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Friedensgebet

Auf dieser Seite lesen Sie: zu Herzen gehende Friedensgebete
und erstaunliche Bemühungen für den Frieden in unserer Welt

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Papst zum 70-jährigen Weltkriegsende: Kultur des Friedens

   Papst Franziskus wünscht sich eine „Kultur des Friedens“. Die Menschheit müsse aus den „Fehlern der Vergangenheit“ lernen. Der Anlass für seinen Appell an die Regierungen und jeden Einzelnen ist der 70. Jahrestag des Weltkriegsendes, welcher am 8. Mai 2015  stattfindet. Seinen Appell richtete er am Mittwoch im Anschluss an die Generalaudienz. Hier seine Worte:
   „Zu diesem Anlass, bitte ich den Herren, durch die Fürsprache der Friedenskönigin Mutter Maria, die Hoffnung, dass diese menschliche Gesellschaft eines Tages aus den Fehlern der Vergangenheit lerne. Und dass in Anbetracht der aktuellen Konflikten, die einige Regionen dieser Welt zerreißen, alle Regierenden sich der Suche nach dem Gemeinwohl zu verpflichten und für die Kultur des Friedens einzusetzen.“
   Franziskus ist der erste Papst seit Pius XI., der den Zweiten Weltkrieg nicht selbst miterlebt hat.  Der global geführte Krieg sämtlicher Großmächte des 20. Jahrhunderts von 1939 bis 1945 stellt den „bislang größten militärischen Konflikt“ in der Geschichte der Menschheit dar. Die Zahl der Kriegstoten, die bei Kampfhandlungen oder als Opfer von Völkermord, Zwangsarbeit, Vertreibung und anderen Verbrechen starben, liegt zwischen 60 und 70 Millionen. Der Zweite Weltkrieg veränderte grundlegend die politischen und sozialen Strukturen der Welt.  Am 8. Mai 1945 endete der Konflikt offiziell. Rv150507no

Papsr Franziskus:  „Ertragen, anvertrauen, Frieden finden“

   Drei Schlüsselworte gab es in der Papstpredigt in der Casa Santa Marta: Ertragen, anvertrauen, Frieden finden. Franziskus ging bei seiner Frühmesse von der Lesung aus der Apostelgeschichte aus Apg 14,19-28. Sie schildert, wie Paulus auf einer Missionsreise von einem aufgebrachten Mob gesteinigt wird, aber mit dem Leben davonkommt. Wer in das Reich Gottes eintreten wolle, der müsse „durch dunkle, schwierige Momente“ hindurchgehen, kommentierte Franziskus in der Vatikankapelle Santa Marta. Christen hätten „keine sadomasochistische Einstellung“, doch sie wüssten sehr wohl, dass sie gegen den Fürsten dieser Welt kämpfen müssten, weil er sie „vom Wort Jesu, vom Glauben, von der Hoffnung“ abzubringen versuche.
Daher das erste Schlüsselwort: Ertragen
   „Das ist mehr, als nur Geduld zu haben. Es bedeutet, die Last der Drangsale auf den Schultern zu tragen. Auch das Leben eines Christen hat solche Momente. Aber Jesus sagt uns: ‚Verzagt in diesem Moment nicht! Ich habe gesiegt, auch ihr werdet Sieger sein!’ Dieses erste Wort erleuchtet uns, damit wir vorangehen in diesen schwierigsten Momenten des Lebens, diesen Momenten, die uns auch leiden lassen.“
   Die Apostelgeschichte schildert auch, dass Paulus bald nach der erlittenen Steinigung „durch Handauflegung Älteste bestellte“ und „sie mit Gebet und Fasten dem Herrn empfahl“. Von daher das zweite Schlüsselwort der Papstpredigt: Empfehlen. Oder: Anvertrauen. Ein Christ könne Schwierigkeiten „und auch Verfolgungen“ ertragen, wenn er sich dem Herrn anvertraue. Nur der Herr „kann uns die Kraft geben zum Durchhalten“:
   „Dem Herrn etwas anvertrauen, dem Herrn diesen schwierigen Moment anvertrauen, dem Herrn mich selbst anvertrauen, dem Herrn unsere Gläubigen anvertrauen, die Priester und Bischöfe... Dem Herrn unsere Familien, unsere Freunde anvertrauen, und zu ihm sagen: ‚Kümmere dich bitte um sie, es sind die Deinen!’ Das ist ein Gebet, das wir nicht immer beten, das Gebet des Anvertrauens: ‚Herr, ich vertraue dir das an, führ du es fort’, ein schönes christliches Gebet. Das ist die Haltung des Vertrauens auf die Kraft des Herrn, auch auf die Zärtlichkeit des Herrn, der Vater ist.“
   Wer von Herzen so bete, der spüre: ‚Gott enttäuscht uns nie’, fuhr der Papst fort. Drangsale ließen uns leiden, aber wer sich dem Herrn empfehle, der schöpfe neue Hoffnung, „und von dort kommt das dritte Wort her: Frieden. Damit schwenkte Franziskus über zum Tagesevangelium Joh 14,27-31a, in dem der Auferstandene zu seinen Jüngern sagt: ‚Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch’. Der Friede, den Jesus meine, sei nicht einfach mit Ruhe gleichzusetzen, sondern gehe „ins Innere“, er sei „auch ein Friede, der dir Kraft gibt“.
   „Drei Worte: Drangsale (ertragen), Anvertrauen, Frieden. Im Leben müssen wir auch mal auf Straßen der Mühsal gehen, aber das gehört zum Leben. Sich in diesen Momenten dem Herrn anvertrauen – er antwortet uns mit dem Frieden. Dieser Herr, der Vater ist, liebt uns so sehr und enttäuscht uns nie! ... Bitten wir den Herrn, dass er uns allen seinen Frieden gebe.“  Rv150505sk

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Franziskus ist „Arbeiter in der Friedensfabrik“

   Papst Franziskus hat der Bildungsinitiative für Kinder „Friedensfabrik“ seine Unterstützung zugesagt. Auch der Papst sei ein „Arbeiter in der Friedensfabrik“, kommentierte Vatikansprecher Federico Lombardi die Solidaritäts- und Bildungskampagne. Er äußerte sich auf einer Pressekonferenz am Sitz der Ernährungs- und Landwirtschafts- Organisation der Vereinten Nationen FAO in Rom, wo das Projekt vorgestellt wurde. Die Initiative „Friedensfabrik“, auf Italienisch „Fabbrica della Pace“, will Kinder in Grundschulen und durch verschiedene Begegnungen und Projekte für die Friedensarbeit sensibilisieren. Am 11. Mai ist eine Papstaudienz für Teilnehmer der Initiative geplant: 7.000 Kinder verschiedener ethnischer Gruppen werden Franziskus in der Audienzhalle im Vatikan begegnen und mit ihm über Frieden, Liebe, Gastfreundschaft und Integration sprechen. Die Begegnung mit dem Papst ist die erste Initiative des Projektes. Unterstützt wird die Friedensfabrik u.a. vom italienischen Bildungsministerium und dem Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Forstwirtschaft sowie Institutionen für Kinderschutz und die Förderung der Jugend. Auch das Komitee für Kinderrechte der Vereinten Nationen ist beteiligt. Rv150505pr

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Das Friedensgebet „öffnete eine Tür“

   Das Friedensgebet mit den Präsidenten Israels und Palästinas im Vatikan war nach Ansicht von Papst Franziskus trotz des jüngsten Gaza-Krieges nicht umsonst. Im Juni hatten sich auf Einladung des Papstes Mahmud Abbas und Schimon Peres zum Friedensgebet in den vatikanischen Gärten getroffen. Trotz der Kriegshandlungen danach sei die Initiative „keine Niederlage“ gewesen. „Nein: Ich glaube, die Tür des Gebets wurde geöffnet. Der Menschheit wurde gesagt, dass es neben dem Weg der Verhandlungen und des Dialogs, die beide wichtig sind, auch den Weg des Gebets gibt.“ Die Kriegshandlungen folgten einem Auf und Ab, anders aber jenes Friedenstreffen, das aus Sicht des Papstes eine neue Tür aufgemacht hat. „Durch den Rauch der Bomben und der Kriege kann man die Tür nicht sehen, aber sie ist seit jenem Moment offen geblieben. Und da ich an Gott glaube, glaube ich, dass der Herr diese Tür ansieht und jene ansieht, die beten und um Hilfe bitten.“

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Interreligiöse Umarmung
  
Papst Franziskus hat mit einer Reihe von symbolischen Gesten am Montag seine drei Tage dauernde Nahostreise beendet. An der Jerusalemer Klagemauer umarmte er nach einem stillen Gebet seine beiden argentinischen Reise- begleiter, den Rabbiner Abraham Skorka und den Islamgelehrten Omar Abboud. Zuvor hatte er einen Zettel mit dem Vaterunser in seiner Muttersprache Spanisch in eine Ritze der Stützmauer des zerstörten jüdischen Tempels gesteckt. Am Grab von Theodor Herzl, des Begründers der zionistischen Bewegung, legte der Papst einen Kranz nieder. Franziskus ist der erste Papst, der zu dieser Geste bereit war. So wie Franziskus am Sonntag an der israelischen Sperranlage zwischen Betlehem und Jerusalem im stillen Gebet der palästinensischen Opfer gedacht hatte, verweilte er am Montag auf dem Herzl-Berg an einem Mahnmal für israelische Opfer palästinensischen Terrors. In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem küsste er nach einer bewegenden Meditation über den Sündenfall der Menschen sechs Holocaust-Überlebenden die Hände, die ihm zuvor ihre Leidensgeschichte erzählt hatten. Am Montag traf er ein viertes Mal den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. Während eines historischen Gottesdienstes in der Grabes- und Auferstehungskirche hatte er ihn umarmt. Vor dem leeren Grab Jesu beteten beide zum ersten Mal gemeinsam das Vaterunser. Jetzt seien nicht „nur beide Kirchen, sondern auch viele Millionen Gläubige zur Ökumene bereit", hieß es am Montag aus dem Patriarchat in Jerusalem. Nach dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas nahm auch der israelische Staatspräsident Schimon Peres eine Einladung des Papstes zu einem gemeinsamen Friedensgebet im Vatikan an. Schon am 6. Juni, kurz vor dem Ende von Peres' Amtszeit, fand dieses Treffen im Vatikan ststt.
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Foto: Begrüßung des Papstes durch den Großmufti von Jerusalem Muhammad Hussein

Heilig-Land-Reise: Dialog wagen, Mauern aufbrechen

   Sie war vor allem eine Reise der Gesten, die Nahost-Visite von Papst Franziskus. „Sensationell“ fand Günther Bernd Ginzel diese Gesten: Ginzel ist ein jüdischer deutscher Journalist und sehr engagiert im Gespräch zwischen Christen, Juden und Muslimen. Im Kölner Domradio sagte er, Franziskus habe vor allem mit seinem Besuch im Holocaust-Memorial Yad Vashem am Montag „den Nerv getroffen, den auch der Vor-Vorgänger, Johannes Paul II, getroffen hatte“.
   „Das Bild des polnischen Papstes mit den kranken, gebrechlichen Überlebenden aus Polen, die gemeinsam da saßen und darüber nachdachten, wie es möglich ist, was hier auf dieser Welt in dieser Zeit geschehen ist – das war eindringlich. Papst Franziskus hat nun zu einer anderen Geste gefunden, aber auch weil die israelischen Gastgeber das so vorbereitet hatten. Als erstes sprach er mit einer alten Dame, die als Fünfjährige gerettet wurde, weil sie in einem Kloster vor den Nazis versteckt wurde. Und diese alte Dame sagt: ‚Meine wahre Familie - alle anderen sind umgebracht worden - sind die Nonnen.’ Und der Papst, tiefgebeugt vor ihr, ergreift die Hände und küsst sie. Das hat er bei den anderen vier Überlebenden und ihren schrecklichen Geschichten auch getan. Das ist mehr als alles andere, was an Worten noch auszudrücken wäre.“
   Beeindruckt ist Ginzel auch von der Einladung des Papstes an die Präsidenten von Israel und Palästina, zu einem Gebet um den Frieden in den Vatikan zu kommen. „Dies ist ein Beispiel dafür, dass wohl noch nie eine Pilgerfahrt eines Papstes ins Heilige Land so hoch politisch war wie diese, ohne dass das jetzt demonstrativ herüber- gekommen wäre. Was also hat er gemacht? Er hat eine wunderbare Idee. Was fehlt in diesem Nahen Osten? Was funktioniert seit Generationen nicht? - Der Dialog. Jede Seite beharrt auf ihrem Standpunkt, sie sieht das eigene Leiden, sie verweigert die Anerkennung des Leidens der anderen. Darin unterscheiden sich Palästinenser und Israelis in keiner Weise. Und jetzt sind da zwei große alte Männer kurz vor dem Ende ihrer politischen Karriere. Sie können sich Freiheiten erlauben und etwas tun, was andere niemals wagen würden - sie können auf dieses überraschende Angebot des Papstes eingehen. Sie können zum Abschluss ihres politischen Lebens dank des Papstes ein Zeichen setzen, zusammenkommen.“

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Ökumene braucht nicht nur Gipfeltreffen, sondern auch Gebet
    Für Erfolg in der Ökumene reicht kein Treffen zwischen dem Papst und Patriarch im Heiligen Land. Daran hat der Patriarch von Konstantinopel in Bonn in erinnert. Patriarch Bartholomaios I.war anlässlich des 50-Jahr-Bestehens der Griechisch-Orthodoxen Metropolie in Deutschland in dem Land unterwegs. Dabei traf er mit Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz zusammen.
   „Es reicht nicht aus, wenn der Papst und der Patriarch sich treffen wollen, wir brauchen dazu die Mitwirkung und Mithilfe der jeweiligen Bischöfe. Wir brauchen das Gebet und die moralische Unterstützung der Gläubigen in der ganzen Welt. Und hier gibt Deutschland ein gutes, nachahmenswertes Beispiel.“
   Bartholomaios I. sprach den großen Kirchen in Deutschland und dem Staat an dieser Stelle seinen Dank aus: Sie hätten ermöglicht, dass sich die orthodoxe Gemeinschaft in Deutschland praktisch aus dem Nichts habe aufbauen können.
   Im Rahmen der Papstreise ins Heilige Land hat der ökumenische Patriarch am 25. Mai mit Papst Franziskus in der Jerusalemer Grabeskirche einen Vespergottesdienst gefeiert zur Erinnerung an die historische Begegnung von Patriarch Athenagoras und Papst Paul VI. vor 50 Jahren in Jerusalem. Bartholomaios I. betonte die vielen Gemeinsamkeiten der beiden Kirchenoberhäupter. Er erinnerte dabei an seine Begegnung mit Franziskus zu dessen Amtsantritt, die er als historisch beschrieb: Nie zuvor sei ein Patriarch von Konstantinopel bei der Amtseinführung eines Papstes anwesend gewesen.
   „Als ich am nächsten Tag dann ein persönliches Vieraugengespräch mit ihm hatte, habe ich festgestellt, dass Gott der römisch-katholischen Schwesterkirche einen Menschen geschickt hat, der die Realitäten dieser Welt kennt. Hinsichtlich der Beziehung unserer Kirchen sind wir beide unbedingt daran interessiert, die Beziehungen weiter auszubauen und das Werk unserer Vorgänger fortzusetzen.“ Rv140513pr 

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Überwältigt von diesem katholischen Papst“
   Sowohl Abbas als auch Peres sind „säkular“, so Ginzel; für beide sei Religion „Teil der Kultur, Teil der Emotion, aber nicht Teil der Lebenspraxis“.
   „Und sie kommen zusammen, überwältigt von diesem katholischen Papst, und werden ein Zeichen setzen, das in der Region sicherlich wahnsinnig viele aufregen wird, wütend machen wird. Weil es genau das ist, was viele zu verhindern versuchen! Aber das ist vielleicht sogar die Botschaft dieses ganzen Heilig-Land-Trips des Papstes: Überwindet das, was euch bisher gehindert hat am Frieden. Versucht etwas Neues, und ich als Papst kann euch auch nur zu Gesten ermuntern. Und dies könnte eine Geste sein, die wiederum anderen sehr viel mehr Mut macht, über ihren Schatten zu springen und den anderen als etwas Gleichwertiges, als einen Menschen anzunehmen.“
   Dass der Papst auf seiner Reise sowohl auf palästinensischer wie auf israelischer Seite viel Mitgefühl gezeigt hat für alle, die unter dem Konflikt leiden, ist nach Ginzels Eindruck „keine Show“.

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 „Natürlich ist es in den Palästinensergebieten sehr gut angekommen, als er an der Mauer Station gemacht hat und mit seiner Geste gegen die Mauer protestierte. Gleichzeitig rief er aber auch die Palästinenser zu Gewaltlosigkeit auf, das wiederum werden die nicht gern gehört haben. Denn Franziskus zeigte auch: Diese Mauer wäre nicht da, hätte es nicht vorher die Gewalt gegen Unschuldige gegeben. Die Mauer ist ein Symbol dafür, wenn auf Gewalt mit Gewalt geantwortet wird.“
   In den deutschen Medien sei es kaum beachtet worden, dass Papst Franziskus auch das Grab von Israels Staatsgründer Theodor Herzl besuchte. Dabei war das für Ginzel „der sichtbare Bruch mit einer antijudaistischen Theologie, die zwangsläufig seit der Begründung des Zionismus auch in einer antiisraelischen Haltung eingemündet ist“.
   „Pius X. hatte ja damals Herzl brüsk abgewiesen, als dieser um Unterstützung des Vatikans bat. Mit diesen ‚Gottesmördern’ wollte der damalige Papst nicht zu tun haben. Er sah Israel als Staat der Juden als eine Gefahr für die katholische Kirche. Das war der Grund, weshalb es auch lange nicht zu diplomatischen Beziehungen zwischen Vatikan und Israel gekommen war. Das begann erst unter Johannes Paul II. Und nun geht Franziskus diesen Schritt weiter und besucht das Grab Herzls. Das war auch eine Versöhnungsgeste gegenüber dem Staat Israel.“
   Gleichzeitig habe Franziskus dem Staat Israel allerdings „eingebläut“, dass es „auch ein Recht der Palästinenser auf einen Staat“ gebe.
   „Die Zukunft kann nur in einer Zweistaatlichkeit im Heiligen Land liegen, ein freies Israel und ein freies Palästina. Dafür müssen wir beten, ein bisschen mehr als nur beten.“
Letzte Frage an den jüdischen Publizisten Ginzel: Was bleibt von der Papstreise?
   „Ein großer Impuls, das Mutmachen, differenziert auf alle Seiten zu schauen und zu überlegen, was auch die Außenstehenden tun können, um den Dialog zwischen Islam und Juden in Gang zu bringen. Dann die sensationelle Geste, als Franziskus auf den Tempelberg ging. Der Papst kommt dorthin, zieht die Schuhe aus und zeigt seine Demutsgeste. Und er mahnt dabei an: Wir sind Kinder Abrahams, lasst uns gemeinsam sein. Aber gleichzeitig sagt er auch hier Dinge, die man nicht hören will: Es gibt keine Gewalt im Namen Gottes. Lasst ab von der Gewalt gegen andere Menschen im Namen der Religion. Dann geht er zur Klagemauer, links und rechts neben ihm ein jüdischer Freund und ein muslimischer Freund, in der Mitte der Papst. Das sind Dinge, die es in der Geschichte der Kirche noch nie gegeben hat! Und sie stehen vor dem Tempelberg, der für Christen, Muslime und Juden eine der heiligsten Stätten ist. Und der Papst umarmt beide, und so stehen die Kinder Abrahams dort umarmt. Wissen Sie, etwas Pathos gehört mit dazu. Das sind Bilder, die bleiben.“
   Das ist, so Ginzel, „die Vision für die Zukunft, gegen alle Fundamentalisten“. Eine, wie er glaubt, „ganz phantastische Geste, die bleiben wird“.
   „Mit Sicherheit wird auch die große Unruhe bleiben unter all den Gruppierungen auf der christlichen, jüdischen und christlichen Seite, die eben nur eine einzige Wahrheit kennen wollen, nämlich die jeweils eigene. Und jene, die durch diese Friedenssymbole ihren eigenen Machtanspruch unterminiert sehen. Wir werden mit erheblichen Diskussion vor Ort zu tun haben, und ich bin sicher, der Papst wollte das mit anstoßen.“ Rv140528domradio

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Um Frieden zu schaffen, braucht es Mut": Von Andrea Bachstein, Vatikanstadt  

  "Es ist eine Begegnung, die dem brennenden Wunsch all derer entspricht, die sich nach dem Frieden sehnen und von einer Welt träumen, in der Männer und Frauen als Geschwister leben können und nicht als Gegner oder als Feinde", so hat Papst Franziskus am Vorabend das von ihm initiierte Friedensgebet der drei großen Religionen für den Nahen Osten beschrieben.
   "Um Frieden zu schaffen, braucht es Mut", sagte der Papst mitten im Grün der Gärten des Vatikan, "mehr als für Krieg". Er hoffe, dies sei der Beginn eines neuen Weges, sagte Franziskus, der mit dem bisher einmaligen Ereignis erneut gezeigt hat, wie sehr er auf die Kraft persönlicher Begegnungen setzt.
   Vor der Zeremonie unter freiem Himmel umarmten sich Israels Präsident Schimon Peres und der Palästinenser- präsident Mahmud Abbas in Anwesenheit des Papstes im vatikanischen Gästehaus Santa Marta. Dort empfing Franziskus die beiden auch zu Einzelgesprächen. Gut anderthalb Stunden lang beteten dann jüdische, christliche und muslimische Vertreter aus Israel und Palästina nacheinander, auch die orthodoxen Patriarchen nahmen teil. Am Ende der Gebete pflanzten der Papst, die beiden Präsidenten sowie der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel gemeinsam einen Olivenbaum als Friedensymbol.

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"Pause von der Politik": Jüdisch-christliches-moslemisches Friedensgebet im Vatikan

  Das in viele Länder live übertragene Ereignis will der Papst ausdrücklich nicht als politisches Eingreifen verstanden wissen, sondern als Impuls zur Belebung des gemeinsamen Friedenswillens und des festgefahrenen Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern. Man erwarte keine sofortigen konkreten Ergebnisse, hatte Vatikan- sprecher Padre Federico Lombardi im Vorfeld gesagt, um den Erwartungsdruck zu senken, niemand mache sich Illusionen, dass nun sofort Frieden in Nahost ausbrechen werde.
   Der Franziskaner-Obere Pierbattista Pizzaballa aus Jerusalem, Kustos des Heiligen Landes, der von Franziskus mit der Organisation beauftragt war, betonte in Rom den spirituellen Charakter des Ereignisses: Außer den Präsidenten waren ausdrücklich keine Politiker in den relativ kleinen Delegationen erwünscht, sondern gesellschaftliche Vertreter beider Länder. Das Treffen solle "eine Pause von der Politik" sein.
   Franziskus hatte die Einladung zu dieser Begegnung der Religionen aus beiden Nationen bei seinem Besuch in Israel überraschend ausgesprochen, und umgehend hatten sowohl Peres wie Abbas ihre Bereitschaft erklärt, dafür nach Rom zu kommen. Die gemeinsame "Anrufung des Friedens" von Christen, Juden und Muslimen fällt in eine Phase zunehmender Spannungen zwischen Israel und den Palästinensern, nachdem diese in der vergangenen Woche eine Einheitsregierung aus den bislang verfeindeten politischen Gruppen Fatah und Hamas gebildet haben.

ök-ff-SchimonPeres-Z Israels Präsident, Friedensnobelpreisträger Peres ...

... sagte, "Israelis wie Palästinenser sehnen sich noch immer nach Frieden. Wir müssen den Schmerzensrufen, der Gewalt, dem Konflikt ein Ende setzen. Wir brauchen alle Frieden. Frieden zwischen Gleichen". Dafür müssten alle Kräfte mobilisiert werden, selbst wenn das Opfer und Kompromisse verlange. Mahmud Abbas sprach von einem gerechten Frieden, um den er für Christen wie Muslime Gott bitte: "Wir wollen Frieden für uns und unsere Nach- barn". Freiheit und Menschenwürde sollten in einem "souveränen und unabhängigen Staat" des palästinensischen Volks geachtet werden. Über Jerusalem sagte Abbas, dass Juden, Christen, Muslime und alle anderen sich dort bei Gebet und Gottesdienst sicher fühlen können müssten.
   Der Vatikan hatte sich alle Mühe gegeben, das Gebetstreffen möglichst schnell im Anschluss an die Nahostreise des Papstes zu realisieren, um etwas vom Momentum dieses Besuchs mitzunehmen. Auch, weil die Amtszeit von Schimon Peres kurz vor dem Ende steht. Die Wahl des Orts bedurfte viel Fingerspitzengefühl. Obwohl sich alles auf dem Territorium des Vatikan abspielte, durften keine religiösen Symbole sichtbar sein, die Juden oder Muslime hätten stören können. So fiel die Wahl auf ein von hohen Hecken umstandenes Rasenfeld der Vatikan-Gärten, in denen sonst unter den täglichen Spaziergängern der emeritierte Papst Benedikt XVI. unterwegs ist. Der Papst und die Präsidenten gingen allerdings nicht zu Fuß vom Gästehaus Santa Marta dorthin, sondern rollten in einem weißen Kleinbus über die ruhigen Wege hinter den Vatikanmauern.

