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Guadalupe

Auf dieser Seite lesen Sie:
1. Papst Franziskus in Guadalupe
1. TV-Übertragung des Hochamtes für Lateinamerika am Fest des heiligen Diego 12. Dezember 2014
 2  Das Gnadenbild von der Jungfrau von Guadalupe
(Mexiko)
3. Bericht einer Pilgerreise
4. Geschichte der Ereignisse
5. Maria - Stern der Evangelisation
6. Das erste Wunder
7. Das Bild: Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen
8. Maria - in Erwartung
9. Krönung und Gebet von Papst Johannes Paul II.
10. Ingrid Betancourt bedankt sich nach Geiselhaft bei der Jungfrau von Guadalupe
11. Papst Benedikt XVI. in Mexiko
12. Vor dem Papstbesuch: Verfassungsänderung in Mexiko

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Papst feiert Messe im Heiligtum der Jungfrau von Guadalupe
Foto:
Franziskus auf dem Weg zur Messe bei der Muttergottes von Guadalupe -

   Ein erster Höhepunkt der Papstreise nach Mexiko: Franziskus hat am Samstagnachmittag in der Wallfahrtskirche der Jungfrau von Guadalupe eine Messe mit Zehntausenden Gläubigen gefeiert. In seiner Predigt zu Füßen des Gnadenbildes erinnerte Franziskus daran, dass die Muttergottes genau so, wie sie vor bald 500 Jahren dem Indigenen Juan Diego erschienen war, auch heute an der Seite der einfachen und mit Mühsal beladenen Menschen geht: bei denen, „die wie er spüren, dass sie ,nichts wert´ sind“. Zugleich rief der Papst alle Mexikaner dazu auf, als Botschafter der Muttergottes neu auszuschwärmen und ein „Heiligtum des Lebens“ zu bauen, von dem niemand ausgeschlossen bleibe. 
Trost für jene, deren Kinder emigrierten oder Opfer von Verbrechen wurden
    
Es war Sonnenaufgang,  als  die  Jungfrau von Guadalupe 1531 am 9. Dezember auf dem Hügel Tepeyac erstmals dem Juan Diego erschien. Dies war gewissermaßen der Sonnenaufgang des christlichen Glaubens in der Neuen Welt. Präsent bleibt dieser Sonnenaufgang aber auch in die Gegenwart und in die Zukunft des mexikanischen Volkes hinein, besonders dort, wo es leidet, wie Franziskus sagte: „Bei diesem Sonnenaufgang näherte sich Gott dem leidenden, aber belastbaren Herzen vieler Mütter, Väter, Großeltern, die gesehen haben, wie ihre Kinder fortzogen, verloren gingen oder ihnen sogar verbrecherisch entrissen wurden.“
   Juan Diego sei nicht gebildet gewesen und habe der Jungfrau gesagt, er sei nicht die geeignete Person, den Bau ihres Heiligtums zu überwachen, wie sie ihm aufgetragen hatte. Doch Gott ruft alle zum Bau seiner Kirche, betonte Franziskus. So habe die Muttergottes ein „Heiligtum des Lebens, unserer Gemeinschaften, Gesellschaften und Kulturen“ verlangt, und niemand dürfe vom Bau dieses Heiligtums ausgeschlossen werden. „Alle sind wir notwendig, besonders diejenigen, die normalerweise nichts gelten, weil sie ,den Gegebenheiten nicht gewachsen´ sind oder nicht ,das nötige Kapital einbringen´ für deren Aufbau. Das Heiligtum Gottes ist das Leben seiner Kinder – aller und in allen ihren Lebenslagen. Das Heiligtum Gottes sind unsere Familien, denen es am Nötigsten fehlt. Das Heiligtum Gottes ist das Gesicht so vieler, die uns auf unseren Wegen begegnen.“
Zwei stille Gebete zu Füßen der Muttergottes
  
Wie er vorab die Mexikaner gebeten hatte, konnte Franziskus - sogar zwei Mal - einige Zeit vor dem Gnadenbild allein im stillen Gebet verharren. Nach der Predigt wandte er sich, auf einem einfachen Holzstuhl vor dem Altar sitzend, zur Meditation der Muttergottes zu. Der Wallfahrtsdirektor begleitete ihn nach dem Schlusssegen hinauf in das "Kämmerchen", das direkt hinter dem Gnadenbild liegt. Daraufhin wurde das Bild umgedreht, sodass es der Papst es aus nächster Nähe betrachten konnte. Franziskus nahm, leicht strauchelnd, von zwei kleinen Messdienerinnen einen gelben Blumenstrauß entgegen, den er vor der Muttergottes ablegte. Danach meditierte er längere Zeit versunken vor dem Bild der Jungfrau, die als Kaiserin Amerikas verehrt wird. Vom Inneren der Wallfahrtskirche aus konnte man den Papst beim Gebet durch den silbernen und goldenen Bilderrahmen hindurch sehen, der sonst das Gnadenbild umschließt. Als Geste der Verehrung schenkte Franziskus der Wallfahrtskirche eine Krone für die Madonna aus Silber und Gold; das flache, diademartige Geschmeide trägt die Aufschrift: Mater mea spes mea - meine Mutter, meine Hoffnung. 
   Die Fahrt im Papamobil quer durch Mexiko City vor der Messe glich einem Triumphzug: Zehntausende säumten die abgesperrte Straße von der Nuntiatur bis zum Heiligtum, jubelten Franziskus zu, schwenkten Vatikan-Wimpel und ließen weiße und gelbe Luftballons steigen. Mit seiner Pilgerfahrt zur Muttergottes von Guadalupe, dem mütterlichen Schoß Mexikos und ganz Lateinamerikas, hat diese Pastoralreise des Papstes im Prinzip erst wirklich begonnen. Die Rückfahrt in die Nuntiatur unternahm der sichtlich ermüdete Franziskus im weißen Fiat 500 L anstatt wie vorgesehen im Papamobil.
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Guadalupe: Besuch bei der Mutter Mexikos  -  Foto: Guadalupe erwartet Papst Franziskus

   „Ich kann doch nicht nach Mexiko reisen, ohne die Jungfrau von Guadalupe zu sehen!“ Mit diesen Worten hatte Papst Franziskus einst gerechtfertigt, warum er nicht bloß eine Stippvisite in dem mittelamerikanischen Land macht, um von der mexikanischen Grenze aus – wie einer der zahllosen Migranten – US-amerikanischen Boden zu betreten. Nun also ist es soweit: Der Papst aus Lateinamerika besucht Mexiko und macht seinen Antrittsbesuch, wie es sich gehört, bei der Hausherrin. Unsere Liebe Frau von Guadalupe in Mexiko Stadt ist der größte katholische Wallfahrtsort der Welt. Gudrun Sailer hat ihn zwei Tage vor Papst Franziskus besucht.
    112 Millionen Einwohner hat Mexiko, und keiner von ihnen fühlt sich ohne Mutter. Das wird mit Händen greifbar für jeden Besucher im Heiligtum der Jungfrau von Guadalupe. Das Gelände im Norden der 20-Millionen-Metropole Mexiko Stadt ist weitläufig, drei Kirchen erheben sich dort, eine altehrwürdige und eine aus den 1970er-Jahren in der Ebene sowie eine auf dem Hügel an der Stelle, wo 1531 die Muttergottes einem jungen Mexikaner erschien. Juan Diego war ein Indigener. Maria, die Mutter des Gottes der ungeliebten spanischen Eroberer, offenbarte sich hier in Mexiko einem Eingeborenen. Das erwies sich als folgenreich, sagt uns der Priester Juan Castillo Hernandez, Sekretär des Heiligtums.
  „Die Jungfrau von Guadalupe ist wesentlich in unserem katholischen Glauben. Wir können sagen, sie war die erste Evangelisiererin unserer Kultur, jene, die das Evangelium inkulturiert hat, sowohl für die Indigenen als auch für die Spanier.“
  
Das ist gewissermaßen bereits das erste Wunder. Das Gnadenbild nämlich entstand zehn Jahre nach der Eroberung des Aztekenreiches durch die Spanier, die sich als unvorstellbar grausame neue Herrscher gebärdeten. Die Urbevölkerung litt große Qualen. Da erschien einem von ihnen diese wunderschöne junge Frau, eine Mestizin, schwanger, und stellte sich dem noch nicht lange getauften Juan Diego als „Mutter aller Menschen“ vor, die seinem Volk „den wahren Gott“ bekannt machen wollte. Sie gab ihm Rosen. Damit solle er zum Bischof gehen und den Bau einer Kirche erbitten. Juan wickelte die Rosen in seinen Umhang. Vor den Augen des Bischofs entfaltete er das Tuch, und die Rosen fielen zu Boden. Auf dem Stoff des Umhangs zeigte sich daraufhin das Bild, das die Menschen seither zu Millionen nach Mexiko zieht. Das Gnadenbild von Guadalupe ist die Innenseite des Umhangs Juan Diegos.
   An dem Wallfahrtsort hängt das Gnadenbild heute in der modernen Kirche, die an ein großes Zelt erinnert. Wer die Mutter von Guadalupe aus nächster Nähe sehen will, begibt sich zu einer unter dem Bild eingerichteten Kammer mit vier Rollbändern, die von einer Seite zur anderen fahren. Mit Vertrautheit und Ehrfurcht zugleich nähern sich die Pilger der Muttergottes. Viele einfache Menschen sind darunter. Ein erwachsener Sohn trägt seinen gehbehinderten Vater auf dem Rücken, damit der besser sehen kann. Kinder schauen und schauen. Viele fahren Dutzende Male auf den Rollbändern unter der Muttergottes hin und her, solange der Andrang und die Aufseher es zulassen.
   Die Muttergottes von Guadalupe hat zarte Farben. Der Stoff besteht aus Agavenfasern, die sich seit bald 500 Jahren erhalten. Die Azteken konnten das Bild mühelos lesen, viele seiner Zeichen gehörten ihrer Kultur an. Die Sterne beispielsweise auf dem Mantel der Muttergottes. Oder ihr offenes Haar, das sie als Jungfrau kennzeichnet. Zugleich deutet der schwarze Gürtel unter der Brust ihre Schwangerschaft an. Die Blume, die auf Bauchhöhe den Stoff des Kleides ziert, ist für Azteken ein Kennzeichen Gottes. Eine Jungfrau, die soeben Mutter wird, Mutter Gottes. Zu Abertausenden baten die Indigenen um die Taufe, nachdem sie das Bild gesehen hatten.
   22 Messen täglich werden bei der Muttergottes von Guadalupe gefeiert, und unzählige Rosenkränze gebetet. Der Platz, auf dem die Kinder herumtollen, ist bereits hergerichtet für den Papstbesuch.
   „Die Jungfrau von Guadalupe verehre ich sehr, sie ist wundertätig, wir kommen jedes Jahr“, sagt uns diese Frau, die mit fünf Kindern aus der neuen Kirche tritt. „Einer meiner Söhne war ziemlich krank, ich habe für ihn gebetet bei der Jungfrau, und er wurde gesund. Wir beten für die Gesundheit unserer Familie und dafür, dass uns das tägliche Brot nicht fehle.“
   „Sie kümmert sich um uns und schützt uns. Sie wirkt Wunder“. Und: „ Sie ist unsere Mutter, für uns alle. Mutter des Glaubens von uns allen. Das ist so mexikanisch. Hier erschien sie, und das ist für uns so wichtig wie der Glaube selbst. Eine Tradition, die mehr ist als nur Vergangenheit.“   Tatsächlich: ganz viele Pilger hier sind unter 30. Und viele kommen mit Eltern oder Kindern, in der Familie. Denn die Mutter ist eben die Mutter.  „Sie gehört zur mexikanischen Kultur, wie die Nationalhymne und die Staatsflagge“, sagt dieser Mann. „Genauso identifizieren sich alle Mexikaner mit der Jungfrau.“ Rv160211gs

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Im Wortlaut:
Papstpredigt bei der Jungfrau von Guadalupe
Foto: Papstpredigt zu Füßen Unserer Lieben Frau von Guadalupe

   Die Predigt von Papst Franziskus während der Messe in der Wallfahtskirche von Guadalupe, Mexiko Stadt, am Samstag, den 14. Februar. Wir dokumentieren im Wortlaut ind offizieller deutscher Übersetzung.
   Wir haben von der Begegnung Marias mit ihrer Cousine Elisabet gehört. Ohne Zögern, ohne Zweifel, ohne Langsamkeit geht sie, um ihrer Verwandten zur Seite zu stehen, die sich in den letzten Monaten ihrer Schwangerschaft befindet.
   Die Begegnung mit dem Engel hielt Maria nicht zurück, denn sie fühlte sich weder privilegiert, noch genötigt, sich vom Leben der Ihren abzukehren. Im Gegenteil, sie erfüllte eine Haltung, derentwegen man an Maria denkt und immer denken wird, mit neuem Leben und setzte sie in die Tat um: Sie ist die Frau des „Ja“ – es ist ein „Ja“ der Hingabe an Gott und zugleich ein „Ja“ der Hingabe an ihre Mitmenschen. Es ist das „Ja“, das sie aufbrechen ließ, um ihr Bestes zu geben, indem sie sich auf den Weg machte zur Begegnung mit den anderen.
   Diesen Evangelienabschnitt in diesem Haus zu hören, hat einen besonderen Geschmack. Maria, die Frau des „Ja“, wollte in der Person des heiligen Indios Juan Diego auch die Bewohner dieses Gebietes von Amerika besuchen. Genauso wie sie sich auf den Wegen von Judäa und Galiläa bewegte, ging sie auch auf den Tepeyac, indem sie die Kleidung der Einheimischen trug und ihre Sprache gebrauchte, um dieser großen Nation zu dienen. Wie sie die Schwangerschaft von Elisabet begleitete, so begleitete und begleitet sie die „Schwangerschaft“ dieses gesegneten mexikanischen Landes. Ebenso, wie sie für den kleinen Juanito gegenwärtig wurde, ist sie immer noch bei uns allen zugegen, besonders bei denen, die wie er spüren, dass sie »nichts wert« sind (
Nican Mopohua, 55). Diese besondere, sagen wir: bevorzugte Erwählung richtete sich gegen niemanden, sondern war zum Nutzen aller. Der kleine Indio Juan, der sich selbst als »mecapal, Holzscheit, Schweif, Flügel« und als einen, »der anderen unterworfen ist«, bezeichnete, (vgl. ebd.) wurde zum „sehr vertrauenswürdigen Botschafter“.
   Bei jenem Tagesanbruch im Dezember 1531 geschah das erste Wunder, das später die lebendige Erinnerung all dessen sein sollte, was dieses Heiligtum hütet. In dieser Morgendämmerung, bei dieser Begegnung, weckte Gott die Hoffnung seines Sohnes Juan, die Hoffnung seines Volkes. Bei diesem Sonnenaufgang weckte und weckt Gott die Hoffnung der Kleinen, der Leidenden, der Vertriebenen und der Ausgeschlossenen, all derer, die empfinden, keinen würdigen Platz auf dieser Erde zu haben. Bei diesem Sonnenaufgang näherte und nähert sich Gott dem leidenden, aber belastbaren Herzen vieler Mütter, Väter, Großeltern, die gesehen haben, wie ihre Kinder fortzogen, verloren gingen oder ihnen sogar verbrecherisch entrissen wurden.
   An diesem frühen Morgen erfährt Juanito in seinem eigenen Leben, was Hoffnung ist, was die Barmherzigkeit Gottes ist. Er wird erwählt, um den Bau dieses Heiligtums zu beaufsichtigen, zu betreuen, zu bewachen und voranzutreiben. Wiederholte Male sagte er der Jungfrau Maria, dass er nicht die geeignete Person dafür sei, dass sie im Gegenteil, wenn sie dieses Werk voranbringen wolle, andere erwählen müsse, weil er nicht gebildet und gelehrt sei und nicht zur Gruppe derer gehöre, die dies tun könnten. Hartnäckig jedoch – mit der Hartnäckigkeit, die dem erbarmungsvollen Herzen des himmlischen Vaters entspringt – sagt Maria ihm, dass er ihr Botschafter sein werde.
   So gelingt es ihr, etwas zu erwecken, das er nicht auszudrücken vermochte, ein echtes Wahrzeichen der Liebe und der Gerechtigkeit: Im Bau dieses anderen Heiligtums, dem des Lebens, dem unserer Gemeinschaften, Gesellschaften und Kulturen darf niemand draußen bleiben. Alle sind wir notwendig, besonders diejenigen, die normalerweise nichts gelten, weil sie „den Gegebenheiten nicht gewachsen“ sind oder nicht „das nötige Kapital einbringen“ für deren Aufbau. Das Heiligtum Gottes ist das Leben seiner Kinder – aller und in allen ihren Lebenslagen – besonders das der Jugendlichen ohne Zukunft, die einer Unzahl schmerzlicher und gefahrvoller Situationen ausgesetzt sind, und das der alten Menschen ohne Anerkennung, die in vielen Winkeln vergessen werden. Das Heiligtum Gottes sind unsere Familien, denen es am Nötigsten fehlt, um sich aufzubauen und aufzurichten. Das Heiligtum Gottes ist das Gesicht so vieler, die uns auf unseren Wegen begegnen.
Wenn wir zu diesem Heiligtum kommen, kann uns dasselbe passieren, das Juan Diego passierte. Aus unseren Leiden, Ängsten, Verzweiflungen und Traurigkeiten auf die Mutter zu blicken und ihr zu sagen: „Was kann ich schon beisteuern, wenn ich kein Gelehrter bin?“ Wir schauen auf die Mutter mit Augen, die sagen: Es gibt so viele Situationen, die uns die Kraft nehmen, die uns spüren lassen, dass es keinen Raum gibt für Hoffnung, für Veränderung, für Verwandlung.

