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Diabetes-Test

D-Familie-x “Findrisk”-Test D-Sport-x

Diabetes   -   Testen Sie Ihr Risiko!

 Vorsorge 
  Ein neuer Fragebogen gibt erstmals präzise Auskunft über das individuelle Risiko für Typ-2-Diabetes. Wer ihn jetzt ausfüllt, gewinnt einen entscheidenden Vorsprung für die Gesundheit.
  Der Blick in Ihre Zukunft kostet Sie nur fünf Minuten. So lange dauert es etwa, den unten stehenden Fragebogen auszufüllen. Nehmen Sie sich diese Zeit, denn mit dem Test, den die Apotheken Umschau erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert, können Sie Ihr Diabetes-Risiko für die nächsten zehn Jahre bestimmen. Dazu müssen Sie nur acht einfache Fragen beantworten und brauchen keine Laborwerte.
Herzinfarkt und Schlaganfall vermeiden
  Nicht geeignet ist der Test für den angeborenen Mangel an Insulin, den Typ-1-Diabetes. Die Gefahrenanalyse zielt vielmehr auf die weit häufigere Variante der Zuckerkrankheit, den Typ-2-Diabetes. In Verbindung mit Übergewicht und Bluthochdruck stellt dieser eine gewaltige gesundheitliche Bedrohung dar. Herzinfarkt, Schlaganfall, Gefäß- schäden - die Liste möglicher Folgekrankheiten ist lang. Zögern Sie also nicht, und machen Sie mit! Gerne hilft man Ihnen in Ihrer Apotheke beim Ausfüllen. 

D-DDS   D-ApUm

Deutsche Diabetes-Stiftung und Apotheken Umschau präsentieren Findrisk-Test

  A  Wie alt sind Sie?
[    ]  Unter 35 Jahre          0 Punkte
[    ]  35 bis 44 Jahre         1  Punkt  
[    ] 45 bis 54 Jahre         2 Punkte
[    ]  55 bis 64 Jahre         3 Punkte
[    ]  Älter als 64 Jahre      4 Punkte

  A  Alter. Zwar erkranken zunehmend auch junge Menschen an Typ-2-Diabetes, doch das Alter ist ein wesentlicher Risikofaktor. Das liegt daran, dass mit den Jahren - insbesondere bei Übergewichtigen - die Wirkung des Hormons Insulin nachlässt. Um das auszugleichen, produziert die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin. Irgendwann stößt das Organ an seine Leistungsgrenze - an diesem Punkt bricht die Diabetes-Erkrankung aus.

  B  Wurde bei mindestens einem Mitglied ihrer Verwandtschaft Diabetes
[    ]   diagnostiziert?
[    ]   Nein                                                            0 Punkte
[    ]   Ja, in der nahen Verwandtschaft
[    ]   bei leiblichen Eltem, Kindern,
[    ]   Geschwistern                                             5 Punkte
[    ]   Ja,  in der entfernten Verwandtschaft
[    ]   bei leiblichen Großeltern, Tanten,
[    ]   Onkeln, Cousinen oder Cousins                 3 Punkte

  B    Verwandtschaft
Wenn Sie an Diabetes erkrankte Blutsverwandte haben, lässt dies Rückschlüsse auf Ihr Risiko zu. Denn: Genetische Faktoren spielen auch beim Typ-2-Diabetes eine wichtige Rolle. Ein Beispiel: Ist ein Elternteil erkrankt, beträgt das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu bekommen, für die Kinder 30 bis 40 Prozent.

  C   Welchen Taillenumfang messen Sie auf der Höhe des Bauchnabels?
[    ]   Frau: unter 80 cm
[    ]   Mann: unter 94 cm          0 Punkte
[    ]   Frau: 80-88 cm
[    ]   Mann: 94-102 cm            3 Punkte
[    ]   Frau: über 88 cm
[    ]   Mann: über 102 cm         4 Punkte

  C   Taillenumfang
   Heute sind sich Mediziner einig, dass das Fettgewebe im Bauchraum für die Entstehung von Diabetes von großer Bedeutung ist. Es ist wesentlich stoffwechselaktiver als jenes unter der Haut und an den Hüften. So wird gemessen: im Stehen legen Sie das Maßband in der Mitte zwischen dem unteren Rippenbogen und dem Becken- kamm um den Bauch herum. Leicht ausatmen und den Wert auf Nabelhöhe ablesen.

  D  Haben Sie täglich mindestens 30 Minuten körperliche Bewegung?
[    ]  Ja                   0 Punkte
[    ]  Nein               2 Punkte

  D   Bewegung
   Der Mangel an Bewegung im Alltag nimmt in Industrieländern erschreckende Ausmaße an. Schätzungen zufolge bewegen sich die Menschen heute nur noch halb so viel wie vor 50 Jahren. Auch wenn 30 Minuten tägliche Bewegung wenig erscheinen, lässt sich einer Studie zufolge damit die Diabetes-Gefahr deutlich senken. Mit „Bewegung” sind nicht nur sportliche Aktivitäten wie Radfahren oder Spazierengehen gemeint. Bewegung am Arbeitsplatz (z.B. Verkaufsregale auffüllen) oder im Haushalt (z.B. Fenster putzen, Gartenarbeit) zählt genauso.

  E  Wie oft essen Sie Obst, Gemüse oder dunkles Brot
[    ]  (Roggen- oder Vollkornbrot)?
[    ]  Jeden Tag                                  0 Punkte
[    ]  Nicht jeden Tag                          1 Punkt

  E  Gemüse, Obst, Vollkornprodukte
   Aus der Nahrung holt sich der Körper die nötige Energie. Besondere Bedeutung für den Energiehaushalt haben Fette und Kohlenhydrate. Viele der industriell verarbeiteten Lebensmittel enthalten allerdings zu viel davon. Durch den Genuss von reichlich frischem Obst und Gemüse umgehen Sie die Gefahr einer zu kalorienreichen Ernährung und führen Ihrem Körper zudem genug Vitamine und Mineralstoffe zu.

  F  Wurden Ihnen schon einmal Medikamente gegen Bluthochdruck verordnet?
[    ]  Nein               0 Punkte
[    ]  Ja                  2 Punkte

  F   Bluthochdruck
   Oft kommt Bluthochdruck im Zusammenhang mit Übergewicht vor. Nicht selten bleibt er jahrelang unerkannt, weil zunächst keine Beschwerden auftreten. Diabetiker sind bis zu dreimal häufiger betroffen als Nicht-Diabetiker. Unbehandelt erhöht Bluthochdruck die Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall.

  G  Wurden bei ärztlichen Untersuchungen schon einmal zu hohe Blutzuckerwerte festgestellt    
[    ] Nein                0 Punkte
[    ]  Ja                   5 Punkte

  G   Blutzuckerwerte
   Bei Gesunden liegt der Nüchtem-Blutzuckerspiegel unter 90 mg/dl (Messung an Fingerkuppe oder Ohrläppchen). Menschen mit Vorstadien einer Zuckerkrankheit weisen bisweilen höhere Werte auf. Ein einmalig leicht erhöhtes Testergebnis ist kein Grund zur Beunruhigung, verharmlosen sollten Sie es aber auch nicht. Lassen Sie Ihre Werte kontrollieren.

  H  Wie ist bei Ihnen das Verhältnis von Körpergröße zu Körpergewicht
[    ]    (Body-Mass-Index)? Den BMI errechnen Sie folgendermaßen:
[    ]    Körpergewicht (in Kilogramm) dividiert durch die Körpergröße
[    ]    (in Metern) im Quadrat
[    ]    Beispiel: 74 Kilogramm (1,75 m x 1,75 m) = 24
[    ]    Unter 25                      0 Punkte
[    ]    25 – 30                        1 Punkt
[    ]    über 30                       3 Punkte

  H   Body-Mass-Index (BMI)
   Der BMI setzt Ihr Gewicht ins Verhältnis zur Körpergröße. Wem die Formel zu kompliziert ist, der kann seinen Wert auch aus der unten stehenden Tabelle ablesen: Er steht in dem Kästchen, in dem sich die Linien für das Körpergewicht und die Körpergröße treffen.

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  Auswertung 
   So einfach ermitteln Sie Ihr Diabetes-Risiko: Addieren Sie die Punkte, die Ihren Antworten zugeordnet sind, und tragen Sie die Zahl in das Kästchen ein. Schauen Sie dann unten in der Tabelle  nach, welches Diabetes-Risiko Ihrem Punktwert entspricht.

