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Heiliges Jahr der Barmherzigkeit

        Programm des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit 

        8. Dezember 2015: Eröffnung des Jahres durch den Papst im Petersdom
        25. Januar 2016: Öffnung der Heiligen Pforte in Sankt Paul vor den Mauern in Rom
        19.-21. Januar 2016: Wallfahrt nach Rom und in den Ortskirchen
        3. April 2016: Tag der Bewegungen, Vereinigungen, Ordensgemeinschaften
        24. April 2016: Tag der Jugendpastoral für 13-16Jährige
        29. Mai 2016: Tag der Diakone
        12. Juni 2016: Tag der Kranken und Menschen mit Behinderung
        3. Juli 2016: Tag der Priester
        26.-31. Juli 2016: Weltjugendtag in Krakau
        4. September 2016: Tag der karitativen Dienste
        25. September 2016: Tag der Katechetinnen und Katecheten
        9. Oktober 2016: Tag der marianischen Spiritualität und „Mutter der Barmherzigkeit“
        6. November 2016: Tag der Inhaftierten
        20. November 2016: Abschluss des Heiligen Jahres                                          Rv150505pr

      • Fortsetzung dieser Seite > Heiliges Jahr der Barmherzigkeit II

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Vatikan stellt Programm des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit vor 

    Logo und Motto fassen auf geglückte Weise zusammen, um was es bei diesem Jubiläum geht. Das aus dem Lukasevangelium stammende Wort Barmherzig wie der Vater 6,36 lädt ein, diese Barmherzigkeit nach dem Vorbild des Vaters zu leben. Dieser ruft dazu auf, nicht zu urteilen oder gar zu verdammen, sondern zu vergeben und in geradezu maßloser Weise Liebe und Verzeihung zu schenken vgl. Lk 6,37-38. Das Logo – ein Werk des Jesuiten Marko I. Rupnik – präsentiert sich als eine kleine Summa Theologiae zum Thema der Barmherzigkeit. Es zeigt in der Tat den Sohn, der sich den verlorenen Menschen auf die Schultern lädt. Hier wird ein Bild aufgegriffen, das schon die frühe Kirche sehr geschätzt hat, weil es die Liebe Christi zeigt, der das Geheimnis seiner Menschwerdung im Werk der Erlösung zur Vollendung führt. Das Bild ist so gestaltet, dass deutlich wird, wie der gute Hirte in direkten Kontakt mit dem Fleisch des Menschen kommt. Er tut dies mit einer Liebe, die in der Lage ist Leben zu verändern. Ein Detail des Bildes darf uns nicht entgehen: Der gute Hirte trägt die Menschheit mit außerordentlicher Barmherzigkeit auf den Schultern und seine Augen verbinden sich mit denen des Menschen. Christus sieht mit dem Auge Adams, und dieser mit dem Auge Christi. Jeder Mensch entdeckt also in Christus, dem neuen Adam, die eigene Menschlichkeit und, indem er in Christi Blick die Liebe des Vaters wahrnimmt, die Zukunft, die ihn erwartet.
   Die Szene ist von einer sogenannten Mandorla, einer mandelförmigen Figur, eingefasst. Diese in der antiken und mittelalterlichen Ikonographie beliebte Form deutet die gleichzeitige Präsenz der göttlichen und der menschlichen Natur in Christus an. Die drei konzentrischen Ovale mit ihrem progressiven, nach außen immer heller werdenden Farbverlauf symbolisieren die Bewegung Christi, der den Menschen aus der Nacht der Sünde und des Todes zum Licht bringt. Auf der anderen Seite steht die tiefdunkle Farbe im Zentrum auch für die Undurchdringlichkeit der Liebe des Vaters, der alles verzeiht.
© Copyright Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung (Vatikan). Alle Rechte vorbehalten.

Das offizielle Logo des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit
   Der Vatikan hat das Programm des vom Papst angekündigten „Heiligen Jahres“ veröffentlicht. Das „Außerordentliche Jubiläum der Barmherzigkeit“, so der offizielle Titel, wird am 8. Dezember, dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis und zugleich 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Vatikanischen Konzils, eröffnet – Papst Franziskus wird dafür die Heilige Pforte im Petersdom aufstoßen. Das Heilige Jahr endet am Christkönigssonntag, dem 20. November 2016.
   Das Mottojahr als eine Art „Pilgerfahrt der Barmherzigkeit“ – so beschreibt der Präsident des Päpstlichen Rates für Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, das vom Papst gewollte Heilige Jahr. Vom 19. bis 21. Januar sind alle Gläubigen dazu eingeladen, die Erfahrung des Pilgerseins zu machen – in Rom wie in den Ortskirchen: „Wir bitten darum alle Pilger, eine Wegstrecke wirklich zu Fuß zurückzulegen, und sich so vorzubereiten, die Heilige Pforte in einer Haltung des Glaubens und der Verehrung zu durchschreiten.“ Die Besonderheit dabei: Erstmals in der Geschichte der Heiligen Jahre kann in den Diözesen eine Heilige Pforte – die Pforte der Barmherzigkeit – geöffnet werden: sei es in der Bischofkirche, in einer anderen bedeutenden Kirche oder einem wichtigen Wallfahrtsort. In Rom stehen auch für Einzelpilger, die nicht an eine Gruppe angeschlossen sind, einige Kirchen im historischen Zentrum offen: Dort können sie sich darauf vorbereiten, die Heilige Pforte im Petersdom zu durchschreiten.
   Eine zweite Besonderheit: Das „Außerordentliche Jubiläum der Barmherzigkeit“ ist – wie der Titel schon aussagt – ein Mottojahr. Barmherzigkeit ist laut Franziskus der Kern der christlichen Botschaft und Schlüsselwort seines eigenen Pontifikates. So wolle der Papst auch mit dem Jahr der Barmherzigkeit „die Kirche zu ihrem vorrangigen Auftrag zurückführen“, so der Präsident des Päpstlichen Rates für Neuevangelisierung: „nämlich in allen Bereichen der Pastoral Zeichen und Zeugin der Barmherzigkeit zu sein.“ Barmherzigkeit sei dabei für Franziskus Brücke zu anderen Religionen, so Fisichella weiter: „Ich denke nicht zuletzt auch daran, wie Papst Franziskus auf das Judentum und den Islam verweist und aufruft, gerade über das Thema Barmherzigkeit einen Weg des Dialoges zu finden und so die allgemein bekannten Schwierigkeiten zu überwinden.“
   Innerhalb dieser Perspektive sind die „Missionare der Barmherzigkeit“, die der Papst am Aschermittwoch mit einer Feier im Petersdom aussenden wird, eine weitere besondere Idee. Erzbischof Fisichella umreißt das Profil dieser Geistlichen: „Diese Missionare sollen Priester sein, die sich durch Geduld auszeichnen. Sie sollen in der Lage sein, die Menschen in ihren Grenzsituationen zu verstehen, und zugleich in ihrer Predigt und im Stil wie sie das Sakrament der Versöhnung spenden, die helfende Nähe des Guten Hirten spürbar machen.“
   In den Alltag übersetzt werden soll das Motto Barmherzigkeit in zahlreichen Aktivitäten, es ist ein Appell an Gläubige in aller Welt und in ganz unterschiedlichen Kontexten. So lädt der Vatikan zum Beispiel am 12. Juni Kranke und Menschen mit Behinderung ein, und am 6. November soll ein „Jubiläum der Gefangenen“ gefeiert werden. Dazu Fisichella: „Es soll nicht nur in den Gefängnissen stattfinden, sondern wir prüfen die Möglichkeit, dass auch einige Gefangenen die Möglichkeit haben werden, mit Papst Franziskus im Petersdom ihr persönliches Heiliges Jahr zu begehen.“ Überhaupt werde der Papst im Heiligen Jahr seine Aufmerksamkeit für „Menschen in existentiellen Randsituationen“ verstärken, kündigte der Erzbischof an: „Er wird in der persönlichen Begegnung seine Nähe zu und die Aufmerksamkeit für die Armen, die Leidenden, die an den Rand gedrängten und alle, die ein Zeichen der Zuneigung brauchen, zum Ausdruck bringen. Das werden zeichenhafte Momente sein, bei denen wir die Bischöfe und Priester bitten, sie in Gemeinschaft mit dem Papst auch in ihren Diözesen durchzuführen.“
   Anlässlich des Mottojahres will der Vatikan weiter ein „Hilfsprojekt in einem bedürftigen Teil der Welt“ lancieren, das „unmittelbare“ und „wirkungsvolle Hilfe“ bringen soll, formuliert der Erzbischof, ohne weitere Details zu nennen.
   Auch das Logo des Heiligen Jahres greife das Motto der Barmherzigkeit auf, führt Fisichella weiter aus: „Das aus dem Lukasevangelium stammende Wort „Barmherzig wie der Vater“ Lk 6,36 lädt ein, die Barmherzigkeit nach dem Vorbild des Vaters zu leben. Dieser ruft dazu auf, nicht zu urteilen oder gar zu verdammen, sondern zu vergeben und in geradezu maßloser Weise Liebe und Verzeihung zu schenken vgl. Lk 6,37-38. Das Logo ist ein Werk des Jesuiten Marko I. Rupnik. Es zeigt den Sohn, der sich den verlorenen Menschen auf die Schultern lädt. (…) Das Bild ist so gestaltet, dass deutlich wird, wie der gute Hirte in direkten Kontakt mit dem Fleisch des Menschen kommt. Er tut dies mit einer Liebe, die in der Lage ist, Leben zu verändern.“
   Die offizielle Homepage des Jubiläums ist bereits online, und zwar in den Sprachen Italienisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Deutsch und Polnisch: www.iubilaeummisericordiae.va  oder auch www.im.va. Auf der Website sind alle offiziellen Informationen zu den Aktivitäten einzusehen, ebenso gibt es Hinweise für die Teilnahme an den Großveranstaltungen mit dem Papst. Updates zu den Initiativen des Heiligen Vaters würden weiter über die social networks verbreitet, so Fisichella. Auch eine App, die es ermöglichen könnte, die verschiedenen Informationen zusammenzufassen, werde geprüft.
   Franziskus hatt am 11. April 2015 im Petersdom die Einberufungsbulle für das Jubiläum der Barmherzigkeit veröffentlicht. Die feierliche Zeremonie fand zu Beginn der 1. Vesper zum Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit statt. Vor der geschmückten Heiligen Pforte hatte der Papst das offizielle Dokument, die Bulle Misericordiae Vultus, an die Kardinal-Erzpriester der vier päpstlichen Basiliken in Rom sowie an weitere Vertreter der Weltkirche übergeben. 
   Nach der Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom durch den Papst am 8. Dezember werden in den Wochen danach auch in den drei übrigen römischen Papstbasiliken Heilige Pforten geöffnet, am 25. Januar 2016 die in Sankt Paul vor den Mauern auch in Anwesenheit ökumenischer Gäste.  Rv150505

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Foto: Öffnung der Heiligen Pforte der Petersdoms am 08. Dezember 2015 am Fest der Erwählung Mariens

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Heiliges Jahr: Lichtershow, Freiwillige und Pilgerurkunden
Der letzte Schliff vor der Eröffnung des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit

      Das Heilige Jahr rückt näher und in Rom laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Straßen werden erneuert, Bäume gestutzt, unter den Brücken wird per Hand und Seileinsatz gereinigt und seit Mittwochabend ist sogar die Kuppel des Petersdoms dunkel – wegen Proben einer besonderen Lichtershow für die Eröffnung am 8. Dezember. Der Vatikan gab Freitag bekannt, was in diesem Heiligen Jahr geschehen wird.
   Die Öffnung der Heiligen Pforte des Petersdoms beginnt am kommenden Dienstag um 9:30 Uhr. Die Feier werde einfach gehalten, betonte der Präsident des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung, Rino Fisichella bei der vatikanischen Pressekonferenz. Zur Einführung würden Ausschnitte aus den vier Konzilskonstitutionen  vorgelesen, sowie  aus den Dekreten über die Ökumene  über die Religionsfreiheit. Damit soll an das Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils am 8. Dezember vor 50 Jahren erinnert werden.
   Für die Eucharistiefeier hat der Jesuitenpater und Künstler Marko Ivan Rupnik ein Evangeliar vorbereitet. Der Papst werde die Öffnung ausrufen und dann die Pforte durchschreiten. Daran schließen sich die Kardinäle, Bischöfe, Priester und Laien an und werden in einer Prozession zum Grab des Apostels Petrus ziehen, wo die heilige Messe endet. Es folgt ein Angelus von Papst Franziskus aus dem Apostolischen Palast.
Lichtershow am Dienstagabend
   Die Eröffnung des Heiligen Jahres endet am Dienstagabend um 19 Uhr mit einer großen Lichtershow auf dem Petersplatz. Sie trägt den Titel „Fiat lux: Illuminating Our Common Home“ und nimmt Bezug auf die Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus. Es  werden Bilder – passend zu den Themen Barmherzigkeit, Menschlichkeit und Umwelt - von renommierten Fotografen auf die Fassade und die Kuppel des Petersdoms projiziert. Somit nimmt die Show auch Bezug auf den Weltklimagipfel in Paris, der am 11. Dezember endet.
   Am Sonntag, den 13. Dezember werden dann in allen Kathedralen der Welt die Heiligen Pforten geöffnet. Der Papst öffnet ebenfalls an diesem Tag die Pforte seiner römischen Lateranbasilika, am 18. Dezember die Pforte der Barmherzigkeit im Hostel “Don Luigi Di Liegro” der Caritas Rom.
Täglicher Rosenkranz am Petersplatz
   Das ganze Heilige Jahr über wird der Rosenkranz jeden Abend um 18:00 vor der Statue des Hl. Petrus auf dem Petersplatz gebetet. Diese Andacht wird u.a. von Pfarreien, kirchlichen Schulen und Bruderschaften Roms organisiert.
   Rund 33 Millionen Pilger werden für das Heilige Jahr erwartet. In den vier Papst-Basiliken wird ein Rettungsdienst stationiert sein. Hierfür wird der Malteserorden engagiert. Für Menschen mit Behinderung wurden Rampen in der Petersbasilika und anderen Kirchen angebracht sowie Material für Blinde und Hörgeschädigte zur Verfügung gestellt.
Täglich hundert Freiwillige
   Täglich werden in der ganzen Stadt rund 100 freiwillige Helfer zur Verfügung stehen, bei großen Veranstaltungen können es zwischen 800 und 1.000 werden. Der Vatikan hat zudem einen Band zum Heiligen Jahr herausgegeben, der in circa 10 Sprachen übersetzt wurde und den Gläubigen spirituelle und praktische Anleitungen zum Jubiläum gibt.
   Rund 800 Priester haben sich als Missionare der Barmherzigkeit beworben. Sie werden vom Papst mit besonderen Vollmachten ausgestattet. So können sie auch von den Sünden lossprechen, von denen normalerweise nur der Apostolische Stuhl freisprechen kann. Wer einen Missionar zu einem Gespräch, einer besonderen Veranstaltung oder einem wichtigen Ereignis einladen möchte, kann sich in eine Liste eintragen, die von den Bischöfen zur Verfügung gestellt wird.

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card. Filoni cdd-FernandoFiloni-ZZ@  Papst Franziskus öffnete bereits in Bangui eine Heilige Pforte

          Ein ungewöhnlicher Vorschlag kommt ein paar Tage vor dem Start des Heiligen Jahres aus dem Vatikan: Auch Muslime sollten doch eine „Heilige Pforte der Barmherzigkeit“ öffnen.  Der das sagt, ist der Missions-Verantwortliche des Papstes, Kardinal Fernando Filoni Foto oben – übrigens ein früherer Papst-Botschafter im Irak während des letzten Golfkriegs. „Auch im Herzen des Islams steht doch ein vor allem barmherziger Gott“, sagte Filoni im Gespräch mit Radio Vatikan. „Auch im Herzen des Islams steht Barmherzigkeit, auch wenn man ihr manchmal die Flügel beschneidet, sie vergisst oder beiseiteschiebt. Wir wissen, dass Barmherzigkeit einer der 99 Namen ist, unter denen Gott, Allah, angerufen wird!“
   Kardinal Filoni äußerte sich in dem Interview vor allem zur Papstreise nach Afrika. Sie ist letzten Montag zu Ende gegangen. Franziskus hatte unter anderem in der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, Bangui, eine „Heilige Pforte“ geöffnet und damit eine Art Vorpremiere des „Heiligen Jahres der Barmherzigkeit“ geliefert, das offiziell erst Dienstag in Rom startet. „Der Papst reist in ein Land, wo es diese Konflikte gibt“, sagt dazu Filoni: „Es sind Konflikte, die auch von religiösen Aspekten geprägt sind, zumindest aus der Sicht von Fundamentalisten. In dieser Hinsicht also kann man sagen:
    Wir Christen öffnen eine Heilige Pforte, die die Pforte der Barmherzigkeit ist – und jetzt erwarten wir uns, dass auch unsere muslimischen Brüder, die an einen barmherzigen Gott glauben, ebenfalls eine Heilige Pforte öffnen. Auch für sie ist das die Pforte der göttlichen Barmherzigkeit, die angewandt, praktiziert werden muss, indem man die Waffen wegwirft und zum Beispiel damit für ein schönes Feuer sorgt, um sie zu verbrennen und mit ihnen Schluss zu machen!“
   Die erste Sure des Koran nennt Allah „den Barmherzigen, den Allerbarmer“; diese Formel, die sogenannte Bismillah, wird von Muslimen beim Gebet und auch im Alltag immer wieder gesprochen. Die Tradition eines Heiligen Jahres kennt der Islam nicht; am ehesten vergleichbar damit ist die islamische Verpflichtung zur Hadsch, also zur Mekka-Wallfahrt, mindestens einmal im Leben.
   Filoni hat schon vor ein paar Monaten bei einem Besuch im Irak eine muslimische Version eines „Jahres der Barmherzigkeit“ ins Spiel gebracht. Ähnlich äußerte sich kurz nach den Terroranschlägen von Paris auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gegenüber der französischen katholischen Tageszeitung „La Croix“.
„Nein zur Toleranz, Ja zum Recht auf Zusammenleben“
   Im Radio-Vatikan-Interview beschreibt Kardinal Filoni den Papst als einen Friedensbringer für Afrika. „Ich hoffe, dass jetzt nicht andere gegen den Frieden, gegen das friedliche Zusammenleben ankämpfen, die der Papst verkündet hat. Der Papst hat etwas sehr Wichtiges gesagt: „Ich spreche nicht gerne von Toleranz.“ Und das sage ich auch für mich selbst! Toleranz nämlich ist nur ein Zugeständnis, das ich, weil ich zur Mehrheit gehöre, anderen gegenüber mache, die in der Minderheit sind. Aber so sollte es nicht sein. Es gibt ein Recht auf Frieden, auf Zusammenleben, ganz unabhängig von Mehrheit oder Minderheit, religiös oder nicht. Das liegt, wie der Papst gesagt hat, daran, dass wir vom existenziellen, religiösen Standpunkt her alle Kinder Gottes sind.“
   Nur dass das nicht alle so sehen – das weiß auch der „rote Papst“, wie der Präfekt der vatikanischen Missionskongregation manchmal auch traditionell genannt wird. Filoni hat deswegen noch eine etwas allgemeingültigere Variante seines Diktums parat: „Wir sind alle Kinder derselben Erde, wir sind alle Kinder derselben Realität. Warum sollen wir dann nicht zusammen gehen und leben können? Also Nein zur Toleranz, die vielleicht die erste Stufe in Richtung Krieg und Gewalt ist, aber Ja zum Recht für alle, zu leben, zu arbeiten und zusammenzusein!“    rv151204sk

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Misericordiae Vultus

VERKÜNDIGUNGSBULLE DES AUSSERORDENTLICHEN JUBILÄUMS DER BARMHERZIGKEIT
FRANZISKUS
BISCHOF VON ROM 
DIENER DER DIENER GOTTES 
ERBITTET ALLEN LESERN DIESES SCHREIBENS 
GNADE, BARMHERZIGKEIT UND FRIEDEN

    Jesus Christus ist das Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters. Das Geheimnis des christlichen Glaubens scheint in diesem Satz auf den Punkt gebracht zu sein. In Jesus von Nazareth ist die Barmherzigkeit des Vaters lebendig und sichtbar geworden und hat ihren Höhepunkt gefunden. Der Vater, der »voll des Erbarmens« ist Eph 2,4, der sich Mose als »barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue« Ex 34,6 offenbart hatte, hat nie aufgehört auf verschiedene Weise und zu verschiedenen Zeiten in der Geschichte seine göttliche Natur mitzuteilen. Als aber die »Zeit erfüllt war« Gal 4,4, sandte Er, seinem Heilsplan entsprechend, seinen Sohn, geboren von der Jungfrau Maria, um uns auf endgültige Weise seine Liebe zu offenbaren. Wer Ihn sieht, sieht den Vater vgl. Joh 14, 9. Jesus von Nazareth ist es, der durch seine Worte und Werke und durch sein ganzes Dasein[1]die Barmherzigkeit Gottes offenbart.
   Dieses Geheimnis der Barmherzigkeit gilt es stets neu zu betrachten. Es ist Quelle der Freude, der Gelassenheit und des Friedens. Es ist Bedingung unseres Heils. Barmherzigkeit – in diesem Wort offenbart sich das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Barmherzigkeit ist der letzte und endgültige Akt, mit dem Gott uns entgegentritt. Barmherzigkeit ist das grundlegende Gesetz, das im Herzen eines jeden Menschen ruht und den Blick bestimmt, wenn er aufrichtig auf den Bruder und die Schwester schaut, die ihm auf dem Weg des Lebens begegnen. Barmherzigkeit ist der Weg, der Gott und Mensch vereinigt, denn sie öffnet das Herz für die Hoffnung, dass wir, trotz unserer Begrenztheit aufgrund unserer Schuld, für immer geliebt sind
   Es gibt Augenblicke, in denen wir aufgerufen sind, in ganz besonderer Weise den Blick auf die Barmherzigkeit zu richten und dabei selbst zum wirkungsvollen Zeichen des Handelns des Vaters zu werden. Genau darum habe ich ein außerordentliches Jubiläum der Barmherzigkeit ausgerufen. Es soll eine Zeit der Gnade für die Kirche sein und helfen, das Zeugnis der Gläubigen stärker und wirkungsvoller zu machen.
   Das Heilige Jahr wird am 8. Dezember 2015, dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, eröffnet. Dieses liturgische Fest weist darauf hin, wie Gott seit Anbeginn unserer Geschichte gehandelt hat. Nach dem Sündenfall Adams und Evas wollte Gott die Menschheit nicht allein lassen und dem Bösen überlassen. Darum wollte und erwählte er Maria, heilig und untadelig in der Liebe vgl. Eph 1,4, um sie zur Mutter des Erlösers des Menschen zu machen. Auf die Schwere der Sünde antwortet Gott mit der Fülle der Vergebung. Die Barmherzigkeit übersteigt stets das Maß der Sünde, und niemand kann der verzeihenden Liebe Gottes Grenzen setzen. Am Festtag der Unbefleckten Empfängnis Mariens werde ich die Freude haben, die Heilige Pforte zu öffnen. Sie wird eine Pforte der Barmherzigkeit sein, und wer durch diese Pforte hindurchschreitet, kann die tröstende Liebe Gottes erfahren, welcher vergibt und Hoffnung schenkt.
   Am darauffolgenden Sonntag, dem 3. Advent, wird die Heilige Pforte in der Bischofskirche von Rom, der Basilika Sankt Johannes im Lateran, geöffnet. Nach und nach folgen die anderen Papstbasiliken in Rom. Für den gleichen Sonntag lege ich fest, dass in allen Teilkirchen entweder in der Bischofskirche, die die Mutter aller Kirchen im Bistum ist, oder in der Konkathedrale oder in einer anderen Kirche mit herausragender Bedeutung für die Dauer des Heiligen Jahres ebenfalls eine  Pforte der Barmherzigkeit geöffnet werde. Es liegt in der Entscheidung des Ortsbischofs, ob auch in Wallfahrtsheiligtümern, zu denen viele Pilger kommen, eine solche Pforte geöffnet wird. An diesen heiligen Orten machen ja tatsächlich viele Pilger die Erfahrung der Gnade, die sie im Herzen trifft und zur Umkehr führt. Jede Teilkirche ist also direkt in dieses Heilige Jahr einbezogen und möge es als einen Moment außerordentlicher Gnade und spiritueller Erneuerung leben. Dieses Jubiläum wird daher in Rom gefeiert wie in den Teilkirchen und wird damit zum sichtbaren Zeichen der Gemeinschaft der ganzen Kirche.
   Ich habe den 8. Dezember als Eröffnungstermin gewählt, weil er eine große Bedeutung in der jüngsten Kirchengeschichte hat. Ich werde nämlich die Heilige Pforte genau fünfzig Jahre nach dem Ende des II. Vatikanischen Ökumenischen Konzils öffnen. Die Kirche spürt das Verlangen, diesen Moment lebendig zu erhalten. Für sie begann damals ein neuer Weg in ihrer Geschichte. Die Konzilsväter hatten stark – wie ein wahres Wehen des Geistes – die Notwendigkeit verspürt, zu den Menschen ihrer Zeit in einer verständlicheren Weise von Gott zu sprechen. Mauern, die die Kirche allzu lange in einer privilegierten Festung eingeschlossen hatten, wurden eingerissen, und die Zeit war gekommen, um das Evangelium auf neue Weise zu verkünden. Eine neue Etappe der immer anstehenden Evangelisierung hatte begonnen. Eine neue Verpflichtung für alle Christen, mit verstärktem Enthusiasmus und voller Überzeugungskraft Zeugnis für ihren Glauben abzulegen. Die Kirche spürte die Verantwortung, in der Welt das lebendige Zeichen der Liebe des Vaters zu sein.
   Es kommen uns die bedeutungsschweren Worte des heiligen Johannes XXIII. in Erinnerung, die dieser bei der Eröffnung des Konzils gesprochen hatte und mit denen er dessen Richtung vorgab: »Heute dagegen möchte die Braut Christi lieber das Heilmittel der Barmherzigkeit anwenden als die Waffen der Strenge. […] Die katholische Kirche, während sie durch dieses ökumenische Konzil die Leuchte der katholischen Glaubenswahrheit hoch hält, will sich damit als eine sehr liebevolle, gütige und geduldige Mutter aller erweisen, voller Erbarmung und mit Wohlwollen für ihre Kinder, die von ihr getrennt sind«.[2] Auf der gleichen Linie liegt der selige Paul VI., als er zum Abschluss des Konzils feststellte: » Wir wollen vielmehr unterstreichen, dass die Religion dieses Konzils die Nächstenliebe ist […] Die uralte Erzählung vom barmherzigen Samariter wurde zum Paradigma für die Spiritualität dieses Konzils. […] Eine Woge der Zuneigung und der Wertschätzung für die moderne Welt ging von diesem Konzil aus. Natürlich werden die Irrtümer abgelehnt, dass verlangt die Verpflichtung zur Liebe und nicht weniger die Verpflichtung zur Wahrheit. Aber für die Menschen gibt es nur Ermutigung, Respekt und Liebe. Statt niederschmetternder Einschätzungen schlägt das Konzil ermutigende Heilmittel vor; statt dunkler Vorahnungen hat das Konzil Botschaften des Vertrauens an die zeitgenössische Welt gerichtet. Nicht nur wurden ihre Werte respektiert, sondern sogar geehrt und ihre Anstrengungen unterstützt und ihre Bestrebungen geläutert und gesegnet. […] Und noch eine andere Sache wollen wir hier aufzeigen: All dieser doktrinäre Reichtum hat ein einziges Ziel, nämlich dem Menschen zu dienen.  Und zwar dem Menschen, so dürfen wir sagen, in jeder Lebenslage, in all seinen Krankheiten und in all seinen Bedürfnissen«.[3]
  
