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Heiliges Jahr der Barmherzigkeit II

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Papst: „Alles was Menschen brauchen, ist Vergebung“  -  Generalaudienz im Frühling -

   Das einzige, was Menschen wirklich brauchen, ist die Vergebung und die Befreiung von der Sünde: Papst Franziskus sprach bei der Katechese auf dem Petersplatz während der Generalaudienz an diesem Mittwoch einmal mehr über die Barmherzigkeit, er las und meditierte den Psalm 51, genannt „Miserere“.
   „König David, der von Gott gerufen ist, auf sein Volk zu achten und es auf die Wege des Gehorsams der göttlichen Gesetze zu führen, verrät seine eigene Mission, indem er mit Bathseba, der Frau des Urija, Ehebruch begeht und danach ihren Ehemann umbringen lässt. Das ist eine schwere Sünde! Der Prophet Nathan führt ihm seine Schuld vor Augen und hilft ihm, diese anzuerkennen. Das ist der Moment der Versöhnung mit Gott, indem er seine eigene Schuld eingesteht. Hier ist David bescheiden und groß gewesen!“
   Dieser Psalm lade die Gläubigen ein, die gleichen Schuldgefühle, aber auch das gleiche Vertrauen in Gott zu haben, wie David es hatte. Er hatte sich – obwohl er ein König war – erniedrigt, ohne Angst davor, dem Herrn seine Schuld und das eigene Elend zu zeigen. Denn er war überzeugt von dessen Barmherzigkeit. „Und er hatte keine kleinen Sünden begangen, kleine Lügen verbreitet, nein, das was er getan hatte, waren Ehebruch und Mord!“, betonte Franziskus.
   Franziskus verwies auf den Beginn des Psalms: „Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen! Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde!“
   Das Einzige, was der Mensch wirklich im Leben brauche, sei Vergebung, Befreiung von Schuld und den Folgen des Todes, so der Papst. Leider lasse das Leben uns oft diese Situationen erfahren, und dennoch sollten die Menschen auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen. „Gott ist größer als unsere Schuld! ‚Vater, ich weiß nicht wie ich sagen soll, ich habe einige schlimme Dinge getan, viele!‘ Gott ist größer als alle Dinge, die wir in der Lage sind, zu tun. Gott ist größer als unsere Schuld. Sagen wir es zusammen? Alle: ‘Gott ist größer als unsere Schuld!’. Und noch einmal: ‘Gott ist größer als unsere Schuld!’“
   Die Liebe Gottes, so Franziskus, sei der Ozean, in den wir ohne Angst eintauchen könnten. Vergebung bedeute für Gott die Sicherheit, dass er uns nicht verlasse.
   Wer den „Miserere“-Psalm bete und seine Schuld bekenne, könne die Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes feiern und ihn um Gnade und Barmherzigkeit bitten. Er vertraue sich der Güte Gottes an.
   „Gott versteckt die Sünde nicht, sondern zerstört sie, radiert sie aus. Nicht wie in der Reinigung, in der wir unsere Kleider von Flecken befreien. Nein! Gott reißt unsere Sünde mit der Wurzel aus – alles! Damit der Sünder wieder rein wird, wird jeder Fleck beseitigt und er wird weißer als der Schnee. Wir sind alle Sünder. Wenn einer von euch sich nicht als Sünder fühlt, dann hebe er die Hand. Niemand, oder? Wir sind es alle.“
   Alle Sünder würden mit der Vergebung neue Menschen, erfüllt vom Geist und voll von Freude, so der Heilige Vater weiter. Dann beginne eine neue Wirklichkeit für die Menschen: Ein neues Herz, ein neuer Geist, ein neues Leben. Die Erfahrung der göttlichen Gnade könnten sie auch an andere weitergeben. „‘Aber Vater, ich bin schwach, ich falle immer wieder hin.‘, ‚Aber wenn du fällst, steh wieder auf! Steh auf!‘ Wenn ein Kind fällt, was macht es dann? Es streckt die Hand zur Mutter aus, zum Vater, damit sie ihm Aufstehen helfen.“
   Das gleiche müssten die Menschen mit Gott tun. Wenn wir der Sünde im Wortsinn verfielen, sollten wir die Hand zum Herrn ausstrecken. Denn Gott habe Mann und Frau geschaffen, damit sie aufrecht stehen, so Franziskus. Schließlich heiße es im Psalm: „Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist! Dann lehre ich Abtrünnige deine Wege und die Sünder kehren um zu dir.“
   Jeder Mensch, die Familie, Freunde, Kollegen und Gemeindemitglieder brauchten die Vergebung und die Barmherzigkeit Gottes. Aller Anfang der Vergebung für den Einzelnen aber sei es, dass er selbst den Anderen vergebe.

