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Jerusalem

Dialog zwischen Judentum und Christentum, Jerusalem und Rom
Unten auf dieser Seite: Papst Benedikt im Heiligen Land 2009 - Fotobericht

Sie lesen auf dieser Seite:
1. Erster deutschsprachiger Theologie-Lehrstuhl in Jerusalem
2. Erzbischof Fouad Twal - Patriarch von Jerusalem
3. Mordechay Lewy über die Beziehung Israels zum Vatikan
4. Der von Johannes Paul II. gepflanzte Olivenbaum trägt Früchte
5. Christlichen Schulen in Israel droht Schließung
6. Besuch von Staatspräsident Reuven Rivlin bei Papst Franziskus

7. Papst Benedikt in Nazareth
8. Das Gebet der Juden um die Fülle der Erlösung
9. Wende in der Geschichte: Das Kreuz der Christen
10. Robert Spaemann: Gott ist kein Bigamist
11. Prof. Dr. Matthias Morgenstern: Gott ist kein Missionar
12. Papst Benedikt im Heiligen Land - Forobericht
13. Schalom, Heiliger Vater! - Ein Willkommensgruß jüdischer Rabbiner
14. Delegation des Rabbinats Israels im Vatikan
15. Papst Benedikt erhält Sonderbriefmarken als Andenken an seine Israel-Reise

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Jerusalem: Erster deutschsprachiger Theologielehrstuhl
   In Jerusalem wurde der erste deutschsprachige Theologielehrstuhl eröffnet. An der Feier nahm die deutsche Bildungsministerin Annette Schavan teil, Deutschland finanziert den neuen Lehrstuhl. Erste Inhaberin ist die Bibelwissenschaftlerin und Franziskanerin Margareta Gruber. Foto unten
   Der »Laurentius-Klein-Lehrstuhl für Biblische und ökumenische Theologie« wurde für das ökumenische »Theo- logische Studienjahr Jerusalem« bei der Benediktiner-Abtei Dormitio geschaffen. Er ist nach Abt Laurentius Klein benannt, der das Studienjahr 1973 ins Leben rief.
  Das in dieser Form einzigartige Programm bietet deutschsprachigen katholischen und evangelischen Studie- renden zwei intensive Semester im Heiligen Land an. Schwerpunkte sind Bibelwissenschaften, Ökumene und interreligiöser Dialog sowie christliche Archäologie. Bislang haben mehr als 900 Studierende das von kirchlichen Institutionen und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst geförderte Angebot wahrgenommen. OR100213 

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   Die Dormitio-Abtei Foto oben steht auf dem Berg Zion, südlich der Altstadtmauer Jerusalems. Die Benediktiner engagieren sich für Frieden und Verständigung. Der neue Lehrstuhl ist nach ihrem Abt Laurentius Klein benannt, der das ökumenische Studienjahr 1973 ins Leben rief. Neben Vorlesungen und Seminaren unternehmen die Studierenden Exkursionen im ganzen Land und im Sinai. Die meisten Veranstaltungen finden in deutscher Sprache statt.
   Professorin Margareta Gruber nahm von 1983 bis 1984 mit einem DAAD-Stipendium an dem Programm teil. Da- nach trat sie in das baden-württembergische Kloster Sießen bei Bad Saulgau ein. Seit 1999 lehrte sie Neues Testament an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Pallottiner in Vallendar. Im August 2009 wurde die Franziskanerin Dekanin des Studienjahres in Jerusalem.

Unter dem Thema “Dialog der Religionen” bringen wir hier aktuelle Gedanken von kompetenten Juden und Chris- ten. Wir stützen uns auf Veröffentlichungen der italienischen Monatsschrift “30 Giorni”, “L’Osservatore Romano”, “Radio Vaticana”, “Catholic Times”, der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” und weiterer überregionaler Zeitungen.

Patriarch von Jerusalem     aepFouadTwal-x     Erzbischof Fouad Twal

Erzbischof Fouad Twal stemmt sich gegen den Exodus der Christen aus dem Heiligen Land.
Experte: Patriarch Twal hat eine weitgehende Kompetenz in diplomatischen Kreisen erworben.
Das befähigt ihn, Verbindungen in der komplexen Welt der Politik im Nahen Osten aufzubauen.

   Ein schneller Einblick in den Lebenslauf des Patriarchen erklärt, dass er ein Diplomat durch Ausbildung und Erfah- rung ist. Aber auch er kann nicht die Probleme höflich beschönigen, vor die seine Leute gestellt sind. Und das will er auch nicht. In seinem ersten Hirtenwort, anlässlich der Pilgerreise von Papst Benedikt XVI. im Heiligen Land, verlor der Erzbischof keine Zeit von Fakten und Zahlen zu berichten, die sein Leben als Patriarch von Jerusalem bestimmen:   
   In den letzten 80 Jahren erlebten die palästinensischen Christen in Jerusalem einen Absturz von 53 auf 1,1 Prozent der Bevölkerung. Heute leben in Jerusalem unter 850.000 Einwohnern nur noch 10.000 palästinensische Christen – gegenüber von 30.000 im Jahre 1948. In Betlehem fiel in den letzten 60 Jahren der Anteil der Christen von 85 Prozent auf heute nur noch 12 Prozent. 1948 gab es unter der Bevölkerung Palästinas noch 20 Prozent Christen. Jetzt sind es nur noch 50.000 in der West-Bank und 3.000 im Gaza-Streifen. In Israel ist die Lage besser: im jüdischen Staat leben 120.000 arabische Christen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass die nicht- arabische christliche Bevölkerung in der Region wächst. Aber insgesamt ist das Bild überall trostlos. Das Problem liegt vor allem darin, dass die Christen – trotz ihres geringen Anteils an der Bevölkerung – etwa 30 Prozent der Emigranten ausmachen.
   Es ist wahr, dass die Christen der Region schon im 19. Jahrhundert auswanderten, insbesondere während der späteren Jahre unter der Herrschaft der türkischen Ottomanen. Die Auswirkungen aber dieser Emigration waren nie zuvor so gravierend gewesen wie heute. Patriarch Twal schreibt in seinem Hirtenwort: „Die Auswanderung der Christen hat unsere Diözese dezimiert.“ Wäre da nicht die relativ hohe Geburtenrate der Christen in dieser sich wirtschaftlich entwickelnden Region, würde der Exodus der Christen in sehr kurzer Zeit das Verschwinden der Christenheit im Heiligen Land bedeuten. Aber auch in der Langzeitwirkung dieses Trends zur Auswanderung der Christen ist ein Desaster. Für Patriarch Twal bedeutet dieses Verdunsten der Christen im Heiligen Land die größte Sorge. Die Gestalt der Kirche – der Ortsgemeinde – verschwindet im Dunkeln. Das wirft große Fragen auf hinsicht- lich der Zukunft der starken kirchlichen Mitwirkung der Kirche am sozialen, humanitären und  diplomatischen Leben der Region. 
   Nach fünfzehn Monaten im Amt, erhielt Patriarch Twal eine entscheidende Förderung durch den Besuch des Papstes im Heiligen Land. Mit diesen Sorgen und vor diesem Hintergrund ist der Besuch des Patriarchen von Jeru- salem in der Londoner Westminster Cathedral zu verstehen. Darüber wird er in der Londoner Öffentlichkeit auf Einladung der Organisation „Kirche in Not“ sprechen. Papst Benedikt sprach gegenüber der Caritas die Bitte aus, vorrangig der Kirche im Nahen Osten zu Hilfe zu kommen. Immer wieder hat sich der Papst für die christliche Gemeinde im Heiligen Land eingesetzt. Wer im Heiligen Land war, und die Not der Christen selbst gesehen hat, vernimmt den Aufruf Benedikts mit großer Bewegung. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf die qualvolle Entscheidung vieler Christen: sie wollen nicht ihr kostbares Heiliges Land verlassen, fühlen aber zugleich, dass sie keine Wahl haben. Doch der Papst fordert die Christen auf, die entscheidende Wahl im Gewissen zu überprüfen. In Amman, Jordanien, erklärte Papst Benedikt am 10. Mai 2009 den Gläubigen: „Treue zu euren christlichen Wurzeln, zur Mission der Kirche im Heiligen Land, erfordert von euch besonderen Mut.“
   Im privaten Gespräch weiß der Patriarch, dass diese Botschaft oft auf steinigen Grund fällt. „Wir sagen unseren Christen, dass ihre Anwesenheit in dieser Diözese kein Zufall durch Geburt ist. Er ist eine Sendung. Sie müssen Zeugen unseres Glaubens sein. Aber nicht jeder von ihnen akzeptiert das. Sie sind sehr bedrückt, wenn sie keinen sicheren Ort für ihre Kinder finden.“
   Was kann Erzbischof Twal mehr tun als sein Vorgänger Michel Sabbah, was kann er tun, um seinen Christen zu helfen eine Zukunft in ihrem eigenen Land zu finden? Sabbah war von Geburt Palästinenser, Twal wurde in Madaba, Jordanien geboren. Als junger Vikar war er aber schon in den 1960er Jahren in Ramallah tätig. 1976 promovierte er im Kirchenrecht zum Dr. phil. und übernahm diplomatische Aufgaben in den Nuntiaturen von Hondu- ras, Ägypten, Deutschland und Peru, bevor er 1992 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Tunis ernannt wurde. Später wurde er Koadjutor des Patriarchen von Jerusalem mit dem Recht der Nachfolge. Fouad Twal kennt den Nahen Osten und hat auch Erfahrung im diplomatischen Dienst. Die Diplomatie braucht praktische Unter- stützung. Der Patriarch nennt den entscheidenden Faktor: „Wir sind besorgt über Versprechungen und Reden die ohne Fundament sind.“
   In seiner Eigenschaft als Präsident der Betlehem Universität (seit März 2006) fordert und fördert der Patriarch die Bildung als Schlüssel nicht nur für beruflichen Aufstieg, sondern auch für die interreligiösen Beziehungen. Die Universität ist offen für Studenten verschiedener Religionen. Sie wird unterstützt von Organisationen wie „Kirche in Not“ und anderen. Finanzielle Mittel fließen in die Unterstützung der Schulen des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, dienen aber auch der Förderung der Olivenholz-Schnitzer, die Rosenkränze, Krippen, Kreuze, die weltweit verkauft werden. Hilfen gehen auch an Priester, Ordensschwestern und Studenten der kirchlichen Hoch- schule in Beit Jala bei Betlehem. Dringende Hilfen erbittet der Erzbischof auch für junge Christen, die eine bezahlbare Wohnung suchen. Unter der Leitung des Patriarchats hat die Diözese Grundstücke in Jerusalem erworben, um Wohnungen für sozialschwache Familien zu errichten. Benedikt sagte auf seiner Pilgerreise im Heiligen Land: „Mögen die Gläubigen unerschrockene Herolde sein, Verkünder der leuchtenden Hoffnung, die vom leeren Grab Christ ausgeht!“ Weitere Informationen auf unserer Seite Weltkirche und im Internet: www.acnuk.org   CT090823JohnPontifex

Mordechai Lewy    Jud-B-MordechayLewy-xx   Benedikt XVI.

Mordechay Lewy über die Beziehung Israels zum Vatikan: “. . . Vom Starken kommt Süßes” Ri 14,14

Der Botschafter Israels beim Vatikan vergleicht den Besuch von Papst Benedikt XVI. im Heiligen Land
mit den Besuchen von Paul VI. (1964) und Johannes Paul II. (2000) und beschreibt
mit einem Satz aus dem Buch der Richter die derzeitige Beziehung zwischen jüdischem Staat und Rom

   Es ist nicht nur nützlich, sondern auch lohnend, die Besuche zu vergleichen, die drei Päpste dem Heiligen Land abgestattet haben. Immerhin lassen sich daraus auch Schlussfolgerungen über den Stand der bilateralen Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan Stuhl ziehen.
  Der Besuch von Paul VI. im Jahr 1964 war der klare Ausdruck einer Politik der Nicht-Anerkennung. Nostra aetate war noch nicht erschienen, und der Besuch war nicht nur eine Pilgerreise, sondern eine Begegnung mit dem griechisch-orthodoxen ökumenischen Patriarchen Athenagoras in Jerusalem. Das Ergebnis war die ein Jahr später erfolgte Aufhebung der Exkommunikation der griechisch-orthodoxen Kirche. Der Besuch von Johannes Paul II. im Jahr 2000 erfolgte dagegen im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten, war schon lange Zeit vorher angekündigt worden, erfolgte aber ohne offizielle Einladung. Es war, als hätte sich Papst Wojtyla auf eigene Faust auf den Weg gemacht und erst dann an den Pforten Israels um Einlass gebeten, als er schon davor stand. Nach dem Motto: „Da bin ich, ist jemand zuhause?". Der persönliche Wunsch des Papstes hatte sich über jedweden Einwand seiner Berater aus der Ortskirche hinweggesetzt. Das Programm beinhaltete nicht nur politische Höflichkeitsbesuche wie den in der offiziellen Residenz des Präsidenten Israels in Jerusalem, sondern auch einen Stopp in der Holocaust- Gedenkstätte Jad Vaschem. Hier hielt er sich deutlich länger auf als vom Protokoll vorgesehen und ließ an seiner persönlichen Sympathie für die Juden keinen Zweifel.  Er unterhielt sich auch lange mit den Krakauer Juden, die den Holocaust überlebt haben. Seine sensationelle Geste, Gott an der Klagemauer um Vergebung zu bitten, zeigte auf unmissverständliche Weise, dass dieser denkwürdige Besuch eine Fortsetzung haben würde. Man muss aber auch sagen, dass sie im Vatikan keine ungeteilte Begeisterung hervorrief. So mancher war nämlich der Meinung, diese Geste könnte zu viele und zu weitreichende theologische Auswirkungen haben. Auch Papst Benedikt hegte schon seit langem den Wunsch, auf den Spuren seines Vorgängers ins Heilige Land zu pilgern. Die ersten Vorbereitungen dafür wurden im November 2008 getroffen.

  Wir haben den Eindruck, dass sein Besuch diese Reisen ins Heilige Land und nach Israel zu einer Tradition gemacht hat, die sicher von den Päpsten fortgesetzt werden wird. Als „Modell” dafür wird wohl das Programm von Johannes Paul II. dienen. Die Stellungnahmen, die Papst Benedikt während seines Aufenthalts abgegeben hat, werden unseren zukünftigen Beziehungen noch lange zuträglich sein. Wir können nur hoffen, dass seine klaren Worte gegen die Leugnung des Holocaust und für den Kampf gegen den Antisemitismus, aber mehr noch sein Eintreten für den Dialog mit dem „älteren Bruder” im Geist von Nostra aetate, auch die katholischen Gemeinden in der Dritten Welt erreichen werden.

