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Glaube & Leben

Menschen aus Politik und Sport, Musik und den Medien blicken auf die Kirche

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Miss Germany bei Papst Franziskus

   Eine Religionslehrerin als Miss Germany beim Papst: Dass Schüler neidisch auf ihre Religionslehrerin sind, geschieht nicht oft, nach diesem Mittwoch schon, vermutet Lena Bröder. Sie ist Religionslehrerin und seit Februar Miss Germany. Ende Juni erscheint ihre Autobiografie „Das Schöne in mir – Mit Glaube zum Erfolg“ und genau das hat sie an diesem Mittwoch dem Papst kurz nach der Generalaudienz überreicht. Im Interview mit Radio Vatikan erzählt Miss Germany, wie es bei dem Treffen mit Papst Franziskus war. „Es ist absolut ein Traum in Erfüllung gegangen und es ist genau so gewesen, wie ich es mir vorgestellt habe. Meine Vorstellung war, wenn er vor mir steht, dass alles sehr schnell gehen wird. Ich habe es aber immerhin geschafft, ihm mein Buch zu überreichen.“
   Papst Franziskus habe sich das Buch ganz genau angeschaut und auch den Titel wie für sich selbst noch einmal laut wiederholt. Am Ende war Lena Bröder noch so mutig und hat den Papst nach einem Selfie gefragt: „ich war so mutig, ob wir noch ein Selfie machen und er so, klar machen wird.“
   Aber das Treffen mit Papst Franziskus war für Lena Bröder während der Audienz nicht das aufregendste, wie sie danach verrät. „Das aufregendste war für mich, als er angefahren kam und ohne Scheu, das muss man in Anbetracht der aktuellen Terrorlage loben, dass er ohne Scheu durch die Menschenmenge gefahren ist, allen gewunken hat. Ich fand es auch sehr beeindruckend, dass er sich die Zeit für die einzelnen Menschen genommen hat, die auch zu begrüßen.“
   Der Glaube ist für Bröder wie ein unsichtbarer Begleiter, der in allem mitschwingt, sie prägt und für sie auch das Fundament ist. Das sei für den Job ganz wichtig, dass man nicht abhebt und realistisch bleibt. Das Treffen mit dem Papst wird zwar nicht ihren Glauben verändern, aber hat sie um eines reicher gemacht: „Es gehört zur Lebenserfahrung dazu und ich sage ja auch immer, dass der Religionsunterricht von Lebenserfahrungen lebt, nicht nur von den Schülern sondern auch das ich meine Lebenserfahrung mit einbringe und von dem Treffen zu erzählen. Ich glaube schon, dass der ein oder andere ein bisschen neidisch sein wird, dass ich den Papst getroffen habe und dass ich ihm die Hand schütteln konnte. Ich sag auch immer, den Papst zu treffen, das ist ein ganz großes Ding.“
Ihr Buch „Das Schöne in mir – Mit Glaube zum Erfolg“ erscheint im Herder Verlag am 23. Juni. Rv160615pdy

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Miss Germany: Ein Treffen mit dem Papst ist ein großes Ding

  Mittwoch war ein schöner Tag für Deutschlands Schönste. Lena Bröder, amtierende Miss Germany, hatte eine Audienz beim Papst Franziskus. Ein besonderer Termin für die angehende katholische Religionslehrerin aus der Diözese Münster. Und ein Termin, der so ganz anders ist als all die anderen, die seit der Amtsübernahme im Februar ihr Leben bestimmen. Noch am vergangenen Wochenende saß die 26-Jährige in Münchens Promidisco, dem PI, in der Jury zur Wahl der Miss München. Spielt die deutsche Mannschaft in Frankreich Fußball, muss Lena Bröder im Europa Park in Rust Gesicht zeigen. Nach Disco und Fußball jetzt also der Papst.
   Nach Angaben der Miss-Wahl-Organisatoren ist es das erste Mal in der 89-jährigen Geschichte des Schönheitswettbewerbs, dass eine „Miss Germany" das Oberhaupt der katholischen Kirche trifft. „Für mich ist das ein Lebenstraum", sagt Bröder und hat bereits ein Geschenk für Franziskus mitgebracht. Sie hat ihm ihr auf Deutsch geschriebenes Buch „Das Schöne in mir - Mit Glauben zum Erfolg" überreicht. Lena erhofft sich von ihrem Treffen, dass der Papst ihr und allen jungen Menschen Mut mache, sich für den Glauben einzusetzen.
   Die 26-Jährige ist in einem katholisch geprägten Elternhaus aufgewachsen. Für sie schließen sich äußerer Schein und der Glaube an Gott keineswegs aus: „Es ist ein Klischee, dass Schönheitsköniginnen allesamt Frauen ohne Anspruch, Charakter und eigene Meinung sind", sagt sie. „Und es ist ein  Klischee, dass sich die Kirche von allem abgrenzt, was in dieser bunten Welt passiert." Das Treffen in Rom hat der katholisch geprägte Verlag Herder, in dem ihr Buch am 23. Juni erscheint, organisiert. Bei der Audienz auf dem Petersplatz mit anderen Pilgern stand die Miss in der vordersten Reihe. Für eine private Begegnung mit dem Papst, dazu müsste Lena statt Miss eher Kanzlerin von Deutschland sein. Die Gäste, die der Pontifex in Ruhe sprechen will, empfängt er in einem spartanischen Zimmerchen in dem Gästehaus der Heiligen Martha. Es diente früher als Fernsehzimmer und befindet sich in einer bescheidenen Pension im Vatikan.
   Dort lebt Papst Franziskus, seitdem er sich weigerte, in den Palast der Päpste, den apostolischen Palast, einzuziehen. Wer eine Einladung in dieses Zimmerchen bekommt, weiß, dass dem Papst das Gespräch wirklich wichtig ist. Derzeit geht es bei den Audienzen oft um den Wiederaufbau Syriens. Die Treffen dauern häufig Stunden. Routinemäßige Audienzen mit Staatsoberhäuptern wiederum finden in der Bibliothek des apostolischen Palastes statt. Dort dürfen vermeintlich wichtige Menschen eine halbe Stunde unter vier Augen mit dem Papst sprechen. Am Ende werden Fotos gemacht und Geschenke ausgetauscht. Politikern schenkt der Papst fast immer Bilder des heiligen Martin, um sie zu ermahnen. wie der Heilige, der seinen Mantel teilte, die Bürger zu schützen.
Besuche, die nicht wichtig genug sind für eine Privataudienz, können um eine Audienz in der
Prima Fila, also der ersten Reihe, bitten. Wird sie gewährt, dürfen die Betreffenden während der Generalaudienz am Mittwoch und am Sonnabend auf dem Petersplatz ganz vorn stehen. Nach der Zeremonie schreitet der Papst die erste Reihe ab, schüttelt Hände, spricht ein paar freundliche Worte und posiert für Fotos. Wer Hochzeitskleidung trägt, kann sogar auf einen ganz persönlichen Segen vom Papst hoffen - etliche Frischvermählte melden sich dazu vorher beim Pilgerbüro an.
  
Die exklusivste Audienz von allen erhalten jedoch die Obdachlosen, die in den Hauseingängen und unter den Kolonaden des Vatikans wohnen. Sie allein lädt Papst Franziskus zu hohen Feiertagen oder der Feier seines Geburts-und Namenstages ein. Die Obdachlosen dürfen mit ihm im vatikanischen Gästehaus speisen und auf sein Wohl trinken. Selbst ihre Hunde sind dabei willkommen. HAZ160615HeikeManssenAndreaEnglisch

Lena Bröder: Das Schöne in mir - Mit Glaube zum Erfolg. Herder.
ISBN: 978-3-451-37615-3  -  Bestellnummer: P376152
Als Religionslehrerin  -  zur Miss Germany € 16,99

   Miss Germany waren schon viele Frauen. Aber noch nie hat eine Religionslehrerin den Titel gewonnen. Bis zu diesem Jahr und dem Sieg von Lena Bröder. Die Religionslehrerin ist offiziell die »schönste Frau Deutschlands« und hat damit bewiesen, dass Schönheit, Klugheit und Glaube perfekt zusammenpassen. In ihrer Autobiografie spricht sie über ihren langen Weg zum Erfolg und wie sie dabei zu sich selbst gefunden hat. Sie erzählt, weshalb der Glaube ihr Fundament ist und wie er ihr geholfen hat, nie aufzugeben und auch nach Enttäuschungen weiterzumachen.
    Und sie verrät, wieso Glaube glücklich macht, was für sie echte Schönheit ist und wie Misswahlen und Gott zusammenpassen. Ein überraschendes Buch gegen alle Klischees mit einer frischen und inspirierenden Perspektive. So schön kann Glauben sein.

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Alicia B., Liliana und Alicia O. erzählen von ihrer Freundschaft mit Papst Franziskus
Frauen auf einer Linie mit dem Heiligen Vater  - Von Silvina Pérez

   Mit den Händen berühren. Das allein ist keine Therapie, aber sicher ein guter Anfang. Sich in den anderen hineinversetzen. Dieser Gedanke verbindet Alicia B., Liliana und Alicia O. mit Papst Franziskus. Versuchen, die Wirklichkeit des armen, gedemütigten und verängstigten Menschen bis ins Tiefste mitzuerleben. Unmöglich? Nein, das geht.
   Das hat Alicia Barrios getan, als sie in weniger als 24 Stunden ihr Leben geändert und ihre Pilgerreise an die Orte der Entbehrung mit Pater Jorge begonnen hat: in die Gefängnisse von Buenos Aires, in die Armenviertel, in die Psychiatrische Klinik Borda, die äußerste Grenze der mentalen Not im südamerikanischen Land.
    Alicia ist eine bekannte argentinische Journalistin, eine Art Oprah Winfrey des lokalen Radios und Fernsehens. Gutaussehend, wohlhabend, mit einer Karriere im Scheinwerferlicht, begegnet sie am 25. Dezember 1999 zum ersten Mal dem Erzbischof von Buenos Aires. Alicia Barrios ist betroffen von seiner Sicht der Lage in Argentinien und in der Welt. Sie ist beeindruckt von seiner Meinung in Bezug auf Rolle und Zukunft der Kirche, von seiner Haltung und seiner äußerst einfachen Ausdrucksweise.
    Schritt- und etappenweise begleitete sie im Lauf von 15 Jahren als »pilgernde Journalistin« diesen Weg in den schmerzenden Wunden der »existentiellen Randgebiete« mit einer zärtlichen Berührung der Not. Sie versuchte auf andere Weise über die Tatsachen zu berichten. »Der Journalist ist wie der Priester«, sagt Alicia. »Er muss den Ruf hören, eine Berufung haben, den Auftrag spüren.«
   Jorge Mario Bergoglio, fährt sie fort, »ist ein Mensch mit viel Sinn für Humor, und er hat ihn auch als Papst behalten. Er ist ein sanftmütiger, nüchterner Mensch, einfach, herzlich und zugänglich. So ist er wirklich. Er ist direkt und daran gewöhnt, dass es zwischen ihm und den Menschen keine großen Barrieren gibt. Wenn ich ihn wiedersehe, dann treffe ich auf denselben Menschen, den ich vor Jahren kennengelernt habe: mit dieser konsequenten Übereinstimmung von Glauben und Leben und auch einer großen Sensibilität und der Fähigkeit des Zuhörens. Er war ein Kardinal, der als Priester wirkte, und jetzt ist er ein Papst, der als Priester wirkt. Sicherlich ist sein Blick auf die Dinge derselbe geblieben. Aber, wie auch mein Freund Pater Pepe gesagt hat, er ist jünger geworden. Das ist ganz offensichtlich. In ihm ist eine Energie, eine Kraft, die uns alle staunen lässt.«
   Und Alicia Barrios fügt hinzu: »Es ist vor allem klar, dass diese Bergolio kennzeichnende Energie nicht die Folge einer Anstrengung oder der Begeisterung über die ihm zugedachte Rolle ist. Sie ist vielmehr die Frucht, die aus dem Frieden kommt, aus dem Frieden des Herzens. Das zeigt sich sofort. Es ist deutlich zu sehen, dass sein Herz von der Zärtlichkeit Jesu umarmt und von ihr getragen wird, und nichts anderes will er der Welt sagen.«
   Liliana dagegen ist Papst Franziskus’ Freundin von den »Cartoneros«. Sie ist 58 Jahre alt und lebt von einer sehr kleinen Sozialrente. Das Geld reicht nicht aus. Deshalb sammelt sie nachts: In Argentinien sind das die Ärmsten der Armen, die morgens wiederverwertbares Material aus dem Abfall verkaufen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. »Ich tue das für meinen Sohn«, erklärt sie, »und für meine Enkel. Wer weiß, ob nicht die Muttergottes mir hilft, sie alle unterzubringen.«
[... Lesen Sie mehr in der Deutschen Wochenausgabe des L’Osservatore Romano Internet: www.schwabenverlag.de]

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Jugendtreffen: Ein freies Herz! Solidarität! Arbeit! Hoffnung!  -  Papst Franziskus trifft Paraguays Jugend

   Dreißig Prozent der Einwohner von Paraguay sind jung: zwischen zehn und 24 Jahren. Und viele von ihnen kamen zum Treffen mit Papst Franziskus in Costanera: Das ist ein Gelände am Paraguay-Fluss, nicht weit vom Präsidentenpalast, das etwa 200.000 Menschen fasst. Die Stimmung: ausgelassen. „Der Papst hat frei gesprochen und eine unglaubliche Energie“, urteilt ein Beobachter. Tatsächlich wirkte Franziskus in Form, mehr noch als in den letzten zwei Tagen; er forderte die Menge zu Sprechchören auf, er ermunterte sie mit einer inzwischen berühmt gewordenen Formulierung, doch ruhig „Wirbel“ „lio“ zu machen, und gleichzeitig konnte in einem Moment spontanen Gebets tiefe Stille einkehren. „Sehr beeindruckend“, so der Beobachter.
   Zu Beginn hatten zwei junge Paraguayer von ihrer Geschichte erzählt, ein mittlerweile bekanntes Format bei solchen Treffen. Bevor der Papst ihnen antwortete, sprach er über die Freiheit der Jugend. Der Vorleser des Evangeliums hatte ihn gebeten, für die Freiheit jedes einzelnen zu beten. Und so betete der Papst frei und gemeinsam mit den Jugendlichen: „Herr Jesus, gib mir ein freies Herz, dass ich kein Sklave all der Fallen der Welt werde, dass ich kein Sklave der Bequemlichkeit werde, dass ich kein Sklave des guten Lebens und der Sünde werde, dass ich kein Sklave einer falschen Freiheit werde, die allem nachgibt, was mir gerade jetzt gefällt.“
   
Es brauche ein freies Herz, so der Papst, weil es so viele Fesseln gebe, die ausbeuten und unterdrücken. Es braucht „ein Herz, das sagen kann, was es denkt, das sagen kann, was es fühlt, und das tun kann, was es denkt und fühlt. Das ist ein freies Herz“, so der Papst unter dem Jubel der versammelten Jugend.  
   Dann die Antwort auf die beiden starken Erzählungen. Ein 18-Jähriger vom Land berichtete zunächst in einer Ansprache an den Papst, wie er Kinderarbeit habe leisten müssen und misshandelt worden sei: „Wir leben mit einer unsicheren Zukunft, viele von uns sind arbeitslos, viele können nicht studieren – was sollen wir tun, zu wem können wir da gehen?“ Und eine 25-jährige Krankenschwester erzählte, dass ihre Mutter nach einer Lungenentzündung schwer pflegebedürftig geworden sei und Alzheimer habe: „Sie ist wieder wie ein kleines Mädchen geworden. Heute glaubt sie, ich wäre ihre Mamma und sie wäre meine Tochter. Warum passieren solche Sachen?“
Ein freies Herz bewahren
  Franziskus legte – nicht zum ersten Mal auf dieser Lateinamerika-Reise – seinen vorbereiteten Redetext beiseite, um auf die Fragen und Geschichten der jungen Leute zu antworten. Liz – die Krankenpflegerin – hätte sich wie Pontius Pilatus verhalten können und sich die Hände waschen können. Die Mutter in ein Heim, die Großmutter in ein anderes, und dann hätte sie ihr Leben leben können. Das habe sie aber nicht getan. „Aber sie sagte Nein! Die Mamma... Und Liz hat sich zur Sklavin, zur Dienerin ihrer Mutter gemacht. Und sie tat es voller Liebe!“ Dabei sei sie aber auch, wie sie zu Recht bemerkt habe, nicht allein gewesen, so Franziskus. Die jungen Leute in ihrer Pfarrei seien ihr zur Seite gestanden. „Das heißt: Solidarität. Wie heißt das? (Antwort der Menge: Solidarität!) Wenn wir uns das Problem des anderen auf die Schultern laden.“ Liz besitze, worum Orlando gebeten habe, nämlich ein freies Herz.
„Das heißt: Solidarität.  Wie heißt das?“ „Solidarität.“
   Wie sieht also die Freiheit konkret aus, fragte der Papst: „Erstens: Freiheit. Ein freies Herz. Also, alle zusammen: Ein freies Herz!Zweitens: Solidarität, um andere zu begleiten. Solidarität! Das ist es, was uns dieses Zeugnis von Liz lehrt. Und was Manuel betrifft (die zweite Erzählung): Dem wurde im Leben nichts geschenkt... Er hat harte Dinge gesagt: Ich wurde ausgebeutet, ich wurde misshandelt, ich wurde fast drogenabhängig, ich war allein... Wie viele von euch Jugendlichen haben heute die Möglichkeit zu studieren, sich jeden Tag mit der Familie an einen gedeckten Tisch zu setzen, ohne dass es ihnen am Nötigsten fehlt? Wie viele von euch haben das? Dann sagt einmal: Danke, Herr! Danke!Denn hier haben wir heute das Zeugnis eines jungen Mannes gehört, der von Kindheit an erfahren hat, was Schmerz ist, Traurigkeit, der nichts zu essen hatte und auf sich allein gestellt war. Herr, rette diese Mädchen und Jungen, die in einer solchen Lage sind! Und was uns Übrige betrifft: Herr, danke! Danke, Herr!” Alle: „Danke!“
Die Seligpreisungen Jesu sind der Plan Jesu für uns
   Dienst, Solidarität und Hoffnung, harte Arbeit, weiter gehen, das seien die Dinge, die Manuel und Liz durch ihr Zeugnis gezeigt hätten. Junge Leute, denen es heute einigermaßen gut gehe, sollten nie vergessen, dass viele Altersgenossen auf der Straße lebten und in die Kriminalität abrutschten, rief Franziskus. „Diesen Jungen, diesen Mädchen müssen wir sagen, dass wir ihnen nahe sind, dass wir ihnen helfen wollen – mit Solidarität, mit Liebe, mit Hoffnung.“
   Liz habe gesagt, dass sie in ihrer Geschichte begonnen habe Jesus kennenzulernen und zu verstehen. Das bedeute, der Hoffnung die Tür zu öffnen. Manuel habe gesagt, dass die Begegnung mit Gott ihn gestärkt habe. Das gelte für alle hier, so der Papst, wer Gott finde, wer Jesus kennen lerne, der finde auch Hoffnung und Kraft – und das sei genau das, was junge Leute von heute brauchten. „Wir wollen keine schwächlichen Jugendlichen, die nur rumhängen, die sofort müde werden und immer erschöpft sind, mit einem Langeweile-Gesicht. Wir wollen starke Jugendliche, mit Hoffnung und Kraft! Warum? Damit sie Jesus, damit sie Gott kennenlernen! Damit sie ein freies Herz haben. Wiederholt das: Ein freies Herz! Solidarität! Arbeit! Hoffnung! Anstrengung! Jesus kennenlernen. Gott kennenlernen, meine Stärke. Hat ein Jugendlicher, der so lebt, ein gelangweiltes Gesicht? (Nein!) Hat er ein trauriges Herz? (Nein!) Das ist der Weg! Aber dafür braucht es Opfer, dafür muss man gegen den Strom schwimmen. Die Seligpreisungen Jesu sind der Plan Jesu für uns; der Plan ist ein Plan zum gegen-den- Strom-Schwimmen.“ Jesus sage nicht etwa: Selig die Reichen. Vielmehr preise er die „Armen im Geiste“ selig, „diejenigen, die imstande sind, einem Armen näherzukommen“. Jesus sage auch nicht: Selig, die sich amüsieren, sondern er preise diejenigen selig, „die den Schmerz anderer mitfühlen können“. „Ich empfehle euch, die Seligpreisungen noch einmal zu lesen, zu Hause, sie stehen im 5. Kapitel des Matthäusevangelilums. In welchem Kapitel?“ Die Menge ruft „Fünf“. „In welchem Evangelium?“ Die Menge antwortet „Matthäus“. „Lest es und meditiert es, das hilft!“
Macht Unruhe!
   Unruhe sollten sie machen, mit diesem bekannten Aufruf schloss der Papst seine frei gehaltene Ansprache. Aber er fügte einen neuen Gedanken an: organisiert diese Unruhe!, rief er den jungen Menschen zu. „Das sind die zwei Sachen, macht Unruhe und organisiert das. Eine Unruhe, die uns ein freies Herz gibt, die uns Solidarität gibt, eine Unruhe, die uns Hoffnung gibt, eine Unruhe, die aus der Begegnung mit Jesus wächst und aus dem Wissen, dass Gott meine Kraft ist. Das ist die Unruhe, die ihr machen sollt.“  Rv150713sk
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Südamerika

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Papst Franhziskus: Für eine Kirche, die „auf den Beinen“ ist   - Foto: Peter und Paul im Petersdom