      Der Text des gesamten Psalms 51: Für den Chormeister. Ein Psalm Davids,
      als der Prophet Natan zu ihm kam, nachdem sich David mit Batseba vergangen hatte.
      Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
      Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde!
      Denn ich erkenne meine bösen Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen.
      Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was dir missfällt.
      So behältst du recht mit deinem Urteil, rein stehst du da als Richter.
      Denn ich bin in Schuld geboren; in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.
      Lauterer Sinn im Verborgenen gefällt dir, im Geheimen lehrst du mich Weisheit.
      Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee.
      Sättige mich mit Entzücken und Freude! Jubeln sollen die Glieder, die du zerschlagen hast.
      Verbirg dein Gesicht vor meinen Sünden, tilge all meine Frevel!
      Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist!
      Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!
      Mach mich wieder froh mit deinem Heil mit einem willigen Geist rüste mich aus!
      Dann lehre ich Abtrünnige deine Wege und die Sünder kehren um zu dir.
      Befrei mich von Blutschuld, Herr, du Gott meines Heiles,
      dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit.
      Herr, öffne mir die Lippen und mein Mund wird deinen Ruhm verkünden.
      Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie dir geben; an Brandopfern hast du kein Gefallen.
      Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist,
      ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen.
      In deiner Huld tu Gutes an Zion; bau die Mauern Jerusalems wieder auf!
      Dann hast du Freude an rechten Opfern, an Brandopfern und Ganzopfern,
      dann opfert man Stiere auf deinem Altar.                                       
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Ukrainische Ikone für das Heilige Jahr in Rom Foto: Der Papst und die Ikone bei der Generalaudienz in Rom

   Papst Franziskus hat eine ukrainische Ikone für das Heilige Jahr leihweise nach Rom holen lassen. Es handelt sich um die um 1640 „geschriebene“ Ikone mit dem Titel „Tor der Barmherzigkeit“. Nach der Generalaudienz am Mittwoch legte Franziskus als Zeichen der Ehrerbietung weiße Rosen vor dem Marienbildnis ab, das bereits zur Eröffnungsmesse des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit auf dem Petersplatz aufgestellt war. Franziskus hatte von der Ikone durch den Prediger des päpstlichen Hauses, Pater Raniero Cantalamessa, gehört. Dieser hatte bei Exerzitien für ukrainische Bischöfe eine Kopie der Ikone erhalten und darüber mit dem Papst gesprochen. Das Original wurde auf Bitte des Papstes sehr kurzfristig aus Polen nach Rom gebracht. Franziskus kennt die ukrainisch- byzantinischen Tradition gut, da sein geistlicher Vater der ukrainische Priester Stepan Czmil war. Rv151209mg

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Papst Franziskus eröffnet Heilige Pforte in der Caritas-Mensa am Hauptbahnhof

   Mit einer Messfeier hat Papst Franziskus an diesem Freitag die Caritas-Mensa „Johannes Paul II.“ offiziell eingeweiht. Während der Messfeier öffnete er auch die Heilige Pforte des Hauses, die einzige in Rom, die sich nicht in einer Kirche befindet. Die Caritas-Institution befindet sich direkt beim römischen Hauptbahnhof, sie kümmert sich bereits seit 28 Jahren um arme Menschen und Obdachlose, ist Anlaufstelle, bietet Übernachtungsmöglichkeiten und ein Abendessen in der frisch renovierten Mensa, in der die Messe stattfand.
  „Gott kommt, uns zu retten“, begann der Papst seine Predigt. „Er hat keine besseren Weg dafür gefunden als den, mit uns zu gehen, unseren Lebensweg zu gehen.“ Er habe dazu keine große Stadt, kein großes Reich, keine Prinzessin oder Gräfin, keine wichtige Person ausgewählt, keinen Palast. Es war eine schlichte Messe, gefeiert in einer Mensa, vor der Essensausgabe, an einem einfachen Altar ohne viel Beiwerk. Zweihundert Menschen – Gäste, Mitarbeiter, Freiwillige – feierten mit dem Papst diese Eucharistie.
  „Es scheint, als ob Gott alles gewollt habe, dass es quasi im Verborgenen geschieht.“ Das Evangelium berichtete davon, dass Josef sich zuerst von Maria trennen wollte, als er von der Schwangerschaft erfuhr, dann aber vom Engel im Traum überzeugt wurde. „Alles im Verborgenen, alles einfach, von den großen Dingen in der Welt wusste Josef nichts. So ist Gott unter uns. Wenn du Gott finden willst, dann suche ihn in der Demut, suche ihn in der Armut, suche ihn wo er verborgen ist: in den Bedürftigen, Kranken, Hungrigen, Gefangenen.“
   Er zitierte erneut seine Lieblingsstelle aus den Evangelien, die Gerichtsrede aus dem 25. Kapitel des Matthäusevangeliums, was du dem Geringsten getan hast, hast du mir getan. „Die Liebe Jesu ist groß. Deswegen will ich mit dem Öffnen dieser Heiligen Pforte bitten, dass der Heilige Geist die Türen den Herzen aller Römer öffnet“, rief der Papst. „Wir öffnen heute diese Pforte und bitten um zwei Dinge. Erstens dass Gott die Pforten unserer Herzen öffnet. Wir brauchen das, wir müssen auf das Wort Gottes hören, wir haben nötig, dass er kommt. Und zweitens, dass wir erkennen, dass der Weg der Reichtums und der Eitelkeit und des Neides nicht Wege der Rettung sind.“ Wo die Weggeworfenen und Geringsten seien, dort sei Jesus, wiederholte der Papst. Und letztlich müsste sich jeder Christ genauso fühlen, als Armer, als Weggeworfener, der nichts habe.
   „Wir bitten heute für Rom, für alle Bewohner Roms, alle, beginnend bei mir, auf dass Gott uns die Gnade gebe, dass auch wir uns weggeworfen fühlen, denn auch wir haben keinen Verdienst. Nur er gibt uns die Gnade und die Gabe seiner Barmherzigkeit. Und nur mit seiner Gnade können wir auch zu den Geringsten und Weggeworfenen gehen.“
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Caritas-Herberge am römischen Bahnhof: Warten auf Franziskus
Foto: Das Tor der Barmherzigkeit - Das Tor der Caritas-Mensa

