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Diabetes & Auge

PD Klaus Lemmen diab-PDKlaus-DieterLemmen-x diab-ProfNorbertBornfeld-xx Prof. Norbert Bornfeld

Prof. Dr. Norbert Bornfeld ist Direktor am Zentrum für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Essen.
PD Dr. Klaus D. Lemmen ist Chefarzt der Augenklinik des St. Martinus-Krankenhauses Düsseldorf.

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Gegen die Erblindung. Die Beeinträchtigung der Sehfähigkeit ist eine der häufigsten Begleiterkrankungen
von Diabetes. Aktuelle Studien lassen auf neue effektive Behandlungsmöglichkeiten hoffen.
Foto: Blutungen und Ablagerungen im Zentrum der Netzhaut können zu Erblindung führen

    Eine über Jahre hinweg schlechte Einstellung des Blutzuckerwertes hat Folgen. So führt ein ständig erhöhter Blutzucker bei Diabetikern immer wieder zu schwerwiegenden Netzhautschäden. Die Blutgefäße der Netzhaut des Auges verlieren an Dichte, oder sie verschließen sich. Diese diabetische Netzhauterkrankung Retinopathie ist bei Patienten im arbeitsfähigen Alter in den westlichen Ländern die häufigste Erblindungsursache.
Diabetische Retinopathie
   Die Schädigung der Blutgefäße verursacht zunächst unbemerkt Schäden an der Netzhaut. Die Netzhautgefäße werden undicht, und es entsteht ein sogenanntes diabetisches Makulaödem. Hierbei kommt es vorzugsweise im Zentrum der Makula, also der Netzhaut, zu Blutungen, krankhafter Flüssigkeitseinlagerung und Ablagerungen fettähnlicher Substanzen. Die Folge ist ein erheblicher Verlust an Sehschärfe. Möglich ist auch, dass sich ein Gefäß verschließt. Dann entsteht ein Mangel an Sauerstoff, der eine krankhafte Neubildung von Gefäßen auf der Netz- hautoberfläche nach sich zieht. Auch diese sogenannte proliferative Retinopathie verschlechtert die Sehschärfe und führt im schlimmsten Fall zur Erblindung.
   Die heute gängige Laserbehandlung hat den Therapieerfolg, vor allem bei der proliferativen Retinopathie, erheb- lich verbessert. Auch beim diabetischen Makulaödem hat die gezielte Laserbehandlung krankhaft veränderter Gefäße in der Nähe des Zentrums der Netzhaut das Risiko eines dauerhaften Verlustes der Sehschärfe verringert. Allerdings kann die Laserbehandlung Nebenwirkungen haben. Abhängig von der verwendeten Lasertechnik kann es etwa zu einer Verschlechterung von Kontrast-, Farben- und Dämmerungssehen kommen. Neue wissenschaft- liche Erkenntnisse, die eine medikamentöse Behandlung der diabetischen Retinopathie ermöglichen, machen daher Hoffnung auf eine Verbesserung der derzeitigen Therapien.
Neue Injektionstherapien
   Neue Behandlungsansätze ergeben sich aus der Erkenntnis, dass Mediatoren der Entzündungskaskade und Wachstumsfaktoren eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der diabetischen Retinopathie spielen. Dies gilt insbesondere für das Molekül Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF). Klinische Studien haben über einen Zeit- raum von bis zu zwei Jahren die Wirksamkeit von VEGF-Hemmern, sogenannten VEGF-Inhibitoren, und Kortison- Präperaten auf ihre Wirksamkeit im Vergleich zur etablierten Laserbehandlung untersucht. Für den Patienten ist diese medikamentöse Behandlung zwar noch unkomfortabel, weil die Präparate in das Augeninnere injiziert werden müssen. Die ersten Studienergebnisse stimmen aber optimistisch.
   Die für die Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration schon etablierten Wirkstoffe Ranibizumab und Pegaptanib erwiesen sich in Studien auch beim diabetischen Makulaödem als wirkungsvoll. Insbesondere die Behandlung mit Ranibizumab war deutlich effektiver als die etablierte Lasertherapie. Ergebnisse einer einjährigen Zulassungs-Studie (RESTORE) zeigen darüber hinaus, dass sowohl die Monotherapie mit Ranibizumab als auch die zusätzliche Gabe von Ranibizumab zur Standard-Lasertherapie sehr viel wirksamer sind als die Lasertherapie allein. Die gleichzeitig erhobenen Daten zur Lebensqualität lassen darauf schließen, dass die medikamentös behandelten Patienten trotz der Belastung durch die wiederholten Injektionen – rund siebenmal pro Jahr – eine im Hinblick auf Lesefähigkeit und Mobilität bessere Lebensqualität hatten. Industrieunabhängige Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen.
Was die Zukunft bringt
  Bei der Behandlung des diabetischen Makulaödems gibt es also Hoffnung. Bei der proliferativen Retinopathie ist der Stellenwert der VEGF-Inhibitoren-Therapie hingegen noch unklar. Lasertherapie und nicht selten auch ein operativer Eingriff sind hier weiterhin notwendig. Es ist jedoch absehbar, dass weitere VEGF-Inhibitoren auf den Markt kommen werden und sich die Therapiemöglichkeiten weiter verbessern. Die Lasertherapie wird ihre Bedeutung für die Behandlung der diabetischen Netzhauterkrankung nicht verlieren, sie wird aber voraussichtlich modifiziert. Unverändert hingegen gilt es, die Ursachen der diabetischen Retinopathie zu vermeiden. Das heißt vor allem, für eine optimale Blutzucker- und Blutdruckeinstellung zu sorgen und Netzhautveränderungen mit Hilfe regelmäßiger augenärztlicher Kontrollen frühzeitig zu erkennen.  FAZ101029NorbertBornfeldKlausDLemmen   