So hoch ist Ihr Diabetes-Risiko

Unter 7 Punkte
Diabetes-Risiko für die nächsten zehn Jahre:   1 Prozent

Sie sind kaum gefährdet. Eine spezielle Vorsorge oder Vorbeugung ist in Ihrem Fall nicht nötig. Trotzdem schadet es natürlich nicht, auf eine gesunde Ernährung und auf ausreichend Bewegung zu achten.
7 bis 11 Punkte
Diabetes-Risiko für die nächsten zehn Jahre:   4 Prozent

Ein wenig Vorsicht ist für Sie durchaus angeraten, auch wenn Ihr Risiko für eine Diabetes-Erkrankung nur leicht erhöht ist. Wenn Sie sichergehen wollen, beachten Sie die folgenden Regeln:
Regel 1: Bei Übergewicht sollten Sie versuchen, sieben Prozent des Körpergewichts abzubauen.
Regel 2: Bewegen Sie sich an mindestens fünf Tagen in der Woche jeweils 30 Minuten so, dass Sie leicht ins                          Schwitzen geraten.
Regel 3: Fett sollte nur maximal 30 Prozent Ihrer Nahrung ausmachen.
Regel 4: Der Anteil gesättigter Fettsäuren (vorwiegend in tierischen Fetten) sollte zehn Prozent Ihrer Nahrung                       nicht übersteigen.
Regel 5: Nehmen Sie pro Tag 30 Gramm Ballaststoffe zu sich.
12 bis 14 Punkte
Diabetes-Risiko für die nächsten zehn Jahre:   17 Prozent

   Wenn Sie in diese Risikogruppe fallen, dürfen Sie Vorsorgemaßnahmen auf keinen Fall auf die lange Bank schieben. Dabei helfen können Expertentipps und Anleitungen zur Lebensstiländerung, die Sie alleine umsetzen. Greifen Sie auf professionelle Hilfe zurück, wenn Sie merken, dass Sie auf diese Weise nicht zurechtkommen. (Kontakt-Adressen finden Sie unten auf dieser Seite!).
15 bis 20 Punkte
Diabetes-Risiko für die nächsten zehn Jahre:   33  Prozent

Ihre Gefährdung ist erheblich: Ein Drittel der Patienten mit diesem Risikograd erkranken in den nächsten zehn Jahren an Diabetes. Das Unterschätzen der Situation könnte schlimme Folgen haben. Im Idealfall nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch. (Angebote erfahren Sie weiter unten!). Machen Sie einen Blutzuckertest in Ihrer Apotheke, und gehen Sie zur Gesundheitsuntersuchung (Check-up ab 35).
Über 20 Punkte
Diabetes-Risiko für die nächsten zehn Jahre:    50 Prozent

Es besteht akuter Handlungsbedarf, denn es ist durchaus möglich, dass Sie bereits an Diabetes erkrankt sind.  Das trifft für rund 35 Prozent der Personen zu, deren Punktwert über 20 liegt. Ein einfacher Blutzuckertest - beispielsweise in Ihrer Apotheke - kann als zusätzliche Information hilfreich sein. Allerdings ersetzt er nicht eine ausführliche Labordiagnostik zum Ausschluss einer bereits bestehenden Zuckerkrankheit. Daher sollten Sie umgehend einen Arzttermin vereinbaren.

D-DrGerdlLeidig-xx  Apotheker Dr. Gerd Leidig

Einfach und richtig gut. Wie der „Findrisk”-Fragebogen die Diabetes-Vorbeugung voranbringen kann

   Den Testlauf in Bergisch Gladbach hat er mit Bravour bestanden. Als Apotheker Dr. Gerd Leidig Foto eine Dia- betes-Präventionswoche in seiner Apotheke durchführte, machte er den Risiko-Fragebogen zu seinem zentralen Hilfsmittel. „Er wurde ausgezeichnet angenommen”, berichtet Leidig. „Die Bereitschaft der Menschen, sich ein Bild von ihrer Stoffwechsellage zu machen, war deutlich höher als bei vergleichbaren Anlässen.” Der Grund: Der Frage- bogen ist leicht verständlich, schnell auszufüllen, und Labortests sind nicht nötig - nicht einmal eine Blutzucker- untersuchung.
  Seine „Niederschwelligkeit” bezeichnet Apothekerin Jutta Rewitzer aus Fürth im Wald daher auch als die heraus- ragende Eigenschaft des Fragebogens. Sie ist Vizepräsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer und im Beirat der Deutschen Diabetes-Stiftung: „Bei Risikobestimmungen müssen die Teilnehmer eine Hemmschwelle überwinden. Hier ist sie extrem niedrig.”
   So scheint also die Hoffnung berechtigt, dass der Test der Diabetes-Vorbeugung in Deutschland einen ordent- lichen Schub verleiht. Wie wichtig das wäre, verdeutlicht der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) Heinz-Günter Wolf Foto unten:  „Es hat sich gezeigt, dass etwa jeder achte Apothe- kenkunde erhöhte Blutzuckerwerte hat.”

D-DrPeterSchwarz-x Dr. Peter Schwarz D-Heinz-GünterWolf  Heinz-Günter Wolf

   Risikoberechnungen sind in vielen medizinischen Fachdisziplinen schon seit Jahren üblich. Meist liegen sie aber in der Hand von Ärzten. Das galt bis vor kurzem auch für die Zuckerkrankheit. „Möglichkeiten, das individuelle Diabetes-Risiko abzuschätzen, gibt es zwar schon länger, doch waren dazu bisher Labortests nötig. Es musste also immer ein Mediziner aufgesucht werden”, sagt Präventionsforscher Dr. Peter Schwarz Foto oben vom Uni- versitätsklinikum der Technischen Universität Dresden.
  Solche Untersuchungen kosten nicht nur Geld, man erreicht mit ihnen meist auch nur einen Bruchteil der Gefährdeten. Mit dem neuen Fragebogen soll sich dies ändern. Sein klarer Aufbau und seine Verständlichkeit machen ihn für jeden zugänglich. Schwarz hofft auf große Resonanz. „Ganz klar: Je einfacher und leichter ein Test ist, desto eher wird er auch gemacht.”

Präzise Vorhersagen möglich

  Entwickelt wurde der Fragebogen in Finnland. Schwarz und sein Team mussten daher klären, ob er auch für Deutschland geeignet ist. „Wir haben den Test mit eigenen Patientendaten und solchen aus Hausarztpraxen durchgeführt. Die Präzision der Vorhersagen war hervorragend”, berichtet Schwarz. Im Dezember 2006 wurde die Auswertung abgeschlossen. Dabei zeigte sich auch: Für Frauen und Männer gelten die gleichen Punktwerte.
   Von einem „neuen Ansatz in der Diabetes-Prävention” spricht der Vorsitzende der Deutschen Diabetes-Stiftung, Professor Rüdiger Landgraf.  Mit dem Fragebogen sei die Risikobestimmung nun unabhängig vom Arzt. Gleichzeitig aber sieht der Diabetologe die Notwendigkeit der Vermittlung und Beratung: „Bei einem solchen Screening- Instrument nimmt der Apotheker eine besondere Stellung ein.” Bedarf besteht vor allem dann, wenn der Test eine erhöhte Diabetesgefährdung aufzeigt. Landgraf: „Dann kann es sinnvoll sein, einen Blutzuckertest zu machen.” Diesen Service bieten viele Apotheken an. Besteht tatsächlich ein erhöhtes Risiko, kommt man nicht darum herum, seinen Lebensstil zu ändern. Die Hauptverursacher Bewegungsmangel und eine zu kalorienreiche Ernährung müssen ausgeschaltet werden. Beides führt zu Übergewicht und verschiedenen Zivilisationskrankheiten - unter anderem Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Vorstufen des Typ-2-Diabetes.
   Das Ergebnis all dessen sind Ablagerungen in den Gefäßwänden, die - je nach Ort des Schadens - Herzinfarkte, Schlaganfälle oder auch Durchblutungs-Störungen hervorrufen können. Diese Folgen lassen sich verhindern, wenn rechtzeitig eingegriffen wird. Die Bedeutung des Faktors Zeit macht Landgraf klar: „Bei rund 30 Prozent der Menschen, bei denen ein Typ-2-Diabetes festgestellt wird, bestehen zum Zeitpunkt der Diagnose bereits diabetesbedingte Gefäßschäden. Nicht selten finden sich diese am Herzen.” Gibt es überzeugendere Argumente dafür, mit Hilfe des Fragebogens sein persönliches Risiko möglichst schnell herauszufinden? 