   Im Licht der Ereignisse des letzten Jahres können wir den Stand unserer bilateralen Beziehungen mit den Worten Simsons zusammenfassen und mit dem Buch der Richter 14,14 sagen: ” ...  Vom Starken kommt Süßes.” Mordechay Lewy, Botschafter Israels beim Vatikan.

Das Buch der Richter bringt Erzählbilder über die Anfänge Israels in seinem Land. In einigen hier aufgeschrie- benen Sagen leben Erinnerungen an die dramatische Zeit vor David, also vor 1000 v. Chr., weiter, vielleicht ver- gleichbar mit der frühmittelalterlichen Geschichte Europas.
   Im Kapitel 14 stellt der Richter Simson den Philistern ein Rätsel: “ ... vom Starken kommt Süßes”.
   Es bezieht sich auf Vers 6, eine Erzählung, wie Simson einen Löwen mit eigenen Händen tötet.
Ri 14,8-9  heißt es weiter: Nach einiger Zeit ging er wieder hin. - .. Dabei bog er vom Weg ab, um nach dem Kadaver des Löwen zu sehen. Da fand er im Körper des Löwen einen Bienenschwarm und Honig. Er löste den Honig mit den Händen heraus und aß davon im Weitergehen.  Als er zu seinem Vater und zu seiner Mutter kam, gab er ihnen davon, und sie aßen ebenfalls. Er sagte ihnen aber nicht, dass er den Honig aus dem Kadaver des Löwen herausgeholt hatte.”    Stgt.AT S.411

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   Die israelische Tageszeitung “Jediot Achronot” berichtet von einem Zeichen, das Papst Johannes Paul II., 2005 verstorbener Papst, möglicherweise an einem Baum vollbracht hat: In einem Olivenhain im Norden Israels trägt ein von Papst Johannes Paul 2009 gesegneter Baum als einziger Früchte. „Das ist ein unerklärliches Phänomen”, zitiert die Tageszeitung „Jediot Achronot" einen Mitarbeiter des Jewish National Fund. Andere Bäume sind ver- kümmert.
  Als Karni jetzt den Hain besuchte, habe er festgestellt, dass zwölf Bäume überhaupt keine Früchte trügen und einige sogar verkümmert seien, schreibt das Blatt weiter. Allein der gesegnete Baum habe sich gut entwickelt und trage Oliven. “Die Bäume wachsen auf demselben Boden, sie haben dieselbe Menge Wasser und die selbe Pflege bekommen”, sagte Karni.  Es sei unmöglich, einen Zusammenhang mit der Segnung herzustellen, sagte der Förster. “Aber es ist sicherlich ein Wunder.”
  Während seiner Pilgerreise im Jahr 2000 ins Heilige Land hatte Johannes Paul II. eine Messe auf dem Berg der Seligpreisungen am See Genezareth gehalten. Dabei hatte der Papst auch diesen Olivensetzling gesegnet.  NOZ080721 

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Der Apostel Paulus in 1 Kor 1,22 sagt: Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit.
Foto links: Kirche auf dem Berg der Seligpreisungen, im Hintergrund der See Genezareth
 Foto rechts: Olivenbaum im Heiligen Land.

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Foto links: Sonderbriefmarke des Vatikans in Erinnerung an die Pilgerreise Johannes Paul II. ins Heilige Land:
Der Papst feiert die Heilige Messe am 23. März 2000 auf dem Berg der Seligpreisungen am See Genezareth
Foto rechts: Blick vom Berg der Seligpreisungen auf den See Genezareth

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Heiliges Land: Christlichen Schule droht Schließung  Foto:  Israels Präsident Reuven Rivlin

   Die christlichen Schulen in Israel drohen im anlaufenden Schuljahr geschlossen zu bleiben, da es ihnen an öffentlicher Unterstützung fehlt. Ein Krisentreffen mit Staatspräsident Reuven Rivlin, Bildungsminister Naftali Bennett und Bischof Giacinto-Boulos Marcuzzo, dem Leiter des Verhandlungskommitees christlicher Schulen, habe  zu keiner Lösung geführt, bestätigte das Lateinische Patriarchat von Jerusalem laut der vatikanischen Nachrichtenagentur „Fides“.
   Präsident Rivlin habe bei dem Treffen die Bedeutung christlicher Schulen in Israel und deren jahrzehntelanger „außergewöhnlicher Bildungserfahrung“ hervorgehoben, ähnlich wie auch Bildungsminister Bennett sich zum Fortbestand christlicher Schulen in Israel und zu einer Lösung deren Budgetkrise bekannt habe, hieß es. Obwohl die Verhandlung seitens der Schulen im Anschluss als „positiven Schritt“ bezeichnet wurde, könnten sie ohne konkretem Ergebnis nicht wieder öffnen, erklärten sie; als nächsten Schritt werde man einen Bericht über die eigenen Tätigkeiten und Finanzen erstellen.
   Von der Schließung betroffen sind 48 Schulen, die von insgesamt 33.000 Schülern besucht werden, wobei jeweils die Hälfte davon Christen und Muslime sind. In Israel sind die Einrichtungen als Schulen anerkannt, jedoch nicht als öffentliche Schulen, weshalb das Bildungsministerium nur einen Teil der Kosten zuschießt, der Rest wird von den Eltern über das Schulgeld aufgebracht. Dieser Anteil stieg in jüngsten Jahren, da das Bildungsministerium seinen Beitrag stets kürzte - im letzten Jahrzehnt um 45 Prozent. Betroffen waren davon besonders die Schüler aus den einkommensschwächeren arabischen Familien. Rv150828pdy
 
  Am Mittwoch, 02. September 2015 empfängt Franziskus den israelischen Präsidenten Reuven Rivlin.

Christliche Schulen in Israel kündigen Generalstreik an
   Zum Schuljahresbeginn in Israel bleiben am Dienstag 33.000 Schülerinnen und Schüler christlicher Schulen zu Hause. Im Streit um Budgetkürzungen und Diskriminierungen durch das israelische Bildungsministerium hat das Büro der christlichen Schulen einen unbefristeten Streik seiner 48 Bildungseinrichtungen angekündigt. Er soll durch Protestveranstaltungen begleitet werden.
   Der Generalsekretär der christlichen Schulen in Israel, Faisal Hijazin, fordert eine Gleichbehandlung der christlichen Schulen und eine vollständige Finanzierung. Mit Streik gedroht haben laut Medienberichten außerdem arabische Schulen in Israel; sie protestieren ebenfalls gegen Budgetkürzungen.
   Staatspräsident Reuven Rivlin hatte bei einem Treffen mit Schulvertretern vor einer Woche zwar die Bedeutung christlicher Schulen und deren jahrzehntelange „außergewöhnliche Bildungserfahrung" hervorgehoben. Die Begegnung, an der auch Bildungsminister Naftali Bennett teilnahm, blieb jedoch ohne konkrete Ergebnisse.
   Schulen in christlicher Trägerschaft haben in Israel den Status anerkannter, nicht öffentlicher Einrichtungen. Das Bildungsministerium übernimmt nur einen Teil der Kosten; der Rest wird von den Eltern über das Schulgeld aufgebracht. Dieser Anteil stieg in den vergangenen Jahren, weil das Bildungsministerium seinen Beitrag stets kürzte. Über die letzten zehn Jahre betrug die Kürzung 45 Prozent.
   Bereits Ende Mai hatten die christlichen Schulen in Jerusalem gegen ihre Diskriminierung durch die Regierung protestiert, nachdem achtmonatige Verhandlungen zwischen dem Schulkomitee und dem Bildungsministerium ergebnislos geblieben waren. Auf den Ministeriumsvorschlag, die Schulen sollten in öffentliche Schulen überführt werden, wollten die Träger nicht eingehen; dies bedeutete eine Aufgabe des christlichen Profils und wäre ein Schlag gegen die christlichen Gemeinschaften im Heiligen Land, hieß es damals zur Begründung.
HA150901

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Streik christlicher Schulen nach Einigung beendet - 
Christliche Schulen - wie auch hier in Jerusalem - unterrichten wieder

   Nach wochenlangen Streiks der christlichen Schulen in Israel läuft nun wieder der gewöhnliche Schulbetrieb. Die Schulen und das Bildungsministerium konnten eine Einigung erzielen. Die christlichen Privatschulen hatten aufgrund der Budgetkürzungen durch die israelische Regierung den Schulbetrieb Anfang September ausgesetzt. Schüler, Eltern und Lehrer gingen auf die Straße, um gegen die Maßnahmen zu protestieren. Nach langen Verhandlungen hat das israelische Bildungsministerium die „hohe Wichtigkeit christlicher Schulen für Israel“ anerkannt. Für das erste Viertel des Schuljahrs 2015/16 ist zunächst eine Zahlung von 50 Millionen Schekel (zirka 11,3 Millionen Euro) an die Schulen vorgesehen. Zudem wurden die Budgetkürzungen der letzten zwei Jahre zurückgenommen. Ein Komitee aus Vertretern der Schulen, des  Bildungs- und Finanzministeriums soll bis Ende März die offenen Fragen klären.
Landesweit gibt es etwa 47 Schulen in christlicher Trägerschaft mit rund 33.000 Schülern. Unter ihnen ist zirka die Hälfte nicht getauft. Rv150928vs

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Israels Präsident Reuben Rivlin bei Papst Franziskus  - Foto: Der Papst und Israels Präsident Rivlin

   Israels Präsident Reuben Rivlin zu Besuch in Vatikan: Mit Papst Franziskus sprach er während einer Audienz über den Frieden in der Region, aber auch um ungelöste Fragen zwischen Staat und Kirche in dem Land. Es war der erste Besuch des seit Juli 2014 amtierenden Staatsoberhaupts Israels im Vatikan. Papst Franziskus empfing den Präsidenten mit dessen Frau rund eine halbe Stunde lang. Rivlin unterhielt sich anschließend mit der Spitze des Staatssekretariats, Kardinal Pietro Parolin, und dem vatikanischen Außenminister, Erzbischof Paul Gallagher. Ein Vatikanstatement spricht von „herzlichen Gesprächen“.
   Papst Franziskus schenkte dem Präsidenten eine Medaille mit der Inschrift „Suche das, was vereint, überwinde das, was teilt.“ Laut italienischen Nachrichtenagenturen habe der Papst zu dem Staatsmann gesagt: „Es gebe einige Trennungen, aber die wahre Herausforderung… sei der Frieden.“ Rivlin schenkte Papst Franziskus einen Basaltstein mit aramäischer Aufschrift – die früheste Erwähnung der Dynastie Davids.
   Papst und Präsident sprachen über die verschiedenen Konflikte, welche den Nahen Osten prägen. Es ging um die Verhandlungen Israels zu den Nachbarstaaten, hervorgehoben worden seien die Rolle der Christen und der anderen Minderheiten und in dessen Zusammenhang auch die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs und die Förderung einer Versöhnung und des Friedens, so eine Vatikannote. Weiteres wurde im Zuge des Treffens die Notwenigkeit und Dringlichkeit eines freundschaftlichen Klimas zwischen Israelis und Palästinenser betont, sowie eine Wiederaufnahme der direkten Verhandlungen um eine respektvolle Einigung zu erreichen. Dies solle ein grundlegender „Beitrag zu Frieden und Stabilität“ der Region sein.
   Außerdem ging es um die aktuelle Situation der christlichen Schulen in Israel, welche gegen die Pläne der Regierung protestieren, ihnen die Unterstützung zu streichen. Aktuell kommt es in Israel zu Demonstrationen, da die christlichen Schulen in Israel im anlaufenden Jahre wegen der fehlenden Unterstützung geschlossen bleiben sollen. Ein Krisentreffen mit Staatspräsident Reuven Rivlin, Bildungsminister Naftali Bennett und Bischof Giacinto- Boulos Marcuzzo, dem Leiter des Verhandlungskomitees christlicher Schulen, hat am Montag zu keiner Lösung geführt.
   Ein weiteres Thema: Der Vatikan und Israel arbeiten derzeit an einem bilateralen Vertrag der diesen Status klären sollte und auch die derzeitigen Probleme mit dem Status der katholischen Schulen im Land lösen sollte.
   Der Vatikan und Israel unterhalten seit 1994 volle diplomatische Beziehungen. Ein erster Grundlagenvertrag zwischen beiden Seiten wurde im Dezember 1993 unterzeichnet, eine weitergehende Rechtsvereinbarung vier Jahre später. Noch nicht zum Abschluss gekommen sind Verhandlung über weitere Rechts- und Wirtschaftsfragen. Dazu gehören unter anderem eine Befreiung kirchlicher Schulen, Krankenhäuser und weiterer gemeinnütziger Einrichtungen von der Kommunalsteuer sowie der Status der Heiligen Stätten. Rv150903no

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Israel: Christen fordern Bildungsgleichheit – Foto: Katholische Schule in Israel

   Mehrere tausend Demonstranten haben vor dem Amtssitz von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gegen die Diskriminierung christlicher Bildungseinrichtungen protestiert. Die 47 hauptsächlich von katholischen, aber auch von anderen christlichen Trägern betriebenen Schulen in Israel sind seit dem Beginn des neuen Schuljahrs am vergangenen Dienstag in einem unbefristeten Streik. „Die Regierung hat die öffentlichen Zuschüsse von ehemals zwei Dritteln auf nur noch 29 Prozent der Gesamtkosten zurückgefahren“, erklärte der Franziskanerpater Abdel Massih Fahim von der katholischen Schulaufsicht zur Begründung. Der Sprecher der katholischen Bischofskonferenz im Heiligen Land, Wadie Abunassar, sagte am Rande der Demonstration, die Schulen der ultraorthodoxen Juden hätten den gleichen Rechtsstatus wie die katholischen: anerkannt, aber nicht staatlich. „Und die werden zu hundert Prozent mit öffentlichen Mitteln finanziert, wobei viele nicht einmal die Grundfächer lehren. Wir verlangen Gleichbehandlung.“
   Vom Ausstand betroffen sind 33.000 Schüler - drei Fünftel Christen und zwei Fünftel Muslime - sowie rund 3.000 Lehrkräfte. Die Verhandlungen über eine bessere Finanzausstattung laufen seit anderthalb Jahren ohne spürbare Annäherung. Am Donnerstag hatte auch Papst Franziskus bei einer Privataudienz für den israelischen Staatschef Reuven Rivlin auf eine „angemessene Lösung“ gedrängt. Neben Familien mit Kindern in Schuluniform nahmen an der Kundgebung auch zahlreiche Würdenträger der verschiedenen Konfessionen in Amtstracht teil. Unterstützt wurden sie von einem Dutzend arabisch-israelischen Parlamentariern. Rv150906nzz

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Fotos: Paul VI. mit Athenagoras in Jerusalem, Johannes Paul II. an der Klagemauer und in Jad Vaschem

   Der Papst, der schon oft mündlich eingeladen worden war, legte großen Wert auf eine schriftliche Einladung seitens aller betroffenen Staats- und Regierungschefs (also vom König von Jordanien, dem Präsidenten Israels und dem der Palästinensischen Autonomiebehörde). Mit diesen Einladungen in der Tasche gab er seinem Besuch auch einen politischen Anstrich, da er ja schließlich von seinen Kollegen - den Staatschefs - eingeladen worden war. Das war vor allem eine erneute Bestätigung dessen, was für den Vatikan eine Gewohnheit geworden ist: die nämlich, eine besondere Rolle als politischer Akteur zu spielen. Man hatte sich auch mit dem Gedanken getragen, Zeichen zu setzen, die eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen zu Israel vorantreiben könnten.
   Der Besuch des Jahres 2000 war sicher eine Art „Modell" für das Programm von 2009. Die kleinen Veränder- ungen waren politischer Natur und beruhten vor allem auf logistischen Überlegungen. Weder die Operation „Ge- schmolzenes Blei” noch die Affäre Williamson, die Wahlen in Israel oder der historische Disput über Pius XII. konnten die Reise Papst Benedikts auch nur einen Moment lang gefährden. Potentielle „Stolpersteine" wie der Besuch der Ausstellung über Pius XII. im Museum Jad Vaschem wurden schon im Vorfeld ausgeräumt. Und auch der Versuch des für die Klagemauer zuständigen Rabbiners, zu verhindern, dass beim Papstbesuch Kreuze ge- tragen werden durften, wurde sozusagen im Keim erstickt. Die Vorbereitungen konnten diskret und ohne Unter- brechungen zu Ende geführt werden. Wie schon in der Vergangenheit der Fall, waren die Katholiken vor Ort zu Anfang wenig begeistert über diesen Besuch. Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, musste eine Befürwortungskampagne auf die Beine stellen.