Voller Dankbarkeit für das, was die Kirche empfangen hat, und voller Verantwortung für die Aufgabe, die vor uns steht, werden wir die Heilige Pforte durchschreiten. Wir tun es im vollen Vertrauen darauf, dass die Kraft des auferstandenen Herrn uns auf unserem Pilgerweg weiter begleitet. Der Heilige Geist, der die Schritte der Gläubigen zur Mitarbeit am Heilswerk Christi führt, gebe dem Volk Gottes Stütze und Geleit und helfe ihm, das Antlitz der Barmherzigkeit zu betrachten.[4]
  
Das Jubiläumsjahr endet mit dem Christkönigssonntag am 20. November 2016. Wenn wir an diesem Tag die Heilige Pforte schließen, werden unsere Gefühle von dankbarer Ergebenheit gegenüber der Allerheiligsten Dreifaltigkeit bestimmt sein, dass sie uns eine solche besondere Zeit der Gnade geschenkt hat. Wir werden dann das Leben der Kirche, die gesamte Menschheit und den unermesslichen Kosmos der Herrschaft Christ anvertrauen mit der Bitte, dass seine Barmherzigkeit sich wie der Morgentau auf die Geschichte lege und sie fruchtbar werden lasse mit dem Einsatz aller für die unmittelbare Zukunft. Wie sehr wünsche ich mir, dass die kommenden Jahre durchtränkt sein mögen von der Barmherzigkeit und dass wir auf alle Menschen zugehen und ihnen die Güte und Zärtlichkeit Gottes bringen! Alle, Glaubende und Fernstehende, mögen das Salböl der Barmherzigkeit erfahren, als Zeichen des Reiches Gottes, das schon unter uns gegenwärtig ist.
   »Barmherzigkeit walten zu lassen, ist ein Wesensmerkmal Gottes. Gerade darin zeigt sich seine Allmacht«.[5]  Diese Worte des heiligen Thomas von Aquin zeigen, wie sehr die göttliche Barmherzigkeit eben nicht ein Zeichen von Schwäche ist, sondern eine Eigenschaft der Allmacht Gottes. Gerade deswegen betet die Liturgie in einem ihrer ältesten Tagesgebete: »Großer Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen«.[6] Gott wird in der Geschichte der Menschheit immer gegenwärtig sein als der Nahe, der Vorsorgende, der Heilige und Barmherzige.
   Mit dem Wortpaar »geduldig und barmherzig« wird im Alten Testament häufig die Natur Gottes beschrieben. Seine Barmherzigkeit zeigt sich konkret in vielen Momenten der Heilsgeschichte, wo seine Güte letztlich über Strafe und Zerstörung siegt. Besonders die Psalmen bringen diese Größe im Handeln Gottes zum Ausdruck. Er ist es, »der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt, der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt« Ps 103,3-4. Noch ausdrücklicher zählt ein anderer Psalm konkrete Zeichen der Barmherzigkeit auf: »Recht verschafft er den Unterdrückten, den Hungernden gibt er Brot; der Herr befreit die Gefangenen. Der Herr öffnet den Blinden die Augen, er richtet die Gebeugten auf. Der Herr beschützt die Fremden und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht. Der Herr liebt die Gerechten, doch die Schritte der Frevler leitet er in die Irre« Ps 146,7-9. Und zum Abschluss noch ein weiteres Wort des Psalmisten: »Er heilt die gebrochenen Herzen und verbindet ihre schmerzenden Wunden. […]
   Der Herr hilft den Gebeugten auf und erniedrigt die Frevler« Ps 147,3.6. Zusammenfassend können wir sagen, Gottes Barmherzigkeit ist nicht eine abstrakte Idee, sondern eine konkrete Wirklichkeit, durch die Er seine Liebe als die Liebe eines Vaters und einer Mutter offenbart, denen ihr Kind zutiefst am Herzen liegt. Es handelt sich wirklich um eine leidenschaftliche Liebe. Sie kommt aus dem Innersten und ist tiefgehend, natürlich, bewegt von Zärtlichkeit und Mitleid, von Nachsicht und Vergebung.
   »Denn seine Huld währt ewig«. – Dieser Kehrvers erklingt nach jedem Vers des Psalms 136, der die Geschichte der Offenbarung Gottes besingt. Im Licht der Barmherzigkeit leuchtet in allen Ereignissen der Geschichte des Bundesvolkes deren Heilscharakter auf. Die Barmherzigkeit macht die Geschichte Gottes mit Israel zu einer Heilsgeschichte. Mit der ständigen Wiederholung dieses Kehrverses: »Denn seine Huld währt ewig« scheint der Psalm den Kreislauf von Zeit und Raum durchbrechen zu wollen, indem er alles in das ewige Geheimnis der Liebe hineinlegt. Es ist, als wollte er sagen, dass der Mensch nicht nur in der Vergangenheit, sondern in alle Ewigkeit unter dem barmherzigen Blick des Vaters steht. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass das Volk Israel diesen Psalm, das Große Hallel, in die Liturgie seiner wichtigsten Feste eingefügt hat.
   Jesus selbst hat vor seinem Leiden diesen Psalm der Barmherzigkeit gebetet. Der Evangelist Matthäus berichtet davon, wenn er beschreibt, wie »nach dem Lobgesang« Mt 26,30 Jesus und die Jünger zum Ölberg hinausgingen. Während Er die Eucharistie einsetzte als bleibendes Gedächtnis an Ihn und das Ostergeheimnis, stellte Er zeichenhaft diesen höchsten Akt der Offenbarung in das Licht der Barmherzigkeit. Im gleichen Horizont der Barmherzigkeit lebte Jesus sein Leiden und Sterben, in vollem Bewusstsein des großen Geheimnisses der Liebe, das sich am Kreuz vollziehen sollte. Zu wissen, dass Jesus selbst diesen Psalm gebetet hat, macht ihn für uns noch wichtiger und lädt uns ein, ihn zu einem Teil unseres täglichen Lobgebetes zu machen: »Denn seine Huld währt ewig!«
   Wenn wir den Blick auf Jesus und auf sein barmherziges Antlitz richten, sehen wir die Liebe der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Die Sendung, die Jesus vom Vater erhalten hatte, war es, das Geheimnis der göttlichen Liebe in seiner ganzen Fülle zu offenbaren. »Gott ist die Liebe« 1 Joh 4,8.16, bestätigt der Evangelist Johannes zum ersten und einzigen Mal in der gesamten Heiligen Schrift. Diese Liebe ist sichtbar und greifbar geworden im ganzen Leben Jesu. Seine Person ist nichts anderes als Liebe, eine sich schenkende Liebe. Seine Beziehungen zu den Menschen, die ihn umgeben, sind einzigartig und unwiederholbar. Seine Zeichen, gerade gegenüber den Sündern, Armen, Ausgestoßenen, Kranken und Leidenden, sind ein Lehrstück der Barmherzigkeit. Alles in Ihm spricht von Barmherzigkeit. Nichts in Ihm ist ohne Mitleid.
   Als Jesus sah, dass die vielen Menschen, die ihm folgten, müde und erschöpft waren, verloren und ohne Hirten, empfand Er tief im Innersten seines Herzens Mitleid mit ihnen vgl. Mt 9,36. In der Kraft dieser mitleidenden Liebe heilte er die Kranken, die man zu ihm brachte vgl. Mt 14,14, und mit wenigen Broten und Fischen machte er viele satt vgl. Mt 15,37. Was Jesus in all diesen Situationen bewegte, war nichts anderes als die Barmherzigkeit, mit deren Hilfe er im Herzen seiner Gegenüber zu lesen verstand und die es ihm erlaubte ihrem wahrhaftigsten Bedürfnis zu entsprechen. Als Er der Witwe von Naim begegnete, die ihren einzigen Sohn zu Grabe trug, empfand er ein solch starkes Mitleid mit diesem unendlichen Schmerz einer Mutter, die ihren Sohn beweinte, dass Er diesen vom Tod auferweckte und ihn ihr zurückgab vgl. Lk 7,15. Nachdem Er den Besessenen von Gerasa befreit hatte, gab Er ihm folgenden Auftrag: »Berichte alles, was der Herr für dich getan und wie er Erbarmen mit dir gehabt hat« Mk 5,19. Auch die Berufung des Matthäus geschieht vor dem Horizont der Barmherzigkeit. Als Jesus an der Zollstelle vorbeikommt, fällt sein Blick auf Matthäus. Es ist ein Blick voller Barmherzigkeit, der die Sünden dieses Mannes vergab. Gegen den Widerstand der anderen Jünger wählt Er ihn, den Sünder und Zöllner, und macht ihn zu einem der Zwölf. Der heilige Beda Venerabilis schrieb in seinem Kommentar zu dieser Stelle des Evangeliums, dass Jesus den Matthäus mit barmherziger Liebe anschaute und erwählte: miserando atque eligendo.[7] Dieses Wort hat mich so sehr beeindruckt, dass ich es zu meinem Wahlspruch machte.

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>  Auf seiner ersten Pressekonferenz erklärte  > Papst Franziskus   seinen Wahlspruch!       

   In den Gleichnissen, die von der Barmherzigkeit handeln, offenbart Jesus die Natur Gottes als die eines Vaters, der nie aufgibt, bevor er nicht mit Mitleid und Barmherzigkeit die Sünde vergeben und die Ablehnung überwunden hat. Wir kennen von diesen Bildreden drei ganz besonders: die Gleichnisse vom verlorenen Schaf und von der wiedergefundenen Drachme und das vom Vater und seinen beiden Söhnen vgl. Lk 15,1-32. In diesen Gleichnissen wird besonders die Freude des Vaters im Moment der Vergebung betont. Darin finden wir den Kern des Evangeliums und unseres Glaubens, denn die Barmherzigkeit wird als die Kraft vorgestellt, die alles besiegt, die die Herzen mit Liebe erfüllt und die tröstet durch Vergebung.
   Aus einem weiteren Gleichnis gewinnen wir darüber hinaus eine Lehre für unser eigenes christliches Leben. Provoziert durch die Frage des Petrus, der wissen will, wie oft man verzeihen müsse, antwortet Jesus: »Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal« Mt 18,22, und er schließt daran das Gleichnis vom »unbarmherzigen Knecht« an. Als dieser seinem Herrn eine große Summe zurückzahlen sollte, bittet er ihn auf Knien und sein Herr erlässt ihm die Schuld.  Unmittelbar darauf begegnet er einem Mitknecht, der ihm ein paar wenige Cent schuldig war. Dieser bittet ihn ebenfalls auf Knien um Erbarmen, doch jener weigert sich und lässt ihn ins Gefängnis werfen. Als der Herr davon erfährt, wird er sehr zornig, lässt den Diener rufen und sagt zu ihm: »Hättest nicht auch du mit jenem,der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht, Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?« Mt 18,33. Und Jesus fügte an: »Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt« Mt 18,35.
   Dieses Gleichnis enthält eine tiefe Lehre für jeden von uns. Jesus stellt fest, dass Barmherzigkeit nicht nur eine Eigenschaft des Handelns Gottes ist. Sie wird vielmehr auch zum Kriterium, an dem man erkennt, wer wirklich seine Kinder sind. Wir sind also gerufen, Barmherzigkeit zu üben, weil uns selbst bereits Barmherzigkeit erwiesen wurde. Die Vergebung von begangenem Unrecht wird zum sichtbarsten Ausdruck der barmherzigen Liebe, und für uns Christen wird sie zum Imperativ, von dem wir nicht absehen können. Wie schwer ist es anscheinend, immer und immer wieder zu verzeihen! Und doch ist die Vergebung das Instrument, das in unsere schwachen Hände gelegt wurde, um den Frieden des Herzens zu finden. Groll, Wut, Gewalt und Rache hinter uns zu lassen, ist die notwendige Voraussetzung für ein geglücktes Leben. Nehmen wir daher die Empfehlung des Apostels auf: »Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen« Eph 4,26. Und hören wir vor allem auf das Wort Jesu, der die Barmherzigkeit zu einem Lebensideal und Kriterium für die Zeugnishaftigkeit unseres Glaubens gemacht hat: »Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden«. Mt 5,7 ist die Seligpreisung, von der wir uns mit besonderer Hingabe in diesem Heiligen Jahr inspirieren lassen sollten.
   Wie man sieht, ist die Barmherzigkeit in der Heiligen Schrift das Schlüsselwort, um Gottes Handeln uns gegenüber zu beschreiben.  Er beschränkt sich nicht darauf seine Liebe zu beteuern, sondern er macht sie sichtbar und greifbar. Tatsächlich kann die Liebe nie ein abstrakter Begriff sein. Aus ihrer Natur heraus ist sie stets konkrete Wirklichkeit: Absichten, Einstellungen und Verhalten, die sich im tagtäglichen Handeln bewähren. Die Barmherzigkeit Gottes entspringt seiner Verantwortung für uns. Er fühlt sich verantwortlich, d.h. Er will unser Wohl, und Er will uns glücklich sehen,  voller Freude und Gelassenheit. Auf der gleichen Wellenlänge muss die barmherzige Liebe der Christen liegen. Wie der Vater liebt, so lieben auch seine Kinder. So wie Er barmherzig ist, sind auch wir berufen untereinander barmherzig zu sein.
   Der Tragebalken, der das Leben der Kirche stützt, ist die Barmherzigkeit. Ihr gesamtes pastorales Handeln sollte umgeben sein von der Zärtlichkeit, mit der sie sich an die Gläubigen wendet; ihre Verkündigung und ihr Zeugnis gegenüber der Welt können nicht ohne Barmherzigkeit geschehen. Die Glaubwürdigkeit der Kirche führt über den Weg der barmherzigen und mitleidenden Liebe. Die Kirche »empfindet einen unerschöpflichen Wunsch, Barmherzigkeit anzubieten«.[8] Vielleicht haben wir es für lange Zeit vergessen, auf den Weg der Barmherzigkeit hinzuweisen und ihn zu gehen.  Auf der einen Seite hat die Versuchung, stets und allein die Gerechtigkeit zu fordern, uns vergessen lassen, dass diese nur der erste Schritt ist. Dieser Schritt ist zwar notwendig und unerlässlich, aber die Kirche muss darüber hinausgehen um eines höheren und bedeutungsvolleren Zieles willen. Auf der anderen Seite ist es traurig ansehen zu müssen, wie die Erfahrung der Vergebung in unserer Kultur immer seltener wird. Sogar das Wort selbst scheint manchmal zu verschwinden. Ohne das Zeugnis der Vergebung bleibt aber nur ein unfruchtbares, steriles Leben, als würde man in einer trostlosen Wüste leben. Für die Kirche ist erneut die Zeit gekommen, sich der freudigen Verkündigung der Vergebung zu widmen. Es ist die Zeit, zum Wesentlichen zurückzukehren und sich der Schwächen und der Schwierigkeiten unserer Brüder und Schwestern anzunehmen. Die Vergebung ist eine Kraft, die zu neuem Leben auferstehen lässt und die Mut schenkt, um hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken.
   Wir können die große Lehre nicht vergessen, die der heilige Johannes Paul II. in seiner zweiten Enzyklika Dives in misericordia dargelegt hat. Sie wurde damals unerwartet veröffentlicht und überraschte viele wegen des gewählten Themas. An zwei Überlegungen möchte ich besonders erinnern. Zunächst hob dieser heilige Papst hervor, wie sehr die Kultur unserer Zeit das Thema der Barmherzigkeit vergessen hat: »Die Mentalität von heute scheint sich vielleicht mehr als die der Vergangenheit gegen einen Gott des Erbarmens zu sträuben und neigt dazu, schon die Idee des Erbarmens aus dem Leben und aus den Herzen zu verdrängen. Das Wort und der Begriff „Erbarmen“ scheinen den Menschen zu befremden, der dank eines in der Geschichte vorher nie gekannten wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts Herrscher geworden ist und sich die Erde untertan gemacht und unterjocht hat vgl. Gen 1,28. Dieses Herrschen über die Erde, das zuweilen einseitig und oberflächlich verstanden wird, scheint für das Erbarmen keinen Raum zu lassen. [...] Das ist der Grund, warum sich in der heutigen Situation der Kirche und der Welt viele Menschen und viele Gemeinschaften, von einem lebendigen Glaubenssinn geführt, sozusagen spontan an Gottes Erbarmen wenden«.[9]
  
Dann begründete der heilige Johannes Paul II. die Dringlichkeit, die Barmherzigkeit in der Welt von heute zu verkünden und zu bezeugen folgendermaßen: »Sie ist von der Liebe zum Menschen eingegeben, zu allem, was menschlich ist und was nach der Ahnung vieler unserer Zeitgenossen von einer Gefahr schrecklichen Ausmaßes bedroht ist. Dasselbe Geheimnis Christi, [...] verpflichtet mich gleichzeitig, das Erbarmen Gottes zu verkünden, seine im Geheimnis Christi geoffenbarte barmherzige Liebe. Ebendieses Geheimnis veranlasst mich auch, in dieser schwierigen und kritischen Phase der Geschichte der Kirche und der Welt mich an dieses Erbarmen zu wenden und es herabzuflehen«.[10] Diese seine Lehre ist mehr denn je aktuell und verdient es, in diesem Heiligen Jahr wieder aufgegriffen zu werden. Nehmen wir darum erneut seine Worte auf: »Die Kirche lebt ein authentisches Leben, wenn sie das Erbarmen bekennt und verkündet – das am meisten überraschende Attribut des Schöpfers und des Erlösers – und wenn sie die Menschen zu den Quellen des Erbarmens des Heilandes führt, welche sie hütet und aus denen sie austeilt«.[11]
  
Die Kirche hat den Auftrag, die Barmherzigkeit Gottes, das pulsierende Herz des Evangeliums, zu verkünden. Durch sie soll die Barmherzigkeit das Herz und den Verstand der Menschen erreichen. Die Braut Christi macht sich die Haltung des Sohnes Gottes zu Eigen und geht allen entgegen und schließt keinen aus. In unserer Zeit, in der die Kirche sich der Neuevangelisierung verschrieben hat, gilt es das Thema der Barmherzigkeit mit neuem Enthusiasmus und einer erneuerten Pastoral vorzutragen. Es ist entscheidend für die Kirche und für die Glaubwürdigkeit ihrer Verkündigung, dass sie in erster Person die Barmherzigkeit lebt und bezeugt! Ihre Sprache und ihre Gesten müssen die Barmherzigkeit vermitteln und so in die Herzen der Menschen eindringen und sie herausfordern den Weg zurück zum Vater einzuschlagen.
   Die erste Wahrheit der Kirche ist die Liebe Christi. Die Kirche macht sich zur Dienerin und Mittlerin dieser Liebe, die bis zur Vergebung und zur Selbsthingabe führt. Wo also die Kirche gegenwärtig ist, dort muss auch die Barmherzigkeit des Vaters sichtbar werden. In unseren Pfarreien, Gemeinschaften, Vereinigungen und Bewegungen, d.h. überall wo Christen sind, muss ein jeder Oasen der Barmherzigkeit vorfinden können.
   Wir wollen dieses Jubiläum im Licht des Wortes unseres Herrn leben: Barmherzig wie der Vater. Der Evangelist gibt uns die Lehre Jesu wieder, der sagt: »Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist« Lk 6,36. Es handelt sich dabei um ein Lebensprogramm, das sowohl sehr einfordernd ist als auch voller Freude und Friede. Dieser Imperativ Jesu richtet sich an alle, die seine Stimme hören vgl. Lk 6,27. Um fähig zu sein, die Barmherzigkeit zu leben, müssen wir also zunächst auf das Wort Gottes hören. Das heißt, wir müssen den Wert der Stille wiederentdecken, um das Wort, das an uns gerichtet ist, meditieren zu können. Auf diese Weise ist es möglich, die Barmherzigkeit Gottes zu betrachten und sie uns anzueignen und zum eigenen Lebensstil werden zu lassen.
   Die Pilgerfahrt ist ein besonderes Zeichen in einem Heiligen Jahr, denn sie ist das Symbol für den Weg, den ein jeder Mensch in seinem Dasein zurückzulegen hat. Das Leben selbst ist eine Pilgerreise und der Mensch ist viator, ein Pilger auf der Straße nach dem ersehnten Ziel. Auch um zur Heiligen Pforte in Rom oder einem der anderen Orte zu gelangen, muss ein jeder, entsprechend der Kräfte, eine Pilgerreise machen. Diese soll ein Zeichen dafür sein, dass auch die Barmherzigkeit ein Ziel ist, zu dem es aufzubrechen gilt und das Einsatz und Opfer verlangt. Die Pilgerfahrt soll darum Anreiz zur Umkehr sein. Wenn wir die Heilige Pforte durchschreiten, lassen wir uns umarmen von der Barmherzigkeit Gottes und verpflichten uns, barmherzig zu unseren Mitmenschen zu sein, so wie der Vater es zu uns ist.
   Unser Herr Jesus Christus gibt uns die einzelnen Schritte für diese Pilgerreise vor, damit wir das Ziel erreichen. »Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden« Lk 6,37-38. Er sagt also vor allem, dass wir nicht richten und nicht verurteilen sollen. Wer sich nicht dem Gericht Gottes ausliefern will, darf sich nicht zum Richter seines eigenen Bruders machen. Der Menschen bleibt in seinem Urteilen in der Tat an der Oberfläche, der Vater dagegen sieht bis ins Innerste. Wie viel Übel richten Worte an, wenn sie von Neid und Eifersucht bestimmt sind! Schlecht über den abwesenden Bruder, die abwesende Schwester sprechen heißt so viel wie diese in ein schlechtes Licht zu rücken, ihren Ruf zu schädigen und sie dem Gerede auszusetzen. Nicht zu urteilen und nicht zu verurteilen bedeutet daher im Positiven, das Gute in einer jeden Person wahrzunehmen und nicht zuzulassen, dass diese wegen unseres begrenzten Urteils und unserer Anmaßung, vermeintlich alles genau zu wissen, leiden muss. Aber das reicht noch nicht, um Barmherzigkeit zum Ausdruck zu bringen. Jesus bittet uns zu vergeben und uns selbst hinzugeben, Werkzeuge der Vergebung zu sein, weil wir zuerst Gottes Vergebung erfahren haben, großzügig zu sein allen gegenüber im Wissen darum, dass auch Gott sein Wohlwollen uns gegenüber großzügig handhabt.
   Barmherzig wie der Vater ist also das Leitwort des Heiligen Jahres. In der Barmherzigkeit haben wir den Nachweis, wie Gott liebt. Er gibt sich selbst ganz hin, für immer, als Geschenk, ohne etwas als Gegenleistung zu erbitten. Er kommt uns zu Hilfe, wenn wir ihn darum bitten. Es ist schön, dass das tägliche Gebet der Kirche mit den Worten beginnt: »O Gott, komm mir zu Hilfe. Herr, eile mir zu helfen« Ps 70,2. Die Hilfe, die wir erbitten, ist bereits der erste Schritt der Barmherzigkeit Gottes mit uns. Er kommt, um uns aus unserer Schwachheit zu retten. Und seine Hilfe besteht darin, dass er uns bewegt, seine Gegenwart und Nähe anzunehmen. Angerührt von seiner Barmherzigkeit können auch wir Tag für Tag barmherzig mit den anderen sein.
   In diesem Heiligen Jahr können wir die Erfahrung machen, wie es ist, wenn wir unsere Herzen öffnen für alle, die an den unterschiedlichsten existenziellen Peripherien leben, die die moderne Welt in oft dramatischer Weise hervorbringt. Wie viele prekäre Situationen und wie viel Leid gibt es in unserer Welt! Wie viele Wunden sind in das Fleisch so vieler Menschen gerissen, die keine Stimme mehr haben, weil ihr Schrei, aufgrund der Teilnahmslosigkeit der reichen Völker, schwach geworden oder gar ganz verstummt ist. In diesem Jubiläum ist die Kirche noch mehr aufgerufen, diese Wunden zu behandeln, sie mit dem Öl des Trostes zu lindern, sie mit der Barmherzigkeit zu verbinden und sie mit der geschuldeten Solidarität und Achtung zu heilen. Verfallen wir nicht in die Gleichgültigkeit, die erniedrigt, in die Gewohnheit, die das Gemüt betäubt und die verhindert etwas Neues zu entdecken, in den Zynismus, der zerstört. Öffnen wir unsere Augen, um das Elend dieser Welt zu sehen, die Wunden so vieler Brüder und Schwestern, die ihrer Würde beraubt sind. Fühlen wir uns herausgefordert, ihren Hilfeschrei zu hören. Unsere Hände mögen ihre Hände erfassen und sie an uns heranziehen, damit sie die Wärme unserer Gegenwart, unserer Freundschaft und unserer Brüderlichkeit verspüren. Möge ihr Schrei zu dem unsrigen werden und mögen wir gemeinsam die Barriere der Gleichgültigkeit abtragen, der wir gerne freie Hand geben, um unsere Heuchelei und unseren Egoismus zu verbergen.