Glossar: Welche Typen der Zuckerkrankheit gibt es?

Typ-1-Diabetes:
   Autoimmunerkrankung oder idiopathisch (ohne fassbare Ursache). Die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die Insulin herstellen, arbeiten nicht. Die Patienten müssen lebenslang Insulin spritzen. Tritt häufig bereits im Kindes- alter auf. Erste Anzeichen sind oft Abgeschlagenheit, starker Durst und häufiger Harndrang, verminderte Leistungsfähigkeit, teils auch Bauchschmerzen.
Typ-2-Diabetes:
   Insulin bringt Glukose aus dem Blut in die Zellen, wo sie gebraucht wird. Beim Typ-2-Diabetes reagieren die Körperzellen nicht mehr so gut auf Insulin, die Mediziner sprechen von Insulinresistenz, der Körper braucht mehr Insulin. Diese Form wurde oder wird auch als Altersdiabetes bezeichnet. Oft haben die Patienten Herz-Kreislauf- und Fettstoffwechselstörungen, die Krankheit kann unter anderem zu Gefäßveränderungen und Nieren-, Augen- und Nervenschäden führen.
Weitere Diabetesformen:
   Ein Diabetes kann auch durch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wie eine Entzündung auftreten sowie aufgrund von Hormonstörungen, durch Medikamente oder Infektionen. Auch einige genetische Syndrome sind damit verbunden. In der Schwangerschaft ist es die häufigste Stoffwechselstörung (Gestationsdiabetes).
Nüchtern-Blutzucker: Bei diesem Test wird der Blutzucker- beziehungsweise Glukosewert im Blut ermittelt, morgens, vor dem Frühstück. Er sollte normalerweise unter 110 mg/dl (6,1 mmol/ 1) liegen. Liegt er mehrfach über 126 mg/dl, so liegt ein Diabetes vor. Nach dem Essen sollte der Wert nicht über 140 mg/dl liegen
Insulin:
   Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse hergestellt. Es ist wichtig, um den Energielieferanten Glukose aus dem Blut in die Körperzellen zu schleusen. Fehlt es dem Körper, steigt der Blutzucker an; ist der Wert sehr hoch, kann dies zu Bewusstlosigkeit und im extremen Fall zum Tod führen. Ist der Wert sehr niedrig, können die Patienten durch die Unterzuckerung ohnmächtig werden. Insulin hat Auswirkungen auf den Fett- und Aminosäure- stoffwechsel und fördert den Aufbau von Gewebe.  HA130113

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So senken Sie Ihr Risiko. Vorbeugung: Schon kleine Änderungen des Lebensstils fördern die Gesundheit

  Gesünder essen und trinken 
■  Mehr Obst und Gemüse. Jede Mahlzeit sollte mit Obst, Gemüse oder Salat beginnen.
Im Idealfall stillen Sie damit sogar Ihren Hunger ganz.
■  Fettarme Lebensmittel. Greifen Sie bei Milch- und Käseprodukten zu den fettarmen Varianten. Essen Sie magere Wurst und mageres Fleisch - aber auch das nur in Maßen. Mindestens einmal wöchentlich sollte Fisch auf den Tisch.
■  Fettarm kochen. Pfannen mit Antihaftbeschichtung verwenden, mit denen man beim Braten auf viel Fett verzichten kann. Grundsätzlich sollten Rapsöl (zum Braten) und Olivenöl (für Salate) die festen Fette in der Küche ersetzen.
■  Gesunde Imbisse. Fastfood und Fertigsnacks sind Kalorienbomben. Verzichten Sie darauf. Die Natur bietet leckere Zwischenmahlzeiten wie Trauben, Karotten oder Äpfel.
■  Gesunde Getränke. Meiden Sie zuckerhaltige Getränke. Löschen Sie Ihren Durst statt dessen mit Mineral- wasser, Obstsäften und Kräutertees.
   Mehr Bewegung in den Alltag 
■  Zeit nehmen. Bewegen Sie sich täglich 30 bis 60 Minuten. Wählen Sie Aktivitäten aus, die Sie in Ihrem Alltag gut unterbringen.
■  Arbeitsweg zum Training nutzen. Zum Beispiel die Wartezeit an der Bushaltestelle: Spannen Sie abwechselnd Gesäß- und Bauchmuskeln an. Dann wippen Sie auf den Zehenspitzen auf und ab. Vielleicht reicht die Zeit sogar, um bis zur nächsten Haltestelle zu gehen.
■  Vorfahrt für das Fahrrad. Für Besorgungen in der Umgebung nehmen Sie das Rad. Stellen Sie es so ab, dass Sie es jederzeit benutzen können, und halten Sie es funktionsfähig.
■  Auf Gruppendynamik setzen. Wenn Ihnen Sport in der Gruppe Spaß macht, nutzen Sie das aus. Feste Trainingstermine und nette Sportkameraden helfen, auch in motivationsschwachen Momenten dabeizubleiben.
Richtig belasten. Wählen Sie Sportarten mit leichter bis mittlerer Belastungsintensität. Nordic Walking beispiels- weise ist ideal. Wenn Sie leicht schwitzen und sich beim Sport gut unterhalten können, stimmt die Belastung.
  Dauerhaft aktiv bleiben 
■  Realistische Ziele setzen. Vorsätze, die nicht einzuhalten sind, machen ein schlechtes Gewissen und demoti- vieren.
■  Aktionstage einführen. Ein- bis dreimal pro Jahr sollten Sie klare Verhältnisse schaffen und radikal aufräumen. Das gilt für den Kühlschrank ebenso wie für Keller und Wohnzimmer. Indem Sie so Ihre Gewohnheiten durch- brechen, tanken Sie Kraft und Energie für alle anderen Lebensbereiche.
■  Sich selbst überlisten. Nur Maßnahmen, die einfach umzusetzen sind, können im Alltag bestehen. Beispiel Sportschuhe: Stehen sie griffbereit im Flur, werden sie sehr wahrscheinlich auch benutzt. Dasselbe gilt für den Inhalt des Kühlschranks: Gesunde Lebensmittel ganz nach vorn räumen, denn dorthin greift man zuerst!

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Praktische Hilfe zur Selbsthilfe: Interventionsprogramme.
Zahlreiche Institutionen bieten Kurse an, in denen man lernt, seinen Lebensstil zu verändern.
 

