familie Gottes, in die das Kind nun eingegliedert wird, begleitet es immerfort, auch in Tagen des Leids, in den dunklen Nächten des Lebens; er wird ihm Trost, Zuspruch und Licht geben. Dieser Freundeskreis, diese Familie wird ihm Worte des ewigen Lebens geben, Worte des Lichts, die auf die großen Herausforderungen des Lebens eine Antwort geben und den rechten Weg weisen. Dieser Freundeskreis bietet dem Kind Trost, Zuspruch und die Liebe Gottes auch auf der Schwelle des Todes, im finsteren Tal des Todes. Er wird ihm Freundschaft und Leben schenken. Und dieser absolut zuverlässige Freundeskreis wird immer da sein.
    Niemand von uns weiß, was auf unserem Planeten, in unserem Europa, während der kommenden 50, 60, 70 Jahre geschehen wird. Aber eines ist sicher: Stets wird es die Familie Gottes geben,  und wer dieser Familie ange- hört, wird nie allein sein, sondern immer wird Verlass sein auf die Freundschaft dessen, der das Leben ist.
   Somit sind wir bei der zweiten Antwort angekommen. Diese Familie Gottes, dieser Freundeskreis hat ewigen Bestand, da er Gemeinschaft mit demjenigen ist, der den Tod besiegt hat, der die Schlüssel zum Leben in Händen hält. Dieser Gemeinschaft, der Familie Gottes anzugehören bedeutet, mit Christus vereint zu sein, der Leben ist und über den Tod hinaus immerwährende Liebe schenkt. Und wenn wir sagen können, dass Liebe und Wahrheit die Quelle des Lebens, das Leben selbst sind - und ein Leben ohne Liebe ist kein Leben -, dann können wir sagen, dass diese Gemeinschaft mit Ihm, der wirklich das Leben ist, mit Ihm, der das Sakrament des Lebens ist, eure Erwartung, eure Hoffnungen erfüllen wird.
   Ja, die Taufe nimmt den Menschen in die Gemeinschaft mit Christus auf und schenkt auf diese Weise Leben, das Leben. So haben wir den ersten Dialog ausgelegt, der hier auf der Schwelle zur Sixtinischen Kapelle geführt wur- de. Jetzt, nach der Weihe des Taufwassers, folgt ein zweiter Dialog von großer Bedeutung. Sein Inhalt ist folgen- der: Die Taufe ist, wie wir gesehen haben, ein Geschenk, das Geschenk des Lebens. Ein Geschenk muss jedoch angenommen, muss gelebt werden. Ein Geschenk der Freundschaft bringt es mit sich, ja zu sagen zum Freund und nein zu sagen zu allem, was mit dieser Freundschaft unvereinbar ist, was mit dem Leben der Familie Gottes, mit dem wahren Leben in Christus unvereinbar ist. So werden in diesem zweiten Dialog drei Nein und drei Ja ausgesprochen.  Man sagt nein und widersagt dadurch den Versuchungen, der Sünde, dem Teufel. Wir kennen diese Dinge gut, aber vielleicht gerade weil wir sie zu oft gehört haben, sagen uns diese Worte nicht viel. Daher sollten wir die Bedeutung dieses dreimaligen Nein ein wenig vertiefen. Wozu sagen wir nein? Nur so können wir verstehen, wozu wir ja sagen wollen.
   In der alten Kirche wurde das dreimalige Nein in einem Wort zusammengefasst, das die Menschen der da- maligen Zeit gut verstanden: Man verzichtet - so sagte man - auf die »pompa diaboli«, auf die Verheißung eines Lebens im Überfluss, auf jenes trügerische Leben, das aus der heidnischen Welt zu kommen schien, aus ihren Freiheiten, aus ihrer Art, nur so zu leben, wie es einem gefiel. Es war also ein Nein zu einer Kultur, die scheinbar ein Leben in Überfluss mit sich brachte, in Wirklichkeit jedoch eine »Antikultur« des Todes war. Es war das Nein zu jenen Schauspielen, in denen Tod, Grausamkeit und Gewalt zur Unterhaltung geworden waren.  Denken wir an das, was sich im Kolosseum ereignete oder hier in den Gärten des Kaisers Nero, wo die Menschen wie lebendige Fackeln entzündet wurden. Grausamkeit und Gewalt waren zu Elementen der Unterhaltung geworden, eine wahre Perversion der Freude, der wahren Bedeutung des Lebens. Diese »pompa diaboli«, diese »Antikultur« des Todes war eine Perversion der Freude, war Liebe zu Lüge und Betrug, war ein Missbrauch des menschlichen Körpers als Handelsware.
 Und wenn wir einmal darüber nachdenken, dann können wir sagen, dass wir auch in der heutigen Zeit nein sagen müssen zu der in weiten Bereichen vorherrschenden Kultur des Todes, einer »Antikultur«, die sich, beispielsweise im Drogenproblem zeigt, in der Flucht vor der Realität in eine Scheinwirklichkeit, in ein falsches Glück,  das seinen Ausdruck findet in der Lüge, im Betrug, in der Ungerechtigkeit, in der Verachtung der anderen, in der Verachtung der Solidarität und der Verantwortung für die Armen und Leidtragenden, sowie in einer Sexualität, die zum reinen Vergnügen ohne jedes Verantwortungsbewusstsein wird, wobei sozusagen eine »Versachlichung« des Menschen stattfindet, der nicht mehr als Person betrachtet wird, die der persönlichen Liebe und Treue würdig ist, sondern der zur Ware, zum bloßen Objekt wird. Zu dieser Verheißung trügerischer Glückseligkeit, zu dieser »pompa« eines trügerischen Lebens, das in Wirklichkeit lediglich ein Werkzeug des Todes ist, zu dieser »Antikultur« sagen wir nein, um die Kultur des Lebens zu pflegen. Daher war dieses christliche Ja von der Antike bis heute immer ein deutliches Ja zum Leben. Das ist unser Ja zu Christus, das Ja zum Sieger über den Tod und das Ja zum Leben in der Zeit und in der Ewigkeit.
   Wie in diesem Taufdialog das Nein im dreifachen Verzicht zum Ausdruck kommt, so kommt auch das Ja in drei- facher Zustimmung zum Ausdruck: Ja zum lebendigen Gott, einem Schöpfergott, einer schöpferischen Vernunft, die dem Kosmos und unserem Leben Sinn verleiht, Ja zu Christus, zu einem Gott, der nicht im Verborgenen geblieben ist, sondern der einen Namen hat, der Worte hat, der Leib und Blut hat, zu einem konkreten Gott,  der uns das Leben schenkt und uns den Weg des Leben weist, Ja zur Gemeinschaft der Kirche, in der Christus der lebendige Gott ist, der in unsere Zeit, in unseren Beruf, in unser tägliches Leben eintritt.
   Wir könnten auch sagen, dass das Antlitz Gottes, das der Inhalt dieser Kultur des Lebens, der Inhalt unseres großen Ja ist, in den zehn Geboten zum Ausdruck kommt  die keine Bündelung von Verboten sind, in denen nur das Nein zum Ausdruck käme, sondern die in Wirklichkeit eine große Lebensvision aufzeigen. Sie sind ein Ja zu einem Gott,  der dem Leben Sinn gibt (die drei ersten Gebote),  ein Ja zur Familie (viertes Gebot), ein Ja zum Leben (fünftes Gebot), ein Ja zu verantwortungsbewusster Liebe (sechstes Gebot), ein Ja zu Solidarität, sozialer Verantwortung und Gerechtigkeit (siebtes Gebot), ein Ja zur Wahrheit (achtes Gebot), ein Ja zur Achtung anderer Menschen und dessen, was ihnen gehört (neuntes und zehntes Gebot). Das ist die Philosophie des Lebens, es ist die Kultur des Lebens, die konkret, umsetzbar und schön wird in Gemeinschaft mit Christus, dem lebendigen Gott, der mit uns geht in der Gemeinschaft seiner Freunde, in der großen Familie der Kirche. Die Taufe ist das Geschenk des Lebens. Sie ist ein Ja zur Herausforderung, das Leben wirklich zu leben, und nein zu sagen zum Angriff des Todes, der sich als Leben verkleidet, und sie ist ein Ja zum großen Geschenk des wahren Lebens, das im Antlitz Christi gegenwärtig ist, der sich uns in der Taufe und dann in der Eucharistie schenkt.
   Dies soll als kurze Erläuterung der Worte dienen, die im Dialog des Taufritus das zum Ausdruck bringen, was in diesem Sakrament vollzogen wird. Außer den Worten haben wir noch die Riten und Symbole, aber ich werde nur kurz auf sie hinweisen. Die erste Geste haben wir bereits vollzogen: Es ist das Kreuzzeichen, das uns als Schild gegeben ist, der dieses Kind in seinem Leben schützen soll. Es ist wie ein »Wegweiser« für das Leben, denn das Kreuz ist die Zusammenfassung des Lebens Jesu. Dann gibt es die einzelnen Elemente: das Wasser, die Salbung mit dem Öl, das weiße Kleid und die Flamme der Kerze. Das Wasser symbolisiert das Leben: Die Taufe ist neues Leben in Christus. Das Öl symbolisiert Kraft, Gesundheit, Schönheit, denn es ist wirklich schön, in Gemeinschaft mit Christus zu leben. Dann gibt es das weiße Kleid als Ausdruck der Kultur der Schönheit, der Kultur des Lebens, und schließlich die Flamme der Kerze als Ausdruck der Wahrheit, die in der Finsternis der Geschichte leuchtet und uns zeigt, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen sollen.
   Liebe Patinnen und Paten, liebe Eltern, liebe Geschwister, an diesem Tag wollen wir dem Herrn dafür danken, dass Gott sich nicht hinter den Wolken des undurchdringlichen Geheimnisses verbirgt, sondern, wie das heutige Evangelium gesagt hat, die Himmel geöffnet und sich uns gezeigt hat, mit uns spricht und bei uns ist, mit uns lebt und uns führt in unserem Leben. Danken wir dem Herrn für dieses Geschenk und beten wir für unsere Kinder, damit sie wirklich das Leben, das wahre und ewige Leben, haben mögen. Amen.  OR061001

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Zu glauben ist nicht unmodern, sondern vernünftig
Benedikt predigt auf dem Islinger Feld in Regensburg zum Credo

Liebe Brüder und Schwestern!
   Zu einem Fest des Glaubens sind wir zusammengekommen. Aber da steigt nun doch die Frage auf: Was glauben wir denn da eigentlich? Was ist das, Glaube? Kann es das eigentlich noch geben in der modernen Welt? Wenn man die großen Summen der Theologie ansieht, die im Mittelalter geschrieben wurden, oder an die Menge der Bü- cher denkt, die jeden Tag für und gegen den Glauben verfasst werden, möchte man wohl verzagen und denken, das sei alles zu kompliziert. Vor lauter Bäumen sieht man am Ende den Wald nicht mehr. Es ist wahr: Die Vision des Glaubens umfasst Himmel und Erde; Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Ewigkeit und ist insofern gar nie auszuschöpfen. Und doch ist sie in ihrem Kern ganz einfach. Der Herr sagt ja zum Vater darüber: „Den Einfachen hast du es offenbaren wollen - denen, die mit dem Herzen sehen können” vgl. Mt 11,25. Die Kirche bietet uns ihrerseits eine kleine Summe an, in der alles Wesentliche gesagt ist: das so genannte Apostolische Glaubens- bekenntnis. Es wird gewöhnlich in zwölf Artikel eingeteilt - nach der Zahl der Apostel - und handelt von Gott, dem Schöpfer und Anfang aller Dinge, von Christus und dem Heilswerk bis hin zur Auferstehung der Toten und dem ewigen Leben. Aber in seiner Grundkonzeption besteht das Bekenntnis nur aus drei Hauptstücken, und es ist von seiner Geschichte her nichts anderes als eine Erweiterung der Taufformel, die der auferstandene Herr den Jüngern für alle Zeiten übergeben hat, als er ihnen sagte:Geht hin, lehrt und tauft alle Völker auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Mt 28,19.
   Wenn wir das sehen, dann zeigt sich zweierlei: Der Glaube ist einfach. Wir glauben an Gott - an Gott, den Ursprung und das Ziel menschlichen Lebens. An den Gott, der sich auf uns Menschen einlässt, der uns Herkunft und Zukunft ist. So ist Glaube immer zugleich Hoffnung, Gewissheit, dass wir Zukunft haben und dass wir nicht ins Leere fallen. Und der Glaube ist Liebe, weil Gottes Liebe uns anstecken will.
  Als zweites können wir feststellen: Das Glaubensbekenntnis ist nicht eine Summe von Sätzen, nicht eine Theorie. Es ist ja verankert im Geschehen der Taufe - in einem Ereignis der Begegnung von Gott und Mensch. Gott beugt sich über uns Menschen im Geheimnis der Taufe; er geht uns entgegen und führt uns so auch zueinander. Denn Taufe bedeutet, dass Jesus Christus uns sozusagen als seine Geschwister und damit als Kinder in die Familie Gottes selber adoptiert. So macht er uns damit alle zu einer großen Familie in der weltweiten Gemeinschaft der Kirche. Ja, wer glaubt, ist nie allein. Gott geht auf uns zu. Gehen auch wir Gott entgegen, und gehen wir so aufeinander zu. Lassen wir keines der Kinder Gottes allein, so weit es in unseren Kräften steht! Wir glauben an Gott. Das  ist unser Grundentscheid. Kann man das heute noch? Ist das vernünftig? Seit der Aufklärung arbeitet wenigstens ein Teil der Wissenschaft emsig daran, eine Welterklärung zu finden, in der Gott überflüssig wird. Und so soll er auch für unser Leben überflüssig werden. Aber sooft man auch meinen konnte, man sei nahe daran, es geschafft zu haben - immer wieder zeigt sich: Das geht nicht auf. Die Sache mit dem Menschen geht nicht auf ohne Gott, und die Sache mit der Welt, dem ganzen weiten Universum, geht nicht auf ohne ihn. Letztlich kommt es auf die Alternative hinaus: Was steht am Anfang: die schöpferische Vernunft, der Geist, der alles wirkt und sich ent- falten lässt oder das Unvernünftige, das vernunftlos sonderbarerweise einen mathematisch geordneten Kosmos hervorbringt und auch den Menschen, seine Vernunft. Aber die wäre dann nur ein Zufall der Evolution und im letzten also doch auch etwas Unvernünftiges. Wir Christen sagen: Ich glaube an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde - an den Schöpfer Geist.
   Wir glauben, dass das ewige Wort, die Vernunft am Anfang steht und nicht die Unvernunft. Mit diesem Glauben brauchen wir uns nicht zu verstecken, mit ihm brauchen wir nicht zu fürchten, uns auf einem Holzweg zu bewegen. Freuen wir uns, dass wir Gott kennen dürfen und versuchen wir, auch anderen die Vernunft des Glaubens zu zeigen, wie es uns der heilige Petrus in seinem ersten Brief aufträgt 1 Petr 3,15.
   Wir glauben an Gott. Das stellen die Hauptteile des Glaubensbekenntnisses heraus, und das betont besonders der erste Teil davon. Aber nun folgt sofort die zweite Frage: An welchen Gott? Nun, eben an den Gott, der Schöpfergeist ist, schöpferische Vernunft, von der alles kommt und von der wir kommen.
   Der zweite Teil des Glaubensbekenntnisses sagt uns mehr. Diese schöpferische Vernunft ist Güte. Sie ist Liebe. Sie hat ein Gesicht. Gott lässt uns nicht im Dunklen tappen. Er hat sich gezeigt als Mensch. So groß ist er, dass er es sich leisten kann, ganz klein zu werden. „Wer mich sieht, sieht den Vater“, sagt Jesus Joh 14,9. Gott hat ein menschliches Gesicht angenommen. Er liebt uns bis dahin, dass er sich für uns ans Kreuz nageln lässt, um die Leiden der Menschheit bis an Gottes Herz hinaufzutragen. Heute, wo wir die Pathologien und die lebens- gefährlichen Erkrankungen der Religion und der Vernunft sehen, die Zerstörungen des Gottesbildes durch Hass und Fanatismus, ist es wichtig, klar zu sagen, welchem Gott wir glauben und zu diesem menschlichen Antlitz Gottes zu stehen. Erst das erlöst uns von der Gottesangst, aus der letztlich der moderne Atheismus geboren wurde. Erst dieser Gott erlöst uns von der Weltangst und von der Furcht vor der Leere des eigenen Daseins. Erst durch das Hinschauen auf Jesus Christus wird die Freude an Gott voll, wird zur erlösten Freude.  Richten wir in dieser festlichen Feier der Eucharistie unseren Blick auf den Herrn, und bitten wir ihn um die große Freude, die er seinen Jüngern verheißen hat Joh 16,24.
   Der zweite Hauptteil des Bekenntnisses schließt mit dem Ausblick auf das Letzte Gericht und der dritte mit dem auf die Auferstehung der Toten. Gericht - wird uns da nicht doch wieder Angst gemacht? Aber wollen wir nicht alle, dass einmal all den ungerecht Verurteilten all denen, die ein Leben lang gelitten haben und aus einem Leben voller Leid in den Tod gehen mussten, Gerechtigkeit widerfährt? Wollen wir nicht, dass am Ende das Übermaß an Unrecht und Leid, das wir in der Geschichte sehen, sich auflöst;  dass alle am Ende froh werden können, dass das Ganze Sinn erhält? Diese Herstellung des Rechts, diese Zusammenfügung der scheinbar sinnlosen Fragmentstücke der Geschichte in ein Ganzes hinein, in dem die Wahrheit und die Liebe regieren: Das ist mit dem Weltgericht gemeint.
   Der Glaube will uns nicht angst machen, wohl aber zur Verantwortung rufen. Wir dürfen unser Leben nicht ver- schleudern, nicht missbrauchen, nicht für uns selber nehmen; Unrecht darf uns nicht gleichgültig lassen, wir dürfen nicht seine Mitläufer oder sogar Mittäter werden. Wir müssen unsere Sendung in der Geschichte wahrnehmen und versuchen,  dieser unserer Sendung zu entsprechen. Nicht Angst, aber Verantwortung - Verantwortung und Sorge um unser Heil, um das Heil der ganzen Welt ist notwendig. Wenn aber Verantwortung und Sorge zu Angst werden möchten, dann erinnern wir uns an das Wort des heiligen Johannes: “Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Anwalt beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten” 1 Joh 2,1. „Wenn unser Herz uns auch verurteilt - Gott ist größer als unser Herz, und er weiß alles” 1 Joh 3,20.
   Wir feiern heute das Fest Maria Namen. Maria, die Mutter des Herrn, hat vom gläubigen Volk den Titel Advocata erhalten und ist unsere Anwältin bei Gott. So kennen wir sie seit der Hochzeit von Kana: als die gütige, mütterlich sorgende und liebende Frau, die die Not der anderen wahrnimmt und sie zum Herrn hinträgt, um zu helfen. Heute haben wir im Evangelium gehört, wie der Herr sie dem Lieblingsjünger und in ihm uns allen zur Mutter gibt. Die Christen haben zu allen Zeiten dankbar dieses Vermächtnis Jesu aufgenommen und bei der Mutter immer wieder die Geborgenheit und die Zuversicht gefunden, die uns Gottes froh werden lässt. Nehmen auch wir Maria als den Stern unseres Lebens an, der uns in die große Familie Gottes hineinführt. Ja, wer glaubt, ist nie allein. Amen.