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Fotos: Benedikt in Nazaret, beim Bad in der Menge und mit Patriarch Fouad Twal unten

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   Auf der anderen Seite zeigte sich die jüdische Welt durchaus disponibel und nahm in Israel die Erklärungen an, die Kardinal-Staatssekretär Bertone bezüglich der Leugnung des Holocaust durch Bischof Williamson abgegeben hat. In seinem Brief an die Bischöfe dankte Benedikt XVI. seinen jüdischen Freunden für das von ihnen gezeigte Verständnis, eine Haltung, die für viele Katholiken seiner Meinung nach nicht selbstverständlich gewesen wäre. Zahlreiche Kritiker in den Reihen der Kirche und bei den Massenmedien haben jeden Schritt von Papst Benedikt genauestens verfolgt, in der Hoffnung, einen möglichen diplomatischen „Unfall” inszenieren zu können. Vor diesem Szenarium erlangt die Tatsache, dass der Besuch des Papstes ein allgemeiner Erfolg war, noch mehr Bedeutung. Die Vatikandiplomatie hat ihr Bestes gegeben. Das Staatssekretariat hat alles unternommen, um Jordaniern, Isra- elis und Palästinensern nur ja nicht auf den Schlips zu treten. Nur jene Forderungen, die mit den besonderen Interessen des Vatikans auf Kollisionskurs gingen, wurden entschieden zurückgewiesen.
   Für Israel hatte der Besuch von Benedikt XVI. eine historische Bedeutung, und das nicht nur, weil es zu einem solchen gekommen ist. Israel betrachtet den derzeitigen Papst als wahren Freund der Juden und schätzt ihn sehr. Und geschätzt wird auch der Dialog zwischen den Religionen, den der Papst mit uns zusammen vorantreibt. 
Foto unten: Trialog der Religionen Notre Dame of Jerusalem Center

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Das Gebet der Juden um die Fülle der Erlösung
Die römische Monatszeitung „30Giorni“ spricht über den jüdisch-christlichen Dialog
mit Riccardo Di Segni, Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde. Wir bringen hier einen Auszug:

Jud-RiccardoDiSegni,Rom-xx   Riccardo Di Segni

DI SEGNI: ... Es ist bezeichnend, dass der Papst am Tag nach der Ankündigung der Aufhebung der Exkommuni- kation [der Lefebvrianer] - an einem Samstag im Januar 2009 - in seinem dem heiligen Paulus gewidmeten Predigt- zyklus über die Bekehrung des Apostels sprach, und sagte, dass es sich dabei nicht im wahren Sinne um eine Bekehrung gehandelt habe, denn Paulus war ja schon ein „gläubiger Jude"; dass der Übertritt zum Glauben an Jesus Christus also nichts Widersprüchliches war. Dieser Satz enthielt wahrscheinlich eine verhüllte Polemik den Lefebvrianern gegenüber, da sie im Judaismus den Teufel sehen ... von dem man sich durch einen Akt der Bekehrung befreien muss. Für den jetzigen Papst ist dem nicht so; zumindest hat er immer wieder gesagt, dass es die edle und heilige Wurzel ist, aus der der christliche Glaube hervor wächst. Auf der anderen Seite stellt für ihn das Judentum eine unvollkommene Erfahrung dar, und auch wir sind unvollkommen, da wir konsequenterweise das tun sollten, was Paulus getan hat ...
Was bedeutet das Gebet um die Fülle der Erlösung für die Juden?
   DI SEGNI: Man muss von der Tatsache ausgehen, dass das Judentum aus einer Wurzel hervorgeht, die nicht rein religiös ist, sondern auch das nationale, kollektive Element besitzt. Das ursprüngliche Erlösungsmodell ist das des Auszugs aus Ägypten, in dem ein Volk die Sklaverei hinter sich lässt. In der Verheißung Gottes Exodus 6,6 kommt viermal der Ausdruck Erlösung vor. In der jüdischen Erfahrung ist es auch die Befreiung vom Joch, also eine kollektive politische Unabhängigkeit. Und dann gibt es noch andere Kategorien, die physische Befreiung des Einzelnen und schließlich die spirituelle Befreiung. Das eine schließt das andere nicht aus, es sind Aspekte ein und derselben Wirklichkeit. Die spirituelle Erlösung bedeutet Wachstum. Nur in einigen Bereichen des jüdischen mysti- schen Denkens gibt es ein Konzept, das der christlichen Vorstellung von der Ursünde nahekommt, während der Gedanke von der Wiederherstellung der ursprünglichen Einheit in verschiedenen Aspekten des jüdischen Denkens vorhanden ist, wie dem, Ordnung zu bringen in die alte, durch die Schuld des Adam entstandene Ungeordnetheit. Auch das wird als vollkommene Erlösung betrachtet. Es gibt da viele Facetten...
Hat dieses Gebet die Bedeutung eines Gebets um die Bekehrung, ähnlich des Pro ludaeis der Karfreitagsliturgie?
   DI SEGNI: Die Formel „Fülle der Erlösung“ findet sich im täglichen Gebet um die 18 Segnungen, welches jedoch nicht das universale Alenu-Gebet ist [das Alenu ist die Schlussformel der täglichen Gebete, der Ausdruck des Glaubens und der Hoffnung der universalen Annahme des Reiches Gottes, Anm.d.Red.]. Und wenn wir um die voll- kommene Erlösung beten, dann ist damit die Erlösung des Volkes Israel gemeint, in dem eben dargelegten Sinn. Von einigen wird allerdings das Alenu-Gebet in Frage gestellt, könnte es doch Anspielungen auf das Christentum enthalten, dabei handelt es sich nur um mögliche Anspielungen. Der eine sieht es so, der andere nicht. Ich lese und übersetze aus dem Hebräischen, damit es keine Missverständnisse gibt.
   „An uns ist es, den Herrn des Alls zu preisen, dem Schöpfer des Anfangs Größe zu geben, dass Er uns nicht geschaffen hat wie die Völker der Länder, uns nicht hat werden lassen wie die Völkerfamilien der Erde, unseren Teil und unser Los nicht mit dem ihrer ganzen Menge gleichgesetzt hat." Wie sehr der Text auch von dem einen oder anderen als polemische Anspielung auf das Christentum interpretiert worden sein mag: das sind Formeln, die dem Christentum weit vorhergehen, und dieses Gebet hätte ebensogut ein Gebet der ersten Christen sein kön- nen ...
   „Wir aber bücken uns, werfen uns nieder und danken dem König aller Könige, dem Heiligen, gelobt sei Er, der den Himmel spannt, die Erde gründet ... Deshalb hoffen wir auf Dich, Ewiger, unser Gott, Dich bald in der Herr- lichkeit Deiner Stärke zu sehen, um Götzen von der Erde zu beseitigen, Abgötter gänzlich auszurotten, die Welt zu vervollkommnen als Reich des Allmächtigen." Erinnert die hier angedeutete typisch jüdische Bitte „Dein Reich komme" vielleicht nicht an ein christliches Gebet?
   „Deshalb hoffen wir ..., dass alle Sterblichen Deinen Namen anrufen, alle Frevler der Erde sich Dir zuwenden, alle Bewohner der Welt werden erkennen und wissen, dass jedes Knie sich vor Dir beugt, jede Zunge Dir schwört. Vor Dir, Ewiger, unser Gott, werden sie knien und sich niederwerfen und der Herrlichkeit Deines Namens Ehre geben, und alle werden das Joch Deiner Herrschaft auf sich nehmen. Du wirst bald für immer und ewig über sie regieren." Das ist die ständige Wiederholung des Gedankens vom kommenden Reich, und das wiederum ist das mächtige Werkzeug des Adveniat regnum tuum [Dein Reich komme]. Wie Sie sehen, sind wir am Ende doch Verwandte ...
   „Denn Dein ist die Herrschaft, immer und ewig wirst Du in Ehren regieren, wie es in Deiner Tora geschrieben ist: Der Ewige wird in alle Ewigkeit regieren. Wie es heißt: Der Ewige wird König über die ganze Erde sein, an jenem Tag werden Er und Sein Name einzig sein!" Dieses Gebet ist als Gebet zum neuen Jahr entstanden, und in der Reihe der Gebete für diese Jahreszeit, die eine eigene Ordo haben, betet man einige davon, die das Königtum Gottes zum Thema haben und in denen Gott als König des Alls proklamiert wird. Wann es genau entstanden ist, wissen wir nicht. Einige schreiben es Josua zu, andere meinen, es wäre noch ein paar Jahrhunderte älter. Wegen seiner Wichtigkeit hat man beschlossen, es jeden Tag am Ende der täglichen Gebete zu lesen.
Es kann nicht geleugnet werden, dass es seitens der jüdischen Gläubigen eine Auslegung im polemischen Sinn dem Christentum gegenüber gegeben hat.
  DI SEGNI: Ja, aber Sie kennen jetzt ja den Originaltext. Und ein Ergebnis des Dialogs, auf dem ich oft bestehe, ist gerade das: dass eine harmonische und respektvolle Beziehung unter den Religionen eine unweigerliche Folge der Reduzierung der Aggressivität der Parteien ist. In dem Moment, in dem es Aggressivität dem Judentum gegenüber gibt, umgibt sich dieses natürlich mit einem Schutzwall. „Du behandelst mich so, und ich sage Dir, das ...", und umgekehrt. Wozu dient der Dialog? Dazu, dass ein Gebet, das als universales Gebet entstanden ist, als solches auch im Bewusstsein dessen bleibt, der es betet, ohne sich in etwas anderes zu verwandeln, ohne uns auf die Füße zu treten. Denn da gibt es ein Gebet, und da gibt es den möglichen „Mehrwert" der polemischen Anspielung, der dann ausgeschaltet wird, wenn die Polemik abnimmt. 30Giorni0901GiovanniCubeddu