   Hochfest Petrus und Paulus: Am Tag der beiden römischen Stadtpatrone feiert der Papst immer eine große Messe in St. Peter. Dabei überreicht er neuernannten Erzbischöfen aus aller Welt das Pallium, ein wollenes Schulterband, das ihre Verbindung zum römischen Bischof ausdrückt. An diesem Montag waren unter den 46 Erzbischöfen in St. Peter auch drei Deutsche: der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße sowie der Berliner Erzbischof Heiner Koch. Für Woelki war es schon die zweite Pallienverleihung, das erste Mal hatte er es als Erzbischof von Berlin erhalten.
   Seine Predigt startete Papst Franziskus mit einer Art Paukenschlag: Er bezog sich auf die harte Bedrängnis der Jerusalemer Urgemeinde, auf ihre Verfolgung durch Herodes, auf Festnahmen und Hinrichtungen. Dann sagte er: „Doch ich möchte nicht auf die schrecklichen, unmenschlichen und unerklärlichen Verfolgungen eingehen, die es leider noch heute in vielen Teilen der Welt gibt, oft unter den Augen und dem Schweigen aller.“ Damit hatte der Papst en passant eben doch den Terror gegen Christen im ‚Islamischen Staat’ und anderswo angesprochen.
   In erster Linie ging es Franziskus allerdings um drei Eigenschaften der Urgemeinde: ihr ständiges Beten, ihren Glauben und ihr Zeugnis. „Die Gemeinde war eine betende Kirche: ‚Petrus wurde also im Gefängnis bewacht. Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott’ Apg 12,5. Und wenn wir an Rom denken: Die Katakomben waren nicht Zufluchtsorte, um den Verfolgungen zu entkommen, sondern sie waren vor allem Stätten des Gebetes, um den Sonntag zu heiligen und aus dem Schoß der Erde eine Anbetung aufsteigen zu lassen zu Gott, der seine Kinder niemals vergisst.“ Diese Gemeinde von Petrus und Paulus lehre uns heutige Christen, dass eine betende Kirche eine starke Kirche sei – eine Kirche, die „auf den Beinen“ sei und in Bewegung, so Papst Franziskus.
   Ein betender Christ sei nicht allein: So wie Petrus durch einen Engel aus dem Gefängnis befreit worden sei, gehe es auch heute. „Denken wir daran, wie oft der Herr unser Gebet erhört und uns einen Engel gesandt hat? Jenen Engel, der unerwartet auf uns zu  kommt, um uns aus schwierigen Situationen herauszuziehen? Um uns der Hand des Todes und des Bösen zu entreißen; um uns den verlorenen Weg zu zeigen; um in uns die Flamme der Hoffnung neu zu entzünden; um uns zu liebkosen; um unser gebrochenes Herz zu trösten; um uns aus dem Schlummer unseres Daseins aufzuwecken; oder einfach um uns zu sagen: „Du bist nicht allein.“ Wie viele Engel schickt er uns über den Weg! Wir aber, in einem Anfall von Angst oder Unglauben oder auch von Euphorie, lassen sie vor der Türe stehen...“ Keine christliche Gemeinde könne „vorankommen ohne die Unterstützung des beharrlichen Gebetes“, so der Papst.
   Eindringlich würdigte er dann den Glauben der ersten Christen. „Wie viele Kräfte haben im Laufe der Geschichte versucht – und versuchen immer noch –, die Kirche zu vernichten, sowohl von außen als auch von innen her, doch sie alle werden vernichtet, und die Kirche bleibt lebendig und fruchtbar! Sie bleibt unerklärlich stark, damit sie – wie der heilige Paulus sagt – dem Herrn zujubeln kann: ‚Ihm sei die Ehre in alle Ewigkeit’ 2 Tim 4,18. Alles vergeht, Gott allein bleibt. In der Tat: Reiche, Völker, Nationen, Ideologien und Mächte sind vergangen, doch die auf Christus gegründete Kirche bleibt trotz der vielen Stürme und unserer zahlreichen Sünden im Dienst dem Glaubensgut treu, denn die Kirche gehört nicht den Päpsten, Bischöfen und Priestern und auch nicht den gläubigen Laien; sie gehört allein Christus.“
   Dritter Punkt: das Zeugnis. Petrus und Paulus hätten auch mit dem Martyrium auf das Reich Gottes hingewiesen. „Eine Kirche oder ein Christ ohne Zeugnis ist unfruchtbar – ein Toter, der sich lebendig wähnt,  ein verdorrter Baum, der keine Frucht bringt, ein ausgetrockneter Brunnen, der kein Wasser hat! Die Kirche hat das Böse besiegt dank dem mutigen, konkreten und demütigen Zeugnis ihrer Kinder.“ Das Pallium sei für die neuen Erzbischöfe ein „Aufruf zum Gebet, zum Glauben und zum Zeugnis“. „Die Kirche möchte, dass Ihr glaubende Männer seid; Meister des Glaubens, welche die Gläubigen lehren, keine Angst vor den vielen Herodes zu haben, die mit Verfolgungen und Kreuzen aller Art quälen. Kein Herodes ist imstande, das Licht der Hoffnung, des Glaubens und der Liebe dessen auszulöschen, der an Christus glaubt!“
   Womit Franziskus wieder bei dem Thema war, von dem er an diesem Montag eigentlich nicht sprechen wollte: den vielen Verfolgungen von Christen in unserer heutigen Welt.
Wie üblich nahm am Peter-und-Paul-Fest auch eine Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel teil. Darum würdigte der Papst in seiner Predigt auch Zeugen Christi aus allen Teilen der Ökumene: „Zeugen, die, obwohl sie verschiedenen christlichen Konfessionen angehörten, dazu beigetragen haben, den einen Leib Christi zum Ausdruck zu bringen und wachsen zu lassen“. Zeugnis geben sei „ganz einfach“, urteilte Franziskus: Man solle einfach „mit dem Verhalten und dem Leben nicht dem widersprechen, was man mit dem Wort verkündet und was man die anderen lehrt“.
   Das Pallium, ein mit sechs schwarzen Kreuzen bestickter Schulterumhang aus Lammwolle, ist das Amtsabzeichen jener Erzbischöfe, die zugleich einer Kirchenprovinz aus mehreren Bistümern vorstehen, den Metropolitan- Erzbischöfen. Erstmals nahm Papst Franziskus die eigentliche Umlegung der Pallien am Montag nicht selbst vor. Nach einem veränderten Zeremoniell übernehmen dies zu einem späteren Zeitpunkt die päpstlichen Botschafter in den betreffenden Bistümern. Rv150629sk 

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Erzbischof Koch: „Pallium verdeutlicht Sorge des Hirten für alle"
Foto: Der zukünftige Erzbischof von Berlin Heiner Koch

   „Tief berührt“ zeigte sich der designierte Berliner Erzbischof Heiner Koch über die Feier zur Palliumsübergabe im Petersdom.  Das Pallium, die weiße Wollstola der Erzbischöfe, erinnert an das Teilen der Hirtensorge mit dem Bischof von Rom und an den Guten Hirten, der jedem verirrten Lamm nachgeht und es auf den Schultern trägt. Diese Symbolik sei für ihn in der Zeremonie neu deutlich geworden, sagte Erzbischof Koch im Gespräch mit Radio Vatikan.
   „Das ist ja das Wesentliche, und ich bin kein Konzernchef oder Hauptabteilungsleiter einer Organisation, sondern ich komme da als Seelsorger und Hirte hin. Das ist ein geistliches Amt. Und ich frage mich, wie ich die Menschen in Vorpommern, Brandenburg und Berlin mit dieser Botschaft von einem guten, barmherzigen Gott, der sie trägt, der ihnen nachgeht, erreichen kann. Ich habe in Dresden gewohnt, 80 Prozent der Menschen dort kennen diesen Glauben kaum und sind im Herzen nicht davon berührt, und das seit Generationen; ich habe mich in Dresden nie verstanden als Bischof nur für die Katholiken, sondern ich habe gesagt, ich bin Bischof  für diese Menschen, die Getauften und Ungetauften, Suchenden, Fragenden, Gleichgültigen, Ablehnenden, aggressiv Ablehnenden, und das war ein langer, spannender Prozess, der jetzt in Berlin neu beginnen muss. Das kam alles in dem Moment hoch: das Bild des Palliums, der Hirtensorge, die wir ja mit dem Heiligen Vater teilen... also, es war unheimlich dicht und präsent für mich.“
   Im Anschluss an die Messe kam es noch zu einer kurzen Begegnung der neuen Erzbischöfe mit Franziskus. Der Papst habe ihm, wie Koch erzählt, „noch mal persönlich alles Gute und Gottes Segen für Berlin gewünscht und gesagt, ich wünsche Ihnen viel Kraft für dies große Aufgabe“. Franziskus überreichte jedem Erzbischof sein Pallium in einer Schachtel, die allerdings an den jeweiligen Nuntius adressiert ist. Dieser wird in einer eigenen Zeremonie das Pallium dem Erzbischof in seiner Diözese auflegen.
   Papst Franziskus hatte die Änderung bei der Palliumsübergabe zu Beginn des Jahres verfügt. Koch wird im September in sein Amt als Erzbischof von Berlin eingeführt. Heiner Koch war einer von drei deutschen Erzbischöfen, die nach Rom gekommen waren, um zum Fest Peter und Paul der Segnung der Pallien beizuwohnen. Die anderen beiden waren die Erzbischöfe von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki, und Hamburg, Stefan Heße. Rv150629gs

KK-Brigitta-UlfEkman-xx Schweden: Pfingstkirchler werden katholisch

   Sie haben eine der größten charismatischen Gemeinschaften Schwedens gegründet, den „Livets Ord“, die „Worte für das Leben“: Das schwedische Ehepaar Brigitta und Ulf Ekman. Die Pfingstkirche ist seit den 80er Jahren über das Herkunftsland hinaus gewachsen, längst ist sie auch in der Ukraine oder in Indien tätig. Jetzt hat eine Entscheidung das christliche Schweden in Aufregung versetzt: Das bekannte Ehepaar hat sich entschieden, zu konvertieren.
   Keine andere Nachricht hätte bei den Anhängern der charismatischen Pfarrei der „Worte für das Leben“ mehr Aufmerksamkeit hervorrufen können. Der Pfarrer und seine Frau, die die Gemeinschaft vor 30 Jahren gründeten, werden katholisch. Eine Entscheidung, die über die Jahre hinweg gewachsen sei, aber viele unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen habe, sagte Brigitta Ekman im Gespräch mit Radio Vatikan:
   „Wir haben versucht, die treusten Mitglieder der Pfarrei vorzubereiten. Aber als wir dann die Nachricht bekanntgaben, war das ein Schock für viele. Wir haben viele nette Briefe erhalten und zugleich versucht, dem Hass, der uns aus dem Internet entgegenschlug, keine Bedeutung beizumessen. Aber es war schmerzhaft.“
   Die katholische Kirche in Schweden sei eine Diasporakirche. Das einzige Bistum Schwedens zählt gerade einmal 165.000 Katholiken. Die Menschen wissen nicht viel über die katholische Kirche, hätten aber Vorurteile. So denke man, dass Maria als vierte Gottheit verehrt werde oder Dogmen jede Freiheit rauben. Also habe das Ehepaar angefangen, sich mit der katholischen Lehre auseinander zu setzten. Bei ihrer Annäherung an die Kirche habe Maria eine wichtige Rolle gespielt, erzählt Ulf Ekman:
   „Man würde wohl denken, dass Maria die letzte Etappe ist. Für uns war sie der erste Schritt. Wir lebten drei Jahre lang im Heiligen Land und die letzten zwei in En Kerem, dem Ort des Besuchs Mariens bei Elisabeth. Genau das war der Ort, an dem wir auch zu Maria gefunden haben. Ich verstehe jetzt, dass Maria nicht die vierte Person Gottes ist und die Katholiken nicht zur Jungfrau beten wie zu einem Gott. Ich hatte vorher nie die Gemeinschaft der Heiligen realisiert.“
Die Motivation: Einheit aller Christen
   Spaltungen der Kirche sind nicht von Gott gewollt, zeigt sich das Ehepaar überzeugt. Vor Hintergrund dieser Grundannahme hätten sie sich auf die Suche nach dem Wesen der Kirche begeben – Neuevangelisierung, Mission und Gebet seien Grundpfeiler, die sie hier ausgemacht hätten. Und die seien in der katholischen Kirche „noch am Besten“ vorhanden, so Ulf Ekman. Auch gegen die Kritik ihrer Landsleute, in der katholischen Kirche habe man „keine Freiheit“, wehren sich die beiden. Ulf Ekman:
   „Das ist eine individualistische Sicht der liberalen Kirche. Niemand muss entscheiden, weil ich entscheide. Was ich entdeckte und studiert habe, ist dass ich glauben muss. Und ich habe kein Problem zu glauben. Aber das ist eine wichtige Entdeckung: Das Lehramt gibt die Freiheit für wahre geistige Freiheit.“
   Dass die Kirche die Wahrheit klar sage, sei für viele Schweden eine Provokation, so Ulf. Diese Klarheit sei für die heutige realistische Welt sehr provokant. Für Brigitta und Ulf Ekman ist die Aufgabe der katholischen Kirche für ihr Land klar formuliert. Ulf Ekman:
   „Ich finde die Möglichkeit der Neuevangelisierung wichtig. Viele Menschen in Schweden wissen nicht mehr, wer Jesus ist und was er für uns getan hat. Man weiß nicht, was die eigentliche Aufgabe der Kirche ist. Die Aufgabe der Kirche ist besonders und lässt sich nicht diskutieren.“ Rv140412fg

               GL-UlfEkman-Z     Ulf Ekman

Ulf Ekmann: “Mein Weg von meiner “Mega-Kirche” zur katholischen Kirche”
Es gabe einen Aufschrei in Schweden, als ich mein Amt als protestantischer Pastor verließ und katholisch wurde.”

   Als ich der Gemeinschaft der evangelikalen Megakirche, der ich als Pastor diente, seit ich sie vor 30 Jahren gegründet hatte, erklärte: “Meine Frau und ich haben die Absicht, katholisch zu werden”, da reagierte die Gemeinde sehr betroffen. Es verursachte einen Eklat in meiner schwedischen Heimat, die mit überwältigender Mehrheit evangelisch ist. Die Zeit von diesem Tag (dem 09. März) bis zum 21. Mai, als ich aufgenommen wurde in die katholische Kirche, war ausgefüllt von Streit und Auseinandersetzung.  Ich habe Aktenordner gefüllt mit Artikeln, Kommentaren und Reaktionen der Presse und aus dem Internet.
   Unsere Überzeugung, dass wir katholische Christen werden mussten, wuchs langsam über viele Jahre und die aktuelle Entscheidung, diesen Schritt zu tun, kam ziemlich spät. Unser Frage war: wie sollen wir das vermitteln? Das geht nicht über eine lange Zeitperiode, Schritt für Schritt. Das würde breiten Raum für Verwirrung und Vermutungen geben im nationalen und internationalen Netzwerk unserer großen evangelikalen Gemeinden. In den letzten paar Jahren erkannten unsere Freunde und Mitarbeiter, dass wir mehr und mehr die katholische Theologie, die Moral, die Liturgie und die Kultur attraktiv fanden. Aber nur wenige von ihnen hatten angenommen, dass wir wirklich diesen Schritt zum Übertritt vollziehen würden. In den Monaten und Wochen bevor wir unsere Entscheidung öffentlich machten, haben wir die Gremien der evangelikalen Gemeinschaft und einige Kollegen in unsere Überlegungen einbezogen, damit sie uns helfen konnten in der Vermittlung unserer Entscheidung in den Gemeinden.
   Im Rückblick kann ich nicht erkennen, dass wir einen anderen Weg hätten gehen müssen. Die Pastoren der Gemeinschaft “Wort des Lebens” haben hervorragend mitgeholfen, die Mitglieder zu informieren, was geschehen ist und welche Konsequenzen sich daraus ergeben werden. Sie mussten auch Antwort finden auf die zahlreichen Fragen über den katholischen Glauben. Klar, es gab viele Emotionen: Kritik, aber auch Trauer, ein Gefühl von Verlust und Ablehnung.
   Wie konnte ich nur als Pastor meine Gemeinde verlassen? Würde ich sie nicht verraten mit meiner Berufung? Würde ich sie denn noch weiterhin als Christen betrachten? Ist denn alles, was ich gelehrt habe nun falsch? Einige waren verwundert, wie ich, der so aufrecht in so vielen Jahren zu stehen schien, offensichtlich solchem Lug und Trug verfallen konnte. Anklagen wurden von links und rechts vorgebracht und die Emotionen gingen hoch. Und das hält noch an.
   Aber es gab auch viele in der Gemeinschaft, die uns wirklich verstanden haben.  Sie waren dankbar, das ein neuer Pastor meine Stelle eingenommen hatte. Diese Mitglieder respektierten unsere Entscheidung und verstanden, dass sie begründet wurde durch das, was wir als Ruf Gottes verstanden. Wir wären nicht betrogen worden, sondern von Gott in dieser Sache geführt, obgleich sie nicht verstanden, warum und wozu. Von Protestanten und Katholiken erhielten wir viele ermutigende Briefe.
   Wir begegneten auch einigen interessanten Meinungen, die sich uns “postmodern” annäherten. Diese waren bereit anzunehmen, dass Gott uns in die katholische Kirche ruft, konnten aber nicht die Glaubenslehre der Kirche akzeptieren. Ein Prediger drückte das so aus: “Ok, Sie werden katholisch, aber Sie werden doch nicht glauben, was die katholischen Christen glauben, ist es so?”  Sie sprachen so, als hätte ich eine Wahl oder ich könnte Teile aus dem Glaubensbekenntnis auswählen.  Als ich antwortete, dass ich wirklich alles glaube, was die katholische Kirche glaubt und lehrt, schien das vielen meiner protestantischen Freunde unverständlich. Es war für sie kaum zu verstehen, dass katholisch-sein gleich bedeutend ist mit “wie ein  katholischer Christ zu glauben”, das gilt auch für mich.
   Für uns bedeutet die Wahrheit sehr viel. Wir haben immer auf Gottes Wort vertraut, und darauf, dass es eine absolute Wahrheit gibt, die von Gott offenbart ist. Nun sind wir immer mehr zu der Einsicht gekommen, das die real existierende Kirche von Christus gegründet wurde und mit ihr die Sicherheit für den objektiven und lebendigen Glauben. Dies faszinierte uns und führte uns in die katholische Kirche. Wenn wir glauben, dass die Fülle der Wahrheit in der katholischen Kirche existiert und von ihr bewahrt wird, dann bleibt uns keine andere Wahl, als uns völlig mit dieser Kirche zu vereinigen.
   Als endlich der Tag kam, an dem wir in die Kirche aufgenommen wurden, fühlten wir uns mehr als bereit, das Niemandsland zu verlassen. Es war ein Gefühl, endlich zu werden, wer wir wirklich waren. Und schließlich: unser Sehnen nach der Teilhabe an der sakramentalen Gnade erreichte ihr Ziel.
   Unseren Freunden haben wir versucht zu erklären, dass wir keineswegs ablehnen, was Gott uns gab in unserer evangelikalen und charismatischen Lebenswelt, aber – wie man so sagt – “evangelikal ist nicht genug.” Die Liebe zur Heiligen Schrift, das Festhalten an den Grundwahrheiten des Evangeliums und die eifrige Evangelisierung sind nicht falsch. All das ist notwendig, aber es ist nicht genug. Das charismatische Leben mit der Betonung der Kraft und der Führung des Heiligen Geistes ist notwendig und ein wunderbares Geschenk. Aber das kann nicht in seiner Fülle in einer schismatischen und individualistisch geprägten Umgebung gelebt werden. Wenn man das versteht, eröffnet sich die Verwirklichung dieses Lebens in Fülle nur in der Kirche mit ihrem reichen sakramentalen Leben.
   Daher lehnen wir nicht unseren Hintergrund und die reichen Erfahrungen unseres Dienstes über viele Jahre als Gründer und Führer der Gemeinschaft vom “Wort des Lebens” ab. Wir sind dem Herrn auf immer dankbar, für das, was er getan hat. Wir sind aber unendlich glücklich und dankbar, dass wir jetzt verstehen, dass wir wirklich die katholische Kirche in unserem weiteren Leben und unserem Dienst für den Herrn brauchen.
   Nun da wir diesen Weg beginnen, gibt es so viel zu erkunden.  Jetzt da alle früheren Aufgaben, Pflichten und Beauftragungen vergangen sind, können wir zumindest nun gemessener und besinnlicher leben. Wir waren gewohnt, ständig dienstbereit zu sein für den Dienst unserer Gemeinde. Nun trägt die Kirche uns. Die Sakramente wurden uns zur spürbaren Wirklichkeit in unserem Leben und sind uns Kraft auf unserem Weg. Da ist etwas auf unserem Weg, das vorher nicht da war – ich bin sicher: es ist Gnade. Eine frische Brise weht durch unser Leben. Wir sehen nach vorn, erkunden identifizieren uns mit allem, woran wir nun teilhaben. Es ist äußerst beglückend, absolut für Jesus Christus zu leben – in der katholischen Kirche.  CH140808UlfEkman

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Megachurch pastor Ulf Ekman: “We need what the Lord has given to the Catholic Church to live fully as Christians”

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Audienz bei Papst Franziskus: Ulf Ekman und seine Frau Brigitta