  Schauplatz: die Caritas-Herberge am römischen Bahnhof Termini. Es wird geklopft, gehämmert und gebohrt. Noch der letzte Schliff, bevor Papst Franziskus am Freitagnachmittag vorbeikommt und die Heilige Pforte der Barmherzigkeit öffnet. Nach einer dreijährigen Umbau-Pause und Erneuerung der wichtigen Caritas-Einrichtung im Zentrum von Rom mit Mensa und Herberge für die Armen, Obdachlosen, Migranten der Stadt sind die Räumlichkeiten bereits eröffnet worden – aber Obdachlose sind noch keine vor Ort. Die Eröffnung der Heiligen Pforte wird daher wahrscheinlich die richtige Eröffnung der gesamten Einrichtung... vor allem, weil noch einige Genehmigungen gefehlt haben.
   Wenn man die Caritas-Herberge erreicht, fällt sofort etwas Besonderes auf: das Mosaik des Jesuitenpaters Marko Ivan Rupnik mit dem Logo des Heiligen Jahres, und darunter die Pforte der Barmherzigkeit, das Tor zur Mensa Johannes Paul II., dem Herzstück der Einrichtung. Der Direktor der römischen Caritas, Enrico Feroci, erklärt:
   „Wir hatten geplant, dass die Herberge und die Mensa diesen Herbst öffnen. Papst Franziskus hat uns überrascht mit dem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, und diese zwei Gegebenheiten sind dann ineinandergeflossen zum selben Moment. Am 8. Dezember hat er die Heilige Pforte im Petersdom eröffnet, und am 18. öffnet er hier die Pforte der Barmherzigkeit.“
   Bis zu 500 Menschen ohne festen Wohnsitz können in den Räumlichkeiten hinter der Pforte speisen. Genau hier wird der Papst eine Messe feiern. Auf seinen Wunsch hin wurde alles sehr schlicht gehalten, mit so wenig Kostenaufwand wie möglich und ausschließlich für Menschen, die wirklich Bedürftige der Caritas-Einrichtungen sind – Mütter, Flüchtlingskinder, Asylanten und einige Muslime aus Ägypten werden anwesend sein, genau dort, wo diese Menschen normalerweise von 17:30 bis 20:30 Uhr essen. Feroci:
   „Wir haben uns vorgenommen, der Stadt Rom und vor allem den Armen der Stadt Rom einen Ort zu bieten, der ihnen Schutz gibt, einen Platz zum Essen und Schlafen – und das ist dann über das Heilige Jahr zum Tor der Barmherzigkeit geworden. Ein Ort, wo die Armen bedient werden, denn im Armen selbst, das sagt uns Papst Franziskus immer, im Armen ist das Gesicht Jesu zu sehen, und daher ist der Ort ein Treffpunkt mit dem Herrn.“
   Seit der Eröffnung des Caritas-Hauses im Jahr 1987 durch Pater Luigi di Liegro hat sich einiges geändert. Rechts liegen die Mensa, das Tageszentrum, das Erstaufnahmezentrum sowie Betreuungsräumen, Computersaal und Videoraum. Links die Schlafplätze inklusive den sanitären Einrichtungen für rund 200 Personen. Alles ist aus der Sicht des Gastes heraus erstellt, der sich dort bis zu drei Monate aufhalten kann, erklärt der technische Leiter der Konstruktion, Fulvio Ferrari:
   „Hier ist alles exakt auf unsere Gäste zugeschnitten, von den Materialien angefangen bis zur Raumaufteilung, die Form des Bettes, die Kapazität des Bettes….Nur um eine Banalität zu erwähnen: Dieses Zimmer hat keinen Lichtschalter. Das Licht kann man im Zimmer nicht regulieren. Es wird von der Rezeption aus um 23:00 Uhr in den Nacht-Modus geschalten, also auf fünf Prozent Licht reduziert – wie eben im Spital, an öffentlichen Orten. Denn falls ich aus dem Bett steigen will, muss ich etwas sehen können.“
  Die Schlafräume befinden sich auf zwei Stockwerken, Männer und Frauen getrennt, jedes Zimmer hat sechs Betten. Die Materialien der Betten sind antibakteriell, erklärt Ferrari. Nummern auf den Türen sucht man vergeblich, die Zimmer sind nach Farben geordnet: „damit sich die Menschen besser erkennen können – ich bin der aus dem grünen Zimmer, erstes Bett.“
   In der Anlage fehlt natürlich auch eine Kapelle nicht. Sie wirkt noch leer; die Einrichtung soll vom päpstlichen Haus gespendet werden. Das Gästehaus für Obdachlose ist das größte der Caritas von Rom – und der Text, den man auf dem Anschlagebrett in der Mensa lesen kann, soll zugleich das Motto und die Hauptaufgabe der Einrichtung sein: „Eine Stadt, in der auch nur ein einziger Mensch weniger leidet, ist eine bessere Stadt.“  Rv151217no

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„Wer durch diese Pforte hindurchschreitet, kann die tröstende Liebe Gottes erfahren, welcher vergibt und Hoffnung schenkt!“ Past Franziskus Misericordia vultus Nr.3

