MM-DKWN-x
kbwn

         o n l i n e :       
www.

kbwn.de

Familiensynode

Fortsetzung und Beschlussfassung der Familiensynode 2015 >Familiensynode II 

 Auf dieser Seite lesen Sie: Die Familiensynode im Jahr 2014
1. 40 Brautleute feierten ihre Hochzeitsmesse im Petersdom mit Papst Franziskus
2. Vorbereitung zur Familiensynode
3. Franziskus: Fürchtet euch nicht vor Neuerungen in der Kirche
4. Wer an der Familien-Bischofssynode teilnimmt
5. Papst Franziskus: Wiederverheiratete nicht wie Exkommunizierte behandeln!
6. Familiensynode: Kardinal Reinhard Marx, München, mangelt es nicht an klaren Antworten
7. Ute Eberl, Berlin: Die Synode muss Antworten geben
8. Schweiz: Signale der Basis ernstnehmen
9.  Fotoberichte über die Familiensynode
10. Dokument “Relatio Synodi” der Familiensynode

ff-215-xx

In der Ehe gibt es – so  Papst Franziskus sinngemäß - eine spiegelgleiche Aufgabe für beide Partner:

ff-211-z-Brautleute

40 Brautleute feierten ihre Hochzeitsmesse im Petersdom mit Papst Franziskus

   „Der Mann hat die Aufgabe, seiner Frau zu helfen, mehr Frau zu sein, und die Frau hat die Aufgabe, ihrem Mann zu helfen, mehr Mann zu sein. Das ist eure Aufgabe füreinander: „Ich liebe dich, und deshalb mache ich dich mehr zu Frau" – „Ich liebe dich, und deshalb mache ich dich mehr zum Mann“. Es ist die Wechselwirkung der Verschiedenheiten.“
Ein glatter Weg sei das nicht, sagte Papst Franziskus. Eine Ehe ohne Konflikte – „das wäre nicht menschlich“.
   „Es ist eine anspruchsvolle, manchmal schwierige, bisweilen sogar konfliktgeladene Reise, aber so ist das Leben!“
Franziskus bezog sich auf die erste Lesung, die am Fest Kreuzerhöhung, dem Weg des Volkes durch die Wüste gilt. An einem bestimmten Punkt verloren die Menschen den Mut, sie waren versucht aufzugeben. Dasselbe könne auch in der Ehe geschehen. In der Wüste flehte Mose zum Herrn, und dieser sorgte für ein Heilmittel gegen die giftigen Schlangen, die viele Menschen bissen, sodass sie starben. Mose fertigte eine Schlange aus Bronze, die er an einem Pfahl aufhängte, und wer sie ansieht, wird vom tödlichen Gift der Schlangen geheilt.“
   „Das Heilmittel, das Gott dem Volk anbietet, taugt besonders auch für die Eheleute, die unterwegs „den Mut verlieren“ und von den Versuchungen der Verzagtheit, der Untreue, des Rückzugs, des Verlassens gebissen werden. Auch ihnen schenkt Gott Vater seinen Sohn Jesus, nicht um sie zu richten, sondern um sie zu retten: Wenn sie sich ihm anvertrauen, heilt er sie mit seiner barmherzigen Liebe, die aus seinem Kreuz entspringt, mit der Kraft einer Gnade, die sie wieder aufleben lässt und ihnen zu neuem Schwung auf dem Weg des Ehe- und Familienlebens verhilft.“
Inmitten dieser Theologie über das Volk unterwegs, das auch die Familie und die Eheleute unterwegs meine, erteilte der Papst einen kleinen Tipp als Seelsorger:
   „Es ist normal, dass Eheleute streiten – aber legt euch nie schlafen, ohne euch versöhnt zu haben. Es genügt eine kleine Geste. Und so geht man voran. Die Ehe ist ein Symbol des Lebens, des realen Lebens, es ist keine Fiktion! Sie ist ein Sakrament der Liebe Christi und der Kirche, einer Liebe, die sich im Kreuz bewahrheitet und in ihm ihre Garantie findet. Ich wünsche euch Glück! Es wird Prüfungen geben, aber der Herr ist immer da.“
   Unter den Hochzeitspaaren Fotos der Trauungen oben und nach diesem Artikel waren auch solche, die schon länger zusammenleben oder Kinder aus früheren Verbindungen haben. Die Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ berichtete von Gabriella und Guido, beide über 50, die ihr Zusammenleben nach etlichen Jahren mit dem Sakrament segnen wollten. Sie hätten sich zunächst als „ungeeignet“ für diese Feier empfunden, erzählten sie dem Reporter. „Aber in Wirklichkeit sind wir alle der Liebe Gottes würdig. Dieser wunderbare Papst will offenbar eine Kirche, die alle mit der Liebe des Herrn umarmt und aufnimmt. Und so fühlen wir uns: aufgenommen und symbolhaft umarmt.“
   Auf Wunsch des Papstes war es das Vikariat Rom, das die 20 Hochzeitspaare aussuchte. Fast alle mussten ein bereits bestelltes Aufgebot zugunsten der Hochzeit im Petersdom verschieben, berichtete der „Osservatore Romano“. Eine Teilzeitkassierin beim Fast-Food-Restaurant, ein kalabresischer Disc-Jockey, ein kleiner Angestellter waren unter den Brauleuten. Eines der Paare hatte sich bei einer Hochzeit kennengelernt und dann im Internet wiedergefunden. Viele waren im eher vorgerückten Alter, und viele stammten aus römischen Stadtrandgebieten.
   Im Petersdom saßen die Brautleute im Halbkreis rund um die Confessio. Als die Paare einander das Sakrament spendeten, kam es zu jenen sympathischen kleinen Pannen, die zu jeder Hochzeit gehören: Ringe, die sich nicht anstandslos überstreifen ließen, gebrochene Stimmen, einige Tränen, große Emotionen, kleine Zeichen; eine Braut, Francesca Romana, die nach ihrem „si“ dem Ehemann glücklich-verschwörerisch zublinzelte.
   Hochzeitsmessen, die von Päpsten gefeiert werden, sind selten. Das letzte Mal hatte Johannes Paul II. im Jahr 2000 zum Jubiläum der Familien eine Hochzeitsmesse zelebriert, davor beim Weltfamilientreffen 1994. Franziskus hat offenbar besondere Freude an der Begleitung von Paaren. So hatte er als erster Papst überhaupt am Valentinstag Verlobte auf dem Petersplatz empfangen. Die Hochzeitsmesse im Petersdom steht auch im Vorzeichen der außerordentlichen Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie, die im Oktober im Vatikan stattfinden wird. Franziskus würdigte in seiner Predigt nochmals die große Bedeutung, die der Institution Familie in der Gesellschaft zukommt:
   „Unschätzbar ist die Kraft, das Aufkommen an Menschlichkeit, das in einer Familie vorhanden ist: die gegenseitige Hilfe, die erzieherische Begleitung, die Beziehungen, die mit den Menschen mitwachsen, das Teilen der Freuden und der Schwierigkeiten… Die Familien sind der erste Ort, an dem wir uns als Person heranbilden, und zugleich sind sie die „Bausteine“ für den Aufbau der Gesellschaft.“ Rv140914gs

ff-212-ZZ-Brajtpaare

ff-205-ZzZ-20Brautpaare

ff-210-Z3-Brautpaare

ff-211a

 ff-214axTrauringe-xx

Familiensynode: Vatikan lädt zum Gebet ein

   Der Vatikan lädt zu einem weltweiten Gebetstag für die bevorstehende Familiensynode ein. Am Sonntag, den 28. September, sind alle Diözesen, Pfarreien und Orden der katholischen Kirche dazu aufgerufen, in der Messe für das Gelingen des Bischofstreffen zu beten, heißt es in einer Mitteilung des Synodensekretariates von diesem Samstag. Handreichungen dazu würden demnächst veröffentlicht. Die Dritte Außerordentliche Bischofssynode tritt vom 5. bis 19. Oktober im Vatikan zusammen und steht unter dem Motto „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung". An der Versammlung nehmen die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen sowie weitere, noch zu berufene Mitglieder, Experten und Beobachter teil. Der Außerordentlichen Synode folgt ein Jahr später eine Ordentliche Synode, die das Thema Familie in einem weiteren Kreis erörtert. Rv140906mg

ff-216-FamilienSyn-z  ff-209-zz-Brautpaare

  Papstpredigt: „Fürchtet euch nicht vor den Neuerungen in der Kirche“

   Die Frohe Botschaft „ist Neuheit“, Jesus bittet uns darum, „hinfällige Strukturen“ aufzugeben. Das sagte Papst Franziskus an diesem Freitag bei der Morgenmesse in der Kapelle seiner Residenz Santa Marta. Der Christ soll kein „Sklave vieler kleiner Gesetze“ sein, sondern sein Herz dem neuen Gebot der Liebe öffnen, so Franziskus. Im Tagesevangelium indignieren sich die Schriftgelehrten vor Jesus, warum seine Jünger essen und trinken, während ihre eigenen Jünger und die des Johannes fasten. Jesus antwortet mit der Neuheit, führt Franziskus aus:
   „Neuen Wein muss man in neue Schläuche füllen. Was bringt uns das Evangelium? Freude und Neuheit. Jene Rechtsgelehrten waren versponnen in ihre Gebote und Vorschriften. Der Heilige Paulus sagt uns mit Blick auf sie, dass wir alle, bevor der Glaube und das heißt Jesus kam, wie beschützte Gefangene unter dem Gesetz waren. Die Gesetze jener Leute waren nicht schlecht: Die Menschen waren beschützt, wenn auch gefangen, in Erwartung des Glaubens. Jenes Glaubens, der sich in Jesus Christus selbst offenbaren sollte.“
   Das Volk habe unter dem Gesetz Mose gelebt, das Gelehrte dann mit allerlei „Gewohnheiten und kleinen Gesetzen“ angereichert hätten, erklärte Franziskus. Freilich kennten auch die Christen Gesetze.
   „Jesus hat gesagt: Ich komme nicht, um das Gesetz aufzuheben, sondern um zu erfüllen. Und die Fülle des Gesetzes sind zum Beispiel die Seligpreisungen, das Gesetz der Liebe, der umfassenden Liebe, so wie er – Jesus – uns geliebt hat. Und als Jesus diesen Schriftgelehrten Vorwürfe macht, wirft er ihnen vor, das Volk mit dem Gesetz nicht behütet, sondern versklavt zu haben mit so vielen kleinen Dingen, die sie befolgen mussten.“
   Das Evangelium sei Fest, Freude, Freiheit, betonte Franziskus. Deshalb habe das Volk es als die ersehnte Befreiung wahrgenommen. Jesus wolle uns sagen, fuhr der Papst fort:
   „Neuer Wein braucht neue Schläuche. Und habt keine Angst, die Dinge nach dem Gesetz des Evangeliums zu ändern. … Das Gesetz einhalten – das Gesetz, das Jesus zur Erfüllung gebracht hat – im Gebot der Liebe, in den Geboten, die aus den Seligpreisungen kommen. Gott gebe uns die Gnade, keine Gefangenen zu bleiben. Er gebe uns die Gnade der Freude und der Freiheit, die uns die Neuheit des Evangeliums bringt.“   rv140905gs

Wer an der Familien-Bischofssynode teilnimmt

 14 Ehepaare und eine Reihe weiterer Laien werden an der außerordentlichen Bischofssynode zum Thema Familie teilnehmen, die im Oktober im Vatikan stattfinden wird. Das geht aus der Liste hervor, die der vatikanische Pressesaal veröffentlichte. Insgesamt werden demnach 253 Bischöfe und Fachleute aus aller Welt zur Synode erwartet. Die Synodenväter – also Kleriker – sind 191, darunter 114 Präsidenten der Bischofskonferenzen, deren Anwesenheit bei Bischofssynoden von Amts wegen vorgesehen ist. Aus dem deutschen Sprachraum werden somit die Kardinäle Reinhard Marx und Christoph Schönborn sowie Bischof Markus Büchel aus der Schweiz anreisen. Fotos unten

Flagge,Gxx   cdReinhardMarx-xx        Kardinal Reinhard Marx, München 

Kardinal Christoph Schönborn, Wien  cdd-ChristrophSchönbornWien  tn_PrFlaggeAU306_gif

tn_PrFlaggeCH305_gif   ep-MarkusBüchelStGallen-z    Bischof Markus Büchel, St. Gallen 

   Ebenfalls von Amts wegen werden die 25 Kurienchefs bei der Synode vertreten sein, unter ihnen die Kardinäle Gerhard Ludwig Müller und Kurt Koch. Fotos unten

cd Gerhard Ludwig Müller cdd-GerhardLudwigMüller-xx cdd-KurtKoch-3x cd Kurt Koch

   Auf päpstliche Ernennung sind 26 Synodenväter eingeladen, so der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper, der auf Wunsch des Papstes den zum letzten Konsistorium versammelten Kardinälen einen Vortrag zum Thema Ehepastoral gehalten hatte.

cd Walter Kasper    cdd-WalterKasper-Z2z   kil-UteEberl-x  Ute Eberl

   Die eingeladenen 14 Ehepaare - 13 in der Kategorie der Hörer, eines in der Kategorie Experten - stammen mehr- heitlich aus nichteuropäischen Ländern, unter anderem aus dem Irak, Kongo, den Philippinen, Brasilien und den USA. Die einzige Teilnehmerin aus Deutschland in der Sektion der Hörerinnen und Hörer ist Ute Eberl Foto oben, die in der Erzdiözese Berlin die Ehe- und Familienseelsorge verantwortet. Als Berichterstatter deutscher Sprache wird Pater Bernd Hagenkord, Redaktionsleiter bei Radio Vatikan, die Synode verfolgen und tägliche Pressebriefings halten. Die Liste der „brüderlichen Delegierten“, das heißt der Beobachter aus anderen christlichen Kirchen, umfasst acht Würdenträger, darunter Metropolit Hilarion, der Außenverantwortliche der russisch-orthodoxen Kirche, den anglikanischen Bischof Paul Butler aus Großbritannien und – als einzige Frau dieser Sektion – die in Paris lehrende Exegetin Valerie Duval-Poujol, die die Weltallianz der Baptisten vertritt Fotos l-r unten. Insgesamt nehmen 30 Frauen, darunter eine Ordensschwester, an der Versammlung teil.

Ök-aepHilarion-xxx       an-epPaulButlerDurham-x      kil-ValerieDuval-Poujol-x

Bereits seit längerem stand fest, wer Papst Franziskus bei der Leitung der Synode unterstützen wird: die Kardinäle André Vingt-Trois aus Paris, Luis Antonio Tagle aus Manila und Raymundo Damasceno Assis aus Aparecida.Fotos l-r.

2cdAndréVingt-Trois-x     cdd-AntonioTagleManila-x     cdRaimundoDamascenoAssis-x

   Generalrelator wird der Budapester Kardinal Peter Erdö. Die außerordentliche Bischofssynode unter dem Titel „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung" tagt von 5. bis 19. Oktober im Vatikan. Im Herbst 2015 folgt dann eine ordentliche Synode zum selben Thema. rv140909gs

Generalrelator der Bischofssynode lcd-PeterErdö-xx Kardinal Peter Erdö, Budapest

ff-179-K_Zz

Papst schreibt an Familien: Betet für die Synode!

   Papst Franziskus hat einen Brief an katholische Familien geschrieben. Der Vatikan veröffentlichte das Schreiben am Fest der Darstellung des Herrn. Mit zwei Weltbischofssynoden 2014 und 2015 zum Thema Familienpastoral hat der Papst die Familie für die nächsten Jahr zu einem Leitthema gemacht. Auch Papst Johannes Paul II. hatte sich mit einem Schreiben an Familien gewandt.
   Er ist überschaubar, der Papstbrief, und doch ist die Botschaft klar: Ohne euch geht es nicht, wir brauchen euer Gebet, wendet sich Franziskus an katholische Familien. Den Familien stellt sich der Papst in dem Brief dabei wie ein Wanderpilger vor; so beginnt sein Brief mit den Worten: „Liebe Familien, ich komme an eure Haustür, um über ein Ereignis mit euch zu sprechen, das bekanntlich im Oktober im Vatikan stattfinden wird.“ Ein Ereignis, das euch betrifft, betont der Papst im Brief an die Familien mit Blick auf die Weltbischofssynode zum Thema Familienpastoral:
   „Diese Synodenversammlung ist ja in besonderer Weise euch gewidmet, eurer Berufung und Sendung in der Kirche und in der Gesellschaft, den Fragen der Ehe, des Familienlebens, der Erziehung der Kinder und der Rolle der Familien in der Sendung der Kirche. Daher bitte ich euch, inständig zum Heiligen Geist zu beten, dass er die Synodenväter erleuchte und sie in ihrer wichtigen Aufgabe leite.“
   Nach der Außerordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode vom Oktober 2014 sollen auf der ordentlichen Vollversammlung ein Jahr später Themen weitergedacht und in pastorale Ansätze übersetzt werden. Im September 2015 findet dann ein Welttreffen der Familien in Philadelphia statt. Franziskus erhofft sich von diesen Ereignissen eine konkrete Stärkung der Familien. Dass die Kirche hier noch mehr tun kann, dürfte dem Papst nicht zuletzt aus den Ergebnissen der Vatikanfragebögen zu Ehe und Familie bekannt sein, die ihm laut Kardinal Baldisseri am Montag vorgestellt worden sein dürften.
   „Beten wir also alle gemeinsam, dass die Kirche durch diese Ereignisse einen wirklichen Weg der Unterscheidung zurücklege und geeignete pastorale Mittel ergreife, um den Familien zu helfen, die heutigen Herausforderungen mit dem Licht und der Kraft zu bewältigen, die aus dem Evangelium kommen.“
   Die Familie sei eine Kraftquelle und der Ort, wo sich die Generationen in besonderer Weise bereichern, betont der Papst in seinem Brief weiter. Diesen Aspekt verdeutlicht er anhand einer Passage des Lukasevangeliums: Im Tempel treffen Jesus und seine Eltern zwei alte Menschen, Simeon und Hanna, die den Messias erkennen. Simeon nimmt ihn in die Arme und dankt Gott, weil er endlich das Heil schaut; Hanna findet trotz ihres hohen Alters neue Kraft und spricht zu allen über das Kind. Das sei ein „schönes Bild“, so der Papst: „zwei junge Eltern und zwei alte Menschen, von Jesus zusammengeführt“:
   „Jesus lässt die Generationen einander begegnen und vereint sie! Er ist die unerschöpfliche Quelle jener Liebe, die alle Verschlossenheit, alle Einsamkeit, alle Traurigkeit überwindet. Auf eurem Weg als Familie teilt ihr viele schöne Momente miteinander: die Mahlzeiten, die Ruhe, die Arbeit im Hause, die Vergnügungen, das Gebet, die Reisen und die Wallfahrten, die Taten der Solidarität… Doch wenn die Liebe fehlt, fehlt die Freude, und die echte Liebe wird uns von Jesus geschenkt: Er bietet uns sein Wort an, das unseren Weg erleuchtet; er gibt uns das Brot des Lebens, das die tägliche Mühe unseres Weges unterstützt.“
  Der Papstbrief endet mit einem Segen für die Familien und dem Appell an sie, für ihn zu beten - „dass ich dem Volk Gottes in Wahrheit und Liebe dienen kann“.

Papst an Eheleute: „Betet füreinander!“ - Würdigung von Johannes Paul

   Das Gebet sollte Grundlage der Ehe und des Familienlebens sein. Daran hat der Papst bei der Generalaudienz erinnert. In seiner Katechese ging Franziskus auf das Sakrament der Ehe ein. Die Ehe sei ein Abbild der Treue und Liebe des Schöpfers, erinnerte er in Anlehnung an das Buch Genesis.
   „Wenn ein Mann und eine Frau das Sakrament der Ehe feiern, spiegelt sich Gott sozusagen in ihnen: Er schreibt in sie seine eigene Gestalt und das unauslöschliche Bild seiner Liebe ein. Die Ehe ist das Symbol der Liebe Gottes zu uns. Sehr schön! Auch Gott ist Einheit. Die drei Personen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes leben seit immer und für immer in perfekter Einheit, und genau dies ist das Mysterium der Ehe: Gott macht aus den beiden Eheleuten eine einzige Existenz.“
   Außerdem spiegelten die Eheleute die bräutliche Beziehung Christi zur Kirche wider, fuhr der Papst fort. Kraft des Sakraments werde den Gatten eine eigene Mission übertragen, in den kleinen Dingen des Alltags die Liebe Christi zu seiner Kirche sichtbar zu machen. Eindringlich rief der Papst die Paare dazu auf, die Verbindung zu Gott nie abreißen zu lassen – gerade angesichts von Schwierigkeiten und Problemen in der Familie. Das gemeinsame Gebet sei eine Basis des Familienlebens, so der Papst:
   „Wenn die Familie betet, wird die Verbindung gehalten. Wenn der Ehemann für die Ehefrau betet und sie für ihn, wird diese Verbindung stark. Einer betet für den anderen. Es ist wahr, dass es im Eheleben viele Schwierigkeiten gibt, viele, nicht wahr? Die Arbeit, das Geld reichen nicht, die Kinder haben Probleme, es gibt so viele Schwierigkeiten. Und oft werden der Ehemann und die Ehefrau nervös und streiten. So ist das: Immer wird gestritten und manchmal fliegen auch die Teller. Ihr werdet lachen, doch so ist es. Wir dürfen deshalb nicht traurig werden. Das Geheimnis ist, dass die Liebe stärker ist als der Moment des Streits. Und deshalb rate ich den Eheleuten, nie den Tag zu beenden ohne Versöhnung, niemals!“
   Für Frieden müsse man sich nicht gleich an die Vereinten Nationen wenden, so der Papst mit einem Augenzwinkern. Um guten Willen zu zeigen, reiche oft ein einfaches Wort, eine einfache Geste, so Franziskus: „Bitte“, „danke“ und „entschuldige“ - diese Worte dürften im Umgang nicht fehlen, riet er den Eheleuten. Das Bitten und Danken stehe für Respekt; das Sich-Entschuldigen sei nicht leicht, doch notwendig, so der Papst:
 „Darf ich? Danke! Und: Entschuldigung. Wiederholen wir diese Worte gemeinsam! Bitte, danke und Entschuldigung. Mit diesen drei Worten, mit dem Gebet des Mannes für die Frau und der Frau für den Mann, und mit der Versöhnung vor dem Ende des Tages, damit geht die Ehe voran. Drei magische Worte, Gebet und immer Frieden schließen. Der Herr segne euch und: Betet für mich!“ Rv140402pr

Papstpredigt:Barmherzigkeit bedeutet Liebkosung Gottes

   Die göttliche Barmherzigkeit ist „ein großes Licht der Liebe und der Zärtlichkeit“. Das sagte der Papst an diesem Montagmorgen bei der Messe in der Casa Santa Marta. Das Thema Barmherzigkeit durchzog seine ganze Predigt. Franziskus führte aus, dass die Barmherzigkeit Gottes wie ein Streicheln auf den Wunden unserer Sünden sei.
   Ausgehend von der Passage des Johannesevangeliums über die Ehebrecherin und die Vergebung Jesu erläuterte der Papst die Bedeutung der göttlichen Barmherzigkeit. Die Ehe sei nicht nur ein Zeichen, sondern auch eine menschliche Realität der Verbindung zu Gott, so der Papst. Ein Ehebruch sei somit ein Bruch vor allem in der Beziehung zu Gott. Während die Pharisäer und die Schriftgelehrten die Ehebrecherin verurteilen, macht Jesus eine „überraschende Geste“. Er vergibt ihr. Dazu der Papst:
   „Denn Jesus geht über das Gesetz hinaus. Er sagt aber nicht zu ihr: Ehebruch ist keine Sünde! Das sagt er nicht. Aber er verurteilt nicht gemäß des Gesetzes. Das ist das Geheimnis der Barmherzigkeit. Das ist das Geheimnis der Barmherzigkeit Jesu.“
   Jesus verteidigt nicht nur die Schuldlosen, er vergibt den Sündern. Denn für ihn gelte nicht mehr der äußere Gehorsam gegenüber dem Gesetz, sondern die Antwort des Herzens auf die Gabe und den Anspruch der Liebe. Wenn ihn jemand fragen würde, wie das gemeint sei, so habe er eine klare Antwort, so der Papst:
   „Wenn mich jemand fragt: Pater, ist es so, dass die Barmherzigkeit alle Sünden tilgt? Dann antworte ich: Nein – was deine Sünden tilgt, ist die Vergebung Gottes! Die Barmherzigkeit ist Gottes Art zu vergeben. Wie wir bereits gehört haben, sagte Jesus bereits einmal: Ich vergebe dir und geh‘! Diesmal sagt er aber: Geh‘ in Frieden! Denn Jesus geht weiter. Er rät der Ehebrecherin, nicht mehr zu sündigen. Da sehen wir sehr gut, was Barmherzigkeit ist: die Sünder vor ihren Feinden verteidigen, auch wenn es sich um eine gerechte Verurteilung handelt. Das gilt auch für uns. Wie viele werden wohl in der Hölle landen? Das ist eine gerechte Strafe, aber Gott vergibt uns allen. Das ist Barmherzigkeit.“
   Die Barmherzigkeit ziehe somit eine „Trennung zwischen Mensch und Sünde“, so der Papst.
   „Das ist so wie der Himmel. Wenn wir hinauf schauen, dann sehen wir so viele Sterne. Doch wenn morgens die Sonne scheint, dann sehen wir sie nicht mehr. So ist es auch mit der göttlichen Barmherzigkeit: ein starkes Licht wie die Sonne, die uns und unsere Sünden streichelt. Denn Gott ist mit der Vergebung und unserer Rettung verbunden. Jesus ist im heutigen Tagesevangelium wie ein Beichtvater, er beleidigt nicht die Sünderin und will jedes Detail des Ehebruchs wissen. Nein! Er sagt einfach, geh‘ und sündige nicht mehr. Das Großartige an Gott ist, dass er uns vergibt und streichelt.“ Rv140407mg 

f-191-Z3

Papst: „Wiederverheiratete nicht wie Exkommunizierte behandeln“ - Papst Franziskus bei der Generalaudienz

   Es ist eine dornige Frage, die auch im synodalen Prozess zur Ehe- und Familienpastoral eine wichtige Rolle spielt: Wie sollte die katholische Kirche umgehen mit Menschen, die „nach dem unwiderruflichen Scheitern ihrer Ehe eine neue Bindung eingehen“? Papst Franziskus hat diese Frage am Mittwoch bei seiner Generalaudienz gestellt; es war die erste Generalaudienz nach seiner Sommerpause und übrigens die hundertste dieses Papstes. „Die Kirche weiß gut, dass eine solche Situation dem christlichen Sakrament widerspricht“, so Franziskus mit Blick auf die Geschiedenen, die wieder heiraten. „Aber der Blick der Kirche wird immer von einem mütterlichen Herzen bewegt; einem Herzen, das immer das Wohl und Heil der Menschen sucht. Genau deshalb bemüht sie sich darum, die Situationen gut zu unterscheiden.“
   Franziskus verwies darauf, dass schon der hl. Johannes Paul II. in seinem Schreiben ‚Familiaris Consortio’ wichtige Unterscheidungen treffe – etwa „zwischen dem, der eine Trennung erlitten, und demjenigen, der sie ausgelöst hat“. Man müsse mal aus dem Blickwinkel kleiner Kinder auf solche Gemengelagen schauen: „Dann sehen wir noch stärker die Notwendigkeit, dass unsere Gemeinschaften Menschen, die in solcher Lage leben, wirklich bei sich aufnehmen. Darum ist es wichtig, dass der Stil der Gemeinschaft, ihre Sprechweise, ihre Einstellungen immer aufmerksam auf die Menschen sind, vor allem auf die Kleinen. Sie sind es, die in diesen Situationen am meisten leiden. Wie können wir denn diesen Eltern empfehlen, alles zu tun, um ihre Kinder im christlichen Glauben zu erziehen, indem sie ihnen das Beispiel eines überzeugten und praktizierten Glaubens geben, wenn wir sie vom Leben unserer Gemeinschaft auf Distanz halten, als ob sie exkommuniziert wären? Wir müssen so handeln, dass wir nicht weitere Lasten hinzufügen zu denen, die Kinder in solchen Situationen ohnehin schon auf den Schultern haben!“
   Die Kirche sei im Hinblick auf wiederverheiratete Geschiedene „in diesen Jahrzehnten weder unsensibel noch faul“ gewesen, versicherte der Papst, um dann zu einer kleinen tour d’horizon durch lehramtliche Aussagen in diesem Bereich auszuholen. Unter seinen unmittelbaren Vorgängern im Papstamt sei „das Bewußtsein sehr gewachsen, dass es für Getaufte, die nach dem Scheitern der sakramentalen Ehe ein neues Zusammenleben eingehen, eine geschwisterliche und aufmerksame Aufnahme braucht“. „Diese Menschen sind ja keineswegs exkommuniziert – sie sind nicht exkommuniziert! Und darum darf man sie auch absolut nicht als Exkommunizierte behandeln – sie gehören weiterhin zur Kirche. Papst Benedikt XVI. ist auf diese Frage eingegangen und hat aufmerksames Unterscheiden und weises pastorales Begleiten angeraten,  im Wissen darum, dass es keine einfachen Rezepte gibt.“ Damit bezog sich der Papst auf eine Äußerung des emeritierten Papstes beim Welttreffen der Familien in Mailand im Juni 2012.
   Pfarreien und kirchliche Gemeinschaften sollten wiederverheiratete Geschiedene „aufnehmen und ermutigen, damit diese ihre Zugehörigkeit zu Christus und zur Kirche immer mehr leben und weiterentwickeln, im Gebet, beim Hören des Wortes Gottes, bei der Teilnahme an der Liturgie, bei der christlichen Erziehung der Kinder, mit Nächstenliebe und Dienst an den Armen, mit dem Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden“.  Christus sei der Gute Hirte, der sein Leben für die Schafe gebe: Diese Haltung sei das „Modell“ für die Kirche. „Die Kirche ist aufgerufen, immer das offene Haus des Vaters zu sein: Also keine geschlossenen Türen! Keine geschlossenen Türen! Alle können auf die eine oder andere Weise am kirchlichen Leben teilnehmen, alle können zur Gemeinschaft gehören. Die Kirche ist das Vaterhaus, wo Platz für jeden einzelnen mit seinem mühsamen Leben ist.“
   Franziskus schlug vor, christliche Familien könnten sich doch stärker um „verletzte Familien“ kümmern und sie „im Leben des Glaubens der Gemeinschaft begleiten“. „Jeder tue das Seine, um die Haltung des Guten Hirten anzunehmen, der jedes seiner Schafe kennt und keines von seiner unbegrenzten Liebe ausschließt!“  rv150805sk