Bu-NavidKermani-Z  Navid Kermani        Bu-DanielDeckers    Daniel Deckers

Wende in der Religionsgeschichte: Das Kreuz und die Christen

   Sie stehen auf Gipfeln und hängen in Kirchen, schmückten auch Rüstungen und zieren noch immer die Stirnwand von Gerichtssälen: Kreuze sind das Symbol des Christentums schlechthin. Mehr noch: Sie machen dessen An- spruch sinnfällig, die gesamte Wirklichkeit unter dieses Zeichen zu stellen. Doch nicht dieser „dingliche" Charakter allein macht das Kreuz zum Gegenstand von Kontroversen jeder erdenklichen Art, darunter jüngst jener, die zu der Aberkennung des Hessischen Kulturpreises für den deutsch-iranischen Schriftsteller Navid Kermani führte. Noch anstößiger ist die Deutung, die Christen dem Kreuz beilegen, die Theologie des Kreuzes als eines Heils- zeichens. Doch ist sie zutreffend mit den Worten umschrieben, in der Person des gekreuzigten Jesus von Nazareth leide ein Mensch, um Gott zu entlasten (Kermani)?
   Ausgangspunkt ist ein Geschehen, das sich (nach heutiger Zeitrechnung) vermutlich an einem Apriltag des Jah- res 30 in der Nähe des Jerusalemer Tempelberges abgespielt hat. Mit Billigung religiöser jüdischer Autoritäten rich- teten die römischen Besatzer wieder einmal einen Juden hin. Der Mann hieß Jesus und hatte in den drei zurück- liegenden Jahren als religiöser und politischer Provokateur von sich reden gemacht. Er hatte das jüdische Sabbat- gebot gebrochen und die Reinheitsvorschriften missachtet, das jüdische Gesetz in Frage gestellt und sich mit Per- sonen umgeben, die außerhalb der kultischen und sozialen Ordnung des Judentums standen - und das alles mit dem Anspruch, das wahre Königreich Gottes aufzurichten. Dieser Anspruch kam in den Augen der jüdischen Ortho- doxie der Gotteslästerung gleich, in den Augen der römischen Besatzungsmacht politischer Subversion. So wurde Jesus als „König der Juden" hingerichtet - und das auf eine Weise, die nicht nur besonders qualvoll war, sondern als besonders unehrenhaft erscheinen sollte: Römische Bürger durften nicht gekreuzigt werden.
   Das gewaltsame Ende in Jerusalem kam für Jesus nicht unerwartet. Das allgemeine Klima war aufgeheizt, Johan- nes der Täufer hatte seine Provokationen der jüdischen Autoritäten nicht lange überlebt. Allerdings zerstörte die Kreuzigung die Hoffnung vieler seiner Anhänger. Sie sahen in Jesus den endzeitlichen Heilsbringer („Messias"), von dem die jüdischen Propheten gesprochen hatten. Folglich löste sich die Jesus-Bewegung nach dessen schmählichem Tod auf - doch nur, um sich bald neu zu formieren und die Juden mit der Überzeugung zu provo- zieren, dass der Gekreuzigte wirklich der Messias gewesen sei. Das Paradoxe dieser Behauptung war ihnen wohl bewusst. Ein Jude namens Saulus, der die (bald) sogenannten Christen bekämpft und dann die Seiten gewechselt hatte, schrieb unter dem Namen Paulus an die sich neu bildende Gemeinden im griechischen Korinth, die Behaup- tung, dass Gott den scheinbar Verfluchten nicht im Tod gelassen, sondern ihn „über alle erhöht" habe, sei für die Juden ein Ärgernis und für die Heiden eine Torheit. Damit sind die bis heute vorherrschenden Motive der Ableh- nung der Kreuzestheologie benannt: Gotteslästerung, Idolatrie, Ideologie.
   Religionsgeschichtlich ist allein schon die Denkmöglichkeit ohne Parallele, dass sich in dem Tod eines Menschen am Kreuz Gott offenbaren könne. Sie war und ist vielmehr allen Vorstellungen des„Göttlichen" diametral entgegen- gesetzt. Plausibel wird das Geschehen am Kreuz allenfalls als Radikalisierung einer in vielen Weltreligionen ver- breiteten Vorstellung, der Mensch könne seine schuldhaft gestörte Beziehung zu Gott wiederherstellen, indem er Sühne leiste und Opfer darbringe. Doch genau diese Deutung kann in der christlichen Theologie keine Geltung be- anspruchen. Joseph Ratzinger - Papst Benedikt XVI. - sprach 1969 von einer „Wende, die das Christentum in die Religionsgeschichte getragen hat". Nicht die Menschen müssten Gott versöhnen, vielmehr habe Gott in Christus die Welt mit sich versöhnt: „Gott wartet nicht, bis die Schuldigen kommen und sich versöhnen, er geht ihnen zuerst entgegen und versöhnt sie. Darin zeigt sich die wahre Bewegungsrichtung des Kreuzes." Freilich steht diese Interpretation in einer nicht einfach aufzulösenden Spannung zu den ältesten Deutungen des Todes Jesu als eines stellvertretenden Sühnetods zum Heil des Menschen. Sie knüpften an die alttestamentliche Prophetie des leidenden Gottesknechtes an, der „sein Leben in den Tod dahingab und unter die Übeltäter gezählt ward, da er doch die Sünden trug und für die Schuldigen eintrat" Jesaja 53. Indes hat Jesus nach allem, was man den Tex- ten des Neuen Testaments entnehmen kann, die Titel „Gottesknecht", „Messias" oder „Gottessohn" selbst nicht für sich in Anspruch genommen. Die Evangelien lassen aber keinen Zweifel daran, dass das Leben Jesu alle Züge des den Sündern heilbringenden und für „die vielen" leidenden Gottesknechts aufwies. „So ist Jesus in seinem Le- ben und Sterben der Mensch für die anderen. Dieses Für-die-anderen-Sein macht sein tiefstes Wesen aus, denn darin ist er die Person gewordene Liebe Gottes zu den Menschen", formulierte der heutige Kurienkardinal Walter Kasper vor Jahrzehnten. Noch einmal Ratzinger: „Das konstitutive Prinzip des Opfers ist nicht die Zerstörung, sondern die Liebe. Und nur insofern sie aufbricht, öffnet, kreuziget, zerreißt, gehört auch dieses mit zum Opfer: als die Form der Liebe in einer von Tod und Selbstsucht gezeichneten Welt." Diesem rational nicht ableitbaren Para- dox haben Christen schon immer in unterschiedlichen Glaubensformeln und Sprachspielen Ausdruck zu geben versucht. Nicht immer waren sie sich auch der Grenzen ihrer Reichweite bewusst. Rückblickend scheinen einige das Mysterium des Kreuzes eher verdunkelt als erhellt zu haben.
   Umgekehrt kommt vor allem Martin Luther und der reformatorischen Theologie das Verdienst zu, die „theologia crucis" und im Zusammenhang damit die Rechtfertigung des Sünders aus Gnade wieder in das Zentrum der Theologie gerückt zu haben. Als abwegig erscheinen aber auch Spielarten der Frömmigkeit, in denen Schmerz und Leid gleichsam als gottgewollt verherrlicht wurden, und Auffassungen des christlichen Kultes, wonach die Men- schen die „Opfernden" sind und nicht Gott an den Menschen handelt.
   Von Verzerrungen und problematischen Deutungen fast zwangsläufig nicht frei sind auch die christliche Ikono- graphie und die bildende Kunst, die sich des Geschehens am Kreuz öfter angenommen hat, als jeder anderen der biblischen Überlieferung. Doch auch kein einziges Bild kann die Glaubenserfahrung einholen, die Paulus in die Worte kleidete, Jesus sei der Sohn Gottes, „der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat". FAZ0905
28DDeckers

kipRobertSpaemann-x      Robert Spaemann: Gott ist kein Bigamist

   „Komm, wir gehen für unser Volk“ sind die letzten überlieferten Worte der Philosophin und Karmeliternonne Edith Stein zu ihrer Schwester Rosa, als die beiden in Holland zum Transport nach Auschwitz abgeholt wurden. Das Wort wurde seither oft zitiert, aber in der Regel ohne Kenntnis, was das „für“ eigentlich meinte. Was es meinte, erfährt man aus dem Testament Edith Steins von 1939. Ihren gewaltsamen Tod vorausahnend, schreibt sie, sie gebe ihr Leben „zur Sühne für den Unglauben des jüdischen Volkes“.
   Dazu muss man wissen, dass für Edith Stein die Konversion zum Christentum zugleich die Wiederentdeckung ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Volk  und eine tiefe Solidarisierung mit diesem bedeutete. Das Bekenntnis zu Jesus Christus war für sie (ebenso wie später für den nachmaligen Erzbischof von Paris, Kardinal Lustiger) die Erfüllung der jüdischen Bestimmung.
   Alles falsch - erklärt uns nun, einige Jahre nach Kardinal Lehmann, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken in einer Broschüre, die den Titel trägt: „Nein zur Judenmission - Ja zum Dialog zwischen Juden und Christen“. Kardinal Lehmann wollte die beiden genannten großen Gestalten christlicher Juden noch als Ausnahmen gelten lassen, während der normale Heilsweg der Juden (im Unterschied zu dem aller übrigen Menschen) nicht über Jesus gehe. Das ZdK geht den Weg konsequent zu Ende. Es gibt also danach nicht mehr, wie es die Apostel und mit ihnen die ganze christliche Tradition sahen, das eine Bundesvolk Israel, das sich in Christus nun für alle Völker öffnet und zur „Kirche aus Juden und Heiden“ wird.
Christliches Gebet für die Juden?
   Die Kirche braucht angeblich die Juden nicht mehr. Sie ist zur Heidenkirche geworden und soll nun nichts anderes mehr sein wollen. Verschwinden muss nicht nur „Judenmission“, was immer das heißen mag, die Christen müssen auch aufhören, den Juden im Gebet das Beste zu erbitten, was jeder Christ seinem Nächsten erbitten kann: die Erkenntnis Jesu als seines Erlösers. Juden brauchen keinen Erlöser, lesen wir in der Broschüre. Das muss also wohl heißen, dass sie den „Gottesknecht“ des Propheten Jesaja an die Christen abgetreten haben, die ihre Deu- tung des Todes Jesu als eines erlösenden Sühnetodes vor allem dem Gottesknechtlied des Jesaja verdanken, das sie an jedem Karfreitag lesen und in dem es heißt: „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen, ... auf dass wir Frieden hätten. Und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Man muss den Anlass zu der Broschüre verstehen. Im Jahre 1989, als Reaktion auf die illegalen Priesterweihen des Erzbischofs Lefebvre und das damals entstan- dene Schisma, ersuchte Papst Johannes Paul II. die Bischöfe der Welt um großherziges Entgegenkommen gegen- über den Gläubigen, die um die Feier der Messe in der Form des Missale von Papst Johannes XXIII. aus dem Jahr 1962 baten. Diese „alte Messe“ enthielt am Karfreitag im Rahmen der großen Fürbitten auch ein Gebet für die Juden, an dem Johannes XXIII. nur eine kleine Korrektur vorgenommen hatte: Aus der Aufforderung, für die „untreuen Juden“ zu beten, wurde das Wort „untreu“ gestrichen. Das Gebet selbst blieb unverändert. Es enthält die (paulinische) Bitte um Wegnahme des „Schleiers von ihrem Herzen“, der sie hindert, in Jesus ihren Messias und Erlöser zu erkennen.
In Korrektur: die „alte Messe
   Man kann aus dem Text des Gebetes einen gewissen diskriminierenden Ton heraushören. Johannes Paul II. sah dennoch bei der Wiederzulassung der alten Messe keinen Grund, den Text zu ändern. Erst Benedikt XVI. ging in der Liberalisierung einen Schritt weiter und gab den Gläubigen einen Rechtsanspruch auf die Feier in der „außer- ordentlichen Form“. In diesem Zusammenhang formulierte er die Fürbitte für die Juden neu. Sie ist nun in einem brüderlichen Ton gehalten: „Lasst uns auch beten für die Juden, dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als Retter aller Menschen erkennen.“ Die Formulierung macht die eschatologische Dimen- sion der Bitte deutlich: Nach Paulus wird Gott sie spätestens erhören, wenn „die Fülle der zur Bekehrung berufe- nen Heiden (der Völker)“ eingetreten ist.
   Dass ausgerechnet diese ganz und gar israelfreundliche Korrektur eine breite publizistische Kritik auslöste, der sich sogar der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und - natürlich - das Zentralkomitee der deutschen Katholiken anschloss, ist schwer begreiflich. Gegen Johannes XXIII. und gegen Johannes Paul II. wurde eine sol- che Kritik wegen ihres Festhaltens am früheren Text nie erhoben. Was die Kritiker nun fordern, ist die Ersetzung des Gebetes in der „alten Messe“ durch das Fürbittgebet der neuen Liturgie Pauls VI. - und zwar deshalb, weil in diesem Gebet der Name Jesus gar nicht mehr vorkommt. Das soll den Text auch für Juden akzeptabel machen, an die doch diese Bitte gar nicht gerichtet ist und die für sie auch nicht verantwortlich sind.
   Dass es absurd ist, Papst Benedikt XVI. dieses Gebet vorzuwerfen, schrieb bereits vor einem Jahr der hoch- angesehene New Yorker Rabbiner Jacob Neusner, der darauf hinwies, dass doch die Juden selbst in ihrer Liturgie täglich für die Bekehrung aller Nichtjuden beten. „So wenig wie das Christentum und der Islam Anstoß am israeli- tischen Gebet nehmen, sollte auch das heilige Israel keinen Einwand gegen das katholische Gebet erheben. Beide Gebete ... erfassen die Logik des Monotheismus und seine eschatologische Hoffnung.“
Lesen Sie mehr dazu >Juden
Dialog oder Mission?
  Die Thesen der von Juden und Christen gemeinsam verfassten Broschüre sind, kurz gefasst, folgende. Erstens: Die Karfreitagsbitte legt es nahe, dass die Kirche „Judenmission“ für möglich hält, wie sie heute zum Beispiel von den „messianischen Juden“ in Israel praktiziert wird. Zweitens: Versuche, Juden von der Messianität Jesu zu über- zeugen, sind zu missbilligen. Es gibt keinen Auftrag Jesu, Juden zum Glauben an ihn und zur Taufe zu bewegen. Drittens: Es gibt eine mit anderen interreligiösen Beziehungen unvergleichbare Beziehung zwischen Christentum und Judentum. Beide beruhen auf göttlicher Offenbarung. Bezüglich des Alten Testaments glauben das beide; bezüglich des Neuen nur die Christen selbst.
   Viertens: Neben dem „Bundesvolk“ Israel gibt es nach christlichem Glauben ein zweites, das Volk Gottes aus den Völkern, das heißt den Nichtjuden. Der neue Bund ersetzt nicht den alten, sondern tritt als ein zweiter Bund neben diesen. Fünftens: Beide sind vollgültige, von Gott gewollte Heilswege. Für Juden gibt es keinen Grund, an Jesus zu glauben und sich taufen zu lassen. Sechstens: Die Vereinigung beider Wege mag, wie Paulus denkt, am Ende der Zeiten geschehen. Bis dahin sollen sie getrennt bleiben. Die Erwartung von Christen, dass Juden schon heute Jesus als den Christus, das heißt den Messias anerkennen, würde „die Basis für den katholisch-jüdischen Dialog zerstören“. Siebtens: Dialog zwischen Juden und Christen soll stattfinden. Christen sollen in diesem Dialog ihren Glauben bezeugen, aber ohne den Partner von der Wahrheit dieses Glaubens überzeugen zu wollen, denn das wäre „Mission“ und deshalb verwerflich.
Nur ein Volk Gottes
   Man muss sich klarmachen, dass die Annahme der meisten dieser Thesen einen Bruch mit dem Selbstverständnis der Kirche seit den Tagen der Apostel bedeuten würde. Ich für meinen Teil könnte dieser Kirche nicht mehr an- gehören. Denn seit dem sogenannten Apostelkonzil versteht sich die Kirche als Kirche aus Juden und Heiden seit Jesus, wie Paulus schreibt, durch sein Kreuz den Zaun zwischen Juden und Heiden niedergerissen hat. Daran än- dert auch die Tatsache nichts, dass mit dem Verschwinden des Judenchristentums als eigener Gruppe in der Kirche unter dem Druck von Byzanz und dem Islam die christliche Kirche phänotypisch zur Heidenkirche geworden ist.
   Das ist aber für Christen nicht, wie die Broschüre suggeriert, ein Idealzustand. Die israelischen Judenchristen dringen auf eine Wiederherstellung der „ecclesia ex circumcisione“. Das Zweite Vatikanische Konzil, so heißt es in der Broschüre, „bekennt ..., dass die Kirche mit dem Stamm Abrahams geistlich verbunden“ ist. Die katholische Liturgie (sowohl in der alten wie in der neuen Form) geht aber weit darüber hinaus. Sie spricht nicht von Verbundenheit, sondern von Identität. In der Osternacht, der Taufnacht, spricht sie davon, dass in dieser Nacht Gott „unsere Väter, die Kinder Israels“, trockenen Fußes durch das Rote Meer geführt hat. Sie dankt Gott, dass er durch die Taufe „den Abraham zum Stammvater vieler Völker macht“, und wenn sie bittet, dass die Fülle der ganzen Welt Teil gewinne „an der Kindschaft Abrahams und an der Würde Israels“, dann wirkt das, was das Konzil hierzu zu sagen hat, eher blass. Jedenfalls ist der Gedanke von zwei Bundesvölkern dem Neuen Testament vollkommen fremd. Es gibt nur das eine Volk Gottes, dessen „geborene Mitglieder“ die Juden und dessen adoptier- te Mitglieder die Heiden sind.
Plätze für Juden freihalten
   Dieses Volk Gottes wird von Paulus mit dem Ölbaum verglichen, dem die Heiden als wilde Schösslinge ein- gepfropft werden, während die Juden die „natürlichen Zweige“ sind, über die die Heidenchristen sich nicht erheben dürfen. Die Erklärung zitiert diese Stelle auch, aber ohne den Kontext. Paulus sieht nämlich in dem „Unglauben“ der Juden die historische Voraussetzung für die Berufung der Heiden und bezeichnet die nicht an Jesus glaubenden Juden als Zweige, die von dem einen Ölbaum ausgebrochen sind und so Platz für die neuen Zweige gemacht haben, die von derselben Wurzel getragen werden.
  Auch die Sünden, die Gott zulässt, haben einen providentiellen Sinn. Nirgends aber ist davon die Rede, dass Gott einen zweiten Baum gepflanzt hat. Und wenn Paulus auch in der Verblendung der Juden ein providentielles Er- eignis sieht, das bis ans Ende der Geschichte fortwirkt, so tut er doch alles, was er kann, „um wenigstens einige von ihnen zu retten“. Die große Rückkehr Israels erwartet die Kirche, wiederum Paulus folgend, erst für die Zeit der Wiederkunft Christi. Und indem sie für diese Rückkehr betet, betet sie, wie seit jeher, für die baldige Wieder- kunft, deren Zeitpunkt wir ja nicht kennen. Unterdessen aber sollten eigentlich in jeder Kirche die vordersten Plätze am Sonntag für die Juden freigehalten werden.
Begründen und überzeugen
   Sie sind, wie Papst Johannes XXIII. sagte, unser „älterer Bruder“, der, wie es im Gleichnis Jesu heißt, „immer beim Vater geblieben“ ist und nun ein Problem hat, weil der Vater zur Rückkehr des verlorenen Sohnes ein Fest- mahl veranstaltet. Trotz dringlicher Bitten des Vaters will er nicht daran teilnehmen. Das Festmahl ist aber erst wirklich gelungen, wenn er daran teilnimmt. Wenn der wiedergekehrte verlorene Sohn ihm sagen würde: „Du kannst ruhig bleiben, wo du bist, das Fest ist auch ohne dich ganz schön“, dann hätte ihn der Vater wohl nicht wieder aufgenommen. Der Gedanke, das Problem durch die Gründung einer zweiten Familie zu lösen, hat mit dem Neuen Testament nichts zu tun. Das Bundesvolk wird im Alten Testament auch als Braut dargestellt und Gott als eifersüchtiger Bräutigam. Die Braut soll nicht fremdgehen. Aber auch Gott ist kein Bigamist, dem es genügt, wenn die beiden Familien „im Gespräch sind“.
   Die Broschüre will „Dialog ohne Mission“. Jeder soll seinen Glauben vor dem anderen bezeugen, ohne den an- deren überzeugen zu wollen. Petrus dagegen fordert die Christen auf, nicht einen blinden Glauben zu bezeugen, sondern „jedermann Rechenschaft zu geben über den Grund unserer Hoffnung“. Ein Grund (eine „raison“) ist etwas nur, wenn es wirklich begründet. Und wenn jemand den Grund einsieht, dann heißt das, er hat ihn über- zeugt. Der christliche Glaube hat seit jeher etwas mit Erkenntnis und mit Wahrheit zu tun. In dem letzten großen Gebet Jesu heißt es: „Das ist das ewige Leben, dass sie dich erkennen, den allein wahren Gott, und den du ge- sandt hast, Christus.“
Zu wenig Auskunft
  Zum allein wahren Gott müssen Juden nicht „bekehrt“ werden. Juden und Christen beten denselben Gott an, wenngleich Christus im Johannesevangelium sagt: „Ihr kennt ihn nicht, ich aber kenne ihn.“ Aber Christen glauben auch, dass Jesus der ist, „den du gesandt hast“, und dass, wenn Paulus schreibt, vor dem Namen Jesu müsse sich „jedes Knie beugen, im Himmel, auf Erden und unter der Erde“, er damit nicht jedes Knie, ausgenommen das der Juden, meinte. Universalistische Religionen sind in ihrem Wesen „missionarisch“. Sie würden sich aufgeben, wenn sie ihre Botschaft partikularisieren und damit relativieren würden. Auch das frühe Judentum war missionarisch und machte „Proselyten“, bis seine Mission zum Erliegen kam, in erster Linie aufgrund der christlichen „Schleuderkon- kurrenz“ - durch die Aussicht, in den Gottesbund ohne Beschneidung und ohne das Gesetz (mit Ausnahme der Zehn Gebote) eintreten zu können.
  Zum Kern des Christentums gehört der Glaube an die Auferstehung Jesu. Wenn Jesus nur „für uns“ auferstanden ist, dann heißt das: Er ist in Wirklichkeit eben nicht auferstanden. Es heißt, der Glaube glaubt nicht deshalb, weil es wahr ist; es ist nur wahr „für den Glauben“. Das ist gleichbedeutend mit der Meinung, es sei tatsächlich eben nicht wahr, sondern nur eine gläubige Fiktion.
   Der Austausch zwischen Christen und Juden hat immer schon zu vertieften Einsichten beider Partner und zu gegenseitigem Lernen geführt (zu Zeiten Rosenzweigs und Bubers mehr übrigens als heute, weil der Relativismus noch nicht alles durchdrang). „Nicht glauben, was man glaubt“, so definierte Charles Péguy den „Modernismus“. Aber das ist ein Thema für sich, ebenso wie die Begriffe „Bund“, „Bundesvolk“, „Heil“ und „Heilsweg“, die in der Broschüre ständig vorausgesetzt werden, ohne dass der Versuch gemacht wird, über ihre Bedeutung näher Auskunft zu geben. Vielleicht ist es überhaupt nur das, woran die Broschüre krankt. FAZ090520

