MM-DKWN-x
kbwn

         o n l i n e :       
www.

kbwn.de

Deutschland

Auf dieser Seite lesen Sie:
1. Bundespräsident Joachim Gauck beim Papst
2. Nuntius besorgt über Glaubensschwund in Ostdeutschland
3. Bischofskonferenz delegiert drei Bischöfe zur Familiensynode in Rom
4. Bundesratspräsident Stephan Weil bei Papst Franziskus zum 50. Jahrestag des Konkordates
5. Erzbischof Zollitsch: Union braucht das „C"
6. Bischof Heiner Koch zum Erzbischof für Berlin ernannt
7. Presseinterview mit Bischof Gerhard Ludwig Müller zur Reformdebatte
8. Papst Benedikt XVI. in Deutschland
9. Christen in Deutschland
10. Sozialverbände in Deutschland 2000 - 2013 Veränderungen
11. Kirchensteuer in Deutschland
12. Die deutsche katholische Kirche stellt 582 Millionen Euro solidarisch zur Verfügung
13. Die Zukunft der Kirchensteuer
14. Katholische Bischöfe bestehen auf Recht von Moscheebau
15. Bischof Hofmann: Zölibat - Zeichen der Liebe zu Christus
196 Neues Personenstandsgesetz: Kirche will auf das Standesamt nicht verzichten
17. Der Kulturkampf im Deutschen Reich
18. Alemannische Bischöfe: Plädoyer für das Leben
19. Kardinal Reinhard Marx: “Gebt uns die Sterbenden!”

zu unserer Sonderseite > “Stellvertreter”

be-287ZZ-JoachimGauck

be-288Z-JoachimGauck

Bundespräsident Joachim Gauck beim Papst  be-286xJoachimGauck

Begegnung zweier Theologen
   Er habe heute „etwas sehr Bewegendes erlebt“: Das sagte der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck an nach seinem Antrittsbesuch im Vatikan. Der frühere evangelische Pastor und DDR-Widerständler, der seit März Staatsoberhaupt ist, sprach mit Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und Benedikt XVI.; vor seiner Audienz beim Papst hatte Gauck den Petersdom besucht, wo er u.a. am Grab von Papst Johannes Paul II. betete und am Ort des Petrusgrabes verweilte.
   „Das war sozusagen die geistliche Einstimmung auf eine Begegnung, die natürlich auch geistlichen, aber vor allem auch politischen Inhalt hatte. Es war ein sehr offenes und freundschaftliches Gespräch, in herzlichem Einverständnis. Dieses Einverständnis bezog sich vor allem auf unseren gemeinsamen Willen, die Idee von Europa nicht aufzugeben, gerade angesichts der Krise an ihr festzuhalten und alles zu tun, um bei den Menschen ein Bewusstsein für die Wichtigkeit der europäischen Idee wach zu halten.“
   Papst Benedikt habe sich auf die Begegnung mit Präsident Gauck gefreut, wie Papst-Sekretär Georg Gänswein Journalisten berichtete. Gauck selbst sagte zum Papst beim ersten Händedruck, er komme zu ihm als Bundespräsident und Landsmann, aber natürlich auch als Christ.
Unterhaltung zweier Christenmenschen
   „Wenn sich zwei Christenmenschen unterhalten, dann sprechen sie natürlich nicht nur über die Welt, sondern auch über Gott. Ich wollte mit ihm nicht über die Differenzen sprechen, die die Protestanten und Katholiken miteinander auch haben, sondern über das, was uns verbindet. Wir haben aus unterschiedlichen Herkünften heraus in uns ein tiefes Wissen miteinander teilen können, dass die Welt etwas verliert, wenn sie Gott verliert.  Und dass wir, jeder auf seine Weise, das auch zu erkennen geben, das ist ja klar: Er muss es und will es qua Amt, und ich werde es auch in meinen Möglichkeiten tun, weil ich es so gelebt habe.“
   Schon am Vorabend seiner Papstaudienz war Gauck von Journalisten in Rom bei einem Hintergrundgespräch zu seinem Erstaunen vor allem mit theologischen Fragen konfrontiert worden. Der Präsident, der nach dem Mauerfall zu Beginn der neunziger Jahre aus dem Pastorenamt ausschied, um in die Politik zu wechseln, zeigte sich sehr gespannt auf die Audienz beim Oberhaupt der katholischen Kirche. Er wolle mit seinem Rombesuch auch zeigen, dass der Bundespräsident zwar evangelisch sei, aber doch den Katholiken zugewandt. In seinem Statement nach der Audienz erzählte Gauck:
   „Ich habe mich mit ihm auch ausgetauscht über die Rolle von Laienbewegungen in der katholischen Kirche, über dieses lebendige und fruchtbare Glaubensleben außerhalb der Ebene von Kirchenleitung und Bischöfen. Er erinnerte sich an seine Zeit an der Basis. Für mich als Protestanten ist dieses Prinzip der Mitwirkung der Vielen so wichtig gewesen, dass ich es in diesem Gespräch unterbringen wollte.“
Der Name Wittenberg fiel nicht – der Name Habermas schon
   Eigentlich hatte der Bundespräsident den Papst auch auf das Reformationsgedenken ansprechen wollen, das die evangelische Kirche in Deutschland 2017 feiern wird. Aus Gaucks Sicht wäre es schade, wenn die katholische Kirche nicht in das Gedenken an die Reformation vor 500 Jahren mit einbezogen wäre. Doch dazu sei er in dem etwa 30-minütigen Gespräch nicht mehr gekommen – „nicht aus Furcht“, wie er erklärte:
   „Wenn man sich austauscht über theologische und Glaubensthemen, dann gehen die Konkreta manchmal ein bisschen weg. Also, der Name Wittenberg ist nicht gefallen, der Name Habermas schon. Manchmal kommt in einem Gespräch auch etwas Überraschendes zustande. Insofern können Sie daraus entnehmen, dass es sehr lebendig war!“
   Der heutige Papst hatte als Kardinal 2004 öffentlich mit dem Philosophen Jürgen Habermas über das Thema „Vernunft und Religion“ diskutiert. Zuvor hatte er sich 2001 in seiner weithin beachteten „Friedenspreisrede“ für einen intensiveren Dialog zwischen Religion, Wissenschaft und Gesellschaft ausgesprochen.
Lebkuchen für den Papst
   Als Geschenk brachte Präsident Gauck dem Papst seine Autobiographie, einen Spazierstock sowie Nürnberger Lebkuchen mit: In Nürnberg arbeitet Gaucks Lebensgefährtin, die Journalistin Daniela Schadt, die ihn bei seinem Besuch im Vatikan allerdings nicht begleitete. Benedikt revanchierte sich mit einem historischen Stich der Dombauhütte von St. Peter und mit seinem neuesten Jesusbuch. Im politischen Teil der Aussprache mit dem Papst, so Gauck, sei es vor allem um Europa gegangen.
„Natürlich hat er mich auch gefragt, wie Deutschland sich versteht in dieser Zeit der Debatten um richtige Lösungs- wege. Ich habe darauf hinweisen dürfen, dass die Bundesregierung wie alle Regierungen zuvor dem europäischen Gedanken treu geblieben ist! Es gebe keinerlei Zweifel daran, dass das auch in Zukunft so sein wird.“
   Eigentlich habe er gedacht, im Papst einen „stärker von der Bürde des Amtes gezeichneten“ Menschen vorzufinden, berichtete der Bundespräsident. Aber „so habe ich das nicht erlebt“:
   „Ich habe einen hellwachen Heiligen Vater erlebt, der sich auch auf meinen Besuch vorbereitet hatte, der einiges aus meinem Leben, einiges von meinen Lebenserfahrungen, zur Kenntnis genommen hatte; insofern ist mir auch eine Erwartung begegnet, in der Art: Ich möchte hören, was Sie mitzubringen haben. Ich habe eine konzise, nichttriumphalistische Haltung des römisch-katholischen Kirchenoberhauptes erlebt, die angenehm war, die für mich als Protestant nicht Grenzen betonte – von Grenzen habe ich eigentlich nichts gemerkt, sondern diese menschliche und persönliche Direktheit war einfach dominierend.“
Hoffnungspotentiale aus dem Glauben
   Für den früheren Bürgerrechtler Gauck war auch das Verweilen am Grab von Johannes Paul II. bewegend: Ihm imponiert die Hartnäckigkeit, mit der sich die polnische Kirche in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts gegen das kommunistische Regime stellte.
   „Wissen Sie, wenn man am Grab von Johannes Paul steht und mein Alter hat und aus dem Osten kommt, dann erinnert man sich auch an die Kraft, die der Glaube in den unterdrückten Menschen dort erzeugt hat, an ihre – sagen wir mal – größeren Hoffnungspotentiale. Es ist ja nicht so, dass die Glaubenden immer automatisch die besseren Menschen sind, aber vielleicht haben sie größere Hoffnungspotentiale in dieser Zeit der Unterdrückung entwickelt.“
Das sei Papst Benedikt „durchaus bewusst“ gewesen, so Präsident Gauck:
   „Und das konnte ich ihm auch bestätigen. Dafür gibt es Beispiele, die man sehen und anfassen kann: Menschen, die im Grunde in einer glaubensfeindlichen Umwelt aus den Quellen des Glaubens geschöpft haben und dann diese Hoffnungspotentiale für eine Umgestaltung der Gesellschaft noch entwickeln konnten. Das haben wir durchaus besprochen.“
   Als letzten deutschen Präsidenten bislang hatte Benedikt XVI. vor drei Jahren Horst Köhler im Vatikan empfangen. Im September 2011 hieß der damalige Bundespräsident Christian Wulff den Papst auf Staatsbesuch in Berlin willkommen.
   Das vatikanische Staatssekretariat veröffentlichte nach Gaucks Termin bei Kardinal Bertone ein kurzes Statement. Darin werden „die sehr freundschaftlichen bilateralen Beziehungen hervorgehoben“. Bei dem Treffen Gaucks mit dem Papst und mit Bertone sei u.a. „über die christliche Sicht des Menschen wie auch über die Herausforderungen gesprochen worden, die sich in der globalisierten und säkularisierten Gesellschaft gegenwärtig stellen“. Der Meinungsaustausch habe sich besonders auf die derzeitige Wirtschaftskrise bezogen, „insbesondere in bezug auf ihre Auswirkungen in Europa sowie über den Beitrag, den die katholische Kirche hier leisten kann“.  RV121206sk

Gauck: „Mit Verschiedenheiten leben, die schmerzen“ po-BundespräsidentGauck-xx

   Ein besonderes Anliegen ist dem Bundespräsidenten, der selbst evangelischer Pastor ist, auf dem Weg der Ökumene weiter voranzuschreiten. Die Unterschiede in der Lehre, die das bislang verhindern, sind ihm allerdings wohl bewusst:
   „Ich träume davon, einmal an der katholischen Eucharistiefeier teilnehmen zu können, ohne zu stören - aber dann bin ich auch realistisch und weiß, wie viele Menschen es beschweren würde, wenn ich einfach so täte, als gäbe es die Lehrunterschiede nicht, die uns noch nicht erlaubt haben, näher zueinander zu finden und Abendmahlsgemeinschaft zu haben. Es ist wohl so, dass wir noch eine geraume Zeit mit Verschiedenheiten leben müssen, die uns schmerzen.“
   Bischof Gerhard Ludwig Müller, der Gastgeber des nächsten Katholikentages in Regensburg, sieht das ähnlich: „Ökumene ist ein hohes Ziel, aber es ist hier auch deutlich geworden, dass Lehrunterschiede nicht einfach übersprungen werden können. Bei der Ökumene ist auch wichtig, dass wir nicht einfach meinen, es liegt am bösen Willen, sondern es liegt an den objektiven Lehrgegensätzen. Der Bundespräsident hat auch selbst gesagt, dass es nicht sein kann, den anderen zu vereinnahmen. Toleranz heißt vielmehr zu versuchen, den anderen von sich und seinen Voraussetzungen her zu verstehen.“
   Der Bundespräsident hat seine Teilnahme am nächsten Katholikentag zwischen den Zeilen bereits zugesichert – man wird sehen, wie weit die Dialogbemühungen bis dahin gediehen sind. RVcs120521domradio 

KK-AngelaMerkel-aepNikolaEterovicNuntius-ZZ

Nuntius besorgt wegen Schwinden des Glaubens in Deutschland
Foto: Nuntius Eterovic im Juni 2014 mit Kanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier

   Einen dramatischen Rückgang der Zahl der Gläubigen in Ostdeutschland hat der Apostolische Nuntius in Berlin, Erzbischof Nikola Eterovic, beklagt. In seinem Grußwort zur Eröffnung der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) erinnerte der Vatikandiplomat in Hildesheim daran, dass in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Fall der Mauer nirgends im früheren Ostblock die Zahl der Christen so stark zurückgegangen sei wie in der früheren DDR. Der Vertreter des Papstes in Deutschland nannte diese Zahlen einen Grund zur Sorge für die evangelische und für die katholische Kirche.
   Laut einer Studie der Universität Münster habe sich die Zahl der Menschen, die an einen persönlichen Gott glauben, zwischen 1990 und 2008 mehr als halbiert. Inzwischen glaubten nur noch 14 Prozent der Ostdeutschen an Gott, so Eterovic. In anderen Ländern des früheren Ostblocks sei die Zahl der bekennenden Christen im selben Zeitraum hingegen gestiegen oder nur leicht zurückgegangen.
   Eterovic mahnte die Bischöfe, der neuen Verkündigung des Evangeliums besonderen Nachdruck zu verleihen. Er erinnerte an entsprechende Aufforderungen von Papst Franziskus. Neben einem Engagement in den digitalen Medien sei es auch nötig, die Predigten und Ansprachen in Gottesdiensten zu verbessern. Rv150224mg

ff-336-Familiensynode-Zz

Bischofssynode in Rom – Marx, Bode, Koch nahmen an der nächsten Synode teil  

fa-sy-101c-MarxKochBode-ZZ

   Die Bischöfe haben ihre drei Delegierten für die kommende Weltbischofssynode zu Familienfragen gewählt. Neben dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, werden die Bischöfe Franz-Josef Bode von Osnabrück und Heiner Koch von Dresden zur Synode im Oktober nach Rom reisen. Das teilte die Bischofskonferenz mit, die in Vollversammlung tagt. Bode leitet die Pastoralkommission der Bischofskonferenz, Koch ist Deutschlands Familienbischof. Im Falle einer Verhinderung der gewählten Mitglieder der Synode hat die Vollversammlung als Vertreter Bischof Karl-Heinz Wiesemann, den Vorsitzenden der Jugendkommission, und Weihbischof Wilfried Theising, den stellvertretenden Vorsitzenden der Kommission für Ehe und Familie gewählt.
   In einem Pressegespräch hoben die künftigen Synodenteilnehmer hervor, dass es in den kommenden Wochen darum gehe, den römischen Fragebogen für die Synode zu beantworten und auf dem Weg bis Oktober 2015 auch theologische Fragen zu vertiefen. In diesem Zusammenhang erinnerten die Bischöfe an das Dokument des Ständigen Rates vom Juni 2014, in dem grundlegende Fragen der Synodenthematik erörtert werden. Es ist erschienen unter dem Titel „Theologisch verantwortbare und pastoral angemessene Wege zur Begleitung wiederverheirateter Geschiedener – Überlegungen der Deutschen Bischofskonferenz zur Vorbereitung der Bischofssynode“.
   Bischof Koch erhofft sich von der Synode, dass die Bedeutung des Ehesakramentes in seiner ganzen Tiefe erfasst und diskutiert werde. „Es wird wichtig sein, dass wir auch die Fragen nach der Weitergabe des Glaubens in der Familie und gerade bei Jugendlichen stellen. Ich bin sicher, dass wir von allen Synodenteilnehmern in Rom lernen werden.“
   Für Bischof Bode hat sich in den theologischen Debatten der letzten Jahre bereits viel getan. Es gehe nicht nur um die Frage der Seelsorge für die wiederverheiratet Geschiedenen, sondern um die ganze Breite der Familienfrage: „Dabei gilt es auch die Lehre des Konzils im Blick zu halten, denn gerade damit wurde vor 50 Jahren ein wesentlicher Durchbruch für die Kirche in die Gesellschaft hinein erreicht.“
   Bischof Wiesemann betonte im Pressegespräch, welche Bedeutung das Thema Familie für die junge Generation habe: „Junge Menschen suchen Räume von Verlässlichkeit, Geborgenheit, sie suchen Werte wie Treue und Liebe. An diesen Räumen für junge Menschen müssen wir arbeiten.“ Weihbischof Theising erinnerte in diesem Zusammenhang an die notwendige Verknüpfung von Theorie und Praxis: „Wir leben in der Kirche von einer vielfältigen Erfahrung von Familie. Die gilt es in die Synodendiskussion mit einzubringen.“
   Kardinal Marx freut sich auf die Diskussionen während der Bischofssynode und auch das theologische Gespräch in der Bischofskonferenz: „Ich möchte schon, dass wir miteinander versuchen, den Geist der Synodalität zu finden. Es geht nicht darum, die eigene Meinung im Sturm durchzusetzen. Wir alle haben eine Verantwortung dafür, dass Türen nicht geschlossen, sondern geöffnet werden. In diesem Sinne wünsche ich mir eine Synode, die einen gemeinsamen Weg und Türen und Herzen der Menschen öffnet.“
   Gemäß den Statuten der Synode mussten aus Deutschland drei Mitglieder der Bischofskonferenz gewählt werden. Die Zahl der Delegierten bemisst sich nach der Größe der jeweiligen Bischofskonferenz; die größten unter ihnen wie etwa Brasilien, Mexiko oder Indien entsenden vier gewählte Teilnehmer. Österreich und die Schweiz, beides kleine Bischofskonferenzen, konnten je einen Bischof bestimmen.
   Die Ordentliche Weltbischofssynode zur Familienpastoral findet vom 4. bis 25. Oktober im Vatikan statt. Auf ihr beraten die Kirchenvertreter, wie die katholische Kirche auf die veränderte Lebenswirklichkeit von Familien und Paaren reagieren soll. Rv150224gs
 Lesen Sie, bitte, zu diesem Thema unsere Fotoberichte > Familiensynode >
  Familiensynode II   > Mann und Frau II

po-StephanWeil-MP-Ron-ZZ

Ministerpräsident Weil beim Papst
  
Der neue niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil ist an diesem Montag von Papst Franziskus in Audienz empfangen worden. Thema des Gesprächs war vor allem die europäische Flüchtlingspolitik. Das sagte der SPD- Politiker, der in den letzten Monaten turnusgemäß Präsident des Deutschen Bundesrates war, nach der Begegnung.
   „Der Papst hat daran erinnert, dass wir in Deutschland schon recht erfolgreich gewesen sind bei der Integration von Einwanderern, und er hofft, dass Deutschland in dieser Richtung weitermachen wird. Ich denke, das ist ein gutes Wort auch in Hinsicht auf die aktuelle Diskussion, die wir in Deutschland haben.“
   Der Deutsche Bundesrat hat unter Weils Vorsitz vor zehn Tagen das Asyl- und Flüchtlingsrecht verschärft. Drei Balkanstaaten wurden als „sichere Herkunftsländer“ eingestuft; dafür gab es Verbesserungen bei den Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten von Flüchtlingen und Asylbewerbern in der Bundesrepublik. Auf Einzelheiten des neuen Asylkompromisses gingen Papst Franziskus und Ministerpräsident Weil in ihrem Gespräch nicht ein.
   „Der Papst meint, dass man die Tür nicht zuhalten kann, aber man muss sie klug öffnen. Das ist vermutlich eine der wichtigsten Aufgaben der Staaten und ihrer Regierung, eine solche kluge, europäische Flüchtlingspolitik zu entwickeln. Da kann man ihm nur zustimmen.“
   Als Geschenk ein Briefwechsel Hannover-Peking. Weil würdigte das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und Niedersachsen, dessen 50-Jahr-Feier 2015 ansteht. Das Konkordat war am 26. Februar 1965 von dem damaligen Papst Paul VI. und Ministerpräsident Georg Diederichs (SPD) unterzeichnet worden. „Wir können wirklich sagen, die Zusammenarbeit zwischen der katholischen Kirche und dem Land Niedersachsen ist ganz und gar problemfrei“, so der Politiker. Das Treffen mit Franziskus sei ein „ganz besonderer Höhepunkt“ seiner Amtszeit als Bundesrats-Präsident gewesen. Das Konkordat war am 26. Februar 1965 von dem damaligen Papst Paul VI. und Ministerpräsident Georg Diederichs (SPD) unterzeichnet worden.