Papst Franziskus betet zu Füßen der Gottesmutter im Heiligtum von Guadalupe in Mexiko

   Wie er vorab die Mexikaner gebeten hatte, konnte Franziskus - sogar zwei Mal - einige Zeit vor dem Gnadenbild allein im stillen Gebet verharren. Nach der Predigt wandte er sich, auf einem einfachen Holzstuhl vor dem Altar sitzend, zur Meditation der Muttergottes zu. Der Wallfahrtsdirektor begleitete ihn nach dem Schlusssegen hinauf in das "Kämmerchen", das direkt hinter dem Gnadenbild liegt. Daraufhin wurde das Bild umgedreht, sodass es der Papst es aus nächster Nähe betrachten konnte. Franziskus nahm, leicht strauchelnd, von zwei kleinen Messdienerinnen einen gelben Blumenstrauß entgegen, den er vor der Muttergottes ablegte. Danach meditierte er längere Zeit versunken vor dem Bild der Jungfrau, die als Kaiserin Amerikas verehrt wird. Vom Inneren der Wallfahrtskirche aus konnte man den Papst beim Gebet durch den silbernen und goldenen Bilderrahmen hindurch sehen, der sonst das Gnadenbild umschließt. Als Geste der Verehrung schenkte Franziskus der Wallfahrtskirche eine Krone für die Madonna aus Silber und Gold; das flache, diademartige Geschmeide trägt die Aufschrift: Mater mea spes mea - meine Mutter, meine Hoffnung.                Rv160213gs

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Papst Franziskus vor dem Gnadenbild in Guadalupe

   Das Bild der Gottesmutter lässt sich hinter dem Altar zur Seite schwenken, so kann Papst Franziskus nach der Feier der Heiligen Messe ungestört davor beten. Franziskus hatte gewünscht still Zwiesprache mit Maria vor dem Wallfahrtsbild zu halten. Nach seiner ersten Heiligen Messe auf seiner Pastoralreise durch Mexiko wurde der Franziskus hinter dem Altar in die kleine Kammer “camarin” des Marienheilgtums geleitet. Das Bild – als Zeugnis des Wunders – kann so geschwenkt warden, dass eine nähere und private Verehrung ermöglicht.
   Der Papst legte einen Strauß gelber Rosen vor dem Bild nieder, dann setzte er sich auf den einfachen Holzstuhl mit gesenktem Haupt davor und verweilte im stillen, innigen Gebet. Nach zwanzig Minuten stand Franziskus auf, legte seine Hand auf das Bild und verließ diese kleine Kammer.
   An der päpstlichen Messe in der Basilika nahmen etwa 12.000 Menschen teil und weitere 30.000 Besucher konnten außerhalb der Basilika über Großwandbildschirme der Liturgie folgen. Die Basilika Unserer Lieben Frau von Guadalupe wurde 1976 erbaut und liegt in der Nähe des Berges Tepeyac – auf dem Gelände, wo Maria dem Juan Diego 1531 erschienen ist. 12 Millionen Pilger kommen in jedem Jahr hierher zum größten Marienwallfahrtsort der katholischen Kirche. In seiner Predigt erklärte der Papst den Abschnitt aus dem Evangelium, wo Maria ihre Kusine Elisabet besuchte: “Maria Demut, dass sie “Ja” sagte zu Gottes Willen, diese Antwort veranlasste sie, das Beste von sich zu geben: sie ging hin um andere zu treffen. Dieselbe Demut führte sie auch hierher, um dem armen Indianer zu erscheinen. Ebenso wie Maria sich diesem Juan Diego offenbarte, so offenbart sie sich auch uns alle, besonders denen, die sich – wie dieser Indianer – ‘wertlos’ fühlen”. Der Papst erinnerte an das Wunder des Marienbildes und erklärte, dass eben durch dieses Zeichen “Juan Diego in seinem eigenen Leben erfahren durfte, was Hoffnung ist, und auch was das Erbarmen Gottes ist. Trotz der Minderwertigkeitsgefühle des heiligen Diego wählte Maria ihn aus, den Bau dieses Kirche zu leiten, dafür zu sorgen, zu schützen und zu fördern. Auf diesem Weg
konnte sie etwas in ihm wecken, das er nicht erklären konnte - ein Zeichen der Liebe und der Partnerschaft: wer diesen Wallfahrtsort verlässt sieht mit anderen Augen die heiligen Orte des Lebens, der Gemeinschaft, unserer Gesellschaft  und unserer Kultur”, sagt der Papst und fuhr fort: “Gottes wahres Heiligtum ist das Leben seiner Kinder, besonders der jungen Leute ohne Zukunft, der oft nicht anerkannten und vergessenen Alten und der Familien, denen das Notwendige zum Leben fehlt. Der Heiligtum Gottes sind die Gesichter der Menschen, die uns Tag für Tag begegnen”, sagt Franziskus. Papst Franziskus lehrt, “dass alle Leidenden nicht vergeblich weinen. Ihre Leiden sind ein stilltes Gebet, das den Himmel erreicht und immer einen Platz im geöffneten Mantel der Gottesmutter findet. Wie der heililge Juan Diego sind auch die Christen berufen, Botschafter Mariens zu sein und alle zu trösten, die von Kummer und Leid überwältigt sind.” Maria sagt auch zu zu uns: “Bin ich nicht deine Mutter; Bin ich denn nicht bei euch? Geht und baut mir ein Heiligtum, helft mir das Leben meiner Söhne und Töchter zu erheben, eurer Brüder und Schwestern!” 
CH160214JunnoarochoEsteves.Arbeitsübersetzung:kbwn

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   Darum kann uns ein wenig Stille gut tun, auf sie zu schauen, sie lange und ruhig anzuschauen und zu ihr zu sprechen wie jener andere Sohn, der sie sehr liebte:

          »Dich anschauen, Mutter, einfach anschauen,
          nur den Blick geöffnet halten;
          dich ganz betrachten – ohne dir etwas zu sagen,
          dir alles sagen, stumm und ehrerbietig.

          Nicht den Windhauch stören, der deine Stirn umspielt,
          nur meine verletzte Einsamkeit wiegen
          in deinen Augen einer verliebten Mutter
          und in deinem durchscheinenden irdenen Schoß.

          Die Stunden sinken dahin;
          aufgewühlt zersetzen die törichten Menschen mit ihrem Lärm
          den Unrat des Lebens und des Todes.

          Dich anschauen, Mutter; dich sanft betrachten,
          still wird das Herz in deiner Zärtlichkeit,
          in deinem keuschen liliengleichen Schweigen.«
          (
          liturgischer Hymnus)

   Und in diesem, auf sie schauenden Verweilen einmal mehr hören, dass sie wieder zu uns sagt: »Was hast du, mein kleinster Sohn? Was betrübt dein Herz? (vgl. Nican Mopohua 107.118) Bin ich denn nicht hier, ich, die ich die Ehre habe, deine Mutter zu sein?« (ebd. 119).
   Sie sagt uns, dass sie die „Ehre“ hat, unsere Mutter zu sein. Das gibt uns die Gewissheit, dass die Tränen der Leidenden nicht unfruchtbar sind. Sie sind ein schweigendes Gebet, das zum Himmel aufsteigt und bei Maria unter ihrem Mantel immer einen Platz findet. In ihr und mit ihr wird Gott Bruder und Weggefährte, trägt mit uns die Kreuze, damit wir von unseren Leiden nicht erdrückt werden.
   „Bin ich etwa nicht deine Mutter? Bin ich denn nicht hier? Lass dich nicht von deinen Leiden und Traurigkeiten besiegen“, sagt sie uns. Heute sendet sie uns wieder neu aus; heute sagt sie uns wieder neu: „Sei du mein Botschafter, mein Gesandter, um viele und neue Heiligtümer zu bauen, viele Leben zu begleiten, viele Tränen zu trocknen.“ So gehe nur durch die Straßen deiner Nachbarschaft, deiner Gemeinschaft, deiner Pfarrgemeinde als mein Botschafter; errichte Heiligtümer, indem du mit den anderen die Freude über die Gewissheit teilst, dass wir nicht alleine sind, dass sie mit uns geht. „Sei du mein Botschafter, sagt sie uns, indem du dem Hungrigen zu essen gibst und dem Durstigen zu trinken; beherberge den Bedürftigen, bekleide den Nackten, besuche den Kranken! Hilf dem Gefangenen, vergib dem, der dich beleidigt hat, tröste den Traurigen, hab Geduld mit den anderen, und vor allem rufe unseren Gott an und bete zu ihm!“
   „Bin ich etwa nicht deine Mutter? Bin ich denn nicht hier?“, wiederholt uns Maria. „Geh und baue mein Heiligtum, hilf mir, das Leben meiner Kinder, deiner Brüder und Schwestern, aufzurichten!“ rv160213pdy

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Mexiko: Franziskus und die Glocke im Kinderkrebs-Krankenhaus
Die Glocke läuten, um im Himmel Bescheid zu sagen: Kinderkrankenhaus Federico Gomez

   Für den Besuch in diesem Kinderkrankenhaus hat der Papst das ursprünglich ebenfalls vorgesehene Treffen mit der Welt der Kultur sausen lassen: Am Sonntag - Valentinstag - besucht Franziskus in Mexiko-Stadt die Klinik „Federico Gomez”. Hier werden schwerkranke Kinder aus ganz Mexiko behandelt, die meisten leiden an Krebs oder angeborenen Fehlbildungen. Gudrun Sailer war dort.
   In Reih und Glied stehen Dutzende Kinderollstühle im Eingangsbereich. Die Buben und Mädchen, die diese Rollstühle benutzen können, zählen zu den glücklicheren in diesem Krankenhaus: sie sind transportfähig. „Dies ist ein öffentliches Krankenhaus, das die ärmsten Kinder  Mexikos behandelt. Ein Krankenhaus dritten Grades, das heißt, nur die schwersten Erkrankungen“, sagt uns Generaldirektor Jose Alberto Garcia Arranda, weißer Kittel, graue Haare, ernster Blick. 6.000 Kinder werden hier pro Jahr stationär behandelt.
   Es ist ein Ort des Leidens, des ganz besonders intensiven Leidens. Wenn Kinder krank sind, ist immer die ganze Familie betroffen. Nach dem offiziellen Teil, bei dem Franziskus 36 Jungen und Mädchen und einigen behandelnden Ärzten und Pflegekräften begegnet, ist noch ein privater Teil vorgesehen. Und da wird der Papst, wenn er möchte, etwas Schönes inmitten dieses Ort des Leidens sehen. Generaldirektor Garcia Arranda:
   „Wir werden in die Kinderkrebsstation gehen. 25 Kinder warten dort auf den Papst, auf Rollstühlen. Sie wollen den Papst ins Spielzimmer begleiten. Das ist ein Raum mit Glasscheiben rundherum, und dort haben wir neben dem Spielzeug eine Glocke an der Decke hängen, eine Glocke mit langen Bändern, die bis zum Boden hängen. Es ist ein Symbol, das ich sehr schön finde. Diese Glocke darf ein Kind läuten, wenn es wieder gesund ist, wenn es den Krebs besiegt hat. Für uns hier heißt das, dass das Kind, indem es die Glocke läutet, im Himmel Bescheid sagt, dass es wieder gesund ist, wie ein Dank an den Himmel. Das ist Teil des Papstbesuchs hier bei uns im Krankenhaus. Ich werde das dem Papst draußen vor den Glasscheiben erklären, und er wird selbst entscheiden, ob er eintreten will.“
   Die Glocke läuten wird am Sonntag ein kleines Mädchen. Luz Elena, sie ist tags zuvor sieben Jahre alt geworden. „Drei Jahre haben wir gegen den Krebs gekämpft“, verrät uns ihre Mutter. „Es war sehr hart. Andererseits auch sehr schön, weil ich meiner Tochter in der Zeit so nahe war.“
   Luz Elena stammt wie 95 Prozent aller Kinder, die im Krankenhaus „Federico Gomez“ behandelt werden, nicht aus dem Bundesstaat Mexiko. So stattet Franziskus, indem er an diesen Ort kommt, gewissermaßen stellvertretend allen Kinderkrankenhäusern Mexikos einen Besuch ab. Rv160214gs

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Die Jungfrau von Guadalupe: Gott, der Vater, liebt mit dem Herz einer Mutter

   Seinen Mexiko-Besuch beginnt Papst Franziskus bei Unserer Lieben Frau von Guadalupe. Das Heiligtum der Muttergottes in Mexiko-City ist einer der größten christlichen Wallfahrtsorte der Welt: Bis zu 10 Millionen Menschen pilgern jährlich zur „Morenita“, der „kleinen Braunen“, wie die Gläubigen die Madonna von Guadalupe zärtlich nennen. Sie ist die Patronin nicht nur Mexikos: Papst Pius XII. ernannte sie 1945 nach dem Ende des II. Weltkriegs zur „Schutzherrin und Kaiserin der beiden Amerikas".
   Unter allen Lateinamerikanern einschließlich Papst Franziskus genießt die Muttergottes von Guadalupe eine ungeheure Popularität. Bereits zweimal hat Franziskus ihr Fest im Petersdom mit einer Messe gefeiert und beim letzten Mal verkündet, er werde sie persönlich besuchen; das war am vergangenen 12. Dezember. Am 12. Februar nun trifft der lateinamerikanische Papst zunächst zum ökumenischen Zwischenstopp auf Kuba und wenig später in Mexiko City ein. Der Jungfrau Maria ist die 12 gewissermaßen eingeschrieben, erklärte uns der argentinische Theologe und Franziskus-Vertraute Carlos Maria Galli. 12, damit seien nämlich alle Christen gemeint, gebündelt in ihrem gemeinsamen Herzen: Maria.
   „12 ist eine biblische Zahl, 12 Stämme Israels, 12 Apostel, die Jesus berief, und das Konzil lehrt uns, dass die 12 nicht nur  die ersten, die von Jesus ausgewählt wurden, um die Kirche zu leiten, sondern sie waren der Beginn, der Same des gesamten Gottesvolkes. Und wenn ein Papst ein Land besucht, in diesem Fall das mexikanische Volk, ist das nicht bloß ein offizieller oder diplomatischer Besuch, oder ein Staatsbesuche – das alles zwar auch. Aber der Papst kommt als Bischof von Rom und als Hirte der Weltkirche. Er macht eine Pilgerfahrt zum Herzen des Gottesvolkes in den verschiedenen Kulturen, in diesem Fall eben das Volk, das in Mexiko pilgernd unterwegs ist.“
   An diesem Punkt kommt Maria ins Spiel: sie bildet – sagt Carlos Maria Galli – das Bindeglied zwischen dem päpstlichen Mexiko-Besuch und dem von Franziskus ausgerufenen Jahr der Barmherzigkeit.
   „In dem Bericht über die Jungfrau  von Guadalupe, der erzählt, wie sie dem Indigenen Juan Diego erscheint, sagt sie zu ihm: hab keine Angst, denn ich bin da an deiner Seite, und bin ich denn nicht deine Mutter? Sie spricht mit ihm wie mit einem Sohn. Das ist der biblische Sinn des Wortes „.Barmherzigkeit“ – und das nähert den Besuch von Papst Franziskus an das Jahr der Barmherzigkeit an. Die Barmherzigkeit ist die herzinnerste Liebe einer Mutter zu ihren kleinen Kindern. Ich glaube, der Papst will uns zeigen, dass Gott, der Vater, uns liebt mit dem Herzen einer Mutter. Und das hat er ausgedrückt in der allerheiligsten Jungfrau. In der Jungfrau von Guadalupe fühlt das ganze Volk Lateinamerikas die herzinnerste Liebe der Muttergottes für alle ihre Kinder, und ganz besonders für ihre ärmsten und kleinsten. Sie ist die Mutter der Barmherzigkeit, die mitleidige Mutter, und ihr können wir uns immer nähern.“ Rv160208

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Hochamt für Lateinamerika in St. Peter
   Papst Franziskus hat am 12. Dezember 2014 eine große Messe für Lateinamerika im Petersdom gefeiert: das erste große Rendezvous des lateinamerikanischen Papstes mit seinem Heimatkontinent, wenn man einmal von seiner Teilnahme am Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro/Brasilien absieht. Der 12. Dezember ist das Fest Unserer Lieben Frau von Guadalupe; die Muttergottes, die im 16. Jahrhundert im heutigen Mexiko einem Indio (dem heiligen Juan Diego) erschien, ist Patronin Amerikas, ihre Verehrung steht am Anfang des Katholizismus in Lateinamerika.
   Eine abendliche Messe des  Papstes in St. Peter ist etwas Ungewöhnliches; die Organisatoren hatten an die Zeitverschiebung zwischen Europa und Lateinamerika  gedacht, viele Fernsehanstalten von Mexiko bis hinunter nach Chile übertrugen das Ereignis live. Den feierlichen Rahmen bildete an diesem Freitagabend die „Misa Criolla“, ein Werk des argentinischen Komponisten Ariel Ramírez, das von seinem Sohn Facundo Ramírez dirigiert wurde. Das fast fünfzig Jahre alte Werk, ein Paradebeispiel musikalischer Inkulturation des Glaubens, bedeutet dem Papst aus Argentinien viel: „Dein Vater war ein großer Mystiker“, sagte er vor ein paar Tagen dem Sohn des Komponisten, als er ihn in Audienz empfing.
  Mit dem Papst konzelebrierten viele Kardinäle und Bischöfe, unter ihnen der Kanadier Marc Ouellet, Leiter der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika, der Brasilianer Joao Braz de Aviz, Präfekt der vatikanischen Ordenskongregation, sowie Francisco Javier Errázuriz Ossa (Chile) und Sean O’ Malley (Boston/USA). Neben dem Hauptaltar war eine Darstellung des Gnadenbildes von Guadalupe aufgestellt.
   In seiner Predigt verwies Papst Franziskus darauf, dass sich die Verehrung der Jungfrau von Guadalupe „von Alaska bis nach Patagonien erstreckt“. Maria sei „voll Sorge erschienen, „um auch die neuen amerikanischen Völker zu umarmen, die einen Moment des dramatischen Werdens durchmachten“. Sie habe „in sich die kulturelle und religiöse Symbolik der indigenen Völker aufgenommen“ und sei „die große Missionarin geworden, die das Evangelium in unser Amerika brachte“. Mit dem Evangelium sei auch das Bewußtsein „von der Würde der Kindschaft aller Bewohner des Kontinents“ gekommen: „Niemand ist mehr Knecht, sondern alle sind wir Kinder desselben Vaters und einander Geschwister.“