  Die Kulisse stimmt: Rechter Hand residiert die Deutsche Sporthochschule, geradeaus erhebt sich der Back- steinbau des Kölner Sportamtes, hinter dem die mächtige Tribüne des Rhein-Energie-Stadions in den Himmel ragt. Auf der Rasenfläche zwischen all den imposanten Sportstätten und -institutionen treffen sich Menschen zum Ausgleichssport - sie joggen, walken  oder  spielen  Fußball. Trainingsanzüge, wohin das Auge blickt. Etwas ab- seits hat sich eine Gruppe postiert, die aus dem Rahmen fällt. Frauen und Männer stehen im Kreis, denen man ansieht, dass sie ein paar Kilos zu viel auf den Rippen tragen. Eine zierliche Frau in der Mitte gibt Anweisungen: „Erst geht ihr euch ein paar Bahnen warm. Dann nehmt ihr Bälle und spielt sie einander mit dem Fuß zu.” Die Frau in der Mitte ist Ute Haas, 41, eine Diplomsportlehrerin, die sich auf Sport mit übergewichtigen spezialisiert hat. In den Kursen ihres Kalorienbalance-Instituts in Köln geht es anfangs gar nicht um das Abnehmen. Haas erläutert: „Zunächst wird versucht, langsam die Fitness zu verbessern.” Schließlich ist genau das der Grund, weshalb viele Übergewichtige Sport treiben wollen: Es nervt sie, schon nach einer Treppe ins Schwitzen zu geraten oder nur schwer schnaufend zum Bus laufen zu können.
Angepasstes Training
   Bevor sich aber Fitness und Stoffwechsel bessern, gilt es einige Hürden zu überwinden. Die erste Schwierigkeit: Viele Übergewichtige haben verlernt, wie man sich bewegt. Am Anfang stehen daher einfache Koordinations- und Bewegungsübungen im Vordergrund. Zur Sicherheit übt jeder Teilnehmer mit einem Pulsmessgerät, um notfalls die Intensität zu drosseln, wenn der vorher errechnete individuelle Trainingspuls überschritten wird. Eine andere Schwierigkeit, mit der sich Haas auseinanderzusetzen hat, sind Motivationstiefs: „Ich muss ständig auch Spass vermitteln, damit die Leute regelmäßig kommen. Nur dann stellt sich der Erfolg ein.”
   Rein medizinisch betrachtet bedeutet „Erfolg” einen Gewichtsverlust und einen verbesserten Stoffwechsel. Dann erst sinkt das Risiko für Diabetes-Erkrankungen und deren schlimme Folgen. Nur selten gelingt es Übergewichti- gen, sich alleine aus dem Strudel von Übergewicht, Bewegungsmangel und hochkalorischer Ernährung zu befreien. Meistens gilt - im übertragenen wie im Wortsinn: Je umfangreicher das Problem, desto schwerer lässt es sich beheben. Ohne fremde Hilfe geht oft gar nichts.
Langfristige Ernährungsumstellung
  Mit dem sperrigen Begriff „Interventionsprogramme” bezeichnen Ärzte die entsprechenden Hilfsangebote. Deren Ziel lässt sich immer auf dieselbe Formel bringen: weniger essen, sich mehr bewegen. Ernährung und Bewegung müssen stets gleichberechtigt betrachtet werden, betont Professor Hans Hauner, Ernährungsmediziner an der Technischen Universität München und Beirat der Stiftung Rufzeichen Gesundheit! “Allerdings lässt sich mit einer Ernährungsumstellung rascher auf Gewicht und Stoffwechsel Einfluss nehmen.” Doch von Diäten hält er wenig: „Immer wenn es sich um kurzfristige Konzepte handelt, bringen sie nicht viel. Ziel muss es sein, langfristige Ernährungsumstellungen zu erreichen.”
Hilfe zur Änderung des Lebensstils
  Langfristige Ziele haben auch die Mitglieder der Kölner Sportgruppe. Fast alle nehmen an dem Interventions- programm „Mobilis” teil, das bundesweit angeboten wird und speziell auf stark Übergewichtige (Body-Mass-Index zwischen 30 und 40) zugeschnitten ist. Es bietet Hilfe bei einer dauerhaften Umstellung des Lebensstils. Zu dem Bewegungstraining kommen Ernährungsinformationen und eine psychologische Betreuung.
  Das Gemeinschaftsprojekt des Universitätsklinikums Freiburg und der Deutschen Sporthochschule Köln hat Andreas Berg, heute Geschäftsführer von Mobilis, von Anfang an begleitet: „Wir versuchen, die Eigenverantwor- tung des Einzelnen zu stärken.” Gewährleistet werden soll dies unter anderem dadurch, dass für jeden Mobilis- Kurs, der zwölf Monate dauert, ein Team von speziell ausgebildeten Sportlehrern, Psychologen, Ernährungs- experten und Medizinern zur Verfügung steht. Im ersten halben Jahr bestimmen wöchentliche Sporteinheiten und regelmäßige Gruppentreffen das Programm. Anschließend beginnt die Phase, in der die Teilnehmer nur wenige Sitzungen haben und eigenverantwortlich die Ernährungsumstellung und das Sportprogramm umsetzen", sagt Berg. Einzige Hilfestellung: monatliche Gruppentreffen.
Große und kleine Erfolgsgeschichten
   Die Gruppe auf dem Kölner Rasen hat die Sportart gewechselt: Statt Fußball wird jetzt Volleyball gespielt. Die Teilnehmer stehen im Kreis, baggern und pritschen sich die Bälle zu. Mittendrin steht Theo Schorn Foto unten, der Vorzeigeathlet der Gruppe. Der Hobby-Autorennfahrer hat bereits 18 Kilogramm abgenommen. „Noch fehlen 14 Kilo, dann bin ich unter der Hundertergrenze. Wenn mir das gelingt, gönne ich mir als richtig große Belohnung einen Porsche”, sagt der Malermeister.

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  Nicht nur Theo Schorn hat von Mobilis profitiert, fast alle Teilnehmer können ihre Erfolgsgeschichte erzählen. Das spricht sich herum: Seit dem Start des ersten Kurses in Freiburg vor drei Jahren ist das Angebot stark ausgeweitet worden. „Mittlerweile finden in allen größeren deutschen Städten Kurse statt", freut sich Berg. Auch die Krankenkassen haben die Bedeutung erkannt. Von den Gebühren erstatten sie meist 85 Prozent. Die einzige Voraussetzung ist der Nachweis einer regelmäßigen Teilnahme.
  Eine Alternative zu Mobilis ist „Praedias”. Auch bei diesem Programm sind Ernährung und Bewegung die tragenden Säulen. Es besteht die Möglichkeit, an Gruppenabenden teilzunehmen oder die Informationen in schriftlicher Form durchzuarbeiten. Allerdings gibt es Praedias bisher nur in wenigen Regionen Deutschlands. Für Interessenten, die nicht an einem Kurs teilnehmen können, gibt es andere Möglichkeiten, die sich alleine umsetzen lassen. Ein Beispiel ist der von dem Präventions-Experten Dr. Peter Schwarz erarbeitete Kalender „Gesund Leben 2007” mit praktischen Tipps zu den Themen Ernährung und Bewegung. Ein anderes Programm ist die „Chipliste” von Dr. Klas Mildenstein von der Medizinischen Hochschule Hannover, die jedem Nahrungsmittel einen bestimmten Chipwert zuordnet. So kann man schnell erfassen, was gesund ist und welche Lebensmittel gemieden werden sollten. Die Liste gibt es in der Apotheke.
  Ebenfalls in Eigenregie lässt sich das „Schwertfisch-Konzept” umsetzen, das Professor Hans Immler von der Universität   Kassel   entwickelte. Der Schwerpunkt liegt auf dauerhaften Verhaltensänderungen, durch die mehr Bewegung und gesündere Ernährung auf einfache Weise in den Alltag integriert werden. Die entsprechenden Empfehlungen und Tipps werden in Büchern vermittelt. Seit kurzem gibt es auch ein Programm zur Verhaltens- änderung. „Die Kurse dauern drei Monate”, erklärt Immler. „Dabei werden Erfahrungen ausgetauscht, Informa- tionen vermittelt und Erfolge kontrolliert, in engem Kontakt mit einer Arbeitsgruppe an der Universität Kassel.”
Angebote gibt es genug
  Möglichkeiten, ein erhöhtes Diabetes-Risiko aktiv in den Griff zu bekommen, gibt es also genug. Auch das örtliche Fitness-Studio oder den Sportverein um die Ecke sollte man in Erwägung ziehen; viele davon bieten heute bereits Kurse für Übergewichtige an. Nachfragen lohnt sich auch bei der Krankenkasse. Wichtig ist, dass das Angebot sowohl die Ernährungs- als auch die Bewegungsseite berücksichtigt und zudem langfristige Ziele verfolgt. Wenn das der Fall ist, dann haben Sie eine hohe Sicherheit, dass Sie mit dem Programm wirksam gegen Ihr Diabetes- Risiko angehen.
   Nicht immer jedoch ergreifen die Betroffenen rechtzeitig die Initiative. Das zeigen die steigenden Zahlen von Menschen mit Typ-2-Diabetes. Der Grund ist oft die Unkenntnis der eigenen Gefährdung. Um so wichtiger also, Risikotests wie den Fragebogen oben auf dieser Seite auszufüllen und vor allem die sich daraus ergebenden Warnungen auch ernst zu nehmen.

diab-Hans-HaukeEngelhardt-x  Hans-Hauke Engelhardt, 61, Geschäftsführer von Herz InForm  

Flottes Gehen in der Natur hilft bei Gefäßerkrankungen - Sportgruppen für Diabetiker und herzkranke Menschen