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   Es ist mein aufrichtiger Wunsch, dass die Christen während des Jubiläums über die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit nachdenken. Das wird eine Form sein, unser Gewissen, das gegenüber dem Drama der Armut oft eingeschlafen ist, wachzurütteln und immer mehr in die Herzmitte des Evangeliums vorzustoßen, in dem die Armen die Bevorzugten der göttlichen Barmherzigkeit sind. Die Verkündigung Jesu nennt uns diese Werke der Barmherzigkeit, damit wir prüfen können, ob wir als seine Jünger leben oder eben nicht. Entdecken wir erneut die leiblichen Werke der Barmherzigkeit: Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde aufnehmen, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und die Toten begraben. Und vergessen wir auch nicht die geistigen Werke der Barmherzigkeit: den Zweifelnden recht raten, die Unwissenden lehren, die Sünder zurechtweisen, die Betrübten trösten, Beleidigungen verzeihen, die Lästigen geduldig ertragen und für die Lebenden und Verstorbenen zu Gott beten.

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   Wir können uns nicht den Worten des Herrn entziehen, auf deren Grundlage wir einst gerichtet werden: Haben wir dem Hungrigen zu essen gegeben und dem Durstigen zu trinken? Haben wir Fremde aufgenommen und Nackte bekleidet? Hatten wir Zeit, um Kranke und Gefangene zu besuchen? vgl. Mt 25,31-45. Genauso werden wir gefragt werden, ob wir geholfen haben, den Zweifel zu überwinden, der Angst schüren und oft auch einsam machen kann. Waren wir fähig, die Unwissenheit zu besiegen, in der Millionen Menschen leben, besonders die Kinder, denen es an der notwendigen Hilfe fehlt, um der Armut entrissen zu werden? Waren wir denen nahe, die einsam und bekümmert sind? Haben wir denen vergeben, die uns beleidigt haben, und jede Art von Groll und Hass abgewehrt, die zur Gewalt führen? Hatten wir Geduld nach dem Beispiel Gottes, der selbst so geduldig mit uns ist? Und schlussendlich, haben wir unsere Schwestern und Brüder im Gebet dem Herrn anvertraut? In einem jeden dieser »Geringsten« ist Christus gegenwärtig. Sein Fleisch wird erneut sichtbar in jedem gemarterten, verwundeten, gepeitschten, unterernährten, zur Flucht gezwungenen Leib …, damit wir Ihn erkennen, Ihn berühren, Ihm sorgsam beistehen. Vergessen wir nicht die Worte des heiligen Johannes vom Kreuz: »Am Abend unseres Lebens werden wir nach der Liebe gerichtet werden.«[12]
 
 
Im Lukasevangelium finden wir einen weiteren wichtigen Aspekt, der hilft, das Jubiläum im Glauben zu leben. Der Evangelist berichtet, wie Jesus nach Nazareth zurückkehrte und, wie es Brauch war, am Sabbat in die Synagoge ging. Sie baten ihn aus der Schrift vorzulesen und diese auszulegen. Es handelte sich um den Abschnitt aus dem Propheten Jesaja, wo es heißt: »Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe« Jes 61,1-2. Ein »Gnadenjahr des Herrn« ist es, das vom Herrn verkündet wird und das wir leben wollen. Dieses Heilige Jahr bringt den Reichtum der Sendung Jesu mit sich, so wie es in den Worten des Propheten anklingt: den Armen ein Wort und eine Geste des Trostes bringen, denen, die in den neuen Formen der Sklaverei der modernen Gesellschaft gefangen sind, die Freiheit verkünden, denen die Sicht wiedergeben, die nicht mehr sehen können, weil sie nur noch auf sich selbst schauen, denen die Würde zurückgeben, denen man sie geraubt hat. Die Verkündigung Jesu wird in der Antwort aus dem Glauben erneut sichtbar werden, d.h. im Lebenszeugnis, das die Christen gerufen sind zu geben. Dabei begleitet uns das Apostelwort: »Wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig« Röm 12,8.
   Die österliche Bußzeit soll in diesem Jubiläumsjahr noch stärker gelebt werden als eine besondere Zeit, in der es gilt, die Barmherzigkeit Gottes zu feiern und zu erfahren. Wie viele Seiten der Heiligen Schrift bieten sich in den Wochen der Fastenzeit zur Meditation an, um das barmherzige Antlitz Gottes wiederzuentdecken! Mit dem Propheten Micha können auch wir sagen: Du, Herr, bist ein Gott, der die Schuld verzeiht und das Unrecht vergibt. Du hältst nicht für immer fest an deinem Zorn; denn du liebst es, gnädig zu sein. Du, Herr, wirst wieder Erbarmen haben mit deinem Volk und unsere Schuld zertreten. Ja, du wirfst all unsere Sünden in die Tiefe des Meeres hinab vgl. Mi 7,18-19.
   Die Abschnitte des Propheten Jesaja können dann noch konkreter betrachtet werden in dieser Zeit des Gebetes, des Fastens und der Nächstenliebe: »Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen. Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag. Der Herr wird dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren Wasser niemals versiegt« Jes 58, 6-11.
   Die Initiative »24 Stunden für den Herrn«, die am Freitag und Samstag vor dem 4. Fastensonntag gefeiert wird, soll in den Diözesen verstärkt werden. Viele Menschen suchen erneut das Sakrament der Versöhnung, darunter viele Jugendliche, und finden in dieser besonderen Erfahrung oft den Weg, um zum Herrn zurückzukehren, um einen Moment des intensiven Gebetes zu erleben und so den Sinn für das eigene Leben wiederzuentdecken. Mit Überzeugung stellen wir das Sakrament der Versöhnung erneut ins Zentrum, denn darin können wir mit Händen die Größe der Barmherzigkeit greifen. Das Sakrament wird für jeden Bußfertigen eine Quelle wahren inneren Friedens sein.

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  Ich werde nicht müde zu wiederholen, dass die Beichtväter ein wahres Zeichen der göttlichen Barmherzigkeit sein sollen. Beichtvater ist man nicht einfach so. Man wird es, und zwar besonders dadurch, dass wir zunächst für uns selbst bußfertig Vergebung suchen. Vergessen wir nie, dass Beichtvater zu sein bedeutet, an der Sendung Jesu teilzuhaben und ein greifbares Zeichen der bleibenden göttlichen Liebe zu sein, die verzeiht und rettet. Wir haben die Gabe des Heiligen Geistes empfangen, um Sünden zu vergeben. Dafür sind wir verantwortlich. Wir sind nicht Herren dieses Sakramentes, sondern treue Verwalter der Vergebung Gottes. Jeder Beichtvater soll die Gläubigen aufnehmen, wie der Vater im Gleichnis den verlorenen Sohn: Es ist ein Vater, der dem Sohn entgegen kommt, obwohl dieser ja seine Güter verschwendet hat. Die Beichtväter sollen den reumütigen Sohn, der nach Hause zurückkehrt, umarmen und ihre Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass sie ihn wiedergefunden haben. Sie werden auch nicht müde zum anderen Sohn zu gehen, der draußen geblieben ist und dem es nicht gelingt, sich zu freuen. Ihm erklären sie, dass sein hartes Urteil ungerecht ist und dass es vor der grenzenlosen Barmherzigkeit des Vaters nicht bestehen kann. Sie stellen keine aufdringlichen Fragen, vielmehr unterbrechen sie – wie der Vater im Gleichnis – die vorbereitete Rede des verlorenen Sohnes, denn sie verstehen es, im Herzen eines jeden Beichtenden den Ruf um Hilfe und das Verlangen nach Vergebung zu lesen.Die Beichtväter sind also berufen immer, überall, in jeder Situation und egal in welchen Umständen, Zeichen des Primates der Barmherzigkeit zu sein.

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   In der Fastenzeit dieses Heiligen Jahres habe ich die Absicht, Missionare der Barmherzigkeit auszusenden. Sie sollen ein Zeichen der mütterlichen Sorge der Kirche für das Volk Gottes sein, damit es tiefer eindringen kann in den Reichtum dieses für unseren Glauben so grundlegenden Geheimnisses. Es handelt sich dabei um Priester, denen ich die Vollmacht geben werde, auch von den Sünden loszusprechen, die normalerweise dem Apostolischen Stuhl vorbehalten sind. Damit soll der Umfang ihrer Sendung sichtbar werden. Sie sollen vor allem ein lebendiges Zeichen dafür sein, dass der Vater jeden aufnimmt, der seine Vergebung sucht. Sie werden Missionare der Barmherzigkeit sein, denn sie sollen allen eine Begegnung voller Menschlichkeit anbieten, eine Quelle der Befreiung, einen Ort der Verantwortung, der es ermöglicht alle Hindernisse zu überwinden und das einst in der Taufe neu geschenkte Leben wieder aufzugreifen. Sie lassen sich in ihrer Mission leiten vom Wort des Apostels: »Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen« 
Röm 11,32. Denn alle, ohne Ausnahme, sollen den Aufruf zur Barmherzigkeit ergreifen. Die Missionare werden diesen Ruf erfüllen im Wissen darum, dass sie ihren Blick auf Jesus, den »barmherzigen und treuen Hohepriester« Hebr 2,17 richten können.
   Ich bitte die Mitbrüder im Bischofsamt, diese Missionare einzuladen und aufzunehmen, damit sie vor allem überzeugende Prediger der Barmherzigkeit sein können. In den Diözesen möge man »Volksmissionen« organisieren, damit diese Missionare Verkünder der Freude durch die Vergebung sein können. Sie mögen für die Menschen das Sakrament der Versöhnung feiern, damit in dieser Zeit der Gnade, die das Heilige Jahr uns schenkt, möglichst viele, die sich entfernt haben, den Weg zum Hause des Vaters wiederfinden. Die Hirten sollen besonders in der vierzigtägigen österlichen Bußzeit die Gläubigen einladen, heranzutreten »zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden« Hebr 4,16.
   Das Wort der Vergebung möge alle erreichen und die Einladung, die Barmherzigkeit an sich wirken zu lassen, lasse niemanden unberührt. Mein Ruf zur Umkehr richtet sich mit noch größerem Nachdruck an alle Menschen, die aufgrund ihrer Lebensführung fern sind von Gott. Ich denke hier besonders an die Männer und Frauen, die einer kriminellen Vereinigung angehören, welche auch immer diese sei. Zu eurem eigenen Wohl bitte ich euch: Ändert euer Leben! Ich bitte euch im Namen des Sohnes Gottes, der – obwohl er gegen die Sünde gekämpft hat – nie einen Sünder zurückgewiesen hat. Fallt nicht in die schreckliche Falle, zu glauben, dass alles im Leben vom Geld abhänge und dass darum alles andere keinen Wert und keine Würde habe. Das ist bloß eine Illusion! Keiner kann sein Geld mitnehmen ins Jenseits. Und Geld macht nicht wirklich glücklich. Die Gewalt, die angewendet wird, um blutiges Geld anzusammeln, macht auch nicht wirklich mächtig und schon gar nicht unsterblich. Früher oder später kommt für alle das Gericht Gottes, dem keiner entfliehen kann.
   Dieselbe Einladung richte ich an die Förderer und Komplizen der Korruption. Diese schwärende Wunde der Gesellschaft ist eine schwere himmelschreiende Sünde, denn sie untergräbt das Fundament des Lebens des Einzelnen und der Gesellschaft. Die Korruption nimmt Menschen die Hoffnung auf die Zukunft, denn in ihrer Rücksichtslosigkeit und Gier zerstört sie die Zukunftspläne der Schwachen und erdrückt die Armen. Es ist ein Übel, dass damit beginnt, sich in alltäglichen, kleinen Dingen einzunisten, um sich dann soweit auszubreiten, wie es dann manchmal in den großen Skandalen sichtbar wird. Die Korruption ist ein Verharren in der Sünde, die es darauf anlegt, Gott mit der Illusion der Macht des Geldes zu ersetzten. Sie ist ein Werk der Finsternis, gestützt von Argwohn und Intrige. Corruptio optimi pessima, sagte mit gutem Grund Gregor der Große, um darauf hinzuweisen, dass keiner immun ist angesichts dieser Versuchung. Um sie aus dem privaten und öffentlichen Leben auszurotten, bedarf es Klugheit, Wachsamkeit, Gesetzestreue, Transparenz und den Mut, den Finger in die Wunde zu legen. Wer die Korruption nicht offen bekämpft, wird früher oder später zum Komplizen und zerstört die Existenz.
   Dies ist die günstige Gelegenheit, um sein Leben zu ändern! Das ist der Augenblick, um sich im Herzen anrühren zu lassen. Angesichts des begangenen Übels, auch angesichts schwerer Verbrechen, ist der Zeitpunkt gekommen, das Weinen der unschuldigen Menschen zu hören, die man ihrer Güter, ihrer Würde, der Zuneigung oder gar des Lebens selbst beraubt hat. Weiterhin den Weg des Bösen zu gehen, ist einzig eine Quelle falscher Illusion und Traurigkeit. Das wirkliche Leben ist etwas ganz anderes. Gott wird nicht müde, die Hand auszustrecken. Er ist immer bereit zuzuhören, und auch ich sowie meine Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt sind es. Es genügt nur, die Einladung zur Umkehr anzunehmen und sich der Gerechtigkeit zu unterwerfen, während die Kirche die Barmherzigkeit anbietet.
   Es ist nicht sinnlos, in diesem Zusammenhang auf die Beziehung zwischen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit  hinzuweisen. Es handelt sich dabei nicht um zwei gegensätzliche Aspekte, sondern um zwei Dimensionen einer einzigen Wirklichkeit, die sich fortschreitend entwickelt, bis sie ihren Höhepunkt in der Fülle der Liebe erreicht hat. Die Gerechtigkeit ist ein grundlegendes Konzept der Zivilgesellschaft, in der man sich normalerweise auf eine Rechtsordnung bezieht, in deren Rahmen das Gesetz angewendet wird. Unter Gerechtigkeit versteht man auch, dass einem jeden das gegeben werden muss, was ihm zusteht. In der Bibel spricht man vielfach von der Gerechtigkeit Gottes und von Gott als Richter. Dabei wird sie gemeinhin verstanden als die Beachtung des gesamten Gesetzes und das Verhalten eines jeden guten Israeliten gemäß dem göttlichen Gebot. Diese Sichtweise hat aber nicht selten zu einem Legalismus geführt, indem man den ursprünglichen Sinn verfälscht und den tiefen Sinn der Gerechtigkeit verdunkelt hat. Um eine legalistische Sichtweise zu überwinden, ist es notwendig sich daran zu erinnern, dass in der Heiligen Schrift die Gerechtigkeit hauptsächlich als ein sich völliges und vertrauensvolles Überlassen in den Willen Gottes verstanden wird.
   Jesus selbst spricht viel häufiger von der Bedeutung des Glaubens als von der Beachtung des Gesetzes. Und in diesem Sinn müssen wir seine Worte verstehen, als Er – während Er mit Matthäus und anderen Zöllnern und Sündern zu Tisch sitzt – den Pharisäern, die ihn kritisierten, antwortete: »Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten« Mt 9,13. Angesichts einer Sicht der Gerechtigkeit als der bloßen Einhaltung von Gesetzen, die in der Folge Menschen einteilt in Gerechte und Sünder, versucht Jesus die große Gabe der Barmherzigkeit aufzuzeigen, die Barmherzigkeit, die den Sünder sucht und ihm Vergebung und Heil anbietet. Man versteht, warum Er aufgrund einer solchen befreienden Vision, die Quelle der Erneuerung ist, von den Pharisäern und Schriftgelehrten abgelehnt wird. Diese legten in ihrer Gesetzes-
treue den Menschen lediglich Lasten auf die Schultern, blendeten aber die Barmherzigkeit des Vaters aus. Der Ruf nach der Einhaltung des Gesetzes darf nicht die Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse behindern, die die Würde der Menschen ausmachen.
   Der Hinweis Jesu auf den Text des Propheten Hosea – »Liebe will ich, nicht Schlachtopfer« Hos 6,6 – ist in diesem Zusammenhang sehr bedeutsam. Jesus betont, dass von nun an der Primat der Barmherzigkeit die Lebensregel seiner Jünger ist, so wie er es selbst bezeugt hat, als er mit den Sündern zu Tisch saß. Die Barmherzigkeit wird noch einmal als die grundlegende Dimension der Sendung Jesu aufgezeigt. Das ist eine wirkliche Herausforderung für seine Gegenüber, die bei einer formalen Beachtung des Gesetzes stehenblieben. Jesus geht dagegen über das Gesetz hinaus. Dass er Gemeinschaft hat mit denen, die nach dem Gesetz Sünder waren, lässt verstehen, wie weit die Barmherzigkeit geht.
   Auch der Apostel Paulus hat einen ähnlichen Weg durchschritten. Bevor er Jesus auf der Straße nach Damaskus begegnete, suchte er in seinem Leben auf tadellose Weise die Gesetzesgerechtigkeit vgl. Phil 3,6. Seine Bekehrung zu Christus verwandelte seine Sichtweise völlig, so dass er im Galaterbrief feststellt: »Auch wir sind dazu gekommen, an Christus Jesus zu glauben, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus, und nicht durch Werke des Gesetzes« Gal 2,16. Sein Verständnis der Gerechtigkeit änderte sich radikal. Paulus stellt nun an die erste Stelle den Glauben und nicht mehr länger das Gesetz. Nicht die Beachtung des Gesetzes rettet, sondern der Glaube an Jesus Christus, der durch seinen Tod und seine Auferstehung in seiner gerecht machenden Barmherzigkeit das Heil bringt. Die Gerechtigkeit Gottes bedeutet jetzt die Befreiung derer, die Sklaven der Sünde und all ihrer Folgen sind. Die Gerechtigkeit Gottes ist seine Vergebung vgl. Ps 51,11-16.
   Die Barmherzigkeit steht also nicht im Gegensatz zur Gerechtigkeit. Sie drückt vielmehr die Haltung Gottes gegenüber dem Sünder aus, dem Er eine weitere Möglichkeit zur Reue, zur Umkehr und zum Glauben anbietet. Die Erfahrung des Propheten Hosea kommt uns zu Hilfe, um zu zeigen, wie die Gerechtigkeit in Richtung der Barmherzigkeit überboten wird. Dieser Prophet gehört in eine der dramatischsten Abschnitte der Geschichte des Volkes Israels. Das Reich steht kurz vor der Zerstörung. Das Volk hat den Bund gebrochen, hat sich von Gott entfernt und den Glauben der Väter verloren. Nach menschlicher Logik wäre es nur gerecht, dächte Gott daran, dieses untreue Volk zurückzuweisen. Man hat den geschlossenen Bund nicht eingehalten und folgerichtig verdient es die gerechte Strafe, das Exil. Die Worte des Propheten bezeugen das: »Doch er muss wieder zurück nach Ägypten, Assur wird sein König sein; denn sie haben sich geweigert umzukehren« 
Hos 11,5. Und doch, nach dieser ersten Reaktion, die nach Gerechtigkeit verlangt, verändert der Prophet seine Wortwahl radikal und offenbart das wahre Antlitz Gottes: » Mein Herz wendet sich gegen mich, mein Mitleid lodert auf. Ich will meinen glühenden Zorn nicht vollstrecken und Efraim nicht noch einmal vernichten. Denn ich bin Gott, nicht ein Mensch, der Heilige in deiner Mitte. Darum komme ich nicht in der Hitze des Zorns« Hos 11,8-9. Der heilige Augustinus sagt gleichsam als Kommentar zu diesem Wort des Propheten: »Es ist leichter, dass Gott seinen Zorn zurückhält als seine Barmherzigkeit«.[13] Das stimmt. Gottes Zorn dauert einen Augenblick, seine Barmherzigkeit dagegen währt ewig.
  Wenn Gott bei der Gerechtigkeit stehen bliebe, dann wäre er nicht mehr Gott, sondern vielmehr wie die Menschen, die die Beachtung des Gesetzes einfordern. Die Gerechtigkeit alleine genügt nicht und die Erfahrung lehrt uns, dass wer nur an sie appelliert, Gefahr läuft, sie sogar zu zerstören. Darum überbietet Gott die Gerechtigkeit mit der Barmherzigkeit und der Vergebung. Das bedeutet keinesfalls, die Gerechtigkeit unterzubewerten oder sie überflüssig zu machen. Ganz im Gegenteil. Wer einen Fehler begeht, muss die Strafe verbüßen. Aber dies ist nicht der Endpunkt, sondern der Anfang der Bekehrung, in der man dann die Zärtlichkeit der Vergebung erfährt. Gott lehnt die Gerechtigkeit nicht ab. Er stellt sie aber in einen größeren Zusammenhang und geht über sie hinaus, so dass man die Liebe erfährt, die die Grundlage der wahren Gerechtigkeit ist. Wir müssen sehr genau hinschauen auf das, was Paulus schreibt, damit wir nicht genau in den Fehler verfallen, den der Apostel bei seinen jüdischen Zeitgenossen kritisiert: »Da sie die Gerechtigkeit Gottes verkannten und ihre eigene aufrichten wollten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen. Denn Christus ist das Ende des Gesetzes, und jeder, der an ihn glaubt, wird gerecht« Röm 10,3-4. Diese Gerechtigkeit Gottes ist die Barmherzigkeit, die allen als Gnade geschenkt wird kraft des Todes und der Auferstehung Jesu Christi. Das Kreuz ist also das Urteil Gottes über uns alle und die Welt, denn es schenkt uns die Gewissheit der Liebe und des neuen Lebens.
   Ein Jubiläum bringt es mit sich, dass wir auch auf den Ablass  Bezug nehmen. Dieser gewinnt besondere Bedeutung im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit. Die Vergebung unserer Sünden durch Gott ist grenzenlos. Im Tod und in der Auferstehung Jesu Christi lässt Gott seine Liebe sichtbar werden, die selbst die Sünden der Menschen zerstört. Sich mit Gott zu versöhnen wird möglich aufgrund des Paschamysteriums und durch die Vermittlung der Kirche. Gott zeigt sich immer bereit zur Vergebung und er wird nicht müde, sie immer wieder neu und in unerwarteter Weise anzubieten. Dennoch machen wir die Erfahrung der Sünde. Wir wissen, dass wir zur Vollkommenheit berufen sind vgl. Mt 5,48, aber wir spüren die schwere Last der Sünde. Während wir die Macht der Gnade wahrnehmen, die uns verwandelt, merken wir auch, wie sehr uns die Kraft der Sünde bestimmt. Trotz der Vergebung ist unser Leben geprägt von Widersprüchen, die die Folgen unserer Sünden sind. Im Sakrament der Versöhnung vergibt Gott die Sünden, die damit wirklich ausgelöscht sind. Und trotzdem bleiben die negativen Spuren, die diese in unserem Verhalten und in unserem Denken hinterlassen haben. Die Barmherzigkeit Gottes ist aber auch stärker als diese. Sie wird zum  Ablass, den der Vater durch die Kirche, die Braut Christi, dem Sünder, dem vergeben wurde, schenkt und der ihn von allen Konsequenzen der Sünde befreit, so dass er wieder neu aus Liebe handeln kann und vielmehr in der Liebe wächst, als erneut in die Sünde zu fallen.
   Die Kirche lebt die Gemeinschaft der Heiligen. In der Eucharistiefeier vollzieht sich diese Gemeinschaft, die ein Geschenk Gottes ist, als geistliches Band, das uns Glaubende mit der unzählbaren Schar der Heiligen und Seligen verbindet vgl. Offb 7,4. Ihre Heiligkeit kommt unserer Gebrechlichkeit zu Hilfe, und so kann die Mutter Kirche mit ihren Gebeten und ihrem Leben der Schwachheit der einen mit der Heiligkeit der anderen entgegenkommen. Den Ablass des Heiligen Jahres zu leben heißt also, sich der Barmherzigkeit des Vaters anzuvertrauen in der Gewissheit, dass seine Vergebung sich auf das gesamte Leben der Gläubigen auswirkt. Der Ablass bedeutet, die Heiligkeit der Kirche zu erfahren, die teilhat an allen heilbringenden Früchten der Erlösung durch Christus und die diese in der Vergebung weitergibt bis in die letzte Konsequenz hinein, denn die Liebe Gottes reicht auch dorthin. Leben wir intensiv dieses Jubiläum, indem wir den Vater um die Vergebung der Sünden bitten und um die Ausbreitung seiner barmherzigen Nachsicht.
   Die Barmherzigkeit ist auch über die Grenzen der Kirche hinaus bedeutsam. Sie verbindet uns mit dem Judentum und dem Islam, für die sie eine der wichtigsten Eigenschaften Gottes darstellt. Das Volk Israel hat als erstes diese Offenbarung erhalten, die in der Geschichte als der Beginn eines unermesslichen Reichtums bleibt, den es der ganzen Menschheit anzubieten gilt. Wie wir gesehen haben, sind die Seiten des Alten Testamentes voll von Barmherzigkeit, denn sie erzählen von den Werken des Herrn, die dieser für sein Volk in den schwierigsten Momenten seiner Geschichte vollbracht hat. Der Islam seinerseits zählt zu den Namen für den Schöpfer auch den Namen Allerbarmer und Allbarmherziger. Diese Anrufung ist oft auf den Lippen der gläubigen Muslime, die sich in der täglichen Schwachheit von der Barmherzigkeit begleitet und getragen wissen. Auch sie glauben, dass niemand der göttlichen Barmherzigkeit Grenzen setzen kann, denn ihre Tore stehen immer offen.
   Dieses Jubiläumsjahr, das wir im Geist der Barmherzigkeit leben, mag die Begegnung mit diesen Religionen und mit anderen ehrwürdigen religiösen Traditionen fördern. Es mache uns offener für den Dialog, damit wir uns besser kennen und verstehen lernen. Es überwinde jede Form der Verschlossenheit und Verachtung und vertreibe alle Form von Gewalt und Diskriminierung.