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„Dieses amerikanische Ethos“
   „Auf Mariens Fürsprache begann der christliche Glaube zum reichsten Schatz der Seele der amerikanischen Völker zu werden, dessen wertvollste Perle Jesus Christus ist: ein Erbe, dass sich zeigt und bis heute in der Taufe so vieler Menschen, im Glauben, in der Hoffnung und der Nächstenliebe weitergegeben wird, im Reichtum der Volksfrömmigkeit und in diesem amerikanischen Ethos, das sich im Wissen um die Würde des Menschen, der Leidenschaft für die Gerechtigkeit, der Solidarität mit den Ärmsten und Leidenden, der Hoffnung manchmal wider alle Hoffnung zeigt.“
   Der Papst betete darum, „dass die Zukunft Lateinamerikas für die Armen und die Leidenden gemacht wird, für die Demütigen, für diejenigen, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit“. Und vom Redetext abweichend rief er:
„Möge die Gnade alle umfassen, die heute vom götzenhaften System der Wegwerfgesellschaft zu Sklaven gemacht werden, zu Objekten der Ausbeutung oder einfach zu Verlorenen!“
   Er bete auch darum, dass Lateinamerika der „Kontinent der Hoffnung“ werde und sich „neue Modelle der Entwicklung erschließe, welche die christliche Tradition und den Fortschritt, die Gerechtigkeit und Gleichheit mit der Versöhnung vereinen“.
   „Und wenn dieses so wagemutige Programm uns erschreckt oder die weltliche Kleinkariertheit uns bedroht: Möge sie uns erneut zum Herzen sprechen und mit ihrer mütterlichen Stimme sagen: Wovor hast du Angst? Bin ich denn nicht hier, deine Mutter?“
   Was kaum einer weiß: Die „Misa Criolla“ ist zwei deutschen Schwestern gewidmet – nicht Ordensschwestern, sondern leiblichen Schwestern. Es sind Elisabeth und Regina Brückner; Ramírez lernte sie bei einem Aufenthalt in Würzburg kennen. Ihn beeindruckte vor allem, dass sie während des Zweiten Weltkriegs Insassen des KZ Dachau heimlich zu essen gebracht hatten.
Hintergrund: Guadalupe
  Am 9. Dezember 1531 erschien dem Indigena Juan Diego nahe Mexiko-Stadt die Muttergottes und beauftragte ihn, ihr zu Ehren eine Kirche zu errichten. Juan Diego begab sich daraufhin zum Bischof, welcher ihm keinen Glauben schenkte. Am 12. Dezember erschien ihm die Jungfrau erneut und riet ihm, einige Rosen seinem Bischof zu bringen. Als er nun seinen Umhang vor dem Bischof ausbreitete, wurde auf ihm ein Bildnis der Mutter Gottes sichtbar. Man nannte sie nach der Statue der dunkelhäutigen Jungfrau »Señora de Guadalupe«, welche im 13. Jahrhundert in Spanien gefunden wurde. Rv141212sk

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   Mexiko Stadt feierte den 300. Jahrestag des Marienheiligtums von Guadalupe. Kardinal Norberto Rivera, Erzbischof von Mexiko Stadt, rief ein Jubiläumsjahr aus, das am 1. Mai 2009 begann. Gefeiert wird die Errichtung der ersten Kapelle zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe. Das Heiligtum ist heute der größte katholische Wallfahrtsort der Welt. Jedes Jahr pilgern rund 20 Millionen Menschen zur Muttergottes von Guadalupe, die 1531 dem Indio Juan Diego erschien. Rv090419

Reisebericht: Europäer unter mexikanischen Pilgern in Guadalupe

  Nach tagelangen Fußmärschen erreichen die Pilger die Basilika von Guadalupe in Mexiko-Stadt und sehen nun auf zum Gnadenbild. Im Jahre 1531 ist dem Heiligen Juan Diego hier die Muttergottes erschienen. Nach diesem Ereignis haben sich Millionen Azteken zum Christentum bekehrt.
   Vor der Kathedrale ist ein Meer von singenden und tanzenden Pilgern zu sehen. Sie bringen Blumen, Bilder, Gaben und Fahnen zur Jungfrau Maria. Die Gruppe aus Europa ist mitten unter ihnen, sie ist am weitesten gereist, aber nur wenig gelaufen. Die Menge der Mexikaner musste hundert und mehr Kilometer pilgern um diesen Wallfahrtsort zu erreichen. Von einem Balkon aus begrüßt ein Priester jede eintreffende Gruppe. Die Menschen klatschen und rufen “Ave Maria”, und freuen sich, dass sie nun nach großer körperlicher und geistlicher Anstrengung am Ziel sind.
  Die Geschichte der Jungfrau von Guadalupe beginnt mit Juan Diego. Er war ein einfacher indianischer Mann, der nicht lesen und schreiben konnte. Am Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens, am 9. Dezember 1531, war ihm auf dem Weg zu heiligen Messe eine geheimnisvolle Frau erschienen, die ihm auftrug, den Bischof Zumarrage zu beauftragen, eine Kirche zu ihrer Ehre auf dem Tepeyac Hügel bauen, wo früher ein Tempel von Tonantzin stand. 
   Der Bischof jedoch verlangte einen Beweis und forderte Juan Diego auf, die Erscheinung um ein Zeichen zu bitten. Die Jungfrau schickte Juan den Hügel hinauf.  Oben fand er Rosen, die er in seine Tilma (Umhang) legte um sie im Auftrag der Jungfrau dem Bischof bringen. Juan gehorchte. Doch als er die Tilma vor dem Bischof öffnete, konnte man auf seiner Tilma ein farbenprächtiges Bild jener jungen Frau erblicken, die Juan Diego auf dem Berg gesehen hatte. Dieses wunderbare Bild überzeugte Bischof  Zumarrage und einige Zeugen, die dabei waren. Die Frau auf der Tilma war eine Indianerin,  etwa 14 Jahre alt und schwanger. Sie hatte sich Juan zu erkennen gegeben als Maria, die Mutter Jesu und Königin des Himmels.
   Auf dem von Maria bezeichneten Grundstück wurde nun eine kleine Kirche errichtet, die Juan Diego anvertraut wurde. Dieses Amt übte er segensreich aus, und was spanische Priester nicht erreichten, gelang ihm: neun Millionen Azteken bekehrten sich zum Christentum.
   Diese Tilma wird nun in der Basilika hinter Sicherheitsglas gezeigt, nachdem sie 200 Jahre der Luft und dem Kerzenruss ausgesetzt war und viele Besucher sie mit ihren Wunden berührt hatten. Die Tilma hatte viel auszustehen: sie wurde bei einer Flut überspült, eine Flasche Säure wurde bei einer Restaurierung darüber gegossen, sie überstand ein Sprengstoffattentat von Kommunisten und in jüngster Zeit auch Röntgenstrahlen und eine wissenschaftliche Untersuchung.
   Ein Meer von Pilgern strömt nun in die Basilika, wird geradezu eingesogen in den kühlen Schatten der Kathedrale aus dem 20. Jahrhundert. Hier wird die Tilma gezeigt, die nach dem Neubau aus der alten Kirche des 18. Jahrhunderts hierher gebracht wurde.

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   Die pilgernde Menge drängt nach vorn, rhythmisch bewegen sich ihre Füße im Stil von Gringos und in lateinamerikanischer Begeisterung hinter einer Band, die mit ihren Blechinstrumenten mitreißende Melodien schmettert. Hier ist keine andachtsvolle Stille, hier ist Lärm, Tanz, schwingende Körper und Fahnen die wie Segel in die Höhe gereckt werden. Die sich wiegende fröhliche Menge kommt aus der sengenden Mittagssonne und taucht ein in die Kühle einer höhlenähnlichen Dunkelheit. Strauchelnd werden die Augen dieser Lichtveränderung angepasst, Hüte und Sonnenbrillen werden abgesetzt und die Band hält ein. Nun nähert sich die Menge dem Gnadenbild. Auf drei Förderbändern werden – ähnlich wie in einem Flughafen – die Pilger in der Wallfahrtsbasilika am Bild vorbei- gezogen. Jeder blickt auf und sucht den Schlüssel für dieses Mysterium. Ängstlich, enttäuscht zu werden, und ein wenig besorgt darüber, wenn dieses das ist, was viele Menschen darüber berichten, was sagt es den Pilgern?
   Man sieht, wie sehr Lateinamerikaner und besonders Mexikaner dieses Gnadenbild verehren. Die Gesichter zeigen außerordentliche Freude, aber auch schweres Leid, wie Spitzensportler, wenn sie die Ziellinie überqueren. Die Pilger starren auf zu dem heiligen Bild, senken die Augen verstohlen zum Laufband, schauen hinauf und wieder herunter. Einige weinen, wenn sie einen Blick auf das Bild erhaschen.
   Hunderte und Tausende Menschen stehen wie ein brandendes Meer noch vor der Basilika und so bleibt keine Zeit für langes Schauen. In den wenigen Sekunden brennt sich das Bild ins Gehirn, einen kurzen Augenblick der Besinnung  - und schon drängen die folgenden Gruppen nach. Wahrhaftig, das Bild bleibt prägt sich ein. Unmerklich dringt es in die Herzen der Pilger und bleibt unauslöschlich. Es ist verborgen und doch klar, und wenn man näher herangeht, wird es nicht klarer. Das Gnadenbild ist gleicher Weise vorn wie hinten in der Basilika zu sehen. Die letzten werden die ersten sein, und die ersten die letzten. Alle sehen dasselbe, und von jedem Blickwinkel ist die Tilma gleich. Das Bild Mariens – die Indianer nennen es Unsere Liebe Frau von Tepeyac – ist zugleich alt und modern, mehrdeutig und verblüffend. Eine physische Realität und ein wissenschaftliches Rätsel, eine spirituelle Versöhnung und eine moderne Herausforderung. 
   Auf dem Bild trägt ein Engel Maria auf einem Halbmond. Grün, weiß und rot sind die Farben der Jungfrau von Guadalupe: ihr Mantel, ihr Kleid und die Federn der Engelsflügel. Dies sind die Farben der Azteken, und heute der mexikanischen Flagge. Der Mond deutet Maria als Widerschein der Herrlichkeit ihres Sohnes Jesus, für die Azteken ist er ein Hinweis darauf, dass sie die Wiege ihres Landes im Mond sehen. Carlos Crowly sieht in diesem Gnadenbild das einzige wirkliche Wunder auf unserer Erde. Nichts, so fühlt er, kommt diesem gleich. Das Wort Wunder übersteigt alle anderen Worte. Doch im Pilger weckt es Fragen: Was haben wir gesehen? Was ist es?
  Wissenschaftler antworten dann zunächst damit, was es nicht ist. Es ist kein Gemälde (es gibt keine Pinselstriche oder Untermalungen, keine Zeichnung und keinen Grundanstrich). Die Farbe ist weder tierisch, pflanzlich noch mineralisch und ist nicht von den Fäden des Gewebes zu trennen. Die Tilma ist aus Kaktuspflanzen hergestellt. Ein solches Produkt hält sich nur 20 Jahre und zerfällt dann schnell.  Die Tilma von Juan Diego ist nun fast 500 Jahre alt. Sie ist wie ein Bildteppich, weil die Farben eingewebt sind wie Fäden in einen Teppich.
   Als in den 1950er Jahren Wissenschaftler die Tilma genau untersuchten, entdeckten sie in den Augen der heiligen Frau das Bild von Juan Diego, Bischof Zumarraga und des Dolmetschers – diese drei waren im Moment der Enthüllung im Raum anwesend. Dies ist ein Phänomen in der Fotografie, so ist dieses Bild fast ein Foto, aber es ist kein Foto.
   Und dann ist da noch ein größeres Wunder: es betrifft den Umhang und das Dekor der Sterne darauf. Es ist nachgewiesen, dass die Darstellung der Sterne eine exakte Kopie der Sterne am Himmel über Mexiko ist - im Jahre 1531, als dieses Ereignis geschah. Aber das ist noch nicht alles: Die Sterne sind so angeordnet, wie sie vom oben aus gesehen werden, nicht von der Erde aus. Das ist unbegreiflich. Nur eine Antwort ist möglich: Es ist ein Wunder – wie kein anderes auf dieser Erde.

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Die Ereignisse

    In Guadalupe, das sich am Stadtrand von Mexiko City befindet, ist am 9. Dezember 1531 einem 55-jährigen Indio mit dem Namen Cuauhtlatoatzin ein unbekanntes junges Mädchen auf dem Hügel Tepeyac erschienen. Die Begegnung fand am Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens statt, das dort am 9. Dezember gefeiert wurde. Das Mädchen nannte den Witwer “Juanito” , er nannte sie “Ni niña” (mein kleines Mädchen).
   Bereits bei der ersten Begebenheit sagte La Morenita (Die kleine Braune): “Ich bin die immerwährende Heilige Jungfrau Maria, die Mutter des einzig wahren heiligen Gottes, des Leben spendenden Schöpfers aller Menschen. Er ist der Herr des Nahen und des Fernen, des Himmels und der Erde. Ich wünsche mir sehr, dass mir hier ein Heiligtum errichtet wird, wo ich ihn zeigen, preisen und für immer bezeugen kann. Ich werde den Menschen meine ganze Liebe spenden, meinen erbarmenden Blick, meine Hilfe, meinen Trost, meine Rettung. Denn ich bin wahrhaftig eure mitleidende Mutter: deine Mutter und die aller Menschen, die dieses Land bewohnen - wie auch die Mutter aller übrigen Stämme und Menschen, die mich lieben, rufen und anflehen. Ich bin die Mutter all derer, die mich suchen und mir vertrauen. Hier werde ich ihr Weinen und ihr Klagen hören. Hier werde ich sie in ihrer Trauer trösten und all ihre Schmerzen lindern. Hier werde ich sie heilen in ihrer Pein, ihrem Elend und Leid. Und um aber auszuführen, was meine mitleidigen und barmherzigen Augen vorhaben, geh zum Bischof von Mexiko. Sag ihm, dass ich dich geschickt habe und eröffne ihm, mit welcher Sehnsucht es mich danach verlangt, hier eine Heimstatt zu haben. An dieser flachen Stelle soll er mir ein Heiligtum errichten. Sag ihm das alles und erzähle, was du hier gesehen, bewundert und gehört hast. Sei dir sicher, dass ich dich reich belohnen und entlohnen werde: Ich werde es dir zu danken wissen. Ja ich werde dich glücklich machen  und dir viel Freude schenken.”
   Der Mann, der einer der wenigen getauften Indios und erst sieben Jahre zuvor nach den Aposteln Johannes und Jakobus auf die Namen Juan Diego getauft wurde, ging zum Bischof und berichtete ihm das ganze. Doch dieser wollte ihm nicht zuerst nicht glauben. Nach einer weiteren Begegnung mit dem Bischof am nächsten Tag bat der Bischof um ein Zeichen von der Muttergottes, da er noch immer nicht glauben wollte. Dieses Zeichen geschah am letzten Tag der Erscheinungen. Es begannen bei der Begegnung mit der Muttergottes plötzlich auf dem Hügel wunderschöne Rosen zu blühen. Juan Diego begann diese zu pflücken und in seinem Umhang zu sammeln. Die Muttergottes sagte: “Diese bunten Blumen sind das untrügliche Zeichen, das du dem Bischof bringen wirst. Sag ihm von mir, dass er in ihnen meinen Wunsch erkennen und danach meinem Willen und Verlangen stattgeben soll. Du bist mein Botschafter. Du hast mein Vertrauen. Mit allem Nachdruck verlange ich von dir, nur in der Gegenwart des Bischofs deine Tilma zu öffnen und ihm zu zeigen, was du bei dir trägst. Erzähl ihm alles ganz genau! Wie ich dich auf die Anhöhe geschickt habe, um Blumen zu pflücken, erzähl ihm alles, was du gesehen und bewundert hast! So wirst du bestimmt sein Herz überzeugen. Danach wird er tun, was er tun soll, und mit der Errichtung meines Heiligtums beginnen, wie ich es verlangt habe.”
   Juan Diego ging zum Bischof. Diesmal war der Bischof anders und auch offener. Er fühlte, dass diesmal das Zeichen der Wahrheit passieren sollte. Der Indio erzählte ihm alles wahrheitsgemäß. Dann breitete er vor dem Bischof und einigen Mitarbeitern den Mantel mit den Blumen aus, die sich in einem Augenblick in ein Zeichen verwandelten.  Das Bild der immerwährenden Jungfrau erschien auf dem Tuch. Alle fielen augenblicklich auf die Knie. Unter Tränen bat der Bischof die Heilige Jungfrau um Vergebung, dass er ihrem Willen nicht gleich entsprochen habe. Er begann bereits kurz danach mit dem Bau des Heiligtums. Später sollte das Wunder von Guadalupe zur größten Bekehrungswelle in der Geschichte führen. Paul Badde schreibt dazu in seinem Buch: “Unmittelbar nach dieser Begebenheit wurden plötzlich acht Millionen Indios katholisch, die sich nur zehn Jahre vorher kaum etwas Schöneres vorstellen konnten, als Spanier beziehungsweise Katholiken in Kakao zu kochen und aufzuessen’.” Im Jahr 1541 sollen laut Angaben des Franziskaners Toribio de Benavente Motolinea, der auch Juan Diego und seine Frau getauft hat, inzwischen bereits neun Millionen Azteken getauft worden sein.