   Die Arbeitsgemeinschaft Herz InForm bietet Sportgruppen für Menschen mit Herzerkrankungen und Diabetes an. Geschäftsführer Hans-Hauke Engelhardt plant, noch mehr Diabetiker in Bewegung zu bringen.
Warum bieten Sie Sportgruppen fiir Diabetiker an?
   Hans-Hauke Engelhardt: Wir haben seit mehr als 40 Jahren Erfahrungen mit Sportgruppen für herzkranke Menschen, und es gibt einige Krankheiten, bei denen man Bewegung gut einsetzen kann zur Behandlung. Dazu gehören Gefäßerkrankungen. Weil Diabetes über die Jahre die Gefäße schädigen kann, steuern Betroffene wo- möglich eher als andere Menschen auf einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu.
Was erwartet Menschen mit der Zuckerkrankheit in Ihren Sportgruppen?
   Der Schwerpunkt liegt auf Walken, also flottem Gehen, in der freien Natur. Dabei soll die Ausdauer gestärkt werden. Außerdem gibt es je nach Angebot leichte Gymnastik dazu und auch einen Teil mit Entspannung.
Müssen die Patienten die Kosten selbst übernehmen?
   Die gesetzlichen Kassen übernehmen die Kosten für 50 Einheiten in zwölf Monaten. Nur gelegentlich müssen die Teilnehmer einen sehr geringen Beitrag in einem Sportverein übernehmen. Es gibt dafür extra Anträge auf Kosten- erstattung.
Wie viele kommen in Ihre Gruppen?
   Das ist eigentlich eine traurige Geschichte. Wir verteilen zwar jedes Jahr 2000 Flyer, aber wir betreuen nur eine Handvoll Gruppen mit etwa 70 Leuten. Diabetiker sind oft Menschen, die sich vor ihrer Erkrankung nicht viel be- wegt haben, Bewegungsmangel ist ja ein Risikofaktor für Diabetes.
Sie planen für das Jahr 2013, mehr Diabetiker in Bewegung zu bringen. Wie wollen Sie das erreichen? 
   Zum einen wollen wir ein Angebot im Rahmen der Internationalen Gartenschau in Hamburg-Wilhelmsburg auf die Beine stellen. Außerdem wollen wir verstärkt mit engagierten Diabetes-Schwerpunktpraxen zusammenarbeiten. HA130103ChristianeLöll

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   Andreas Becker (Name geändert) hat nie einen Risikotest gemacht. Dass sein beträchtliches Übergewicht zwangsläufig in eine Zuckerkrankheit münden würde, wusste der 47-Jährige nicht. Vor acht Jahren war es so weit. Als er seinen Hausarzt wegen einer Grippe aufsuchte,  stellte dieser einen Typ-2-Diabetes fest.  Anfangs gelang es mit Medikamenten, den Blutzucker einigermaßen einzustellen. Da Becker seinen Lebensstil aber nicht änderte, verschlechterte sich sein Zustand.  Heute muss er Insulin spritzen. Im Diabeteszentrum der Ruhr-Universität in Bad Oeynhausen versucht er,  seine Zuckerkrankheit besser in den Griff zu bekommen.  Vollends im Klaren über die Dringlichkeit seiner Situation ist er sich allerdings immer noch nicht: „Angst vor den Folgen habe ich eigentlich nicht.”

D-ProfDiethelmTschöpe-x        Prof. Diethelm Tschöpe

Individuelle Schulungen
   Derartige Aussagen überraschen den Direktor des Diabeteszentrums, Professor Diethelm Tschöpe, schon lange nicht mehr: „Es ist bekannt, dass eine große Lücke klafft zwischen der medizinischen Gefahr und der Wahr- nehmung der Patienten. Viele der Betroffenen zeigen wenig Bereitschaft, etwas an ihrem Lebensstil zu ändern.”
   Daher hält der Diabetologe individuelle Schulungen für Diabetiker für besonders wichtig. Zum Standardprogramm von Patienten wie Andreas Becker gehören in dem Bad Oeynhausener Diabeteszentrum folglich auch Kochkurse, Informationen über gesunde Ernährung und Tipps zu angemessener Bewegung.
  Tschöpe bezeichnet das Therapieangebot seiner Klinik als „mehrdimensionales endokrinologisches Behandlungs- konzept”. „Es ist wichtig, den Patienten zu vermitteln, dass Lebensstiländerungen auch dann noch sinnvoll sind, wenn bereits eine Zuckerkrankheit besteht.” Denn eine verbesserte Stoffwechsel-Situation macht es unter Umständen sogar möglich, auf manche Medikamente wieder zu verzichten.
   Darauf hofft auch Andreas Becker. Sein Ziel ist es, kein Insulin mehr spritzen zu müssen. „Laut Auskunft der Mediziner stehen meine Chancen dafür gut”, berichtet er. Einen kleinen Erfolg hat er immerhin verbuchen können: Er wiegt schon einige Kilogramm weniger.     

Die Schattenseiten der Zuckerkrankheit - Hohe Dunkelziffer

Auf je zwei Diabetiker kommt ein nicht erkannter Fall.
Steigende Gefahr: Herz-Kreislauf-Erkrankungen nehmen bei erhöhtem Blutzuckerspiegel deutlich zu.
Schleichende Entwicklung
Bis zu zehn Jahre ohne jegliche Beschwerden können vergehen,
bis Übergewichtige eine Zuckerkrankheit entwickeln.
Verbreitet:
246 Mio Diabetiker gibt es nach aktuellen Erhebungen der Internationalen Diabetes Föderation (IDF) weltweit.
Für Deutschland gehen Experten von fünf bis sechs Millionen Personen mit der Diagnose Diabetes aus.
Zu wenig Bewegung:
Nur 13 Prozent der Deutschen sind mindestens viermal pro Woche eine halbe Stunde körperlich aktiv. Studien aus den USA, Finnland und Indien weisen auf die Bedeutung von Bewegung für die Diabetes-Vorbeugung hin: Wer täglich mehr als eine halbe Stunde Fahrrad fährt oder zu Fuß geht, verringert das Erkrankungsrisiko um 36 Prozent
Hohe Kosten:
14,6 Milliarden Euro kostet die Versorgung von Diabetikern pro Jahr das deutsche Gesundheitssystem.
Der Betrag umfasst sowohl die Ausgaben der Kranken- als auch der Pflegeversicherungen.
Jeder Zuckerkranke verursacht im Schnitt jährliche Kosten von 5.262 Euro.
Bei Typ-2-Diabetikern entfallen 50 Prozent der Ausgaben auf Krankenhausaufenthalte.
Früher sterben:
3 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an den direkten Folgen eines Diabetes. Die Krankheit gehört damit weltweit zu den fünf häufigsten Todesursachen. Im Jahr 2005 registrierte das Statistische Bundesamt in Deutschland 24.342 Diabetes-Tote und damit rund ein Viertel mehr als 25 Jahre zuvor.
Dramatische Folgen:
75 Prozent aller Diabetiker leiden auch an Bluthochdruck. Häufig sind zudem Augenprobleme (11,9 %), Nervenschäden (10,5 %) sowie Herzinfarkte (9,1 %).
Männer mit Diabetes erleiden fast viermal so oft einen Infarkt wie Nicht-Diabetiker.
Für zuckerkranke Frauen ist die Gefahr um den Faktor 5,9 erhöht.
Durch sehr gute Einstellung könnte dieses Risiko drastisch gesenkt werden.

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Buchtipps: Hilfreiche Lektüre für Diabetiker bieten die Ärztlichen Ratgeber „Diabetes” und „Richtig essen bei Dia- betes”, anhand derer Betroffene ein verantwortungsbewusstes Selbstmanagement erlernen können. Die Bücher sind für 17,80 bzw. 15,30 € nur über Ihre Apotheke zu beziehen oder per Fax: 0 89 - 74 43 32 08, Telefon: 089 - 74 43 32 70, eMail: buchbestellung@wortundbildverlag.de oder per Post beim Wort & Bild Verlag, Postfach 1254, 82033 Deisenhofen.

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Die Unterzuckerung erschnüffeln. Foto links: Simone Luca Barrett bildet Diabetikerwarnhunde aus.
Ihren eigenen Hund Finn nennt sie ihren Lebensretter.  Foto rechts: Noch etwas ratlos:
Der Welpe Linox muss den richtigen Socken erkennen.