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Fotos: Pater Pierbattista Pizzaballa und der Garten neben der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften

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   Pater Pierbattista Pizzaballa, Franziskaner-Kustos im Heiligen Land, war mit den Vorbereitungen dieser heraus- ragenden Initiative beschäftigt. Vor Journalisten im vatikanischen Pressesaal äußerte er sich über die Natur des Treffens:
   „Es ist ein Moment der Fürbitte, des Gebets, aber vor allem der Fürbitte – eine Pause von der Politik. Der Heilige Vater will nicht in den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern eintreten, den wir alle kennen. Die Politik hat ihre Dynamiken, ihre Zeiten, ihren Atem, ziemlich lang oder kurz, je nachdem, aber der Papst will den Blick heben und darüber hinaus gehen, indem er die Politiker dazu einlädt, dass auch sie eine Pause nehmen und den Blick heben, um von oben auch auf die Wirklichkeit des Heiligen Landes zu blicken.
  Das Friedensgebet findet am Abend um 19 Uhr in den vatikanischen Gärten statt, informierte Vatikansprecher Federico Lombardi. Herzstück seien drei Gebets-Momente, ein jüdischer, ein christlicher und ein muslimischer, die dort verlesen würden. Auch werde jeder der beiden Präsidenten sowie der Papst eine Rede halten. Alle Texte seien zwischen allen drei Seiten abgestimmt. Pater Pizzaballa:
   „Das Gebet hat denselben Ablauf für alle drei Religionen. Das erste ist das Lob Gottes für die Schöpfung; Gott hat uns alle geschaffen, und so sind wir alle Geschwister. Zweiter Moment: Eine Gewissenserforschung. Obwohl wir alle Geschöpfe Gottes sind, sind wir alle Sünder, wir haben gegen die gemeinsame Berufung gefehlt und bitten um Vergebung. Der dritte Moment ist eine Fürbitte an Gott, damit er uns alle in die Lage versetzt, den Frieden zu bauen, jeden im eigenen Umfeld. Es ist ein Gebet in Form einer Fürbitte. Eine Anrufung um Hilfe, damit wir alle Architekten des Friedens werden können.“
   Die Reden der Präsidenten Israels und Palästinas enthalten keinerlei politische Töne , „keine Erklärungen welcher Form auch immer“, sagte Pizzaballa.  „Der Sinn ihrer Reden ist Anrufung. Nun werden einige anmerken, die beiden Präsidenten sind ja nicht religiös, sind keine Repräsentanten ihres Glaubens – aber sie sind Gläubige. Zum Gebet ist es nicht nötig, ein Ordenskleid zu tragen. Abbas kennt den Koran so gut wie ganz auswendig, und Präsident Peres ist ein hervorragender Kenner der Heiligen Schrift.“
   Bei der Friedensbegegnung zwischen den Präsidenten der verfeindeten Nachbarstaaten im Vatikan handelt es sich nicht um ein „gemeinsames Beten“, stellte Pizzaballa klar.
   „Es ist kein interreligiöses Gebet zwischen Christen, Juden und Muslimen. Sondern eine Fürbitte um Frieden, die Israelis und Palästinenser vor Gott erheben. Israelis und Palästinenser, die Juden, Christen und Moslems sind. Diese Unterscheidung ist wichtig, um Formen der Religionsvermischung zu vermeiden, wenn man betet. Aber die Delegationen, die religiös und politisch sind, gehören beiden Ländern an. Peres ist nicht nur der Präsident der Juden, sondern auch der Präsident der Christen und Muslime und Drusen in Israel. Und Präsident Abbas ist Präsident der Muslime und Christen in Palästina. Deshalb sind die Delegationen repräsentativ zusammengesetzt.“
   Die beiden Präsidenten Schimon Peres und Mahmoud Abbas werden heute Abend getrennt voneinander im vatikanischen Gästehaus Santa Marta eintreffen, in dem nicht nur Papst Franziskus, sondern dieser Tage auch der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. wohnt, den der Papst ebenfalls zu dem Friedenstreffen eingeladen hatte. Peres soll gegen 18.15 Uhr eintreffen, Abbas, der direkt von einer Reise nach Ägypten in den Vatikan kommt, eine Viertelstunde später. Franziskus wird die beiden Präsidenten, die er erst vor zwei Wochen bei seinem Heiliglandbesuch traf, getrennt voneinander empfangen. Gemeinsam machen sich die vier Männer dann auf den Weg zum Ort des Treffens.
   Lombardi: „Der Ort des Treffens ist eine schöne dreieckige Wiese zwischen der Casina Pio IV. – dem Sitz der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften - und den Vatikanischen Museen. Von diesem Dreieck sieht man die Kuppel des Petersdoms. Rundherum ist eine hohe Hecke, es ist ein überschaubarer Ort. Der Papst und die beiden Präsidenten und der Patriarch befinden sich an der Spitze des Dreiecks, und an den beiden Seiten sind die beiden Delegation, die Musiker und Sänger.“
   Papst Franziskus wird in der Mitte sitzen, Präsident Perez zu seiner rechten und Präsident Abbas zu seiner linken Seite, erklärte Lombardi. Der Patriarch werde auf einem Stuhl in der Nähe Platz nehmen. Nach einer musikalischen Einleitung und einer kurzen Hinführung auf Englisch beginnt das Fürbittgebet für den Frieden im Heiligen Land. Es folgt eine Hinführung zum abschließenden Teil, nämlich den drei Ansprachen von Franziskus, Peres und Abbas. Nach einer kurzen Friedensgeste - „wahrscheinlich ein gemeinsamer Händedruck“, sagte Lombardi – wird gemeinsam ein Olivenbaum gepflanzt. Die Angehörigen der Delegationen werden den Papst und den Präsidenten der jeweiligen Gegenseite begrüßen. Danach gehen der Papst, die Präsidenten und der Patriarch die wenigen Meter zum Gebäude der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und ziehen sich zu einem kurzen Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit in den Innenhof zurück. Zum öffentlichen Teil der gesamten Begegnung soll es vorab ein Textbüchlein auf Englisch geben, das auch die Reden des Papstes und der Präsidenten beinhaltet.
   Anwesend in den vatikanischen Gärten werden auch die beiden Freunde von Papst Franziskus sein, die ihn ins Heilige Land begleitet hatten: der Rabbiner Abraham Skorka und der Muslim Omar Abboud. Wie Pater Pizzaballa andeutete, stehe er praktisch im minütlichen Austausch mit den diversen Büros der drei Seiten. Was die Texte betreffe, gebe es jede Form von Transparenz: „Alles wissen alles von allen“, so der Franziskaner wörtlich. Das Klima bei der Vorbereitung bezeichnete er als „sehr positiv trotz der kurzen Zeitspanne.“ Franziskus hatte die beiden Präsidenten vor genau zwei Wochen in den Vatikan eingeladen. Das hohe öffentliche Interesse an dieser ungewöhnlichen Begegnung ist positiv für alle Seiten, so Pater Pizzaballa.
   „Natürlich glaubt niemand, nach diese m Treffen wird der Frieden im Heiligen Land ausbrechen. Aber die Idee ist, eine starke Geste zu setzen, um in die Politik diesen weiten Atem zu tragen, der ein wenig fehlt, der Vision nach oben und von oben, und auch um eine Wirkung auf die öffentliche Meinung zu haben. Der Frieden wird nicht bloß in den Salons der Politik gemacht, sondern auch mit der Zustimmung der Öffentlichkeit. Deshalb kann das Gespräch zwischen Israelis und Palästinensern nicht einfach den Politikern überlassen werden: Es muss eine allgemeine Haltung werden.“ 

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 Betonte schlichte Zeremonie

   Unübersehbar war, dass der Papst bei seiner Friedensmission nicht nur auf die persönliche Begegnung der Konfliktseiten setzte, sondern auch weltweite, medienwirksame Präsenz für diesen Akt gesucht hat. Schon am Sonntagmittag warb er per Twitter: "Frieden ist ein Geschenk Gottes, aber auch wir müssen dafür Anstrengungen unternehmen. Das Gebet ist allmächtig. Lasst es uns nutzen, Frieden in den Nahen Osten und auf die ganze Welt zu bringen."
   Für die Fernsehkameras waren Zeitpunkt und Ort der Friedensgebete ein Geschenk, und gaben bei aller betonten Einfachheit der Zeremonie etwas sehr Feierliches: Azurfarbener Himmel wölbte sich an diesem ersten heißen Tag des Jahres über Rom, die Sonne stand um 19 Uhr zu Beginn schon tief und erleuchtete die glänzenden Ligusterblätter am Rand des schon schattigen Rasenfelds.
   Das Szenenbild und die Perspektiven hätte ein Filmregisseur kaum besser erdenken können: Längs dunkler Thujenhecken saßen die jeweils knapp 30-köpfigen Delegationen von Vatikan, Israelis und Palästinensern. Wo die Hecke in einem spitzen Winkel aufeinander zulaufen, saßen auf beigefarbenen Samtsesseln der Papst und zu seinen Seiten Peres und Abbas. Die Drei ergriffen als Letzte das Wort, jeder von ihnen sprach ein Gebet. Viele Gesten der Herzlichkeit, Händeschütteln und Umarmungen kamen zu den Worten hinzu.
   Zu den Gästen gehörten auch die beiden alten Freunde aus Argentinien, die den Papst schon auf der Nahostreise begleitet und ihren ökumenischen Charakter verkörpert hatten - der Rabbiner Abraham Skorka und der Muslim Imam Omar Abboud, die der Papst demonstrativ vor der Klagemauer in Jerusalem umarmt hatte. Foto unten

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Wir haben einen Ruf vernommen, und wir müssen antworten"

   In Italienisch, Englisch, Hebräisch und Arabisch wurden nun in Rom die Gebete gesprochen, alle, die in Israel und Palästina leben, sollten nicht nur mit ihren Religionen, sondern auch ihren Sprachen repräsentiert sein. "Schalom, Pace, Salam" endete auch der sich sonst fast nur auf Italienisch äußernden Franziskus, der seinen Appell am Schluss wiederholte: "Wir haben einen Ruf vernommen, und wir müssen antworten - den Ruf, die Spirale des Hasses und der Gewalt zu durchbrechen, sie zu durchbrechen mit einem einzigen Wort: ,Bruder'. Doch um dieses Wort zu sagen, müssen wir alle den Blick zum Himmel erheben und uns als Söhne eines einzigen Vaters erkennen."
 Die "Anrufung des Friedens" war zuvor eine von "musikalischen Meditationen" unterbrochene Abfolge von Gebeten gewesen, bei der die Religionen nach ihrer Entstehungen an der Reihe waren: Zuerst die Juden, dann die Christen und dann die Muslime. Jeweils drei Gebete für jede Religion - ein Dankgebet, ein Bitte um Vergebung und dann die Bitte um Frieden. Schlichter hätte das alles kaum geschehen können - ergreifender auch kaum.
   Es sind Bilder entstanden, die das Scheitern der Politik, Verständigung zu finden, noch schwerer hinnehmbar machen. Es solle der Weg sein zur Suche "nach dem, was eint, um zu überwinden, was trennt", sagte der Papst. Einfache, klare Worte, und überall verständliche Bilder und Gesten, auch für ein vielleicht historisches Treffen. Was immer seine Initiative bringen könnte, an diesem Franziskus-Stil werden sich andere künftig messen lassen müs- sen, die den Frieden in Nahost auf der Tagesordnung haben.  

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Papstrede beim Friedensgebet für das Heilige Land
   Meine Herren Präsidenten,
mit großer Freude begrüße ich Sie und möchte Ihnen und den ehrenwerten Delegationen, die Sie begleiten, den gleichen herzlichen Empfang bereiten, den Sie mir auf meiner gerade beendeten Pilgerreise im Heiligen Land erwiesen haben.
   Ich danke Ihnen aus tiefstem Herzen, dass Sie meine Einladung angenommen haben, hierher zu kommen und gemeinsam von Gott das Geschenk des Friedens zu erflehen. Ich hoffe, dass diese Begegnung der Beginn eines neuen Weges auf der Suche nach dem sei, was eint, um das zu überwinden, was trennt.
    Und ich danke Eurer Heiligkeit, verehrter Bruder Bartholomäus, dass Sie hier bei mir sind, um diese bedeutenden Gäste zu empfangen. Ihre Teilnahme ist ein großes Geschenk, eine wertvolle Unterstützung, und sie ist ein Zeugnis für den Weg, den wir als Christen auf die volle Einheit hin beschreiten.
   Ihre Anwesenheit, meine Herren Präsidenten, ist ein großes Zeichen der Brüderlichkeit, das Sie als Söhne Abrahams vollziehen, und ein Ausdruck konkreten Vertrauens auf Gott, den Herrn der Geschichte, der heute auf uns schaut als auf Menschen, die einander Brüder sind, und uns auf seine Wege führen möchte.   
   Diese unsere Begegnung zur Bitte um den Frieden im Heiligen Land, im Nahen Osten und in der ganzen Welt wird begleitet vom Gebet unzähliger Menschen, die verschiedenen Kulturen, Heimatländern, Sprachen und Religionen angehören – Menschen, die für diese Begegnung gebetet haben und die jetzt mit uns in der flehentlichen Bitte selbst vereint sind. Es ist eine Begegnung, die dem brennenden Wunsch all derer entspricht, die sich nach dem Frieden sehnen und von einer Welt träumen, in der Männer und Frauen als Geschwister leben können und nicht als Gegner oder als Feinde.
   Meine Herren Präsidenten,
die Welt ist ein Erbe, das wir von unseren Vorfahren empfangen haben, aber sie ist auch eine Leihgabe unserer Kinder – Kinder, die müde und erschöpft sind von den Konflikten und danach verlangen, den Anbruch des Friedens zu erreichen; Kinder, die uns bitten, die Mauern der Feindschaft niederzureißen und den Weg des Dialogs und des Friedens zu beschreiten, damit Liebe und Freundschaft triumphieren.
   Viele, allzu viele dieser Kinder sind unschuldige Opfer von Krieg und Gewalt geworden – Pflanzen, die in voller Blüte ausgerissen wurden. Es ist unsere Pflicht, dafür zu sorgen, dass ihr Opfer nicht vergeblich sei. Möge die Erinnerung an sie uns den Mut zum Frieden einflößen, die Kraft, um jeden Preis beharrlich den Dialog fortzusetzen, die Geduld, Tag für Tag das immer festere Netz eines respekt- und friedvollen Zusammenlebens zu knüpfen, zur Ehre Gottes und zum Wohl aller.
   Um Frieden zu schaffen, braucht es Mut, sehr viel mehr, als um Krieg zu führen. Es braucht Mut, um Ja zu sagen zur Begegnung und Nein zur Auseinandersetzung; Ja zum Dialog und Nein zur Gewalt; Ja zur Verhandlung und Nein zu Feindseligkeiten; Ja zur Einhaltung der Abmachungen und Nein zu Provokationen; Ja zur Aufrichtigkeit und Nein zur Doppelzüngigkeit. Für all das braucht es Mut, eine große Seelenstärke.
   Die Geschichte lehrt uns, dass unsere alleinigen Kräfte nicht ausreichen. Mehr als einmal waren wir dem Frieden nahe, doch dem Bösen ist es mit verschiedenen Mitteln gelungen, ihn zu verhindern. Deshalb sind wir hier, denn wir wissen und glauben, dass wir der Hilfe Gottes bedürfen. Wir lassen nicht von unseren Verantwortlichkeiten ab, sondern wir rufen Gott an als Akt höchster Verantwortung unserem Gewissen und unseren Völkern gegenüber. Wir haben einen Ruf vernommen, und wir müssen antworten – den Ruf, die Spirale des Hasses und der Gewalt zu durchbrechen, sie zu durchbrechen mit einem einzigen Wort: „Bruder“. Doch um dieses Wort zu sagen, müssen wir alle den Blick zum Himmel erheben und uns als Söhne eines einzigen Vaters erkennen.
   An ihn wende ich mich im Geist Jesu Christi und bitte zugleich um die Fürsprache der Jungfrau Maria, Tochter des Heiligen Landes und unsere Mutter.

Herr, Gott des Friedens, erhöre unser Flehen!
   Viele Male und über viele Jahre hin haben wir versucht, unsere Konflikte mit unseren Kräften und auch mit unseren Waffen zu lösen; so viele Momente der Feindseligkeit und der Dunkelheit; so viel vergossenes Blut; so viele zerbrochene Leben; so viele begrabene Hoffnungen… Doch unsere Anstrengungen waren vergeblich. Nun, Herr, hilf Du uns! Schenke Du uns den Frieden, lehre Du uns den Frieden, führe Du uns zum Frieden! Öffne unsere Augen und unsere Herzen, und gib uns den Mut zu sagen: „Nie wieder Krieg!“; „Mit dem Krieg ist alles zerstört!“ Flöße uns den Mut ein, konkrete Taten zu vollbringen, um den Frieden aufzubauen. Herr, Gott Abrahams und der Propheten, Du Gott der Liebe, der Du uns erschaffen hast und uns rufst, als Brüder zu leben, schenke uns die Kraft, jeden Tag Baumeister des Friedens zu sein; schenke uns die Fähigkeit, alle Mitmenschen, denen wir auf unserem Weg begegnen, mit wohlwollenden Augen zu sehen. Mach uns bereit, auf den Notschrei unserer Bürger zu hören, die uns bitten, unsere Waffen in Werkzeuge des Friedens zu verwandeln, unsere Ängste in Vertrauen und unsere Spannungen in Vergebung. Halte in uns die Flamme der Hoffnung am Brennen, damit wir mit geduldiger Ausdauer Entscheidungen für den Dialog und die Versöhnung treffen, damit endlich der Friede siege. Und mögen diese Worte – Spaltung, Hass, Krieg – aus dem Herzen jedes Menschen verbannt werden! Herr, entwaffne die Zunge und die Hände, erneuere Herzen und Geist, damit das Wort, das uns einander begegnen lässt, immer „Bruder“ laute und unser Leben seinen Ausdruck finde in „Schalom, Frieden, Salam“! Amen. RV140609

ff-191xx-Friedensgebet  Zum Frieden braucht es Mut:

Die Ansprachen bei den Friedensgebeten
   Die Bilder sind um die Welt gegangen: Drei Männer, die sich umarmen, sich die Hände reichen und die mit dieser Geste den Willen und den Mut zum Frieden im Nahen Osten und auf der ganzen Welt zeigen.
  Das Friedenstreffen von Papst Franziskus mit dem israelischen und dem  palästinensischen Präsidenten, Schimon Peres und Mahmud Abbas, in Anwesenheit des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und des Franziskaner- kustos des Heiligen Landes Pater Pierbattista Pizzaballa hat an diesem Sonntagabend bei strahlendem Sonnenschein in den Vatikanischen Gärten stattgefunden. Es sind Bilder, die an eine Hochzeit erinnern – alle festlich gekleidet, an einem sonnigen Sonntag. Ein dreieckiger Rasen mitten in den Gärten, zwischen Vatikanischen Museen und Päpstlicher Akademie der Wissenschaften. Auf dem Rasen sitzen alle in ihren traditionellen Kleidern vereint – Juden, Muslime, Christen. Von Großmufti bis zum Kardinal, vom Drusen bis zum Rabbiner.
   Nach drei Gebetsmomenten und Fürbitten für den Frieden in unterschiedlichen Sprachen (hebräisch, englisch/ italienisch, arabisch), der Vatikan nennt sie Invokationen, mit musikalischer Untermalung, hielten die drei Protagonisten bewegende Ansprachen für den Frieden zwischen ihren Völkern und auf der Welt. Sie alle waren mutig gewesen – denn so wie Papst Franziskus bei seiner Rede sagte, braucht es Mut, um Frieden zu schaffen, sehr viel mehr, als um Krieg zu führen.
   „Es braucht Mut, um Ja zu sagen zur Begegnung und Nein zur Auseinandersetzung; Ja zum Dialog und Nein zur Gewalt; Ja zur Verhandlung und Nein zu Feindseligkeiten; Ja zur Einhaltung der Abmachungen und Nein zu Provokationen; Ja zur Aufrichtigkeit und Nein zur Doppelzüngigkeit. Für all das braucht es Mut, eine große Seelenstärke.“
   Viel zu viele Kinder seien unschuldige Opfer von Krieg und Gewalt geworden, so der Papst; wie Pflanzen seien sie in voller Blüte ausgerissen worden. Er bitte Gott um Hilfe, um Mut und um die Fähigkeit, alle Mitmenschen, denen wir auf unserem Weg begegnen, mit Wohlwollen anzusehen.
    „Nun, Herr, hilf Du uns! Schenke Du uns den Frieden, lehre Du uns den Frieden, führe Du uns zum Frieden! Öffne unsere Augen und unsere Herzen, und gib uns den Mut zu sagen: „Nie wieder Krieg!“; „Mit dem Krieg ist alles zerstört!“
Peres für „Frieden unter Gleichen“
   Die Anrufung des Papstes endete mit den Worten: „Schalom, Frieden, Salam!“ Schimon Peres würdigte gleich zu Beginn seiner Rede Papst Franziskus als einen „Brückenbauer der Bruderschaft des Friedens“ und bedankte sich herzlich bei ihm, aber auch bei Abbas. Er erwähnte, dass es für den Frieden Opfer gebracht und Kompromisse eingegangen werden müssen.
   „Zwei Völker – das israelische und das palästinensische – wünschen sich Frieden. Die Tränen der Mütter, die um ihre Kinder weinen, mahnen unsere Herzen. Wir alle brauchen Frieden. Frieden unter Gleichen!“
   Er erinnerte daran, dass wir unseren Nächsten lieben sollten wie uns selbst; dabei berief sich der israelische Präsident nicht auf das Liebesgebot Jesu, sondern auf einen Ausspruch von Rabbi Akiba.
   „Ich war jung, jetzt bin ich alt. Ich habe den Krieg erlebt und den Frieden. Niemals werde ich die Familien, Eltern und Kinder vergessen, die für den Krieg bitter bezahlen mussten. Mein ganzes Leben werde ich nicht mehr aufhören, für den Frieden zu arbeiten."
   Während Peres an die Bedeutung Jerusalems für das jüdische Volk erinnerte, wies der palästinensische Präsident Abbas in seinem Redebeitrag darauf hin, dass Jerusalem, al-Quds, eine der heiligsten Stätten des Islam sei. Abbas forderte Frieden und Gerechtigkeit für sein Volk; er bete um ein würdiges Leben in Freiheit, eine Zukunft in einem freien und unabhängigen Staat. Der Leiter der Palästinensischen Autonomiebehörde zitierte den heiligen Johannes Paul II. mit dem Ausspruch, wenn in Jerusalem einmal Frieden herrsche, dann werde dieser Friede ausstrahlen auf die ganze Welt.
   „Deswegen bitten wir dich, Herr, um Frieden im Heiligen Land, in Palästina und Jerusalem! Wir bitten dich, Palästina und vor allem Jerusalem in einen sicheren Ort für alle Gläubigen, einen Ort des Gebets und der Anbetung für alle monotheistischen Religionen zu verwandeln.“
   Darauf folgt dann die erwartete Friedensgeste: Papst Franziskus und die Präsidenten Abbas und Peres reichen sich die Hände. Sie küssen und umarmen sich, wie auch schon zu Beginn des Treffens. Mit ein paar entschlossenen Schritten hat sich auch der Ökumenische Patriarch dazugestellt. Im Hintergrund ertönt klassische Musik, während die vier Protagonisten mit jeweils einer blauen Schaufel auf der Vatikanwiese einen Olivenbaum pflanzen. Später ziehen sich die Protagnisten noch in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften zurück, um einen Moment privat zu sprechen, dann ist der historische Moment vorüber. „Sie müssen sich doch erholen“, hört man noch einen Kardinal zum Papst sagen, bevor die Kameras ausgeschaltet werden. Tatsächlich sagt Franziskus an diesem Montag wegen „leichter Indisposition“ eine geplante Begegnung mit italienischen Staatsanwälten ab.   Rv140609no

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Die Zeremonie in den Vatikanischen Gärten, die im Fernsehen live übertragen wurde, geht auf eine Einladung zurück, die der Pontifex während seiner Nahostreise vor rund zwei Wochen ausgesprochen hatte. Beim sogenannten "Aufruf zum Frieden" beteten Juden, Christen und Muslime unter freiem Himmel auf einem Rasenstück mit Blick auf den Petersdom für den Frieden und baten um Vergebung. Unterbrochen wurden die Gebete durch musikalische Meditationen, die ein kleines Orchester spielte. Anschließend gab es Ansprachen von Franziskus, Peres und Abbas mit Appellen für den Frieden.
   Fotos: Vor Beginn der Zeremonie hatten sich Peres und Abbas in Anwesenheit des Papstes lange und herzlich in dessen Residenz begrüßt und einander umarmt. In der Residenz Santa Marta hatte sich Franziskus zu getrennten Gesprächen mit den beiden Politikern getroffen. An Bord eines weißen Kleinbusses machte sich die Gruppe danach auf den Weg zu den Gärten. Peres und Abbas wurden dort von ihren Delegationen erwartet, darunter viele Rabbiner und Imame. Die Vatikanischen Gärten wurden für das Friedensgebet gewählt, weil sich hier keine religiösen Symbole befinden.
   "Das Gebet ist allmächtig. Lasst es uns nutzen, um dem Nahen Osten und der ganzen Welt Frieden zu bringen", hatte der Papst vor Beginn des Friedensgebets über Twitter aufgerufen. Das Treffen in Rom sei kein Versuch, in dem Konflikt zu vermitteln, betonte Franziskus vor dem Treffen. Am Freitag hieß es im Vatikan, das gemeinsame Gebet werde in Nahost keinen Frieden über Nacht bringen, es sei aber "ein sehr wichtiger Anfang".
   Papst Franziskus hatte am Sonntagvormittag auf dem von einer Menschenmenge gefüllten Petersplatz im Vatikan die Pfingstmesse gefeiert. 90 Kardinäle und Bischöfe, sowie 200 Priester beteiligten sich an der Messe zum christlichen Hochfest, das an die Herabkunft des Heiligen Geistes erinnert. Die Kirche überwinde alle Grenzen von Staatsangehörigkeit und Herkunft, betonte der Heilige Vater.
   Unmittelbar vor dem Friedensgebet hatte Abbas seine Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Palästinensern bekräftigt. "Mit diesem Gebet senden wir eine Botschaft an alle Gläubigen der drei großen Religionen und auch an Angehörige anderer Religionen: Der Traum vom Frieden darf nicht sterben", sagte Abbas der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" (Sonntag). Nichts dürfe die Suche nach Lösungen behindern, die es möglich machten, dass Palästinenser und Israelis beide in einem souveränen Staaten mit international anerkannten Grenzen lebten, so Abbas.