Papst Benedikt XVI. em.  be-117-z  2015

   Mit der Neubearbeitung seines alten Aufsatzes „Zur Frage nach der Unauflöslichkeit der Ehe“ sorgt jetzt der emeritierte Papst Benedikt XVI. für einen neuen Aspekt in der Debatte um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in der katholischen Kirche. Für die überarbeitete Version, die dieser Tage im vierten Band der „Gesammelten Schriften“ Joseph Ratzingers im Freiburger Herder-Verlag erscheinen wird, hat der emeritierte Papst seine damaligen Worte „neu gefasst“, wie es in den editorischen Hinweisen heißt. Damals hatte Ratzinger geschrieben, dass in bestimmten Fällen die Zulassung zur Kommunion von in zweiter Ehe lebenden Katholiken „von der Tradition“ gedeckt sei. Benedikt XVI. verweist jetzt auf die „Unmöglichkeit“ für wiederverheiratete Geschiedene, die Kommunion zu empfangen und empfiehlt stattdessen, häufiger Ehenichtigkeitsverfahren zu führen, und so den Weg für eine zweite Ehe und damit den Zugang zu Kommunion und Beichte freizumachen. Rv141119kap

f-192-ZzZ

Papst: Manchmal ist eine Trennung unvermeidlich
Foto: Kleiner weißer Punkt in der Mitte: Der Papst bei der Generalaudienz

   Familie ist nicht automatisch heile Welt: „Verletzungen“ gibt es hier und „Beleidigungen“. Davon sprach Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz. Viele Kinder litten darunter, wie ihre Eltern untereinander Bosheiten austauschten. Das sollten die Paare bei ihrer Zankerei bitte bedenken: Bosheiten, die man untereinander austausche, belasteten die ganze Familie. 
   Einander Schmerzen innerhalb einer Familie zuzufügen, sei „leider eine weitverbreitete Krankheit“, so der Papst. „Wir wissen gut, dass in keiner Familiengeschichte diese Momente fehlen. Anstatt Liebe weiterzugeben, gechieht mit Wort, Tat oder Unterlassung das Gegenteil. Oder sogar noch schlimmer, man demütigt einander. Wenn diese Verletzungen, Beleidigungen vernachlässigt werden, solange man sie noch wieder gutmachen könnte, verschlimmert sich die Situation: Die Beleidigungen werden rücksichtloser, feindlicher und verachtend.“
   Diese Spirale zerstöre schließlich die Verbindung zwischen Mann und Frau, betonte der Papst – sie zerstöre zudem die Seele der Kinder.  Oft werde der Fehler begangen, Kinder in solchen Fällen mit Geschenken zu bezirzen, aber so einfach sei das nicht, erklärte Franziskus.
   „Wir sprechen viel über Verhaltensstörungen, psychologische Störungen, das Kindeswohl, die Angst der Eltern und die der Kinder….aber wissen wir überhaupt noch, was eine Verletzung der Seele ist? Spüren wir die monströse Belastung, welche die Kinderseelen bedrückt in den Familien, in denen man sich gegenseitig verletzt, so lange bis die Bindung der ehelichen Treue bricht?“
   Solche Verletzungen hinterließen Narben auf den kleinen Seelen der Kinder, fuhr Franziskus eindringlich fort. Der Bund der Ehe mache Mann und Frau zu einem Ganzen. Jede Verletzung werde von allen Familienmitgliedern empfunden, besonders aber von den Kindern. Die Ehe sei ein Bund, der respektiert werden müsse. Aber, so fügte Franziskus - für einen Papst etwas ungewöhnlich - hinzu:
   „Es stimmt schon, dass es diese Fälle gibt, wo eine Trennung unvermeidlich ist. Manchmal kann sie sogar eine moralische Notwendigkeit sein, wenn es sich eben darum handelt, dass der schwächere Ehepartner oder die kleinen Kinder den Verletzungen aus Arroganz, Gewalt, Unterdrückung und Gleichgültigkeit ausgesetzt sind.“
   Papst Franziskus betonte aber, viele Eheleute, die sich in einer schwierigen Lage befänden, könnten durch den Glauben und aufgrund der Liebe zu ihren Kindern sich auch wieder an das Treueversprechen erinnern, das sie sich einst gaben, und allmählich wieder Vertrauen in ihre Beziehung finden. Doch nicht allen sei das möglich. Hinzu komme, dass um uns herum viele Menschen aus zerrütteten Familienverhältnissen kommen, so der Papst; die Kirche stelle sich viele Fragen, wie man ihnen helfen und wie man sie begleiten könnte, damit die Kinder keine Geiseln des Vaters oder der Mutter würden. Rv150624no

cdd-ReinhardMarx-Z

Familiensynode:  dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz mangelt es nicht an klaren Antworten

Können Sie ausschließen, dass die Haltung der Mehrzahl der Katholiken sich von der Position des kirchlichen Lehramtes unterscheidet, wie es sich in den Meinungsumfragen zur Vorbereitung der kommenden Bischofssynode zum Thema Familienpastoral gezeigt hat?
  
Das Meinungsbild, gerade das, was die Deutsche Bischofskonferenz auch gegen manche Vorbehalte veröffentlicht hat, ist im Großen und Ganzen sehr realistisch. Zunächst aber zeigt es Folgendes, und das müssen wir auch bei der Bischofssynode starkmachen: In ihrer übergroßen Mehrheit stehen die Katholiken für den Wert der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, für Verlässlichkeit und Treue in Beziehungen, für den Wunsch nach einer Familie und nach Kindern. Die überwältigende Mehrheit der jungen Menschen möchte das. Da sagen wir: Richtig! Richtig ist aber auch, dass Ehen scheitern und Familien zerbrechen können. Dem müssen wir uns stellen.
Die Botschaft ist seit langem zu hören, mittlerweile fehlt vielen der Glaube.
  
Es wäre falsch, in dem Scheitern vieler Lebensentwürfe nur moralischen Verfall zu sehen. Heute Ehe und Familie zu leben verlangt vielleicht sogar mehr moralische Substanz als früher. Die Kirchen müssen erst einmal alles daransetzen, dass sie mithelfen, Menschen zu befähigen, Ehe und Familie zu leben. Und das Sakrament der Ehe bedeutet ja gerade: Gott sagt zu, dass ihr diese Beziehung leben könnt und Treue grundsätzlich möglich ist.
So viel zu den guten Tagen. Was hat die Kirche in schlechten Tagen zu sagen?
  
Wir müssen das Schweigen angesichts des Scheiterns überwinden, selbst Jesus hat schon über Scheitern und Scheidung gesprochen. Die Unauflöslichkeit der Ehe ist eine Verheißung, sie ist nicht einfach eine Norm, die zu erfüllen ist. Wenn sich für zwei Menschen diese Verheißung nicht durch ihr Leben ganz darstellen lässt und sie auseinandergehen, dann verneint dies nicht die Unauflöslichkeit. Wohl aber stellt sich manchmal die Frage nach der Anerkennung einer neuen, zweiten Beziehung, die je auch eine eigene sittliche Qualität haben kann. Eine sakramentale Anerkennung ist ausgeschlossen. Die Kirche ist an das Wort Jesu von der Unauflöslichkeit der Ehe gebunden. Aber andere Formen der Anerkennung einer solchen neuen Bindung sind noch nicht genügend bedacht worden.
Einspruch. Vor mehr als zwanzig Jahren haben die Bischöfe Saier, Lehmann und Kasper genau das vorgelegt: einen Vorschlag, wie sich Menschen, die in einer zweiten Beziehung leben, wieder in der Kirche beheimaten können. Alles vergessen?
  
Damals war die Zeit wohl noch nicht reif. Das könnte sich jetzt geändert haben, auch wenn die Sorge natürlich berechtigt ist, am Ende werde die Kirche das Wort Jesu nicht mehr wichtig nehmen.
Ihr Vorgänger Zollitsch hatte im März angekündigt, dass die deutschen Bischöfe noch vor der Bischofssynode im Oktober ein Dokument zu diesem Thema veröffentlichen werden. Der Antwerpener Bischof Johan Bonny hat sich jetzt ein Herz gefasst. Hat die deutschen Bischöfe der Mut verlassen?
  
Nein! Ich will der Bischofssynode nicht vorgreifen. Als Vorsitzender habe ich von der Mehrheit der Bischöfe ein Votum bekommen, das ich dort vertreten werde.
Und dann?
 
Dann wird die Diskussion bis zur zweiten Synode im Herbst 2015 weitergehen. Wir werden auch sehen, wie Papst Franziskus sich in den Prozess der Synoden einbringt. Immerhin ist er es gewesen, der darauf gedrungen hat, zunächst einmal die Wirklichkeit in ihrer ganzen Breite wahrzunehmen. Der Papst möchte, dass zwischen der ersten und zweiten Synode eine Dynamik entsteht, dass offen und vorurteilsfrei gesprochen wird, so wie bei der Kardinalsversammlung zur Vorbereitung der Familiensynode im vergangenen März.
Werden Kardinäle und Bischöfe alles unter sich ausmachen?
  
Zur Synode sind auch erfahrene Laien eingeladen. Zudem wird es zwischen der ersten und zweiten Synode, also zwischen Oktober 2014 und 2015 auch im Volk Gottes Diskussionen und Debatten geben, bei denen wir genau hinhören. Vielleicht müssen wir auch in Deutschland dazu noch einiges in Gang bringen. Die Zeit ist vorbei, dass wir lehramtliche Texte verkünden, die in einer kleinen Expertengruppe vorbereitet wurden. Es muss stärker hingehört und hingeschaut werden. Ich glaube, dass dieser kommunikative Prozess in dem, was Verkündigung der Kirche angeht, ein größeres Gewicht be­kommen muss.
Das Gespräch mit Kardinal Marx führte Daniel Deckers/FAZ140905

Synode: „Die Kirche muss Antworten geben"

   Von allen Nicht-Priestern, die zur außerordentlichen Bischofssynode über Familienpastoral nach Rom kommen werden, ist aus dem deutschen Sprachraum genau einer vertreten. Eine, um präzise zu sein: Ute Eberl. Sie ist für die Familienseelsorge im Erzbistum Berlin verantwortlich. Gudrun Sailer fragte Ute Eberl nach ihren Erwartungen an die Synode.
   „Ich erwarte, dass wir uns aufgrund der Fragebogenaktion, die in Deutschland deutliche Ergebnisse gezeigt hat, als Kirche und Weltkirche auf den Weg machen, um Antworten zu geben. Gläubige Menschen haben gesagt: so und so leben wir. Und das passt nicht zusammen mit dem, was die Kirche uns sagt. Jetzt ist die Kirche daran, Antworten zu geben. Meine große Erwartung ist, dass wir uns da gemeinsam auf den Weg machen um zu schauen, wie wir den Menschen, die in Ehe und Familie leben, dienen können, ich unterstreiche das: dienen können – bei allen ihren Herausforderungen in glücklichen und in ganz unglücklichen Tagen, die eben auch da sind.“
Was sind aus Ihrer Sicht die drängendsten Probleme in der katholischen Familienseelsorge?
   „Die sind weltweit sehr unterschiedlich, wenn man sich das Instrumentum Laboris durchliest. Für die deutsche Kirche ist, denke ich, wirklich die große Frage, wie gehen wir mit dem Thema Scheidung und Wiederheirat um; und wie gehen wir damit um, wenn gleichgeschlechtliche Paare sich einen Segen von der Kirche wünschen. Die große Frage ist, wie können wir den Menschen heute, den heutigen Menschen – und ich lebe in Berlin in einer Stadt, in der die katholische Kirche und die christliche Kirche überhaupt Minderheit ist, wie können wir in diese Situation hinein die gute Nachricht verkünden.“
Die Bischofssynode vom kommenden Oktober ist eine außerordentliche, ein Jahr darauf gibt es noch eine ordentliche Bischofssynode zum selben Thema. Die Erwartungen sind groß, schon für die außerordentliche Synode. Gleichzeitig heißt es, Vorsicht, es ist ein Prozess. Wie schätzen Sie diesen Prozess ein?
   „Ich denke, die außerordentliche Synode ist wirklich dazu da, die Fragen, die jetzt auf der Liste stehen müssen, zusammen herauszufinden. Entschieden wird wohl erst im Jahr darauf. Aber es ist eine pastorale Synode. Es geht
„Christus verbietet Scheidung": Kardinäle kritisieren neuen Kurs des Papstes

cdd-Gerhard-LudwigMüller-Zcdd-CarloCaffarra-zcdWalterBrandmüller-zcdd-VelasioDePaolis-zcdd-RaymondBurke-x

Fünf hochrangige Kardinäle:  Der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Müller,
der Erzbischof von Bologna Carlo Caffarra, zwei Emeriti: Walter Brandmüller und Velasio de Paolis und
 der ehemanlige Vorsitzende des Apostolischen Gerichtshofs, Raymond Burke Fotos von links nach rechts
haben sich gemeinsam gegen Zugeständnisse der Kirche an geschiedene Katholiken ausgesprochen

   „Christus verbietet unzweideutig die Scheidung sowie die Wiederheirat", heißt es in dem Vorwort zu einem Buch der Kardinäle, über das am Mittwoch die italienische Zeitung „Corriere della Sera" berichtete.  
   Papst Franziskus hatte mehrmals Zeichen gegeben, den Umgang mit Geschiedenen zu überprüfen. „In der Wahrheit von Christus bleiben", so der italienische Titel, soll am 1. Oktober erscheinen - wenige Tage vor Beginn eines Bischofstreffens zu Fragen der Familie und Sexualmoral in Rom. Weitere Autoren sind der Erzbischof von Bologna, Carlo Caffarra, zwei emeritierte Kurienkardinäle, der deutsche Walter Brandmüller und der Italiener Velasio de Paolis, sowie der Vorsitzende des Apostolischen Gerichtshofs, Raymond Burke. In ihren Beiträgen wenden sich die Kardinäle sowie weitere Theologen dagegen, die Kommunion wiederverheirateten Geschiedenen zu reichen.
  Die Kardinäle sprechen sich gegen die Position von Kardinal Walter Kasper aus. Der emeritierte Kurienkardinal hatte im Februar hinter verschlossenen Türen und im Auftrag von Franziskus eine Grundsatzrede zur Ehe gehalten. In seiner Rede wünschte sich der frühere Präsident des päpstlichen Einheitsrates eine „barmherzige Lösung", etwa eine Wiederheirat nach einer Zeit der Reue. Doch das lassen die Kritiker nicht gelten: Einen solchen Weg, wie sie etwa die östliche orthodoxe Kirche kenne, sei gegen die Heilge Schrift und berge die Gefahr des Missbrauchs.
   Zwar hält auch der Papst daran fest, dass die Ehe zwischen Mann und Frau Grundlage der Familie ist. Bei der Frühmesse im Februar hatte der Papst über Geschiedene gesagt, man müsse ihren Schmerz nachempfinden und mit ihnen gehen - nicht gegen sie. HAZ140918EstebanEngel

ep-MarkusBüchel-x  Schweiz: „Signale“ der Basis ernstnehmen

   Die Bischöfe sollen die „Signale der Basis“ ernstnehmen. Das sagte der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Markus Büchel Foto, im Gespräch mit der „Neuen Luzerner Zeitung“. Gerade die Vatikan- Umfrage zur Familiensynode habe im deutschsprachigen Raum eine große Kluft zwischen der Lebenspraxis von Katholiken und kirchlicher Morallehre aufgezeigt. „Die Aufgabe der Bischöfe lautet, diese Signale ernst zu nehmen“, so der St. Galler Bischof. „Wir müssen uns bewusst sein, dass sich viele Gläubige in einem Spannungsfeld zwischen ihrer eigenen Situation und der römischen Lehre bewegen“, fügte Büchel an. Viele Menschen empfänden die Haltung der Kirche als „starr“. Die katholische Kirche müsse sich fragen, „wie sich die Theologie der Familie und der Partnerschaft neu entwickeln kann“, sagte Büchel, der die Bischofskonferenz an der Synode vertreten wird.
Gemischte Gefühle
   Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz sagte gegenüber der Zeitung, er habe „gemischte Erwartungen“, was die Weltbischofssynode zur Familienpastoral betreffe. Es werde schwierig sein, die Familien- und Partner- schaftsbilder aus den verschiedenen Kontinenten „auf einen Nenner zu bringen“.
Leitlinien werden erst 2015 erarbeitet
   Die außerordentliche Weltbischofssynode zur Familienseelsorge findet vom 5. bis 19. Oktober im Vatikan statt. Hierbei soll es zunächst um eine Bestandsaufnahme der heutigen Lebenswirklichkeit von Katholiken sowie der Akzeptanz der kirchlichen Lehre über Ehe, Familie und Sexualität gehen. Im Herbst 2015 folgt eine größere ordentliche Weltbischofssynode, die künftige Leitlinien erarbeiten soll.  Rv140909kipa

cdd-WalterKasper-Z2z   Kardinal Kasper: „Pastorale Herausforderung, nicht Krieg um Lehrmeinungen"

   Kardinal Walter Kasper sieht der bevorstehenden Bischofssynode zum Thema Familienpastoral mit Gelassenheit und Zuversicht entgegen. Auf Polemik wolle er sich nicht einlassen, betonte der emeritierte Kurienkardinal im Gespräch mit Radio Vatikan. In wenigen Tagen soll ein Buch mit Texten von fünf Kardinälen erscheinen, die am Ausschluss von wiederverheirateten Geschiedenen von der Kommunion festhalten wollen. Kardinal Kasper stellt dagegen offen die Frage, ob und unter welchen Bedingungen die katholische Kirche im Einzelfall solche Menschen wieder zu den Sakramenten zulassen kann. Die Texte der Kardinäle Gerhard Ludwig Müller, Walter Brandmüller, Carlo Caffarra, Velasio de Paolis und Raymond L. Burke sind bereits andernorts früher erschienen. Gudrun Sailer sprach mit Kardinal Kasper.
   „Natürlich hat jeder das Recht, öffentlich seine Meinung zu sagen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Ich habe mich aber gewundert, dass nun die ganze Synode auf einen einzigen Punkt reduziert wird. Es geht um die pastoralen Herausforderungen im Zusammenhang der Neuevangelisierung. Das ist doch viel weiter gesteckt. Es ist eine Insiderproblematik, die hier ins Zentrum gestellt wird. Es geht darum, überhaupt wieder sprachfähig zu werden und über die Schönheit und das christliche Verständnis von Familie zu reden, was heute viele nicht mehr verstehen – es geht um viel grundsätzlichere Probleme als nur dieses. Und zum Zweiten: was ist das für ein Verständnis des Evangeliums – das ist die Frohe Botschaft. Daraus darf man doch keinen Codex von Rechtsvorschriften allein machen und dann sagen, jetzt darf nicht mehr diskutiert werden über diesen Punkt. Damit wird die Synode ja zur Farce. Es hat niemand das Recht, von vornherein zu sagen, was geht und nicht geht. Der Papst will eine offene Debatte, und die soll man führen. Dann in der Synode sehr ruhig im gegenseitigen Aufeinander hören, einer Atmosphäre des Gebets, und dann zum Wohl der Gläubigen heute am Schluss eine Entscheidung fällen. Ich trete in eine Polemik überhaupt nicht ein.“
  Die Sorge um die katholische Lehre ist eine zentrale Sorge des Heiligen Stuhles. Können Sie vor diesem Hintergrund Verständnis dafür aufbringen, dass sich in Rom Widerstand regt gegen eine pastoral orientierte Fortentwicklung der Lehre?
  „Zweifellos ist die Familie die Zelle der Gesellschaft und die Zelle des kirchlichen Lebens. In der Familie, Ehe und Familie, da kommt Leben und Glauben am engsten zusammen. Es ist eine vitale Lebenswirklichkeit, die zur Ehre eines Sakraments erhoben worden ist. Insofern ist es eine ganz vitale und zentrale Frage für die Kirche, für Ehe und Familie da sein und da Lösungen anzubieten in der Krise, die es heute gibt. Es geht um diese pastoralen Herausforderungen, das ist das Thema der Synode, nicht ein Krieg um Lehrmeinungen. Natürlich, eine Pastoral kann nicht ohne Orientierung an der Wahrheit sein. Aber die Wahrheit ist kein abstraktes System, sondern die Wahrheit ist letztlich Jesus Christus in Person, und wir müssen den Menschen Christus nahebringen. In diesem Sinn muss die Synode an der Wahrheit orientiert sein und Tradition als lebendig sprudelnden Quell und nicht als starres System verstehen.“
  Sie beschäftigen sich als Dogmatiker schon seit Jahrzehnten mit dieser Frage. Im Konsistorium vor den Kardinälen haben Sie einen möglichen Weg aufgezeigt, wie man für diese konkrete Situation in Einzelfällen zu einer Lösung kommen kann. Können Sie uns das zusammenfassen: unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen wäre es eventuell möglich, wiederverheiratete Geschiedene trotz der Unauflösbarkeit der Ehe zur Kommunion zuzulassen?
   „Ich habe eine Frage gestellt, nicht einfach eine Lösung gegeben. Und die Frage habe ich gestellt in Abstimmung mit dem Papst. Darauf lege ich großen Wert. Ich habe gefragt: Wenn eine Ehe gescheitert ist, und leider Gottes scheitern eben heutzutage sehr viele Ehen aus vielfältigen Gründen, dann wird man zunächst alles tun, um das wiederherzustellen. Aber wenn ein Weg zurück nicht möglich ist, wenn jemand eine neue Partnerschaft eingegangen ist, die menschlich gesprochen glücklich ist, gelingt und christlich gelebt wird, wenn da Kinder da sind, dann kann man diese zweite Partnerschaft ja nicht aufgeben ohne neue Schuld. Also muss man sehen, in welcher Weise Gott da eine neue Chance gibt – und Gott tut das. Das ist seine Barmherzigkeit, dass er niemanden fallen lässt, der guten Willens ist. Und jeder tut in seiner Situation, was er tun kann. Und da meine ich, das müsste im Einzelfall pastoral geklärt werden nach einer Zeit der Neuorientierung, man nennt das ,Via Penitentialis' – aber die Leute leiden ohnehin genug selber, da braucht man nicht noch große Bußwerke aufzuerlegen. Aber eine Neuorientierung ist notwendig. Dann soll das eine das Sakrament der Buße sein - das ist ja dafür da -, und das Sakrament der Buße bedeutet auch wieder die Zulassung zur Eucharistie. Aber wie gesagt, das ist nicht die Lösung für alle Fälle, vermutlich nur für eine Minderheit von Menschen, die in unseren Gemeinden leben, die darunter leiden und die ein ehrliches Bedürfnis haben nach den Sakramenten, die die Sakramente dringend brauchen, um ihre schwierige Situation zu bewältigen."
  Wie hoch sehen Sie heute die Wahrscheinlichkeit, dass in die Frage des Sakramentenempfangs für die wiederverheirateten Geschiedenen Bewegung kommt?
   „Ich bin kein Prophet und kann und will es gar nicht festlegen, was bei der Synode herauskommt. Wir werden jetzt im Oktober zunächst den Status Quaestionis [Stand der Frage, Anm.] festlegen. Die Fragen sind ja auch sehr unterschiedlich in den verschiedenen Kontinenten und Kulturen, es gibt nicht unsere westeuropäischen Probleme ganz allein, es gibt auch andere. Das muss man ein wenig ordnen und bündeln, und dann ist ein ganzes Jahr Zeit, um diese Fragen in den Diözesen, in den Bischofskonferenzen, in den Pfarreien zu besprechen und zu bedenken, und dann wird in einem Jahr darüber entschieden, die Mehrheit der Synode in Gemeinschaft mit dem Papst. Ich sehe dem mit großem Vertrauen entgegen, dass eine Lösung gefunden wird, der die große Mehrheit dann zustimmen wird, die dann der Botschaft des Evangeliums gerecht wird, aber die Botschaft des Evangeliums unter den Bedingungen der Zeichen der Zeit heute zur Geltung bringt, sodass es ein Evangelium der Freude sein wird.“
  Wie sehen Sie diese Synode im Lauf des Pontifikates eingeschrieben? Franziskus ist seit eineinhalb Jahren im Amt, und diese Synode wird mit großer Spannung erwartet. Wie sehen Sie diesen Bogen?
   „Sicher wird der Papst auch an dieser Synode gemessen werden, denn er will ja das Evangelium den Menschen heute sagen und hat auch das Charisma dafür, das zu tun. Man wird ihn daran messen. Ich habe keine Sorge, dass er diese Probe sozusagen nicht bestehen wird. Es wird eine sehr wichtige Synode sein in diesem Pontifikat, aber es geht nicht nur um dieses Pontifikat, sondern es geht um die Kirche und um die Zukunftsfähigkeit der Kirche, und die entscheidet sich weitgehend in der Familie. In der Familie lernen wir die Sprache, man spricht von der Muttersprache, da wird man eingeführt in die Kultur, in die grundlegenden Werte. Ich selber habe den Glauben nicht gelernt, weil ich Enzykliken gelesen habe, sondern meine Mutter – der Vater war Soldat damals im Krieg – hat mir das beigebracht, man hat das Beten und das christliche Leben in der Familie gelernt, und dazu müssen wir zurückkommen und die Familie zur Kirche im Kleinen, zur Hauskirche machen, wo das christliche Leben wachsen, reifen kann, gerade in einer zunehmenden Diaspora-Situation, wie wir sie bei uns haben, brauchen wir das dringend. Ich denke, das ist wirklich ein Zukunftsprojekt, das bei dieser Synode im Zusammenhang der Neuevangelisierung unternommen wird und dafür brauchen wir auch das Gebet sehr vieler Gläubiger.“ Rv140922gs

cdd-VelasioDePaolis-ZZ  Kardinal: Kein Komplott gegen Reform bei Wiederverheirateten

   Zwei Wochen vor der Weltbischofssynode über die Familie befeuern italienische Medien weiter die Debatte über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in der katholischen Kirche. In einem Interview mit der Tageszeitung „La Repubblica“ wies der emeritierte italienische Kurienkardinal Velasio De Paolis  auf dem Foto mit Papst Benedikt XVI. am Wochenende die Behauptung zurück, die Gegner einer Änderung der kirchlichen Praxis hätten sich zu einem Komplott zusammengeschlossen.
   Er wolle die Freiheit haben, das zu sagen, was er denke „ohne als Verschwörer angeklagt zu werden“, sagte De Paolis, der bis 2011 Präsident der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls war. Er wies daraufhin, dass er einen Aufsatz, der sich mit der Thematik befasst, erstmals schon vor Monaten veröffentlicht habe. rv140921

Vatikan: Gebet für die Familiensynode  

  Papst Franziskus hat ein eigenes „Gebet zur Heiligen Familie“ für die kommende Bischofssynode verfasst. In dem Gebet wird für die „edle Mühe der Arbeit, der Erziehung, des Zuhörens, des gegenseitigen Verstehens und der Vergebung“ gebetet, sowie um mehr Bewusstsein in unserer Gesellschaft für den „heiligen und unantastbaren“ Charakter der Familie als ein „unschätzbares und unersetzbares Gut“. Denn jede Familie sei „aufnahmefreudige Wohnstatt der Güte und des Friedens“, so der Papst. Der Vatikan empfiehlt das Gebet sowie speziell zu diesem Anlass formulierte Fürbitten für die Gottesdienste in den Ortskirchen, Pfarrgemeinden, Ordensgemeinschaften und Verbänden an den Tagen vor und während der Synode. In der römischen Basilika Santa Maria Maggiore soll an jedem Tag bis zum Abschluss der Synode gebetet werden.
   Zugleich rief der Vatikan alle Gläubigen auf, speziell  für die bevorstehende Bischofssynode zu beten: der 28. September ist zum Gebetstag für die Synode bestimmt worden. Die Synode steht unter dem Thema: „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung“. Sie findet vom 5. bis 19. Oktober 2014 im Vatikan statt.  140922wb

Gebet an die Heilige Familie von Nazareth
Papst Franziskus hat bei der Messe vor Familienam Sonntag dem 21. September 2014 auf dem Petersplatz
das folgende Gebet an die Heilige Familie von Nazaret gesprochen.