po-StephanWeil-MP-Rom-Z

   „Wir haben uns auch über die europäische Kultur unterhalten. Der Papst hat den eindringlichen Appell an Europa, nicht seine abendländische Kultur außer Acht zu lassen und darüber weiter nachzudenken... Wir haben uns ... auch unterhalten über die unglaubliche Geschwindigkeit, die Kommunikation heute durch das Internet bekommen hat, und dass die europäische Kultur auch eine Kultur des Nachdenkens und der Reflektion ist. Dazu passt gut mein Geschenk, dass ich heute dem Papst gegeben habe: Es ist ein Briefwechsel von Gottfried Wilhelm Leibnitz mit einem Jesuitenpater in Peking. Damals hat ein Brief von Hannover nach Peking noch mehrere Jahre benötigt. Das passte sehr gut zu unserem Gespräch. Das waren definitiv andere Zeiten, aber vielleicht kann man in mancherlei Hinsicht davon lernen.“ Weil ist seit Februar 2013 Ministerpräsident von Niedersachsen. rv140929wb

aep-aepRobertZollitsch-xDeutsche Bischöfe loben Schlussbotschaft der Bischofs-Synode in Rom

   Die deutschen Bischöfe haben eine weitgehend positive Bilanz der Bischofssynode in Rom über die Neuevangelisierung gezogen. Die Konferenz im Vatikan habe gezeigt, wie notwendig es auf allen Kontinenten sei, den Glauben heute zu leben, zu bezeugen und in einer verständlichen Sprache zu verkündigen, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch Foto,  in Rom. Die Atmosphäre sei brüderlich und kommunikativ gewesen. Die Beiträge der deutschen Bischöfe seien aufmerksam registriert worden und hätten Eingang in die Schlussdokumente gefunden.
   „Was nehmen wir mit nach Deutschland? Dass es gilt, nahe bei den Menschen zu sein, zuzuhören und dann auch Antworten zu finden. Dass wir mit dem säkularen Zeitalter positiv umgehen, die Chancen heute nützen und uns nicht distanzieren von der Welt. Mehrfach wurde das Thema Dialog angesprochen – ja, einer meinte sogar: Der Dialog ist der eigentliche Weg der Evangelisierung.“
   Er habe viele konkrete Anregungen gehört, die man bei der Seelsorge in Deutschland anwenden könne, so Zollitsch. Als wichtigen Ort habe die Synode vor allem die Pfarrgemeinde, aber auch die kleinen Gemeinschaften innerhalb der Gemeinden genannt, ebenso die Familien. Kirchen in Deutschland sollten offenstehen, und die Kirche brauche dringend eine Wiederentdeckung des Bußsakramentes.
   Notwendig seien freilich auch die geeigneten Instrumente, um die Botschaft der Kirche in der Welt von heute zu vermitteln, betonte der Kölner Kardinal Joachim Meisner unter Hinweis auf die modernen Medien. Er verwies auf die schwierige Situation der Christen in manchen islamischen Ländern. Eine Mission im klassischen Sinne sei dort nicht möglich, „aber man kann immer Fragen stellen“. Meisner lobte die Schlussbotschaft der Synode, den sogenannten „Nuntius“:
   „Der Nuntius – und das erlebe ich zum ersten Mal – ist wirklich großartig. Ein bisschen lang allerdings, aber er ist biblisch sehr gekonnt: Man muss zuhören, wie bei einer interessanten Predigt. Ich hatte den Eindruck, der ist von einer Hand gemacht.“
   Für den Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat die Synode Eindrücke des Zweiten vatikanischen Konzils neu aufleben lassen. Allerdings sei die Situation heute bedeutend komplexer als vor 50 Jahren. Das Weltbischofstreffen habe ein weites Spektrum von Aspekten zum Thema Neuevangelisierung angesprochen. Nach einer starken Schwarz-Weiss-Zeichnung in einigen Redebeiträgen zu Beginn sei vor allem in den folgenden Sprachgruppen ein sehr differenziertes Bild gezeichnet worden, so Bode. Dabei sei deutlich geworden, dass die Probleme für Glaube und Kirche nicht nur von außen kämen, sondern auch innerhalb der Kirche bestünden. Sie stehe heute einem erheblichen Vertrauensverlust gegenüber. Bode wiederholte seinen Vorschlag vor den Synodenvätern, den Dienst von engagierten Laien in den Pfarreien und pastoralen Räumen deutlicher als kirchlichen Dienst zu mar- kieren:
   „Für diese Ehrenamtlichen, die sich auf verschiedene Weise vor Ort verantwortlich einsetzen, muss es auch Strukturen der Beauftragung, der Sendung geben, damit sie diesen Dienst auch wirklich eingebunden in den Dienst der Kirche tun. Natürlich sakramental aus Taufe und Firmung heraus, aber dann auch eingebunden in die Sendung der Kirche.“
   Bode lobte die Schlussbotschaft der Synode, „weil sie mit einem positiven Blick auf die Welt schaut“. Vielleicht werde aus der Synode nicht „das neue Pfingsten wie ein Feuerwerk herauskommen“, aber sie sei doch auf jeden Fall „ein ermutigender Anfang für viele neue, kleine Schritte“.
   Auch der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bezeichnete die Synode als „Konzil im Kleinen“. Sie habe sich nicht als eine Form von Parlamentarismus präsentiert, sondern an die brüderliche Einheit im nachösterlichen Abendmahlssaal erinnert. Tebartz zeigte sich beeindruckt von der vatikanischen Organisation, die mit viel Disziplin über 200 Synodenbischöfe zu Wort kommen ließ. Allerdings gab es Kritik an der Organisation und Struktur der Synode – sowohl von Erzbischof Zollitsch als auch von Kardinal Meisner. Der Kölner Erzbischof nannte es „ein echtes Handicap“, dass man in den Debatten nicht auf Vorredner eingehen könne. RVsk121026kna

Bischofs-Synode in Rom: Botschaft an das Volk Gottes  ep-BischofssynodeRom-x

   Die Herausforderungen sehen, ohne sich auf das Negative zu beschränken: Mit der Schlussbotschaft legt die Bischofssynode das erste der beiden Abschlussdokumente ihrer Arbeit vor. Das zweite – die Vorschläge an den Papst zur Erstellung eines postsynodalen Schreibens – folgt. 
   Die Synode hat eine „Botschaft an das Volk Gottes“ verfasst. Der Text, der unter einmütigem Applaus der aus der ganzen Welt zusammen gekommenen Bischöfe in der Aula verlesen wurde, wiederholt die Notwendigkeit einer Neuevangelisierung für alle Völker. Die Christen werden aufgefordert, das Evangelium frohen Mutes zu verkünden und Angst mit dem Glauben zu überwinden.
   Das Volk Gottes wird in der Botschaft aber auch als zerstreut und verwirrt bezeichnet. Diese Zerstreuung bringe die ständige Gefahr ruinöser Enttäuschungen mit sich. Doch die Mahnung gilt nicht nur den Gläubigen – eigens wird betont, dass eine Neuevangelisierung aus dem innersten Zirkel der Kirche selbst heraus stattfinden müsse. Priester und Bischöfe sind zur Umkehr aufgerufen, denn die Schwächen und Sünden einzelner Jünger Christi unterminierten die Glaubwürdigkeit der gesamten Institution. Die Gewissheit, dass eine Umkehr und Neuevangelisierung dank des Heiligen Geistes und nicht dank der ungenügenden menschlichen Fähigkeiten möglich sei, lasse die Bischöfe und das Volk Gottes zuversichtlich in die Zukunft schauen.
 Zwar sei die Welt, in der wir leben, voller Widersprüchlichkeiten und Herausforderungen. Dennoch bleibe sie stets eine Schöpfung Gottes, die sich der Liebe desselben sicher sein könne. Für Pessimismus sei also kein Platz: Globalisierung, Säkularisierung, Migration, Atheismus und Glaubwürdigkeitskrisen der Politik und der Staaten brächten zwar Probleme mit sich – dennoch seien sie in positivem Sinne als Chancen zur Besinnung und Neuevangelisierung zu verstehen. Natürlicher Hort der Neuevangelisierung sei die Familie, die von der Kirche, der Politik und der Gesellschaft geschützt werden müsse. Aber auch die Pfarreien und alle Formen geweihten Lebens seien ein wichtiges Instrument der Verkündigung. Die Spiritualität und das totale Aufgehen in der Botschaft Gottes, die Priester und Ordensleute vorlebten, seien die Wegweiser zu einem Leben, das über das Leben auf der Erde hinausweise und Vorbild für alle sein könne. Die Neuevangelisierung werde aber auch im ständigen weltweiten und interkulturellen Dialog sichtbar: Mit der Kultur selbst, so die Bischöfe in ihrer Botschaft, die eine neue Allianz von Glauben und Vernunft benötige, mit der Erziehung, die für die ganzheitliche Bildung der Person zuständig sei, mit den sozialen Kommunikationsmitteln, die neue Möglichkeiten böten, das Herz der Menschen zu erreichen, sowie mit der Wissenschaft, die eine Verbündete des Menschen sein könne, sofern sie ihn nicht auf rein materialistische Weise betrachte.
   Ein Absatz des Dokumentes ist auch Europa gewidmet. Zwar sei auf diesem Kontinent gerade im vergangenen Jahrhundert ein Nährboden für Regime und Ideologien entstanden, die sich von Gott und dem Menschen Feind seien, so die Synodalen. Doch andererseits sei hier eine humanistische Kultur zu Hause, die der Menschenwürde und dem Gemeinwohl ein Gesicht gebe – die aktuellen Probleme dürften die Christen deshalb nicht entmutigen, sondern müssten als Aufforderung für einen immer größeren Einsatz gesehen werden. Die Synodenväter betonen ihre Nähe zu wiederverheiratet Geschiedenen. Sie hätten einen Platz in der Kirche, auch wenn sie nicht zur Kommunion zugelassen seien.
   An diesem Freitagabend wird den Synodenvätern auch die Schlussfassung ihrer einiger Dutzend „propositiones“, zu Deutsch Vorschläge, für eine neue Evangelisierung vorgestellt. Hier finden Sie einige Auszüge aus der Synodenbotschaft in unserer eigenen Übersetzung.
   „Es gibt keinen Menschen, der sich nicht irgendwann einmal im Leben wie die Samariterin (im Johannes- Evangelium) mit einem leeren Krug an einem Brunnen einfindet – in der Hoffnung, die tiefste Sehnsucht des Herzens zu stillen und den vollen Sinn seiner Existenz zu finden. Wie Jesus am Jakobsbrunnen will sich auch die Kirche heute neben die Männer und Frauen unserer Zeit setzen, um den Herrn in ihrem Leben präsent zu machen, damit sie ihn finden können, denn nur er ist das Wasser, das wahres und ewiges Leben gibt.
   Die Menschen unserer Zeit zu Jesus zu führen, zur Begegnung mit ihm, ist eine dringende Aufgabe, die alle Regionen der Welt betrifft. Überall gibt es die Notwendigkeit, einen Glauben wieder zu beleben, der in einigen kulturellen Umfeldern verdunkelt zu werden droht. Es geht nicht darum, alles noch mal von vorne zu machen, sondern mitzugehen auf dem langen Weg der Verkündigung des Evangeliums von den ersten Jahrhunderten der christ- lichen Ära bis heute. Die neuen sozialen und kulturellen Szenarien verlangen von uns etwas Neues: unsere gemeinsame Erfahrung des Glaubens und der Verkündigung auf eine erneuerte Weise zu leben.
   Der Glaube steht und fällt mit der Beziehung, die wir zu Jesus aufbauen. Er ist es, der uns als erster entgegenkommt. Wir sollten kirchliche Erfahrungen konkret zugänglich machen und noch mehr Brunnen anbieten, wo die Menschen unserer Zeit ihren Durst löschen können.“
   Konkret fordert die Botschaft der Synodenväter zu Umkehr der Christen, mehr Bibellektüre, Einsatz neuer Medien und Kommunikationswege sowie zur Rückbesinnung auf die Glaubensweitergabe in der Familie auf.
   „Neuevangelisierung ist nicht die Aufgabe von jemand Bestimmtem in der Kirche, sondern der ganzen kirchlichen Gemeinschaft. Wir sehen mit Freude die Präsenz so vieler Männer und Frauen, die mit ihrem Leben mitten in der Welt Zeichen werden für das Evangelium. Wir sehen diese Menschen auch unter unseren Mitchristen, mit denen wir leider noch nicht in voller Einheit stehen.“
   Die Botschaft der Synodenväter betont die Wichtigkeit des Gesprächs zwischen Glaube und Kultur sowie des interreligiösen Dialogs. Das Zweite Vatikanische Konzil müsse gänzlich umgesetzt werden, dazu sei im Jahr des Glaubens, mit dem Weltkatechismus in Reichweite, eine gute Gelegenheit. Neue Evangelisierung sei nur dann „authentisch“, wenn sie den Armen und Benachteiligten nahe sei. Manchmal könne es unterwegs scheinen, als gehe man durch eine Wüste; doch Jesus sei mit auf dem Weg. RV121026sk

ep-aepHeinerKochBerlin-ZZ

Bischof Heiner Koch Foto ist neuer Erzbischof von Berlin

   Papst Franziskus hat an diesem Montag den Dresdner Bischof Heiner Koch zum neuen Erzbischof von Berlin ernannt. Die Ernennung wurde vom  Vatikan und dem Bistum Dresden-Meißen zeitgleich bekanntgegeben. Der 60 Jahre alte Rheinländer wird somit der Nachfolger von Kardinal Rainer Maria Woelki, der nach Köln wechselte. Bischof Koch ist seit Kurzem Vorsitzender der Kommission Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz und war einst wie Woelki Weihbischof im Erzbistum Köln. Bis Ende August leitet Koch das Bistum Dresden-Meißen noch übergangsweise; sein Amtsantritt in Berlin ist frühestens im September geplant.
„In Berlin gibt es viel zu gestalten“
   Bischof Koch nahm die Wahl zum Erzbischof von Berlin „aus freiem Herzen und mit innerer Glaubensüberzeugung“ an. „Es war der eindeutige Wille des Heiligen Vaters, und hier war mein priesterlicher Gehorsam an der Reihe“, sagte er am Montag in Dresden. Er gehe schweren Herzens aus dem Bistum Dresden-Meißen weg, freue sich aber auf die neue Aufgabe: „In Berlin gibt es viel zu gestalten, vieles ist noch unklar, Strukturen, Architektur.“
   Koch betonte, dass er sich im Bistum Dresden-Meißen „nicht aus der Verantwortung stehle“. Mit Blick auf die Kritik seiner ostdeutschen Amtsbrüder am raschen Bischofswechsel sagte er:  „Schnelle Wechsel finde ich auch fragwürdig, aber ich bleibe im Osten und werde als Berliner Metropolit dazu beitragen, dass die ostdeutschen Anliegen eine gewichtige Stimme in der Deutschen Bischofskonferenz erhalten.“ Als Erzbischof hat Koch bestimmte Leitungsfunktionen in der Berliner Kirchenprovinz, der auch die Diözesen Dresden-Meißen und Görlitz angehören.
   Koch erklärte, er habe bei der vatikanischen Bischofskongregation darum gebeten, dass der Dresdner Bischofsstuhl schnell wieder besetzt werde: „Das hat man mir dort auch zugesichert.“ Dresdens Domdekan Klemens Ullmann erklärte, das Domkapitel werde noch im Juni dem Apostolischen Nuntius in Berlin, Erzbischof Nikola Eterovic, Vorschläge für einen Nachfolger unterbreiten.
Werdegang
   Koch studierte an der Universität Bonn Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaft und beendete das Studium mit dem Staatsexamen in Erziehungswissenschaft und der Promotion zum Doktor der Theologie. Seine Promotionsarbeit hatte den Titel „Befreiung zum Sein als Grundperspektive christlicher Religionspädagogik“. Mit bereits 26 Jahren wurde er im Kölner Dom zum Priester geweiht und arbeitete mit Schwerpunkt in der Seelsorge für Jugendliche. 1992 wurde Koch zum Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, im Oktober 2002 zum stellvertretenden Generalvikar ernannt. 1993 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum „Kaplan seiner Heiligkeit“, 1996 zum Päpstlichen Ehrenprälaten.
   Seit Februar 2010 ist Bischof Heiner Koch als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Katholische Deutsche Auslandsseelsorge zuständig. Seit März 2014 ist er bischöflicher Beauftragter für das Osteuropahilfswerk der katholischen Kirche Renovabis und gehört in der DBK der Migrantenkommission und der Kommission Weltkirche an.  Als Rheinländer fühlt sich Bischof Koch dem Karneval verpflichtet und trägt viele Ehrungen der Rheinischen Karnevalisten. So war er Regimentsbischof der Prinzengarde Köln und ist Ehrenmitglied der Prinzengarden Düsseldorf und Schanghai.
   Für den Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften – mit rund 300.000 Mitgliedern einer der starken kirchlichen Verbände – war Koch seit 1995 als Bundespräses zuständig. Dieser Bund wurde 1928 gegründet und 1936 durch die Nationalsozialisten verboten. Die Neugründung erfolgte 1948. Im Jahr 2000 wurde der Bund als katholische Vereinigung anerkannt. Er ist der Dachverband von rund 250.000 Schützen in 1.300 Bruderschaften aus den Diözesen Aachen, Essen, Köln, Münster, Paderborn und Trier.  Rv150608no

kk-HediwgskathedraleBerlin-ZZ

Umbau der Hedwigskathedrale ungewiss - Foto: Umbaumodell der Hedwigskathedrale in Berlin  

   Nach dem Wechsel des früheren Erzbischofs Kardinal Rainer Maria Woelki nach Köln sei er „nicht sicher, ob der vorliegende Entwurf umgesetzt wird“. Das sagte der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich in der Hauptstadt. Abzuwarten sei, wie der künftige Erzbischof darüber entscheide, so Heinrich bei einer Buchvorstellung in der Katholischen Akademie. Woelki hatte das Sanierungsvorhaben nachdrücklich gefördert und dazu einen Architektenwettbewerb ausgelobt.
   Der vorliegende Entwurf für den Umbau der Kathedrale erhielt beim Architektenwettbewerb den ersten Platz und Woelkis Zustimmung. Er sieht eine grundlegende Neugestaltung des Innenraums vor. Umstritten ist vor allem der Plan, die zentrale Bodenöffnung mit Freitreppe zur Unterkirche wieder zu schließen. Sie wurde beim Wiederaufbau nach Bombenschäden des Zweiten Weltkriegs 1963 angelegt. Denkmalschützer sehen in dem Vorhaben die Zerstörung eines Baudenkmals.
   Heinrich betonte, es gebe keine Diskussion darüber, dass die Kathedrale renovierungsbedürftig sei. Für den künftigen Berliner Erzbischof sei es jedoch „eine ganz schwierige Situation“, weil bereits ein Umbauentwurf „auf dem Tisch liegt“. Allein die Sanierung der Bischofskirche werde „schon teuer genug“. Nach Angaben des Erzbistums liegen die Kosten im Millionenbereich, sind aber noch nicht genauer zu beziffern. rv141206sk

KK-ThomasSternberg-ZdK-Zx     Thomas Sternberg ist neuer ZdK Präsident 

Neuer Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ist Thomas Sternberg. Der Münsteraner löst Alois Glück an der Spitze des höchsten Gremiums der katholischen Laien in Deutschland ab. Der 63-Jährige wurde am Freitag auf der Herbstvollversammlung des Zentralkomitees in Bonn für zwei Jahre gewählt. Glück hatte wie angekündigt sein Amt nach sechs Jahren niedergelegt. Sternberg setzte sich bei der Wahl gegen die Parlamentarische Staatssekretärin des Bundeslandwirtschaftsministerium, Maria Flachsbarth, durch. „Ich stehe hier vor einer veritablen Überraschung“, so die erste Reaktion des neu Gewählten. Seine Konkurrentin Flachsbarth hatte zuvor als Favoritin gegolten.
Seit 2005 ist Sternberg CDU-Abgeordneter im nordrhein-westfälischen Landtag. Außerdem leitet er seit 1988 in Münster die Katholisch-Soziale Akademie Franz Hitze Haus. An der Münsteraner Universität ist er zudem Honorarprofessor für Kunst und Liturgie. Sternberg stammt aus dem sauerländischen Lennestadt-Grevenbrück.
Die Herbstvollversammlung des Katholikenkomitees begann mit einem Gedenken an die Opfer der islamistischen Terroranschläge von Paris. Die Mitglieder der Vollversammlung beteten das Vaterunser in französischer und deutscher Sprache.
Rv151120ord

Papst Benedikt XVI. besucht Deutschland: “Wo Gott ist, da ist Zukunft!”