Prof. Dr. Matthias Morgenstern:        jud-MatthiasMorgenstern-x       Gott ist kein Missionar

Christen, die Juden nicht mehr bekehren wollen, sollten davon absehen, theologische Aussagen über den Heilsweg der Juden zu treffen. Auf diesen Bund ist das Judentum nicht angewiesen.

   Michael Brenner (FAZ 28. April) hat recht: Die Bekehrung zum Christentum ist für Juden „ein negativ geprägter Begriff", weil sie, vor dem Hintergrund der geschichtlichen Erfahrung, an die mittelalterlichen Zwangstaufen und Zwangsdisputationen denken lässt und der Negierung des Judentums gleichkommt. Um wie viel mehr gilt dies nach dem Albtraum des vergangenen Jahrhunderts, in dem das jüdische Volk beinahe ausgelöscht worden wäre. Der Verzicht auf die Judenmission ist für die christliche Theologie und Kirche daher zunächst eine Frage des ele- mentaren Anstands. Zugleich zeigt Brenners Kontrahent Robert Spaemann siehe Bericht oben aber, vielleicht wi- der Willen, dass die christlichen Kirchen sich damit schwertun, ihren Verzicht auf die Judenmission, über die Frage des heute auch politisch zwingend notwendigen Miteinanders der Religionen hinaus, nach innen und außen theo- ogisch überzeugend zu begründen.
 Die üblichen Ausführungen in den diesbezüglichen Broschüren lauten, „Heidenchristen" seien nur zu den „Heiden" gesandt (die Mission unter Juden solle daher sogenannten „messianischen Juden", Judenchristen, überlassen blei- ben), man lehne die heilsgeschichtliche Aufladung der Judenmission - „wenn alle Juden Christen werden, kommt der Messias" - ab, der „Zweig" dürfe sich nach dem Pauluswort Römer 11,18 nicht über die „Wurzel" erheben, das „Machet-zu-Jüngern-alle-Völker" im Missionsbefehl Jesu schließe das jüdische „Volk" aus und so weiter; doch han- delt es sich hier eher um Verlegenheitsausflüchte, die Juden nicht zufriedenstellen können. Dies hängt damit zu- sammen, dass die Kirche ihrem Wesen nach missionarisch ist und sein muss: Christ wird man nicht durch Geburt, sondern durch den Glauben und die Taufe; beides setzt, will die Kirche sich nicht selbst aufgeben, die missiona- rische Predigt voraus.
  Die Eigenschaft des Neuen Testaments, die im neunzehnten Jahrhundert als Plausibilitätsvorteil angesehen wer- den konnte - der christliche „Universalismus", wie es damals hieß, im Gegenüber zum jüdischen „Partikularismus" -, schlägt in der Postmoderne zum Nachteil aus. Gottes Liebe gilt jedem Menschen unabhängig von seinem Tun und Lassen, seinen „Werken", einzig und allein aufgrund der Heilstat Jesu Christi: Von einer solchen Botschaft nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch-konzeptionell die Juden auszunehmen, weil ihnen das Tun der Tora „als Heilsweg" aufgegeben sei, ist für christliche Theologen aber redlicherweise nicht möglich. Dies nicht in erster Linie, weil die biblischen Aussagen es ihnen verböten, sondern weil sie von ihren Quellen her, bekenntnismäßig, nicht wissen können, was es mit dieser Tora auf sich hat. Sie können nicht wissen, wie diese Tora das Jude-Sein defi- niert, ja selbst, wie die Tora den Gottesgedanken fasst.
Die Tora und das Volk
   Hermann Cohen hat darauf hingewiesen, dass ein direkter Weg von dem „Höre Israel" aus Deuteronomium 6,4 zur christlichen Trinitätslehre führe, wenn man die Einheit Gottes - das hebräische „elohim", steht im Plural - nach dem alttestamentlichen Buchstaben interpretiert. Es muss für ihn daher die rabbinische Lehre sein, die das bibli- sche Wort von seiner „Unklarheit befreit", die postbiblische jüdische Tradition, die die „Einheit Gottes" als „Einzig- keit" festlegt und so den reinen Monotheismus begründet.
   Von dieser rabbinischen Lehre - für glaubende Juden die mündliche Tora vom Sinai - können Christen religions- kundlich Kenntnis haben, sie können sie aber nicht in dem Sinne „kennen", dass für sie bekenntnismäßige Aus- sagen über sie möglich wären. Für Christen muss der Talmud wie der Koran und das Buch Mormon als „hinzu- gekommene" Schrift erscheinen; für glaubende Juden handelt es sich aber um kein fremdes Wort, sondern um die eine Tora, in ihrer doppelten (schriftlichen wie mündlichen) Gestalt. Von ihr heißt es, dass sie bereits vor Schöpfung der Welt bestand, dass Gott mit ihrer Hilfe die Welt erschuf und dass sie auf geheimnisvolle Weise eine Einheit mit dem Volk Israel bildet. Die Verbindung der Tora mit dem jüdischen Volk wird im religionsgesetzlichen und mysti- schen Schrifttum des Judentums der vergangenen zweitausend Jahre definiert - auf eine Art und Weise, die auch für wohlmeinende christliche Theologen, die der Judenmission abschwören wollen, nicht mit Sentenzen aus dem Neuen Testament (Römer 11,26: „Ganz Israel wird gerettet werden") einzuholen ist.  Woher wollen Christen wissen, ob Juden diesen Satz des Paulus, mit dem manchmal der Verzicht auf die Judenmission begründet wird, nicht als Drohung empfinden, weil sie nach paulinischer Manier gar nicht „gerettet" sein wollen?
  Freilich ist die Beziehung des jüdischen Volkes zur Tora seit der napoleonischen Zeit in eine Krise gekommen, weil heute eine Mehrheit der Juden das „Joch" des Haltens der Gebote, zumindest im Bereich von Kult und Ritus, nicht mehr zu tragen bereit ist - bereits dies sollte es Christen verboten sein lassen, Juden die „Tora als Heilsweg" vor- zuschreiben. Der Jerusalemer Religionsphilosoph Jeschajahu Leibowitz hat von dem „metahalachischen" Problem gesprochen, das darin bestehe, dass das jüdische Volk, wie es heute faktisch existiert, nicht mehr das Volk sei, von dem die rabbinischen Texte in den 1800 Jahren von der Zerstörung des Tempels bis zur Aufklärung ausge- gangen sind.
   Wenn die halachische (religionsgesetzliche) Definition des Judentums („Wer ist ein Jude?") heute zu den unge- klärten Grundlagenproblemen der israelischen Staatspolitik gehört, so geht es nicht nur um Mischehen, Einwan- derungsrechte und das Miteinander mit den Palästinensern, sondern um die grundsätzliche Frage, welcher Instanz bei der Bestimmung der jüdischen Identität die Deutungshoheit zukommt. Die historische Dimension dieser Frage, die Kontinuität der jüdischen Existenz vom Alten Israel der Bibel über das Mittelalter bis in die Gegenwart, ist neu- erdings in Israel wieder Gegenstand erregter Auseinandersetzungen. Es gehört zu den Kuriosa dieser Debatte, dass ausgerechnet Molekularbiologen positiv beweisen wollen, was skeptische Historiker wie der Tel Aviver Histo- riker Schlomo Zand bestreiten, dessen Buch über die „Erfindung des jüdischen Volkes" unlängst ins Französische übersetzt wurde.
Der Talmud und die Kirche
  In der Beobachterperspektive mag man sich über radikale historische Thesen, die offenbar als Gegenschlag zu vergangenen zionistischen Theoriebildungen zu verstehen sind, ebenso wundern wie über Versuche, die Identität eines Volkes durch genetische Analysen zu etablieren. Unstrittig sollte aber sein, dass weder die Affirmation noch die Bestreitung der jüdischen Identität zum christlichen Glaubensbekenntnis gehören kann; dies schon deshalb, weil es sich um Fragen handelt, die - etwa im Hinblick auf die Frage des Verhältnisses der religiösen zur nationalen Komponente - innerjüdisch ungeklärt sind. Christen sollte es einleuchten, dass sie ihren Offenbarungstexten keine Informationen über das nachbiblische Judentum entnehmen können, was immer dies für die Frage der Judenmis- sion bedeuten mag.
   Was Christen aus ihrem heiligen Text über den „ungekündigten Bund Gottes mit seinem Volk" herauslesen, kann Juden nicht verpflichten, und wie jüdische Theologie nichts von „zwei Bundesvölkern" weiß, so sollte auch christli- che Theologie darauf verzichten, den Juden ungefragt eine Partnerschaft anzudefinieren. Wenn in den letzten Jah- ren Versuche unternommen wurden, aus einem Jesuswort wie Matthäus 23,2 „Alles nun, was sie [die Pharisäer] euch sagen, das tut und haltet" - ein christliches Ja zum Talmud herauszulesen, sind das anachronistische und apologetische Peinlichkeiten.
    Im Grunde handelt es sich, spiegelverkehrt, um das Problem, das sich für Christen auch im Dialog mit dem Islam auftut; dort bitten christliche Theologen ihre Gesprächspartner zu Recht darum, das Christentum so wahrzuneh- men, wie es sich (heute) selbst versteht - nicht so, wie der Koran es darstellt. Das Judentum ist eine nachbibli- sche, entwicklungsfähige und selbstbewusste (daher auch für viele Nichtjuden attraktive) Religion, die es nicht nö- tig hat, unter die Protektion christlicher Theologie gestellt zu werden - schon gar nicht, wenn dies mit Bezug auf Argumente aus dem Neuen Testament geschieht, die Juden nicht anerkennen können.
   Was die interreligiöse Konstellation anbelangt, so sind Juden in der komfortablen Position, in Bezug auf andere von ihren Offenbarungstexten her weder etwas zu „bekennen" noch missionarisch tätig sein zu müssen, was - wie erwähnt - in der Situation der Moderne freilich andere Identitätsprobleme zur Folge haben kann. Was die christliche Lehre von der bedingungslosen Annahme durch Gott anbelangt, so stellen Juden ihr „eine Religion für Erwachsene" (Levinas) gegenüber, die nicht auf Bedingungen verzichtet, sondern die Menschen mit hohen ethi- schen Anforderungen konfrontiert.
   Auf einem anderen Blatt steht, wie die Kirche ihre oftmals blutige „konstantinische" Vergangenheit verarbeitet, wie sie ihre missionarische Grundkonstitution in einer multireligiösen Welt verstehen will, in der ihr nicht einmal die „eigenen Schäfchen" sicher sind, und wie sie ihren Auftrag mit den Erfordernissen nicht nur des Anstands, sondern auch des religionspolitischen Miteinanders in Einklang bringt. Merkwürdig nur, dass Robert Spaemann nicht gese- hen zu haben scheint, dass konfessionelle Ausprägungen des Christentums, die einen positiven Traditionsbegriff haben, für die Begegnung mit nachbiblischen Religionen und für die Aufgabe einer theologischen Begründung des Missionsverzichtes möglicherweise besser gerüstet sind als der Protestantismus, der alles in seiner Bibel finden will. FAZ090527  
Matthias Morgenstern lehrt am Institutum Judaicum der Universität Tübingen.