Kardinal Georges Cottier OP      cdd-GeorgeCottierOP-z        Sensus fidei [Glaubenssinn]

Reflexionen  über Geheimnis und Leben der Kirche
 „... weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast“ Mt 11,25

Kardinal Georges Cottier:
    Papst Benedikt XVI. hat in letzter Zeit mit einigen Äußerungen interessante und originelle Denkanstöße hinsichtlich einer von der traditionellen Lehre der Kirche vollkommen anerkannten Wirklichkeit gegeben: des sensus fidei des Volkes Gottes. Insbesondere hat mich der Hinweis angesprochen, der in der am 7. Juli gehaltenen Katechese über den seligen Johannes Duns Scotus enthalten ist. Bei jener Gelegenheit sagte der Papst, als er über die Unbefleckte Empfängnis Mariens sprach, ganz klar, dass jener Glaube „im Gottesvolk bereits vorhanden[war], während die Theologie noch nicht den Schlüssel gefunden hatte, um ihn im Rahmen der gesamten Glaubenslehre zu interpretieren. Das Gottesvolk geht also den Theologen voraus, und zwar dank jenes übernatürlichen ‚sensus fidei‘, jener vom Heiligen Geist eingegossenen Fähigkeit, die in die Lage versetzt, die Wirklichkeit des Glaubens mit demütigem Herzen und Verstand anzunehmen. In diesem Sinne ist das Gottesvolk ‚vorausgehendes Lehramt‘, das dann von der Theologie vertieft und intellektuell angenommen werden muss.“
  Das Bild des ‚vorausgehenden Lehramtes‘ in Bezug auf den ‚sensus fidei‘ des Gottesvolkes scheint mir ein wirksames Kriterium zu bieten, um deutlich die Beziehung zu klären, die es zum kirchlichen Lehramt und zur Theologie hat.
 Die Konzilskonstitution Lumen gentium definiert den sensus fidei in Abschnitt 12 folgendermaßen: „Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben vgl. 1 Joh 2, 20 und 27, kann im Glauben nicht irren. Und diese ihre besondere Eigenschaft macht sie durch den übernatürlichen Glaubenssinn des ganzen Volkes Gottes dann kund, wenn sie ‚von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien‘ ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten äußert.“

1. Joh 2,20 Ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und ihr alle wisst es.  21 Ich schreibe euch nicht, dass ihr die Wahrheit nicht wisst, sondern ich schreibe euch, dass ihr sie wisst und dass keine Lüge von der Wahrheit stammt. 22 Wer ist der Lügner - wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist: wer den Vater und den Sohn leugnet. 23 Wer leugnet, dass Jesus der Sohn ist, hat auch den Vater nicht; wer bekennt, dass er der Sohn ist, hat auch den Vater. 24 Für euch gilt: Was ihr von Anfang an gehört habt, soll in euch bleiben; wenn das, was ihr von Anfang an gehört habt, in euch bleibt, dann bleibt ihr im Sohn und im Vater.  25 Und seine Verheißung an uns ist das ewige Leben. 26 Dies habe ich euch über die geschrieben, die euch in die Irre führen. 27 Für euch aber gilt: Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch und ihr braucht euch von niemand belehren zu lassen. Alles, was seine Salbung euch lehrt, ist wahr und keine Lüge. Bleibt in ihm, wie es euch seine Salbung gelehrt hat.

  Der Glaube als solcher irrt nicht. Er ist eine theologale Tugend, das heißt eine übernatürliche Gabe Gottes, und wer sie empfängt, hat seinerseits Teil an der prophetischen Gabe Christi. Die Quelle dieser Unfehlbarkeit ist der Heilige Geist, der die intuitive Annäherung des Gottesvolkes an die offenbarte Wahrheit inspiriert und lenkt sowie das Wahre vom Falschen zu unterscheiden weiß. Diese Dynamik hat Kardinal Charles Journet in seinem Werk Le message révélé 1963 mit eindrücklichen Worten beschrieben, wobei er von einem Zitat des heiligen Thomas ausgeht: „‚Das Licht des Glaubens‘, so sagt der heilige Thomas, ‚führt zum Sehen des Geglaubten…; denn der habitus des Glaubens macht den Geist des Menschen geneigt, den Dingen des wahren Glaubens zuzustimmen, nicht den anderen‘. Es gibt eine Entsprechung, eine verborgene Anpassung, eine Konnaturalität zwischen der Tugend des Glaubens, die in der Seele des Christen lebendig ist, und den zu glaubenden Wahrheiten, die ihm von der Offenbarung vorgelegt werden: denn im einen wie im anderen Fall ist es derselbe Heilige Geist, der am Werk ist: hier durch das prophetische Licht, dort durch das heiligende Licht. Von dort her kommt die spontane Neigung des Gläubigen, der offenbarten Wahrheit zuzustimmen. Diese Neigung verstärkt sich, wenn der Glaube von Liebe erfüllt ist, wenn er dank der Gaben des Heiligen Geistes durchdringend und intuitiv und gleichsam hellsehend wird. Dann dringt er bis in die Tiefen vor, nimmt er etwas vorweg, suggeriert mit sicherem Instinkt das, was noch implizit und verborgen bereit ist, hervorzubrechen und sich zu offenbaren.“
  Offensichtlich ist der sensus fidei nicht mit der allgemeinen Mehrheitsmeinung gleichzusetzen; er darf nicht auf der Grundlage von Umfragestatistiken definiert werden. In der Kirchengeschichte kam es vor, dass der sensus fidei unter bestimmten Umständen von Einzelpersonen, einzelnen Heiligen, bezeugt wurde, während die allgemeine Meinung Lehren anhing, die mit dem apostolischen Glauben unvereinbar waren. Wie damals, als man unter dem Einfluss des Jansenismus die Strenge des göttlichen Gerichtes überbetonte, auf Kosten seiner Barmherzigkeit.
   In demselben Aufsatz beschreibt Journet auch die Beziehung, die zwischen dem sensus fidei und dem Lehramt der Kirche besteht. Beide Wirklichkeiten – so erklärt Journet – müssen voneinander unterschieden werden: bei Ersterer handelt es sich „weder um eine Lehre noch um das Lehramt, sondern nur um die auf eine Erfahrung gegründete Überzeugung von einer Wahrheit“. Und wenn auf der einen Seite der Glaube, insofern er Gabe des Heiligen Geistes ist, nicht irren kann, kann doch „der Gläubige, auch wenn er im Stand der Gnade und sehr fromm ist, irren und seinen Glauben mit fremden Gedanken oder Empfindungen vermischen. Außer wenn er so erleuchtet ist, wie es die Apostel waren, braucht er immer die Hilfe, die Leitung, das Urteil des vom göttlichen Beistand unterstützten Lehramtes.“ In dieser Hinsicht hat das Lehramt der um den Nachfolger Petri vereinten Bischöfe die Aufgabe, das, was der sensus fidei erahnt, worauf er hinweist und was er vorwegnimmt, zu beurteilen und zu bekräftigen. Wenn der Papst und die Bischöfe diese Funktion ausüben, bestätigen sie lediglich, dass eine vom sensus fidelium erkannte und angenommene Wahrheit in der Tat als Entwicklung von etwas anerkannt und angenommen wird, das im depositum fidei, dem Glaubensgut, bereits enthalten ist. Wie Benedikt XVI. in seiner Katechese über Duns Scotus angedeutet hat, fand diese Dynamik beispielhaften Ausdruck in der Definition der marianischen Dogmen der Unbefleckten Empfängnis und der Aufnahme Mariens in den Himmel. Diese Artikel des apostolischen Glaubens sind vorrangig auf der Grundlage des sensus fidelium definiert worden. Die Verehrung der Unbefleckten Empfängnis Mariens in der Volksfrömmigkeit erkannte die Apostolizität dieser Lehre lange bevor sie als Dogma definiert wurde. Mit derartigen dogmatischen Erklärungen beabsichtigten die Päpste sicher nicht, irgendeine neue theologische Theorie zu erfinden oder hinzuzufügen, sondern nur das anzuerkennen, was im Herzen der Kirche bereits vorhanden war.
   In dieser Hinsicht enthält der berühmte Artikel, den der selige John Henry Newman in der Zeitschrift The Rambler im Juli 1859 veröffentlicht hat, immer noch viele Anregungen. Der Artikel handelte von der Konsultation der Gläubigen in Fragen der Lehre.
  Newman verfasste diesen Artikel als Antwort auf die Angriffe „einiger ehrlicher Seelen“, die empört waren über einen vorher in derselben Zeitschrift erschienenen Artikel, in dem auf die Tatsache angespielt wurde, dass bei der Vorbereitung der dogmatischen Definition der Unbefleckten Empfängnis die Gläubigen zu Rate gezogen worden waren. Die von Newman bei jenem Anlass vorgebrachte Argumentation stellt auch heute noch ein äußerst aktuelles Konzentrat von historischen und lehrmäßigen Argumenten dar, die darauf abzielen, das Wesen des sensus fidelium als instrumentum traditionis darzulegen.
  Laut Newman ist „die Überlieferung der Kirche per modum unius der gesamten Kirche in ihren verschiedenen Gliedern und Funktionen anvertraut, die sich zu unterschiedlichen Zeiten in verschiedener Weise manifestiert: manchmal durch das Wort des Episkopats, andere Male durch die Kirchenlehrer, ein andermal durch das Volk, die Liturgien, die Riten, die Zeremonien, die Streitgespräche und alle jene Ereignisse, die unter dem Begriff ,Geschichte‘ zusammengefasst werden. Daraus folgt, dass keiner dieser Kanäle der Tradition verachtet werden darf, wenn auch zugleich ohne Einschränkung gesagt werden muss, dass die Gabe der Unterscheidung, des Urteils, der Definierung und Promulgierung einer Überlieferung allein der Ecclesia docens zusteht.“
  Als Beweis für die entscheidende Rolle des sensus fidelium im Leben und in der Geschichte der Kirche nimmt er den emblematischen Fall der arianischen Krise: „Es ist nicht ohne Bedeutung, dass auch historisch gesehen das 4. Jahrhundert die Zeit der großen Kirchenlehrer war, die Zeit der heiligen Athanasius, Hilarius, der beiden Gregor, Basilius, Chrysostomus, Ambrosius, Augustinus. Hinzu kommt noch, dass alle außer einem, auch Bischöfe waren. Dennoch wurde gerade in jener Zeit die der unfehlbaren Kirche anvertraute göttliche Überlieferung sehr viel mehr vom Volk Gottes verkündet und verteidigt als von den Bischöfen. […]. In jener Zeit der großen theologischen Verwirrung wurde das Dogma der Gottheit unseres Herrn mit größerer Kraft von der Ecclesia discens verkündet, verteidigt und bewahrt als von der Ecclesia docens; das Bischofskollegium war seiner Sendung nicht gewachsen, wohingegen die Mehrheit der Laien der eigenen Taufe treu blieb. […]. Gerade das Volk Gottes war es, dass dank göttlicher Vorsehung Athanasius, Hilarius, Eusebius von Vercelli und andere große und einsame Bekenner des Glaubens unterstützte, die ohne es verloren gewesen wären.“ Der Fall des Arianismus ist für Newman ein „offenkundiges Beispiel für die Situation der Kirche in einem historischen Augenblick, in dem es, um die apostolische Tradition zu erkennen, notwendig war, auf das Gottesvolk zurückzugreifen“, und er schließt daraus, dass es möglich ist, dass sich die Stimme der Tradition in bestimmten Fällen nicht durch Konzilien, Kirchenväter und Bischöfe manifestiert, sondern durch den communis fidelium sensus.
  Selbstverständlich betrifft dies alles auch die Theologie. Wenn die theologische Forschung sich innerhalb der Kirche entwickeln will, zum Nutzen der ganzen Gemeinschaft der Gläubigen, ist der sensus fidei ihr unumgänglicher Bezugspunkt, der sich in herausragender Weise in der Heiligkeit manifestiert. Von daher hat es mich sehr beeindruckt, dass der Papst in seiner letzten Ansprache an die Mitglieder der Internationalen Päpstlichen Theologenkommission an die „Kleinen“ erinnert hat und dabei Bernadette und Therese von Lisieux namentlich nannte als diejenigen, die das „Mysterium erkannt haben“ und „in das Herz der Heiligen Schrift“ vorgedrungen sind, während einer Theologie, die doch den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt, das Wesentliche bisweilen verborgen bleibt.
   Bereits früher hatte der damalige Kardinal Ratzinger das vom heiligen Thomas von Aquin dargelegte Kriterium aufgegriffen, nach dem die Grundlage der echten Theologie das „Wissen der Heiligen“ ist. Für den heiligen Thomas, so erklärte Ratzinger in seinem Buch Auf Christus schauen, ist die Theologie scientia subalterna, weil sie „nicht selbst ihre letzten Gründe ‚sieht‘ und ‚beweist‘. Sie ist sozusagen aufgehängt am ‚Wissen der Heiligen‘, an ihrer Schau […]. Die Arbeit des Theologen ist in diesem Sinn immer ‚sekundär‘, relativ auf die reale Erfahrung der Heiligen hin. Sie verliert ohne diesen Bezugspunkt, ohne die innerste Verankerung in solcher Erfahrung ihren Realitätscharakter. Das ist die Demut, die den Theologen auferlegt ist … Theologie wird zum leeren intellektuellen Spiel und verliert auch ihren Wissenschaftscharakter ohne den Realismus der Heiligen, ohne ihre Berührung der Wirklichkeit, um die es dabei geht.“
   Manchmal wird ganz klar deutlich, dass es im Leben und Werk einiger Heiliger so etwas gibt wie eine prophetische Vorwegnahme, einen vorweggenommenen Hinweis auf etwas, das die Kirche im Laufe der Zeit braucht, damit sie im Glauben der Apostel bewahrt wird. Die Heiligen leben, solange sie noch auf der Erde sind, nicht in der beseligenden Schau, sondern im Glauben; aber die großen, von der Liebe und den Gaben des Heiligen Geistes bewirkten Glaubensintuitionen, führen sie dahin, dass sie dunkel die großen Wahrheiten erahnen, die wir im Himmel klar sehen werden. Für den heiligen Thomas sind die Heiligen vor allem die Seligen. Ich denke zum Beispiel an einige Heilige der Neuzeit oder der Moderne wie die heilige Margherita Maria Alacoque, die heilige Therese vom Kinde Jesus, die heilige Schwester Faustyna oder Mutter Teresa: mit ihrem Erahnen der unendlichen Barmherzigkeit Gottes weisen sie auf das hin, worauf man den Blick richten muss in dieser auch für die Kirche dramatischen Zeit.
   „‚Das Licht des Glaubens‘, so sagt der heilige Thomas, ‚führt zum Sehen des Geglaubten…; denn der habitus des Glaubens macht den Geist des Menschen geneigt, den Dingen des wahren Glaubens zuzustimmen, nicht den anderen‘. Es gibt eine Entsprechung, eine verborgene Anpassung, eine Konnaturalität zwischen der Tugend des Glaubens, die in der Seele des Christen lebendig ist, und den zu glaubenden Wahrheiten, die ihm von der Offenbarung vorgelegt werden: denn im einen wie im anderen Fall ist es derselbe Heilige Geist, der am Werk ist: hier durch das prophetische Licht, dort durch das heiligende Licht.“  TrentaGiorni100908

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Benedikt XVI. als Bischof von Rom im Gespräch mit seinem Diözesanklerus