KK-BerlinHedwisgsKathedrle- be-181z

Foto links: St.Hedwigs-Kathedrale in Berlin Foto rechts: Papst Benedikt XVI. im Wort zum Sonntag

   Zum zweiten Mal hat ein Papst ein «Wort zum Sonntag» in der ARD gesprochen. Wenige Tage vor seiner Deutschlandreise betonte Papst Benedikt XVI. am Samstagabend, es handele sich bei seinem Besuch nicht um religiösen Tourismus oder gar eine Show. Es gehe darum, «dass Gott wieder in unser Blickfeld tritt, der so oft ganz abwesende Gott, dessen wir doch so sehr bedürfen».  >  Vorhof der Völker
   Benedikt XVI. betonte, er freue sich insbesondere auf Berlin, die Rede im Bundestag und den großen Gottes- dienst im Olympiastadion. Auch die Begegnung mit der Spitze der evangelischen Kirche im  Augustinerkloster in Erfurt, wo Luther seinen Weg begonnen habe, werde ein Höhepunkt der Reise sein.
   «Wir erwarten keine Sensationen», dämpfte der Papst zugleich Erwartungen. «Das eigentlich Große daran ist eben dies, dass wir miteinander an diesem Ort denken, das Wort Gottes hören und beten, und so inwendig beieinander sind und sich wahrhaft Ökumene ereignet.» Das Kirchenoberhaupt würdigte auch die Menschen im thüringischen Eichsfeld, die «durch alle Verwirrungen der Geschichte hindurch katholisch geblieben» seien.
   Benedikt XVI. appellierte an die Deutschen, sensibler für Gottes Wort zu werden. «Wir müssen die Wahrnehmungsfähigkeit für Gott, die in uns da ist, wieder neu entwickeln», sagte er. Die Größe Gottes sei etwa in der Größe des Kosmos, in den Worten der Bibel und in Begegnungen mit Menschen erfahrbar, die von Gott angerührt worden seien.
   Schon 1987 hatte Papst Johannes Paul II. erstmals das «Wort zum Sonntag» gesprochen. Benedikt XVI. besucht von Donnerstag bis Sonntag die Erzbistümer Berlin und Freiburg sowie das Bistum Erfurt.
Die Rede im Wortlaut:
«Verehrte Damen und Herren, liebe Landsleute!
  In wenigen Tagen werde ich zu meiner Reise nach Deutschland aufbrechen, und ich freue mich schon darauf. Ich freue mich besonders auf Berlin, wo es viele Begegnungen geben wird, und freue mich besonders natürlich auf die Rede im Bundestag und auf den großen Gottesdienst, den wir im Olympiastadion feiern dürfen.
   Ein Höhepunkt der Reise wird Erfurt sein: Im Augustinerkloster, in der Augustinerkirche, in der Luther seinen Weg begonnen hat, darf ich mich mit Vertretern der Evangelischen Kirche Deutschlands treffen. Wir werden dort miteinander beten, auf das Wort Gottes hören, miteinander denken und noch sprechen. Wir erwarten keine Sensationen. Das eigentlich Große daran ist eben dies, dass wir miteinander an diesem Ort denken, das Wort Gottes hören und beten, und so inwendig beieinander sind und sich wahrhaft Ökumene ereignet.
   Etwas Besonderes ist für mich die Begegnung mit dem Eichsfeld, diesem kleinen Landstrich, der durch alle Verwirrungen der Geschichte hindurch katholisch geblieben ist; und dann der Südwesten Deutschlands, mit Freiburg, der großen Stadt, mit vielen Begegnungen, die dort sein werden, besonders mit einer Vigil für die Jugend, mit dem großen Gottesdienst, der die Reise abschließt.
   All dies ist nicht religiöser Tourismus, und noch weniger eine Show. Worum es geht, sagt das Leitwort dieser Tage: 'Wo Gott ist, da ist Zukunft.' Es soll darum gehen, dass Gott wieder in unser Blickfeld tritt, der so oft ganz abwesende Gott, dessen wir doch so sehr bedürfen.
        Sie werden mich vielleicht fragen: 'Gibt es Gott überhaupt? Und wenn es ihn gibt, befasst er sich überhaupt mit uns? Können wir bis zu ihm vordringen?' Nun, es ist wahr: Wir können Gott nicht auf den Tisch legen, wir können nicht wie ein Gerät ihn anrühren oder wie irgendeine Sache in die Hand nehmen. Wir müssen die Wahrnehmungsfähigkeit für Gott, die in uns da ist, wieder neu entwickeln. In der Größe des Kosmos können wir etwas ahnen von der Größe Gottes. Wir können die Welt technisch nützen, weil sie rational gebaut ist. In dieser großen Rationalität der Welt ahnen wir etwas von dem Schöpfergeist, von dem sie kommt, und wir können in der Schönheit der Schöpfung doch etwas von der Schönheit, Größe und auch von der Güte Gottes sehen. Wir können im Wort der Heiligen Schrift Worte ewigen Lebens hören, die nicht einfach nur von Menschen kommen, sondern die von Ihm herkommen, in denen wir Seine Stimme hören. Und endlich, in der Begegnung mit Menschen, die von Gott ange- rührt worden sind, sehen wir gleichsam Gott. Ich denke nicht nur an die Großen: von Paulus über Franz von Assisi bis zu Mutter Theresa; sondern an die vielen einfachen Menschen, von denen niemand spricht. Und doch,  wenn wir ihnen begegnen, geht von ihnen etwas von Güte, von Lauterkeit, von Freude aus, dass wir wissen, da ist Gott, und dass er uns anrührt. Darum wollen wir uns in diesen Tagen mühen, dass wir Gott wieder zu Gesicht bekommen, dass wir selber Menschen werden, von denen ein Licht der Hoffnung in die Welt hereintritt,  das Licht von Gott her ist und uns leben hilft."

be-173xbe-177z

Vor dem Staatsbesuch in Deutschland schöpft der Papstes Kraft aus dem Psalm 3

  Es war die erste Generalaudienz nach den Sommerferien, die wieder auf dem Petersplatz in Rom stattfand. Bei strahlendem Sonnenschein und unter vielen vor allem lateinamerikanischen Klängen empfing der Papst wieder tausende von Gläubigen. In seiner Katechese setzte Benedikt XVI. seine Reihe über das Beten fort. War er vor dem Sommer vor allem auf alttestamentliche Gestalten eingegangen, befasste er sich an diesem Mittwoch mit „dem Gebetbuch schlechthin“ der Bibel, dem Buch der Psalmen, genauer: Psalm 3, gleichzeitig ein Hilferuf und Ausdruck des Vertrauens in Gott:

Psalm 3:
1
[Ein Psalm Davids, als er vor seinem Sohn Abschalom floh.]
2 Herr, wie zahlreich sind meine Bedränger; so viele stehen gegen mich auf.
3 Viele gibt es, die von mir sagen: „Er findet keine Hilfe bei Gott.“
4 Du aber, Herr, bist ein Schild für mich, du bist meine Ehre und richtest mich auf.
5 Ich habe laut zum Herrn gerufen; da erhörte er mich von seinem heiligen Berg.
6 Ich lege mich nieder und schlafe ein, ich wache wieder auf, denn der Herr beschützt mich.
7 Viele Tausende von Kriegern fürchte ich nicht, wenn sie mich ringsum belagern.
8 Herr, erhebe dich, mein Gott, bring mir Hilfe!
Denn all meinen Feinden hast du den Kiefer zerschmettert, hast den Frevlern die Zähne zerbrochen.
9 Beim Herrn findet man Hilfe. Auf dein Volk komme dein Segen!

„Nach der Überlieferung soll Hintergrund dieses Psalms die Flucht Davids vor seinem Sohn Abschalom sein, als dieser den Königsthron an sich reißen wollte. Der Psalmist klagt über die große Gefahr und die Überzahl der Feinde. Er steht allein gegenüber einer großen Übermacht. Aber nicht nur Unheil und Tod drohen ihm; sondern die Feinde versuchen auch, den Glauben auszureden, zu sagen: ‚Gott kann dir gar nicht helfen, will dir nicht helfen’. Doch der Beter lässt sich in seiner innersten Versuchung nicht besiegen. Er bleibt bei seinem Vertrauen an Gott und spricht ganz persönlich zu ihm: ‚Du aber, Herr, bist ein Schild für mich, du bist meine Ehre und richtest mich auf’ Vers 4.
   Der Hilfeschrei des Beters werde aufgefangen im Glauben an die Nähe Gottes und an seine Hilfe, so der Papst weiter. Diese falle allerdings nicht immer so aus, wie wir uns das wünschten. Ein Beispiel hierfür sei der Herr am Kreuz.
   „Das Entscheidende am Gebet ist eben, dass wir uns nicht die Nähe Gottes ausreden lassen, dass wir uns den Glauben nicht zertrampeln lassen von der Übermacht dessen, was uns entgehen steht. Sondern dass wir gerade inmitten dessen, was gegen Gott und gegen uns steht beim Glauben an ihn bleiben. Dann erfahren wir, dass er der Stärkere ist. Dann wird es so sein, wie im Psalm, dass man zum Schluss gar nicht mehr an die Vielen denkt, sondern nur noch an den Einen: ‚Du bist meine Hilfe und mein Heil’. Von ihm her findet er den inneren Frieden und die Ruhe. Inmitten von Gefahr und Not kann er sich vertrauensvoll Gott überlassen. Er weiß und wir wissen im Glauben: ‚Beim Herrn finden wir Hilfe’ Vers 9.“
   Aus dieser Haltung heraus finde der Beter Frieden und Ruhe, auch der Beter heute, so der Papst. Die Zuversicht gilt nicht nur dem Psalmisten damals, sondern auch uns.
   „Das Gebet der Psalmen öffnet unser Herz der tröstlichen Gewissheit des Glaubens: Gott ist da, Gott ist immer nahe, auch in den Schwierigkeiten, Problemen und Dunkelheiten des Lebens. Wir müssen lernen, seine Gegenwart zu erkennen und seine Wege anzunehmen. So soll dieser Psalm uns ermutigen darum zu bitten, dass der Herr uns Glauben schenke, uns fähig mache, zu jeder Zeit zu beten und im Vertrauen auf ihn zu leben und so wirkliches Leben zu finden. Gott segne euch alle.“ RV110907ord

dd-B-Bundestag-z dd-B-Bundestag-2z

Der Papst vor dem Bundestag: dd-B-Bundestag-x

Ein staatsmännisches Plädoyer für Gerechtigkeit und ethisches Bewusstsein in Politik und Gesellschaft.

   Mit Spannung ist sie erwartet worden, die Rede von Papst Benedikt XVI. vor dem deutschen Bundestag. Vor den Abgeordneten hat der Papst dann auch gleich zu Beginn seiner Rede festgehalten, dass er als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt, sprechen wird. Was dann folgte, war ein staatsmännisches Plädoyer für Gerechtigkeit und ethisches Bewusstsein in Politik und Gesellschaft. Vor allem die Fähigkeit, das Gute vom Bösen zu unterscheiden, müsse für einen Politiker einen größeren Stellenwert besitzen als Macht, Erfolg und materieller Gewinn. In diesem Zusammenhang sprach der Papst die dunklen Jahre der jüngeren deutschen Geschichte an:

Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Herr Bundestagspräsident! Frau Bundeskanzlerin!
Herr Bundesratspräsident! Meine Damen und Herren Abgeordnete!
   Es ist mir Ehre und Freude, vor diesem Hohen Haus zu sprechen – vor dem Parlament meines deutschen Vater- landes, das als demokratisch gewählte Volksvertretung hier zusammenkommt, um zum Wohl der Bundesrepublik Deutschland zu arbeiten. Dem Herrn Bundestagspräsidenten möchte ich für seine Einladung zu dieser Rede ebenso danken wie für die freundlichen Worte der Begrüßung und Wertschätzung, mit denen er mich empfangen hat. In dieser Stunde wende ich mich an Sie, verehrte Damen und Herren – gewiss auch als Landsmann, der sich lebenslang seiner Herkunft verbunden weiß und die Geschicke der deutschen Heimat mit Anteilnahme verfolgt. Aber die Einladung zu dieser Rede gilt mir als Papst, als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt. Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt. Von dieser meiner internationalen Verantwortung her möchte ich Ihnen einige Gedanken über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats vorlegen.
   Lassen Sie mich meine Überlegungen über die Grundlagen des Rechts mit einer kleinen Geschichte aus der Heiligen Schrift beginnen. Im ersten Buch der Könige wird erzählt, dass Gott dem jungen König Salomon bei seiner Thronbesteigung eine Bitte freistellte. Was wird sich der junge Herrscher in diesem wichtigen Augenblick erbitten? Erfolg – Reichtum – langes Leben – Vernichtung der Feinde? Nicht um diese Dinge bittet er. Er bittet: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht“ 1 Kön 3,9. Die Bibel will uns mit dieser Erzählung sagen, worauf es für einen Politiker letztlich ankommen muss. Sein letzter Maßstab und der Grund für seine Arbeit als Politiker darf nicht der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein. Die Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grundvoraussetzung für Friede schaffen. Natürlich wird ein Politiker den Erfolg suchen, der ihm überhaupt die Möglichkeit politischer Gestaltung eröffnet. Aber der Erfolg ist dem Maßstab der Gerechtigkeit, dem Willen zum Recht und dem Verstehen für das Recht untergeordnet. Erfolg kann auch Verführung sein und kann so den Weg auftun für die Verfälschung des Rechts, für die Zerstörung der Gerechtigkeit. „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande“, hat der heilige Augustinus einmal gesagt. Wir Deutsche wissen es aus eigener Erfahrung, dass diese Worte nicht ein leeres Schreckgespenst sind. Wir haben erlebt, dass Macht von Recht getrennt wurde, dass Macht gegen Recht stand, das Recht zertreten hat und dass der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung wurde – zu einer sehr gut organisierten Räuberbande, die die ganze Welt bedrohen und an den Rand des Ab- grunds treiben konnte. Dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren ist und bleibt die grund- legende Aufgabe des Politikers. In einer historischen Stunde, in der dem Menschen Macht zugefallen ist, die bisher nicht vorstellbar war, wird diese Aufgabe besonders dringlich. Der Mensch kann die Welt zerstören. Er kann sich selbst manipulieren. Er kann sozusagen Menschen machen und Menschen vom Menschsein ausschließen. Wie erkennen wir, was recht ist?  Wie können  wir zwischen Gut und Böse, zwischen wahrem Recht und Scheinrecht unterscheiden? Die salomonische Bitte bleibt die entscheidende Frage, vor der der Politiker und die Politik auch heute stehen.
   In einem Großteil der rechtlich zu regelnden Materien kann die Mehrheit ein genügendes Kriterium sein. Aber dass in den Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit geht, das Mehrheitsprinzip nicht ausreicht, ist offenkundig: Jeder Verantwortliche muss sich bei der Rechtsbildung die Kriterien seiner Orientierung suchen. Im 3. Jahrhundert hat der große Theologe Origenes den Widerstand der Christen gegen bestimmte geltende Rechtsordnungen so begründet: „Wenn jemand sich bei den Skythen befände, die gottlose Gesetze haben, und gezwungen wäre, bei ihnen zu leben …, dann würde er wohl sehr vernünftig handeln, wenn er im Namen des Gesetzes der Wahrheit, das bei den Skythen ja Gesetzwidrigkeit ist, zusammen mit Gleichgesinnten auch entgegen der bei jenen bestehenden Ordnung Vereinigungen bilden würde …“
   Von dieser Überzeugung her haben die Widerstandskämpfer gegen das Naziregime und gegen andere totalitäre Regime gehandelt und so dem Recht und der Menschheit als ganzer einen Dienst erwiesen. Für diese Menschen war es unbestreitbar evident, dass geltendes Recht in Wirklichkeit Unrecht war. Aber bei den Entscheidungen eines demokratischen Politikers ist die Frage, was nun dem Gesetz der Wahrheit entspreche, was wahrhaft recht sei und Gesetz werden könne, nicht ebenso evident. Was in Bezug auf die grundlegenden anthropologischen Fragen das Rechte ist und geltendes Recht werden kann, liegt heute keineswegs einfach zutage. Die Frage, wie man das wahrhaft Rechte erkennen und so der Gerechtigkeit in der Gesetzgebung dienen kann, war nie einfach zu beantworten, und sie ist heute in der Fülle unseres Wissens und unseres Könnens noch sehr viel schwieriger geworden.
   Wie erkennt man, was recht ist? In der Geschichte sind Rechtsordnungen fast durchgehend religiös begründet worden: Vom Blick auf die Gottheit her wird entschieden, was unter Menschen rechtens ist. Im Gegensatz zu anderen großen Religionen hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht, eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben. Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt. Die christlichen Theologen haben sich damit einer philosophischen und juristischen Bewegung angeschlossen, die sich seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. gebildet hatte. In der ersten Hälfte des 2. vorchristlichen Jahrhunderts kam es zu einer Begegnung zwischen dem von stoischen Philosophen entwickelten sozialen Naturrecht und verantwortlichen Lehrern des römischen Rechts. In dieser Berührung ist die abendländische Rechtskultur geboren worden, die für die Rechtskultur der Menschheit von entscheidender Bedeutung war und ist. Von dieser vorchristlichen Verbindung von Recht und Philosophie geht der Weg über das christliche Mittelalter in die Rechtsentfaltung der Aufklärungszeit bis hin zur Erklärung der Menschenrechte und bis zu unserem deutschen Grundgesetz, mit dem sich unser Volk 1949 zu den „unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt“ bekannt hat.
   Für die Entwicklung des Rechts und für die Entwicklung der Humanität war es entscheidend, dass sich die christlichen Theologen gegen das vom Götterglauben geforderte religiöse Recht auf die Seite der Philosophie gestellt, Vernunft und Natur in ihrem Zueinander als die für alle gültige Rechtsquelle anerkannt haben. Diesen Entscheid hatte schon Paulus im Brief an die Römer vollzogen, wenn er sagt:„Wenn Heiden, die das Gesetz (die Tora Israels) nicht haben, von Natur aus das tun, was im Gesetz gefordert ist, so sind sie …sich selbst Gesetz. Sie zeigen damit, dass ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist;  ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab …“ Röm 2, 14f. Hier erscheinen die beiden Grundbegriffe Natur und Gewissen, wobei Gewissen nichts anderes ist als das hörende Herz Salomons, als die der Sprache des Seins geöffnete Vernunft. Wenn damit bis in die Zeit der Auf- klärung, der Menschenrechtserklärung nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Gestaltung unseres Grundgesetzes die Frage nach den Grundlagen der Gesetzgebung geklärt schien, so hat sich im letzten halben Jahrhundert eine dramatische Veränderung der Situation zugetragen. Der Gedanke des Naturrechts gilt heute als eine katholische Sonderlehre, über die außerhalb des katholischen Raums zu diskutieren nicht lohnen würde, so dass man sich schon beinahe schämt, das Wort überhaupt zu erwähnen. Ich möchte kurz andeuten, wieso diese Situation ent- standen ist. Grundlegend ist zunächst die These, dass zwischen Sein und Sollen ein unüberbrückbarer Graben bestehe. Aus Sein könne kein Sollen folgen, weil es sich da um zwei völlig verschiedene Bereiche handle. Der Grund dafür ist das inzwischen fast allgemein angenommene positivistische Verständnis von Natur und Vernunft. Wenn man die Natur – mit den Worten von H. Kelsen – als „ein Aggregat von als Ursache und Wirkung mitein- ander verbundenen Seinstatsachen“ ansieht, dann kann aus ihr in der Tat keine irgendwie geartete ethische Wei- sung hervorgehen. Ein positivistischer Naturbegriff, der die Natur rein funktional versteht, so wie die Naturwissen- schaft sie erklärt, kann keine Brücke zu Ethos und Recht herstellen, sondern wiederum nur funktionale Antworten hervorrufen. Das gleiche gilt aber auch für die Vernunft in einem positivistischen, weithin als allein wissenschaftlich angesehenen Verständnis. Was nicht verifizierbar oder falsifizierbar ist, gehört danach nicht in den Bereich der Vernunft im strengen Sinn. Deshalb müssen Ethos und Religion dem Raum des Subjektiven zugewiesen werden und fallen aus dem Bereich der Vernunft im strengen Sinn des Wortes heraus. Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewusstsein weithin der Fall –, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt. Dies ist eine dramatische Situation, die alle angeht und über die eine öffentliche Diskussion notwendig ist, zu der dringend einzuladen eine wesentliche Absicht dieser Rede ist.
   Das positivistische Konzept von Natur und Vernunft, die positivistische Weltsicht als Ganzes ist ein großartiger Teil menschlichen Erkennens und menschlichen Könnens, auf die wir keinesfalls verzichten dürfen. Aber es ist nicht selbst als Ganzes eine dem Menschsein in seiner Weite entsprechende und genügende Kultur. Wo die positivistische Vernunft sich allein als die genügende Kultur ansieht und alle anderen kulturellen Realitäten in den Status der Subkultur verbannt, da verkleinert sie den Menschen, ja sie bedroht seine Menschlichkeit. Ich sage das gerade im Hinblick auf Europa, in dem weite Kreise versuchen, nur den Positivismus als gemeinsame Kultur und als gemeinsame Grundlage für die Rechtsbildung anzuerkennen, alle übrigen Einsichten und Werte unserer Kultur in den Status einer Subkultur verwiesen und damit Europa gegenüber den anderen Kulturen der Welt in einen Status der Kulturlosigkeit gerückt und zugleich extremistische und radikale Strömungen herausgefordert werden. Die sich exklusiv gebende positivistische Vernunft, die über das Funktionieren hinaus nichts wahrnehmen kann, gleicht den Betonbauten ohne Fenster, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, beides nicht mehr aus der weiten Welt Gottes beziehen wollen. Und dabei können wir uns doch nicht verbergen, dass wir in dieser selbstgemachten Welt im stillen doch aus den Vorräten Gottes schöpfen, die wir zu unseren Produkten umgestalten. Die Fenster müssen wieder aufgerissen werden, wir müssen wieder die Weite der Welt, den Himmel und die Erde sehen und all dies recht zu gebrauchen lernen.
   Aber wie geht das? Wie finden wir in die Weite, ins Ganze? Wie kann die Vernunft wieder ihre Größe finden, ohne ins Irrationale abzugleiten? Wie kann die Natur wieder in ihrer wahren Tiefe, in ihrem Anspruch und mit ihrer Weisung erscheinen? Ich erinnere an einen Vorgang in der jüngeren politischen Geschichte, in der Hoffnung, nicht allzusehr missverstanden zu werden und nicht zu viele einseitige Polemiken hervorzurufen. Ich würde sagen, dass das Auftreten der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er Jahren zwar wohl nicht Fenster aufgerissen hat, aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen ist und bleibt, den man nicht überhören darf und nicht beiseite schieben kann, weil man zu viel Irrationales darin findet. Jungen Menschen war bewusst geworden, dass irgend etwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt. Dass Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern dass die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen. Es ist wohl klar, dass ich hier nicht Propaganda für eine bestimmte politische Partei mache – nichts liegt mir ferner als dies. Wenn in unserem Umgang mit der Wirklichkeit etwas nicht stimmt, dann müssen wir alle ernstlich über das Ganze nach- denken und sind alle auf die Frage nach den Grundlagen unserer Kultur überhaupt verwiesen. Erlauben Sie mir, bitte, dass ich noch einen Augenblick bei diesem Punkt bleibe. Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten. Wir müssen auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten. Ich möchte aber nachdrücklich einen Punkt noch ansprechen, der nach wie vor weitgehend ausgeklammert wird: Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.
   Kehren wir zurück zu den Grundbegriffen Natur und Vernunft, von denen wir ausgegangen waren. Der große Theoretiker des Rechtspositivismus, Kelsen, hat im Alter von 84 Jahren – 1965 – den Dualismus von Sein und Sollen aufgegeben. Er hatte gesagt, dass Normen nur aus dem Willen kommen können. Die Natur könnte folglich Normen nur enthalten, wenn ein Wille diese Normen in sie hineingelegt hat. Dies wiederum würde einen Schöpfergott voraussetzen, dessen Wille in die Natur miteingegangen ist. „Über die Wahrheit dieses Glaubens zu diskutieren, ist völlig aussichtslos“, bemerkt er dazu. Wirklich? – möchte ich fragen. Ist es wirklich sinnlos zu bedenken, ob die objektive Vernunft,  die sich in der Natur zeigt,  nicht eine schöpferische Vernunft, einen Creator Spiritus voraussetzt?
   An dieser Stelle müsste uns das kulturelle Erbe Europas zu Hilfe kommen. Von der Überzeugung eines Schöpfergottes her ist die Idee der Menschenrechte, die Idee der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, die Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde in jedem einzelnen Menschen und das Wissen um die Verantwortung der Menschen für ihr Handeln entwickelt worden. Diese Erkenntnisse der Vernunft bilden unser kulturelles Gedächtnis. Es zu ignorieren oder als bloße Vergangenheit zu betrachten, wäre eine Amputation unserer Kultur insgesamt und würde sie ihrer Ganzheit berauben. Die Kultur Europas ist aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom – aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Diese dreifache Begegnung bildet die innere Identität Europas. Sie hat im Bewusstsein der Verantwortung des Menschen vor Gott und in der Anerkenntnis der unantastbaren Würde des Menschen, eines jeden Menschen Maßstäbe des Rechts gesetzt, die zu verteidigen uns in unserer historischen Stunde aufgegeben ist.
   Dem jungen König Salomon ist in der Stunde seiner Amtsübernahme eine Bitte freigestellt worden. Wie wäre es, wenn uns, den Gesetzgebern von heute, eine Bitte freigestellt wäre? Was würden wir erbitten? Ich denke, auch heute könnten wir letztlich nichts anderes wünschen als ein hörendes Herz – die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden und so wahres Recht zu setzen, der Gerechtigkeit zu dienen und dem Frieden.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Rv110922sk