 Jesus, Maria und Josef      arte-J-M-J-x                                                                  

            Jesus, Maria und Josef,
            auf euch, heilige Familie von Nazaret,
            richten wir heute unseren Blick
            mit Bewunderung und Zuversicht;
            in euch betrachten wir
            die Schönheit der Gemeinschaft in wahrer Liebe;
            euch empfehlen wir alle unsere Familien an,
            dass sich in ihnen das Wunder der Gnade erneuert.
            Heilige Familie von Nazaret,
            faszinierende Schule des Evangeliums:
            lehre uns, deine Tugenden nachzuvollziehen
            mit einer weisen geistlichen Ordnung,
            schenke uns einen klaren Blick,
            der uns das Werk der Vorsehung
            in der alltäglichen Wirklichkeit erkennen lässt.
            Heilige Familie von Nazaret,
            treuer Wahrer des Geheimnisses der Erlösung:
            schenke uns neu das Wertschätzen der Stille,
            mach unsere Familien zu Orten des Gebetes
            und lass sie zu kleinen Hauskirchen werden,
            erneuere das Verlangen nach Heiligkeit,
            stütze uns in der edlen Anstrengung der Arbeit,
            in der Erziehung, dem Zuhören,
            im gegenseitigen Verstehen und im Verzeihen.
            Heilige Familie von Nazaret,
            wecke in unserer Gesellschaft das Bewusstsein
            des heiligen und unverletzlichen Charakters der Familie,
            eines unschätzbaren und unersetzlichen Gutes.
            Jede Familie sei ein gastfreundliches Heim der Güte und des Friedens
            für die Kinder und für die Alten,
            für die Kranken und die Einsamen,
            für die Armen und Bedürftigen.
            Jesus, Maria und Josef, euch bitten wir voll Vertrauen,
            euch vertrauen wir uns mit Freude an. Amen.

Paul-VI-xx         Was ist eine Bischofssynode?

   Im Zug des Zweiten Vatikanischen Konzils wollte Papst Paul VI.  Foto die Beziehungen von Rom und Weltkirche stärken. Dazu richtete er 1965 mit dem Schreiben „Apostolica Sollicitudo“ die Bischofssynode ein. 2006 wurde der rechtliche Ablauf noch einmal modernisiert. Die Synode ist eine eigenständige Institution und gehört streng genommen nicht zum Heiligen Stuhl, also der Regierung der Weltkirche. Hier sollte ein Gedanke Ausdruck finden, den das Konzil entwickelte: die bischöfliche Kollegialität. Das bedeutet, jeder Bischof einschließlich des Bischofs von Rom ist ganz Bischof nur mit allen anderen Bischöfen zusammen.
   Versammlungen der Synode sind keine Parlamente. Sie beraten den Papst, können aber keine eigenen Dekrete erlassen (von streng geregelten Ausnahmen abgesehen).
   Es gibt drei verschiedene Formen der Versammlung: die ordentliche Generalversammlung, die außerordentliche Generalversammlung und die Sonderversammlung. Sie unterscheiden sich nach Teilnehmern und nach Themen, die behandelt werden sollen.
   Zu einer ordentlichen Generalversammlung kommen gewählte und ernannte Synodalen zusammen, etwa von Bischofskonferenzen gewählte Mitglieder, meistens pro Konferenz mehr als einer. Es soll um für die gesamte Kirche gleichermaßen wichtige Themen gehen. 2012 trat zum Beispiel die 13. ordentliche Generalversammlung zusammen, es ging um die Frage der Neuevangelisierung.
   Allgemein gültige Themen soll auch die außerordentliche Generalversammlung beraten, aber anders als bei der ordentlichen kommen hierzu nur die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zusammen. Das soll gewährleisten, dass eine solche Versammlung kurzfristiger einberufen werden kann. Die anstehende Generalversammlung zur Familienpastoral ist eine solche außerordentliche Generalversammlung, es ist in der knapp 50jährigen Geschichte der Synoden erst die dritte.
   Überdies gibt es noch die Sonderversammlungen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie besondere Bereiche der Kirche zum Thema haben, etwa die zuletzt tagenden Sonderversammlungen zu Kirche in Afrika oder Kirche im Nahen Osten.
   Einberufen werden die Versammlungen immer vom Papst, der auch den Vorsitz führt bzw. Präsidenten ernennt, die das in seinem Namen tun. Jede Versammlung verfügt über einen so genannten Relator, dessen Amt es ist, die Debatten und Beiträge zusammen zu fassen.
   Vorbereitet werden die Versammlungen vom Ständigen Rat der Bischofssynode, geleitet derzeit von Kardinal Lorenzo Baldisseri. Die Mitglieder des Rates werden von der Versammlung gewählt, weitere vom Papst ernannt. Rv141003ord

ff-225-Synode-ZZ

Vatikan stellt die kommende Synode zur Ehe- und Familienpastoral vor

Papst Franziskus will mit den anstehenden Synoden zum Thema Familie einen „innovativen und authentischen synodalen Weg“ gehen. Das sagte der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, an diesem Freitag bei einer Pressekonferenz zu den Besonderheiten und Abläufen der Versammlung.
   Dass Papst Franziskus Fragen rund um die Familie aktuell als „besonders dringlich“ ansieht, zeige unter anderem die Form der Außerordentlichen Generalversammlung, die recht kurzfristig einberufen werden kann, so Kardinal Baldisseri: Das Thema der Familiensynode war in der Tat erst im Februar bei einem Konsistorium im Vatikan bekanntgegeben worden. Um das Thema gründlich und längerfristig bearbeiten zu können, seien zwei Versammlungen einberufen, so der Kardinal, sowohl die außerordentliche Versammlung in diesem Jahr als auch die ordentliche Versammlung im kommenden Jahr.
   Dass es dabei inhaltlich um die Vielfalt im Bereich der Ehe und Familie geht, zeigt die internationale Zusammensetzung der Teilnehmer und die Einladung von Laien als Experten und Hörern: Von den insgesamt 191 Synodenvätern kommen 42 aus Afrika, 38 aus Amerika, 29 aus Asien, 78 aus Europa und vier aus Ozeanien. Davon wurden insgesamt 26 Teilnehmer durch päpstliche Ernennung und drei durch Wahl zur Synode geladen. Insgesamt zwölf Teilnehmer sind verheiratet beziehungsweise Eltern und können so aus erster Hand Erfahrungen aus Ehe und Familie einbringen.
   Außerdem fließen in die Arbeiten der Synodenväter die Ergebnisse des Vatikan-Fragebogens zum Thema ein, der über die nationalen Bischofskonferenzen im Vorfeld der Synode verbreitet wurde, erinnerte Kardinal Baldisseri weiter: Seelsorger, Ordensleute, Laien und verschiedene kirchliche Bewegungen brächten darin ihre Sicht auf die Familie und deren Herausforderungen heute zum Ausdruck. Durch dieses Instrument hätten vielfältige Aspekte des Themas in den einzelnen Gemeinden eingebracht werden können, lobte Baldisseri.
   Der Sekretär der Bischofssynode sieht in der überwältigenden Teilnahme an dieser Umfrage ein Indiz für „Freimut“ und Offenheit, mit der heute auch kontroverse Seiten des Themas angesprochen werden. Und er zeigt sich zuversichtlich, dass dieses Mitteilungsbedürfnis auch innerhalb der synodalen Arbeiten konstruktiv eingebaut werde. Baldissseri: „Diese große Meinungsfreiheit wird auch die synodale Generalversammlung charakterisieren, die sich sicher in einem Klima des Respektes gegenüber jeder Position, der gegenseitigen Barmherzigkeit und mit einem authentischen konstruktiven Sinn abspielen wird.“

Ein Dokument für die nächste Synodenversammlung
   In seinem Statement deutete Kardinal Baldisseri auch an, wie es nach der Versammlung weiter gehen könnte. Normalerweise werden so genannte Propositiones, Vorschläge, erstellt, die dann dem Papst übergeben werden. Für das Vorgehen dieser Versammlung denke man aber daran, einen einzigen Text und nicht verschiedene Vorschläge zu erstellen, der dann als Vorbereitungsdokument für die kommende Versammlung der Synode im Oktober 2015 dienen könne.
   Der Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, hatte gegenüber der italienischen Presse in dieser Woche noch Medienberichte über einen Grabenkrieg der Synodenväter um Einzelfragen zurückgewiesen. Kardinal Baldisseri rief die Synodenväter dazu auf, bei der Synode frei heraus zu sprechen: „Es ist wichtig, sich klar und mutig zu äußern. Das eigene Denken mitzuteilen zeigt die Qualität des Menschen und macht ihn verantwortlich vor Gott und den Menschen. Innerhalb eines Klimas der Gelassenheit und der Ehrlichkeit sind die Teilnehmer dazu gerufen, nicht ihren eigenen Standpunkt als exklusiv darzustellen, sondern zusammen nach der Wahrheit zu suchen.“
   Kardinal Baldisseri stellte an diesem Freitag auch kleine Abänderungen im Arbeitsablauf und bei der Methodik der Synode vor. So seien die Synodenväter dazu aufgerufen, ihre Redebeiträge und die Themen derselben vorab einzureichen. Bei der Versammlung selbst sollten sie dann frei sprechen, jeweils vier Minuten lang. Bei den Debatten folge man thematisch der Reihenfolge, die im Arbeitsinstrument zur Synode vorgeschlagen sei, ergänzte der Kardinal weiter. Dabei geht es einerseits um eine Rekapitulation lehramtlicher Festlegungen, um danach zu aktuellen und praktischen Herausforderungen der Familie zu gelangen. Die Einzelfragen würden dann in der zweiten Synodenwoche wie üblich in den einzelnen Arbeitsgruppen - den nach Sprachgruppen aufgeteilten „circoli minores“ - behandelt, referierte Baldisseri weiter. Die Ergebnisse gingen dann in das Abschlussdokument der Synode ein, das dem Papst übergeben werde.
   Weiter gab der Kardinal bekannt, dass es jeden Tag ein Pressebriefing geben werde, an dem einige Synodenväter teilnähmen. Auch den Kurznachrichtendienst Twitter wolle man nutzen, um „in Echtzeit“ Neuigkeiten zur Synode zu verbreiten.

ff-226-familienSynVigil-ZZ

Am Samstag 04. Oktober 2014: 50.000 beten mit Papst Franziskus in der Vigil zur Eröffnung der Familiensynode

   Sie ist „Schule der Menschlichkeit ohnegleichen“ und „unerlässlicher Beitrag für eine gerechte und solidarische Gesellschaft“ – die Familie. Dies war die Botschaft des Papstes bei der Gebetsvigil mit Familien auf dem Petersplatz am Samstagabend. „Und je tiefer ihre Wurzeln sind, umso mehr ist es im Leben möglich, hinauszugehen und weit zu gehen, ohne sich aufzureiben oder irgendwo als Fremder zu fühlen“, hielt der Papst vor Pilgern und Familien auf dem Petersplatz fest. Familie stark zu machen ist laut Papst Franziskus damit Arbeit an der Basis der Gesellschaft: „Und dieser Horizont“, fuhr Franziskus fort, „hilft uns, die Bedeutung der synodalen Versammlung zu verstehen, die am Sonntag startet“. Die Vigil stellte der Papst so auch ins Zeichen des Gebetes für die Familien und die Synodenväter zugleich. Zunächst rief Franziskus zum Gebet für die Familien auf – die gelingenden wie die scheiternden. Die „Kultur des Individualismus“ weiche menschliche Bindungen auf und lockere diese, die negativen Folgen sind Vereinsamung und zerstörte Lebensträume, führte der Papst weiter aus. rv141005

ff-228-FamSyn-ZZ

Familien beten mit dem Papst: Tiefe Wurzeln machen stark für andere
   Sie ist „Schule der Menschlichkeit ohnegleichen“ und „unerlässlicher Beitrag für eine gerechte und solidarische Gesellschaft“ – die Familie. Dies war die Botschaft des Papstes bei der Gebetsvigil mit Familien auf dem Petersplatz am Samstagabend.
    „Und je tiefer ihre Wurzeln sind, umso mehr ist es im Leben möglich, hinauszugehen und weit zu gehen, ohne sich aufzureiben oder irgendwo als Fremder zu fühlen“, hielt der Papst vor Pilgern und Familien auf dem Petersplatz fest.
   Familie stark zu machen ist laut Papst Franziskus damit Arbeit an der Basis der Gesellschaft: „Und dieser Horizont“, fuhr Franziskus fort, „hilft uns, die Bedeutung der synodalen Versammlung zu verstehen, die am Sonntag startet“.

ff-229-ZZ

   Die Vigil stellte der Papst so auch ins Zeichen des Gebetes für die Familien und die Synodenväter zugleich. Zunächst rief Franziskus zum Gebet für die Familien auf – die gelingenden wie die scheiternden. Die „Kultur des Individualismus“ weiche menschliche Bindungen auf und lockere diese, Vereinsamung und zerstörte Lebensträume seien negative Folgen, führte der Papst aus:
   „Wie viele Menschen verbringen ihre Tage in einer Sackgasse aus Verzweiflung, Verwahrlosung und Gram. In wie vielen Häusern sind die Freude und er Geschmack am Leben, die Lebensweisheit, vertrocknet… Für all diese Menschen beten wir heute Abend.“
   Trotz dieser Erfahrungen sei in jedem Menschen das Bedürfnis nach Stabilität und Zugehörigkeit ungebrochen vorhanden, fuhr Franziskus fort. Ehe und Familie, der Austausch der Generationen, die Erziehung und die Glaubensweitergabe könnten hier einen Halt geben.

ff-231-ZZ

Papst an Synodenväter: Hört zu, diskutiert ehrlich und offen
   Die Synodenväter, die sich ab Montag im Vatikan mit diesen Themen befassen, sollten nah dran bleiben an den Sorgen und Bedürfnissen der Menschen von heute, sie sollten den „Herzschlag der Zeit“ wahrnehmen, so Franziskus weiter, der um eine konstruktive Zusammenarbeit bei der kommenden Generalversammlung der Bischofssynode bat:
   „Vom Heiligen Geist erbitten wir für die Synodenväter vor allem die Gabe des Zuhörens. (…) Daneben erbitten wir die Bereitschaft für eine ehrliche Auseinandersetzung, offen und brüderlich, die uns die Fragen angehen lässt, die sich in dieser Zeit des Wandels stellen.“
   Franziskus appellierte hier an die Bischöfe, den Austausch der Synode mit dem Papst als „Gnade“ zu begreifen, als Gelegenheit für einen „Weg der geistlichen und pastoralen Unterscheidung“. Die Kirchengeschichte habe gezeigt, dass diese Chance durchaus gut – nämlich „mit Geduld und Kreativität“ - genutzt werden könne. Wesentlich sei hierbei stets eine feste Verankerung im Glauben, erinnerte der Papst – der Weg Jesu weise hier die Richtung:
   „Wenn wir seine Art zu denken, zu leben und sich anderen gegenüber zu verhalten annehmen, werden wir keine Mühe haben, die synodale Arbeit in Hinweise und Wege für die Familienpastoral zu übersetzen.“
   Die Synode zur Ehe und Familie, die der Papst selbst am Sonntag mit einer Messe einleitet, biete so auch eine willkommene Gelegenheit, Kirche und Gesellschaft von innen heraus zu erneuern, so Franziskus.

ff-230-Z

Paare erzählen ihre Geschichten
   Mitgestaltet wurde die Vigil von Paaren, die auf dem Petersplatz ihre Geschichten erzählten, um die Vielfalt von Ehe und Familie abzubilden. Gebets- und Gesangsmomente wechselten mit Videoeinspielungen des Papstes ab, in denen Franziskus auf die Chancen und Herausforderungen der Ehe einging. Es handelte sich dabei um ältere Aufzeichnungen, die für die Vigil erneut zum Einsatz kamen. Insgesamt nahmen etwa 45.000 Menschen auf dem Petersplatz an der Vigil teil, die von der Italienischen Bischofskonferenz organisiert worden war. Rv141004pr

ff-233-x Auftakt und Abschluss ist eine Papstmesse im Petersdom

   Auftakt der Dritten Außerordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode war am Sonntag, dem 04. Oktober 2014 eine Papstmesse im Petersdom, die von Radio Vatikan mit deutschem Kommentar live übertragen wurde. Die eigentlichen Arbeiten der Synode beginnen dann am Montag, dem 06. Oktober 2104.  Dauer und Teilnehmerzahl der Außerordentlichen Generalversammlung sind im Vergleich zu einer Ordentlichen Generalversammlung reduziert: Anwesend sind nur die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen, und die Arbeiten dauern nur zwei Wochen. Abschluss der Sitzungen, die unter dem Titel „Pastorale Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“ für zwei Wochen im Vatikan stattfinden, ist eine weitere Papstmesse in der Petersbasilika am 19. Oktober. Bei der Abschlussmesse spricht Franziskus zugleich den Konzilspapst Paul VI. selig. Paul VI. ist der Begründer der Bischofssynode als ständiger Einrichtung.  Rv141003ansa

                                      ff-232-xx 

  Synode: „Großherzig, in wahrer Freiheit und in demütiger Kreativität“

   Mit einem feierlichen Pontifikalamt im Petersdom ist am Sonntag die Sonderversammlung der Bischofssynode eröffnet worden. Zwei Wochen lang debattieren die Synodenteilnehmer über die „Pastoralen Herausforderungen im Hinblick auf die Familie im Kontext der Evangelisierung“.
  Im Petersdom konzelebrierten die 191 Synodenteilnehmer: Das sind die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen, die Patriarchen und einige Kurienkardinäle. Außerdem dabei eine ganze Reihe von Ehepaaren und anderen Experten, insgesamt 62 weitere Teilnehmer, die vom Papst zur Synode eingeladen worden waren.
  In seiner Predigt forderte der Papst zu Großherzigkeit und demütiger Kreativität auf. Mit Blick auf das Sonntagsevangelium von den Arbeitern im Weinberg sagte er, die Bischöfe dürften nicht den Fehler machen, den Weinberg als ihr Eigentum zu betrachten und ihre eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Gott habe einen eigenen Traum mit seinem Volk, der nicht durch die Habgier und Herrschsucht der Hirten durchkreuzt werden dürfe. Die schlechten Hirten legten den Menschen unerträgliche Lasten auf, die selber noch nicht mal mit einem Finger bewegen könnten.
   „Die Synodenversammlungen sind nicht dazu da, schöne und originelle Ideen zu diskutieren oder zu sehen, wer intelligenter ist… Sie sind dazu da, den Weinberg des Herrn besser zu pflegen und zu hüten, an seinem Traum, seinem Plan der Liebe für sein Volk mitzuarbeiten. In diesem Fall verlangt der Herr von uns, uns um die Familie zu kümmern, die von Anfang an ein wesentlicher Bestandteil seines Liebesplans für die Menschheit war.“
  Auch für die Bischöfe könne es die Versuchung geben, aus Gier, die in uns Menschen immer vorhanden ist, den Weinberg „an sich zu reißen“.
   „Der Traum Gottes kollidiert stets mit der Heuchelei einiger seiner Diener. Wir können den Traum Gottes „vereiteln“, wenn wir uns nicht vom Heiligen Geist leiten lassen. Der Geist schenkt uns die Weisheit, die über die Lehre hinausgeht, um großherzig in wahrer Freiheit und demütiger Kreativität zu arbeiten.“
Franziskus rief zur Einheit unter den Bischöfen auf:
   „Liebe Mitbrüder in der Synode, um den Weinberg gut zu pflegen und zu hüten, ist es nötig, dass unsere Herzen und unsere Gedanken in der Gemeinschaft mit Jesus Christus bewahrt sind durch den »Frieden Gottes, der alles Verstehen übersteigt« Phil 4,7. So wird unser Denken und Planen mit dem Traum Gottes übereinstimmen: sich ein heiliges Volk heranzubilden, das ihm gehört und die Früchte des Reiches Gottes bringt vgl. Mt 21,43.“ Rv141005mc

ff-227-ZZ

Papstpredigt in der Messe zur Synodeneröffnung St. Peter - 5. Oktober 2014

   Heute verwenden der Prophet Jesaja wie auch das Evangelium das Bild vom Weinberg des Herrn. Der Weinberg des Herrn ist sein „Traum“, der Plan, den er mit all seiner Liebe hegt, wie ein Bauer sich um seinen Weingarten kümmert. Die Rebe ist eine Pflanze, die viel Pflege verlangt!
   Der „Traum“ Gottes ist sein Volk: Er hat es gepflanzt und er pflegt es mit geduldiger und treuer Liebe, damit es ein heiliges Volk wird, ein Volk, das viele gute Früchte der Gerechtigkeit bringt.
   Doch sowohl in der alten Weissagung als auch im Gleichnis Jesu wird der Traum Gottes vereitelt. Jesaja sagt, dass der so geliebte und gepflegte Weinberg »nur saure Beeren« brachte 5,2.4: Gott »hoffte auf Rechtsspruch – doch siehe da: Rechtsbruch, und auf Gerechtigkeit – doch siehe da: Der Rechtlose schreit« V. 7. Im Evangelium sind es hingegen die Winzer, die den Plan des Herrn verderben: Sie tun nicht ihre Arbeit, sondern haben ihre eigenen Interessen im Sinn.
   Jesus wendet sich mit seinem Gleichnis an die Hohenpriester und an die Ältesten des Volkes, das heißt an die „Weisen“, an die Führungsschicht. Ihnen hat Gott in besonderer Weise seinen „Traum“, das heißt sein Volk anvertraut, damit sie es pflegen, sich um es kümmern, es vor den wilden Tieren bewahren. Das ist die Aufgabe der Führenden im Volk: den Weinberg mit Freiheit, Kreativität und Fleiß zu pflegen.
   Jesus sagt, dass jene Winzer jedoch den Weinberg an sich gerissen haben; in ihrer Gier und ihrem Hochmut meinen sie, mit ihm zu machen, was sie wollen, und so nehmen sie Gott die Möglichkeit,  seinen Traum von dem Volk, das er sich erwählt hat, zu verwirklichen.
   Die Versuchung der Gier ist immer vorhanden. Wir begegnen ihr auch in der großen Weissagung von Ezechiel über die Hirten vgl. Kap. 34, die der heilige Augustinus in einer seiner berühmten Reden kommentiert hat; wir haben sie im Stundenbuch gerade wieder gelesen. Gier nach Geld und Macht. Und um diese Gier zu befriedigen, laden die schlechten Hirten den Menschen unerträgliche Lasten auf die Schultern, die zu tragen sie selber aber keinen Finger rühren vgl. Mt 23,4.
   Auch wir in der Bischofssynode sind gerufen, für den Weinberg des Herrn zu arbeiten. Die Synoden- versammlungen sind nicht dazu da, schöne und originelle Ideen zu diskutieren oder zu sehen, wer intelligenter ist… Sie sind dazu da, den Weinberg des Herrn besser zu pflegen und zu hüten, an seinem Traum, seinem Plan der Liebe für sein Volk mitzuarbeiten. In diesem Fall verlangt der Herr von uns, uns um die Familie zu kümmern, die von Anfang an ein wesentlicher Bestandteil seines Liebesplans für die Menschheit war.
   Wir sind alle Sünder, und auch für uns kann es die Versuchung geben, aus Gier, die in uns Menschen immer vorhanden ist, den Weinberg „an uns zu reißen“. Der Traum Gottes kollidiert stets mit der Heuchelei einiger seiner Diener. Wir können den Traum Gottes „vereiteln“, wenn wir uns nicht vom Heiligen Geist leiten lassen. Der Geist schenkt uns die Weisheit, die über die Lehre hinausgeht, um großherzig in wahrer Freiheit und demütiger Kreativität zu arbeiten.
   Liebe Mitbrüder in der Synode, um den Weinberg gut zu pflegen und zu hüten, ist es nötig, dass unsere Herzen und unsere Gedanken in der Gemeinschaft mit Jesus Christus bewahrt sind durch den »Frieden Gottes, der alles Verstehen übersteigt« (Phil 4,7). So wird unser Denken und Planen mit dem Traum Gottes übereinstimmen: sich ein heiliges Volk heranzubilden, das ihm gehört und die Früchte des Reiches Gottes bringt vgl. Mt 21,43. Rv141005mc

Kardinal Loreno Baldisseri  aep-LorenzoBaldisseri-Zz    Viele Neuerungen im Prozedere der Synode