Papst Benedikt XVI. im Heiligen Land 2009 - Fotobericht
Die Heilige Stadt der Juden, Christen und Muslime
Oded Ben-Hur: “Juden, Muslime und Christen sind Kinder desselben Gottes.”

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Der Exodus der Christen aus dem Heiligen Land

   Immer mehr Christen verlassen das Ursprungsland der Religion. Das ist besonders in Städten wie Betlehem und Nazareth zu beobachten, die der Papst besucht hat. Stellten die Christen in der Geburtsstadt Jesu am Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als 80 Prozent der Einwohner, sind es heute nach Angaben des Bürgermeisters nur noch 40 Prozent; andere sprechen sogar von 20 Prozent. In Nazaret ging ihr Anteil von 60 auf etwa 30 Prozent zurück. Verlässliche Zahlen gebe es jedoch nicht, geben Kirchenvertreter zu. Viele Christen aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen flohen in den vergangenen Jahren, weil die Lebensbedingungen angesichts israelischer Beset- zung und Abriegelung immer schwieriger wurden. Aber auch Klagen über Anfeindungen und Übergriffe durch Mus- lime häufen sich. Selbst der apostolische Nuntius Antonio Franco spricht mittlerweile von „islamischem Funda- mentalismus" als einem Grund für die Ausreise von immer mehr Christen. Schwieriger ist die Lage der Christen auch durch die neue israelische Sperranlage geworden, die auch Jerusalem von Betlehem trennt. In Betlehem und seiner Umgebung leben 70 Prozent der Christen aus den palästinensischen Autonomiegebieten, die traditionell enge Beziehungen nach Jerusalem unterhalten: Sie arbeiten dort oder suchen sich Ehepartner in der Stadt. Das hat auch Auswirkungen auf die 10.000 Christen, die (nach Schätzungen) in Jerusalem leben und zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen. Ihnen machen wie der restlichen palästinensischen Bevölkerung die Wohnungsnot und das Fehlen von Arbeitsplätzen zu schaffen. Dass die Zahl der Christen rückläufig ist, liegt aber auch daran, dass sie eine niedrigere Geburtenrate als andere Bevölkerungsgruppen aufweisen. Relativ stabil ist dagegen der Anteil der christlichen Staatsbürger Israels, deren Zahl das Statistikamt mit 150.000 angibt. Sie sind dabei eine doppelte Minderheit:  Insgesamt machen die israelischen Araber 20 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Die allermeisten davon sind Muslime, nur acht Prozent Christen. FAZ090504her

Daniel Deckers   Bu-DanielDeckers                Oded Ben-Hur   Jud-OdedBen-Hur-x

In Israel geht es den Christen gut"
Daniel Deckers im Gespräch mit Oded Ben-Hur, ehemaliger israelischer Botschafter beim Heiligen Stuhl

Exzellenz, während Ihrer Zeit als Botschafter des Staates Israel beim Heiligen Stuhl zwischen 2003 und 2008 haben Sie die letzten Jahre des Pontifikats von Johannes Paul II. und die ersten Jahre des Pontifikats von Benedikt XVI. erlebt. Worin stimmen beide Päpste in ihrer Haltung gegenüber dem Staat Israel und dem Judentum überein, worin unterscheiden sie sich?
   Papst Benedikt steht ohne Zweifel in der Kontinuität einer Entwicklung, die sein Vorgänger Johannes Paul II. in die Wege geleitet hat. Begonnen hatte diese Entwicklung mit dem Besuch Johannes Pauls II. in Auschwitz im Jahr 1979, es folgten der Besuch in der römischen Synagoge im Jahr 1986, bei dem der Papst von den Juden als den „älteren Brüdern im Glauben" sprach, und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Staaten im Jahr 1993. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des Papstes im Heiligen Land im Jahr 2000. Mit Kardinal Ratzin- ger habe ich oft unter vier Augen gesprochen, ehe er im April 2005 zum Papst gewählt wurde. Seither hat er die- sen Weg "konsolidiert und vertieft: Während seiner ersten Auslandsreise im Sommer 2005 zum Weltjugendtag nach Köln besuchte er dort die Synagoge, die in der „Kristallnacht" 1938 zerstört worden war. Ein Jahr später be- suchte auch er Auschwitz, wo Millionen Mitglieder meines Volkes zu Asche verbrannt wurden. Ich habe schon damals den Eindruck gewonnen, dass Benedikt wie sein Vorgänger fest entschlossen war, um die schrecklichsten Orte der jüdischen Geschichte keinen Bogen zu machen. Mit seinem Besuch in Israel wird der Papst nun diesen Kreis schließen.
Haben die Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan dadurch eine neue Qualität bekommen, dass das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche ein Deutscher ist?
   Als Deutscher hat Benedikt XVI. den Holocaust verinnerlicht und trotz der theologischen Differenzen kaum eine Gelegenheit ausgelassen, das Gespräch mit den Juden zu suchen und zu vertiefen. Er ist bis heute der Über- zeugung von dem „brüderlichen Verhältnis" von Juden und Christen treu geblieben, die er in der Kölner Synagoge in die Worte gekleidet hatte, es gebe ein „reiches gemeinsames Erbe und ein wachsendes Vertrauen".
   Nach der Abfassung einer neuen Karfreitagsfürbitte für den „tridentinischen Ritus" im vergangenen Jahr und der Aufhebung der Exkommunikation des den Holocaust leugnenden Traditionalisten-Bischofs Williamson musste sich Benedikt XVI. zahlreicher Vorwürfe erwehren, er distanziere sich nicht eindeutig von kirchlichem Antijudaismus und politischem Antisemitismus.
   Es wäre nicht fair, das jüdisch-christliche Verhältnis nur durch die Brille des Falls Williamson oder der für einen ganz kleinen Kreis von Gläubigen bestimmten Karfreitagsfürbitte zu betrachten - auch wenn man sagen muss, dass es im Vatikan in beiden Fragen an der nötigen Sensibilität gefehlt hat. Das Gesamtbild ist aber nach wie vor stimmig. Kein Williamson - und ich fürchte, es gibt viele Williamsons in der Welt und auch auf den unteren Ebenen in der Kirche - wird das Fundament des jüdisch-katholischen Verhältnisses ins Wanken bringen.
Was veranlasst Sie zu dieser Einschätzung?
  Das Fundament des jüdisch-christlichen Verhältnisses ruht auf zwei Säulen: der Konzilserklärung „Nostra aetate" und der Lehre der beiden Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Darauf aufbauend, spielt sich der Dialog zwischen der jüdischen und der katholischen Welt mittlerweile auf drei Ebenen ab: Es gibt den interreligiösen Dialog, der sehr gut vorangeht, es gibt politische Kontakte zwischen Israel und dem Vatikan, und es gibt eine enge Zusammenarbeit von jüdischen und katholischen Organisationen im Kampf etwa gegen Aids in Afrika oder Armut in Südamerika. Das nächste Ziel sollte es sein, die Sensibilität für das besondere jüdisch-katholische Ver- hältnis auch auf den unteren Ebenen der Kirche zu erhöhen.
Welche Themen werden im Mittelpunkt der Gespräche zwischen der israelischen Regierung und dem Papst stehen?
   In den Verhandlungen über den finanziellen Status kirchlicher Einrichtungen in Israel sind große Fortschritte er- zielt worden. Es könnte sein, dass während des Papstbesuches ein Übereinkommen erzielt wird, das diese Probleme zwar noch nicht in allen Details, aber im Grundsatz löst. Zweitens sollte der Besuch des Papstes in eine Verbesserung der politischen Beziehungen zwischen dem Staat Israel und dem Vatikan münden, die regelmäßige politische Gespräche und wechselseitige Besuche ranghoher Delegationen einschließt. Ein drittes Thema hängt mit dem Charakter der Reise des Papstes zusammen. Der Papst kommt als Pilger, um die Katholiken, aber auch die Christen anderer Konfessionen in Israel im Glauben zu bestärken. Die israelische Regierung kann dieses Vorhaben nur gutheißen. Das Wohlergehen der Christen im Heiligen Land ist unlösbar mit dem Wohlergehen des Staates Israel verbunden: Nur ein starker und sicherer Staat Israel kann die Sicherheit und das Wohlergehen dieser Ge- meinschaft garantieren.
Als Sie im Juni 2003 Johannes Paul II. Ihr Akkreditierungsschreiben überreichten, beklagte der Papst in sei- ner Ansprache zahlreiche Schwierigkeiten der Christen im Heiligen Land, darunter Behinderungen des Zu- gangs zu christlichen Wallfahrtsorten oder heiligen Stätten. Zudem sprach er von der „Isolation und Not christlicher Gemeinden" und verwies auf den Schwund der christlichen Bevölkerung infolge der Auswan- derung Hunderttausender Christen. Hat sich die Lage der Christen im Heiligen Land in den vergangenen Jahren verbessert?
   Ich halte Aussagen wie diese für unfair, wenn nicht zwischen der Lage der Christen in Israel und in den palästinensisch verwalteten Gebieten unterschieden wird. In Judäa und Samaria, aber auch im Gazastreifen ist die Situation vieler Christen beklagenswert. Von dort sind in der Tat Hunderttausende Christen ausgewandert. Die Situation der Christen auf dem Boden des Staates Israel lässt sich damit nicht vergleichen. In Israel geht es ihnen gut.
Johannes Paul II. sprach im Jahr 2003 aus Anlass Ihrer Akkreditierung im Vatikan von dem Recht jedes Vol- kes auf ein Leben in Sicherheit und auch darauf, sich gegen Terrorismus zu verteidigen. Allerdings müsse sich jeder Staat in Ausübung dieses Rechts bei der Wahl sowohl der Ziele als auch der Mittel an moralische und rechtliche Regeln halten. Diese Mahnung scheint angesichts des Gaza-Krieges zu Beginn dieses Jahres nichts an Aktualität verloren zu haben.
   Auch in diesem Fall muss ich dringend davor warnen, einzelne Bilder und Beschreibungen aus dem Zusammen- hang zu reißen. Johannes Paul II. war von der Notwendigkeit des Dialogs überzeugt, koste es, was es wolle. Für ihn war Dialog ein magisches Wort. Benedikt ist etwas zurückhaltender. Für ihn hängt ein Dialog an bestimmten Voraussetzungen, etwa an dem Verzicht auf Gewalt. Auf diesem Standpunkt stehen auch wir. Israel hat sich einseitig aus dem Gazastreifen zurückgezogen, Ministerpräsident Scharon hat dafür seine politische Karriere riskiert. Die Antwort der Palästinenser bestand schon bald nur noch aus Raketen, Bomben und Selbstmord- attentätern, die es auf die Tötung Unschuldiger abgesehen haben. Daran müssen und werden wir die Palästi- nenser hindern, so gut es geht, auch wenn die Weltöffentlichkeit uns und nicht die Hamas an den Pranger stellt.
Johannes Paul II. verlangte 2003 von beiden Seiten „eindeutige Zeichen für ihr entschlossenes Engagement" zur Erreichung eines friedlichen Miteinanders. Was tut Israel, was die Palästinenser nicht tun?
   Jassir Arafat hat im Jahr 2000 im letzten Moment eine Zwei-Staaten-Lösung verworfen. Heute käme man mit zwei Staaten nicht mehr aus: Die gemäßigten Palästinenser der Fatah und die radikale Hamas können, wie sich im Gazastreifen gezeigt hat, nicht friedlich zusammenleben. Unsere Hand bleibt ausgestreckt. Auch viele Palästi- nenser wollen den Frieden, selbst die Fatah-Bewegung. Dafür werden sie von ihren eigenen Leuten, die niemals Frieden mit Israel wollen, terrorisiert.
Der neue israelische Außenminister Lieberman gilt ebenfalls nicht als Befürworter einer Zwei-Staaten-Lö- sung. Wie lange wird sich die Spirale von Gewalt und Gegengewalt noch drehen?
   Der Charakter des Nahost-Konflikts hat sich in den zurückliegenden Jahren in einem entscheidenden Punkt verändert: Ursprünglich hasste man uns, weil wir vor sechzig Jahren gewissermaßen aus dem Nichts aufgetaucht sind und uns hier niedergelassen haben. Mittlerweile geht es nicht mehr um historisch-politische Fragen, sondern um religiöse. Mitte der neunziger Jahre tauchten islamische Extremisten auf, die die Samen einer Kultur des Todes ausgesät haben: Israelis müssen sterben, damit Allah geehrt wird. So wurde uns auch der jüngste Krieg im Gaza- streifen aufgezwungen, wie alle anderen. Wir haben ihn nicht begonnen, und wir haben auch nichts gegen andere Religionen als solche. Juden, Muslime und Christen sind Kinder desselben Gottes.
Was erwarten Sie sich in diesem Konflikt von der katholischen Kirche?
   Die katholische Kirche ist mit mehr als 1,2 Milliarden Mitgliedern eine Weltmacht. Wir hoffen, dass die Kirche von diesen Einflussmöglichkeiten Gebrauch macht und für das Existenzrecht Israels in sicheren Grenzen eintritt. Ich hoffe aber auch darauf, dass der Papst während seines Besuches in der Region sich mit einem Appell an alle Christen wenden  und sie zu einer Reise in das Heilige Land auffordern wird. Damit würde der Papst mehr als nur ein psychologisches Signal aussenden, dass die Christen in der Region nicht vergessen sind. Denn wenn nur jeder tausendste Katholik auf der Erde dem Aufruf des Papstes folgte, kämen in jedem Jahr mehr als eine Million Pilger zusätzlich in die Region, und alle würden davon profitieren: Christen und Juden, Israelis, Palästinenser und Ara- ber. Ebenso wünschenswert wäre es, wenn katholische Unternehmer in der Region investierten. Wenn in den Palästinensergebieten, in denen in fünf Jahren Intifada die Wirtschaft zerstört wurde, neue Arbeitsplätze entstün- den, würde auch dem Extremismus ein Teil des Nährbodens entzogen.
Der Besuch des Papstes stand lange Zeit unter dem Vorbehalt der nicht in allen Details geklärten Rolle von Papst Pius XII. während des Zweiten Weltkriegs. In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem wird der Papst unter anderem bezichtigt, selbst dann nicht für die Juden eingetreten zu sein, als sie von Rom nach Auschwitz deportiert wurden. Ist die Kontroverse über diese Einschätzung inzwischen beigelegt?
   Ich bin nicht Historiker und möchte in dieser Frage kein Urteil abgeben. Allerdings scheint die Kirche inzwischen verstanden zu haben, wie komplex dieser Sachverhalt ist. So war es möglich, dieses Problem gemeinsam so zu umgehen, dass der Papst in Yad Vashem nicht das gesamte Museum, sondern nur die Halle der Erinnerung be- suchen wird.
Wie steht die israelische Regierung den Plänen gegenüber, Pius XII. seligzusprechen?
   Das brüderliche Verhältnis, das uns mit den Christen verbindet, verlangt in diesem Fall das Gleiche wie im Fall Williamson: Sensibilität. Noch immer sind Zehntausende Überlebende des Holocaust am Leben. Deren Erinnerung an diese Zeit lässt sich nicht ignorieren: dass es im Ganzen an einem unzweideutigen Einsatz der katholischen Kirche für die verfolgten Juden gefehlt hat. Zweitens ist zu sagen, dass die Archive, die über das Wirken des Papstes während des Zweiten Weltkriegs und in den Jahren danach Auskunft geben, erst in einigen Jahren der Forschung und der Öffentlichkeit in vollem Umfang zur Verfügung stehen. Bis dahin steht jedes Urteil über Pius XII. unter dem Vorbehalt, von Fakten widerlegt werden zu können. Sollte dieser Papst einer Seligsprechung würdig sein, so wird er das auch noch in einigen Jahren sein. Mir schiene es das Weiseste zu ein, mit endgültigen Fest- legungen so lange zu warten, bis die Archive allen Interessierten zugänglich sind und ein Konsens über das Wirken des Papstes erzielt werden kann. FAZ090509DanielDeckers.