Blind durch Diabetes

  Rund 4 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Diabetes. Ihr Risiko, in Folge der Zuckerkrankheit stark sehbehindert oder sogar blind zu  werden, ist sehr hoch. Etwa ein Viertel aller Diabetiker sind davon  betroffen. Der Grund dafür ist eine Erkrankung der Netzhaut als Folge  der Diabetes, die sogenannte "Diabetische Retino- pathie". Ursache der  Erkrankung ist eine über Jahre andauernde erhöhte Zuckerkonzentration im  Blut.
Verlauf der diabetischen Retinopathie
   Bei der leichteren Form der diabetischen Retinopathie werden dadurch die bestehenden Blutgefäße der Netzhaut (Retina) geschädigt. Durchblutungsstörungen und Blutungen in der Netzhaut sind die Folge. Bei der schweren Form der diabetischen Retinopathie kommt es zur Neubildung krankhafter Blutgefäße. Diese Blutgefäße können auch in den Glaskörper des Augapfels hineinwuchern. Auch hier sind Blutungen die Folge. Im Extremfall kommt es zur Ablösung der Netzhaut und zum völligen Verlust des Sehvermögens.
Wie kann ich vorbeugen?
  Die diabetische Retinopathie ist zunächst mit keinerlei Beeinträchtigungen für den Patienten verbunden. Eine frü- he Diagnose und ein rechtzeitiger Behandlungsbeginn sind jedoch Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Deshalb sollte jeder Diabetiker regelmäßig zum Augenarzt gehen, auch, wenn er noch keine Augen-Probleme hat. Geeignet sind jedoch nur Augenärzte, die sich auf Folgeprobleme der Diabetes spezialisiert haben und über eine moderne technische Ausstattung verfügen. Dazu gehört z.B. ein Laser-Gerät und unter Umständen die Möglichkeit zu digitalen Aufnahmen des Augenhintergrundes. So können auch feine Veränderungen der Netzhaut früh erkannt werden. Neben der regelmäßigen Kontrolle durch den Augenarzt ist auch die optimale Einstellung des Blutzucker- Spiegels eine wichtige Voraussetzung dafür, das Risiko einer Erkrankung zu senken.
Behandlungsmöglichkeiten
   Wird eine diabetische Retinopathie diagnostiziert, kann in leichteren Fällen eine Laser-Behandlung den Verlust der Sehkraft verhindern. Zudem sollte man durch seine Ernährung versuchen, die Netzhautzellen zu stützen. Diese kann z.B. mit besonders hoch dosierten Mineralstoffen, Vitaminen und Enzymen stabilisiert werden. Im fort- geschrittenen Stadium kann eine Vitrektomie durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um eine neue Operationsmethode, die Vernarbungen und Unebenheiten an der Netzhaut beseitigt, wodurch  die Sehkraft zumindest teilweise erhalten werden kann.
Wo finde ich Hilfe?
  Informationen zu dieser Diabetes-Folgeerkrankung finden Sie unter T: 1805 – 66 64 56, im örtlichen Telefonbuch oder im Internet unter http://www.dbsv.org  Zudem gibt es Selbsthilfe-Gruppen von Diabetikern und speziell auch von blinden Diabetikern. Auskünfte dazu gibt der Deutsche Diabetiker-Bund, Landesverband NRW, Tel. 0203 – 608 44-0 oder im Internet unter http://www.ddb-nrw.de
   Spezialisierte Augenärzte, die hochmoderne medizinische Betreuung und Versorgung in sogenannten “Diagnostik-Zentren” anbieten, finden Sie beim Bundesverband augenärztlicher Diagnostik-Zentren, Tel. 0700 - 00 00 22 32 oder im Internet unter:  http://www.badc.de
In Deutschland gibt es derzeit etwa 110 derartiger Diagnostik-Zentren