DDD-B-Olympia-z

Die Würde der Erde
   Die Erde trägt selbst ihre Würde in sich, und wir müssen ihren Weisungen folgen." Dieses Wort wird bleiben - schon allein deswegen, weil Papst Benedikt XVI., ein gelehriger Schüler der Menschenfischer von Petrus bis Johannes Paul II., darauf vertrauen kann, dass die jugendlichste politische Bewegung, die Ökologen und Grünen, es fortan weitertragen wird. Denn in dem Staat, der mit seinem ersten Grundgesetzartikel Rechtsgeschichte geschrieben und eine Rechtsgemeinschaft mit den einst von Totalitarismen unterdrückten Völkern Europas und darüber hinaus angestoßen hat, ist die Erweiterung der Menschenwürde zur Würde der Erde, ein intellektuell belebender Zug. Damit hat Benedikt gerade jenen politischen Kräften, die meinten, über Kirche (zumal die katholische) und Papsttum erhaben zu sein, ein Wort an die Hand gegeben, mit dem sie für sich werben, auch ihre Widersacher ins Unrecht setzen, dessen Verkünder sie aber nicht mehr so einfach verachten können.
   Es war angemessen, im Deutschen Bundestag, dem Ort der Volksvertretung und der Gesetzgebung, über Würde und Recht sowie deren Herkunft zu sprechen. Natürlich ist jemand, der für sich die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit in Anspruch nehmen kann, kein Staatsoberhaupt wie viele andere, die bereits im Bundestag gesprochen haben und in den nächsten Jahren sprechen werden. Der Auftritt eines geborenen Deutschen als Repräsentant eines ausländischen Staates, der in seiner Muttersprache seine Landleute auffordert, ein „hörendes Herz" zu haben, ist ein - um das Mindeste zu sagen - Jahrhundertereignis. Die Politik darauf zu verpflichten, ein „Mühen um Gerechtigkeit zu sein und so die Grundvoraussetzung für Frieden zu schaffen", kann ohnehin kein anderer weltlicher Gast, ohne anmaßend zu wirken.
   Angesichts dieser Botschaften könnte man staunen, wieso der Papst als Redner im Parlament von vornherein so viel Ablehnung hervorgerufen hat. Doch das ist im Land des religiösen und permanent politischen Protestantismus sowie des weit entfalteten Individualismus eigentlich keine Überraschung. Unter den Weghörenden sind viele, die lediglich ihre eigene Verunsicherung auf den Papst und seine Kirche abladen, um sich nicht ihre Hilflosigkeit gegenüber der Welt insgesamt eingestehen zu müssen. Wenn ihnen das hilft, dann wird gerade der Bischof von Rom Verständnis für ihre selbstentlastenden Proteste gehabt haben. FAZ110923GeorgPaulHefty

   Papst Benedikt XVI. in Erfurt -  Ökumene mit den Glaubensgemeinschaften, die aus der Reformation hervorgegangen sind > Reformation Der Papst in Berlin im Gespräch mit islamischen Theologen > Muslime & Christen

ber-Etzelsbach-z ber-Etzelsbach-1z

Der Papst im Sperrgebiet. Ausnahmezustand im katholischen Eichsfeld: Benedikt XVI. besucht eine kleine Wallfahrtskirche in der früheren DDR. Fotos: Wunderbar, dass die Wahl auf so einen kleinen Ort gefallen ist: Hunderte Gläubige stimmen sich bei der Marienvesper in Etzelsbach auf den Papstbesuch ein.

   Weihrauch liegt in der Luft, verweht von frischem Wind. Die Tür der Wallfahrtskapelle steht weit offen. Notgedrungen. Wahre Menschenmassen drängen sich im Eingangsbereich. Schon eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes sind die 200 Plätze in der frisch restaurierten Kapelle besetzt. Am Ende haben sich mehr als dreimal so viele Menschen zur Marienvesper in Etzelsbach versammelt.
   Von großer Anziehungskraft ist die Kapelle schon seit Jahrhunderten. Ein Gnadenbild verheißt Trost und Heil. Die Pieta der „schmerzhaften Muttergottes", Maria mit dem gemarterten Jesus auf dem Schoß, soll einst ein Bauer beim Pflügen gefunden haben. Nicht nur Menschen, auch Pferde werden hier seither gesegnet. Jetzt aber fällt neuer Glanz auf das alte Backsteingemäuer, das sich bescheiden hinter Linden und Kastanien in einem Tal bei dem Dorf Steinbach verbirgt: Am 23. September kommt der Papst. „Willkommen, Heiliger Vater" steht auf dem Plakat in der Dorfstraße.
   Natürlich steht der Papstbesuch auch im Zentrum der Marienvesper. Ob bei der Begrüßung, bei den Fürbitten oder beim gemeinsamen Gebet: Alles dreht sich um Benedikt XVI. In einer eingespielten Laudatio kommt der Heilige Vater sogar selbst zu Wort: „Wer glaubt, ist nie allein - im Leben nicht und auch im Sterben nicht."
   Für Christel Kinzel ist es immer noch kaum fassbar, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche bald leibhaftig hier in Etzelsbach sprechen wird. „Ich bin unwahrscheinlich glücklich und bewegt", sagt die 74-jährige Organistin, die dem Pfarrgemeinderat angehört. „Es ist einfach wunderbar, dass die Wahl auf so einen kleinen Ort gefallen ist - dass unsere Muttergottes solche Ehre erfährt."
   Die Rentnerin kann sich noch gut daran erinnern, wie es zu DDR-Zeiten war, als die Wallfahrtskapelle im Sperrgebiet lag und bei Hochzeiten Verwandte aus dem Westen ausgesperrt blieben. Damals wie heute indessen gelte der Spruch auf der Altardecke: „Hast Du ein Weh, zur Mutter geh, vertrau es ihr, so hilft sie Dir."
   Nirgendwo in den neuen Bundesländern ist solche Frömmigkeit so tief verankert wie im östlichen Teil des Eichsfelds. Rund 80 Prozent gehören hier der katholischen Kirche an, während es in Thüringen landesweit nur acht Prozent sind. Gemeindepfarrer Franz-Xaver Stubenitzky ist es daher gewöhnt, dass seine Gottesdienste gut besucht sind. So viele Menschen wie derzeit hat aber auch der 59-Jährige bei einer Vesper noch nicht gesehen. Seit sich der hohe Besuch angekündigt hat, herrscht Ausnahmezustand in der Pfarrgemeinde Steinbach. „Ich habe drei Nächte kaum geschlafen, als mir gesagt wurde, dass der Papst zu uns kommt", erzählt Stubenitzky. „Da musste man sich erst mal sortieren."
   Der Priester ist einer jener Gottesmänner, die typisch für das Eichsfeld sind. Stubenitzky ist im nahe gelegenen Heiligenstadt geboren und in einer Zeit aufgewachsen, in der die katholische Kirche in einer kirchenfernen, autoritär gelenkten Gesellschaft Wärme und Zusammenhalt vermittelte. Besonders intensiv erlebte Stubenitzky diese Stimmung, als er von 1980 bis 1988 Pfarrer der Eichsfeldgemeinde Kirchgandern war. „Das Dorf lag zwischen zwei Schutzzäunen. Da waren auf der einen Seite die Grenztruppen und Stasileute, und auf der anderen waren die katholischen Dorfbewohner, die wie eine Familie zusammengehalten haben."
   Ganz so kirchenkuschelig sei es heute nicht mehr, räumt der Pfarrer ein. Anders als zu DDR-Zeiten diene die Kirche eben nicht mehr als Zufluchtsort, und besonders unter den Jugendlichen habe sich die religiöse Bindung wie überall gelockert. „Zu den Gottesdiensten kommen auch bei uns heute nur noch halb so viele wie früher." Auch aus diesem Grund sei der Papstbesuch ein wichtiges Signal. Ganz persönlich ist es für Stubenitzky aber natürlich eine große Ehre, dass der Heilige Vater in seine Gemeinde kommt. Laut Programm wird er ihm sogar die Hand reichen. „Ich freu' mich riesig. Das ist schon was für einen kleinen Landpfarrer." Eine „Sternstunde" sei das für Etzelsbach, sagt der Priester und erläutert bewegt, dass die Pilgerwege tatsächlich sternförmig auf seine Wallfahrtskapelle zuführen.
   Stubenitzky weiß natürlich, dass die Wahl vor allem deshalb auf Etzelsbach gefallen ist, weil so viel freies Feld darum herum liegt. Denn selbstverständlich wird der Papst die geplante Marienvesper nicht in der kleinen Kapelle abhalten, sondern auf einer großen, danebenliegenden Wiese, die in den letzten Wochen zum Pilgerfeld umgestaltet wurde mit geschotterten Wegen für das Papamobil, mit Fundamenten für Altartribüne, Stände, Container, Bildschirmwände und Lautsprechertürme.
   Auch die Nähe zur drei Kilometer entfernten Autobahn war ein Pluspunkt für Etzelsbach. Beim Papstbesuch soll die A 38 drei Stunden gesperrt und als Busparkplatz genutzt werden. Die Pilger sollen sich möglichst zu Fuß nach Etzelsbach bewegen. Eine der Pilgerwanderungen, Fußwallfahrt genannt, beginnt auf niedersächsischer Seite in Duderstadt und wird von dem Hildesheimer Bischof Norbert Trelle angeführt - neun Kilometer lang.
   Selbstverständlich will auch Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU) dem Papst die Ehre erweisen. Der Besuch habe eine „historische Dimension" schwärmt Nolte. „Das ist einfach wunderbar, dass jetzt ein deutscher Papst in dieses frühere Sperrgebiet kommt."
   Werner Henning, Landrat des thüringischen Nachbarkreises Eichsfeld, hat sich seit vielen Jahren dafür eingesetzt. Schon gleich nach der Papstwahl im Jahre 2005 habe er in seinem Glückwunschschreiben eine Einladung ausgesprochen, sagt der Christdemokrat, der aus der Bürgerrechtsbewegung der DDR kommt und schon seit 1990 als Landrat im Amt ist.  Der frühere thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus habe dann die Einladung bekräftigt, als er 2006 eine Audienz beim Heiligen Vater hatte. Wie Henning lebt Althaus in der östlichen Eichsfeld- Metropole Heiligenstadt, die von drei großen Kirchen geprägt ist.
   Seit der Gegenreformation ist das Eichsfeld eine katholische Insel in einem protestantischen oder gar kirchenfernen Umfeld. Landrat Henning sieht daher in dem Papst-Besuch auch eine „Anerkennung für unsere Glaubenstreue“. Der Katholizismus im Eichsfeld hat jedoch nichts Verbohrtes: Sowohl Henning als auch Duderstadts Bügermeister Nolte begrüßen es, dass sich der Heilige Vater vor seiner Stippvisite in Etzelsbach in Erfurt mit Vertretern der evangelischen Kirche trifft. Sie hoffen auf eine Stärkung der Ökumene.
   Der örtlichen Wirtschaft scheint die religiöse Bindung jedenfalls nicht geschadet zu haben. Im Gegenteil: Die Arbeitslosenquote ist im katholischen Musterland mit sechs bis sieben Prozent deutlich niedriger als in den niedersächsischen und thüringischen Nachbarbezirken. Wichtigster Arbeitgeber ist der Duderstädter Prothesenhersteller Otto Bock, außerdem verfügt das Eichsfeld über einen stabilen Mittelstand.
   Auch der Papst-Besuch soll nicht auf Kosten der Eichsfelder gehen. Die rund 1,5 Millionen Euro, die der Landkreis in den Straßenbau investiert, erstattet das Land Thüringen, und die elf Millionen Euro, die das Bistum Erfurt einplant, sollen durch die Besucher - allein in Etzelsbach werden mindestens 70.000 erwartet - wieder eingespielt werden. Dennoch fehlt es nicht an Kritikern. Steffen Dittes, ein Mitarbeiter der Linksfraktion im Thüringer Landtag, meldete bereits für Erfurt eine Gegendemonstration an. Motto: „Heidenspaß statt Höllenangst".
   Bei der Marienvesper in Etzelsbach dagegen beten alle dafür, dass der Papstbesuch zum „Fest des Glaubens" wird. Und der Platz, an dem der Heilige Vater mit seinem Hubschrauber vom Himmel herabschweben wird, hat schon jetzt etwas von einem neuen Wallfahrtsort. HAZ110915HeinrichThies

1600 Journalisten berichten über den Papstbesuch
  
Der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland stößt auf enormes Medieninteresse. Mehr als 1600 Journalisten haben über die viertägige Reise vom 22. bis 25. September berichtet, wie die Erzdiözese Freiburg mitteilte. Die Medienresonanz zeigt nach Ansicht von Erzbischof Robert Zollitsch, dass der erste Staatsbesuch von Benedikt XVI. in seinem Heimatland „weit über die Bundesrepublik und die katholische Kirche hinaus enorme Beachtung fand". Vor dem Papstbesuch verzeichnete die Erzdiözese auch ein wachsendes Interesse an der Online- Kommunikation: So habe sich die Zahl der Seitenaufrufe im Internetportal des Erzbistums im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. HAZ110912epd

dd-B-FreiburgVigil-z

Foto: Das Licht dieser Welt: Jugendliche feiern mit Papst Benedikt eine Vigil in Freiburg

   Als der Papst mit seinem Papamobil vorfährt, ertönen die „Benedetto"-Rufe. Dann legt sich das Dunkel auf den Platz, und die etwa 30.000 Pilger erleben nur noch sich selbst und den gleißend weißen Altar, hinter den der Papst Platz nimmt. Den „ganzen Tag habe er sich auf diesen Abend" gefreut, beginnt er. „Es mag um uns herum dunkel und finster sein, und doch schauen wir ein Licht: auf Christus, der von den Toten auferstand." Jesus sage: „Ich bin das Licht der Welt." Er bringe das Leben der Menschen zum Leuchten und mache damit alle getauften Menschen zum Licht der Welt. Es sei geheimnisvoll, dass Jesu von sich und von jedem von uns das gleiche sage, nämlich: Licht zu sein. „Gott ruft euch nicht, weil ihr gut und vollkommen seid, sondern weil er gut ist und euch zu seinen Freunden machen will", sagt der Papst. Christus verlange keine „moralische Hochleistung".
   „Schon Paulus nennt die Mitglieder der Ortsgemeinde Heilige. Wie ist das Bild der Heiligen verzerrt worden. Ein Heiliger ist nicht der, der moralische Höchstleistungen vollbringt, es gibt keinen Heiligen, der nicht auch Sünden gekannt hat", sagt der Papst und warnt vor den „lauen Christen", die in der Kirche größeren Schaden anrichteten als die Gegner der Kirche. Die Warnung des Theologen Ratzinger vor der „Diktatur des Relativismus", sein Kampf gegen die „Herzverfettung des Habens und Genießens", sie sind auch hier zu spüren. „Es sind nicht unsere menschlichen Anstrengungen oder der technische Fortschritt unserer Zeit, die Licht in diese Welt bringen. Immer wieder müssen wir es ja erleben, dass unser Mühen um eine bessere und gerechtere Ordnung an seine Grenzen stößt." Die Gebetsvigil ahmt eine Ostermesse nach. Bald hält jeder Pilger eine Kerze in seiner Hand, und die Kameras filmen stimmungsvolle Bilder auf dem ziemlich profanen Messegelände. FAZ110926

dd-B-Freiburg-xxPapst Benedikt XVI.: Die Entweltlichung der Kirche

Zum Abschluss seines Besuchs hielt der Papst eine Rede im Konzerthaus in Freiburg im Breisgau.
Wir dokumentieren den Wortlaut in der Fassung, die das Presseamt des Heiligen Stuhls veröffentlichte.