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Maria - Stern der Evangelisation

Anfang des 16. Jahrhunderts, im Zeitalter der spanischen Eroberer der Neuen Welt, war die eigentliche Eroberin Maria. Denn als “Stern der Evangelisation”, wie Papst Johannes Paul II. sie bezeichnete, gelang ihr das, was alle Missionare zusammen nicht vermochten: innerhalb von sieben Jahren gewann sie in Mexiko die Herzen von mehr als neun Millionen Azteken für den katholischen Glauben, und der nahezu unüberbrückbare Graben zwischen ihnen und den Spaniern wurde überwunden.
   Diese riesige, in der Kirchengeschichte einzigartige Bekehrungswelle fand zu einer Zeit statt, als der Kirche in Europa durch die Reformation fünf Millionen Gläubige verloren gingen.
   In seiner einzigartigen Schönheit ist dieses wunderbare Gnadenbild der Jungfrau von Guadalupe über alle Jahrhunderte hinweg stets aufs Neue jenes sichtbare, anziehende und unanfechtbare Zeichen der liebevollen mütterlichen Gegenwart Mariens geblieben. Heute ist Guadalupe mit jährlich 20 Millionen Pilgern der größte Marienwallfahrtsort der Welt.
   “Alle, ob gläubig oder nicht, finden in der Jungfrau von Guadalupe etwas, was sie lieben und verehren können”, hieß es in einer Zeitung - und es stimmt. Wer könnte auch den zärtlich tröstenden Worten der Gottesmutter widerstehen, die sie in unaussprechlicher Güte nicht nur damals an ihren demütigen Indiosohn Juan Diego richtete, sondern auch jedem von uns heute sagt: “Nichts soll dich betrüben, nichts dich bekümmern. Bin ich nicht hier, deine Mutter?”
   Genau drei Jahre vor dem Erscheinen der Gottesmutter traf 1528 Juan de Zumarraga als erster Bischof der Neuen Welt in Tenochtitlan ein. Bekannt als “lebendiges Abbild des heiligen Franziskus” setzte er sich mit Eifer für die unterdrückten Indios ein. Dennoch gab es nur sehr wenige Bekehrungen. Der Grund war einfach: Keine 10 Jahre nach der Unterwerfung Mexikos beuteten die spanischen Eroberer getrieben von Macht und Besitzgier das Volk erbarmungslos aus, versklavten es als “Wesen ohne Seele”, rotteten ganze Familien aus und brannten ihre Häuser nieder.
   Als unermüdlicher “Schützer und Verteidiger der Indios” bekannt, wurde Zurnarraga mit seinen treuen Patres von den eigenen Landsleuten, den spanischen Machthabern, bedroht und aufs heftigste verfolgt. Schließlich gelang es ihm, eine Botschaft über die schrecklichen Zustände, “schlimmer als bei Herodes und Diokletian”, in einem ausgehöhlten Kruzifix an Kaiser Karl V. nach Spanien zu schmuggeln. Zwar wurde vom König 1530 eine gute neue politische Führung eingesetzt, doch zu jener Zeit stand Mexiko unmittelbar vor einem blutigen Aufstand. In dieser äußerst gespannten, aussichtslosen Situation griff der Himmel selbst ein, da niemand es erwartete und alle es so nötig hatten.  
   Unter den ersten Mexikanern, die 1525  zwei Jahre nach der Ankunft der ersten Franziskanermissionare getauft wurden, waren auch zwei einfache, bescheidene Bauersleute aus Cuautitlan, 20 Kilometer von Tenochtitlan entfernt. Seit der Taufe hieß das Indioehepaar Juan Diego und Maria Lucia, und schon bald zählte auch Juan Bernardino, Juan Diegos Onkel aus Tolpetlac, zu den ersten Christen des Landes. Nach seiner Heirat ging Juan Diego vom Dorf seines Onkels, bei dem er aufgewachsen war, nach Cuautitlan. Dort bewirtschaftete er mit seiner Frau als freier Bürger der Mittelschicht eine kleine Landwirtschaft und lebte ein einfaches Leben.
   Von allen als freundlich, still, zurückhaltend und mild beschrieben, war seine Demut wohl die auffallendste Tugend. Als tieffrommem und wißbegierigem Neugetauften war es ihm ein großes Bedürfnis, jeden Sonntag am heiligen Messopfer und an der Katechese im neuen Glauben teilzunehmen. Barfuß wie alle Indios machte das fromme Ehepaar aber auch jeden Samstag den weiten Kirchweg, um bei der heiligen Messe zu Ehren der Gottesmutter dabeisein zu können. Als 1529 seine Frau starb, zog Juan Diego zu seinem betagten Onkel nach Tolpetlac.
  Noch im Dunkeln machte sich der inzwischen 57jährige Juan Diego am Samstag, dem 9. Dezember 1531, wieder einmal auf die 12 Kilometer lange Fußreise über die Hügel nach Tlatilolco. Es war ein ganz besonderer Tag, denn in der Missionsstation sollte - wie zu jener Zeit üblich - das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens gefeiert werden. Als sich Juan Diego bei Sonnenaufgang dem Hügel Tepeyac näherte, wo einmal der Tempel der Muttergottheit Tonantzin gestanden hatte, vernahm er plötzlich herrliche Musikklänge wie wunderschönen Vogelgesang. Erstaunt blieb er stehen, und zum Hügel aufschauend, hörte er von dort eine sanfte Frauenstimme seinen Namen herabrufen:
   “Juanito! Juan Dieguito!”, indem sie liebevoll die zärtliche Verkleinerungsform seines Namens verwendete. Innerlich gedrängt kletterte Juan Diego den Hügel hinauf, um zu schauen, wer ihn rief. Dort fand er sich plötzlich einer Dame von überwältigender Schönheit gegenüber. Ihr Gewand leuchtete wie die Sonne, und die Strahlen, die von ihr ausgingen, durchdrangen die Felsen der Umgebung. Die Sträucher und Disteln glitzerten in bunten Farben. Die Dame schien jung, und als sie Juan Diego winkte näherzukommen, gehorchte er und sank vor ihr auf die Knie. “Höre, Juanito, mein lieber kleiner Sohn, wohin gehst du?” fragte sie mit leiser, sanfter Stimme voll Hochachtung und großer Liebe. “Meine Herrin, mein kleines Mädchen”, antwortete er und drückte mit diesen Worten große Ehrfurcht, Wertschätzung und zugleich zärtliche Liebe aus, “ich bin auf dem Weg nach Tlatilolco zur heiligen Messe.”
   Die Dame lächelte zustimmend und sagte: “Wisse, mein kleiner Sohn, dass ich die Makellose und Immerwährende Jungfrau Maria bin, die Mutter des wahren Gottes, durch den alles lebt, des Schöpfers aller Dinge, der Herr über Himmel und Erde ist. Es ist mein inniger Wunsch, dass man mir hier ein Gotteshaus baut, wo ich den Menschen meine ganze Liebe, mein Mitleid und Erbarmen, meine Hilfe und meinen Schutz erweisen und schenken will. Denn ich bin eure erbarmungsreiche Mutter, die Mutter aller Menschen, all jener, die mich lieben, die zu mir rufen, die Vertrauen zu mir haben. Hier will ich auf ihr Weinen und ihre Sorgen hören und will ihre Leiden, ihre Nöte und ihr Unglück lindern und heilen.
   Damit ich meine Absichten verwirklichen kann, gehe in das Haus des Bischofs in der Stadt Mexiko und sage ihm, dass ich dich gesandt habe und es mein Wunsch ist, dass hier ein Gotteshaus gebaut wird. Sage ihm, was du gesehen und gehört hast. Sei versichert, dass ich mich sehr dankbar er- weisen und dir alles vergelten werde, was du mit Sorgfalt ausführst, worum ich dich gebeten habe. Nun, da du meine Worte gehört hast, mein Sohn, geh und tue alles, was du tun sollst.”
  Juan Diego verneigte sich sehr tief und sagte mit Ehrfurcht: “Meine Herrin, ich werde sofort alles tun, worum du mich bittest.” Schüchtern klopfte Juan Diego an die Tür der bischöflichen Residenz, und die abweisenden Diener ließen den armen Indio lange warten, bis der ungewöhnliche Besucher schließlich vor Bischof Zumarraga stand, der ihn höflich und mit Güte begrüßte. Don Juan Gonzales, der 31jährige Dolmetscher, übersetzte, was Juan Diego dem Bischof kniend erzählte. Seine Nervosität unter- drückend, berichtete der Indio von seiner außergewöhnlichen Begegnung und wiederholte den Wunsch der Dame. Obwohl beeindruckt von der Bescheidenheit und offensichtlichen Aufrichtigkeit des Mexikaners, blieb Bischof Zumarraga dennoch unschlüssig und sagte schließlich in beruhigendem Ton:
   “Du mußt einmal wiederkommen, mein Sohn, wenn ich mehr Zeit habe, um dir zuzuhören. Inzwischen will ich über das nachdenken, was du mir erzählt hast.” Schweren Herzens und traurig über seinen Misserfolg verließ Juan Diego am Spätnachmittag die Stadt. Als er sich dem Tepeyac-Hügel näherte, kletterte er, einem inneren Antrieb folgend, den steinigen Hang hinauf und wirklich, dort stand die Dame im hellen Strahlenkranz, der er sich sofort zu Füßen warf und sein Herz ausschüttete:
   “Meine Herrin, meine kleine Tochter, mein kleines Mädchen”, sprach er sie in Indioart wieder mit den ehrfürchtigen und liebevollen Titeln an und klagte: “An der Art, wie der Bischof mir antwortete, er- kannte ich, dass er der Meinung ist, ich erfände die Geschichte von deinem Wunsch, dass hier eine Kirche erbaut werden soll. So bitte ich dich von Herzen, meine Herrin, mein Kind, vertraue diese Botschaft jemand Bedeutendem an, jemandem, der gut bekannt und angesehen ist, damit dein Wunsch erfüllt wird. Denn ich bin nur ein armer Mann, ein Schnürchen, ein kleines Holzleiterchen, nur Laub und ein Nichts, und du, mein Kind, meine kleine Tochter, meine Herrin, hast mich an einen Ort gesandt, wo ich kein Ansehen habe. Vergib mir, meine Herrin, wenn ich dich enttäuscht und in meinem Auftrag versagt habe.”
  Maria lächelte zärtlich und antwortete: “Höre, mein kleiner Sohn, und wisse, dass ich viele Diener und Boten habe, die ich mit der Überbringung meiner Botschaft beauftragen könnte. Doch es ist ganz und gar notwendig, dass du derjenige bist, der diese Mission ausführt, und dass durch deine Vermittlung und deine Hilfe mein Wunsch erfüllt wird. Ich bitte dich sehr, mein kleiner Sohn, morgen wieder zum Bischof zu gehen. Sage ihm in meinem Namen, und lass ihn ganz genau meine Anordnung verstehen, dass er das Gotteshaus, um das ich ihn bitte, bauen lasse. Wiederhole ihm, dass ich persönlich es bin, die immerwährende Jungfrau Maria, die Mutter Gottes, die dich sendet.”
   “Meine Herrin, mein Mädchen”, erwiderte Juan Diego. “Ich will dich nicht enttäuschen. Auf deinen Befehl hin will ich gerne noch einmal hingehen, auch wenn man mich vielleicht nicht anhören und mir nicht glauben wird. Morgen bei Sonnenuntergang will ich hierher zurückkehren und dir über die Antwort des Bischofs Bescheid geben.” Damit stand Juan Diego auf und ging nach Hause.
   Anderntags besuchte er in Tlatilolco die Sonntagsmesse und hörte die Christenlehre. Es war zehn Uhr vormittags, als er beim Bischof vorsprach. Auf den Knien und unter Tränen wiederholte er die Bitte der Gottesmutter, und Bischof Zumarraga stellte viele Fragen. Doch obwohl der Indio ihm keine Antwort schuldig blieb, wollte der Bischof etwas Überzeugendes, ein Zeichen. “Señor, mein Herr, was für ein Zeichen wollt Ihr? Ich werde sofort hingehen und die Herrin des Himmels, die mich gesandt hat, darum bitten.” Nachdem Zumarraga erklärte, er überlasse es der angeblichen Erscheinung, ein Zeichen zu geben entließ er Juan Diego, schickte ihm aber zuverlässige Leute nach, die ihm heimlich folgen sollten, um alles, was geschehe, zu beabachten. 
   Beim Tepeyac angekommen, war er ihren Blicken plötzlich entschwunden. Nach vergeblichem Suchen kehrten sie in die Stadt zurück. Inzwischen aber kniete Juan Diego vor der Gottesmutter und überbrachte die Antwort des Bischofs “Es ist gut so, mein Sohn”, tröstete sie, ihn, “komm morgen hierher zurück, und du sollst das Zeichen er halten, das er verlangt hat. Dann wird er glauben und nicht länger zweifeln oder dich verdächtigen. Achte gut auf das, was ich sage mein Sohn: Ich werde dich reich entschädigen für allen Verdruss und alle Arbeit und Mühen, die du für mich hattest. Du kannst nun nach Hause gehen morgen werde ich hier auf dich warten.”
   Abends daheim fand Juan Diego seinen Onkel Juan Bernardino schwerkrank vor, und weil sich des- sen Zustand zusehends verschlechterte, machte sich sein Neffe gegen vier Uhr morgens auf, um aus Mexiko Stadt einen Priester zu holen. Um keine Zeit zu verlieren, versuchte er, ungesehen von der Gottesmutter an der Ostseite des Tepeya, vorüberzueilen. Plötzlich sah er Maria umgeben von Licht vom Hügel herabkommen und sich ihm nahen: “Was ist geschehen, mein kleiner Sohn?” fragte sie liebevoll und gütig. “Wohin gehst du?” Verwirrt und seine Bestürzung verbergend antwortete er: “Mein Kind, mein Mädchen, wie geht es dir? Hast du gut geschlafen? Bist du gesund? Es wird dich betrüben zu hören, was ich zu sagen habe. Mein Onkel, dein armer Diener, ist sehr krank. Er leidet an hohem Fieber und liegt im Sterben. Ich eile zur Kirche in der Stadt Mexiko, um einen Priester zu holen, der ihm die Beichte hören und die Sterbesakramente spenden soll. Wenn ich das getan habe, werde ich unverzüglich zurückkommen, um deinen Auftrag auszuführen. Meine Herrin, mein Mädchen, bitte vergib mir und hab Geduld mit mir. Ich will dich nicht täuschen. Ich verspreche dir, mein Mädchen, getreulich morgen hierher zu eilen.”
   Einen Augenblick war Stille, dann tröstete ihn Maria zärtlich: “Höre und lass es in dein Herz dringen, mein liebster kleiner Sohn: Nichts soll dich erschrecken, nichts dich betrüben. Dein Herz beunruhige sich nicht. Fürchte nicht diese Krankheit noch irgendeine andere Krankheit oder einen Kummer. Bin ich denn nicht hier, deine Mutter? Bist du denn nicht in meinem Schatten, unter meinem Schutz? Bin ich nicht der Brunnen deiner Freude, dein Heil? Bist du nicht in den Falten meines Mantels, in der Beuge meiner Arme? Bist du nicht in meinem Schoß? Brauchst du noch mehr als das? Lass dich weder wegen der Krankheit deines Onkels, noch wegen irgend etwas anderem beunruhigen, denn er wird daran nicht sterben. Sei gewiss, er ist schon geheilt.”
   Getröstet durch die mitleidvollen Worte der Mutter bot sich Juan Diego sofort an, mit einem Zeichen zum Bischof zu eilen. Die Dame lächelte und wünschte, dass er auf den Hügel steige, “zu der Stelle, wo du mich zum ersten Mal gesehen hast und ich dir,  mein kleiner Sohn, die Botschaft anvertraut habe. Dort wirst du viele Blumen finden.  Pflücke sie, sammle sie ein und bringe sie dann her zu mir.” Juan Diego gehorchte; er fand eine leuchtende Fülle stark duftender Rosen und kehrte damit zur Gottesmutter zurück.  
   Sie ordnete die herrliche Blumenpracht sorgfaltig in der Tilma, dem traditionellen Umhang der Indios, und sagte dabei: “Mein kleiner Sohn, diese verschiedenen Rosen sind der Beweis und das Zeichen, das du dem Bischof bringen sollst. Sage ihm in meinem Namen, dass er daraus meinen Willen erkennen soll und ihn erfüllen muss. Du sollst mein Botschafter sein, der mein ganzes Vertrauen besitzt. Ich befehle dir, die Tilma nicht zu öffnen und ihren Inhalt erst in Gegenwart des Bischofs zu enthüllen. Dann sage ihm alles der Reihe nach. Schildere, wie ich dich nach oben auf den Hügel geschickt habe, um die Blumen zu pflücken, und was du dort gesehen und bewundert hast, damit du den Bischof überzeugen kannst, meinen Wünschen nachzukommen und das Gotteshaus hier zu bauen, wie ich gebeten habe.” Diesmal eilte Juan Diego zuversichtlich in die Stadt zum Haus des Bischofs. Der Spott der Diener und ein schier endloses Warten in der Kälte konnten den armen Indio nicht abschrecken. Als er endlich vorgelassen wurde, verbeugte er sich tief vor Bischof Zumarraga und dessen Besuch, Bischof Don Sebastian Ramirez y Fuenleal, dem neuen Gouverneur Mexikos, und berichtete: "Mein Herr, ich ge- horchte Eurer Anweisung. Ganz früh heute morgen sagte die Herrin des Himmels zu mir, ich solle noch einmal hierher gehen und mit Euch sprechen. Ich bat um das Zeichen, das Ihr verlangtet und das sie mir zu geben versprochen hatte, damit Ihr mir glaubt. Sie sandte mich nach oben auf den Hügel, dort wo ich sie früher gesehen hatte, um die Rosen, die dort wuchsen, zu pflücken. Ich wusste ganz gut, dass oben auf dem Hügel, auf dem vereisten steinigen Boden keine Blumen wachsen können. Doch zweifelte ich nicht an ihren Worten. Als ich oben ankam, war mir, als sei ich im Paradies, umgeben von herrlichsten Rosen, auf denen Tautropfen glänzten. Ich pflückte sie und brachte sie zu ihr zurück. Sie ordnete sie mit ihren eigenen Händen und legte sie wieder in mein Gewand, damit ich sie Euch als das erbetene Zeichen bringe und sich ihr Wunsch erfüllt und Ihr die Echtheit  meiner Botschaft erkennt. Hier sind sie. Seht da, nehmt sie.”
  Mit diesen Worten ließ Juan Diego die Enden seiner Tilma los, und im selben Moment, da die Rosen zu Boden fielen, prägte sich auf der Tilma in wunderbarer Weise das kostbare Gnadenbild der Gottesmutter von Guadalupe ein. Der Bischof und alle Anwesenden sanken staunend und voll Be- wunderung ehrfürchtig auf die Knie. Verwirrt blickte nun auch Juan Diego an sich herab und war ganz überwältigt, als er auf seinem Umhang ein herrliches Abbild der himmlischen Dame sah, genau so, wie sie ihm auf dem Tepeyac erschienen war.
   Als Bischof Zumarraga sich schließlich erhob, bat er den einfachen Indio für sein Misstrauen um Verzeihung und lud ihn als Ehrengast über Nacht ein. In Windeseile verbreitete sich das wunderbare Ereignis in der ganzen Stadt, und als sich der Bischof tags darauf den genauen Erscheinungsort Mariens zeigen ließ, begann man sofort mit dem Bau einer Kapelle. 
   Mit einem großen Ehrengeleit kehrte Juan Diego in sein Dorf zurück, wo er zu seiner Freude Onkel Juan Bernardino gesund antraf. Immer wieder nickte dieser bestätigend, als ihm Juan Diego die un- gewöhnlichen Geschehnisse erzählte, und berichtete nun seinerseits etwas ganz Erstaunliches: Als sein Neffe fortgegangen war, um einen Priester zu holen, fühlte Juan Bernardino, dass sein letzter Augenblick gekommen war. Doch plötzlich wurde der Raum von einem strahlenden Licht erhellt, und eine schöne Dame erschien ihm. Im selben Moment fühlte er sich vom Fieber befreit und ganz gesund. Als er dann vor der Dame kniete, teilte sie ihm liebevoll mit, dass sie seinen Neffen aufgehalten und mit ihrem heiligen Bild auf seiner Tilma eingeprägt zum Bischof gesandt habe. Dann offenbarte sie Juan Bernardino jenen Namen, unter dem sie angerufen werden möchte: “Die immerwährende Jungfrau, Unsere liebe Frau von Guadalupe.”
   Juan Diego und sein Onkel blieben 14 Tage lang Ehrengäste in der Bischofsresidenz in Mexiko Stadt, bis am 26. Dezember - nur zwei Wochen, nachdem das wunderbare Bild Mariens auf der Tilma er- schienen war - das kostbare Kleinod unter Beteiligung des ganzen Volkes feierlich in die erste kleine Steinkapelle auf den Tepeyac übertragen wurde. Tag und Nacht hatten Spanier und Indios gemeinsam das bescheidene Gotteshaus errichtet, das Bischof Zurnarraga ohne zu zögern der Obhut Juan Diegos anvertraute. Dort lebte der demütige Seher von Guadalupe die letzten 17 Jahre seines Lebens aske- tisch und genügsam in einer kleinen Klause direkt beim Heiligtum als großer Beter und eifriger Apostel der “Santisima Virgen de Guadalupe”. Nie wurde er müde, den Tausenden Indios, die ihn für einen Heiligen hielten, die zärtlichen Worte der Gottesmutter und die Geschichte des Gnadenbildes zu erzählen. 
   Im Laufe der Jahre strahlten Juan Diegos vergeistigtes Gesicht und sein ganzes Wesen eine tiefe Würde aus. 1544 ging Juan Bernardino seinem Neffen im hohen Alter von 84 Jahren in die Ewigkeit voraus. Juan Diego, der immer ein armer Indio geblieben war, folgte ihm vier Jahre später, am 30. Mai 1548, mit 74 Jahren und wurde in der Kapelle beigesetzt. Nur drei Tage später starb auch Bischof Zumarraga im Ruf der Heiligkeit.