Papst Franziskus und sein Buch der Barmherzigkeit

   Papst Franziskus selbst hat die erste Ausgabe am Montagnachmittag in der Casa Santa Marta persönlich überreicht bekommen, und am Dienstag wurde es der Öffentlichkeit vorgestellt: das Interview-Buch von und mit Papst Franziskus mit dem Titel „Der Name Gottes ist Barmherzigkeit“. Die 40 Fragen gestellt und die Antworten aufgezeichnet hat der italienische Vatikanjournalist Andrea Tornielli, der bei der Tageszeitung "La Stampa" arbeitet und die Website „Vatican Insider“ koordiniert. Auf dem Umschlag ist der Titel des Buches handgeschrieben vom Papst selber zu sehen.
Interview vergangenen Juli aufgenommen
   Im Juli 2015 wurde das Interview in dem Gästehaus und auch Wohnort des Papstes aufgenommen. Er war gerade erst von seiner Reise nach Ecuador, Bolivien und Paraguay zurückgekommen. Mit drei Aufnahmegeräten war der Vatikan-Journalist ausgestattet. Hauptthema des Gesprächs war die „Barmherzigkeit“ mit Blick auf das „Jahr der Barmherzigkeit“, das fünf Monate später eröffnet wurde.
Kapitel 1: Es ist Zeit der Barmherzigkeit
   Gebete, Reflexionen des vorhergehenden Pontifikats und das Bild der Kirche als ein „Feldlazarett, welches die Herzen der Menschen mit Nächstenliebe erwärmt.“ Das seien auch die Gründe dafür gewesen, ein Jahr der Barmherzigkeit auszurufen, betonte der Papst. Es sei jetzt die „richtige“ Zeit dafür, betonte er, denn wir würden ein doppeltes Drama erleben: der Sinn für die Sünde sei verloren gegangen, daher sei die Menschheit verletzt. Geschwächt von den vielen „sozialen Krankheiten“ wie Armut, Ausgrenzung, Menschenhandel, Gleichgültigkeit.
Die Gnade der Scham
   Ein zentraler Punkt des ersten Kapitels ist die päpstliche Reflexion zum Thema der „Scham“. Dass das Sich- Schämen als Gnade zu verstehen sei, denn die Scham rufe dem Sünder die Sünde erst ins Bewusstsein. Hier betonte der Papst die Notwendigkeit des „Zuhörens“, das  „Apostolat des Ohres“.  Denn die Menschen hätten heute das große Bedürfnis, dass ihnen jemand Zeit schenke und ihnen wirklich zuhören. Aus diesem Grund würden viele einen Wahrsager aufsuchen. Außerdem betonte der Papst, jeder Beichtende bekomme eine Segnung, selbst wenn er das Sakrament der Beichte und der Absolution nicht empfangen könne.
Die Verantwortung des Beichtvaters
   „Seid liebevoll zu diesen Personen“ –  richtet der Papst sein Wort an die Geistlichen - „und schickt sie nicht weg.“ Denn die Menschen leiden, betonte der Papst und die Verantwortung des Beichtvaters sei genau aus diesem Grund nicht zu unterschätzen. Er erzählte hier die Geschichte einer seiner Nichten, die standesamtlich mit einem äußerst religiösen Mann verheiratet war, der jedoch noch keine kirchliche Ehe-Annullierung hinter sich hatte. Er bat bei der Beichte daher nicht um Absolution, sondern um einen Segen.
Kapitel 2: Die Beichte ist keine Wäscherei, keine Qual – zuhören statt befragen
Man gehe nicht zur Beichte um „verurteilt zu werden“, sondern um etwas Größeres als eine Verurteilung zu erleben, nämlich um die Barmherzigkeit Gottes zu treffen. Daher sei die Beichte, so der Papst, weder ein Waschgang, „wo die Sünde wie ein Fleck nach einer Trockenwäsche einfach weg" sei – noch eine Folterkammer, wo manche Beichtvater in einem „etwas krankhaften Exzess von Neugier“ das Gespräch in eine Befragung verwandle.
Kapitel 3: Sich als Sündiger anerkennen
   Um die Barmherzigkeit Gottes empfangen zu können, sei es notwendig, sich auch als Sünder zu „erkennen“, betonte der Papst. Denn das „Herz in Stücken“ sei die größte Gabe für Gott, sagte Franziskus. Damit meine er, dass wir unsere Sünde erkennen, die Schuld selbst sehen, das sei bereits der große Schritt in die richtige Richtung. Die Barmherzigkeit sei unendlich groß, betonte er, viel größer als jede Sünde.
Kapitel 4: Auch der Papst benötige die Barmherzigkeit Gottes
   Papst Franziskus selbst definiere sich als „Mann, der die Barmherzigkeit Gottes brauche“. Er rate den Beichtenden „nicht hochmütig sondern ehrlich seine Sünden zu betrachten“ und den Beichtvätern „die Sünden mit Zärtlichkeit zu betrachten und auch die eigenen Sünden nicht zu vergessen.
Kapitel 5: Kirche verurteilt Sünde, aber umarmt Sünder
   Auch wenn die Kirche die Sünde verurteile, so hätte sie immer offene Arme für den Sünder, betonte der Papst in dem Interviewgespräch mit Tornielli. In einem Verhältnis von „70 mal 7“ - also immer müsse man vergeben, so der Papst. Keine Sünde, so schlimm sie auch sei, könne nicht vergeben werden. Die Kirche sei also nicht auf dieser Welt, um zu „verurteilen, sondern um ein Treffen von inniger Liebe und der Barmherzigkeit Gottes zu ermöglichen.“