Nahost-Friedensgebet im Vatikan   "Eine Pause von der Politik"

Alle Versuche, den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zu lösen, sind bisher gescheitert. Papst Franziskus, Israels Präsident Peres und Palästinenserpräsident Abbas beten heute gemeinsam. Der Papst will der Politik damit eine Pause gönnen.
   Eigentlich hatte Papst Franziskus dieses Zusammentreffen schon während seiner Reise ins Heilige Land geplant. Doch weil das logistisch nicht ging, kommt er nun mit Israels Präsident Schimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Rom zusammen."Und deshalb habe ich den Präsidenten von Israel und von Palästina eingeladen, in den Vatikan zu kommen und zusammen mit mir für den Frieden zu beten", sagte Franziskus. "Und ich bitte Euch, uns nicht allein zu lassen. Betet viel, damit uns der Herr den Frieden gibt, in jener gesegneten Region."
   Franziskus will das Seine tun für diesen Frieden, mit den Mitteln der Kirche. Es steht kein neuer Friedensplan auf dem Programm, es gibt keine gemeinsamen Erklärungen. Im Schatten der Petersbasilika soll in den Vatikanischen Gärten um den Frieden gebetet werden. Eineinhalb Stunden wird die Andacht dauern, jeweils ein Teil wurde von jüdischen, christlichen und muslimischen Vertretern geplant.
   Dem Franziskaner-Pater Pierbattista Pizzabella, der für die katholische Kirche als Kustos im Heiligen Land die Christlichen Städten verwaltet und das Treffen wesentlich mit geplant hat, ist es wichtig zu betonen: Hier im Vatikan werde keine Politik gemacht. Es sei "ein Moment der Fürbitte zu Gott um die Gabe des Friedens. Das ist eine Pause der Politik. Der Heilige Vater möchte nicht in die politischen Fragen des Israel-Palästina-Konfliktes einsteigen, die wir inzwischen alle in den kleinsten Details kennen, von A bis Z." Der Pater betont, die Politik habe "ihre Dynamiken, ihre Zeiten, ihren Atem". Aber es sei der Wunsch des Papstes, den Blick zu heben, indem er die Politiker einlade, auch eine Pause zu machen.
Dabei hat auch der Vatikan durchaus politische Vorstellungen in der Region. Erstmals war bei der Reise des Papstes Ende Mai vom Palästinenserstaat die Rede. Auch der Vatikan spricht sich für eine Zwei-Staaten-Lösung aus. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterstrich sowohl das Existenzrecht Israels, das Recht auf Frieden und Sicherheit innerhalb der international anerkannten Grenzen - sowie das Recht des palästinensischen Volkes, eine souveräne und unabhängige Heimat zu haben. Dazu komme die Anerkennung des Heiligen und universellen Charakters der Stadt Jerusalem, ihres kulturellen und religiösen Erbes.
   Doch die beiden Präsidenten, die sich im Vatikan treffen, werden, selbst wenn sie es wollten, eine solche Lösung nicht durchsetzen können. Peres' Amtszeit läuft aus, in der nächsten Woche wird sein Nachfolger gewählt. Und Israels Regierungschef Netanjahu fährt einen harten Kurs gegenüber den Palästinensern. Abbas' Macht ist ebenfalls begrenzt: Im Gaza-Streifen, wo die Hamas regiert und viele Palästinenser leben, hat er keinen Einfluss.
   Aber immerhin: Das Interesse in der Region ist groß. Über 20 israelische Journalisten begleiten allein Peres. Im Vatikan hofft man auf ein wichtiges Zeichen mit Strahlkraft, andererseits will man die Erwartungen aber nicht zu hoch schrauben. Pater Pizzabella betont, niemand gehe "davon aus, oder glaubt auch nur ein wenig daran, dass am Montag der Frieden ausbricht, oder dass der Frieden näher kommt". Die Absicht dieser Initiative sei, "einen Weg wieder zu eröffnen, der seit einiger Zeit geschlossen war, nämlich wieder die Sehnsucht zu wecken, die Möglichkeit, dass etwas passiert, dass sich etwas verändert. Denn alle sind dieser ewigen Verhandlungen über die kleinen Details überdrüssig, die nie enden."
   Um diesem Treffen zusätzliches Gewicht zu verleihen, kommt auch Batholomaios in den Vatikan, der Patriarch von Konstantinopel und Ehrenprimas der orthodoxen Kirchen. Er will gemeinsam mit Papst Franziskus, Präsident Peres und Präsident Abbas in den Vatikanischen Gärten einen Olivenbaum pflanzen Foto unten - verbunden mit der Hoffnung, dass diese symbolische Geste irgendwann auch politische Früchte trägt.
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   "Es ist eine Begegnung, die dem brennenden Wunsch all derer entspricht, die sich nach dem Frieden sehnen und von einer Welt träumen, in der Männer und Frauen als Geschwister leben können und nicht als Gegner oder als Feinde", so hat Papst Franziskus Pfingsten das von ihm initiierte Friedensgebet der drei großen Religionen für den Nahen Osten beschrieben.
   "Um Frieden zu schaffen, braucht es Mut", sagte der Papst mitten im Grün der Gärten des Vatikan, "mehr als für Krieg". Er hoffe, dies sei der Beginn eines neuen Weges, sagte Franziskus, der mit dem bisher einmaligen Ereignis erneut gezeigt hat, wie sehr er auf die Kraft persönlicher Begegnungen setzt.
  Vor der Zeremonie unter freiem Himmel umarmten sich Israels Präsident Schimon Peres und der Palästinenser- präsident Mahmud Abbas in Anwesenheit des Papstes im vatikanischen Gästehaus Santa Marta. Dort empfing Franziskus die beiden auch zu Einzelgesprächen. Gut anderthalb Stunden lang beteten dann jüdische, christliche und muslimische Vertreter aus Israel und Palästina nacheinander, auch die orthodoxen Patriarchen nahmen teil. Am Ende der Gebete pflanzten der Papst, die beiden Präsidenten sowie der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel gemeinsam einen Olivenbaum als Friedensymbol. Foto oben
  Franziskus hatte die Einladung zu dieser Begegnung der Religionen aus beiden Nationen bei seinem Besuch in Israel vor zwei Wochen überraschend ausgesprochen, und umgehend hatten sowohl Peres wie Abbas ihre Bereitschaft erklärt, dafür nach Rom zu kommen. Die gemeinsame "Anrufung des Friedens" von Christen, Juden und Muslimen fällt in eine Phase zunehmender Spannungen zwischen Israel und den Palästinensern, nachdem diese in der vergangenen Woche eine Einheitsregierung aus den bislang verfeindeten politischen Gruppen Fatah und Hamas gebildet haben.
  Israels Präsident, Friedensnobelpreisträger Peres, sagte, "Israelis wie Palästinenser sehnen sich noch immer nach Frieden. Wir müssen den Schmerzensrufen, der Gewalt, dem Konflikt ein Ende setzen. Wir brauchen alle Frieden. Frieden zwischen Gleichen". Dafür müssten alle Kräfte mobilisiert werden, selbst wenn das Opfer und Kompromisse verlange. Mahmud Abbas sprach von einem gerechten Frieden, um den er für Christen wie Muslime Gott bitte: "Wir wollen Frieden für uns und unsere Nachbarn". Freiheit und Menschenwürde sollten in einem "souveränen und unabhängigen Staat" des palästinensischen Volks geachtet werden. Über Jerusalem sagte Abbas, dass Juden, Christen, Muslime und alle anderen sich dort bei Gebet und Gottesdienst sicher fühlen können müssten.

be-291FredericoLombardi-x   Vatikansprecher Lombardi: „Friedensgebet war Türöffner“

   Das Friedensgebet, zu dem Papst Franziskus im Juni die Präsidenten Israels und Palaestinas eingeladen hat, war ein Türöffner für weitere Friedensinitiativen. Darüber seien sich der Papst und Schimon Peres bei ihrem erneuten Treffen im Vatikan einig gewesen, sagte uns Vatikansprecher Pater Federico Lombardi nach der Audienz im Interview. Shimon Peres war wenige Tage nach dem Friedensgebet aus seinem Präsidentenamt geschieden. Lombardi:
   „Der Papst hat mir am Ende der Audienz mitgeteilt, und zwar in Übereinstimmung mit Schimon Peres, dass diese Gebetsinitiative für den Frieden - angesichts der Dinge, die danach passiert sind - keinesfalls als etwas betrachtet werden kann, das missglückt ist. Sie kann vielmehr als eine geöffnete Tür gesehen werden, die weiter offensteht und weitere Initiativen und Werte anregen kann.“
   Peres habe in der Tat um das erneute Treffen mit dem Papst gebeten, um ihn über Friedensinitiativen zu informieren, die er nach Ende seiner Amtszeit als Präsident vorangetrieben habe. Auch schlug Shimon Peres bei der Audienz am Donnerstag eine „UN der Religionen“ zur Lösung internationaler Konflikte vor. Die Idee sei auf Franziskus‘ Interesse gestoßen, so Lombardi, allerdings habe der Papst Peres keine persönlichen Schritte für eine solche Weltorganisation der Religionen in Aussicht gestellt. Franziskus wies demnach darauf hin, dass in diesem Bereich bereits verschiedene Vatikanbehörden tätig seien, so der Rat für den interreligiösen Dialog und der Rat für Gerechtigkeit und Frieden. Dort werde man die Diskussion um Peres' Vorschlag verfolgen. Die fast einstündige Begegnung mit Peres sei „lang und wichtig“ gewesen, resümierte Lombardi. Der Papst habe sich viel Zeit nehmen wollen, um diesen „Mann des Friedens“ zu treffen.
   Auch bei Frnaziskus' Begegnung mit dem jordanischen Prinzen Hassan ibn Talal sei es um Dialog im Namen des Friedens gegangen. Prinz Hassan, der ein wichtiger Ansprechpartner des Heiligen Stuhles im Gespräch mit der islamischen Welt ist, habe den Papst über jüngste Initiativen des jordanischen Königshauses für den interreligiösen Dialog vorgestellt, so Vatikansprecher Lombardi.
   Inwiefern bei den beiden Privataudienzen die Spannungen im Nahen Osten und der Krieg in Syrien und im Irak explizit Thema waren, gab Lombardi nicht bekannt. Rv140905pr

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Der Apostel Paulus in 1 Kor 1,22 sagt: Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit.
Foto links: Kirche auf dem Berg der Seligpreisungen, im Hintergrund der See Genezareth rechts: Olivenbaum
Foto unten links: Sonderbriefmarke des Vatikans in Erinnerung an die Pilgerreise Johannes Paul II. ins Heilige Land
Foto unten rechts: Schimon Peres assisitiert dem Papst beim Pflanzen eines Olivenbaums im Heiligen Land

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   Die israelische Tageszeitung “Jediot Achronot” berichtet von einem Zeichen, das Papst Johannes Paul II., 2005 verstorbener Papst, möglicherweise an einem Baum vollbracht hat: In einem Olivenhain im Norden Israels trägt ein von Papst Johannes Paul im Jahre 2000 gesegneter Baum als einziger Früchte. „Das ist ein unerklärliches Phänomen”, zitiert die Tageszeitung „Jediot Achronot" einen Mitarbeiter des Jewish National Fund. Andere Bäume sind verkümmert.
  Als Karni jetzt den Hain besuchte, habe er festgestellt, dass zwölf Bäume überhaupt keine Früchte trügen und einige sogar verkümmert seien, schreibt das Blatt weiter. Allein der gesegnete Baum habe sich gut entwickelt und trage Oliven. “Die Bäume wachsen auf demselben Boden, sie haben die selbe Menge Wasser und die die selbe Pflege bekommen”, sagte Karni. Es sei unmöglich, einen Zusammenhang mit der Segnung herzustellen, sagte der Förster. “Aber es ist sicherlich ein Wunder.”   Während seiner Pilgerreise im Jahr 2000 ins Heilige Land hatte Johannes Paul II. eine Messe auf dem Berg der Seligpreisungen am See Genezareth gehalten. Dabei hatte der Papst auch diesen Olivensetzling gesegnet.  NOZ080721

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Fotos oben: Papst Franziskus pflanzt zusammen mit Präsident Schimon Peres einen Olivenbaum  in Israel

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WM beginnt mit Franziskus-Idee
   Bevor die Kicker Brasiliens und Kroatiens am Donnerstag den Ball zum Rollen gebracht haben, wurde vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-WM in Brasilien eine Zeremonie abgehalten, die mit einer Papst-Idee beginnt. Wie uns der Präsident des Fußballdachverbandes FIFA im vergangenen November verriet, hat Papst Franziskus um einen Gefallen gebeten: Eine Friedenstaube soll vor dem Eröffnungsspiel auf dem Fußballfeld fliegen gelassen werden.
   „Es war ein außerordentlich freundliches Treffen. Ich wusste ja im Vorfeld schon, dass Papst Franziskus fußball- begeistert ist. Von mir muss ich das ja nicht zwei Mal sagen. Es sind also zwei Menschen zusammengekommen, die in ihrer Aufgabe gleiche Werte erkennen. Der Papst hat sofort über Sport und insbesondere über Fußball gesprochen. Er wies darauf hin, dass Sport Leute zusammenbringt. Er sprach von ,educación‘, also Erziehung. Ich sagte ihm, dass Fußball eine Schule des Lebens sei, basierend auf Disziplin, Respekt, Wettkampf und Fairplay. Und ich sagte ihm, dass Fußball der Welt eine große Hoffnung schenkt. Dann sagte er zu mir, ich hätte Recht. Und weiter: Fußball solle sich noch mehr für den Frieden einsetzen. ,Futbol por la paz´, sagte der Papst. Dann hatte ich die Gelegenheit, mit ihm eine Neueinführung der Fifa zu besprechen. Es handelt sich um einen Händeschlag vor dem Spiel, um ein Zeichen für den weltweiten Frieden zu setzen.“
Papst wollte Olivenbäumchen am Spielfeldrand in Sao Paulo
   Der Fußball sei auch für den Frieden wichtig, sagte damals der Schweizer Sepp Blatter.
   „Ich war vor kurzem im Iran. Wir arbeiten jetzt für das Zustandekommen eines Spiels zwischen der – zumindest fußballerisch anerkannten – Mannschaft Palästinas gegen Israel. Da sagte Franziskus zu mir: ,Bravo, mach weiter so! Aber denk daran, es sollte Frieden geben.‘ Ich sagte dann zu ihm, dass wir da mithelfen könnten. Wir haben dann festgelegt, dass bei der nächsten WM in Brasilien 2014 ein konkretes Zeichen gesetzt wird. Franziskus wollte, dass man einen Olivenbaum auf dem Feld einpflanzen sollte. Das darf man aber wegen der Fifa-Regeln nicht machen. Dann sagte er, dass wir doch eine Friedentaube fliegen lassen sollten. Und das wird nun auch gemacht.“ Rv130612mg

Papstbotschaft zur WM: „Der Sport ist die Schule des Friedens“
   „Liebe Freunde, mit großer Freude darf ich mich anlässlich des Beginns der Fußball-WM 2014 in Brasilien an euch alle wenden, liebe Fußballfans.“ So beginnt eine Videobotschaft des Papstes, die vom brasilianischen Radio Globo ausgestrahlt wurde. Der Papst wendet sich an die Organisatoren, die Fans und die Teilnehmer, besonders auch an die Zuschauer dieses Ereignisses, dass die „Grenzen der Sprachen, Kulturen und Nationen“ überwinde.
   „Meine Hoffnung ist, dass diese Weltmeisterschaft nicht nur ein Sportereignis sei, sondern zu einem Fest der Solidarität unter den Völkern werde. Das setzt voraus, dass die Partien als das wahrgenommen werden, was sie wirklich sind: Ein Spiel und gleichzeitig eine Gelegenheit für den Dialog, das Verstehen, und auch – und ich sage: vor allem – ein Instrument, um Werte zu vermitteln, die das Wohl des Menschen fördern und beim Aufbau einer friedlicheren und geschwisterlicheren Gesellschaft helfen.“
   Der Papst nennt Werte wie Loyalität, Durchhaltevermögen, Freundschaft, das Teilen und die Solidarität. Der Fußball bringe viele Verhaltensweisen und Einstellungen hervor, die nicht nur auf dem Platz bedeutsam seien, sondern auch beim Aufbau des Friedens, so der Papst. „Der Sport ist die Schule des Friedens, er bringt uns bei, den Frieden zu errichten.“
   Drei Lektionen könne man vom Sport lernen, so der Papst weiter, drei wesentliche Verhaltensweisen bei dieser Friedenssuche: Die Notwendigkeit des Trainings, das „Fair-Play“ und den Respekt unter den Gegnern.
   „Im Leben müssen wir streiten, trainieren und uns einsetzen, um wichtige Ergebnisse zu erreichen. Der Sports- geist erinnert uns hier daran, das Opfer wichtig sind, um in den Tugenden zu wachsen, die für den Charakter eines Menschen wichtig sind. Zur Verbesserung eines Menschen ist intensives und dauerhaftes „Training“ wichtig, deswegen muss noch mehr Einsatz gebracht werden, um zur Begegnung und zum Frieden zwischen Einzelnen und zwischen „verbesserten“ Völkern zu kommen! Es ist so wichtig, viel zu trainieren …“
„Niemand gewinnt alleine“
   Der Fußball sei weiterhin eine Schule für die Kultur der Begegnung, die Einigkeit und Frieden unter den Völkern bringe, so der Papst in der Videobotschaft weiter. Aus dem Sport gelte es deswegen eine zweite Lehre zu ziehen: Um in einem Team zu spielen, sei es nötig, vor allem an das Wohl der Gruppe zu denken, nicht nur an das eigene.
   „Um zu gewinnen, müssen wir den Individualismus, den Egoismus, alle Formen des Rassismus, der Intoleranz und der Instrumentalisierung des Menschen überwinden. Einzelgänger im Fußball zu sein, niemals abzuspielen, bedeutet ein Hindernis für den Erfolg des Teams. Wenn wir in der Gesellschaft Einzelgänger sind und die Menschen um uns herum ignorieren, dann leidet die gesamte Gesellschaft darunter.“
   Die letzte Lehre aus dem Sport für den Frieden sei der Respekt vor dem Gegner, genauso stark wie dem Mitspieler gegenüber. „Niemand gewinnt alleine, weder auf dem Platz noch im Leben! Niemand darf sich isolieren oder sich ausgeschlossen fühlen! Ja, am Ende dieser Weltmeisterschaft hebt nur eine Nationalmannschaft den Pokal als Sieger in die Höhe, aber wenn wir die Lehren, die der Sport uns gibt, annehmen, dann sind wir alle Sieger und stärken die Bande, die uns einen.“ rv130612ord 

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„Stoppt Terroristen-Plage!“ – Foto: Erzbischof Auza spricht für den Vatikanstaat in der UNO in New York  

   Nur durch eine internationale Zusammenarbeit kann die Terror-Miliz des sogenannten „Islamischen Staates“ gestoppt werden. Das betonte der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei der UNO in New York, Erzbischof Bernadito Auza, in seiner Ansprache bei der Debatte um die Lage im Nahen Osten. Er fügte an, dass die in Syrien und im Irak agierenden Terroristen des IS eine Plage seien, die nicht nur die beiden genannten Ländern beträfen sondern die gesamte internationale Staatengemeinschaft. Davon ebenfalls stark betroffen seien die Nachbarländer Jordanien und der Libanon, die Millionen von Flüchtlingen aufgenommen hätten. In seiner Rede unterstrich Erzbischof Auzo auch die jüngste Unterzeichnung des Heiligen Stuhls mit dem Staat Palästina. Damit wolle der Vatikan aufzeigen, dass eine Zwei-Staaten-Lösung im Heiligen Land wichtig sei, so der Vatikandiplomat in seiner Ansprache. Rv150724mg   

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Papst als Pilger des Friedens in Nahost Foto: Benedikt mit Präsident Michel Suleiman in Beirut
Beim Besuch im Libanon will Benedikt XVI. die Religionen versöhnen und fordert:
„Christen dürfen nicht wie Gläubige zweiter Klasse behandelt werden“

   Nein, Angst scheint er wirklich nicht zu haben, der Kirchenführer mit dem großen Gottvertrauen. Entspannt nimmt Benedikt XVI. selbst die Böllerschüsse am internationalen Flughafen Rafik Hariri in Beirut auf. Und macht sofort deutlich, warum er allen Spannungen zum Trotz gekommen ist, während im benachbarten Syrien Bürgerkrieg herrscht und zudem die Wut über ein Schmähvideo aus den USA sich wie ein Flächenbrand durch die islamische Welt zieht. 
   Als „Pilger des Friedens" wirbt der Papst bei seinem erneuten Besuch im Nahen Osten für Versöhnung und die Suche nach Lösungen. Angereist sei er praktisch für alle in dieser von Konflikten und Leiden geprägten Region, „welcher Herkunft und welchen Glaubens auch immer sie sind", sagt er. Politisch brisantere Stürme gab es in seiner Amtszeit noch nie, als er auf dem Flughafen vor General Michel Suleiman tritt, den Präsidenten der liba- nesischen Republik, und vor die versammelte Elite des Landes - und das Wort „Krieg" in seiner Begrüßungsrede kein einziges Mal in den Mund nimmt. Vielmehr beschwört der Papst gleich zu Beginn die enge Verbindung dieses uralten Musterlandes mit dem Westen, wo die Patriarchen der Maroniten als Ausdruck ihrer Verbundenheit und ihres lebendigen Austauschs mit Rom und den Päpsten seit jeher den Beinamen „Petrus" im Namen tragen.
Nach Syrien dürfen nicht weitere Waffen gebracht werden, fordert er
 
Schon auf dem Flug vom Vatikan in den Libanon sprach der 85-jährige Papst am Freitag deutliche Worte. Nie habe er daran gedacht, diese Reise abzusagen, weil sich der Bürgerkrieg in Syrien auf den kleinen Nachbarn auszu- weiten droht. „In einer Situation, die immer komplizierter wird", gelte es, ein Zeichen der Ermutigung und des Dia- logs gegen die Gewalt zu setzen. Was Syrien helfen könnte? Keine Waffen mehr in das Land zu bringen. „Waffen zu importieren ist eine schwere Sünde", das halte den Konflikt am Leben. So geißelt der Papst die Zustände im Nachbarland. Dabei ist er als katholischer Kirchenführer in die Region gekommen und eigentlich nicht als Politiker.
  Stattdessen sollten Ideen für den Frieden importiert werden, sagt er. Den Arabischen Frühling lobt Benedikt aus- drücklich - als den Schrei der jungen Generationen nach mehr Demokratie, Freiheit und Teilhabe an der Gesell- schaft. Dazu rechnet er einmal mehr mit dem religiösen Fanatismus ab: „Fundamentalismus ist immer eine Verfäl- schung der Religion", und sie stelle sich gegen den Sinn von Religion. Denn diese stehe gegen Gewalt und für Ver- söhnung.
   Auf die gewaltsamen muslimischen Proteste gegen den islamfeindlichen Film geht er dabei nicht ein, obwohl es etwa 70 Kilometer weiter nördlich in der Hafenstadt Tripoli zu blutiger Gewalt kommt. Mindestens ein Mensch kommt dabei ums Leben.
   Nicht umsonst sind die Sicherheitsvorkehrungen für den Papstbesuch sehr streng: Vor dem Flughafen wie auch im Luxushotel und im Medienzentrum des Vatikans stehen Soldaten in Kampfuniform, bewaffnet mit Maschinen- pistolen. Am Straßenrand warten aber auch junge Leute und Frauen auf den prominenten Besuch aus Rom. Sogar die radikalislamische Hisbollah begrüßt Benedikt auf Plakaten in der Stadt mit der früher blühenden und dann auch blutigen Vergangenheit.
   Zum zweiten Mal in seinem Pontifikat reist Benedikt in den Nahen Osten, wenngleich er sich dieses Mal auf den Libanon beschränkt. Sein Besuch gilt nicht nur der christlichen Minderheit im Land, sondern der gesamten Krisen- region. Die Stimmung in Beirut bleibt am Freitag friedlich, die Hauptstadt am Mittelmeer wirkt unaufgeregt. Hier kann der Pontifex versuchen, die Christen noch mehr zu vereinen und zu stärken, sie zum Bleiben im Heiligen Land anzuhalten und den Dialog der großen Religionen zu fördern. Und immer wieder für Frieden zu werben.
Offizielles Dokument beklagt die schwierige Lage der Christen
  
Erste Station seines Besuchs ist der Wallfahrtsort Harissa, etwa 30 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Beirut. Am Abend unterschrieb Benedikt dort feierlich das Nahost-Dokument zur schwierigen Lage der Christen in der Re- gion und der angestrebten engeren Zusammenarbeit der Religionen. Das Schlussdokument der Nahost-Bischofs- synode von vor zwei Jahren ist der offizielle Anlass der Reise.
   Bereits im Vorfeld hatte der Papst die bedrängten Christen in den überwiegend muslimischen Ländern des Nahen Ostens zum Bleiben aufgerufen. Denn ihr Bemühen um Dialog und Versöhnung sei wichtig für den Frieden. Das Dokument der Bischofssynode zum Nahen Osten solle einen Akt der Hoffnung setzen. Die Kirche habe den „ängstlichen Schrei hören und den verzweifelten Blick so vieler Männer und Frauen vernehmen können", so der Papst zu der umfassenden Analyse auch der Probleme von Christen, die in der Ausübung ihrer Religion behindert werden. Das Schreiben ziele auf einen interreligiösen Dialog ab und wolle zur Ökumene beitragen. Benedikt hat das Dokument in der Sonntagsmesse vor 350.00 Teilnehmern, dem Höhepunkt der Reise, übergeben.
   In ihm beklagt die katholische Kirche nicht nur den ausbleibenden Nahost-Frieden. Sie spricht auch die Gefahren des religiösen Fundamentalismus an, befördert durch wirtschaftliche und politische Unsicherheiten. Jüdische, christliche und muslimische Religionsführer seien aufgerufen, alles zu tun, um diese Bedrohung auszumerzen, heißt es da. Das Papier nennt die Religionsfreiheit den „Gipfel aller Freiheiten", setzt sich für den Dialog aller ein und will erreichen, dass Christen nicht weiter die Region verlassen, sondern gemeinsam mit anderen Religionen versuchen Frieden zu stiften. HA120915HannsJochenKaffsackPauBadde