GuadalupeJPxx Das erste Wunder

   Geübt im Lesen von Bildern und Symbolen riefen die heidnischen Azteken beim Anblick der wunderschönen Dame mit indianischen Zügen in ihre Muttersprache Nahuatl immer wieder voll Begeisterung: “Sie ist eine von uns!” Sofort hatten sie nämlich verstanden das Bild zu deuten: Strahlend vor der Sonne stehend musste sie größer als ihr gefürchteter Sonnengott Huitzilopochtli sein. Mit einem Fuß auf dem Halbmond, dem Symbol für den gefiederten Schlangengott Quetzalcoatl, zeigte die Dame ihnen, dass sie diesen mächtigsten aller Aztekengötter besiegt hat. Die blaugrüne Farbe ihres Mantels - die Farbe der aztekischen Könige - deutete auf ihre Königswürde hin, und die 46 Sterne auf ihrem Mantel ließen erkennen: Sie ist größer als die Sternengötter des Himmels. Ihr anmutig in Verehrung geneigtes Haupt und die gefalteten Hände machten jedoch deutlich, dass auch sie einem in Ehrfurcht dient, der noch größer ist als sie. Und schließlich erkannten sie im kleinsten aller Zeichen, dem schwarzen Kreuzlein am Halsausschnitt des Kleides, jenes christliche Symbol der Spanier wieder, das ihnen zu verstehen half: Die Religion der Eroberer ist auch die Religion der Jungfrau von Guadalupe und soll auch unsere werden.
   Bis 1531 hatten sich fast alle erwachsenen Azteken den Bemühungen der Missionare widersetzt. Als sich jedoch die Verehrung Unserer lieben Frau von Guadalupe über das riesige Land ausbreitete, bewirkte Maria selbst eine gewaltige Welle von Bekehrungen, die alle Stämme, Rassen und Religionen Mexikos erfasste. “Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich nicht wagen, es zu schildern”, schrieb Pater Toribio. “Ich kann aber bezeugen, dass im Kloster Quecholac ein anderer Priester und ich selbst vierzehntausend und zweihundert Seelen in fünf Tagen tauften. Es war wahrhaftig keine kleine Arbeit.” Vom flämischen Franziskanermissionar Peter van Ghent berichteten Zeitgenossen, dass er mit eigener Hand mehr als eine Million Mexikaner taufte. Die Missionare selbst waren überwältigt von den schier endlosen Menschenreihen, die nach Katechese und Taufe verlangten, und Maria hat sich offensichtlich als erbarmungsreiche Mutter ihres Volkes in der Neuen Welt erwiesen.  
   Nicht allein das Gnadenbild war für die Bekehrung der Mexikaner ausschlaggebend. Für die Indios, die alles erzählend weitergaben und ein erstaunliches Gedächtnis besaßen, waren ebenso die Worte der Gottesmutter entscheidend, die ihnen Juan Diego, der große Katechet der Indios, immer wieder bereitwillig wiederholte. Aus seinem Mund wuchs die lebendige Tradition von Guadalupe, und seine Zuhörer verstanden:
   Die Mutter der Christen ist schön, sie will nichts für sich, keine Menschenopfer, sondern nur ein kleines Haus. Sie demütigt und droht uns nicht, sondern ihre Worte sind voll Trost und Mitleid. Das Wort “Guadalupe”, der Titel, mit dem sich die Gottesmutter Juan Bernardino vorstellte, mag für den Indio in seiner Eingeborenensprache wohl wie “coatlaxopeuh” geklungen haben, was bedeutet: “welche die Steinschlange zerstört, zertritt, vernichtet”. Andere vertreten die Meinung, der Dolmetscher  habe damals gemeint, Juan Bernardino hätte versucht, das spanische Wort “Guadalupe” auszusprechen, nach dem das größte Marienheiligturn Spaniens benannt ist. Und so wurde dieser Name in Mexiko übernommen, der seiner Wortwurzel nach aus dem Arabischen stammt und soviel wie “Ströme des Lichtes” oder “fließendes Licht” bedeutet. Wie auch immer sich die Gottesmutter Juan Bernardino vorgestellt haben mag, eines ist sicher: In genialer Weise wählte sie in Mexiko einen Namen, der sowohl für die Indios in ihrer Sprache bedeutsam war als auch für das Ohr der Spanier sehr vertraut klang.

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  Auch wenn sich die Schönheit des Bildes von Guadalupe am tiefsten dem betenden Betrachter erschließt, so wurde es doch bis herauf in unsere Zeit Gegenstand vieler wissenschaftlicher Untersuchungen, die erstaunliche Er- gebnisse erbrachten.
   Immer noch ist der Wissenschaft ganz und gar unerklärlich, dass die grobe Tilma aus Agavefaser, die normaler- weise maximal eine Lebensdauer von 20 Jahren hat, nach 470 Jahren noch nicht das geringste Anzeichen von Verschleiß, Rissigkeit oder Verfall aufweist. Zudem sind die Farben leuchtend und frisch, obwohl das Bild mehr als ein Jahrhundert völlig ungeschützt in der feuchten Steinkapelle unablässig dem starken Rauch Tausender Votivkerzen und Weihrauch ausgesetzt war und von unzähligen Händen und Gegenständen berührt wurde.
   Prof. Richard Kuhn, Nobelpreisträger für Chemie und Direktor der chemischen Abteilung am Kaiser-Wilhelm-Institut, untersuchte 1936 eine rote und gelbe Faser vom Gnadenbild. Unglaublicherweise fand er keinerlei Farbe auf und in den Fasern und erklärte, dass die verwendeten Materialien, die wie Farbe aussehen, weder tierische, pflanzliche noch mineralische Farbstoffe und der Wissenschaft unbekannt sind. Eine mikroskopische Untersuchung im Jahr 1946 wies erstmals nach, dass keine Pinselstriche auf dem Bild vorhanden sind, d.h. es ist keine Malerei. Es weist keine Anzeichen einer uns bekannten Art der Malerei auf, sondern besitzt eher den Charakter einer Fotografie, wie die Geschäftsleitung der Firma Kodak 1963 betonte.
   1929 entdeckte ein Berufsfotograf namens Alfons Gonzales auf einer mehrfachen Vergrößerung des Bildes in der Pupille des rechten Auges der Gottesmutter etwas, was wie ein menschliches Gesicht aussah. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurden durch Digitalverfahren weitere sieben Personen im Auge Mariens identifiziert, und schließlich stand das Ungeheuerliche fest:  
   Im Auge der Jungfrau von Guadalupe spiegelt sich ein authentisches, perfektes Bild jener Szene wider, die statt- fand, als Juan Diego vor dem Bischof die Tilma öffnete. Wer aber hätte 1531 jene Szene zu malen vermocht, die erst bei vieltausendfacher Computervergrößerung erkennbar wird?
   Am 7. Mai 1979 wurden von zwei amerikanischen Wissenschaftlern von hohem Rang, Prof. P.Callhan und Prof. J. Smith, viele Infrarotfotografien von der Tilma gemacht, die erneut bestätigten, dass die Farbenfrische und die Farbgebung unerklärlich sind. Auf dem Bild ist keinerlei Untermalung und keine schützende Lackierung vorhanden. Ohne Grundierung aber hätte die Tilma schon vor Jahrhunderten zerfallen müssen. Weiterhin zeigten Nahauf- nahmen das Phänomen, dass sich im feinen Antlitz Mariens, z.B. bei den Lippen, grobe hervorstehende Fasern befinden, die Licht und Schatten betonen und somit einen realistischen dreidimensionalen Effekt hervorrufen.
   Besonders beeindruckend für die Wissenschaftler war die Tatsache, dass das grobe Material Lichtbrechung und somit eine scheinbare Farbveränderung bei Betrachtung aus verschiedener Entfernung verursacht, wie dies in der Natur vorkommt, wenn man etwa den Flügel eines Schmetterlings oder eines schillernden Käfers aus verschie- denen Winkeln betrachtet. Die Meinungen betreffs gemalter Hinzufügungen oder Übermalungen am Originalbild gehen in wissenschaftlichen Kreisen auseinander. Eines aber bestätigen auch allerletzte wissenschaftliche Unter- suchungen: Gesicht, Gewand und Mantel sind nicht von Menschenhand gemalt.
 

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Das Bild - wissenschaftliche Ergebnisse:

-  Kein Malmaterial identifizierbar, weder pflanzlichen, noch tierischen noch mineralischen Ursprungs.
-  Malmaterial bis heute unbekannt.
-  Keine Pinselstriche vorhanden.
-  Keine Vorzeichnungslinien, keine Vorzeichnungsskizze vorhanden.
-  Keine Untermalung, keine Grundierung, keine Leimung: dies macht es eigentlich unmöglich, auf der Oberfläche des groben Stoffes zu malen.
-  Keine schützende Lackierung vorhanden trotz unerklärlich guter Erhaltung von Bild und Stoff.
-  Kombination verschiedener Maltechniken: Öl, Tempera, Wasserfarbe und Fresko. Nicht kopierbar.
-  Unebenheiten auf dem Gewebe gezielt ausgenutzt, um dem Gesicht Tiefe zu geben.
-  Rätselhafte Glättung der Oberfläche. Die Bildseite auf der Tilma ist merkwürdig geglättet, glänzend weiss und weich unter dem Bild. Forscher haben keine Erklärung für die zwei unterschiedlichen Materialseiten.
- Lichtbrechung: Bei der Untersuchung 1979 durch Smith und Callahan festgestellt: Die Farben verhalten sich wie Farben auf Vogelfedern, Schmetterlings- oder Käferflügeln: sie verändern sich beim Betrachten aus verschiedenen Blickwinkeln.
- Einseitige Durchsichtigkeit. Das Bild auf der Vorderseite kann deutlich durchscheinend von hinten gesehen wer- den – jedoch ein rätselhafter grüner Fleck auf der Rückseite des Gewebes kann von der Vorderseite aus nicht gesehen werden.
- Infrarotdurchlässigkeit: die rosa Farbe auf dem Bild ist – entgegen der allgemein vorkommenden Undurchlässigkeit der rosa Farbpigmente – infrarotdurchlässig.
- Umkehreffekt: Aus der Entfernung erscheint das Bild grösser, scheint beim Näherkommen zu „schrumpfen!. Gesicht und andere Details sind nicht aus der Nähe, sondern erst aus einigen Metern Entfernung deutlich zu erkennen.
-  Die Augen: Die Augen des Gesichtes auf der Tilma bilden das grösste Rätsel dieses Artefaktes. In beiden Augen spiegelt sich die damalige Szene der Bildentstehung im Jahr 1531 vor dem Bischof mit Verzerrungen in Abhängigkeit von den Gesetzen der Krümmung der Hornhaut, und im zweiten Auge um genau den Faktor verschoben, wie es sich in einem lebendigen Auge zeigen würde.
- 1956 entdeckt: Lichtreflexe in den Augen der Figur auf der Tilma. (Lichtreflexe im menschlichen Auge sind uns erst bekannt seit Helmhotz’ Entdeckung in den 1880er Jahren! Woher also sollte der Hersteller dieses Bildes im Jahre 1531 davon Kenntnis gehabt haben?)
- 1958 entdeckt: Parkinje-Sanson-Effekt in den Augen der Figur auf der Tilma: ein gesehenes Objekt wird in beiden Augen eines Menschen reflektiert, und zwar an drei verschiedenen Stellen verursacht durch die Krümmung der Hornhaut. Genau dies aber findet sich auch in den Augen der Figur auf dem Tilmabild!
- Die sich in den Augen widerspiegelnde Szene – nach modernster Computerbildanalyse: Ein sitzender Indio; die Gesichter von möglicherweise Bischof Zumárraga und Dolmetcher Gonzales; dann Juan Diego, seine Tilma öffnend; die Büste einer Frau und ein bärtiger Spanier. In der  Mitte: eine Eingeborenengruppe mit Kind.

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Maria - in Erwartung -     Papst Benedikt XVI. verehrt die Jungfrau von Guadalupe

   Die Jungfrau von Guadalupe hat jene sieben typischen schwarzen Schleifen über ihrem Schoß, die alle Azteken sofort zu deuten wussten: Diese Frau ist in Erwartung. Um das zu bestätigen, wurde 1991 die mexikanische Bischofskonferenz gebeten, ein Phonogramm, eine Geburtshilfeuntersuchung zur Aufzeichnung der Herztöne eines Ungeborenen, am Bild vornehmen zu lassen.
  1995 machte Pater Mario Rojas, Professor der päpstlichen Universität Mexikos, daraufhin mit Hilfe der Herztonuntersuchung die unglaubliche Entdeckung: Auf dem Bild waren im Bereich des Schoßes Mariens eindeutig Herztöne hörbar. Zudem zeigten Videoaufnahmen des Regisseurs John Bird an derselben Stelle Bewegungen wie bei einer Frau im letzten Schwangerschaftsstadium.
   Nach dieser revolutionären Entdeckung untersuchte der bekannte Gynäkologe Dr. Carlos Fernandez del Castillo im Auftrag Prof. Rajas erneut das Bild auf der Tilma. Dabei konnte er in einem abschließenden Gutachten die bereits vorliegenden Befunde bestätigen. Demnach erwartet die Frau auf dem Guadalupebild eindeutig ein Kind, das mit dem Kopf nach unten in sogenannter linker Position in ihrem Schoß liegt. Der Arzt schließt seinen Bericht mit dem Hinweis, dass es sich um eine normale, gesunde Schwangerschaft handelt und die Geburt des Kindes nahe bevorsteht.

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Unsere Liebe Frau von Guadalupe - Heil der Kranken

  Am 16. Dezember 1979 wurde dieses Bild “Unsere Liebe Frau von Guadalupe - Heil der Kranken”, das die Heilung Juan Bernardinos durch die Gottesmutter darstellt, im Auftrag von Papst Johannes Paul II. in einer feierlichen Zeremonie vom päpstlichen Delegaten im Beisein des Primas von Mexiko, Kardinal Ernesto Ahumada, gekrönt. 
   Während das päpstliche Dekret verlesen wurde, geschah etwas ganz Unerklärliches: Plötzlich zeigte sich in der Mitte des Gemäldes ein strömendes Licht, das den Kranken und den Schoß der Gottesmutter wie helle Sonnen- strahlen bedeckte. Dieses außergewöhnliche Phänomen hielt bis zum Schluss der Verlesung des päpstlichen Schreibens an und wurde fotografiert. Foto oben Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass Maria am 12. Dezember 1531 bei Juan Bernardino ihren Namen offenbarte, der im Arabischen soviel wie “strömendes Licht” bedeutet.
Die Verehrung der Päpste – Gebet
   Neben vielen Päpsten, haben die Päpste des 20. Jahrhunderts die Jungfrau von Guadalupe in besonderer Weise geehrt. Johannes XXIII. rief ihr zu Ehren vom 12. 12. 1960 bis zum 12. 12. 1961 ein marianisches Jahr und pries sie als “Die Mutter beider Amerika” und als “Missioniarin der Neuen Welt”.
   Als erster Papst in der Kirchengeschichte besuchte der neu gewählte Papst Johannes Paul II. am 27. Januar 1979 während seiner ersten Auslandsreise das Heiligtum von Guadalupe. Zu diesem Anlass stellte der Heilige Vater sein Pontifikat unter den Schutz der Gottesmutter, weihte ihr Nord- und Südamerika und verfasste zur Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis eigens ein Weihegebet:

 “O unbefleckte jungfräuliche Mutter des wahren Gottes und Mutter der Kirche!
Du, die Du von dieser Stätte aus
Deine Güte und Dein Erbarmen für alle kundtust, die um Deinen Schutz bitten:
höre das Gebet, das wir mit kindlichem Vertrauen an Dich richten ...
Mutter der Barmherzigkeit, Lehrerin des verborgenen und stillen Opfers,
Dir, die Du gekommen bist, um uns Sünder zu besuchen,
weihen wir an diesem Tag unser ganzes Sein und unsere ganze Liebe.
Wir weihen Dir auch unser Leben, unsere Arbeit, unsere Freuden,
unsere Gebrechen und unsere Sorgen ...
Wir möchten ganz Dein eigen sein und zusammen mit Dir
den Weg des vollkommenen Glaubens an Jesus Christus in seiner Kirche gehen.
Halte uns immer an Deiner liebenden Hand.
Jungfrau von Guadalupe, Mutter beider Amerika ...
blicke auf diese unermessliche Ernte und bitte den Herrn,
dass er dem ganzen Gottesvolk Hunger nach Heiligkeit eingeben möge.”  
                                                                                                                                      Papst Johannes Paul II.