Die Kirche als „Feldlazarett“
   Die Aufgabe der Kirche sei es „die bedürftigen Menschen aus ihrer Not“ abzuholen, dies jedoch mit Achtung ihrer Menschenwürde. Zuhören, Verständnis, Vergebung und Liebe seien die Stichwörter. In Zeiten als Erzbischof von Buenos Aires in Argentinien erinnerte er sich an eine Frau, die ihren Körper verkaufen musste, um ihre Kinder durchzubringen – sie bedankte sich bei dem zukünftigen Papst dafür, dass er sie immer mit „Frau“ ansprach.
Kapitel 6:  Nicht die  Verletzungen  der  Sünde „lecken lassen“, aber in Richtung Gott bewegen
   Auch in diesem Kapitel betont Franziskus, dass es nichts nütze, nur nach einer Vergebung zu lechzen. Dies sei eine „narzisstische Krankheit, die nur zu einer Bitterkeit“ führe. Es sei die Bewegung Richtung Gott und die Anerkennung der Sünden die wichtige Aktion und die einzige Medizin gegen diese Volkskrankheit.
Keine Ausgrenzung für Homosexuelle
   Auf die Frage über den Umgang mit Homosexuellen antwortete Franziskus wie bereits bei seiner Rückreise von Rio de Janeiro 2013: „Wenn eine Person homosexuell ist, den Herren sucht und guten Willen zeigt, wer bin ich, um zu urteilen?“
   Er bevorzugt die Ausdruck
sweise „homosexuelle Personen“ denn so würde die Person in ihrer gesamten Würde und Menschheit vorangestellt Anm.: Im italienischen steht die Person vor dem Wort ‚homosexuell‘ [persone omosessuali]. Er bevorzuge auch, dass sie in der „Nähe des Herrn“ bleiben, so der Papst.
Barmherzigkeit als Glaubenslehre
   Franziskus betonte in dem Interview, dass für ihn die Barmherzigkeit „wahr sei“, denn es sei die „erste Eigenschaft Gottes“. Man könne auch weitere Überlegungen über die Glaubenslehre anstellen, aber man dürfe nicht vergessen, dass die Barmherzigkeit Glaubenslehre sei, so der Papst. Die „Doktoren des Rechtes“ waren gegen Gott. Die Logik von Jesus sei die, das Böse in Gutes zu verwandeln, die weit entfernten erreichen und sie retten, alle Menschen zu retten, aber vor allem die Ausgegrenzten integrieren.
Türen öffnen, nicht schließen
   Menschen mit einer kranken Seele brauchen offene Türen, so der Papst. Keine Verurteilung, keine verschlossenen Türen, keine Ausgrenzung. Die Christen dürften nicht das ausmachen, was der Heilige Geist im Herzen des Sünders anmache, so der Papst. Er bezog sich in diesem Zusammenhang auf Gesetze, zu strenge, die den Menschen nur die Türen vor den Augen zuwerfen würden und auch auf Kleriker, die sich allzu starr an der Glaubenslehre  festkrampften.  Er  nannte  hierfür  auch Beispiele – wie zum Beispiel eine Frau, die 500.000 Dollar für einen Ehe- Annullierungsprozess hätte zahlen sollen, oder die Verweigerung einer Beerdigung eines Kindes, weil es nicht getauft war.
Kapitel 7: Die systematische Sünde der Korruption
   Eine sehr ausführliche Antwort hatte Franziskus auf die Frage nach der Korruption. Sie sei „die fortgeschrittene systematische Sünde, die zu einer Lebensart werde“. Der Korrupte sündigt ohne zu bereuen, fingiert sein christliches Dasein und mit seinem Doppelleben von einem Skandal zum Nächsten, er denke, er müsse nicht mehr um Vergebung bitten. Mit seinem „Engelsgesicht“ hinterzieht er Steuern, kündigt Angestellte, beutet Schwarzarbeiter aus und gibt dann mit seiner „Schlauheit“ an – vielleicht sogar in der Messe am Sonntag. Sünder seien also zum Heiligen Jahr eingeladen, Korrupte nicht!
Kapitel 8: Mitleidenschaft gewinnt über Globalisierung und Gleichgültigkeit
   Gottes Liebe sei unendlich, daran erinnert der Papst in diesem Kapitel. Er liebe mit Mitleid und Barmherzigkeit. Er sieht nicht auf Äußerlichkeiten, als würde er ein Foto machen, sondern er lasse sich „hineinziehen“. Genau dieses Mit-Leiden würde man heute benötigen, so der Papst, man brauche es, um die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ zu bekämpfen.
Kapitel 9: Werke der Barmherzigkeit sind Teil der christlichen Glaubwürdigkeit
   Im letzten Kapitel des Interviewbuches konzentriert sich der Papst auf die Werke der Barmherzigkeit - körperlich und spirituell: „Sie sind immer aktuell und immer gültig, bleiben an der Basis der Gewissenserforschung und helfen, sich vor Gott zu öffnen“, so der Papst im Interview. Es ist die Auserwählung, Gott zu dienen – und ihn finde man in jedem Menschen der ausgegrenzt wird - im Ausgehungerten, Verdursteten, Nackten, Eingesperrten, Erkrankten, Arbeitslosen, Verfolgten  - und auch im Flüchtling. In dem Willkommenheißen des Ausgegrenzten und des in der Seele Verletzten spielt man eben die „christliche Glaubwürdigkeit“, so der Papst. Denn wie es auch der Heilige Johannes am Kreuz sagte, „am Lebensabend werden wir an unserer Liebe gemessen.“