Der Weg des Gründers der größten skandinavischen Bibelschule in die katholische Kirche.
   Am Sonntag, dem 9. März 2014 stand Ulf Ekmann angespannt vor der Gemeinde “Wort des Lebens” in Uppsala. Der schwedische Pastor im Anzug mit blass-blauer Krawatte schaute in die Gesichter der Menschen, die die Höhen und Tiefen seit der Gründung seiner Megakirche im Jahre 1983 geteilt hatten. “Dies ist einer von den Tagen, wo ich etwas Besonderes zu sagen habe”, begann er seine Rede. Seine Kernaussage wurde 8.000 Mal bei You Tube abgerufen: “Meine Frau Brigitta und ich haben in den letzten Tagen unter der Führung des Herrn erkannt, dass wir der katholischen Kirche beitreten werden. Dieser Schritt mag Ihnen extreme radikal erscheinen, aber wir empfinden in dieser Entscheidung einen tiefen Frieden und große Freude. Nun mögen Sie denken: ‘das ist das schlimmste, was ich seit langem gehört habe…’.” Die Kamera schwenkte dann zu einer jungen Frau, deren Lippen vor Schock zitterten.
   Es ist schwer für alle, die mit der charismatischen Welt nicht vertraut sind, die Bedeutung der Entscheidung von Pastor Ulf zu begreifen. Bekannt als “Pastor der Pastoren” gründete er die größte Bibelschule Skandinaviens und half mehr als 1.000 Ortsgemeinden in Russland zu gründen. Durch seine Predigten und Schriften gab er einer der am schnellsten wachsenden unter den sehr unterschiedlichen christlichen Bewegung der Welt den Zusammenhalt. Während meines Gesprächs mit ihm war ich angetan von seiner Klarheit, seiner Lauterkeit und seinem erfrischenden Humor. Er ist offensichtlich ein Mann, der sein eigenes Herz tief erforscht hat, und was er dort fand ob gelegen oder ungelegen auch lebte.
Sind sie als Kind evangelisch getauft?  
   Ja, das bin ich. Ich bin geboren und aufgewachsen in Göteborg, einer bedeutenden Hafenstadt, die politisch streng “links” gerichtet ist und eine starke Arbeiterbewegung hat. Dort lebte ich kirchenfern. 1970 erlebte ich durch Freunde, die mir das Evangelium nahe brachten, eine tiefe Konversion. Es war ein großer Schock für mich, dass ich Christ geworden war, und dann plötzlich erkannte, dass es da etwas gab, dem ich nicht entkommen konnte. Über einige Monate wurde ich auf einen Weg geführt, der mich erkennen ließ, dass ich Jesus Christus brauchte als meinen Herrn und Erlöser. Das änderte mein Leben total. Ich wirklich aus der Dunkelheit gekommen – auf einem äußerst konkreten Weg. 
Sie haben von einer Erfahrung in Ihrer Jugend berichtet, in der Sie plötzlich der Trennung unter den Christen bewusst wurden und dabei zu weinen begannen. Möchten Sie darüber sprechen?
   Nun, das war sehr ungewöhnlich. Ich war zusammen mit einem Freund, der heute Leiter einer lutherischen Gemeinde-Bewegung ist. Beide waren wir zur damaligen Zeit Studenten. Wir sprachen über die Kirche und die Probleme in der Kirche.
   Da kam es plötzlich über mich, dass Christus traurig war über die Trennungen in der Kirche. Es war ein Gedanke, der einerseits unerwartet kam, den ich aber auch nicht wirklich verarbeitet habe. Ich spürte es in meinem Herzen, aber das Leben ging weiter, und ich war mit vielen Dingen beschäftigt, habe aber jahrelang unterbewusst daran getragen.
Sie wurden ordiniert in der lutherischen Kirche im Jahr 1979, aber im Jahr 1983 haben Sie die Gemeinde “Wort des Lebens in Uppsala gegründet. Hatten Sie dazu die lutherische Kirche verlassen?
   Ich hatte nicht die lutherische Kirche verlassen, aber ich gab das Pastorenamt auf. Was mir aber damals fehlte, war eine Bibel-Schule. Schon beim Start dieser Schule sahen wir, dass wir Leute von verschiedenen christlichen Gemeinschaften aufnehmen mussten, nicht nur “geisterfüllte, charismatische Lutheraner”. Ich war stark verbunden mit einem charismatischen Umfeld der lutherischen Gemeinde. Die Bibelschule wurde zur größten Schule in Skandinavien. Wir haben über die Jahre mehr als 10.000 Studenten graduiert. Wir fühlten uns verantwortlich für diese Menschen und sahen die Notwendigkeit, örtliche Gemeinschaften zu gründen.
Gibt es Sakramente in der Gemeinschaft “Wort des Lebens”?
   Ja. Zunächst war es eher eine christliche Basis-Bewegung und die frei-kirchliche Predigt, der Akzent lag auf der Bibel und die Sendung des Heiligen Geistes. Seit etwa 1998 stellten wir die Bedeutung der Heiligen Kommunion in die Mitte. Ich schrieb eine Broschüre darüber, die eine weite Verbreitung erreichte. Das hat mich völlig überrascht. Als Katholik würde es Ihnen – so denke ich – sehr gefallen, denn es ist eine sehr katholische Ansicht von der Eucharistie. 
   Um 1998 habe ich persönlich miterlebt, wie unsere örtliche Gemeinschaft gewaltig wuchs. Wirklich, es war phänomenal. Auch die Bibel-Schule wurde starker. Im Jahre 1989 begannen wir das Missionswerk in Russland. Heute gibt es da rund 1.000 Gemeinden, deren Verbindung zueinander aus dem Missionswerk erwuchs. Ich empfand nun stärker die Notwendigkeit für einen dogmatischen, theologischen Hintergrund und eine größere Stabilität. Auch schien mir eine festere kirchliche Struktur erforderlich. Nun fühlte ich mich herausgefordert, nach dem Wesen der Kirche zu suchen. Wir erlebten den Fortschritt und die Weiterentwicklung und waren beschäftigt mit so vielen unterschiedlichen Projekten. Alles lief sehr gut. Aber es gab diese Unzufriedenheit über das wirkliche Wesen der Kirche. Ich konnte nicht loskommen von dieser Frage. Sie fiel immer und immer wieder auf mich.
Meinen Sie: Was ist die “Word of Life”-Gemeinde oder was ist die universal Kirche?
  
Ich würde sagen beides. Was sind wir wesentlich – und was ist das Wesentliche der Kirche? Wir wollten  über den Leib Christi sprechen und wir wollten eine Option für eine gewisse Form der Einheit bekennen. Aber wenn es  nur eine äußerliche Einheit sein würde,  lehnten wir das natürlich ab. So etwas befriedigte mich nicht. Das forderte mich heraus, weiter zu forschen: Nun, was ist das Fundament der Kirche, was ist der Felsengrund, was ist wirklich die Quelle der Vollmacht? Und das führte mich zu den Sakramenten.
Somit führten Sie die Heilige Kommunion in die “Wort des Lebens”-Gemeinschaft ein?
   Das hatten wir von Anfang an. Für mich mit dem lutherischen Hintergrund, war das ganz natürlich. Aber das war nicht unser Mittelpunkt. Ich würde sagen, die Eucharistie war keine zentrale Frage in Theorie und Praxis der frei- kirchlichen Gemeinden. Das stellte mich keineswegs zufrieden. Daher begannen wir, die Heilige Kommunion kraftvoll zum Thema zu machen: wir predigten nachhaltig über die Real-Präsenz – dass der Herr wirklich in der Heiligen Kommunion gegenwärtig ist unter den Gestalten von Brot und Wein.
Das führte Sie natürlich zu weiteren Fragen. Feierten Sie die Eucharistie an einem Altar, trugen Sie dabei Gewänder?
     Nein, wir trugen keine Gewänder, nein. Wir begannen mit einem – wie wir es nannten – Kommuniontisch. Später führten wir mehr und mehr einen richtigen Altar ein. Ich würde meinen, dass die Ordnung der Liturgie stark dem katholischen Ritus glich.
Ist es wahr, als Papst Johannes Paul II. Im Jahr 1989 Schweden besuchte, die “Wort des Lebens”- Gemeinschaft gegen seinen Besuch betete?
   Ja, das ist unglücklicherweise wahr. Obgleich mein theologisches Studium ziemlich liberal war – war es noch ganz antikatholisch. In Schweden – besonders in freikirchlichen und charismatischen Kreisen – herrscht ein ausgesprochener Anti-Katholizismus. Davon war ich beeinflusst und lebte auch in diesen Gedanken. Als nun der Papst nach Schweden kam – das war sehr ungewöhnlich, denn es war zuvor noch niemals ein Papst in Schweden gewesen – da beteten wir, dass er nicht einen schriftwidrigen Einfluss ausüben würde. Dafür habe ich öffentlich um Verzeihung gebeten. Damals war es so: das, was wir dachten, sei die Wahrheit.
Würden Sie Johannes Paul II. als christlichen Führer ansehen?
  
Wir sahen in ihm nicht den Antichrist. An so etwas dachten wir nicht. Aber wir sahen in ihm jemand, der mit einer Lehre kommt, die nicht aus der Heiligen Schrift begründet ist.
Gibt es eine besondere spirituelle Erfahrung, die Sie geleitet hat, katholisch zu werden?
  
Da gibt es verschiedene Erfahrungen. Was sich 1998 ereignete, war die echte Frage, was das Wesen der Kirche ist. Für mich war dies eine existentielle und kirchliche Frage: Was machen wir eigentlich? Was ist unser Anteil? Und wer lehrt uns das? Was geschieht mit den freikirchlichen Bewegungen in hundert oder hundertfünfzig Jahren? Woran liegt es,  dass die historischen Kirchen,  besonders die katholische Kirche offensichtlich weiter voranschreitet? Es war die Stabilität und die Geschichte der Kirche, die mich faszinierte. Als ich begann, das zu studieren, besonders die Lehre von der Kirche, da führte kein Weg daran vorbei, mit der katholischen Kirche in Kontakt zu kommen. So entdeckte ich sie mehr und mehr.
   Ich arbeitete viel in der früheren Sowjet-Union und in Indien. Meine Frau und ich hatten vor, nach Indien zu gehen. Doch wir landeten schließlich in Israel. Wir verbrachten dort drei Jahre und eröffneten ein Studienzentrum. In Israel traf ich katholische Christen allüberall. Ich konnte nicht über die Straße gehen, ohne einen Katholiken zu treffen. Es war unglaublich. Ich traf dort unterschiedliche Katholiken: sehr konservative bis hin zu charismatischen. Seither bin ich eingeladen von katholischen Gemeinschaften und Freunden in verschiedenen Orten Europas. Das öffnete mir die Augen für die katholische Kirche.
Sie sagten, dass die katholische Kirche in Schweden als ein kleines Phänomen von Einwanderern ist.
   Ja, mehr oder weniger. Die Kirche wächst in Schweden. Aber der Katholizismus hat seit der Reformation keinen großen Einfluss in Schweden. Jetzt haben wir dien schwedisch-katholischen Bischof (Anders Arborelius). Er gehört zum Orden der Karmeliter. Seit 1998 ist er der erste schwedische Bischof seit der Reformation. Wir haben uns kennengelernt. Sein Beispiel und seine tiefe Spiritualität hat mich sehr stark beeindruckt. Hier würde ich Bischof Anders Arborelius nennen, unsere Erlebnisse in Israel, auch den Kontakt mit charismatisch-katholischen Gemeinschaften und Klöstern, sowie verschiedene Persönlichkeiten der katholischen Kirche und ich habe seit dem Jahr 2000 diese Fragen gründlich studiert. Schritt für Schritt brachte uns das zu unserer Entscheidung.
Hatten sie das Gefühl, dass es richtig ist, sich mehr und mehr der katholischen Kirche zu nähern.
   Ja, absolut. Meine Frau und ich haben diese Fragen oft in unsere Gebete genommen.  Wir hatten viele Zeichen, wo wir spürten, dass der Herr uns führte. Aus Verantwortung für unsere Gemeinden hielt ich es auch für geboten, diese Sache langsam anzugehen. Anfangs sah ich diesen Weg für mich als unmöglich an. Mein Herz brannte vor Verlangen, aber es schien mir wirklich unmöglich. Doch dann kam der Punkt, dass ich fühlte: es ist möglich, gleichwohl schien es schwierig, das umzusetzen. In dieser Situation fühlte ich mich vielen unterschiedlichen Vorurteilen ausgesetzt, die man selbst nur schwer erkennt. Doch wenn man weitergeht wird einem klar, dass es gewöhnliche Vorurteile sind, weil wir in Skandinavien einen blinden Fleck haben, wenn es um Katholiken geht. Manchmal verleihen Wiedererweckungs-Bewegungen das stolze Gefühl, Jesus wirklich zu kennen, ja sogar persönliche Beziehungen zu ihm zu haben. Doch wenn man Katholiken trifft, erfährt man, dass bei ihnen Jesus Christus nicht nur ein Dogma ist, vielmehr leben  sie in ihm – und das hat mich sehr beeindruckt.
Haben Sie auch über die Auswirkung Ihrer Entscheidung auf Ihre Lebensgrundlage und Ihre Familie? 
   Natürlich habe ich darüber nachgedacht. Meine Grundfrage ist diese: Ist es wahr oder nicht? Wenn es wahr ist, dann muss ich handeln. Wenn es nicht wahr ist, dann geht es vorüber. Aber es wurde mehr und mehr nicht nur eine persönliche Wahrheit, sondern es gibt da eine Wahrheit, mit der ich mich identifizieren muss. Natürlich stellten sich Fragen in Hinsicht auf meine Familie. Wir haben vier Söhne, und die sind alle schon erwachsen. Sie können darüber selbst entscheiden. Aber wenn es wahr ist und der Herr mich ruft, dann muss ich es umsetzen, dann muss ich mein Amt niederlegen. In unserem ganzen Leben haben wir, wenn es um Finanzen ging, auf unserem Glauben gebaut – so wird der Herr auch in Zukunft für uns sorgen. Aber hier in Uppsala gibt es 3.300 Menschen in der Gemeinde, und einige von ihnen würden sich sicher verlassen fühlen, ihnen gegenüber möchte ich so korrekt wie möglich handeln. Darum habe ich mehr als meine Frau gezögert.
Wie haben Sie sich kurz bevor Sie diese Nachricht der Gemeinschaft bekannt machten gefühlt?
   Klar, dass ich ein wenig aufgeregt war. Mit einigen kleinen Gruppen von Leitern unserer Gemeinschaft zwei Wochen vorher gesprochen. So hatte ich mich schon mit dieser Situation vertraut gemacht. Aber es war doch ein eigenartiges Gefühl vor der Erklärung, weil ich wusste, dass es einige Mitglieder schockiert sein würden. Ich bin ein Pastor. Ich liebe diese Menschen und ich war mit ihnen dreißig Jahre zusammen. Darüber kann man nicht leicht hinweggehen. Ich sehe diese Situation nicht oberflächlich, sondern ernsthaft. Aber als ich vor der Versammlung stand, kam eine große Ruhe über mich. Ich spürte mich in Gott geborgen. Da er uns geführt hatte, würde er auch für unsere liebe Gemeinschaft sorgen. Wir liebe sie sehr, und wir denken, sie sind wundervoll.
Was haben Sie in ihren Gesichtern gesehen, als sie sprachen?
  
Nun, ich wurde sehr ruhig. Wenn es in einer charismatischen Gemeinde ruhig wird, dann weiß man, dass die Menschen nachdenken. Als ich meine Erklärung beendete, gab es einen spontanen Applaus. Das hat mich sehr überrascht. Und viele, viele Leute kamen nachher zu mir. Einige sagten: “Wir verstehen Dich nicht, aber wir segnen Dich! Wir danken Gott für Dich und denken, dass der Herr Dich führt.” Das war sehr ermutigend. Einen Tag später hatten wir eine Frage-und-Antwort Versammlung. Ich stand zwei Stunden vor ihnen und sie bombardierten mich mit Fragen über den Katholizismus. In den weiteren Tagen waren alle unsere Pastoren bereit den Leuten Antwort auf ihre Fragen zu geben. Abend für Abend gab es Versammlungen zu diesem Thema. Die Gefühlslage war sehr gemischt. Einige verstanden. Andere verstanden überhaupt nicht. Einige waren sehr aufgeregt über die Ereignisse, andere übergaben es dem Herrn.
Sind Sie nun katholisch geworden?
  
Es wird im Frühling geschehen, kurz nach Ostern. Bischof Arborelius wird und firmen. Es geschieht im kleinen Kreis.
Welche Aufgaben werden Sie in der katholischen Kirche haben?
   Das erwarte ich nicht. Ich bin eben zufrieden, katholisch zu werden. Wir haben uns im letzten Jahr sehr danach gesehnt, und nun fühlen wir uns sehr privilegiert. Wir fühlen, dies ist eine Gnade von Gott, aufgenommen zu werden in die katholische Kirche. Meine dreißigjährige Erfahrung als Christ kann mir dabei helfen. Ich bin sehr zufrieden, mich zu bemühen, als guter katholischer Christ zu leben.
Was erwarten Sie am meisten in der katholischen Kirche?
   Das sakramentale Leben. Danach haben wir uns gesehnt. Wenn wir anfänglich die Frage nach dem Wesen der Kirche stellten, fanden wir diese Antwort: Ihre Vollmacht, die Sakramente und die Einheit. Dieses sind die drei Gründe, die uns in die Kirche zogen.  Ich hatte immer ein starkes Verlangen nach den Sakramenten, aber als ich zu entdecken begann, was sie wirklich sind, und was sie bewirken, lernte ich von außen blickend, diese zu verstehen. Ich habe mich nach der Teilnahme an den Sakramenten gesehnt, um aus den Sakramenten zu leben, in einer Weise, wozu ich allein nicht fähig gewesen bin. Als ich das erkannte, sah ich auch, was in unserer Art Kommunion zu feiern fehlte. So kann ich sagen: die Fülle, die der Herr der katholischen Kirche gegeben hat – das ist es, was ich entdeckt habe und wonach ich mich lange Zeit gesehnt habe.  
   Ich wurde gefragt: “Bedeutet das, alles, was Du uns gelehrt hast, war falsch? Meine Antwort darauf ist: “Nein!”
Ich glaube, dass ich die Bibel ausgelegt habe so gut ich konnte. Wir haben die Bibel gepredigt und evangelisiert entsprechend dem Licht, das wir hatten. Ich bin sehr glücklich über alle Arbeit, die getan wurde und über alle Gemeinschaften, die wir aufgebaut haben. In keiner Weise verwerfe ich das. Wir gehen nicht weg, wir gehen hin. Es ist ein Verlangen nach größerer Fülle, nach tieferem Verständnis, und an dem, was die Kirche wirklich ist. Ich glaube fest, dass viele Menschen das verstehen werden – vielleicht nicht jetzt gleich, aber in Zukunft – weil wir nicht emotional gehandelt haben, sondern weil der Herr uns wirklich geführt hat.
Sehen Sie in Papst Franziskus einen charismatischen Katholiken?
   Ja, ich denke schon. Er ist ganz gewiss ein Geschenk Gottes. Ich weiß, er ist sehr aufgeschlossen gegenüber charismatischen Christen. Ich denke: er ist von Gott erwählt, er ist der Mann Gottes für diese Zeit. Papst Franziskus ist eine Herausforderung für uns alle. Er hat mich sehr berührt mit seiner Sicht von Armut, mit seiner Radikalität, mit seiner Art, wie er das Evangelium lebt, und auch mit seinem Mut, über Grenzen zu schreiten. Er ist ein wirklicher Mutmacher.
Sie haben gesagt, dass Sie ein Wort des Herrn empfangen haben: “Der Auftrag ist erfüllt, aber die Freundschaft bleibt.”
   Ich habe das der Gemeinde am Sonntag gesagt. Ich habe das gefühlt – diese Entlastung, dass diese Zeit vorüber ist. Aber ich glaube fest daran, das der Grund, dass ich in die katholische Kirche gezogen wurde, ist, dass ich nötig habe – dass wir nötig haben -, was der Herr der katholischen Kirche gegeben hat, damit wir vollkommen als Christen leben können. Das ist es, warum wir Glieder der katholischen Kirche werden wollten.
CatholicHerald140424LukeCoppenArbeitsübersetzung:kbwn

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Warum ich meine Verehrung des Heiligen Josef erneuere
Foto: Der Heilige Josef mit dem Jesuskind. Detail von Guzido Reni

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Die Heilige Teresa hat eine schöne Erklärung, warum der Heilige Josef so erfolgreich unsere Gebete erhört
    Teresa von Avila sagt, dass der Heilige Josef ihr niemals etwas abschlug, wenn sie ihn an seinem Festtag, am 19. März, um etwas bat.
   Vom 10. – 19. März kennt die Kirche das Gebet einer “Novene” zum Heligen Josef. Oft erbitten die Menschen von ihm einen Arbeitsplatz. Männer kennen die Bitte an den Pflegevater Jesu um eine gute Frau. Frauen erbitten von ihm einen ehrbaren Ehemann. Aus seinen Aufgaben, die in er Heiligen Schrift berichtet werden, ergibt sie die Verehrung des Heiligen Josef als Patron der Kirche, der Familie, der Arbeiter und der Sterbenden.
   Die Heilige Teresa von Avila, eine Nonne aus dem 16. Jahrhundert, hatte ernsthafte Gründe, den Heiligen Josef im Gebet anzuflehen. Schon kurz nach der ewigen Profess als Karmeliter-Nonne wurde sie schwer krank. Sie fiel für vier Tage ins Koma. In ihrer Bewusstlosigkeit dachte sie, sie sei tot. Als sie aus dem Koma erwachte, war sie gelähmt und für wenigstens drei Jahre ans Bett gefesselt. Doch als sie den Heiligen Josef um Hilfe anflehte, wurde sie von ihrer chronischen Krankheit geheilt. Nie hat sie diese Gnade vergessen. Seither war die Heilige Teresa sehr aufmerksam zu den erstaunlichen Gebetserhörungen durch den Heiligen Josef. Die Heilige Teresa hat eine schöne Erklärung, warum der Heilige Josef so erfolgreich unsere Gebete erhört: Unser Herr Jesus Christus war als Kind – wie auch im Himmel – seinem Nährvater untertan. Weil ich weiß, dass große Gnaden den Menschen zuteil werden, die ihre Bitten zum Heiligen Josef schicken, war ich zurückhaltend in den letzten Jahren, zu ihm zu beten. Gleichwohl habe ich eine starke Verehrung zum Heiligen Josef. Als Jugendliche habe ich die Novene zum Heiligen Josef an die Wand über meinem Bett geheftet. An den meisten Tagen, wenn ich zu den Uni-Vorlesungen ging, betete ich um Kraft für meine Aufsätze und Examen.
   Aber in den letzten zehn Jahren habe ich nicht sehr viel an den Heiligen Josef gedacht. Doch in diesem Jahr habe ich wieder zum Heiligen Josef gebetet. Der Schriftsteller Tom Leopold Foto oben rechts, der als Jude zur katholischen Kirche konvertierte, sagte mit, warum er den Heiligen Josef als Namenspatron wählte, “ich wünschte mir den größten aller Väter… und der Heilige Josef war Nährvater von Jesus und erzog Gottes Sohn. Es kann keinen besseren Vater geben als ihn.” Diesem Beispiel folgend, erneuere ich gerade meine Verehrung für den Heiligen Josef und beginne gerade eine Novene zu ihm. CH151010MaryO’ReganFoto oben links