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Betancourt dankt Jungfrau von Guadalupe: “Ich bin sicher, dass sie da war, um uns zu helfen!”

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   Die nach fast sechseinhalb Jahren Geiselhaft aus der Gewalt linker FARC-Rebellen befreite frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt ist von Bogota aus nach Paris geflogen. Zuvor hatte sie bei einer Pressekonferenz in der französischen Botschaft angekündigt, dass sie von Papst Benedikt XVI. im Vatikan empfangen werde. „Das ist ein Treffen, das man sich nicht entgehen lassen darf, sagte die 46-Jährige. Der genaue Termin sei ihr noch nicht bekannt.
   Betancourt war zusammen mit vierzehn weiteren Geiseln bei der spektakulären Aktion von den Streitkräften durch einen Trick und ohne Blutvergießen befreit worden. Ihre Rettung aus der Hand der Rebellen am Fest Maria Heimsuchung schrieb Betancourt der Fürsprache der Muttergottes zu. Der lateinamerikanische Nachrichtendienst „Noticieros Televisa International” berichtete, dass Betancourt in der Pressekonferenz vor dem Abflug der Jungfrau von Guadalupe gedankt habe: „Ich bin sicher, dass sie da war, um uns zu helfen. Fast sieben Jahre habe ich auf diesen Moment gewartet. Im Dschungel habe ich vor Schmerzen geweint, heute weine ich vor Freude.”
   Schon unmittelbar nach der Ankunft am Flughafen von Bogota nach der Befreiung hatten Betancourt und ihre Angehörigen Gott und der Jungfrau Maria mit einem Gebet auf Knien gedankt. Betancourt berichtete nach der Landung, sie habe am Morgen nach dem Aufstehen den Rosenkranz gebetet. Am linken Handgelenk trug Betancourt während der Befreiungsaktion einen selbstgeknüpften Rosenkranz. Fotos unten.

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   Die Politikerin stammt aus einer tiefgläubigen Familie. Im Mai hatte ihre Schwester Astrid Betancourt der Zeitschrift „Panorama” gegenüber erklärt, Ingrid und die gesamte Familie vertrauten auf die Gottesmutter und gäben die Hoffnung nicht auf.
   Benedikt XVI., den Betancourts Mutter Yolanda Pulecio Anfang Februar nach der Generalaudienz um sein Gebet für ihre Tochter gebeten hatte, ist erleichtert über die Befreiung, die „Anlass zur Hoffnung” für Kolumbien gibt. Das sagte Vatikansprecher Federico Lombardi, als die Nachricht über die Rettung der Politikerin bekannt wurde. „Die Nachricht von der Befreiung Ingrid Betancourts und der anderen Geiseln ist eine Nachricht, die uns mit großer Freude erfüllt. Natürlich hoffen wir, dass es sich dabei um ein positives Zeichen handelt, dem andere dieser Art folgen werden. Denn unglücklicherweise leiden immer noch viele Personen auf dieselbe Art, infolge der Gewalttat einer Geiselnahme.", so Lombardi.
  Papst Benedikt hatte oftmals zur Freilassung dieser Geiseln aufgerufen, zuletzt in einer Botschaft an die kolumbianischen Bischöfe, denen er zum 100-jährigen Bestehen ihrer Bischofskonferenz gratulierte. „Der Appell des Papstes hat sein Ergebnis erbracht in dieser Befreiung, die wichtig, aber gleichzeitig begrenzt ist. Wir hoffen, dass alle diese Menschen die Freiheit wiedererlangen, und dass Kolumbien auf Frieden hoffen kann, auf eine Rückkehr zu einem Leben, das frei ist von der entsetzlichen Gewalt, die das Land seit langer Zeit quält.”
  Auch die kolumbianischen Bischöfe, die derzeit zu ihrer Vollversammlung in Bogota versammelt sind, begrüßten die Rettungsaktion. Dies sei eine „großartige Nachricht”, erklärte Kardinal Pedro Rubiano Saenz. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Luis Augusto Castro, sieht eine Chance auf ein Ende des bewaffneten Konflikts. Die Guerilla-Organisation müsse begreifen, dass nach einer Freilassung aller Geiseln die Tür für eine Verhandlungslösung offen stehe.  rvDT080705regDPA

Papst Benedikt: Reise nach Mexiko und Kuba

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Der Papst habe sich sehr über den herzlichen Empfang in Mexiko gefreut, sagte Lombardi. Die Strecke vom Flughafen ins 34 Kilometer entfernte Léon fuhr das 84-jährige Kirchenoberhaupt mit dem Papamobil. Der Papst besuchte unter strengen Sicherheitsvorkehrungen die drei zentralmexikanischen Städte Silao, León und Guanajuato.

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   „Für mich ist die Reise eine große Freude und erfüllt mir einen lang gehegten Wunsch. Um meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, kommen mir die Worte des Zweiten Vatikanischen Konzils in den Sinn: “gaudium et spes, luctus et angor”, Freude und Hoffnung, aber auch Trauer und Angst. Ich teile die Freude und die Hoffnung, aber auch die Trauer und die Schwierigkeiten dieses großartigen Landes. Ich komme, um zu ermutigen und zu lernen, um im Glauben, in der Hoffnung und in der Nächstenliebe zu bestärken, und das Engagement für das Gute und im Kampf gegen das Böse zu bestärken. Hoffen wir auf Gottes Hilfe!
   Die Schwierigkeiten, die Papst Benedikt bei seinem Besuch in Mexiko antreffen wird, sind ihm dabei wohl bewusst: „Wir kennen die Schönheit Mexikos sehr wohl, aber auch das große Problem des Drogenhandels und der Gewalt. Das ist sicherlich eine große Verantwortung für die katholische Kirche in einem Land, in dem 80 Prozent der Bevölkerung katholisch ist. Wir müssen alles Menschenmögliche gegen dieses zerstörerische Übel für die Menschheit und unsere Jugend unternehmen.
   Dabei betont Papst Benedikt aber auf die Frage, ob eine positive Weiterentwicklung der Grundideen der Befreiungstheologie möglich sei, dass die Kirche keine politische, sondern vielmehr eine moralische Instanz sein muss:
   „Die Kirche muss sich immer fragen, ob man genug für die soziale Gerechtigkeit in diesem großartigen Kontinent tut. Das ist eine Gewissensfrage, die wir uns immer stellen müssen. Was muss die Kirche tun, was kann und was darf sie nicht tun? Die Kirche ist keine politische Macht, keine Partei, sondern eine moralische Instanz, sie hat moralische Macht. Der erste Gedanke der Kirche ist es, das Gewissen zu bilden und so das notwendige Verantwortungsbewusstsein zu schaffen; das Gewissen muss einerseits im Individuum, und andererseits aber auch im öffentlichen Bereich geschaffen werden – und hier gibt es wohl noch Handlungsbedarf. Man sieht in Lateinamerika, aber auch andernorts bei nicht wenigen Katholiken eine gewisse Diskrepanz zwischen individuellem und öffentlichem Moralbewusstsein.“

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  Sein Land befinde sich in einer „schwierigen Lage”, sagte der Präsident mit Blick auf den Drogenkrieg, bei dem seit 2006 rund 50.000 Menschen ums Leben kamen. Während des Fluges hatte der Papst zu dem Thema gesagt: „Wir müssen alles Mögliche tun, um dieses Übel, das unsere Jugend zerstört, zu bekämpfen.”
   Er forderte „moralische Verantwortung” und verurteilte die „Anbetung des Geldes, die den Mensch versklavt”. Zahlreiche Mexikaner hoffen angesichts der anhaltenden Gewalt, dass Benedikt XVI. bei seinem Besuch eine Botschaft des Friedens an das Volk richtet.
   Der Papst erinnerte bei seiner Ankunft in Mexiko an das Grundrecht auf Religionsfreiheit und forderte die Christen auf, ihren Glauben zu erneuern. Mexiko ist weltweit das Land mit der zweithöchsten Zahl an Katholiken. 84 Prozent der 112 Millionen Mexikaner sind getauft.  RV120323
   Benedikt XVI. (84) ist in Mexiko gelandet. Tausende jubelten ihm zu, schwenkten schon am Flughafen von Guanajuato Fähnchen, hielten Plakate in die Höhe. Begleitet von Mexikos Präsident Felipe Calderon und dessen Ehefrau Margarita Zavala - Was für ein Empfang für den deutschen Papst!
   Die Mexikaner liebten  Benedikts Vorgänger Papst Johannes Paul II. Der warmherzige Empfang ist umso bemerkenswerter: „Esta es la juventud del papa!", rufen die tausenden jugendlichen Christen. „Dies ist die Jugend des Papstes!“
   Trotz 14 Stunden Flug wirkte der Papst erholt. Auf der mehr als 30 Kilometer langen Fahrt in die Stadt Léon säumten nach Angaben von Papst-Sprecher Federico Lombardi bis zu 700.000 Menschen die Straßen. Bei seiner Ankunft sagte der Papst, er werde vor allem für diejenigen beten, „die unter jeglicher Form der Gewalt” litten. Staatschef Felipe Calderón sagte, der Besuch des Papstes sei eine „Geste der Solidarität mit unserem Volk, die wir nie vergessen werden”. Bild-net120323

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   Insgesamt sind 5.400 Sicherheitskräfte im Einsatz. Ein Abstecher in die Hauptstadt Mexiko-Stadt war wegen deren Höhenlage nicht geplant. Am Samstag hält der Papst eine Privatmesse ab; am Sonntag feiert er dann in León eine große Messe unter freiem Himmel.
   Es ist die 23. Auslandsreise des katholischen Kirchenoberhaupts, aber erst sein zweiter Besuch in Lateinamerika, wo er im Jahr 2007 Brasilien besuchte. Benedikts Vorgänger, Papst Johannes Paul II., war fünf Mal in Mexiko.

Papstreise: Zahlen und Fakten
   In Leon, Guanajuato und Silao, den drei Städten, die der Papst in Mexiko bereist, wurden gute Vorbereitungen getroffen. Welche Dimension diese Papstvisite hat, zeigt ein Blick auf die Zahlen:
   500.000 Pilger, 2.000 Journalisten von 500 verschiedenen Presseorganen aus der ganzen Welt, Presse, Radio, Fernsehen und Web, 15.000 Ehrengäste für die Messe im Bicentenario Park am kommenden Sonntag, vier medizi- nische Notfallteams mit 10 Ambulanzen und je 40 Krankenbetten. Alles spielt sich unter den wachsamen Augen von mindestens 3.000 Polizisten und Militärs ab.
   „Ich komme, um zu ermutigen und zu lernen“ – mit diesen Worten auf den Lippen ist Papst Benedikt XVI. an diesem Freitag unterwegs nach Lateinamerika. Wie üblich, gab der Papst im Flugzeug eine kleine Pressekonferenz. Er verlieh bei dieser Gelegenheit seiner Freude darüber Ausdruck, auf den Spuren Johannes Paul II. unterwegs zu sein und das Werk des polnischen Papstes in Mexiko weiterzuführen. Johannes Paul hatte das Land erstmals 1979 in einer rechtlich unbestimmten Lage zwischen Kirche und Staat besucht. Seine Reise habe dann, so Papst Benedikt, eine neue Phase der Zusammenarbeit eingeläutet. 

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Papst in Mexiko: „Der Glaube vermag alte Strukturen aufzubrechen“
   Benedikt XVI. ist in Mexiko: Am Freitagnachmittag Ortszeit landete das Kirchenoberhaupt in der zentralmexikanischen Stadt León. Es war ein Empfang, wie er dem Papst in Europa nie zuteil wurde: mit großem Enthusiasmus begrüßten 700.000 jubelnde Menschen Benedikt XVI. in Mexiko. Sie säumten den 34 Kilometer langen Weg des Papstes vom Flughafen in Leon zu seiner Unterkunft, schwenkten Fahnen, sangen und jubelten. Sprechchöre durchzogen die Menge, Kinder überreichten dem Gast aus Rom Blumen, farbenfrohe mexikanische Folkloregruppen tanzten.
   Benedikt wirkte bei hohen Außentemperaturen und nach 14-stündigem Flug etwas müde, freute sich aber sichtlich über die Art des Empfangs. In Mexiko trat der bald 85-jährige Papst erstmals mit einem Stock auf. Präsident Felipe Calderon begrüßte ihn mit einem festlichen Empfangskomitee am Flughafen. „Ich komme als Pilger des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe“, stellte Benedikt XVI. klar.
   „Ich möchte die Christen im Glauben stärken, sie darin festigen und ermutigen, ihn neu zu beleben im Hören auf Gottes Wort, durch die Sakramente und ein konsequentes Leben.“
   Schon hier klangen aus den Worten des Papstes grundlegende Probleme Mexikos an, etwa Drogengewalt und Auswanderung. Christen würden durch die Weitergabe des Glaubens „Sauerteig in der Gesellschaft“, so der Papst:
   „Dabei tragen sie zu einem respektvollen und friedlichen Miteinander bei auf der Grundlage der unvergleichlichen Würde jedes Menschen, der von Gott erschaffen ist, und die zu vergessen oder zu missachten keine Macht das Recht hat. Diese Würde manifestiert sich auf herausragende Weise im Grundrecht auf Religionsfreiheit, und zwar in ihrer authentischen Bedeutung und ohne Einschränkungen.“
   Der Glauben mache den Christen auch in schwierigen Situationen zuversichtlich, sagte der Papst. Denn das Vertrauen auf Gott biete die Gewissheit, Gottes Gnade zu empfangen.
   „In diesem Bewusstsein bemüht sich der Glaubende, auch die Strukturen und die wenig angenehmen gegenwärtigen Begebenheiten zu verändern, die unveränderlich und unüberwindbar scheinen, und hilft dem, der im Leben weder Sinn noch Zukunft findet. Ja, die Hoffnung verändert das konkrete Leben des Menschen auf reale Weise“. Lateinamerika gewissermaßen als Hoffnungs-Motor der Welt – das ist eine Vision, die Papst Benedikt bei seiner Antrittsrede in Mexiko umriss.

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   „Dieses Land und dieser Kontinent sind gerufen, die Hoffnung auf Gott als tiefe Überzeugung zu leben und sie so zu einer Haltung des Herzens und einem konkreten Auftrag werden zu lassen, vereint einer besseren Welt engegenzugehen.“ Er werde in den kommenden Tagen dafür beten, so Benedikt abschließend, dass „dieses Volk dem empfangenen Glauben und seinen besten Traditionen Ehre macht“.
   „Insbesondere bete ich für diejenigen, die aufgrund alter oder neuer Spannungen, aufgrund von Ressentiments und Formen von Gewalt leiden. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich mich in einem Land befinde, das auf seine Gastfreundschaft stolz ist und nicht will, dass sich hier jemand fremd fühlt. Ich weiß es und habe es schon ge- wusst, aber jetzt sehe ich es und spüre es tief in meinem Herzen. Aus ganzer Seele hoffe ich, dass es auch viele Mexikaner spüren, die außerhalb ihrer Heimat leben, sie aber nie vergessen und sehen möchten, wie ihr Land in der Eintracht und in einer echten ganzheitlichen Entwicklung wächst.“
   Mexikos Präsident Calderon hieß den Papst im Namen der Regierung und der gesamten Bevölkerung im zweitgrößten katholisch geprägten Land der Welt willkommen. 93 Millionen Katholiken leben in der mittelamerikanischen Nation, überdies erinnerte Calderon an „die vielen, die in die Vereinigten Staaten auswanderten auf der Suche nach einer besseren Zukunft für ihre Familien; wir vermissen sie sehr.“ Gleichzeitig erinnerte der Präsident daran, dass Mexiko ein laizistischer Staat ist – und ein Land mit vielen Problemen.
   „Mexiko leidet wie wenige andere Länder an den Auswirkungen der Weltwirtschafftskrise. Mexiko leidet, und Ihre Heiligkeit weiß das, an der gnadenlosen Gewalt der Straftäter. Das organisierte Verbrechen zeigt uns heute sein finsteres Gesicht des Bösen wie nie zuvor.“
   Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen sind in Mexiko allein seit 2006 über 50.000 Menschen dem Drogenkrieg zum Opfer gefalle. Dennoch stehe Mexiko aufrecht, sagte der Präsident, weil es „ein starkes Volk“ sei. Die Menschen glaubten an Werte und Prinzipien, an die Familie, die Freiheit und die Demokratie.
   „Ich vertraue darauf, dass der Besuch Seiner Heiligkeit die Seelen der Frauen und Männer dieses Landes erleuchte, besonders jener, die am meisten leiden. Danke dafür, dass Sie in Mexiko sind!“
   Nächster offizieller Programmpunkt: ein Höflichkeitsbesuch bei Staatspräsident Calderon im sechzig Kilometer entfernten Guanajuato, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, am Samstagnachmittag - in Mitteleuropa bereits Sonntagmorgen. Es ist Benedikts 23. Apostolische Reise und die erste ins spanischsprachige Amerika. Sie wird ihn am Montag von Mexiko nach Kuba weiterführen. RVkna120324gs