Das neue Buch von Papst Franziskus ist in deutscher Übersetzung im Münchner Kösel-Verlag erschienen. Buch oder Hörbuch (2 CD): ISBN: 978-3-466-37173-0 - € 16,99  Rv160112no

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 In seinem ersten Buch als Papst formuliert Franziskus das Herzstück seines Pontifikats. Für alle Gläubigen, aber auch für nachdenkende Menschen ohne konfessionelle Bindung, erläutert er die zentrale Botschaft der Barmherzigkeit – in der ihm eigenen einfachen und direkten Sprache. Dabei gibt Franziskus persönliche und bislang unbekannte Einblicke in seine Erfahrungen als Priester und erläutert seine Motive für das außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Diese ist nichts Geringeres als Ausdruck für die Liebe Gottes.
  
Eine Offenbarung für alle, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind und einen Weg des Friedens, der Besinnung und Versöhnung gehen wollen.

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Leseprobe

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Botschaft von Papst Franziskus zum Jubiläum der Barmherzigkeit der Jungen und Mädchen am 24. April 2016
Wachsen und barmherzig sein wie der Vater

Liebe Jungen und Mädchen,
   die Kirche erlebt das Heilige Jahr der Barmherzigkeit, eine Zeit der Gnade, des Friedens, der Umkehr und der Freude, die alle einbezieht: Große und Kleine, Nahe und Ferne. Es gibt keine Grenzen oder Entfernungen, die die Barmherzigkeit des Vaters daran hindern können, uns zu erreichen und mitten unter uns gegenwärtig zu werden. Mittlerweile ist die Heilige Pforte in Rom und in allen Diözesen der Welt geöffnet.
   Diese kostbare Zeit betrifft auch euch, liebe Jungen und Mädchen, und ich wende mich an euch, um euch einzuladen, daran teilzunehmen, darin eine Hauptrolle zu übernehmen und zu entdecken, dass ihr Kinder Gottes seid vgl. 1 Joh 3,1. Ich möchte jeden einzeln rufen, euch beim Namen rufen, wie Jesus es täglich tut, denn ihr wisst ja genau, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind vgl. Lk 10,20, eingemeißelt ins Herz des Vaters, in das Herz der Barmherzigkeit, aus dem jede Versöhnung und jede Milde entspringt.
   Das Jubiläum ist ein ganzes Jahr, in dem jeder Moment als heilig bezeichnet wird, damit unser Leben ganz und gar heilig wird. Es ist eine Gelegenheit, bei der wir entdecken werden, dass ein Leben als Brüder und Schwestern ein großes Fest ist, das schönste, das wir uns erträumen können, das Fest ohne Ende, das wir feiern mit Liedern, wie Jesus sie uns durch seinen Geist eingibt vgl. Eph 5,19; Kol 3,16. Das Jubiläum ist das Fest, zu dem Jesus wirklich alle einlädt, ohne Unterschiede und ohne irgendjemanden auszuschließen. Darum wollte ich auch mit euch einige Tage des Gebetes und des Festes erleben. Ich erwarte euch also in großer Anzahl im kommenden Monat April.
   »Wachsen und barmherzig werden wie der Vater« ist das Thema eures Jubiläums, aber es ist auch das, was wir im Gebet für euch alle erflehen, wenn wir euch im Namen Jesu empfangen. Wachsen und barmherzig werden bedeutet zu lernen, mutig zu sein in der konkreten und selbstlosen Liebe, es bedeutet, sowohl äußerlich als auch innerlich groß zu werden. Ihr bereitet euch darauf vor, Christen zu werden, die zu mutigen Entscheidungen und Taten fähig und imstande sind, Tag für Tag auch in den kleinen Dingen eine Welt des Friedens aufzubauen.
   Ihr seid in einem Alter unglaublicher Veränderungen, in dem alles möglich und zugleich unmöglich erscheint. So sage ich euch noch einmal mit großem Nachdruck: »Bleibt unerschütterlich auf dem Weg des Glaubens mit der festen Hoffnung auf den Herrn. Darin liegt das Geheimnis unseres Weges! Er gibt uns den Mut, gegen den Strom zu schwimmen [...] Das ist gut für's Herz, aber es braucht Mut, um gegen den Strom zu schwimmen, und Er gibt uns diesen Mut! [...] Mit ihm können wir große Dinge tun; er wird uns die Freude spüren lassen, seine Jünger, seine Zeugen zu sein. Setzt auf die großen Ideale, auf die großen Dinge! Wir Christen sind vom Herrn nicht für Kleinigkeiten auserwählt, geht immer darüber hinaus, zu den großen Dingen! Setzt das Leben für große Ideale ein« Predigt am Tag der Firmlinge im Jahr des Glaubens, 28. April 2013.
   Euch, liebe Jungen und Mädchen, die ihr in Situationen von Krieg, äußerster Armut, täglicher Mühen und Verlassenheit lebt, kann ich nicht vergessen. Verliert nicht die Hoffnung, der Herr hat einen großen Traum, den er gemeinsam mit euch verwirklichen möchte! Eure gleichaltrigen
   Freunde, die unter weniger dramatischen Bedingungen als den euren leben, denken an euch und engagieren sich, damit alle Frieden und Gerechtigkeit haben können. Glaubt nicht den Worten von Hass und Terror, die oft wiederholt werden; baut stattdessen neue Freundschaften auf. Stellt eure Zeit zur Verfügung, kümmert euch immer um diejenigen, die euch um Hilfe bitten. Seid mutig und unkonventionell, seid Freunde Jesu, des Friedensfürsten vgl. Jes 9,6; »alles in ihm spricht von Barmherzigkeit. Nichts in ihm ist ohne Mitleid« Bulle Misericordiae Vultus, 8.
   Ich weiß, dass ihr nicht alle nach Rom kommen könnt, aber das Jubiläum ist wirklich für alle, und es wird auch in euren Ortskirchen gefeiert werden. Zu diesem Moment der Freude seid ihr alle eingeladen! Bereitet nicht nur eure Rucksäcke und eure Spruchbänder vor, sondern bereitet vor allem euer Herz und euren Geist vor. Denkt gut über die Wünsche nach, die ihr Jesus im Sakrament der Versöhnung und in der Eucharistie anvertrauen wollt, die wir gemeinsam feiern werden. Wenn ihr durch die Heilige Pforte tretet, erinnert euch daran, dass ihr euch bemühen wollt, euer Leben zu heiligen und aus dem Evangelium und der Eucharistie - dem Wort und dem Brot des Lebens - eure Nahrung zu ziehen, um eine gerechtere und brüderlichere Welt aufzubauen.
Der Herr segne jeden Schritt auf eurem Weg zur Heiligen Pforte. Ich bete für euch zum Heiligen Geist, dass er euch leite und erleuchte. Möge die Jungfrau Maria, die Mutter aller, für euch, für eure Familien und für alle, die euch helfen, an Güte und Gnade zu wachsen, eine wirkliche Pforte der Barmherzigkeit sein.
Aus dem Vatikan, am 6. Januar 2016, beim Hochfest der Erscheinung des Herrn    
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Mit der Beichte zu neuem Selbstvertrauen Foto: Die Tagung in der Pönitentierie - OSS_ROM