Priester und Diakone der Diözese Rom versammelten sich mit Kardinal Camillo Ruini im Vatikan. Auf die Fragen der Priester antwortete der Papst in freier Rede.
  Benedikt XVI. äußerte sich unmittelbar und spontan zu einigen großen Themen und Problemen des Glaubens und der Kirche in der Welt. Die Fastenzeit weise den Weg unseres Lebens. In seiner einführenden Reflexion über den Sinn der Fastenzeit wies der Papst darauf hin,  dass die Option für das Leben und die Option für Gott identisch sind. Der Papst stellte fest, „dass der große Abfall vom Christentum, der sich im Westen in den letzten hundert Jahren ereignet hat, gerade im Namen der Option für das Leben verwirklicht wurde“. Das Christentum sei auf- grund der Verkündigung des Kreuzes und der als Katalog von Verneinungen aufgefassten Gebote Gottes der Lebensfeindlichkeit beschuldigt worden. Dem hielt Benedikt das „Paradox des Christentums” entgegen, das sich in den Worten Jesu finde: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen ver- liert, der wird es retten” Lk 9,24. Gott wählen ist die einzige Antwort für den, der das Leben in Wahrheit sucht, denn: „Eine von Gott entleerte Welt, eine Welt, die Gott vergessen hat, verliert das Leben und verfällt in eine Kultur des Todes. Das Leben wählen, die Option für das Leben machen, heißt also vor allem, die Option ‚Beziehung mit Gott’ zu wählen.”     
   Der Weg zu diesem lebendigen Glauben hat sich in Offenheit und in Einheit mit der Kirche zu vollziehen. „Wir müssen“, so der Papst, „Tag für Tag diese unsere Gemeinschaft mit der Heiligen Kirche und so mit dem Wort Gottes vertiefen”. Der Glaube ist nicht selbst gemacht. Der Glaube ist Geschenk und setzt voraus, sich beschenken lassen zu wollen und zu können. Das Bewusstsein des Christen muss sich für dieses Geschenk Gottes öffnen: „Wir müssen in die Bereitschaft eintreten, die Gabe zu akzeptieren und uns von der Gabe in unserem Denken, in unserem Fühlen,  in unserem Willen durchdringen zu lassen.” Glauben sei „ein katholischer Akt”: die Teilnahme an der großen Sicherheit, „die im lebendigen Subjekt Kirche gegenwärtig ist”. Das Volk Gottes ist, so der Papst, „ein von Gott geschaffenes Subjekt, das empfängt, dann übersetzt und dieses Wort mitteilt.”
    Das Volk Gottes steht so in einer Synergie mit Gott. Darin liege der wesentliche Unterschied des Christentums zum Islam. Der Koran sei „wörtlich von Gott gegebenes Wort, ohne menschliche Vermittlung. Der Prophet hat damit nichts zu tun. Er hat es nur aufgeschrieben und mitgeteilt.” Der Christ hingegen trete ein in eine Gemein- schaft mit Gott. Er werde Mitarbeiter Gottes in der Gemeinschaft der Heiligen Kirche, „die ihrerseits das Wort Gottes empfängt, das der Leib Christi ist, beseelt vom lebenden Wort, vom göttlichen Logos”.
Vollständiger Bericht von Armin Schibach unter: www.die-tagespost.de

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Das aktuelle Buch.  Fragen und Antworten. Der Kurz-Katechismus der katholischen Kirche:
Ein Vademecum des Glaubens. Katechismus der Katholischen Kirche. Kompendium, Pattloch Verlag,  256 S.,
€ 12,90 ISBN: 3-629-02139-5;  ISBN-13-978-3- 629-02139-7  ISBN:3-629-02140-9 ISBN: 13-978-3-629-02140-3;  brosch. 6,90 € Großdruckausgabe siehe:
  Großdruck & Punktschrift  

   Der Kurz-Katechismus der katholischen Kirche, der in deutscher Übersetzung erschienen ist, beschreibt nach Worten von Papst Benedikt XVI. „alle wesentlichen  und grundlegenden Elemente des Glaubens der Kirche”. In Aufbau, Inhalt und Sprache folgt das Kompendium dem großen Katechismus, der 1992 von Papst Johannes Paul II. veröffentlicht wurde. Um diesen besser zu erschließen, wurden die wichtigsten Sachverhalte von einer Kommission unter Vorsitz des jetzigen Papstes zusammengefasst und zunächst in italienischer Sprache veröffentlicht. Mit seinen 598 Abschnitten in klassischem Frage-Antwort-Stil und einem Anhang, der die wichtigsten Gebete sowie Formeln der katholischen Lehre enthält, erhebt das neue Vademecum nach Worten des Papstes Anspruch auf „Kürze, Klarheit und Vollständigkeit”. Gedacht ist es daher nur für die katholischen Christen, die sich einen Über- blick über das Panorama des Glaubens verschaffen wollen.  Ausdrücklich legt es der Papst allen Menschen ans Herz, „die inmitten einer zerstreuten Welt mit vielfältigen Botschaften den Weg des Lebens kennenlernen möchten: die Wahrheit, die Gott der Kirche anvertraut hat”.
   Gegliedert ist der „kleine” Katechismus in vier Teile. Der erste Teil folgt im wesentlichen den Aussagen des Glaubensbekenntnisses der Kirche. Hier finden sich grundlegende Feststellungen über die Heilsnotwendigkeit der katholischen Kirche („Nur durch sie kann man die ganze Fülle der Heilsmittel erlangen”). Die Aussage „Außerhalb der Kirche kein Heil” wird mit den Sätzen erläutert, „dass alles Heil von Christus, dem Haupt, durch die Kirche, seinen Leib, kommt. Darum können jene Menschen nicht gerettet werden, die wissen, dass die Kirche von Christus gegründet wurde und zum Heil notwendig ist, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollen. Zugleich können durch Christus und seine Kirche diejenigen das ewige Heil erlangen, die ohne eigene Schuld das Evangelium Christi und seine Kirche nicht kennen, Gott jedoch aufrichtigen Herzens suchen und sich unter dem Einfluss der Gnade bemühen, seinen durch den Anruf des Gewissens erkannten Willen zu erfüllen.”
Der zweite Teil ist der Liturgie der Kirche und den sieben Sakramenten der Kirche gewidmet.
   Wie in allen anderen Abschnitten wird auch hier keine neue Lehre verkündet. Vielmehr werden verbindliche Aussagen des kirchlichen Lehramtes zu auch innerkirchlich strittigen Fragen in unzweideutiger Weise festgehalten („Die heilige Weihe kann gültig nur ein getaufter Mann empfangen”). Als Sünden, die dem Ehesakrament wider- sprechen, werden Ehebruch, Polygamie, die Weigerung, fruchtbar zu sein, sowie die Scheidung genannt. Die Haltung der Kirche gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen wird mit den Worten beschrieben, dass ihre Situation dem Gesetz Gottes „objektiv widerspricht”. Daher könnten sie „nicht die sakramentale Lossprechung empfangen, nicht zur heiligen Kommunion hinzutreten und gewisse kirchliche Aufgaben nicht ausüben”.
Im Mittelpunkt des dritten Teils „Leben in Christus” stehen die Zehn Gebote.
  Das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten”, so heißt es, verbiete direkten und willentlichen Mord, direkte Abtreibung, direkte Euthanasie sowie Selbstmord und die freiwillige Beihilfe dazu. Auch der Schutz „jedes Embryos” folgt, so die Kirche, aus dem fünften Gebot. Über den Frieden in der Welt heißt es, die persönlichen Güter müssten ange- messen verteilt und gesichert sein, die Menschen frei miteinander verkehren können, die Würde der Personen und der Völker geachtet und die Gerechtigkeit und Brüderlichkeit unter den Menschen gepflegt werden. Den Einsatz militärischer Gewalt schließt die Kirche nicht aus. Er kann sittlich gerechtfertigt sein, „wenn die folgenden Bedin- gungen gleichzeitig gegeben sind: die Sicherheit, dass der erlittene Schaden dauerhaft und schwerwiegend ist; die Wirkungslosigkeit aller friedlichen Alternativen; ernsthafte Aussichten auf Erfolg; die Vermeidung von schlim- meren Schäden, auch in Anbetracht der Zerstörungskraft der modernen Waffen”. Die Beurteilung dieser Bedingun- gen obliegt dem klugen Ermessen der Regierenden, wobei „vorsätzliche Handlungen gegen das Völkerrecht und Befehle, solche Handlungen auszuführen”, als Verbrechen geächtet werden „für die blinder Gehorsam kein Ent- schuldigungsgrund sein kann”. Jedermann ist sittlich verpflichtet, sich Befehlen zu widersetzen, die solche Verbre- chen anordnen.
   Als Verletzungen des sechsten Gebots „Du sollst nicht die Ehe brechen” nennt das Kompendium über Ehebruch hinaus Selbstbefriedigung, Unzucht, Pornographie, Prostitution, Vergewaltigung sowie homosexuelle Handlungen. Methoden der Empfängnisverhütung, die über zeitweilige Enthaltsamkeit und die Wahl von unfruchtbaren Perio- den hinausgehen, darunter auch direkte Sterilisation, verstoßen nach Aussagen der Kirche ebenso gegen die ob- jektive sittliche Ordnung wie künstliche Befruchtung.
Der vierte und letzte Teil dient der Darlegung des christlichen Gebets.
  
Er endet mit der Erläuterung der sieben Bitten des „Vater unser” und der Antwort auf die Frage „Was bedeutet das Amen am Schluss?”    DanielDeckersFAZ050811  
      

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Youcat: „Die Bibel ist heute so spannend wie noch nie“  -  Foto: Pater Dominik Markl SJ und die Jugendbibel

   Die Soziologie spricht von einem „Traditionsabbruch“, nachfolgende Generationen haben fast keinen Zugang mehr zu Glauben und zum Glaubenswissen, von der Bibel ganz zu schweigen. Dem will einmal mehr das Team des Youcat abhelfen, dieses Mal liegt eine Jugendbibel vor. Angestoßen vom Bibelwissenschaftler Thomas Söding haben sich einige Exegeten daran gemacht, die Ausdrücke von Glauben, Freude, Leiden und Gebet so anzubieten, dass ein Einstieg einfacher und begleitet wird. Jesuitenpater Dominik Markl ist Exeget und lehrt am Päpstlichen Bibelinstitut in Rom, er ist einer der Autoren dieser Jugendbibel.
RV: Was unterscheidet diese Bibel von der Bibel bei mir im Regal?
   Dominik Markl SJ: „Es ist eine Auswahlbibel, es ist nicht die vollständige Bibel, sondern wir haben für junge Menschen Texte ausgewählt, die leichter zugänglich sind als andere. Die Bibel enthält Texte, die junge Menschen überfordern können in ihrem ersten Zugang. Wir haben uns also bemüht, Texte zu wählen, die einen leichteren Einstieg bieten und die leichter verständlich sind.“
RV: Die Regel-Listen aus dem Buch Leviticus finden sich also nicht in dem Buch?
   Dominik Markl SJ: „Genau. Wir haben uns bemüht, auch aus den schwierigeren Büchern kleine Beispiele zu bringen, wir haben aus allen Büchern zumindest ein kleines Stück Text gebracht. Aber wir haben den Schwerpunkt auf die Stellen gelegt, bei denen wir den Eindruck hatten, dass sie theologisch besonders wichtig sind oder eine besonders schöne Botschaft haben. Zum Beispiel ist die Geschichte von David, eine der wenigen richtigen Jugendgeschichten in der Bibel, in der Ausgabe enthalten.“
RV: Die Übersetzung ist aber nicht extra angefertigt, sondern die, die wir alle schon kennen.
  Dominik Markl SJ: „Eine der großen Diskussionen am Anfang der Jugendbibel war, welche Übersetzung man nimmt. Wir haben diskutiert, eine Bibel in jugendgerechter Sprache zu versuchen, wir sind aber zu dem Schluss gekommen, dass das nicht ideal ist, weil dann in der Liturgie, der Messe und so weiter Jugendliche mit der Einheitsübersetzung zu tun haben. Wir haben es besser gefunden, den üblichen Bibeltext zu nehmen und dann aber zu erklären, wo wir den Eindruck haben, dass es nicht leicht verständlich ist und wo es Hintergrundinformationen braucht.“
RV: Die bekommt man aber auch in dem Buch. Es sind Zeichnungen dabei, Erklärungen und kurze Einführungen, wie man es aus dem Youcat ja auch kennt, die Bibel ist ja in dieser Reihe erschienen.
   Dominik Markl SJ: „Wir haben sowohl kurze Einführungen in jedes Buch, in jeden großen Abschnitt der Bibel, als auch ganz kurze, einfache Erklärungen. Das sind allerdings nicht nur Sacherklärungen von Bibelwissenschaftlern, sondern auch passende Kommentare von Heiligen, von Päpsten, aber auch von Persönlichkeiten aus der Wissenschaft und Kultur. Auch junge Leute kommen zu Wort und sprechen zu einem Bibeltext ein Zeugnis aus.“
RV: Ich schlage einmal wahllos auf und finde hier ein Gebet von Thomas Morus, gegenüber ein Zitat von Papst Franziskus und darunter einen Jugendlichen, der etwas aus seinem Leben mit der Bibel erzählt. Das scheint das Prinzip zu sein, ein begleitender Text.
  Dominik Markl SJ: „Genau. Der Gedanke im Hintergrund ist, dass die Bibel ein Buch der ganzen Kirche ist. Es gibt ganz viele Stimmen, die durch zwei Jahrtausende hindurch diese Bibel gelesen haben, mit ihr gelebt haben, mit ihr gerungen haben, sich an ihr gefreut haben. Diese Vielfalt der Stimmen soll zur Sprache kommen und für Jugendliche zugänglich werden. Ich glaube, die Bibel ist heute so spannend wie noch nie. Bis vor kurzem hat man vielleicht gedacht, die Bibel sei ein altes und verstaubtes Buch, aber wir haben heute eine viel größere Freiheit im Umgang mit der Bibel. Die Schöpfungsgeschichte will natürlich nicht sagen, dass die Welt in sieben Tagen entstanden ist, sondern spricht von der Beziehung Gottes zur Welt und zum Universum, ein wunderbarer Text, heute vielleicht mehr denn je.“
RV: Wenn man mit Jugendlichen über die Bibel spricht, kommen schnell auch die Widersprüche in der Bibel auf den Tisch, etwa der Stammbaum Jesu, der durch Josef verläuft, aber Josef ist gar nicht der Vater Jesu. Wie geht die Jugendbibel damit um?
   Dominik Markl SJ: „Zum Teil haben wir versucht, Schwierigkeiten die wir gesehen haben, in kleinen Kommentaren anzusprechen, andererseits kam es uns darauf an, die Dinge zu unterstreichen, die uns besonders wichtig erschienen. Natürlich gibt es Widersprüche und komplizierte Dinge in der Bibel, die man vertieft studieren muss, um sie zu verstehen, aber wichtig scheint uns, zu zeigen, was an der Botschaft entscheidend ist, wie Menschen ihr Ringen mit Gott zum Ausdruck bringen und wie sie ihre Freude und ihr Leiden im Gebet zum Ausdruck bringen. Diese Lebenserfahrung, von der die Bibel so voll ist, die so sprühend ist, die wollten wir vor allem mit diesem Buch vermitteln.“
RV: Der Priester und Seelsorger in Ihnen ist glücklich, ist es auch der Bibelwissenschaftler?
  Dominik Markl SJ: „Insgesamt bin ich als Exeget zufrieden mit dem Buch. Es ist natürlich ein Spannungsfeld, als Wissenschaftler versucht man, Dinge möglichst präzise zu formulieren, und jetzt kommt es darauf an, jugendgerecht und möglichst einfach zu sprechen. Hinter diesem Buch liegen auch viele Debatten, wie man eine Sache gut formulieren kann, aber insgesamt haben wir uns große Mühe gegeben, die Dinge nicht zu einfach darzustellen, sondern so richtig, wie es in Einfachheit geht. Deswegen kann ich das Buch auch als Bibelwissenschaftler guten Gewissens aus der Hand geben.“
Jugendbibel der Katholischen Kirche, Herausgegeben von der Österreichischen Bischofskonferenz, erschienen in der Youcat-Foundation und dem Katholischen Bibelwerk. Das Buch kostet etwa 15 Euro.
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Foto unten: Pater Tomás Kardinal Spidlik lehrte 40 Jahre an der Gregoriana, Rom,
und am Päpstlichen Orientalischen Institut. Ein Kenner orientalischer Spiritualität und östlicher Theologie.