Diabetiker und Netzhautveränderungen  a_tn_P_Auge_tif_1

  Diabetes tut nicht weh, aber die Krankheit schädigt den Körper schleichend. Beispiel Auge: Die Hälfte aller Diabetiker hat nach zehn Jahren Netzhautveränderungen, nach 20 Jahren sind es bereits 90 Prozent. Jährlich erblinden 3 - 4.000 Diabetiker neu wegen der Zuckerkrankheit. Denn Diabetes schädigt die Augen. Genauer: Ständig erhöhte Blutzuckerspiegel stören den Stoffwechsel der winzigen Netzhautgefäße im hinteren Abschnitt.
Was an der Netzhaut passiert
   Die Veränderungen an den Netzhautgefäßen sind ein jahrelanger Prozess: Die Gefäße werden undicht, Blut und Flüssigkeiten lagern sich in der Netzhaut ein. Die Sauerstoffversorgung der Netzhaut ist nicht mehr optimal und der Abtransport von Stoffwechselschlacken, vornehmlich von Fetten, funktioniert nicht mehr richtig. Dieses Stadium nennt man nichtproliferative diabetische Netzhautschädigungen (Fremdwort: Retinopathie). In diesem Stadium merken die Betroffenen selbst noch nichts, denn die Veränderungen spielen sich meist außerhalb der Makula, dem Punkt des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, ab.
   Schreitet die Retinopathie unbehandelt weiter fort, vernarben die Gefäßwände und die Gefäße verschließen sich, eine ausreichende Sauerstoffversorgung ist nicht mehr gewährleistet. Die Netzhaut versucht sich nun selbst zu helfen, indem sie neue, allerdings sehr brüchige Gefäße bildet, die von der Netzhaut in den Glaskörper wuchern können. Wegen der Wucherungen (Proliferationen) heißt dieses Stadium proliferative diabetische Retinopathie. Das Sehvermögen ist stark gefährdet. Wenn die krankhaften Gefäßwucherungen gar in den Glaskörper einbluten, ist das Sehvermögen stark beeinträchtigt. Mit den Gefäßen wuchert auch Binde- und Stützgewebe. Es bilden sich Narben, die Narben ziehen an der Netzhaut, was unbehandelt zur Netzhautablösung und damit zur Erblindung führt.
Unterschiede zu Typ I-(jugendlichen) und Typ II-(Alters-) Diabetikern     
  Grundsätzlich sind beide Diabetes-Typen gleichermaßen von Netzhautveränderungen betroffen. Beim so genann- ten Altersdiabetiker beginnt die Zuckerkrankheit meist unauffällig und schleichend, so dass die Diagnose häufig erst sehr spät gestellt wird. Schon bei der Diagnoseerstellung kann es also sein, dass es Spätschäden am Auge gibt. Deshalb sollte gerade der Typ-II-Diabetiker sofort seine Augen untersuchen lassen, nachdem die Diagnose gestellt ist. Beim Typ-I-Diabetiker ist der Krankheitsbeginn deutlich auffälliger, so dass die Diagnose recht schnell gestellt wird. Die Augen haben dann normalerweise noch keinen Schaden genommen. Dennoch sollten auch Typ-I- Diabetiker gleich von Beginn an regelmäßig den Augenarzt besuchen.
Diagnose und Therapie
   Die Entwicklung der diabetischen Retinopathie hängt mit der Diabetesdauer, der Qualität der Blutzuckerein- stellung und des Blutdrucks sowie mit einer gewissen genetischen Disposition des einzelnen Diabetikers zu- sammen. Vor allem aus ersteren beiden Gründen ist es deshalb nötig, langfristig auf einen möglichst optimalen Blutzucker zu achten, den Blutdruck zu normalisieren und regelmäßig zum Augenarzt zu gehen. Regelmäßig heißt bei noch ungeschädigter Netzhaut einmal im Jahr. Sind schon Netzhautveränderungen aufgetreten, sollten die Kontrollen in Absprache mit dem Augenarzt in kürzeren Abständen erfolgen.
  Achtung: Wenn der Zucker über einen langen Zeitraum schlecht eingestellt war, sollte er nicht zu rasch auf Norm- werte gesenkt werden. Auch das kann zur Verschlechterung der Retinopathie führen! Die Untersuchung der Augen selbst ist völlig unproblematisch: Der Augenarzt stellt die Pupillen mit Augentropfen weit und kann mit einer so genannten Spaltlampe eventuelle Veränderungen am Augenhintergrund erkennen.
   Ist die diabetische Retinopathie noch nicht allzu weit fortgeschritten, können weitere Gefäßveränderungen heute durch eine Laserbehandlung (Mehr dazu: “Lasik”) der Netzhaut verhindert werden.  Je früher Gefäß- veränderungen erkannt werden, desto besser. Ist das Sehvermögen des Diabetikers schon eingeschränkt, gibt es immer noch Behandlungs- und Operationsmöglichkeiten. Allerdings kann nur das gerettet werden, was vor der Operation an Sehschärfe da war. Ein Schaden an der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens, kann nicht wieder rückgängig gemacht werden. Zwar können Spezialisten durch Netzhaut- und Glaskörperchirurgie heute auch nach Glaskörpereinblutungen und Netzhautablösungen eine Menge ausrichten und vollständiges Erblinden verhindern - Einblutungen aus dem Auge entfernen, Netzhaut wieder anlegen und lasern. Dennoch ermöglichen diese operativen Maßnahmen bei solch schlechter Ausgangslage später nur ein sehr reduziertes, orientierendes Sehen.
Weitere Informationen, Adressen und Links:
 *  Initiativgruppe zur Früherkennung diabetischer Augenerkrankungen (IFdA), Robert-Koch-Str. 4,  35033 Marburg
 *  Entstehung und Behandlung der Retinopathie:
      http://www.augeninfo.de/patinfo/diabret.htm
 *  Informationen des Berufsverbandes des Augenärzte e.V.
      http://lifescan.de/selbsthilfe/zucker/1zuck03.html
 *  Diana Droßel, Tel.: 02403 - 78 52 02, eMail: Diana.Drossel@blindentips.de
* Bundesbeauftragte für blinde und sehbehinderte Diabetiker im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, Bismarckallee 30, 53173 Bonn, Tel.: 0228 - 95 58 20, eMail: Info@dbsv.org
 * Berufsförderungswerk Düren gGmbH, Zentrum für berufliche Bildung Blinder und Sehbehinderter, Karl-Arnold-Str. 132-134, 52349 Düren, Tel.: 02421 - 59 80, Hotline: Frau Becker, Tel.: 02421 - 59 81 00, Fax: - 59 81 92 
www.bfw-dueren.de
 * REHADAT - Informationssystem zur beruflichen Rehabilitation, Institut der deutschen Wirtschaft, Köln, Gustav-Heinemann-Ufer 84-88,  50968 Köln.  Leitung: Ansgar Pieper, Tel.: 0221 - 498 18 13, Fax - 855. Hier kann man sich nach Hilfsmitteln für blinde bzw. sehbehinderte Diabetiker erkundigen.
*Deutsche Hörfilm gGmbH, Zietenstr. 25A, 10783 Berlin, Tel.: 030 - 23 55 73 -40, Fax: - 433, eMail: info@hoerfilm.de  Infoservice-Telefon: 030 - 21 99 77 11 Erschließt visuelle Medien für Blinde und Sehbehinderte. Sie macht Fernsehen und Kino, Video und DVD sowie Theater durch akustische Bildbeschreibungen (Audiodeskription) für Nichtsehende zugänglich.
 * Westdeutsche Blindenhörbücherei e.V., Harkortstr. 9, 48163 Münster, Tel.: 0251 - 71 99 01, Fax - 71 28 46, eMail: wbh@wbh-online.de Internet: http://www.wbh-online.de Literatur zu  Diabetes. Leonardo-Newsletter 021112