   Mehr Synodalität, mehr offene Rede: Papst Franziskus will sich noch mehr als seine Vorgänger auf den Rat der Bischöfe stützen. Eine „Selbstentmachtung“ des Papsttums nannte das eine Zeitung an diesem Wochenende. Die Regeln der Bischofssynoden werden flexibler, und der Vatikanverantwortliche für Synoden, der „Generalsekretär“, trägt erstmals in der Geschichte den Kardinalshut. Kardinal Lorenzo Baldisseri gab an diesem Montag zum Auftakt der „Dritten Außerordentlichen Versammlung der Bischofssynode“ einen Überblick über Bewährtes und Erneuertes.
   „In Ihrer ersten Predigt in der Sixtinischen Kapelle, Heiliger Vater, haben Sie als ersten Impuls Ihres Pontifikats das Wort „camminare“, gehen, genannt. Und das gemeinsame Gehen ist genau das: syn-odos, Synode... (Gemeinsm auf den Weg machen). Eine Außerordentliche Versammlung der Bischofssynode hat, wie sich aus den Statuten ergibt, eine spezifische Zielsetzung und ist etwas anderes als eine Ordentliche oder eine Sondersynode, auch was die Zusammensetzung der Teilnehmer und die Dauer der Synode betrifft... Der Heilige Vater hat entschieden, den synodalen Parcours in zwei – oder, wenn man das Konsistorium von Ende Februar mitrechnet, sogar in drei – Etappen einzuteilen. Dieser neue synodale Weg soll zu Effizienz und Pünktlichkeit führen.“
   Baldisseri grüßte die 253 Teilnehmer der Synode; unter ihnen seien die Präsidenten von 114 Bischofskonferenzen aus aller Welt, die Vorsteher von 13 Bischofssynoden von Ostkirchen sowie drei Vertreter des Verbands von Generaloberen. Die Kurie sei durch die 25 Leiter von vatikanischen Dikasterien vertreten, hinzu kämen 15 Mitglieder des „Ordentlichen Rats“, 26 vom Papst ernannte Teilnehmer, 8 Vertreter anderer Kirchen bzw. kirchlicher Gemeinschaften, 16 Experten und 38 Auditoren. Diese Letztgenannten, Männer und Frauen, seien „Spezialisten und Engagierte in der Familienpastoral, deren Kompetenz und persönliche Erfahrung eine Bereicherung der Synodenarbeiten“ darstellten. Insgesamt sind auf der Synode im Vatikan gut sechzig Kardinäle vertreten, etwa 110 Bischöfe – und 13 „Ehepaare, Eltern und Familienoberhäupter“.
„Die Synode ist ein Weg“
   „Das Vorbereitungsdokument (der Synode), die sogenannten Lineamenta, ist am 5. November 2013 in sechs Sprachen vorgestellt worden. Darauf folgte eine breite Befragung in der ganzen Kirche... Der Fragebogen hat unter Hirten wie Gläubigen großes Interesse ausgelöst. Das zeigt der hohe Prozentsatz derer, die geantwortet haben: 83,11 Prozent derer, die dazu von Amts wegen berechtigt waren. Das waren 88 Prozent der Bischofskonferenzen, 77 Prozent der ostkirchlichen Synoden und 65 Prozent der römischen Kurieneinrichtungen. Dazu kommen die zahlreichen Antworten von Einzelnen und Gruppen sowohl von innerhalb als auch von außerhalb der Kirche. Die Beiträge wurden aufmerksam studiert, u.a. in einer Sitzung des „Ordentlichen Rats“ im Februar unter Vorsitz des Papstes, dann erarbeitete ein Team von neun Experten auf Grundlage der Antworten auf den Fragebogen das Arbeitsdokument, das sogenannte Instrumentum laboris.“
   „Erste Neuerung“ bei den Bischofssynoden ist nach Baldisseris Darstellung, dass sie als „synodaler Weg“ angelegt sind: „ein Weg, der sich zwischen zwei Synoden erstreckt, der jetzigen und der Ordentlichen Synode“ im Herbst 2015. Eine zweite Neuerung bestehe darin, dass der vom Vatikan aus verschickte Fragebogen sich um breite Resonanz und Feststellung des Ist-Zustands bemüht habe. Dabei seien „ein Geist der Freiheit und der Ehrlichkeit“ ausdrücklich „gewünscht“ gewesen. Eine dritte Neuerung ist die Vorgabe von Themen für die einzelnen Sitzungen der Synode, damit Redebeiträge nicht mehr so disparat ausfallen wie bei früheren Bischofsversammlungen im Vatikan. Und – vierte Neuerung – in jedes Thema führt, nach einer kurzen Rede des jeweiligen Sitzungspräsidenten, zunächst ein Auditor ein, vor allem Ehepaare. „Sie können persönliche Erfahrungen zum Thema einbringen und die Perspektive der Laien bieten, was sicher die Synodendebatte bereichern wird“, so Kardinal Baldisseri.
   Am Schluß der Beratungen im Plenum und in den Arbeitsgruppen sollen keine Vorschläge propositiones mehr stehen wie in anderen Formen von Bischofssynoden üblich, sondern ein Abschlussdokument. Dieses wird dem Papst übergeben, der es nach Belieben veröffentlichen kann oder auch nicht. Vor allem aber wird es zum Ausgangspunkt für die Vorbereitung der Ordentlichen Bischofssynode, die im Oktober 2015 erneut im Vatikan zusammentreten soll.
Erste Twitter-Synode
   „Auch was die Verbreitung von Nachrichten über die Synode betrifft, gibt es Neues. Dieser Dienst wird vom Vatikanischen Pressesaal koordiniert; er wird allgemeine Informationen in seinem News-Bulletin veröffentlichen, und außerdem gibt es tägliche Briefings für Journalisten in verschiedenen Sprachen, an denen auch Synodenväter teilnehmen. Die wichtigsten Nachrichten über den Verlauf der Synodenarbeiten werden auf Twitter in aller Kürze mitgeteilt werden.“
   Zum ersten Mal in der fast fünfzigjährigen Geschichte der vatikanischen Bischofssynoden waren die „Synodenväter“ diesmal gebeten worden, ihre Redebeiträge vorab einzuschicken.
   „Das geschah sicher nicht, um den Inhalt der Beiträge zu kontrollieren, sondern um mehr synodalen und kollegialen Geist zu erlauben. Dadurch wird nämlich die Einführung ins Synodenthema, die sogenannte „Relatio ante disceptationem“, ein sicherer Ausgangspunkt für die Arbeit im Plenum in der ersten Arbeitswoche. Nach dieser Woche gibt es eine „Relatio post disceptationem“, die den Synodenvätern als Ausgangspunkt für ihre Besprechungen in den Arbeitsgruppen circuli minores übergeben wird.“ Rv141006sk

Kardinal Erdö: Kein Grund zu Katastrophenstimmung   cd-PeterErdö-x

   „Relatio ante disceptationem“: So heißt bei einer Bischofssynode das Eröffnungsstatement des Berichterstatters oder ‚Relators’. Der ungarische Kardinal Peter Erdö Foto führte die Teilnehmer der Außerordentlichen Synodenversammlung in das Thema Ehe- und Familienpastoral ein. „Hoffnung“ und „Barmherzigkeit“ solle die Kirche in diesem Bereich vermitteln – aber auch „das Glaubenserbe in seiner Reinheit bewahren“, so Erdö. Als wichtigste Quellen des Lehramts zählte er „Gaudium et spes“ auf, das Schreiben „Familiaris consortio“ von Johannes Paul II. und den Weltkatechismus.
   „Die Suche nach pastoralen Antworten geschieht im kulturellen Kontext unserer Tage. Viele unserer Zeitgenossen haben Schwierigkeiten damit, logisch zu überlegen und lange Texte zu lesen. Wir leben in einer Kultur des Audiovisuellen, der Gefühle, der Emotionen und Symbole. Die Wallfahrtsorte vieler, auch der säkularisierten, Länder sind oft überfüllt... Viele sehen ihr Leben als eine Serie von Momenten, in denen es vor allem darum geht, sich gut zu fühlen. In einem solchen Blickwinkel ist das Eingehen stabiler Beziehungen etwas, das man fürchtet; und die Zukunft eine Bedrohung. Beziehungen zu anderen können so wie Grenzen wirken; das Wohl eines anderen zu wünschen, könnte ja Verzicht mit sich bringen. Oft geht mit diesem Kult des Sich-gut-Fühlens darum Isolierung einher.“
„Gute Nachricht von einer Gnade“
   Das sei der Kontext, in den hinein die Kirche ihr „Evangelium von der Familie“ zu verkünden habe. Sie sollte, so überlegte Erdö, es vor allem als „Gute Nachricht von einer Gnade“ darstellen.
   „Die Verpflichtungen, die sich aus der Eheschließung ergeben, dürfen sicher nicht vergessen werden, aber man sollte sie als Folgerungen aus einem Geschenk ansehen... Die Kirche muss ihre „heilende Wahrheit“ so anbieten, dass sie als Medikament zu erkennen ist, auch für so viele problematische Familiensituationen. Anders gesagt: Ohne die Wahrheit zu vermindern, wird sie angeboten, indem man auch den Blickwinkel dessen einnimmt, der sie nur mit Mühe als Wahrheit erkennt oder lebt.“
   Das ist eine Aufforderung zum Eiertanz. Kardinal Erdö bat die Synodenväter, nach praktikablen Anweisungen an Hirten überall auf der Welt zu suchen, damit es nicht (mehr) zu ‚Do-it-yourself-Seelsorge’ komme.
   „Die vielfältigen Erscheinungsformen der familiären Wirklichkeiten zeigen doch, dass es in allen soziokulturellen Kontexten doch einen Konsens gibt, der größer ist, als man zunächst denken könnte: dass nämlich Ehe und Familie etwas grundlegend Gutes sind, das zur Kultur der Menschheit gehört. Ein Erbe, das gepflegt, gefördert, wenn nötig auch verteidigt werden muss. Natürlich stoßen Familien heute auf viele Schwierigkeiten, aber sie sind kein Auslaufmodell, vielmehr nimmt man bei jungen Leuten einen neuen Wunsch nach Familie wahr.“
Bekannt, aber nicht befolgt
   Unter Katholiken sei die kirchliche Lehre über die Ehe „im wesentlichen bekannt“, doch werde sie „oft in der Praxis nicht befolgt“. Und das, obwohl eine Mehrheit der praktizierenden Katholiken offenbar nicht gegen diese Lehre sei. Beispiel: Unauflöslichkeit der Ehe.
   „Die Unauflöslichkeit der Ehe wird von den Katholiken in der Regel nicht als solche in Frage gestellt. Vielmehr ist sie unwidersprochen und wird größtenteils in der pastoralen Praxis der Kirche bei Personen, die in ihrer Ehe gescheitert sind und einen neuen Anfang versuchen, auch eingehalten. Also geht es bei den Debatten dieser Synode nicht um Lehrfragen, sondern um praktische, vor allem pastorale Fragen!“
   Kardinal Erdö ging auch auf das Meinungsbild ein, das die weltweite Befragung von Bischofskonferenzen und Katholiken vor der Synode zum Thema Homosexualität ergeben hat.
   „Ein breiter Konsens betrifft die Tatsache, dass Menschen mit homosexueller Tendenz nicht diskriminiert werden dürfen – wie das auch der katholische Weltkatechismus betont. Zweitens zeigt sich ebenso klar, dass die Mehrheit der Getauften – und der Bischofskonferenzen – nicht eine Gleichstellung solcher Beziehungen mit der Ehe von Mann und Frau fordern. Auch die ideologischen Formen der Gender-Theorie finden bei einer überwältigenden Mehrheit der Katholiken keine Zustimmung. Viele wollen aber die traditionellen, kulturell konditionierten sozialen Rollen überwinden, darunter auch die Diskriminierung von Frauen, ohne deswegen den natürlichen und kreatürlichen Unterschied unter den Geschlechtern, ihre Reziprozität und Komplementarität zu leugnen. Es gibt deswegen im Innern der Kirche keinen Grund zu einer Katastrophen- oder Resignations-Stimmung. Es gibt ein klares und von der Mehrheit mitgetragenes Glaubenserbe, von dem die Synodenversammlung ausgehen kann.“
Neue Kultur der Familie
   Er wünsche sich, so der ungarische Kardinal und Synoden-‚Relator’, dass die Teilnehmer der Beratungen im Vatikan „über den Kreis der praktizierenden Katholiken hinausschauen“. Es gehe „nicht nur um Probleme individueller Ethik, sondern um Strukturen der Sünde, die der Familie feindlich gesonnen sind, in einer Welt der Ungleichheit und der sozialen Ungerechtigkeit“. In einer „fast nur von Finanz- und Technologiekräften determinierten Welt“ sei die Familie „fast die letzte menschliche Wirklichkeit, die noch aufnahmefreundlich“ sei. Eine „neue Kultur der Familie“ könne deshalb „Ausgangspunkt für eine erneuerte Zivilisation überhaupt“ werden.
   Kardinal Erdö warb für eine bessere Ehevorbereitung; die Kirche müsse auch „nachdenken darüber“, wie man Menschen, die eine gescheiterte Ehe hinter sich haben, „am besten begleitet, damit sie sich nicht aus dem Leben der Kirche ausgeschlossen fühlen“. Dabei müssten „geeignete Formen und Sprechweisen gefunden werden, um zu verkünden, dass alle geliebte Kinder Gottes und der Mutter Kirche waren und sind“. Die Begriffe „Wahrheit“ und „Barmherzigkeit“ gelte es in eins zu spannen, so Erdö.
   „Barmherzigkeit ist das zentrale Thema der Offenbarung Gottes und darum wichtig für die Ausrichtung des kirchlichen Tuns. Natürlich drängt sie die Wahrheit nicht beiseite und relativiert sie nicht, aber sie führt dazu, sie im Rahmen der Hierarchie von Wahrheiten korrekt zu interpretieren. Sie macht auch nicht die Notwendigkeit der Gerechtigkeit zunichte. Barmherzigkeit löst also keineswegs die Pflichten, die sich aus dem Eheband ergeben. Diese bestehen fort, auch wenn die menschliche Liebe schwächer geworden oder ganz erloschen ist. Das bedeutet, dass es im Fall einer vollzogenen sakramentalen Ehe nach einer Scheidung, solange der erste Ehepartner noch lebt, keine zweite von der Kirche anerkannte Ehe geben kann!“
Die Bedeutung der Ehevorbereitung
   In der Frage von wiederverheirateten Geschiedenen sei es „irreführend, sich nur auf die Frage des Sakramentenempfangs zu konzentrieren“. Die Antwort müsse eher im Rahmen einer breiteren Jugend- und Ehevorbereitungs-Pastoral gesucht werden. Vor allem müssten Seelsorger auch Ehepaare oder Familien in Krisensituationen intensiver begleiten. Wiederverheiratete Geschiedene seien „Mitglieder der Kirche“, sie hätten „ein Bedürfnis nach und das Recht auf Begleitung durch ihre Hirten“. Kardinal Erdö ging auch auf ‚Ehen ohne Trauschein’ ein: Die Kirche könne die „Gelegenheit nicht verstreichen lassen, auch in Konstellationen, die weit von den Kriterien des Evangeliums entfernt sind, den Menschen nahe zu sein“.
   Der Kardinal zeichnete ein breites Panorama kritischer Punkte im Bereich Ehe- und Familienpastoral; die An- nullierung von ungültig geschlossenen kirchlichen Ehen könnte vereinfacht werden, die Praxis orthodoxer Kirchen, eine „zweite oder dritte Ehe mit Buß-Charakter zu erlauben“, sollte genauer studiert werden, „um überstürzte Interpretationen oder Schlussfolgerungen zu vermeiden“. Was das Nein zur künstlichen Empfängnisverhütung in der Enzyklika „Humanae Vitae“ von Paul VI. betrifft, setzte Kardinal Erdö auf eine „positive Neuformulierung der Botschaft“. Rv141006sk

ff-237-famSyn-x          Papst an Synodenväter: „Redet bitte offen“

   Die Bischofssynode hat begonnen, oder genauer: Die „Dritte Außerordentliche Vollversammlung der Bischofssynode“ hat ihre Arbeiten im Vatikan aufgenommen, nachdem Papst Franziskus sie schon am Sonntag mit einer Messfeier in St. Peter eröffnet hat. Thema der Versammlung, die zwei Wochen tagen soll und die ein großes Medieninteresse erfährt, ist die Ehe- und Familienseelsorge. Papst Franziskus bat die Teilnehmer in der vatikanischen Synodenaula am Montagmorgen, eine offene Sprache zu führen. Sie seien „die Stimme der Ortskirchen“, das sei „eine große Verantwortung“. Es gehe darum „die Wirklichkeiten und Probleme der Kirchen zu tragen“ und das „Evangelium von der Familie“ zu verkünden.
   „Eine Grundbedingung dafür ist es, offen zu sprechen. Keiner soll sagen: ‚Das kann man nicht sagen, sonst könnte ja jemand von mir so oder so denken...’ Alles muss ausgesprochen werden, was jemand sich zu sagen gedrängt fühlt! Nach dem letzten Konsistorium, bei dem über die Familie gesprochen wurde, hat mir ein Kardinal geschrieben: ‚Schade, dass einige Kardinäle aus Respekt vor dem Papst nicht den Mut gehabt haben, gewisse Dinge zu sagen, weil sie annahmen, dass der Papst vielleicht anders denkt.’ Das geht nicht! Das ist nicht Synodalität! Man muss alles sagen, was man sich im Herrn zu sagen gedrängt fühlt: ohne menschliche Rücksichten, ohne Zögern!“
„Anwesenheit des Papstes ist Garantie für alle“
   Das Konsistorium, auf das sich Papst Franziskus da bezog, hatte im Februar 2014 getagt. Auf die Bitte des Papstes hin hatte der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper dabei einen Vortrag über die kirchliche Lehre und Seelsorge im Bereich Ehe und Familie gehalten; damit hatte Kasper dem Vernehmen nach hinter verschlossenen Türen eine lebhafte Debatte angestoßen. Viele Bischöfe und Kardinäle, auch an der Kurie, haben sich in den letzten Wochen öffentlich zu Aspekten der Ehe- und Familienseelsorge positioniert, etwa was die Unauflöslichkeit der Ehe betrifft oder den Kommunionempfang für Geschiedene, die eine neue Ehe eingehen. Papst Franziskus fuhr an diesem Montagmorgen fort:
   „Gleichzeitig sollte man auch mit Demut zuhören und mit offenem Herzen aufnehmen, was die Brüder sagen. Mit diesen beiden Haltungen (offenem Reden und bereitem Hinhören) übt man die Synodalität aus. Und darum bitte ich euch herzlich um diese brüderlichen Haltungen im Herrn: Sprecht mit Freimut und hört mit Demut! Und tut dies in aller Ruhe und in Frieden, denn die Synode entwickelt sich immer cum Petro et sub Petro. Die Anwesenheit des Papstes ist eine Garantie für alle.“
   Der Papst setzte, von seinem Redetext abweichend, hinzu, dass ihm ausgesprochen viel an einem „Geist der Synodalität“ liege. Der Relator (also Berichterstatter) sowie der Generalsekretär der Synode seien „direkt vom postsynodalen Rat gewählt worden, der wiederum von den Teilnehmern der letzten Synode gewählt“ worden sei. Und da ihm die Aufgabe zugefallen sei, die delegierten Präsidenten der Synodenversammlung zu bestimmen, habe er den postsynodalen Rat um die Nennung von Kandidaten gebeten: „Und ich habe die ernannt, die der Rat mir vorgeschlagen hat.“
   Er hoffe, so Franziskus weiter, dass Gott „unsere Herzen für seine Wege aufschließt, die menschlich unerwartet und ungedacht sind“. rv141006sk

ff-238-xx Beginn der Arbeiten in der Synodenaula

   Die Aufforderung des Papstes, »offen zu sprechen« und »in Demut zuzuhören«, um wirklich die »Dynamik der Synodalität« in die Praxis umzusetzen, wurde sofort von den fünf Redebeiträgen beherzigt, mit denen am Vormittag des 6. Oktober die erste Generalkongregation zu Ende ging. Als Kardinal Vingt-Trois, der turnusmäßige delegierte Präsident, nach der Relatio ante disceptationem, das Wort zur Diskussion erteilte, sprach zuerst Kardinal Rodríguez Maradiaga und folgte der Einladung des Generalsekretärs Kardinal Baldisseri, einen ersten »Gesamteindruck« zu äußern. Er wies auf einen Widerspruch hin: Alle Aspekte des Lebens würden sorgfältig vorbereitet, ausgenommen gerade die Ehe. Ihr nähere man sich zuweilen sehr plötzlich und auch in unverantwortlicher Weise. Es gebe Paare, die sich erst seit kurzer Zeit kennen und für eine Heirat entscheiden würden, ohne einen Weg der Vorbereitung zu gehen. Für den honduranischen Kardinal fehlt in diesem Zusammenhang eine Art Katechumenat, das bereits im Rahmen der Firmvorbereitung beginnen könnte. Aber nicht so wie ein früher Ehevorbereitungskurs, sondern vielmehr als echter katechetischer Prozess, der die jungen Menschen zur Wahl der Ehe oder der Weihe an Gott führt. Daher müsse man hier auch an eine neue Jugendpastoral denken. Kardinal Martínez Sistach brachte seine Zufriedenheit darüber zum Ausdruck, dass in der Relatio die von den Bischofskonferenzen und einzelnen Diözesen eingebrachten Hinweise berücksichtigt worden seien. Damit berücksichtige man, was das Volk Gottes sage, und diese direkte Beziehung werde auch für die Synodenväter eine Hilfe sein, den Diskussionsrahmen realistischer werden zu lassen, so der Erzbischof von Barcelona. Der japanische Erzbischof Okada wollte dagegen an das heroische Zeugnis der Laien in seinem Land erinnern, die den Glauben in der Verfolgungszeit zu bewahren und von Familie zu Familie weiterzugeben wussten. Dieses Zeugnis hätten die japanischen Bischöfe 1993 wieder belebt, damit es nicht an Aktualität verlöre. Denn es sei wichtig, den Glauben zu Hause zu stärken und Gemeinschaften von Familien zu bilden, die das Evangelium vermitteln könnten.Eine »positive Reaktion« auf die von der Relatio vorgegebenen Grundlinien brachte Kardinal Napier zum Ausdruck,  der  vor  allem auf das Bild des barmherzigen Samariters hinwies,  der sich um die vom Leben verwundeten Menschen kümmert. Deshalb sei es wichtig, so der südafrikanische Kardinal, zur Basis zurückzukehren, zu den grundlegenden Dingen, zum genuinen Familienleben, das aus gegenseitigem Kennen und gegenseitiger Hilfe bestehe. So werde es zum Abbild der Dreifaltigkeit.Im fünften und letzten freien Redebeitrag unterstrich Kardinal Marx, das auch die Kirche eine öffentliche Debatte über die Themen der Synode benötige. Er lud ein, den Blick auf die Situation der Familie zu richten, so wie sie heute sei, und dabei auch die Veränderungen zum Besseren oder Schlechteren zu berücksichtigen, zu denen es in den letzten Jahren gekommen sei. Diese müsse man sich vor Augen halten, empfahl er. So könne man mit dem Evangelium auf die neue Situation im Heute antworten. Und die Synode müsse gerade über diese neue Situation sprechen.Die erste Generalversammlung hatte um 9 Uhr mit dem Gesang des »Veni, creator Spiritus« und dem Gebet der Terz in Anwesenheit des Papstes und 181 Synodenväter begonnen. In der Predigt erinnerte Kardinal Martínez Sistach daran, dass die Synode ein »Dienst an der Kirche und der Evangelisierung« sei, und unterstrich vor allem den von Brüderlichkeit und Freude geprägten Stil. Aber »wir werden auch die Familien nicht vergessen, denen es nicht gelungen ist, die Schönheit der tiefen Gemeinschaft des Lebens und der Liebe in ihrer Ehe zu leben«. Anschließend leitete Kardinal Vingt-Trois, der turnusmäßige delegierte Präsident, mit einigen Worten die Synodenarbeiten ein. Zentrale Momente des Vormittags waren die Ansprache von Papst Franziskus und die Vorträge der Kardinäle Baldisseri und Erdö. Es schlossen sich die genannten ersten freien Redebeiträge an. Einen besonderen Akzent setzte ein Bild der Heiligen Familie auf dem Podium des Präsidiums: ein Geschenk der Bischofskonferenz der Demokratischen Republik Kongo.Nach der ersten Generalkongregation fand im Presseamt des Heiligen Stuhls die erste Pressekonferenz statt, bei der neben den Kardinälen Erdö und Vingt-Trois auch Erzbischof Forte, Sondersekretär der Synode, und Erzbischof Aguilar Retes, Präsident des CELAM, anwesend waren. Erzbischof Forte unterstrich, dass die hohe Zahl der Antworten auf den Fragebogen zeige, dass es »in der Kirche den Wunsch nach Teilnahme gebe«. Der Präsident des CELAM sprach über die Probleme der lateinamerikanischen Familien, darunter insbesondere die von den Migrationen hervorgerufenen Brüche, und wies auf die wachsende Zahl von alleinerziehenden Müttern hin. Er regte an, den kollegialen Stil der Konferenz von Aparecida 2007 als Arbeitsmethode aufzugreifen.
www.osservatoreromano.va/de/news/beginn-der-arbeiten-der-synodenaula

 ff-239-FamSyn-Hl.Familie-Z Heilige Familie ff-234a-famSyn-x

Synodenväter sprachen über Familienpastoral

   Verschiedene pastorale Aktivitäten zum Thema Familie, und die Herausforderungen, vor denen die Familien- pastoral heute steht: Das waren die Themen der beiden vergangenen Generalversammlungen vom Dienstag Nachmittag und Mittwoch Morgen (letztere wegen der Generalaudienz in Abwesenheit des Papstes). Die Herausforderungen für die Familienpastoral waren auch am Montag und Dienstag schon immer wieder benannt worden: Armut, Migration, Emigration, Gewalt in verschiedensten Formen, Christenverfolgung, moderne Lebens- und Arbeitsbedingungen, Polygamie, Sekten, Prostitution, Menschenhandel, Machismo und die Einflüsse der modernen Welt mit ihren Individualismen und Materialismen, sie wurden immer wieder vor allem aus der pastoralen Praxis heraus ausführlich behandelt, und sie bildeten das Schwergewicht der Beratungen.
   Zum ersten Mal in mehreren Beiträgen war auch das Ehenichtigkeitsverfahren der Kirche Thema; es könne keine Lösung für alle Probleme sein, aber für die Paare, die das betrifft, wäre es eine große Hilfe und für die Kirche eine Notwendigkeit, wenn diese Verfahren, die eine Ehe für ungültig erklären und so eine sakramentale Ehe möglich machen, vereinfacht und verkürzt würden. Dorthin gehört auch die Frage, wie mit der Frage der kirchlichen Rechtsprechung im Rahmen der Ökumene, vor allem mit der Orthodoxie, umgegangen wird: Verschiedene Kirchen kennen verschiedene kirchenrechtliche Regeln, das schaffe einerseits Verwirrung, andererseits Reibungen, weil Ehen und Familien verschiedener Konfessionen sozusagen dazwischen stehen.
„Wir können doch gar nicht zurück“
   Die Synodenteilnehmer berichteten immer wieder aus ihrer eigenen Praxis, von pastoralen Initiativen in den Bistümern oder Gebieten der Bischofskonferenz. Besonders traten dabei Aktionen hervor, die nicht für, sondern von Familien getragen werden. So etwa Verbände oder Gemeinschaften von Ehepaaren, die anderen Ehepaaren helfen. Solche Initiativen gelte es zu fördern, war der Tenor.
   Was auch deutlich wurde bei den Beratungen, war die unterschiedliche Bewertung des modernen Freiheits- begriffes. Sehen ihn einige als Ausdruck der Gottesebenbildlichkeit und damit als etwas Gutes, sehen ihn andere als Einfallstor für die Menschen gefährdende Ideologien. In einigen Staaten auf der Erde versuchten Regierungen, über Gesetzgebung den Begriff von „Familie“ zu ändern, das sei Ausdruck dieser Ideologien, die durch das Tor dieser falsch verstandene Freiheit einfielen. Aber wir könnten doch gar nicht zurück, hieß es von den Vertretern der ersten Linie, die Sehnsucht nach einer Vergangenheit helfe nicht weiter, die Kirche müsse die positiven Seiten schätzen und prägen lernen.
   Ein weiteres Thema war der scheinbare Gegensatz von Pastoral und Lehre. Im Vorfeld der Versammlung der Bischofssynode war immer wieder gesagt worden, man wolle die Lehre nicht verändern, sondern pastoral sein. Dazu hieß es, dass die Lehre Ausdruck des Willens und Auftrages Jesu sei, nichts was die Kirche sich erschaffen habe. Ein weiterer Kommentar betonte, die Lehre müsse sich entwickeln.
   Eine ganze Reihe weiterer Themen möchte ich an dieser Stelle nur anreißen, um die Bandbreite dessen anzudeuten, was genannt wurde: Die Frage der Verbindung der Glaubensschwäche der Moderne und der Abnahme stabiler Ehen; Familie als Hauskirche; die Lehre Jesu über die Familie; geschiedene Wiederverheiratete; die Evangelisierung und immer und immer wieder die Ehevorbereitung.
Wenig Idealisierung, große Bandbreite 
   Die Synodenteilnehmer zeigen einen großen Realismus, wenn es um das Thema Ehe und Familie geht, da ist wenig Idealisierung. Gleichzeitig hört man viel Positives, viel Hoffnung, um es geistlich auszudrücken. Realismus und Hoffnung, mit diesen beiden Worten lassen sich die Beratungen an diesen beiden Tagen gut charakterisieren.
   Die Stimmung ist ruhig und ohne Druck - sicherlich auch ein Ergebnis der Entscheidung, nicht eine, sondern zwei Synoden samt einem Jahr Zwischenzeit zu haben, darüber zu sprechen. So nehmen sich die Teilnehmer Zeit, Erfahrungen zu sammeln, aus ihren Kirchen zu berichten, zu reflektieren und zu sprechen. Noch greift die Dynamik einer Beratung in Gruppen nicht, aber das wird sicherlich in der kommenden Woche in den Kleingruppen kommen. Bisher zeigt sich die große Breite der Erfahrungen und Reflexionen zum Thema Pastoral und Familie.
Aus der Synodenaula Pater Bernd Hagenkord für Radio Vatikan. Rv141008ord