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Der heilige Joseph steht für Papst Franziskus in einer Reihe mit Abraham. Das sagte Franziskus beim Angelusgebet. Das Evangelium sage nichts über die Gefühle Josephs, es berichtet übrigens auch kein einziges Wort von ihm – doch es betone deutlich, dass er ausgesprochen opferbereit gewesen sei. Als seine Verlobte Maria auf unerklärliche Weise schwanger wurde, wollte Joseph sie nicht bloßstellen und sich daher heimlich von ihr trennen, so der Papst, gestützt auf das Matthäusevangelium.
   „Was für ein inneres Drama – denken wir nur an die Liebe, die Joseph doch für Maria fühlte! Aber auch in einem solchen Moment will er vor allem den Willen Gottes tun. Es ist sicher mit großem Schmerz, dass er entscheidet, sie in aller Stille zu verstoßen. Man sollte einmal meditieren über diese Worte, um zu ermessen, wie groß die Prüfung war, die Joseph in diesen Tagen vor der Geburt Jesu zu erdulden hatte. Eine Prüfung, die sich mit dem Opfer des Abraham vergleichen lässt, als Gott ihm seinen Sohn Isaak abverlangte: auf das Wertvollste, auf die am meisten geliebte Person verzichten.“
   Doch wie im Fall Abrahams greife der Herr auch im Falle Josephs ein: „Er hatte den Glauben gefunden, den er gesucht hatte“, so der Papst. Dadurch öffne sich dann „ein neuer Weg“; das Evangelium zeige uns „die ganze Größe des Geistes des heiligen Joseph“. In seiner Akzeptanz dessen, was Gott mit ihm vorhabe, und in seiner Absage an Ärger und Verbitterung sei Joseph uns Heutigen ein Vorbild.
   „Bereiten wir uns also auf Weihnachten vor, indem wir Maria und Joseph betrachten: Maria, voll der Gnade, sie hatte den Mut, sich vollkommen dem Wort Gottes anzuvertrauen; Joseph, treu und gerecht, er glaubt dem Herrn und hört nicht auf die Stimme des Zweifels und des menschlichen Stolzes. Mit ihnen zusammen gehen wir alle in Richtung Betlehem!“
RV131222sk Foto: Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten - Autun

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 Mutter Teresa
  zog  mich aus dem Müll heraus

Emmanuel Leclercq, Foto oben Seminarist aus Indien,
wurde als wenige Tage altes Baby von Mutter Teresa aus einem Mülleimer gezogen und gerettet

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      Mutter Teresas größte Wunder sind jene Kinder, die sie rettete. Mit einem von ihnen haben die Kollegen von der französischen Abteilung von Radio Vatikan gesprochen: Emmanuel Leclercq kam in Indien zur Welt. Mutter Teresa rettete das wenige Tage alte Neugeborene aus einem Mülleimer. Später adoptierte ein französisches Paar den Jungen. Heute ist Emmanuel Seminarist am Priesterkolleg in Avignon.
   „Ich bin am 9. September 1982 geboren und wurde zehn Tage nach meiner Geburt ausgesetzt. Das war in einem Slum von Bombay – dem heutigen Mumbai – und ich wurde dort in einem Abfalleimer weggeworfen, genau gegenüber einem Waisenhaus der Missionarinnen der Nächstenliebe. Zufälligerweise war damals Mutter Teresa zu Besuch. Sie selbst fand mich und zog mich aus dem Müll.“   In diesem Sommer ist Emmanuel drei Wochen in Indien gewesen – er selbst wünschte es sich, und sein Bischof empfahl es ihm. In Mumbai suchte der Seminarist das Waisenhaus auf, dem er sein Leben verdankt, traf dort auch mehrere Mutter-Teresa-Schwester, darunter eine, die im Augenblick seiner Rettung vor 34 Jahren dabei war.
   „Für mich war die Begegnung in Indien ein Moment der Gnade. Mir wurde das in diesem Moment so gegenwärtig: Meine Mutter, die mich dort aussetzt. Sie hatte mir - das sagte mir die alte Schwester - ein Bändchen um das Handgelenk gebunden, darauf stand das Datum und mein Name. Und ich habe Gott gedankt dafür, dass er mir eine Mutter geschenkt hat, die mir einen Namen gab und mich damit anerkannt hat. Sie hat mich, so glaube ich, aus Liebe hergegeben. Sie sicherte mir so das Überleben. Sie hätte mich auch anderswo ablegen können, nicht gerade vor den Missionarinnen der Nächstenliebe. Ich habe meinen leiblichen Eltern gedankt und meinen Adoptiveltern. Meine leibliche Mutter hat mich verschenkt, indem sie mich aussetzte. Mein Leben soll von jetzt an anderen gehören. Mit Gottes Gnade werde ich das als Priester tun.“
   Emmanuel hat, wie er sagt, vier Mütter: Maria, die Gottesmutter, seine leibliche Mutter in Indien; Mutter Teresa, die ihn aus dem Müll hervorzog, und seine Adoptivmutter. Auch die Menschen in Indien selbst haben ihn beeindruckt, erzählt der angehende Priester, der in Kalkutta in einem der Häuser von Mutter Teresa auch mit Hand anlegte.
   „Der Grund meiner Reise war es, den Armen zu helfen. Zugleich komme ich selbst aus einem Slum, und so war ich dort gewissermaßen in meinem Element. Die Armut ist nichts, was man sich wählen soll, aber was man wählen soll, ist Einfachheit. Mich hat das schon länger beschäftigt – und ich habe es bei meiner Indienreise neu entdeckt. Die Inder haben mich da sehr beeindruckt.
Sie haben nichts, aber sie geben alles.Rv160905mg

OS-Katholikentag Sr.Jordana-OP

Sr. Jordana Foto sprach das Wort zum Sonntag vom Katholikentag in Osnabrück live:
“Vielen Dank, Thomas Hermanns, nach Hamburg! ...

   ... Hier in Osnabrück auf dem Katholikentag stehe ich jetzt auf der MISEREOR-Bühne im Schlosspark. Und die Stimmung ist super! Wir hatten einen Tag voller angeregter Diskussionen auf Podien und in Workshops, in denen wir uns mit Themen wie Klimawandel, soziale Gerechtigkeit und das Miteinander in der Kirche auseinandergesetzt haben. Und jetzt wird gefeiert. Natürlich mit viel Musik. Musik, die das zusammenbringt, was vieles Reden oft gar nicht kann. “Osnabrück rockt für Eine Welt”: Eine Welt, in der es gerecht zugeht und wir erkennen, dass wir nur gemeinsam etwas verändern können.
   Das Motto des Katholikentages ist: “Du führst uns hinaus ins Weite”. Weite bedeutet eben genau das: Nicht nur an sich selber denken, den anderen und die Zukunft im Blick haben. Wir feiern hier unseren Glauben an Gott, der uns nicht nur ins Weite führt, sondern der uns auch die Kraft gibt, diese Weite zu füllen, mit kreativen Ideen die Zukunft gerecht und friedlich zu gestalten. Und dass wir da nicht allein stehen, das ist hier spürbar.
   Und diesen Wunsch schicken wir jetzt auch nach Belgrad: Dass die gemachte und gehörte Musik verbindet, was getrennt ist und im Unfrieden. Das gemeinsam etwas ins Schwingen, in Bewegung kommt, was zu einem guten Miteinander beiträgt.
   Ein afrikanisches Sprichwort sagt: “Ein Freund ist jemand, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorsingt, wenn du sie vergessen hast.” Auf dass Sie diese Freundschaft – die Freundschaft Gottes und anderer Menschen – spüren und in Ihnen etwas anrührt! Hier in Osnabrück und in der ganzen Welt. In diesem Sinne schicken wir Ihnen jetzt musikalische Grüße mit Don Abi!”
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... und ein Kommentar dazu von Imre Grimm in der HAZ: 

Eine Nonne außer Rand und Band
   Das Klischee will es so: Nonnen sind stille Wesen, die züchtig und gottesfürchtig hinter dicken Klostermauern dem Sinn des Lebens nachträumen und sich in tiefer Demut in Arbeit und Gebet ergehen. Amen.
   Denken Sie genauso? Vergessen Sie's. Sie haben Schwester Jordana verpasst. Die Schwester vom Orden der Dominikanerinnen ist 39 Jahre alt und hauptberuflich Erziehungsleiterin im Bethanien Kinder- und Jugenddorf Schwalmtal-Waldniel. Nebenberuflich darf sie seit Kurzem das „Wort zum Sonntag” in der ARD sprechen, und schon die allererste Ausgabe zeigte: Das tut sie wie niemand sonst. Ihre Premiere ging kurz vor dem Eurovision Song Contest über die Bühne. Jemand bei der ARD hatte die zündende Idee, gegen 20.50 Uhr direkt von der Grand-Prix-Party auf der Hamburger Reeperbahn zum Katholikentag nach Osnabrück zu schalten, von Party zu Party quasi. Dass das „Wort zum Sonntag” Jahr für Jahr mitten im Grand-Prix-Count-down zu sehen ist, ist immer wieder ein Quell der Freude. Diesmal aber stand Schwester Jordana auch noch mitten auf der „Schlossparkbühne von Misereor" vor 20.000 entfesselten Jungkatholiken und rockte das Haus. Für einen Moment war unklar, ob die Show in Belgrad schon begonnen hatte.
   „Die Stimmung ist super!”, rief Schwester Jordana, „und jetzt wird gefeiert. Natürlich mit viel Musik. Musik, die das zusammenbringt, was vieles Reden oft gar nicht kann. Das Motto des Katholikentages ist: ,Du führst uns hinaus ins Weite.’ Weite bedeutet eben genau das: nicht nur an sich selber denken, den anderen und die Zukunft im Blick haben.  Und diese Weite wünsche ich mir auch für diese Dings, äh, gerechte Welt. Und diesen Wunsch schicken wir jetzt auch nach Belgrad: dass die gemachte und gehörte Musik verbindet, was getrennt ist und im Unfrieden. Dass gemeinsam etwas ins Schwingen, in Bewegung kommt.” Und so weiter und so fort.
   Ins Schwingen und in Bewegung kam dabei vor allem Schwester Jordana selbst, die auf sympathische Weise zeigte, dass sie nicht jeden Tag vor 20.000 Menschen auftritt, dies aber unbedingt öfter tun sollte. „Ein afrikanisches Sprichwort sagt: ,Ein Freund ist jemand, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorsingt, wenn du sie vergessen hast.’ Wir schicken Ihnen jetzt musikalische Grüße mit Don Abi!”, rief die enthusiasmierte Ordensschwester, und dann kam der Sänger Don Abi und rief, man müsse an die „Kraft der Gemeinsamkeit glauben, we are all one! Party people! Yeah!”, und dazu rockte die Nonne, obwohl noch gar keine Musik zu hören war.
   Gegen Schwester Jordanas Auftritt war die Grand-Prix-Party von der Reeperbahn ein Kaffeenachmittag im Nonnenkloster. Obwohl - „Kaffeenachmittag im Nonnenkloster”? Wieder so ein Wortbild, das in den Papierkorb gehört. Es ist immer gut, wenn man seine Vorurteile regelmäßig überprüft. Und liebe ARD: Wenn's bei „Schmidt & Pocher” mal nicht mehr so läuft - es gäbe da einen Ersatz.

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Ein Bekenntnis zum persönlichen Glauben ist ein Wagnis in Zeiten,
in denen es nicht gerade als modern gilt, religiös zu sein. Daher ist es nur folgerichtig,
dass Matthias Matussek sein neuestes Buch
Das katholische Abenteuer genannt hat.

Aber der Untertitel „Eine Provokation“ deutet schon an, dass es kein romantisch-verklärter Blick ist, den Matussek auf den Katholizismus wirft. Er schimpft, er ringt, er geht mit vielen hart ins Gericht (unter anderem mit dem Bundespräsidenten Christian Wulff) – aber letztlich tut er, was den meisten sehr schwer fällt: Matussek glaubt. 
Kann man dem lieben Gott Wembley verzeihen? Und ist er überhaupt lieb?
Zehn Fragen der Bild.net an den Autor des Spiegel-bestsellers Matthias Matussek:
1. Religion – ist das eher etwas für den Kopf oder für das Herz?
   Der gesamte Mensch ist da gefragt. Der heilige Augustinus hat gelacht und getanzt und geweint. Wir hier im Norden sind zu verkopft, wir diskutieren dauernd, und machen uns wichtig und sind missmutig. Das hat Jesus ganz bestimmt nicht gewollt.
2. Was tun Sie, wenn Sie manchmal der Zweifel an Ihrem Glauben packt?

   Warten, bis der Anfall vorübergeht. Und er geht vorüber. Beten hilft.
3. Hat ein Matthias Matussek seine eigenen zehn Gebote?
   Ich wäre als Religionsstifter eine enorme Fehlbesetzung – mit den zehn Geboten, die wir haben, habe ich schon alle Hände voll zu tun. Aber mir fällt dieser hübsche Witz ein von Mose, der mit den Gesetzestafeln vor seinem Volk erscheint und sagt: „Also Leute, die gute Nachricht ist, ich hab' ihn auf zehn Gebote runtergehandelt. Die schlechte ist, das sechste Gebot ist nach wie vor dabei."
*Anm. d. Red: Für diejenigen, denen es im Moment entfallen ist: Das sechste Gebot lautet „Du sollst nicht ehebrechen“

4. Sie schreiben: „Die Niederlage von Wembley war lange nicht aus meinem Gemüt zu tilgen.
Gab es Gott?“ Waren da noch andere Dinge, die Sie Ihrem Gott fast nicht verziehen hätten?
   Na ja, vier Jahre später gab es dieses unglücklich verlorene Jahrhundertspiel gegen Italien...
5. Ein weiteres Zitat aus Ihrem Buch: „Ich glaube, dass ich eine unsterbliche Seele habe“. Wie genau stellen Sie sich das Jenseits vor, vor allem, wenn Sie sich nicht immer sicher sind, dass „es ein lieber und gerechter Gott“ ist, den wir da haben?
   Wenn ich eine genaue Vorstellung vom Jenseits hätte, könnten Sie mich getrost einweisen lassen (oder das Requiem für mich beten lassen) – das Paradies ist das, wovon wir nur hoffen oder träumen können, ein Zustand der grenzenlosen Seligkeit und Geborgenheit... Tja, und die Frage nach dem lieben Gott stellt sich wohl jeder bisweilen mit einem Blick auf den Katastrophen-Verlauf der Welt, aber der heilige Augustinus sagte:
„Si comprehendis non est deus“
– wenn Du es verstehst, ist es nicht Gott. Er bleibt der Rätselhafte, Unbegreifbare...
6. Was werden Sie bei der nächsten Beichte zugeben müssen?
   Das sage ich nur meinem Beichtvater. Oder meiner Frau.
7. Anders gefragt: Gibt es eine Todsünde, die Sie sich ab und zu erlauben?
  
Wie wärs mit Zorn?
8. Als Kind haben Sie gesehen, wie Ihr Vater seine Brille im Meer wiederfand, nachdem die ganze Familie gebetet hatte. Haben Sie noch weitere Wunder erlebt?

   Meine Kindheit war voller Wunder. Sie war vom Kirchenkalender bestimmt, von Krippenspiel und Ostermette und Fastenzeit und Ministrantendienst und Heiligenlegenden. Sehr theatralisch. Und sehr geborgen. Ich wusste, wo oben und unten ist. Oben der liebe Gott, unten die Hölle. Und dazwischen jede Menge Schutzengel, die auf mich aufpassten,  in einem anstrengenden Schichtbetrieb, denn es passierte dauernd was.
9. Wie modern sollte oder darf Kirche sein?
  Was verstehen Sie unter modern? Es gibt nichts Angestaubteres als das, was sich Reformkatholiken unter „modern“ vorstellen. Gutmenschengeklampfe mit Ringelpietz interessiert keinen Menschen.  Die Kirche ist dort stark, wo sie ihr Geheimnis behauptet. Wo sie klarmacht: Wir sind anders. Und dazu gehört natürlich die Liturgie, der Rosenkranz und meinetwegen der Weihrauch. Also: Aufregend ist die Kirche, die sich gerade nicht anpasst!
10. Dürfen wir über das Christentum lachen?
   Wir dürfen mit dem Christentum lachen, denn es hat tatsächlich eine frohe Botschaft. Witze über Kruzifixe find ich allerdings blöde, denn man lacht nicht über einen Menschen am Kreuz, der wegen seines Glaubens gefoltert und halbtot geschlagen wurde. Das ist dumm, roh und blöde. Finde ich auch sonst, ich bin Mitglied bei Amnesty International. Also, mit anderen Worten: Madonna, die vor einem Kreuz unter einer Dornenkrone ihre Bühnen- show abzieht, finde ich debil.
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Vorhof der Völker

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Wie Henry Kardinal Newman die Gegner der Nazis inspirierte Foto: In dem Film „Sophie Scholl - die letzten Tage“ spielt Julia Jentsch die Rolle von Sophie Scholl. Sie, ihr Bruder Hans und ihr Freund Christoph Probst, waren drei Mitglieder der “Weißen Rose”, eine Gruppe die Studenten zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufrief. Am 22. Februar 1942 wurden sie im Minutentakt hingerichtet.

  Sophie Scholl war gerade 21 Jahre alt, als sie im Münchner Gefängnis Stadelheim enthauptet wurde, nachdem sie und ihr Bruder Hans im berühmten Lichthof der Münchener Universität Flugblätter von oben auf die Studenten herabwarfen, um sie zum Widerstand gegen die Nazis aufzurufen.
   Christoph Probst, Vater von drei Kindern, wurde wenige Stunden vor seiner Hinrichtung
in articulo mortis (kirchenrechtlich: in Todesgefahr) in die katholische Kirche aufgenommen. Danach sagte er dem Priester, der ihn taufte und ihm die Beichte abnahm, „nun wird mein Tod leicht und voll Freude sein“. Auch die evangelischen Geschwister Scholl wollten nach Aussage ihrer Schwester Inge in die katholische Kirche aufgenommen werden, aber der evangelische Gefängnispastor Karl Alt redete es ihnen aus, indem er beiden sagte, das würde ihre zutiefst verzweifelte Mutter noch mehr aufregen.
   Sophie hatte schon früher daran gedacht, katholisch zu werden. 1942 erlebte sie Ostern in der Auferstehungsmesse des Klosters Söflingen bei Ulm.
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Unsere Buchempfehlung:     Ein Priester als Menschenretter  -  Als in Rom die SS wütete    DUMONT

   Vor einiger Zeit erwähnte ein 82-jähriger Altbischof, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Rom studiert hat, er habe damals von vielen Personen gehört, die sich für die Befreiung von zahlreichen Gefangenen und alliierten Soldaten eingesetzt hätten. Unter diesen Mutigen war auch der irische Priester Hugh O'Flaherty Foto oben rechts(1898-1963). Die Journalisten Arne Molfenter und Rüdiger Strempel erzählen sein Leben spannend und detailliert nach. Die lebendigen Dialoge zwischen den Figuren lassen sich anhand der benutzten Quellen belegen
   Die „weiße Linie" war die Trennung zwischen dem unabhängigen Vatikanstaat und der Stadt Rom, 1943/44 von deutschen Besatzern streng kontrolliert. Hinter dieser Linie befand sich das Lebenswerk von O'Flaherty. „Die Zahl der in Rom Zuflucht suchenden alliierten Soldaten nahm gegen Ende des Jahres 1943 rapide zu. Im Sommer des Jahres befanden sich etwa 80.000 alliierte Kriegsgefangene und italienische Antifaschisten in Lagern und Lazaretten in ganz Italien. Nach der Kapitulation Italiens desertierten vielfach die italienischen Bewacher und überließen diese bunte Schar ihrem Schicksal. Etwa 50.000 alliierte Kriegsgefangene erlangten so eine höchst gefährdete und zugleich gefährliche Freiheit. Ebenso wie viele ihrer ehemaligen Bewacher, irrten sie auf der Flucht vor den deutschen und faschistischen Häschern durchs Land." O'Flaherty wollte ihnen helfen, riskierte viel. Er wusste, „jeden Zivilisten, der im besetzten Italien geflohenen Juden oder alliierten Soldaten half, erwartete ohne Ausnahme die Todesstrafe". Für viele war das Ziel ihrer Flucht die italienische Hauptstadt, wo sie hofften, untertauchen zu können oder im Vatikan Schutz zu finden.
   O'Flaherty fand den richtigen Gesprächspartner und Gehilfen im britischen Gesandten beim Heiligen Stuhl, Sir Francis Osborne, und in dessen Butler, John May, „ein begnadeter Netzwerker". „O'Flaherty kannte fast jeden in Rom. Und die, die er nicht kannte, kannte offenbar John May." Graf Sarsfield Salazar von der Schweizerischen Botschaft in Rom, war der Dritte im „Rat der Drei". Die Gruppe wurde von anderen mit großen finanziellen Summen unterstützt. Es entwickelte sich eine Fluchtorganisation, die sich um das Schicksal der geflohenen Soldaten in Rom kümmerte, unabhängig von jeder politischen Auffassung, Rasse oder Religion. Insgesamt rettete O'Flaherty mehr als 6500 Menschen aus 25 Nationen vor Verhaftung, Folter und Tod. Er versteckte die Soldaten sowohl im Vatikan als auch in römischen Privathäusern. Bald schloss sich Major Derry, ein britischer Offizier, dem „Rat der Drei" an. Die Organisation wurde nun „Römische Fluchtlinie" genannt. Der Sohn von Sam Derry sagte später: O'Flaherty sei „der beeindruckendste Mensch" gewesen, den er je getroffen habe. Bald begann die Jagd des SS- Obersturmbannführers Herbert Kappler auf den irischen Priester. Innerhalb weniger Monate versuchte der Gestapo-Chef drei Mal, seinen Widersacher O'Flaherty in die Falle zu locken. Diese Schilderungen gehören zum spannendsten Teil des Buches. Nach dem Krieg verteidigte sich O'Flaherty, als er beschuldigt wurde, Leuten von „der anderen Seite" geholfen zu haben. Seine Begründung war „ebenso einfach wie eindrücklich": In jedem Menschen ist ein Funke Gottes. So besuchte er im römischen Gefängnis Forte Boccea seinen früheren Gegner Herbert Kappler, der ihn so gerne verhaftet und gefoltert hätte. 1959 taufte er ihn und nahm ihn in die katholische Kirche auf.
   Ferner behandeln die Autoren das Drama der Fosse Ardeatine. „Auch 5 der italienischen Helfer O'Flahertys fanden in den Ardeatinischen Höhlen den Tod." Schade, dass wir deren Namen nicht erfahren, sonst hätte man weiter forschen können, ob Pater Pankratius Pfeiffer, Generaloberer der Salvatorianer, sich auch für deren Befreiung eingesetzt hat. O'Flaherty und Pfeiffer waren in derselben Stadt an verschiedenen Fronten karitativ und diplomatisch tätig. Sie haben sich geschätzt, wie die Eintragung von O'Flaherty im Kondolenzbuch nach Pfeiffers tödlichem Unfall im Jahr 1945 vermuten lässt. Die letzten Kapitel des Buches („Schrank der Schande" und „Ein Symbol verschwindet") beschreiben das Schicksal von Herbert Kappler im Gefängnis in Gaeta (Italien) und die Versuche der Bundesregierung, ihn endlich frei zu bekommen. Aber die oberste italienische Militärstaatsanwaltschaft war jedes Mal dagegen. Kappler floh am 15. August 1977 aus dem Gefängnis in Rom. Parallelen zum Fall Erich Priebke sind mit den Händen zu greifen. Priebke starb 2013 in Rom.
   Es wäre sinnvoller gewesen, in der Schlussbetrachtung über O'Flaherty ei­nige pauschale und inkorrekte Urteile über Erich Priebke, Rolf Hochhuth und Pius XII. wegzulassen. Insgesamt ist das Buch „Über die weiße Linie" aber sehr zu empfehlen. FAZ150825PeterVanMeijl. Arne Molfenter/Rüdiger Strempel: Über die weiße Linie. Wie ein Priester über 6000 Menschen vor der Gestapo rettete.
Du-Mont Buchverlag, Köln 2014. 272 S., 19,99 €.