   Finn schlägt Alarm. Lautlos, in Sekundenbruchteilen. Jetzt läuft die Zeit. Simone Luca Barrett geht zum Auto, holt ein Trinkpäckchen Orangensaft hervor und leert es. Gefahr gebannt. Andernfalls hätte es ihr schon wenig später schlecht gehen können. Simone Luca Barrett ist Diabetikerin. Typ-1, die schwerste Form der Erkrankung. Finn ist ihr Lebensretter, wie sie sagt, ihr Engel auf vier Pfoten, der sie vor Unterzuckerung warnen soll. Der Misch- lingshund hatte kurz an ihrem Mund geschnüffelt und mit seiner Nase ihre rechte Hand angestupst. Das war das Signal. „Durch ihn kann ich wieder leben", sagt die 28 Jahre alte Osnabrückerin. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Ihren zwei Jahre alten Hund rettete sie 2007 aus einer Tötungsstation in Spanien und bildete ihn zum ersten Diabetikerwarnhund Deutschlands aus.
   Wer als Kunde zu Simone Luca Barrett kommt, hat Diabetes. So wie Sabine Gauding, bei der die Stoffwechsel- erkrankung erst unlängst diagnostiziert wurde. Sie leidet unter Typ-2-Diabetes, so wie rund 90 Prozent der Diabetiker in Deutschland. Sie absolviert mit ihrem drei Monate alten Welpen Linox gerade die ersten Trainings- einheiten auf dem Hundeplatz bei Osnabrück. Sabine Gauding ist selbst Hundetrainerin, aber die wichtigsten Fähigkeiten, die Linox künftig beherrschen muss, kann sie ihrem Hund nicht alleine beibringen. Dafür braucht sie die Hilfe von Simone Luca Barrett. Die hält Linox drei gleich aussehende Socken hin: einen getragenen, einen gewaschenen und einen, der von ihr während einer Unterzuckerung getragen wurde. Sobald der kleine Mischlingshund mit den langen Ohren an diesem Socken schnüffelt, bekommt er eine Belohnung: ein Stück Hunde- kuchen. Nasenarbeit nennt Simone Luca Barrett das. Der Welpe hat den Dreh im Nu heraus. „Er ist so gelehrig", schwärmt die Trainerin. Aber das wusste sie ja schon vorher. Schließlich hat sie Linox, der mit seiner Mutter und seinen Geschwistern aus einem Tierheim in Salamanca geholt wurde, kurz nach seiner Ankunft in Deutschland ge- testet. Mit dem Ergebnis: Der Kleine kann ein Großer werden. Er bringt alle Veranlagungen für einen Diabetiker- warnhund mit. Das ist, sagt die Trainerin, nur bei einem von 1000 Hunden der Fall. „Seine Nase muss funktionieren wie bei einem Drogenspürhund", sagt Simone Luca Barrett.
   Die Zahl der Menschen mit Diabeteserkrankung nimmt beständig zu. In Deutschland sollen etwa zehn Prozent der Bevölkerung, also acht Millionen Menschen, Diabetiker sein. „Wir gehen davon aus, dass jährlich eine Million Menschen dazukommen", sagt Manfred Flore, Geschäftsführer des Deutschen Diabetiker-Bundes. Hans Hauner, Professor für Diabetologie am Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München, schrieb im „Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2008" schon von einer Epidemie. „Diabetes ist ja nicht ansteckend", sagt Flore, „hat aber epidemischen Charakter."
  Vor zwei Jahren musste Simone Luca Barrett ihr Lehramtsstudium wegen ihrer Erkrankung abbrechen und konnte nicht mehr Auto fahren: Sie leidet zusätzlich noch an einer Hypowahrnehmungsstörung. Eine drohende Unter- zuckerung, eine Hypoglykämie, bemerkt sie erst, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Finn dagegen erkennt schon am Atemgeruch, wenn der Blutzuckerspiegel sinkt. „Ohne ihn müsste ich alle zehn Minuten messen", sagt Simone Luca Barrett. Das Testgerät hat sie zwar immer dabei, aber eigentlich brauchte sie es nicht. Ihrem Hund vertraut sie bedingungslos. In der Nacht schnüffelt der Hund regelmäßig an ihrem Mund, um sie im Notfall zu wecken. Oder aber, um eine Flasche Cola zu holen, das Testgerät zu bringen, die Haustür zu öffnen und beim Nachbarn zu klingeln. „Eine Sache des Trainings", sagt Simone Luca Barrett. „So ein Hund kann 250 Kommandos." Im Restaurant sei Finn schon mal schnüffelnd von Tisch zu Tisch marschiert und dann vor einer Frau sitzen geblieben. „Sie hatte Diabetes", sagt Simone Luca Barrett stolz.
   Manfred Flore steht Diabetikerwarnhunden dagegen skeptisch gegenüber: „Ob es Sinn hat, muss man von Fall zu Fall entscheiden. Aber wir geben dafür keine Empfehlung ab." Bestätigt sieht sich die Hundegemeinde durch eine Studie der Universität Irvine in Kalifornien. In Atemproben von zehn Kindern, die an Typ-1-Diabetes leiden, wurde bei Unterzuckerung eine zehnfach erhöhte Konzentration von Methylnitrat nachgewiesen. Dieses Gas riechen die Hunde möglicherweise. Werner Scherbaum, Direktor der Klinik für Diabetologie des Universitäts- klinikums Düsseldorf, hatte 2001 per Aufruf im Internet nach solchen Tieren gesucht. 32 Hunde und eine Katze mit dieser besonderen Fähigkeit machte er ausfindig. „Bei einer Patientin hatte nur einer ihrer zwei Schäferhunde diese Fähigkeit - das war derjenige, zu dem sie die engere Beziehung hatte. Diese Patientin wurde einige Male in der Nacht mit einer schweren Hypoglykämie bewusstlos, und der Hund weckte jedes Mal den Mann auf", sagt Scherbaum. „Ich hatte damals die Ausbildung von Hypoglykämiehunden vorgeschlagen, sie aber als Internist und Diabetologe nicht selbst weiter verfolgt."
  Linox legt sich auf den Bauch, schnüffelt im Gras, die Socken interessieren ihn nicht mehr. „Jetzt ist er müde", sagt Sabine Gauding und nimmt den Welpen auf den Arm. 18 Monate hat er Zeit zu lernen. Dann ist er nach abgelegter Prüfung ein anerkannter Behindertenbegleithund. Somit, darf er während eines Fluges mit in die Passagierkabine, darf seine Besitzerin ins Museum begleiten, ins Rathaus, zum Einkaufen. 8.000 Euro kostet die Ausbildung bei Simone Luca Barrett. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Seminare nicht, zwei Klagen dagegen sind vor dem Bundessozialgericht anhängig. In Großbritannien und in den Niederlanden werden die Kosten zum Teil übernommen. In den Vereinigten Staaten gibt es schon rund 1.000 Diabetikerwarnhunde, dort lernte auch Simone Luca Barrett ihr Handwerk. Ihr amerikanischer Ehemann hatte durch Zufall einen Bericht über diese Hunde im Fernsehen gesehen. Finn schnuppert noch einmal am Mund seiner Besitzerin. Keine Reaktion - Entwarnung. Jetzt kann er sich Spannenderem widmen: Mit Hingabe gräbt er ein Loch in den Boden. Er ist eben doch nur ein Hund. FAZ09062ArneLeyenberg

Lesermeinung: Gängiges Halbwissen über Diabetiker
   In der FAZ berichtet Arne Leyenberg auf der Seite „Deutschland und die Welt" von der Hundetrainerin und Diabetikerin Simone Luca Barrett, die sogenannte Diabetikerwarnhunde dazu ausbildet, eine Unterzuckerung ihrer ebenfalls an Diabetes erkrankten Besitzer zu erschnüffeln. Die Leistung der Hunde, die eine Veränderung des Atems bei einem zu niedrigen Blutzucker wahrnehmen können, mag anerkennenswert sein. Ärgerlich ist jedoch, dass dieser Artikel viel gängiges Halbwissen über Diabetiker weiterverbreitet, zum Beispiel jenes, dass Diabetiker ständig in der Gefahr sind zu unterzuckern und dass ihr Alltag unweigerlich negativ vom Diabetes beherrscht wird. Ich bin 39 Jahre alt und seit 23 Jahren Diabetikerin. Das Wichtigste, das ich als Neunzehnjährige von meiner lang- jährigen Diabetologin gelernt habe, war der Blickwechsel, dass nicht die Diagnose „Diabetes mellitus Typ I" mein Leben bestimmen soll, sondern dass ich die für mich passende Insulintherapie suchen und erproben muss, um weiterhin selbstbestimmt leben zu können. Ich selbst habe diese in einer intensivierten Therapie mit einer Insulin- pumpe gefunden.
   Der Sinn, den ein Hund haben soll; der eine Unterzuckerung erschnüffeln kann, erschließt sich mir auch nach wiederholter Lektüre des Beitrags nicht: Die Diabetikerin, die ihren Hund gezielt an ihrem Atem riechen lässt, um bestätigt zu bekommen, dass sie unterzuckert ist, muss doch selbst bereits den Verdacht haben, dass ihr Blutzucker zu niedrig ist. Das heißt, sie hat längst selbst Warnsignale ihres Körpers wahrgenommen. Warum nimmt sie in einer solchen Situation nicht einfach ihr Blutzuckermessgerät und überprüft ihren Verdacht? Und anstatt einen Hund dazu zu erziehen, im Notfall eine Flasche Cola herbeizubringen, wäre es sinnvoller, einige Täfelchen Traubenzucker überall (das heißt im Auto, am Bett, in jeder Jackentasche und Tasche) griffbereit zu haben. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass hier die Verantwortung für die eigene Erkrankung auf einen Hund übertragen wird. Eine Unterzuckerung geschieht nicht urplötzlich, sondern wird von vielen Faktoren beeinflusst, vor allem von der letzten Insulingabe, der letzten Mahlzeit und der körperlichen Anstrengung.
FAZ090701Dr.ClaudiaKolf-vanMelisBönningstedt