Liebe Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt! Sehr geehrte Damen und Herren!
   Ich freue mich über diese Begegnung mit Ihnen, die Sie sich in vielfältiger Weise für die Kirche und für das Gemeinwesen engagieren. Dies gibt mir eine willkommene Gelegenheit, Ihnen hier persönlich für Ihren Einsatz und Ihr Zeugnis als „kraftvolle Boten des Glaubens an die zu erhoffenden Dinge" Lumen Gentium, 35 ganz herzlich zu danken. In Ihrem Arbeitsumfeld treten Sie bereitwillig für Ihren Glauben und für die Kirche ein, was in der heutigen Zeit nicht immer leicht ist.
   Seit Jahrzehnten erleben wir einen Rückgang der religiösen Praxis, stellen wir eine zunehmende Distanzierung beträchtlicher Teile der Getauften vom kirchlichen Leben fest. Es kommt die Frage auf: Muss die Kirche sich nicht ändern? Muss sie sich nicht in ihren Ämtern und Strukturen der Gegenwart anpassen, um die suchenden und zwei- felnden Menschen von heute zu erreichen?
  Die selige Mutter Teresa wurde einmal gefragt, was sich ihrer Meinung nach als Erstes in der Kirche ändern müsse. Ihre Antwort war: Sie und ich!
   An dieser kleinen Episode wird uns zweierlei deutlich. Einmal will die Ordensfrau dem Gesprächspartner sagen: Kirche sind nicht nur die anderen, nicht nur die Hierarchie, der Papst und die Bischöfe; Kirche sind wir alle, wir, die Getauften. Zum anderen geht sie tatsächlich davon aus: Ja, es gibt Anlass, sich zu ändern. Es ist Änderungsbedarf vorhanden. Jeder Christ und die Gemeinschaft der Gläubigen sind zur stetigen Änderung aufgerufen.
   Wie soll diese Änderung nun konkret aussehen? Geht es hier um eine Erneuerung. wie sie etwa ein Hausbesitzer durch die Renovierung oder den neuen Anstrich seines Anwesens durchführt? Oder geht es hier um eine Korrektur, um wieder auf Kurs zu kommen sowie schneller und geradliniger einen Weg zurückzulegen? Sicher spielen diese und andere Aspekte eine Rolle. Was die Kirche betrifft, ist das grundlegende Motiv der Änderung aber die apostolische Sendung der Jünger und der Kirche selbst.
   Dieser ihrer Sendung muss sich die Kirche nämlich immer neu vergewissern. Die drei synoptischen Evangelien lassen verschiedene Aspekte des Sendungsauftrags aufleuchten: Die Sendung gründet in der persönlichen Erfahrung: „Ihr seid meine Zeugen" Lukas 24,48; sie kommt zum Ausdruck in Beziehungen: „Macht alle Menschen zu meinen Jüngern" Matthäus 28,19; und sie gibt eine universale Botschaft weiter: „Verkündet das Evangelium allen Geschöpfen" Markus 16,15. Durch die Ansprüche und Sachzwänge der Welt wird aber immer wieder das Zeugnis verdunkelt, werden die Beziehungen entfremdet und wird die Botschaft relativiert. Wenn nun die Kirche, wie Papst Paul VI. sagt, „danach trachtet, sich selbst nach dem Typus, den Christus ihr vor Augen stellt, zu bilden, dann wird sie sich von der menschlichen Umgebung tief unterscheiden, in der sie doch lebt oder der sie sich nähert" Enzyklika Ecclesiam Suam, 60. Um ihre Sendung zu verwirklichen, wird sie immer wieder auf Distanz zu ihrer Umgebung gehen, sie hat sich gewissermaßen zu „entweltlichen".
  Die Sendung der Kirche kommt ja vom Geheimnis des Dreieinigen Gottes her, dem Geheimnis seiner schöpferischen Liebe. Die Liebe ist nicht nur irgendwie in Gott, er selbst ist vom Wesen her die Liebe. Und die göttliche Liebe will nicht für sich sein, sie will sich verströmen. Sie ist in der Menschwerdung und Hingabe des Sohnes Gottes in besonderer Weise auf die Menschen zugekommen. Er ist aus dem Rahmen seines Gottseins heraus- getreten, hat Fleisch angenommen und ist Mensch geworden; und zwar nicht nur, um die Welt in ihrer Weltlichkeit zu bestätigen und ihr Gefährte zu sein, der sie ganz so lässt, wie sie ist. Zum Christusgeschehen gehört Unfass- bare, dass es - wie die Kirchenväter sagen - ein commercium,  einen Tausch zwischen Gott und den Menschen gibt, in dem beide - wenn auch auf ganz verschiedene Weise - Gebende und Nehmende, Schenkende und Empfangende sind.
   Der christliche Glaube weiß, dass Gott den Menschen in eine Freiheit gesetzt hat, in der er wirklich Partner sein und mit Gott in Tausch treten kann. Zugleich ist dem Menschen klar, dass dieser Tausch nur dank der Großmut Gottes möglich ist, der die Armut des Bettlers als Reichtum annimmt, um das göttliche Geschenk erträglich zu machen, dem der Mensch nichts Gleichwertiges zu bieten vermag.
  Auch die Kirche verdankt sich ganz diesem ungleichen Tausch. Sie hat nichts Eigenständiges gegenüber dem, der sie gestiftet hat. Sie findet ihren Sinn ausschließlich darin, Werkzeug der Erlösung zu sein, die Welt mit dem Wort Gottes zu durchdringen und die Welt in die Einheit der Liebe mit Gott zu verwandeln. Die Kirche taucht ganz ein in die Hinwendung des Erlösers zu den Menschen. Sie selbst ist immer in Bewegung, sie muss sich fortwährend in den Dienst der Sendung stellen, die sie vom Herrn empfangen hat. Die Kirche muss sich immer wieder neu den Sorgen der Welt öffnen und sich ihnen ausliefern, um den heiligen Tausch, der mit der Menschwerdung begonnen hat, weiterzuführen und gegenwärtig zu machen.
   In der geschichtlichen Ausformung der Kirche zeigt sich jedoch auch eine gegenläufige Tendenz, dass nämlich die Kirche sich in dieser Welt einrichtet, selbstgenügsam wird und sich den Maßstäben der Welt angleicht. Sie gibt Organisation und Institutionalisierung größeres Gewicht als ihrer Berufung zur Offenheit.
   Um ihrem eigentlichen Auftrag zu genügen, muss die Kirche immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von der Weltlichkeit der Welt zu lösen. Sie folgt damit den Worten Jesu nach: „Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin" Johannes 17,16. Die Geschichte kommt der Kirche in gewisser Weise durch die verschiedenen Epochen der Säkularisierung zur Hilfe, die zu ihrer Läuterung und inneren Reform wesentlich beigetragen haben.
    Die Säkularisierungen - sei es die Enteignung von Kirchengütern, sei es die Streichung von Privilegien oder Ähnliches - bedeuteten nämlich jedes Mal eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche, die sich ja dabei gleichsam ihres weltlichen Reichtums entblößte und wieder ganz ihre weltliche Armut annahm. Damit teilte die Kirche das Schicksal des Stammes Levi, der nach dem Bericht des Alten Testamentes als einziger Stamm in Israel kein eigenes Erbland besaß, sondern allein Gott selbst, sein Wort und seine Zeichen als seinen Losanteil gezogen hatte. Mit ihm teilte sie in jenen geschichtlichen Momenten den Anspruch einer Armut, die sich zur Welt geöffnet hat, um sich von ihren materiellen Bindungen zu lösen, und so wurde auch ihr missionarisches Handeln wieder glaubhaft.
  Die geschichtlichen Beispiele zeigen: Das missionarische Zeugnis der entweltlichten Kirche tritt klarer zutage. Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben. Die missionarische Pflicht, die über der christlichen Anbetung liegt und die ihre Struktur bestimmen sollte, wird deutlicher sichtbar. Sie öffnet sich der Welt, nicht um die Menschen für eine Institution mit eigenen Machtansprüchen zu gewinnen, sondern um sie zu sich selbst zu führen, indem sie zu dem führt, von dem jeder Mensch mit Augustinus sagen kann: Er ist mir innerlicher als ich mir selbst vergleiche Confessiones 3,6,11. Er, der unendlich über mir ist, ist doch so in mir, dass er meine wahre Inner- lichkeit ist.
   Durch diese Art der Öffnung der Kirche zur Welt wird damit auch vorgezeichnet, in welcher Form sich die Weltoffenheit des einzelnen Christen wirksam und angemessen vollziehen kann. Es geht hier nicht darum, eine neue Taktik zu finden, um der Kirche wieder Geltung zu verschaffen.
   Vielmehr gilt es, jede bloße Taktik abzulegen und nach der totalen Redlichkeit zu suchen, die nichts von der Wahrheit unseres Heute ausklammert oder verdrängt, sondern ganz im Heute den Glauben vollzieht,  eben dadurch, dass sie ihn ganz in der Nüchternheit des Heute lebt, ihn ganz zu sich selbst bringt, indem sie das von ihm abstreift, was nur scheinbar Glaube, in Wahrheit aber Konvention und Gewohnheiten sind.
   Sagen wir es noch einmal anders: Der christliche Glaube ist für den Menschen allezeit, nicht erst in unserer Zeit, ein Skandal. Dass der ewige Gott sich um uns Menschen kümmern, uns kennen soll, dass der Unfassbare zu einer bestimmten Zeit fassbar geworden sein soll,  dass der Unsterbliche am Kreuz gelitten haben und gestorben sein soll, dass uns Sterblichen Auferweckung und ewiges Leben verheißen ist - das zu glauben ist nun einmal für uns Menschen eine Zumutung.
   Dieser Skandal, der unaufhebbar ist, wenn man nicht das Christentum selbst aufheben will, ist leider gerade in jüngster Zeit überdeckt worden von den anderen schmerzlichen Skandalen der Verkünder des Glaubens. Gefährlich wird es, wenn diese Skandale an die Stelle des primären Skandalons des Kreuzes treten und ihn dadurch unzugänglich machen, also den eigentlichen christlichen Anspruch hinter der Unbotmäßigkeit seiner Boten verdecken.
   Um so mehr ist es wieder an der Zeit, die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen. Das heißt nicht, sich aus der Welt zurückzuziehen. Eine vom Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial-karitativen Bereich den Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern, die besondere Lebenskraft des christlichen Glaubens zu vermitteln. „Der Liebesdienst ist für die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte, sondern er gehört zu ihrem Wesen, ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst" Enzyklika Deus Caritas est, 25. Allerdings haben sich auch die karitativen Werke der Kirche immer neu dem Anspruch einer angemessenen Entweltlichung zu stellen, sollen ihr nicht angesichts der zunehmenden Entkirchlichung ihre Wurzeln vertrocknen. Nur die tiefe Beziehung zu Gott ermöglicht eine vollwertige Zuwendung zum Mitmenschen, so wie ohne Zuwendung zum Nächsten die Gottesbeziehung verkümmert.
   Offensein für die Anliegen der Welt heißt demnach für die entweltlichte Kirche, die Herrschaft der Liebe Gottes nach dem Evangelium durch Wort und Tat hier und heute zu bezeugen, und dieser Auftrag weist zudem über die gegenwärtige Welt hinaus; denn das gegenwärtige Leben schließt die Verbundenheit mit dem ewigen Leben ein.
   Leben wir als Einzelne und als Gemeinschaft der Kirche die Einfachheit einer großen Liebe, die auf der Welt das Einfachste und Schwerste zugleich ist, weil es nicht mehr und nicht weniger verlangt, als sich selbst zu verschenken.
   Liebe Freunde! Es bleibt mir, den Segen Gottes und die Kraft des Heiligen Geistes für uns alle zu erbitten, dass wir in unserem jeweiligen Wirkungsbereich immer wieder neu Gottes Liebe und sein Erbarmen erkennen und bezeugen können. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Deutsche Bischofskonferenz tagte erstmals in Hamburg

epCf072xx

HH1GrandElysee-xHH-EugenBlock-Esysee-x

68 Bischöfe zu Gast im Hamburger “Grand Elysee” Foto oben
   Eugen Block Grafik oben rechts bekam Besuch. Hohen Besuch: 68 katholische Bischöfe. Die Geistlichen trafen  sich für vier Tage in seinem Grand Elysee in der Rothenbaumchaussee in Hamburg zur Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz.
   Der Hamburger Unternehmer hatte sich eins vorgenommen: Er wollte es den Gottesmännern „schön machen". Dazu gehört ein guter Tropfen. „Wenn die Bischöfe schon die lieben Frauen nicht haben, sollen sie wenigstens einen guten Wein trinken", sagt der 68-Jährige, der 1968 das erste Hamburger Block House eröffnete. Heute gehören zur Block Group des Steakhaus-Gründers 13 Unternehmen mit über 1.400 Beschäftigten, unter anderem das Elysee, in dem die Bischöfe genächtigt und getagt haben.
  Der Besuch war Eugen Block eine Herzensangelegenheit, „weil das alles feine Leute sind, die man wie Freunde lieb haben kann". Er selbst kommt aus einem Ort, „wo alle katholisch sind" - Harkebrügge in Südoldenburg. Als Zweitältester wurde er in ein Seminar geschickt, um Priester zu werden. Seine Mutter hatte sich das immer gewünscht. Dann kam es zwar anders und die Mädchen dazwischen, aber religiös blieb der gelernte Hotelkaufmann immer.
   Und so freute sich Eugen Block ganz besonders auf diesen Besuch, auch wenn in seinem Fünf-Sterne-Hotel nicht nur ein Bischof, sondern natürlich jeder Gast ein König ist.  HA090303ade
  
Die Idee, im Grand Elysee zu tagen, sei bereits vor fast drei Jahren in einem Gespräch mit Erzbischof Werner Thissen entstanden. Es gäbe in Hamburg keine passende kirchliche Einrichtung. „Die Bischöfe werden in normalen Zimmern auf der vierten und fünften Etage untergebracht", sagt Eugen Block. In Rechnung stelle er den Kirchenoberhäuptern aber lediglich eine Pro-Kopf-Pauschale, die nicht höher sein soll als der Preis, den sie auch in einem kirchlichen Haus zahlen müssten. Das dürfte kritische Stimmen, die eine Unterbringung von Bischöfen in einem luxuriösen Fünf-Sterne-Hotel anmahnen, zum Schweigen bringen. Über eine Kapelle verfügt das Hotel nicht. „Die Bischöfe wurden jeden Morgen mit einem Bus zum Gottesdienst in die nahe gelegene Kirche St. Elisabeth an der Oberstraße gefahren", sagt der Ex-Block-House-Chef. Der Eröffnungsgottesdienst fand im Dom St. Marien statt.
HA090303ade

ep-BiCf-HH-xxx

        Die Hamburger Katholiken sind das „Salz im Norden". In Anlehnung an das Wort Jesu, dass die Seinen das „Salz der Erde" sind, eröffnete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch die Frühjahrsvollversammlung mit einem feierlichen Gottesdienst in der Domkirche St. Marien an der Danziger Straße Foto oben.
  „Katholische Bischöfe kommen, wie Sie sich vielleicht vorstellen können, nicht so häufig nach Hamburg wie in andere Städte Deutschlands, die stärker katholisch geprägt sind", sagte der Erzbischof zu Beginn seiner Predigt. Auf Einladung von Hamburgs Erzbischof Werner Thissen besuchten 68 Würdenträger aus ganz Deutschland die Hansestadt,  die  erst seit 1994 katholischer Erzbischofssitz ist. 10,3 Prozent der 1,76 Millionen Einwohner sind katholisch. Rund 400.000 Mitglieder gehören dem Erzbistum Hamburg an, dazu zählen auch Teile Schleswig- Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns.
   Der hohe Besuch hatte sich hohe Ziele gesteckt: Die Teilnehmer der Bischofskonferenz haben den Streit mit der Pius-Bruderschaft weiter diskutiert. Ein weiterer Schwerpunkt war die Analyse der Wirtschafts- und Finanzkrise: „Wir tun dies nicht mit dem Anspruch, fachlich besser zu sein als andere. Wir tun es im Bewusstsein, dass es bei uns einen Schatz von Überzeugungen und Erkenntnissen gibt, die für die Gegenwart von großem Nutzen ist", sagte Zollitsch in seiner Predigt.
   Weitere Themen der Vollversammlung waren die Zukunft der Pflege und der Seelsorge in der Palliativversorgung sowie die Unterstützung der katholischen Schulen bei der Wissens- und Wertevermittlung. Auch „Die Lage der Christen im Nahen Osten" stand auf dem Programm. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, und Gerhard Kruip, Sozialethiker aus Mainz, sind als Referenten ins Hotel eingeladen.
HA090303VeraAltrock

ep-BischCf-HH-xx

 

is-Alex-KairoDemo-z

Gemeinsame Demonstration für Religionsfreiheit in Kairo

Trotz des Terrors in Teilen der islamischen Welt halten die deutschen Bischöfe an ihrer Bereitschaft zum Dialog mit dem Islam fest.
  