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Der Maler Michael Triegel hat sich in der Osternacht 2014 in der Dresdner Hofkirche vom Bischof Heiner Koch taufen lassen. „Wen man sich über 30 Jahre mit dem Wahren, Guten und Schönen und eben auch der Religion beschäftigt, kann das nicht ohne wie auch immer geartete Folgen bleiben“, sagte Triegel der KNA. Triegel hat die zwei Gemälde von Papst Benedikt XVI. geschaffen, die in der deutschen Botschaft am Heiligen Stuhl und im „Institut Benedikt XVI.“ in Regensburg hängen. Rv140420 

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Teemu Sippo - der neue katholische Bischof von Helsinki

  Mitte der siebziger Jahre schrieb ein Finne in Freiburg im Breisgau eine Diplomarbeit in Katholischer Theologie. Hinter ihm lag ein ungewöhnlicher Lebensweg: Teemu Sippo, am 27. Mai 1945 in Lahti geboren, hatte sich schon als Schüler von der lutherischen Gemeinde losgesagt und war katholisch geworden,  hatte sich dem seit langem unter den wenigen Katholiken in Finnland tätigen Orden der Herz-Jesu-Priester angeschlossen und ein Studium in Deutschland aufgenommen. Nun verfasste er eine Arbeit über „Das Prinzip des Protestantismus bei Paul Tillich" - Bestnote. Der Kontakt zwischen dem Freiburger Professor und seinem Schüler aus Finnland riss nie ab. Jetzt sahen sich Sippo und sein damaliger Freiburger Professor wieder. Die Begegnung wurde live im finnischen Fernsehen übertragen. Der Schüler von einst kniete vor seinem akademischen Lehrer nieder, dieser legte ihm die Hände auf. Der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann weihte Teemu Sippo zum Bischof von Helsinki.
   Ungewöhnlich, aber für das gute Verhältnis der Konfessionen untereinander bezeichnend ist der Ort des Geschehens: Sippo wird nicht in der kleinen katholischen Bischofskirche von Helsinki geweiht, sondern in der mittelalterlichen, seit der Reformation als lutherischer Bischofssitz dienenden Kathedrale von Turku
Foto oben. Katholiken und Lutheraner sind in Finnland einander so nahe wie kaum anderswo auf der Welt: „Sie haben die bischöfliche, die episkopale Struktur nach der Reformation beibehalten", sagt Sippo. Das bringt die lutherischen Christen Finnlands und die katholische Kirche näher zusammen, als das in Deutschland der Fall ist."
   Freilich kennt sich Sippo nicht nur in Deutschland gut aus. Seit seiner Priesterweihe lebt er in Finnland und kennt fast jeden der heute etwa 11.000 Katholiken in dem Land persönlich. Nicht nur die etwa 5.000 katholischen Finnen, von denen nicht wenige im Erwachsenenalter katholisch geworden sind, sondern auch die katholischen Einwanderer aus mehr als 70 Ländern, allen voran aus den Philippinen und aus Vietnam. „Wir nehmen jedes Jahr um 500 bis 1.000 Katholiken zu", sagt der neue Bischof.
   Wenn Sippo nun den Bischofssitz in Helsinki übernimmt, ist das eine kleine Sensation. Der letzte gebürtige Finne als katholischer Bischof von Turku war 1510-1522 Arvid Kurki. Er ertrank 1522 auf der Flucht in der Ostsee, sein Nachfolger führte die Reformation ein.
FAZ090907DanielDeckers
   Die katholische Kirche muss den Weg der Ökumene unbeirrt weitergehen. Das hat Papst Benedikt gegenüber einer lutherischen Delegation aus Finnland betont. Unermüdlich müssten sich beide Seiten bemühen, die verloren gegangene Einheit unter den Christen wiederherzustellen. Maßgeblich für diese Arbeit bleibe die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die 1999 von der katholischen Kirche und dem lutherischen Weltbund unterzeichnet worden war. Der Papst hat die zehnköpfige Abordnung anlässlich des Festtags des Heiligen Heinrich von Uppsala, dem Patron Finnlands, empfangen. Damit begannen die Feierlichkeiten zur Woche der Einheit der Christen. rv100118apic

epEmileDestombesKamb-x   Bischof Emile Destombes, Phnom Penh

Bischof Destombes: - Junge Buddhisten werden Katholiken

   In Kambodscha seien brutale Übergriffe auf Religionsgemeinschaften wie im Nachbarland Vietnam unvorstellbar. Das betonte der Bischof von Kambodscha, Emile Destombes (75) in einem Gespräch mit der in Würzburg erscheinenden „Tagespost".
   Bischof Destombes, der vor zwanzig Jahren als erster Priester in dem von den Roten Khmer zerstörten Land die Arbeit aufgenommen hatte, spricht von einem guten Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und der Regierung. Der im vergangenen Jahr mit großer Mehrheit wiedergewählte Ministerpräsident Hun Sen halte sich an die Prinzipien der Religionsfreiheit, die 1990 in der kambodschanischen Verfassung verankert worden sei, versichert der in Frankreich geborene Bischof. Besonders eng sei die Zusammenarbeit zwischen der Caritas und dem für den religiösen Bereich zuständigen Ministerium. Die Aufgaben in dem südostasiatischen Land seien zahlreich angesichts der immer noch erschreckend hohen Armut. Immer noch müsste die Mehrheit der rund 14 Millionen Kambodschaner mit wenig mehr als einem Dollar am Tag auskommen. Daher sei Kambodscha von der internationalen Wirtschaftskrise auch ganz besonders betroffen worden, erklärt Destombes.
  Der in der Hauptstadt Phnom Penh residierende Bischof spricht von seinen Bistümern in Phnom Penh, Battambang und der Provinz Kompong Chhang mit rund 20.000 Katholiken und 55 Priestern. Destombes weist allerdings auf eine bemerkenswerte Entwicklung hin: Jährlich konvertierten einige hundert Jugendliche mit buddhistischem Elternhaus zum Katholizismus. „Mit dem Buddhismus können diese Jugendlichen ganz offensichtlich nichts mehr anfangen",  sagt der Bischof.
   Destombes kennt den von den Roten Khmer verbreiteten Schrecken aus eigenem Erleben. Er war schon zwölf Jahre Priester in Kambodscha, als die Khmer in Phnom Penh einmarschierten. Rettung fand er in der Französischen Botschaft, von der aus er über die Grenze nach Thailand flüchtete. Doch Kambodscha ließ Destombes nicht mehr los; 1989 kehrte er zurück.
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"Wenn meine Mutter nicht römisch-katholisch gewesen wäre, wäre ich wohl abgetrieben",
 so bekennt der Vice-Kapitän und Verteidiger des 1. FC Liverpool Jamie Carragher
Foto links.

  “Mein Buch beginnt ziemlich dramatisch: Meiner Mutter Paula Carragher wurde geraten, die Schwangerschaft wegen einer schweren Komplikation abzubrechen. Die medizinische Diagnose: Spaltwirbelsäule – ein Geburts- fehler, der das Rückenmark betrifft. Meine Mutter ist tief religiös; deswegen kam für sie eine Abtreibung nicht in Frage. Sie wollte das Leben, mein Leben, ganz gleich, wie schwer ich behindert sein würde. Sie bestand darauf: 'Es ist Gottes Wille'. Sie ist der Fels, worauf meine Familie gegründet ist. Die Entscheidung für mein Leben traf sie vor 30 Jahren.
  Jamies Mutter widerstand mutig dem Rat der Sozialarbeiter und Mediziner zur Beendigung der Schwangerschaft. Nun dankt sie Gott für seine Gnade, und sie ist stolz, dass ihr Sohn ein Fußballer der Weltklasse ist und dass der FC Liverpool auch mit seinem Einsatz  Gewinner der European Champions League geworden ist. 
   Seine Mutter ist sich sicher: Wir müssen kämpfen und beten für ein Ende der Kultur des Todes. Das Reich Gottes verlangt den konkreten Einsatz für den Aufbau einer Kultur des Lebens. Zivilisationen werden nicht durch Kriege besiegt,  Zerstörung geschieht vor allem religiös und moralisch. Viele verlieren den Willen zum Leben. Sie sehen keinen Grund mehr zu leben. Ohne Christentum verliert die Gesellschaft ihren Kompass.
CT081123FrFrancisMarsden

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Maria Dolores Dos Santos Aveiro, Mutter des berühmten Profi-Fußballers Cristiano Ronaldo,
    berichtet in ihrem eben in Spanien veröffentlichten Buch, dass Ronaldo ein ungeplantes Kind gewesen sei. Die Familie lebte in bitterer Armut auf der Atlantikinsel Madeira. Ronaldo sei das vierte Kind gewesen, von dem sie dachte, es sich nicht mehr leisten zu können, so Dos Santos Aveiro. Daher sei sie zum Arzt gegangen. Der jedoch habe ihr gesagt: „Das kommt gar nicht in Frage. Sie sind 30 und haben keinen physischen Grund, dieses Kind nicht zu bekommen. Sie werden schon noch sehen, dass das Kind die Freude Ihres Hauses wird!" Daraufhin habe sie versucht, das Kind selbst abzutreiben, was nicht gelang. Dass sie die Geschichte veröffentliche, begründete sie damit, Frauen von der Abtreibung abhalten zu wollen: „Überlegt es Euch besser zweimal", sagte sie bei der Buchpräsentation. „Manchmal neckt Cristiano mich und sagt: ,Du wolltest nicht, dass ich geboren werde. Nun siehst du, dass ich euch allen helfe‘."
DT160714

Andrea Nahles  po-AndreaNahles-z   Weihnachtsbotschaft

   Andrea Nahles Foto, Katholikin, verzichtet auf eine Fruchtwasseruntersuchung, da sie und ihr Mann auch ein behindertes Kind annehmen würden. Damit stellt sie sich gegen das verbreitete Machbarkeitsbewusstsein in der heutigen Gesellschaft und verlässt einmal die Erfolgs- und Machtorientierung in der Politik. Eine Politikerin, die Werte nicht nur mit Worten hochhält, sondern sie in ihrem ganz privaten Bereich mutig auch lebt.
   Vor Jahrzehnten sagte mir während des Studiums ein Assistent, er habe ein während der Schwangerschaft durch Röteln geschädigtes Kind. Meine spontane Reaktion war: Hat man das nicht vorher gemerkt? Die Ungeheuerlichkeit dieser Äußerung und ihr so verletzender Charakter wurden mir erst danach klar. Ich habe sie nie vergessen.
   Frau Nahles hat für viele Familien gesprochen, die tatsächlich unter großen Belastungen und vielfach alleingelassen mutig und mit großer Liebe Tag für Tag für ihr behindertes Kind sorgen. Eine kleine Nachricht vor Weihnachten.
DrAnnetteBoernerFAZ

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Mit einer Puppe nachgestellt wie eine Frau ihr Kind in eine Babyklappe legt
Hinter der Babyklappe: Findelkinder - Sr. Bernadetta pflegt abgelegte Säuglinge

„Die Kleider sind der einzige Schatz, den diese Kinder von ihren Eltern haben”
   „Die ersten Stunden des Lebens sind die wichtigsten", sagt Schwester Bernadetta. Die Ordensfrau hat sich ein Tuch gekauft, die Kinder vor die Brust gebunden und sie tagelang herumgetragen, wenn es wieder soweit war. Wenn ein anonymes Baby in der Klappe lag. „Keiner weiß, was es vor und nach der Geburt erlebt hat", sagt sie. „Es wird die Ablehnung und Not der Mutter gefühlt haben. Deshalb muss es den Herzschlag spüren und erkennen: Jemand ist jetzt für dich da."
   Schwester Bernadetta ist ein Engel hinter der Babyklappe. In der Kinderklinik ihres Ordens in Berlin hat sie fünf Jahre lang solche verlorenen Kinder betreut, sie gewickelt, ihnen vorgesungen, bis sich neue Eltern fanden. Sie hat einige wenige Mütter zu ihren Neugeborenen zurückgebracht und ein Netzwerk zwischen den Adoptiveltern geknüpft. Damit die Kinder andere treffen können, die ihr Schicksal teilen. Von den Eltern wissen sie nichts anderes, als dass sie ihr Baby schnell und ungesehen loswerden wollten. Alle müssen später damit leben, verstoßen worden zu sein.
Nach einer Minute klingelt der Alarm
   Deutschlandweit gibt es 81 solcher Abgabestellen, in die vier Berliner Klappen wurden seit 2001 28 Kinder gelegt. Manche Krankenhäuser denken sich schönere Namen aus, nennen sie „Babynest" oder „Babyfenster". Manche sind aus kaltem Edelstahl, andere sehen aus wie weiße Türen. Wenn jemand ein Baby in die beheizte Kammer legt und die Klappe schließt, gibt es vorerst kein Zurück. Die Tür ist dann verriegelt. Eine Minute später klingelt der Alarm in der Notaufnahme der Kinderklinik, Zeit, die der Mutter bleibt, um wegzugehen.
   Schwester Bernadetta holt einen Umschlag hervor, wie ihn die Klinik in die Klappe legt. Ein Brief an die Mutter: „Wir helfen Ihnen gerne und freuen uns, wenn Mutter und Kind zusammenbleiben können", steht da. Als geheimes „Zeichen" gibt es eine gebastelte halbe Postkarte. Die fehlende Hälfte liegt in der Klinik. Mit ihrer Hälfte kann sich die Mutter zu erkennen geben. Zusätzlich sind Gen-Untersuchungen nötig, wenn sie ihr Baby wiederhaben möchte.
  Das wollen nur wenige. Eine 19-Jährige zum Beispiel hatte ihre Tochter allein zu Hause geboren, sieben Stunden lang, und mit der Küchenschere abgenabelt. Der Familie mochte sie sich nicht anvertrauen, bangte um ihre Arbeitsstelle. Im Internet fand sie die Adresse der Babyklappe, gab dort das Neugeborene ab und ging zur Arbeit. Einen Tag später zog die Verzweiflung sie zurück zur Klinik. Mit Hilfe von Schwester Bernadetta konnte der Großvater als familiärer Vermittler eingeschaltet werden. Es ist schwer zu verstehen, aber es geschieht in solchen Fällen oft, dass Familie und Freunde von der Schwangerschaft nichts mitbekommen oder mitbekommen wollen. Obwohl der jungen Frau sogar beim Besuch ihrer Mutter die Fruchtblase geplatzt ist.
   Manche Frauen schicken Briefe an ihr Baby, schildern die Umstände, die Armut, die Angst, als illegale Ausländerin aktenkundig zu werden. Manche geben dem Kind einen Namen und schreiben, dass sie sich als Verbrecherinnen fühlen. Den meisten Kindern aber bleiben nur die Kleider, die sie auf dem Leib trugen. Schwester Bernadetta hebt sie auf. „Das ist der einzige Schatz, den sie von ihren Eltern haben", sagt sie. Sie macht Fotos, nimmt einen Fußabdruck, gibt ihnen einen kleinen Schutzengel für den Nachttisch und einen Namen aus der Bibel. Zwei für Jungen, zwei für Mädchen liegen in der Notaufnahme immer bereit. So kommt das Findelkind zum Eintrag beim Standesamt.
   In vergangenen Jahrhunderten hat man solche Kinder vor Klöstern durch die Klappe zur Armenspeisung gereicht. Heute liegen die Klappen verborgen an Seiteneingängen der Kinderkliniken, vor allem aber in einer juristischen Grauzone. Denn nach der Verfassung hat jedes Kind ein Recht zu erfahren, wer seine Eltern sind. Im juristischen Gedankengebäude ist nicht vorgesehen, dieses Recht in Frage zu stellen. Derzeit beschäftigt sich der Deutsche Ethikrat mit dem Thema.  Die Hoffnung der Betreiber, die Klappen zu legalisieren, weicht der Befürchtung, sie könnten alsbald ausdrücklich verboten werden.
   Um ihren Hals trägt Schwester Bernadetta eine Medaille der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Die mittelalterliche Legende erzählt, Elisabeth sei dabei ertappt worden, wie sie den Armen in der Hungersnot gegen den Willen ihrer gräflichen Familie Brot bringen wollte. Doch in ihrem Korb waren auf wundersame Weise statt Brot nur Rosen zu sehen gewesen. Ein ähnliches Rosenwunder, das die Gegner besänftigen könnte, will sich im Streit um die Babyklappen bislang nicht einstellen. Sie rechnen vor, dass auch neun Jahre nach Eröffnung der ersten Station die Zahl der Kindstötungen bei 25 bis 30 pro Jahr stagniert. Sie sagen: Kein Baby werde gerettet, aber viele Kinder durch das anonyme Angebot zu Verstoßenen gemacht.
   In Wahrheit kann wohl niemand sagen, was aus den Klappenkindern ohne Klappe geworden wäre. Schwester Bernadetta zitiert das Gleichnis vom verlorenen Schaf in der Herde der Hundert und wie viel wichtiger die Anstrengung um dieses eine sei, als um die 99 anderen, die der Hilfe nicht bedürfen. Vielleicht geht es bei Babyklappe nicht nur um Lebensrettung. Nebenan in der Jugendpsychiatrie des gleichen Krankenhauses kennt man viele Fälle von Kindern, die jeden Tag aufs Neue von ihren leiblichen Eltern verstoßen worden sind. „Nicht gewollt zu sein", sagt Bernadetta, „ist für ein Kind das Schlimmste überhaupt."
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   Schwester Bernadetta ist eine von 326 Schwestern, die in Deutschland für die Kongregation der Schwestern von der heiligen Elisabeth arbeiten. Der katholische Orden betreibt hierzulande acht Krankenhäuser. Geboren 1973 in einem polnischen Dorf bei Posen als eines von sieben Geschwistern trat die gelernte Krankenschwester mit 20 Jahren in den katholischen Orden ein, studierte Theologie und kam 2003 als Kinderkrankenschwester zum St.Joseph-Krankenhaus in Berlin, wo sie unter anderem die Babyklappe betreute. Seit kurzem arbeitet sie als Seelsorgerin in den Krankenhäusern Sankt Elisabeth und Sankt Barbara in Halle.

>>> Babyklappen in Deutschland >>> www.babyklappe.info/alle_babyklappen/index.html

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Sir Paul McCartney Foto rechts an der Geburtsgrotte von Jesus Christus in Betlehem links

   Beatle Sir Paul McCartney nannte seine Reise zum ersten Konzert in Israel “Frieden für Israel und die Palästinenser”. Nach der “Freundschafts-Tournee” besuchte Sir Paul auch die Geburtskirche auf der Westbank. An dem Ort, wo Jesus Christus geboren wurde, entzündete er eine Opferkerze. CT0810

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Für Benedikt XVI. sind Wissenschaft und Religion keine Gegensätze
Foto: Der Papst begrüßt den britischen Physiker Steven Hawking im Vatikan

   Der große Denker der katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI., empfängt und segnet den größten Physiker und Kosmologen unserer Zeit, den Briten Stephen Hawking. So unterschiedlich ihre Ansichten über die Entstehung oder das Sein unserer Welt sein mögen,  so ähnlich sind sich die beiden Männer im Bemühen, Antworten zu finden. Sei es, in der Wissenschaft - oder eben im Glauben.
   Hawking leidet an der ALS-Krankheit, die zwar das Nervensystem seines ganzen Körpers befallen hat, nicht aber sein Hirn. Er lebt quasi gefangen in seinem eigenen Kosmos, kann nur noch mit den Augen und mithilfe eines Infrarot-Gerätes kommunizieren. Trotzdem ist er für Benedikt ein wichtiger Teilnehmer des Kongresses der päpstlichen Wissenschaftsakademie über „Wissenschaftliche Einblicke in die Evolution des Universums und des Lebens”, die im Vatikan nach Angaben des Akademiepräsidenten Nicola Cabibbo wissenschaftliche Beiträge sammelt, „die die Evolutionstheorie bestätigen oder widerlegen”.
   Schon 1981 hatte Hawking auf einer Kosmologietagung des Vatikans seine Sicht des Weltalls erläutert, so, wie er sie später auch in seinem Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit” niedergeschrieben hat - und sein Publikum damals damit begeisterte: „Wenn das Universum einen Anfang hatte, können wir von der Annahme ausgehen, dass es durch einen Schöpfer geschaffen worden sei. Doch wenn das Universum wirklich völlig in sich selbst abgeschlossen ist, wenn es wirklich keine Grenze und keinen Rand hat, dann hätte es auch weder einen Anfang noch ein Ende; es würde einfach sein. Wo wäre dann noch Raum für einen Schöpfer?”
   Für Papst Benedikt steht die Schöpfungslehre aber nicht im Widerspruch zur empirischen Wissenschaft. „Die Feststellung, dass die Schaffung des Kosmos und seine Entwicklungen letztlich vorausschauende Weisheit des Schöpfers sind, bedeutet nicht, dass die Schöpfung nur mit dem Anfang der Geschichte der Welt und des Lebens zu tun hat”, sagte er. Das bedeute vielmehr, dass der Schöpfer diese Entwicklungen ständig weiter unterstütze. „Wissenschaftliche Wahrheit ist selbst Teil der göttlichen Wahrheit und kann so der Philosophie und Theologie zu einem besseren Verständnis der menschlichen Person und der göttlichen Offenbarung über den Menschen helfen”, fügte er hinzu.
   Für Atheisten mögen das schwer verdauliche Sätze sein. Sind aber Relativitätstheorie, Schwarze Löcher oder die Stringtheorie von Hawking, die alle die Welt erklären wollen, für normalsterbliche Geister leichter zugänglich? Das Wichtigste an dem Treffen in Rom bleibt der unvoreingenommene Dialog von Wissenschaft und Religion. Und dass man sich dabei versteht - selbst ohne Worte, wie Hawking und der Papst.
HAEgbertNießler081101