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Päpstlicher Aufruf gegen das „Dröhnen der Waffen"- Benedikt XVI. spricht im Libanon vor 350.000 Gläubigen - Christen und Muslime sollen gemeinsam an Frieden arbeiten. Foto: Großer Jubel für den Papst in Beirut

   Er ist kein politischer Unterhändler, spricht also nicht bei den Machthabern in Damaskus vor. Papst Benedikt XVI. will aber den Bürgerkrieg in Syrien beendet sehen; die Waffen sollen dort endlich schweigen. Also setzt er vom Nachbarland Libanon aus seinen Hebel an, geißelt in einem leidenschaftlichen Aufruf in Beirut vor etwa 350.000 Gläubigen das „Dröhnen der Waffen wie auch das Schreien der Witwen und Waisen".
  So wirft Benedikt seine moralische Autorität in die Waagschale. Niemand weiß, ob es beitragen könnte, dem Land zu helfen, das - wie einst der Libanon - in Gewalt versinkt. Mehrfach stand Benedikt in Rom schon gegen den Bürgerkrieg in Syrien auf. In einem besonders flammenden Appell, sprach er diesmal konkret die arabischen Länder „als ihre Brüder" an. Diese sollten den Syrern helfen und Lösungen für den Konflikt vorschlagen, der die Region zu entflammen droht. Benedikts Wort an die arabischen Länder kommt während einer Reise, die eine Reihe fruchtbarer Kontakte mit den Muslimen brachte, mit einfachen Gläubigen wie mit deren Führern.
 Auch das muss ihm gefallen haben: An den Straßen Beiruts warteten verschleierte muslimische Frauen aufs Papa- mobil, schwenkten Fähnchen und jubelten wie die Christen. In einem „Klima großer Herzlichkeit", wie sein Sprecher Federico Lombardi lobend erwähnt, unterhielt sich der katholische Kirchenführer locker und ohne feste Reden mit den Chefs der muslimischen Gruppen im Libanon. Sie versichern ihm: Auch die Muslime wollten doch, dass die Christen im Nahen Osten blieben.
   Unter den 30.000 jungen Leuten, die am Samstagabend den Papst treffen wollten, waren ebenfalls zahlreiche Muslime. Das passt zu einer Kernbotschaft des Pontifex: Christen und Muslime müssten gemeinsam und engagiert auf einen Frieden hinarbeiten. Den Libanon bezeichnete er dabei als Vorbild. Hier seien Familien mit beiden Religi- onen nicht selten.
   Eigentlich hätte Benedikts Besuch in Beirut als brisant gelten können, vor dem Hintergrund brennender Konsulate und Aufruhr hier und dort unter den Muslimen wegen des üblen Anti-Mohammed-Videos. Doch dazu kein direktes Papst-Wort.
   Der höchste Seelsorger der Weltkirche sagt die Dinge auf seine Weise: „Es geht darum, Nein zur Rache zu sa- gen, eigene Fehler einzugestehen, Entschuldigungen anzunehmen, ohne sie zu suchen, und schließlich zu ver- geben." Gewalt, ob verbal oder körperlich, möchte er ächten. Darunter würde das Mohammed-Video ebenso fallen wie das, was es entfesselt hat.
   Als selbsterklärter „Nichtpolitiker" steht der Papst über den Dingen. Er kann als moralische Instanz die Rolle der Kirche in der Gesellschaft zu stärken versuchen und die Christen aufrufen, nicht aufzugeben. Und er kann den Libanon als ein „Zukunftslabor" für ein konfliktärmeres Zusammenleben der Religionen anpreisen.HA120916Kaffsack

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Papst ruft zu Ende der Gewalt in Syrien auf
Der Friedensbotschafter auf dem Weg zur Messe, die er am Strand von Beirut mit Hunderttausenden feierte

   Papst Benedikt XVI. hat in Beirut zu einer Beendigung der „Greuel" und „Gewalt" in Syrien aufgerufen. Zum Ab- schluss seiner dreitägigen Libanon-Reise forderte er die arabischen Staaten auf, „gangbare Lösungen" vor- zuschlagen, „die die Würde jedes Menschen, seine Rechte und seine Religion achten". Auch die internationale Gemeinschaft rief er zum Engagement in dem Bürgerkriegsland auf. Der Papstbesuch war begleitet von Angriffen der syrischen Armee auf libanesisches Territorium und von antichristlichen Protesten in mehreren muslimischen Ländern.
   Vor mehr als 300.000 Menschen bezeichnete das Oberhaupt der katholischen Kirche es als „Dringlichkeit, sich für eine brüderliche Gesellschaft" einzusetzen. Bei der Abschlusspredigt an Beiruts Mittelmeerküste bat er um „Diener des Friedens und der Versöhnung", die es den Bewohnern des Nahen Ostens ermöglichen sollten, „in Frieden und würdig" zu leben. Am Ende der abschließenden Messe überreichte Benedikt XVI. den katholischen Kirchenführern des Nahen Ostens das nachsynodale apostolische Schreiben Ecclesia in Medio Oriente (Kirche in Nahost), Ergebnis einer Sondersynode im Vatikan im Jahr 2010. Es solle den Christen der Region „eine Richtschnur" sein, sagte der Papst.  FAZ120917mrb

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Patriarch Gregor III. Laham begrüßt Papst Benedikt XVI. im Libanon

Benedikt XVI bot im Libanon der Region das Gegenmodell zur Gewalt an: Frieden und Demut
   Der Besuch von Papst Benedikt XVI. im Libanon stand nicht, wie befürchtet, im Schatten des Bürgerkriegs im Nachbarland Syrien. Ein Flächenbrand in der islamischen Welt, für den ein billiger Schmähfilm über den Propheten des Islams den Funken geschlagen hatte, verlieh der Reise vielmehr eine andere Aktualität. Sie beendet nicht den Krieg, und sie löscht auch nicht das Feuer - ein wichtiges Zeichen war sie dennoch. Denn das Oberhaupt der katholischen Weltkirche zeigte den Christen und Muslimen im Nahen Osten den Frieden und die Demut als Gegenentwurf zu der Gewalt, in deren Griff sich die Region befindet.
   Der äußere Anlass seiner Reise war die Synode der Bischöfe des Nahen Ostens. Papst Benedikt XVI. überreichte den Bischöfen das nachsynodale apostolische Schreiben „Ecclesia in Medio Oriente". Darin spricht er sich für einen interreligiösein Dialog ohne Gefühlsaufwallung aus und für die Religionsfreiheit als ein Recht jenseits bloßer Toleranz. Der Papst überreichte das Schreiben an dem für die nahöstlichen Christen wichtigen Fest der Kreuz- erhöhung und wies darauf hin, dass im Christusmonogramm XP beide Symbole zusammengehörten. Wer nur das Kreuz sehe, also das X, begnüge sich mit dem Leiden. Mit Christus erscheine das Leiden aber in neuem Licht. Denn Christus habe den Menschen die Hoffnung gegeben, dass Leiden und Unrecht nicht das letzte Wort seien.
   Jene, die in den vergangenen Tagen in der arabischen Welt gegen den Film über den Propheten des Islams „de- monstrierten" und randalierten, hörten diese Botschaft nicht. Sie ließen ihrer Wut über den Film weiter freien Lauf. Wird ihr Prophet beleidigt, wollen sie sich nicht nur emotional entrüsten. Als „Wutmuslime" fühlen sie sich vielmehr verpflichtet, zu handeln und zu verteidigen, was ihnen heilig ist. Je größer ihre Entrüstung wird, desto mehr stei- gert sie sich in Extremismus. Dieser muslimischen Wut setzt Benedikt Gelassenheit entgegen. Er zeigt Verständnis für das Leiden der Menschen, ob in Syrien oder in anderen Ländern der Region. Zugleich formuliert er, dass sich die Welt nicht durch gewaltsames Eingreifen verändere, sondern durch einen im Wort angebotenen und im Leben bezeugten Frieden.
   Weshalb werde aber die Region, die Gott auserwählt habe, von Hass zerfressen und von Gewalt heimgesucht, fragte Benedikt im Libanon seine Zuhörer. Weil Gott in der Region ein Zeichen setze, dass jeder die Chance habe, seine Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung Wirklichkeit werden zu lassen, antwortete er selbst. Davon ist der Nahe Osten unverändert weit entfernt.
…  Papst Benedikt ist im Libanon auch deshalb von Christen und von Muslimen gefeiert worden, weil er imperialen Herrschaftsattitüden die christliche Demut entgegengesetzt hat.  FAZ120917RainerHermnann

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Gottes Wille ist einZusammenleben in Frieden“
Prominent besetztes dreitägiges Treffen von Sant'Egidio in Sarajevo endet mit einem Friedensappell
Foto links: Andrea Riccardi  Foto rechts: Christliche Würdenträger beim Treffen in Sarajewo

   Mit einem Friedensappell ging das dreitägige Weltfriedenstreffen der Gemeinschaft Sant'Egidio in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo zu Ende. Ausgehend von der Erfahrung des jüngsten Krieges in Bosnien-Herzegowina (1992- 1995) heißt es in dem Appell, „dass der Krieg ein großes Übel ist und ein vergiftetes Erbe hinterlässt". Mit aller Macht müsse verhindert werden, „in die schreckliche Spirale von Hass, Gewalt und Krieg zu geraten". Wörtlich weiter: „Der Nachbar darf keinen Kampf gegen den Nachbarn beginnen, weil er einer anderen Religion oder Ethnie angehört. Nie wieder Krieg in diesem Land! Nie wieder Krieg in keinem Teil der Welt!"
   Der Friedensappell erinnert auch an die hohe Verantwortung der Religionsgemeinschaften, „denn sie sprechen von Gott zum Herzen des Menschen und befreien es von Hass, Vorurteilen und Angst, um es für die Liebe zu öffnen". So würden die Menschen von innen her verändert: „Die Religionen können den Männern und Frauen und den Völkern die Kunst des Zusammenlebens lehren durch Dialog, gegenseitigen Respekt, Achtung der Freiheit und der Unterschiedlichkeit." Dadurch könnten sie eine menschlichere Welt schaffen. Die gegenwärtigen Schwierig- keiten erforderten einen neuen Mut, heißt es in dem Aufruf: „Durch den Dialog muss mit Weitblick eine Sprache der Sympathie, der Freundschaft und des Mitleids gebildet werden." So werde ermöglicht, „die Schönheit der Unter- schiede und den Wert der Gleichheit zu erkennen". Gott wolle das Zusammenleben in Frieden. Hass, Spaltung und Gewalt stammten dagegen nicht von Gott.
   Vor der Verlesung und Unterzeichnung des Friedensappells fanden je nach der religiösen Tradition an unter- schiedlichen Orten der bosnischen Hauptstadt Friedensgebete statt. Christen unterschiedlicher Konfessionen trafen sich zu einem ökumenischen Gebet vor der Fassade der katholischen Kathedrale im Zentrum der Altstadt, bei der der katholische Bischof von Terni-Narni-Amelia, Vincenzo Paglia, der griechisch-orthodoxe Erzbischof von Zypern, Chrysostomos II., und der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Olav Fykse Tveit, kurze Meditationen hielten. Der Gründer von Sant'Egidio und heutige Integrationsminister Italiens, Andrea Riccardi, sag- te in seiner Schlussansprache, der Friedensappell komme „aus der Tiefe der religiösen Traditionen". Diese hätten unterschiedliche Grundlagen und Alphabete, vereinigten sich aber zu einem Ruf nach Frieden: „Ein Ruf steigt auf von Sarajevo, eine Anrufung Gottes, eine Ermahnung: nie wieder Hass oder Bruderkrieg!" Die Religionen könnten dabei helfen, zusammenzuleben und zu verstehen, „dass dieser Umstand kein Fluch, sondern ein Segen ist".
   Zum Ort des dreitägigen Weltfriedenstreffens meinte Riccardi: „Sarajevo möge eins bleiben und plural. Die Ge- schichte Sarajevos ist eine Ermahnung." Die Zukunft dieser Region betreffe alle Europäer. Für Sarajevo wie für ganz Europa gelte, dass die Völker sich nicht physisch und geographisch annähern können, ohne sich spirituell zu verstehen und zu schätzen. Der Dialog zwischen den Religionen sei deshalb wirkmächtig für die Kultur, für die Politik und für die Beziehungen zwischen den Völkern. Riccardi warb für eine Erziehung zum Frieden, weil „das Zusammenleben den Willen Gottes und die Gleichheit der Menschen zum Ausdruck bringt". Der Krieg dagegen sei ein Übel und könne niemals im Namen Gottes gerechtfertigt werden.
   Kardinal Roger Etchegaray, der Vizedekan des Kardinalskollegiums, dankte der Gemeinschaft Sant'Egidio dafür, dass sie seit 1986 den „Geist von Assisi" verbreite, den „Geist des Gebetes und der Versöhnung". Der Kurienkardi- nal erinnerte an seinen Besuch während des jüngsten Krieges, als er wegen der Blockade Sarajevos die Stadt durch einen 800 Meter langen und einen Meter breiten Tunnel betreten musste. Der Bürgermeister von Sarajevo, Alija Behmen, erinnerte daran, dass es auch heute Gefahren und unverantwortliche Politiker in Bosnien-Herzego- wina gebe: „Die Krankheit des Nationalismus, die die Seelen vergiftet hat, darf nicht unterschätzt werden." Der Friede sei zur „Geisel unverantwortlicher Politiker" geworden.
   Der im Libanon wirkende melkitische Bischof Cyrille Salime Bustros hatte zuvor bei einem Podium über den künf- tigen Pluralismus in der arabischen Welt an die Akteure im Nahen Osten appelliert, „die reiche Zusammensetzung der Gesellschaft zu bewahren". Der griechisch-katholische Bischof forderte: „Man muss allen die vollen Rechte zu- gestehen und so einen Pluralismus garantieren, der aus Beziehungen entsteht." Der schiitische Scheich Hani Fash, der im Libanon Mitglied des Rates der Schiiten ist, zeigte sich in Sarajevo überzeugt: „Alle Libanesen erwarten den Besuch von Benedikt XVI."> Siehe den Fotobericht oben auf dieser Seite! Der Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1997 habe den Libanesen geholfen, „nicht wieder in Zwietracht zu verfallen". Wörtlich sagte der Scheich: „Der Libanon ist ein kosmopolitisches und freies Land, und ich frage mich: Wie könnte der Libanon überhaupt ohne Christen leben?"  DT120913sb

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Signal für eine bessere Zukunft  -  Das Friedenstreffen der Gemeinschaft von Sant'Egidio in Sarajevo

   Der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej von Belgrad brach gleich zwei Tabus. Niemals zuvor hatte er oder sein Vorgänger Pavle einen Fuß auf den Boden von Bosnien-Hercegovina gesetzt, jenem Staatswesen, das nur dank des Friedensabkommens von Dayton und der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft seit fast zwanzig Jahren eine fragile Selbständigkeit behauptet. Jetzt aber folgte er einer Einladung, die er allen politisch und reli- giös motivierten Widerständen in Belgrad zum Trotz nicht ausschlagen wollte: Zwanzig Jahre nach dem Beginn des Bosnien-Krieges richtete die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio in Sarajevo ihr alljährliches Friedenstreffen aus.
   Und nicht nur Irinej wollte nicht fehlen, als es galt, Chancen der Versöhnung und einer gemeinsamen Zukunft der verschiedenen Volksgruppen in Bosnien-Hercegovina auszuloten. Die Anziehungskraft der Gemeinschaft ist so groß, dass sich auch Herman van Rompuy, der Präsident des Europäischen Rates, der italienische Ministerpräsi- dent Monti sowie zahlreiche Staats- und Regierungschefs sowie Kirchen- und Religionsführer aus aller Welt einfan- den. So farbenfroh ging es in Sarajevo wohl seit den Olympischen Winterspielen 1984 nicht mehr zu.
   Doch ehe van Rompuy, Monti, Andrea Riccardi, der Gründer der Gemeinschaft, und viele andere während der Er- öffnungsfeier die Zugehörigkeit des Balkans zu Europa und die Versöhnungsbereitschaft der einander misstrauisch bis feindselig gegenüberstehenden Volksgruppen beschworen, hatte Irinej das zweite Tabu gebrochen. Der Patriarch besuchte den Vorabendgottesdienst in der katholischen Kathedrale und sprach dort ein Grußwort. Erz- bischof Vinko Puljic, den Papst Johannes Paul II. 1994 während der mehr als 1400 Tage währenden Belagerung Sarajevos durch die Serben als Zeichen seiner Solidarität zum Kardinal ernannt hatte, machte am Sonntag früh in der serbisch-orthodoxen Kathedrale einen Gegenbesuch. Den Gläubigen, so wussten Teilnehmer zu berichten, standen ob dieser Gesten Tränen in den Augen.
   Donnernder Applaus hingegen war das Echo auf die Versöhnungsgeste, die Mustafa Ceric, der scheidende Groß- mufti Bosniens und Hercegovinas, und Oded Wieder, der Vertreter des Oberrabinats in Jerusalem, einander ent- boten. Gemeinsam hielten sie eine Ausgabe einer der größten Schätze der jüdischen Buchkunst in den Händen, der Haggadah von Sarajevo. Sefardische Juden hatten die Handschrift einst bei ihrer Vertreibung aus Spanien mit- genommen, ein katholischer Priester aber soll sie im 17. Jahrhundert in Venedig vor der Verbrennung gerettet ha- ben. Während des Zweiten Weltkriegs war es dagegen ein Muslim aus Sarajevo, der die jüdische Handschrift vor den deutschen Besatzern und ihren kroatischen Helfern verbarg. Auch den Bosnien-Krieg überstand die Haggadah im Schutz der muslimischen Gemeinschaft der Stadt. Konnte es ein besseres Sinnbild für die Sehnsucht nach der multireligiösen und multiethnischen Vergangenheit Sarajevos und mit ihm des ganzen Balkans geben als diese Handschrift?
   In Sarajevo zeigte sich so krass wie selten, dass die öffentliche Repräsentation von Religion noch immer Männer- sache ist. Unter den zahlreichen Vertretern der orthodoxen Kirchen des Ostens suchte man Frauen ebenso verge- bens wie unter den zahlreichen Repräsentanten des Judentums, gar nicht zu reden von den Muslimen. Selbst die Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind, ließen sich ausnahmslos von Männern vertreten. Dabei ist die Gemeinschaft, die 1968 in Rom gegründet wurde, alles andere als eine Männerdomäne. Doch wenn es ernst wird und die Gemeinschaft wie vor zwei Jahren in Guinea, im vergangenen Jahr in der Elfenbeinküste oder jüngst im Senegal gebeten wird, zwischen Gruppen und Parteien zu vermitteln, schlägt auch heute nur die Stunde der Männer.
  So war es schon vor 20 Jahren, als der heutige Weihbischof von Rom Matteo Zuppi den Friedensschluss zwischen Regierung und Guerrilla in Mocambique vermittelte, so war es, als Vincenco Paglia, der jetzige Präsident des Päpstlichen Rates für die Familie, Ibrahim Rugova, den Führer der Kosovo-Albaner, vor den Serben in Sicherheit brachte, so wird es auch Ende September sein, wenn sich in Rom zum zweiten Mal Syrer treffen werden, die sich noch nicht der Logik von Gewalt und Gegengewalt ergeben haben. Andrea Riccardi, im Kabinett Monti Minister für Integration und internationale Beziehungen, ist mittlerweile eine Autorität. Andere Mitglieder der Gemeinschaft, die im Dienst von Frieden und Versöhnung unterwegs sind, sieht man nicht. Auch bei SantEgidio ist Diskretion die höchste Tugend der Diplomatie.
   Diplomatisch-diskret ging es denn auch hinter den Kulissen zu. Mehrfach kam es zu Begegnungen zwischen dem Patriarchen und den Mitgliedern seiner Synode auf der einen sowie Repräsentanten der bosnischen Muslime auf der anderen Seite. Auf offener Bühne dagegen zeigten sich die Fronten zwischen Muslimen und Serben so ver- härtet wie eh und je. Der serbisch-orthodoxe Bischof Grigorije von Mostar bezichtigte Großmufti Ceric, Bosnien- Hercegovina in einen islamischen Staat verwandeln zu wollen. Ceric wiederum bat vergebens um ein Wort des Bedauerns der Serben für den Tod Zehntausender und das hunderttausendfache Leid, das sie nach dem Zerfall Jugoslawiens über die anderen Völker des westlichen Balkans gebracht hatten. „Wir können Ungerechtigkeit ver- tragen, denn absolute Gerechtigkeit kann es nicht geben", sagte Ceric, „aber was wir nicht vertragen können, ist Unwahrhaftigkeit." Bischof Grigorije verzog keine Miene.
   Noch sind die Wunden frisch, die der Krieg geschlagen hat, noch ist die Erinnerung nicht verblasst an die mehr als 11.000 Einwohner von Sarajevo, die während der Belagerung von Granaten zerfetzt oder von Heckenschützen ermordet wurden. Haben damals nicht alle Bewohner von Sarajevo gemeinsam gelitten, gleich ob Muslim, Katholik, Jude oder Orthodoxer? Liegt nicht die Zukunft in einem „einen und doch vielfältigen" Sarajevo, wie Riccardi mit Blick auf die in der Altstadt nur wenige hundert Meter auseinanderliegenden Kathedralen, Moscheen und Synagogen sagte? Doch weder Kardinal Puljic noch Jakob Ficek, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinschaft von Bosnien-Hercegovina, noch der Hohe Repräsentant der EU in Bosnien-Hercegovina, der österreichische Diplomat Valentin Inzko, wollten die tiefen Gräben zwischen den bosnischen Politikern und die bis in die Begrifflichkeit hinein unterschiedlichen Deutungen der jüngsten Geschichte durch Floskeln überspielen.
  Nicht gespielt war aber indes die Hochachtung, die der Gemeinschaft Sant'Egidio von allen Seiten entgegen- enschlug. 1914 ging mit der Ermordung des österreichischen Thronfolgers und seiner Frau in Sarajevo das lange 19. Jahrhundert zu Ende. Es wäre zu schön, wäre das Friedenstreffen 2012 in Sarajevo der Anfang vom Ende des langen 20. Jahrhunderts auf dem Balkan gewesen. FAZ120917DanielDeckers

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Papst Benedikt XVI. betet in Stille an der Klagemauer
Der Papst verharrte allein und schweigend vor der wichtigsten religiösen Stätte für die Juden.

 Kurz vor zehn Uhr Jerusalemer Zeit: das Gefolge des Papstes kommt über eine Brücke vom Tempelberg direkt hin- unter zur Klagemauer hinunter. Es ist heiß vor der „Western Wall“; der Platz, wo sonst Juden beten und singen, ist geräumt und wirkt auf einmal sehr leer, überall sieht man nur Journalisten und Sicherheitsbeamte. Kardinal Ber- tone und der New Yorker Rabbiner Schneier unterhalten sich angeregt; einige aus dem Papst-Gefolge wirken etwas nervös, alle tragen aus Respekt eine jüdische Kippa auf dem Kopf; zwischen den dicken Steinquadern aus der Zeit des Herodes ruht sich eine graue Taube aus. Benedikt kommt in einer schwarzen Limousine vorgefahren; er steigt aus, begrüßt den Direktor und den Rabbiner dieses heiligen Orts, er lächelt etwas verhalten, geht mit schnellen Schritten. Vor der Klagemauer sind zwei Stehpulte aufgebaut; der Rabbiner der Klagemauer, Shmuel Rabinovich, trägt mit lauter Stimme auf Hebräisch einen Psalm vor. Dann ist Benedikt dran; er setzt sich die Lese- brille auf und fängt an, auf lateinisch zu lesen, seine Stimme ist leise. Der Papst hat sich für einen Psalm ent- schieden, dessen Kernsatz heißt: „Erbittet für Jerusalem Frieden“.
   Benedikt XVI. geht zur Klagemauer – es ist fast wie eine Heraufbeschwörung dieses magischen Moments, als vor neun Jahren der kranke Johannes Paul diesen Weg ging. Der Papst schiebt einen großen, zusammengefalteten Gebetszettel zwischen die Quader; das gelingt nicht gleich. Dann verharrt er ein paar Minuten, mit gefalteten Händen, bewegungslos. Kein Kniefall, keine demonstrative Geste. Über seinem Kopf flattern zwei Schwalben; die Stille wird nur mal von den Rufen einiger Fotografen oder Sicherheitsbeamten unterbrochen. Der Papst dreht sich um, geht zurück, die Hände immer noch gefaltet, und begrüßt einige jüdische Rabbiner. Schneier ist da, ein Freund des Papstes, er spricht Benedikt auf deutsch an; ein paar Gesprächsfetzen lassen sich verstehen, etwa: „dass wir weiterarbeiten“, und dann: „Ich bin mit Ihnen“. Zwanzig Minuten ungefähr, dann ist die Visite Benedikts an der Klagemauer vorüber. Ein historischer Moment, gewiss – auch wenn jede spektakuläre Geste unterblieben ist. Rv090512

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Gebet für die ganze Menschheitsfamilie. Hier das Gebet, das Papst Benedikt XVI.
auf einem zusammengefalteten Zettel in eine der Fugen der Klagemauer steckte:

          Gott aller Zeiten,
          bei meinem Besuch in Jerusalem, der „Stadt des Friedens“,
          spirituelle Heimat für Juden, Christen und Moslems gleichermaßen,
          bringe ich vor Dich die Freuden, die Hoffnungen und Wünsche,
          die Bemühungen, das Leiden und den Schmerz all deiner Völker in der Welt.
          Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs,
          höre den Schrei der Bedrängten, der Verängstigten, der Verlassenen,
          sende deinen Frieden auf dies Heilige Land, auf den Nahen Osten,
          auf die ganze Menschheitsfamilie.
          Rühre die Herzen aller, die deinen Namen rufen,
          damit sie demütig auf dem Weg der Gerechtigkeit und des Mitleids gehen.
          „Gut ist der Herr zu dem, der auf ihn hofft, zur Seele, die ihn sucht.“ Klagelieder 3,25

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Aus Freundschaft appellierte der Papst beim Abschied aus Israel „an alle Menschen dieser Länder“:

   „Kein Blutvergießen mehr! Keine Kämpfe mehr! Kein Terrorismus mehr! Kein Krieg mehr! Lasst uns stattdessen den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen! Lasst bleibenden Frieden herrschen, der auf Gerechtigkeit gründet, lasst echte Versöhnung und Heilung walten. Es möge allgemein anerkannt werden, dass der Staat Israel das Recht hat, zu existieren und Frieden und Sicherheit innerhalb international vereinbarter Grenzen zu genießen.
   Ebenso möge anerkannt werden, dass das palästinensische Volk ein Recht auf eine souveräne, unabhängige Heimat, auf ein Leben in Würde und auf Reisefreiheit hat. Die Zwei-Staaten-Lösung möge Wirklichkeit werden und nicht ein Traum bleiben. Von diesen Ländern her soll sich der Frieden ausbreiten, sie sollen als ein „Licht für die Völker“Jes 42,6 dienen und den vielen anderen Regionen, die unter Konflikten leiden, Hoffnung bringen.“Rv090515

Foto: In der Baugrube von Ground Zero, an jenem Ort, wo am 11. September 2001  das World Trade Center einstürzte und 2.600 Menschen starben, sprach Papst Benedikt XVI. ein Gebet und tröstete Angehörige der Opfer. Ein Wasserbecken mit einer Kerze symbolisierte spirituelle Reinigung.