Aus christlicher Perspektive gebe es keine Alternative zu einem Dialog mit allen Menschen guten Willens, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am Freitag in Fulda. Unter Hinweis auf die Vielfalt des Islam sagte Marx, es sei für die muslimische Welt nicht so einfach, zu klaren und deutlichen Aussagen gegen den islamistischen Terrorismus zu kommen. Solche Aussagen würde er sich wünschen. Es sei verständlich, dass ihr Fehlen mehr Zurückhaltung gegenüber dem Islam bedinge. rv140926dbKNA

ber-Herz-Jesu-KircheBerlin-xx

Das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ ist bestürzt über den linksextremistischen Anschlag auf die Herz- Jesu-Pfarrei in Berlin Foto
   Die deutsche Politik solle sich jetzt zu einem deutlichen Zeichen gegen jede politisch oder religiös motivierte Gewalt aufraffen, hofft das Hilfswerk. Das Gebäude der Pfarrei war von radikalen Gegnern des „Marschs für das Leben“ angegriffen worden. Die Fassade wurde beschmiert, eine Scheibe wurde eingeschlagen und Farbbeutel in das Gebäude geworfen. Dabei entstand hoher Sachschaden. Im beschädigten Pfarrhaus hat unter anderem der Bundesverband Lebensrecht seinen Sitz, der den „Marsch für das Leben“ veranstaltet. Ein derart von blindem Hass motivierter Angriff auf eine religiöse Einrichtung verlange eine klare Reaktion der gewählten Volksvertreter, so „Kirche in Not“. RV140926pm

Christen in Deutschland 1991 - 2014

sta-ev-kath-2014-Z

Bevölkerung Deutschlands: 2012 -80,5 Millionen (Stat.Bundesamt), Grafik: kbwn

sta-101-Zz

Bevölkerung in Deutschland 2014: 29,6 Prozent sind katholisch; 28,0 Prozent evangelisch

Allensbach-Studie: Protestanten denken öfter an Austritt -
Einstellung der Christen gegenüber der Kirche verändert sich vor allem bei weniger religiösen Menschen
   Bei der Zahl der Kirchenaustritte „verabschieden sich verstärkt diejenigen, die weder starke kirchliche noch religiöse Bindungen haben". Nach wie vor sind die Protestanten stärker von Austrittsüberlegungen betroffen als die katholische. „Die katholische Kirche, die weitaus mehr Reibungsflächen bietet und in der Kritik steht, hält sich insgesamt weitaus besser", konstatiert Köcher. „Aktuell sind vier Prozent der Protestanten, jedoch nur zwei Prozent der Katholiken entschlossen, ihrer Kirche den Rücken zu kehren."
   Derzeit gehören noch 74 Prozent der westdeutschen und 32 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung einer christlichen Konfession an. Insgesamt bezeichneten sich aber nur 43 Prozent der Befragten als „religiös". Im Westen waren es 47, im Osten 25 Prozent. Dabei zeigt sich eine deutliche Altersgebundenheit. Bei über 60- Jährigen liegt ihr Anteil bei 57 Prozent, bei 16- bis 29-Jährigen sinkt er auf 28 Prozent. Unter den Katholiken sind es 64, unter den Protestanten 53 Prozent. Allerdings unterscheiden sich religiöse Jugendliche deutlich von religiös gleichgültigen Altersgenossen: Zu beobachten sei vor allem „eine stärkere Familienhinwendung, ein überdurchschnittliches soziales Verantwortungsgefühl, Aufgeschlossenheit, Bildungsorientierung und eine signifikant größere Bereitschaft, sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen wie der Frage nach dem Lebenssinn auseinanderzusetzen, sowie unterdurchschnittlich ausgeprägter Materialismus". DT100626kna
   57,6 Prozent bezeichnen sich als Christen: 29.6 Prozent sind katholisch - 28,0 Prozent evangelisch -
1,6 Prozent orthodox und 0,4 Prozent gehören anderen christlichen Gemeinschaften an. kbwn120205
  
Die Zahl der Katholiken sank von 24,65 Millionen im Jahr 2014 auf 23,9 Millionen im Jahr 2014. Damit gehören noch 29,6 Prozent der Bundesbürger der katholischen Kirche an. 22,6 Millionen Bundesbürger sind evangelisch. 2011 waren in Deutschland 14.847 Welt- und Ordenspriester tätig; im Jahr zuvor waren es noch 15.136. Zu den Ordensgemeinschaften zählten 20.200 Frauen und 3.083 Männer. Die Zahl der Pfarreien und sonstigen Seelsorgestellen hat sich geringfügig von 11.524 (2010) auf 11.398 (2011) verringert. RV120629pm
Im Jahr 2012 beträgt die Einwohnerzahl in Deutschland 80,5 Millionen. FAZ120113

Statistik 2014
 In Deutschland insgesamt machen die Katholiken laut DBK-Statistik 29,5 Prozent der Bevölkerung aus (23.939.472  Mitglieder). Die Zahl der Pfarreien beträgt knapp 11.000 (2013 waren es 11.085). Bei der Sakramenten-Spendung gibt es im Vergleich zu 2013 leichte Zuwächse bei den Trauungen mit über 44.000 (2013: 43.728) und bei den Taufen mit 164.833 (2013: 164.664). Im vergangenen Jahr konnte die katholische Kirche in Deutschland 2.809 Eintritte und 6.314 Wiederaufnahmen verzeichnen.
   Die Gesamtzahl der Priester liegt bei 12.219 (2013 12.336). Die Zahl der Pastoralreferenten und -assistenten ist auf 3.171 (2013: 3.140) ebenso wie die der Gemeindereferenten auf 4.526 (2013: 4.470) leicht gewachsen. Rv150717ord

sta-Verbände-2013

Ökumenischer Kongress mit 1.000 Teilnehmern berät über Zukunft des Christentums in Deutschland

  Ein ökumenischer Kongress mit 1.000 Teilnehmern beschäftigte sich in Hannover mit der Zukunft der Kirchen in Deutschland. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister rechnet damit, dass die Zahl der Kirchenmitglieder und die Finanzmittel bis zum Jahr 2030 um ein Drittel zurückgehen. „Ich glaube nicht, dass wir diesen Wandel bremsen können. Damit würden wir uns wohl auch heillos überfordern", sagte der evangelische Geistliche dem Hamburger Abendblatt. Nach diesen Prognosen hätte die hannoversche Landeskirche deutlich weniger als zwei Millionen Mitglieder.
   Sollten die Prognosen zutreffen, geht die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder um etwa acht Millionen auf 16 Millionen zurück. Zu den Ursachen gehört auch die demografische Entwicklung. Während sich in den großen Städten kirchliches Leben besser organisieren lässt, stehen die ländlichen Räume vor einem kirchlichen Präsenzverlust. Bischof Meister setzt angesichts eines solchen Szenarios stärker auf die ehrenamtliche Mitarbeit von Christen. „Wenn es in einem Dorf oder Quartier nur noch 20 Menschen gibt, die sich zum christlichen Glauben bekennen, dann werden sich neue Gemeindeformen bilden." Ein Schwerpunkt des Kongresses sind zudem die Erfahrungen in der anglikanischen Kirche in einem sehr stark säkularisierten Umfeld. Dort, sagt Meister, gibt es viele innovative Projekte. „Aber auch schon bei uns. Zum Beispiel: Glaubensgespräche in der Kneipe." Die Folgen eines wachsenden Bedeutungsverlusts sind noch gar nicht abzusehen. „Ich würde so weit gehen und sagen, dass eine Gesellschaft ohne Kirchen ihre Zukunft verliert. Ich hätte Angst vor einem Gemeinwesen, das ohne die großen biblischen Erzählungen des Trostes und der Barmherzigkeit lebt", betont Meister. HA130214

sta-KichenStr2015-xx

  Die Kirchensteuereinnahmen in Deutschland sind ab 2010 deutlich angestiegen und erreichten erreichten für die katholische Kirche 2015  6,090 Milliarden Euro, bei den evangelischen Christen in Deutschland (EKD) stiegen die Steuereinnahmen im Jahr 2015 auf 5,365 Milliarden Euro.  RV120412kna

DD-1-Auslalndshilfe

Kirche stellte 582 Millionen Euro in 2015 zur Verfügung
Sichtbares Zeichen der Solidarität der Kirche: Ein Flüchtlingsboot im Kölner Dom

   Die katholische Kirche in Deutschland hat im vergangenen Jahr rund 582 Millionen Euro weltweit für pastorale und soziale Projekte eingesetzt. Das teilte die Deutsche Bischofskonferenz an diesem Montag mit. Bei den berücksichtigten Einrichtungen handelt es sich um die Bistümer, katholische Hilfswerke sowie Ordensgemeinschaften.
   Damit konnte die katholische Kirche in Deutschland das Ergebnis des Vorjahres um mehr als 40 Millionen Euro übertreffen, so die Mitteilung der Bischöfe. Dies entspricht einem Zuwachs von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zu dieser Summe kommen die Aufwendungen für Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit hinzu, die im Jahresbericht gesondert ausgewiesen werden.
   Die vorgelegten Zahlen bilden dabei nicht das gesamte weltkirchliche Engagement der Katholiken ab: Viele Kirchengemeinden, katholische Verbände und Schulen ergänzen die Projektarbeit der Hilfswerke und Organisationen mit kleinen Initiativen zugunsten lokaler Partner in aller Welt, ohne dass der finanzielle Umfang dieser Aktivitäten zentral erfasst werden könnte.
   Inhaltliches Schwerpunktthema des vorgelegten Jahresberichts sei der Dialog mit dem Islam gewesen. Im Vorwort zum Jahresbericht führt der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Ludwig Schick aus Bamberg, aus: „Wir brauchen […] weniger die Rede über als das Gespräch mit dem Islam: einen interreligiösen und interkulturellen Dialog über die Grundlagen unseres Zusammenlebens, der auch den Muslimen hilft, ihren Platz innerhalb unserer Gesellschaft zu finden. Dabei müssen vor allem theologische Themen zur Sprache kommen.“
rv160627mg

Austrittswelle bei der Nordkirche - ein „Massenphänomen"
Nur noch 2,14 Millionen Mitglieder. Immer mehr Menschen kehren der Kirche den Rücken:

   Neue Hiobsbotschaften für Gottes Bodenpersonal: Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Norddeutschland zählte Ende 2014 nur noch 2,14 Millionen Mitglie­der - rund 47.500 weniger als im Vorjahr. Damit war der Mitgliederverlust in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr um 10.000 Menschen höher als im Jahr 2013, berichtet jetzt der Evangelische Pressedienst mit Hinweis auf die amtliche Statistik. 2012 hatte die Nordkirche noch 2,23 Millionen Mitglieder.
   Wie der Sprecher der Nordkirche, Stefan Döbler, dem Abendblatt sagte, werden detaillierte Angaben über die Zahl der Ein- und Austritte 2014 frü­hestens Anfang Juli vorliegen. Es sei aber schon jetzt zu befürchten, dass die Differenz zwischen Ein- und Austritten „deutlich höher ausfallen wird als in den vorherigen Jahren".
   Als Grund für den stärkeren Mitgliederschwund in der Nordkirche vermuten Experten die veränderte Erhebung der Kirchensteuer auf Kapitalerträge unter Beteiligung der Banken. Einige Informationsschreiben von Banken und Sparkassen sowie Formulierungen auf Kontoauszügen hätten für Irritationen bei den Kunden gesorgt,  sagte Döbler. „Auswirkungen auf die Zahl der Austritte sind zu befürchten."
   Auch der demografische Wandel spielt nach Angaben des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland mit Sitz in Hannover eine Rolle: Es sterben deutlich mehr Kirchenmitlgieder als Kinder und Erwachsene getauft werden.
   Der protestantisch geprägte Norden Deutschlands erlebt derzeit den wohl gravierendsten Abwärtstrend seit 20 Jahren. Während das katholische Erzbistum Hamburg durch die Zuwanderung aus Ost- und Südeuropa ein leichtes Plus verzeichnet, sind die Austrittszahlen in der Bremischen Kirche, in der Nordkirche und in der Kirche Berlin/Brandenburg/Schlesische Oberlausitz bundesweit am höchsten: Laut Statistik von 2013 sind 1,1 Prozent der Mitglieder aus der Nordkirche und in Bremen sowie 1,2 Prozent aus der Kirche in der Region Berlin/Brandenburg/ Schlesische Oberlausitz ausgetreten. Bundesweit gehören noch 29 Prozent der Bürger einer evangelischen Kirche - das sind 23 Millionen Protestanten. 30,2 Prozent der Bundesbürger sind katholisch.
   Die EKD-Mitgliederstatistik zeige, dass Kirchenaustritte zum „Massenphänomen" geworden seien, schreibt jetzt die evangelische Nachrichten­agentur idea. Dazu kommt ein gering ausgeprägtes Interesse der norddeutschen Protestanten, am kirchlichen Leben teilzunehmen. Wie ebenfalls aus einer EKD-Statistlk hervorgeht, besuchen noch 2,4 Prozent der Nordkirchen-Christen einen Gottesdienst. Zum Vergleich: In Sachsen sind es 6,5 Prozent und in Baden-Württemberg liegt der Anteil immerhin noch bei 5,2 Prozent. Eine Ausnahme gibt es nur zu Weihnachten, wenn rund 30 Prozent der Protestanten in die Kirche gehen.
   Zudem dämpfen die neuen statistischen Zahlen die Erwartung, dass Kir­cheneintritte die Wende bringen könnten: Sie sind EKD-weit um 2,5 Prozent zurückgegangen. HA150623EdgarSHasse

   Die bremischen Landeskirche ist eine der kleinsten deutschen Landeskirchen und die einzige „Stadtkirche" - sie erstreckt sich mit 69 Gemeinden und 230.000 Mitgliedern fast ausschließlich auf das Stadtgebiet. Die Kirchenmitgliedschaft in Bremen sinkt weit dramatischer als anderswo: Der Anteil evangelischer Christen an der Bevölkerung hat sich von Anfang der siebziger Jahre bis heute von 80 Prozent auf 40,8 Prozent halbiert, während der Anteil von Katholiken mit gut zehn Prozent beständig blieb. FAZ090520

 Wie sollen sich die Kirchen künftig finanzieren?

   Unter den zahlreichen Finanzierungssystemen, von denen in letzter Zeit behauptet wurde, sie seien der deutschen Kirchensteuer überlegen, fehlte bislang Afrika. Vielleicht zu Unrecht, denn mitgliedernäher und erdverbundener als dort kann sich eine Kirche kaum finanzieren: Kirchgänger bringen dem Pfarrer sonntags ab und an ein Huhn, ein Päckchen Kaffee oder auch ein paar Süßkartoffeln mit, die er dann nach dem Gottesdienst versteigern kann. Vorbild Afrika also? Eine Tagung, zu der die Konrad-Adenauer-Stiftung einlud und auf der anhand eines internationalen Systemvergleichs über die Zukunft der Kirchenfinanzierung in Deutschland nachgedacht wurde, brachte Ernüchterung: Alle Finanzierungsmöglichkeiten haben ihre eigenen Probleme.
    Nun wird in Deutschland weniger Afri­ka, sondern vor allem Italien als Vorbild genannt: Dort wurde das „otto per mille"-System eingeführt, bei dem der Bürger in der Steuererklärung durch Ankreuzen darüber mitentscheiden darf, wie 0,8 Prozent des Steueraufkommens verteilt werden sollen: an die katholische Kirche, eine andere Religionsgemeinschaft oder einen anderen, vom Staat zu bestimmenden humanitären Zweck. Den Rechtswissenschaftler Arnd Uhle von der TU Dresden überzeugt „otto per mille" nicht: Das System verspreche zwar durch das Ankreuzen mehr Partizipation und auch mehr Fairness, weil sich der Bürger nicht mehr durch Austritt seines Beitrags entledigen kann. Im Kern, so Uhle, handele es sich aber um eine Staatsfinanzierung von Religionsgemeinschaften, ergänzt freilich um ein wettbewerbliches Element, das freilich dazu führt, dass Fernsehsendungen nicht nur von Werbung für Waschmittel und anderes unterbrochen werden, sondern auch von Appellen, bei der anstehenden Steuerabstimmung das Kreuz an einer bestimmten Stelle zu machen.
   Statt nur einzelne Länder zu betrachten, empfiehlt Uhle den Systemvergleich. Im Grundsatz gebe es drei Typen: Finanzierung durch den Staat, Finanzierung aus kirchlichen Vermögen und Finanzierung durch die Mitglieder. In Europa seien Mischsysteme die Regel. Auch das deutsche System sei ein Mischsystem, in dem aber die Kirchensteuer, also eine Variante der Mitgliederfinanzierung, dominiere. Wenn man die unterschiedlichen Systeme danach beurteile, ob sie die Unabhängigkeit von der Religionsgemeinschaften vom Staat gewährleisten, ihnen eine berechenbare Finanzierung bieten und die Lasten sozial gerecht nach Leistungsfähigkeit verteilen, schneidet das deutsche Kirchensteuersystem nach Uhle gut ab.
   Verfolgt man die öffentliche Debatte, könnte man einen gegenteiligen Eindruck bekommen. So wird behauptet, den Kirchen ginge es besser, wenn sie ihre Finanzierung auf freiwillige Spenden umstellten. Auch hier ist der internationale Vergleich aufschlussreich: So wird im Schweizer Kanton Genf den Kirchenmitgliedern von der Steuerbehörde ausgerechnet, wie viel Kirchensteuer von ihnen eigentlich bezahlt werden sollte. Nur überweisen müssen die Kirchenmitglieder das Geld noch selbst. Ergebnis: Die Einnahmen der Kirchen betragen etwa zehn Prozent des Soll-Wertes.
  Der Luzerner Politikwissenschaftler Antonius Liedhegener entzauberte die Ansicht, nach der die deutschen Kirchen sich vor Kirchensteuereinnahmen kaum retten könnten. Zwar ist es richtig, dass die Kirchensteuereinnahmen gegenwärtig mit elf Milliarden Euro einen Rekordwert erreichen. Doch inflationsbereinigt sind die Einnahmen der Kirchen seit 1991 konstant geblieben, und der Anteil der Kirchensteuer an den gesamten Steuereinnahmen ist seit dieser Zeit von 1,2 Prozent auf 0,8 Prozent gesunken. Der Rückgang wird sich mit dem Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge noch einmal drastisch verschärfen.
   Eine andere Kirchenfinanzierung ist nicht in Sicht, und die gegenwärtige gerät immer stärker unter Beschuss. Wie also weiter? In der Ostschweiz wird trotz fortschreitender Säkularisierung die Akzeptanz der Kirchensteuer dadurch gestärkt, dass über die Verteilung der eingenommenen Steuergelder in den Gemeinden entschieden wird. Das Schweizer System dürfte überdies den Vorteil haben, dass ein Wegfall der Möglichkeit des Kirchensteuereinzugs langfristig eher zu bewältigen wäre als in Deutschland, wo ein Systemwechsel gegenwärtig gleichbedeutend wäre mit einer Afrikanisierung. FAZ141016ReinhardBingener

Kardinal Karl Lehmann   cdK.Lehmann-x

Mainzer Kardinal Lehmann zum Kurs der Kirche -  „Die Dinge offen und mutig angehen": 
   Es muss einen spirituellen Impuls geben, den nur wir eigentlich aus der Mitte des christlichen Glaubens machen können. Dieser Impuls muss zugleich die konkrete gesellschaftliche und politische Situation in unserem Land im Blick haben. Da müssen wir etwas zu sagen haben: etwa zu Fragen der Migration, dem Streit um Sarazzins Buch oder der Debatte um die Zukunft unserer Energieversorgung. Die Spannung zwischen spirituellem Impuls und gesellschaftlichen Herausforderungen zündet und kann uns auch nach vorne bringen. Übrigens ist dies eine wichtige Frage aus der Zeit der gemeinsamen Synode.
    Fragen, die man einfach klären kann und klären muss: Ich denke an den Diakonat der Frau. Da muss ich nicht zuerst nach der Priesterweihe der Frau fragen, wo die Schwierigkeiten enorm sind und bleiben.
      Wir stellen in der Glaubenskommission der Bischofskonferenz seit längerem Überlegungen an zur Frage „Humanae vitae", Empfängnisverhütung und dergleichen. Das geht aber nur, wenn man dies in einem größeren Kontext des Umgangs mit menschlicher Sexualität ansetzt. Daran arbeiten wir schon länger. Natürlich gibt es drittens Dinge, die wir nicht alleine lösen können. Wo wir das Gespräch mit Rom brauchen. Etwa die Debatte um die „viri probati", die Zulassung von Männern zum Priesteramt, die sich in Beruf und Ehe bewährt haben. Dazu gehören auch die Fragen der Stellung geschiedener Wiederverheirateter in der Kirche einschließlich des Sakramenten- empfangs sowie die Frage einer Zulassung nichtkatholischer Christen zur Eucharistie. Man muss diese drei Themenblöcke auseinanderhalten, aber zugleich schauen, dass man sie mutig und offen angeht. Wobei man bei bestimmten Dingen sagen muss: Die Antworten wissen wir auch nicht ohne weiteres von vornherein. Aber es muss eine verlässliche und überzeugende Antwort sein. Dann nehmen uns die Menschen dies auch ab. Selbst wenn nicht immer das herauskommt, was so auf der Straße liegt. DT100928knaGottfriedBohl

isKMoschee-x Yavus-Sultan-SelimM'MHxx

Die deutschen Bischöfe bekräftigen Recht auf Moscheebau
Foto links: Moschee-Planung, Köln Foto rechts: Yavus-Sultan-Selim-Moschee, Mannheim