Diabetes mit Folgeschäden

Der Typ-2-Diabetes führt auch dann häufig zu seinen typischen Folgeproblemen, wenn er erst im Seniorenalter auftritt. Das berichtet die “Ärzte-Zeitung” unter Berufung auf eine aktuelle Studie. In der Gruppe der über 65 Jahre alten Patienten wurden zum Beispiel bei etwas mehr als einem Viertel Augenschäden entdeckt. Auch Probleme am Herzen und an den Nieren sowie Durchblutungsstörungen kamen vermehrt zum Vorschein.  dpaHA040925

Sehprobleme sind bei Diabetikern häufiger

   Diabetes schädigt am Auge offenbar nicht nur die Netzhaut. Zuckerkranke haben einer US-Studie zufolge auch häufiger grauen und grünen Star sowie verkrümmte Hornhäute als Nichtdiabetiker. Das berichtet die „Ärzte Zeitung” und beruft sich auf das US-Center for Disease Control und Preverition in Atlanta (Georgia). Demnach hatten elf Prozent der Diabetiker eine eingeschränkte Sehfähigkeit, aber nur sechs Prozent der Kontrollpersonen. HA081016dpa  

Der Zuckerkrankheit etwas den Schrecken nehmen. Verschontes Augenlicht:
Ein künstliches Vitamin-B1-Präparat bewährt sich im Tierversuch

   Das Medikament Benfotiamin, ein synthetischer Abkömmling des Vitamin B1, schützt möglicherweise vor den Komplikationen eines Diabetes. Diesen Schluss ziehen deutsche und amerikanische Wissenschaftler aus den Ergebnissen einer Untersuchung, die sie bei zuckerkranken Ratten vorgenommen haben. Hierzulande wird Benfotiamin schon seit einigen Jahren zur Behandlung von Diabetikern mit schmerzhaften Nervendefekten angewandt. Offenbar lassen sich damit die unerträglichen Qualen der Betroffenen merklich lindern.  Wie die therapeutische Wirkung genau zustande kommt, ist bislang allerdings noch ungewiss.  Für manche Klarheit sorgen jetzt die Erkenntnisse der Arbeitsgruppe um Hans-Peter Hammes von der V. Medizinischen Klinik des Universitäts- klinikums in Mannheim. Demnach hindert Benfotiamin den mit Zucker überladenen Organismus daran, die Glukose zu schädlichen Substanzen abzubauen. Als gefährlich haben sich dabei unter anderem die sogenannten Advanced Glycation Endproducts (AGE) erwiesen. Dabei handelt es sich um mit Zuckerresten verklebte Fett- und Eiweiß- stoffe, die der Körper nicht weiter abbauen kann. In erhöhten Konzentrationen bringen diese Zuckerklumpen eine Reihe von Reaktionen in Gang, die dem Organismus erheblich zusetzen. Bei Diabetikern kommt es zu einer Anhäufung von AGE-Produkten und anderen Agressoren, weil der Zuckerstoffwechsel der Betroffenen gestört ist.
   Die beim Abbau von Traubenzucker entstehenden Zwischenprodukte - Fruktose-6-Phosphat und Glyzeraldehyd- 3-Phosphat - können vom Organismus auf unterschiedliche Weise weiterverarbeitet werden. Ist einer dieser Abflüsse “verstopft”, nimmt die Bedeutung der anderen automatisch zu. Dies scheint auch einer der Gründe zu sein, weshalb sich bei Diabetikern giftige Zuckerabkömmlinge anhäufen. Offenbar hemmt die Überzuckerung des Gewebes die ungefährlichen Abbauwege, während sie die schädlichen begünstigt.
   Wie Hammes und Kollegen in der Online-Ausgabe der Zeitschrift “Nature Medicine” berichteten, vermag Beno- fotiamin die fehlgeleitete Zuckerverarbeitung von Diabetikern in harmlosere Bahnen zu lenken. Es aktiviert ein als Transketolase bezeichnetes Ferment, das sowohl Fruktose-6-Phosphat wie auch Glyzeraldehyd-3-Phosphat  zu ungefährlichen Zuckermolekülen abbaut.
   Bei Patienten mit Diabetes scheint die Transketolase ihrer Aufgabe freilich nicht mehr richtig nachzukommen. Jedenfalls stellt sie bei den Betroffenen nur vergleichsweise wenig dieser ungefährlichen Abbauprodukte her. Benfotiamin kann diesen Defekt sogar noch besser ausgleichen als das natürliche Bitamin B1, das normalerweise als Gehilfe der Transketolase fungiert. Der Grund ist, dass das synthetische Vitamin eine deutlich höhere Wirksamkeit besitzt.
   Was den klinischen Nutzen der Therapie mit Benfotiamin betrifft, ließ sich bei den Ratten die Entstehung von diabetischen Augenschäden offenbar vollständig abwenden. Bei keiner der zuckerkranken Ratten, die das Medika- ment erhalten hatten, entwickelten sich in der Folge krankhafte Netzhautveränderungen. Im Gegensatz hierzu erlitten die unbehandelten Geschwistertiere ausgeprägte Schädigungen des Augenhintergrunds. Weitere Studien müssen nun zeigen, ob Benfontiamin beim Menschen ähnlich günstige Wirkungen besitzt. NvonLutterottiFAZ030326