ff-241-x-cdChristophSchönborn- ff-240-Fam-Syn-x

Kardinal Schönborn: Schritt für Schritt in die Ehe

  Der Redaktionsleiter von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord, gehört zu den wenigen Journalisten, die in der vatikanischen Synodenaula die Beratungen hinter verschlossener Tür mitverfolgen. Er darf keine Geheimnisse ausplaudern - aber Interviews führen. An diesem Mittwoch sprach er mit dem Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn Foto oben links, dem Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz.
Kardinal Schönborn, bei der Pressekonferenz gestern, aber auch bei den Beratungen ist immer wieder von „Gradualität“ gesprochen worden. Vielleicht könnten Sie erklären, was damit gemeint ist?
   „Wir alle wissen, dass es das unveränderliche Gesetz Gottes gibt. Die Zehn Gebote stehen nicht zur Disposition, die kann man nicht verändern. Aber wir erleben im eigenen Leben, dass wir sie nur zum Teil verwirklichen, nicht zur Gänze. Wir wissen, dass wir sie ganz verwirklichen sollten, wir schaffen es nicht hundertprozentig. Das Gesetz ist nicht graduell. Es gibt nicht mehr stehlen oder weniger stehlen. Stehlen ist stehlen – das siebte Gebot ist das siebte Gebot. Und lügen ist lügen.”
   Aber wir in unserem Leben können uns dem Wort Jesu – dein Ja sei Ja, dein Nein sei Nein – mehr oder weniger annähern. Das nennt man die Gradualität der Verwirklichung des Gesetzes.
   “Wenn man das auf die Situation von Ehe und Familie anwendet, dann muss man sagen: Die volle Verwirklichung ist natürlich die im Glauben vor Gott und vor der Kirche geschlossene sakramentale Ehe, die unauflöslich ist, die für die Lebenszeit der Ehepartner gültig ist und die offen ist für das neue Leben, für Kinder. Aber wir wissen auch, dass viele Menschen diese volle Gestalt der Ehe, so wie sie auch im Plan Gottes gesehen ist, erst allmählich erreichen. 
    Papst Franziskus hat uns erst bei dem Besuch der österreichischen Bischöfe im Januar im Gespräch gefragt: ‚Wie ist das bei euch, ist das ähnlich wie in Argentinien, dass viele junge Menschen zuerst einmal zusammenleben?‘ Er hat damit nicht gesagt, dass das in Ordnung ist, dass das okay ist. Er hat nur gesagt, dass es so ist. Und dass, wenn ein Kind unterwegs ist, man sich darüber Gedanken macht: ‚Vielleicht wollen wir doch heiraten, sollten zivil heiraten?‘. Und manche machen dann auch den weiteren Schritt und sagen: ‚Wir wollen kirchlich heiraten. Wir wollen unsere Beziehung in die volle Gestalt einer Ehe einbringen‘.
„Die Menschen Schritt für Schritt in die Gradualität begleiten“
   „Der Papst hat uns gesagt, dass wir diese Menschen begleiten müssen, Schritt für Schritt in diese Gradualität, damit sie entdecken, was die volle Gestalt des Sakramentes ist. Was die Ehe im Plan Gottes ist. Natürlich gibt es, Gott sei Dank, mehr und mehr junge Leute, die diesen Weg bereits in frühen Jahren durch den Glauben, vielleicht auch durch das Vorbild ihrer eigenen Familien entdecken, und ihn mit ganzem Herzen und mit ganzer Bereitschaft gehen. Viele andere lernen das erst allmählich kennen. Wichtig ist, dass wir sie begleiten - und das meint, so glaube ich, die Rede von der Gradualität, nicht des Gebotes Gottes, sondern der Erfüllung des Gebotes Gottes.“
Heißt das nun, ich kann auch in nicht-sakramentalen Ehen, also in Beziehungen, das Positive finden?
   „Ich kann eine unvollkommene Version von zwei Seiten her sehen, und beide Seiten haben ihre Berechtigung: Ich kann auf das sehen, was noch fehlt, und ich kann auf das sehen, was bereits da ist. Sicher ist es schon ein großer Schritt, wenn junge oder auch ältere Menschen nicht nur auf flüchtige Beziehungen setzen, sondern den Wert einer treuen, stabilen, in gegenseitiger Hilfe gelebten Beziehung finden. Wenn sie das finden und sich wirklich dafür engagieren - da kann ich sagen, ja, das ist keine sakramentale Ehe, da fehlt etwas. Aber ich kann auch sagen, da ist schon etwas da! Papst Franziskus hat uns ermutigt und gesagt, schaut auf das, was schon da ist, und begleitet es, natürlich hin zu einem „vollkommeneren, vollständigen“.
„Die Lebensumstände helfen nicht immer”
 
 Und was ganz wichtig ist dabei, sind natürlich auch die Lebensumstände, in denen sich heute Ehe und Familie finden. Wenn in unserem Land, in Österreich, das unverheiratete Zusammenleben steuerlich bessergestellt ist als das verheiratete Zusammenleben, dann ist das natürlich für junge Menschen eine große Herausforderung, ja auch ein Opfer, den Schritt zu machen, wenigstens zivil zu heiraten oder auch sakramental zivil zu heiraten.
   Es gibt auch äußere Lebensumstände, die Ehe erschweren! Ich denke an unsere frühere Zeit in Österreich und in vielen Ländern der Welt - in manchen ist es auch heute noch so -, wo eine Heirat mit gewissen sozialen und finanziellen Verpflichtungen verbunden ist, die ärmere Leute gar nicht eingehen können. Ich denke da zum Beispiel an den seligen Franz Jägerstätter, den ich sehr verehre. Seine Mutter war eine Bauernmagd, die bei einem Bauern als Magd gearbeitet hatte. Sie konnte gar nicht heiraten. Sie hatte keine Mittel dazu. Als dann der Franz als lediges Kind geboren wurde, hat sie dann später, als er schon größer war, das Glück gehabt, dass ein Bauer bereit war sie zu heiraten, und den kleinen Franz adoptiert hat.  Diese Situationen waren sehr, sehr häufig, nicht nur im ländlichen, sondern auch im städtischen Bereich. Viele konnten sich eine Ehe auch nicht leisten! Und da müssen wir pastoral hinsehen, nicht mit urteilendem Blick, sondern mit einem begleitenden und verständnisvollen und ermutigenden Blick.“
Es gibt hier sehr viele Geschichten, die man hört, die auch aus der Pastoral kommen. Was heißt es denn, wenn wir hier bei der Synode über diese Hintergründe hören, wenn wir über Ehe sprechen? Es muss dann auch zu etwas Konkretem kommen oder zu Übereinstimmungen. Was kann das, im Namen der katholischen Kirche, für die Ehe im Konkreten bedeuten?
   „Ich glaube, das Wichtigste ist, was an dieser Synode schon am Anfang sehr entscheidend ist. Das kann man schon nach den ersten drei Tagen sagen: Die Familie wird sozusagen auf ein Podest gestellt, und das in einer Zeit, wo die Familie für viele als ein überholtes Auslaufmodell gilt. Wir hören Zeugnisse hier aus der ganzen Welt, wie unglaublich wichtig die Familie für die Gesellschaft, aber vor allem für den Menschen in seiner Verwirklichung und in seinem Glück ist. Ich erwarte mir von dieser Synode natürlich auch Impulse für Situationen des Scheiterns – das ist alles wichtig. Aber was weltweit gesellschaftlich das große Thema ist, wie es der jetzt leider verstorbene deutsche FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher gesagt hat: ‚Die Familie ist die Überlebensfabrik der Zukunft.‘
„Wo Familie ist, ist ein Auffangnetz“
   Wir kommen in schwierige Zeiten, in denen es ökonomisch immer schwieriger wird. Wir sehen schon jetzt in den europäischen Krisenländern: Dort, wo Familie ist, ist ein Auffangnetz. Es ist ein spontanes und natürliches und selbstverständliches Auffangnetz, und das sagen uns deutlich heute säkulare Soziologen, die mit Religion wenig am Hut haben. Wenn die Gesellschaft etwas braucht für die Zukunftstüchtigkeit, dann ist das Familie. Und ich denke, niemand kann die Familie mehr unterstützen als die Glaubensgemeinschaft. Ich erwarte mir von dieser Synode vor allem eine intensive Debatte über die Wichtigkeit der Familie für eine Gesellschaft, die in schwierige Zeiten kommt.“ Rv141008ord  

Kardinal Christoph Schönborn
   leitet eine der zehn Arbeitsgruppen der vatikanischen Bischofssynode zur Familienpastoral. Wie der Vatikan bekanntgab, wurde Schönborn zum Moderator eines der beiden französischsprachigen Zirkel gewählt. Daneben gibt es Arbeitsgruppen in englischer, italienischer und spanischer Sprache. Darin vertiefen die rund 250 Kardinäle, Bischöfe, Priester und Laienvertreter in der kommenden Woche die angesprochenen Themen zu Ehe und Familie, darunter besonders umstrittene Themen wie der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen oder Empfängnisverhütung.
   Die sogenannte Generaldebatte der Gesamtsynode wurde am Freitag abgeschlossen. Nach einer fast einwöchigen Plenumsdebatte hat die im Vatikan tagende Versammlung ihre Arbeit in insgesamt zehn Sprachgruppen fortgesetzt. Die Ergebnisse sollen dann in ein Schlussdokument eingehen. Dieser Text soll die Grundlage für die im Oktober 2015 tagende zweite Bischofssynode zur Familienseelsorge sein. Zur Abfassung hat Papst Franziskus der Leitung der Synode sechs weitere Synodenväter zur Seite gestellt, unter ihnen Kardinal Gianfranco Ravasi und den Jesuitengeneral Adolfo Nicolás Pachón SJ.
   Anders als bei früheren Synoden beraten die Kardinäle, Bischöfe, Priester und Laienvertreter diesmal weder auf Deutsch noch auf Portugiesisch oder Polnisch. Auch ein lateinischer Sprachzirkel wurde diesmal nicht gebildet. Die deutschsprachigen Mitglieder haben sich auf die bestehenden Gruppen aufgeteilt. Sie sind nur zu viert: Neben den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen von Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Familienseelsorgerin Ute Eberl aus dem Erzbistum Berlin vertreten.
   Am Montag will der Generalrelator der Synode, der ungarische Kardinal Peter Erdö, den Sachstand der Synode auf Grundlage der einwöchigen Aussprache in einem Zwischenbericht vortragen. Mit Spannung erwarten Beobachter, welche Akzente er setzen und welche Themen er besonders hervorheben wird.  rv141011kap

ff-248-JocelineKhoueiryLibanon-fa-S-xx      Synode: „Kirche ist Verfügbarkeit“

   Ein einzigartiger Reichtum“: So kommt Jocelyne Khoueiry Foto die Familiensynode im Vatikan vor. Die engagierte Lebensschützerin aus dem Libanon nimmt als Expertin an den Beratungen im Vatikan teil. Wie kann denn die Kirche heutzutage ihre Vorstellungen über Ehe, Familie und Lebensschutz glaubwürdig vermitteln, fragten wir sie in der Synodenaula.
   „Das ist eine große kulturelle, aber auch spirituelle Herausforderung, aber wir dürfen nicht verdrängen, dass die Kirche an sich schon eine Herausforderung für die Welt darstellt. Zeugen des Evangeliums zu sein, war noch nie einfach; darum dürfen wir nicht einfach von der Lage ausgehen, so wie sie ist, sondern davon, was wir tun sollten. Und das dann tun – mit aller Nächstenliebe und Barmherzigkeit, die unser Gott uns gelehrt hat.“
   Frau Khoueiry versucht so etwas wie die Quadratur des Kreises: Sie will von der kirchlichen Lehre ausgehen, nicht von der (bunten bis tristen) Lebenswirklichkeit. Und gleichzeitig dringt sie auf den Faktor „Barmherzigkeit“.
   „Die Kirche sollte – wir als Kirche sollten ständig die Strukturen neu erfinden, um so viel Liebe, Verständnis und Begleitung wie möglich anzubieten. Das ist der Schlüssel des Problems: die, die verwundet sind, zu begleiten wissen. Ich denke da an Familien, die erfahren haben, dass ihr Baby behindert auf die Welt kommen wird; an die Eltern, die allein nicht aus schwierigen Lagen herausfinden, die Geldprobleme haben. Die Welt ist voller Probleme, darum sind wir wirklich dazu aufgerufen, immer mutig und bereit zu sein. Für mich ist das eine Definition von Kirche: Verfügbarkeit.“ Rv141011

ff-251-famSyn-xx

Kirchenrechtler: Neue Ansätze für wiederverheiratete Geschiedene

   Das Thema wiederverheiratete Geschiedene ist zum Zwischenstand der laufenden außerordentlichen Synode das häufigste, das in der Aula zur Sprache kommt. Das berichtete unser Redaktionsleiter Pater Bernd Hagenkord, der als deutscher Pressesprecher der Synode fungiert und sämtliche Wortmeldungen in der Aula mitverfolgt. Vorab galten die wiederverheirateten Geschiedenen, die von den Sakramenten ausgeschlossen sind, als das Luxusthema der Gläubigen in den reichen westlichen Ortskirchen. Doch zahllose Wortmeldungen in der Synode auch aus Lateinamerika, Asien und Afrika widmen sich Hagenkord zufolge diesem Thema, das, wie nun klar wird, ein schmerzlich empfundenes in allen Teilen der katholischen Welt ist.
   Pater Markus Graulich in Rom hat neuere Forschungsergebnisse über das Thema zusammengetragen und sie jüngst zu einem Buch gebündelt: „Zwischen Jesu Wort und Norm. Kirchliches Handeln angesichts von Scheidung und Wiederheirat“. Graulich ist Professor für Kirchenrecht sowie Untersekretär im Päpstlichen Rat zur Interpretation von Gesetzestexten, in weltlichen Parallelen gesprochen also etwas wie der Staatssekretär im vatikanischen Justizministerium. In seinem Buch bleibt die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe unangetastet, doch weisen die Aufsätze elf verschiedener Autoren mögliche Auswege aus dem pastoralen Dilemma der in ziviler Zweitehe verheirateten Katholiken. Pater Graulich:
   „Aus dem Bereich der Moraltheologie gibt es Ansätze zu sagen, man bewertet auch die Beziehungsqualität. Wenn zum Beispiel die Nichtigkeit der ersten Ehe nicht zu erklären ist, die Ehe relativ schnell gescheitert ist und der Mann, die Frau in einer langdauernden Beziehung mit Kindern lebt, zivil verheiratet, dass man diese Beziehungsqualität oder die Authentizität in den Blick nimmt und sagt, das hat auch seine Bedeutung und muss berücksichtigt werden. Es gibt auch unterschiedliche Ansätze von Pastoraltheologie mit Einklang der Ethik, man übt da die Barmherzigkeit nach dem, wie man sich das orthodoxe Modell vorstellt, und lässt sie dann zu. Manchmal hat das den Eindruck der billigen Gnade – kommt doch alle zu mir oder so ähnlich: Ich glaube, das wird den Lebensrealitäten auch nicht gerecht.“
   Die orthodoxe Schwesterkirche toleriert bei ihren Gläubigen nach einer gescheiterten Ehe bis zu zwei weitere Ehen mit Bußcharakter. Ein weiterer bemerkenswerter Ansatz zur Wiederzulassung zu den Sakramenten kommt aus der Kirchenrechtswissenschaft.
   Graulich: „Ich habe es in meinem Beitrag versucht über das Rechtsinstitut der sogenannten Dissimulatio zu lösen, die im Einzelfall sozusagen von der kirchlichen Norm absieht, ohne sie aber deshalb in Frage zu stellen. Also man würde im Einzelfall sagen, diese konkrete Person darf wieder zu den Sakramenten gehen, ohne dass man diese Lebensweise gutheißt oder sich über diese Beziehung äußert.”
   Das Thema, das in der Synodenaula am dritthäufigsten auftaucht (an zweiter Stelle kommt laut Hagenkord die Frage der Polygamie in Afrika zu Sprache), ist das der kirchlichen Verfahren zur Ehenichtigkeit, das mit dem der wiederverheirateten Geschiedenen zusammenhängt. Stellen die Kirchengerichte nämlich fest, dass die erste Ehe nie bestand, dann – und nur dann – steht einer weiteren kirchlichen Ehe nichts im Weg. Viele Sprecher und Sprecherinnen der Synode wünschen raschere und kürzere Ehenichtigkeitsverfahren. Pater Graulich erhebt an diesem Punkt Einspruch. Er urteilte als Richter am Berufungsgericht der römischen Rota in zahlreichen Nichtigkeitsverfahren und bezweifelt, dass ein schnelles Verfahren immer auch ein gerechtes Verfahren ist.
   „Wir müssen im Prozess sicherstellen, dass sowohl beide Parteien gehört werden können als auch die Möglichkeit haben Beweise vorzulegen bzw. Zeugen zu benennen. Das dauert einfach seine Zeit. Das Gericht hat nur so und so viel Personal, manchmal sagen Zeugen Termine ab, undsoweiter. Die Dynamik eines Prozesses hängt von vielen Faktoren ab. Die Problematik, die ich sehe, ist dass man die Ausgewogenheit des kirchlichen Prozesses, die ihn bisher kennzeichnete, verliert.”
   Die Ausgewogenheit des Ehenichtigkeitsverfahrens ist bisher dadurch sichergestellt, dass man einmal ein Richterkollegium hat, das entscheidet. Es ist mit drei Richtern besetzt. Danach geht jede Causa an die zweite Instanz – was Zeit kostet.
   „Ein zweites Gericht schaut unabhängig vom ersten nochmal auf die Akten schaut. Es kann das Urteil bestätigen, aber auch revidieren, und in diesem Fall geht es in die dritte Instanz. Natürlich sind das lange Wege, aber wir müssen auch bedenken, nicht immer ist die Entscheidung in erster Instanz für die Nichtigkeit. Es kann auch passieren, dass das Gericht in erster Instanz sagt, nein, wir finden keine Gründe für die Nichtigkeit. Das Gericht in zweiter Instanz lädt dann neue Zeugen vor und kommt zu einem anderen Urteil, nämlich dass die Ehe nichtig war. Es ist nicht immer zum Nachteil der Parteien, dass die Sache nochmal angeschaut wird von jemanden, der einen ganz neutralen Blick hat und zunächst nur die Akten liest.”
   Verschiedentlich kam auch der Vorwurf, es sei nicht zulässig, dass Richter in der zweiten Instanz allein aufgrund der Aktenlage entscheiden.
   „Da sage ich aus meiner Erfahrung als Richter, es ist manchmal besser, die Person nicht zu kennen, um ein objektives und wirklich ausgewogenes Urteil zu haben. Denn auch wenn ich in Anhörungen die Personen kennenlerne, können sich Sympathien oder Antipathien entwickeln, die dann unbewusst in mein Urteil eingehen. Wenn man die Akten liest, kommt man oft zu einer objektiveren Einschätzung, als wenn man die Person kennt.“ Rv141011gsSynode: Geschlossene Sprachgruppen erörtern Herausforderungen

ff-247-x Synodenthema Nummer 1: Wiederverheiratete Geschiedene

Das Thema der wiederverheirateten Geschiedenen ist dasjenige, das bei der Bischofssynode zur Familie am häufigsten in der Aula zur Sprache kommt. Das sagt unser Synodenbeobachter Pater Bernd Hagenkord in einem Gespräch zur Zwischenbilanz.
   „Es sind sicher die wiederverheirateten Geschiedenen und der Kommunionempfang [die am häufigsten zur Sprache kommen]. Ich führe eine kleine private Strichliste, über 40 Mal ist das genannt worden, teilweise nur am Rande, teilweise als Zentrum der Wortmeldung. Und es ist kein europäisches Thema, es kommt auch aus Afrika und Asien. Thema sind sicher die Ehe-Annullierungen. Das Verfahren passt vielen nicht, das sei zu kompliziert, zu langwierig, so unpastoral sozusagen. Ein ganz uneuropäisches Thema ist Polygamie. Das wird sehr heiß debattiert, wie man damit umgeht. Das sind die konkreten Themen, die da besprochen werden. Ansonsten natürlich: Was verstehen wir heute unter Ehe? Was ist das, Familie? Was ist das Sakrament der Ehe? Solche Dinge werden auch besprochen.“
Gibt es auch Themen, die Sie überraschen?
   „Ich höre zu, wenn es um Polygamie geht. Das Thema ist ähnliche wie wiederverheiratete Geschiedene nicht nur ein pastorales Problem, sondern dient ja auch dazu, das Thema Familie und Ehe überhaupt zu debattieren. Ich nenne das ein „Bruch-Thema“. So etwas kaputt ist und nicht funktioniert. Was manchen wir denn mit einem Mann, der drei Frauen hat und katholische werden will? Verweigern wir ihm das? Oder muss er dann zwei Frauen entlassen, die dann ins Nichts fallen – das kann es ja wohl auch nicht sein? Da wird darüber debattiert, wie verstehen wir das eigentlich? Was bedeutet für uns die moralische Folge unserer Lehre? Wie flexibel können wir sein oder wie strikt müssen wir sein? Und ich finde das spannend, dass das nicht apodiktisch debattiert wird, so und so hat das zu sein, sondern am Menschen, an seinen Geschichten. Das hat mich sehr fasziniert.“
Werden wirkliche Positionen vorgestellt, oder Vorschläge über zukünftige Positionen der Kirche?
   „Es gibt alles Mögliche. Es gibt Leute, die nur aus der Erfahrung berichten. Es gibt theologische Positionen. Es gibt rein theologische Wortmeldungen, die sehr klar sagen, was katholische Kirche lehrt und woran man sich auszurichten hat, und das kommt nicht nur aus Rom, sondern aus der Praxis vor Ort – das ist so nicht aufteilbar. Interessant ist, dass die ganze Debatte sehr offen bleibt. Ich sehe keine Parteien. All die Kontroversen sehe ich nicht, die im Vorfeld eine Rolle gespielt haben. Natürlich wird kontrovers debattiert, da gibt es widersprüchliche Meinungen. Aber die gleichen Leute gehen danach gemeinsam die Treppe runter und reden weiter. Das ist eine sehr offene, kollegiale Atmosphäre.“
Es ist also eine echte Debatte und nicht einfach ein Das-Wort-Ergreifen und etwas sagen, das man hier immer schon anbringen wollte?
   „Das schon, aber es gab jeden Abend eine Stunde offene Debatte, da gab es keine Rednerliste…“
…und das hat funktioniert diesmal?
   „Das hat funktioniert diesmal. Es gab sogar die Wortmeldung, es mögen sich doch nicht immer die gleichen melden, weil dann eben klar ist, es gibt Leute, die haben mehr dazu zu sagen haben als andere, und andere sind froh, wenn sie nur ihren Beitrag liefern können. Es hat eine offene Debatte stattgefunden, aufeinander eingehend, und natürlich in der wichtigsten aller Debatten – der Kaffeepause.“
Papst Franziskus – ergreift er auch das Wort oder hört er nur zu?
   „Der Papst hört nur zu. Am Anfang beginnt es mit einer Gebetszeit und auch am Ende steht ein Gebet, da ist er der Vorbeter, der das Gebet führt. Es ist ja eine geistliche Sache, keine Parlamentsdebatte. Aber während der einzelnen Beiträge schweigt der Papst nicht nur, sondern hört sehr aufmerksam zu und gibt nicht zu erkennen, ob er das gut findet oder schlecht findet, denn das wäre ja auch gefährlich, wenn er das gleich prägen würde. Er sitzt da und hört sich das an, macht sich Notizen, bedankt sich immer am Schluss und wünscht noch einen guten Appetit oder einen schönen Abend, bis morgen – wie man ihn so kennt, recht locker, aber auch aufmerksam. Es ist ja anstrengend, da zuzuhören, und er ist da voll dabei.“
Halbzeit ist jetzt – was kommt in der zweiten Woche?
   „Zunächst kommt die Relatio, also der dafür zuständige Kardinal Erdö von Budapest fasst alles zusammen, was in den vergangenen Tagen hier gesagt wurde, und das ist dann die Grundlage für die Kleingruppen. Die Kardinäle und Bischöfe, und die Auditoren gehen in Kleingruppen, die nach Sprachen organisiert sind. Da entschieden sie, über welche Themen sie reden wollen und haben dann vier Tage Zeit zu debattieren, was immer sie zu debattieren haben. Das geht dann wieder zurück an Erdö, und er macht wieder eine Zusammenfassung daraus. Schritt für Schritt wird die Dynamik der Debatte aufgefangen, auch in Texten aufgefangen, und am Schluss soll dann irgendeine Form von Dokument stehen, das wieder an die Kirche gegeben wird. Das ist eine Vorbereitungssynode für die nächste Synode. Wie das aussehen wird, ist noch nicht entschieden, ob das schon das Vorbereitungsdokument ist, ob da systematisch noch einmal die Kirche vor Ort einbezogen wird, ob es vielleicht sogar noch eine zweite Fragebogenaktion gibt – alle möglichen Dinge werden besprochen und angeregt, wir werden sehen, was dann dabei herauskommt.“
Sie haben schon andere Synoden im Vatikan erlebt, was unterscheidet diese hier von den anderen?
   „Es ist meine vierte Synode. Was mich am meisten überrascht ist, dass die alle begreifen, dass sie kein Dokument brauchen am Schluss. Sie brauchen keinen Kompromiss und können offen reden, und wenn die Frage offen bleibt, das sagte ein Synodenteilnehmer, dann ist das schon der erste große Erfolg der Synode. Sie reden nicht nach dem Motto, ich muss jetzt hier so sprechen, dass ich in eineinhalb Wochen einen Kompromiss abstimmen kann, sondern wir können alles auf den Tisch legen, was auf den Tisch gehört. Das ist, wenn ich das so ausdrücken darf, die Gnade dieser Synode, die dann darin mündet, dass man ein ganzes Jahr lang weiter debattieren wird.“  Rv141011gs

244-famSyn-x

 Zwischenbericht der Bischofssynode: Die Notwendigkeit mutiger pastoraler Entscheidungen