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 „O Gott des Heilens” - Der Papst betet in New York am Ground Zero:

O Gott der Liebe, des Mitleidens und des Heilens,
   schau auf uns, auf uns Menschen vieler verschiedener Glaubensrichtungen und Traditionen, die wir heute an dieser Stätte versammelt sind, dem Schauplatz unglaublicher Gewalt und Schmerzen.
   Wir bitten dich, schenke in deiner Güte ewiges Licht und ewigen Frieden all denen, die hier starben: den mutigen Helfern der ersten Stunde - unseren Feuerwehrleuten, Polizisten, Mitarbeitern der Hilfsdienste und der Hafen- behörde - ebenso wie all den unschuldigen Männern und Frauen, die Opfer dieser Tragödie wurden, einzig weil ihre Arbeit oder ihr Dienst sie am 11. September 2001 hierher führte. Wir bitten dich, in deinem Mitleiden denen Heilung zu bringen, die unter Verletzungen und Krankheit leiden, weil sie an jenem Tag hier anwesend waren. Heile auch den Schmerz der trauernden Familien und aller, die geliebte Menschen in dieser Tragödie verloren haben. Gib ihnen die Kraft, mit Mut und Hoffnung weiterzuleben.
  Wir gedenken auch der Toten und Verletzten desselben Tages beim Pentagon und in Shanksville in Pennsylvania, ebenso wie der Hinterbliebenen. Unsere Herzen sind mit ihren Herzen vereint; ihr Schmerz und ihr Leid sind in unser Gebet eingeschlossen.
Gott des Friedens, bringe unserer Welt, die voller Gewalt ist, deinen Frieden:
Frieden in die Herzen aller Männer und Frauen und Frieden unter die Völker der Erde. Führe jene, deren Herz und Geist vom Hass verzehrt sind, auf deinen Weg der Liebe.
Gott des Verstehens,
   überwältigt vom Ausmaß dieser Tragödie suchen wir dein Licht und deine Führung angesichts so schrecklicher Ereignisse. Gib, dass jene, deren Leben verschont blieb, so leben, dass die anderen ihr Leben nicht umsonst verloren haben. Tröste uns und stehe uns bei, stärke unsere Hoffnung, und gib uns die Weisheit und den Mut, uns unermüdlich für eine Welt einzusetzen, in der wahrer Friede und wahre Liebe unter den Völkern und in den Herzen aller Menschen regieren.  DTÜbersetzung aus dem Englischen von Claudia Kock080422

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Papst: Dramatischer Friedens-Appell für das irakische Volk

   Benedikt XVI. hat am Ende des Palmsonntagsgottesdienstes einen dramatischen Friedensappell für das iraki- sche Volk lanciert. Er erinnerte an den bei einer Entführung ums Leben gekommenen chaldäisch-katholischen Erzbischof von Mossul, Paulos Faraj Rahho Lesen Sie den ausführlicher Bericht dazu: keine Gewalt
   „Sein schönes Zeugnis der Treue zu Christus, zur Kirche und den Menschen, die er
trotz der zahlreichen Bedro- hungen nicht im Stich lassen wollte, drängt mich zu einem lauten und sorgenvollen Hilferuf:

          „Schluss mit den Massakern, Schluss mit der Gewalt,
           Schluss mit dem Hass im Irak!
          Und zugleich appelliere ich an das irakische Volk,
          das seit fünf Jahren unter den Folgen eines Krieges zu leiden hat,
          der das zivile und soziale Leben durcheinander gebracht hat:
          Geliebtes irakische Volk, erhebe dein Haupt,
          und baue vor allem du selbst das Leben deiner Nation wieder auf!
           Mögen die Versöhnung, die Vergebung, die Gerechtigkeit
          und der Respekt vor dem gesellschaftlichen Leben
          der Stämme, Ethnien und religiösen Gruppen
          der solidarische Weg sein zum Frieden im Namen Gottes!”

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Internationales Friedenstreffen in Neapel

  „Keine Gewalt im Namen Gottes”, an diese Wahrheit erinnerte Papst Benedikt XVI. bei einem Treffen mit Delega- tionsleitern des Internationalen Friedenstreffens, das von der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio veranstaltet wird. Unter anderen nahmen der ökumenische Patriarch Bartholomaios, Israels Oberrabbiner Jona Metzger, der Rektor der Kairoer El-Azhar-Universität Ahmed El-Tayyeb sowie Landesbischof Wolfgang Huber als Ratsvorsitzen- der der Evangelischen Kirche in Deutschland daran teil. In seiner Ansprache erinnerte der Papst an die besondere Verantwortung der Religionen, um den Frieden und die Versöhnung unter den Völkern zu fördern:
  „Angesichts einer Welt, die von Konflikten zerrissen ist, und wo zuweilen Gewalt im Namen Gottes gerechtfertigt wird, ist es wichtig zu betonen, dass Religionen niemals zu Vehikeln des Hasses werden können; niemals kann man unter Anrufung des Namen Gottes das Böse und die Gewalt rechtfertigen.”
   Die Religionen könnten vielmehr wertvolle Ressourcen liefern für den Aufbau einer friedlichen Menschheit, weil sie vom Frieden zu den Herzen der Menschen sprechen.
  „Die katholische Kirche will den Weg des Dialogs weitergehen, um das Verständnis unter den verschiedenen Kulturen, Traditionen und religiösen Weisheiten zu fördern. Ich wünsche mir sehr, dass dieser Geist sich immer mehr verbreitet, vor allem dort, wo Spannungen herrschen, wo die Freiheit und der Respekt des Nächsten negiert werden und die Männer und Frauen leiden an den Folgen der Intoleranz und des Unverständnisses.” or071021

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Papst Benedikt XVI. Gebet für den Frieden in Auschwitz-Birkenau

   “Wir rufen zu Gott, dass er die Menschen zur Einsicht bringe, damit sie erkennen, dass Gewalt keinen Frieden stiftet, sondern nur wieder Gewalt hervorruft - eine Spirale der Zerstörungen, in der alle am Ende nur Verlierer sein können. Der Gott, dem wir glauben, ist ein Gott der Vernunft - einer Vernunft, die freilich nicht neutrale Mathematik des Alls, sondern eins mit der Liebe, mit dem Guten ist. Wir bitten Gott, und wir rufen zu den Menschen, dass diese Vernunft, die Vernunft der Liebe, der Einsicht in die Kraft der Versöhnung und des Friedens die Oberhand gewinne inmitten der uns umgebenden Drohungen der Unvernunft oder einer falschen, von Gott gelösten Vernunft.”Lesen Sie mehr zu diesem Gebet auf unseren Seiten: Holocaust und Zeichen am Himmel

            Nie wieder Krieg!    
Kurz nach dem Golfkrieg I verfasste Papst Johannes Paul II. dieses Friedensgebet:

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        Gott, unser Vater, groß und voll Erbarmen. Vater aller. 
        Du hegst Pläne des Friedens und nicht des Leidens, 
        du verdammst die Kriege und drückst den Stolz der Gewalttätigen nieder.
        Du hast deinen Sohn Jesus gesandt,den Nahen und Fernen Frieden zu verkünden
        und die Menschen aller Rassen und jeder Herkunft in einer einzigen Familie zu sammeln.
        Höre den demütigen Ruf deiner Söhne und Töchter,
        die dringende Bitte der ganzen Menschheit:
        Nie wieder Krieg,
        eine Spirale der Trauer und Gewalt. Nie mehr dieser Krieg im Persischen Golf,
        eine Bedrohung für alle Geschöpfe im Himmel zu Wasser und zu Land.
        In Gemeinschaft mit Maria, der Mutter Jesu, bitten wir dich:
        Sprich zu den Herzen der Verantwortlichen für die Geschicke der Völker;
        halte auf die Logik der Rache und Vergeltung,
        gib durch deinen Geist den Antrieb zu neuen Lösungen,
        zu hochherzigen und ehrenvollen Gesten,
        zu Räumen des Dialogs und geduldigen Wartens,
        die fruchtbarer sind als überstürzte Kriegstermine.
        Gib unserer Zeit Tage des Friedens!
         Nie wieder Krieg!
        Amen.

B-368Axx

Gebet des Papstes zu Maria, der Königin des Friedens und Beschützerin Afrikas

        Heilige Maria, Mutter Gottes, Beschützerin Afrikas,
        du hast der Welt das wahre Licht geschenkt,
        Jesus Christus.
        Mit deinem Gehorsam dem Vater gegenüber und durch die Gnade des Heiligen Geistes
        Hast du uns die Quelle unserer Versöhnung und unserer Gerechtigkeit geschenkt:
        Jesus Christus, unseren Frieden und unsere Freude.
        Mutter der Zärtlichkeit und der Weisheit,
        zeige uns Jesus, deinen und Gottes Sohn!
        Hilf uns auf unserem Weg der Bekehrung,
        damit Jesus seine Herrlichkeit über uns leuchten lasse
        an allen Orten unseres persönlichen, familiären und sozialen Lebens.
        Oh Mutter voller Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, erwirke für uns
        mit deiner Fügsamkeit dem Tröstergeist gegenüber die Gnade,
        Zeugen des auferstandenen Herrn zu sein,
        damit wir immer mehr zum Licht der Welt und zum Salz der Erde werden.
        Mutter von der Immerwährenden Hilfe,
        deiner mütterlichen Fürsprache vertrauen wir die Vorbereitung und die Früchte
        der Zweiten Synode für Afrika an.
        Königin des Friedens, bitte für uns!
        Unsere Liebe Frau von Afrika, bitte für uns!
        Yaoundé, 19. März 2009
        Sign-B-

B-Friedenstaube-xx     Frieden von Istanbul” - Istanbuls

   Der Besuch von Papst Benedikt XVI. und sein “historisches” Gebet in der Blauen Moschee von Istanbul haben die Türkei begeistert. “Ein Teil meines Herzens bleibt in Istanbul”, bedankte sich das Oberhaupt der römisch-katho- lischen Kirche am Schluss seiner Pastoralreise in die Türkei. Der Papst hat mit seinen Worten und Gesten “große Sympathien” gewonnen, schrieb die größte türkische Zeitung “Hürriyet”.
   Zum Abschluss seiner viertägigen Reise hatte der Papst eine Messe in der katholischen Heiliggeistkirche in Istanbul gefeiert, an der auch der griechisch - orthodoxe Patriarch Bartholomaios I. und der armenische Patriarch Mesrob II. teilnahmen. In seiner Predigt bekräftigte Benedikt den Wunsch nach Überwindung der 1000-jährigen Kirchenspaltung und stärkte der kleinen katholischen Minderheit im Land den Rücken
   Als Oberhaupt der katholischen Kirche sei es seine “Aufgabe”, sich um einen besseren Dialog zwischen den Kul- turen und Religionen zu bemühen, sagte Benedikt bei der Verabschiedung auf dem Istanbuler Atatürk-Flughafen. Er freue sich, wenn sein Besuch zu einem "besseren Verständnis" besonders zwischen dem Islam und dem Christentum beigetragen habe. 
Mehr > Dialog der Religionen

In der Blauen Moschee taB-BlaueMoschee-xx   Istanbul

   Überschwänglich berichtete die türkische Presse vom  Besuch des Papstes in der Blauen Moschee, wo dieser am Vorabend gemeinsam mit dem Mufti von Istanbul, Mustafa Cagrici, “wie ein Muslim” gebetet habe. “Historisches Gebet”, “Frieden von Istanbul”, lauteten die Schlagzeilen.
   Weiße Tauben als Zeichen des Friedens ließ Benedikt vor der feierlichen Messe in der Heiliggeistkirche fliegen, die der Distriktbürgermeister Mustafa Sarigul ihm mitgebracht hatte. Eine begeisterte Menge begrüßte den Papst mit Singen, Klatschen und “Viva”- Rufen. In seiner Predigt betonte er erneut den Wunsch nach Überwindung der 1000-jährigen Kirchenspaltung. Bereits vor 26 Jahren habe sein Vorgänger Johannes Paul II. bei einem Besuch in Istanbul den Wunsch nach Rückkehr zur “vollständigen Einheit” der Kirchen geäußert. “Dieser Wunsch ist bislang noch nicht Wirklichkeit geworden und der Papst sehnt sich noch immer danach”, sagte Benedikt.  dpaHA061202