automatische Insulinpumpen für Diabetiker

Fast völlig automatisch - Insulinpumpen für Diabetiker
   Die Zahlen sind erschreckend: Mindestens sechs bis acht Millionen Diabetiker und Diabetikerinnen gibt es hierzulande, schätzen Experten - Tendenz steigend. Nahezu jeder 10. Bundesbürger ist von Diabetes betroffen - und muss sich selbst tagein, tagaus das Hormon Insulin künstlich zuführen, weil es im Körper nicht mehr ausreichend freigesetzt wird. Denn Insulin ist lebensnotwendig, nur mit seiner Hilfe können Kohlenhydrate aus Brot, Nudeln und Zucker im Körper verarbeitet werden. Etwa 98 Prozent der Diabetiker verabreichen sich das Insulin mehrmals täglich per Spritze oder Pen, aber es gibt mittlerweile auch eine intelligente Alternative: die Insulinpumpe.
So funktioniert die Insulinpumpe
  Die Pumpe ist im Prinzip wie eine automatische Spritze, die Batterie betrieben läuft. Sie lässt sich programmieren. Dann gibt sie immer im bestimmten Rhythmus das Insulin ab. Das Insulin befindet sich in der Pumpe in einem Reservoir und gelangt über einen dünnen Schlauch (Katheter) zu der Nadel. Die Nadel wird in die Bauchdecke unter die Haut gestochen. Nach Auskunft vieler Pumpenträger tut das nicht weh.
   Das Gerät ist etwa so groß wie ein kleines Handy und hat ein schmales Display und fünf bunt markierte Knöpfe. Mit ihnen lassen sich die Insulingaben einstellen: Die Grundversorgung erfolgt dann automatisch. Das Insulin, was Diabetiker zusätzlich zum Verdauen der Kohlenhydrate im Essen brauchen (gemessen in Broteinheiten BE), können sie einfach per Knopfdruck eingeben und abrufen.
Leben mit der Pumpe
  Alle zwei bis drei Tage muss neues Insulin nachgefüllt werden. Dabei sollte man auch die Nadel und den Katheter erneuern, damit es nicht zu Infektionen kommt. Die Pumpe tragen die meisten Diabetiker in der Hosentasche oder unter der Kleidung in einem kleinen Bauchgurt. Es ist möglich, die Pumpe für kurze Zeit abzulegen (höchstens eine Stunde) - etwa um zu Baden oder um Sport zu treiben.
Vorteile der Pumpe gegenüber den herkömmlichen Insulinspritzen
   Mit der Insulinpumpe lässt sich wesentlich besser als mit der Spritze nachahmen, was bei gesunden Menschen die Bauchspeicheldrüse übernimmt: Ähnlich wie das Organ gibt die Pumpe das lebenswichtige Insulin in be- stimmten Abständen  und nach dem individuellen Bedarf frei. Die Grundversorgung mit Insulin verläuft so automa- tisch und wesentlich kontinuierlicher. Das Piksen mit der Spritze mehrmals am Tag ist passé. Meist verbessert sich das Wohlbefinden von Diabetikern durch die Pumpe. Das Risiko von Folgeerkrankungen der Diabetes wie Nierenversagen und Erblinden wird deutlich gesenkt.Mahlzeiten können besser verschoben werden, als mit der Insulinspritze. 
Die Insulinpumpe ist noch längst kein Allroundtalent
   Die Insulinpumpe kann leider nicht den Blutzucker messen. Es gibt also keine Rückkopplung, dass die Pumpe z.B. merkt, dass der Zucker zu hoch ist - und dementsprechend mehr pumpt. Auch mit Pumpe wichtig: Regelmäßig den Blutzuckerspiegel messen! Ganz gleich, ob man eine Insulinpumpe oder -spritze benutzt: Immens wichtig ist die regelmäßige Kontrolle des Blutzucker-Spiegels! Denn für Diabetiker ist er das Maß aller Dinge. Nur wenn die Blutzucker-Werte im Normalbereich liegen, bekommt der Körper die für ihn richtige Menge Insulin.Unter- oder Über- dosierungen können gefährlich sein, zur Bewusstlosigkeit führen und weitere Erkrankungen nach sich ziehen. 
Mögliche Probleme mit der Pumpe
  Bei der Pumpe erfüllt die Kontrolle des Blutzuckers - mehrmals täglich - noch einen anderen Sinn: So kann sich der Patient vergewissern, dass das Gerät funktioniert! Denn während die Insulinpumpe bei allen spürbaren Problemen wie “Katheter verstopft” oder “Insulinvorrat leer” laut Alarm schlägt, merkt sie nicht,  wenn der Katheter herausgerutscht ist. D.h. wenn der Katheter vorne abgekoppelt ist, geht das Insulin nicht in den Körper. Im Notfall sollte man sich möglichst schnell an einen Arzt wenden, der sich mit Pumpentherapie auskennt. Dafür erhält jeder Patient eine Telefonnummer, wo er rund um die Uhr um Rat fragen kann.
   Ärzte verschreiben die teuren Insulinpumpen nicht jedem Diabetiker! Wenn jemand gut zurecht kommt mit seinen Insulinspritzen, dann gibt es keinen Grund, auf Insulinpumpen-Therapie umzustellen. Eine Insulinpumpe ist hingegen eine gute Alternative, wenn die Blutzuckerwerte sich überhaupt nicht mit der Spritze in den Griff be- kommen lassen.
Für wen ist die Pumpe ungeeignet?
   Bei Diabetikern mit sehr geringer Auffassungsgabe wie Demenz- oder Alzheimer-Erkrankte ist es nicht sinnvoll, eine Insulinpumpe zu verwenden - sie sind nicht fähig, das Gerät sachgerecht zu bedienen. Davon abgesehen kommen viele alte Menschen sehr gut mit ihrer Insulinpumpe klar.
Weitere Informationen:
   Umfangreiche Informationen zu Diabetes und Insulinpumpen, Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung: http://www.diabetes-deutschland.de
     Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de
Hilfe bei der Arztsuche vor Ort:
www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/?inhalt=/redaktion/organisation/diabetologen/suchform.shtml:
    Deutscher Diabetiker Bund e. V., Goethestr. 27, 34119 Kassel, Tel.: 0561 - 703 47 70,
Fax: 0561 - 703 47 71 www.diabetikerbund.de
     Bundesverband der Insulinpumpenträger e.V., Reinekestr. 31, 51145 Köln,
Telefon: 02203 - 258 62 www.insulinpumpentraeger.de
    Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut  (DDFI) an der Heinrich-Heine-Universität, Auf'm Hennekamp 65, 40225 Düsseldorf, Tel.0211 - 338 20       Leonardo0409