    Die zweite Woche der Versammlung der Bischofssynode beginnt und auf dem Programm stehen die Arbeit in den Arbeitsgruppen und das Erstellen eines Abschlusstextes. Die Grundlage für diese Arbeiten wurde vergangenes Wochenende erstellt und am Montag verlesen: Die Zusammenfassung der Beratungen der ersten Woche, die so genannte „relatio post disceptationem“.
Für Radio Vatikan fasst Pater Bernd Hagenkord fasst die Ergebnisse der Beratungen für uns zusammen.
   Kardinal Peter Erdö fiel die Aufgabe zu, die Zusammenfassung zu erstellen und vorzustellen. Als Relator hatte er nicht wie die übrigen Teilnehmer zwei freie Tage, sondern musste die 240 Beiträge in einen Gesamttext verarbeiten und den Synodenteilnehmern vorlegen.
  Die Relatio beginnt mit dem doppelten Ausgangspunkt, der sich auch in vielen der Statements in der Versammlung fand. Zum einen sei die Familie die Zelle der Gesellschaft und damit auch der Kirche, zum anderen gäbe es viele Krisensymptome, die eine erneuerte Verkündigung nötig machten.
   Der Text ist in drei Teile gegliedert: Zunächst wendet er sich den verschiedenen Realitäten und Wirklichkeiten zu, in denen Familie gelebt wird. Damit werden vor allem die Berichte und pastoralen Erfahrungen der Synoden- teilnehmer aufgegriffen. Dann folgt der Blick auf Christus und seinen Auftrag, die Frohe Botschaft zu verkünden. Im dritten Teil wendet man sich schließlich der Frage zu, was Wege sein könnten, „die Kirche und die Gesellschaft in ihrem Einsatz für die Familie zu erneuern“.
I. Das Hören: Der Kontext der Herausforderungen für die Familie
   Viel war in der ersten Woche von diesen Herausforderungen die Rede, einige universal, andere kulturell oder regional. Diese werden im ersten Teil in acht Abschnitten zusammengefasst. Es geht um den Individualismus und die Einsamkeit, um Polygamie und die Probleme, die in gemischt-religiösen Ehen entstehen, wenn es um Rechte und die christlichen Werte geht. Es geht aber auch um die Affektivität des Menschen und seine Fähigkeit, Bindungen zu leben. Dieser Teil macht deutlich, dass die Synodenteilnehmer nicht über eine idealisierte Vorstellung von Familie, sondern von deren konkreten Formen gesprochen haben. Die Kirche müsse hier „ein Wort der Hoffnung und des Sinns“ sprechen.
   Der einleitende Satz dieses Abschnitts gibt die Absicht gut wieder: „Der anthropologisch-kulturelle Wandel heute beeinflusst alle Bereiche des Lebens und erfordert eine analytische und breit gefächerte Untersuchung,  die fähig ist, die positiven Formen von individueller Freiheit zu erfassen.“ Es geht daher nicht um einen Familienbegriff unter Belagerung, sondern um das Erkennen von Herausforderungen und von Chancen.
II. Der Blick auf Christus: Die Frohe Botschaft von der Familie
   Mit dem Blick auf Christus öffnen sich neue Wege und noch nicht gedachte Möglichkeiten: Mit diesem Gedanken Papst Franziskus’ beginnt der zweite Teil der Relatio. Zwei Begriffe prägen ihn, zum einen der der Gradualität, welcher sehr deutlich und vielleicht überraschend bei den Beiträgen immer wieder zu Tage trat, und der der Barmherzigkeit Gottes, die Maßstab und Schlüssel zum Verstehen der Gebote Gottes sei.
   Gott habe die Gnade seines Bundes mit den Menschen auf verschiedene Weisen mitgeteilt, die es „zu unterscheiden ohne zu trennen“ gelte, wird über die Gradualität gesagt. „Kontinuität und Neuheit“ seien die beiden Perspektiven, in denen das Verstehen gesucht werden müsse.
  Die Ehe sei unauflöslich, das habe Jesus selbst bestätigt, die Ehepartner würden sich deswegen Treue und Offenheit für das Leben versprechen. So münde das Sakrament der Ehe in der Familie.
   In diesem Teil der Relation wird außerdem die Frage aufgegriffen, welche in der Synodenversammlung immer wieder gestellt wurde: Wie könne Menschen geholfen werden, deren Ehen gescheitert seien. Hier greift der Text eine Verstehens-Hilfe auf, die dem Zweiten Vatikanum entnommen ist Lumen Gentium 8, genauer dem Begriff des „subsistit“, der schwer zu übersetzen ist. Damit will der Text den Gedanken wiedergeben, dass es auch außerhalb sakramentaler Ehen Heiligung und Wahrheit geben könne. Verkürzend zusammengefasst kann man sagen, dass hier die Idee wiedergegeben wird, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt, Ehe und nicht Ehe, sondern Zwischentöne, eben Grade.  Was wiederverheiratete Geschiedene und ihre Zulassung zu den Sakramenten anginge, brauche es einen „geistlichen Unterscheidungsprozess“, so die Relatio.
   Ein drittes Thema dieses Teils sind die Partnerschaften, die nicht mit Blick auf eine sakramentale Verbindung geschlossen wurden und werden, auch hier brauche es den barmherzigen Blick Jesu, um die Haltung der Kirche neu zu formulieren.
III. Die Auseinandersetzung: Pastorale Perspektiven
   Der dritte Teil der Relation ist der längste Teil, er fügt die konkreten pastoralen Perspektiven und die grund- sätzlichen Überlegungen zusammen. Die Spannung zwischen lokaler Not und universaler Perspektive wird genannt, die Frage der Verkündigung, die Rolle der Familien in der Kirche, die Sprache der Kirche in ihrer Verkündigung und die Vorbereitung auf die Ehe und die Begleitung der Ehepaare nach der Eheschließung, um nur einige Punkte zu nennen.
   Ebenso wird jedoch betont, dass es gilt, sich nicht nur auf die sakramentale Ehe zu konzentrieren, sondern auch das Positive in anderen Partnerschaften zu sehen. Gleichzeitig gelte es aber auch, die eigene Vorstellung von Ehe und Sakrament zu bezeugen.
  Noch einmal geht es in diesem Teil um die „verwundeten Familien“, also um getrennt Lebende, wiederverheiratete und nicht wieder verheiratete Geschiedene. „In der Synode klang klar die Notwendigkeit für mutige pastorale Entscheidungen an“, heißt es in dem Text.Treu zur Frohen Botschaft von der Familie hätten die Beratungen gezeigt, dass die Synodenväter die Dringlichkeit für solche „neuen pastoralen Wege“ erkannt hätten. „Es ist nicht klug, an eine einzige Lösung für alles zu denken oder an Lösungen, die durch ein ‚alles oder nichts‘ inspiriert sind“, heißt es in dem Text.
   Noch einmal werden die geschiedenen Wiederverheirateten angesprochen, es geht um Ehenichtigkeitsverfahren und deren Verschlankung und die einzelnen Lösungsvorschläge aus der Debatte werden aufgeführt. Außerdem geht es um gleichgeschlechtliche Partnerschaften, auch hier nutzt der Text eine wertschätzende, keine beurteilende Sprache. Die Kirche könne ihre Partnerschaft nicht als Ehe sehen, die Relatio fragt aber, ob diese fähig sei, diese Gläubigen geschwisterlich aufzunehmen. 
Pastoral und Lehre
   Den gesamten Text prägt der Ansatz, dass die Kirche vor allem zuerst hören solle, bevor Antworten gegeben werden. Dem entspricht die Aufforderung, die Realität der Menschen zu schätzen und kennen zu lernen. Es ist ein sehr pastoraler Blick, wobei der Text nicht in die Falle tappt, Pastoral gegen Lehre auszuspielen, im Gegenteil. Auch sagt der Text nicht, die Frage der sakramentalen Ehe sei vor allem ein Vermittlungsproblem, die Herausforderungen werden sehr ernst genommen.
   Das Dokument endet mit der Perspektive über die Synodenversammlung hinaus: Man wolle mit diesem Dokument Fragen aufwerfen und Perspektiven eröffnen, die in den Reflexionen in den Ortskirchen während des Jahres der Vorbereitung auf die kommende Synode reifen und präzisiert werden sollen, so der letzte Abschnitt. Damit ist auch das weitere Vorgehen angedeutet: In der zweiten Woche werden die Arbeitsgruppen an diesem Text weiterarbeiten, vielleicht Änderungsvorschläge oder Präzisierungen erarbeiten, die dann vorgeschlagen werden. Es liegt aber bereits jetzt das Gerüst vor für das, was von nun an bis zur kommenden Versammlung der Bischofssynode debattiert werden soll. Rv141013ord

ff-244-x

ff-249-famSyn-xx    Die Botschaft der Familiensynode

  Diese Synodenbotschaft ist am Samstag von der 3. Außerordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode mit großer Mehrheit approbiert und veröffentlicht worden.
  Wir Synodenväter, die hier in Rom vor Papst Franziskus im Zuge der außerordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode versammelt sind, wenden uns an alle Familien der unterschiedlichen Kontinente und vor allem an jene, die Christus folgen‚ der Weg, Wahrheit und Leben ist. Wir verkünden unsere Bewunderung und unsere Dankbarkeit für das tägliche Zeugnis, das ihr uns und der Welt mit eurem Glauben, eurer Hoffnung und eurer Liebe zeigt.
  Auch wir, Hirten der Kirche, sind geboren und aufgewachsen in einer Familie mit unterschiedlichen Geschichten und Vorkommnissen. Als Priester und Bischöfe haben wir Familien getroffen und begleitet, die uns an ihren Geschichten teilhaben ließen in all ihren Facetten von Glanz und Schatten.
  Die Vorbereitung dieser synodalen Versammlung selbst, angefangen bei den Antworten aus den Fragebögen, die an alle Kirchen der Welt gingen, hat es uns erlaubt, die Stimme sehr vieler Erfahrungen in Familien zu hören. Unser Dialog in den vergangenen Tagen der Synode hat uns bereichert und uns geholfen, die gelebte und komplexe Realität der Familien zu betrachten.
  Euch präsentieren wir die Worte von Jesus Christus: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.“ Offb 3,20 So wie er es auch tat, während seiner langen Reise auf den Wegen im Heiligen Land, in die Häuser der Dörfer eintretend, so reist Jesus auch heute weiter und kreuzt die Straßen unseres Lebens. In euren Häusern erfährt man Licht und Schatten, schreckliche Herausforderungen, mitunter auch dramatische Prüfungen. Die Dunkelheit wird noch dichter, wenn sich ins Herz der Familie selbst das Böse und die Sünde einschleichen.
  Da gibt es vor allem anderen die große Herausforderung der Treue in der ehelichen Liebe. Eine Schwächung des Glaubens und der Werte, Individualismus, Verarmung der Beziehungen, Stress aus Raserei, die kein Nachdenken kennt, zeichnen auch das Leben der Familien. So sehen wir nicht wenige Ehe-Krisen, die dann oft oberflächlich angegangen werden und ohne den Mut der Geduld, der Überprüfung, des gegenseitigen Verzeihens, der Versöhnung und auch des Opfers. So bringt das Scheitern neue Beziehungen hervor, neue Paare, neue Verbindungen und neue Ehen, die komplizierte und problematische Familiensituationen für Christen ergeben.
  Unter diesen Herausforderungen wollen wir auch die Mühe der Existenz selbst hervorheben. Denken wir an das Leid, das in einem Kind mit Behinderung auftreten kann oder in einer schwere Krankheit, im mentalen Abbau des Alters oder im Tod eines geliebten Menschen. Bewundernswert ist die großzügige Treue der Familien, die diese Prüfung mit Mut, Liebe und Glaube durchleben und sie nicht ansehen als etwas, das ihnen entrissen oder auferlegt wird, sondern als eine Gabe und als etwas, das sie selbst geben, indem sie den leidenden Christus in den kranken Körpern erkennen.
  Denken wir an die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, verursacht durch perverse Systeme wie einem „Fetischismus des Geldes und der Wirtschaftsdiktatur ohne Gesicht und ohne menschliches Ziel“ Evangelii Gaudium, 55, der den Menschen entwürdigt. Denken wir an die arbeitslose Mutter oder den arbeitslosen Vater, die kraft- und machtlos sind, der Familie das Nötigste zu geben. Denken wir an Jugendliche, die sich vor leeren Tagen wiederfinden und leichte Beute für Drogen und Kriminalität werden.
  Denken wir auch an die vielen armen Familien, an jene, die sich an ein Boot klammern, um ein Ziel des Überlebens zu erreichen, an die Flüchtlingsfamilien, die ohne Hoffnung in der Wüste wandern, an jene Familien, die allein wegen ihres Glaubens und ihrer spirituellen und menschlichen Werte verfolgt werden, an jene, die von der Brutalität der Kriege und der Unterdrückung betroffen sind. Denken wir auch an die Frauen, die Gewalt leiden müssen und ausgebeutet etwa im Menschenhandel, denken wir an die Jugendlichen und die Kinder, die Opfer von Missbrauch werden, sogar durch jene, die sie eigentlich beschützen und in einer vertrauensvollen Umgebung gedeihen lassen sollten, und an die vielen gedemütigten und gequälten Familienmitglieder.
  „Die Kultur des Wohlstandes betäubt uns, […]während alle diese wegen fehlender Möglichkeiten unterdrückten Leben uns wie ein bloßes Schauspiel erscheinen, das uns in keiner Weise erschüttert. Evangelii Gaudium 54.
Appellieren wir an die Regierungen und an die internationalen Organisationen, die Familienrechte für ein besseres Gemeinwohl zu fördern.
  Christus wollte, dass seine Kirche ein Haus mit einer immer offenen Türe sei, offen in der Aufnahme, ohne irgendjemanden auszuschließen. Wir sind daher dankbar für die Priester, die Gläubigen und die Gemeinden, die Paare und Familien auf ihrem Weg begleiten und sich ihrer inneren und sozialen Wunden annehmen.
  Es gibt freilich auch das Licht, das abends hinter den Fenstern der Häuser in der Stadt leuchtet, in den bescheidenen Wohnstätten der Peripherie, in den Dörfern oder den Hütten: diese Licht leuchtet und erwärmt Körper und Seelen. Dieses Licht des hochzeitlichen Geschehens der Eheleute entzündet sich mit einer Begegnung: es ist eine Gabe, eine Gnade, die sich ausdrückt, wenn die beiden Gesichter genau gegenüber sind, in einer „Hilfe“, die ihnen „entspricht“, wie es im Schöpfungsbericht heißt Gen 2,18, das heißt, wenn sie ebenbürtig und wechselseitig sind. Die Liebe von Mann und Frau lehrt uns, dass jeder von beiden den anderen braucht, um er oder sie selbst zu sein, obwohl jeder sich vom anderen in seiner Identität unterscheidet, die sich in der gegenseitigen Hingabe öffnet und enthüllt. Das ist es, was die Frau im Hohelied Salomos suggestiv ausdrückt: „Ich gehöre meinem Geliebten und mein Geliebter gehört mir“.
  Damit diese Begegnung authentisch ist, beginnt der Weg mit der Verlobung, Zeit der Erwartung und der Vorbereitung. Sie verwirklicht sich in Fülle im Sakrament, wo Gott besiegelt, seine Gegenwart und seine Gnade gibt. Dieser Weg kennt auch Sexualität, Zärtlichkeit, Schönheit, die jenseits der jugendlichen Kraft und Frische fortdauern. Die Liebe neigt ihrer Natur zufolge danach, für immer zu sein, bis zur Hingabe des Lebens für den Menschen, den man liebt. In diesem Licht dauert die eheliche Liebe, die einmalig und unauflöslich ist, fort trotz der vielen Schwierigkeiten der menschlichen Beschränkung; sie ist eines der schönsten Wunder und zugleich das geläufigste.
  Diese Liebe verbreitet sich durch Fruchtbarkeit, die nicht bloß Fortpflanzung ist, sondern auch Geschenk des göttlichen Lebens in der Taufe, Erziehung und Katechese der Kinder. Sie ist auch Fähigkeit, das Leben schenken zu können, Zuneigung, Werte, eine Erfahrung, die auch jenen möglich ist, die sich nicht fortpflanzen können. Die Familien, die dieses lichtreiche Abenteuer leben, werden Zeugen für alle, besonders für die Jugendlichen.
  Während dieses Weges, der manchmal ein Höhenweg ist mit Mühen und Rückschritten, ist Gott gegenwärtig und begleitet. Die Familie erfährt dies in der Zuneigung und dem Gespräch zwischen Ehemann und Ehefrau, zwischen Eltern und Kinder, zwischen Brüdern und Schwestern. Weiterhin lebt sie dies im gemeinsamen Hören auf das Wort Gottes und im gemeinsamen Gebet, eine kleine Oase des Geistes, die man im Alltag schaffen kann. Dann gibt es das tägliche Bemühen in der Erziehung zum Glauben und zur Heiligkeit. Diese Aufgabe wird oft geteilt und mit großer Hingabe von Großeltern übernommen. So zeigt sich die Familie als wirkliche Hauskirche, die sich zur Familie der Familien ausdehnt, also die kirchliche Gemeinschaft. Die christlichen Eheleute sind dazu berufen, Meister im Glauben und in der Liebe zu werden, auch für junge Paare.
  Ein weiterer Ausdruck der geschwisterlichen Gemeinschaft ist jene der Nächstenliebe, der Nähe zu den Letzten, den Ausgegrenzten, Armen, Einsamen, Kranken, Ausländern, an alle Familien in der Krise, eingedenk des Wortes des Herrn: Geben ist seliger als Nehmen. Es ist ein Hingeben von Gütern, von Gesellschaft, von Liebe und Mitleid, und auch eine Bekundung der Wahrheit, des Lichts, des Lebenssinns.
  Der Gipfel, auf den alle Fäden der Gemeinschaft mit Gott und dem Nächsten zulaufen, ist die sonntägliche Eucharistie, wenn die Familie mit der gesamten Kirche am Tisch des Herrn Platz nimmt. Er gibt sich hin an uns alle, Pilger in der Geschichte mit dem Ziel der letzten Begegnung, wenn „Christus in allen sein wird“. Deshalb haben wir in der ersten Etappe unseres synodalen Weges über die seelsorgerliche Begleitung und den Zugang zu den Sakramenten der wiederverheirateten Geschiedenen gesprochen.
  Wir Synodenväter bitten euch, mit uns auf die nächste Synode hin zu gehen. Auf euch schwebt die Gegenwart der Familie von Jesus, Maria und Josef in ihrem bescheidenen Haus. Indem wir uns mit der Familie von Nazaret vereinen, tragen auch wir vor den Vater aller unsere Fürbitte für die Familien der Erde:
Vater, gib allen Familien die Gegenwart starker und weiser Eheleute, die Quelle einer freien und vereinten Familie seien. Vater, gib den Eltern, dass sie ein Haus haben mögen, wo sie in Frieden mit ihrer Familie leben können. rv141018no-gs

Relatio Synodi
Dritte   Außerordentliche   Generalversammlung  der Bischofssynode

„Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung“
Arbeitsübersetzung des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz

Einleitung
1.    Versammelt um den Papst richtet die Bischofssynode ihre Gedanken auf alle Familien der Welt mit ihren Freuden, ihren Sorgen und ihren Hoffnungen. Insbesondere fühlt sie sich verpflichtet, dem Herrn für die großherzige Treue zu danken, mit der viele christliche Familien auf ihre Berufung und ihren Auftrag antworten. Sie tun das mit Freude und im Glauben, auch wenn sie auf ihrem Weg als Familien auf Hindernisse, Verständnislosigkeit und Leiden stoßen. Diesen Familien gelten die Wertschätzung, der Dank und die Ermutigung der ganzen Kirche und dieser Synode. Während der Gebetswache auf dem Petersplatz am Samstag, den 4. Oktober 2014, hat Papst Franziskus zur Vorbereitung auf die Familiensynode in einfacher und konkreter Form an die Zentralität der Erfahrung von Familie im Leben eines jeden erinnert, als er sagte: „Mittlerweile senkt sich der Abend auf unsere Versammlung herab. Es ist die Zeit, in der man gerne nach Hause zurückkehrt, sich gemeinsam um den Tisch versammelt, in tiefer Zuneigung, in der Stärke des vollbrachten und empfangenen Guten, der Begegnungen, die das Herz erwärmen und es wachsen lassen, – guter Wein, der in des Menschen Tage das Fest ohne Untergang vorwegnimmt. Es ist auch die schwerste Stunde für denjenigen, der der eigenen Einsamkeit Auge in Auge gegenübersteht, in der bitteren Dämmerung der zerbrochenen Träume und gescheiterten Pläne: wie viele Menschen schleppen die Tage in die Sackgasse der Entmutigung, des Aufgebens oder zumindest des Grolls. In wie vielen Häusern fehlt der Wein der Freude und damit der Geschmack des Lebens, die Weisheit des Lebens selbst (…). Den einen wie den anderen geben wir an diesem Abend die Stimme mit unserem Gebet, einem Gebet für alle.“ (ja 175 / nein 1)
2.    Als Schoß der Freude und der Prüfungen, der tiefen Zuneigung und der zuweilen verletzten Beziehungen ist die Familie in der Tat die „Schule der Humanität“ vgl. Gaudium et Spes, 52, und wir spüren, wie sehr wir diese brauchen. Trotz der vielen Anzeichen einer Krise der Institution Familie in den verschiedenen Umgebungen des „globalen Dorfes“ bleibt der Wunsch nach Familie lebendig, besonders unter den jungen Menschen. Er bestärkt die Kirche, erfahren in der Humanität und getreu ihrer Mission, das „Evangelium der Familie“ unablässig und in tiefer Überzeugung zu verkünden, das ihr mit der Offenbarung der Liebe Gottes in Jesus Christus anvertraut und von den Kirchenvätern, den Meistern der Spiritualität und vom Lehramt der Kirche ohne Unterbrechung vermittelt wurde. Die Familie hat für die Kirche eine ganz besondere Bedeutung und in dem Moment, in dem alle Gläubigen eingeladen sind, aus sich selbst herauszugehen, ist es notwendig, dass die Familie sich als unverzichtbares Subjekt der Evangelisierung wiederentdeckt. Wir denken an das missionarische Zeugnis vieler Familien.  (ja 179 / nein 0)
3.    Der Bischof von Rom hat die Bischofssynode aufgefordert, bei ihrer Außerordentlichen Vollversammlung im Oktober über die entscheidende und wertvolle Realität der Familie nachzudenken, um diese Gedanken bei der Ordentlichen Vollversammlung im Oktober 2015 zu vertiefen, wie auch in den zwölf Monaten zwischen den beiden synodalen Ereignissen. „Bereits das ‚convenire in unum‘ um den Bischof von Rom ist ein Ereignis der Gnade, in dem die bischöfliche Kollegialität auf einem Weg der geistlichen und pastoralen Unterscheidung zum Ausdruck kommt“ Papst Franziskus: Ansprache vom 4. Oktober 2014. So hat Papst Franziskus die synodale Erfahrung beschrieben und die Verpflichtung zum zweifachen Hören aufgezeigt: dem Hören auf die Zeichen Gottes und dem Hören auf die Geschichte der Menschen sowie die Aufgabe der zweifachen und einzigen Treue, die daraus folgt. (ja 178 / nein 1)
4.    Im Lichte dieser Rede haben wir die Ergebnisse unserer Überlegungen und Gespräche in den folgenden drei Teilen gesammelt: Das Zuhören, um die Realität der heutigen Familie in ihrer Vielschichtigkeit, mit Licht und Schatten, erkennen zu können; der auf Christus gerichtete Blick, um mit neuer Frische und Begeisterung darüber nachzudenken, was uns die im Glauben der Kirche überlieferte Offenbarung über die Schönheit, die Rolle und Würde der Familie sagt; die vergleichende Sichtung im Licht Jesu, um zu erkennen, wie wir Kirche und Gesellschaft neue Impulse geben können für ihr Bemühen um die Familie, die auf der Ehe zwischen Mann und Frau basiert.
(ja 180 / nein 2)
Erster Teil:
Das Hören: Der Kontext und die Herausforderungen für die Familie. Der soziokulturelle Kontext

5.    In Treue zur Lehre Christi betrachten wir die Wirklichkeit der heutigen Familie in ihrer ganzen Komplexität, mit ihren Licht- und Schattenseiten. Wir denken an die Eltern, an die Großeltern, an die Brüder und Schwestern, an die nahen und fernen Verwandten und an das Band zwischen zwei Familien, das durch jede Ehe geknüpft wird. Der anthropologisch-kulturelle Wandel beeinflusst heute alle Aspekte des Lebens und erfordert eine analytische und differenzierte Annäherung. Es gilt zuallererst, die positiven Aspekte zu unterstreichen: die größere Ausdrucks- freiheit und die bessere Anerkennung der Rechte der Frau und der Kinder, zumindest in einigen Regionen. Doch andererseits muss ebenso die wachsende Gefahr beachtet werden, die im ausufernden Individualismus zum Ausdruck kommt, der die familiären Bindungen entstellt und darin gipfelt, die Mitglieder der Familie wie Inseln zu sehen. In einigen Fällen überwiegt so die Vorstellung eines Subjekts, das sich nur nach den eigenen Wünschen formt, als wäre es von allem losgelöst. Hinzu kommt die Krise des Glaubens, die viele Katholiken betrifft und die oft an der Wurzel der Krise von Ehe und Familie zu finden ist.  (ja 177 / nein 3)
6.    Eine der größten Armutserscheinungen der heutigen Kultur ist die Einsamkeit als Ergebnis der Abwesenheit Gottes im Leben der Menschen und der Zerbrechlichkeit der Beziehungen. Es gibt außerdem ein allgemeines Gefühl der Ohnmacht angesichts der sozioökonomischen Wirklichkeit, die oft damit endet, dass Familien erdrückt werden. Das gilt etwa mit Blick auf die wachsende Armut und prekäre Arbeitsverhältnisse, die bisweilen als wahrer Alptraum erlebt werden, oder hinsichtlich einer allzu drückenden Steuerbelastung, die junge Menschen sicherlich nicht zum Heiraten ermutigt. Oft fühlen sich die Familien verlassen, aus Desinteresse und der geringen Aufmerksamkeit vonseiten der Institutionen. Die negativen Folgen für den Zusammenhalt der Gesellschaft sind überall sichtbar: von der demografischen Krise bis zu den Schwierigkeiten bei der Erziehung, vom Zaudern bei der Annahme des ungeborenen Lebens bis zur Wahrnehmung alter Menschen als Last, bis hin zur Ausbreitung einer Gefühlskälte, die manchmal in Gewalt gipfelt. Der Staat hat die Verantwortung, rechtliche und wirtschaftliche Bedingungen zu schaffen, die Jugendlichen eine Zukunft garantieren und ihnen beim Vorhaben der Familiengründung helfen.
(ja 175 / nein 5)
7.    Einige kulturelle und religiöse Kontexte stellen besondere Herausforderungen dar. In einigen Gesellschaften besteht noch die Praxis der Polygamie und in einigen traditionellen Kontexten die Sitte der „Ehe in Etappen“. In anderen Kontexten hält sich die Praxis der arrangierten Ehen. In Ländern, in denen die Präsenz der katholischen Kirche gering ist, gibt es viele gemischtreligiöse Ehen mit unterschiedlichen Kulten und mit allen bekannten Schwierigkeiten hinsichtlich ihrer juristischen Form, der Taufe und Kindererziehung sowie auch mit Blick auf den gegenseitigen Respekt gegenüber dem anderen Glauben. In diesen Ehen kann die Gefahr des Relativismus oder der Gleichgültigkeit gegeben sein, aber sie können auch den ökumenischen Geist und den interreligiösen Dialog von Gemeinschaften befördern, die harmonisch zusammenleben. In vielen Bereichen, nicht nur im Westen, ist das Zusammenleben von Paaren vor der Ehe weit verbreitet oder auch das Zusammenleben ganz ohne die Absicht, der Partnerschaft eine institutionalisierte Bindung zu geben. Dazu kommt oft eine zivile Gesetzgebung, die Ehe und Familie gefährdet. Aufgrund der Säkularisierung ist in vielen Teilen der Welt die Bindung an Gott stark zurückgegangen und  der Glaube ist kein gesellschaftliches Gemeingut mehr.  (ja 170 / nein 9)
8.    Viele Kinder werden unehelich geboren, besonders in einigen Ländern, und viele von ihnen wachsen dann mit nur einem Elternteil oder in einem erweiterten oder neugebildeten Familienumfeld auf. Die Zahl der Scheidungen wächst und nicht selten werden Entscheidungen allein von wirtschaftlichen Faktoren bestimmt. Die Kinder sind häufig Streitobjekt ihrer Eltern und die Kinder sind dann die wahren Opfer familiärer Zerwürfnisse. Die Väter sind oft abwesend, nicht nur aus ökonomischen Gründen, gerade dort, wo es nötig wäre, dass sie klarer die Verantwortung für die Kinder und die Familie übernehmen. Die Anerkennung der Würde der Frau muss noch weiter verbreitet und gefördert werden. Tatsächlich ist die Frau heute vielfach des Diskriminierung ausgesetzt und auch das Geschenk der Mutterschaft führt oft eher zu Nachteilen als dass es wertgeschätzt wird. Vergessen dürfen wir auch nicht die zunehmende Gewalt gegen Frauen, manchmal leider auch innerhalb der Familien, und der schlimmen, in einigen Kulturen verbreiteten Genitalverstümmelung. Schließlich ist die sexuelle Ausbeutung von Kindern eine der skandalösesten und perversesten Wirklichkeiten der heutigen Gesellschaft. Auch die von kriegerischer Gewalt, Terrorismus oder organisierter Kriminalität heimgesuchten Gesellschaften erleben, dass sich die Lage der Familien verschlechtert. Vor allem in den großen Metropolen und ihren Randgebieten wächst das Phänomen der sogenannten Straßenkinder. Die Migration ist ein weiteres Merkmal der Zeit und muss mit all ihren Belastungen für die Familie verstanden und angepackt werden. (ja 179 / nein 1)
Die Bedeutung des Gefühlslebens
9.    In dem skizzierten gesellschaftlichen Rahmen zeigt sich in vielen Teilen der Welt beim Einzelnen das Bedürfnis, sich mehr um die eigene Person zu kümmern, sich innerlich zu erforschen, in besserem Einklang mit den eigenen Gefühlen und Emotionen zu leben, qualitätsvolle Partnerschaften zu suchen; dieses gerechtfertigte Streben kann zu dem Wunsch führen, Beziehungen zu schaffen, die auf Hingabe und gegenseitigem Wachsen beruhen, verantwortungsvoll und solidarisch wie jene der Familie. Doch die Gefahr des Individualismus und die Versuchung, in egoistischer Weise zu leben, sind groß. Die Kirche ist gefordert, Paaren bei der emotionalen Reifung und bei der Entwicklung ihrer gefühlsmäßigen Bindung zu helfen, indem sie den Dialog, die Tugend und das Vertrauen auf die barmherzige Liebe Gottes fördert. Der volle Einsatz, den eine christliche Ehe erfordert, kann ein starkes Mittel gegen die Versuchungen eines egoistischen Individualismus sein. (ja 171 / nein 8)
10.    In der heutigen Welt fehlt es nicht an kulturellen Tendenzen, die ein grenzenloses Gefühlsleben propagieren, in dem restlos alle Seiten erkundet werden sollen. Und so ist die Frage der Zerbrechlichkeit von Gefühlen drängender denn je. Es existiert ein narzisstisches, instabiles und veränderliches Gefühlsleben, das dem Einzelnen nicht immer hilft, zu reifen. Besorgnis erregt eine gewisse Verbreitung der Pornografie und der Vermarktung des Körpers, begünstigt durch den Missbrauch des Internets. Zu beklagen ist die Situation der Menschen, die zur Prostitution gezwungen werden. In diesem Gesamtkontext sind Paare manchmal unsicher, zögernd und haben Mühe, die Wege zu finden, auf denen sie wachsen können. Viele neigen dazu, in den frühen Stadien ihres Gefühls- und Sexuallebens stehenzubleiben. Die Krise der Paarbeziehungen destabilisiert die Familie und kann durch Trennungen und Scheidungen schwere Konsequenzen für Erwachsene, Kinder und die ganze Gesellschaft haben, indem sie den Einzelnen und die sozialen Bindungen schwächt. Auch der demografische Rückgang, hervorgerufen durch eine geburtenfeindliche Mentalität und eine weltweite verhütungsfördernde Politik, führt nicht nur zu einer Situation, in der der Generationenwechsel nicht mehr gesichert ist, sondern mit der Zeit auch zu dem Risiko einer wirtschaftlichen Verarmung und dem Verlust des Vertrauens in die Zukunft. Die Entwicklung der Biotechnologie hat sich ebenfalls stark auf die Geburtenrate ausgewirkt.  (ja 174 / nein 8)
Die Herausforderung für die Seelsorge
11.    In diesem Zusammenhang spürt die Kirche die Notwendigkeit, ein Wort der Wahrheit und der Hoffnung auszusprechen. Wir sollten von der Überzeugung ausgehen, dass der Mensch von Gott kommt und dass daher ein Nachdenken, das die großen Fragen über die Bedeutung des Menschseins neu stellt, angesichts der tiefsten Erwartungen der Menschheit auf fruchtbaren Boden fallen kann. Die großen Werte der christlichen Ehe und Familie entsprechen jener Suche, die jede menschliche Existenz durchzieht, auch in einer von Individualismus und Hedonismus geprägten Zeit. Man muss die Menschen in ihrer konkreten Existenz annehmen, ihnen bei ihrer Suche beistehen, sie in ihrer Sehnsucht nach Gott und in ihrem Wunsch nach voller Teilhabe an der Kirche ermutigen, auch jene, die eine Erfahrung des Scheiterns gemacht haben oder sich in verzweifelten  Situationen befinden. Die christliche Botschaft enthält immer die Wirklichkeit und Dynamik der Barmherzigkeit und der Wahrheit, die in Christus ein und dasselbe sind. (ja 173 / nein 6)
Zweiter Teil: Der Blick auf Christus: Das Evangelium der Familie -
Der Blick auf Jesus und die göttliche Pädagogik in der Heilsgeschichte