Der Mensch - Herz des Friedens  B-81xx

Friedens-Botschaft von Papst Benedikt XVI. zum Weltfriedenstag

  1. Zu Beginn des neuen Jahres möchte ich den Regierenden und den Verantwortlichen der Nationen sowie allen Menschen guten Willens meinen Friedenswunsch übermitteln. Ich richte ihn besonders an alle, die sich in Schmerz und Leid befinden, die unter der Bedrohung durch Gewalt und bewaffnete Auseinandersetzungen leben oder deren Würde mit Füßen getreten wird und die auf ihre menschliche und gesellschaftliche Befreiung warten. Ich richte ihn an die Kinder, die mit ihrer Unschuld die Menschheit reicher an Güte und Hoffnung werden lassen und durch ihren Schmerz uns alle anregen, uns zu Wegbereitern der Gerechtigkeit und des Friedens zu machen. Gerade im Gedanken an die Kinder, besonders an diejenigen, deren Zukunft gefährdet ist durch die Ausbeutung und Schlechtigkeit skrupelloser Erwachsener, wollte ich, dass sich anlässlich des Weltfriedenstages die allgemeine Aufmerksamkeit auf das Thema “Der Mensch - Herz des Friedens” konzentriere. Ich bin nämlich überzeugt, dass durch die Achtung der Person der Friede gefördert wird und dass mit der Herstellung des Friedens die Voraus- setzungen geschaffen werden für einen authentischen “ganzheitlichen Humanismus”. Auf diese Weise wird eine unbeschwerte Zukunft für die folgenden Generationen vorbereitet.
Der Mensch und der Friede: Gabe und Aufgabe
   2. Die Heilige Schrift sagt: “Gott schuf den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie” Gen 1,27. Da er nach dem Bilde Gottes geschaffen ist, hat der Mensch die Würde, Person zu sein; er ist nicht bloß etwas, sondern jemand, der imstande ist, sich zu erkennen, über sich Herr zu sein, sich in Freiheit hinzugeben und in Gemeinschaft mit anderen Personen zu treten. Zugleich ist er aus Gnade zu einem Bund mit seinem Schöpfer berufen, um diesem eine Antwort des Glaubens und der Liebe zu geben, die niemand anderer an seiner Stelle geben kann. Aus dieser wunderbaren Perspektive versteht man die dem Menschen anvertraute Aufgabe, in der Liebesfähigkeit selbst zu reifen und der Welt zum Fortschritt zu verhelfen, indem er sie in der Gerechtigkeit und im Frieden erneuert. In einer eindrucksvollen Synthese lehrt der heilige Augustinus: “Gott, der uns ohne uns erschaffen hat, wollte uns nicht ohne uns erlösen”. Darum ist es eine Pflicht aller Men- schen, das Bewusstsein des Doppelaspekts der Gabe und der Aufgabe zu pflegen.
   3. Auch der Friede ist Gabe und Aufgabe zugleich. Wenn es wahr ist, dass der Friede zwischen den Einzelnen und den Völkern - die Fähigkeit, nebeneinander zu leben und Beziehungen der Gerechtigkeit und der Solidarität zu knüpfen - eine Verpflichtung darstellt, die keine Unterbrechung kennt, trifft es auch und sogar noch mehr zu, dass der Friede ein Geschenk Gottes ist. Der Friede ist nämlich ein Merkmal des göttlichen Handelns, das sowohl in der Erschaffung eines geordneten und harmonischen Universums zum Ausdruck kommt, als auch in der Erlösung der Menschheit, die es nötig hat, aus der Unordnung der Sünde zurückgewonnen zu werden. Schöpfung und Erlösung bieten also den Schlüssel zum Verständnis des Sinnes unseres Daseins auf der Erde. Mein verehrter Vorgänger Johannes Paul II. sagte in seiner Ansprache vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 5. Oktober 1995: “Wir leben nicht in einer irrationalen, sinnlosen Welt [...] es gibt eine moralische Logik, die das menschliche Dasein erleuchtet und den Dialog zwischen den Menschen und den Völkern ermöglicht”. Die transzendente “Grammatik”, das heißt die Gesamtheit von Regeln des individuellen Handelns und des Sich-aufeinander-Beziehens der Menschen nach Gerechtigkeit und Solidarität ist in die Gewissen eingeschrieben, in denen sich der weise Plan Gottes widerspiegelt. Ich habe es erst kürzlich bekräftigt: “Wir glauben, dass das ewige Wort, die Vernunft, am Anfang steht und nicht die Unvernunft”. Der Friede ist also auch eine Aufgabe, die jeden zu einer persönlichen, mit dem göttlichen Plan übereinstimmenden Antwort verpflichtet. Das Kriterium, nach dem sich diese Antwort ausrich- ten muss, kann nur die Achtung der von seinem Schöpfer ins Herz des Menschen eingeschriebenen “Grammatik” sein.
    Aus dieser Sicht sind die Normen des natürlichen Rechtes nicht als Vorschriften zu betrachten, die von außen auferlegt werden, als stellten sie die menschliche Freiheit unter Zwang. Sie müssen im Gegenteil als eine Berufung angenommen werden, den universalen göttlichen Plan, der in die Natur des Menschen eingeschrieben ist, treu zu verwirklichen. Geleitet von diesen Normen, können die Völker - innerhalb der jeweiligen Kulturen - dem größten Geheimnis näherkommen, dem Mysterium Gottes. Die Anerkennung und die Achtung des natürlichen Rechtes bil- den daher auch heute die große Basis für den Dialog zwischen den Gläubigen der verschiedenen Religionen und zwischen Gläubigen und Glaubenslosen. Das ist ein großer Konvergenzpunkt und somit eine fundamentale Voraussetzung für einen authentischen Frieden.
Das Recht auf Leben und Religionsfreiheit
  4. Die Pflicht zur Achtung der Würde jedes Menschen, in dessen Wesen sich das Bild des Schöpfers widerspiegelt, beinhaltet konsequenterweise, dass man über die menschliche Person nicht nach Belieben verfügen darf. Wer sich der größeren politischen, technologischen und ökonomischen Macht erfreut, darf sich ihrer nicht bedienen, um die Rechte der Anderen, weniger Erfolgreichen zu verletzen. Der Friede gründet sich nämlich auf die Berücksichtigung der Rechte aller. In diesem Bewusstsein macht sich die Kirche zur Verfechterin der Grundrechte jedes Menschen. Im besonderen fordert sie die Achtung des Lebens und der Religionsfreiheit ein. Die Achtung des Rechtes auf Le- ben in jeder Lebensphase setzt einen Fixpunkt von entscheidender Bedeutung: Das Leben ist ein Geschenk, über das das Individuum kein vollständiges Verfügungsrecht besitzt. In gleicher Weise stellt die Behauptung des Rech- tes auf Religionsfreiheit den Menschen in Beziehung zu einem transzendenten Prinzip, das ihn der menschlichen Willkür entzieht. Das Recht auf Leben und auf die freie Äußerung des eigenen Glaubens an Gott ist nicht der Macht des Menschen unterworfen. Der Friede bedarf der Festsetzung einer klaren Grenzlinie zwischen dem, was ver- fügbar, und dem, was nicht verfügbar ist: So werden unannehmbare Eingriffe in den Bestand jener Werte vermie- den, die dem Menschen als solchem eigen sind.
   5. Was das Recht auf Leben betrifft, so ist es geboten, die Marter anzuprangern, die ihm in unserer Gesellschaft zugefügt wird: Neben den Opfern der bewaffneten Konflikte, des Terrorismus und der verschiedenen Formen von Gewalt gibt es das lautlose Sterben durch Hunger, Abtreibung, Experimente an Embryonen und durch Euthanasie. Muss man nicht in all dem einen Angriff auf den Frieden sehen? Abtreibung und Experimente an Embryonen sind das direkte Gegenteil einer Grundhaltung der Annahme des Anderen, die zur Herstellung dauerhafter Friedens- beziehungen unentbehrlich ist. Ein weiteres besorgniserregendes Symptom für den Mangel an Frieden in der Welt stellen - in Bezug auf die freie Äußerung  des eigenen Glaubens - die Schwierigkeiten dar, denen sowohl die Christen als auch die Anhänger anderer Religionen häufig begegnen, wenn es sich darum handelt, die eigenen religiösen Überzeugungen öffentlich und frei zu bekennen. Speziell auf die Christen bezogen, muss ich schmerzlich feststellen, dass sie manchmal nicht nur behindert werden; in einigen Staaten werden sie sogar verfolgt, und selbst in jüngster Zeit mussten tragische Fälle grausamer Gewalt verzeichnet werden. Es gibt Regime, die allen eine Einheitsreligion aufzwingen, während religiös indifferente Regierungen nicht eine gewaltsame Verfolgung schüren, wohl aber eine systematische kulturelle Verhöhnung religiöser Überzeugungen begünstigen. In jedem Fall wird ein menschliches Grundrecht missachtet, was schwere Auswirkungen auf das friedliche Zusammenleben nach sich zieht. Das fördert unweigerlich eine Mentalität und eine Kultur, die dem Frieden abträglich sind.
Die naturgegebene Gleichheit aller Menschen
   6. An der Wurzel nicht weniger Spannungen, die den Frieden bedrohen, liegen sicherlich die vielen ungerechten Ungleichheiten, die tragischerweise noch in der Welt vorhanden sind. Besonders bedrohlich darunter sind einer- seits die Unterschiede in der Möglichkeit, die wesentlichen Güter wie Nahrung, Wasser, ein Zuhause und die Gesundheit zu erlangen, und andererseits die fortdauernde Ungleichheit von Mann und Frau in der Ausübung der fundamentalen Menschenrechte.
  Ein Element von größter Wichtigkeit für die Herstellung des Friedens ist die Anerkennung der wesentlichen Gleich- heit unter den Menschen, die aus ihrer gemeinsamen transzendenten Würde hervorgeht. Die Gleichheit auf dieser Ebene ist also ein zu jener natürlichen “Grammatik” gehörendes Gut aller, das aus dem göttlichen Schöpfungsplan ableitbar ist - ein Gut, das nicht missachtet oder geringgeschätzt werden kann, ohne schwerwiegende Auswirkun- gen zu verursachen, die den Frieden gefährden. Die äußerst schwere Not, unter der viele Völker vor allem des afrikanischen Kontinents leiden, ist der Ursprung gewaltsamer Einforder- ungen der Ansprüche und stellt deshalb eine schreckliche Verletzung des Friedens dar.
   7. Auch die unzureichende Beachtung der Lage der Frau bringt in das soziale Gleichgewicht Faktoren der Un- beständigkeit hinein. Ich denke an die Ausbeutung von Frauen, die wie Objekte behandelt werden, und an die vielen Formen mangelnder Achtung vor ihrer Würde; ich denke auch - in anderem Zusammenhang - an die in einigen Kulturen fortdauernden anthropologischen Vorstellungen, die der Frau eine Stellung zuweisen, die sie in starkem Maße der Willkür des Mannes unterwirft, mit Konsequenzen, die die Würde ihrer Person verletzen und die Inanspruchnahme ihrer grundlegenden Freiheiten beschneiden. Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass der Friede gesichert sei, solange nicht auch diese Formen der Diskriminierung über- wunden sind, welche die jedem Menschen vom Schöpfer verliehene persönliche Würde verletzen.
Die “Ökologie des Friedens”
   8. Johannes Paul II. schreibt in der Enzyklika Centesimus annus:“Nicht allein die Erde ist dem Menschen von Gott gegeben worden, damit er unter Beachtung ihrer ursprünglichen Zielsetzung zum Guten von ihr Gebrauch machen soll, sondern der Mensch selbst ist sich von Gott geschenkt worden und muss darum die natürliche und moralische Struktur, mit der er ausgestattet wurde, respektieren”. Wenn der Mensch sich dieser, ihm vom Schöpfer anver- trauten Aufgabe entsprechend verhält, kann er gemeinsam mit seinen Mit- menschen eine Welt des Friedens er- stehen lassen. Neben der Ökologie der Natur gibt es also auch eine - wie man es ausdrücken könnte - “Human- ökologie”, die ihrerseits eine “Sozialökologie” erfordert. Und das bedeutet, dass sich die Menschheit, wenn ihr der Frieden am Herzen liegt, die bestehenden Verbindungen zwischen der Natur-Ökologie - also der Rücksicht auf die Natur - und der auf den Menschen bezogenen Ökologie immer mehr vor Augen halten muss. Die Erfahrung zeigt, dass jede Rücksichtslosigkeit gegenüber der Umwelt dem menschlichen Zusammenleben Schaden zufügt und um- gekehrt. Immer deutlicher tritt der untrennbare Zusammenhang zwischen dem Frieden mit der Schöpfung und dem Frieden unter den Menschen in Erscheinung. Der eine wie der andere setzt den Frieden mit Gott voraus. Das als “Sonnengesang” bekannte poetische Gebet des heiligen Franziskus ist ein wunderbares, stets aktuelles Beispiel für diese mannigfaltige Ökologie des Friedens.
   9. Wie eng dieser Zusammenhang zwischen der einen und der anderen Ökologie ist, können wir anhand des täglich wachsenden Problems der Energieversorgung verstehen. In diesen Jahren sind neue Nationen mit Elan in die industrielle Produktion eingestiegen und haben dadurch den Energiebedarf erhöht. Das verursacht einen Wettlauf zu den verfügbaren Ressourcen, der mit früheren Situationen nicht zu vergleichen ist. Gleichzeitig lebt man in einigen Teilen der Erde noch in Verhältnissen eines großen Rückstandes, in denen die Entwicklung - auch aufgrund der Erhöhung des Energiepreises - praktisch verhindert wird. Was soll aus diesen Völkern werden? Wel- che Art der Entwicklung oder Nicht-Entwicklung wird ihnen  durch die Energieknappheit aufgezwungen werden? Welche Ungerechtigkeiten und Antagonismen wird der Wettlauf zu den Energiequellen auslösen? Und wie werden diejenigen reagieren, die von diesem Wettlauf ausgeschlossen bleiben? Das sind Fragen, die deutlich werden lassen, wie eng die Rücksicht auf die Natur mit der Notwendigkeit verbunden ist, zwischen den Menschen und den Nationen Beziehungen zu knüpfen, die auf die Würde der Person achten und fähig sind, ihre wirklichen Bedürf- nisse zu befriedigen. Die Zerstörung der Umwelt, ein unangemessener und egoistischer Umgang mit ihr und der gewaltsame Aufkauf ihrer Ressourcen erzeugen Verletzungen, Konflikte und Kriege, eben weil sie die Frucht eines unmenschlichen Entwicklungs-Konzepts sind. Eine Entwicklung, die sich nur auf den technischwirtschaftlichen As- pekt beschränken würde und die ethisch-religiöse Dimension vernachlässigte, wäre nämlich keine ganzheitliche menschliche Entwicklung und würde schließlich wegen ihrer Einseitigkeit die zerstörerischen Fähigkeiten des Menschen antreiben.
Verkürzte Menschenbilder
  10. Darum eilt es - wenn auch im Rahmen der aktuellen Schwierigkeiten und internationalen Spannungen -, sich darum zu bemühen, eine Humanökologie ins Leben zu rufen, die dem “Baum des Friedens” zum Wachstum verhilft. Um eine solche Unternehmung anzugehen, ist es notwendig, sich von einem Menschenbild leiten zu lassen, das nicht durch ideologische und kulturelle Vorurteile  oder durch politische und wirtschaftliche Interessen verdorben ist,  die zu Hass und Gewalt verführen. Es ist verständlich, dass das Menschenbild in den verschiedenen Kulturen unterschiedlich ist. Unannehmbar ist dagegen, wenn anthropologische Vorstellungen gehegt werden, die in sich selbst den Keim des Kontrastes und der Gewalt tragen. Ebenso inakzeptabel sind Gottesvorstellungen, die Un- duldsamkeit gegenüber den Mitmenschen erregen und zur Anwendung von Gewalt ihnen gegenüber anspornen. Das ist ein Punkt, der in aller Klarheit bekräftigt werden muss: Ein Krieg im Namen Gottes ist niemals gutzuheißen! Wenn eine gewisse Auffassung von Gott den Ursprung verbrecherischer Handlungen bildet, ist das ein Zeichen dafür, dass diese Auffassung sich bereits in eine Ideologie verwandelt hat.
   11. Heute ist jedoch der Friede nicht nur in Frage gestellt durch den Konflikt zwischen den verschiedenen verkürzten Menschenbildern, beziehungsweise zwischen den Ideologien. Er ist es auch durch die Gleichgültigkeit gegenüber dem, was die wahre Natur des Menschen ausmacht. Viele Zeitgenossen leugnen nämlich die Existenz einer spezifischen menschlichen Natur und ermöglichen so die verschrobensten Interpretationen dessen, was wesentlich zum Menschen gehört. Auch hier bedarf es der Klarheit: eine “schwache” Sicht des Menschen, die jeder auch exzentrischen Vorstellung Raum gibt, begünstigt nur augenscheinlich den Frieden. In Wirklichkeit behindert sie den echten Dialog und öffnet dem Dazwischentreten autoritärer Zwänge den Weg. So lässt sie schließlich den Menschen selbst schutzlos dastehen, und er wird zur einfachen Beute von Unterdrückung und Gewalt.
Menschenrechte und internationale Organisationen
 12. Ein echter und haltbarer Friede setzt die Achtung der Menschenrechte voraus. Wenn diese Rechte sich jedoch auf ein schwaches Menschenbild gründen, wie sollten dann nicht auch sie selber geschwächt sein? Hier wird das tiefe Ungenügen einer relativistischen Auffassung vom Menschen offenbar, wenn es sich darum handelt, seine Ansprüche zu rechtfertigen und seine Rechte zu verteidigen. Die Aporie ist in diesem Fall offenkundig: Die Rechte werden als absolut hingestellt, aber das Fundament, das man für sie anführt, ist nur relativ. Ist es dann verwun- derlich, wenn angesichts der “unbequemen” Forderungen des einen oder anderen Rechtes jemand aufsteht, um es anzufechten oder seine Marginalisierung zu beschließen? Nur wenn sie in objektiven Ansprüchen der dem Menschen von Gott gegebenen Natur verwurzelt sind, können die ihm zuerkannten Rechte durchgesetzt werden, ohne dass ihre Widerrufung zu befürchten ist. Im übrigen ist es offensichtlich, dass die Rechte des Menschen für ihn auch Pflichten beinhalten. Mahatma Gandhi hat seine Meinung dazu in den schönen Worten zum Ausdruck ge- bracht: “Der Ganges der Rechte fließt vom Himalaja der Pflichten herab.” Nur wenn über diese Grundvoraus- setzung Klarheit geschaffen wird, können die Menschenrechte, die heute ständigen Angriffen ausgesetzt sind, in angemessener Weise verteidigt werden. Ohne eine solche Klarheit verwendet man schließlich denselben Ausdruck - eben den Begriff “Menschenrechte” - und verbindet damit sehr unterschiedliche Vorstellungen von seinem Sub- jekt: Für einige ist es die menschliche Person, die durch eine ständige Würde und durch Rechte ausgezeichnet ist, die stets, überall und jedem gegenüber gültig sind; für andere ist es der Mensch mit veränderlicher Würde und mit Rechten, die immer neu ausgehandelt werden können: in ihren Inhalten, ihrer zeitlichen Dauer und ihrem Gel- tungsbereich. Mehr unter:  Menschenrechte.
   13.  Auf den Schutz der Menschenrechte beziehen sich beständig die internationalen Organe und besonders die Organisation der Vereinten Nationen, die sich mit der Allgemeinen Erklärung von 1948 die Förderung dieser Rechte als fundamentale Aufgabe vorgenommen hat. Diese Erklärung wird wie eine Art von der gesamten Menschheit übernommene moralische Verpflichtung angesehen. Darin liegt eine tiefe Wahrheit, vor allem, wenn als das Fun- dament der in der Erklärung beschriebenen Rechte nicht nur einfach der Beschluss der Versammlung angesehen wird, die sie approbiert hat, sondern die Natur des Menschen selbst und seine unveräußerliche Würde als einer von Gott erschaffenen Person. Darum ist es wichtig, dass die internationalen Organe das natürliche Fundament der Menschenrechte nicht aus den Augen verlieren. Das bewahrt sie vor der leider immer latent vorhandenen Gefahr, in eine nur positivistische Interpretation dieser Rechte abzugleiten. Sollte dies geschehen, würde sich herausstellen, dass die internationalen Organe nicht über das nötige Ansehen verfügen, um ihre Rolle als Verteidiger der Grundrechte der Person und der Völker zu entfalten - eine Aufgabe, in der aber die grundsätzliche Rechtfertigung ihres Daseins und ihres Handelns besteht.
Humanitäres Völkerrecht und innerstaatliches Recht
   14. Ausgehend von dem Bewusstsein, dass es unveräußerliche Menschenrechte gibt, die mit der gemeinsamen Natur der Menschen zusammenhängen, ist ein humanitäres Völkerrecht ausgearbeitet worden, zu dessen Beach- tung die Staaten auch im Kriegsfall verpflichtet sind. Das ist leider - abgesehen von der Vergangenheit - in einigen Situationen kriegerischer Auseinandersetzungen in jüngster Zeit nicht entsprechend zur Anwendung gekommen. So ist es zum Beispiel in dem Konflikt geschehen, dessen Schauplatz vor einigen Monaten der Süd-Libanon war, wo die Pflicht, unschuldige Opfer zu schützen und ihnen zu helfen und die Zivilbevölkerung nicht einzubeziehen, zum großen Teil nicht beachtet wurde. Das schmerzliche Schicksal des Libanon und die neue Beschaffenheit der Konflikte, besonders seit die terroristische Bedrohung ungekannte Formen der Gewalt in Gang gesetzt hat, erfor- dern, dass die internationale Gemeinschaft das humanitäre Völkerrecht bekräftigt und es auf alle heutigen Situa- tionen bewaffneten Konfliktes - einschließlich der vom geltenden Völkerrecht nicht vorausgesehenen - bezieht. Außerdem verlangt das Übel des Terrorismus ein vertieftes Nachdenken über die ethischen Grenzen, die den Einsatz heutiger Mittel zum Schutz der nationalen Sicherheit betreffen. Immer häufiger werden nämlich die Kriege nicht erklärt, vor allem, wenn terroristische Gruppen sie auslösen, die entschieden sind, ihre Ziele mit jedwedem Mittel zu erreichen.
   Angesichts der erschütternden Szenarien dieser letzten Jahre können die Staaten unmöglich die Notwendigkeit verkennen, sich klarere Regeln zu geben, die fähig sind, dem dramatischen Abdriften, das wir erleben, wirksam entgegenzutreten. Der Krieg stellt immer einen Misserfolg für die internationale Gemeinschaft dar und einen schweren Verlust an Menschlichkeit. Wenn es trotz allem dazu kommt, müssen zumindest die wesentlichen Prinzi- pien der Menschlichkeit und die grundlegenden Werte jeglichen zivilen Zusammenlebens gewahrt werden durch die Aufstellung von Verhaltensnormen, die die Schäden so weit wie möglich begrenzen und darauf ausgerichtet sind, die Leiden der Zivilbevölkerung und aller Opfer der Konflikte zu erleichtern.
  15. Ein anderes Element, das große Beunruhigung hervorruft, ist der jüngst von einigen Staaten geäußerte Wille, sich mit Nuklearwaffen auszurüsten. Dadurch hat sich das verbreitete Klima der Unsicherheit und der Angst vor einer möglichen atomaren Katastrophe weiter verschärft. Das wirft die Menschen zurück in die zermürbenden Ängste der Epoche des so genannten “kalten Kriegs”. Danach hoffte man, die atomare Gefahr sei definitiv gebannt und die Menschheit könne endlich einen dauerhaften Seufzer der Erleichterung tun. Wie aktuell erscheint in die- sem Zusammenhang die Mahnung des Zweiten Vatikanischen Konzils: “Jede Kriegshandlung, die auf die Vernich- tung ganzer Städte oder weiterer Gebiete und ihrer Bevölkerung unterschiedslos abstellt, ist ein Verbrechen gegen Gott und gegen den Menschen, das fest und entschieden zu verwerfen ist”. Leider verdichten sich weiterhin bedrohliche Schatten am Horizont der Menschheit. Der Weg, um eine Zukunft des Friedens für alle zu sichern, besteht nicht nur in internationalen Übereinkünften über die Nicht-Verbreitung von Nuklearwaffen, son- dern auch in dem Bemühen, mit Entschiedenheit ihre Verminderung und ihren endgültigen Abbau zu verfolgen. Man lasse nichts unversucht, um auf dem Verhandlungsweg diese Ziele zu erreichen! Das Schicksal der gesamten Menschheitsfamilie steht auf dem Spiel!
Die Kirche zum Schutz der Transzendenz der menschlichen Person
   16.  Schließlich möchte ich einen dringenden Aufruf an das Volk Gottes richten, dass jeder Christ sich verpflichtet fühlen möge, unermüdlicher Friedensstifter und mutiger Verteidiger der Würde des Menschen und seiner unver- äußerlichen Rechte zu sein. Dankbar gegenüber dem Herrn, dass er ihn berufen hat, zu seiner Kirche zu gehören, die in der Welt “Zeichen und Schutz der Transzendenz der menschlichen Person” ist, soll der Christ nie müde werden, das grundlegende Gut des Friedens von ihm zu erbitten, das im Leben jedes Einzelnen von solcher Bedeutung ist. Außerdem wird er stolz darauf sein, mit großherziger Hingabe der Sache des Friedens zu dienen, indem er den Mitmenschen entgegenkommt, besonders denen, die nicht allein unter Armut und Elend leiden, sondern dazu auch dieses kostbare Gut entbehren müssen.  Jesus hat uns offenbart, dass “Gott Liebe ist” vgl. Joh 4,8 und dass die größte Berufung jedes Menschen die Liebe ist. In Christus können wir die höchsten Gründe finden, uns zu beharrlichen Verfechtern der Menschenwürde und zu mutigen Erbauern des Friedens zu machen.
   17.  Möge also der Beitrag jedes Gläubigen zur Förderung eines echten “ganzheitlichen Humanismus” nach den Lehren der Enzykliken Populorum progressio und Sollicitudo rei socialis, deren 40. und 20. Jahrestag wir gerade in diesem Jahr feiern werden, nicht nachlassen. Zu Beginn des Jahres 2007, auf das wir - wenn auch unter Gefahren und Problemen - mit hoffnungsvollem Herzen blicken, vertraue ich der Königin des Friedens und Mutter Jesu Christi, “unseres Friedens” vgl. Eph 2,14, mein inständiges Gebet für die gesamte Menschheit an. Möge Maria uns in ihrem Sohn den Weg des Friedens zeigen und unsere Augen erleuchten, damit wir sein Angesicht im Gesicht jedes Menschen erkennen - im Menschen als dem Herz des Friedens.
                                                                                                                + Benedikt XVI.

     Weltfriedenstag am 01. Januar 2009

  Die Botschaft von Papst Benedikt XVI. zum nächsten Weltfriedenstag am 01. Januar 2009 steht unter dem Motto: »Die Armut bekämpfen, den Frieden aufbauen«. Der Papst wolle damit auf die Notwendigkeit eines gemeinsamen weltweiten Vorgehens gegen Armut hinweisen, wurde bei der Bekanntgabe des Themas betont. Der Neujahrstag wird in der katholischen Kirche seit Papst Paul VI. (1963-78) als Weltfriedenstag begangen. Zuletzt formulierte Papst Benedikt XVI. eine dringende Aufforderung zum Kampf gegen die Armut beim Welternährungsgipfel in Rom. Hunger und Unterernährung seien angesichts der Ressourcen und Möglichkeiten von heute inakzeptabel, schrieb er in einer Grußbotschaft an die Teilnehmer. OR080725

aep-aepRobertZollitsch-x     Erzbischof Robert Zollitsch, Freiburg

Geleitwort zum Kriegsblindenjahrbuch 2009

Liebe Leserinnen und Leser,
   das Kriegsblinden-Jahrbuch schlägt wie in den Vorjahren, so auch 2009, eine dringend notwendige Brücke: eine Brücke des Verstehens zwischen Sehenden und Nichtsehenden, eine Brücke des lebendigen Erinnerns zwischen denen, die den Krieg am eigenen Leibe erlebt haben und seine schrecklichen Folgen noch heute erleben, und denen, für die Krieg ein geschichtliches, auf jeden Fall weit entferntes Phänomen ist.
   Aufrufen zu Solidarität und Selbsthilfe, Menschen fördern und fordern, das Erlebte der Vergangenheit durch die lebendige Erinnerung für die Gestaltung der Gegenwart fruchtbar machen und vor allem der konsequente Einsatz für den Frieden - darin gleichen sich der Bund der Kriegsblinden Deutschlands und der Einsatz der katholischen Kirche.
   Europa hat die großen Konflikte, die vor 70 Jahren noch unüberwindbar schienen, bezwungen. Was für unsere Generation manchmal unvorstellbar war - die Grenzen überschreitende Freiheit und Zusammenarbeit in Europa - ist für viele Menschen der jüngeren Generationen selbstverständlich. Viele Menschen in Europa sind geduldig und mutig aufeinander zugegangen, haben ihr Gegenüber aus der Nachbarnation kennen gelernt und Vorurteile bekämpft. Durch diese Menschen ist in Europa eine lange Zeit des Friedens angebrochen. Diesen Frieden wollen wir bewahren und verbreiten! Das Wissen über die Schrecken des Krieges, die wir bis heute wach halten - be- sonders in so notwendigen Publikationen wie dem Kriegsblinden-Jahrbuch - kann davor bewahren, Krieg als Mittel der Politik in anderen Enden der Welt zu tolerieren. Dafür setzen sich Christinnen und Christen ein, denn sie halten - gegen politische, ökonomische und gesellschaftliche Versuche - daran fest, dass jeder Mensch Geschöpf Gottes und damit unveräußerlich ist in seiner Würde, die ihm von Gott geschenkt ist.
 Frieden, der in Gerechtigkeit und gegenseitiger Anerkennung wurzelt, ist die Grundlage für ein menschenwürdiges Leben. Der Prophet Jesaja entwirft die Friedensvision, in der Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet werden vgl. Jes 2,4, Jesus Christus preist den Friedensstifter in der Bergpredigt selig vgl.Mt 5,9. Darin gründet das Engage- ment der Kirche für Frieden in der Welt und Frieden im Kleinen. Nur gemeinsam kann dieses Ziel erreicht werden, denn Frieden ist keine Leerformel, sondern meint gelebtes Miteinander. Miteinander und füreinander, wie der Bund der Kriegsblinden Deutschlands in den Jahrzehnten seines Bestehens für die Rechte seiner Kameraden gekämpft und sie unterstütz hat.
  Für die Zukunft wünsche ich dem Bund der Kiregsblinden Deutschland als Anwalt der Verständigung und Brücken- bauer der Versöhnung ein ungebrochenes Engagement in der Solidarität untereinander, in der vorbildlichen Selbsthilfe und in der unverzichtbaren Öffentlichkeitsarbeit, in der die Menschen, die am besten wissen, was Frie- den heißt, für kommende Generationen Zeugen sind. aepRobertZollitschSig-

PacelliBdKreuzn1917 Benedikt-XV-xx

Foto rechts: Der 1. Weltkrieg und die Friedensnote von Papst Benedikt XV.  Foto links: Überreichung der Friedens- note durch Nuntius Eugenio Pacelli (dem späteren Papst Pius XII.) beim Deutschen Kaiser in Bad Kreuznach 1917

An die Staatsoberhäupter der kriegführenden Völker
 Seit Anbeginn unserer Amtszeit haben Wir uns inmitten der Schrecken des fürchterlichen Krieges, der über Europa hereingebrochen ist, vor allen anderen drei Dinge vorgenommen: eine absolute Unparteilichkeit gegenüber den kriegführenden Parteien, wie sie sich für jenen gebührt, der allen gemeinsam Vater ist und alle seine Kinder mit gleicher Zuneigung liebt; die ständige Bemühung allen, ohne Unterscheidung von Person, Nation und Religion, so viel Gutes wie irgend möglich zu tun, wie uns das allumfassende Gesetz der Barmherzigkeit und das uns von Christus anvertraute höchste geistliche Amt vorschreiben; schließlich das beharrliche von unser Frieden stiftenden Mission vorgegebene Bestreben, nichts, was in unserer Macht liegt und das Ende dieser Heimsuchung beschleu- nigen könnte, zu unterlassen, indem Wir die Völker und ihre Oberhäupter zu milderem Rat zu bewegen suchen und zu unbefangenen Beschlüssen zugunsten eines „gerechten und dauerhaften Friedens”.
   Wer unser Wirken über all diese drei nun zu Ende gehenden schmerzvollen Jahre verfolgt hat, hat feststellen können, dass Wir, so wie Wir immer unserem Vorsatz der Unparteilichkeit und der Barmherzigkeit treu geblieben sind, auch nie müde geworden sind, sowohl die kriegführenden Völker als auch ihre Oberhäupter zu ermutigen, wieder Brüder zu werden, auch wenn nicht all unser Wirken für diesen noblen Zweck immer der Öffentlichkeit bekannt gemacht worden ist.
  Am Ausgang des ersten Kriegsjahres haben Wir uns mit eindringlichen Aufforderungen an sie gewandt und ihnen auch den Weg angezeigt, der zu einem für alle dauerhaften und würdevollen Frieden führt. Leider wurde unser Aufruf nicht erhört: Der Krieg mit allen seinen Schrecken wurde verbissen für zwei weitere Jahre fortgeführt, er verschärfte sich sogar und dehnte sich auf dem Festland, auf dem Wasser und selbst in der Luft aus, so dass sich über die wehrlosen Städte, die stillen Dörfer und ihre unschuldigen Bewohner die Verwüstung und der Tod aus- breiteten. Und nun kann sich niemand vorstellen, wie sehr sich das allgemeine Leiden vermehren und verschlim- mern würde, wenn dem vergangenen blutigen Triennium weitere Monate oder schlimmer noch Jahre hinzugefügt würden. Soll die zivilisierte Welt denn in ein Totenfeld verwandelt werden? Und soll das so glorreiche und blühen- de Europa wie von einem universalen Wahn  mitgerissen einem wahren Selbstmord entgegengehen?
   Aufgrund eines solch bekümmernden Stands der Dinge und angesichts einer so ernsten Bedrohung erheben Wir, nicht wegen eines besonderen politischen Ziels und nicht auf Anraten oder aus Interesse irgendeiner der krieg- führenden Parteien, sondern einzig und allein vom Bewusstsein der übergeordneten Pflichten eines allen Gläu- bigen gemeinsamen Vaters geleitet, von den Wehklagen der Kinder, die uns um unser Einschreiten und unser Frie- den stiftendes Wort anflehen und von der Stimme der Menschlichkeit und der Vernunft, erneut Unseren Ruf nach Frieden und erneuern unseren eindringlichen Appell an jene, die das Schicksal der Nationen in ihren Händen haben. Um uns jedoch nicht auf das Allgemeine zu beschränken, wie uns die Umstände in der Vergangenheit nahe gelegt hatten, möchten Wir nun konkretere und praktischere Vorschläge unterbreiten und die Regierungen der kriegführenden Völker einladen, sich über die folgenden Punkte zu einigen, welche uns die notwendigen Richtlinien eines gerechten und dauerhaften Friedens erscheinen, wobei Wir es den Regierenden selbst überlassen, diese zu präzisieren und zu vervollständigen.
   Und allem voran muss es ein fundamentales Anliegen sein, an die Stelle der materiellen Kraft der Waffen die mo- ralische Kraft des Rechts zu setzten. Das heißt, eine gerechte Vereinbarung aller über ein gleichzeitig durchge- führtes und auf Gegenseitigkeit beruhendes Abrüsten, auf der Grundlage festzulegender Normen und Garantien und in dem notwendigen und in den einzelnen Staaten zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung ausrei- chenden Maße; und anstatt der Waffen die Einrichtung eines Schiedsgerichts mit der erhabenen Funktion der Frie- densstiftung, dessen Wirken auf der Grundlage zu vereinbarender Normen und einer gemeinsam festzulegenden Strafe basiert. Letztere für jenen Staat, der sich weigern sollte, die internationalen Probleme dem Schiedsgericht zu unterbreiten oder dessen Entscheidung zu akzeptieren.
 Ist das Reich des Rechts so wieder hergestellt, sollten alle Behinderungen der Kommunikation der Völker kraft der wahren Freiheit und der Gemeinsamkeit der Meere aufgehoben werden, was nicht nur zahlreiche Konfliktursachen auslöschen, sondern auch allen neue Quellen des Wohlstands und des Fortschritts eröffnen würde.
   Was die Schäden und die Kosten des Krieges betrifft, sehen Wir keine andere Möglichkeit als die allgemeine Re- gelung eines vollständigen und auf Gegenseitigkeit beruhenden Erlasses, der nicht zuletzt durch die enormen Vor- teile der Abrüstung gerechtfertigt würde; dies um so mehr als man die Fortführung eines derartigen Blutbades einzig aus wirtschaftlichen Gründen nicht verstehen würde. Sollten in irgendeinem Fall besondere Gründe dagegen sprechen, sollen diese mit Gerechtigkeit und Ausgewogenheit geprüft werden.
   Diese friedlichen Vereinbarungen und die enormen Vorteile, die daraus entstehen, sind jedoch nicht ohne die Rückgabe der derzeitig besetzten Gebiete möglich. Für die deutsche Seite bedeutet dies somit die vollständige Evakuierung sowohl Belgiens und die Garantie seiner vollkommenen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit gegenüber jedweder Macht, als auch der französischen Gebiete. Für die gegnerische Seite die vollständige Rückgabe der deutschen Kolonien.
  Was die Gebietsfragen anbelangt, wie zum Beispiel jene zwischen Italien und Österreich oder zwischen Deutsch- land und Frankreich, ist zu hoffen, dass die streitenden Parteien diese angesichts der enormen Vorteile eines dau- erhaften eine Abrüstung einschließenden Friedens mit versöhnlichem Gemüt untersuchen werden und, wie Wir schon mehrmals gesagt haben, so weit recht und möglich die Wünsche der Völker berücksichtigen und die eigenen Interessen, soweit notwendig, auf jene abstimmen, die der großen menschlichen Gemeinschaft gemein sind.
   Derselbe Geist der Gerechtigkeit und Ausgewogenheit sollte auch die Untersuchung sämtlicher weiterer territo- rialer und politischer Fragen bestimmen, besonders jene bezüglich der Neuordnung Armeniens, der baltischen Staaten  und der Länder, die ehemals zum Königreich Polen gehörten, dem besonders aufgrund seiner edlen historischen Traditionen und der vor allem während des derzeitigen Krieges erlittenen Qualen gerechterweise die Sympathien der Nationen zukommen sollte.
   Dies sind die vorrangigen Grundlagen, auf denen aus unserer Sicht die zukünftige Ordnung der Völker beruhen muss. Sie sind so gestaltet, dass sie eine Wiederholung ähnlicher Konflikte unmöglich machen und die Lösung der für die Zukunft und für das materielle Wohl aller kriegführenden Staaten so wichtigen wirtschaftlichen Frage vor- bereiten. Indem Wir sie Euch, die Ihr in dieser tragischen Stunde die Geschicke der kriegführenden Völker lenkt, unterbreiten, sind Wir von der teuren und süßen Hoffnung beflügelt, diese akzeptiert zu sehen und damit so schnell wie möglich zum Ende dieses verheerenden Kampfes zu gelangen, der jeden Tag nur mehr ein sinnloses Gemetzel erscheint. Trotzdem herrscht selbstverständlich unter allen Beteiligten Einverständnis darüber, dass auf der einen wie auf der anderen Seite die Ehre der Waffen gewahrt bleibt. Erhört deshalb unsere Bitte, nehmt die väterliche Aufforderung an, die wir im Namen des Heilands und des Königs des Friedens an Euch herantragen. Bedenkt Eure große Verantwortung gegenüber Gott und den Menschen. Von Eurer Entscheidung sind der Frieden und die Freude unzähliger Familien abhängig, das Leben tausender junger Männer und das Glück der Völker, dessen Förderung Eure unbedingte Pflicht ist. Der Herr gebe Euch Entscheidungen ein, die Seinem heiligen Willen entsprechen, und mache, dass Ihr den Jubel der Gegenwart verdient und Euch auch bei den zukünftigen Gene- rationen die Anerkennung als Friedensstifter sichert. Wir vereinigen uns unterdessen mit allen treuen Seelen, die den Frieden herbeisehnen, im Gebet und in der Buße und erbitten für Euch vom Heiligen Geist Erkenntnis und Rat.
Vatikan, 1. August 1917                        + Benedikt XV.
ArchivioSegreto VaticanoArchNunzMonaco410fasc2ff2r-5vActaBenedictiPP.XVÜbersetzgAndreaGeselle