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Alarmanlage auf vier Pfoten - Diabetiker-Hunde können Leben retten. Auf Bella ist Verlass: Der Wolfsspitz bringt, wenn es sein muss, auch auf Kommando Traubenzucker. Die Hauptaufgabe besteht aber darin, Unter- oder Überzuckerung zu riechen. Foto: Bella und Felix Müller bilden ein eingespieltes Gespann.

Zum Lebensretter wurde Wolfsspitz Bella an einem Sonntagmorgen um halb fünf. Seine Hündin, die ansonsten lieb und friedlich sei, habe ihn plötzlich angefallen, als er schlafend mit seiner Frau im Bett lag, erzählt Besitzer Felix Müller. „Sie hat mich am Arm und am Bauch gekratzt, bis es wehtat." Zuerst habe er genervt reagiert. Doch dann maß Müller, der Diabetiker ist, seinen Blutzuckerwert. Das Ergebnis: Der 42-Jährige stand kurz vor der Unter- zuckerung, eine Ohnmacht drohte. Weil Bella das gerochen hat, konnte Müller rechtzeitig Traubenzucker essen. „Hätte ich einfach weitergeschlafen, hätte ich nichts gemerkt. Bella hat mir vermutlich das Leben gerettet."
     Bella ist ein Diabetiker-Warnhund. So nennen Fachleute Hunde, die riechen können, wenn ein Diabetiker vom Typ 1 über- oder unterzuckert ist. Das zeigt etwa eine Studie der Queen's-Universität in Belfast aus dem vergan- genen Jahr. Von 212 untersuchten Hunden reagierten zwei Drittel bei einer Unterzuckerung ihrer Besitzer, sprangen sie an, stupsten mit der Nase oder leckten Gesicht und Hände.
   Müller ist seit seinem zwölften Lebensjahr Typ-I-Diabetiker, bei der der Körper nicht mehr das lebenswichtige Hormon Insulin produziert. Der 42-Jährige muss deswegen sein Leben lang Insulin spritzen und mehrmals am Tag seinen Blutzuckerspiegel messen. Macht er dabei einen Fehler oder erkennt die Symptome nicht rechtzeitig, kann er bewusstlos werden, schlimmstenfalls ins Koma gleiten. „Die Angst, dass etwas passieren könnte, ist unterbewusst ständig da", sagt er.
   In den USA werden deswegen Hunde seit Jahren dazu abgerichtet, im Ernstfall Alarm zu schlagen. In Deutsch- land steckt die Ausbildung noch in den Anfängen. An einer Hundeschule im Emsland werden bis zum Sommer die ersten 20 Diabetiker-Warnhunde ihre Ausbildung mit einer Prüfung abschließen.
 Weil ihnen das Training dort zu teuer war, haben die Müllers aus dem schleswig-holsteinischen Uelsby ihren Hund Bella selbst ausgebildet. Künftig wollen sie anderen Diabetikern, die das Gleiche vorhaben, bei der Ausbildung anleiten. „Das Training funktioniert in etwa wie bei Drogen- oder Spürhunden", erklärt Felix Müllers Ehefrau Anna Sophie. „Wenn sich der Blutzuckergehalt ändert, verändert sich auch der Geruch von Schweiß und Atem." Auf diesen Geruch werden die Hunde abgerichtet.
   „Wir haben Kleidung aufgehoben, die mein Mann getragen hat, wenn er unterzuckert war, und sie Bella immer wieder vorgehalten. "Bella reagierte - und lernte, bei drohender Gefahr ein Signal zu zeigen. „Im Ernstfall kratzt sie jetzt meinen Mann", sagt Müller. Das darf Bella sonst nicht. Felix Müller vertraut seiner Hündin bedingungslos. Nachts schläft sie in seiner Nähe. Tagsüber kommt Bella, so oft es geht, mit ins Büro. „Der Hund gibt mir eine unglaubliche Sicherheit."
   So geht es auch dem Ehepaar Quaß aus Schwerin. Sohn Arnold, acht Jahre alt, ist seit seinem zweiten Lebensjahr Typ-I-Diabetiker. „Früher bin ich jede Nacht aufgestanden, um nach Arnold zu sehen und seinen Blut- zuckerwert zu messen", erzählt Arnolds Mutter Berit. Heute kann die 40-Jährige nachts liegen bleiben. Seit etwa einem Jahr passt Labrador Lulu auf Arnold auf. Die 18 Monate alte Hündin wird zurzeit von Trainern der emsländischen Hundeschule zum Diabetiker-Warnhund ausgebildet. Dafür müssen die Quaß 17.000 Euro zahlen. In wenigen Wochen wird Lulu ihre Prüfung ablegen. Für Arnolds Sicherheit sorgt sie aber schon jetzt.
   „Lulu schläft neben Arnolds Bett. Wenn Arnolds Blutzuckerwert zu sehr absinkt, schlägt sie Alarm", sagt Quaß. Nicht nur für die Internistin bedeutet das eine große Entlastung. „Auch für Arnold ist Lulu unheimlich wichtig." Früher habe sie ihren Sohn nirgends allein hingehen lassen. „Wenn Arnold ins Kino geht oder Freunde besucht, kann ich jetzt zu Hause bleiben, ohne mir Sorgen zu machen. Lulu passt ja auf ihn auf."
   Damit möglichst viele Diabetiker von dieser Sicherheit profitieren können, wollen die Quaß dafür sorgen, dass die Kosten für die Ausbildung von Diabetiker-Warnhunden wie für Blindenhunde von der Krankenkasse übernommen werden. Dafür hat Berit Quaß eine Klage beim Sozialgericht in Schwerin eingereicht. Mit einem Erfolg rechnet sie vorerst allerdings nicht. NOZdpa100324SilkeKatenkamp HA100324dpa @
www.hypo-hundeschule.de     www.hypo-hundeschule.de  www.hypo-hundeschule.de

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„Bitte nicht streicheln, ich arbeite”:
 Diabetikerwarnhund darf sich nicht davon ablenken lassen für seinen Besitzer da zu sein.

Finn - ein Hund für alle Fälle. Diabetiker müssen ihren Blutzuckerspiegel ständig kontrollieren und regulieren. Trotzdem kann es passieren, dass er unbemerkt absinkt.
Seit Kurzem gibt es hier Diabetikerwarnhunde, die ihren Herrn dann schützen.