12.    „Denn wenn wir wirklich unsere Schritte auf dem Terrain der zeitgenössischen Herausforderungen verifizieren wollen, dann besteht die entscheidende Bedingung darin, den Blick fest auf Jesus Christus gerichtet zu halten, in der Kontemplation und Anbetung seines Antlitzes zu verweilen (…). Denn jedes Mal, wenn wir zur Quelle der christlichen Erfahrung zurückkehren, dann öffnen sich neue Wege und ungeahnte Möglichkeiten“ Papst Franziskus, Ansprache vom 4. Oktober 2014. Jesus hat mit Liebe und Zärtlichkeit auf die Männer und Frauen geblickt, die ihm begegneten, und er hat ihre Schritte mit Wahrheit, Milde und Barmherzigkeit begleitet, als er die Forderungen verkündete, die das Gottesreich an uns stellt. (ja 176 / nein 3)
13.    Weil die Schöpfungsordnung von der Orientierung auf Christus her bestimmt ist, müssen wir – ohne sie voneinander zu trennen – die verschiedenen Grade unterscheiden, durch die Gott der Menschheit die Gnade seines Bundes vermittelt. Nach dem göttlichen Erziehungsplan für die Menschheit entwickelt sich diese Schöpfungsordnung schrittweise hin zur Erlösung. Die Pädagogik Gottes für die Menschen besteht darin, dass sich die Schöpfungsordnung schrittweise in die Ordnung der Erlösung hinein entwickelt. Und so muss auch das Neue am christlichen Ehesakrament in Kontinuität zur natürlichen Ehe zu Beginn der Menschheitsgeschichte verstanden werden. So erkennt man hier den Heilsplan Gottes sowohl in der Schöpfung als auch in einer christlichen Lebensführung. In der Schöpfung: Weil alles durch Christus und auf ihn geschaffen wurde vgl. Kol 1,16, sollen die Christen „mit Freude und Ehrfurcht (…) die Saatkörner des Wortes aufspüren, die in ihnen verborgen sind. Sie sollen aber auch den tiefgreifenden Wandlungsprozess wahrnehmen, der sich in diesen Völkern vollzieht“ Ad Gentes,11. Im Leben des Christen: Insofern er durch die Taufe in die Kirche eingefügt wird, vermittelt durch jene Hauskirche, die seine Familie ist, tritt er ein in jenen „dynamischen Prozess von Stufe zu Stufe entsprechend der fortschreitenden Hereinnahme der Gaben Gottes“ Familiaris Consortio, 9, durch die beständige Umkehr zur Liebe, die von der Sünde erlöst und Leben in Fülle schenkt. ja 174 / nein 7
14.    Jesus selbst bestätigt die unauflösliche Verbindung von Mann und Frau, wenn er über den Schöpfungsplan für das menschliche Paar spricht und so argumentiert: „Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so“ Mt 19,8. Die Unauflöslichkeit der Ehe „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“, Mt 19,6 ist nicht als ein dem Menschen auferlegtes „Joch“ zu verstehen, sondern als ein Geschenk für die in der Ehe vereinten Menschen. Auf diese Weise zeigt Jesus, wie Gottes Güte den Weg der Menschen immer begleitet, die verhärteten Herzen heilt und durch seine Gnade verwandelt und sie über den Weg des Kreuzes auf ihren Ursprung hin ausrichtet. Aus den Evangelien geht klar das Beispiel Jesu hervor, der das Vorbild der Kirche ist. So hat Jesus eine Familie angenommen, er hat bei der Hochzeit in Kanaa sein erstes Zeichen gewirkt, er hat die Botschaft von der Bedeutung der Ehe als Vollendung der Offenbarung verkündet, die den ursprünglichen Plan Gottes wiederherstellt Mt 19,3. Doch gleichzeitig hat er die verkündete Lehre umgesetzt und so die wahre Bedeutung der Barmherzigkeit offenbart. Das geht klar aus den Begegnungen mit der Samariterin Joh 4,1–30 und mit der Ehebrecherin Joh 8,1-11 hervor, in denen Jesus, voller Liebe gegenüber dem sündigen Menschen, zur Reue und zur Umkehr als der Bedingung für die Vergebung führt „Geh und sündige von nun an nicht mehr“. (ja 164 / nein 18)
Die Familie im göttlichen Heilsplan
15.    Die Worte über das ewige Leben, die Jesus seinen Jüngern hinterlassen hat, schließen die Lehre über die Ehe und die Familien ein.  Diese Lehre Jesu lässt uns den Plan Gottes in drei grundlegenden Abschnitten erkennen. An seinem Beginn steht die Ursprungsfamilie, mit der der Schöpfergott die ursprüngliche Ehe zwischen Adam und Eva als feste Grundlage der Familie gestaltete.  Gott hat den Menschen nicht nur als Mann und Frau geschaffen Gen 1, 27, sondern er hat sie auch gesegnet, damit sie fruchtbar seien und sich vermehren Gen 1,28. Deshalb „verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden ein Fleisch“ Gen 2,24. Diese Einheit wurde durch die Sünde verletzt und wurde zur historischen Form der Ehe im Volk Gottes, dem Mose die Möglichkeit gab, sich scheiden zu lassen vgl. Dtn 24,1 f..Dies war in der Zeit Jesu die übliche Praxis. Doch mit seiner Ankunft und mit der durch seinen Erlösungstod bewirkten Versöhnung der sündhaften Welt ging die Ära des Moses zu Ende.
(ja 167 / nein 13)
16.    Jesus, der alles in sich versöhnt hat, hat Ehe und Familie zu ihrer ursprünglichen Form zurückgeführt vgl. Mk 10,1–12. Christus hat Ehe und Familie erlöst vgl. Eph 5,21–32 und wiederhergestellt nach dem Bild der Heiligsten Dreifaltigkeit, dem Geheimnis, aus dem jede Liebe entstammt. Der eheliche Bund, der in der Schöpfung eingerichtet und in der Heilsgeschichte offenbart wurde, erhält die volle Offenbarung seiner Bedeutung in Christus und seiner Kirche. Ehe und Familie empfangen durch Christus die unabdingbare Gnade, um Gottes Liebe zu bezeugen und um als Einheit zu leben. Das Evangelium der Familie ist Bestandteil der Weltgeschichte, von der Erschaffung des Menschen nach dem Bild Gottes vgl. Gen 1,26–27 bis zur Erfüllung des Geheimnisses des Bundes in Christus am Ende der Zeit mit dem Hochzeitsmahl des Lammes. vgl. Offb 19,9; Papst Johannes Paul II., Katechese über die menschliche Liebe.  (ja 171 / nein 8)
Die Familie in den Texten der Kirche
17.    „Im Verlauf der Jahrhunderte hat es die Kirche nicht an der beständigen Lehre über die Ehe und die Familie fehlen lassen. Eine der höchsten Ausdrucksformen dieses Lehramtes ist vom II. Vatikanischen Konzil in der Pastoralkonstitution Gaudium et Spes vorgelegt worden, die ein ganzes Kapitel der Förderung der Würde von Ehe und Familie widmet vgl. Gaudium et Spes, 47–52. Hier ist die Ehe als Gemeinschaft des Lebens und der Liebe definiert worden vgl. Gaudium et Spes, 48, wobei die Liebe in die Mitte der Familie gestellt und zugleich die Wahrheit dieser Liebe angesichts der verschiedenen Formen des Reduktionismus, wie sie in der heutigen Kultur gegenwärtig sind, gezeigt wird. Die „wahre Liebe zwischen Mann und Frau“ Gaudium et Spes, 49 umfasst die gegenseitige Hingabe seiner selbst, und schließt nach dem Plan Gottes auch die sexuelle Dimension und die Affektivität ein und integriert sie vgl. Gaudium et Spes, 48–49. Darüber hinaus unterstreicht Gaudium et Spes, Nr. 48 die Verwurzelung der Brautleute in Christus: Christus, der Herr, „begegnet den christlichen Gatten im Sakrament der Ehe“ und bleibt bei ihnen. In der Menschwerdung nimmt Er die menschliche Liebe an, reinigt sie, bringt sie zur Vollendung, und schenkt den Brautleuten mit seinem Geist die Fähigkeit, sie zu leben, indem er ihr ganzes Leben mit Glaube, Hoffnung und Liebe durchdringt. Auf diese Weise werden die Brautleute gleichsam geweiht und bauen durch eine eigene Gnade den Leib Christi auf, indem sie eine Hauskirche bilden vgl. Lumen Gentium, 11. Daher schaut die Kirche, um ihr eigenes Geheimnis in Fülle zu verstehen, auf die christliche Familie, die es in ganz eigener Weise darlebt Instrumentum Laboris, 4.  (ja 174 / nein 6)
18.    „Auf der Linie des II. Vatikanischen Konzils hat das päpstliche Lehramt die Lehre über Ehe und Familie vertieft. Besonders Papst Paul VI. hat, mit der Enzyklika Humanae Vitae, das innere Band zwischen der ehelichen Liebe und der Weitergabe des Lebens ins Licht gehoben. Der heilige Johannes Paul II. hat der Familie durch seine Katechesen über die menschliche Liebe, den Brief an die Familien Gratissimam Sane und vor allem durch das Apostolische Schreiben Familiaris Consortio eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. In diesen Dokumenten hat der Papst die Familie als den „Weg der Kirche“ bezeichnet, und eine Gesamtschau der Berufung des Mannes und der Frau zur Liebe dargeboten. Zugleich hat er die Grundlinien der Familienpastoral und für die Gegenwart der Familie in der Gesellschaft vorgelegt. Vor allem hat er, im Zusammenhang mit der ehelichen Liebe vgl. Familiaris Consortio, 13, die Art und Weise beschrieben, in der die Eheleute in ihrer gegenseitigen Liebe die Gabe des Geistes Christi empfangen und ihre Berufung zur Heiligkeit leben“ Instrumentum Laboris, 5. (ja 175 / nein 5)
19.    „In der Enzyklika Deus Caritas est hat Papst Benedikt XVI. das Thema der Wahrheit der Liebe zwischen Mann und Frau wieder aufgegriffen, das erst im Licht der Liebe des gekreuzigten Christus vollkommen deutlich wird vgl. Deus Caritas est, 2. Er unterstreicht: „Die auf einer ausschließlichen und endgültigen Liebe beruhende Ehe wird zur Darstellung des Verhältnisses Gottes zu seinem Volk und umgekehrt: die Art, wie Gott liebt, wird zum Maßstab menschlicher Liebe“ Deus Caritas est, 11. Darüber hinaus unterstreicht die Enzyklika Caritas in Veritate die Bedeutung der Liebe als Prinzip des Lebens in der Gesellschaft vgl. Caritas in Veritate, 44, dem Ort, an dem man die Erfahrung des Gemeinwohls lernt“ Instrumentum Laboris, 6. (ja 176 / nein 5)
20.    „In der Enzyklika Lumen fidei greift Papst Franziskus den Zusammenhang von Familie und Glauben auf und schreibt: „Christus zu begegnen und sich von seiner Liebe ergreifen und führen zu lassen weitet den Horizont des Lebens und gibt ihm eine feste Hoffnung, die nicht zugrunde gehen lässt. Der Glaube ist nicht eine Zuflucht für Menschen ohne Mut, er macht vielmehr das Leben weit. Er lässt eine große Berufung entdecken, die Berufung zur Liebe, und er garantiert, dass diese Liebe verlässlich ist und es wert ist, sich ihr zu übereignen, da ihr Fundament auf der Treue Gottes steht, die stärker ist als all unsere Schwäche“ Lumen Fidei, 53,Instrumentum Laboris, 7.
(ja 178 / nein 3)
Die Unauflöslichkeit der Ehe und die Freude des Zusammenlebens
21.    Das gegenseitige Geschenk, das in der sakramentalen Ehe zum Ausdruck kommt, hat ihren Ursprung in der Gnade der Taufe, die den Bund mit Christus und seiner Kirche begründet. In gegenseitiger Annahme und mit der Gnade Christi versprechen sich die Eheleute vollkommene Hingabe, Treue und Offenheit für das Leben. Sie erkennen die Gaben, die Gott ihnen schenkt, als konstitutive Elemente der Ehe an und nehmen ihre gegenseitige Verpflichtung in seinem Namen gegenüber der Kirche ernst. Im Glauben ist es dann möglich, die Güter der Ehe als Aufgabe anzunehmen, die durch die Gnade der Sakramente besser erfüllt werden kann. Gott heiligt die Liebe der Eheleute und bestätigt ihre Unauflöslichkeit, indem er ihnen hilft, Treue, gegenseitige Zuwendung und Offenheit für das Leben zu leben. Deshalb blickt die Kirche auf die Eheleute als das Herz der ganzen Familie, die ihrerseits auf Jesus blickt. (ja 181 / nein 1)
22.    In derselben Perspektive machte sich das Zweite Vatikanische Konzil die apostolische Lehre zu eigen, wonach die ganze Schöpfung in Christus und im Hinblick auf ihn gedacht ist, und sprach der natürlichen Ehe und den wertvollen Elementen, die in den anderen Religionen trotz ihrer Grenzen und Beschränktheiten vorhanden sind vgl. Nostra Aetate, 2, seine Wertschätzung aus. Das Vorhandensein der „semina Verbi“ in den Kulturen vgl.Ad Gentes, 11 könnte also teilweise auch für die Ehe und die Familie vieler Kulturen und Nichtchristen angewendet werden. Es gibt also auch gültige Elemente außerhalb der christlichen Ehe – solange sie auf der dauerhaften und wahrhaftigen Beziehung zwischen Mann und Frau gründen –, die wir in jedem Fall als darauf hinorientiert betrachten. Mit ihrem Blick auf die menschliche Weisheit der Völker und Kulturen erkennt die Kirche auch diese Familien als notwendige und fruchtbare Grundzelle des menschlichen Zusammenlebens an. (ja 160 / nein 22)
Wahrheit und Schönheit der Familie und Barmherzigkeit gegenüber den verletzten und schwachen Familien
23.    Mit großer Freude und tiefem Trost blickt die Kirche auf die Familien, die den Lehren des Evangeliums treu bleiben. Sie dankt ihnen für ihr Zeugnis und ermutigt sie darin. Durch sie werden die Schönheit der unauflöslichen Ehe und ihre immer dauernde Treue glaubwürdig. In der Familie, die man als „Hauskirche“ ansprechen könnte Lumen Gentium, 11 reift die erste kirchliche Erfahrung der Gemeinschaft unter den Menschen, in der sich durch die Gnade das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit spiegelt. „Hier lernt man Ausdauer und Freude an der Arbeit, geschwisterliche Liebe, großmütiges, ja wiederholtes Verzeihen und vor allem den Dienst Gottes in Gebet und Hingabe des Lebens“ Katechismus der Katholischen Kirche, 1657. Die heilige Familie von Nazareth ist ihr wunderbares Vorbild, durch deren Schule wir „verstehen, warum wir eine geistliche Disziplin halten müssen, wenn wir der Lehre des Evangeliums Jesu folgen und Jünger Christi werden wollen“ sel. Papst Paul VI., Ansprache in Nazareth, 5. Januar 1964. Das Evangelium der Familie hegt auch jene Saatkörner, die noch nicht reif sind, und muss jene Bäume pflegen, die ausgedörrt sind und nicht vernachlässigt werden dürfen. (ja 169 /nein 10)
24.    Als verlässliche Lehrerin und fürsorgliche Mutter weiß die Kirche – obwohl sie erkennt, dass es für die Getauften kein anderes als das sakramentale Eheband gibt und dass jeder Bruch desselben Gottes Willen zuwiderläuft – auch um die Schwäche vieler ihrer Kinder, die sich auf dem Weg des Glaubens schwer tun. „Daher muss man, ohne den Wert des vom Evangelium vorgezeichneten Ideals zu mindern, die möglichen Wachstumsstufen der Menschen, die Tag für Tag aufgebaut werden, mit Barmherzigkeit und Geduld begleiten (…). Ein kleiner Schritt inmitten großer menschlicher Begrenzungen kann Gott wohlgefälliger sein als das äußerlich korrekte Leben dessen, der seine Tage verbringt, ohne auf nennenswerte Schwierigkeiten zu stoßen. Alle müssen von dem Trost und dem Ansporn der heilbringenden Liebe Gottes erreicht werden, der geheimnisvoll in jedem Menschen wirkt, jenseits seiner Mängel und Verfehlungen“ Evangelii Gaudium, 44. (ja 170 / nein 11)
25.    Die Kirche hat gemäß ihres seelsorgerischen Ansatzes die Aufgabe, jenen, die nur zivil verheiratet sind oder die geschieden und wiederverheiratet sind oder einfach so zusammenleben, die göttliche Pädagogik der Gnade in ihrem Leben zu zeigen und ihnen zu helfen, die Fülle des göttlichen Plans zu erreichen. Dem Blick Christi folgend, dessen Licht jeden erleuchtet vgl. Joh 1,9; Gaudium et Spes, 22, wendet sich die Kirche liebevoll jenen zu, die auf unvollendete Weise an ihrem Leben teilnehmen. Sie erkennt an, dass Gottes Gnade auch in ihrem Leben wirkt, und ermutigt sie, das Gute zu tun, um liebevoll füreinander zu sorgen und ihren Dienst für die Gemeinschaft, in der sie leben und arbeiten, zu erfüllen. (ja 140 / nein 39)
26.    Die Kirche blickt mit Sorge auf das Misstrauen vieler junger Menschen gegenüber dem Eheversprechen. Sie leidet darunter, wie schnell viele Gläubige dem eingegangenen Bund ein Ende setzen und einen neuen eingehen. Diese Gläubigen, die zur Kirche gehören, brauchen eine barmherzige und ermutigende seelsorgerische Zuwendung, wobei die jeweiligen Situationen angemessen zu unterscheiden sind. Die jungen Getauften sollen ermutigt werden, nicht zu zaudern angesichts des Reichtums, den das Ehesakrament ihrem Verständnis von Liebe schenkt,  gestärkt vom Beistand der Gnade Christi und der Möglichkeit, ganz am Leben der Kirche teilzunehmen. (ja 166 / nein 14)
27.    In diesem Sinn besteht für die heutige Familienpastoral eine neue Dimension, indem sie sich der Realität der Zivilehe zwischen Mann und Frau, den Ehen gemäß älteren kulturellen Bräuchen und – bei aller gebührenden Unterscheidung – auch den unverheiratet zusammenlebenden Paaren widmet. Wenn eine Verbindung durch einen öffentlich sichtbaren Bund offenkundig Stabilität erlangt, wenn sie geprägt ist von tiefer Zuneigung, Verantwortung gegenüber den Kindern, von der Fähigkeit, Prüfungen zu bestehen, kann dies ein Grund sein, sie auf ihrem Weg zum Ehesakrament zu begleiten. Doch sehr oft fällt die Entscheidung für das Zusammenleben ohne jeden Plan für eine mögliche künftige Heirat, ohne jede Absicht einer institutionellen Bindung. (ja 147 / nein 34)
28.    Im Einklang mit der Barmherzigkeit Christi muss die Kirche ihre schwächsten Kinder aufmerksam und fürsorglich begleiten, die unter verletzter und verlorener Liebe leiden, und ihnen Vertrauen und Hoffnung geben.  Wie das Licht eines Leuchtturms im Hafen oder einer Fackel, die den Menschen gebracht wird, um jene zu erleuchten, die die Richtung verloren haben oder sich in einem Sturm befinden. Im Bewusstsein, dass die größte Barmherzigkeit darin besteht, mit Liebe die Wahrheit zu sagen, geht es uns um mehr als Mitleid. Wie die barmherzige Liebe anzieht und vereint, so verwandelt und erhebt sie auch. Sie lädt zur Umkehr ein. So verstehen wir auch die Haltung des Herrn, der die Ehebrecherin nicht verurteilt, sondern sie auffordert, nicht mehr zu sündigen vgl.Joh 8,1–11. (ja 152 / nein 27)
Dritter Teil:
Die Auseinandersetzung: Pastorale Perspektiven.
Das Evangelium der Familie heute in den unterschiedlichen Lebenszusammenhängen verkünden