   Die Beichte soll im Heiligen Jahr besondere Aufmerksamkeit bekommen, so will es Papst Franziskus und so steht es auch in der Verkündigungsbulle Misericordiae Vultus. Gesagt, getan. Die vatikanische Pönitentiarie berief eine Konferenz ein und erörterte mit Priestern und Seminaristen die unterschiedlichen Facetten der Beichte. Schließlich sieht sich die vatikanische Kongregation in der besonderen Verantwortung, Geistliche angemessen für den Dienst als Beichtvater vorzubereiten. In der heutigen Zeit gar nicht so einfach, erklärt Krzysztof Nykiel, Regens der Pönitentiarie: „die Herausforderung ist es, die Menschen für diese Erfahrung der Liebe Gottes zu öffnen. Denn wir leben in einer Welt, wo der Mensch allzu oft versucht, Gott zu ersetzen. Er nimmt Gott als aufdringlich wahr, als Hindernis für sein persönliches Glück und glaubt, es auch ohne ihn schaffen zu können. Wenn der Mensch erst einmal vom Weg zu Gott abgekommen ist, ist er nur noch auf sich selbst bezogen, wird ein Egoist, verschließt sich gegenüber den anderen und seiner Umwelt. Wenn der zeitgenössische Mensch die Größe der Liebe Gottes wiederentdeckt, dann kann er wieder Selbstvertrauen gewinnen, in seine Talente und Fähigkeiten, Vertrauen in seine Person, die als Ebenbild Gottes geschaffen ist. Das wahre Glück des Menschen besteht darin, sich bewusst zu werden, dass Gott nicht Konkurrent des Menschen ist, sondern sein größter Unterstützer, der ihn bedingungslos liebt und ihm vergibt, wenn er ihn mit ehrlichem Herzen sucht.“
   Die Teilnehmer der Konferenz haben versucht zu erörtern, wie Gott sich im Sakrament der Beichte als Vater offenbart, der unermüdlich vergibt und heilt. Besonders wurden heikle aktuelle Fälle aufgegriffen, die den Bußdienst auf die Probe stellen. Es sei wichtig, so Nykiel, dass die Priester den Umgang mit diesem Sakrament gut lernten – „man wird ja nicht einfach so Beichtvater.”
   „Das Ziel des Beichtsakramentes ist es ja, die barmherzige Liebe Gottes zu erleben, die größer ist als jede Sünde. Wer sich in den Beichtstuhl begibt, kann den barmherzigen Christus treffen, leibhaftig und echt. Von dieser Begegnung geht neues, versöhntes Leben aus. Das Sakrament der Beichte ist also von essentieller Bedeutung für den Glauben.“ Die Beichtväter hätten also eine wichtige pastorale Aufgabe: Sie müssten die Gläubigen, insbesondere diejenigen, die besonders weit von Gott entfernt seien, mit Gottes Barmherzigkeit in Berührung bringen. Sie müssten „sprudelnde Quellen der Barmherzigkeit“ werden, wo jeder Christ immer „das Wasser der Vergebung und des Heils“ erhalte, so Nykiel.
   Während des Bußgottesdienstes, den Papst Franziskus an diesem Freitag im Petersdom feiert und der zugleich Schlusspunkt der Konferenz ist, stehen 60 Beichtväter bereit, von denen der Großteil in den päpstlichen Basiliken Roms aktiv ist. „Es wir ein starker Moment der Gnade sein und er wird helfen, den Ruf nach unserer Umkehr zu hören, unser Leben zu ändern und die Liebe Gottes in unser Herz zu nehmen“, betonte Nykiel. Anlässlich des außerordentlichen Heiligen Jahres hat die Pönitentierie schon einen weiteren Konvent zum Thema Barmherzigkeit organisiert, der vom 31. März bis 1. April in Rom stattfindet.
   Die Pönitentierie gehört zu den drei Gerichtshöfen des Vatikan und befasst sich mit Fragen von Beichte, Buße und Gnade.  
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Papst: „Gott hat ein schlechtes Gedächtnis - er vergisst Sünden“