  Die Geschichte von Simone Oberenzer ist die einer jener Menschen, die in Amerika ihr Glück gefunden haben. Nur, dass es ein völlig anderes Glück ist als das von Auswanderern in Seifenopern. Es hat mit Karriere und viel Geld nichts zu tun. Aber von vorne:
   Es ist ein Tag im vergangenen Jahr. Simone Oberenzer ist am Boden zerstört. Die junge Frau studiert Lehramt an der Universität Osnabrück. Sie will ins Leben starten und freut sich auf die Herausforderungen der Zukunft. Doch ihre Professoren raten ihr, das Studium zu unterbrechen: Sie müsse erst den Diabetes in den Griff be- kommen. Eine Chance auf einen Arbeitsplatz habe sie ohnehin nicht, wenn sie so oft unkontrolliert unterzuckere. „Mein Leben war dermaßen eingeschränkt, dass ich kaum mehr Spass daran hatte, vor die Tür zu gehen”, sagt die 27-Jährige heute. Wenn man Diabetes hat, kann das täglich zur tödlichen Gefahr werden. Oberenzer ist Typ-1- Diabetikerin und hat - wie viele, die daran leiden - mit zunehmendem Alter vermehrt Hypowahrnehmungs- störungen bekommen. Das bedeutet, ihr Blutzuckerspiegel sinkt oft unter einen gefährlichen Wert, aber sie kann keine körperlichen Warnzeichen wie Schwindel oder Herzrasen wahrnehmen. Mehrmals stürzte sie bewusstlos zu Boden - sie war unterzuckert, ohne es vorher bemerkt zu haben. Eine Situation, die zum Tod führen kann.
   Ihr Verlobter ist Amerikaner. Er erzählt ihr, dass es in den USA Hunde gibt, die speziell dafür ausgebildet sind, Diabetikern zu helfen. Voller Hoffnung, irgendwann ein halbwegs normales Leben führen zu können, ruft Oberen- zer alle Begleithundeorganisationen in Deutschland an. „Leider bekam ich immer dieselbe Antwort. Dass sie es nicht können, weil diese Ausbildung zu schwierig sei. Dass sie auch nicht wirklich wissen, wie man das macht”, sagt sie. Die Studentin lässt sich nicht entmutigen. Sie nimmt Kontakt zu einigen Trainern in den USA auf. „Die bilden Hunde bereits seit Jahren aus”, sagt sie. Dann reist sie nach Kalifornien und lernt von einem Trainer des Ausbildungszentrums „Prodigal Service Dogs”, das seinen Sitz in der ehemaligen Goldrauschstadt Helena hat, die Techniken für die Ausbildung von Diabetikerwarnhunden. Um ihr diese zu zeigen, fliegt der Experte extra von Montana nach Kalifornien.
   Diabetikerwarnhunde werden nach dem Vorbild von Drogenspürhunden ausgebildet. Mit ihrer Supernase können sie den Abfall des Blutzuckerspiegels „erschnüffeln”. Genauer: Sie sind in der Lage, die Hormone zu riechen, die bei Über- und Unterzuckerung vom Körper ausgeschüttet werden. Stellen sie diesen Geruch im Atem oder Schweiß fest, warnen sie ihre Herrchen und Frauchen mit einem bestimmten Signal. Dieses kann sich der Besitzer selbst aussuchen: an der Hand lecken, stupsen, scharren - vieles ist möglich. Oberenzer ist beeindruckt. „Man kann sich das kaum vorstellen, bis man es selbst einmal gesehen hat”, sagt sie. Mittlerweile gibt es aber wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Hunde Unterzuckerung erkennen können.
   Wieder zurück in Deutschland bildet Oberenzer einen vier Monate alten Welpen, der aus einer Tötungsstation in Andalusien kommt, für sich selbst aus. Sie nennt ihn Finn oder ihren „Engel auf vier Pfoten”. ,Seitdem ich den Diabetikerwarnhund habe, hat sich mein Leben vollkommen verändert”, sagt sie. „Finn hat mir ein Vielfaches an Sicherheit, Unabhängigkeit - und Selbstständigkeit zurückgegeben”, beschreibt die junge Frau die Erfüllung ihrer Träume von einem Leben ohne Einschränkungen. Nachts weckt Finn sie, wenn sie unterzuckert, er alarmiert sie beim Spaziergang, wenn ihr Blutzuckerspiegel sinkt. Im Notfall kann er auch das Blutzuckermessgerät bringen. „Ich kann mir jetzt sicher sein, dass mein Hund Hilfe holen wird, falls ich doch einmal bewusstlos irgendwo liegen sollte”, sagt Oberenzer.
   Die Osnabrückerin beschließt, auch anderen Diabetikern zu helfen, und nimmt an Fortbildungen teil, die sie befähigen, als Hundetrainerin zu arbeiten. Dann baut sie ein Netzwerk auf, wird Mitglied im Internationalen Verein für Behindertenbegleithunde (IAADP) sowie der größten internationalen Organisation für Hundetrainer (APDT). Parallel beginnt sie damit, ehrenamtlich Diabetikerwarnhunde auszubilden. Schnell kommen zu viele Anfragen, um sie ehrenamtlich bewältigen zu können. Im April dieses Jahres steht Oberenzer vor der Wahl. Will sie das Lehramtstudium fortsetzen oder als Ausbilderin für Servicehunde arbeiten? Sie entscheidet sich für Letzteres, bricht ihr Studium ab und baut die erste Schule in Deutschland auf, die sich auf Diabetikerwarnhunde spezialisiert - bis heute gibt es keine weitere.
   Oberenzer trainiert aber nicht nur die Hunde ihrer Klienten, sondern sie befähigt diese, ihren Hund selbst zum Diabetikerwarnhund auszubilden. Mit ihrer Schule „Hunde für Diabetiker und andere Servicehunde” ist sie jetzt ständig unterwegs. Heute ein Seminar in Bremen, morgen ein Treffen mit Klienten aus Österreich, übermorgen ein Test von jungen Hunden aus der Lüneburger Heide auf ihre Eignung als Diabetikerhund - früher wäre ein derartiger Terminplan für sie nicht möglich gewesen. „Besondere Hunde für besondere Menschen” steht im Internet unter: www.diabetikerwarnhund.de. Denn Servicehunde gibt es nicht nur für Diabetiker. Während Blindenhunde schon länger bekannt sind, wissen die wenigsten, dass es Hunde für Menschen mit schweren Depressionen, Schizophrenie und Zwangsstörungen gibt. Andere Servicehunde tragen die Einkaufstasche für Menschen mit motorischen Einschränkungen, nehmen sogar das Portemonnaie mit der Schnauze und legen es auf das Band, wenn ihr Besitzer nicht an eine zu hohe Kasse herankommt. Sie assistieren als Stütze, um vom Rollstuhl ins Bett zu gelangen und räumen die Waschmaschine ein, indem sie Stück für Stück aus einem Haufen dreckiger Wäsche in die Schnauze nehmen und es in die Trommel legen. Eine Bekannte von Oberenzer bildet in Bremen sogar Epilepsiewarnhunde aus.
   Allerdings eignet sich nicht jeder Hund zum Diabetikerwarnhund. „Inzwischen habe ich mehr als hundert Tiere in Augenschein genommen und kann in den ersten Minuten entscheiden, ob ein Hund infrage kommt oder nicht”, sagt Oberenzer. Am besten sei es, wenn das Tier noch im Welpenalter sei. Außerdem müsse der Hund sehr intelligent und sensibel sein und seinem Besitzer gefallen wollen. Dominante Hunde seien dagegen eher ungeeignet. Wenn ein Diabetiker an Oberenzers Schulungen teilnehmen will, durchläuft sein Hund vor dem Trainingsbeginn eine Testphase. Die Schulungen der Hundetrainerin erstrecken sich über 18 Monate - meist am Wochenende.„Viele Besitzer sind ganz erstaunt und glücklich, dass ihr Hund sensibilisiert ist und das alles schafft”, sagt Oberenzer.
   Diabetikerhunde auszubilden ist keine einfache Angelegenheit. Es funktioniert mithilfe von etlichen Wieder- holungen,  der Verknüpfung von Gerüchen,  Wörtern  und  Handlungsanleitungen sowie selbstverständlich der Be- lohnung. Die   Ausbildung in der Schule „Hunde für Diabetiker und andere Servicehunde”  kostet  6.000  bis 8.000 Euro. „Damit decken wir unsere Kosten gerade eben”, sagt Oberenzer, die sich darüber ärgert, dass die Aus- bildung von Servicehunden nur in Großbritannien und in den Niederlanden unterstützt wird. Daher sammelt sie zurzeit Anschreiben von Betroffenen an den Verband der Angestellten-Krankenkassen in Deutschland.
   Für sie gehören die Einschränkungen im Alltag der Vergangenheit an. Dank ihres Diabetikerwarnhundes Finn ist ihre Erkrankung kein Hindernis mehr für einen neuen Berufswunsch.
   Die Schule „Hunde für Diabetiker und andere Servicehunde” in Osnabrück ist unter Telefon 0541 - 120 87 77 oder per eMail an info@diabetikerwarnhund.de zu erreichen. Workshops gibt es in Hannover.
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Mehr Informationen unter: Test, Altersdiabetes, Diabetes, Diabetes & Auge, Forschung

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