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Schalom, Heiliger Vater!  - Ein Willkommensgruß jüdischer Rabbiner an Papst Benedikt XVI.
Foto: jüdisches Oberrabinat Isral      DT090503

   Die israelische Tageszeitung „Haaretz" veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom 11. Mai eine Anzeige, in der jüdische Rabbiner und einige Laien Papst Benedikt XVI. im Heiligen Land willkommen heißen. Die amerikanische Stiftung Pave the Way hat dieses Projekt durch ein Rundschreiben unterstützt. Bisher haben 160 Rabbiner aus den Vereinigten Staaten und Israel sowie einige jüdische Laien unterschrieben. Wir veröffentlichen den Anzeigentext in einer leicht gekürzten Fassung:
   „Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegen- seitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist." Nostra aetate, Zweites Vatikanisches Konzil, 1965
   An Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI.:
  In diesem Geiste heißen wir - die Rabbis und jüdischen Führer - Sie und Ihre Friedensmission in Israel herz- lich willkommen. Mit einer Stimme engagieren wir uns gemeinsam für den interreligiösen Dialog, sowie dafür, mehr Wege zu immer größerem Verständnis zu öffnen und stets die wichtige Beziehung zwischen Katholiken und Juden auf der ganzen Welt zu würdigen und zu stärken.
   Und wo könnte man diese Beziehung besser erneut bezeugen als im Heiligen Land Israel, einem Ort, den beide Religionen als Teil eines gemeinsamen Erbes schätzen. Der Friede sei mit Ihnen: B'schalom!

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Papst besucht Nahen Osten  Foto: Delegation der Rabbinats Israel im Vatikan

   Papst Benedikt XVI. will mit seiner bevorstehenden Nahostreise den Friedensprozess stärken und die Christen in der Region ermutigen. „Auf den Spuren meiner Vorgänger Paul VI. und Johannes Paul II. werde ich zu den wichtig- sten Stätten unseres Glaubens pilgern", sagte er am Sonntag beim Mittagsgebet in Rom. Der Papst reist vom 8. bis 15. Mai in den Nahen Osten. Nach den Worten des deutschen Kurienkardinals Walter Kasper tritt der Vatikan für eine Zwei-Staaten-Lösung im Heiligen Land ein. Der Papst sagte, er komme als „Pilger des Friedens" nach Jordanien, Israel und in die Palästinensergebiete. HAZ090504epd

Papst: „Komme als Pilger des Friedens“   B-375xx

   Papst Benedikt XVI. freut sich auf seine Reise ins Heilige Land. Das sagte er bei seiner Generalaudienz. Mit einer Radio- und Fernsehbotschaft wandte er sich vom römischen Petersplatz aus an die Menschen in Jordanien, Israel und Palästina, die er jetzt besuchen wird.
   „Ich bin gespannt darauf, euch zu treffen und mit euch eure Wünsche und Hoffnungen, aber auch Schmerzen und Kämpfe zu teilen. Ich komme als ein Pilger des Friedens. Meine erste Absicht ist es, die Heiligen Stätten Jesu zu besuchen und dort um Frieden und Einheit für eure Familien zu beten und für alle, denen das Heilige Land und der Nahe Osten eine Heimat sind. Unter den vielen religiösen und anderen Begegnungen, die im Lauf der Reise- woche stattfinden werden, sind auch Treffen mit Vertretern der islamischen und der jüdischen Gemeinschaften, mit denen in Dialog und kulturellem Austausch große Fortschritte erreicht worden sind. Ganz besonders herzlich grüße ich die Katholiken der Region und bitte euch, mit mir darum zu beten, dass die Reise viele Früchte tragen möge für das spirituelle und alltägliche Leben aller Einwohner des Heiligen Landes. Lasst uns alle Gott preisen für seine Güte! Lasst uns alle Menschen der Hoffnung sein und standhaft in unserem Wunsch und Wirken für den Frieden!“ Rv090507

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Erzbischof Werner Thissen, Hamburg Foto oben: Papst Benedikt erwarten zwiespältige Situationen

   Papst Benedikt XVI. reist vom 8. bis 15. Mai in das Heilige Land. Stationen seiner Reise werden Jordanien, Israel und das Westjordanland sein. Das Programm dieser Reisewoche ist so dicht wie noch auf keiner der bisherigen Reisen Papst Benedikts. So wie ich es wahrnehme, wird diese Reise von vielen Seiten sehr begrüßt und ge- wünscht. Sicher auch deswegen, weil die politische und religiöse Situation im Nahen Osten höchst sensibel ist und dringend auf Lösung wartet.
   Wir blicken von Deutschland aus auf diese Reise auch unter dem starken Eindruck der Auseinandersetzung um die unsägliche Holocaust-Leugnung des Traditionalistenbischofs Williamson. Die Bearbeitung dieses Konflikts in den letzten Wochen hat deutlich gemacht, wie tragfähig die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem Judentum in Wirklichkeit sind. Auf allen Ebenen - lokal, national und international - gibt es gute Kontakte, die es möglich gemacht haben, die entstandenen Spannungen zu entschärfen. Ich bin überzeugt davon, dass die Reise des Papstes nach Israel diese guten Beziehungen weiter stärken wird.
   Natürlich wird in Israel auch genau gesehen, dass es ein Deutscher ist, der als Papst das Land besucht. Papst Benedikt XVI. ist sich dieser Dimension seiner Reise sehr bewusst. Ich bin ihm persönlich dankbar dafür, dass er die Herausforderung annimmt. Bereits am ersten Tag seines Israel-Aufenthalts wird der Papst die Gedenkstätte Jad Vaschem besuchen und der Ermordeten gedenken. Erinnern wir uns an seine bewegenden Worte und an seine persönliche Erschütterung anlässlich seines Besuches im Vernichtungslager Auschwitz.
   „Der Papst wird auf dieser Reise zwischen  allen  Stühlen  sitzen", warnen einige. Und tatsächlich wird er bei seinen vielen Besuchen in Israel und Palästina in zwiespältige Situationen geraten. Hinzu kommt, dass der Papst in ein Gebiet reist, wo mehr als anderswo alles Politische auch religiöse Seiten hat und alles Religiöse politische Seiten.
   Auch die wichtige interreligiöse Seite ist ja nicht frei von Politik. In Jordanien wird Benedikt XVI. eine Moschee besuchen und dort, wie auch in Jerusalem, muslimische Religionsführer treffen. Das sind weitere wichtige Schritte im christlich-muslimischen Dialog. Und ich wünsche mir, dass es von dort aus eine Botschaft geben wird, die den Beitrag der Religionen für ein friedliches Zusammenleben der Völker betont. Der Nahe Osten braucht eine solche Botschaft des Friedens ganz besonders.
   Ganz wesentlich wird es auf dieser Reise für den Papst sein, einen guten Ausgleich zwischen den Begegnungen mit Juden und Muslimen und den Begegnungen mit Christen zu finden. In Israel sind die Christen eine kleine Minderheit unter der jüdischen Mehrheit. In den Palästinensergebieten, wo sie vor allem leben, sind sie eine kleine Minderheit, unter der muslimischen Mehrheit. Auch sie erwarten eine Bestärkung durch den Papst. Und die benötigen sie auch, wie ich auf meinen eigenen Nahost-Reisen eindringlich erfahren habe. Weil sie Araber sind, aber nicht Muslime, sind ihre Lebensbedingungen angesichts der Radikalisierung in Gaza auf vielfältige Weise problematisch geworden.
   Mit Sorge sehe ich, dass viele junge Christen auswandern, weil sie meinen, in ihrer Heimat keine Zukunfts- perspektive zu haben. Ich hoffe deshalb, dass die Reise des Papstes dazu beitragen wird, ihre Lebensmöglich- keiten zu verbessern.
   Die Beziehungen zum Judentum, zu Israel und Palästina, der Nahost-Konflikt, der Dialog mit dem Islam, die Lebensbedingungen der Christen im Heiligen Land: Viele Themen von höchster Bedeutung erwarten den Papst auf seiner Reise. Wie wird er sich diesen Themen stellen? Wie wird er die Begegnungen gestalten?
   Ich bin überzeugt davon, dass er mit seiner Reise einen Beitrag für Verständigung und Frieden im Nahen Osten und darüber hinaus leisten wird. Dabei werden Zeichen und Gesten ebenso wichtig sein wie Worte.  HA090508

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Mit Papst Benedikt im Heiligen Land:  Erster Tag

   Papst Benedikt XVI. hat seine achttägige Reise in den Nahen Osten begonnen, bei der er Jordanien, Israel und die autonomen Palästinensergebiete besucht. In seiner ersten Rede am Flughafen der jordanischen Hauptstadt Amman sprach sich der Papst für einen dauerhaften und gerechten Frieden für alle Bewohner des Nahen Ostens aus. Sein Besuch solle gute Beziehungen zwischen Christen und Moslems fördern. Kurz nach seiner Ankunft besuchte Benedikt XVI. ein Rehabilitationszentrum für behinderte Jugendliche. Am späten Nachmittag stattete er dem Königspaar einen Höflichkeitsbesuch ab.
   Höhepunkte des bis Montag dauernden Aufenthalts von Benedikt XVI. in Jordanien sind am Samstag Vormittag ein Treffen mit Vertretern des Islam und die Sonntagsmesse im Stadion von Amman. Am Montag fliegt der Papst weiter nach Israel. Auf dem Programm stehen in den folgenden Tagen Besuche in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und an der jüdischen Klagemauer sowie eine Messe mit palästinensischen Christen in Betlehem. Es ist die zwölfte Auslandsreise des Papstes. Benedikt XVI. selbst bezeichnet seine erste Nahost-Reise als Friedensmission und Pilgerfahrt.