Papst Johannes Paul II.cd-TomásSpoidlik Tomas Card. Spidlik

Zum Credo sagt Kardinal Spidlik:
     Die alten Konzilien schrieben: Symbol des Glaubens.
     Der moderrne Mensch sagt: Definition des Glaubens.
     Das ist nicht dasselbe. Das Glaubensbekenntnis ist nicht Definition des Glaubens, das Glaubensbekenntnis ist Symbol des Glaubens; und in diesem Symbol muss ich meinen Glauben verstehen. Außerdem sage ich, dass wir es, in einem gewissen Sinn, verfälscht haben: mit einem Komma.
Frage: mit einem Komma?
    Ja, weil wir beten: “Credo in unum Deum”, Komma, “Patrem omnipotentem” [‘Ich glaube an den einen Gott’, Komma, ‘den allmächtigen Vater’].
    Richtig übersetzt heißt das:“Ich glaube an den einzigen Gott Vater”. Ich glaube, dass Gott Vater ist; das ist das Bekenntnis des Glaubens: die Vaterschaft. Und mit dem Vater spricht man. “Ich glaube an einen Gott”  kann an sich auch etwas anderes bedeuten, weil ich auch glauben kann, dass Gott ein Gedanke oder ein Weltengesetz ist. Die christliche Wahrheit dagegen ist: “Ich glaube, dass Gott Vater ist”. Dann ist die erste Quelle das Gebet zum Vater. 30Giorni0311

Ich glaube an Gott: den Vater, den Allmächtigen

    In der letzten Katechese in der Generalaudienz war Benedikt XVI. näher auf die Anfangsworte des Credo einge- gangen: »Ich glaube an Gott«. In der Generalaudienz in der Aula Paolo VI.  am 30. Januar 2013 umschreibt der Papst diese Aussage des Glaubensbekenntnisses  jedoch genauer: Gott ist der Vater, der Allmächtige, der Schöpfer des Himmels und der Erde.
Liebe Brüder und Schwestern!
   Ich möchte also jetzt mit euch über die erste, grundlegende Definition nachdenken, die das Credo uns vorlegt: Er ist Vater.
   Heute ist es nicht immer einfach, über Vaterschaft zu sprechen. Zerbrochene Familien, immer stärker bean- spruchende berufliche Verpflichtungen, Sorgen und oft Mühe, die Haushaltsbilanz der Familie auszugleichen, das Eindringen der Massenmedien mit all ihren Ablenkungen in das tägliche Leben sind - vor allem in der westlichen Welt - einige der vielen Faktoren, die eine friedliche und konstruktive Beziehung zwischen Vätern und Kindern verhindern können. Die Kommunikation wird manchmal schwierig, das Vertrauen schwindet, und die Beziehung zur Gestalt des Vaters kann problematisch werden; und so wird es auch problematisch, sich Gott als Vater vorzu- stellen, wenn man keine angemessenen Bezugsmodelle hat. Wer Erfahrungen mit einem zu autoritären und un- beugsamen oder gleichgültigen und lieblosen oder sogar abwesenden Vater gemacht hat, für den ist es nicht einfach, mit innerem Frieden an Gott als Vater zu denken und sich ihm vertrauensvoll zu überlassen.
   Die biblische Offenbarung hilft, diese Schwierigkeiten zu überwinden, indem sie zu uns von einem Gott spricht, der uns zeigt, was »Vater« sein wirklich bedeutet; und vor allem das Evangelium offenbart uns dieses Angesicht Gottes als Vater, der liebt - bis zur Hingabe des eigenen Sohnes für das Heil der Menschheit. Der Bezug auf die väterliche Gestalt hilft also, etwas von der Liebe Gottes zu verstehen, die jedoch unendlich viel größer, treuer, vollkommener ist als die irgendeines Menschen. Um den Jüngern das Angesicht des Vaters zu zeigen, sagt Jesus: »Ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten« Mt 7,9-11; vgl. Lk11,11-13. Gott ist unser Vater, weil er uns gesegnet hat und uns erwählt hat vor der Erschaffung der Welt vgl. Eph 1,3-6,  weil er uns wirklich zu seinen Kin- dern in Jesus gemacht hat  vgl. 1 Joh 3,1. Und als Vater begleitet Gott mit Liebe unser Dasein und schenkt uns sein Wort, seine Lehre, seine Gnade, seinen Geist.
   Er ist - wie Jesus offenbart - der Vater, der die Vögel des Himmels nährt, ohne dass diese säen und ernten müssen, und die Blumen auf dem Feld in wunderbare Farben kleidet, in schönere Kleider als die des Königs Salomo vgl.Mt 6,26- 32; Lk 12,24-28; und wir - fügt Jesus hinzu - sind viel mehr wert als die Blumen und die Vögel des Himmels! Und wenn er so gut ist, dass er »seine Sonne aufgehen lässt über Bösen und Guten und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte« vgl. Mt 5,45, können wir uns stets ohne Furcht und mit völligem Vertrauen seiner väterlichen Vergebung anvertrauen, wenn wir den falschen Weg einschlagen. Gott ist ein guter Vater, der den verlorenen und reuigen Sohn aufnimmt und umarmt vgl. Lk 15,11 ff., den Bittenden unentgeltlich schenkt vgl. Mt 18,19; Mk 11,24; Joh 16,23 und das Brot vom Himmel gibt, das ewiges Leben schenkt vgl. Joh 6,32.51.58.
   Der Beter des Psalms 27, von Feinden umringt, belagert von Frevlern und Verleumdern, kann daher, während er den Beistand des Herrn sucht und ihn anruft, voll Glauben Zeugnis geben und sagen: »Wenn mich auch Vater und Mutter verlassen, der Herr nimmt mich auf« V.10. Gott ist ein Vater, der seine Kinder nie verlässt, ein liebevoller Vater, der stützt, hilft, annimmt, vergibt, erlöst, mit einer Treue, die die menschliche Treue unendlich übersteigt, um sich zu Dimensionen der Ewigkeit hin zu öffnen. »Denn seine Huld währt ewig«, wiederholt Psalm 136, der die Heilsgeschichte durchläuft wie in einer Litanei nach jedem Vers. Die Liebe Gottes, des Vaters, lässt niemals nach, er wird unser nicht müde; es ist eine Liebe, die bis zum Äußersten gibt, bis zum Opfer des Sohnes. Der Glaube schenkt uns diese Gewissheit, die zum sicheren Fels im Aufbau unseres Lebens wird: Wir können allen Schwierig- keiten und Gefahren gegenübertreten, der Erfahrung der Dunkelheit der Krise und der Zeit des Schmerzes, gestützt vom Vertrauen, dass Gott uns nicht allein lässt und stets nahe ist, um uns zu erlösen und zum ewigen Leben zu führen.
   Im Herrn Jesus zeigt sich in Fülle das gütige Gesicht des Vaters im Himmel. Wenn wir ihn kennen, können wir auch den Vater erkennen vgl. Joh 8,19; 14,7, wenn wir ihn sehen, können wir den Vater sehen, denn er ist im Vater und der Vater ist in ihm vgl. Joh 14,9.11. Er ist »das Ebenbild des unsichtbaren Gottes«, wie der Hymnus des Briefes an die Kolosser über ihn sagt, »der Erstgeborene der ganzen Schöpfung ... der Erstgeborene der Toten«, »durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden«, und alles ist durch ihn versöhnt, »alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut« vgl. Kol 1,13-20.
   Der Glaube an Gott, den Vater, erfordert an den Sohn zu glauben, unter dem Wirken des Heiligen Geistes, und im erlösenden Kreuz die endgültige Offenbarung der göttlichen Liebe zu erkennen. Gott ist unser Vater, da er uns seinen Sohn schenkt; Gott ist unser Vater, da er uns unsere Sünden vergibt und uns zur Freude des auferstan- denen Lebens führt; Gott ist unser Vater, da er uns den Heiligen Geist schenkt, der uns zu Söhnen macht und uns erlaubt, ihn wahrhaft »Abba, Vater« zu nennen vgl. Röm 8,15. Jesus lehrt uns daher beten, indem er uns einlädt zu sagen: »Unser Vater« M 6,9-13; vgl. Lk 11,2-4.
   Gottes Vaterschaft ist also unendliche Liebe, Zärtlichkeit, die sich über uns schwache, in allem bedürftige Kinder niederbeugt. Psalm 103, der große Lobgesang auf die Barmherzigkeit Gottes, verkündet: »Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten. Denn er weiß, was wir für Gebilde sind; er denkt daran: Wir sind nur Staub« V.13-14. Gerade unsere Kleinheit, unsere schwache menschliche Natur, unse- re Zerbrechlichkeit wird zum Appell an die Barmherzigkeit des Herrn, damit er seine Größe und Liebe als Vater zeige, indem er uns hilft, uns vergibt und uns erlöst.
   Und Gott antwortet auf unseren Appell, indem er seinen Sohn sendet, der für uns stirbt und aufersteht; er tritt in unsere Schwäche ein und wirkt das, was der Mensch von sich aus niemals hätte wirken können: Er nimmt die Sünde der Welt auf sich, wie ein unschuldiges Lamm, und öffnet uns wieder den Weg zur Gemeinschaft mit Gott, er macht uns zu wahren Kindern Gottes. Dort, im Ostergeheimnis, wird das endgültige Angesicht des Vaters in seinem ganzen Glanz offenbart. Und dort, am glorreichen Kreuz, erfolgt die volle Offenbarung der Größe Gottes als »der Vater, der Allmächtige«.
 Wir könnten uns jedoch fragen: Wie ist es möglich, an einen allmächtigen Gott zu denken, wenn wir auf das Kreuz Christi schauen? Auf diese Macht des Bösen, die so weit geht, dass sie sogar den Sohn Gottes tötet? Gewiss hätten wir gern eine göttliche Allmacht nach unseren Denkschemata und unseren Wünschen: einen »allmäch- tigen« Gott, der unsere Probleme löst, der eingreift, um Schwierigkeiten für uns zu vermeiden, der die feindlichen Mächte besiegt, den Lauf der Ereignisse ändert und den Schmerz hinwegnimmt. So sagen manche Theologen heute, dass Gott nicht allmächtig sein kann, denn sonst könnte es nicht soviel Leiden, soviel Böses in der Welt geben. Für viele, für uns wird es tatsächlich problematisch, schwierig, angesichts des Bösen und des Leids an einen Gott als Vater zu glauben und zu glauben, dass er allmächtig ist; einige suchen Zuflucht in Götzen und geben der Versuchung nach, Antwort zu finden in einer angeblichen »magischen« Allmacht und ihren trügerischen Versprechungen.
   Der Glaube an Gott, den Allmächtigen, drängt uns jedoch, ganz andere Wege zu beschreiten: verstehen zu lernen, dass Gottes Gedanken anders sind als unsere Gedanken, dass Gottes Wege anders sind als unsere Wege vgl. Jes 55,8 und dass auch seine Allmacht anders ist. Sie kommt nicht als automatische oder willkürliche Kraft zum Ausdruck, sondern ist geprägt von einer liebevollen und väterlichen Freiheit. Indem Gott freie Geschöpfe ge- schaffen, Freiheit geschenkt hat, hat er tatsächlich auf einen Teil seiner Macht verzichtet und uns die Macht unserer Freiheit gibt. So liebt er und achtet die freie, liebevolle Antwort auf seinen Ruf. Als Vater möchte Gott, dass wir seine Kinder werden und als solche in seinem Sohn leben, in Gemeinschaft, in völliger Vertrautheit mit ihm. Seine Allmacht kommt nicht in der Gewalt zum Ausdruck, kommt nicht in der Zerstörung jeder feindlichen Macht zum Ausdruck, wie wir es wünschen, sondern kommt in der Liebe, in der Barmherzigkeit, in der Vergebung, in der Annahme unserer Freiheit und im unermüdlichen Appell an die Bekehrung des Herzens zum Ausdruck, in einer nur scheinbar schwachen Haltung - Gott scheint schwach zu sein, wenn wir an Jesus Christus denken, der betet, der sich töten lässt. Eine scheinbar schwache Haltung aus Geduld, Sanftmut und Liebe zeigt, dass dies die wahre Art ist, mächtig zu sein! Das ist die Macht Gottes! Und diese Macht wird siegen! Der Weise aus demBuch der Weisheit wendet sich so an Gott:  »Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst, und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie sich bekehren. Du liebst alles, was ist ... Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens« Röm11,23-24a.26.
   Nur wer wirklich mächtig ist, kann das Böse ertragen und sich als barmherzig erweisen; nur wer wirklich mächtig ist, kann die Kraft der Liebe in Fülle ausüben. Und Gott, dem alles gehört, weil alles von ihm erschaffen wurde, offenbart seine Kraft, indem er alles und alle liebt, in geduldiger Erwartung der Bekehrung von uns Menschen, die seine Kinder werden sollen. Gott wartet auf unsere Bekehrung. Die allmächtige Liebe Gottes kennt keine Grenzen, er hat sogar »seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben« Röm 8,32. Die Allmacht der Liebe ist nicht die der Macht der Welt, sondern die der völligen Hingabe, und Jesus, der Sohn Gottes, offenbart der Welt die wahre Allmacht des Vaters, indem er sein Leben für uns Sünder hingibt. Das ist die wahre, echte und vollkommene göttliche Macht: Böses nicht mit Bösem zu vergelten, sondern mit Gutem, Beleidigungen mit Verge- bung, tödlichen Hass mit lebenspendender Liebe. Dann ist das Böse wirklich besiegt, weil es durch die Liebe Gottes geläutert wurde; dann ist der Tod endgültig besiegt, weil er in das Geschenk des Lebens verwandelt wur- de. Der Vater lässt den Sohn auferstehen: Der Tod, der große Feind vgl. 1 Kor 15,26, ist verschlungen und seines Giftes beraubt vgl. 1 Kor15,54-55, und wir, von der Sünde befreit, haben Zugang zu unserer Wirklichkeit als Kin- der Gottes.
   Wenn wir also sagen: »Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen«, dann bringen wir unseren Glauben an die Allmacht der Liebe Gottes zum Ausdruck, der in seinem gestorbenen und auferstandenen Sohn den Hass, das Böse, die Sünde besiegt und für uns das ewige Leben öffnet, das Leben als Kinder, die für immer im »Haus des Vaters« sein wollen. Zu sagen: »Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen«, an seine Macht, ist immer ein Akt des Glaubens, der Bekehrung, der Verwandlung unseres Denkens, all unserer Zuneigung, unserer ganzen Lebensweise.
   Liebe Brüder und Schwestern, bitten wir den Herrn, unseren Glauben zu stützen, uns zu helfen, wirklich den Glauben zu finden und uns die Kraft zu schenken, den gekreuzigten und auferstandenen Christus zu verkündigen und ihn in der Liebe zu Gott und zum Nächsten zu bezeugen. Und möge Gott uns gewähren, das Geschenk unserer Kindschaft anzunehmen, um die Wirklichkeit des Credo in Fülle zu leben, in vertrauensvoller Hingabe an die Liebe des Vaters und seine barmherzige Allmacht, die die wahre Allmacht ist und die erlöst. OR130131ital.

                                                             tn_P_PVI_jpg

 Papst Paul VI. verfasste das Credo des Gottesvolkes.
Wir bringen dieses Credo als autorisierte Übersetzung. Paul VI. nennt dieses Credo des Gottesvolkes
 am 3. Juli 1968 die wesentliche Zusammenfassung der wichtigsten Glaubenswahrheiten