GLWahlkampfHamasRamallah Naher Osten: Ein heikler Übertritt zum Christentum

   Der Sohn eines Führers der radikal-islamischen Bewegung Hamas ist zum christlichen Glauben übergetreten. Das berichtet die israelische Zeitung Haaretz. Nach ihren Angaben handelt es sich um Massab Joussef, Sohn von Scheich Hassan Joussef. Nach eigenen Worten sei sich der Neubekehrte, der sich im US-Bundesstaat Kalifornien aufhält, darüber im Klaren,  dass sein Leben gefährdet ist und dass sein Religionswechsel dafür verantwortlich sei, wenn er seinen Vater verliere. Er hoffe, dass „Gott ihm und meiner Familie Geduld und die Bereitschaft gibt, ihre Augen für Jesus und den christlichen Glauben zu öffnen”. Vielleicht werde er eines Tages in der Lage sein, nach Palästina zurückzukehren – „mit Jesus im Königreich Gottes”. Das biblische Gebot „Liebe deine Feinde” sei der Satz gewesen, „der mich gleich beim ersten Kontakt zum christlichen Glauben faszinierte”, beschreibt der Palästinenser seinen Weg vom Islam zum Christentum. Dieses Gebot habe im Widerspruch zu allem gestanden, mit dem er bislang aufgewachsen war. Sein Weg zum Glauben an Jesus habe in Jerusalem mit einem Vortrag zum besseren Verständnis der Religionen begonnen. Christliche Freunde habe er allerdings schon immer gehabt. Seit seiner Bekehrung nennt er sich „Josef”. In dem Zeitungsgespräch warnte der Palästinenser die Juden, dass sie niemals Frieden mit Hamas erlangen würden. Er betont seinen Respekt vor dem Staat Israel: „Ich achte Israel sehr und bin gegen Angriffe auf Zivilisten oder deren Ausnutzung im Kampf”, zitiert ihn die israelische Zeitung. „Ihr Juden, macht euch bewusst, ihr werdet nie, aber auch nie Frieden mit der Hamas haben. Der Islam, und die Ideologie, die sie führt, wird ihr nicht erlauben, ein Friedensabkommen mit den Juden zu schließen.”RVide080803sk

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Bestseller-Autor GP Taylor will katholisch werden

   Der Kinderbuch-Autor, Preisträger und anglikanische Pfarrer GP Taylor, verheiratet und Vater von drei Kindern, spricht offen darüber, dass er mit einem katholischen Geistlichen im Kontakt steht mit dem Ziel, die Priesterweihe zu empfangen. Pfarrer Taylor sagt: „Seit ich meine Entscheidung, die anglikanische Gemeinschaft zu verlassen, öffentlich gemacht habe, habe ich viel Zustimmung von Anglikanern erfahren. Aber es gab auch verletzende Angriffe. Menschen, die sich für liberal halten, sind nur so lange liberal, wenn du ihrer Meinung bist. So bald du eine andere Sicht der Dinge hast, geht ihre Liberalität und Toleranz aus dem Fenster.“
   Der Schriftsteller wird wegen seiner Romanserie
Foto oben „Shadowmancer“ auch der „christliche Harry Potter“ genannt. Jetzt nennt er die anglikanische Gemeinschaft ein „sinkendes Schiff“ und sagt den Übertritt tausender Anglikaner zur katholischen Kirche voraus, weil die anglikanische Weltgemeinschaft zu den Themen „Abtreibung, Ehe, Sexualität und auch von Jesus“ nichts zu sagen habe. „Ich bin auf einem abschüssigen Weg,  die Anglikaner zu verlassen, aber ich bin ordiniert, und so schnell geht das nicht – das ist ein Prozess. Aber das kann ich sagen: sobald die erste Bischöfin ordiniert wird,  verlasse ich die anglikanische Gemeinschaft – nicht weil ich sexistisch bin, sondern weil dieses schriftwidrig ist.“
   Dann erzählt der Autor von seiner kürzlich erkrankten Tochter, die im Krankenhaus lag und dort von einem katholischen Priester besucht wurde, der ihr die Krankensalbung spendete. Sie hatte ihn nicht gerufen. Er kam einfach zu ihr. Das spricht Bände!“
CT091122AloysiusRocastle Lesen Sie mehr über Anglikaner  >>>  Anglikaner II

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Fotos oben: Schwestern und Convent der Society of All Saints’-Sisters of the Poor in Baltimore USA

   Eine anglikanische Schwesterngemeinschaft aus dem Nordosten der USA hat sich entschieden, der katholischen Kirche beizutreten. Der Erzbischof von Baltimore, Edwin F. O’Brien, spendete zehn Schwestern der „Society of All Saints’ Sisters of the Poor“ das Sakrament der Firmung. Im Rahmen der Feier erneuerten die Schwestern auch ihre Ordensgelübde. Zwei Angehörige der Gemeinschaft wollten nicht konvertieren, wohnen jedoch weiterhin mit ihren Mitschwestern zusammen. Nach Zeitungsangaben hatten die Schwestern während Jahren die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils studiert. Einem Beitritt zur katholischen Kirche stehen wenig Hindernisse theologischer Art entgegen, finden sie; allerdings hätten einige von ihnen anfänglich Mühe mit dem Konzept der päpstlichen Unfehlbarkeit gehabt. Auch der Priester, der die Gemeinschaft betreut, will katholisch werden.
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Ruth Kelly, Verkehrsministerin, GB    polGBRuthKelly-x

  Ruth Kelly (40), britische Verkehrsministerin, hat auf dem Parteitag der Labour Party in Manchester angekündigt, das Kabinett bei der nächsten Kabinettsumbildung verlassen zu wollen. Als Grund gab die Mutter von vier Kindern an, mehr Zeit für ihre Familie haben zu wollen. Brown wies Gerüchte zurück, die den angekündigten Rückzug als Zeichen der Ablehnung seiner Regierungsarbeit werteten. Es ist aber bekannt, dass es zwischen dem Premierminister und ihr fundamentale Differenzen in den gesetzlichen Regelungen der Embryonenforschung gibt. Die überzeugte katholische Ministerin war im Mai der zweiten Lesung eines diesbezüglichen Gesetzes im Londoner Unterhaus ferngeblieben, weil sie es ablehnt, die Herstellung von Tierzellmembranen mit menschlichem Erbgut zu ermöglichen.

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„Traditionelle Anglikaner” wollen die Einheit
   Eine Gemeinschaft namens „Traditionelle Anglikaner”, kurz TAC, bittet den Vatikan um die Erlaubnis
zum Übertritt in die katholische Kirche. Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, versichert der von der anglikanischen Kirche abgespaltenen Gruppe in einem Brief, der Vatikan denke „ernsthaft“ über die Anfrage, die vom Oktober letzten Jahres stammt, nach. Das Schreiben, das auf den 5. Juli datiert ist, wurde auf der TAC-Internetseite Foto oben veröffentlicht. In dem Brief erinnert Kardinal Levada aber auch an die „allgemeine Lage der anglikanischen Gemeinschaft”, die in jüngster Zeit „komplexer geworden” sei. Der Dialog zwischen der TAC und dem Vatikan war zu Beginn der neunziger Jahre in Gang gekommen. Die Gruppe hatte sich im Widerstand gegen die Priesterweihe von Frauen und Homosexuellen in der anglikanischen Kirche gebildet; ihr gehören derzeit etwa 400.000 Menschen an. apicRV080730sk  LesenSie weiter: > Anglikaner

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Eine Buchvorstellung mit Fürstin Alessandra Borghese und Gloria von Thurn und Taxis.
Interview mit Fr. Paul Bonnici: Die Fürstin entdeckt wie schön ein Leben mit Jesus ist

   Alessandra Borghese Foto oben links sieht Gott und die Kirche mit neuen Augen. Wie der Name schon sagt, findet sich in ihrer Ahnentafel der Papst Alexander VI., der den Bau der St. Petersbasilika in Rom vollendete, auch ein Heiliger ist darunter, und ein Kardinal, der die größte Kunstsammlung Europas – die Vatikanischen Museen – begründete.
   Die Verleihung des Titels, den Fürstin Alessandra Borghese trägt, liegt schon Jahrhunderte zurück. Diese Zeit der weltlichen Herrschaft des Papstes ist mit dem Einmarsch der italienischen Truppen im Rom im Jahre 1870 vergangen.
   In ihrem neuen Buch
Con Occhi Nuovi
(Mit neuen Augen), das in Rom veröffentlicht und zugleich in mehrere Sprachen übersetzt wurde, schreibt Fürstin Alessandra Borghese über ihre neue Liebe. Das ist keine neue Seifenoper. Sie schreibt sehr nüchtern, klar und ehrlich: „Ich bin verliebt in Gott!“
   Fr. Paul Bonnici traf sie am Ufer des Tiber zu einem Interview. „Unsere katholische Religion”, sagt sie, „ist eine Begegnung mit Gott. Es mag überzogen klingen, solches zu sagen, aber es ist wahr. In unserer Religion erleben wir den menschenfreundlichen Gott als wahren Gott und wahren Menschen. Wenn sich das in dir ereignet, kannst du es nicht für dich selbst behalten, du musst es weitersagen. Es ist so, wie wenn du eine wunderschöne Reise in ein liebenswertes Land gemacht hast, dann möchtest du es deinen Eltern, deinen Freunden und Bekannten erzählen.
   Aber Gott zu begegnen und Gott zu erkennen ist weit mehr als eine kurzer Trip. Es ist eine Reise, der Grund des Lebens. Da ich denke, dass ich etwas Talent habe und zu schreiben verstehe, habe ich dieses Buch geschrieben, um anderen diese Reise und diese Begegnung mitzuteilen.”
   „Mit neuen Augen”, schreibt die Fürstin die Geschichte ihrer Umkehr. Das ist eine alte katholische Heimkehr, die den Lebensstil verändert. Das Herz drängt zur Beichte zu gehen, die heilige Messe täglich zu besuchen, und die Lehre der Kirche besser kennen zu lernen. „Für viele Jahre lebte ich in der Gesellschaft angepasst, Gott spielte keine große Rolle in meinem Leben, weil ich dachte, ich könnte alles allein schaffen. Ich war jung, sah gut aus, hatte Geld und einen interessanten Namen. Wozu brauchte ich Gott? Alles, was ich wollte, konnte ich tun. So legte ich Gott in eine Schublade, holte ihn hervor, wenn ich in Not war, und sehr selten, um Danke zu sagen. Es war eine sehr distanzierte Beziehung. Ich glaubte an Gott, aber er war sehr, sehr weit weg, und ich wollte mich auch nicht auf ihn einlassen. Darum erschien mir auch die Kirche als alt, kompliziert, rückwärtsgewandt und wie ein Widerspruch zur heutigen Freiheit. Dann änderte ich meine Meinung. Ich denke, wer seine Meinung ändert, zeigt, dass er intelligent und nicht festgefahren ist. Ich änderte mich, denn ich berührte die Liebe Gottes. Meine Beziehung zu Gott änderte sich total. Zu Beginn hätte ich gesagt: ich glaube an Gott. Seit sieben oder acht Jahren, seit ich zur Kirche gehe, auch zur Beichte, kann ich sagen: ich vertraue auf Gott und ich weiß dass er mich liebt und dass er immer für mich da ist.”
   Alessandra besuchte das berühmte Sacré-Coeur-Gymnasium an der Spanischen Treppe in Rom. Sie gibt zu: „selbst in der Zeit, als ich mich weit vom Glauben entfernte, besonders in den schlimmsten Jahren, habe ich „vielleicht nur durch die Erziehung einer Kindergärtnerin und das Bemühen meiner Lehrer immer – wenn auch noch so armselig - gebetet. Immer habe ich den Samen des Glaubens am Leben erhalten, einen Glauben an die Existenz Gottes, gewiss nicht lebendig, auch fühlte ich mich Gott nicht nahe, aber ich habe niemals aufgehört, irgendwie zu glauben. Vielleicht hat sich das, was ich gelernt hatte, tief in meinem Unterbewusstsein gespeichert. Nun habe ich den christkatholischen Glauben in seiner ganzen Fülle wiederentdeckt, der nie ganz ausgelöscht war, aber erdrückt und erwürgt in einem Winkel meines Herzens lag.”
   Bei einem Abendessen mit ihrer Freundin, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis
Foto oben begegnete sie dem attraktiven, jungen deutschen Monsignore Michael Schmitz, der von Kardinal Ratzinger die Priesterweihe erhalten hatte. Sie sprach mit dem Priester über die Beichte, und wie sehr sie den Kardinal bewundere und wie gern sie an seinen Messen teilnahm und seinen Worten zuhörte, schon bevor er zum Papst gewählt wurde. Die Prinzessin zeigt sich tief beeindruckt von seiner Einfachheit und seinem heiligmäßigen Leben.
   Alessandra Borghese ist eine Römerin, alles, was sie sagt und tut, macht sie mit Leidenschaft, das gehört zu Rom. Und sie erzählt ganz offen, wie sie Christus nachfolgt. Sie sagt: „Heute kommt uns die Kirche vor wie ein Handbuch mit komplizierten Regeln, sehr schwierig und nervend, und die Freiheit einengt. Man darf dies nicht tun. Man darf das nicht tun. Ich sehe, dass es manchmal schwierig ist, Jesus Christus zu folgen. Es ist viel leichter, ihm nicht zu folgen. Ich behaupte nicht, dass uns die Nachfolge Jesu Erfolg bringt, oder uns der rote Teppich ausgerollt wird. Aber wir werden klar wissen, wohin wir gehen. Jeder Mensch sollte wissen, wohin er geht, und was der Sinn dieses Lebens ist. Ich habe erfahren, dass mir die Kirche und die Sakramente helfen können, und ohne sie könnte es oft schwierig werden.”
  Fr. Paul Bonnici fragt: „Was würden Sie den Menschen sagen, denen es schwer wird, zu beichten?” Sie ant- wortet, sie wisse wohl, wie mühsam das ist, und erzählt dann die Geschichte eines englischen Lord, mit dem sie befreundet sei, und der von der anglikanischen Gemeinschaft zur katholischen Kirche konvertiert ist: „Ich fragte ihn, was für ihn das Schönste gewesen sei, als er katholisch wurde. Er antwortete: Die Beichte. Als ich ihn fragte, warum?, sagte er: ‚Das war wunderschön. Ich spürte, dass ich geliebt und nicht verurteilt wurde.’ Menschen, die zu Psychologen gehen, lassen sich analysieren. Beichte ist keine Analyse. Man geht nicht zu einem Priester zur Analyse. Du gehst zu einem Priester und sagst: ‚Gott möge mir verzeihen. Ich habe wieder gesündigt. Ich war schwach. Ich habe Gott beleidigt. Bitte, gib mir deine Hand, hilf mir!”
   Und dann frage ich sie: „Und was ist der Unterschied, wie sehen Sie die Kirche heute?” „Ich sehe die Kirche heute aus der Sicht einer römischen Frau. Die Kirche lebt. Sie ist gut aufgestellt. Die Kirche ist jung. Ich bin der Kirche begegnet. Kirche - das sind nicht nur Bischöfe und Priester. Kirche – das ist Gottes Volk. Wir sind wohl nicht in der Mehrheit, aber die Qualität ist hervorragend”, antwortet die Fürstin.
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Foto links: Chinesische Flagge auf dem Petersplatz, Foto rechts: Bischof Jin, Schanghai

   Der Bischof von Shanghai Aloysius Jin Luxian ruft seine Diözese auf, die Verkündigung des Evangeliums zu verstärken im Hinblick auf das 400-jährige Jubiläum der Gründung der Kirche von Schanghai. In seinem Hirtenwort erwartet er von den Gläubigen eine Geisteserneuerung als Antwort auf das Schreiben von Papst Benedikt XVI. an die Kirche in China und die darin enthaltene Bitte, am 24. Mai die Jungfrau von Scheschan um Fürbitte anzurufen. An diesem Tag bittet der Papst die weltweite Christenheit ihre Gebete zu Maria zu erheben. An diesem größten Wallfahrtsort Chinas wird Maria als “Hilfe der Christen” verehrt. Bischof Jin, 94, erinnert in seinem Brief an die Gründung der Kirche von Schanghai im Jahre 1608 und bittet, “die Missionare nicht zu vergessen”, darunter Jesuiten aus Italien wie Matteo Ricci und Julius Aleni und aus Deutschland Pater Adam Schall, der sich große Verdienste in der chinesischen Kunst und Wissenschaft erworben hatte. CT080113
Mehr über die Kirche von
China II und den Papstbrief im Wortlaut

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Paul Kirchhof: Der katholische Glaube wird gerade in der heutigen Zeit wieder attraktiv.
Das glaubt der frühere Verfassungsrichter Professor Paul Kirchhof

   Im Gespräch mit Radio Vatikan meinte der Heidelberger Professor: „Ich glaube, gerade in unserer Gegenwart, in der die Kulturen aufeinanderprallen, in der wir das Problem eines weltweiten Terrorismus haben, in der die Weltoffenheit der Märkte die unterschiedliche Verteilung der Güter bewusst macht, zeigt sich dieser Glaube als die Antwort auf unsere Zukunft. Der Grundgedanke - dass jeder Mensch die gleiche Würde hat – kommt aus Griechenland und aus dem Judentum; er hat aber im Christentum seine wesentliche Ausprägung erfahren. Der Mensch ist Ebenbild Gottes, Gott ist Mensch geworden. Das ist ein nahezu revolutionärer Gedanke. Das heißt: Jeder Mensch kann diesem Gott eine Heimat geben! Das ist ja ein radikaler Gleichheits- und Freiheitssatz, wie es ihn in der Rechtsgeschichte als solchen noch nie gegeben hat. Und er ist gegenwärtig, wo wir in der Offenheit der Welt die Verschiedenheit der Menschen, aber auch der Völker, der Gruppen, der Kulturen empfinden, aktueller denn je.” rv080325sk

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Benediktinerinnenkloster in Indonesien eröffnet

   In Indonesien ist das erste Benediktinerinnenkloster des Landes gegründet worden. Wie der Pressedienst misna meldete, nahm der Konvent seinen Sitz in Kupang auf Westtimor. Den Angaben zufolge stammen fünf der Benediktinerinnen aus Indonesien selbst; einige Schwestern kämen aus der mittelitalienischen Stadt Orte. Kupang ist Zentrum eines Erzbistums mit 125.000 Katholiken. Der Anteil der katholischen Christen an den 220 Millionen Einwohnern des süd-ostasiatischen Inselstaates liegt bei drei Prozent. Indonesien ist der bevölkerungsreichste muslimisch geprägte Staat der Welt. DTkna070519

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Papstaudienz für Peter Maffay

   Deutschrocker Peter Maffay (57) hat für seine internationalen Kinderhilfsprojekte Unterstützung von Papst Benedikt XVI. erhalten. Bei einer Audienz in Rom segnete der Pontifex den Musiker und würdigte dessen humanitäres Engagement. „Für mich war das eine völlig neue Erfahrung. Ihn als geistige Stütze zu wissen, ist eine schöne Motivation für uns alle weiterzumachen”, erklärte Maffay nach dem Besuch. Im Gegenzug über- reichte er dem Papst das Album „Begegnungen - Eine Allianz für Rinder”, an dem 14 Musiker aus 13 Ländern mitgewirkt haben. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der CD und aus Konzerten unterstützt Maffay internationale Wohltätigkeitsprojekte. Schirmherrin der Aktion ist Bundeskanzlerin Angela Merkel.
   Im Internet ist auch eine Seite zum Projekt Maffays aufrufbar:
www.maffay.de/begegnungen. In Korea und der Ukraine, in Schweden und Südafrica, in Indien, Afghanistan und vielen anderen Ländern traf sich Maffay mit anderen Musikern. Er bat Politiker, sich mehr für Kinder zu engagieren.