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   Unser Gedanke richtet sich nun auf die Mutter der Barmherzigkeit. Ihr liebevoller Blick begleite uns durch dieses Heilige Jahr, damit wir alle die Freude der Zärtlichkeit Gottes wiederentdecken können. Kein anderer hat so wie Maria die Tiefe des Geheimnisses der Menschwerdung Gottes kennen gelernt. Ihr ganzes Leben war geprägt von der Gegenwart der fleischgewordenen Barmherzigkeit. Die Mutter des Gekreuzigten und Auferstandenen ist eingetreten in das Heiligtum der göttlichen Barmherzigkeit,  denn sie hatte zutiefst Anteil am Geheimnis seiner Liebe.
   Dazu erwählt, die Mutter des Sohnes Gottes zu sein, war Maria von Anbeginn an von der Liebe des Vaters vorbereitet worden, um die Lade des Bundes zu sein, des Bundes zwischen Gott und den Menschen. In ihrem Herzen hat sie die Barmherzigkeit Gottes bewahrt, in völligem Einklang mit ihrem Sohn Jesus. Ihr Lobgesang auf der Schwelle des Hauses der Elisabeth war der Barmherzigkeit gewidmet, die sich erstreckt »von Geschlecht zu Geschlecht« Lk 1,50. Auch wir waren schon in diesen prophetischen Worten der Jungfrau Maria anwesend. Das wird uns Trost und Stärke sein, wenn wir die Heilige Pforte durchschreiten, um die Frucht der göttlichen Barmherzigkeit zu erfahren.
   Unter dem Kreuz ist Maria, gemeinsam mit Johannes, dem Jünger, den Er liebte, Zeugin der Worte der Vergebung, die über die Lippen Jesu kamen. Diese höchste Form der Vergebung für die, die ihn gekreuzigt haben, zeigt uns, wie weit die Barmherzigkeit Gottes geht. Maria bezeugt, dass die Barmherzigkeit des Sohnes Gottes grenzenlos ist und alle erreicht, ohne jemanden auszuschließen. Richten wir an sie das uralte und doch stets neue Gebet des Salve Regina, dass sie nie müde werde, uns ihre barmherzigen Augen zuzuwenden, und uns würdig mache, das Antlitz der Barmherzigkeit zu betrachten, ihren Sohn Jesus Christus.

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   Unser Gebet richtet sich auch an die Heiligen und Seligen, die die Barmherzigkeit zur Mission ihres Lebens gemacht haben. In besonderer Weise denken wir an die große Apostelin der Barmherzigkeit, die heilige Faustyna Kowalska. Sie, die berufen war, in die Tiefe der göttlichen Barmherzigkeit einzutreten, sei uns Fürsprecherin und erwirke uns die Gnade, stets in der Vergebung Gottes und in dem unverbrüchlichen Vertrauen auf seine Liebe zu leben und zu wandeln.
   Ein außerordentliches Heiliges Jahr also, um im Alltag die Barmherzigkeit zu leben, die der Vater uns von Anbeginn entgegenbringt. Lassen wir uns in diesem Jubiläum von Gott überraschen. Er wird nicht müde, die Tür seines Herzens offen zu halten und zu wiederholen, dass er uns liebt und sein Leben mit uns teilen will. Die Kirche spürt die dringende Notwendigkeit, Gottes Barmherzigkeit zu verkünden. Ihr Leben ist authentisch und glaubwürdig, wenn sie die Barmherzigkeit überzeugend verkündet. Sie weiß, dass besonders in einer Zeit wie der unsrigen, die voller großer Hoffnungen ist, aber auch voller starker Widersprüche, ihr vorrangiger Auftrag darin besteht, alle durch die Betrachtung des Antlitzes Christi in das große Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes einzuführen. Die Kirche ist berufen, als Erste glaubhafte Zeugin der Barmherzigkeit zu sein, indem sie diese als die Mitte der Offenbarung Jesu Christi bekennt und lebt. Aus dem Herzen der Dreifaltigkeit, aus dem tiefsten Inneren des göttlichen Geheimnisses entspringt und quillt ununterbrochen der große Strom der Barmherzigkeit. Diese Quelle kann niemals versiegen, seien es auch noch so viele, die zu ihr kommen. Wann immer jemand das Bedürfnis verspürt, kann er sich ihr nähern, denn die Barmherzigkeit Gottes ist ohne Ende. So groß und so unergründlich ist die Tiefe des Geheimnisses, das sie umfängt, so groß und so unergründlich der Reichtum, der aus ihr hervorquillt.
   In diesem Jubiläumsjahr finde in der Kirche das Wort Gottes Echo, das stark und überzeugend erklingt als ein Wort und eine Geste der Vergebung, der Unterstützung, der Hilfe und der Liebe. Die Kirche werde nie müde, Barmherzigkeit anzubieten, und sie sei stets geduldig im Trösten und Vergeben. Sie mache sich zur Stimme eines jeden Mannes und einer jeden Frau und wiederhole voll Vertrauen und ohne Unterlass: »Denk an dein Erbarmen, Herr, und an die Taten deiner Huld; denn sie bestehen seit Ewigkeit« Ps 25,6.
   Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 11. April, Vigil des zweiten Sonntags der Osterzeit oder Sonntags der Göttlichen Barmherzigkeit, im Jahr des Herrn 2015, im dritten Jahr meines Pontifikats.                                                                                                                                                                                fr-sign--         

[1]Vgl. II. Vatikanisches Ökumenisches Konzil, Dogmatische Konstitution Dei Verbum, 4
[2]Ansprache zur Eröffnung des II. Vatikanischen Ökumenischen Konzils Gaudet Mater Ecclesia, 11. Oktober 1962, 2-3.
[3]Ansprache bei der letzten öffentlichen Sitzung des II. Vatikanischen Ökumenischen Konzils, 7. Dezember 1965.
[4]Vgl. II.Vatikanisches Ökumenisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 16; Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 15.  [5]Thomas von Aquin, Summa Theologiae, II-II, q. 30, a. 4.
[6]Tagesgebet vom 26. Sonntag im Jahreskreis. Dieses Gebet ist bereits im 8. Jahrhundert in den euchologischen Texten des Sacramentarium Gelasianum belegt. [7]Vgl. Hom. 21: CCL 122, 149-151.[8]Apostolisches Schreiben 
Evangelii gaudium, 24.
[9]Nr. 2.  [10]Ebd., 15. [11]Ebd., 13.  [12]Merksätze von Licht und Liebe, 57. [13]Enarr. in Ps. 76, 11.
 © Copyright Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung (Vatikan). Alle Rechte vorbehalten

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Verkündigung der Kirche: „Gleiche Mission, neue Sprache“ - Erzbischof Fisichella und Papst Franziskus

   Die Mission ist seit Jahrtausenden dieselbe, doch die Sprache muss sich erneuern. Daran erinnerte der Papst bei einer Audienz für die Teilnehmer der Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung. Papst Franziskus traf die Mitglieder der Versammlung im Vatikan. Der Papst unterstrich, dass das kommende „außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ einen wichtigen Impuls für die Glaubensverkündung haben solle. Es seien Zeiten großer Veränderungen, betonte er immer wieder, ohne auf genauere Details einzugehen. Diese Veränderungen sollten helfen, die „Zeichen der Zeit“ aufzunehmen, denn das habe die Kirche in den vergangenen zweitausend Jahren immer wieder gemacht.
   „Die Mission ist immer dieselbe, aber die Sprache mit welcher das Evangelium verkündet wird, ruft nach einer mit pastoraler Weisheit gewählten Erneuerung,“ so der Papst. „Das ist wesentlich um von unserer Mitwelt verstanden zu werden und damit die katholische Tradition mit den Kulturen der Welt heute sprechen und ihnen helfen kann, damit diese sich für die immerwährende Fruchtbarkeit der Botschaft von Christus öffnen kann. Die Zeiten bieten große Herausforderungen, vor welchen wir uns nicht fürchten dürfen sie anzunehmen.“
   Es müssten die richtigen Antworten gefunden werden und die Aufgabe der Kirche sei es „solidarisch mit allen“ zu sein, vor allem mit den Menschen am Rande unserer „Konsum-Gesellschaft“. Die Katechese habe die Aufgabe das christliche Leben an die Barmherzigkeit Gottes anzunähern. Franziskus definierte in seiner Ansprache die Barmherzigkeit als die Rettung der Christen und den Heiligen Geist als Protagonist der Verkündigung. Er „öffnet die Herzen der Gläubigen“ für die Nächstenliebe.
   „Die Frage danach wie wir den Glauben lehren, ist nicht rhetorisch, sondern essentiell. Die Antwort darauf verlangt nach Mut, Kreativität und nach der Entscheidung oft auch unerforschte Wege zu wählen. Die Katechese als Komponente des Evangelisierungsprozesses muss über eine schulische Sphäre hinausgehen um Gläubige von klein auf die Begegnung mit einem lebendigen Christus zu lehren, der in der Kirche wirkt.“
   Der Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung – wie der Rat offiziell heißt – hat den Auftrag, sich besonders um eine erneuerte Verkündigung in den Ländern kümmern, in denen der christliche Glaube schon lange beheimatet ist, aber durch die fortschreitende Säkularisierung an Bedeutung verloren hat. Leiter des Rates ist Erzbischof Rino Fisichella.
   Papst Franziskus hat die gesamte Organisation des Heiligen Jahres an den Rat übergeben. Das Festjahr beginnt am 8. Dezember 2015 und endet am 20. November 2016. Im Mittelpunkt soll nach dem Willen des Papstes die Barmherzigkeit stehen. Franziskus hatte das außerordentliche Heilige Jahr am 13. März angekündigt und am 11. April ausgerufen. Rv150529no 

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An den verehrten Bruder, Erzbischof Rino Fisichella,
Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Neuevangelisierung

   “Die Tatsache, dass das Außerordentliche Jubiläum der Barmherzigkeit nunmehr bevorsteht, erlaubt mir, einige Punkte in den Blick zu nehmen, deren Behandlung mir wichtig zu sein scheint, damit die Feier des Heiligen Jahres für alle Gläubigen ein echter Moment der Begegnung mit der Barmherzigkeit Gottes sein kann. Denn mein Wunsch ist es, dass das Jubiläum eine lebendige Erfahrung der Nähe des Vaters sei, seine Zärtlichkeit gleichsam mit Händen greifen zu können, damit der Glaube aller Gläubigen gestärkt und so das Zeugnis stets wirksamer werde.
   Meine Gedanken gehen zuerst zu allen Gläubigen, die in den einzelnen Diözesen oder als Rompilger die Gnade des Jubiläums leben werden. Ich möchte, dass der Jubiläumsablass jeden als wirkliche Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes erreicht, der allen mit dem Antlitz eines Vaters entgegenkommt, der annimmt und vergibt, indem er die begangene Sünde vollkommen vergisst. Um den Ablass zu leben und zu erlangen, sind die Gläubigen aufgerufen, als Zeichen der tiefen Sehnsucht nach wahrer Umkehr einen kurzen Pilgergang zur Heiligen Pforte zurückzulegen, die in jeder Kathedrale oder vom Diöze-sanbischof bestimmten Kirche und in den vier päpstlichen Basiliken in Rom geöffnet wird. Ebenso lege ich fest, dass der Ablass auch erlangt werden kann in den Wallfahrtskirchen, wo die Pforte der Barmherzigkeit geöffnet wurde, sowie in den traditionell als Jubiläumskirchen ausgewiesenen Gotteshäusern. Es ist wichtig, dass dieser Moment vor allem mit dem Sakrament der Versöhnung und der Feier der heiligen Eucharistie einschließlich einer Reflexion über die Barmherzigkeit verbunden ist. Es wird nötig sein, dass diese Feiern das Glaubensbekenntnis ebenso umfassen wie das Gebet für mich und für die Anliegen, die mir am Herzen liegen zum Wohl der Kirche und der ganzen Welt.
   Darüber hinaus denke ich an all jene, denen es aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich sein wird, sich zur Heiligen Pforte zu begeben, in erster Linie an die Kranken und die alten, einsamen Menschen, die häufig das Haus nicht verlassen können. Für sie wird es eine große Hilfe sein, Krankheit und Leid als Erfahrung der Nähe zum Herrn zu leben, der im Geheimnis seines Leidens, seines Todes und seiner Auferstehung den Königsweg aufzeigt, um dem Schmerz und der Einsamkeit einen Sinn zu verleihen. Mit Glauben und freudiger Hoffnung diesen Moment der Prüfung zu leben, indem sie die Kommunion empfangen oder an der heiligen Messe und am gemeinschaftlichen Gebet – auch über die verschiedenen Medien – teilnehmen, wird für sie die Weise sein, den Jubiläumsablass zu erlangen.
   Meine Gedanken gelten auch den Gefangenen, die die Einschränkung ihrer Freiheit erleben. Das Jubiläum war stets Anlass zu einer umfassenden Begnadigung, be-stimmt für jene, die eine Strafe verdient haben, sich aber des begangenen Unrechts bewusst geworden sind und den aufrichtigen Wunsch haben, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern und ihren ehrlichen Beitrag zu leisten. Sie alle möge die Barmherzigkeit des Vaters konkret erreichen, der denen nahe sein will, die seine Vergebung am meisten brauchen. Den Ablass werden sie erlangen können in den Gefängniskapellen und jedes Mal, wenn sie durch die Tür ihrer Zelle gehen und dabei ihre Gedanken und ihr Gebet an Gottvater richten. Möge diese Geste für sie den Durchgang durch die Heilige Pforte bedeuten, denn die Barmherzigkeit Gottes, die in der Lage ist, die Herzen zu verwandeln, kann auch die Gitter in eine Erfahrung der Freiheit verwandeln.
   Es ist mein Wunsch, dass die Kirche in dieser Zeit des Jubiläums den in den leiblichen und geistlichen Werken der Barmherzigkeit enthaltenen Reichtum wieder- entdecken möge. Denn die Erfahrung der Barmherzigkeit wird sichtbar im Zeugnis konkreter Zeichen, wie Jesus selbst es uns gelehrt hat. Jedes Mal wenn die Gläubigen eines oder mehrere dieser Werke selbst tun, werden sie sicherlich den Jubiläumsablass erlangen. Daraus ergibt sich die Pflicht, aus der Barmherzigkeit zu leben, um die Gnade der vollkommenen und umfassenden Vergebung durch die Kraft der Liebe des Vaters zu erlangen, der niemanden ausschließt. Es wird sich daher um einen vollkommenen Jubiläumsablass handeln, Frucht des Ereignisses selbst, das mit Glaube, Hoffnung und Liebe gefeiert und gelebt wird.
   Der Jubiläumsablass kann ebenso für Verstorbene erlangt werden. Mit ihnen sind wir verbunden durch das Zeugnis des Glaubens und der Liebe, das sie uns hinterlassen haben. Wie wir ihrer in der Eucharistiefeier ge- denken, so können wir im großen Geheimnis der Gemeinschaft der Heiligen für sie beten, damit das barmherzige Antlitz des Vaters von jeglicher Restschuld befreie und sie in nie endender Seligkeit an sich ziehen kann.
   Ein gravierendes Problem unserer Zeit ist sicherlich die veränderte Beziehung zum Leben. Eine sehr verbreitete Mentalität hat mittlerweile zum Verlust der persönlich und gesellschaftlich geschuldeten Sensibilität gegenüber der Annahme eines neuen Lebens geführt. Das Drama der Abtreibung wird von manchen mit einem oberflächlichen Bewusstsein erlebt, so dass sie sich über das schwerwie-gende Übel, das ein solcher Akt mit sich bringt, fast nicht im Klaren sind. Viele andere dagegen, die diesen Moment zwar als Niederlage erleben, meinen, keinen anderen Ausweg zu haben. Ich denke vor allem an alle Frauen, die eine Abtreibung haben durchführen lassen. Ich weiß um den Druck, der sie zu dieser Entscheidung geführt hat. Ich weiß, dass dies eine existentielle und moralische Tragödie ist. Ich bin sehr vielen Frauen begegnet, die in ihrem Herzen die Narben dieser leidvollen und schmerzhaften Entscheidung trugen. Was geschehen ist, ist zutiefst ungerecht. Und doch: Nur wenn man es in seiner Wahrheit versteht, ist es möglich, die Hoffnung nicht zu verlieren. Die Vergebung Gottes für jeden Menschen, der bereut, kann diesem nicht versagt werden, besonders wenn er mit ehrlichem und aufrichtigem Herzen das Sakrament der Vergebung empfangen will, um Versöhnung mit dem Vater zu erlangen. Auch aus diesem Grund habe ich, ungeachtet gegenteiliger Bestimmungen, entschieden, für das Jubiläumsjahr allen Priestern die Vollmacht zu gewähren, von der Sünde der Abtreibung jene loszusprechen, die sie vorgenommen haben und reuigen Herzens dafür um Vergebung bitten. Die Priester mögen sich auf diese große Aufgabe vorbereiten und Worte der echten Annahme mit einer Reflexion zu verbinden wissen, die hilft, die begangene Sünde zu begreifen. Ebenso sollen sie auf einen Weg echter Umkehr verweisen, um die wahrhaftige und großherzige Vergebung des Vaters verstehen zu können, der durch seine Gegenwart alles erneuert.
   Eine abschließende Überlegung gilt den Gläubigen, die aus verschiedenen Gründen die von den Priestern der Bruderschaft St. Pius X. betreuten Kirchen besuchen. Dieses Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit schließt niemanden aus. Von verschiedener Seite haben mir einige bischöfliche Mitbrüder vom guten Glauben und der guten sakramentalen Praxis dieser Gläubigen berichtet, aller- dings verbunden mit dem Unbehagen, in einer pastoral schwierigen Situation zu leben. Ich vertraue darauf, dass in naher Zukunft Lösungen gefunden werden können, um die volle Einheit mit den Priestern und Oberen der Bruder-schaft wiederzugewinnen. Bewegt von der Notwendigkeit, dem Wohl dieser Gläubigen zu entsprechen, bestimme ich in der Zwischenzeit in eigener Verfügung, dass diejenigen, die während des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit das Sakrament der Versöhnung bei den Priestern der Bruder-schaft St. Pius X. empfangen, gültig und erlaubt die Los-sprechung von ihren Sünden erlangen.
   Auf die Fürsprache der Mutter der Barmherzigkeit vertrauend, empfehle ich die Vorbereitung dieses Außerordentlichen Jubiläums ihrem Schutz.”
Aus dem Vatikan, am 1.September 2015                      fr-sign--

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Erzbischof Salvatore Fisichella Foto: Heilige Jahr der Barmherzigkeit Quelle der Freude und des Friedens

Erstmals in der Geschichte der Heiligen Jahre kann in den Diözesen eine Heilige Pforte - die Pforte der Barmherzigkeit - geöffnet werden, sei es in der Bischofskirche, in einer anderen bedeutenden Kirche oder einem wichtigen Wallfahrtsort. In die gleiche Richtung gehen auch andere Merkmale, die man in der Einberufungsbulle finden kann und die dieses Heilige Jahr zu etwas Besonderem machen. 