          Wir glauben an den einen Gott, Vater, Sohn und Heiligen Geist,
          Schöpfer der sichtbaren Dinge, wie es diese Welt ist,
          auf der unser Leben sich abspielt,
          Schöpfer der unsichtbaren Dinge
          wie es die reinen Geister sind,
          die man auch Engel nennt,
          und Schöpfer der unsterblichen Geistseele
          eines jeden Menschen.
          Wir glauben, dass dieser einzige Gott
          seiner Wesenheit nach absolut einer ist,
          unendlich heilig,
          wie er in allen Seinen Eigenschaften
          unendlich vollkommen ist:
          in seiner Allmacht, in seinem unbegrenzten Wissen,
          in seiner Vorsehung, in seinem Willen und in seiner Liebe.
          Er ist der, der ist, wie er es Mose geoffenbart hat;
          er ist Liebe, wie der Apostel Johannes es uns lehrt.
          Diese beiden Worte also, Sein und Liebe,
          bezeichnen in unaussprechlicher Weise
          die gleiche göttliche Wirklichkeit dessen,
          der sich uns zu erkennen geben wollte und der,
          da er “in einem unzugänglichen Licht wohnt”,
          in sich selbst jenseits jeglicher Bezeichnung,
          über allen Dingen steht
          und alles geschaffene Denken übersteigt.
          Gott allein kann uns von sich
          eine angemessene und volle Erkenntnis mitteilen,
          indem er sich als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart.
          Durch die Gnade sind wir berufen
          an seinem ewigen Leben teilzuhaben:
          hier auf Erden im Dunkel des Glaubens
          und nach dem Tod im ewigen Licht.
          Die gegenseitigen Bande, die von Ewigkeit her
          die drei Personen wesentlich verbinden,
          deren jede das eine und selbe göttliche Sein ist,
          sind das beseligende innerste Leben
          des dreimalheiligen Gottes,
          unendlich weit entfernt von alldem,
          was wir auf menschliche Weise begreifen können.
          Wir sagen indessen der göttlichen Güte Dank
          für die Tatsache, dass sehr viele gläubige Menschen
          mit uns vor der Welt die Einzigkeit Gottes bezeugen können,
          obwohl sie das Geheimnis
          der allerheiligsten Dreifaltigkeit nicht kennen.
          Wir glauben also
          an den Vater, der von Ewigkeit her den Sohn zeugt;
          an den Sohn, das Wort Gottes,
          das von Ewigkeit her gezeugt ist;
          an den Heiligen Geist, die unerschaffene Person,
          die vom Vater und vom Sohn ausgeht als ihre ewige Liebe.
          In den drei göttlichen Personen also
          - untereinander gleich ewig und gleichen Wesens -
          sind das Leben und die Seligkeit Gottes,
          der vollkommen eins ist
          in überreicher Hilfe vorhanden und vollenden sich
          in der Vollkommenheit und in der Glorie,
          die dem unerschaffenen Wesen eigen sind.
          Immer “muss also die Einheit in der Dreifaltigkeit
          und die Dreifaltigkeit in der Einheit verehrt werden”.
          Wir glauben an unseren Herrn Jesus Christus,
          der der Sohn Gottes ist.
          Er ist das ewige Wort, gezeugt vom Vater vor aller Zeit
          und wesensgleich dem Vater.
          Durch ihn ist alles erschaffen worden.
          Durch das Wirken des Heiligen Geistes
          hat er im Schoß der Jungfrau Maria Fleisch angenommen
          und ist Mensch geworden:
          dem Vater also seiner Gottheit nach gleich,
          der Menschheit nach aber ist er geringer als der Vater.
          Er ist in sich selber einer,
          nicht durch eine unmögliche Vermischung der Naturen,
          sondern durch die Einheit der Person.
          Er hat unter uns gewohnt, voll der Gnade und Wahrheit.
          Er verkündete das Reich Gottes und richtete es wieder auf
          und ließ uns den Vater durch sich erkennen.
          Er hat uns ein neues Gebot gegeben,
          einander zu lieben, wie er uns geliebt hat.
          Er lehrte uns den Weg der Seligkeiten des Evangliums:
          Armut im Geiste, Milde, Geduld im Leiden,
          Durst nach der Gerechtigkeit, Barmherzigkeit
          Reinheit des Herzens, Wille zum Frieden,
          Verfolgung erdulden um der Gerechtigkeit willen.
          Er litt unter Pontius Pilatus.
          Als Lamm Gottes nahm er die Sünden der Welt auf sich.
          Er ist für uns am Kreuz gestorben
          und rettete uns durch sein erlösendes Blut.
          Er ist begraben worden
          und am dritten Tag aus eigener Kraft wiederauferstanden.
          Durch seine Auferstehung
          berief er uns zur Teilnahme am göttlichen Leben,
          das das Leben der Gnade ist.
          Er ist aufgefahren in den Himmel
          und wird wiederkommen aufs neue,
          und zwar dieses Mal in Herrlichkeit,
          um die Lebenden und die Toten zu richten:
          einen jeden nach seinen Verdiensten -
          jene, die der Liebe und dem Erbarmen Gottes
          entsprochen haben, werden eingehen zum ewigen Leben.
          Jene aber, die bis zum Ende ihres Lebens
          die Liebe und das Erbarmen Gottes ablehnten,
          werden dem Feuer überantwortet, das niemals erlischt.
          Und seines Reiches wird keine Ende sein.
          Wir glauben an den Heiligen Geist,
          den Herrn und Lebensspender,
          der mit dem Vater und dem Sohn
          angebetet und verherrlicht wird.
          Durch die Propheten hat er zu uns gesprochen
          und ist von Christus,
          nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt zum Vater,
          gesandt worden.
          Der Heilige Geist
          erleuchtet, belebt, beschützt und führt die Kirche.
          Er läutert ihre Glieder, wenn sie der Gnade nicht widerstehen
          Sein gnadenvolles Wirken,
          das bis in das Innerste der Seele eindringt,
          macht den Menschen fähig auf den Anruf Christi zu antworten:
          “Seid vollkommen,
          wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!” Mt 5,48
          Wir glauben, dass Maria, die allzeit Jungfrau blieb,
          die Mutter des menschgewordenen Wortes ist,
          unseres Gottes und Heilandes Jesus Christus,
          und dass sie im Hinblick auf diese einzigartige Gnadenauserwählung
          und durch die Verdienste ihres Sohnes
          auf eine vollkommenere Art erlöst worden ist,
          indem sie von jedem Makel der Erbsünde bewahrt
          und mit dem Gottesgeschenk der Gnade
          mehr bedacht wurde als alle anderen Geschöpfe.
          Verbunden in einer ganz innigen und unauflöslichen Weise
          mit dem Geheimnis der Menschwerdung und Erlösung,
          wurde die allerseligste Jungfrau, die unbefleckt Empfangene,
          am Ende ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele
          in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen
          und in Vorausnahme des künftigen Loses aller Gerechten
          ihrem auferstandenen Sohn in der Verklärung angeglichen.
          Wir glauben dass die heilige Gottesmutter,
          die neue Eva, die Mutter der Kirche,
          im Himmel ihr mütterliches Amt fortsetzt
          im Hinblick auf die Glieder Christi,
          indem sie mitwirkt bei der Erweckung und Entfaltung
          des göttlichen Lebens in den erlösten Seelen.
          Wir glauben, dass in Adam alle gesündigt haben,
          was besagen will, dass die Erbschuld, die Adam beging,
          die menschliche Natur, die allen Menschen gemeinsam ist,
          in einen Zustand fallen ließ,
          indem sie die Folgen dieser Schuld zu tragen hat,
          und dass dieser Zustand nicht jener ist,
          in dem unsere Stammeltern sich zuerst befanden,
          da sie in Heiligkeit und Gerechtigkeit geschaffen waren
          und der Mensch weder das Böse noch den Tod kannte.
          Die menschliche Natur ist also eine gefallene Natur,
          beraubt der Gnade, die sie bekleidete,
          verwundet in ihren eigenen natürlichen Kräften
          und dem Reich des Todes unterworfen,
          der auf alle Menschen übergegangen ist.
          Das ist der Sinn, dass jeder Mensch in Sünde geboren wird.
          Wir halten also mit dem Konzil von Trient fest,
          dass die Erbsünde mit der menschlichen Natur übertragen wird,
          “nicht durch Nachahmung, sondern durch Fortpflanzung”,
          und “so zu einem jeden gehört”.
          Wir glauben, dass unser Herr Jesus Christus
          uns durch sein Opfer am Kreuz von der Erbsünde
          und allen persönlichen Sünden, die wir begangen haben, erlöst hat
          so dass nach den Worten des Apostels
          dort, “wo die Sünde zugenommen hat, die Gnade überreich geworden ist”.
          Wir glauben an die Taufe,
          die von unserem Herrn Jesus Christus
          zur Nachlassung der Sünden eingesetzt worden ist.
          Die Taufe soll auch schon den Kindern im frühen Alter gespendet werden,
          die sich noch keiner persönlichen Sündenschuld bewusst sind,
          damit sie nicht der übernatürlichen Gnade verlustig gehen und wiedergeboren werden
          “aus dem Wasser und dem Heiligen Geist” zum göttlichen Leben in Jesus Christus.
          Wir glauben an die
          eine, heilige, katholische und apostolische Kirche,
          die von Jesus Christus auf dem Felsen gegründet wurde, der Petrus ist.
          Sie ist der mystische Leib Christi,
          von ihm sowohl als sichtbare Gemeinschaft mit hierarchischem Aufbau
          wie auch als geistige Gemeinschaft eingesetzt.
          Sie ist die Kirche hier auf Erden, das pilgernde Gottesvolk,
          und sie ist die Kirche, die beschenkt ist mit himmlischen Gütern,
          der Same und keimhafte Anfang des Reiches Gottes,
          durch das sich das Werk und Leiden der Erlösung in der Geschichte fortsetzen
          und das seine Vollendung finden wird
          jenseits aller Zeitlichkeit, in der ewigen Herrlichkeit.
          Der Herr Jesus Christus lässt seine Kirche in der Zeit
          Gestalt annehmen durch die Sakramente,
          die aus seiner göttlichen Fülle hervorgehen.
          Durch sie haben die Glieder der Kirche Anteil
          am Geheimnis seines Todes und seiner Auferstehung,
          in der Gnade des Heiligen Geistes, der Leben und Tun verleiht.
          Die Kirche ist deshalb heilig,
          auch wenn sich in ihrer Mitte Sünder befinden,
          weil sie selbst kein anderes Leben besitzt als das der Gnade.
          Das heisst, dass sich ihre Glieder heiligen,
          wenn sie an ihrem Leben teilnehmen,
          und dass sie, wenn sie ihr Leben preisgeben,
          der Sünde und der Unordnung verfallen,
          die den Glanz ihrer Heiligkeit verdunkeln.
          Deshalb leidet und büßt die Kirche für diese Verfehlungen.
          Sie hat die Gewalt, ihre Gläubigen zu davon zu heilen:
          durch das Blut Christi und die Gabe des Heiligen Geistes.
          Sie ist dem Geiste nach Erbin der göttlichen Verheißungen
          und Tochter Abrahams, durch den jenes Israel,
          dessen heilige Schriften sie in Liebe bewahrt und
          dessen Patriarchen und Propheten sie in Ehrfurcht gedenkt.
          Sie ist auf die Apostel gegründet
          und gibt im Nachfolger des heiligen Petrus
          und in den Bischöfen, die sich in Gemeinschaft mit ihm befinden,
          deren immerdar lebendiges Wort
          und deren Hirtengewalt durch die Jahrhunderte weiter.
          Unter dem immerwährenden Beistand des Heiligen Geistes
          hat die Kirche die Aufgabe, jene Wahrheit zu bewahren,
          zu lehren, auszulegen und in der Welt zu verkündigen,
          die Gott in verhüllter Weise durch die Propheten
          und in ihrer ganzen Fülle unseren Herrn Jesus Christus geoffenbart hat.
          Wir glauben alles, was im geschriebenen oder überlieferten
          Gotteswort enthalten ist und was die Kirche
          als von Gott geoffenbarte Wahrheit zu glauben vorlegt,
          entweder durch eine feierliche Glaubensentscheidung
          oder durch das ordentliche und allgemeine Lehramt.
          Wir glauben an die Unfehlbarkeit,
          die dem Nachfolger des heiligen Petrus zukommt,
          wenn er ex cathedra als Hirte und Lehrer aller Gläubigen spricht.
          Diese ist auch dem Kollegium der Bischöfe verheißen,
          wenn sie - gemeinsam mit dem Papst - das höchste Lehramt ausüben.
          Wir glauben, dass die von Christus gegründete Kirche,
          für die er gebetet hat, unfehlbar eine ist im Glauben,
          im Kult und in der hierarchischen Gemeinsamkeit.
          Die reiche Vielfalt in der Liturgie, die zu Recht bestehende Verschiedenheit
          im theologischen und geistlichen Erbe,
          sowie in den eigenen Rechtsordnungen im Innern der Kirche,
          tun ihrer Einheit keinen Abbruch, sondern fördern sie.
          Wir anerkennen das Vorhandensein
          zahlreicher Elemente der Wahrheit und Heiligung
          außerhalb der Gemeinschaft der Kirche Christi,
          welche eigentlich ihr zugehören und auf die katholische Einheit hindrängen.
          Und wir glauben an das Wirken des Heiligen Geistes,
          der in den Herzen der Jünger Christi die Liebe zu dieser Einheit entflammt.
          Wir haben aber die Hoffnung, dass auch die Gläubigen,
          die noch nicht voll und ganz der Gemeinschaft der Kirche angehören,
          sich eines Tages in der einen Herde mit dem einen Hirten zusammenfinden.
          Wir glauben, dass die Kirche heilsnotwendig ist;
          denn Christus, der alleinige Mittler und Weg zum Heil,
          ist für uns gegenwärtig in seinem Leib, der die Kirche ist.
          Aber der göttliche Heilsplan umfasst alle Menschen.
          Diejenigen, die ohne ihre Schuld
          die Frohbotschaft Christi und seiner Kirche nicht kennen,
          aber aufrichtig Gott suchen und sich mit Hilfe der Gnade
          um die Erfüllung seines Willens bemühen, den sie
          aus den Forderungen ihres Gewissens erkannt haben
          - ihre Zahl ist allein Gott bekannt -
          können das Heil erlangen.
          Wir glauben, dass die heilige Messe,
          wenn sie vom Priester, der die Person Christi darstellt,
          kraft der durch das Weihesakrament empfangenen Gewalt,
          gefeiert und im Namen Jesu Christi
          und der Glieder seines mystischen Leibes dargebracht wird,
          das Opfer von Kalvaria ist, das auf unseren Altären
          sakramental vergegenwärtigt wird.
          Wir glauben, dass in der Weise, wie Brot und Wein
          vom Herrn beim Heiligen Abendmahl konsekriert
          und in seinen Leib und in sein Blut verwandelt worden sind,
          die er für uns am Kreuz geopfert hat,
          auch Brot und Wein, wenn sie vom Priester konsekriert werden,
          in den Leib und das Blut Christ verwandelt werden,
          der glorreich in den Himmel aufgefahren ist.
          Und wir glauben,
          dass die geheimnisvolle Gegenwart des Herrn
          unter dem, was für unsere Sinne
          in derselben Weise wie vorher fortzubestehen scheint,
          eine wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart ist.
          Christus kann in diesem Sakrament
          nicht anders gegenwärtig sein als durch
          die Verwandlung der Substanz des Brotes in seinen Leib
          und die Verwandlung der Substanz des Weines in sein Blut.
          Dabei bleiben die Gestalten von Brot und Wein,
          wie sie unsere Sinne wahrnehmen, unverändert erhalten.
          Diese geheimnisvolle Verwandlung
          nennt die Kirche auf sehr treffende Weise Transsubstantiation.
          Jede theologische Erklärung, die sich um das Verständnis
          dieses Geheimnisses bemüht, muss,
          um mit unserem Glauben übereinstimmen zu können,
          daran festhalten, dass Brot und Wein
          der Substanz nach, unabhängig von unserem Denken,
          nach der Konsekration zu bestehen aufgehört haben,
          so dass nunmehr der anbetungswürdige Leib
          und das anbetungswürdige Blut unseres Herrn vor uns gegenwärtig sind -
          unter den sakramentalen Gestalten von Brot und Wein.
          So hat der Herr es gewollt, um sich uns zur Speise zu geben
          und uns einzugliedern in die Einheit seines mystischen Leibes.
          Die alleinige und unteilbare Daseinsweise des verklärten Herrn im Himmel
          wird damit keineswegs vervielfältigt.
          Sie ist durch das Sakrament vergegenwärtigt
          an vielen Orten der Erde, wo das Messopfer dargebracht wird.
          Diese Gegenwart bleibt nach dem Opfer im Sakrament fortbestehen,
          das im Tabernakel aufbewahrt wird, der die Herzmitte unserer Kirchen ist.
          Es ist uns eine heilige Pflicht, das fleischgewordene Wort,
          das unsere Augen nicht erblicken können und das, ohne den Himmel zu verlassen,
          sich uns vergegenwärtigt, in der heiligen Hostie,
          die unsere Augen sehen können, anzubeten und zu verehren.
          Wir bekennen, dass Gottes Reich hier auf Erden
          in der Kirche Christi seinen Anfang nimmt,
          die nicht von dieser Welt ist, deren Antlitz ja vergeht,
          und dass das Wachstum der Kirche
          nicht mit dem Fortschritt der Zivilisation, der Wissenschaft
          und der Technik des Menschen gleichgesetzt werden darf,
          sondern dass die Kirche nur aus dem einen Grund besteht,
          um immer tiefer den unergründlichen Reichtum Christi zu erkennen,
          immer zuversichtlicher auf die ewigen Güter zu hoffen,
          immer besser der Liebe Gottes zu antworten
          und den Menschen immer freigiebiger
          die Güter der Gnade und Heiligkeit mitzuteilen.
          Ebenso ist es die Liebe, die die Kirche bewegt, sich stets
          um das wahre zeitliche Wohl der Menschen zu sorgen.
          Unablässig erinnert sie ihre Kinder daran, dass ihnen hier
          auf Erden keine bleibende Wohnung beschieden ist.
          Sie drängt sie dazu, dass jeder von ihnen,
          entsprechend seiner Berufung und seinen Möglichkeiten,
          zum Wohle seiner Gemeinschaft beiträgt,
          dass er Gerechtigkeit, Frieden und Brüderlichkeit
          unter den Menschen fördert und seinen Brüdern,
          vor allem den Armen und Unglücklichen, hilft.
          Die stete Sorge der Kirche, der Braut Christi,
          für die Not der Menschen für ihre Freuden und Hoffnungen,
          für ihre Arbeiten und Mühen ist demnach nichts anderes
          als die große Sehnsucht, ihnen nahe zu sein,
          um sie zu erleuchten mit dem Licht Christi und
          sie alle in ihm, ihrem alleinigen Heiland, zu  vereinen.
          Diese Sorge kann niemals bedeuten, dass sich die Kirche
          den Dingen dieser Welt gleichförmig macht,
          noch kann sie die brennende Sehnsucht mindern, mit der
          die Kirche ihren Herrn und sein ewiges Reich erwartet.
          Wir glauben an das ewige Leben.
          Wir glauben, dass die Seelen aller,
          die in der Gnade Christi entschlafen sind,
          sei es, dass sie noch im Läuterungsort gereinigt werden müssen
          oder dass sie Jesus im Augenblick,
          da sie ihren Leib verlassen, in das Paradies aufnimmt,
          wie er es mit dem guten Schächer am Kreuz getan hat,
          zum Volk Gottes gehören, jenseits aller Herrschaft des Todes,
          der am Tag der Auferstehung, da die Seele mit dem Leib vereinigt wird,
          endgültig besiegt sein wird.
          Wir glauben, dass die große Schar derer,
          die mit Jesus und Maria im Paradies vereinigt sind,
          die himmlische Kirche bildet.
          Dort schauen sie in ewiger Glückseligkeit Gott, so wie er ist.
          Dort sind sie auch, in verschiedenen Abstufungen,
          mit den heiligen Engeln unter der Herrschaft Christi
          vereint in Herrlichkeit, legen für uns Fürsprache ein
          und helfen uns in unserer Schwachheit
          durch ihre brüderliche Fürsorge.
          Wir glauben an die Gemeinschaft aller Christgläubigen:
          derer, die hier auf Erden als Pilger wandern,
          der Verstorbenen, die ihre Läuterung abwarten,
          und der Seligen im Himmel.
          Alle zusammen bilden sie die eine Kirche.
          Und in gleicher Weise glauben wir,
          dass in dieser Gemeinschaft die barmherzige Liebe
          Gottes und seiner Heiligen stets unsere Gebete erhört,
          wie uns Jesus gesagt hat: “Bittet und ihr werdet empfangen.”
          Mit ebendiesem Glauben und ebendieser Hoffnung
          erwarten wir die Auferstehung von den Toten
          und das Leben der zukünftigen Welt.