Diabetes und Bluthochdruck

  Wenn Patienten zugleich unter Diabetes und Bluthochdruck leiden, erhöht sich das Risiko von Folgeerkrankungen beträchtlich. Darauf weist die Deutsche Hochdruckliga in Heidelberg hin. Beide Erkrankungen verstärkten sich gegenseitig in ihrer Wirkung. Die Gefahr, einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nieren oder Augenschäden zu erleiden, sei für Patienten dadurch um so größer, als wenn nur eine dieser Erkrankungen auftritt. Diabetiker sollten daher einen hohen Blutdruck konsequent behandeln lassen.  HAdpa050215
Diabetes: Blutdruck senken
  
Diabetiker sollten statt ihres Gewichts den Blutdruck senken, empfiehlt Prof. Ulrich Alfons Müller vom Uniklinikum Jena. Dort trafen sich Diabetes-Experten aus Europa. Studien zeigten, dass eine Gewichtsreduktion bei Diabetes das Sterberisiko nicht verringere. „Im Gegenzug verhindert aber eine Absenkung eines erhöhten Blutdrucks um zehn Millimeter die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle und in 24 Prozent der Fälle auch frühzeitige Todes- fälle”     HA041105dpaD

Antikörper verhindert Diabetes bei der Maus

   Auf eine mögliche Behandlungsstrategie für die auf Insulinmangel beruhende Zuckerkrankheit sind amerika- nische Forscher gestoßen. Sie haben Antikörper entwickelt, die in Versuchen mit Mäusen das Absterben der Insulin produzierenden Zellen verhinderten. Bei der untersuchten Form der Zuckerkrankheit, dem Diabetes vom Typ I,  handelt es sich um ein Autoimmunleiden.  Fehlgeleitete T-Zellen des Immunsystems zerstören dabei die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse. Wie Forscher um Lewis Lanier von der University of California in San Francisco jetzt herausgefunden haben, verfügen die Inselzellen der zuckerkranken Mäuse über eine besondere Ober- flächenstruktur. Es handelt sich um eine Bindungsstelle für das als NKG2D bezeichnete Oberflächenprotein von T- Zellen. Dieses Protein aktiviert die T-Zellen, wenn es auf ein passendes Gegenstück trifft. Auf den Inselzellen gesunder Mäuse kommt die Bindungsstelle nicht vor. Aufgrund dieser Beobachtung haben die Forscher einen maßgeschneiderten monoklonalen Antikörper konstruiert, der die fatale Wechselwirkung zwischen T-Zellen und Inselzellen blockiert. Wie sie in der Ausgabe der Zeitschrift „Immunity” Bd. 20, S.757 berichten, ließ sich bei alten Tieren der Ausbruch der Zuckerkrankheit verhindern.
   Nebenwirkungen waren nicht zu beobachten. Nun hoffen die Forscher, das Verfahren auch beim Menschen anwenden zu können, vielleicht sogar gegen verschiedene Autoimmunleiden. FAZ040616