   Im Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium umreißt Papst Franziskus das Programm seines Pontifikates. Es gibt darin eine bezeichnende Aussage, die den Sinn des außerordentlichen Jubiläums, das am 11. April ausgerufen wurde, zusammenfasst: »Die Kirche empfindet einen unerschöpflichen Wunsch, Barmherzigkeit anzubieten - eine Frucht der eigenen Erfahrung der unendlichen Barmherzigkeit des himmlischen Vaters und ihrer Tragweite« (Nr. 24). Von diesem Verlangen her gilt es die Einberufungsbulle des JubiläumsMisericordiae vultus zu lesen, in der Papst Franziskus die Ziele beschreibt, die er mit diesem Heiligen Jahr verbindet. Die bei­den Eckdaten sind bekannt. Am 8. Dezember 2015, dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens, wird die Heilige Pforte im Petersdom geöffnet. Am Christkönigssonntag, dem 20. November 2016, kommt das Heilige Jahr zu seinem offiziellen Abschluss. In diesem Zeitraum werden verschiedene Feierlichkeiten und Ereignisse stattfinden, entsprechend dem offiziellen Veran­staltungskalender.
   Es ist wichtig von Anfang an zu unterstreichen, dass dieses Jubiläum der Barmherzigkeit nicht mit dem Großen Jubiläum des Jahres 2000 verglichen werden kann, und auch nicht verglichen werden will. Alle Versuche einen solchen Vergleich vorzunehmen, müssen insofern bedeutungslos bleiben, weil ein jedes Heiliges Jahr seine je eigene Bedeutung und Zielsetzung hat. Der Papst wünscht, dass dieses Jubiläum in Rom wie auch in den Diözesen gelebt wird. Das verlangt eine besondere Aufmerksamkeit für das Leben und die Bedürfnisse der einzelnen Ortskirchen, damit die Initiativen nicht einfach den bestehenden Planungen übergestülpt werden, sondern diese vielmehr ergänzen.
   Erstmals in der Geschichte der Heiligen Jahre kann in den Diözesen eine Heilige Pforte - die Pforte der Barmherzigkeit - geöffnet werden, sei es in der Bischofskirche, in einer anderen bedeutenden Kirche oder einem wichtigen Wallfahrtsort. In die gleiche Richtung gehen auch andere Merkmale, die man in der Einberufungsbulle finden kann und die dieses Heilige Jahr zu etwas Besonderem machen. Schon der Verweis auf die Barmherzigkeit bricht mit dem traditionellen Schema. Die Geschichte der Jubiläen war die meiste Zeit durch einen Rhythmus von 50 und später 25 Jahren bestimmt. Die beiden bisherigen »außerordentlichen« Heiligen Jahre (1933 und 1983) wurden ausgerufen mit dem Blick auf das Gedenken an die durch Tod und Auferstehung Jesu bewirkte Erlösung. Diesmal haben wir es mit einem thematischen Jubiläum zu tun. Es stützt sich auf einen zentralen Glaubensinhalt und will die Kirche zu ihrem vorrangigen Auftrag zurückführen, nämlich in allen Bereichen der Pastoral Zeichen und Zeugin der Barmherzigkeit zu sein.
   Ich denke nicht zuletzt auch daran, wie Papst Franziskus auf das Judentum und den Islam verweist und aufruft, gerade über das Thema der Barmherzigkeit einen Weg des Dialogs zu finden und so die allgemein bekannten Schwierigkeiten zu überwinden. Nicht vergessen werden soll auch eine weitere originäre Idee, nämlich die der Missionare der Barmherzigkeit. Papst Franziskus wird sie am Aschermittwoch mit einer Feier im Petersdom aussenden. Diese Missionare sollen Priester sein, die sich durch Geduld auszeichnen. Sie sollen in der Lage sein, die Menschen in ihren Grenzsituationen zu verstehen, und zugleich in ihrer Predigt und mit dem Stil, wie sie das Sakrament der Versöhnung spenden, die helfende Nähe des Guten Hirten spürbar machen. Ich will mich nun nicht länger allgemeinen Ausführungen widmen, sondern zur Organisation des Heiligen Jahres kommen.
   Beginnen wir mit dem Logo, das so etwas wie eine Summa Theologiae zum Thema der Barmherzigkeit darstellt und mit dem Motto, das es begleitet. Das aus dem Lukasevangelium stammende Wort »Barmherzig wie der Vater« (6,36) lädt ein, die Barmherzigkeit nach dem Vorbild des Vaters zu leben. Dieser ruft dazu auf, nicht zu urteilen oder gar zu verdammen, sondern zu vergeben und in geradezu maßloser Weise Liebe und Verzeihung zu schenken (vgl. Lk 6,37-38). Das Logo ist ein Werk des Jesuiten Marko I. Rupnik. Es zeigt den Sohn, der sich den verlorenen Menschen auf die Schultern lädt. Hier wird ein Bild aufgegriffen, das schon die frühe Kirche sehr geschätzt hat, weil es die Liebe Christi zeigt, der das Geheimnis seiner Menschwerdung im Werk der Erlösung zur Vollendung führt.
   Das Bild ist so gestaltet, dass deutlich wird, wie der gute Hirte in direkten Kontakt mit dem Fleisch des Menschen kommt. Er tut dies mit ei­ner Liebe, die in der Lage ist, Leben zu verändern. Ein Detail des Bildes darf uns nicht entgehen: Der gute Hirte trägt die Menschheit mit außerordentlicher Barmherzigkeit auf den Schultern und seine Augen verbinden sich mit denen des Menschen. Christus sieht mit dem Auge Adams, und dieser mit dem Auge Christi. Jeder Mensch entdeckt also in Christus, dem neuen Adam, die eigene Menschlichkeit und, indem er in Christi Blick die Liebe des Vaters wahrnimmt, die Zukunft, die ihn erwartet.
   Die Szene ist von einer sogenanntenMandorla, einer mandelförmigen Figur, eingefasst. Diese in der antiken und mittelalterlichen Ikonographie beliebte Form deutet die gleichzeitige Präsenz der göttlichen und der menschlichen Natur in Christus an. Die drei konzentrischen Ovale mit ihrem progressiven, nach außen immer heller werdenden Farbverlauf symbolisieren die Bewegung Christi, der den Menschen aus der Nacht der Sünde und des Todes zum Licht bringt. Auf der anderen Seite steht die tiefdunkle Farbe im Zentrum auch für die Undurchdringlichkeit der Liebe des Vaters, der alles verzeiht.
   Das Logo wurde bei den entsprechenden in­ternationalen Organisationen registriert, um jeden unangemessenen Gebrauch zu verhindern und es als geistiges Eigentum zu schützen. Es ist klar, dass jede Verwendung außerhalb des strikt religiösen Bereichs von diesem Päpstlichen Rat autorisiert werden muss und dass jeder Missbrauch entsprechend verfolgt wird.
   Die Aktivitäten in diesem Heiligen Jahr ent­wickeln sich in verschiedenen Kategorien. Zum ersten haben wir die Ereignisse, die große Teilnehmerzahlen erwarten lassen. Die erste Veranstaltung vom 19. bis zum 21. Januar gilt denen, die auf irgend eine Art im Bereich der Wallfahrt tätig sind. Damit wollen wir zeichenhaft deutlich machen, dass das Heilige Jahr eine wirkliche Pilgerfahrt darstellt und auch als solche gelebt werden soll. Wir bitten darum alle Pilger, eine Weg­strecke wirklich zu Fuß zurückzulegen, und sich so vorzubereiten, die Heilige Pforte in einer Haltung des Glaubens und der Verehrung zu durchschreiten. Dafür ist es wichtig, die einzustimmen, die in diesem Bereich arbeiten, damit sie alles tun, um es nicht bei einem rein touristischen Ereignis zu belassen. Dazu kann es sehr hilfreich sein, dass gerade sie die Erfahrung des Pilgerseins machen.
   Es schien uns ebenfalls bedeutsam, die Gläubigen einzuladen, die in einer besonderen Weise aus der Erfahrung der Barmherzigkeit leben. Dazu versammeln wir am 3. April die weitgefächerte Welt der Menschen, die aus einer Spiritualität leben, die die Barmherzigkeit zum Thema hat (Bewegungen, Vereinigungen, Ordensgemeinschaften). Der Bereich der caritativen Dienste ist eingeladen für den 4. September. Wir denken da besonders an die vielen Freiwilligen. Gerade das Ehrenamt ist Ausdruck dafür, wie die Barmherzigkeit in den verschiedensten Formen konkret gelebt wird und verdient daher eine eigene Feier.
   Ähnliches gilt für die marianische Spiritualität, die ihren Tag am 9. Oktober haben wird, um die Mutter der Barmherzigkeit zu feiern. Es fehlt auch nicht an Veranstaltungen für die J­gendlichen, die bereits gefirmt sind und die wir einladen, ihren Glauben zu bekennen. Für die Gruppe der 13 bis 16-Jährigen, für die sich im Bereich der Pastoral oft wenig Angebote finden, haben wir den 24. April reserviert, während sich der Weltjugendtag in Krakau vom 26. bis 31. Juli an die älteren Jugendlichen wendet.
   Eine weitere Veranstaltung gilt den Diakonen, die berufen sind in den Gemeinden den Dienst der Nächstenliebe zu leiten. Ihr Jubiläum wird am 29. Mai sein. Zum 160. Jahrestag der Ein­führung des Herz-Jesu-Festes in der ganzen Kir­che halten wir am 3. Juli das Jubiläum der Priester. Am 25. September versammeln sich die Katechetinnen und Katecheten, die mit ihrem Einsatz für die Glaubensweitergabe in besonderer Weise das Leben der christlichen Gemein­schaft und im Besonderen der Pfarreien unterstützen. Am 12. Juni laden wir die Kranken und Behinderten ein, gemeinsam mit all denen, die sich ihrer in besonderer Weise und mit großer Liebe und Hingabe annehmen. Am 6. November werden wir dann das Jubiläum der Gefangenen feiern. Es soll nicht nur in den Gefängnissen stattfinden, sondern wir prüfen die Möglichkeit, dass auch einige Gefangenen die Möglichkeit haben werden, mit Papst Franziskus im Petersdom ihr persönliches Heiliges Jahr zu begehen.
   Eine zweite Kategorie der Veranstaltungen besteht in Zeichen, die Papst Franziskus setzen wird, indem er sich aufmacht zu Menschen in existenziellen Randsituationen. Er wird in der persönlichen Begegnung seine Nähe und Aufmerksamkeit zum Ausdruck bringen: für die Ar­men, die Leidenden, die an den Rand gedrängten und alle, die ein Zeichen der Zuneigung brau­chen. Das werden zeichenhafte Momente sein, bei denen wir die Bischöfe und Priester bitten, sie in Gemeinschaft mit dem Papst auch in ihren Diözesen durchzuführen. Das Ziel ist es, allen ein konkretes Zeichen der Barmherzigkeit und der Nähe von Seiten der Kirche zu bringen. Ein weiteres konkretes Zeichen der Nächstenliebe, das als bleibende Erinnerung an das Jubiläum fortbestehen soll, wird in einem Hilfsprojekt bestehen, das in einem bedürftigen Teil der Welt unmittelbare Hilfe bringen soll und die Barmherzigkeit in konkrete und wirkungsvolle Hilfe umsetzt.
   Eine dritte Kategorie sind Angebote für die Pilger, die einzeln nach Rom kommen, also ohne jeglichen organisatorischen Apparat einer Gruppe oder Organisation. Diese werden wir im historischen Zentrum Roms in einigen Kirchen empfangen. Sie werden dort Gelegenheit zum Gebet finden, um sich in angemessener Weise vorzubereiten, damit das Durchschreiten der Heilige Pforte wirklich ei  spiritueller Moment wird. Alle, die als Pilger nach Rom kommen, werden einen gesonderten Zugang finden, um die Heilige Pforte zu erreichen. Das ist notwendig, damit dieses Ereignis wirklich als religiöses Ereignis be­gangen werden kann, in Sicherheit und auch ge­schützt von jeglicher Vereinnahmung für andere Zwecke, die sich immer mehr zu verbreiten scheint.
   Die offizielle Homepage des Jubiläums ist be­reits online:
www.iubilaeummisericordiae.va. Dieses Internetangebot steht in sieben Sprachen zur Verfügung: Italie­nisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Franzö­sisch, Deutsch und Polnisch. Auf dieser Website werden alle offiziellen Informationen zu den Aktivitäten angeboten. Hier finden sich auch Hinweise für die Teilnahme an den Großveranstal­tungen mit dem Heiligen Vater sowie alle weiteren offiziellen Mitteilungen im Zusammenhang mit dem Jubiläum. Die Diözesen können hier auch pastorale Hinweise und Empfehlungen finden sowie ihre eigenen Wallfahrten und Akti­vitäten im Zusammenhang mit dem Heiligen Jahr rückmelden. Die Homepage ist mit den verschie­denen social networks verknüpft (Facebook, Twitter, Instagram, Google Plus und Flickr), mit deren Hilfe man Updates zu den Initiativen des Heiligen Vaters erhalten und den wichtigsten Ereignissen in Echtzeit folgen kann. Wir sind dabei die Möglichkeiten für eine App zu prüfen, die es ermöglichen könnte, die verschiedenen Informationen zusammenzufassen.
   Wir sind überzeugt, dass das Thema der Barmherzigkeit, das der Heilige Vater der Kirche mit diesem Heiligen Jahr vorgegeben hat, ein Moment wahrer Gnade für alle Christen sein kann sowie ein Weckruf, um den Weg der Neuevangelisierung und der pastoralen Umkehr weiterzugehen, den Papst Franziskus uns aufgezeigt hat. Es gilt der Wunsch des Papstes: »In diesem J­biläumsjahr finde in der Kirche das Wort Gottes Echo, das stark und überzeugend erklingt als ein Wort und eine Geste der Vergebung, der Unterstützung, der Hilfe und der Liebe. Die Kirche [...] mache sich zur Stimme eines jeden Mannes und einer jeden Frau und wiederhole voll Vertrauen und ohne Unterlass: >Denk an dein Erbarmen, Herr, und an die Taten deiner Huld; denn sie bestehen seit Ewigkeit«< Misericordiae vultus, 25. OR150515

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Papst für eine offene Kirche

   Die Kirche schließt niemanden aus, nicht einmal den größten Sünder. Das,  so Franziskus, ist die Botschaft von Pfingsten. Beim Mittagsgebet Regina Caeli auf dem Petersplatz, definierte er am Sonntag die zentrale Mission der Christen: die barmherzige Liebe Gottes weiterzugeben.
   „Die Kirche wird nicht in der Isolation geboren, sie entsteht als universale, als eine, katholisch, mit einer eindeutigen und zugleich für alle offenen Identität. Sie bleibt nicht verschlossen, sondern hat eine Identität, mit der sie die ganze Welt umarmt ohne jemanden auszuschließen.  Niemandem schlägt die Mutter Kirche die Tür ins Gesicht, niemandem! Nicht einmal dem größten Sünder, niemandem! Und dies kraft und Gnade des Heiligen Geistes. Die Mutter Kirche öffnet ihre Türen allen, weil sie Mutter ist.“ Rv150524mc

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Papst Franziskus - Ansprache in der Frühmesse: Gott hilft gerade an unserem Tiefpunkt

   Zu oft weisen Menschen Jesus von sich, weil sie glauben, seine Barmherzigkeit verspielt zu haben. Doch die Liebe Gottes zeigt sich gerade dann, wenn einer seinen Tiefpunkt erreicht. Das sagte der Papst in seiner Predigt an diesem Montag. Bei der Frühmesse in der Casa Santa Marta ging der Papst auf das Gleichnis von den bösen Winzern im Tagesevangelium (Mk 12, 1-12) ein: Die Pächter packten den Sohn des Besitzers und brachten ihn um. Franziskus dazu: „Die Propheten, die Männer Gottes, die zum Volk sprachen, wurden nicht gehört, sie wurden verworfen, doch sie sind der Ruhm Gottes. Der Sohn als letzter Gesandter wurde ebenfalls verworfen, verurteilt und nicht gehört, ja er wurde sogar getötet. Die Geschichte beginnt mit einem Liebestraum, der sogar zu einer Liebesgeschichte werden könnte; alles endet mit einem Desaster, aber dieses Desaster erweist sich dann als Sieg der Liebe Gottes, der auch aus der schlimmsten Situation durch seinen verworfenen Sohn uns alle rettet.“
   Durch den qualvollen Tod Jesu habe sich, so Papst Franziskus, die Logik dieses scheinbaren Desasters umgedreht, so der Papst. Der Stein, den die Bauleute verwarfen, sei zum Eckstein des gesamten Baus geworden. „Der Weg unserer Rettung ist ein Weg voller Desaster. Auch in Jesu Leben scheint es so mit seinem Kreuzestod zu sein. Das ist doch ein Skandal! Aber gerade dort zeigt sich der Sieg der Liebe Gottes. Und jener Liebestraum, der dann viele Niederlagen erlebt, endet mit dem Sieg der Liebe durch den Kreuzestod Jesu. Wir dürfen dies nie vergessen; auch unser Lebensweg ist schwierig. Wenn jeder von uns zurückschaut, so wird er sicherlich oft auf Momente stoßen, bei denen die Propheten aus unserem Leben weggeschickt wurden. Wie oft haben wir in unserem Leben zu Jesus gesagt: Geh weg! Und dennoch ist er da, um uns zu retten!“
   Der Papst gab deshalb den Anwesenden den Ratschlag, auf Jesus am Kreuz zu schauen und sich dabei auf seine Liebe zu besinnen.
   „Das tut unserem Gedächtnis gut, auf diese Liebe, die zerstört wirkt, zu schauen, die am Ende aber doch gesiegt hat. Es geht darum, in unserem Leben diesen Samen der Liebe Gottes zu sehen, den er unserem Lebensweg mitgibt. Es bedeutet aber auch, dass wir es Jesus gleichtun sollten: bescheiden sein bis zur Erniedrigung.“ Rv150601mg 

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Terminplan für die offiziellen Veranstaltungen in Rom

      April 2015
      Samstag, 11. April 2015
      Vigil des zweiten Sonntags der Osterzeit bzw. des Sonntags der Göttlichen Barmherzigkeit
      Verlesung der Einberufungsbulle des Jubiläums.
      Dezember 2015
      Dienstag, 8. Dezember 2015:
      Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens:  
      Öffnung der Heiligen Pforte in der Petersbasilika.
      Sonntag, 13. Dezember 2015: 3. Adventssonntag
      Öffnung der Heiligen Pforte in der Basilika Sankt Johannes im Lateran
      und in  allen Bischofskirchen in der Welt.

    • Januar 2016
      Freitag, 1. Januar 2016: Hochfest der Gottesmutter Maria
      Weltfriedenstag. Öffnung der Heiligen Pforte in der Basilika Santa Maria Maggiore.
      Dienstag, 19. – Donnerstag, 21. Januar 2016
      Jubiläum der Wallfahrtsseelsorger und der Mitarbeiter an Wallfahrtsorten.
      Montag, 25. Januar 2016: Fest der Bekehrung des Apostels Paulus
      Öffnung der Heiligen Pforte in  der Basilika St. Paul vor den Mauern.
      Der Heilige Vater setzt Zeichen zum Jubiläumsjahr: Zeugnis der Werke der Barmherzigkeit.
      Februar 2016
      Dienstag, 2. Februar 2016
      Fest der Darstellung des Herrn und Welttag des geweihten Lebens
      Jubiläum des geweihten Lebens und Abschluss des Jahres des geweihten Lebens.
      Mittwoch, 10. Februar 2016: Aschermittwoch
      Aussendung der Missionare der Barmherzigkeit, Petersbasilika.
      Montag, 22. Februar 2016: Fest der Kathedra Petri
      Jubiläum der römischen Kurie.
      Der Heilige Vater setzt Zeichen zum Jubiläumsjahr: Zeugnis der Werke der Barmherzigkeit.
      März 2016
      Freitag, 4. und Samstag 5. März 2016
      “24 Stunden für den Herrn” mit Bußfeier im Petersdom am Freitagnachmittag, dem 4. März.
      Sonntag, 20 März 2016 Palmsonntag 
      In Rom: Diözesanjugendtag. 
      Der Heilige Vater setzt Zeichen zum Jubiläumsjahr: Zeugnis der Werke der Barmherzigkeit
      April 2016
      Sonntag, 3. April 2016:
      Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit
      Jubiläum aller, die sich der Spiritualität der Göttlichen Barmherzigkeit verbunden fühlen.
      Sonntag, 24. April 2016: 5. Sonntag der Osterzeit
      Jubiläum der Jugendlichen (13 – 16 Jahre)
      Den Glauben bezeugen und eine Kultur der Barmherzigkeit aufbauen.
      Der Heilige Vater setzt Zeichen zum Jubiläumsjahr: Zeugnis der Werke der Barmherzigkeit.
      Mai 2016
      Sonntag, 29. Mai 2016:
      Hochfest Fronleichnam in Italien
      Jubiläum der Diakone.
      Juni 2016
      Freitag, 3. Juni 2016:
      Hochfest des heiligsten Herzens Jesu
      Jubiläum der Priester.
      Das Fest wurde vor 160 Jahren (1856) von Pius IX. für die gesamte katholische Kirche eingeführt.
      Sonntag, 12. Juni 2016: 11. Sonntag im Jahreskreis
      Jubiläum der Kranken und Behinderten.
      Der Heilige Vater setzt Zeichen zum Jubiläumsjahr: Zeugnis der Werke der Barmherzigkeit.
      Juli 2016
      Dienstag, 26. - Sonntag, 31. Juli 2016:
      Abschluss am 18. Sonntag im Jahreskreis
      Jubiläum der Jugendlichen.
      Weltjugendtag in Krakau.
      September 2016
      Sonntag, 4. September 2016:
      23. Sonntag im Jahreskreis
      Geenktag der Seligen Mutter Theresa von Kalkutta – 5. September
      Jubiläum der Haupt- und Ehrenamtlichen im Dienst der Barmherzigkeit.
      Sonntag, 25. September 2016: 26. Sonntag im Jahreskreis
      Jubiläum der Katecheten.
      Oktober 2016
      Samstag, 8. und Sonntag, 9. Oktober 2016:
      Samstag und Sonntag nach dem Rosenkranzfest
      Marianisches Jubiläum
      November 2016
      Dienstag, 1. November 2016: Hochfest Allerheiligen
      Heilige Messe des Papstes zum Gedenken der Verstorbenen.
      Sonntag, 6. November 2016: 32. Sonntag im Jahreskreis
      Jubiläum der Gefangenen in St. Peter.
      Sonntag, 13. November 2016: 33. Sonntag im Jahreskreis
      Schließung der Heiligen Pforten in den päpstlichen Basiliken Roms und in den Diözesen.
      Sonntag, 20. November 2016: Christkönigssonntag
      Schließung der Heiligen Pforte in der Petersbasilika und Abschluss des Jubiläums der Barmherzigkeit.
                                               © Copyright Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung (Vatikan). Alle Rechte vorbehalten.

vat-LiberioAndretta-Z-HlJahr   Liberio Andreatta

Jahr der Barmherzigkeit: Porten-Durchgang nur mit Anmeldung: Der stellvertretende Leiter des römischen Pilgerwerks, Liberio Andreatta erklärt: Ein Ticket ist notwendig für das Durchschreiten der Heiligen Pforte

   Für das Durschreiten der Heiligen Pforte im kommenden Heiligen Jahr der Barmherzigkeit ist eine Online- Anmeldung unter Angabe von Personalien und Besucherzeitpunkt notwendig. Das erklärte der stellvertretende Leiter des römischen Pilgerwerks, Liberio Andreatta Radio Vatikan.
Die verpflichtende Anmeldung unter www.im.va soll eine Sicherheitsmaßnahme sein und gleichzeitig helfen den Pilgeransturm zu regeln. Die Online-Registrierung sei kostenlos. Ab wann die Anmeldung startet, werde offiziell von dem zuständigen päpstlichen Rat der Neuevangelisierung präsentiert.
Das römische Pilgerzentrum wird zusätzlich einige Informations-Standorte für die Pilger eröffnen. Diese werden sich laut Andreatta am Flughafen und an den römischen Bahnhöfen befinden, sowie im Zentrum vom Rom und an der Via della Conciliazione um den Pilgern bei dieser Anmeldung zu helfen. Der Ablauf soll kein „mechanischer“ sein, betonte Liberio Andreatta. Der spirituelle Charakter soll gewahrt bleiben, das wünsche sich auch Papst FranziskusFür das von Papst Franziskus ausgerufene Heilige Jahr ab 8. Dezember erwartet die Stadt Rom bis zu 33 Millionen Pilger. rv150817

f-210-JahrDBarmherzigkt-ZzZ    Karten für Heilige Pforte ab Oktober erhältlich

Viele Pilger werden für das Heilige Jahr erwartet
   Die Einlasskarten für die Heilige Pforten können ab Oktober unter der Internetseite www.im.va kostenlos bestellt werden. Das teilte der Päpstliche Rat für die Neuevangelisierung mit, der die Durchführung des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit organisiert. In den Erläuterungen, die der Rat an diesem Freitag mitteilte, wird darauf hingewiesen, dass die Pilger auch eine Zeitangabe sowie die Angabe, ob man als Einzelpilger oder als Gruppe kommt, angibt. Die Organisatoren werden den angemeldeten Pilger angeben, zu welcher Uhrzeit sie am besten den Fußweg von der Engelsburg zum Petersdom kommen sollten. Für die anderen Heiligen Pforten bei den Päpstlichen Basiliken in Rom braucht es keine Einlasskarten oder besondere Anmeldungen, so der Rat für die Neuevangelisierung. Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit beginnt am 8. Dezember 2015. 150821mg  

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Im Heiligen Jahr gibt es samstags Extra-Generalaudienzen
 Erzbischof Gänswein und Papst Franziskus bei einer Audienz

   Im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit soll jeweils an einem Samstag im Monat eine zusätzliche Generalaudienz stattfinden. Das kündigte der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Erzbischof Georg Gänswein, im Interview mit Radio Vatikan an. Beginnen werde man 2016, die erste finde am 30. Januar statt, so der deutsche Kurienerzbischof, der für die Organisation der Generalaudienzen des Papstes zuständig ist, im Gespräch mit Mario Galgano.
RV: Millionen von Pilgern werden für das Heilige Jahr der Barmherzigkeit hier in Rom und im Vatikan erwartet. Gibt es diesbezüglich Besonderheiten?
   Erzbischof Gänswein: Gerade in der vergangenen Woche wurde in einer Sitzung beschlossen, dass über die Generalaudienzen und die wichtigen anderen Begegnungen über das Heilige Jahr verteilt, einmal im Monat an einem Samstagvormittag eine Art Generalaudienz des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit stattfinden soll. Die Termine werden in den nächsten Tagen auch via Internet bekannt gegeben, sodass Anfragen – es sind sehr viele schon gekommen – von Gruppen, Schulen, Pfarrgemeinden zu diesen Samstagen beantwortet werden können. Damit soll an den entsprechenden Samstagen eine zweite Generalaudienz auf dem Petersplatz stattfinden. Wie das ganz konkret abläuft, das wird sich noch zeigen. Da sind noch einige Überlegungen notwendig.“
RV: Weiß man aber schon, wann die erste Extra-Generalaudienz beginnen soll?
   Gänswein: Das erste Datum ist der 30. Januar. Und das zweite kann ich auch schon nennen: es ist der 20. Februar 2016.
RV: Kann man sich jetzt schon dafür anmelden?
   Gänswein: Man kann ab sofort diese Daten ernst nehmen und mit diesen Daten planen.
RV: Wenn man auf die bisherigen Generalaudienzen des Papstes zurückschaut: Wie ist es bisher statistisch gelaufen?
   Gänswein: Papst Franziskus hat am 5. August wieder die Generalaudienzen aufgenommen, nach einer Unterbrechung von einem Monat im Juli. Die Audienzen finden im August in der Audienzhalle Paolo VI statt, damit wir von der brutalen Hitze Gottseidank bewahrt sind.
   Was Zahlen betreffen: Von Januar bis Juli 2015 waren bei den Generalaudienzen etwa 370.000 Personen. Bei den Privataudienzen waren knapp 300.000 und dann gibt es den Bereich ,Liturgie´ - also Gottesdienste im Vatikan – und auch da waren etwa 300.000 Gläubige. Eine weitere Zahl, die überrascht: von Januar bis Juli haben 1,3 Millionen Menschen bei den Angelus-Gebeten sonntags auf dem Petersplatz teilgenommen.
RV: Wie können wir das einschätzen? Wie war es in den vergangenen Jahren?
   Gänswein: Verglichen mit Vorgängerzahlen so kann man für die Mittagsgebete sagen, dass es eindeutig ein Mehr ist. Bei den Privataudienzen und bei den liturgischen Handlungen des Heiligen Vaters sind etwa gleich wie früher, wobei man beachten muss, dass wir bisher nur die Zahlen für die erste Jahreshälfte 2015 haben.
RV: Weiß man denn, wie viele Menschen Papst Franziskus bisher im Vatikan getroffen hat?
   Gänswein: Am 26. August – in knapp vier Wochen – wird Papst Franziskus seine 100. Generalaudienz halten. Die Zahl der Teilnehmer, die er in diesen Audienzen trifft – wenn wir alle Zahlen zusammenzählen – etwa 3.300.000 erreicht. Im Hinblick auf das gesamte Pontifikat ist es so, dass bis gestern, 31. Juli, etwa 15 Millionen Menschen an den Audienzen mit dem Papst teilgenommen haben. Rv150801mg

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Heiliges Jahr: Was passiert wann?  -  Der Ort vieler Initiativen des Heiligen Jahres: Der Petersplatz

   Die Stadt Rom ist auf das Heilige Jahr noch nicht vorbereitet. Das gab Bürgermeister Ignazio Marino in einem Interview mit der Zeitung Corriere della Sera zu. Er verwies auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Stadt und darauf, dass es gelte, ein Großereignis in Zeiten des internationalen Terrors zu organisieren. Das könne die Stadt alleine nicht schaffen, dazu brauche es die Unterstützung der Regierung. Derzeit wird in Italien über einen Sonderbeauftragten des Staates gesprochen, bei dem alle Vorbereitungen zusammen laufen sollen.
   Der Vatikan hingegen ist mit seinen Vorbereitungen schon weit gekommen. Wenn am 20. November 2016 die Heilige Pforte des Petersdoms zum Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit wieder geschlossen wird, wird ein ereignisreiches Jahr hinter der Kirche liegen. Die Planungen laufen auf Hochtouren, nun hat der Päpstliche Rat für die Neuevangelisierung, der für die Durchführung verantwortlich ist, einen detaillierten Plan für die Veranstaltungen und Gottesdienste vorgelegt.
   Offiziell eröffnet wird das Jahr am 8. Dezember 2015 mit dem Öffnen der Heiligen Pforte am Petersdom, gefolgt von der Öffnung der Heiligen Pforte an der Bischofskirche des Papstes, Sankt Johannes im Lateran, am 13. Dezember. An diesem Tag sind auch alle Bistümer weltweit eingeladen, in ihren Kathedralen solche heiligen Pforten aufzustellen und zu öffnen.
   Das ganze Jahr über wird es immer wieder Tage geben, einzelnen Gruppen gewidmet sind. Den Anfang machen die Wallfahrtsseelsorger und die Mitarbeiter an den Wallfahrtsorten, die während des Heiligen Jahres einiges zu tun bekommen. Sie werden am 21. Januar in Rom gemeinsam mit dem Papst die Barmherzigkeit feiern. Es folgen die Ordensleute im Februar, dann später im Jahr die Jugendlichen, Priester, Diakone, die Kranken und Behinderten und zuletzt die Gefangenen, um nur einige zu nennen.
   Eine der Initiativen des Papstes zu diesem Heiligen Jahr ist die Aussendung der „Missionare der Barmherzigkeit“ in die Weltkirche, das wird am Aschermittwoch, also dem 10. Februar 2016, geschehen. Immer wieder wird der Papst selber auch Zeichen und Gesten zum Jubiläumsjahr setzen, wie der Terminplan angibt. Die Bischöfe und Ortskirchen sind dann eingeladen, sich diesen Gesten, Besuchen oder Treffen anzuschließen und vor Ort Ähnliches zu tun. Genauere Angaben dazu gibt es noch nicht.
   Es gibt weiterhin Initiativen, die bereits vor der Einberufung des Jahres geplant waren und die nun in den Ablauf integriert werden, die größte dürfte der Weltjugendtag in Krakau sein. Aber auch die „24 Stunden für den Herrn“, eine jährlich stattfindende Bußfeier im Petersdom, bei der der Papst selber Beichte hört, ist dabei. Rv150730ord