An Gott denken:  bu-SeewaldGrüßGott-x  Peter Seewald  beschreibt seinen Weg zur Kirche

  Auf die Frage, wie viele Wege es zu Gott gibt, antwortete Kardinal Joseph Ratzinger in seinem BuchInterview „Salz der Erde”: „So viele, wie es Menschen gibt. Denn auch innerhalb des gleichen Glaubens ist der Weg eines jeden Menschen ein ganz persönlicher. Der Journalist Peter Seewald ist ein Jahr später selbst wieder in die Kirche eingetreten und hat nun seinen Weg zum Glauben beschrieben in dem Buch „Grüß Gott. Als ich begann, wieder an Gott zu denken.”
Von der Botschaft fasziniert
   In der Nähe von Passau wächst Seewald in einer katholischen Familie auf und ist ein eifriger Ministrant. Zeitweise denkt er sogar daran, Priester zu werden. 1968 gerät Seewald als Vierzehnjähriger in den Sog der linken Szene. Immer mehr lässt er sich von deren Gedankengut anstecken. Vom Maoismus begeistert, zieht er in eine Wohngemeinschaft, verteilt Flugblätter und will als Streetworker arbeiten. In diese Zeit fällt auch sein Kirchenaustritt, da er Religion nur noch als „Opium fürs Volk” ansieht. 1976 gründet er in Passau eine linksradikale Wochenzeitung, die allerdings nach zwei Jahren wieder eingeht. 1981 beginnt Seewald als Journalist beim Spiegel und wechselt sechs Jahre später zum Stern. Als er 1989 erfährt, dass die „Süddeutsche Zeitung” ein Magazin aufbauen will, bietet er sich als freier Mitarbeiter an und schlägt das Thema „Beten” vor, das sofort auf große Begeisterung stößt. Durch seine Kirchenferne meint er, neutral und objektiv über religiöse Fragen berichten zu können. Doch je mehr er sich hiermit beschäftigt, um so mehr kommt in seinem Inneren ein Prozess in Gang, der nicht mehr zu stoppen ist. Er erhält schließlich den Auftrag, ein groß angelegtes Interview mit dem Präfekten der katholischen Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, zu führen.
   Zu diesem Zeitpunkt hat er schon längst begonnen, wieder an Gott zu denken und zu beten. Wann er genau begann, wieder an Gott zu denken, kann er gar nicht so genau sagen. Viele kleine Begebenheiten brachten ihn zum Nachdenken. Jetzt setzt er sich mit den Gedanken Ratzingers intensiv auseinander und ist beeindruckt von der Stimmigkeit des Welt- und Gottesbildes Ratzingers. Den Kardinal selbst erlebt er als einen Menschen, der „sich aus dem Glauben an Christus heraus um Wahrhaftigkeit bemüht.” Die Begegnung mit Kardinal Ratzinger gibt Seewald den letzten Anstoß für seinen Wiedereintritt in die katholische Kirche. „Wer versucht, bloßer Beschauer zu sein, erfährt nicht”, hat der Kardinal gesagt, mit dem Seewald nach dem Interview „Salz der Erde” (1996) auch das Interview „Gott und die Welt” (2000) veröffentlichte.
   Zweierlei wird bei der Lektüre von Seewalds Glaubensbuch spürbar: Er ist immer noch ein Revolutionär, aber er ist auch ein ehrlicher Sucher nach der Wahrheit. „Mit keinem Thema kann man so provozieren, wie wenn man sich auf die Seite der so verachteten Kirche stellt.” Doch es geht ihm nicht um Provokation, sondern um den Glauben, der für ihn so etwas ist wie „der Blick nach vorne zurück”. Diesen Glauben möchte er auch seinen beiden Söhnen mitgeben, die bis dahin gänzlich ohne religiöse Erziehung aufwachsen.
   Peter Seewald ist fasziniert von der Botschaft des Evangeliums, aber auch von den christlichen Traditionen und den Dogmen der Kirche. „Nur Esel haben keine Dogmen”, zitiert er Gilbert Keith Chesterton. Gerade die Gesellschaftskritik der Kirche ist es, die ihn fasziniert. Im Gegensatz zum revolutionären „Macht kaputt, was euch kaputt macht” wird hier konstruktiv kritisiert. Eine verbürgerlichte, angebiederte Kirche war es, die ihn damals zum Kirchenaustritt bewog; und auch heute noch ist ihm in dieser Kirche jede Anbiederung an den Zeitgeist zuwider. Bei der Lektüre von Seewalds Buch wird deutlich, dass eine modernistische Theologie ehrliche Glaubenssucher eher abschreckt als anzieht. „Ihr Verdienst war es, Christus nicht im Himmel, sondern in der Grabkammer zu entdecken. Ich hatte genug davon.” Seewald freut sich über die kirchlichen Riten und die alten Lieder, die immer noch im Gottesdienst gesungen werden. „Die Kirche bräuchte meinetwegen nichts anderes als die Werke der Barmherzigkeit und ihre göttliche Liturgie.” Bezüglich der Liberalisierung in der Kirche klagt Seewald: „Die Kirche vermag es längst nicht mehr, jemandem Lasten aufzuerlegen, wie wir ihr das vorgehalten hatten. Ihr Reden ist wie ein Reden unter Wasser geworden, stumm.”
Ein ehrliches Buch
   Auch die traditionelle Spiritualität sei heute weitgehend vergessen. „Die Kirche selbst ist daran nicht schuldlos. Übungen, die über Jahrhunderte den Menschen geholfen hatten, sich selbst zu finden, wurden einer ver- staubten Frömmigkeit zugeschrieben und abgelegt. Prächtiges Mobiliar und Gemälde des Ewigen flogen in hohem Bogen aus den Gotteshäusern, wie wertloses Gerümpel. Die Heiligen musterte man aus, und die Schar der Engel schien es schließlich von selbst vorzuziehen, aus der Kirche auszutreten – um eines Tages in den Zirkeln des New Age wieder aufzutauchen, plötzlich ganz en vogue.”
   „Grüß Gott“ ist ein ehrliches Buch. Peter Seewald spricht in einer erfrischend unkonventionellen Sprache über den katholischen Glauben. Er vermeidet abgedroschene und leere Phrasen, die er leider bei Pfarrern und Theologen so oft feststellen muss. Seewald ist auch so ehrlich, seine eigenen Glaubensschwierigkeiten zu erwähnen. Denn den Glauben wahrhaft zu verstehen ist ein langer Weg. Peter Seewald hat die ersten Schritte zurückgelegt.
   Ein immer größeres Desinteresse an Glaubensüberzeugungen wird spürbar. Mit diesem Buch hat Peter Seewald ein persönliches Glaubenszeugnis vorgelegt, das hoffentlich viele anregt, sich selbst auf den Weg zu machen.   GeorgAloisOblingerT030503
Peter Seewald: Grüß Gott. Als ich wieder begann an Gott zu denken. Verlag: Dva, 4. Aufl. 2003.
Ausstattung/Bilder: 157 S. 19,90 Euro   ISBN-13: 9783421056771,   ISBN-10: 3421056773 

 Nächstenliebe. In der Innenstadt von Hamburg ist sie der Anlaufpunkt für Menschen in Not:
Die “Mutter Teresa” vom Gerhart-Hauptmann-Platz - Liebfrauenschwester Petra Schulte.

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Mit ihrem Volkswagen steht Ordensschwester Petra regelmäßig vor Karstadt und hilft Obdachlosen und anderen Bedürftigen. Die gute Seele vom Gerhart-Hauptmann-Platz feierte jetzt ihren 70. Geburtstag

Schwester Petra verteilt Brötchen, Kaffee und Tee, Jacken, Pullover und Schlafsäcke an Obdachlose.
   Eisig braust der Wind durch die Hamburger Innenstadt. In der Mönckebergstraße müssen sich die Passanten hüten, nicht zu straucheln. Frostige Zeiten ganz besonders für Obdachlose und andere Bedürftige. Welch Segen, dass es Schwester Petra gibt. Unerschütterlich steht sie ihre Frau - stabil, das gesamte Jahr über. Grundsätzlich an der gleichen Stelle, am Gerhart-Hauptmann-Platz vor Karstadt. Seit 1998 gilt ihr weißer VW Caddy dort als Bastion der Nächstenliebe, als Anlaufpunkt für Menschen in Not. Zweimal täglich verteilt die 70 Jahre alte Ordensschwester heiße Getränke, selbst geschmierte Brote, warme Kleidung und manches aufmunternde Wort an jene, die es bitter nötig haben.
So wie Helmut. Der Frührentner verbringt die Nächte derzeit in einem Wohnheim in der Nähe des Hauptbahnhofs. Der Fußweg zu Schwester Petra zählt seit Jahren zu den Konstanten in seinem Leben. Beide kennen sich (auch mit Namen) und klönen vertraut. Mit einem Pappbecher Kaffee, einem belegten Rundstück und einem Stück Kuchen zieht der Mann von dannen. „Ohne Schwester Petra wäre das Leben ärmer", sagt er. „Gott sei Dank, dass es diese Einrichtung der mobilen Hilfe gibt." Die paar Minuten am Heck des Mini-Lieferwagens haben ihm ein bisschen Wärme gebracht. So und so.
  Derweil hat sich Schwester Petra, von den umliegenden Geschäftsleuten auch „Hamburgs Mutter Teresa" genannt, anderen zugewandt. In diesen Wintertagen stehen morgens zwischen zehn und elf Uhr meist 25 Personen am helfenden Mobil; nachmittags sind es etwas weniger. Viele sind Stammkunden und kennen sich untereinander. Neulingen hilft die rüstige Ordensschwester nicht nur mit Jacken, Pullovern, Schlafsäcken, Schals und Socken, sondern auch mit handfesten Tipps. Wo sind Sozialarbeiter oder Seelsorger zu finden? Was bringt das Winternotprogramm? Wo gibt es die schnelle Unterkunft?
   „Manchmal sind ein liebes Wort und ein offenes Ohr ebenso wichtig wie Tee oder Brötchen", sagt Schwester Petra Schulte während einer kurzen Verschnaufpause. Sie selbst sei so kuschelig gekleidet, dass sie der Frost nicht störe. Mehr schon die Gleichgültigkeit, mit der mancher Passant auf das Schicksal der Notleidenden reagiere. Dennoch überwiegen Verständnis und Anteilnahme bei weitem. Zuspruch, Komplimente, aber auch Zuschüsse in die Spendenbüchse gehören dazu. Eine Bekleidungsfirma stiftete einen Satz Handschuhe, und jüngst übergab ein Mann spontan seine Pelzjacke.
  Wie gut, dass die Caritas ihrem Namen alle Ehre macht und Schwester Petras anpackenden Dienst ermöglicht. Das speziell ausgerüstete Auto wurde 1997 vom Erlös eines Benefizkonzerts im Michel gekauft, das 22.000 Euro einbrachte. Wenige Monate später ging's los. Seitdem startet die gebürtige Meppenerin aus dem Liebfrauenorden in Beim bei Osnabrück werktäglich um 6.30 Uhr mit ihrem Projekt, welches zur Herzenssache wurde. Nach dem Gebet in ihrer Wohnung im Generalvikariat des Erzbistums Hamburg auf St. Georg werden Dutzende Brötchen geschmiert, 15 Liter Kaffee gebrüht und vier Liter Wasser für Tee aufgesetzt. Zeitgleich liefern Zivildienstleistende von der Bahnhofsmission Kuchenspenden an. Um 9.30 Uhr setzt sich die Ordensschwester in ihren Volkswagen und braust Richtung Einsatzort.
    Dass Helmut, Dieter und andere Stammkunden diesmal mit Blumen kamen, hat guten Grund: Schwester Petra feierte ihren 70. Geburtstag. Mit Gottesdienst und Dank des Weihbischofs. Zeit zum Aufhören? „Eine Ordensschwester geht nie in Rente", entgegnet sie. „Solange mir der Herrgott die Kräfte gibt, bleibe ich hier stehen."
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So hilft die Caritas Obdachlosen
   Unter dem Motto „Not sehen und handeln" setzt sich der Caritasverband Hamburg für schwache und benachteiligte Menschen ein. Seit 1995 ist die Mobile Hilfe mit einem Kleinbus unterwegs, um eine medizinische Erstversorgung anzubieten. Hinzu kommt ein „Zahnmobil". Im ehemaligen Hafenkrankenhaus gibt es eine „Krankenstube" mit 14 Betten für Notleidende, und in der Innenstadt befindet sich ein „Stützpunkt" für Obdachlose. Die Caritas ist zusammen mit der Stadtmission und dem Kirchenkreisverband auch Träger der Bahnhofsmission. Im Rahmen des Winternotprogramms fahren Ehrenamtliche der Kirchengemeinden jeden Abend Menschen von der Bahnhofsmission zu der Notunterkunft in die Sportallee. In der Caritas-Zentrale in der Danziger Straße gibt es eine Kleiderkammer und eine Sozialberatung.
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   Die Ordensgemeinschaft der Liebfrauenschwestern hat ihr Mutterhaus in Belm bei Osnabrück. 31 Schwestern haben hier ihr “zuHause”, erhalten hier ihre Ausbildung und übernehmen dann als Frauen des gottgeweihten Lebens Aufgaben im Dienst des Evangeliums wie Schwester Petra. Es ist mehr als ein Beruf. Es ist eine Berufung zu einem sinnerfüllten Leben. > eMail:
haus.st-marien@t-online.de

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Napalm-Mädchen leidet noch immer unter den Narben

   Thi Kim Phuc, die als flüchtendes, nacktes Kind im Vietnam-Krieg auf einem der eindringlichsten Fotos der Pressegeschichte linkes Foto und kleines Bild rechts festgehalten ist, leidet noch heute unter ihren Brandverletzungen. „Meine Narben schmerzen. Vor allem, wenn das Wetter wechselt”, sagte die 43-Jährige der Neuen Osnabrücker Zeitung. Der Angriff mit US-Napalm-Bomben hatte sie am 8. Juni 1972 fast das Leben gekostet. Die Bilder des Fotografen Nick Ut von der aus ihrem Dorf flüchtenden Neunjährigen waren damals um die Welt gegangen. Heute, 42 Jahre danach, lebt Thi Kim Phuc mit ihrer Familie in Toronto (Kanada). Trotz aller Schmerzen habe sie schon vor 25 Jahren Frieden mit ihrem Schicksal geschlossen. „Schon 1982, als ich zum Christentum konvertiert bin. Ich habe wirklich gelernt, mich und meine Feinde zu lieben. Zuvor habe ich mich gehasst, mein Leben, meine Verletzungen und alle Menschen, die normal waren.” Und bestimmt auch diejenigen, die für den Angriff auf Ihr Dorf verantwortlich waren? „1996 habe ich den Offizier John Plummer, der den Angriff koordiniert hatte, getroffen. Ich war froh, ihn zu sehen. Aber wie gesagt, ich hatte gelernt zu vergeben, bevor ich ihn traf.” 1997 gründete Thi Kim Phuc ihre Stiftung, die sich für Kinder in mehreren Ländern einsetzt.  NOZ070224
www.kimfoundation.com

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Windsors heiraten im Vatikan

  Der Vatikan wurde jetzt Zeuge eines historischen Ereignisses in der Beziehung zwischen der katholischen Kirche und der britischen Monarchie, als jetzt Lord Nicholas Windsor, der Sohn des Herzogs und der Herzogin von Kent, und die in England geborene kroatische Adelige Donna Paola Doimi de Frankopan sich das JA-Wort gaben Foto rechts. Die kirchliche Hochzeit wurde in der Sankt-Stefans-Kirche in den vatikanischen Gärten hinter dem Petersdom unter der Assistenz des Bischofs Alan Hopes, Foto links Weihbischof von Westminster, vollzogen.
  Lord Windsor, dessen Taufpaten der Prince of Wales und der verstorbene Erzbischof von Canterbury, Lord Coggan, waren, ist der erste aus der königlichen Familie, der je im Vatikan getraut wurde. Es ist auch das erste Mal seit der Reformation, dass ein Mitglied der königlichen Familie frei und legal nach katholischem Ritus getraut wurde. Der eigens zusammengetretene Kronrat erklärte das nach dem Gesetz erforderliche Einverständnis der Königin für die Hochzeit.
   Lord Windsor konvertierte im Jahre 2001 zur katholischen Kirche. Dadurch verlor er automatisch sein Anrecht auf den Thron – nach dem 1701 erlassenen Act of Settlement, das katholische Christen von der Thronfolge in England ausschließt. Der in der Öffentlichkeit wenig bekannte und eher publikumsscheue Lord Nicholas, nimmt seit seinem Übertritt lebhaft am Leben der Kirche teil. Im April 2005 stand er in Rom mit Zehntausenden in der Schlange beim Tod von Papst Johannes Paul II., um Abschied zu nehmen. Der Lord und seine junge Frau, die ein Studium an der Universität in Cambridge absolvierte, besuchen sonntäglich die Heilige Messe in der Westminster- Kathedrale und auch im Brompton Oratory.
   Die Mutter des Bräutigams, die Herzogin von Kent, wurde 1994 als bekanntes Mitglied des königlichen Familie in die katholische Kirche aufgenommen. Auch die Prinzessin von Kent und die Gräfin von Sankt Andrews, eine Schwägerin von Lord Nicholas, bekennen sich zur katholischen Kirche. Der bei der Trauung assistierende Weihbischof Alan Hopes war 26 Jahre Priester in der anglikanischen Gemeinschaft und wurde vor zwanzig Jahren zum Priester der Diözese Westminster geweiht. Vor sechzehn Jahren empfing er die Bischofsweihe. Bei der Hochzeitsfeier im Vatikan war auch der Vater der Bräutigams anwesend, der Herzog von Kent und Großmeister der Vereinigten Großen Freimaurerloge von England. Während die Trauung im Vatikan im engsten Familienkreis stattfand, wird nach der Rückkehr in England ein großes Fest für die übrigen Mitglieder der königlichen Familie und nahe Freunde nachgeholt. 
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chuludDaibes-x Betlehem-Mauer

Foto links: Baut Brücken: Dr.Chulud Daibes, Fatah-Mitglied, Ministerin für Tourismus und Archäologie
Foto rechts: Grenzdurchgang nach Betlehem

   Gemeinhin erhält eine Frau im palästinensischen Kabinett das Frauenressort oder das Sozialministerium. So berief die Hamas eine ihrer Frauen an die Spitze des Sozialministeriums. Bei der Übergabe aber trat vor allen Dingen ihr Mann in Erscheinung, die Ministerin blieb in der Frauenecke. Das kann Chulud Daibes allerdings nicht passieren. Sie wurde als Fachfrau von der Fatah zur Ministerin für Tourismus und Archäologie bestellt. Die bisherige Direktorin des Betlehemer „Zentrums zur Erhaltung des Kulturerbes” ist den Umgang mit Männern gewohnt.
   Frau Daibes hat ihr Programm. Natürlich ist sie gegen gewalttätigen Widerstand, aber ihre „Arbeit ist eine Form des zivilen und friedlichen Kampfes”, Der Umgang mit dem Erbe sei auch eine Antwort auf die Besatzung und die Gefahr der Eliminierung von Geschichte und Identität. Weil die Autonomiegebiete noch keinen Staat bilden, war es bisher nicht möglich, zum Beispiel die Geburtsbasilika Betlehems zum Weltkulturerbe zu erklären. Das steht ganz oben auf ihrer Liste.
   Wenig Verständnis hat Frau Daibes für das Zögern der westlichen Welt, wenn es um die Kontaktaufnahme mit jenen Ministern geht, die im Kabinett der nationalen Einheit unabhängig sind oder zur Fatah gehören, nicht zur Hamas: Die Welt wolle, dass wir Israel und die Verträge der PLO mit Israel anerkennen, „in Mekka kam aber nur heraus, dass dieses Kabinett die bisherigen Verträge respektiert. Wie auch immer man dazu steht, Respekt hat in der palästinensischen Sprache einen hohen Wert. Man respektiert zum Beispiel seine Eltern. Respekt kann als stärker denn Anerkennung angesehen werden, wenn man das will.” Frau Daibes hat in Hannover mit einem Stipendium des DAAD (des Deutschen Akademischen AuslandsDienst) Architektur studiert und, gefördert durch den katholischen KAAD, promoviert. Deutschland wurde für die 1965 geborene Katholikin zur zweiten Heimat. Jetzt will sie eine Brücke bauen, eingedenk dessen, dass die Christen eine Minderheit von nur noch knapp zwei Prozent im Heiligen Land sind und von der säkularen Welt ziemlich vergessen. Sie ging durch das deutsch- protestantische Bildungssystem, besuchte erst die Martin-Luther-Schule in Jerusalem und dann Talitha Kumi in Beit Jala, wo jetzt die drei Kinder lernen, die sie mit ihrem Mann Suleiman Abu Dajje, der für die Friedrich- Naumann-Stiftung arbeitet, hat. Das Paar hat im palästinensischen Beit Jala wie im Ostjerusalemer Stadtteil Bet Zafa eine Wohnung. Es wird an den Israelis und ihrer Mauer liegen, ob die Ministerin sich weiterhin frei bewegen kann.
   Im Kampf um die palästinensische Identität weiß sie, dass sie gegen die Ideologen der Ausschließlichkeit ankämpfen muss. „So wie es falsch ist, dass das Grab der Erzmutter Rachel in Bethlehem als allein jüdisches Heiligtum gilt, so muss deutlich werden, dass zur palästinensischen Identität jede Schicht gehört, die die Archäologen hier ausgraben. Wir Palästinenser müssen wissen, dass unsere Identität durch alle drei Religionen geprägt ist, die hier entstanden.” Jede Woche, die wegen des Boykotts vergeht, sei verlorene Zeit, mahnt sie. „Jedes Zögern beunruhigt die Straße und stärkt jene in der Hamas, die von vornherein dagegen waren, unsere Gruppe von bürgerlichen, unabhängigen und Fatah-Politikern in die Regierung aufzunehmen."
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Vatikan: Taufe eines prominenten Muslims durch den Papst erregt Aufsehen

   Die Taufe des vom Islam zum katholischen Glauben konvertierten Publizisten Magdi Allam durch Papst Benedikt XVI. hat ein breites Medienecho in Italien ausgelöst. Zeitungen und Nachrichtensendungen meldeten ausführlich den Glaubensübertritt des Vize-Direktors der Mailänder Tageszeitung «Corriere della Sera». Der 55-jährige, der zu den prominentesten Wortführern in der Islam-Debatte des Landes zählt, wurde als Sohn einer muslimischen Familie in Kairo geboren und ist seit 1986 italienischer Staatsbürger. Er war in der Osternacht im Petersdom gemeinsam mit sechs anderen Erwachsenen durch Benedikt XVI. in die katholische Kirche aufgenommen worden.
   Der Sprecher des italienischen Islam-Verbands UCOII, Izzedin El Zir, kommentierte in der Tageszeitung «Il Giornale» die Taufe mit den Worten, Allam sei «frei, seine persönliche Entscheidung zu treffen». Wichtig sei, so El Zir, «dass jeder seine Religiosität auf friedliche Weise und in Respekt vor den anderen Religionen lebt». Auf kritische Äußerungen Allams über die UCOII angesprochen, entgegnete der Verbandsvertreter, man akzeptiere «die Kritik, nicht die Lügen».
   Allam selbst legte im «Corriere» in einem umfangreichen Beitrag die Gründe seiner Konversion dar. Den Übertritt zum Katholizismus nannte er eine «radikale und endgültige Wende» gegenüber seiner Vergangenheit sowie eine Absage an seinen früheren muslimischen Glauben. Er fühle sich befreit «von den Schatten einer Predigt, in der Hass und Intoleranz gegenüber dem ‘Anderen’, unkritisch als ‘feindlich’ Verurteilten Vorrang haben vor der Liebe und dem Respekt vor dem Nächsten», schrieb der Journalist.
   Weiter machte Allam anhaltende Drohungen islamischer Extremisten für seine Entscheidung geltend. Seit fünf Jahren lebe er unter Polizeischutz. Er habe sich gefragt, wie es sein könne, dass er als überzeugter Verfechter eines gemäßigten Islam und Kritiker eines islamischen Extremismus und Terrorismus «im Namen des Islam zu Tode verurteilt» worden sei.
   Unmittelbar vor der Osternachtsfeier am Samstagabend hatte der vatikanische Pressesaal in einer Erklärung den Namen Allams als Taufbewerber bekanntgegeben. Der Publizist wurde darin als «bekannter Journalist ägyptischer Herkunft» vorgestellt; den muslimischen Hintergrund erwähnte die Mitteilung nicht. «Für die katholische Kirche hat jede Person, die nach eingehender persönlicher Prüfung, einer freien Entscheidung und einer angemessenen Vorbereitung um den Empfang der Taufe bittet, das Recht, sie zu empfangen», erklärte der Vatikan weiter. Der Papst nehme die Taufen in der Osternacht «ohne Unterscheidung der Person» vor. rv080323
Reaktionen auf Taufe
   Dass der Papst in der Osternacht einen früheren Moslem getauft hat, führt zu Reaktionen in der islamischen Welt. Benedikt XVI. hatte im Petersdom den italienischen Journalisten Magdi Allam getauft; der Vize-Direktor der Tageszeitung „Corriere della Sera”, dessen Familie aus Ägypten stammt, ist schon seit längerem ein offener Kritiker von islamischem Fundamentalismus. „Al Quds al-arabi”, eine extreme arabische Tageszeitung, die in London verlegt wird, nimmt das Ereignis auf die Seite eins. Ihre Schlagzeile lautet: „Der Papst ruft bei Moslems Befremden hervor, weil er einen Ex-Moslem tauft, der Israel stützt und für seine Aversion gegen den Islam bekannt ist.” Die in Kairo erscheinende „Al-Masri el-jaum” behauptet, Allam sei für den italienischen Geheimdienst tätig und beleidige die Araber und Moslems immer wieder. Der Fernsehsender „al-Arabiya” nennt Magdi Allam „einen der umstrittensten Journalisten Italiens”, während auf der Internetseite der Tageszeitung „El Shark El- Ausat” die Formulierung steht, das Wasser, das Papst Benedikt auf Allams Kopf gegossen habe, sei „wie Benzin auf das Feuer des Zusammenstoßes der Zivilisationen”.
   Nun sind allerdings empörte Kommentare in der arabischen Presse nicht immer zum Nennwert zu nehmen: Ressentiments, die durch jahrhundertelange Demütigungen genährt werden, machen sich traditionell in scharfen Worten Luft. Mit dem Sturm nach der Regensburger Rede des Papstes sind diese Kommentare überhaupt nicht zu vergleichen. Hinzu kommt, dass Allam sich tatsächlich oft mit eigenwilligen Meinungen exponiert hat; so gehörte er vor fünf Jahren zu den eifrigsten Befürwortern des Irak-Kriegs. Seinen Übertritt zum Christentum schildert der Journalist als persönliche Angelegenheit, als „langen inneren Weg”. Die Reaktionen in der islamischen Gemeinschaft Italiens sind denn auch verhalten: „Eine freie Wahl, die wir respektieren”, sagt der bekannte Moslem-Vertreter Mario Scialoja.
   Derweil hat der vatikanische „Dialog-Minister” Kardinal Jean-Louis Tauran die Taufe Allams während der Osternacht verteidigt. „Die Gewissensfreiheit ist ein Grundrecht”, sagte der Präsident des Päpstlichen Dialogrates einer Tageszeitung. Zudem mache der Papst bei der Auswahl der Täuflinge während des Ostergottesdienstes keinen Unterschied. repubblica/rv080325sk