  Kurz nach seinem Amtsantritt beschrieb Benedikt XV. am 01. November 1914 in seiner Enzyklika Ad Beatissimi eine vom “schrecklichen Gespenst des Krieges” beherrschte Welt mit einem von Toten und Verwundeten über- säten Boden. “... wer kann sich vorstellen, dass diese Menschen ... von ein und demselben Ahnen abstammen, dass sie alle Teil derselben Menschheit sind?”Am 3. Jahrestag des Beginns des 1. Weltkriegs, am 01. August 1917, intervenierte der Papst erneut in einem besorgten Appell bei den Staatsoberhäuptern der kriegführenden Länder - ohne Partei zu ergreifen. Was später als Friedensintervention gegen das sinnlose Gemetzel in die Geschichte einging, hatte damals mit Ausnahme des österreichischen Kaisers keinerlei Wirkung. Foto oben: Überreichung der Friedensnote durch Nuntius Eugenio Pacelli (dem späteren Pius XII.) beim Deutschen Kaiser in Bad Kreuznach 1917. Nicht zuletzt wegen dieser Friedensinitiative des großen diplomatischen Papstes hat Joseph Kardinal Ratzin- ger als Papst den Namen Benedikt XVI. gewählt.

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Foto: St.Georg in Bagdad nach der Explosion einer Autobombe. „Bleiben wir in diesem Land, das unsere Heimat ist”. Der Patriarch von Babylon der Chaldäer, Emmanuel III. Delly erklärt: „Ich werde weiter alle Politiker bitten, sich für den Frieden im Irak einzusetzen. Auch die Massenmedien können viel tun, wenn sie konstruktive Nach- richten verbreiten und nicht versuchen, die eine oder andere Gruppe schlecht zu machen. Gute Nachrichten ermu- tigen unser Volk, in diesem Land zu bleiben, das unsere Heimat ist."

   Auf der Versammlung der Hilfswerke für die Orientalischen Kirchen in Rom brachte Papst Benedikt XVI. seine An- teilnahme am tragischen Schicksal des irakischen Volkes und der dort lebenden Christen zum Ausdruck, sprach von einer „Stunde des wahren Martyriums für den Namen Christi.” Unter den Zuhörern war auch der Patriarch von Ba- bylon der Chaldäer, Emmanuel III. Delly, der zur jüngst abgehaltenen Synode der Chaldäer nach Rom gekommen war. Ein jeder im Publikum verstand, dass der Papst dem Patriarchen mit dieser Beurteilung der irakischen Tragö- die seine volle Unterstützung für dessen Arbeit als Bischof der Chaldäer bekundete.

IrBagdadChald-xx     chaldäische Beterin, Bagdad

 Seit einigen Monaten sind besonders die Christen im Irak Opfer der Terrorgruppen und Verbrecherorganisationen. Besonders in Bagdad, aber nicht nur dort. In Mosul wurden Pater Ragheed Ganni und drei seiner Helfer von einem Hinrichtungskommando überrascht und kaltblütig erschossen Foto unten links. Das war am 3. Juni 2007. „Ohne Sonntag, ohne Eucharistie, können wir nicht leben,” pflegte der chaldäische Priester zu sagen, wenn er von den irakischen Christen sprach. Ein Ausspruch, den die ersten Christen geprägt hatten. Aber kann man die Verant- wortung für das Leid der irakischen Christen wirklich einfach nur den Muslimen anlasten? Der Patriarch der Chaldäer bezweifelt das. Die italienische Monatsschrift 30Tage hat den Patriarchen von Babilon um ein Interview gebeten. Foto unten rechts: Patriarch von Babylon der Chaldäer, Emmanuel III. Delly

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Die Tragödie im Irak scheint kein Ende nehmen zu wollen. Seit der Ermordung von Pater Ragheed Ganni Foto oben links  hat man nun wohl erkannt, dass auch die chaldäische Kirche einen hohen Preis zahlen muss. Was sagen Sie als Patriarch dazu?
  Anstatt zu fragen, was der chaldäische Patriarch denkt, sollte man sich besser fragen, was den Menschen im Irak widerfährt - und zwar allen, Christen und Muslimen... Es stimmt zwar, dass sich die Lage der Christen in den letz- ten Monaten zugespitzt hat. Aber sie ist ohnehin schon tragisch für die Iraker eines jeden Glaubens, Christen, Muslime, Mandäer, Yeziden ... Die Regierung kann nichts tun, weil nicht alle das Wohl des Irak wollen ... Und ich frage mich, ob diese Menschen, die nicht das Wohl des Irak wollen, wirkliche Iraker sind. Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß ist, dass eine Autobombe jedes Leben niedermäht: das der Christen, Muslime, Mandäer und Yeziden, ohne Unterschiede. Und ich weiß, dass die Seele eines jeden Irakers heute von der Angst beherrscht wird: die Sonne geht auf, aber niemand weiß, ob er sie auch wieder untergehen sehen wird.
Worin hat sich diese Eskalation der Gewalt gegen die Christen in den letzten Monaten gezeigt?
   Bisher ging es um eine Art „Abrechnung” zwischen Sunniten und Schiiten. Und damit ist es noch lange nicht vor- bei. Wer diese gewalttätigen Fanatiker sind, weiß ich nicht, ich kenne die Terroristen nicht. Und auch die Regierung weiß es nicht. Die Christen haben im Irak ein friedliches Leben geführt, schon bevor der Islam hierher kam. Sie ha- ben die Muslime aufgenommen und lebten immer in Frieden mit ihnen, was für alle von Vorteil war. Aber heute reicht das nicht mehr.  In Bagdad und Mosul, aber auch in Kirkuk oder Bassora, kommt es seit ein paar Monaten vor, dass diese Gruppen Gewalttätiger an die Türen der Christen klopfen. Zuerst verlangen sie, dass man ihnen eine Art „Steuer” zahlt. Manchmal zwingen sie ganze Familien, öffentlich zum Islam zu konvertieren. Sie zwingen die Familienväter, einem der jungen Männer der Bande eine ihrer Töchter zur „Frau” zu geben und vertreiben sie dann aus ihrem Haus, ja, aus dem Land. „Das ist nicht eure Heimat!” sagen sie. In der letzten Zeit wurden Hun- derte von christlichen Familien aus dem Land getrieben, mehrere Dutzend gezwungen, zum Islam zu konvertieren. Dann noch die Entführungen: viele der Entführten, die nicht konvertieren wollten, sind ermordet worden.
   So sieht unser Leben aus. Die Menschen sind unglücklich, wissen weder ein noch aus. Die Flucht scheint der ein- zige Ausweg zu sein. Viele sind in den Norden des Landes geflüchtet, in die Heimatdörfer ihrer Väter. Aber was sollen sie dort, ohne Wurzeln, ohne Arbeit? Wenigstens im irakischen Kurdistan lebt Gott sei Dank ein großer Wohltäter: der Finanzminister und Vize-Ministerpräsident Sarkis Aghajan, der in den letzten drei Jahren 7.000 Häuser für die immigrierten Christen bauen ließ, sie ihnen gratis zur Verfügung stellte. Er lässt ihnen auch einen Mindestbetrag zukommen, der fürs Überleben reicht. Aber was sollen die Christen im irakischen Kurdistan tun, wenn es keine Arbeit gibt, keine Firmen, die sie einstellen? Sie sind und bleiben Ausländer, auch in ihren neuen Häusern im Norden ...
Foto unten: Irakische Flüchtlinge drängen sich vor dem Uno-Flüchtlingsbüro in Damaskus.

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Viele irakische Christen haben - wie inzwischen Millionen ihrer Landsleute - beschlossen, ins Ausland zu gehen
   Ja, nach Syrien, Jordanien, in den Libanon... oder nach Europa... Aber das Einreisevisum für die Europäische Union zu bekommen, ist für einen Iraker so gut wie unmöglich. Eine Enttäuschung nach der anderen. Und deshalb bitte ich alle Regierenden, dazu beizutragen, dass im Irak wieder Frieden einziehen kann. Und zwar nicht nur für die Christen, sondern auch für die armen Muslime, die ganz genauso leiden wie wir: weil auch ihre Familien diesen Fanatikern ausgeliefert sind, die nicht davor zurückschrecken, Lösegeld zu erpressen.
Am Tag vor der Beerdigung von Pater Ragheed Ganni ist noch ein anderer chaldäischer Priester entführt worden
   Ja, man hat Priester entführt, Ordensleute, Christen; Unmengen von Lösegeld wurden gefordert. Bisher hat man sogar drei Menschen umgebracht: einen Protestanten, einen Orthodoxen und zuletzt unseren guten Ragheed Ganni. Der arme Pater Ragheed: nach der Messfeier haben er und seine Helfer - drei Subdiakone - die Kirche ver- lassen. Er war gerade im Auto auf dem Weg nach Hause, als er angehalten wurde. Sie befahlen ihm, die Hände zu heben - und dann haben sie ihn erschossen. Einfach so. Nach dem Mord an Pater Ragheed wurde, wie Sie ja wissen, noch ein anderer Priester entführt, zusammen mit vier seiner Helfer. Sie konnten nur befreit werden, weil wir für alle das Lösegeld bezahlt haben.
Wie verhalten Sie sich normalerweise in solchen Fällen?
   Wenn Hunderttausende Dollar Lösegeld gefordert werden, sind uns die Hände gebunden. Woher sollten wir soviel Geld nehmen? Wir haben es nicht. Die  wohlhabenderen  chaldäischen  Gläubigen  sind  bereits aus dem Land geflohen - inzwischen sind ohnehin nur noch die armen oder ganz armen da. Und die haben nichts, wir ge- ben ihnen, was sie zum Überleben brauchen. Was sollen wir diesen Banditen schon zu bieten haben? Oft werden wir auch bedroht: „Entweder ihr zahlt, oder ihr werdet auf der Strasse bald einen Leichnam finden. Jemanden, den ihr gut kennt ...” Das ist der Irak heute.
Ein ziemlich trostloses Bild.
   Ja, aber trotz allem sind wir nach wie vor Kinder der Hoffnung. Wir setzen unser Vertrauen in den Herrn und hoffen, dass diese dunklen Wolken bald vorüberziehen werden. Dass in unserem Land erneut Frieden herrscht und die Sonne wieder für uns scheint. Das hoffen wir als Christen, aber vor allem als Iraker.
Foto unten: Bewaffneter Wachtposten vor einer Kirche in Kirkuk, Irak,  am Ostersonntag.

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Wie verhalten sich die öffentlichen Behördenvertreter?
   Jemand hat mich einmal gefragt, ob das, was hier passiert, Schuld der Regierung sei. Meine Antwort darauf lautete: „Ja - wenn es eine solche geben würde!”. Aber die gibt es nicht. Im Irak herrscht ein wahres Chaos. Die, die heute „regieren”, haben keinerlei Macht. Im Gegenteil, die Politiker sind die ersten, die um Schutz bitten ... Und die Amerikaner zucken nur mit den Achseln und sagen: „It's not our job.” Aber wer hat dann Schuld? Die Ameri- kaner, die unser Land besetzt haben; unsere Regierung - wenn es eine solche gäbe -; die Mächtigen dieser Welt, die diesem Terror mit einem einzigen Wort Einhalt gebieten könnten, es aber nicht tun! Einem Terror, der im Irak vor nichts und niemandem Halt macht - weder vor Muslimen noch Christen, inzwischen aber ganz besonders nicht vor den Christen.

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Schon einmal hat Papst Benedikt zum öffentlichen Beten und Fasten für den Irak aufgerufen
  Und auch ich werde weiter alle Politiker bitten, sich für den Frieden im Irak einzusetzen. Auch die Massenmedien können viel tun, wenn sie konstruktive Nachrichten verbreiten und nicht versuchen, die eine oder andere Gruppe schlecht zu machen. Gute Nachrichten ermutigen unser Volk, in diesem Land zu bleiben, das unsere Heimat ist. Ich persönlich werde bleiben, werde bis zum letzten Blutstropfen ausharren, den chaldäischen Gläubigen Mut machen. Damit sie bleiben, wie auch unsere Väter und Großväter geblieben sind, die mit so vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Bleibt, habt Vertrauen zum Herrn und zu unserer Gottesmutter Maria, die uns beschützen wird, werde ich ihnen sagen. Ja, ich werde meine guten Gläubigen dazu ermutigen, hier zu bleiben. Ich werde mit ihnen sein, werde meinen letzten Tropfen Blut geben, wenn es der Wunsch des Herrn sein sollte, dass ich zum Märtyrer werde.
Haben Sie Kontakte zu den religiösen Oberhäuptern der Schiitien und Sunniten?
  Ich habe nie aufgehört, mit ihnen zu reden, mit ihnen allen ... , damit unserem Land wieder Frieden gebracht wird - vor  allem  den Christen. Aber sie können derzeit nicht viel tun, genau wie ich selber auch. Ich habe für jeden Menschen meines Landes gebetet - angefangen beim Präsidenten. Und ich bitte alle Christen, darum zu beten, dass der Herr mit uns ist. Dass er, der selbst der Frieden ist, dem Irak - Land Abrahams - wieder Frieden bringt.
In den Zeitungen stand zu lesen, dass bei Ihrer letzten Synode darüber diskutiert wurde, die Christen in ge- schützten, abgeschlossenen Zonen unterzubringen
  Wir wollen den Irak für die Iraker, weil wir Söhne und Töchter einer einzigen Familie sind. Wir wollen kein „Ghetto” für die Christen. Wir Iraker mögen verschiedene Bezeichnungen haben, aber wir haben doch alle den- selben Vater Abraham, und eine einzige Heimat. Das Land vereint uns. Es ist unser Land, und das war es von Anfang an! Es gab keine Teilung, der Glaube eines jeden wurde respektiert. Kurzum: die Religion ist für jeden, eine Heimat für alle. Der Irak muss für alle Iraker sein! Wir müssen uns keinen „christlichen Winkel” aussuchen, um uns zu verstecken. Als Christen haben wir nämlich immer für die Entwicklung unserer schönen Heimat zusammen gearbeitet.
Haben die Christen wirklich all dieses Unrecht tatenlos hingenommen?
   Die Christen dürfen nicht einmal daran denken, Gewalt mit Gewalt zu vergelten! Wir greifen nicht zu den Waffen. Das würde ich niemals raten! Jesus hat gesagt: „Betet für die, die euch nicht lieben, für die, die euch verfolgen und schlecht über euch reden.” Er selbst hat uns das gelehrt, und wir vertrauen darauf, dass er uns helfen wird! Als Verantwortlicher für meine Christen werde ich niemals zur Gewalt auffordern, sondern dazu, alles zu ertragen und auch für unsere Feinde zu beten.
Wie wäre es mit einer politischen Reaktion - einer Art organisierter Bewegung der Christen? Damit könnte man auf die Behörden Druck ausüben, und die Bischöfe hätten so mehr Gewicht in der Politik...
   Wie sollten die Christen in einer Situation, in der niemand Macht hat, die Dinge ändern können? Wie sollte man in dieser Situation meinen können, die Schaffung einer politischen Lobby würde etwas ändern? Vertrauen wir die Herzen und die Wünsche doch lieber dem Herrn an! Aber lassen Sie mich dazu noch eines sagen.
Ich bitte darum.
   Ich bin zuversichtlich, dass Sie die Dinge auch wirklich so berichten, wie sie sind; keine Hintergedanken haben, sondern zum Wohl der Seelen und zum Heil der Welt, und nicht aus Eigennutz handeln. Andere Journalisten haben Dinge geschrieben, die den Chaldäern geschadet haben, sind in den Bereich der Kirche eingedrungen, haben den irakischen Christen moralischen, spirituellen und politischen Schaden zugefügt. Die chaldäische Kirche war und ist friedliebend; sie wird allen nur Gutes tun, wie uns unser Herr Jesus Christus gelehrt hat.

Papst Benedikt in Betlehem

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Ohne Gerechtigkeit kein Friede! In seiner Ansprache bei der Begrüßungszeremonie in Betlehem am 13. Mai 2009 spricht sich der Heilige Vater erneut für eine Zwei-Staaten-Lösung aus.
Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas empfängt Papst Benedikt in Betlehem

Herr Präsident! Liebe Freunde!
  Ich grüße Sie alle von Herzen und danke Präsident Mahmud Abbas für seine freundlichen Begrüßungsworte. Meine Pilgerreise in die Länder der Bibel würde ohne einen Besuch in Betlehem, der Stadt Davids und dem Ge- burtsort Jesu Christi, unvollständig bleiben. Ebenso wenig hätte ich ins Heilige Land kommen können, ohne die freundliche Einladung von Präsident Abbas anzunehmen, diese Gebiete zu besuchen und das palästinensische Volk zu grüßen. Ich weiß, wie sehr Sie an der seit Jahrzehnten in diesem Land herrschenden Unruhe gelitten haben und weiter leiden. Mein Herz wendet sich all jenen Familien zu, die kein Zuhause mehr haben. Heute nachmittag werde ich das Aida Refugee Camp besuchen, um den Menschen, die so viel verloren haben, meine Soli- darität zu bekunden. All jenen unter Ihnen, die über den Verlust von Angehörigen und Freunden in den gewalt- samen Auseinandersetzungen und besonders in den jüngsten Konflikten in Gaza trauern, versichere ich mein tiefes Mitgefühl und mein häufiges Gebetsgedenken. Ja, ich bete jeden Tag für Sie alle, und ich bitte den All- mächtigen aufrichtig um Frieden, um einen gerechten und dauernden Frieden in den Palästinensischen Gebieten und in der ganzen Region.
Die Flamme der Hoffnung am Leben erhalten
   Herr Präsident, der Heilige Stuhl unterstützt das Recht Ihres Volkes auf eine eigenständige palästinensische Hei- mat im Land seiner Vorfahren in Sicherheit und in Frieden mit seinen Nachbarn innerhalb von international aner- kannten Grenzen. Auch wenn die Verwirklichung dieses Ziels heute noch fern erscheint, fordere ich Sie und Ihr Volk auf, die Flamme der Hoffnung am Leben zu erhalten, einer Hoffnung, dass ein Weg gefunden werden kann, die legitimen Ansprüche beider Seiten, der Israelis und der Palästinenser, zu erfüllen. In den Worten des verstor- benen Papstes Johannes Pauls II. gibt es „keinen Frieden ohne Gerechtigkeit und keine Gerechtigkeit ohne Vergebung" Botschaft zum Weltfriedenstag 2002. Ich rufe alle Parteien dieses langandauernden Konflikts auf, alle Ressentiments und Spaltungen zu überwinden, die der Versöhnung noch im Weg stehen, und großzügig und mitfühlend auf alle ohne Unterschied zuzugehen. Ein gerechtes und friedliches Zusammenleben zwischen den Völ- kern des Nahen Ostens kann nur durch einen Geist der Zusammenarbeit und des gegenseitigen Respekts erreicht werden, in dem die Rechte und die Würde aller anerkannt und geachtet werden. Ich bitte Sie alle, ich bitte Ihre Verantwortungsträger, einen erneuten verbindlichen Entschluss zu fassen, auf diese Ziele hinzuarbeiten. Insbe- sondere rufe ich die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, ihren Einfluss zugunsten einer Lösung geltend zu machen. Glauben und vertrauen Sie, dass durch einen ehrlichen und ausdauernden Dialog unter voller Achtung der Anforderungen der Gerechtigkeit wirklich ein dauerhafter Friede für diese Länder erreichbar ist.
   Ich habe die feste Hoffnung, dass die ernsten Bedenken bezüglich der Sicherheit in Israel und in den Palästi- nensischen Gebieten bald hinreichend beschwichtigt werden können, sodass eine größere Bewegungsfreiheit möglich wird, vor allem hinsichtlich des Kontakts zwischen Familienangehörigen und hinsichtlich des Zugangs zu den heiligen Stätten. Palästinenser haben wie alle anderen ein natürliches Recht, zu heiraten, Familien zu gründen und zu Arbeit, Ausbildung und Gesundheitsfürsorge Zugang zu erhalten. Ich bete auch dafür, dass mit Hilfe der in- ternationalen Staatengemeinschaft der Wiederaufbau rasch voranschreiten, kann, wo immer Wohnhäuser, Schulen und Spitäler beschädigt oder zerstört worden sind, insbesondere während der jüngsten Kampfhand- lungen im Gazastreifen. Dies ist wesentlich, damit alle Menschen dieses Landes in Umständen leben können, die zu Frieden und Wohlstand führen. Eine stabile Infrastruktur wird Ihren jungen Menschen bessere Möglichkeiten eröffnen, sich wertvolle Fähigkeiten anzueignen und eine einträgliche Arbeitsstelle zu finden, damit sie so ihren Teil zum Aufbau des Lebens Ihrer Gemeinschaften beitragen können.
Lasst nicht zu, dass Bitterkeit und Groll im Herzen wachsen
   An die vielen jungen Menschen im Bereich der Palästinensischen Gebiete richte ich diesen Appell: Lasst nicht zu, dass der Verlust von Leben und die Zerstörung, die ihr mit ansehen musstet, in euren Herzen Bitterkeit und Groll wachsen lassen. Habt den Mut, jeder vielleicht von euch verspürten Versuchung zu widerstehen, Gewalt anzu- wenden oder terroristische Akte zu begehen. Was ihr erfahren habt, soll vielmehr eure Entschlossenheit erneuern, Frieden zu stiften. Es soll euch mit dem tiefen Verlangen erfüllen, einen bleibenden Beitrag zur Zukunft Palästinas zu leisen, damit es auf der Weltbühne den ihm zustehenden Platz einnehmen kann. Es soll in euch Gefühle des Mitleids für alle Leidenden wecken, Eifer für die Versöhnung und einen festen Glauben, dass eine bessere Zukunft möglich ist.
   Herr Präsident, liebe Freunde, die hier in Betlehem zusammengekommen sind, ich bitte für das ganze palästinen- sische Volk um den Segen und den Schutz unseres himmlischen Vaters und ich bete innig, dass der Gesang, den die Engel an diesem Ort erklingen ließen, in Erfüllung gehe: Friede auf Erden, guter Wille unter den Menschen. Vielen Dank. Gott sei mit euch. DT090514