   Die katholischen Bischöfe haben in Übereinstimmung mit ihrer bisherigen Haltung das Recht der Muslime bekräftigt, hierzulande „würdige Moscheen” zu bauen. Dem Menschenrecht Religionsfreiheit entspreche auch, dass die Genehmigung von Moscheebauten nicht daran geknüpft werden dürfe, dass Christen in islamischen Ländern gleichfalls individuelle und korporative Religionsfreiheit genössen.
   „Gerade weil wir Christen die Einschränkungen der Religionsfreiheit in muslimisch geprägten Ländern ablehnen und verurteilen, setzen wir uns nicht nur für die Rechte der dortigen Christen ein, sondern auch für die Rechte der Muslime bei uns”, heißt es in einer „Orientierungshilfe”, die der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Zollitsch, nach Abschluss der Herbst-Vollversammlung in Fulda vorstellte.
   In dem Text heißt es allerdings weiter: „Die Befürwortung des Rechtes zum Moscheebau schließt das Recht auf Kritik im Einzelfall nicht aus.” Sorgen und Ängste der Bevölkerung dürften aber nicht politisch instrumentalisiert werden: „Kritik ist erlaubt, Hetze nicht.” Angesichts der Diskussionen über die Großmoschee in Köln und ähnliche Projekte äußerten die Bischöfe die Erwartung, dass Moscheen sich in die vorhandene Umgebung einfügten und gewachsene Baustrukturen nicht beeinträchtigten. Auch sollten „einseitige Bevölkerungsstrukturen" vermieden werden. Im Blick auf die Höhe von Minaretten formulierten die Bischöfe den Grundsatz, religiöse Bauten sollten in einer sich religiös pluralisierenden Gesellschaft „nicht zum Ausdruck von Machtansprüchen, Rivalität oder eines aggressiven Gegeneinander missbraucht werden”.
   In der Orientierungshilfe nicht verschwiegen wird der Umstand, dass ein Moscheebau sich der Einflussnahme aus den islamischen Herkunftsländern verdanken könne. Um diesen Bedenken zu begegnen, sollten die Moschee- Gemeinden „offen Aufschluss geben über die Finanzierung ihres Vorhabens, über Trägerstrukturen und Verantwortlichkeiten”. Keine Stellung nahm die Bischofskonferenz zu der Frage, ob die Glaubensverkündigung in Moscheen in deutscher Sprache geschehen solle. Für seine Person nahm Zollitsch in Anspruch, dieses Anliegen zu vertreten. Muslimischen Angaben zufolge gibt es in Deutschland derzeit etwa 160 größere und im Stadtbild als solche erkennbare Moscheen. In mehr als 180 Städten und Gemeinden sind repräsentative Moscheen im Bau oder in Planung. FAZ080927DD

BiCf07xx 

Der Würzburger Bischof an seine Priester zum Thema Zölibat: „Zeichen der Liebe Christi"

   In einem Brief des Bischofs an die Priester heißt es: In den vergangenen Wochen und Monaten ist vieles an Verunsicherung spürbar geworden. (...) „Mein erstes Ziel als Bischof von Würzburg ist es, den Glauben zu stärken. In der gegenwärtigen Stunde der Kirche von Würzburg drängt es mich, an Sie, liebe Mitbrüder, ein Wort des Dankes, des Trostes und der Ermutigung zu richten. Die Infragestellung der zölibatären Lebensform geht den Priester ganz existenziell an: Muss er sich bedauern lassen? Ist seine Lebensentscheidung unglaubwürdig? Geht sein Zeugnis ins Leere?"
   Die Frage nach dem Zölibat sei „eine Frage nach der Liebe und eine Frage nach Gott", schreibt Hofmann: „Sie ist eine Frage nach der Liebe: Wenn die römisch-katholische Kirche nach wie vor an der Angemessenheit der zölibatären Lebensform für die Priester festhält, wie das II. Vatikanische Konzil ausdrücklich betont, dann darf das nicht gegen die eheliche Liebe ausgespielt werden. Die eheliche Liebe ist Zeichen der Liebe Christi zu seiner Kirche, letztlich der Liebe Gottes zum Menschen und verwirklicht sich in der Liebe zu einem konkreten „Du". Die Fruchtbarkeit dieser Liebe ist hineingestellt in die Schöpferliebe Gottes. So wird die Ehe zum Abbild der persönlichen Bejahung des Einzelnen durch Gott und der bleibenden Gegenwart Gottes in seiner Schöpfung durch die fruchtbare Liebe der Eheleute."
   Das Fehlen des menschlichen Du in der Ehe solle durch die ganzheitlich gelebte Gottesbeziehung aufgefangen werden, heißt es in dem Schreiben. Gerade durch ein überzeugendes eheloses Priesterleben werde den Mitmenschen die reale Nähe Gottes deutlich. „Sie erfahren im Priester", so der Bischof, „dass er nicht nur von und über Gott spricht, sondern in dessen realer Gegenwart wurzelt und aus ihr lebt. Der Priester lebt diese Lebensform nicht nur für sich, sondern für das Volk Gottes." Die Verfügbarkeit für Gott sei Grundlage für eine große Einsatzfreiheit in der Gemeinde. Das II. Vatikanische Konzil hat das Tun des Priesters grundlegend als „Dienst an der Einheit" bezeichnet.Seine Lebensform gibt Zeugnis für diese Offenheit Gottes für die vielen.
   Christsein verwirkliche sich in der Lebensentscheidung für Ehe und Familie oder für die Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen". Letztlich, so der Würzburger Bischof, gehe es hier um die Frage nach Gott und die Frage nach dem, wozu Gott den Einzelnen in seinem Leben berufe. DT091031

  Ab 2009 sind kirchliche Trauungen auch ohne Heirat auf einem Standesamt möglich. Grund ist eine Änderung des Personenstandrechts. Für die rechtlichen und steuerlichen Vorteile der Ehe zählt allerdings nach wie vor nur das Jawort vor dem Standesamt.  HAap080513

Trauringe-xx   Kirchliche Trauung künftig ohne Standesamt möglich

   Kirchliche Trauungen sind nach dem im vergangenen Jahr vom Bundestag verabschiedeten neuen Personenstandsrecht ab 2009 auch ohne vorherige standesamtliche Eheschließung möglich.
  Die Deutsche Bischofskonferenz hat jetzt dazu eine kirchenrechtliche Regelung ausgearbeitet. Danach sollen kirchliche Heiraten ohne staatlichen Trauschein nur mit Ausnahmegenehmigung des Bischofs möglich sein. Gedacht sei vor allem an die sogenannte Rentnerehe, bei der zwei Hinterbliebene gern das Ehesakrament spenden wollen, ohne ihre Witwenrente zu verlieren.
   Die rund 120 Jahre alte bestehende Regelung entstammt dem Kulturkampf zwischen Preußen und der katholischen Kirche; in anderen EU-Staaten wie Österreich gibt es keine solche Koppelung. Diese schreibt für Deutsch- land aber auch das Reichskonkordat von 1933 fest. Es gestattet die kirchliche Einsegnung der Ehe vor der Zivil- trauung nur “im Falle einer lebensgefährlichen, einen Aufschub nicht gestattenden Erkrankung eines Verlobten” sowie “im Falle schweren sittlichen Notstandes”. Der Pfarrer ist in solchen Fällen verpflichtet, dem Standesamt “unverzüglich Anzeige zu erstatten”. Abgesehen davon gilt im alten Personenstandsgesetz eine kirchliche Vorab- trauung als Ordnungswidrigkeit. OffVec508
   
In Deutschland wurden 2006 laut „Süddeutscher Zeitung” rund 373.700 Ehen vor dem Standesamt geschlossen; rund 105.000 Paare gingen dann auch vor den Altar. rvKNA080703gs 

 Standesamt für religiöse Trauung bald verzichtbar
Reform des Personenstandsgesetzes löst die seit dem Kulturkampf bestehende Verknüpfung

   Der Bundestag hat im Februar 2007 einem Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Personenstandsgesetz zugestimmt, das unter anderem eine Regelung aus dem Kulturkampf zwischen Kirche und Staat in Deutschland aus dem 19.Jahrhundert gestrichen hat. Fast einhundert Jahre waren demnach Paare mit Strafe bedroht, die sich ohne standesamtliche Eheschließung in der Kirche trauen ließen, seit den fünfziger Jahren handelten sie ordnungswidrig, blieben aber straffrei.
   Im Zuge der preußischen, dann der Reichsdeutschen Gesetzgebung, die vom Personenstandsgesetz aus dem Jahr 1937 und dann durch die Bundesrepublik übernommen wurde, ist eine nur kirchliche Eheschließung ohne vorherige Amtswaltung des Standesbeamten ordnungswidrig. Diese Vorschrift war im Zuge der Reform des Personenstandsgesetzes 2006 erörtert und dann verworfen worden. Zur Begründung hieß es in dem Gesetzentwurf der Bundesregierung: „Eine Vorschrift zur Konkurrenz von staatlicher Eheschließung und religiöser Trauung, wie sie nach geltendem Recht in den Paragraphen 67 und 67a PStG getroffen ist, wird für entbehrlich gehalten und ist daher im Entwurf nicht mehr vorgesehen. Die ursprünglich zur Durchsetzung der obligatorischen Zivilehe und zur Sicherung ihres zeitlichen Vorrangs gegenüber der kirchlichen Trauung mit Strafvorschrift (heute Ordnungs- widrigkeit) versehene Regelung hat - zumindest im Verhältnis zu den beiden großen Kirchen - keine praktische Bedeutung mehr.” Es bestehe, so heißt es in der Begründung der Bundesregierung weiter, „kein Zweifel daran, dass nur die standesamtliche Eheschließung eine Ehe im Rechtssinne begründen kann und damit Vorrang vor einer kirchlichen Trauung oder sonstigen Eheschließungsfeierlich- keiten hat”.
   Von den etwa 374.000 Ehepaaren, die 2006 standesamtlich die Ehe schlossen, traten mehr als ein Viertel danach noch vor den Altar. Der Gesetzentwurf Drucksache 16/1831 war mit den Ressorts und den Bundesländern abgestimmt. Er wurde am 9. November 2006 in zweiter und dritter Lesung ohne Debatte vom Bundestag verabschiedet (Gegenstimmen von Grünen, Linkspartei, Enthaltungen bei der FDP) und am 23. Februar 2007 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Die Änderungen treten zum 1. Januar 2009 in Kraft.
   Nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung” äußerte der Regensburger Familienrechtler Schwab nun Bedenken und warb für eine Aufklärung Heiratswilliger, die sich nur kirchlich trauen lassen möchten: „Ein Paar, das sich kirchlich, aber nicht standesamtlich trauen lässt, befindet sich in einer Ehe, die vom staatlichen Recht als nichteheliche   Gemeinschaft  angesehen wird - mit allen Konsequenzen”, sagte Schwab. Dies bedeute:  kein Unterhalt, kein Erbrecht, keine Schutzvorschriften beim Scheitern der Ehe, auch kein Zugewinnausgleich.
   Die evangelische Christen lehnen einen Segen ohne vorherige staatliche Eheschließung ab. „Das lässt das evangelische Kirchenrecht nicht zu und daran will man auch festhalten”, sagte der stellvertretende EKD- Bevollmächtigte Gill. Eine Sprecherin der katholischen Deutschen Bischofskonferenz sagte, man wolle nicht, dass das staatliche und das kirchliche Eherecht unverbunden nebeneinanderstünden. FAZ080703pca

Trotz Neuregelung: Kirchen wollen keine Ehe ohne Staat. Wer aufs Standesamt verzichtet, hat weniger Rechte

    Als vor 130 Jahren die obligatorische Zivilehe eingeführt wurde - am 1. Oktober 1874 in Preußen, am 6. Februar 1875 im Deutschen Reich - protestierten die Christen heftig. Denn damit griff der Staat in die Religionsfreiheit ein. Das galt besonders für die katholische Kirche, in der die Ehe ein Sakrament ist. Ein Grund für die Zivilehe war, dass Reichskanzler Otto von Bismarck im Kulturkampf den Einfluss der katholischen Kirche zurückdrängen wollte.
   In der Nazi-Zeit drohte Priestern sogar Gefängnis für eine kirchliche Vorausehe. In der Bundesrepublik wurde sie als Ordnungswidrigkeit geahndet. Sinnvoll kann eine rein kirchliche Ehe für verwitwete Menschen sein - für Brautleute also, die nach dem Tod ihres Partners nochmals heiraten möchten. Viele haben dies bisher nicht getan, weil ihnen dann der Verlust einer Hinterbliebenenrente droht. Manche Rentner, die kirchlich heiraten wollten, sind daher bisher auf Österreich ausgewichen.
   Doch wer diesen Schritt geht, muss auch die Konsequenzen einer ausschließlich kirchlichen Hochzeit tragen: Es gibt weniger Rechte als bei einer standesamtlichen Ehe, keinen Anspruch auf Unterhalt und Erbe, keinen Steuerfreibetrag und keine Schutzvorschriften für den Schwächeren, wenn die Ehe scheitert. Auch ganz andere Probleme könnten sich ergeben: Nach katholischem Kirchenrecht sind Eheschließungen für Männer ab 16 und für Frauen ab 14 erlaubt - nach staatlichem Recht jedoch erst ab 18. NOZChristofHaverkamp080704

Interview: Der Münchner Kanonist Winfried Aymans  begrüßt
die Änderung des Personenstandsgesetzes: „Eine Befreiung”

  Der Münchner Kanonist Klaus Mörsdorf sah in der zivilen Vorausehe einen Verstoß gegen Art. 4 GG.
Ist die Neuregelung des Personenstandsgesetzes ein Sieg für die Religionsfreiheit?
   Das ist ohne jede Einschränkung zu bejahen. Erstaunlich ist, dass die Regelung des Personenstandsrechtes, wie sie bei uns bis jetzt noch herrscht, so viele Systemänderungen lebend überstanden hat. Es handelt sich hier um ein Relikt aus der Kulturkampfzeit - zunächst in Preußen, dann in Deutschland - das vom System der Staatskirchenhoheit zur Weimarer Republik, von dort zur Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten und schließlich in die Bundes- republik Deutschland übernommen worden ist. In der Bundesrepublik Deutschland ist es eine systemwidrige Regelung gewesen.
Welche Gründe haben Ihrer Auffassung nach zu dieser Änderung geführt?
   Es ist schwierig zu sagen, was den Gesetzgeber dazu veranlasst hat, weil keine große Debatte stattgefunden hat. Im besten Fall ist es die Erkenntnis gewesen, dass es allerhöchste Zeit war, ein solche systemwidrige Einrichtung nun endlich verschwinden zu lassen.
Die Zulassung der Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare hat das unterschiedliche Eheverständnis zwischen Staat und Kirche deutlich gemacht. Ist dadurch das Bewusstsein für das bei Kirche und Staat sehr unterschiedliche Rechtsverständnis der Ehe geschärft worden?
   Ich würde hier von einem veränderten Institutsselbstverständnis, nämlich der Institution der Ehe sprechen. Die Ehe wird heute im weltlichen Recht zunehmend nicht mehr als Keimzelle der Gesellschaft und Keimzelle des gesellschaftlichen Zusammenlebens gesehen, sondern als ein beliebiges und immer wieder neu zu gestaltendes Rechtsverhältnis zwischen zwei Personen. Die sogenannte ,Homo-Ehe' ist natürlich der Gipfel von Veränderungen, die sich ja vorher im Eheverständnis immer deutlicher ausgeprägt haben. Je mehr sich die Ehe zu einer durch Scheidung beliebig veränderbaren Einrichtung darstellte, desto mehr ist das durch Verbindungen gleichgeschlechtlicher Art unter demselben Begriff der Fall. Dagegen muss auch die Kirche mit ihrem eigenen Eheverständnis ihre eigene Verkündigung frei vornehmen können.
Ist die neue Regelung dabei hilfreich?
   Dem Vernehmen nach gibt es in der Deutschen Bischofskonferenz Skepsis angesichts des geänderten Personenstandsgesetzes. Wenn es diese Bedenken in der Deutschen Bischofskonferenz tatsächlich gibt, so kann ich sie nicht nachvollziehen. Die Kirche gewinnt jetzt die Freiheit, so zu handeln, wie sie es aus ihrem eigenen Verständnis heraus für richtig hält. Wenn sie meint, dass die Verbindung zur staatlichen Ehe doch noch besser gehalten werden sollte, kann sie das jetzt frei entscheiden in ihrem eigenen Recht. Aber sie steht jetzt nicht unter einem systemwidrigen Zwang.
Welche Auswirkungen hat die Möglichkeit, ausschließlich kirchlich zu heiraten, in der kirchlichen Praxis? Entstehen mehr Informationspflichten oder größere pastorale Spielräume?
  Ich würde hier unterscheiden zwischen der seelsorglichen Praxis und der politischen Praxis. Für die seelsorgliche Praxis entstehen größere Spielräume: Es kann auch Menschen geholfen werden, die auf eine staatliche Eheschließung keinen Wert legen, ein Problem der sogenannten Rentenehe. Hier ist neuer Spielraum entstanden. Natürlich ist es auch Sache der Kirche, klar darüber zu informieren, dass die rein kirchliche Eheschließung nach dem geltenden System keine staatlichen Wirkungen hervorbringt. Zur politischen Praxis ist zu sagen, dass Artikel 26 des Reichskonkordates ja schon vor 75 Jahren in Aussicht gestellt hat, dass es einmal zu einer umfassenden Neuregelung der eherechtlichen Fragen kommen könnte. Dieser Augenblick scheint jetzt auch gekommen zu sein.
Was bedeutet das konkret?
   Man könnte jetzt auch von kirchlicher Seite aus einmal mit dem staatlichen Partner die Frage aufwerfen, ob nicht die kirchliche Eheschließung als solche auch die staatlichen zivilen Rechtsfolgen nach sich zieht und die kirchliche Eheschließung also auch staatlich anerkannt wird. Paare könnten dann entweder in der kirchlichen oder in der weltlichen Form die Ehe schließen. Wer in der kirchlichen Form die Ehe schließt und dies dem Staat mitteilt, wäre von den gleichen staatlichen und zivilen Rechtswirkungen betroffen. Das ist aus der Sicht der Kirche sicher die beste Lösung. Wenn sie den Staat dafür gewinnen könnte, wäre das ein weiterer großer Gewinn.
Die Verfechter einer Trennung von Staat und Kirche würden auf die Barrikaden gehen...
   Das kann natürlich sein. Dann wäre der Versuch gescheitert. Aber es ist ja im Artikel 26 des Reichskonkordates eine umfassende Neuregelung in Aussicht gestellt worden und darüber kann man ja verhandeln. Immerhin gilt in der Mehrzahl der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union das System der alternativen Eheschließungen.
In Österreich müssen Paare, die ausschließlich kirchlich heiraten wollen, dies von der Diözese genehmigen lassen. Ist diese Regelung sinnvoll?
   Durchaus, denn sie sichert die Kirche jedenfalls auch davor, dass später einmal Ansprüche gegen sie erhoben werden könnten, weil sich Ehepaare nicht ausreichend über die Folgen einer rein kirchlichen Eheschließung informiert erklären.
Könnten Sie sich vorstellen, dass die Neuregelung auch Auswirkungen hat auf Trauungen bei Muslimen, Sekten, Freikirchen?
   Die Regelung, die wir bisher hatten, war eine Regelung aus dem Kulturkampf. Die Kirche war damals die einzige Einrichtung, die über ein eigenes Eheschließungsrecht und über ein ausgebautes Eherecht verfügte. Insofern ist das auch jetzt zunächst einmal eine Befreiung der katholischen Kirche. Aber sie gilt natürlich für alle Bürger. Aber alle Bürger können sich eben auch in ihrem religiösen Verhalten immer nur in dem Rahmen des für alle geltenden Gesetzes bewegen - und das gilt auch für Muslime, für Juden und für jeden Bürger. DTReginaEinig080705