MagdiAllam-1xx  Benedikt tauft Magdi Allam

Der Journalist Magdi Allam, 55,  konvertierte in Italien vom Islam zur katholischen Kirche. Ostern wurde er von Papst Benedikt XVI. mit weiteren sechs Erwachsenen im Vatikan getauft.  Sein Weg vom Islam zur Kirche

    Magdi Allem hörte in der Osternacht in der St.Peters-Basilika die Worte des Papstes: “Eine Konversion ist nicht eine Wahl für einen Tag. Der Eintritt in die Kirche erweist sich im grundlegenden Verhalten im täglichen Leben. Konversion heißt”, erklärt Benedikt weiter, “seine Seele Jesus Christus zuzuwenden und somit zum lebendigen Gott, zum Licht. Das Herz wird zu Gott erhoben über alle schwere Gedanken, über unsere Sehnsüchte und Ängste und unsere Zerstreuung. Konversion bedeutet, sich immer und immer wieder von falschen Wegen abwenden. Immer aufs Neue müssen wir unserem Herz erlauben sich von der Schwere freizumachen, die es herunterzieht und tiefinnerlich müssen wir unser Herz emporheben zur Wahrheit und Liebe.” Nach diesen Worten taufte der Papst die sieben erwachsenen Taufbewerber im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes.
   Allam ist stellvertretender Direktor des “Corriere della Sera”, einer der ältesten und größten Tageszeitungen in Italien. Als Moslem lebt er seit fast 35 Jahren in Italien. Nach seiner Taufe sagt er: “Für mich ist dies der schönste Tag meines Lebens.” Im Corriere della Sera begründete er öffentlich den Weg zum Christentum. Als Taufnamen wählte er Christian. Das Zeugnis von katholischen Christen spielte eine bedeutende Rolle bei seiner Konversion. Schritt für Schritt hätten sie ihm die Gewissheit der Wahrheit und die Tragfähigkeit der Werte vermittelt. Unter diesen Christen nannte Allam besonders den Präsidenten der Bewegung “Gemeinschaft und Befreiung” Pater Julia Carron; den Rektor des Salesianer-Ordens Pascual Chavez Villanueva; den vatikanischen Staatssekretär Kardinal Tarcisio Bertone und den Rektor der Lateran-Universität Bischof Rino Fisichella, der ihn persönlich begleitete auf dem Weg zur Annahme des christlichen Glaubens.
   Allam erklärt: “Der entscheidende Einfluss kam von Benedikt XVI., den ich als Moslem bewunderte, weil er meisterlich die unauflösliche Verbindung zwischen Glaube und Vernunft verteidigt als Grundlage der authen- tischen Religion und der menschlichen Zivilisation. Vollkommen folge ich als Christ Benedikt und lasse mich von ihm mit neuem Licht inspirieren, damit ich die Sendung, die Gott für mich vorgesehen hat, erfüllen kann.”
  Dann spricht Allam über seine Konversion: “Ich habe mich der christlich-katholischen Religion zugewandt und widerrufe meinen früheren islamischen Glauben. Endlich also sehe ich durch göttliche Gnade das Licht – die gesunde Frucht des Reifeprozesses, lebe in Freud und Leid, und zugleich in innerlicher und gewissenhafter Reflexion. Das Geschenk des christlichen Glaubens während der Feier der Auferstehung Christi aus der Hand des Heiligen Vaters zu erhalten, ist für einen Gläubigen ein unvergleichliches und unschätzbares Privileg. Mit fast 56 Jahren ist dies ein historisches, außerordentliches und unvergessliches Ereignis, das eine radikale und endgültige Wende im Blick auf das Vergangene bezeichnet. Das Wunder der Auferstehung Christi erschüttert meine Seele, befreit sie von der Dunkelheit der Verbreitung von Hass und Intoleranz gegenüber den “anderen”, die kritiklos zu ‘Feinden’ erklärt werden und sich somit über Liebe und Respekt für den Nächsten hinwegsetzen, der immer und in jedem Fall ‘Person’ ist. Nun, da mein Verstand befreit ist vom ideologischen  Obskurantismus, der Lüge und Täuschung rechtfertigt, vor brutalem Tod, bis hin zu Mord  und Selbstmord, befreit von blinder Tyrannei, jetzt folge ich der wahren, authentischen Religion der Wahrheit, des Lebens und der Freiheit.”
   Allam sagt, dass er als Christ an seinem ersten Osterfest Jesus entdeckte, mehr noch: zum ersten Mal entdeckte er das Antlitz der wahren und einzigen Gottes, den Gott des Glaubens und der Vernunft. Dann erklärt er: “Meine Bekehrung zur katholischen Kirche ist ein langsames Hinabsteigen in eine tiefinnerliche Meditation, der ich mich nicht mehr entziehen konnte. Seit fünf Jahren bin ich zu einem Leben unter Bewachung verurteilt, zuhause dauernd unter Bewachung und unter ständigem Polizeischutz, wegen der Todesdrohungen und der Todesurteile von islamischen Extremisten und Terroristen in Italien und auch aus dem Ausland. Die Haltung derer, die öffentlich ‘Fatwas’ (juristische islamische Urteile) gegen mich erlassen, müssen mir zu denken geben. Fatwas gegen mich – ich war ein Moslem – als ‘Feind des Islam’, verleumdet als ‘koptischer Christ, der sich als Muslim ausgibt, um dem Islam Schaden zuzufügen’,als ‘Lügner und Verleumder des Islam’ begründeten mein Todesurteil. Ich fragte mich, wie ist es nur möglich, dass solche Menschen wie ich, die ernstlich und laut nach einem ‘gemäßigten Islam’ rufen, die öffentlich Verantwortung übernehmen und den islamischen Extremismus und Terrorismus anklagen, eben deswegen im Namen des Islam und auf der Grundlage des Korans zum Tode verurteilt werden. Ich musste erkennen, dass ein global operierender islamischer Extremismus und Terrorismus seine Wurzel in einem Islam findet, der real gewalttätig und historisch konfliktträchtig existiert.”
   Allam war vier Jahre alt, als seine Mutter Safeya – eine gläubige und praktizierende Muslima – ihm in ein erstes ‘zufälliges Ereignis’ führte, das wie sich zeigen wird, keineswegs Zufall war, sondern ein wesentlicher Teil der göttlichen Vorsehung. Die Mutter vertraute ihn der Fürsorge von Sr. Lavinia von den Comboni-Missionsschwestern an, überzeugt von der guten Erziehung der italienischen Ordensschwestern, die nach seiner Geburtsstadt Kairo gekommen waren, um durch ein karitatives Werk Zeugnis für den christlichen Glauben zu geben. Allam sagt: “So begann ich meine Lebenserfahrung in einer Klosterschule. Es folgte die Oberstufe und das Ordens-Gymnasium Don Bosco der Salesianer, wo mir nicht nur Wissen vermittelt wurde, sondern vor allem auch das Bewusstsein für Werte. Ich verdanke katholischen Ordensleuten die Vermittlung von wesentlichen und tiefen Werten für das Leben: die geschaffene Person als Ebenbild Gottes ist zur Mitarbeit an einem universalen und ewigen Plan gerufen, der hinführt auf die Auferstehung der Menschen in dieser Welt und der ganzen Menschheit am Tage des Gerichts. Der Grund dafür ist der Glaube an Gott und der Primat der Werte, die persönliche Verantwortung kennt und auch  Pflichten gegenüber der Gemeinschaft. Dank der christlichen Erziehung und der Teilhabe an den Lebenserfahrungen der Ordensleute wuchs in mir ein tiefer transzendentaler Glaube und auch das Suchen nach Gewissheit der Wahrheit in absoluten und universalen Werten.
   Es gab eine Zeit, als die liebende Nähe meiner Mutter und religiöser Eifer mich näher zum Islam führten. Diesen Glauben praktizierte ich auf kultureller Ebene und ich hielt das damals – es war in den 70er Jahren – für eine geistliches Leben entsprechend der Auffassung der damaligen Zeit. Im Kontext des Nasser-Regimes war dieser Glaube respektvoll zu Personen und tolerant gegenüber dem Nächsten. Damals galt das Prinzip der Trennung zwischen der religiösen und weltlichen Sphäre.”
   Allams Vater Muhammad war vollkommen weltlich gesinnt. Er stimmte mit der Meinung der Mehrheit der Ägypter überein, hielt den Westen als Modell für die bürgerliche Freiheit und Gesellschaft, sowie die moderne Kultur und Kunst. Auch der politische Totalitarismus Nassers und die kriegerische Ideologie des Panarabismus, der die physische Vernichtung Israels zum Ziel hatte, und der unglücklicherweise zum Desaster für Ägypten führte, das wiederum zur Erstarkung des Pan-Islamismus führte und zum Aufstieg islamischer Extremisten zur Macht und zur Explosion des weltweiten islamischen Terrorismus.
   Die langen Jahre nach der Schulzeit erlaubten Allam die katholische Kirche näher kennen zu lernen und erlebte Frauen und Männern näher, die in der Kirche ihr Leben Gott geweiht hatten. Schon damals las er die Bibel und die Evangelien und gibt zu, dass er “besonders fasziniert von der menschlichen und göttlichen Person des Jesus”. Er sagt: “Ich besuchte regelmäßig die Heilige Messe. Einmal ging ich zum Altar, um die heilige Kommunion zu empfangen. Es war eine Geste die meine Nähe zum Christentum zeigte und meinen sehnlichen Wunsch, Teil dieser katholischen religiösen Gemeinschaft zu werden.
   Nach meiner Ankunft in Italien – Anfang der 70-er Jahre – zwischen den Ufern der Studentenrevolte und den Schwierigkeiten der Integration, ging ich durch eine atheistische Lebensphase, den ich als Fundament absoluter und universaler Werte verstand. Niemals war mir die Gegenwart Gottes gleichgültig, gerade jetzt fühlte ich, dass der Gott der Liebe, des Glaubens und der Vernunft sich vollkommen vereint mit dem väterlichen Erbe der Werte, die in mir verwurzelt sind.”
   Aber fürchtet Allam jetzt um sein Leben, ist er sich bewusst, dass der Übertritt zum Christentum ihn erneut und noch härter mit der Todes-Fatwa bedroht, die für den Abfall vom Islam den Tod kennt. Ja, er weiß darum und sagt: “Ich kenne diese Drohung; aber ich begegne meinem Schicksal mit erhobenen Haupt und aufrechter Haltung und mit der inneren Festigkeit eines Menschen der seines Glaubens sicher ist. Und ich stehe nach der mutigen und historischen Geste des Papstes um so mehr dazu. Sobald Benedikt XVI. von meinem sehnlichen Wunsch  erfuhr,  entschied er sofort, die christlichen Sakramente der Eingliederung an mir persönlich zu vollziehen.” 
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Allam veröffentlicht Buch über Glaubensübertritt
   Der von Papst Benedikt XVI. getaufte italienische Publizist und Ex-Moslem Magdi Allam hat ein Buch über seinen Glaubensübertritt veröffentlicht. Die Autobiografie mit dem Titel „Danke Jesus. Meine Konversion vom Islam zum Katholizismus” ist in Italien im Handel. Die Taufe des aus Ägypten stammenden Allam durch den Papst in der Osternacht hatte international für Aufsehen und Diskussionen gesorgt. Allam, der zu den prominentesten Muslimen Italiens gehörte, hatte in einem Leitartikel einen Tag nach seiner Taufe dem Islam Hass und Intoleranz vorgeworfen. Der Vatikan hatte die Äußerungen des Publizisten in einer Stellungnahme als Privatmeinung bezeichnet.
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HeliandClemensBurchardt-x Heligandus

Jesus im Drachenboot. Vor 1200 Jahren brachte der „Heliand” den Heiden das Christentum nah –
jetzt hat ein Enthusiast die alte Dichtung neu herausgebracht

  Der alte Herr macht eine beinahe ehrfürchtige Handbewegung Richtung Computer. „Hier”, sagt er, „hier ist er drin.” Er meint den Heiland - den „Heliand”. Etwa 6.000 Verse stecken in dem Rechner. Eine Lebensbeschreibung Jesu, verfasst zur Zeit der Christianisierung Norddeutschlands in altsächsischen Stabreimen, jetzt neu übersetzt von Clemens Burchhardt aus Verden Foto oben.
  Monatelang ging der 83-Jährige immer wieder vor dem Bildschirm auf und ab, vor sich alte Ausgaben des Textes, auf den Lippen immer wieder fast 1200 Jahre alte Worte: „Ich wollte einen akustischen Eindruck vom Altsächsischen bekommen”, sagt der katholische Priester. „Hél uuis thu, Maria”, heißt es in der alten Dichtung   beim Ave Maria, „thu bist thínun hérron liof.” Heil sei dir, Maria, du bist deinem Herrn lieb. „Es ging mir bei der Übersetzung darum, etwas vom alten Text zu erhalten, diesen aber für die Gegenwart lesbar zu machen”, sagt Burchhardt. So gesehen hatte er im Grunde eine ganz ähnliche Aufgabe wie der Verfasser des „Heliand” um das Jahr 830.
   Dieser suchte damals die  beeindruckendsten Textstellen aus allen Evangelien zusammen, um den heidnischen Sachsen das Christentum nahezubringen. Das Ganze übersetzte er nicht nur in die Sprache der Sachsen, er passte die Erzählungen auch an deren Lebenswelt an: Jesus stammt aus „Nazaretburg”, die römischen Soldaten wirken wie sächsische Krieger. In der Weihnachtsgeschichte wachen nicht Hirten bei Schafen, sondern stolze Koppelknechte bei stolzen Pferden. Die Hochzeit zu Kanaa ist ein fideles Trinkgelage nach alter Väter Sitte, und Jesus steigt in ein Drachenboot,um über ein Gewässer zu fahren, das ebenso gut die Nordsee wie der See Genezaret sein könnte. Der „Heliand” ist ein Musterbeispiel für das, was man Inkulturation nennt.
   Der gebürtige Eichsfelder Burchhardt war in den sechziger Jahren Militärgeistlicher in Hannover, dann kam er nach Verden, wo er schließlich Propst wurde. Er ist kein Historiker, kein Philologe, kein Germanist - er ist ein Enthusiast. Ein Idealist, der seit Langem ein Faible fürs Altsächsische hat und der eine Dichtung, die ihm am Herzen liegt, wieder zur Schullektüre machen möchte. „Der Heliand ist als Kulturgut zu wertvoll, um einfach so vergessen zu werden” , sagt er.
   Die jüngste Übersetzung war mehr als 50 Jahre alt und sprachlich antiquiert. In Burchhardts Fassung wurden „grimme Unholde” zu „bösen Geistern”, die „Magen” zu „Verwandten” und die „minnigliche Magd” Maria zum „bildschönen Mädchen”.
   Der Urheber selbst blieb anonym; Historiker vermuten, die erst 1830 wiederentdeckte Dichtung könnte in Corvey entstanden sein. In seiner aufwendig gestalteten, mit Fachaufsätzen und Abbildungen garnierten Edition, die Originaltext und Übersetzung gegenüberstellt, vertritt Burchhardt eine andere These: Der Verdener Priester glaubt, ein Verdener Priester habe den „Heliand” geschrieben - Bischof Heligandus Foto oben
, der um 830 Magister an der dortigen Domschule war. Vor zwei Jahren hat Burchhardt dafür gesorgt, dass diesem in der Verdener Innenstadt ein lebensgroßes Bronzedenkmal gesetzt wurde.
   Ein Exemplar seiner „Heliand”-Ausgabe hat Burchhardt nach Rom geschickt, an einen Mann, den er vor Jahrzehnten im Goslarer Jakobushaus kennengelernt hat. Der junge bayerische Theologieprofessor hatte dort eine Fortbildung gegeben. Benedikt XVI. schickte im Gegenzug prompt ein Exemplar seiner Jesus-Biografie nach Verden. Handsigniert, „mit ganz herzlichem Dank für die große Gabe des ,Heliand’”
Clemens Burchhardt: „Heliand - die Verdener altsächsische Evangelien-Dichtung von 830 übertragen ins 21. Jahrhundert". Verlag Ernst Heibig. 312 Seiten, 29,80 Euro. HAZSimonBenne080313

Andrea Fischer    AndreaFischer-x

Jetzt hatte Andrea Fischer ein Schlüsselerlebnis. Die ehemalige Gesundheitsministerin der Grünen war zu einer Konferenz der europäischen katholischen Bischöfe nach Rom gereist. Auf dem Programm stand auch eine Audienz mit dem Papst. „Dass ich mich so darauf freuen würde, ihm zu begegnen, hätte ich nicht gedacht”, sagt Fischer.

   Hinterher war sie enttäuscht. Nicht von Papst Benedikt, sondern davon, dass sie ihn im Gedränge nicht zu Gesicht bekommen hatte.
   Die Begeisterung der Expolitikerin für die Kirche und den Papst mutet wie ein kleines Wunder an. Noch vor zehn Jahren war Fischer noch weit entfernt davon. Zwar hatte die Tochter überzeugter Katholiken die üblichen Etappen einer katholischen Jugend - Kommunion, Firmung, Jugendgruppe - durchlaufen, sich aber zunehmend von der Kirche entfremdet. „Konservativ und rückständig” empfand sie die Institution. Mit Mitte 20 zog sie die Konsequenz und trat aus. Doch der Glaube ließ sie nicht los.
   Mit 34 Jahren zog sie für die Grünen in den Bundestag ein. Bei politischen Debatten stellte sie immer wieder fest, „wie stark ich vom katholischen Wertesystem geprägt bin”. Als sie im Oktober 1987 Gesundheitsministerin wurde, schwor sie ihren Amtseid auf Gott. Später besuchte sie wieder Gottesdienste und begann mit einem Berliner Pfarrer regelmäßige Gespräche zu führen. „Ich habe gespürt, dass mir etwas fehlte, dass mir der Glaube doch noch etwas bedeutete.” Im Frühjahr 2001, kurz nach ihrem 41. Geburtstag, trat sie wieder in die Kirche ein. Da war sie gerade als Ministerin zurückgetreten.
  Andrea Fischer ist kein Einzelfall. Die katholische Kirche berichtet von stetig steigende Zahlen von Rückkehrern. Entschlossen sich im Jahr 2000 noch 8.171 Menschen, wieder Mitglied der katholischen Kirche zu werden, so waren es 16.168 im Jahre 2005. Nicht selten sind es Angehörige der 68er-Generation, die heute eine andere Perspektive auf die Fragen des Lebens haben und in die Kirche zurückkehren. Aber auch Krankheit und Alter oder Sympathie für das Leiden von Papst Johannes Paul II. haben bei vielen zu einer Wiederannäherung an die Kirche geführt. Hauptgrund für die steigende Rückkehrerzahl ist nach Ansicht von Seelsorger Lay die Verunsicherung in einer globalisierten Welt. „Es ist ein natürlicher Reflex, dass man sich dann an das einzige Ordnungssystem wendet, was einem noch unverfänglich erscheint - die Religion.”
   Bei den Katholiken gibt es ein Internetportal für Rückkehrwillige
www.katholisch-werden.de auch: kirche-online. „Bei jüngeren Menschen hat die katholische Kirche heute eine größere Chance als bei mir als 17-Jähriger”, sagt Andrea Fischer. „Weil sie nicht mehr eine solche Macht hat, sondern nur noch Angebote machen kann.” Wie viele Rückkehrer erlebt Fischer ihr Verhältnis zur Kirche viel entspannter als früher. Heute irritiert Frau Fischer, inzwischen PR-Beraterin und Publizistin, Geschäftspartner schon einmal damit, dass sie Sonntagstermine um 12 Uhr ablehnt, weil da die heilige Messe fest in ihrem Kalender steht. Unverständnis über ihre Rückkehr zur katholischen Kirche lassen sie ebenso kalt wie Diskussionen über deren vermeintliche Rückständigkeit.
   „Mir sind Glaube und Gemeinschaft wichtiger als intellektuelle Debatten über die schwierigen Seiten der Kirche.”
MiriamHollsteinHA070408

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Lesen Sie die Geschichte von Nauman Mashi auf unserer Seite > Pakistan  

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