          Gepriesen sei der dreimalheilige Gott! Amen.
             Aus der Sankt-Peters-Kirche, 30. Juni 1968  

                                                                     PaulVI-Sign-

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 Predigt des Papstes am Hochfest Pfingsten 2015

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   Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. … Empfangt den Heiligen Geist!“ Joh 20,21.22, so spricht Jesus zu uns. Die Ausgießung des Heiligen Geistes am Abend nach der Auferstehung wiederholt sich am Pfingsttag und wird durch außerordentliche Zeichen begleitet. Am Abend des Ostertages erscheint Jesus den Aposteln und haucht sie mit seinem Geist an vgl. Joh 20,22. Am Morgen des Pfingsttags geschieht die Ausgießung auf brausende Weise wie ein Wind, der heftig auf das Haus niederfährt und in die Köpfe und die Herzen der Apostel einbricht. Infolgedessen empfangen sie eine solche Energie, dass sie angetrieben werden, in verschiedenen Sprachen das Ereignis der Auferstehung Christi zu verkünden. „Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden“ Apg 2,4. Mit ihnen war Maria, die Mutter Jesu, die erste Jüngerin und die Mutter der werdenden Kirche. Mit ihrem Gleichmut, ihrem Lächeln und iher Mütterlichkeit begleitete sie die Freude der jungen Braut, der Kirche Jesu.
   Das Wort Gottes sagt uns – besonders heute –, dass der Heilige Geist in den Menschen und in den Gemeinschaften wirkt, die von ihm erfüllt sind, er macht sie fähig, Gott zu  empfangen capax Dei, sagen die Heiligen Väter. Und was macht der Heilige Geist mit diesem neuen Können, das er uns schenkt? : er führt in die ganze Wahrheit vgl. Joh 16,13; er erneuert das Antlitz der Erde vgl. Ps 104,30; er gibt seine Früchte vgl. Gal 5,22-23.
   Im Evangelium verheißt Jesus seinen Jüngern, dass, wenn er zum Vater gegangen ist, der Heilige Geist kommen wird, der sie „in die ganze Wahrheit führen“ wird Joh 16,13. Er nennt ihn geradezu „Geist der Wahrheit“ und erklärt ihnen, dass das Wirken dieses Geistes darin bestehen wird,  sie immer mehr in das Verständnis dessen einzuführen, was er, der Messias, gesagt und getan hat, insbesondere in den Sinn seines Todes und seiner Auferstehung. Den Aposteln, die unfähig waren, das Ärgernis des Leidens ihres Meisters zu ertragen, wird der Heilige Geist einen neuen Verständnisschlüssel geben, um sie in die Wahrheit und die Schönheit des Heilsereignisses einzuführen. Diese Männer, die zuerst verängstigt und gelähmt waren, die sich im Obergemach eingeschlossen hatten, um Auswirkungen wie am Karfreitag zu vermeiden, werden sich nicht mehr schämen, Jünger Christi zu sein und werden nicht mehr vor menschlichen Gerichten zittern. Dank des Heiligen Geistes, von dem sie erfüllt sind, verstehen sie „die ganze Wahrheit“, dass nämlich der Tod Jesu nicht seine Niederlage war, sondern der äußerste Ausdruck der Liebe Gottes, jener Liebe, die in der Auferstehung den Tod besiegt und Jesus als den Lebenden, den Herrn, den Erlöser des Menschen, der Erlöser, der Herr der Geschichte und der Welt erhöht. Und diese Wirklichkeit, deren Zeugen sie sind, wird zur Frohen Botschaft, die allen zu verkünden ist.
   Außerdem erneuert der Heilige Geist das Antlitz der Erde und er führt uns. Im Psalm, den wir heute in der Lesehore gebetet haben, heißt es: „Sendest du deinen Geist aus, … erneuerst du das Antlitz der Erde“ Ps 104,30. Die Erzählung der Apostelgeschichte über die Geburt der Kirche findet eine bedeutsame Entsprechung in diesem Psalm, der ein großes Loblied auf Gott, den Schöpfer, darstellt. Der Heilige Geist, den Christus vom Vater gesandt hat, und der Schöpfer Geist, der allem das Leben gibt, sind ein und derselbe. Daher ist die Achtung der Schöpfung ein Erfordernis unsers Glaubens: Der „Garten“, in dem wir leben, ist uns nicht anvertraut, damit wir ihn ausbeuten, sondern bebauen und achtsam hüten vgl. Gen 2,15. Dies ist aber nur möglich, wenn Adam – der aus Erde geformte Mensch – sich seinerseits vom Heiligen Geist erneuern lässt, sich vom Vater neu formen lässt nach dem Vorbild Christi, des neuen Adam. Ja, dann können wir, vom Geist erneuert, in der Freiheit der Kinder in Harmonie mit allem Geschaffenen leben und in jedem Geschöpf den Abglanz der Herrlichkeit des Schöpfers erkennen, wie ein anderer Psalm sagt: „Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!“ Ps 8,2 und 10. Er führt, erneuert und schenkt, gibt Frucht.
    Im Brief an die Galater legt der heilige Paulus dar, welche die „Frucht“ ist, die sich im Leben derer zeigt, die sich vom Geist leiten lassen vgl. Gal 5,22. Da ist auf der einen Seite das „Fleisch“ mit dem Gefolge seiner Laster, die der Apostel anführt und die die Werke des ichsüchtigen Menschen sind, der sich dem Wirken der Gnade Gottes verschließt. In dem Menschen, der voll Glauben den Geist Gottes in sich hereinbrechen lässt, blühen hingegen die göttlichen Gaben, die in neun freudigen Tugenden zusammengefasst werden, die Paulus als „Frucht des Geistes“ bezeichnet. Von hier ergeht der Aufruf, der am Anfang und am Schluss wiederholt wird, gleichsam als ein Lebensprogramm: „Lasst euch vom Geist leiten“ Gal 5,16; vgl. 5,25.
    Die Welt braucht Männer und Frauen, die nicht verschlossen sind, sondern voll des Heiligen Geistes. Verschlossen sein gegenüber dem Heiligen Geist ist nicht nur mangelnde Freiheit, sondern auch Sünde. Es gibt viele Arten, sich dem Heiligen Geist zu verschließen: in der Ichsucht nach dem eigenen Vorteil, im starren Legalismus – wie die Haltung der Gesetzeslehrer, die Jesus Heuchler nennt –, im fehlenden Gedächtnis für das, was Jesus gelehrt hat, in einem nicht als Dienst, sondern zum persönliche Interesse geführten christlichen Leben, und so weiter. Die Welt hingegen braucht den Mut, die Hoffnung, den Glauben und die Ausdauer der Jünger Christi. Die Welt braucht die Früchte und die Gaben des Heiligen Geistes, wie sie Paulus in der Lesung aufzählt: „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ Gal 5,22-23. Die Gabe des Heiligen Geistes wurde der Kirche und einem jeden von uns in Überfluss geschenkt, damit wir in echtem Glauben und tätiger Nächstenliebe leben können, damit wir die Samen der Versöhnung und des Friedens verbreiten können. Vom Heiligen Geist, der uns zur Wahrheit führt und uns und die ganze Welt erneuert und der uns die Früchte schenkt, gestärkt im Geist und seinen vielfältigen Gaben, werden wir fähig, kompromisslos gegen die Sünde und die Korruption zu kämpfen, die immer weiter in dieser Welt um sich greift, und uns mit geduldiger Ausdauer den Werken der Gerechtigkeit und des Friedens zu widmen. Rv150524mc

st-Thomas-von-Aquin-xx   Thomas von Aquin (+ 1274)

Thomas von Aquin: Aus der Schrift über das Glaubensbekenntnis

Ich will mich satt sehen an deiner Herrlichkeit
   Mit Recht steht im Bekenntnis am Schluss aller Glaubensartikel das Ziel unserer Sehnsucht:
„Das ewige Leben. Amen."

   Das erste im ewigen Leben ist, dass der Mensch mit Gott verbunden ist. Denn Gott selbst ist der Lohn und das Ziel all unsrer Arbeit. „Ich bin dein Schild und dein Lohn wird sehr groß sein“ Gen 15,1. Diese Vereinigung besteht in vollkommener Schau. „Jetzt schauen wir in einen Spie­gel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht.“1.Kor 13,1  Das ewige Leben besteht auch im höchsten Lobpreis, wie der Prophet sagt: „Freude und Fröhlichkeit findet man dort, Lobpreis und den Klang von Liedern.“ Jes 51,3
   Das ewige Leben besteht in voll gestillter Sehnsucht; denn dort besitzt jeder Selige mehr, als er sich ersehnte und erhoffte. Das kommt daher, dass niemand im irdischen Leben seine Sehnsucht stillen kann und dass etwas Geschaffenes niemals das Verlangen des Menschen erfüllt. Gott allein stillt es, und er allein übertrifft es unendlich. So erklärt es sich, dass die Sehnsucht niemals zur Ruhe kommt außer in Gott, wie Augustinus sagt: „Du hast uns, Herr, für dich geschaffen, und unser Herz ist unruhig, bis es in dir ruht.“ Augustinus, Bekenntnisse I,1 Weil die Heiligen im Vaterland Gott vollkommen besitzen, ist es klar, dass ihr Verlangen gestillt wird und dass die Herrlichkeit noch darüber hinausgeht. Darum sagt der Herr: „Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn.“ Mt 25,21 Die volle Freude dringt nicht in die Glücklichen ein, sondern die Glücklichen treten ganz in die Freude ein. „Ich will mich satt sehen an deiner Gestalt, wenn ich erwache“ Ps 15,15, und wiederum: „Dein Leben lang wirst du mit seinen Gaben sättigt; wie dem Adler wird dir die Jugend erneuert.“ Ps 103,5 Was immer Freude bereitet, das alles gibt es dort in Überfülle. Wenn jemand nach Freuden strebt: Dort ist die größte und vollkommenste Freude, weil sie von Gott, dem höchsten Gut, kommt. Es heißt: „Zu deiner Rechten ist Wonne für alle Zeit." Ps 16,11. Das ewige Leben besteht auch in der frohen Gemeinschaft aller Seligen. Sie ist eine überglückliche Gemeinschaft, denn jeder liebt alles Gute mit allen Seligen gemeinsam. Jeder liebt den andern wie sich selbst. Darum freut er sich über das Glück der andern wie über das eigene. Daher kommt es, dass Freude und Glück des einen mit dem Glück der andern wächst.

Benedikt XVI.   B-BartholomaiosTUx    Bartholomaios I.  

Papst an Orthodoxe: Neuevangelisierung ist gemeinsames Anliegen

   Die Wiederbelebung des christlichen Glaubens in säkularisierten Ländern muss nach Worten von Papst Benedikt XVI. ein gemeinsames Anliegen von katholischen und orthodoxen Christen sein. Die Überzeugungskraft der Bot- schaft Jesu hänge maßgeblich von der Einheit der Christen ab, heißt es in der traditionellen Botschaft des Papstes zum Andreasfest an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I.. In dem Schreiben, das der päpstliche Ökumene-Minister, Kurienkardinal Kurt Koch, dem Patriarchen in Istanbul überreichte, überbrachte der Papst dem Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christenheit Grüße und Glückwünsche zum Patronatsfest.
Gleiche Herausforderungen
   Das gegenwärtige kulturelle, wirtschaftliche und politische Umfeld stelle Katholiken und Orthodoxe vor „exakt die gleiche Herausforderung“, hebt Benedikt XVI. hervor. In den „zahlreichen“ einst christlich geprägten und heute weitgehend säkularisierten Regionen der Welt sei eine Verkündigung der Botschaft Jesu auf neuen Wegen be- sonders dringend. Die Verdrängung der Religion habe den Menschen seiner „tiefsten Dimension“ beraubt. Zugleich würdigte Benedikt XVI. die gemeinsamen Bemühungen um den interreligiösen Dialog. Er verwies auf das Welt- friedenstreffen im italienischen Assisi Ende Oktober, an dem auch Bartholomaios I. teilgenommen hatte. Gemein- sam mit ihm habe er die „aufrichtige Freundschaft“ und die „wahrhafte Brüderlichkeit“ zwischen den Religionen stärken können, so der Papst. RV111130mg

int-Youcat-x buc-youcat-2--

Wie kommt Gott ins Internet?

   Der Medienverantwortliche des Vatikan, Erzbishof Claudio Maria Celli, hat es beklagt: Die Kirche ist nicht präsent genug, wenn es um die digitalen Medien und die Verkündigung geht. Ein Projekt, das für sich damit wirbt, eine „Marke“ zu sein, die für eine neue Form der Verkündigung stehe, ist der YouCat. Zuerst ein Buch und ein Kate- chismus für Jugendliche, dann auch ein Gebetbuch, ist es bald auch ins Internet gegangen, hat einen Blog, ist bei Facebook präsent und auch sonst sehr netzaffin. Am 04. Mai 2012 hat Bischof Konrad Zdarsa in Augsburg das YouCat Zentrum eröffnet, ganz ‚real’ und nicht nur ‚virtuell’. Stephan Ahrens ist Mitarbeiter dort, mit ihm haben wir über die Wege ins Netz gesprochen, die der YouCat Gott und dem Glauben bereiten will.
YouCat-Institut in Augsburg: Wie kommt Gott ins Netz?
  Wie sag’ ich’s meinen Kindern? Für Christen, die den Glauben weitergeben wollen, stellt sich diese Frage bedrän- gender denn je, denn die Welten der Kommunikation driften immer mehr auseinander.
   Gerade erst wieder wird das durch eine Studie bestätigt, die vom Sinus-Institut herausgegeben wurde. So ver- schieden die Lebenswelten der nachwachsenden Generation sind, so identisch ist ihre Einstellung zu Glaube und Kirche: Sie begegnen ihnen einfach nicht, Glaube, Gott und Kirche kommen nicht vor. Jugendliche bewegen sich in der digitalen Welt, sie nutzen Foren und Facebook, leben im Augenblick des Internets und nutzen nicht mehr die Wege, die für andere Generationen noch selbstverständlich waren oder sind.
   Wenn im Vatikan die Bischöfe der ganzen Welt über das Thema der Verkündigung in der modernen Welt, die Neuevangelisierung, sprechen, dann ist das ein sehr prominentes Thema.
   Fachleute im Stift Heiligenkreuz machten sich Gedanken darüber, wie man sich der Verkündigung unter den digi- talen Bedingungen zuwenden könne. Erst einmal müsse man die Realität ins Auge fassen, so Erzbischof Claudio Maria Celli, im Vatikan zuständig für die sozialen Kommunikationsmittel. Und diese Realität sei wenig tröstlich:
   „Wenn man sich die Diözesen in der Welt anschaut, stellt man fest, das nur etwa 50% eine eigene Webseite haben. Hier in Österreich hat jedes Bistum eine, das stimmt, aber ich darf doch sagen, dass das meistens alte Webseiten sind: Das ist das „Web 1“, in dem der Name des Bischofs, des Generalvikars und der Mitarbeiter ge- nannt werden. Wenn der Bischof aktiv ist, dann stellt er auch seine Predigten ins Netz. Aber wer liest schon die Predigt eines Bischofs?
   Und selbst das machen nur 50% der Bistümer. Die moderne Welt läuft schon mit „Web 2“, man spricht schon über das Web 3, und unsere aktiveren Menschen sind immer noch im Web 1.“
   Zu dieser inneren Kluft, dem technischen Hinterherlaufen, tritt noch eine zweite: Die Kluft zwischen den „digital natives", also jenen Internetnutzern, die ihr christliches Lebenszeugnis im Netz leben, und jenen, die „als sozial und ökonomisch Marginalisierte" keinen Zugang zum Netz haben, werde größer, so Celli. Aber selbst diejenigen, die Zugang hätten, würden das Internet vernachlässigen.
   „Gehen wir mal der Frage nach, wer Jesus ist. Einer nicht mehr ganz neuen Zählung nach gibt es im Netz dazu 281 Millionen Antworten. Heute wird es noch mehr geben, sicherlich mehr als 300 Millionen Antworten auf die In- ternetsuche „Wer ist Jesus?“ Wenn ich im Netz etwas suche, bleibe ich normalerweise bei den ersten fünf Ergeb- nissen, maximal bei den ersten zehn. Wir brauchen mehr katholische Seiten in den Top 10!
   Es gibt darunter eine islamische Antwort auf die Frage, wer Jesus ist. Sie lachen, aber ich lache da nicht mehr. Wir überlassen es islamischen Organisationen, eine Antwort auf die Frage, wer Jesus ist, zu geben. Und wir Katholiken sind nicht präsent.“
   Kein Platz also für katholische Selbstüberschätzung, ein ganzer Kommunikationsraum liegt brach. Ganz brach? Nein, immer wieder gibt es Initiativen, die sich den neuen Verkündigungswegen widmen. Ein Projekt, das für sich damit wirbt, eine „Marke“ zu sein, die für eine neue Form der Verkündigung stehe, ist der YouCat. Zuerst ein Buch und ein Katechismus für Jugendliche, dann auch ein Gebetbuch, ist es bald auch ins Internet gegangen, hat einen Blog, ist bei Facebook präsent und auch sonst sehr netzaffin. Bischof Konrad Zdarsa hat in Augsburg das YouCat Zentrum eröffnet, ganz ‚real’ und nicht nur ‚virtuell’. Stephan Ahrens ist Mitarbeiter dort und zuständig für die Vernetzung des Projektes mit dem Internet. Radio Vatikan hat ihn gefragt, was die Kirche in Sachen Verkündigung im Internet von Projekten wie dem seinen lernen kann.
   „Was man zuerst vielleicht lernen kann ist, dass man mit relativ wenigen Mitteln ins Internet gehen kann und auch mit wenigen Mitteln Menschen erreichen kann. Im August 2011 sind wir mit dem YouCat online gegangen, wir haben die internationale Hompage youcat.org ins Leben gerufen, die mittlerweile in acht Sprachen online ist. Außerdem sind wir auf Facebook altiv und haben eine eigene YouCat Gruppe, in der etwa 27.000 User Mitglied sind. Angegliedert an diese Hauptgruppe auf Facebook sind so genannte „Study Groups“, d.h. es gibt Gruppen, in denen sich Jugendliche in Gruppen treffen, un in denen Sie über den Glauben sprechen.
   Wir haben seit August letzten Jahres über 170 Study Groups bei Facebook freigeschaltet – das waren immer Jugendliche, die sich bei uns gemeldet haben, um eine solche Gruppe zu gründen.
   Da wird sehr lebendig über den Glauben gesprochen und auch mal kontrovers diskutiert. Wir haben mit sehr wenigen Mitteln sehr viele Leute erreichen können, die sich über den Glauben austauschen möchten.
   Im Vorwort zum YouCat hat Papst Benedikt geschrieben, dass es sein Herzenswunsch sei, dass Jugendliche den Katechismus studieren, Lerngruppen bilden und sich im Internet austauschen. Hier haben wir den Heiligen Vater beim Wort genommen.“
   Die YouCat Initiative beschreibt sich selbst als Marke, wobei Marken ja normalerweise sich selbst vermarkten. Was will diese neue Marke darüber hinaus bei jungen Menschen erreichen?
   „Wir haben festgestellt, dass es wirklich einen großen Durst gibt – gerade unter jungen Menschen – nach Glauben und einen großen Durst nach Wissen über den Glauben. YouCat selber ist nicht nur der Katechismus, sondern unter dieser „Marke“ YouCat entstehen gegenwärtig viele Buchprojekte. Im Herbst ist ein YouCat Gebet- buch veröffentlicht worden, im kommenden Herbst kommt ein YouCat Firmbuch heraus, und im nächsten Jahr kommt der „DoCat“ heraus, von to do, etwas tun. Damit soll die Soziallehre der Kirche verständlich gemacht werden. Sozialethiker schreiben Artikel zur Soziallehre und Jugendliche entwerfen To-Do-Listen, wie das im Alltag gelebt werden kann. Das Internet ist der zweite Pfeiler, und der dritte Eckpfeiler ist das YouCat-Zentrum, dass jetzt eröffnet wurde. Da sollen sich Jugendliche auch wirklich treffen können und über den Glauben austauschen.“
   Mit der Eröffnung des Zentrums in Augsburg gehen sie noch mal einen Schritt zurück oder weiter, je nachdem, wie man das sieht: Vom Buch, also etwas Realem, erst in die Virtualität des Internets und nun wieder zurück oder weiter in die reale Welt. Was erhoffen Sie sich von diesem Schritt?
   „Wir wollen zu einer Art Vollständigkeit gelangen. Wir wollen nicht den Fehler begehen und sagen, dass Glau- bensverkündigung nur noch im Internet stattfindet. Wir wollen uns dann auch in der realen Welt um uns über den Glauben von Angesicht zu Angesicht austauschen.“ RV120505ord