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Heiliges Jahr: Via della Conciliazione wird Fußgängerzone - Ein Albtraum für Planer: Überfüllte Via della Conciliazione

   Die Stadt Rom setzt für das anstehende „Heilige Jahr" auf die alte Tugend des Pilgerns. Vier alte Pilgerwege durch das Zentrum der Stadt, vorbei an religiösen Zentren und Treffpunkten, mit dem Ziel Petersdom sollen für Fußgänger ausgebaut werden. Damit will Bürgermeister Ignazio Marino den Ansturm von erwarteten 33 Millionen Besuchern kanalisieren - und verhindern, dass sich das tägliche Verkehrschaos in der Ewigen Stadt zu einem totalen Zusammenbruch ausweitet. 800.000 Euro sind für den Ausbau veranschlagt, berichten italienische Medien.
   Wer zum Jubiläum der Barmherzigkeit - vom 8. Dezember 2015 bis zum 20. November 2016 - nach Rom kommt, muss entweder gut zu Fuß sein oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Denn eine Anfahrt im Reisebus zur Lateranbasilika, nach Maria Maggiore oder zum Petersdom wird nicht möglich sein. Der Besuch der vier Papstbasiliken - hinzu kommt noch Sankt Paul vor den Mauern - gehört jedoch zu den festen Programmpunkten eines jeden Jubiläumsjahres.
   Um zu den Papstbasiliken zu gelangen, sollen sich die Pilger auf vier alten Pilgerrouten bewegen. Der ‚Cammino papale’, also der Papstweg, folgt - in zwei Varianten - der Strecke, den früher die Päpste nach ihrer Wahl auf dem Weg von ihrem Sitz im Lateran zum Petersdom zurücklegten. Sie führt zum Kolosseum, wo Christen den Märtyrertod erlitten, vorbei am Mamertinischen Kerker - wo nach der Legende Petrus gefangengehalten wurde -, dann Richtung Pantheon und zur Engelsbrücke über den Tiber. Der „Cammino del pellegrino" (der Pilgerweg), wendet sich bald hinter dem Mamertinischen Kerker der Via Giulia zu, die nahe am Tiber entlangläuft. Und der „Cammino Mariano" schließlich beginnt an Santa Maria Maggiore und stößt kurz hinter dem Kolosseum auf die anderen Wege.
Die Zeit drängt
   Die Stadt Rom kündigte an, das Straßenprojekt offiziell auszuschreiben. Eine direkte Auftragsvergabe will die Stadtverwaltung vermeiden, die durch Vorwürfe wegen Korruption, Vetternwirtschaft und Mafiaverbindungen seit einiger Zeit unter Druck steht. Wer den Zuschlag erhalte, werde Tag und Nacht arbeiten müssen, um rechtzeitig fertig zu werden, so die Einschätzung von Bürgermeister Marino und dem zuständigen Dezernenten Maurizio Pucci. Tatsächlich drängt die Zeit - bislang hat die Stadt kaum etwas unternommen, um sich auf das Kirchenevent vorzubereiten.
   Konkret geht es vor allem um den Ausbau der bestehenden Wege: Die Gehsteige sollen verbreitert, Zebrastreifen erneuert, Hindernisse für Rollstuhlfahrer beseitigt und teilweise auch Spuren für Radfahrer eingerichtet werden. Einige Plätze entlang der Strecken sollen für den Autoverkehr gesperrt werden, etwa die Piazza Sant'Agostino am Pantheon oder die Piazza dell'Orologio hinter der Chiesa Nuova. Ohnehin meiden die Pilgerwege die großen Straßen und Plätze, führen über Seitenwege, umgehen etwa den belebten Campo di Fiori.
Via della Conciliazione wird Fußgängerzone
   Am Tiberufer gegenüber der Engelsburg treffen die vier Pilgerwege zusammen. Kurz davor sind drei große Kirchen als Treff- und Sammelpunkte für Heilig-Jahr-Pilger vorgesehen: Die Chiesa Nuova, San Giovanni dei Fiorentini und San Salvatore in Lauro. Das letzte Stück verläuft dann über die Brücke und über die Via della Conciliazione zum Petersdom. Die breite Zugangsstraße zum Vatikan soll zum größten Teil zu einer Fußgängerzone werden. Die rechte Spur wird ausschließlich Pilgern vorbehalten, die durch die Heilige Pforte in den Petersdom einziehen möchten. Rv150807ord

arte-Barmherzigkeit-Si-Zx Sammelband zu Barmherzigkeit erscheint im September

Barmherzigkeit
   Der Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung gibt anlässlich des Heiligen Jahres eine Buchreihe zum Thema „Barmherzigkeit“ heraus. Die Reihe „Barmherzig wie der Vater“ versteht sich als Unterstützung und Anleitung für die pastorale Arbeit im Heiligen Jahr. In acht Bänden wird unter anderem aufgezeigt, wie das Jubiläum in den einzelnen Kirchen gefeiert, Treffen organisiert und gemeinsame Gebete gestaltet werden können. Auch die besonderen Riten der Öffnung und Schließung des Tors der Barmherzigkeit werden darin vorgestellt. Die Reihe wird im September auf Italienisch und auch auf Deutsch erscheinen.  Rv150807cz

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Empfangsbereich für Heilig-Jahr-Besucher an der Engelsburg  Foto: Empfangsbereich an der Engelsburg

   Die Engelsburg soll im Heiligen Jahr zum offiziellen Empfangsbereich für die Besucher und Pilger werden. Das berichtet das Internetportal „Vaticaninsider“. Die Stadt Rom habe dem Römischen Pilgerwerk für die Aufnahme der Heilig-Jahr-Besucher dementsprechend ein weiträumiges Gelände an der Engelsburg zur Verfügung gestellt. In diesem Bereich sollen unter Zelten Informationsstände und Sammelpunkte für eintreffende Pilger eingerichtet werden. In der Zone soll auch ein eigenes Pressezentrum eingerichtet werden. Zum Außerordentlichen Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, das am 8. Dezember beginnt und bis zum 20. November 2016 dauert, werden nach Prognosen der römischen Stadtverwaltung bis zu 33 Millionen Besucher erwartet.
   Aufgrund von Krisen und Korruptionsskandalen in der römischen Administration liegen die kommunalen Vorbereitungen für das kirchliche Jubiläumsjahr weit zurück. Erst Mitte September sollen etwa die Ausbauarbeiten der vier Pilgerwege zum Petersdom beginnen. Schon am Montag starten die Straßenbauarbeiten in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs Termini.
   Unterdessen forderte Roms Bürgermeister Ignazio Marini eine starke Aufstockung von Polizei und Sicherheitspersonal. Das kirchliche Großereignis dürfte absehbar Kriminelle aller Art anziehen, von Trickbetrügern und Handtaschendieben bis zu Händlern mit illegalen Tickets und Dokumenten. Rv150906mgvaticaninsider

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Im heiligen Jahr der Barmherzigkeit wird der große Petersplatz zum Beichtstuhl unter freiem Himmel umgerüstet.

   Dieses Ereignis ist für den 23. April 2016 besonders für die jungen Pilger geplant. “Während des Jubiläums für die Jugend wird der Petersplatz zu einem riesigen “open-air-confesional” umgerüstet. Diesen Beschluss haben wir gefasst wegen der außerordentlichen Betonung der Bedeutung der Beichte, der Vergebung und der Barmherzigkeit in der Verkündigung des Papstes”, sagtr Msgr. Rino Fisichella, der das Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit vorbereitet.
   Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit beginnt am 8. Dezember 2015 bis zum 20. November 2016 – dem Chist- Königs-Fest. Das Ereignis für die jungen Pilger beginnt am 23. April 2016 mit einem Festabend im Olympia-Stadion in Rom. Am folgenden Tag feiert Papst Franziskus mit den Jugendlichen die Heilige Messe auf dem Petersplatz.
   Millionen Pilger werden durch im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit durch die Heilige Pforte der Petersbasilika als Zeichen ihrer spirituellen Erneuerung schreiten.  “Es ist eine Pilgerfahrt der Selbstverpflichtung, den Glauben zu erneuern und ein Zeuge der Barmherzigkeit zu werden”, sagt Msgr. Rino Fisichella. CH150910staff

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An den verehrten Bruder, Erzbischof Rino Fisichella,
                             Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Neuevangelisierung

   Die Tatsache, dass das Außerordentliche Jubiläum der Barmherzigkeit nunmehr bevorsteht, erlaubt mir, einige Punkte in den Blick zu nehmen, deren Behandlung mir wichtig zu sein scheint, damit die Feier des Heiligen Jahres für alle Gläubigen ein echter Moment der Begegnung mit der Barmherzigkeit Gottes sein kann. Denn mein Wunsch ist es, dass das Jubiläum eine lebendige Erfahrung der Nähe des Vaters sei, seine Zärtlichkeit gleichsam mit Händen greifen zu können, damit der Glaube aller Gläubigen gestärkt und so das Zeugnis stets wirksamer werde.
   Meine Gedanken gehen zuerst zu allen Gläubigen, die in den einzelnen Diözesen oder als Rompilger die Gnade des Jubiläums leben werden. Ich möchte, dass der Jubiläumsablass jeden als wirkliche Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes erreicht, der allen mit dem Antlitz eines Vaters entgegenkommt, der annimmt und vergibt, indem er die begangene Sünde vollkommen vergisst. Um den Ablass zu leben und zu erlangen, sind die Gläubigen aufgerufen, als Zeichen der tiefen Sehnsucht nach wahrer Umkehr einen kurzen Pilgergang zur Heiligen Pforte zurückzulegen, die in jeder Kathedrale oder vom Diöze-sanbischof bestimmten Kirche und in den vier päpstlichen Basiliken in Rom geöffnet wird. Ebenso lege ich fest, dass der Ablass auch erlangt werden kann in den Wallfahrtskirchen, wo die Pforte der Barmherzigkeit geöffnet wurde, sowie in den traditionell als Jubiläumskirchen ausgewie-senen Gotteshäusern. Es ist wichtig, dass dieser Moment vor allem mit dem Sakrament der Versöhnung und der Feier der heiligen Eucharistie einschließlich einer Reflexion über die Barmherzigkeit verbunden ist. Es wird nötig sein, dass diese Feiern das Glaubensbekenntnis ebenso umfassen wie das Gebet für mich und für die Anliegen, die mir am Herzen liegen zum Wohl der Kirche und der ganzen Welt.
   Darüber hinaus denke ich an all jene, denen es aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich sein wird, sich zur Heiligen Pforte zu begeben, in erster Linie an die Kranken und die alten, einsamen Menschen, die häufig das Haus nicht verlassen können. Für sie wird es eine große Hilfe sein, Krankheit und Leid als Erfahrung der Nähe zum Herrn zu leben, der im Geheimnis seines Leidens, seines Todes und seiner Auferstehung den Königsweg aufzeigt, um dem Schmerz und der Einsamkeit einen Sinn zu verleihen. Mit Glauben und freudiger Hoffnung diesen Moment der Prüfung zu leben, indem sie die Kommunion empfangen oder an der heiligen Messe und am gemeinschaftlichen Gebet – auch über die verschiedenen Medien – teilnehmen, wird für sie die Weise sein, den Jubiläumsablass zu erlangen.
   Meine Gedanken gelten auch den Gefangenen, die die Einschränkung ihrer Freiheit erleben. Das Jubiläum war stets Anlass zu einer umfassenden Begnadigung, be-stimmt für jene, die eine Strafe verdient haben, sich aber des begangenen Unrechts bewusst geworden sind und den aufrichtigen Wunsch haben, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern und ihren ehrlichen Beitrag zu leisten. Sie alle möge die Barmherzigkeit des Vaters konkret erreichen, der denen nahe sein will, die seine Vergebung am meisten brauchen. Den Ablass werden sie erlangen können in den Gefängniskapellen und jedes Mal, wenn sie durch die Tür ihrer Zelle gehen und dabei ihre Gedanken und ihr Gebet an Gottvater richten. Möge diese Geste für sie den Durchgang durch die Heilige Pforte bedeuten, denn die Barmherzigkeit Gottes, die in der Lage ist, die Herzen zu verwandeln, kann auch die Gitter in eine Erfahrung der Freiheit verwandeln.
   Es ist mein Wunsch, dass die Kirche in dieser Zeit des Jubiläums den in den leiblichen und geistlichen Werken der Barmherzigkeit enthaltenen Reichtum wiederentdecken möge. Denn die Erfahrung der Barmherzigkeit wird sichtbar im Zeugnis konkreter Zeichen, wie Jesus selbst es uns gelehrt hat. Jedes Mal wenn die Gläubigen eines oder mehrere dieser Werke selbst tun, werden sie sicherlich den Jubiläumsablass erlangen. Daraus ergibt sich die Pflicht, aus der Barmherzigkeit zu leben, um die Gnade der vollkommenen und umfassenden Vergebung durch die Kraft der Liebe des Vaters zu erlangen, der niemanden ausschließt. Es wird sich daher um einen vollkommenen Jubiläumsablass handeln, Frucht des Ereignisses selbst, das mit Glaube, Hoffnung und Liebe gefeiert und gelebt wird.
   Der Jubiläumsablass kann ebenso für Verstorbene erlangt werden. Mit ihnen sind wir verbunden durch das Zeugnis des Glaubens und der Liebe, das sie uns hinterlassen haben. Wie wir ihrer in der Eucharistiefeier gedenken, so können wir im großen Geheimnis der Gemeinschaft der Heiligen für sie beten, damit das barmherzige Antlitz des Vaters von jeglicher Restschuld befreie und sie in nie endender Seligkeit an sich ziehen kann.
   Ein gravierendes Problem unserer Zeit ist sicherlich die veränderte Beziehung zum Leben. Eine sehr verbreitete Mentalität hat mittlerweile zum Verlust der persönlich und gesellschaftlich geschuldeten Sensibilität gegenüber der Annahme eines neuen Lebens geführt. Das Drama der Abtreibung wird von manchen mit einem oberflächlichen Bewusstsein erlebt, so dass sie sich über das schwerwie-gende Übel, das ein solcher Akt mit sich bringt, fast nicht im Klaren sind. Viele andere dagegen, die diesen Moment zwar als Niederlage erleben, meinen, keinen anderen Ausweg zu haben. Ich denke vor allem an alle Frauen, die eine Abtreibung haben durchführen lassen. Ich weiß um den Druck, der sie zu dieser Entscheidung geführt hat. Ich weiß, dass dies eine existentielle und moralische Tragödie ist. Ich bin sehr vielen Frauen begegnet, die in ihrem Herzen die Narben dieser leidvollen und schmerzhaften Entscheidung trugen. Was geschehen ist, ist zutiefst ungerecht. Und doch: Nur wenn man es in seiner Wahrheit versteht, ist es möglich, die Hoffnung nicht zu verlieren. Die Vergebung Gottes für jeden Menschen, der bereut, kann diesem nicht versagt werden, besonders wenn er mit ehrlichem und aufrichtigem Herzen das Sakrament der Vergebung empfangen will, um Versöhnung mit dem Vater zu erlangen. Auch aus diesem Grund habe ich, ungeachtet gegenteiliger Bestimmungen, entschieden, für das Jubiläumsjahr allen Priestern die Vollmacht zu gewähren, von der Sünde der Abtreibung jene loszusprechen, die sie vorgenommen haben und reuigen Herzens dafür um Vergebung bitten. Die Priester mögen sich auf diese große Aufgabe vorbereiten und Worte der echten Annahme mit einer Reflexion zu verbinden wissen, die hilft, die begangene Sünde zu begreifen. Ebenso sollen sie auf einen Weg echter Umkehr verweisen, um die wahrhaftige und großherzige Vergebung des Vaters verstehen zu können, der durch seine Gegenwart alles erneuert.
   Eine abschließende Überlegung gilt den Gläubigen, die aus verschiedenen Gründen die von den Priestern der Bruderschaft St. Pius X. betreuten Kirchen besuchen. Dieses Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit schließt niemanden aus. Von verschiedener Seite haben mir einige bischöfliche Mitbrüder vom guten Glauben und der guten sakramentalen Praxis dieser Gläubigen berichtet, allerdings verbunden mit dem Unbehagen, in einer pastoral schwierigen Situation zu leben. Ich vertraue darauf, dass in naher Zukunft Lösungen gefunden werden können, um die volle Einheit mit den Priestern und Oberen der Bruder-schaft wiederzugewinnen. Bewegt von der Notwendigkeit, dem Wohl dieser Gläubigen zu entsprechen, bestimme ich in der Zwischenzeit in eigener Verfügung, dass diejenigen, die während des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit das Sakrament der Versöhnung bei den Priestern der Bruder-schaft St. Pius X. empfangen, gültig und erlaubt die Los-sprechung von ihren Sünden erlangen.
   Auf die Fürsprache der Mutter der Barmherzigkeit vertrauend, empfehle ich die Vorbereitung dieses Außerordentlichen Jubiläums ihrem Schutz
Aus dem Vatikan, 01. September 2015 
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Kommentare

Kommuniqué des Generalhauses der Piusbruderschaft zum Papstbrief: auf unserer Seite > Una Sancta

Kommentar in der FAZ von Dr. Daniel Deckers:
Leben und Freiheit
   Vor gut zwanzig Jahren, auf der UN-Konferenz in Kairo über die Weltbevölkerung, verhinderte der Vatikan, dass in das Abschlussdokument die Formulierung aufgenommen wurde, Abtreibung sei ein Mittel der Familienplanung. De jure hat sich an der Ablehnung der Abtreibung als Mittel zum Zweck bis heute nichts geändert. Doch das hat weder einzelne Staaten noch einzelne Gesundheitsorganisationen davon abgehalten, Abtreibungen als genau das zu propagieren: als Mittel der Familienplanung. Dieselbe Sprache sprechen - soweit vorhanden - die Statistiken, auch in Deutschland. Erfreulich ist, dass die Zahl der Abtreibungen hierzulande zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung unter die Schwelle von Hunderttausend gesunken und die Zahl der Abtreibungen je tausend Frauen im gebärfähigen Alter seit dem Jahr 2000 von 68 auf 55 zurückgegangen ist. Sehr nachdenklich muss aber stimmen, dass in einem der wohlhabendsten Länder der Erde in den vergangenen zehn Jahren mehr als eine Million Kinder nicht geboren werden durften - und das zumeist dann, wenn sie schon ältere Geschwister gehabt hätten.
   Für die katholische Kirche ist ein Befund wie dieser indes mehr als ein gesellschaftlicher Skandal, der überdies die deutsche Bevölkerung in Verbindung mit einer der niedrigsten Geburtenraten weltweit stärker schrumpfen lässt als die fast aller anderen Industrieländer. Sie behält sich vor, in Abtreibung nicht einfach eine Sünde zu sehen, sondern eine Straftat gegen Leben und Freiheit des Menschen, mit der sich eine Person automatisch die Exkommunikation zuzieht, will sagen den Ausschluss vom Empfang der Sakramente.
   Auf diese moralische Wertung und ihre kirchenrechtlichen Folgen hat Papst Franziskus jetzt noch einmal die Aufmerksamkeit gelenkt - doch nicht, um das Unwerturteil über die Handlung als solche zu bekräftigen, sondern um den Blick auf die Person zu richten, die vielleicht in ihrer Not keinen anderen Ausweg gesehen hat und womöglich das ganze Leben unter einer solchen Entscheidung leidet. Wenn im bevorstehenden „Jahr der Barmherzigkeit" jeder Priester überall auf der Welt am Ende einer Beichte auch die Sünde einer Abtreibung vergeben kann (wie es in Deutschland schon lange der Fall ist), dann soll von dieser Geste vor allem eine Botschaft ausgehen: Nichts auf der Welt ist so heillos, dass es nicht Vergebung und Neuanfang geben kann. FAZ150902DanielDeckers

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Papst Franziskus im Interview: Warum Barmherzigkeit der Weg ist

   Papst Franziskus hat sich in einem Interview über seinen besonderen Zugang zur Barmherzigkeit als Weg der Kirche geäußert. Er habe diesen Schwerpunkt seines Pontifikats keineswegs selbst erfunden, sagte der Papst im Gespräch mit „credere“, der offiziellen Zeitung des Jubiläums der Barmherzigkeit. Die Kirche falle manchmal selbst in Versuchung, „eine harte Linie zu fahren“ und „nur die moralischen Normen zu betonen“, räumte Franziskus ein. Die Welt sei aber darauf angewiesen, den Gott der Barmherzigkeit zu entdecken und zu sehen, „dass die Verurteilung nicht der Weg ist“. Franziskus erzählte auch einige persönliche Begebenheiten, die ihn überzeugten, dass Barmherzigkeit das Gebot der Stunde für die Kirche ist.
  Das Bestehen auf der Barmherzigkeit Gottes ist eine verhältnismäßig junge Tradition, hält der Papst eingangs fest. Es habe sich mit Paul VI. Bahn gebrochen, Johannes Paul II. habe die Barmherzigkeit stark betont. Franziskus erinnerte an sein erstes Angelus als Papst im März 2013, in dem er den zahlreichen Pilgern und Besuchern auf dem Petersplatz das Buch „Barmherzigkeit“ von Kardinal Walter Kasper ans Herz legte, das dieser ihm kurz vor dem Konklave als Zimmernachbar in der Casa Santa Marta überreicht hatte. Auch in seiner ersten Predigt als Papst – in der vatikanischen Pfarrei Sant‘ Anna – habe er über Barmherzigkeit gesprochen. „Das war keine Strategie, das kam von innen heraus: der Heilige Geist will etwas“, so der Papst.
   „Es ist der Jahr der Vergebung, das Jahr der Versöhnung“, sagte Franziskus und holte weit aus: „einerseits sehen wir Waffenhandel, die Herstellung von Waffen, die töten, den Mord an Unschuldigen mit den schlimmsten überhaupt möglichen Methoden, die Ausbeutung von Menschen, Kindern: Man begeht, der Ausdruck sei mir erlaubt, ein Sakrileg gegen die Menschheit. Denn der Mensch ist heilig, er ist das Bild des Lebendigen Gottes. Und nun sagt der Vater: hört auf und kommt zu mir. Das ist, was ich in der Welt sehe.“
  Zur Beichte gehe er selbst alle zwei bis drei Wochen, erzählte der Papst in dem Interview. Er fühle sich als Sünder, „ich bin sicher, einer zu sein“. Aber „ich bin, wie ich den Gefangenen in Bolivien sagte, ein Mann, dem vergeben wurde. Gott hat mich mit Barmherzigkeit angesehen und mir vergeben“. Er habe immer das Gefühl gehabt, dass Gott sich in besonderer Weise um ihn sorge. Abermals erzählte Franziskus vom Tag seiner Berufung zum Priester am 21. September 1953, als er in seine Pfarreikirche in Buenos Aires eintrat, einen ihm fremden Priester sah und, ohne wirklich zu wissen warum, sich zur Beichte bei ihm entschloss. „Ich war praktizierender Katholik, ging am Sonntag zur Messe, mehr aber nicht“, so Franziskus. „Und ich weiß nicht, was geschah, aber ich kam anders, verändert, wieder heraus.“ Der betreffende Priester, Carlos Benito Duarte Ibarra, hatte Leukämie und starb ein Jahr später, ein Jahr, in dem er den jungen Jorge Mario Bergoglio geistlich begleitete. Nach der Beerdigung dieses Priesters, so bekannte Franziskus, habe er bittere Tränen geweint und sich von Gott verlassen gefühlt,. „Das war der Moment, in dem ich auf die Barmherzigkeit Gottes gestoßen bin.“
   In der Barmherzigkeit werde auch „die mütterliche Dimension Gottes“ sichtbar, erklärte Papst Franziskus. Allerdings würden diesen Ausdruck nicht alle verstehen, er sei „nicht populär im guten Sinn des Wortes“, sondern gehöre wohl einer „etwas gewählten Sprache“ an. „Deshalb rede ich lieber von der Zärtlichkeit, die einer Mutter eigen ist, die Zärtlichkeit Gottes. Gott ist Vater und Mutter.“
    Den Gott der Barmherzigkeit zu entdecken verändere den Menschen, mache ihn toleranter, geduldiger und zärtlicher, so Franziskus weiter. „Während der Synode 1994 sagte ich in einer der Arbeitsgruppen, man müsse eine Revolution der Zärtlichkeit in Gang bringen, und ein Synodenvater – ein guter Mann, den ich respektiere und schätze, sehr alt schon – antwortete mir, ein solcher Ausdruck sei nicht angebracht, und er gab mir vernünftige Erklärungen, als intelligenter Mann, aber ich sage nach wie vor, dass heute die [Stunde der] Revolution der Zärtlichkeit ist, denn daher rührt die Gerechtigkeit und alles übrige.“ Und wieder wurde Franziskus sehr konkret: Wenn ein Unternehmer einen Angestellten nur elf Monate im Jahr anstelle und für den zwölften Monat entlasse, um ihn dann neu einzustellen, dann zeige er „keine Zärtlichkeit, sondern er behandelt den Angestellten wie ein Objekt. Wenn man sich aber in den Betroffenen hineinversetzt, statt an die eigenen Taschen zu denken, dann ändern sich die Dinge.“
   Die „Revolution der Barmherzigkeit“ wünscht sich der Papst als bleibendes Ergebnis des Heiligen Jahres. Er kündigte an, er werde an jedem Freitag des Jubiläums „eine andere Geste“ setzen. Einzelheiten dazu ließ er sich nicht entlocken. Rv151202 Papst Franziskus im Interview mit der Zeitung Credere