Zankapfel Zuckerkrankheit

   Wenn Wissenschaftler in ihrer Aufregung Studien falsch zitieren, wenn geargwöhnt wird, brisante Arzneimitteldaten seien in Panzerschränken verschwunden und wenn mitgebrachte Mikrophone jedes Wort aufzeichnen - dann weiß der Besucher medizinischer Tagungen: Hier handelt es sich nicht um eine harmlose Fortbildungsveranstaltung für Ärzte, hier geht es um ein brandheißes Thema.
   Ernst Chantelau von der Klinik für Stoffwechselkrankheiten und Ernährung der Universitätsklinik in Düsseldorf hatte zu einer Diskussion über Nutzen und neuerdings stark ins Gerede gekommene  Risiken der Insulin-Analoga eingeladen, von Medikamenten, die enorme Zuwachsraten aufweisen. Den Zahlen der gesetzlichen Krankenkassen zufolge legen sie seit drei Jahren pro Quartal durchschnittlich um neun Prozent zu. Im letzten Quartal 2003 bedeutete das einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro.
Rolle bei der Krebsentstehung
   Insulin-Analoga sind Moleküle, in denen gegenüber dem Insulin des Menschen, dem Humaninsulin, eine oder wenige Aminosäuren ausgetauscht wurden. Das verändert den Verlauf ihrer Wirkung. Die Kunstinsuline Lispro und Aspart fluten besonders schnell an und dienen der raschen Verarbeitung von Mahlzeiten. Das Insulin-Analog Glargin wird ausgesprochen langsam freigesetzt und verschafft dem Körper 24 Stunden lang einen ausreichenden Grundspiegel. Die Manipulation am urprünglichen Insulinmolekül bringt indes noch andere Eigenschaften mit sich. Das besondere Augenmerk der Kri- tiker galt von Anfang an der starken Bindung der Analoga an den Rezeptor des Insulin-like-Growth-Faktor-1 (IGF-1). Das ist ein dem Insulin ähnlicher Wachstumsfaktor und derzeit ein “hot spot” der Krebsforschung.
   Dem Wachstumsfaktor wird eine wichtige, wenngleich noch nicht vollkommen aufgeklärte Rolle bei der Krebsentstehung in Prostata, Brust, Dickdarm und Lunge zugesprochen. Er fördert das Zellwachstum und verhindert  das  geordnete und erwünschte Absterben  von Zellen (Apoptose). Dadurch spielt er dem Tumorwachstum in die Hände. Eine demnächst  erscheinende  Veröffentlichung  japa- nischer Forscher bringt IGF-1 auch mit Bauchspeicheldrüsenkrebs in Verbindung. Man untersucht sogar seit neuestem, ob Medikamente über eine Senkung des IGF-1 im Blut die Behandlung von Knochentumoren und Brustkrebs zu unterstützen vermögen. Das allererste Insulin-Analog, AspB10-Insulin, ging eine äußerst feste Bindung mit dem IGF-1-Rezeptor ein und erwies sich als krebsfördernd. Die Tests an Patienten wurden deshalb 1992 abgebrochen.
Tests an Tumorgewebe
   Mit den Eigenschaften der Analoga befaßt sich seit langem Jürgen Eckel vom Diabetes-Forschungsinstitut in Düsseldorf, unterstützt von der pharmazeutischen Industrie. Der Forscher weist immer wieder darauf hin, dass das Wechselspiel der Kunstinsuline mit dem IGF-1-Rezeptor von großer Bedeutung im Hinblick auf die Sicherheit der Substanzen ist. Hierbei gibt es offensichtlich bedeutsame Unterschiede, wie gerade jüngste Ergebnisse aus diesem Labor nahelegen. Jene Tests, die die Unbedenklichkeit der Insulin-Analoga vor ihrer Zulassung untermauern sollten, gehen Chan- telau jedoch nicht weit genug. Er rügt insbesondere, dass es versäumt wurde, die Substanzen an Krebsgeweben zu überpüfen. Es gibt Hinweise, dass nur durch solche Tests eine vollständige Auskunft über das tatsächliche Gefahrenpotential zu erlangen ist.
   Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft, das offizielle Organ der Diabetes-Experten, teilt aber diese Bedenken nicht, wie aus ihrer Stellungnahme zur möglichen krebsauslösenden Wirkung der Insulin- Analoga hervorgeht. Die Europäische Zulassungsbehörde für Arzneimittel hat 2001 angesichts der Sicherheitsdebatte um die Insulin-Analoga zwar ebenfalls Tests an Tumorgewebe empfohlen. Das wurde aber noch nicht umgesetzt. Das Zögern der Behörde wurde damals schon im “Deutschen Ärzteblatt” Bd.98,S.A372 kritisiert. Bruno Müller- Oerlinghausen, der Präsident der Arzneimittel- kommission der Deutschen Ärzteschaft, bemängelte in Düsseldorf ebenfalls, dass sich die Behörde wenig kooperativ zeigte, als er unlängst Einsicht in die einschlägigen Unterlagen erbeten hatte. Dafür musste er sich eine harsche Rüge von Jürgen Sandow, einem Wissenschaftler beim Pharmakonzern Aventis, gefallen lassen. Sandow nahm die Zulassungspraxis der europäischen Behörde und die Qualität der Prüfverfahren in Schutz.
Unerwünschte Wirkungen
   Immerhin bewegt man sich insofern aufeinander zu, als offenbar die Notwendigkeit, Insulin-Analoga auch noch Jahre nach der Zulassung eingehender zu prüfen, eingesehen wird. Die pharmazeutische Industrie hat dafür der Gruppe um Eckel viel Geld zur Verfügung gestellt. Man ist nämlich auf ein höchst interessantes, neues Kunstinsulin aufmerksam geworden, das Glusilin. Dieses hemmt die Apoptose der Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse viel stärker als jede andere vergleichbare Substanz. Es wäre phantastisch, wenn man die Zellen damit vor dem Absterben bewahren könnte. Aber eine Apoptose- Hemmung dieses Ausmaßes an anderen Organen will man natürlich nicht.
   Die Kunstinsuline sind nicht allein wegen ihrer möglicherweise krebsauslösenden Eigenschaften in die Kritik geraten. Offenbar wirken sie auch anders auf die Gerinnung, den Eiweißabbau und die Aufnahme von Zucker in die Skelettmuskelzellen. Wie das zu beurteilen ist, weiß man noch nicht. Unklar ist auch, ob Kunstinsuline Netzhautschäden am Auge, wie sie bei Diabetes-Patienten vorkommen, auslösen oder verschlimmern können. Müller-Oerlinghausen wies darauf hin, dass die Substanz Glargin hier besonders auffällig scheint.
“Neandertal der Diabetestherapie”
   Von 49 Meldungen über unerwünschte Wirkungen dieses Mittels beziehen sich allein sechs auf Netzhaut- oder Glaskörperblutungen. Das lässt aufhorchen. Denn in den mehr als 600 Berichten zu den kurzwirksamen Substanzen Lispro und Aspart wurde nur eine Blutung gemeldet sowie eine Störung an der Netzhaut. Die amerikanische Zulassungsbehörde hat angeordnet, das Risiko von Glargin für die Netzhaut in einer gesonderten Studie noch einmal eigens zu überprüfen. 
   Nur wenige Medikamente sind risikolos, daher entscheidet der Nutzen darüber, ob man mögliche Gefahren in Kauf nehmen möchte. So gelten die kurzwirksamen Insuline Lispro und Aspart vor allem deswegen als vorteilhaft, weil man nach dem Spritzen sofort essen kann. Dieses Argument gehört aber nach Ansicht des Düsseldorfer Oecotrophologen Hubert Overmann ins “Neandertal der Diabetestherapie”. Der Abstand zwischen Injektion und Essen sei in der modernen Diabetesbehandlung keineswegs fest vorgeschrieben. Mehr als 70 Prozent der hierzu befragten Diabetologen würden ihren Patienten keine fixe Pause zwischen Essen und Spritzen empfehlen. Ein rund ebenso großer Prozentsatz der Patienten gibt an, die Behandlung ohne einen solchen Abstand zu handhaben.
Schlechte Qualität
   Wer sich dennoch auf einen größeren Nutzen der Insulin-Analoga berufen will, muss nun mit schärferem Gegenwind rechnen. Gerade wurde in der Cochrane-Bibliothek eine Analyse veröffentlicht, die jene Studien, die bislang über die kurzwirksamen Insulin-Analoga gemacht wurden, unter die Lupe nimmt. Ein Urteil aus den Reihen der Cochrane-Experten bürgt für hohe Kompetenz. Bernd Richter von der Universitätsklinik in Düsseldorf ließ keinen Zweifel daran, dass es in diesem Fall vernichtend ausfiel. 83 Prozent der Studien musste man eine schlechte Qualität bescheinigen. Ob die Kunstinsuline Spätschäden an Nieren oder Augen hinauszögern oder die Sterblichkeit der Zuckerkranken im Vergleich zu Humaninsulin verringern, lässt sich den Studien überhaupt nicht entnehmen. Der so genannte HbA1C-Wert, ein mittelfristiges Maß für die Qualität der Blutzuckereinstellung, war bei Typ-2- Diabetikern nicht, bei Typ-1-Diabetikern nur um 0,1 Prozent günstiger. Angesichts dieser marginalen Verbesserung und vor dem Hintergrund der ungeklärten Risiken raten die Cochrane-Autoren aus- drücklich zur Zurückhaltung. Insofern bestätigt das Gremium die Empfehlung der Arzneimittelkommis- sion, Insulin-Analoga nicht als Mittel der ersten Wahl anzuwenden. MartinaLenzen-SchulteFAZ040512