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Ein kleiner Begleiter für die Hosentasche
   Der neue Youcat-jugendkalender für das Jahr 2013 bietet sich als Geschenk für jugendliche an. Der Youcat ist als Jugendkatechismus inzwischen allgemein bekannt. Der in zahlreichen Sprachen erschienene Weltbestseller hat es geschafft, die religiöse Sprachlosigkeit der Jugendlichen zu überwinden. Da der Religionsunterricht die Katechese (die Vermittlung der Glaubensinhalte) der Pfarrei überlässt, diese jedoch nur punktuell Katechesen anbietet(Erstbeichte, Erstkommunion und Firmung), blieb die religiöse Wissensvermittlung in den letzten Jahrzehnten auf der Strecke. Dieses inhaltliche Glaubensvakuum hat der Youcat gefüllt. Hier zeigt sich, wie aktuell das bereits von Martin Luther und Petrus Canisius verwendete Frage-Antwort-Schema des Katechismus ist. Der Erfolg des Youcat zeigt selbst, wie notwendig er ist. Man kann eben nicht richtig katholisch sein, wenn man wenig weiß über den Glauben, die Sakramente, die Moral und das Gebet - und all das nicht auch praktiziert.
   Nun bringt das Augsburger Youcat-Zentrum einen Jugendkalender auf den Markt. Auf diese Weise werden die Jugendlichen, die oft weder zuhause noch durch den Religionsunterricht religiös sozialisiert werden, Tag für Tag mit religiösen Themen konfrontiert. Welcher Jugendliche wüsste schon, wie das Kirchenjahr aufgebaut ist? Der Jugendkalender illustriert dies sehr anschaulich in einer Zeichnung. Oder lernt man im Religionsunterricht vielleicht, wie man den „Engel des Herrn" betet? Im Jugendkalender findet man solche Gebetstexte. Was den Taschen- kalender auszeichnet, sind die zahlreichen liturgischen und religiösen Informationen im Laufe des Kalenderjahres. Hier finden sich die Sonntagslesungen ebenso wie die Heiligenfeste des deutschen Regionalkalenders. Damit lädt der Jugendkalender ein, auch einmal die Bibel aufzuschlagen. Sehr ansprechend sind darüber hinaus auch die Ausführungen zur Taufe, zur Fastenzeit, zum Valentinstag, zu Pfingsten, zur Beichte und so weiter. Einprägsam sind die Illustrationen, die die katechetischen Inhalte ver- mitteln.
   Kleinere Auszüge aus dem Youcat verweisen immer wieder auf das neue katechetische Standardwerk für die Ju- gend, sodass der Keilender Geschmack auf den Jugendkatechismus macht. Mit Angaben über Papst Beneclikt XVI., seinen seligen Vorgänger Johannes Paul II., den heiligen Augustinus, die heilige Theresa von Avila und andere wird auch noch ein „faithbook" aus dem kleinen Kalender. Selbstverständlich fehlen auch nicht die Grundgebete. Ganz jugendgemäß werden „Filme des Monats" empfohlen; Stundenpläne und Ferienkalender sind ebenfalls in- klusive. Der günstige Preis empfiehlt den Kalender als Jahresgabe für die Ministranten und als Geschenk zu Erst- kommunion und Firmung. Ermutigend und aus dem Leben gegriffen ist, was der Jugendkalender den Jugendlichen im Juni sagt: „Noah hatte ein Alkoholproblem, Abraham war zu alt, Jakob war ein Betrüger, Lea war hässlich, Josef wurde verschleppt, Moses war ein Mörder, Gideon hatte Angst, Rahab war eine Prostituierte, Jeremia fand sich zu jung, David war ein Ehebrecher, Elija hatte Selbstmordgedanken, Jona floh vor Gott, Hiob hatte alles verloren, Johannes der Täufer aß Heuschrecken, die Apostel schliefen beim Gebet ein, Martha machte sich um alles Sorgen, Maria Magdalena war von Dämonen besessen, die samaritische Frau hatte zu viele Männer, Zachäus war zu klein, Petrus hat Jesus verleugnet, Paulus hat die Christen verfolgt, Timotheus hatte ein Magenproblem, und Lazarus war sogar tot! - Und du glaubst, Gott kann dich nicht gebrauchen?"
YOUCAT Taschenkalender 2013. Flex-Cover-Einband, 160 S., durchgehend farbig. ISBN 978-3-86744-206-0,6,- €  DT120828PeterChristophDüren

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Die Party geht weiter. Nach dem Erfolg des Youcat werden jetzt die kirchlichen Firmkurse aufgefrischt

„Göttliche Power, aus der du schöpfen kannst. Jetzt ist es soweit: Der Youcat-Firmkurs erscheint als Buch!
   Wobei es eigentlich sogar zwei Firmkursbücher sind. Der Youcat-Firmkurs für Jugendliche nähert sich in zwölf Schritten dem Glauben an. Das Youcat Firmkurs-Begleitbuch unterbreitet den Katechetinnen und Katecheten Vor- schläge,  wie sie am besten zu den einzelnen Themen Firmstunden gestalten können. Monika Metternich bringt in > www.neue-tagespost.de einen exklusiven Vorabdruck vom Youcat-Firmkurs, der jungen Menschen originell  den ganzen Glauben der Kirche vermittelt.
   Nahezu revolutionär wirkt das neue von Bernhard Meuser, Nils Baer und dem Youcat Team Augsburg heraus- gegebene Youcat-Firmbuch aus dem Sankt Ulrich Verlag. Hier geht es von Anfang an um etwas Großes und An- spruchsvolles. Gleich auf den ersten Seiten werden die Firmbewerber aufgefordert, sich vorzustellen, an einem Marathon teilzunehmen, in Berlin oder New York. Dass man dafür ausdauernd trainieren müsse, stehe wohl außer Frage. Ganz ähnlich sei es mit der Firmung: „Auch hier musst du mindestens ein halbes Jahr vorher anfangen, um richtig auf Touren zu kommen für eine ganz große Sache." Der Sportvergleich macht deutlich, worum es bei der Firmung geht: „Beim Marathon ist deine Körperkraft gefragt - bei der Firmung ist wichtig, dass deine Seele, dein ICH, bereit ist. Beim Marathon schöpfst du eigene Kraftreserven aus - bei der Firmung nimmst du göttliche Power in dich auf, aus der du künftig schöpfen kannst. Ein Marathon steigert dein menschliches Selbstbewusstsein - in der Firmung bekräftigt Gott selber deine Identität als sein geliebtes Kind und sein Mitarbeiter." Ganz klar wird gleich am Anfang, was das eindrucksvolle Ziel ist: „Gott will, dass wir kraftvolle, stolze, freie Menschen sind, nie- mand Untertan außer Gott allein, leuchtend von innen heraus, liebevoll, warmherzig, aufmerksam, kreative Kämpfer für das Gute und Widerstandskämpfer gegen die Einflüsterungen Satans, wache Hüter der bedrohten Schöpfung, verlässliche Freunde der Armen und Verfolgten. Dir stockt der Atem? Wenn du so ein starkes Leben willst, wenn du es für dich willst, wenn du es mit Gottes Hilfe willst, dann kann ich nur sagen: Was für ein Trai- ningsprogramm! Du bist reif für den Weg der Firmung. Aber du musst wissen: Marathon ist dagegen Kinderkäse."
   Das basismäßige „Trainingsprogramm" wird in vier Punkten formuliert. Erstens: Keine einzige Firmstunde ver- säumen. Zweitens: Jeden Sonntag die heilige Messe besuchen. Drittens: Ins Gespräch mit Gott kommen. Und viertens: Auf Gottes Botschaft hören. Die Wichtigkeit jeden einzeln Punktes für die „geistliche Fitness" wird mit locker-fröhlicher Sprache derart plausibel und mit guten Tipps flankiert dargelegt, dass auch Erwachsene durchaus Nutzen daraus ziehen könnten. Die „Bettkantenregel" beispielsweise - „morgens nicht über die Bettkante ohne Morgengebet, abends nicht über die Bettkante ohne Abendgebe ist einfach, merkbar und logisch: „Niemand kann eine Beziehung zu Gott aufbauen, wenn er nicht mit ihm spricht." Solche Töne hat man seit Jahrzehnten nicht mehr in einem Firmkurs vernommen. Und das ist erst der Einstieg…
   Acht bis zehn Jugendliche sollte eine Firmgruppe, die mit dem Youcat-Kurs arbeitet, idealerweise umfassen. Zusätzlich Arbeitsmaterialien sind die Bibel und der Youcat. Auf - auch kontroverse! - Debatten und eine gute Diskussionskultur wird großer Wert gelegt, hinzu kommt aber eine Weisung an die - überraschenderweise im für sie bereitgestellten Handbuch geduzten - Katecheten, die wiederum einen Unterschied zu allen Vorgängermappen macht: „Dann ist es allerdings wichtig, dass du deutlich klarmachst, welche Position das Christentum in dieser Frage vertritt, darmit nicht der Eindruck entsteht, im Grunde wüsste auch die Kirche nicht so recht, wie es eigent- lich ist, und alles sei im Grunde irgendwie richtig." Hier dürfte die größte Herausforderung an die Katecheten liegen aber sie werden an keinem Punkt alleingelassen: Eine gut verständliche und ansprechend formulierte „theologi- sche Basis“ geht jeder vorzubereitenden Stunde voran. Jeder Katechet weiß, was das Ziel einer jeden Stunde dar- stellt, wie er dorthin kommt und was er vorzubereiten hat. Auf jede mögliche Schwierigkeit bei der Vermittlung wird humorvoll und lebensnah hingewiesen sowie Lösungsmöglichkeiten für aufkommende Eventualitäten aufge- zeigt. Ausgewählte Filme - zuweilen durchaus überraschende Sequenzen wie solche aus der Kultserie „Die Simp- sons" - themen-vertiefende Kartenspiele, Puzzles, anschauliche Bilder, die herrlichen Strichmännchen-Szenen von Alexander Lengerke und viele andere durchaus „coole" Unterrichtsmedien wecken die Hoffnung, dass die einzelne Themenfelder wirklich sinnvoll und einprägsam erarbeitet und vermittelt werde können, ohne dass verschulte „Frontalunterrichtsstimmung" aufzukommen droht.
   Die im Firmkurs behandelten Themen zeigen deutlich, dass hier Abschied genommen wird von dem Durch- einander von glaubensfernen Aktivitäten und zuweilen verschleiernder Glaubensvermittlung anderer Firmmappen. Logisch aufgebaut führt der Youcat-Firmkurs in die Geheimnisse des Glaubens ein, und zwar auf eine Weise, die keinerlei Grundkenntnisse voraussetzt. „Was wir über Gott wissen können" konfrontiert die jungen Leute nicht nur mit vielen atheistischen Argumenten, denen sie in Internetforen und im richtigen Leben reichlich hilflos gegen- überstehen, sondern informiert und stärkt sie mit derart durchdachten und schlagenden Argumenten für einen vernünftigen Glauben, dass man sich auch als Erwachsener zuweilen eine so unkomplizierte und effektive Apologetikstunde wünschen würde. Gleichzeitig wird in ansprechender und methodenreicher Weise erklärt, was „Offenbarung" bedeutet, wie sie geschieht und warum die Bibel „kein Buch wie jedes andere" ist. Im Kapitel „Warum die Welt einen Knacks hat" wird sodann das Problem der Erbsünde derart eingängig erklärt - bezeich- nenderweise von einem Ingenieur, dass man sich als Erwachsener wiederum fast wünscht, man hätte dieses knifflige Thema auch einmal so verständlich dargebracht bekommen. Jesus - mehr als ein Mensch" nimmt die schwierige Stelle des Credo „wahrer Gott und wahrer Mensch" auf eine Weise in den Blick, dass man sich wirklich etwas darunter vorstellen kann, wer und wie Jesus war und ist - für uns. Das Kapitel „Warum musste Jesus sterben?" gehört zu den Höhepunkten des Youcat-Firmbuches. Allein die Eingangsfrage: „Woran litt Jesus?" und deren Beantwortung ist preisverdächtig, bis hin zum „Geheimnis der Stellvertretung", das mit plausiblen und gutgewählten Beispielen so untermauert wird, dass das Geheimnis des Kreuzes plastisch wird und tief berührt. „Das Comeback Jesu - oder die Geschichte von der Auferstehung" lässt keine einzige kritische Anfrage an das Wunder aller Wunder unerwähnt - und gibt großartige Antworten. Wer dieses Kapitel im Firmkurs durchgearbeitet hat, wird einen echten Zugang zum wichtigsten christlichen Glaubensgeheimnis finden - für sich selbst und zum Weitersagen an andere. Die „Forschungsreise zum Heiligen Geist" gehört zu den berührendsten und - was bei diesem Thema erstaunlich ist - anschaulichsten Firmstunden, das Kapitel „Beten - auf Tuchfühlung mit dem leben- digen Gott" schließt sich organisch daran an und führt stark und ohne jede Frömmelei in ein lebendiges Gebets- leben ein. Die Stunde „Die Kirche - Heimat für dich und mich" beginnt mit der erleichternden und überfälligen Feststellung, dass die Kirche kein „Club der Vollkommenen" ist. Die vom Zweiten Vatikanischen Konzil betonten Bezeichnungen „Leib Christi" und „Volk Gottes" für die Kirche werden anschaulich aufgeschlossen und fruchtbar gemacht. „Eucharistie - von der Großzügigkeit Gottes" holt nach, was vom Kommunionunterricht vergessen oder dort nicht gelernt wurde, jedoch - was für den ganzen Firmkurs gesagt werden muss - in einer erwachsenen, die jungen Leute sehr ernstnehmenden und gleichzeitig verständlichen und persönlich nahekommenden Form.
   „Update! Beichten!" beschäftigt sich sodann mit dem zu Unrecht unbeliebtesten Sakrament, indem es als Aus- gangspunkt „Was dich kaputtmacht" setzt und dabei eine gute Kenntnis des Innenlebens junger Menschen zeigt. Der neue Anfang, den Gott in diesem Sakrament schenkt, erscheint auf diese Weise als erstrebenswert und hoffnungserweckend. Die letzte Stunde widmet sich dem Sakrament der Firmung, dem Ritus und dem Ablauf der Firmmesse.
   Fazit der Erstbeurteilung des Youcat-Firmbuches: Es erscheint tatsächlich möglich, in einer jugendgemäßen Spra- che, mit ansprechenden Materialien und mittels moderner Didaktik nicht nur die Essentials des christlichen Glau- bens zu vermitteln, sondern diesen auch nachhaltig in die Herzen der Firmlinge zu pflanzen. Sehr deutlich wird, dass die Youcat-Macher junge Menschen gut kennen - oder selbst welche sind. Hier liegt neben der inhaltlichen Ausrichtung ein entscheidender Unterschied zu herkömmlichen Firmmappen. Vielleicht wird nun der eine oder andere einwenden, die in ein Activity-Wochenende gepackte Firmvorbereitung sei weniger aufwendig als mindes- tens 12 Firmstunden über ein halbes Jahr, die herkömmlichen Firmvorlagen seien weniger fordernd für die Kate- cheten in der Vorbereitung sowie stromsparender für das Kopiergerät im Pfarrbüro, und darüber hinaus sei die Anschaffung von wiederverwendbaren Bibeln und Youcats speziell für die Gemeindekatechese zu teuer. Seien wir ehrlich: All das sind keine Argumente, jungen Getauften den Glauben der Kirche nur verkürzt zu verkünden oder gar vorzuenthalten, die oft weder daheim noch im Religionsunterricht auch nur ansatzweise davon erfahren dür- fen. Die Gemeindekatechese wird nach wie vor gern besucht, oft vielleicht aus den falschen Gründen, aber damit verbunden mit einer großen Chance: der nächsten Generation das Ganze des christlichen Glaubens so zu verkün- den, dass er jedem einzelnen dieser Jugendlichen zur tragenden Lebensgrundlage und zur Erfüllung werden kann. Der Youcat-Firmkurs kann diese große Aufgabe, leisten.
   Die beiden Bücher des Youcat-Firmkurses sind: Firmkurs für Jugendliche, 56 S., EUR 8,95 sowie das Begleit- buch für Katecheten, 88 S., EUR 16,95