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Franziskus öffnet Heilige Pforte - und das Heilige Jahr in Bangui

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   Die erste „Heilige Pforte“ des „Heiligen Jahres der Barmherzigkeit“ und das Heilige Jahr selbst hat Papst Franziskus am 1. Advent geöffnet – an einem Ort der äußersten Peripherie aus europäischer Warte: in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik. „Möge Bangui die spirituelle Hauptstadt der Welt werden!", rief Franziskus in einer kleinen Ansprache aus, die er sich vorab zurechtgelegt hatte.
   „Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit beginnt (hier) frühzeitig in einem Land, das unter Krieg, Hass, Mangel an Verständigung, Mangel an Frieden leidet. In diesem leidenden Land sind auch (geistlich) alle Länder anwesend, die das Kreuz des Krieges erlebt haben. Möge Bangui die spirituelle Hauptstadt des Gebets um die Barmherzigkeit des Vaters werden! Wir alle bitten: Frieden, Barmherzigkeit, Versöhnung, Verzeihung, Liebe! Für Bangui, die ganze Zentralafrikanische Republik und die ganze Welt, alle Länder, die unter Krieg leiden, erbitten wir Frieden. Bitten wir alle zusammen um Frieden und Vergebung! Und mit diesem Gebet beginnen wir nun das Heilige Jahr hier, in dieser geistlichen Hauptstadt der Welt, heute." 
   „Öffnet die Pforten der Gerechtigkeit – ich werde eintreten und dem Herrn danken" - diese alttestamentliche Formel bildete den Auftakt der Zeremonie zur Öffnung der Pforte. Franziskus drückte mit beiden Händen die Flügel des hölzernen Tores der Kathedrale aus den 1930er Jahren auf. Auf der Schwelle verharrte er für einen Augenblick stehend im Gebet, danach trat er als erster in die Kathedrale ein. 
   In seiner Predigt an diesem Ersten Adventsonntag lud Franziskus die Katholiken der Zentralafrikanischen Republik dazu ein, „Handwerker“ des Friedens zu sein. Er rief sie zu Gemeinschaftsgeist auf und dazu, Böses mit Gutem zu vergelten. Eindringlich rief der Papst dazu auf, anstelle handfester mörderischer Waffen jene der Gerechtigkeit, der Liebe und der Barmherzigkeit zu benutzen.
„Christen müssen standhalten gegen das Böse“
    Franziskus feierte die Messe mit Priestern, Ordensleuten und engagierten katholischen Laien. Friede sei „nicht vor allem eine Frage der finanziellen Mittel“, sagte der Papst ihnen in der Kathedrale. Er erinnerte die Katholiken an das Gebot der „Feindesliebe, die gegen die Versuchung zur Rache und die Spirale endloser Vergeltungsmaßnahmen wappnet“. Jesus habe Wert darauf gelegt, auf diesem Aspekt christlichen Verhaltens zu beharren. Die Worte des Papstes fallen in eine Situation großer Spannungen zwischen Christen und Muslimen: Am Morgen seines Eintreffens in Bangui wurden dort in der Nähe des berüchtigten muslimischen PK5-Viertels zwei junge Christen ermordet, und ihre Familien kündigten umgehend blutige Rache an.
   „Auch wenn die Kräfte des Bösen sich entfesseln, müssen die Christen sich mit erhobenem Haupt zur Stelle melden, bereit, in diesem Kampf standzuhalten, in dem Gott das letzte Wort hat. Und dieses Wort wird ein Wort der Liebe sein!“, bekräftigte Franziskus. An alle, die „zu Unrecht die Waffen dieser Welt gebrauchen“, richtete der Papst den Appell, diese „Instrumente des Todes“ abzulegen und sich mit den „echten Garanten des Friedens“ zu bewaffnen: Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit.
   Franziskus gestand ein, dass „der Abstand, der uns von dem so anspruchsvollen christlichen Zeugnis trennt, zuweilen groß ist“. Und er erinnerte die Priester, Ordensleute und engagierten Laien an ihre Vorbildfunktion: Sie müssten „Handwerker der Vergebung, Spezialisten der Versöhnung und Experten der Barmherzigkeit sein“.

Friedenskuss für den Imam
   Beim Moment des Friedensgrußes in der Kathedrale umarmte der Papst auch einen evangelischen Pastor und einen Imam, die in seiner Nähe standen. Bereits auf dem Weg zur Kathedrale hatte Franziskus einen kurzen Stopp an einem Kinderkrankenhaus der Hauptstadt eingelegt. Dabei schenkte er den jungen Patienten Medikamente, die ihm das römische Kinderkrankenhaus Bambin Gesu mitgegeben hatte. rv151129gs

Die Heiligen Jahre im  Spiegel der Geschichte  -   Die Heiligen Jahre der katholischen Kirche haben auf die Geschichte eingewirkt; die Geschichte aber auch auf die Heiligen Jahre.

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       Brigitta von Schweden  -  Foto: Johannes Rosenrod: Birgitta und Katharina auf Wallfahrt,
Fresko, 1437, in der Kirche in Tensta in Upland in Schweden

   Birgittas Haus an der Piazza Farnese in Rom wurde zur Herberge für Pilger aus dem Norden, sie kümmerte sich um Obdachlose und unterstützte Arme, es entstand eine klösterliche Lebensgemeinschaft. Große Hoffnungen setzte sie dabei auf Papst Urban V., der 1367 aus Avignon nach Rom gekommen war. Birgitta besuchte angeblich alle italienischen Heiligenschreine; 1365 bis 1367 weilte sie in Neapel, um diese Reisen von dort aus anzutreten. 1371 kam sie wieder in die Stadt vor dem Aufbruch zu einer Wallfahrt ins Heilige Land, von der sie erst Anfang 1373nach Rom zurückkehrte.

In diesem Beitrag, der die Großereignisse der Jubeljahre kurz widerspiegelt, lesen Sie Einblicke von 1350-2016

   Mit dem Pontifikat Klemens V. (Bertrand de Got, 1305-1314) deutete sich ein neuer Abschnitt in der Kirchengeschichte an. Der Papst, ein Günstling Philipp des Schönen, hatte seine Residenz in das südfranzösische Avignon verlegt. Die Kirche sollte nun für mehr als 70 Jahre in einer neuen »babylonischen Gefangenschaft« verweilen. Eine Delegation der Stadt Rom begab sich im November 1342 nach Avignon. Unter den Abgesandten der Ewigen Stadt befand sich auch ein junger Mann namens Cola di Rienzo, der von sich überzeugt war, die Geschicke Roms als Volkstribun bestimmen zu müssen. Angeführt wurde die Delegation von zwei Senatoren, Stefanuccio Colonna und Bertoldo Orsini, den Familienoberhäuptern der beiden mächtigsten, ansonsten verfeindeten römischen Adelsgeschlechter. Sie alle baten den Papst inständig, »von den Ufern der Rhone zu jenen des Tibers« zurückzukehren und für das Jahr 1350 ein Jubiläumsjahr auszurufen. Auch der Dichter Francesco Petrarca wurde in der Residenz des Papstes vorstellig.
   Doch erst Klemens VI. (Pierre Roger de Beaufort, 1342-1352) entsprach dem Wunsch nach einem Heiligen Jahr. Gleichzeitig gab er bekannt, dass von nun an alle 50 Jahre ein Jubiläum zu feiern sei. Als Gründe für die neue Praxis nannte er die Kürze des menschlichen Lebens und die Anknüpfung an die altehrwürdige jüdische Tradition des Jobeljahres. Obwohl sich der Papst selber nicht nach Rom begab, suchten Hunderttausende Pilger die Kirchen und Heiligtümer der Ewigen Stadt auf. Viele der Wallfahrer gaben Almosen oder überließen den Gotteshäusern wertvolle Geschenke. Adelige aus Venedig stifteten für eine der verehrtesten Reliquien der Peterskirche, für das Schweißtuch der Veronika, einen kostbaren mit Gold besetzten Rahmen aus Bergkristall. Die große geistliche Gestalt des Jubeljahres war die heilige Birgitta von Schweden (1303-1373). Mit großem Engagement nahm sich die Heilige besonders der Armen und Kranken unter den Pilgern an.
Zeitliche Festlegung der Großereignis

   Urban VI.
(Bartolomeo Prignano, 1378-1389) beschloss, die Zeit zwischen den Jubeljahren von 50 Jahren auf 33 Jahre zu reduzieren. Der Tradition gemäß hatte der Herr 33 Jahre auf Erden geweilt, daher die Wahl dieses Zeitintervalls. Papst Paul II. (Pietro Barbo, 1464-1471) legte dann jedoch gut ein Jahrhundert später fest, dass die  Feier  eines  Jubeljahres  alle 25  Jahre  stattzufinden habe. Die Einberufungsbulle für das Heilige Jahr 1475 wies eine Besonderheit auf. Zum ersten Mal lag sie nicht nur als handgeschriebene Urkunde vor; dank der Erfindung des Johannes Gutenberg konnte sie nun auch gedruckt werden. Auch die Ablassbestimmungen und kleine Handreichungen für die Pilger erschienen in dieser neuen Technik.
   Das Heilige Jahr 1500 sollte Berühmtheit erlangen durch die Einführung besonderer liturgischer Zeremonien, die noch heute untrennbar mit der Feier eines Jubeljahres in Verbindung gebracht werden. Der Päpstliche Zeremonienmeister Johannes Burckard hatte für die Öffnung und Schließung der Heiligen Pforten einen eindrucksvollen Ritus entworfen. Die Voraussetzungen für das Heilige Jahr 1525 waren denkbar ungünstig. Es fand statt im Schatten der Reformation. Erstmals wurde gegen ein Jubeljahr öffentlich - sogar mit Flugblättern - polemisiert. Martin Luther erklärte: »Wyr zahlen die romischen lugen nymer so teuer«; spöttisch merkte er an, die Goldene Pforte (das heißt: die Heilige Pforte) hieße mit recht so, denn sie bringe dem Papst viel Geld ein. Die Feier des Jubeljahres 1575 hingegen wurde zu einem Fest der katholischen Gegenreformation, im Heiligen Jahr 1600 fand eine Reihe von Protestanten zum katholischen Glauben zurück, unter ihnen Stephane Calvin, ein Verwandter des berühmten Genfer Reformators.
   Im Heiligen Jahr 1650 drang der Krieg zwischen Spanien und Frankreich auch nach Rom; zwischen den Pilgern der beiden Nationen kam es häufig zu oftmals blutigen und tödlichen Auseinandersetzungen. Das Heilige Jahr 1675 fand im Zeitalter des Hochbarocks statt. In Frankreich regierte in unvorstellbarer Pracht der »Sonnenkönig« Ludwig XIV. Auch im Kirchenstaat herrschte der Zeitgeist mit seinen Vergnügungen und seiner spielerischen Leichtigkeit, jedoch wurden hier die Armen, Kranken und Bedürftigen vom Wohlstand nicht ausgeschlossen. In diesem Jubeljahr zog eine Frau die Aufmerksamkeit aller auf sich: Christina von Schweden. Die Tochter König Gustav Adolphs von Schweden hatte nach ihrer Konversion zum katholischen Glauben auf den Thron verzichtet und ihren Wohnsitz in Rom genommen. Im Heiligen Jahr ging sie in die Armenhäuser und Pilgerhospize, bediente dort die Bedürftigen bei Tische und wusch Pilgerinnen die Füße.
   Als Benedikt XIV. (Prospero Lambertini, 1740-1758) für 1750 ein Heiliges Jahr anberaumte, rief Voltaire aus: »Encore un Jubileé...Et s'en est fait de la philosophie!«
Ein weiteres Jubiläum ... Und ist das Ende der Philosophie. Das Heilige Jahr gewann vor allem durch die Persönlichkeit des Papstes seine unverwechselbare Prägung. Papst Lambertini, ein Mann universaler Bildung, einer der berühmtesten Kirchenrechtler seiner Zeit, durchdrungen von tiefer Frömmigkeit und ausgezeichnet mit der Gabe eines heiteren Wesens, stand bei den Römern in höchstem Ansehen. Zeitgenössische Quellen berichten, dass über 600.000 Menschen zur Feier des Heiligen Jahres nach Rom gekommen waren.
Unruhige Zeiten für ein Heiliges Jahr
   Die Zeiten, in denen das Jubeljahr 1775 fiel, waren unruhig. Auf Rom selber lag noch der Schatten der Aufhebung des Jesuitenordens; der frühere Generalobere Pater Ricci und einige seiner Mitbrüder waren noch immer in der Engelsburg interniert. Der Aufklärung, deren radikale Ausprägungen sich immer stärker ankündigten, versuchte Pius VI. (Giannangelo Braschi, 1775-1799) durch die Enzyklika
Insuperscrutabile divinae, die er an die Bischöfe des alten Kontinents richtete, entgegenzuwirken. Unter den prominenten Besuchern des Heiligen Jahres waren auch vermehrt protestantische Fürsten anzutreffen - so Herzog Eugen von Württemberg, Kurfürst Karl-Theodor von der Pfalz und der Herzog von Gloucester, ein Bruder des englischen Monarchen.
   In der Geschichte der Heiligen Jahre nimmt das 19. Jahrhundert einen besonderen Platz ein; es war die Zeitepoche, in der nur zweimal ein Jubiläum gefeiert wurde. Am 24. Dezember 1799, dem vorgesehenen Eröffnungstag für ein Heiliges Jahr 1800, war der Stuhl des heiligen Petrus seit fast vier Monaten vakant. An die Feier eines Jubiläumsjahres war nicht zu denken.
   Die Entscheidung Papst
Leos XII. (Annibale della Genga, 1823-1829), für das Jahr 1825 ein Heiliges Jahr einzuberufen, stieß sowohl in Rom als auch außerhalb auf Verwunderung, ja sogar auf Ablehnung. Selbst der Staatssekretär des Papstes und die Kardinäle hatten von einer Feier abgeraten - zu groß war die Angst, dass Revolutionäre und Freigeister unter dem Vorwand einer Wallfahrt durch Europa reisten und diese Gelegenheit für ihre Zwecke nutzen würden. Doch der Papst bestand energisch auf die Durchführung eines Heiligen Jahres. Die nationalliberalen Freigeister hatten nur Spott für das Jubiläum übrig. Massimo D'Azeglio nannte das Heilige Jahr ein »trübsinniges Schauspiel«. Er klagte: »Keine Theateraufführungen, keine Gesellschaften, keine Bälle, keine Empfänge, nicht einmal das Puppenspiel auf den Plätzen, sondern stattdessen Predigten, Volksmissionen, Prozessionen und fromme Feiern!« Am Vorabend der Schließung der Heiligen Pforten dehnte der Papst den Jubiläumsablass für ein halbes Jahr auf den ganzen katholischen Erdkreis aus.
   25 Jahre später, im Jahre 1850, bot sich keine Möglichkeit, ein Heiliges Jahr zu feiern. 1848 hatte der selige
Pius IX. (Giovanni Maria Mastai-Ferretti, 1846-1878) aus Rom fliehen müssen; Revolutionäre hatten die Herrschaft im päpstlichen Territorium übernommen, erst im April 1850 konnte der Papst in die Ewige Stadt zurückkehren. Die Usurpation des Kirchenstaates im September 1870 und die in Italien herrschende antikirchliche Stimmung ließen es nicht zu, dass für 1875 ein »normales« Heiliges Jahr ausgerufen wurde. Dennoch wollte der Papst den Gläubigen die geistlichen Früchte eines Jubiläums nicht vorenthalten, er verfügte, dass es in der ganzen Welt gefeiert werde. Pius IX. erteilte den Bischöfen die Vollmacht, in ihren Diözesen Gotteshäuser zu bestimmen, in denen die Gläubigen den Jubiläumsablass erlangen konnten. In der Ewigen Stadt selber sah man von jeder größeren Feierlichkeit ab. Eine Öffnung der Heiligen Pforten der vier Erzbasiliken unterblieb. Rom war nicht nur wegen der feindseligen Haltung Italiens für fromme Pilger ein wenig erstrebenswertes Ziel; auch praktische Gründe erschwerten eine Wallfahrt: viele Pilgerheime hatten ihre Pforten schließen müssen - sie waren von der neuen Regierung enteignet worden.
   Am 11. Mai 1899 kündigte Paps
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Leo XIII. (Gioacchino Pecci, 1878-1903) für das Jahr 1900 eine Jubiläumsfeier an. In diesem Jubeljahr war das Verhältnis zwischen dem Heiligen Stuhl und dem italienischen Königreich noch immer nicht geregelt. Man versuchte jedoch, von beiden Seiten aus zu einem Agreement zu kommen, das einen störungsfreien Verlauf der Feierlichkeiten ermöglichen sollte. So fanden die Feiern alle in Gotteshäusern oder im Vatikan statt und nicht in der Öffentlichkeit; im Gegenzug hatte sich die italienische Regierung dazu bereit erklärt, kirchenfeindliche Veranstaltungen zu unterbinden. Der Großmeister der Freimaurerloge, Ernesto Nathan, hatte indessen dazu aufgerufen, die vier »Basiliken« der säkularen Welt aufzusuchen: das Pantheon (mit den sterblichen Überresten Viktor Emanuels II.), den Gianicolo (mit der Reiterstatue Garibaldis), das Kapitol (mit dem Monument des Volkstribunen Cola di Rienzo) und die Porta Pia (als Symbol der Vernichtung der weltlichen Macht der Päpste). Das Echo auf diese »Einladung« blieb aber gering.
   Das Jubeljahr 1925 fand in einem Klima statt, in dem sich die Aussöhnung mit dem Königreich Italien (1929) schon ankündigte. Nationalkomitees in aller Welt hatten das Heilige Jahr vorbereitet; viele Pilger kamen aus Übersee. In bleibender Erinnerung an das Heilige Jahr 1925 setzte
Pius XI. (Achille Ratti, 1922-1939) das Fest »Christkönig« ein; mit ihm wollte der Papst verdeutlichen, wer in diesen bedrängten und unruhigen Zeiten für den Christen der einzige und wahre Messias sein durfte. Am 6. Januar 1933 berief der Papst ein Außerordentliches Heiliges Jahr ein - zur Erinnerung an das
1900. Todesjahr des Erlösers der Welt. Erstmals übertrug der zwei Jahre zuvor gegründete päpstliche Rundfunksender die Hammerschläge Pius' XI. zur Öffnung der Heiligen Pforte in die ganze Welt.
   Am 2. Juni 1948 kündigte Papst Pius XII. (Eugenio Pacelli, 1939-1958) mit der Bulle Jubilaeum Maximum für 1950 ein Heiliges Jahr an; es sollte
das Jahr »des großen Verzeihens und der großen Rückkehr zu Gott« werden. 3,5 Millionen Wallfahrer fanden den Weg in die Ewige Stadt, sogar aus dem immer noch vom Krieg so stark in Mitleidenschaft gezogenen Deutschland pilgerten unzählige Menschen nach Rom. Der unbestrittene Höhepunkt des Heiligen Jahres war in diesem Jahr die Verkündung der Glaubenswahrheit (Dogma) von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel.
   Es gab viele Stimmen, die den seligen Paul VI. (Giovanni Battista Montini, 1963-1978) von der Ausrufung des Jubeljahres 1975 abgeraten hatten - mit der Begründung, es sei nicht mehr zeitgemäß und würde kaum zu einem Erfolg werden. Die stolze Zahl von offiziell 8.700.000 Pilgern verwies die Kritiker eindrucksvoll in die Schranken. Erstmals wurde die Öffnung einer Heiligen Pforte durch das Fernsehen weltweit übertragen; 40 Stationen sendeten die Zeremonie live.
   Die Anfangsworte der Bulle, mit der der heilige Johannes Paul II.
(Karol Wojtyla, 1978-2005) für 1983 ein Außerordentliches Heiliges Jahr einberief, zeigten Grund und Programm der Feier an: »Aperite portas Redemptori - Öffnet die Tore dem Erlöser.« Es sollte an den 1950. Todestag des Heilands erinnern. Am Tag der Öffnung der Heiligen Pforte wurde die Nachricht bekannt gegeben, dass der verstorbene Ex-König von Italien, Umberto II. von Savoyen, dem Papst das Turiner Grabtuch testamentarisch zum Geschenk gemacht hatte.
   Das folgende Heilige Jahr 2000 beeindruckte von den Zahlen her. 25 bis 30 Millionen Menschen kamen zum Jubiläum nach Rom. Das italienische Fernsehen übertrug mehr als 400 Stunden live von den Feierlichkeiten in der Ewigen Stadt. Die Bitte des Heiligen Vaters, armen Ländern ihre Schulden zu erlassen, fiel nicht auf taube Ohren: 12,5 Milliarden Euro erließen internationale Finanz-institute Staaten in Afrika und Lateinamerika. L’Osservatore Romano150904UlrichNersinger

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 Papst Franziskus hat Benedikt XVI. in seinem Kloster zur Eröffnung der Heiligen Pforte des Peterdoms eingeladen, um ein Jubeljahr der Versöhnung auszurufen - damit sich niemand in diesen Zeiten von Furcht leiten lasse.

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   So leicht fällt ihm der Anfang dieses besonderen Jahres nicht. „Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit", ruft Papst Franziskus zunächst vor dem geschlossenen Einlass aus Goldbronze ganz rechts in der Vorhalle von Sankt Peter und verharrt für einen Moment. Dann muss er sich mit all der Kraft seiner beiden Hände und Arme bemühen, das Tor, das 15 Jahre vermauert und verriegelt war, einen Spalt zu öffnen. Schließlich helfen ihm zwei Diener im Inneren der Basilika. Langsam öffnet darauf das Tor seine Flügel, und der Papst kann endlich eintreten. Dabei nimmt er von draußen den kalten Wind mit hinein, der mit seinem Umhang spielt, als der Papst drinnen in aller Stille betet. Hinter ihm folgt mit langsamen Schritten Emeritus Benedikt XVI. Der mit 88 um zehn Jahre ältere Altpapst geht gebückt und am Stock. Benedikt XVl. ist nur für diesen symbolisch entscheidenden Augenblick aus seinem Kloster in den Vatikanischen Gärten gekommen, mit dem das „Heilige Jahr der Barmherzigkeit" offiziell beginnt. Dass Gott nichts anderes als Liebe und Verzeihen sei, hat er schon 2005 in seiner Enzyklika „Deus Caritas est" herausgearbeitet. Neben dem Becken mit dem Weihwasser wechseln Franziskus und der Altpapst einige Worte. Gesten der Vertrautheit. Selten, aber bei den wichtigsten Augenblicken des Pontifikats von Franziskus ist der Emeritus gerne dabei und macht so deutlich, dass er den Nachfolger schätzt und sein Werk unterstützt.