Plötzliche Sehschwäche

  Plötzliche Veränderungen des Sehvermögens können auf nicht erkannte Erkrankungen hindeuten. So könnte eine Verbesserung der Nahsicht bei gleichzeitiger Verschlechterung der Fernsicht ein Anzeichen für Diabetes sein im Frühstadium sein. Darauf weist der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands hin. dpaHA040213

Regelmäßig zum Augenarzt

  Diabetiker sollten Auswirkungen ihrer Krankheit auf die Sehkraft mindestens einmal jährlich vom Augenarzt untersuchen lassen. Darauf weist der Deutsche Diabetiker Bund in seiner Zeitschrift „subkutan” hin 2/2005. Regelmäßige Untersuchungen sind nötig, da die diabetische Retinopathie in den Anfangsstadien kaum Symptome aufweist. HA050406dpa

Diabetiker: Für den Notfall Kollegen einweihen

   Wenn Diabetiker ihre Krankheit am Arbeitsplatz verschweigen, kann das gefährliche Folgen für sie haben. Unter Umständen wüsste dann zum Beispiel bei einer Unterzuckerung kein Kollege, dass er dem Betroffenen ein zuckerhaltiges Getränk oder ein Stück Traubenzucker geben und im Ernstfall einen Arzt rufen sollte, warnt die „Neue Apotheken Illustrierte”. Die Kollegen sollten daher über die Krankheit aufgeklärt werden, auch darüber, dass sich eine Unterzuckerung in Form von Schwäche und Schwindel oder Bewusstlosigkeit bemerkbar macht. tmnNOZ070519

Rauchen ist Gift für die Augen

   Raucher bezahlen ihr Laster unter anderem mit der Verkalkung ihrer Blutgefäße. Herzinfarkt, Schlaganfall und Raucherbein sind die Folgen. In einer großen Studie mit fast 12.000 Diabetikern stellte sich nun heraus, dass auch die Augen stark darunter leiden, berichtet der„Diabetiker Ratgeber”. Rauchende Diabetiker erkrankten mehr als doppelt so oft an einem Netzhautschaden wie Diabetiker, die nicht rauchten. wbvHA070101

. . . weitere interessante Informationen zum Thema Diabetes finden Sie unter:
Diabetes-Test, Diabetes, Altersdiabetes, Test, Forschung und Experten-Rat

                       kbwn:Diabetes & Auge

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