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Der „Youcat“: ein absoluter Bestseller  

   Der Jugendkatechismus „Youcat“ ist nach der Bibel inzwischen das meistverkaufte katholische Buch der Welt. Das sagte der Geschäftsführer der Königsteiner „Stiftung Youcat“, Bernhard Meuser, gegenüber der katholischen Nachrichten-Agentur. Die Gesamtauflage liege bei mehr als fünf Millionen Exemplaren, es gebe Übersetzungen in 39 Sprachen. Weitere Veröffentlichungen stünden bevor. Sogar eine Ausgabe in Latein ist in Arbeit. Noch im Herbst werde auch eine Jugendbibel in mindestens 20 Sprachen erscheinen, sagte Meuser.
Franziskus schreibt Vorwort zu Soziallehre-Buch
   Außerdem sei eine jugendgemäße Darstellung der katholischen Soziallehre unter dem Titel „Docat“ fertiggestellt, zu der Papst Franziskus das Vorwort beisteuern wolle. Die Veröffentlichung sei für 2016 geplant. In der Entwicklung befinde sich außerdem unter dem Titel „Lifecat“ ein Kompendium zur Entwicklung und Reifung des Menschen, sagte der Geschäftsführer. Darin werde es um Themen wie Liebe, Ehe und Sexualität gehen, aber auch um christliche Lebenskunst im weiteren Sinne. Ziel sei, die wichtigsten Ergebnisse der Familiensynode im Oktober zeitnah in den Text einzuarbeiten.
   Der „Youcat“ entstand seit 2006 unter Leitung des Wiener Erzbischofs Kardinal Christoph Schönborn und wurde 2011 in zunächst 14 Sprachen veröffentlicht. Bei Weltjugendtagen findet sich das Werk standardmäßig im Begrüßungspaket an die Teilnehmenden, was erheblich zur Verbreitung des Jugend-Katechismus beitrug. rv150710p

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       Was der heilige Nikolaus mit dem Credo zu tun hat.  Foto oben links:  Nikolaus als gütiger Bischof von Myra: Er nimmt die drei gestrandeten Ritter Nepotianus, Ursus und Apilio auf. Die Szene ist auf einem Fresko festgehalten, das Anfang des 14. Jahrhunderts entstand und die Kirche des Heiligen Franziskus in Assisi schmückt. Foto oben rechts: Das Marmorgrab des heiligen Nikolaus in Myra ist leer. Im 11. Jahrhundert wurden seine sterblichen Überreste ins italienische Bari gebracht, angeblich, um sie vor Grabräubern zu schützen.

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St. Nikolaus – so überlebte er den Kerker
  Wer weiß schon, wie Nikolaus römischer Folter trotzte und das bis heute geltende Bekenntnis der Christen durch- setzte?
  Der junge Gottesmann liegt in Lumpen auf den kalten Steinen der düsteren Kerkerzelle. Das hagere Gesicht mit den eingefallenen Wangen und der auffallend breiten, hohen Stirn ist von Blutergüssen entstellt, der abgema- gerte Leib von Peitschenhieben gezeichnet. Hände und Füße sind mit Eisenketten gefesselt. Im verfilzten Haar wimmelt es von Ungeziefer, doch über dem schmalen Mund und der feinen, geraden Nase leuchtet ein ungebro- chener Blick: Der Glanz der Augen rührt nicht von Fieber, sondern von unerschütterlicher Gläubigkeit ...
   Den Häftling kennt jedes Kind, allerdings in ganz anderer Gestalt: Es ist der heilige Nikolaus.
   Die Vorstellung vom beleibten, rauschebärtigen Wohltäter, der im Dezember die Kleinen beschenkt, bildet sich erst viel später - zu seinen Lebzeiten ist Nikolaus das viel bewunderte Beispiel eines tapferen Glaubenskämpfers. Einziges Kind des reichen Griechen Euphemios und seiner Ehefrau Anna aus Myra (heute Kaie in der Südwest- türkei), steht der Säugling schon zwei Stunden nach seiner Geburt in der Badewanne auf den Beinchen - ein Wunder, das einen Onkel bewegt ausrufen lässt: „Dieser ist aus dem Willen Gottes geboren; er wird Gott an die- sem Ort preisen!”
   Der Onkel heißt ebenfalls Nikolaus und ist Bischof der blühenden Hafenstadt zwischen Rhodos und Zypern. 19 Jahre später weiht er den Neffen zum Priester und setzt ihn als Abt in einem Kloster ein. Als die Eltern an der Pest sterben, erbt Nikolaus ihr Vermögen und verteilt es an die Armen. Nach dem Tod des Onkels pilgert er ins Heilige Land. Als er zurückkehrt, wählt ihn die Gemeinde zum neuen Bischof - in diesen Zeiten eine gefährliche Ehre: Roms Herrscher hassen und jagen die Christen als revolutionäre Aufrührer gegen ihre Autorität.
   Nikolaus lebt keusch, fastet oft, schläft auf dem nackten Boden, ruft die Gemeinde schon vor Sonnenaufgang zum ersten Gebet und kämpft besonders energisch gegen den Götzenglauben. Seine schlimmsten Feinde sind die Priester der Göttin Astarte mit ihren dämonischen Kult-Orgien. Ihr Symbol, der Mond, ist die wichtigste Navigati- onshilfe der Seeleute, deshalb ist ihre Macht in Hafenstädten besonders groß. Soldaten verhaften Myras Christen und werfen auch den jungen Bischof in den Kerker.
   Acht Jahre dauert der Terror. Dann siegt Konstantin (311-337) im Zeichen des Kreuzes über drei heidnische Kaiser, und Nikolaus kommt frei. Die alten Götter stürzen, doch nun bricht unter den Christen Streit aus: Der Priester Arius aus Alexandria behauptet, Christus sei zwar Gottes Sohn, nicht aber mit dem Vater wesensgleich und auch nicht ewig. 
   Kaiser Konstantin erkennt die Gefahr: Er will den römischen Weltfrieden und keinen Religionskrieg. Umgehend lädt er rund 200 Bischöfe in seinen Sommerpalast in Nicaea, im Nordwesten der heutigen Türkei. Auch Nikolaus kommt. Die Folternarben haben ihm den Ehrentitel „Bekenner” eingetragen, aber auch theologisches Wissen ver- schafft ihm Respekt. Sein Eifer ist so groß, dass er dem Abweichler Arius ins Gesicht schlägt.
   Der Kaiser ist sauer, die Ohrfeige scheint mit christlicher Feindesliebe schwer vereinbar. Doch Nikolaus und seine Mitstreiter setzen sich durch: Der Arianismus wird verworfen, und das Konzil beschließt ein allgemeines Glaubens- bekenntnis. Es wird Reichsgesetz, und die Christen beten es, später erweitert um einige Passagen über den Heiligen Geist, bis heute.
   Die präzisen Formulierungen aus diesem Gebet lassen den alten Streit noch immer erkennen: „Wenn Gott je sterben sollte, dann würden wir den heiligen Nikolaus zu Gott machen.”
    Christus ist „aus dem Vater geboren vor aller Zeit“, also ewig. Er ist „wahrer Gott von wahrem Gott”, also dem Vater in jeder Hinsicht ebenbürtig. Er ist „gezeugt, nicht geschaffen”, also kein endliches Geschöpf. Und er ist, noch einmal wird es betont, „eines Wesens mit dem Vater”.
    Die Lehre des Konzils macht das Christentum endgültig einzigartig: Andere Weltreligionen kennen Stifter wie Buddha, Verkünder wie Zarathustra oder Propheten wie Mohammed, doch keine beruft sich darauf, von Gott selbst gegründet zu sein.
    Nikolaus kehrt als Sieger nach Myra zurück und widmet sich nun ganz dem Aufbau seines Bistums. Um 350 stirbt er mit 65 Jahren - an einem 6. Dezember, fortan sein Gedenktag. Bald bilden sich immer mehr Legenden um den Heiligen: Anfang Dezember setzen am Mittelmeer die gefürchteten  Winterstürme ein - prompt wird Nikolaus zum Patron der Seefahrer. Nikolaus hilft in einer Hungersnot und wird Patron der Bäcker. Er erweckt ein verbranntes Kind wieder zum Leben und wird Patron der Feuerwehrleute. Die Legende, er habe drei arme Mädchen durch heimliche Geldgeschenke vor dem Freudenhaus bewahrt, macht ihn zum Wohltäter aller Kinder.
   Myra wird Wallfahrtsort. Der Ruhm des Heiligen eilt durch die Welt: Kaiser Justinian (527-565)  weiht ihm eine Kirche in Konstantinopel, Friesenmissionar Liudger (742-809) baut die erste deutsche Nikolauskapelle im münster- ländischen Billerbeck.
   Im Jahr 1034 plündern Sarazenen Myra, können aber die Gebeine des Heiligen nicht finden. Das mächtige Venedig möchte die Reliquien in Sicherheit bringen, doch das süditalienische Bari ist schneller: Im April 1087 landen die Apulier auf drei Schiffen, brechen das Marmorgrab unter dem Fußboden der Kirche auf,  wickeln die Knochen in Tücher und entführen sie in ihre Heimatstadt. Dort liegen sie seither in einem kostbaren Schrein in der Krypta der St.-Nikolaus-Basilika.
   In Myra finden Türkei-Touristen nur noch Ruinen. Das moderne Bild des Nikolaus bestimmt eine Zeichnung, auf der Moritz von Schwind 1847 den Heiligen als strengen „Herrn Winter” darstellte: In Russland wurde daraus „Väterchen Frost”, in Deutschland der Weihnachtsmann und in den USA Santa Claus.
   „Sein göttliches Erbarmen macht Nikolaus zu einem Wesen göttlicher Art, hat ihn über alle anderen Heiligen erhoben”, vermerkte ein Chronist. Und in Russland heißt es nur halb scherzhaft: „Wenn Gott je sterben sollte, würden wir den heiligen Nikolaus zu Gott machen.”
   Das heutige Glaubensbekenntnis geht in wesentlichen Teilen auf Betreiben des heiligen Nikolaus und das Konzil von Nicaea (325) zurück. 381 wurde es erweitert. Der folgende Wortlaut basiert auf der deutschen Übersetzung des lateinischen Konkordienbuches:
  „1. Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge.
   2. Und an den Einen, Herrn Jesus Christus, Gottes einziggeborenen Sohn. Er ist aus dem Vater geboren vor aller Zeit. Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, wesenseins mit dem Vater. Durch ihn ist alles geschaffen. Er ist für uns Menschen und um unseres Heiles willen vom Himmel herabgestiegen. Und er wurde Fleisch durch den Heiligen Geist aus Maria der Jungfrau, und ist Mensch geworden; er wurde auch für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, und er ist auferstanden am dritten Tage nach der Schrift. Und er ist aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und Toten, und seines Reiches wird kein Ende sein.
   3. Und an den Heiligen Geist, den Herrn und Lebensspender, der vom Vater und vom Sohn filioque ausgeht. Er wird mit dem Vater und dem Sohn zugleich angebetet und verherrlicht. Er hat gesprochen durch die Propheten.
   4. Und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche una sancta catholica et apostolica ecclesia. Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden und erwarte die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt.” Foto unten: Fresken in der Kirche von Myra   JosefNyaryHA041206

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   Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone hat die Bedeutung des Heiligen Nikolaus für die Ökumene unterstrichen. Bei einem Besuch an seinem Grab in der süditalienischen Stadt Bari sagte Bertone, der Heilige habe die Stadt zu einem Referenzpunkt in Sachen Ökumene gemacht.  Besonders der Dialog mit den russisch-orthodoxen Gläubigen, die zahlreich nach Bari pilgerten, sei sehr wichtig. Bertone dankte den Dominikanern, die die Basilika betreuen, in der das Grab verehrt wird, und ein Ökumenezentrum betreiben, für ihren Einsatz. – Der Heilige Nikolaus (4. Jh.) stammt aus Kleinasien. Er nahm u.a. am Konzil von Nizäa 325 teil. Seine Reliquien wurden 1087 geraubt und gelangten nach Bari. RV100509 Foto unten: Nikolausverehrung in Bari.

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Geraubte Gebeine
   Mit einem Umzug, einer Schiffsprozession und vielen anderen Feierlichkeiten wird im italienischen Bari jedes Jahr des heiligen Nikolaus gedacht, nicht am 6. Dezember, sondern am 8. Mai. Die Gründe dafür liegen beinahe 1000 Jahre zurück. Der um 350 verstorbene Heilige lag bis 1087 in seiner alten Wirkungsstätte Myra (heute Demre, Provinz Antalya) begraben. Die Begründung des Kults geht im Wesentlichen auf Kaiser Justinian zurück, der um 550 in Konstantinopel eine erste Kirche zu Ehren des Heiligen errichten ließ. Bald war Nikolaus einer der bekann- testen Heiligen des oströmisch-byzantinischen Reichs. Sein Kult erreichte im 8. Jahrhundert Rom und fand schnell großen Anklang. Als Myra gegen Ende des 11. Jahrhunderts immer öfter von Seldschuken bedrängt wurde, nutzten Seefahrer aus Bari die chaotischen Zustände und raubten die Gebeine des Heiligen. Am 8. Mai 1087 kehrten sie mit ihrer kostbaren Beute in ihre Heimatstadt zurück. Sogleich wurde mit dem Bau einer Basilika für die Reliquien begonnen, die 1098 von Papst Urban II. geweiht wurde. San Nicola in Bari entwickelte sich schnell zu einer bedeu- tenden Wallfahrtsstätte. Die gestohlenen Reliquien sind einigen Kreisen in der heutigen Türkei ein Dorn im Auge; sie fordern mit Bezug auf den Raub deren Rückgabe.
Foto unten: Grab des heiligen Nikolaus in der St.Nikola Basilika in Bari.

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Die Regierung der Türkei
  
bemüht sich erneut um eine Rückkehr der Reliquien des heiligen Nikolaus in seine kleinasiatische Heimat. Der Archäologe Nevzat Çelik, der für die Ausgrabungen im heutigen Myra zuständig ist, stellte dem Vatikan im Auftrag der türkischen Regierung eine entsprechende Anfrage. Die sterblichen Überreste des Heiligen befinden sich seit dem Mittelalter zum Teil in der italienischen Hafenstadt Bari sowie zu weiteren Teilen im lothringischen Saint- Nicolas-de-Port und in der Nikolauskathedrale von Fribourg in der Schweiz. Das türkische Ministerium für Kultur und Tourismus versucht seit einiger Zeit verstärkt, wichtige Kulturgüter für ein Antikenmuseum in die Türkei zu bekom- men. RV130105apic/fides
Der heilige Nikolaus kommt nicht ins Museum!
   Der Propst der Nikolaus-Kathedrale von Fribourg in der Schweiz hat eine Rückgabe von Reliquien des heiligen Nikolaus an die Türkei kategorisch abgelehnt. Sie gehörten dem Kapitel und der Bevölkerung Fribourgs, sagte Propst Claude Ducarroz der Tageszeitung La Liberté. Die Reliquien dienten einer religiösen Verehrung, nicht Aus- stellungszwecken. Die türkische Regierung hatte sich zum Jahreswechsel erneut um eine Rückkehr der Reliquien in seine kleinasiatische Heimat bemüht. Der Archäologe Nevzat Celik, der für die Ausgrabungen im heutigen Myra zu- ständig ist, stellte dem Vatikan im Auftrag der türkischen Regierung eine entsprechende Anfrage. RVord130107apic

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