   Papst Franziskus mit Gläubigen in der Audienzhalle
Gott hat ein schlechtes Gedächtnis, denn wenn er eine Sünde vergibt, dann vergisst er sie ein für alle Mal. Das sagte Papst Franziskus bei einer Begegnung mit Teilnehmern einer Vatikan-Konferenz zum Thema Beichte im Vatikan, die an diesem Freitag mit einem Bußgottesdienst im Petersdom endet. Franziskus betonte die zentrale Bedeutung des Sakraments – nicht nur für das außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Die Vergebung, so Franziskus, sei nämlich vielleicht die größte der heiligen Pforten.
   Die Barmherzigkeit Gottes erreiche die Menschen auf verschiedene Weise, so der Papst zu den rund 500 Geistlichen: Durch das Erwachen eines ehrlichen Gewissens, beim Lesen der Bibel, wodurch das Herz verwandelt werden könne, bei der Begegnung mit barmherzigen Brüdern und Schwestern, und auch durch Lebenserfahrungen, die von Wunden, Sünde, Vergebung und Barmherzigkeit erzählen. Der sicherste Weg zur Barmherzigkeit aber sei die Vergebung der Sünden, die Jesus Christus vorgelebt und der Kirche als Sakrament der Versöhnung hinterlassen habe.
   „Jeder Gläubige kann nach der Absolution des Priesters sicher sein im Glauben, dass seine Sünden weggewischt worden sind von der göttlichen Barmherzigkeit. Sie existieren nicht mehr! Gott ist allmächtig. Mit gefällt der Gedanke, dass er eine bestimmte Schwäche hat: ein schlechtes Gedächtnis. Hat er dir einmal vergeben, vergisst er deine Sünden. Das ist großartig! Die Sünden gibt es dann nicht mehr. Jede Absolution ist gewissermaßen ein Jubeljahr des Herzens, sie erfreut nicht nur den Gläubigen und die Kirche, sondern Gott selbst.“
   Franziskus erinnerte an die Worte Jesu: „Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben, umzukehren.“ Der Beichtvater müsse zum Vermittler der Freude werden, damit der Gläubige nach der Vergebung nicht mehr von der Last seiner Schuld erdrückt werden müsse und die befreiende Kraft Gottes spüren könne, bereit, seine Fehler wieder gut zu machen und den anderen mit einem guten, zugänglichen Herz zu begegnen.
   „Liebe Brüder, in dieser Zeit, in der der Individualismus herrscht, in der es viele Wunden gibt und die Versuchung, sich zu verschließen, ist es ein wirkliches Geschenk, Menschen zu sehen, die mit der Barmherzigkeit in Berührung kommen. Franziskus mahnte aber die Verantwortung der Beichtväter an. Sie müssten sich am Evangelium orientieren und mit väterlichem Wohlwollen handeln. „Wir sind Wärter und nie Herren über die Schafe und die Gnade“, so Franziskus.
   „Was tue ich, wenn ich die Menschen von ihren Sünden nicht lossprechen kann? Zunächst suche ich nach einem Weg, den man in den meisten Fällen auch findet. Zweitens, hängen wir uns nicht zu sehr an das Gesagte, sondern auch an die nonverbale Kommunikation. Es gibt Leute, die sich nicht ausdrücken können, deren Reue und Leid an den Gesten deutlich werden. Und drittens: Wenn wir keine Absolution erteilen können, müssen wir sprechen wie ein Vater: ‚Hör zu, aus diesem oder jenem Grund kann ich dich nicht lossprechen, aber ich kann dir versichern, dass Gott dich liebt und auf dich wartet.“
   Zu oft höre er von Menschen, die nicht mehr beichten gingen, weil die Beichtväter zu streng gewesen seien. Auch in Grenzsituationen, wenn sie die Menschen nicht von ihren Sünden lossprechen könnten, müssten die Beichtväter die väterliche Wärme für sie spürbar machen. „Betet einfach ein wenig mit ihm oder ihr. Das ist auch ein Fest, denn Gott weiß nun einmal besser, wie er vergeben kann als wir. Zumindest können wir versuchen, darin ein Abbild Gottes zu werden.“
   Franziskus erinnerte an die großen Beichtväter, die Heiligen Padre Pio und Leopoldo Mandic, deren sterbliche Überreste vor wenigen Wochen noch im Petersdom ausgestellt waren. Zu Lebzeiten zogen sie hunderte, gar tausende Menschen an, um ihnen die Beichte abzunehmen.
   Mandic habe immer wieder gepredigt, dass die Barmherzigkeit über all unsere Erwartungen hinausgehe. Auch habe er die Gottesmutter Maria als Trösterin immer wieder angebracht, die das Leid der Menschen verstehe. „Möge Maria immer Zuflucht für die Sünder sein“, so Franziskus. „Stellen wir das Sakrament der Versöhnung wieder ins Zentrum – nicht nur im Heiligen Jahr! – denn es ist der wahre Ort, an dem Beichtväter wie Büßer die Liebe Gottes erfahren können, eine Liebe, die uns nie enttäuscht.“ Rv160304cz

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      kbwn:Heiliges Jahr der Barmherzigkeit II

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