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Papst in Mexiko: die erste Ansprache
   Bei seiner Ankunft in León (Mexiko) hat Papst Benedikt zur Überwindung ungerechter Strukturen im Land aufgerufen. Wir dokumentieren hier die erste Ansprache des Papstes auf mexikanischem Boden in der offiziellen deutschen Übersetzung.
„Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Herren Kardinäle! Verehrte Brüder im Bischofs- und Priesteramt!
Sehr geehrte Vertreter des öffentlichen Lebens! Geliebtes Volk von Guanajuato und von ganz Mexiko!
   Ich freue mich sehr, hier zu sein, und danke Gott, dass er es mir gewährt hat, meinen lang im Herzen getragenen Wunsch zu verwirklichen, das Volk Gottes dieser großen Nation in seinem eigenen Land im Glauben zu stärken. Sprichwörtlich ist ja die innige Verbundenheit des mexikanischen Volkes mit dem Nachfolger Petri, der es seinerseits stets in sein Gebet einschließt. Das sage ich an diesem Ort, der als geographischer Mittelpunkt des Landes angesehen wird, an den schon mein verehrter Vorgänger, der selige Johannes Paul II., seit seiner ersten Reise kommen wollte. Da er dies nicht tun konnte, hinterließ er damals eine Botschaft der Ermutigung und des Segens, als er hier den Luftraum überflog. Es ist mir heute eine Freude, seine Worte an eben diesem Ort bei euch wiederzugeben: Ich danke – sagte er in seiner Botschaft – für die Liebe der Gläubigen in Bajío und Guanajuato zum Papst und für ihre Treue zum Herrn. Gott begleite euch immer vgl. Telegramm, 30. Januar 1979.
   Gerne rufe ich diese Worte uns allen in Erinnerung und danke Ihnen, Herr Präsident, für den herzlichen Empfang. Ich grüße aufrichtig Ihre werte Gattin und die anderen Vertreter des öffentlichen Lebens, die mir die Ehre ihrer Anwesenheit geben. Ein ganz besonderer Gruß gilt dem Erzbischof von León José Guadalupe Martín Rábago wie auch dem Erzbischof von Tlalnepantla Carlos Aguiar Retes, dem Präsidenten der Mexikanischen Bischofskonferenz und des Lateinamerikanischen Bischofsrats (CELAM). Mit diesem kurzen Besuch möchte ich allen Mexikanern die Hand drücken und die Länder und Völker Lateinamerikas einschließen, die hier von zahlreichen Bischöfen vertreten werden, genau an dem Ort, wo das imposante Denkmal zu Ehren Christus König auf dem Cubilete der Verwurzelung des katholischen Glaubens unter den Mexikanern Aus- druck verleiht, die sich in allen Wechselfällen des Lebens unter seinen beständigen Segen stellen.
   Mexiko und der Großteil der Völker Lateinamerikas haben die Zweihundertjahrfeier ihrer Unabhängigkeit begangen oder tun dies in diesen Jahren. Zahlreich waren die religiösen Feiern, um Gott für diesen so wichtigen und bedeutenden Moment Dank zu sagen. Dabei wurde, wie bei der heiligen Messe im Petersdom am Fest Unserer Lieben Frau von Guadalupe, auch Maria sehr verehrt, die liebevoll vor Augen führte, wie der Herr alle liebt und sich ohne Unterschied für alle hingegeben hat.  Wie unsere himmlische Mutter über den Glauben ihrer Kinder gewacht hat, auch während des Aufbaus dieser Länder, tut sie es heute weiterhin gegenüber den neuen Herausforderungen, die sich ihnen stellen.

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   Ich komme als Pilger des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Ich möchte die Christen im Glauben stärken, sie darin festigen und ermutigen, ihn neu zu beleben im Hören auf Gottes Wort, durch die Sakramente und ein konsequentes Leben. So werden sie ihn den anderen weitergeben – wie Missionare unter den eigenen Brüdern – und Sauerteig in der Gesellschaft sein können. Dabei tragen sie zu einem respektvollen und friedlichen Mitein- ander bei auf der Grundlage der unvergleichlichen Würde jedes Menschen, der von Gott erschaffen ist, und die zu vergessen oder zu missachten keine Macht das Recht hat. Diese Würde manifestiert sich auf herausragende Weise im Grundrecht auf Religionsfreiheit, und zwar in ihrer authentischen Bedeutung und ohne Einschränkungen.
   Als Pilger der Hoffnung sage ich euch mit dem heiligen Paulus: Seid nicht traurig „wie die anderen, die keine Hoffnung haben“ 1 Thess 4,13. Das Vertrauen auf Gott bietet die Gewissheit, ihm zu begegnen, seine Gnade zu empfangen, und darauf gründet die Hoffnung dessen, der glaubt. In diesem Bewusstsein bemüht sich der Glaubende, auch die Strukturen und die wenig angenehmen gegenwärtigen Begebenheiten zu verändern, die unveränderlich und unüberwindbar scheinen, und hilft dem, der im Leben weder Sinn noch Zukunft findet. Ja, die Hoffnung verändert das konkrete Leben jedes Menschen auf reale Weise vgl. Spe salvi, 2. Die Hoffnung zeigt „einen neuen Himmel und eine neue Erde“ Offb 21,1 auf, indem sie versucht, etwas von deren Glanz schon jetzt deutlich zu machen. Wenn sie in einem Volk verwurzelt ist und weitergegeben wird,  verbreitet sie sich zudem wie das Licht, das die Finsternis vertreibt, welche trübe macht und bedrückt. Dieses Land und dieser Kontinent sind gerufen, die Hoffnung auf Gott als tiefe Überzeugung zu leben und sie so zu einer Haltung des Herzens und einem konkreten Auftrag werden zu lassen, vereint einer besseren Welt entgegenzugehen. Sie sollen, wie ich schon in Rom sagte, „ohne den Mut zu verlieren, weiter vorankommen beim Aufbau einer Gesellschaft, die auf die Entfal- tung des Guten, den Triumph der Liebe und die Verbreitung der Gerechtigkeit gegründet ist“ Predigt am Hochfest Unserer Lieben Frau von Guadalupe, Rom, 12. Dezember 2011.
   Der Christ und die Kirche in ihrer Gesamtheit leben mit dem Glauben und der Hoffnung die Liebe und setzen sie als wesentliches Element ihrer Sendung um. In ihrer primären Bedeutung ist „die christliche Liebestätigkeit zunächst einfach die Antwort auf das, was in einer konkreten Situation unmittelbar not tut“ Deus caritas est, 31a, wie denen zu helfen, die Hunger leiden, obdachlos, krank oder in irgendeinem Bereich ihres Lebens bedürftig sind. Niemand bleibt wegen der Herkunft oder wegen seiner Überzeugungen von dieser Sendung der Kirche ausgeschlossen, die nicht mit anderen privaten oder öffentlichen Initiativen in einen Wettstreit tritt, sondern vielmehr gern mit allen zusammenarbeitet, die die gleichen Ziele verfolgen. Ebenso will sie nichts anderes, außer auf uneigennützige und respektvolle Weise dem Bedürftigen Gutes zu tun, demjenigen, dem es oftmals mehr als alles andere eben an einem Zeichen echter Liebe fehlt.
   Herr Präsident, ihr lieben Freunde alle: In diesen Tagen werde ich den Herrn und die Jungfrau von Guadalupe inständig darum bitten, dass dieses Volk dem empfangenen Glauben und seinen besten Traditionen Ehre macht; insbesondere bete ich für alle, die es am meisten nötig haben, besonders für diejenigen, die aufgrund alter oder neuer Spannungen, aufgrund von Ressentiments und Formen von Gewalt leiden. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich mich in einem Land befinde, das auf seine Gastfreundschaft stolz ist und nicht will, dass sich hier jemand fremd fühlt. Ich weiß es und habe es schon gewusst, aber jetzt sehe ich es und spüre es tief in meinem Herzen. Aus ganzer Seele hoffe ich, dass es auch viele Mexikaner spüren, die außerhalb ihrer Heimat leben, sie aber nie vergessen und sehen möchten, wie ihr Land in der Eintracht und in einer echten ganzheitlichen Entwicklung wächst. Vielen Dank!“

be-214-z    Religiosität des Herzens  

   Es war ein fulminanter Auftakt mit ganz viel „Herz“: Hunderttausende Menschen haben Papst Benedikt XVI. am Freitag bei seiner Ankunft im zentralmexikanischen Bundesstaat Guanajuato jubelnd empfangen. Die Herzlichkeit und Begeisterung, mit denen die mexikanischen Gläubigen den Papst empfingen, zeugten von einer „Religiosität des Herzens“, sagte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi im Interview mit unserem Kollegen vor Ort:.
   „Ich erinnere mich, dass auch bei den Reisen Papst Johannes Paul II. diese Mauern aus stetig feiernden Menschen entlang der Straßen standen. Das erzählt uns etwas von der herzlichen Teilnahme dieses großen Volkes am Papstbesuch. Der Heilige Vater hat im Flugzeug vom ,Herzen‘ gesprochen und gesagt, dass in einer echten Religiosität immer auch ein Bereich des Herzens da sein muss, nicht nur der des Geistes. Das ist sicher die marianische und volkstümliche Dimension der mexikanischen Religiosität, die es zu schützen und zu reinigen gilt – es ist eine Religiosität des Herzens, und das sieht man.“
  Der Papst war in seiner Begrüßungsrede am Flughafen auch auf das Problem des organisierten Verbrechens in Mexiko zu sprechen gekommen. Seit 2006 sollen laut Angaben von Menschenrechtsorganisationen über 50.000 Menschen dem Drogenkrieg zum Opfer gefallen sein. Gerade vor diesem Hintergrund kommt Benedikt XVI. als „Pilger des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe“ – die päpstliche Botschaft falle in den mexikanischen Herzen auf fruchtbaren Boden, so Pater Lombardi:
   „Der Papst kennt gut die Umstände, unter denen das mexikanische Volk lebt. Es gibt hier die Gewalt, das tägliche Blutvergießen unzähliger Menschen, das sehr betroffen macht. Es gibt viele Menschen, die ihre Angehörigen, Kinder und Lieben verloren haben. Dieses Thema betrifft jeden. Der Papst will die Menschen zum Glauben ermutigen, dass sie etwas tun können, um ihre eigene Situation zu verändern.“
   Auch die Religionsfreiheit in Mexiko war in der ersten Papstansprache am Samstag Thema. Die Katholiken müssten „Sauerteig“ in der Gesellschaft sein, zu den grundlegenden Menschenrechten gehöre das Recht auf umfassende Religionsfreiheit, erinnerte der Papst. Erst Anfang der 90er Jahre war der katholischen Kirche in Mexiko dank einer Verfassungsreform der Status einer Rechtspersönlichkeit und damit mehr gesellschaftliche Wirkungsmacht zugesprochen worden. Pater Lombardi geht auch auf den aggressiven Antiklerikalismus in der Zeit des Bürgerkrieges von 1926 bis 1929 ein; Papst Pius XI. hatte der Christenverfolgung in dieser Zeit allein drei Enzykliken gewidmet, in denen er die Gewalt gegen Priester und die Unterdrückung der katholischen Kirche in Mexiko anprangerte.
   „Mexikos Kirche hat graduell an Wirkungsspielraum zurück gewonnen, in einem Land, dass laizistisch, doch zugleich demokratisch sein will. Religionsfreiheit heißt nicht nur Kultfreiheit, sondern auch Ausdrucksmöglichkeiten in öffentlicher und gemeinnütziger Form. Das Land hat ja hinsichtlich dieses Themas eine konfliktreiche und spannungsgeladene Geschichte: Es gab Momente großer Unterdrückung und auch des Martyriums der Gläubigen. Man hat jedoch einen langen Weg der Versöhnung beschritten, und Johannes Paul II. hat hier in den vergangenen Jahrzehnten einen großen Beitrag geleistet! Er hat dabei geholfen, die diplomatischen Beziehungen zwischen Mexiko und dem Heiligen Stuhl wieder aufzunehmen.“
   Papst Johannes Paul II. Besuch in Mexiko im Jahr 1979 – der erste von Benedikts Vorgänger – hatte eine Wende im mexikanischen Staat-Kirche-Verhältnis in Mexiko eingeleitet: Dem jungen Papst aus Polen gelang es, hunderttausende Mexikaner zu mobilisieren, was die katholische Kirche bis heute selbstbewusster und mutiger werden ließ, zum Beispiel beim Ansprechen sozialer Missstände und auch politischer Maßnahmen, um diese zu lösen. So ist zum Beispiel das harsche Vorgehen des mexikanischen Präsidenten Felipe Calderon gegen die Drogenmafia im eigenen Land bei der Kirche nicht unumstritten. Erst in diesen Tagen noch hatte der Bischof von Saltillo, Raul Vera Lopez, schwere Rechtsverstöße und Menschenrechtsverletzungen beim Kampf der Regierung gegen das organisierte Verbrechen beklagt. Rv120324pr

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Benedikt XVI. in León: „Tragt Geist von Aparecida weiter“

   Geistlicher Höhepunkt am zweiten Tag des Papstes in Mexiko: die große Freiluftmesse mit mehreren Hunderttausend Gläubigen im Parco Bicentenario. Mit dem Papst konzelebrierten rund 250 Kardinäle und Bischöfe sowie rund 3.000 Priester, die mexikanischen Bischöfe sowie die Vorsitzenden der 22 lateinamerikanischen und karbi- schen Bischofskonferenzen.
   Die summende Erwartung, die sich unter den teilweise seit gestern Abend schon versammelten Gläubigen ausgebreitet hatte, wich froher Ehrfurcht, als der Papst am Sonntagmorgen Ortszeit in León seine Messe begann. 60 Musiker und 200 Chorsänger untermalten die Liturgie. Gläubige, die keines der heiß begehrten Tickets für die Messe mehr ergattern konnten, verfolgten alles auf großen Bildschirmen. Mit den Worten „Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz“ aus Psalm 51,12 blickte der Papst in seiner Predigt auf das kommende Osterfest voraus.
 „Dieser Ausruf macht uns die Intensität deutlich, mit der wir uns vorbereiten müssen, um nächste Woche das große Geheimnis des Leidens, des Todes und der Auferstehung des Herrn zu feiern. Das Wort führt uns auch dazu, tief in das menschliche Herz zu schauen, besonders in den Zeiten, in denen Schmerz und Hoffnung beieinander liegen, wie sie das mexikanische Volk und auch die anderen Völker Lateinamerikas gerade durchleben.“
  Bei seiner Ankunft habe er „ganz nah“ das Christkönigsmonument auf dem Gipfel des Cubilete gesehen, erzählte der Papst, der bei dieser Reise ein Mosaik mit einem Christkönig-Motiv für den Wallfahrtsort stiftet. Der Papst erinnert in dem Kontext an seinen Vorgänger auf dem Stuhl Petri, der Mexiko mehrmals besuchte:
   „Der selige Papst Johannes Paul II. konnte auf seinen Reisen in euer Heimatland diesen für den Glauben des mexikanischen Volkes symbolträchtigen Ort nicht besuchen, obwohl er es sich sehnlichst gewünscht hatte. Sicher wird er sich heute vom Himmel aus freuen, dass mir der Herr die Gnade gewährt hat, jetzt mit euch zusammen zu sein, so wie er auch die vielen Millionen Mexikaner gesegnet hat, die kürzlich seine Reliquien in allen Regionen des Landes verehrt haben.“
   Im Bicentenario-Park würdigte Papst Benedikt XVI. weiter die Unabhängigkeit, die das Land vor 200 Jahren erlang. Die mexikanische Nation habe „viele verschiedene Elemente in einem doch gemeinsamen Ziel und Streben geeint“, so der Papst:
   „Wollen wir auch heute Christus um ein reines Herz bitten, wo er Wohnung nehmen kann als Fürst des Friedens dank der Macht Gottes, die die Macht des Guten ist, die Macht der Liebe.“ RV120325ChristineSeuß

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„Die Müdigkeit des Glaubens überwinden“
   Mit Blick auf das historische Bischofstreffen von Aperecida im 2007, das Benedikt XVI. selbst in Brasilien eröffnet hatte, rief der Papst zu einer erneuten Evangelisierung des Kontinents auf. Auch in Lateinamerika gelte es dem Glauben neuen Schwung zu verleihen, so der Papst:
   „Die Misión Continental, die jetzt von Diözese zu Diözese auf diesem Kontinent durchgeführt wird, hat genau das Ziel, diese Überzeugung zu allen Christen und kirchlichen Gemeinschaften zu bringen, damit sie der Versu- chung eines oberflächlichen und gewohnheitsmäßigen, manchmal bruchstückhaften und unzusammenhängenden Glaubens widerstehen. Auch hier muss man die Müdigkeit des Glaubens überwinden und die Freudigkeit des Christseins, des Getragenseins von dem inneren Glück, Christus zu kennen und seiner Kirche zuzugehören, wie- dererkennen‘“.
   Das kommende „Jahr des Glaubens“, das Benedikt selbst initiierte, sei für die gesamte Kirche Aufforderung zu einer „echten und erneuerten Umkehr zum Herrn“, so der Papst. Das Glück des Glaubens verleihe auch die nötige Kraft, die es brauche, um Christus auch „in bedrängenden Situationen menschlichen Leidens“ zu dienen, so der Papst weiter.
   Abschließend bat Benedikt XVI. die Jungfrau Maria um Schutz und Fürsprache für „ihre geliebten Söhne und Töchter in Mexiko und Lateinamerika „ … damit Christus in ihrem Leben herrsche und ihnen helfe, mutig den Frieden, die Eintracht, die Gerechtigkeit und die Solidarität zu fördern. Amen.“ RVcs120325pr