epMichaelMatsuuraJxx       Bischof Michael Goro Matsuura, Osaka

  Es gibt in Japan Bestrebungen, das in der Verfassung verankerte Verbot der Kriegsführung aufzuheben. Dage- gen protestiert Weihbischof Michael Goro Matsuura in Osaka, der Vorsitzende des Rates für Gerechtigkeit und Frieden der japanischen Bischofskonferenz Foto oben. Nach seiner Meinung hat das Säbelrasseln Nordkoreas und der Druck der Bush-Administration dazu beigetragen, den seit 60 Jahren bewährten Verzicht auf kriegsführende Handlungen, der in der Verfassung festgeschrieben ist, in Frage zu stellen.
   „Mehr und mehr Leute fangen an, den Artikel 9 (Anti-Kriegs-Option) der japanischen Verfassung aufzugeben”. Dieser Artikel erklärt: „Das japanische Volk hat für immer Krieg und Gewalt als Mittel der Politik entsagt. Das Recht auf Kriegsführung wird dem Staat nicht zuerkannt.”
   Bischof Matsuura sieht in der engeren Zusammenarbeit der US-Armee in Japan mit den japanischen Selbstvertei- digungskräften, die in einem amerikanisch-japanischen Vertrag vereinbart wurde, dass die japanische Armee zu verändern drohe. Seit mehr als 60 Jahren hat kein japanischer Soldat im Kampfeinsatz jemanden getötet und keiner ist im Kampf gefallen. Nun sollen sich japanische Soldaten am globalen Kampf gegen Terroristen beteiligen.
  Der Bischof sagt: “Es gibt schwerwiegenden Grund zu der Annahme, dass die US-Regierung Japan ermutigt, ja Druck ausübt, Artikel 9 unserer Verfassung zu ändern”. Die USA seien unzufrieden über die mangelnde Unterstüt- zung Japans hinsichtlich des Golfkrieges und der Konflikte in Afghanistan und Irak. „Ziel der amerikanischen Strate- gie ist es, durch die Verfassungsänderung die Zusammenarbeit der japanischen mit der amerikanischen Armee zu ermöglichen.”
  Bischof Matsuura sieht die Möglichkeiten der Selbstverteidigungskräfte unter der geltenden Verfassung als sehr restriktiv an. „Vieles kann unsere Armee nicht leisten. Das Militär dient ausschliesslich zum Schutz gegen Angriffe von außen. Nach dem bilateralen Vertrag aber werden die japanischen Selbstverteidigungskräfte Teil der amerika- nischen Armee und somit verfügbar für Einsätze außerhalb Japans”. Nachdem der Krieg im Irak begonnen war, musste das japanische Parlament ein neues Gesetz erlassen, damit 500 Soldaten der Selbstverteidigungskräfte auf Anfrage der USA für humanitäre Zwecke entsandt werden konnten.
   Der Bischof erinnert in Osaka an die Erklärung der japanischen Bischofskonferenz aus Anlass der Beendigung des 2. Weltkrieges im letzten Jahr: „Dürfen wir mit Recht nicht stolz sein auf die Tatsache, dass wir seit 60 Jahren niemand im Kampf getötet haben, noch einer von uns gefallen ist ... Lasst uns also erneut feierlich erklären, nie wieder Krieg! Und niemals darf Krieg als Mittel zur Streitbewältigung gesucht werden!”
   Die japanischen Bischöfe sind besorgt, dass nach einer Änderung oder Streichung des Friedensartikel 9 der Ver- fassung Japan als große militärische Bedrohung in Asien wahrgenommen wird, und eben dadurch die Region destabilisiert. „Der Rüstungswettlauf wird erneut beginnen und die Waffenindustrie in Japan wird aufblühen, weil der Waffenexport wieder zugelassen wird”, folgert Bischof Matsuura.
   Der Bischof zeigt sich zudem besorgt über die Änderung des Artikels 20 der Verfassung (Trennung von Kirche und Staat), wegen der früheren starken Verbindung zwischen japanischen Militarismus und dem Shintoismus, der bis Ende des 2. Weltkriegs Staatreligion in Japan war. Der alljährliche Besuch des japanischen Premierministers im Yasukuni-Schrein, eine heilige Stätte des Shintoismus für alle, die für den Kaiser gefallen sind, sei verfassungs- widrig.
   Der Bischof erinnert daran, dass dieser Schrein Symbol sei für das frühere „Ideal junger japanischer Männer, ihr Leben für den ‚Himmlischen Herrn’ hinzugeben.” ‚Himmlischer Herr’ sei eine wörtliche Übersetzung von „Tenno” – dem japanischen Gott-Kaiser. Ideologisch sei als dieser Schrein eine Glorifizierung der „gewalttätigen Vergangen- heit Japans”.
   „Wir wollen lieber den Weg zu einer gewaltfreien und friedlichen Welt zusammen mit dem amerikanischen Volk gehen”, sagt Bischof Matsuura, und erinnert an die amerikanische Geschichte des Friedens, wie sie von Martin Luther King gelebt wurde. „Wir wünschen, dass Amerika seine Stärke und Fähigkeit zu einer Friedensvision durch Demokratie und nicht durch Gewalt führt. Darum widerspricht Bischof Matsuura der Änderung oder Abschaffung des Friedensartikels der Verfassung. CT060813JerryFilteau

Yasukuni1xx   Yasukuni

Schrein des friedlichen Landes. Warum „Yasukuni” ein Reizwort ist

   Der Besuch eines japanischen Ministerpräsidenten am Yasukuni-Schrein Foto oben hat wieder einmal zu Protesten, vor allem in China und Südkorea, geführt. Aber auch in Japan gibt es Kritiker, zum Beispiel Politiker und Industriemanager, die dagegen sind, diesen Ort weiter aufzuwerten. Die meiste Zeit des Jahres ist das Schreingelände im Herzen der japanischen Hauptstadt eine Oase der Besinnlichkeit für Gläubige, Spaziergänger, Vetera- nen. Yasu bedeutet Frieden, Kuni heißt Land, doch für viele Asiaten symbolisiert dieser Ort vielmehr japanischen Revisionismus und den Militarismus der Vergangenheit.  Bei der Kritik geht es weniger darum,  dass ein Land eine Gedenkstätte für 2.466.344 Kriegstote unterhält, sondern dass dort auch 14 vom International Military Tribunal for the Far East (auch bekannt als Tokioter Prozesse) angeklagter Kriegsverbrecher gedacht wird, die entweder hingerichtet wurden oder im Gefängnis starben.
   Dazu zählt der Ministerpräsident und General Hideki Tojo, der schon an der Macht war, als Pearl Harbor angegriffen wurde. Von 1942 an war er auch Chef des Generalstabs. Das internationale Militärgericht bezeichnete ihn im November 1948 in seinem Urteil als Hauptverantwortlichen für die japanische Verschwörung zur Eroberung des Großostasiatischen Raumes. Ihm wurden auch unmenschliche Behandlung von Kriegsgefangenen und andere Kriegsgreuel zur Last gelegt. Tojo wurde zum Tode verurteilt und im Dezember 1948 gehängt. General Iwane Matsui gehört ebenfalls zu den Hingerichteten, die im Yasukuni-Schrein verehrt werden. Er war Befehlshaber der japanischen Truppen, die 1937 im chinesischen Nanking wüteten. Zu den prominenten Namen zählen General Seishiro Itagaki, Chefplaner des Einfalls in die Mandschurei und China, General Yoshijiro Umezu, letzter Chef des Generalstabs der Armee, sowie die Generäle Doihara, Muto und Kimura, regionale Befehlshaber in China und Südostasien. Dies sind nicht die einzigen verurteilten Kriegsverbrecher, denen in Yasukuni Respekt erwiesen wird. Doch diese vierzehn, und das ist ein weiterer Stein des Anstoßes, wurden erst 1978 in einer Nacht- und Nebelaktion in Yasukuni eingeschreint, was erst ein Jahr später bekannt wurde.
   Bis zum Kriegsende war der Shintoismus Staatsreligion, der gottgleiche Kaiser höchste Institution. Wegen der in der Nachkriegsverfassung vorgeschriebenen Trennung von Staat und Religion ist der Yasukuni-Schrein, gegründet 1869 und bis 1945 vom Staat finanziert, heute eine private Religionsgesellschaft. Das „Einschreinen” geschieht in einer Zeremonie, bei der die Namen der Toten in ein symbolisches „Seelenregister” eingetragen werden, das ins Allerheiligste des Schreins getragen wird. Sie werden dann als Götter, heroische Seelen oder Märtyrer verehrt. Der religiöse Hintergrund dieses Rituals ist vielschichtig. Kritikern wird entgegnet, dass nach shintoistischem Glauben mit dem Leben auch die Sünden dahinscheiden, und, so heißt es, die ruhelosen Seelen beheimatet und besänftigt würden. Hinzu kommt, und dieses Argument nimmt auch Ministerpräsident Koizumi für sich in Anspruch, dass Yasukuni für viele Japaner ein Ort der Erinnerung und des stillen Gedenkens an die vielen Gefallenen sei, ein Ort des Gebets und nicht der Ehrerweisung.
  Das steht allerdings im Kontrast zu der vom Yasukuni-Schrein ausgehenden und betriebenen Geschichtsklitterung. In seiner Selbstdarstellung, in offiziellen Publikationen und im dazugehörigen Museum werden die Soldaten und ihre Feldzüge verklärt, so dass ihr Andenken nicht beschmutzt wird. „Japans Traum von einem großen ostasiatischen Reich wurde durch die Geschichte erzwungen und von den Ländern Asiens angestrebt”, wird auf der Internetseite  des  Shinto-Heiligtums erklärt. Das Tribunal der Alliierten sei eine Farce gewesen, die verurteilten Kriegsverbrecher seien fälschlich angeklagt worden. Viele Japaner tun es ihrem Ministerpräsidenten gleich und gehen zum Schrein. AnneSchneppenFAZ060817

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   Fünf Millionen Menschen suchen Jahr für Jahr in Lourdes, dem größten Wallfahrtsort der Welt, ihren Frieden mit Gott. Ungezählte finden Frieden! Der Bischof von Lourdes, Monsignore Jaques Perrier Foto zeigt in seinem Leitwort für das Wallfahrtsjahr 2007 - Wege zum Frieden: „Lasst euch mit Gott versöhnen!“

   Das  Leitwort  von  Lourdes  im  Jahre  2007  stammt  vom  heiligen  Paulus 2. Korinther 5,20: “Lasst euch mit Gott versöhnen!” Was bedeutet dieser Satz? Versöhnung, Bedürfnis nach Versöhnung gibt es überall. Man muss die wissenschaftlichen Entdeckungen und den Respekt vor dem Menschen, die Freiheit und die Geschwisterlichkeit, die Wirtschaft und die Gerechtigkeit, die zeitgenössische Kunst und die breite Öffentlichkeit versöhnen. Es ist not- wendig, dass Völker und soziale Gruppen sich untereinander versöhnen anstatt sich zu bekriegen oder zu igno- rieren. Es ist besonders wichtig, dass die Menschen sich untereinander in ihrer Umgebung versöhnen: in der Familie, bei der Arbeit, in den Gruppen, zu denen man gehört - «immer ist das Verständnis zwischen den Men- schen der Schlüssel zum Erfolg.»
   All das ist ziemlich einfach zu begreifen. Überall gibt es Streit. Ohne Auseinandersetzung gäbe es übrigens auch keinen Fortschritt. Auseinandersetzungen zwischen den Generationen gibt es nicht erst seit gestern. Auseinan- dersetzungen zwischen Völkern führen nicht notwendigerweise zum Krieg. Versöhnung, Einheit und Frieden sind möglich. Das gibt es nicht ohne Anstrengung: Man muss versuchen, den anderen zu verstehen und ihm Raum zu geben. Man muss seine Sichtweise ändern: Anstatt alles auf sich zu beziehen, sollte die Existenz der anderen akzeptiert werden trotz Vorurteilen, Blockaden oder Zusammenstößen in der Vergangenheit. Das gilt sowohl für die Beziehungen innerhalb einer Familie als auch für die Beziehungen zwischen Nationen: Im Europa des 20. Jahrhunderts gibt es das großartige Beispiel der Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland.
Aber wie ist es mit der Versöhnung mit Gott?

   Als sich der heilige Paulus an die Korinther wendet, stellt er fest: Eure Beziehungen zu Gott sind nicht gut. Ihr vergesst schnell. Schnell macht ihr das Gegenteil von dem, was Er von euch erwartet. Bald werdet ihr versucht sein, ihn ganz abzulehnen. Man muss das Zwiegespräch erneut aufnehmen. Man muss das Vertrauen wieder fin- den. Das schafft ihr nicht allein. Vielleicht wisst ihr nicht wie, oder ihr denkt, dass ihr von Gott zu weit entfernt seid, um wieder zu Ihm zu finden. Durch Seinen Sohn Jesus, der sogar Sein Leben für uns hingegeben hat, gibt Gott euch Zeichen. Lasst Christus wirken: Er kann euch mit Gott versöhnen. Kurz: "Lasst euch mit Gott versöhnen!"
Von der Versöhnung zur Umkehr
   Versöhnungen auf menschlicher Ebene erfordern eine „Umkehr“. Dasselbe Wort findet sich wieder, wenn es um unsere Beziehungen zu Gott geht. Das ist ein zentrales Thema der Botschaft Jesu. 
  Jesus ging wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium Mk 1,14-15!
   Das Evangelium, die „gute Nachricht” ist, dass Gott, unser Vater, in Jesus, seinem Sohn, am Werk ist, um uns mit Sich zu versöhnen. Er hat die unendliche Distanz überbrückt, die uns von Ihm trennt. Durch Seinen Sohn ist Er zu uns gekommen. Jesus ist einer von uns. Er ist unser Bruder. Er öffnet uns das Haus des Vaters. Aber Er tut nichts ohne uns. An uns liegt es umzukehren.
Worin besteht die Umkehr?
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Es ist zunächst notwendig, unsere Sichtweise auf Gott zu ändern. Gott ist weder ein kompromissloser Richter noch jemand, dem unser Tun gleichgültig ist. Er erwartet von uns eine Antwort des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Er ist der Vater des verlorenen Sohnes, den Er mit Ungeduld erwartet, und dem Er entgegenläuft, sobald Er ihn sich nähern sieht.
> Es ist notwendig, unsere Sichtweise auf das Leben und die Welt zu ändern. Gott hilft uns dabei durch die Stimme unseres Gewissens. Aber diese wird oft irritiert: Wie viele Verbrechen wurden nicht mit einem guten Ge- wissen begangen? Deshalb erleuchtet uns Gott, indem Er uns die „zehn Worte”, gewöhnlich diezehn Gebote” genannt, gibt: sie gelten für jeden Menschen, auch wenn sie ursprünglich an Israel gerichtet sind. Seinen Jüngern verkündet Jesus die Seligpreisungen. Die Seligpreisungen sind nicht Paragraphen eines Verhaltenskodexes. Es sind die Eingangstüren zum Reich Gottes.
> Es ist notwendig, unsere Sichtweise auf uns selbst zu ändern. Es ist notwendig festzustellen, dass wir uns im Weg getäuscht haben, dass wir schlecht gehandelt haben, oder dass wir nicht gehandelt haben, wenn es not- wendig gewesen wäre. Diese Fehler passieren uns immer wieder, aber das ist kein Grund, frustriert zu werden. Wir müssen damit aufhören, uns zu rechtfertigen oder zu verurteilen: Stellen wir uns mit Vertrauen unter den Blick Gottes, der uns besser kennt als wir selbst es tun. 
Von der Umkehr zur Buße
   Statt „Umkehren” könnten wir auch sagen „Bereuen” oder Buße tun”. Die Buße hat einen sehr reduzierten und fast lächerlichen Sinn bekommen. „Buße tun” erinnert an die Kinder, die der Lehrer früher „in die Ecke” verdon- nerte. Buße ist das Gegenteil zum Prinzip des Vergnügens, das heute überwiegt. Unsere westliche Zivilisation merkt, dass sie manches auf den Kopf gestellt hat. Der Liberalismus schafft neue Armut, neue Frustrationen, neue sexuelle Gewalt und neuen Protektionismus. Als Maria Bernadette zur Buße einlädt, ist das 19. Jahrhundert dabei, in gefährliche „... ismen“ abzugleiten: Kapitalismus, Nationalismus…
   Viele Menschen haben heute ein besseres Auskommen, aber die Gesellschaft ist beunruhigt und unsicher über ihren Zusammenhalt und ihre Zukunft. Das äußert sich in der Schwierigkeit, politische Projekte anzugehen. Kurz, die Idee, dass man seine Einstellung ändern und auf bestimmte Illusionen verzichten muss, ist aktuell und offensichtlich für all jene, die nachdenken. 
   Der Weg der Umkehr ist mühsam, zugleich aber auch befreiend. Als der verlorene Sohn beschließt, zu seinem Vater zurückzukehren, tut er dies nicht mit Freude im Herzen Lukas 15,17. Aber es ist die beste Lösung für ihn, und er hat noch genug Vertrauen zu seinem Vater, um sicher zu sein, dass dieser nicht Vergeltung haben will. Petrus hat Jesus dreimal nach dessen Verhaftung verleugnet. Am Morgen tritt dann Jesus aus dem Haus des Hohenpriesters. Sein Blick kreuzt jenen von Petrus. Dieser Blick ist sowohl Vorwurf als auch Einladung zum Ver- trauen: Petrus weint bitterlich, berichtet der Evangelist Lukas 22, 61-62. 
 Der Weg der Umkehr ist schwierig. Deshalb bittet die Jungfrau Maria Bernadette, für die Sünder zu beten. Ihr gan- zes Leben lang (Bernadette lebte nach den Erscheinungen noch einundzwanzig Jahre) betet sie für die Sünder. Sie opfert ihre täglichen Schmerzen, jedes Leid und jeden Augenblick „für die Sünder”. Das ist ein Aspekt des katholischen  Glaubens: Jeder ist für sich selbst verantwortlich, aber wir leben nicht allein. Es gibt nicht nur Christus und die Heiligen im Himmel, sondern auch die Schwestern und Brüder auf der Erde, mit denen wir unsicht- bar verbunden sind.  Alle zusammen bilden wir die Gemeinschaft der Heiligen, aller Heiligen. 
Lourdes, ein Ort der Umkehr
    In Lourdes gibt es viele Ausgangspunkte für einen Weg der Umkehr. Eine Tatsache von Lourdes: Die Vielzahl der Menschen, die hierher kommen, zeigt, dass die Frage des letzten Sinnes unseres Lebens keine überholte Frage ist. Lourdes ist ein Ort, in dem alle, auch Nichtchristen, sich über ihr Leben Gedanken machen und Antwor- ten finden können.
Die Person von Bernadette regt an, die Dinge anders zu sehen.
   Bernadette ist uns durch ihre Freiheit des Geistes und des Wortes sympathisch. Aber aus menschlicher Sicht betrachtet ist Bernadettes Leben zunächst ohne Bildung, von schlechter Gesundheit, in einer verarmten Familie, dann im Hospiz von Lourdes und schließlich im Kloster von Nevers nicht unbedingt beneidenswert. Und doch verändert sich seit fast hundertfünfzig Jahren - dank ihr - das Leben von Millionen von Menschen.
Maria, die Unbefleckte Empfängnis
   Auch ohne genau zu wissen, was dieser Ausdruck bedeutet, und auch wenn ihre Statuen nicht begeistern sollten, verbinden wir mit Maria Schönheit, Licht und Heiligkeit. Und sie ist eine Frau. Jesus hat sie uns zur Mutter gegeben. Eine Mutter ermutigt und gibt Vertrauen. In Lourdes lächelt die Dame meistens, wenn sie Bernadette erscheint. Ihr Gesicht ist traurig, als sie zur Buße aufruft: Sie, die ohne Sünde ist, weiß besser als wir, dass die Sünde eine Sackgasse ist. Sie leidet für uns - wie Jesus am Kreuz. 
Die Kranken und ihre Helfer
   Krankheit, hohes Alter, schwere Behinderung – all dies wird häufig in den Hintergrund gedrängt. Hier in Lourdes nehmen diese Menschen den ersten Platz ein. Die Helfer, die für sie da sind, sind glücklich in ihrem Dienst, opfern dafür einen Teil ihres Urlaubs und tragen sogar selbst ihre Kosten. Dies führt dazu, dass man sich über den wah- ren Wert der Dinge Gedanken macht, und einige erkennen dabei eine Leere in ihrem Leben.
Die Grotte
   Ständig beten Menschen an der Grotte. Das war schon während der Erscheinungen so. Seit der zweiten Erscheinung war Bernadette von Menschen umgeben, die beteten oder skeptisch beobachteten. Man sollte durch die Grotte durchgehen.  Da bin ich nicht allein: Während einige vor der Grotte beten, gehen andere vor mir und nach mir in einer langsamen Prozession, um in die Grotte hinein zu gelangen. Ich sehe die Quelle reinen Wassers, die mich an die Taufe erinnert, an das neue Leben als Kind Gottes. In der Grotte ist es ein wenig düster: Die Sünde hindert mich daran, deutlich zu erkennen. Aber ich gehe hin zum Licht, wenn ich am Kerzenständer vorbei komme: ein Symbol für Christus und die Heiligen. Den Weg bin ich unter dem Blick Mariens gegangen, deren Statue in der Felsnische steht, und die zu Bernadette sagte, dass sie niemandem von uns weit entfernt ist. Der Gang durch die Grotte ist ein Weg der Umkehr.
Der Wasserweg und die Bäder
  Gegenüber der Grotte sind neun Wasserstationen mit dem Wasser der Quelle. Sie sind nicht dazu da, um Be- hälter zu füllen, sondern ich kann dort die Gesten nachahmen, um die die Dame Bernadette gebeten hatte: “Trinken Sie aus der Quelle und waschen Sie sich dort.” David, ein großer Sünder, sagte zu Gott: Wasch  meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde! Psalm 51,4 Jede Wasserstation trägt einen Namen aus der Bibel und verweist auf eine Stelle in der Heiligen Schrift. Einige eignen sich besonders für diejenigen,  die den Weg der Umkehr beschreiten wollen. Noch symbolischer ist das Bad in den Bädern: Siehe im Offiziellen Begleiter für den Wallfahrtsort.
Die Kreuzwege.
   Es gibt mehrere Kreuzwege in Lourdes: auf dem Hügel Espélugues, auf der großen Wiese, in der Basilika St. Pius X., in der Kirche St. Joseph usw ...  Der Kreuzweg macht uns mehr betroffen als eine Predigt. Wer ist derjenige, der unschuldig schändlich getötet wird? In diesem Drama, das nicht abgeschlossen ist, sind wir an der Seite von Pilatus, der sich die Hände wäscht, der Schaulustigen, die hämisch lachen, des Verurteilten, der beleidigt wird, von Simon von Zyrene, der das Kreuz tragen hilft, von Veronika, die Sein Gesicht abwischt, des Hauptmannes, der erkennt: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.” Mk 15,39.
  Es gibt also viele Ausgangspunkte und Wege der Umkehr in Lourdes. Jene, die aufgezählt wurden, sind nicht die einzigen. Viele wünschen, ganz gleich wie ihr Weg gewesen ist, weiter zu gehen und das Sakrament der Ver- söhnung, auch „Bußsakrament” oder „Beichte” genannt, zu empfangen. 
   Nach seiner Auferstehung hat Jesus den Aposteln am Abend des Ostertages gesagt: „Wem ihr die Sünden ver- gebt, dem sind sie vergeben.” Durch die Sendung des Heiligen Geistes am Tag ihrer Priesterweihe erhalten die Priester diese Vollmacht,  die sie nicht in ihrem Namen ausüben, sondern im Namen Christi. Durch seinen Tod zeigt uns Jesus, wie weit die Liebe Gottes für uns geht. Durch seine Auferstehung zeigt er uns, dass das Böse nicht das letzte Wort hat. 
   Hier die Formel, durch die der Priester die Vergebung (Lossprechung) der Sünden zuspricht: 
Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich ver- söhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
   Normalerweise verlangt der Priester, eine „Buße” zu tun. Das ist eine Geste oder ein Gebet. Damit zeigen wir, dass unser Wunsch zur Umkehr ernst gemeint ist, selbst wenn wir unsere Schwäche kennen, und dass wir die Gnade in die Tat umsetzen wollen, die uns im Sakrament geschenkt wurde. 
Versöhnung und Versöhnungen
    Kommen wir zu unserem Ausgangspunkt zurück: dem Bedürfnis nach Versöhnung. Jesus hat die Vergebung Gottes verknüpft mit der Vergebung, die wir gewähren. Wir finden das insbesondere im Gebet des Vater unser: ... vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. 
   Die Vergebung kann man wie den Frieden nicht aufspalten. Wir können den Frieden Gottes nicht erbitten, wenn wir Rachegedanken hegen. Übrigens riskiere ich, wenn ich solche Gedanken anderen gegenüber hege, weil sie mir Böses antun,  solche Gedanken auch Gott gegenüber zu hegen, der mir diese Prüfung auferlegt hat.
   Ich könnte meinen, dass die Vergebung über meine Kräfte geht. In Lourdes verlieren in Anbetracht des vielen Leids aber auch des großen Glaubens und der Liebe meine Gefühle und meine Probleme an Bedeutung. Die Gnade des Sakramentes ist groß genug, um den Hass zu überwinden, wenn es mit einem aufrichtigen Herzen empfangen wird. Lourdes ist ein Ort, an dem Versöhnung geschieht oder sich dafür entschieden wird. 
   „Lasst euch mit Gott versöhnen“: Dieser vorgeschlagene Weg ist nicht der einfachste, aber wir können auf ihm Licht und Frieden finden. Er könnte auch uns dieses schöne Sakrament wieder entdecken lassen, das vernach- lässigt wurde: die Versöhnung.    
                                  + Monsignore Jacques Perrier,  Bischof von Tarbes und Lourdes 

Lesen Sie mehr über Lourdes:   > Lourdes I

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Foto: Die Wasser von Lourdes

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