Kirchlich heiraten ohne Standesamt: Eine Chance für die Kirche

   Der Münchner Kanonist Professor Aymans weist in seinem Interview siehe oben auf die positiven Seiten des neuen Personenstandsrechts hin. Die verpflichtende Zivilehe vor der kirchlichen Trauung ist ein Kulturkampfrelikt, das schon zu Zeiten seiner Einführung vor allem den Sinn hatte, das katholische Eheverständnis zu margina- lisieren. Um so erstaunlicher ist, dass im kirchlichen Bereich die jetzige Neuregelung mit so viel Skepsis begleitet wird und es so scheint, als wolle man am liebsten den Status quo beibehalten. Man führt Scheingründe ins Feld - etwa die Befürchtung, nun könnten Minderjährige kirchlich heiraten - oder sorgt sich um den zivilrechtlichen und finanziellen Status der Heiratswilligen. Keine Sorge - so dumm sind die Leute in Geldangelegenheiten im Allgemeinen nicht!
  Vom „Rentenkonkubinat” redet seltsamerweise kaum jemand. Viele gläubige Menschen, die als Verwitwete im Alter noch einmal gern eine neue Partnerschaft beginnen möchten, hatten bisher die Wahl zwischen Altersarmut (wegen Wegfalls der Hinterbliebenenrente) oder einem schlechten Gewissen. Oder sie spendeten sich unter großen Schwierigkeiten ohne Ziviltrauung im Ausland das Ehesakrament. Eigentlich müssten die Vertreter von Kirche und Kanonistik aufatmen, dass das nun bald nicht mehr nötig sein wird.
   Die gesellschaftliche Realität läuft ohnehin auf eine immer weitergehende Relativierung der Zivilehe hinaus. Die schrittweise rechtliche Aufwertung von nichtehelichen Lebensgemeinschaften und eingetragenen Lebenspartnerschaften - bis hin zur Möglichkeit solcher Lebenspartnerschaften für Homosexuelle - zeigt genau diesen Trend, ebenso wie die seit Jahrzehnten fortgetriebene Erleichterung der Scheidung, oder zur Zeit die immer lauter werdenden Stimmen nach Abschaffung dies Ehegattensplittings. Dies ist längst Forderung aller linken Parteien in Deutschland, und auch auf die CDU ist in dieser Hinsicht - wie es auch bei den anderen, vorgenannten Ent- wicklungen war - kein Verlass. Die Zivilehe ist in einer säkularisierten Gesellschaft wie unserer gegenwärtigen ein Auslaufmodell, ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht.
   Doch das ist die Stunde der Kirche. Wenn überhaupt jemand ein Modell der Lebenspartnerschaft von Mann und Frau anzubieten hat, das zu Recht den Namen „Ehe” trägt, dann sind wir es! Nur wir als Christen können Einheit, Unauflöslichkeit und Sakramentalität des Ehebundes fundiert begründen, weil wir es aus dem Glauben an die unverbrüchliche Treue Gottes heraus tun, und nicht aus dem Rückgriff auf gesellschaftliche oder „natürliche” Beweggründe, die heute kaum noch greifen.
   Der Kirche eröffnet sich hier neu die Chance, die Eigenart der christlichen, sakramentalen (das heißt: strikt übernatürlichen!) Ehe - und der daraus entstehenden Familie - gegenüber allen anderen Lebensgemeinschaften herauszustellen, und den Menschen die Besonderheit dieser Berufung gegenüber lediglich zivilrechtlichen, mehr oder weniger verbindlichen Verträgen deutlich zu machen. Dr.theol.Dominik Burghardt,DT080708

Esther Caspary, Fachanwältin für Familienrecht in Berlin, weist in der FAZ auf folgenden Aspekt hin:

   Denkbar wäre eine ähnliche Lösung wie in den Vereinigten Staaten. Dort darf ein Geistlicher ein Paar nur dann trauen, wenn das Paar eine Ehelizenz vorlegen kann, die vom Staat ausgestellt wird. Mit dieser Lizenz soll sichergestellt werden, dass die Voraussetzungen für eine Eheschließung nach staatlichem Recht vorliegen. Die Lizenz muss nach der religiösen Eheschließung zurückgeschickt werden, damit die Ehe staatlich registriert und anerkannt werden kann.
   Der Vorteil dieser Lösung ist, dass jedes Paar vor einer religiösen Eheschließung einmal den Standesbeamten aufsuchen muss und dort über die fehlende rechtliche Absicherung einer rein religiösen Eheschließung aufgeklärt wird. Außerdem darf auch ein Geistlicher eine Ehe nur dann schließen, wenn die Voraussetzungen für eine Ehe nach staatlichem Recht vorliegen. Vielehen wären also ausgeschlossen. Allerdings wird nach dieser Lösung letztlich jede vor einem Geistlichen geschlossene Ehe zwangsläufig auch eine Ehe nach staatlichem Recht.
   Möchte man das nicht, müsste man die Rücksendung der Lizenz ins Belieben der Eheleute stellen. Darüber hinaus könnte man religiöse Eheschließungen, die Grundwerten unserer Verfassung widersprechen, wie der Gleichheit von Mann und Frau oder dem Selbstbestimmungsrecht der Frau (also zum Beispiel Zwangsehen), verbieten. Das sollte genügen, um den Schutz des Schwächeren zu gewährleisten. Das Recht kann und darf nicht vor jeder möglichen Torheit schützen. FAZ080731

ppPiusIX,Bismarck1875-xx

Geschichte: Der “Kulturkampf” im Deutschen Reich
Karikatur links: Reichskanzler Bismarck rechts: Papst Pius IX.

   Bald nach den siegreichen Feldzügen gegen Österreich (1866) und Frankreich (1870/71), und nach der  Gründung des neuen Deutschen Kaiserreiches  (18. Januar 1871) machte Deutschland den Versuch, das alt-preußische Staatskirchentum zu erneuern. Durch den von ihm heraufbeschworenen Kampf wurde der konfessionelle Frieden erschüttert. Die Erregung über den Syllabus und über die Unfehlbarkeitserklärung auf dem Vatikanum I gab den Anhängern der liberalen Weltanschauung Anlass, die katholische Kirche als rückständig und staatsgefährlich zu verdächtigen und gegen den angeblich das „evangelische” Kaisertum und das neue Reich bedrohenden „Ultramontanismus” zu Felde zu ziehen. Die feste Organisation der katholischen Kirche sollte gebrochen werden, um sie der Staatsgewalt unbedingt zu unterwerfen. Der politische Kampf wurde zum Kampf der Weltanschauungen und ging als „Kulturkampf” in die Geschichtsbücher ein. Der Hauptverantwortliche und Führer des Kampfes war unstrei- tig der leitende deutsche Staatsmann Fürst Otto von Bismarck, preußischer Ministerpräsident und deutscher Reichskanzler. Er konnte dabei auf die unbedingte Gefolgschaft der nationalliberalen Partei rechnen und stütze sich für die Durchführung des Kampfes auf den Kultusminister Adalbert Falk (1872—79). Bei Bismarck war der Hauptbeweggrund seines Vorgehens vor allem ein politischer: die Abneigung gegen die parlamentarische Vertretung der deutschen Katholiken, die Fraktion des  Zentrums im  preußischen Abgeordnetenhaus und im deutschen Reichstag (seit 1871), in welcher der große Staatsmann einen Sammelpunkt aller Gegner des neuen Reichs und ein Werkzeug der kurialen Politik in Deutschland erblicken zu müssen glaubte.
   Der Kulturkampf begann in Preußen mit der Aufhebung der katholischen Abteilung im Kultusministerium (8. Juli 1871). Konflikte mit den Bischöfen wegen der Altkatholikenfrage steigerten die erregte Stimmung. Rasch aufeinander folgten der so genannte Kanzelparagraph  im  deutschen  Strafgesetzbuch  (Dez. 1871 auf Antrag Bayerns), das Schulaufsichtsgesetz in Preußen (März 1872) und von Reichswegen das Jesuitengesetz  (4.Juli 1872), das die Niederlassungen der Jesuiten und „verwandter” Orden im ganzen Reich auflöste und Ausweisung bzw. Internierung der einzelnen Mitglieder anordnete. Den Höhepunkt erreichte der Kampf in den vier preußischen Maigesetzen (11.-14. Mai) von 1873, betreffend die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen, die kirchliche Disziplinargewalt und Errichtung eines königlichen Gerichtshofes für kirchliche Angelegenheiten, die Grenzen des kirch- lichen Strafrechts und den Austritt aus der Kirche.
   Diese Gesetze, die die Zerstörung der Hierarchie der Kirche und ihre Umwandlung in eine nationale Staats- kirche bezweckten, waren so tief einschneidend, dass zu ihrer Durchführung die Paragraphen der Verfassung von 1850, welche die Selbständigkeit und Selbstverwaltung der Kirche verbürgten, zuerst (1873) abgeändert, später (1875) ganz aufgehoben werden mussten. Die Bischöfe und Geistlichen, die sich nicht fügten, wurden zu harten Geld- und Gefängnisstrafen verurteilt, die Erzbischöfe von Köln (Melchers) und Gnesen-Posen (Graf Ledochowski) und vier Bischöfe (von Paderborn, Breslau, Münster und Limburg) für abgesetzt erklärt. Die Maigesetze wurden 1874 und 1875 noch verschärft und der Widerstand auf jede Weise zu brechen gesucht, in Preußen durch das unmoralische „Sperr- oder Brotkorb-Gesetz” (April 1875), durch die Aufhebung aller Orden außer den krankenpfle- genden (Mai 1875) und die Begünstigung der Altkatholiken, im Reiche durch die Entziehung der Militärfreiheit der Geistlichen und das drakonische Expatriierungs-Gesetz (Mai 1874). Auch die Einführung der obligatorischen Zivilehe (Februar 1875) ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Papst Pius IX. erklärte in der Enzyklika Quod nunquam vom 5. Februar 1875 die preußisch-deutschen Gesetze, soweit sie der göttlichen Einrichtung der Kirche widersprechen, für nichtig. Die Antwort darauf war die erwähnte Verschärfung der Gesetze.
   Die Verheerungen, die der Kulturkampf in der katholischen Kirche in Preußen-Deutschland anrichtete, waren ungeheuer. Im Jahre 1878 befanden sich von zwölf Bischöfen nur mehr vier im Amt, die bischöflichen Konvikte und Seminarien waren geschlossen, gegen tausend Pfarreien „gesperrt” und der geregelten Seelsorge beraubt, mehrere hundert Priester ausgewiesen. Aber alle Anstrengungen der Regierungen, die kirchenfeindlichen Gesetze durchzuführen, scheiterten an der Standhaftigkeit von Klerus und Volk. Von verschwindenden Ausnahmen abgesehen („Staatspfarrer”, „Staatskatholiken”), hielten sie treu zum Papst und zu ihren Bischöfen, und ihre Widerstandskraft wuchs im Kampfe. Die katholischen Vereine nahmen einen bedeutenden Aufschwung, das Zentrum, unter der Leitung des früheren hannoverschen Ministers Ludwig Windthorst und dem Westfalen Hermann von Mallinckrodt erhielt in den Wahlen eine beträchtliche Verstärkung und machte seine Bedeutung von Jahr zu Jahr mehr geltend. Allenthalben zeigte sich ein starkes Friedensbedürfnis. Die schwere Schädigung auch der staatlichen Autorität, das Anwachsen der Sozialdemokratie und anarchistischer Bestrebungen (Attentate auf Kaiser Wilhelm I. 1878) waren ernste Warnungssignale. Die Wende Bismarcks von der liberalen zur konservativen Wirtschaftspolitik und die Notwendigkeit, dem Sozialismus durch eine gesunde soziale Gesetzgebung einen Damm entgegenzuwerfen, machten einen Abbruch des Kampfes notwendig. Er wurde durch den damals eintretenden Pontifikats-Wechsel wesentlich erleichtert. Papst Leo XIII sah in der Wiederherstellung des kirchlichen Friedens in Deutschland eine seiner Hauptaufgaben und kam der preußischen Regierung so weit als möglich entgegen. Nach vorbereitenden Besprechungen mit dem Nuntien von München (Masella) und Wien (Jacobini) und nach der Entlassung Falks (1879) begann Bismarck 1880 mit dem allmählichen Abbau der Kulturkampfgesetzgebung. Durch drei kirchenpolitische Novellen von 1880—83 wurde wenigstens eine geordnete Diözesanverwaltung und eine provisorische Seelsorge in den verwaisten Pfarreien wieder ermöglicht, ferner wurden von 1881—86 die Bistümer Trier, Fulda, Osnabrück, Paderborn, Breslau, Köln, Gnesen-Posen neu besetzt und 1882 die preußische Gesandt- schaft beim Vatikan erneuert. Eine von Bismarck geplante Berliner Nuntiatur scheiterte an dem Widerstand des Kaisers.
  Bei allem Wandel der Dinge blieben die Maigesetze ihrer Substanz nach aber immer noch bestehen. Erst als die Beziehungen zwischen Bismarck und Leo XIII. freundlicher geworden waren (Schiedsgericht des Papstes im Karolinenstreit 1885) trat die preußische Regierung zum Zweck des Friedensschlusses in direkte Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl. Um die Herbeiführung eines Modus vivendi zwischen Staat und Kirche unter Ausschaltung des Zentrums machte sich namentlich Bischof Kopp von Fulda verdient. Durch zwei neue Novellen von 1886/87 wurde der Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten aufgehoben, das „Kulturexamen” der Studierenden der Theologie abgeschafft und das Studium an den Seminarien unter gewissen Bedingungen wieder anerkannt; ferner wurden die Orden zum größten Teil wieder zugelassen, die Feier der heiligen Messe und die Sakramentsspendung allgemein für straffrei erklärt und die Anzeigepflicht der Bischöfe auf die dauernde Übertragung eines Kirchenamtes beschränkt. Das Friedensgesetz vom 29. April 1887 bezeichnete Papst Leo selbst als den „Zugang zum Frieden” (aditus ad pacem). Auch in Baden und Hessen nahm man zwischen 1880 und 1887 die Kampfgesetze gegen die Kirche in der Hauptsache zurück, und die Bischofsstühle von Freiburg und Mainz wurden wieder besetzt.
   So war der gewaltige Ansturm gegen die Freiheit, ja im Grunde gegen die Existenz der katholischen Kirche in Preußen-Deutschland durch die Standhaftigkeit, Opferwilligkeit und einmütige Geschlossenheit der Katholiken im wesentlichen erfolgreich abgeschlagen. Das Selbstbewusstsein der Katholiken war durch den siegreichen Ausgang gehoben, das Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Verbundenseins mit dem Papsttum außerordentlich gestärkt worden. Dass der Kulturkampf auch vom staatlichen Standpunkt aus betrachtet ein großer Fehler war, wird heute wohl von allen Einsichtigen zugegeben, denn er verbitterte durch die ungerechten Ausnahmegesetze Millionen katholischer Staatsbürger.
   Von den Überbleibseln der Kulturkampfgesetzgebung wurde nur ein Teil seit den neunziger Jahren abgetragen. So wurden die katholischen Theologen vom aktiven Militärdienst wieder befreit (Februar 1890), das Ausweisungs- gesetz für Geistliche aufgehoben (Mai 1890), die „Sperrgelder” in Preußen an die Diözesen zurückgegeben (1891), die Redemptoristen und Väter vom Heiligen Geist im Reiche (1894) wieder zugelassen und § 2 des Jesuitengesetztes, die Ausweisung bzw. Internierung der einzelnen Jesuiten betreffend (1904) beseitigt; das ganze Jesuitengesetz fiel erst im 1. Weltkrieg (19. April 1917). Und nun wird am 01. Januar 2009 das Personenstandsgesetz geändert und dadurch der staatliche Einfluss auf das Sakrament der Ehe beendet.

   Per Dekret ist die “Ordnung für kirchliche Trauungen bei fehlender Zivileheschließung”,
die “Erklärung der Brautleute bei der Bitte um das Nihil obstat für eine kirchliche Trauung bei fehlender Zivileheschließung” in den deutschen Diözesen in Kraft getreten.

Ordnung für kirchliche Trauungen bei fehlender Zivileheschließung
   Das Verbot der kirchlichen Trauung ohne vorhergehende Zivileheschließung entfällt nach der Novellierung des Personenstandrechts zum 1. Januar 2009. Eine solche kirchliche Trauung entfaltet jedoch keine Rechtsfolgen im staatlichen Rechtsbereich. Daher ist der Kirche daran gelegen, dass auch eine zivilrechtliche Ehe geschlossen wird, damit den Gläubigen deren Rechtswirkungen gewährleistet werden  und sie auf diese Weise besser im Stande sind, die Pflichten gewissenhaft zu erfüllen, die mit der kirchlichen Trauung verbunden sind.
   Eine kirchliche Trauung ohne vorhergehende Zivileheschließung soll nur im Ausnahmefall erfolgen, wenn eine standesamtliche Eheschließung für die Brautleute unzumutbar ist.
   Bei fehlender Zivileheschließung ist immer das Nihil obstatdes Ortsordinarius einzuholen. Dazu dient folgender Antrag:
Erklärung der Brautleute bei der Bitte um das Nihil obstat für eine kirchliche Trauung bei fehlender Zivil- eheschließung
                                           Wir                                                               
                                                                        und
                                         
                                                  (Name der Braut, Name des Bräutigams)
erbitten von der katholischen Kirche das Nihil obstat für die kirchliche Trauung ohne vorhergehende Zivileheschließung.
   Wir wurden darüber belehrt und es ist uns bewusst, dass die kirchliche Trauung keine rechtlichen Wirkungen im staatlichen Bereich entfaltet; kirchlich getraute Personen ohne Zivileheschließung
- gelten nach staatlichem Recht als unverheiratet,
- haben gegenseitig keine gesetzlichen Unterhaltsansprüche nach staatlichem Eherecht,
- genießen kein gesetzliches Ehegattenerbrecht, dürfen keinen gemeinsamen Familiennamen führen,
- können keine aus der Ehe abgeleiteten Rentenansprüche (z. B. Witwenrente) geltend machen,
    werden im Steuerrecht wie Unverheiratete behandelt,
- haben vor Gericht keine Zeugnisverweigerungsrechte, wie sie standesamtlich Verheirateten
    zugestanden werden,
- haben kein Recht auf Auskunft durch den Arzt und kein Besuchsrecht im Falle ernsthafter Krankheit.
Wir wissen, dass diese Aufzählung nicht abschließend ist.
   Wir versprechen, alle Pflichten zu übernehmen und gewissenhaft zu erfüllen, die mit der kirchlichen Trauung verbunden sind; dazu gehört insbesondere auch die materielle Fürsorge der Ehepartner füreinander und für aus der Ehe hervorgehende Kinder.
Gründe für die kirchliche Trauung ohne Zivileheschließung:
Ort und Datum:
                             
                      Braut                                           Bräutigam                                Pfarrer/Beauftragter

epZollitsch,Koch,Doré

Erzbischof Dr. Robert Zollitsch (links) mit den Bischöfen von Basel und Strasbourg

   Ein bedeutendes Wort: “Plädoyer für das Leben” hat der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz mit den alemannischen Bischöfen in der Schweiz und Frankreich herausgebracht. Lesen Sie das Hirtenwort mit Kommentar bei uns unter: sterben in Würde

cdReinhardMarx-xx       KardinalReinhard Marx, München: “Gebt uns die Sterbenden”

Sterbehilfe - dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz mangelt es nicht an klaren Antworten 
> sterben in Würde

zu unserer Sonderseite > “Stellvertreter”

                           kbwn:Deutschland

[kbwn] [Blindenwerk] [Reisen Fahrten] [Hörbücher] [Heilung] [HiTech] [Kirche] [nordd. Kirche] [Credo] [Ökumene] [Orthodoxie] [Una Sancta] [Wort Gottes] [Anglikaner] [Liturgie] [alte Messe] [Deutschland] [Reformation] [Vatikan] [Glaube & Leben] [weltweite Kirche] [Himmel & Erde] [Dialog der Religionen] [Recht] [Alterssicherung]