29.    Der synodale Dialog hat sich mit einigen dringlicheren pastoralen Anliegen befasst, die in Gemeinschaft „cum Petro et sub Petro“ der Konkretisierung in den einzelnen Ortskirchen anvertraut werden müssen. Die Verkündigung des Evangeliums der Familie stellt eine Dringlichkeit für die neue Evangelisierung dar.  Die Kirche ist dazu aufgerufen, diese mit der Zärtlichkeit einer Mutter und der Klarheit einer Lehrmeisterin vgl. Eph. 4,15 umzusetzen, in der Treue zur barmherzigen Kenosis Christi. Die Wahrheit nimmt in der menschlichen Schwachheit Fleisch an, nicht um sie zu richten, sondern um sie zu retten vgl. Joh 3, 16–17(ja 176 / nein 7)
30.    Die Evangelisierung ist eine Verantwortung des ganzen Gottesvolkes, ein jeder nach seinem eigenen Amt und Charisma. Ohne das freudige Zeugnis der Eheleute und der Familien, der Hauskirchen, läuft die Verkündigung Gefahr – auch wenn sie korrekt ist –, unverständlich zu bleiben oder im Meer der Worte unterzugehen, das unsere Gesellschaft kennzeichnet vgl. Novo Millennio Ineunte, 50. Die Synodenväter haben mehrmals unterstrichen, dass die katholischen Familien Kraft der Gnade des Ehesakraments dazu berufen sind, selbst aktive Subjekte der Familienpastoral zu sein. (ja 178 / nein 2)
31.    Es wird entscheidend sein, den Primat der Gnade hervorzuheben und damit die Möglichkeiten, die der Geist im Sakrament schenkt. Es geht darum, erfahrbar zu machen, dass das Evangelium der Familie eine Freude ist, die „das Herz und das gesamte Leben erfüllt“, weil wir in Christus „von der Sünde, von der Traurigkeit, von der inneren Leere und von der Vereinsamung“ befreit sind Evangelii Gaudium, 1. Im Lichte des Gleichnisses vom Sämann vgl. Mt 13,3 ist es unsere Aufgabe, an der Aussaat mitzuarbeiten: Das Übrige ist das Werk Gottes. Man darf auch nicht vergessen, dass die Kirche, die über die Familie predigt, Zeichen des Widerspruchs ist. (ja 175 / nein 4)
32.    Deshalb ist von der ganzen Kirche eine missionarische Umkehr gefordert: Man darf nicht bei einer rein theoretischen Verkündigung stehen bleiben, die von den wirklichen Problemen der Menschen losgelöst ist. Es darf nie vergessen werden, dass die Krise des Glaubens zu einer Krise der Ehe und der Familie geführt hat, und als Konsequenz oft sogar die Weitergabe des Glaubens von den Eltern an die Kinder unterbrochen wurde. Angesichts eines starken Glaubens können sich kulturelle Ansichten, die die Familie und Ehe schwächen, nicht durchsetzen.
(ja 176 / nein 5)
33.    Die Umkehr umfasst auch die Sprache, damit sie wirklich an Bedeutungskraft gewinnt. Die Verkündigung muss erfahrbar machen, dass das Evangelium der Familie die Antwort auf die tiefsten Erwartungen der menschlichen Person ist: auf seine Würde und auf die vollkommene Verwirklichung im Verhältnis zueinander, in der Gemeinschaft und in der Fruchtbarkeit. Es geht nicht allein darum, ein Normengerüst vorzulegen, sondern Werte anzubieten, die auf das entsprechende Bedürfnis nach ihnen antworten; ein Bedürfnis, das man heute selbst in den säkularisiertesten Ländern antrifft. (ja 175 /  nein 7)
34.    Das Wort Gottes ist die Quelle des Lebens und der Spiritualität der Familie. Die gesamte Familienpastoral wird sich innerlich formen lassen und die Mitglieder der Hauskirche durch die betrachtende und kirchliche Lesung der Heiligen Schrift bilden lassen müssen. Das Wort Gottes ist nicht nur eine frohe Botschaft für das Privatleben der Menschen, sondern auch ein Urteilskriterium und ein Licht der Unterscheidung der verschiedenen Herausforderungen, mit denen sich die Eheleute und Familien auseinandersetzen. (ja 180 / nein 1)
35.    Zugleich haben viele Synodenväter auf einen positiven Zugang zu den Reichtümern der unterschiedlichen religiösen Erfahrungen bestanden, ohne die Schwierigkeiten zu verschweigen. In diesen unterschiedlichen religiösen Wirklichkeiten und der großen kulturellen Verschiedenheit, der die Nationen prägt, ist es angemessen, zunächst die positiven Möglichkeiten zu würdigen und im Lichte dessen die Grenzen und Mängel zu bewerten.
(ja 164 / nein 17)
36.    Die christliche Ehe ist eine Berufung, die man durch eine angemessene Vorbereitung auf einem Glaubensweg und mit einer reifen Urteilsfähigkeit annimmt. Sie darf nicht nur als kulturelle Tradition oder als soziale oder juristische Anforderung verstanden werden. Deshalb muss man Wege entwickeln, um die Person und das Paar so zu begleiten, dass sich die Vermittlung der Glaubensinhalte mit der Lebenserfahrung verbindet, die die gesamte Gemeinschaft der Kirche anbietet. (ja 177/ nein 1)
37.    Es wurde immer wieder die Notwendigkeit einer radikalen Erneuerung der pastoralen Praxis im Licht des Evangeliums der Familie hervorgehoben, um die individualistischen Sichtweisen zu überwinden, die diese Praxis derzeit noch kennzeichnen. Deshalb wurde mehrfach auf einer Erneuerung der Ausbildung von Priestern, Diakonen, Katecheten und anderen Mitarbeitern in der Seelsorge beharrt, durch eine stärkere Einbeziehung der Familien.
(ja 175 / nein  2)
38.    In gleicher Weise wurde die Notwendigkeit einer Evangelisierung hervorgehoben, die offen die kulturellen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten anprangert, wie der zügellose Einfluss der Logik des Marktes, der ein authentisches Familienleben verhindert und zu Diskriminierungen, Armut, Ausgrenzungen und Gewalt führt. Deshalb muss ein Dialog und eine Zusammenarbeit mit den gesellschaftlichen Strukturen entwickelt werden, und es gilt jene Laien zu ermutigen und zu unterstützen, die sich als Christen im kulturellen und gesellschaftspolitischen Bereich engagieren. (ja 178 / nein 1)
Die Brautleute auf dem Weg der Vorbereitung zur Ehe leiten
39.    Die vielschichtige gesellschaftliche Wirklichkeit und die Herausforderungen, mit denen sich die Familien heute auseinandersetzen müssen, erfordern einen größeren Einsatz der gesamten christlichen Gemeinde, um die Brautleute auf die Ehe vorzubereiten. Dazu gilt es, an die Bedeutung der Tugenden zu erinnern. Unter ihnen erweist sich die Keuschheit als wertvolle Voraussetzung für ein echtes Wachstum der zwischenmenschlichen Liebe. Mit Blick auf diese Notwendigkeit stimmten die Synodenväter in der Forderung überein, die gesamte Gemeinde stärker einzubeziehen und das Zeugnis der Familien selbst zu begünstigen. Ferner sollte die Ehevorbereitung auf dem Weg der christlichen Initiation verwurzelt werden, indem die Verbindung zwischen Ehe und Taufe und den anderen Sakramenten betont wird. Zugleich wurde die Notwendigkeit besonderer Kurse zur Vorbereitung der anstehenden Eheschließung betont, die eine wirkliche Erfahrung der Teilnahme am kirchlichen Leben erlauben und die unterschiedlichen Aspekte des Familienlebens vertiefen.  (ja 176 / nein 4)
Die ersten Jahre des Ehelebens begleiten
40.    Die ersten Jahre des Ehelebens sind ein wesentlicher und heikler Zeitabschnitt, während dem die Paare im Bewusstsein der Herausforderung und der Bedeutung der Ehe wachsen. Hieraus ergibt sich die Forderung nach einer pastoralen Begleitung, die nach der Feier des Sakraments fortgeführt wird vgl. Familiaris Consortio, Teil III. Bei dieser Seelsorge erweist sich die Gegenwart erfahrener Ehepaare von großer Bedeutung. Die Pfarrei wird als Ort verstanden, wo erfahrene Paare jüngeren zur Verfügung stehen können, möglicherweise unter Mithilfe von Vereinigungen, kirchlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften. Brautleute müssen zu der grundlegenden Haltung ermutigt werden, Kinder als ein großes Geschenk anzunehmen.  Dabei gilt es, die Bedeutung der Spiritualität der Familien, das Gebet und die Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistie zu betonen. Die Paare sollen ermutigt werden, sich regelmäßig zu treffen, um das Wachstum des geistlichen Lebens sowie die Solidarität in den konkreten Herausforderungen des Lebens zu fördern. Die Liturgie, das Gebetsleben und die Eucharistie für die Familien, vor allem am Hochzeitstag, wurden als wichtig zur Förderung der Evangelisierung durch die Familien erwähnt. (ja 179 / nein 1)
Seelsorge für jene, die in einer Zivilehe oder ohne Trauschein zusammenleben
41.    Während die Synode weiterhin die christliche Ehe verkündet und fördert, ermutigt sie zugleich zu einer pastoralen Unterscheidung der Situationen vieler Menschen, die diese Wirklichkeit nicht mehr leben. Es ist wichtig, in einen pastoralen Dialog mit diesen Menschen zu treten, um die Elemente in ihrem Leben zu betonen, die zu einer größeren Offenheit gegenüber dem Evangelium der Ehe in seiner Fülle führen können. Die Hirten müssen jene Elemente erkennen, die die Evangelisierung und das menschliche und geistliche Wachstum fördern können. Eine neue Sensibilität der heutigen Pastoral besteht darin, jene positiven Elemente zu erfassen, die in Zivilehen und – bei gebührender Unterscheidung – im Zusammenleben ohne Trauschein vorhanden sind. Auch wenn wir mit aller Klarheit die christliche Botschaft betonen, so müssen wir doch im Angebot der Kirche auch auf konstruktive Elemente in jenen Situationen hinweisen, die ihr noch nicht oder nicht mehr entsprechen. (ja 125 / nein 54)
42.    Es wurde darauf hingewiesen, dass in vielen Ländern eine „steigende Zahl von Paaren ‚ad experimentum‘ zusammenleben, ohne kirchliche oder zivile Trauung“ (Instrumentum Laboris, 81). In einigen Ländern geschieht dies vor allem in traditionellen Ehen, die unter Familien vereinbart und oft in verschiedenen Etappen vollzogen werden. In anderen Ländern wächst hingegen die Zahl derer, die nach einem langen Zusammenleben um eine kirchliche Trauung bitten. Das einfache Zusammenleben wird oft aufgrund der allgemeinen Mentalität gewählt, die sich gegen Institutionen und endgültige Verpflichtungen wendet, aber auch in Erwartung einer existenziellen Sicherheit (Arbeit und festes Einkommen). Schließlich sind die faktischen Verbindungen in weiteren Ländern sehr zahlreich, nicht nur weil die Werte der Familie und Ehe zurückgewiesen werden, sondern vor allem, weil dort die Heirat aus gesellschaftlichen Gründen als Luxus betrachtet wird, so dass die materielle Not die Menschen zu solchen faktischen Verbindungen drängt. (ja 143 / nein 37)
43.    Alle diese Situationen müssen in konstruktiver Weise angegangen werden, indem versucht wird, sie in Gelegenheiten für einen Weg auf die Fülle der Ehe und der Familie im Licht des Evangeliums zu verwandeln. Es geht darum, sie mit Geduld und Feingefühl anzunehmen und zu begleiten. Dabei ist das attraktive Zeugnis authentischer christlicher Familien als Subjekte der Evangelisierung der Familie wichtig. (ja 162 / nein 14)
Die verwundeten Familien heilen (getrennt Lebende, nicht wiederverheiratete Geschiedene, wiederverheiratete Geschiedene, Alleinerziehende)
44.    Wenn die Eheleute in ihren Beziehungen Schwierigkeiten erfahren, müssen sie auf die Hilfe und die Begleitung der Kirche zählen können. Die Pastoral der Nächstenliebe und die Barmherzigkeit sind darauf ausgerichtet, die Personen wieder aufzurichten und die Beziehungen wieder herzustellen. Die Erfahrung zeigt, dass ein großer Prozentsatz der Ehekrisen durch eine angemessene Hilfe und die versöhnende Kraft der Gnade in zufriedenstellender Weise überwunden werden. Vergeben können und Vergebung erfahren ist eine grundlegende Erfahrung im Familienleben. Die gegenseitige Vergebung der Eheleute erlaubt es, eine Liebe zu erfahren, die für immer ist und nie vergeht vgl. 1 Kor 13,8. Manchmal fällt es aber dem, der die Vergebung Gottes empfangen hat, schwer, selbst die Kraft zu einer aufrichtigen Vergebung aufzubringen, die den Menschen erneuert.(ja 171/nein7)
45.    Auf der Synode wurde die Notwendigkeit mutiger pastoraler Entscheidungen deutlich. Die Synodenväter haben nachdrücklich die Treue zum Evangelium der Familie bekräftigt und anerkannt, dass Trennung und Scheidung stets eine Verwundung sind, die bei den betroffenen Paaren und den Kindern tiefes Leid zufügen. So sehen die Synodenväter die Dringlichkeit neuer pastoraler Wege, die von der tatsächlichen Realität der Zerbrechlichkeit der Familien ausgehen, im Wissen darum, dass sie (Trennung und Scheidung) oft eher mit Schmerz „erlitten“ als aus freien Stücken gewählt werden. Es handelt sich um unterschiedliche Situationen sowohl aufgrund persönlicher wie kultureller und sozioökonomischer Faktoren. Das verlangt einen differenzierenden Blick, wie der heilige Johannes Paul II. empfohlen hat. vgl. Familiaris Consortio, 84.  (ja 165 / nein 15)
46.    Jede Familie muss vor allem mit Respekt und Liebe angehört werden, indem man sich zum Weggefährten macht, wie Christus mit den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus. Für diese Situationen gelten in besonderer Weise die Worte von Papst Franziskus: „Die Kirche wird ihre Glieder – Priester, Ordensleute und Laien – in diese ‚Kunst der Begleitung‘ einführen müssen, damit alle stets lernen, vor dem heiligen Boden des anderen sich die Sandalen von den Füßen zu streifen vgl. Ex 3,5. Wir müssen unserem Wandel den heilsamen Rhythmus der Zuwendung geben, mit einem achtungsvollen Blick voll des Mitleids, der aber zugleich heilt, befreit und zum Reifen im christlichen Leben ermuntert“ Evangelii Gaudium, 169. (ja 171 / nein 8) 
47.    Eine besondere Urteilsfähigkeit ist unerlässlich, um die getrennt Lebenden, die Geschiedenen und die Verlassenen in der Seelsorge zu begleiten. Vor allem muss das Leid derer angenommen und geachtet werden, die ungerechterweise die Trennung oder Scheidung erlitten haben oder verlassen wurden, oder die wegen Misshandlungen des Ehepartners gezwungen waren, das Zusammenleben aufzugeben. Die Vergebung des erlittenen Unrechts ist nicht einfach, sie ist aber ein Weg, den die Gnade eröffnet. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit einer Seelsorge der Versöhnung und der Mediation, auch durch besondere Einrichtungen des Zuhörens, die in den Diözesen einzurichten sind. In gleicher Weise muss stets betont werden, dass es unerlässlich ist, sich in aufrichtiger und konstruktiver Weise um die Folgen der Trennung oder der Scheidung für die Kinder zu kümmern, die in jedem Fall unschuldige Opfer der Situation sind. Sie dürfen nicht zum „Streitobjekt“ werden, stattdessen müssen die besten Wege gefunden werden, um das Trauma der familiären Spaltung zu überwinden und ihnen ein möglichst unbeschwertes Aufwachsen zu ermöglichen. In jedem Falle wird die Kirche immer das Unrecht hervorheben müssen, das sehr oft aus der Situation der Scheidung entsteht. Eine besondere Aufmerksamkeit gilt der Begleitung der Alleinerziehenden, vor allem müssen die Frauen unterstützt werden, die allein die Verantwortung für den Haushalt und die Kindererziehung tragen. (ja 164 / nein 12)
48.    Eine große Zahl von Synodenvätern hat die Notwendigkeit unterstrichen, die Verfahren zur Anerkennung der Nichtigkeit der Ehe zugänglicher und anpassungsfähiger zu gestalten und möglicherweise ganz auf Gebühren zu verzichten. Dazu wurden folgende Vorschläge gemacht: die Notwendigkeit zweier gleichlautender Urteile aufzugeben; die Möglichkeit, einen Verwaltungsweg unter der Verantwortung des Diözesanbischofs festzulegen; ein Schnellverfahren bei Fällen offenkundiger Nichtigkeit. Einige Synodenväter haben sich dennoch gegen diese Vorschläge ausgesprochen, weil sie kein verlässliches Urteil garantieren würden. Es muss betont werden, dass es bei all diesen Fällen darum geht, die Wahrheit über die Gültigkeit des Ehebundes zu ermitteln. Anderen Vorschlägen zufolge sollte die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, mit Blick auf die Gültigkeit des Ehesakraments der Rolle des Glaubens der Brautleute Gewicht zu verleihen, ohne dadurch infrage zu stellen, dass unter Getauften alle gültigen Ehen ein Sakrament sind. (ja 143 / nein 35)
49.    Mit Blick auf eine von vielen verlangte Straffung des Eheprozesses muss neben der Ausbildung ausreichender Mitarbeiter – Kleriker wie Laien –, die sich dieser Aufgabe vorrangig widmen, die Verantwortung des Diözesanbischofs betont werden. Er könnte in seiner Diözese gebührend vorbereitete Berater beauftragen, die die Parteien über die Gültigkeit ihrer Ehe unentgeltlich beraten. Diese Aufgabe könnten ein Amt oder qualifizierte Personen übernehmen vgl. Dignitas Connubii, Art. 113, 1. (ja 154 / nein 23)
50.    Nicht wiederverheiratete Geschiedene, die oft Zeugnis für die eheliche Treue ablegen, sollen ermutigt werden, in der Eucharistie die Nahrung zu finden, die sie in ihrem Zustand stützt. Die örtliche Gemeinde und die Hirten müssen diese Menschen fürsorglich begleiten, vor allem wenn es Kinder gibt oder sie unter schwerer Armut leiden. (ja 169 / nein 8)
51.    Auch die Situation der wiederverheirateten Geschiedenen verlangt eine aufmerksame Unterscheidung und Begleitung mit großem Respekt. Dabei sollte jede Ausdrucksweise und Haltung vermieden werden, die sie als diskriminierend empfinden könnten. Stattdessen sollten sie zur Teilnahme am Gemeindeleben ermuntert werden. Diese Fürsorge bedeutet für das Leben der christlichen Gemeinschaft keine Schwächung ihres Glaubens oder ihres Zeugnisses über die Unauflöslichkeit der Ehe. Im Gegenteil, sie bringt gerade in dieser Fürsorge ihre Nächstenliebe zum Ausdruck. (ja 155 / nein 19)
52.    Es wurde über die Möglichkeit nachgedacht, wiederverheiratete Geschiedene zum Sakrament der Buße und der Eucharistie zuzulassen. Mehrere Synodenväter haben auf der derzeitigen Regelung bestanden, und zwar aufgrund der konstitutiven Beziehung zwischen der Teilnahme an der Eucharistie und an der Gemeinschaft mit der Kirche einerseits und der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe andererseits. Andere haben sich für eine nicht zu verallgemeinernde Aufnahme an den Tisch der Eucharistie ausgesprochen – und zwar in einigen besonderen Situationen und unter genau festgelegten Voraussetzungen, vor allem wenn es sich um unumkehrbare Fälle handelt, mit moralischen Verpflichtungen gegenüber den Kindern, die ungerechterweise leiden müssten. Einem möglichen Zugang zu den Sakramenten müsste dann ein Weg der Buße unter der Verantwortung des Diözesanbischofs vorausgehen. Diese Frage gilt es aber noch zu vertiefen, wobei die Unterscheidung zwischen einem objektiven Zustand der Sünde und mildernden Umständen genau zu bedenken ist, da „die Anrechenbarkeit einer Tat und die Verantwortung für sie (…) durch (…) psychische oder gesellschaftliche Faktoren vermindert, ja sogar aufgehoben sein“ können Katechismus der katholischen Kirche, 1735. (ja 104 / nein 74)
53.    Einige Synodenväter waren der Überzeugung, dass wiederverheiratete oder mit einem Partner zusammenlebende Geschiedene in fruchtbarer Weise an der geistlichen Kommunion teilhaben können. Andere Synodenväter stellten daraufhin die Frage, warum sie dann keinen Zugang zur sakramentalen Kommunion erhalten könnten. Es wird also eine Vertiefung dieser Thematik empfohlen, um so die Eigenart der beiden Formen und ihre Verbindung zur Ehe-Theologie herauszuarbeiten. (ja 112 / nein 64)
54.    Die Probleme bezüglich konfessionell gemischter Ehen kamen bei den Beiträgen der Synodenväter immer wieder zur Sprache. Die Verschiedenheit des Eherechts der orthodoxen Kirche führt in einigen Zusammenhängen zu Problemen, über die in der Ökumene nachgedacht werden muss. Analog wird für interreligiöse Ehen der Beitrag des interreligiösen Dialogs bedeutsam sein. (ja 145 / nein 29)
Die pastorale Aufmerksamkeit gegenüber Personen mit homosexueller Orientierung
55.    Einige Familien machen die Erfahrung, dass in ihrer Mitte Personen mit homosexueller Orientierung leben. Diesbezüglich hat man sich gefragt, welche pastorale Aufmerksamkeit in diesen Fällen angemessen ist, indem man sich auf das bezog, was die Kirche lehrt: „Es gibt keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn“. Dennoch müssen Männer und Frauen mit homosexuellen Tendenzen mit Achtung und Feingefühl aufgenommen werden. „Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen“ Kongregation für die Glaubenslehre, Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anwendung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen, 4. (ja 118 / nein 62)
56.    Es ist vollkommen unannehmbar, dass auf Hirten der Kirche in dieser Frage Druck ausgeübt wird und dass die internationalen Organisationen Finanzhilfen gegenüber armen Ländern davon abhängig machen, dass sie in ihrer Gesetzgebung eine „Ehe“ unter Personen desselben Geschlechts einführen. (ja 159 / nein 21)
Die Weitergabe des Lebens und die Herausforderung des Geburtenrückgangs
57.    Es ist leicht festzustellen, dass sich eine Mentalität ausbreitet, die die Weitergabe des Lebens auf eine Variable in der Planung eines Einzelnen oder eines Paares verkürzt. Die wirtschaftlichen Faktoren üben manchmal ein entscheidendes Gewicht aus und tragen zum starken Geburtenrückgang bei, der das soziale Netz schwächt, die Beziehung unter den Generationen beeinträchtigt und den Blick in die Zukunft verunsichert. Die Offenheit gegenüber dem Leben ist eine Forderung, die der ehelichen Liebe innewohnt. In diesem Licht unterstützt die Kirche Familien, die behinderte Kinder aufnehmen, erziehen und mit ihrer Liebe umfangen. (ja 169 / nein 5)
58.    Auch auf diesem Gebiet muss man von dem ausgehen, was die Menschen sagen, und der Schönheit und Wahrheit einer vorbehaltlosen Offenheit gegenüber dem Leben zu ihrem Recht verhelfen, wie auch dem, was die menschliche Liebe bedarf, um in ihrer Fülle gelebt zu werden. Auf diese Grundlage kann sich eine angemessene Lehre über die natürlichen Methoden für eine verantwortliche Fortpflanzung stützen. Sie verhilft dazu, die Gemeinschaft unter den Ehepartnern in all ihren Dimensionen und mit der reproduktiven Verantwortung harmonisch und bewusst zu leben. Es gilt die Botschaft der Enzyklika Humanae Vitae vom sel. Papst Paul VI. wiederzuentdecken, die hervorhebt, dass bei der moralischen Bewertung der Methoden der Geburtenregelung die Würde der Person respektiert werden muss. Die Adoption verwaister oder vernachlässigte Kinder ist eine besondere Form des Familienapostolats vgl. Apostolicam Actuositatem, III, 11. Hierauf hat das Lehramt mehrfacht hingewiesen und dazu ermutigt vgl. Familiaris Consortio, III, II; Evangelium Vitae, IV, 93. Die Entscheidung zur Adoption oder Pflegschaft bringt in besonderer Weise die Erfahrung einer Fruchtbarkeit der ehelichen Liebe zum Ausdruck; und das nicht nur, wenn sie von Unfruchtbarkeit gekennzeichnet ist. Eine solche Entscheidung ist ein eindrucksvolles Zeichen der familiären Liebe. Sie erlaubt es, den eigenen Glauben zu bezeugen und denen die Würde des Kindseins zurückzugeben, die sie verloren hatten. ja 167/nein 9
59.    Es gilt die Liebe auch im Band der Ehe als Weg des Reifens zu leben, in der immer tieferen Annahme des anderen und einer immer vollkommeneren Hingabe. In diesem Zusammenhang muss bekräftig werden, dass Wege der Bildung angeboten werden müssen, die das eheliche Leben stärken, und dass es Laien braucht, die eine Begleitung durch ihr lebendiges Zeugnis anbieten. Das Beispiel einer treuen und tiefen Liebe ist von großer Hilfe; sie ist geprägt von Zärtlichkeit und Achtung, sie ist fähig, mit der Zeit zu wachsen, und in ihrer konkreten Offenheit gegenüber der Weitergabe des Lebens eröffnet sie die Erfahrung eines Geheimnisses, das uns übersteigt.
 (ja 172 / nein 5)
Die Herausforderung der Erziehung und die Rolle der Familie bei der Evangelisierung
60.    Eine der grundlegenden Herausforderungen für die heutigen Familien besteht sicherlich in der Erziehung. Sie wird durch die aktuelle kulturelle Wirklichkeit und den großen Einfluss der Medien noch anspruchsvoller und komplexer. Dabei gilt es die Forderungen und Erwartungen der Familien gebührend zu berücksichtigen, die in der Lage sind, im Alltag Orte des Wachstums und der grundlegenden Weitergabe jener Tugenden zu sein, die dem Dasein Gestalt verleihen. Das bedeutet, Eltern müssen die Freiheit haben, ihren Kindern die Art von Erziehung zu vermitteln, die ihren Überzeugungen entspricht.  (ja 174 / nein 4)
61.    Die Kirche spielt ausgehend von der christlichen Initiation durch aufnahmebereite Gemeinschaften eine wertvolle Rolle bei der Unterstützung der Familien. Sie ist mehr denn je gefordert, die Eltern in den normalen wie in den vielschichtigen Situationen bei der Aufgabe der Erziehung zu unterstützen und die Kinder und Jugendlichen in ihrem Aufwachsen zu begleiten. Dies geschieht durch Wege, die auf die jeweilige Person zugeschnitten sind, um sie in den umfassenden Sinn des Lebens einzuführen und ihnen Entscheidungen und die Übernahme von Verantwortung zu ermöglichen, die im Lichte des Evangeliums gelebt werden. Maria kann in ihrer Zärtlichkeit, Barmherzigkeit und mütterlichen Liebe den Hunger nach Menschlichkeit und Leben stillen. Deshalb wird sie von den Familien und dem Volk Gottes angerufen. Seelsorge und Marienverehrung sind gute Ausgangspunkte, um das Evangelium der Familie zu verkünden.  (ja 178 / nein 1)
Schluss      
62.   Die vorliegenden Überlegungen sind das Ergebnis der Synodenarbeit, die sich in großer Freiheit und einer Haltung gegenseitigen Zuhörens vollzog. Sie möchten Fragen stellen und Perspektiven aufzeigen. In dem Jahr, das uns von der Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode trennt, müssen sie durch die Reflexionen der Ortskirchen heranreifen und präzisiert werden; die Synode soll im Oktober 2015 stattfinden und sich der Berufung und Sendung der Familie in der Kirche und der Welt von heute widmen. Es handelt sich weder um getroffene Entscheidungen noch um einfache Perspektiven. Der kollegiale Weg der Bischöfe und die Einbeziehung des ganzen Gottesvolkes unter dem Wirken des Heiligen Geistes und mit Blick auf das Vorbild der Heiligen Familie können uns aber leiten, um Wege der Wahrheit und Barmherzigkeit für alle zu finden. Diesen Wunsch hat Papst Franziskus seit Beginn unserer Arbeiten an uns gerichtet, und er hat uns zum Mut des Glaubens und der demütigen und aufrichtigen Annahme der Wahrheit in der Liebe eingeladen. (ja 169 / nein 8)
                                                                                                         © Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz 2014

cdd-aepHeinerKochBerlin-2-Zz

Erzbischof Koch über Synode: Spannungen sind ein gutes Zeichen

  Der designierte Berliner Erzbischof Heiner Koch hält Spannungen in der Kirche mit Blick auf die kommende Familien- Bischofssynode für ein gutes Zeichen. Koch ist einer der gewählten Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, die im Oktober zur Synode nach Rom reisen werden. Bei der Synode rede man „nicht über eine Sache“, sondern über Beziehung und persönliche Erfahrung, erklärte Koch im Interview von Radio Vatikan.
   „Alles, was Sie sagen, berührt die Menschen, verletzt sie auch, macht Wunden wieder wach, die in ihrem Leben, ihrer Biografie passiert sind. Von daher ist es auch ein sehr betreffendes und aufwühlendes Thema. Und wir sind in der Kirche da auch in einer gewissen Spannung, das wird deutlich. Eigentlich ist das ein gutes Zeichen - wenn man miteinander diese Spannung ins Gespräch bringt und überlegt - und vielleicht zu überraschenden Ergebnissen kommt, die man noch gar nicht im Blick hatte.“
   Die Erwartungen in Deutschland an die Synode seien „stark differierend“ und sicherlich überzogen, so Koch weiter; „ich weiß auch nicht, ob es gut ist, wenn eine Synode alle Erwartungen erfüllten würde, für mich wäre das nicht die Hauptfrage“. Jedenfalls habe er als Zuständiger für die deutschen katholischen Gemeinden im Ausland in den vergangenen Monaten auf Reisen immer versucht, auch mit dem jeweiligen Familienbischof zu sprechen. „Und ich habe gemerkt, wie unterschiedlich die Erwartungen schon von den Themen her auf diese Synode sind. Das ist schon eine große Schwierigkeit. Ich glaube, die Synode wird sich da auch auf Themen beschränken müssen.“
   Hauptpunkt sei für ihn die Frage „wie wir es schaffen können, die Frohe Botschaft von der Ehe überhaupt wieder zum Thema zu machen. Wir reden über wiederverheiratete Geschiedene, das ist zweifelsohne ein wichtiges Thema – aber immer weniger wollen heiraten“. Erst recht stelle sich die Frage, was eine kirchliche Ehe überhaupt sei. „Ist der einzige Unterschied, dass man sich nicht scheiden lassen darf? Wo bleibt die Frohe Botschaft, die Ermutigung, die Kraft, die Vitalität der Ehe? Das ist ein Sakrament, das ist für uns eine Verheißung, ein Aufbruch, das ist Berufung! Die Verbindung der soziologischen Dimension Ehe mit dem Glauben – das wäre mir ein Hauptanliegen.“ Auch die Frage gemischter Ehen, Migrantenfamilien und Diskriminierung kinderreicher Familien hält Koch für besonders dringlich. „Es brennt an vielen Punkten außer an diesen beiden bei uns immer bevorzugten Themen der wiederverheirateten Geschiedenen und der Homosexuellen – so wichtig diese Themen auch sind.“
   Zu seiner Abberufung aus Dresden Richtung Berlin, die in Ostdeutschland auf offene Kritik gestoßen war, rückte Erzbischof Koch zurecht, die Entscheidung sei im Dialog gefallen. „Ich habe mit dem Verantwortlichen hier in Rom gesprochen, mir ging es gar nicht um Berlin, sondern um die Situation in Dresden.“ Er habe seine Gründe, vorerst an der Elbe bleiben zu wollen, dargelegt. Im Vatikan habe man „die Situation in Dresden und im Osten Deutschlands sehr wach und lebendig im Blick“.
   Auf die Frage, ob er als Erzbischof von Berlin mit einer Erhebung in den Kardinalstand rechne, sagte Koch, das sei nicht seine Angelegenheit. Er gehe „nicht nach Berlin, um Kardinal zu werden. Der Heilige Vater wird wissen, wen er wann warum beruft – ich bin jetzt erst einmal mit Berlin gut bedient.“
   Der Erzbischof von Berlin erhielt bisher traditionsgemäß die Kardinalswürde. Allerdings brach Papst Franziskus bei seinen bisherigen zwei Kardinalserhebungen mit bestimmten Traditionen. Inhaber einiger Hauptstadt-Erzbistümer wie Madrid oder Brüssel gingen leer aus, während Bischöfe aus der Peripherie wie Tonga, die Kapverden oder Myanmar unerwartet zu Kardinalshüten kamen. Rv150630gs

Fortsetzung und Beschlussfassung der Familiensynode 2015 > Familiensynode II 

                    kbwn:Familiensynode

[kbwn] [Blindenwerk] [Reisen Fahrten] [Hörbücher] [Heilung] [HiTech] [Kirche] [Vatikan] [Glaube & Leben] [Liebst du mich?] [Mann und Frau] [Familiensynode] [Amoris Laetitia] [Mel Gibson: Passion] [Holocaust] [Fundamentalismuis] [Friedensgebet] [Großdruck & Punktschrift] [Jahr der Bibel] [Kirche online] [weltweite Kirche] [Himmel & Erde] [Dialog der Religionen] [Recht] [Alterssicherung]