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Papst in Mexiko: Predigt in León   Liebe Brüder und Schwestern!
   Ich freue mich sehr, bei euch zu sein, und ich möchte ganz herzlich dem Erzbischof von León José Guadalupe Martín Rábago für seine freundlichen Worte des Willkommens danken. Ich grüße den mexikanischen Episkopat wie auch die Herren Kardinäle und die weiteren anwesenden Bischöfe, besonders jene aus Lateinamerika und aus der Karibik. Einen herzlichen Gruß richte ich ferner an die Vertreter des öffentlichen Lebens, die uns begleiten, und an alle, die sich hier versammelt haben, um an der Feier der Heiligen Messe unter dem Vorsitz des Nachfolgers Petri teilzunehmen.
  „Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz“ Ps 51,12, haben wir im Antwortpsalm gebetet. Dieser Ausruf macht uns die Intensität deutlich, mit der wir uns vorbereiten müssen, um nächste Woche das große Geheimnis des Leidens, des Todes und der Auferstehung des Herrn zu feiern. Das Wort führt uns auch dazu, tief in das menschliche Herz zu schauen, besonders in den Zeiten, in denen Schmerz und Hoffnung beieinander liegen, wie sie das mexikanische Volk und auch die anderen Völker Lateinamerikas gerade durchleben.
   Das Streben nach einem reinen, aufrichtigen, demütigen und gottgefälligen Herzen hat man schon beim Volk Israel deutlich gespürt, wo es sich der Fortdauer des Übels und der Sünde in seinem Innern als einer geradezu unversöhnlichen und unüberwindlichen Macht bewusst wurde. Es blieben nur das Vertrauen in die Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes und die Hoffnung, dass er von innen her, vom Herzen her, eine unerträgliche und dunkle Situation ohne Zukunft umwandeln würde. So wurde der Weg bereitet, Zuflucht zur unendlichen Barmherzigkeit des Herrn zu nehmen, der nicht den Tod des Sünders will, sondern dass er umkehrt und lebt vgl. Ez 33,11. Ein reines Herz, ein neues Herz ist jenes, das sich selbst als ohnmächtig erkennt und sich in die Hände Gottes begibt, um weiter auf seine Verheißungen zu hoffen. Auf diese Weise kann der Psalmist voller Überzeugung zum Herrn sagen: „Die Sünder kehren um zu dir” Ps 51,15. Und gegen Ende des Psalms gibt er eine Erklärung, die zugleich ein deutliches Bekenntnis des Glaubens ist: „Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen“ V.19.
   Die Geschichte Israels berichtet auch von großen Taten und Kämpfen. Aber in dem Augenblick, da sich Israel seiner wahren Bestimmung stellt, seinem maßgeblichen Ziel, der Erlösung, setzt es seine Hoffnung nicht so sehr auf die eigenen Kräfte als auf Gott, der ein neues Herz erschaffen kann, das nicht gefühllos und selbstgefällig ist. Dies kann uns heute daran erinnern – jeden einzelnen von uns wie auch unsere Volksgemeinschaft, dass, wenn es um die tiefste Dimension des persönlichen wie des gemeinschaftlichen Lebens geht, menschliche Strategien für unsere Erlösung nicht ausreichen. Man muss sich auch an den Einen wenden, der Leben in Fülle geben kann, denn er selbst ist der Inbegriff und Urheber des Lebens, und er hat uns daran Anteil gegeben durch seinen Sohn Jesus Christus.
   Das heutige Evangelium lässt uns weiter sehen, wie dieses alte Streben nach dem wahren Leben in Christus wirklich erfüllt wurde. Das erklärt der heilige Johannes in einem Abschnitt, in dem der Wunsch einiger Griechen, Jesus zu sehen, und der Augenblick, in dem der Herr verherrlicht werden soll, zusammentreffen. Auf die Frage der Griechen als Vertreter der Welt der Heiden antwortet Jesus: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird“ Joh 12,23. Eine merkwürdige Antwort, die auf die Frage der Griechen nicht zu passen scheint. Was hat die Verherrlichung Jesu mit der Bitte zu tun, ihm zu begegnen? Tatsächlich gibt es einen Zusammenhang. Jemand könnte meinen – bemerkt der heilige Augustinus – dass sich Jesus verherrlicht sehe, weil die Heiden zu ihm gekommen waren; ähnlich etwa dem Applaus der Menge, der die Großen der Welt „verherrlicht“, würden wir heute sagen. Aber so ist es nicht. „Der Höhe der Verherrlichung musste die Erniedrigung seines Leidens voraus- gehen“ In Joannis Ev., 51,9: PL 35,1766.
   Die Antwort Jesu, die sein bevorstehendes Leiden ankündigt, sagt, dass eine zufällige Begegnung in diesem Augenblick überflüssig und vielleicht trügerisch ist. Das, was die Griechen sehen wollen, werden sie tatsächlich am Kreuz erhöht sehen, von dem aus er alle an sich ziehen wird vgl. Joh 12,32. Hier beginnt seine „Verherrlichung“ durch sein Sühnopfer für alle – wie das Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, damit es wächst und reiche Frucht bringt. Sie werden dem begegnen, den sie sicher, ohne es zu wissen, in ihrem Herzen suchten: dem wahren Gott, der sich allen Völkern zu erkennen gibt. Dies ist auch die Art und Weise, mit der Unsere Liebe Frau von Guadalupe ihren göttlichen Sohn dem heiligen Juan Diego gezeigt hat: nicht wie einen außerordentlichen Helden einer Legende, sondern wie den einzig wahren Gott, der Leben spendet, den Schöpfer der Menschen, des Nahen und des Fernen, des Himmels und der Erde vgl.Nican Mopohua, V.33. In diesem Augenblick machte sie das, was sie schon bei der Hochzeit von Kana getan hatte. In der peinlichen Situation, da der Wein ausging, zeigte sie den Dienern unmißverständlich, dass der Weg, dem es zu folgen galt, ihr Sohn war: „Was er euch sagt, das tut“ Joh 2,5.
   Liebe Brüder und Schwestern! Als ich hierher kam, habe ich ganz nah das Christkönigsmonument auf dem Gipfel des Cubilete gesehen. Mein verehrter Vorgänger, der selige Papst Johannes Paul II., konnte auf seinen Reisen in euer Heimatland diesen für den Glauben des mexikanischen Volkes symbolträchtigen Ort nicht besuchen, obwohl er es sich sehnlichst gewünscht hatte. Sicher wird er sich heute vom Himmel aus freuen, dass mir der Herr die Gnade gewährt hat, jetzt mit euch zusammen zu sein, so wie er auch die vielen Millionen Mexikaner gesegnet hat, die kürzlich seine Reliquien in allen Regionen des Landes verehrt haben. In diesem Monument also wird Christus als König dargestellt. Aber die Kronen, die ihm beigegeben sind, – eine Herrscher- und eine Dornenkrone – zeigen, dass sein Königtum nicht so beschaffen ist, wie es viele verstanden haben und verstehen. Sein Reich besteht nicht in der Macht seiner Heerscharen, um die anderen mit Kraft und Gewalt zu unterwerfen. Es gründet in einer größeren Macht, die die Herzen erobert: die Liebe Gottes, die er der Welt durch sein Opfer gebracht hat, und die Wahrheit, von der er Zeugnis gegeben hat. Dies ist seine Herrschaft, die ihm niemand nehmen kann und die keiner vergessen darf. Deshalb ist es richtig, dass dieses Heiligtum vor allem ein Ort für Wallfahrten, eine Stätte des innigen Gebetes, der Bekehrung, der Versöhnung, der Suche nach der Wahrheit und des Empfangs der Gnade ist. Ihn, Christus, wollen wir bitten, dass er in unseren Herzen herrsche, dass er sie rein, folgsam und in ihrer Demut hoffnungsvoll und mutig mache.
   Von diesem Park aus, der an das 200-Jahr-Jubiläum der Geburt der mexikanischen Nation erinnert, die viele verschiedene Elemente in einem doch gemeinsamen Ziel und Streben geeint hat, wollen wir auch heute Christus um ein reines Herz bitten, wo er Wohnung nehmen kann als Fürst des Friedens dank der Macht Gottes, die die Macht des Guten ist, die Macht der Liebe. Und damit Gott in uns wohnen kann, müssen wir auf ihn hören, müssen wir uns von seinem Wort jeden Tag anfragen lassen, indem wir es nach dem Beispiel Marias im eigenen Herzen bewahren vgl. Lk 2,51. So wächst unsere persönliche Freundschaft mit ihm, wir lernen, was er von uns erwartet, und werden ermutigt, ihn auch den anderen bekannt zu machen.
  In Aparecida haben die Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik mit Weitblick die Notwendigkeit erkannt, die Neuheit des Evangeliums zu bekräftigen, zu erneuern und wiederzubeleben, eine Neuheit, die in der Geschichte dieser Länder „durch die persönliche Begegnung und Gemeinschaft mit Jesus Christus, der Jünger und Missionare erweckt,“ Schlussdokument, 11 verwurzelt ist. Die Misión Continental, die jetzt von Diözese zu Diözese auf diesem Kontinent durchgeführt wird, hat genau das Ziel, diese Überzeugung zu allen Christen und kirchlichen Gemeinschaften zu bringen, damit sie der Versuchung eines oberflächlichen und gewohnheitsmäßigen, manchmal bruchstückhaften und unzusammenhängenden Glaubens widerstehen. Auch hier muss man die Müdigkeit des Glaubens überwinden und „die Freudigkeit des Christseins, des Getragenseins von dem inneren Glück, Christus zu kennen und seiner Kirche zuzugehören, wiedererkennen. Aus dieser Freude kommen auch die Kräfte, Christus in den bedrängenden Situationen menschlichen Leidens zu dienen, sich ihm zur Verfügung zu stellen, ohne nach dem eigenen Wohlbefinden umzuschauen“ Ansprache an die Römische Kurie, 22. Dezember 2011. Das sehen wir sehr gut bei den Heiligen, die sich mit Begeisterung und Freude ganz der Sache des Evangeliums verschrieben haben, ohne sich um die Opfer, auch nicht um das des eigenen Lebens, zu kümmern. Ihr Herz hatte eine unbedingte Wahl für Christus getroffen, von dem sie gelernt haben, was es heißt, wirklich bis zur Vollendung zu lieben.
   In diesem Sinne ist das Jahr des Glaubens, das ich für die ganze Kirche ausgerufen habe, „eine Aufforderung zu einer echten und erneuerten Umkehr zum Herrn. […] Der Glaube wächst nämlich, wenn er als Erfahrung einer empfangenen Liebe gelebt und als Erfahrung von Gnade und Freude vermittelt wird“ Apostolisches Schreiben Porta fidei, 11. Oktober 2011, 6.7.
   Bitten wir die Jungfrau Maria, dass sie uns helfe, unser Herz zu reinigen, insbesondere vor der nahen Feier des Osterfestes, damit wir besser am Geheimnis der Erlösung ihres Sohnes teilhaben, wie sie es hier in diesen Ländern bekannt gemacht hat. Und bitten wir sie auch, dass sie weiterhin ihre geliebten Söhne und Töchter in Mexiko und Lateinamerika begleite und beschütze, damit Christus in ihrem Leben herrsche und ihnen helfe, mutig den Frieden, die Eintracht, die Gerechtigkeit und die Solidarität zu fördern. Amen. RV120325

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   Auf die Frage, ob er die Öffnung Kubas im Sinne Johannes Paul II. wünsche, antwortet der Papst mit der Überlegung, dass er nicht nur nur in absolutem Einklang mit den Worten Wojtylas sei, sondern dass der Wunsch nach einer gegenseitigen Öffnung Kubas und der Welt nach wie vor aktuell sei. Diese Öffnung müsse von der Kirche mit Geduld und Entschiedenheit unterstützt werden, nicht zuletzt, um die Freiheit des Einzelnen auch im Spirituellen zu ermöglichen. „Es ist heute offensichtlich, dass die marxistische Ideologie, wie sie einst formuliert wurde, keine Antworten mehr auf die Fragen der Gegenwart gibt“,fügte Benedikt XVI. mit Blick auf Kuba an. RV120323cs
  Nach seinem Besuch in Mexiko will der Papst ins kommunistische Kuba weiterreisen. Dort stehen Gottesdienste im südöstlichen Santiago de Cuba und in der Hauptstadt Havanna auf dem Programm. Auch Treffen mit Staatschef Raúl Castro und möglicherweise mit dessen Bruder Fidel Castro sind vorgesehen. In Kuba sind nur zehn Prozent der Bevölkerung Katholiken.

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Wie Havanna auf den Papst wartet
   Es ist kein gewöhnlicher Papstbesuch, der an diesem Montag beginnt. Das wurde jedem deutlich, der in den vergangenen Tagen durch die Hauptstadt Havanna ging. Grund ist natürlich die nicht ganz einfache Beziehung zwischen Kirche und Staat.
   Auch Mexiko, wie viele andere vom Papst besuchte Länder, hat eine Geschichte von Kirche und Staat, die nie frei von Spannungen war, die sogar Verfolgungen in der Vergangenheit kannte. Kuba ist aber noch einmal etwas Besonderes. Die Insel erlebt im Augenblick sein 54. Jahr der Revolution. Alles weist darauf hin, dass es wirtschaftliche Öffnung gibt, auch wenn eine Schrifttafel in der Nähe des Flughafens verkündet, dass dies für mehr Sozialismus geschehe.
   Was aber vor allem auffällt, ist die fast vollständige Unsichtbarkeit des Papstbesuches. Auf der Plaza de la Revolución ist das naturgemäß anders, der Altar ist aufgebaut und wird von den Abbildungen der Revolutionäre José Marti und Che Guevara überragt. Je weiter man sich aber von den zentralen Orten entfernt, desto weniger sichtbar wird der Besuch im Straßenbild.
  In Havanna gibt es gar keine Straßenwerbung, ein ungewohnter und sehr angenehmer Anblick für einen Westler. Aber es gibt auch kaum Hinweise auf die Papstmesse. An einigen Masten hängen nicht sehr große Plakate, aber das war es auch schon.
   Die Menschen, die man auf der Straße trifft, wissen aber sehr wohl Bescheid. Alejandro zum Beispiel trägt zur Feier des Anlasses seinen Rosenkranz um den Hals. Er arbeitet in einer Zigarrenfabrik, aber da ganz Havanna für den Papstbesuch zwei Tage lang frei hat, genießt er den Tag und wird zur Ankunft des Papstes zum Flughafen fahren. In der Pfarrei um die Ecke wurde am Sonntag in den Fürbitten ganz besonders für den Besuch gebetet; man erwartet sich Impulse für den Glauben und die Gemeinschaft der Kirche.
   Die Journalisten sind am Sonntag in großen Mengen zur Kirche Santa Rita gefahren, um mit den Damas en Blanco – den für die Freilassung der Gefangenen protestierenden Frauen – zu sprechen. Der Pfarrer musste die anwesenden Journalisten sogar ermahnen, die Messe nicht zu stören. Aber nachher erzählten einige der Frauen, dass sie zur Papstmesse gehen werden, aber nicht in weiß, sie wollten mit dem Papst feiern, nicht demonstrieren.
   Viel Vorbereitung ist in diesen Besuch gegangen, auch wenn man es in den Straßen nicht sieht. Aber er wird – und da sind sich alle einig, mit denen ich habe sprechen können – wie der Vorgängerbesuch seine Spuren im Land hinterlassen.  Aus Havanna Pater Bernd Hagenkord für Radio Vatikan 120327ord

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Weitere Fotoberichte über die Pilgerreise des Papstes nach Mexiko finden Sie auf unseren Seiten  > Priester und > Jahr des Glaubens. Fotoberichte über die Reise nach Kuba lesen Sie, bitte auf unsere Seite > weltweit

Kuba hat zum Weihnachtsfest knapp 3.000 Häftlinge freigelassen
   Das melden Nachrichtenagenturen. Präsident Raúl Castro kündigte demnach die Freilassung an. Unter den Gefangenen waren auch 86 Ausländer, die von dieser „humanitären und souveränen Geste“ profitieren konnten. Castro signalisierte ebenfalls die Bereitschaft des Landes, die Reisebeschränkungen für das Land zu lockern, hierfür nannte er aber noch keinen Zeitplan. Die Reisebeschränkungen sind ein stark diskutiertes Thema in der Bevölkerung, weil viele Kubaner Verwandtschaft unter den etwa zwei Millionen Exilkubanern haben. Die bevorstehende Freilassung, so machte Castro deutlich, hänge unmittelbar mit dem anstehenden Besuch von Papst Benedikt XVI. im März auf Kuba zusammen. Kuba komme mit der Amnestie Forderungen der katholischen wie verschiedener protestantischer Gemeinschaften nach, begründete Castro die Ankündigungen. RV111224div

Freude auf den Papst in Kuba und Mexiko     am-Mexico-Guadalupe-x

   Die Bischöfe in Kuba und Mexiko haben die Ankündigung der Papstreise begeistert aufgenommen. „Mit großer Freude und Hoffnung erwarten wir voller Demut den Heiligen Vater auf seiner Reise als Pilger“, heißt es in einer Stellungnahme der kubanischen Bischöfe. Die mexikanischen Bischöfe nannten die anstehende Papstreise „einen Moment der Freude und der Hoffnung“ für die katholische Gemeinde in Mexiko und ganz Amerika. Die kubanische Kirche hofft Medienberichten zufolge auf einen Besuch des Wallfahrtsortes der Barmherzige Jungfrau von Cobre, die 1916 von Papst Benedikt XV. zur kubanischen Schutzpatronin erklärt wurde. RVefe111213KNApr

 Felipe de JesÚs Calderon        po-FelipeCalderonMEX-xx

Wenige Tage vor dem Besuch von Papst Benedikt hat Mexiko seine Verfassung geändert:
  
Zum ersten Mal erkennt der Staat nun explizit ein Recht auf Religionsfreiheit an. Nach der entsprechenden Entscheidung des Abgeordnetenhauses im Dezember stimmte am Donnerstag nun auch der Senat in Mexiko-Stadt der Verfassungsänderung zu. Diese war bereits 2010 eingebracht worden und bedeutet jetzt eine wichtige Akzentverschiebung in dem Text, der Mexiko ansonsten als laizistischen Staat beschreibt. Die Freiheit des Kultes war allerdings auch bisher schon explizit anerkannt. Die Debatte über die Ausrichtung des Staates geht aber auch nach der Entscheidung im Senat weiter. Während die eine Seite von einer „historischen Entscheidung“ spricht, kritisiert die andere, dass die Verfassung so kurz vor dem Papstbesuch und vor den Wahlen im Land geändert wird. Die Präsidenten- und Parlamentswahlen finden Anfang Juli statt. Auch die Bischöfe sind mit dem schließlich beschlossenen Text nicht völlig zufrieden; so brauchen Priester auch künftig eine eigene Erlaubnis für alle liturgischen Feiern, die außerhalb von anerkannten Kultorten stattfinden. Religionsunterricht an staatlichen wie privaten Schulen, darunter auch an katholischen Schulen, ist weiterhin nicht erlaubt. rv120315 

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