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   Schon beim ersten Heiligen Jahr, mit dem Bonifatius VIII. im Jahr 1300 die verbreitete Angst vor dem Ende aller Zeiten aufnahm und den Rompilgern „vollste Vergebung all ihrer Sünden" versprach, ging es um die Barmherzigkeit Gottes. Anknüpfend an die hebräische Tradition des Jubeljahres, in dem Jahwe alle 50 Jahre die Welt mit ihren Menschen quasi wieder zu sich zurücknimmt, ihnen Sünden und Laster verzeiht, Sklaven die Freiheit gibt und die Gleichheit aller Menschen wiederherstellt, verspricht die katholische Kirche alle 25 Jahre den Pilgern vollständigen Ablass. Seit Jahrhunderten verbindet sich mit so einem Jahr auch das Symbol der Heiligen Tür. So heißt es 1400 in einer Botschaft aus Rom: „Wer dreimal durch diese Pforte schreitet, dem werden Schuld und Sündenstrafen nachgelassen." Damit erinnert die Kirche seit Jahrhunderten an Jesu Wort im Evangelium des Johannes: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden." Das letzte „normale" Heilige Jahr fand unter Johannes Paul II. im Jahre 2000 statt. Nun setzt Papst Franziskus ein „außerordentliches Jubeljahr" jenseits des Zyklus ein, mit dem er seine pastorale Lehrunterweisung vertiefen will. Denn dies Jahr widmet sich unter dem  Motto: „Seid barmherzig wie   der himmlische Vater" aus dem Lukasevangelium, Franziskus' Herzthema: dem liebenden Verzeihen Gottes. Zu seinem Auftakt nutzt der Papst das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens, an dem vor 50 Jahren das Zweite Vatikanische Konzil endete: Mit jener Synode habe nach Jahren der Dürre, in denen sich die Kirche in sich selbst verschloss, wieder „eine wirkliche Begegnung zwischen der Kirche und den Menschen begonnen", wie der Papst in seiner Predigt Minuten vor der Öffnung der Heiligen Pforte sagt.
   So wie jenes Konzil damals eine Tür aufriss, „um auf jeden Menschen zuzugehen, wo er auch lebt, um zu ihm die Freude des Evangeliums zu bringen", so rufe er nun mit der Öffnung der Pforte 50 Jahre später alle Menschen auf, „sich bei der Hinwendung zueinander wieder die Haltung des barmherzigen Samariters zu eigen zu machen", der seinem von Räubern Überfallenen und verwundeten Nächsten half; ungeachtet ihrer unterschiedlichen Herkunft oder Religion.
   Immer wieder neigten die Menschen zu Ungehorsam, sagt der Papst in seiner Predigt weiter, zu einem Leben „getrennt und unabhängig vom Willen Gottes". Doch diese Geschichte der Sünde sei nur im Licht der verzeihenden Liebe Gottes verständlich. Denn „bliebe alles der Sünde überlassen, wären wir die hoffnungslosesten Geschöpfe aller Menschen. Doch die Verheißung des Sieges der Liebe Christi schließt alle Sünde in die Barmherzigkeit des Vaters ein." Diese „Erklärung zur Vorrangstellung der Gnade" beim Worte Gottes passt zu dem Bemühen von Franziskus, der seit seinem Amtsantritt im März 2013 eine offenere Seelsorge durchsetzen will. So verknüpft sich dies Jubeljahr mit den beiden Familiensynoden von Oktober 2014 und 2015, bei denen es viele Synodenväter nicht schafften, ihre enge Vorstellung von der Theologie der Dogmen mit den Worten Jesu zur göttlichen Liebe und Barmherzigkeit zu versöhnen; nicht zuletzt bei der Frage, ob wiederverheiratete Geschiedene oder gemischt konfessionelle Ehepartner zur Kommunion zugelassen werden dürfen. Darum predigt der Papst weiter vom „Vorrang der Barmherzigkeit" und darüber, dass die Gläubigen nicht nur der Lehre gehorchen, sondern auch ihrem Gewissen folgen sollten; wie Ende November in Roms lutherischer Christuskirche, wo er katholisch-lutherischen Ehepaaren nahelegte, nach einer Gewissensprüfung doch zur katholischen Kommunion zu gehen: Er werde es nicht wagen, dafür eine Erlaubnis zu geben, sagte der Papst; aber da gebe es doch: „eine Taufe, ein Herr, ein Glaube. Sprecht mit dem Herrn und geht voran", riet er und schenkte der Gemeinde einen Abendmahlskelch.

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   Der argentinische Papst will das Jubeljahr zudem über den Vatikan hinaus in die Welt aller „Verbandsplätze des Glaubens" tragen, wie er gerne sagt. Darum eröffnete er vergangene Woche in Bangui's Kathedrale in der Zentralafrikanischen Republik eine erste Heilige Pforte und machte die vom Bürgerkrieg zwischen Christen und Muslimen geplagte Stadt in Schwarzafrika zu einer „spirituellen Hauptstadt der Welt".Im Gespräch  mit dem „Corriere della Sera" zur Eröffnung des Jubeljahres sagt Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin [Foto] , der Papst wolle Gottes Worte zu Versöhnung und Barmherzigkeit „vor allem dorthin tragen, wo Krieg, Gewalt und Spannung herrschen". Das Jahr sei so auch als ein Aufruf gegen die Angst zu verstehen, sagt der zweite Mann hinter dem Papst weiter. „Gewiss, der Papst bewies bei seiner Reise großen Mut." Viele hätten  von dieser gefährlichen Pilgerreise abgeraten. Dieses Jahr der Barmherzigkeit solle aber eben auch zeigen, wie wichtig es ist, seine Furcht zu überwinden und sich dem Herrn anzuvertrauen. Dafür habe der Papst allen ein Beispiel geliefert: „Wir müssen uns unserer Risiken im Alltag bewusst sein, auch Vorkehrungen treffen, um in Zeiten des Terrors sicher leben zu können, aber zugleich sollten wir wissen, dass es das beste Mittel gegen Angst ist, sich nicht davon leiten zu lassen sondern klug und nüchtern zu handeln", stellt der Kardinal fest.
  
Mit Öffnung einer Heiligen Pforte in Bangui habe der Papst aber auch deutlich machen wollen, sagt Parolin weiter, dass sich das Heilige Jahr an alle drei monotheistischen Religionen richte und nicht nur an Christen, sondern auch an Juden und Muslime. Der Papst wolle die drei Religionen zur Eintracht aufrufen. Das Jahr solle dazu genutzt werden, „sich gegen jede Form gegenseitiger Abschließung und Verachtung zu wenden, gegen Gewalt und Diskriminierung". Schließlich weise der Papst mit diesem Jubeljahr auch an seine hebräische Wurzel zurück, indem er daran erinnere, dass Gott dem Menschen seine Schöpfung nicht schenkte, sondern nur anvertraute, auf dass er sie schonen und nicht zerstören solle. „Das Endziel dieses Jubeljahres ist mithin in den Augen des Papstes die Rekonstruktion fruchtbarer Beziehungen zwischen allen, - zwischen Mensch und Gott, zwischen den Menschen selber und zwischen Mensch und Schöpfung." Darum sei dieser Tag des beginnenden Jubeljahres auch ein letzter Aufruf des Papstes an die Weltklimakonferenz in Paris, sagt Parolin.
   Es ist kalt an diesem Dienstag. Dennoch mussten schon früh am Morgen die vielen zehntausend Menschen Schlange stehen, um auf den Petersplatz zu kommen. Wochen nach den Anschlägen von Paris werden wie auf Flughafen die Taschen kontrolliert, müssen die Pilger durch wenig heilig erscheinende Metalldetektoren schreiten. In der Menge patrouillieren weitere Sicherheitskräfte, die einzelne Besucher abermals mit tragbaren Metalldetektoren untersuchen. In der Höhe kreist ein Hubschrauber, und auf manchen Dächern sieht man Scharfschützen. 2000 Sicherheitsleute sollen rund um den Vatikan die Jubelfeier bewachen. An diesem Tag findet sich niemand, der zugeben will, Furcht zu haben, auch wenn die Hoteliers über Absagen klagen. Ein paar Studenten auf dem Platz fassen die Stimmung mit ihren Worten zusammen. „Irgendwann stirbt man eh, dann doch am besten bei einer Messe mit diesem Papst." In den nächsten Tagen wollen sie auch dabei sein, wenn der Papst die Heilige Pforte in der Lateranbasilika öffnet. Dabei gibt es auch Heilige Pforten bei ihnen zu Hause im Kölner Dom und in allen anderen Diözesen dieser Welt. Das ist genauso eine Premiere wie die Entscheidung des Papstes, aus Rom „Missionare der Barmherzigkeit" auszusenden, die in seinem Namen den Menschen weltweit ihre Sünden vergeben können. Natürlich lade der Papst zur Pilgerfahrt nach Rom ein, sagte dieser Tage Erzbischof Fisichella, der für die Ausrichtung des Heiligen Jahres im „Rat für die Neuevangelisierung" zuständig ist. Doch die wirkliche Pilgerfahrt zur geistigen Erneuerung kann offenbar überall stattfinden, an jeder heiligen Pforte und an jedem Beichtstuhl in den Kirchen weltweit.
FAZ151209JörgBremer

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Foto links: Polizeichefin Maria Rosaria Maiorino Foto rechts: Maria Rosaria Maiorino schafft Sicherheit im Vatikan
Ein Papst ist nicht vorhersehbar  -  Schutz im Geist des Vatikans:

   Sie mag klein und zierlich sein, aber das sollte niemanden darüber hinwegtäuschen, dass es Maria Rosaria Maiorino mit den männlichen Kollegen bei der vatikanischen Gendarmerie des Papstes und den Soldaten der Schweizergarde aufnehmen kann. Schon seit Anfang des Jahres hat sich Maiorino „eine Menge Respekt" verschafft, heißt es über die damals vom Innenminister eingesetzte Chefin des italienischen Polizeikommissariats im Vatikan, das seinen Sitz zwischen den barocken Säulen vor Sankt Peter hat. Maria Rosaria Maiorino wird mit ihren Kollegen, deren „wachsende Anzahl" sie nicht nennen will, im Heiligen der Barmherzigkeit besonders viel zu tun haben. Denn wenn Papst Franziskus mit der Öffnung der Heiligen Pforte im Dom das „Jahr der Barmherzigkeit" eröffnet hat, muss sie von staatlicher italienischer Seite aus rund um den Vatikan die Sicherheit jener rund 30 Millionen Pilger gewährleisten, die in diesem Jubeljahr bis Ende 2016 erwartet werden.
   Die Sicherheitsmaßnahmen wurden schon spürbar schärfer. Die Pilger müssen wie auf dem Flughafen durch Metalldetektoren gehen, um auf den Platz zu kommen. Mehr uniformierte Sicherheitsleute und Polizisten in Zivil bewachen Sankt Peter und die Umgebung. Selbst das italienische Militär bezog in der Nachbarschaft des Vatikans Posten. Insgesamt sollen in Rom 2000 Mann mehr als bisher über die Sicherheit wachen. Im nahen Stadtteil Ostiense wird eine neu eingerichtete Schaltzentrale alle Sicherheitsmaßnahmen in und um Rom koordinieren. Aus Sicherheitsgründen sollen am Vatikan auch die fliegenden Händler mit ihren Wagen für Andenken oder Nahrungsmittel verschwinden. Seit den Attentaten von Paris sei das „Jahr der Barmherzigkeit" wichtiger denn je, heißt es beim Heiligen Stuhl; dabei wollen Vatikan und Italien alles dafür tun, „dass sich die Pilger in Gottes Barmherzigkeit sicher fühlen können".
   Der Platz vor Sankt Peter gehört zum Vatikanstaat; für die Sicherheit dort ist aber Italiens Polizei zuständig, also Maria Rosaria Maiorino. Doch wenn der Papst vor dem Dom zelebriert oder in seinem Wagen durch die Massen gefahren wird, besteht Koordinationsbedarf. Denn dann wird der Papst auch noch beschützt von der Schweizergarde unter Kommandant Christoph Graf sowie der Vatikan-Gendarmerie unter Domenico Giani, den viele Fernsehzuschauer von seinem Erscheinungsbild her kennen: Giani ist der kräftige Mann Mitte fünfzig mit Kopfglatze, der in Rom oder jüngst in Bangui in der Zentralafrikanischen Republik meist neben dem Wagen des Papstes läuft und Franziskus immer wieder mal aus der Mitte der Pilger ein Kind für einen Segen reicht.
   Die bald 60 Jahre alte Maiorino ist neben Graf und Giani die dritte Führungskraft für die vatikanische Sicherheit. Seit 1979 gehört die Frau aus Amalfi zur italienischen Polizei. Dort hat sie eine Traumkarriere hinter sich. Sie leitete schon die mobile Polizeieinheit in Cagliari auf Sardinien und die Quästuren von Grosseto, Foggia und Palermo, wo sie erfolgreich gegen die sizilianische Mafia zu Felde zog. Sie ist keine Frau von vielen Worten, aber der Job im Vatikan scheint ihr besonders zu behagen: Sie sei stolz, als erste Frau mit dieser Aufgabe betraut worden zu sein, sagt sie, „auch wenn natürlich ein Amt kein Geschlecht kennt". Und als Katholikin freue sie sich, dem Papst dienen zu können; sie wolle „in seinem Geist und im Stil des Vatikans für Sicherheit sorgen". Im Januar hatte sie erstmals die Chance, Franziskus bei einer Audienz aus der Nähe zu sehen. Das sei für sie ein „ganz besonders starker und schöner Augenblick gewesen", und sie müsse sich eingestehen, ein wenig in diesen Papst „verknallt" zu sein, sagt sie lächelnd. Sie werde nie vergessen, wie der Papst bei der Audienz den Sohn eines Polizeibeamten umarmt habe, der kurz zuvor gestorben war. Der Junge habe Tränen in den Augen gehabt, und der Papst habe sie mit seinen Worten zu trocknen verstanden, sagt die Polizeichefin.
   In den nächsten Monaten müsse man „mit jedem möglichen oder unmöglich erscheinenden Szenario rechnen, von einem Terroranschlag bis zu einem Pilger, der beim Vorbeifahren des Papstes aus Übermut einen Gegenstand in die Luft wirft, oder einer Person, die sich an den Absperrungen verletzt", sagt Maria Rosaria Maiorino. Sie hoffe auf Verständnis, wenn die Schlangen bei den Generalaudienzen des Papstes nun einmal länger werden. Zudem müsse sie ihre Leute auf einen Papst einstellen, der „unvorhersehbar" ist. Als sie ihn erstmals zum Besuch einer Gemeinde in Rom begleitet habe, war es plötzlich sein Wunsch, auf dem Weg ein
Haus mit Flüchtlingen zu besuchen. In wenigen Minuten habe man ein Sicherheitssystem entwickeln müssen. „Das war für mich neu, aber auch die erste Probe darauf, dass es dieser Papst mit seinem Pastorendienst ernst meint", sagt sie. - Und darauf müssen wir eingehen." 
FAZ151207JörgBremer

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Papst öffnet Heilige Pforte: „Die Zeit der großen Vergebung" 
Foto: Papst Franziskus eröffnet die Heilige Pforte seiner Bischofskirche

   Christen werden an ihrer Barmherzigkeit beurteilt werden. Das sagte Papst Franziskus bei seiner Predigt anlässlich der Öffnung der Heiligen Pforte in seiner Bischofskirche San Giovanni in Lateran an diesem Sonntag. Der Ritus verlief etwas anders als vor knapp einer Woche auf dem Petersplatz: Die Öffnung der Heiligen Pforte fand nach dem Bußritus statt, nicht zum Ende der Messfeier. Auch wurden andere Gebete gesprochen. Gleichzeitig – so sah es der Ablauf vor – sollten auch in den anderen Bischofskirchen der Welt die Heiligen Pforten geöffnet werden, so sie noch nicht offen sind.
   In seiner Predigt legte der Papst einen ersten Schwerpunkt auf die Freude, ein wichtiges Thema seines Pontifikates. Er zitierte aus der ersten Lesung „Juble, jauchze“: Gott gebe Hoffnung und erlaube es, der Zukunft gelassen entgegen zu sehen. „Der Herr hat alle Verdammung widerrufen und hat entschieden, in unserer Mitte zu leben“, sagte der Papst mit Blick auf das näher kommende Weihnachtsfest. „Wir dürfen uns nicht von Müdigkeit überwältigen lassen; auch ist uns keine Traurigkeit erlaubt, auch wenn wir dazu Gründe hätten wegen der vielen Sorgen und der vielen Formen von Gewalt, die unsere Menschheit verletzten. Die Ankunft des Herrn füllt aber unser Herz mit Freude. Der Prophet, der in seinem eigenen Namen – Zefania – den Inhalt seiner Verkündigung trägt, öffnet unser Herz für die Zuversicht: Gott schützt sein Volk. In einer Zeit von viel Gewalt und Brutalität, vor allem durch Menschen, die ihre Macht ausspielen, lässt uns Gott wissen, dass er selber sein Volk regieren wird, dass er es nicht mehr der Arroganz der Willkür der Herrschenden überlässt, und es von aller Furcht befreien wird. Heute wird von uns erwartet, dass wir unsere Hände nicht aus Zweifel, Ungeduld oder Leiden sinken lassen“.
   Dann ging der Papst auf den Anlass der Feier ein, die Öffnung der Heiligen Pforte auch in dieser Kirche. „Auch dieses einfache Zeichen ist eine Einladung zur Freude“, schloss er an seinen vorherigen Gedanken an. „Es beginnt die Zeit der großen Vergebung, das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Es ist der Augenblick, die Anwesenheit Gottes und seine väterliche Zärtlichkeit neu zu entdecken.“
   Wie seinerzeit die Menge vor Johannes dem Täufer, so fragten die Menschen auch heute, was sie denn tun sollten. Darauf habe Gott einen ziemlich radikalen Auftrag, formulierte der Papst: „Vor der Heiligen Pforte, die zu durchschreiten wir berufen sind, werden wir aufgefordert, Instrument der Barmherzigkeit zu sein und zwar in dem Wissen, dass wir danach gemessen werden.“ Der Weg, der in der Taufe beginne, dauere ein ganzes Leben lang, „barmherzig zu sein, wie es der Vater ist.“ Es sei der Auftrag, „die Liebe zu empfangen und zu bezeugen, die weiter geht als die Gerechtigkeit, eine Liebe die keine Grenzen kennt. Und für diese unendliche Liebe sind wir verantwortlich, trotz all unserer Widersprüche.“
   Er bete dafür und lade alle zum Gebet ein, „auf dass wir die unendliche Liebe unseres himmlischen Vaters verstehen können, welche das Leben umwandelt und erneuert.“
   Die Heilige Pforte an der Papstbasilika Sankt Paul vor den Mauern wurde ebenfalls an diesem Sonntag eröffnet, allerdings nicht vom Papst, sondern vom zuständigen Erzpriester, Kardinal James Michael Harvey. Die Pforte der vierten römischen Papstbasilika (neben Petersdom, Sankt Johannes im Lateran und Sankt Paul vor den Mauern), Santa Maria Maggiore, wird hingegen wieder Franziskus selbst eröffnen. Er nimmt das Ritual am 1. Januar vor, dem Hochfest der Gottesmutter Maria.
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Papstpredigt: „Was sollen wir tun?“ -  Arbeitsübersetzung der Predigt von Papst Franziskus bei der Messfeier
am 13. Dezember in San Giovanni in Lateran, anlässlich der Öffnung der dortigen Heiligen Pforte.

Liebe Schwestern und Brüder,
   Die Einladung des Propheten des antiken Jerusalem richtet sich heute auch an die gesamte Kirche und an jeden von uns: „Juble, jauchze“ Zef 3:14. Der Grund für die Freude wird durch Worte ausgedrückt, die Hoffnung machen und die es erlauben, der Zukunft gelassen entgegen zu sehen. Der Herr hat alle Verdammung widerrufen und hat entschieden, in unserer Mitte zu leben.
   Dieser dritte Adventssonntag richtet unseren Blick auf das immer näher kommende Weihnachtsfest. Wir dürfen uns nicht von Müdigkeit überwältigen lassen; auch ist uns keine Traurigkeit erlaubt, auch wenn wir dazu wegen der vielen Sorgen und der vielen Formen von Gewalt, welche unsere Menschheit verletzten, Gründe hätten. Die Ankunft des Herrn füllt aber unser Herz mit Freue. Der Prophet, der in seinem eigenen Namen – Zefania – den Inhalt seiner Verkündigung trägt [„JHWH hat geborgen“], öffnet unser Herz für die Zuversicht: Gott schützt sein Volk. In einer Zeit von viel Gewalt und Brutalität, vor allem durch Menschen, die ihre Macht ausspielen, lässt uns Gott wissen, dass er selber sein Volk regieren wird, dass er es nicht mehr der Arroganz der Willkür der Herrschenden überlässt, und es von aller Furcht befreien wird. Heute wird von uns erwartet, dass wir unsere Hände nicht aus Zweifel, Ungeduld oder Leiden sinken lassen Zef 3:16
   Der Apostel Paulus nimmt die Lehre des Propheten Zefanias auf und wiederholt sie: „Der Herr ist nahe“ Phil 4:5. Deswegen dürfen wir uns immer freuen und in dieser Freude Zeugnis ablegen für die Nähe und die Sorge, die Gott für jeden Menschen hat.
   Wir haben die Heilige Pforte geöffnet, hier und in allen Kathedralen der Welt. Auch dieses einfache Zeichen ist eine Einladung zur Freude. Es beginnt die Zeit der großen Vergebung, das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Es ist der Augenblick, die Anwesenheit Gottes und seine väterliche Zärtlichkeit neu zu entdecken. Wir sind wie die Menschen, die Johannes fragen: „Was sollen wir tun?“ Lk 3:10. Die Antwort des Täufers lässt nicht auf sich warten. Er lädt dazu ein, gerecht zu handeln und auf die Bedürfnisse aller zu schauen, die Not leiden. Was Johannes von seinen Gesprächspartnern verlangt entspricht dem Gesetz. Von uns aber wird etwas viel Radikaleres verlangt. Vor der Heiligen Pforte die zu durchschreiten wir berufen sind werden wir aufgefordert, Instrument der Barmherzigkeit zu sein und zwar in dem Wissen, dass wir danach gemessen werden. Wer getauft ist weiß, dass er einen großen Auftrag hat. Der Glaube an Christus lässt einen Weg beginnen, der das ganze Leben lang dauert: barmherzig zu sein, wie es der Vater ist. Die Freude, die Pforte der Barmherzigkeit zu durchschreiten, wird begleitet von dem Auftrag, die Liebe zu empfangen und zu bezeugen, die weiter geht als die Gerechtigkeit, eine Liebe die keine Grenzen kennt. Und für diese unendliche Liebe sind wir verantwortlich, trotz all unserer Widersprüche.
   Beten wir für uns und für alle, die durch diese Heilige Pforte der Barmherzigkeit schreiten werden, auf dass wir die unendliche Liebe unseres himmlischen Vaters verstehen können, welche das Leben umwandelt und erneuert.
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Offene Pforten – offene Herzen
Papst Franziskus traf  bei der Generalaudienz den italienischen Sänger Teddy Reno, der ein Ständchen sang

   Das Heilige Jahr steht ganz im Zeichen des Zweiten Vatikanischen Konzils, Kirche ist universale Gemeinschaft. Das sagte Papst Franziskus an diesem Mittwoch während seiner Generalaudienz vor tausenden von Pilgern. Bei strahlendem Sonnenschein mit der offenen Heilige Pforte vom Petersdom im Rücken ging Franziskus auf das Heilige Jahr und dessen Bedeutung für die Weltkirche ein. „Am vergangen Sonntag wurde in der Lateranbasilika und in vielen Kathedralen auf der ganzen Welt eine Heilige Pforte geöffnet. Es ist mein Wunsch, dass es in jeder Teilkirche solche Orte gibt, weil das Heilige Jahr der Barmherzigkeit soll eine Erfahrung für Jeden sein. Auf diese Weise begann das Heilige Jahr in jeder Diözese wie in Rom, ein sichtbares Zeichen der universalen Gemeinschaft. Diese kirchliche Gemeinschaft soll immer intensiver werden,“ so Franziskus.
   Das Datum, der 8. Dezember, markiert den Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil, das vor 50 Jahren an genau diesem Tag abgeschlossen wurde. Das Konzil habe etwas erfasst und gezeigt, und zwar dass die Kirche trotz ihrer vielen Teilkirchen immer noch die „eine“ Kirche ist, die die Gemeinschaft Gottes lebe, beschreibt Franziskus. „Das Geheimnis der Gemeinschaft, das die Kirche leistet, ist Zeichen der Liebe Gottes, sie wächst und reift in unserem Herzen, die Liebe, die wir im Kreuz Christi erkennen und in die wir eintauchen, nach der wir uns so lieben sollen, wie er uns liebt.“
   Aber Gnade und Vergebung sollten nach Franziskus nicht einfach schöne Worte bleiben, sondern sich im Alltag realisieren. Lieben und Vergeben seien konkrete und sichtbare Zeichen, dass der Glaube unsere Herzen wandle. Diese Verwandlung ermögliche es, das Leben Gottes zum Ausdruck zu bringen, indem man liebt und vergibt, wie Gott es tue. Dies sei das Programm das Lebens, betont Papst Franziskus. Während dem Heiligen Jahr werde es nach Franziskus viele Zeichen geben, die diese Verwandlung anzeigen und Tore der Barmherzigkeit eröffnen. „Die Heilige Pforte ist ein Bild für Christus, der von sich selbst gesagt hat: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden“ Joh 10,9.
   Durch die Heilige Pforte zu gehen ist ein Zeichen unseres Vertrauens in Jesus, der nicht gekommen ist zu urteilen, sondern zu retten. Seid gewarnt vor denjenigen, die sagen ihr müsst das Heil kaufen. Nein, das Heil ist kostenlos. Jesus ist kostenlos. Es ist ein Zeichen für die wahre Bekehrung unseres Herzen. Wenn wir durch die Türe gehen, ist es gut, sich daran zu erinnern, dass wir auch die Türe unseres Herzens offen halten müssen. Ich stehe vor der Heiligen Pforte und bitte: „Herr, hilf mir, die Tür meines Herzens zu öffnen.“ Das Heilige Jahr würde nicht viel Wirkung haben, wenn die Türe unseres Herzens vor Jesus verschlossen bleibe, der uns drängt auf andere zuzugehen, anderen ihn und seine Liebe näher zu bringen.“ So wie die Heilige Pforte müsse nach Franziskus also auch unser Herz sich öffnen.
   Ein weiteres wichtiges Zeichen – neben dem offenen Herzen – ist für Franziskus das Sakrament der Versöhnung. In diesem Sakrament mache der Mensch die direkte Erfahrung der göttlichen Barmherzigkeit. Das führe uns auch dazu, selber verzeihen zu können, erklärt Franziskus. „Wie oft habe ich gehört: „Pater, ich kann meinem Nachbarn, meinem Kollegen oder meiner Schwiegermutter nicht verzeihen.“ Aber wie kann man Gott bitten, uns zu vergeben, wenn wir nicht in der Lage sind zu verzeihen? Vergeben ist eine tolle Sache, aber sie ist auch nicht leicht, weil unser Herz arm ist und allein mit unserem Herzen geht es nicht. Aber wenn wir uns öffnen, um die Barmherzigkeit Gottes zu empfangen, werden wir in der Lage sein, zu verzeihen.“
Papst Franziskus grüßte nach seiner Katechese ganz besonders eine Delegation aus Oberösterreich. Sie brachte das Friedenslicht von Betlehem nach Rom. Rv151216pdy

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