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Benedikt XVI. kommt als „Pilger“ und will „gute Beziehungen zwischen Christen und Moslems fördern“

   Die erste Reisestation für Benedikt ist Amman. Der Papst wurde auf dem Flughafen vom jordanischen Königspaar empfangen. In seiner ersten Ansprache in einem zeltartigen so genannten „Königlichen Pavillon“ vor der Königs- familie, Politikern und Vertretern gesellschaftlicher Gruppen drückte der Papst seine Freude über seinen Besuch in der Region aus – sein erster seit Beginn seines Pontifikats. Er komme als „Pilger“ in ein Land, das für Juden, Chris- ten und Moslems „voll von religiöser Bedeutung“ sei.
  Wörtlich sagte Benedikt XVI.: „Ich komme als Pilger nach Jordanien. Ich komme, um die heiligen Orte zu verehren, die eine so wichtige Rolle in einigen Schlüsselmomenten der biblischen Geschichte gespielt haben.“
   Mit seinem Besuch wolle er dem jordanischen König und der gesamten muslimischen Gemeinschaft seinen Re- spekt zeigen, so Benedikt in dem Land mit 96 Prozent sunnitisch-muslimischem Bevölkerungsanteil. Benedikt XVI. lobte Jordaniens „Offenheit“ für Religion. Die Errichtung öffentlicher Gebetsstätten katholischer Gemeinden zeuge von „Respekt“ für die christliche Gemeinschaft. Dafür sprach Benedikt im Namen aller Katholiken seine Wertschät- zung aus und betonte zugleich die Bedeutung der Religionsfreiheit weltweit:
   „Die Religionsfreiheit ist ein grundlegendes Menschenrecht, und es ist meine innige Hoffnung und mein inniges Gebet, dass der Respekt für die unveräußerlichen Rechte und die Würde jedes Mannes und jeder Frau immer weiter bestätigt und verteidigt werde, nicht nur im Nahen Osten, sondern in allen Teilen der Welt.“
   Das Bündnis zwischen der westlichen und islamischen Welt habe sich in den letzten Jahren verstärkt. Das sagte der Papst mit Bezug auf die Botschaft von Amman aus dem Jahr 2004, die damals für Toleranz und interreligiösen Dialog warb. Jordanien sei in diesem Prozess treibende Kraft. Benedikt:
   „Jordanien engagiert sich seit jeher als eines der ersten Länder für die Stärkung des Friedens im Nahen Osten und in der Welt, ermutigt zum interreligiösen Dialog und unterstützt die Anstrengungen, eine gute Lösung für den Konflikt zwischen Israel und Palästina zu finden. Das Land nimmt die Flüchtlinge aus dem Irak auf und versucht, den Extremismus zu bremsen.“
   Der ehemalige jordanische König Hussein sei mit seinem Einsatz für den Frieden in der Region ein Vorbild ge- wesen, so Benedikt. Sein Engagement und ähnliche Initiativen mögen eine Fortsetzung finden, so der Papst ab- schließend, und zu „dauerhaftem Frieden“ und „echter Gerechtigkeit“ im Nahen Osten beitragen:
   „Ich hoffe sehr, dass mein Besuch die gute Beziehungen zwischen Christen und Moslems fördern, unsere Liebe für den allmächtigen und barmherzigen Gott sowie unsere gegenseitige brüderliche Liebe wachsen lassen kann.“

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Jordanien: „König sprach als Freund“
   König Abdullah II. hat in seinem Grußwort an Papst Benedikt XVI. zu einem globalen Dialog in Verständnis und Harmonie aufgerufen. Er erinnerte an die gemeinsamen Wurzeln der monotheistischen Religionen und hob die Bedeutung des Glaubens für Verständigung und Frieden hervor. Der König verwies auch auf die Sorge seines Landes wie der katholischen Kirche für die heiligen Stätten der Region. Zudem äußerte er die Hoffnung auf ein friedvolles Zusammenleben im Nahen Osten. Dafür müsse es ein Ende der Besetzung für das palästinensische Volk geben, so Abdullah.

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Pressegespräch im Flieger

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   „Wir sind keine politische Macht, sondern eine spirituelle.“ Das hat Papst Benedikt XVI. bei einem kurzen Presse- gespräch über den Wolken im Flugzeug nach Amman unterstrichen. Die Journalistenfragen kreisten um den Beitrag der katholischen Kirche zum Frieden im Heiligen Land, um den Dialog mit den Juden und den Moslems und um den Exodus der Christen aus der Region. Einzelheiten, zusammengetragen von Gudrun Sailer-Radio Vatikan:
   Das Heilige Land – heilig für drei Weltreligionen, dennoch Konfliktherd Nummer eins auf der Welt. Was kann der Papst zum Frieden dort beitragen, wollten Journalisten auf dem Flug nach Amman wissen: „Natürlich möchte ich zum Frieden beitragen, nicht als Individuum, sondern im Namen der katholischen Kirche und des Heiligen Stuhls. Wir sind kein politische Macht, sondern eine spirituelle Kraft. Diese spirituelle Kraft kann die Fortschritte im Frie- densprozess begünstigen.“
   Zum einen gehe es da um Gebet: Wenn Millionen von Gläubigen beten, geht davon eine Kraft aus, „die beein- flusst“, so der Papst. Außerdem versuche die Kirche, zur Gewissensbildung beizutragen, sodass Einzelinteressen in den Hintergrund treten vor den wahren Werten. Drittens appelliere die Kirche an die Vernunft. „Eben weil wir keine politische Partei sind, können wir vielleicht, auch im Licht des Glaubens, die wahren Kriterien besser sehen, die zum Frieden beitragen. Und wir können auch die wahrhaft vernünftigen Positionen unterstützen – das haben wir bereits getan und wollen es auch in Zukunft tun.“
  Zum Dialog mit dem Judentum äußerte Papst Benedikt Hoffnung für die Zukunft - auch wenn es in der Vergangen- heit immer wieder zu Missverständnissen gekommen sei. Man habe dieselben Wurzeln, „aber klarerweise, nach 2000 Jahren der getrennten Geschichte, braucht man sich nicht zu wundern, wenn es Missverständnisse gibt. Denn es haben sich verschiedene Traditionen der Interpretation, der Sprache, des Denkens herausgebildet. Es ist ein anderer semantischer Kosmos, in dem dieselben Wörter auf beiden Seiten verschiedene Bedeutungen haben. Wir müssen alles tun, um vom anderen zu lernen. Wir haben heute die Möglichkeit, dass die Jugendlichen, die zukünftigen Lehrenden der Theologie, in Jerusalem an der Hebräischen Universität studieren können, und die Juden haben ihrerseits akademische Kontakte mit uns. So trifft ein semantischer Kosmos auf den anderen, wir lernen voneinander und gehen gemeinsam auf dem Weg des Dialogs. Ich bin sicher, dass wir Fortschritte machen, das wird auch dem Frieden und der gegenseitigen Liebe helfen.“
   Weiter stelle Papst Benedikt einen gemeinsamen Aufruf an die drei monotheistischen Religionen in Aussicht - dazu gebe es im Heiligen Land bestimmt Gelegenheit. „Auch der Islam ist entstanden in einem Ambiente, in dem es sowohl das Judentum als auch verschiedene Zweige des Christentums gab. Diese Umstände spiegeln sich in der Tradition des Korans. Wir haben den gemeinsamen Ursprung des Glaubens an den einen Gott. Der ,Trialog’ zwischen Juden, Moslems und Christen muss weitergehen, ist wichtig für den Frieden und um gut zu leben, jeder einzelne in seiner Religion.“
   Befragt nach dem Exodus der Christen aus dem Heiligen Land, sagte Papst Benedikt, er wolle die Gläubigen im ganzen Nahen Osten ermutigen, in ihrer Heimat zu bleiben. Sie seien ein wichtiges kulturelles Element in ihren Ländern. Konkret unterhalte die katholische Kirche im Heiligen Land besonders Spitäler und Schulen. „Unsere Schulen bilden eine Generation heran, die die Möglichkeit haben wird, im öffentlichen Leben präsent zu sein. Wir schaffen auch eine katholische Universität von Jordanien, das scheint mir eine große Perspektive, wo sowohl junge Moslems als auch Christen studieren werden. Diese christliche Elite wird besonders am Frieden arbeiten. Auf diese Weise gibt es eine Öffnung zur Zukunft.“

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Papst im RehaZentrum „Königin des Friedens:
    „Ich bin mit der Absicht gekommen, für Einheit und Frieden in Nahost zu beten.“ Das sagte Benedikt XVI. an die- sem Freitagnachmittag bei seinem Besuch in dem Rehabilitationszentrum für behinderte Jugendliche „Regina Pacis“ in der jordanischen Hauptstadt Amman. In der Hauskapelle würdigte Benedikt vor hohen Kirchenvertretern aus der Region, den Mitarbeitern des Zentrums und zahlreichen Jugendlichen die wichtige Arbeit des Zentrums. „Regina Pacis“ sorgt für die pastorale Begleitung und soziale Integration behinderter junger Menschen. Bei dieser ersten Reiseetappe ging das Kirchenoberhaupt noch einmal auf die Ziele seiner achttägigen Pilgerreise in Jorda- nien und dem ganzen Heiligen Land ein:
   „Meine lieben Freunde, ich komme nicht - wie die Pilger von einst - mit Geschenken und Angeboten. Ich komme ganz einfach mit einer Absicht, einer Hoffnung: um für das wertvolle Geschenk der Einheit und des Friedens zu beten, vor allem für den Nahen Osten. Frieden für jeden Einzelnen, für Eltern und Kinder, für Gemeinschaften, Frieden für Jerusalem, für das Heilige Land, für die Region, Frieden für die ganze Menschheitsfamilie; ein dauernder Frieden, der aus Gerechtigkeit, Integrität und Mitgefühl hervorgeht, ein Frieden, der aus Demut, Vergebung und dem tiefen Bedürfnis heraus geboren wird, harmonisch zusammen zu leben.“

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   Die Ansprache des Papstes galt aber vor allem den leidgeprüften Jugendlichen des „Regina-Pacis-Zentrums“. Oft sei es schwierig, die Gründe für emotionale wie körperliche Schmerzen zu begreifen. Doch der Glaube an Gott könne helfen, über den eigenen Horizont hinaus zu schauen und neue Hoffnung zu schöpfen. Dafür seien die Jugendlichen des Zentrums ein leuchtendes Beispiel, so der Papst:
   „Meine lieben jungen Freunde! Euch ganz besonders möchte ich sagen, dass ich in Eurer Mitte die Stärke Gottes fühle. Die harten Prüfungen, die ihr erduldet habt, die Barmherzigkeit, die Euch widerfahren ist und Eure Ent- schlossenheit, die Hürden zu überwinden, denen ihr begegnet, bestärken mich in meinem Glauben, dass Leiden Ausgangspunkt für einen Wandel zum Guten sein können. In unseren eigenen Prüfungen und indem wir anderen in ihren Prüfungen beistehen, erfahren wir das Wesen unserer Menschlichkeit. Wir werden dadurch sozusagen menschlicher. Und dabei lernen wir auch auf einer anderen Ebene, dass auch Herzen, die von Zynismus, Un- gerechtigkeit oder Unversöhnlichkeit verhärtet sind, nie jenseits der Reichweite Gottes liegen, sondern dass sie immer wieder für eine neue Lebensweise und Friedensvision geöffnet werden können.“
   Zum Abschluss seiner Rede rief der Papst die Jugendlichen dazu auf, für das gute Gelingen seiner Pilgerreise sowie für Vergebung und Solidarität zu beten, „damit Einheit und Friede in der Welt reiche Früchte trage“, so der Papst. - Das „Regina-Pacis“-Zentrum in Amman nimmt sich der Rehabilitation von körperlich behinderten Menschen an und bemüht sich um deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Gegründet wurde die Einrichtung vom Weihbischof und Patriarchalvikar für Jordanien im Lateinischen Patriarchat von Jerusalem, Salim Sayegh.

B-377-alArabAlyawm-l       Jordanien: Presseschau zum Papstbesuch  

   In den jordanischen Medien nimmt Papst Benedikts Pilgerreise in den Nahen Osten schon am Tag seiner Ankunft viel Platz ein. Die wichtigsten Zeitungen des Landes widmeten dem Thema mehrere Artikel mit vielen Fotos, die Benedikt lächelnd und zusammen mit dem jordanischen König Abdullah II. im Vatikan zeigen. Dem Besuch der heiligen Stätten, vor allem der Taufstelle Jesu in Betanien, wird von allen Zeitungen große Bedeutung beigemes- sen. Die Reise fördere darüber hinaus den interreligiösen Dialog, so das Credo.
   Den Papstbesuch in Nahost biete die Gelegenheit, den Dialog der Religionen voranzutreiben, sagt der maroni- tische Patriarch im Libanon, Kardinal Nasrallah Sfeir, im Interview mit der nationalen Tageszeitung „Addustour“. Auch Jordanien sei ein „Heiliges Land“, so Sfeir, was die „Pilgerfahrt“ des Papstes auch nach Jordanien bestätige. Die nationale Tageszeitung „Al arab Alyawm“ wertet die Papstreise als Benedikts „Bitte um Frieden“ im Nahen Osten. „Alghad“ widmet dem Thema Papstreise eine achtseitige Spezialbeilage. Benedikts „Pilgerfahrt“ unter- stütze Toleranz und Werte, die auch für den Islam wichtig seien. Der Papst propagiere mit seiner Reise den Frieden. Auch das Treffen zwischen Benedikt und dem jordanischen König stehe für den interreligiösen Dialog und das friedliche Zusammenleben von Christen und Moslems. In einem Artikel zum arabisch-israelischen Konflikt wen- det sich ein islamischer Autor im selben Blatt direkt an den Papst: „Beten wir mit dir, dass diese Reise Früchte für alle Bewohner des Heiligen Landes haben möge, in spiritueller und in ziviler Hinsicht.“ Die Bedeutung des Papst- besuches für das christlich-islamische Verhältnis und die bilateralen Beziehungen zwischen Jordanien und dem Vatikan unterstrichen der Sprecher der lateinischen Kirche in Amman, Pater Rif’at Bader und der islamische Geschichtsgelehrte Al Majali in einem gemeinsamen Fernsehauftritt.

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Der Papst beginnt seine „Pilgerfahrt"
Begrüßung in Amman durch das jordanische Königspaar - „Dialog mit Muslimen"

   Benedikt XVI. hat seine „Pilgerfahrt ins Heilige Land" in der jordanischen Hauptstadt Amman begonnen. Es ist die zwölfte Reise des Papstes ins nicht-italienische Ausland seit seinem Amtsantritt im April 2005. Benedikt hatte sich in der vergangenen Woche als „Pilger des Friedens und der Versöhnung" bezeichnet. Die Reise nach Jordani- en, Israel und in die palästinensischen Autonomiegebiete gilt angesichts der politischen Situation im Nahen Osten und der religiösen Dimension der dortigen Konflikte als seine schwierigste Reise. Zudem erscheint die aktuelle politische Lage in Israel nach dem Krieg im Gazastreifen und der Bildung der neuen rechtsgerichteten Regierung unter dem Likud-Vorsitzenden Netanjahu für einen Besuch des Souveräns des Heiligen Stuhls nicht besonders günstig. Dennoch habe, so hieß es im Vatikan, Israel auf dem offiziellen Besuch bestanden, offenbar, um sein in- ternationales Image zu verbessern.
  Der Papst will, wie er sagte die „heiligen Stätten des christlichen Glaubens" aufsuchen und die „Christen stärken, die sich im Nahen Osten in nicht geringen Schwierigkeiten befinden". Die katholische Kirche sei zwar keine politi- sche Macht, sagte der Papst. Er, Benedikt, hoffe aber, dass sie als spirituelle Kraft zu Frieden zwischen Israel und den Palästinensern beitragen könne.
   Bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von Amman würdigte Benedikt die Rolle Jordaniens und des seit zehn Jahren regierenden Königs Abdullahs in dem Bemühungen um einen Frieden in der Region, um „eine gerechte Lö- sung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern". Dass Christen in Jordanien ihren Glauben in der Öffent- lichkeit ausüben und die Gemeinden Kirchen bauen dürften, wisse er, Benedikt, zu schätzen, sagte der Papst. Der Besuch in Jordanien gebe ihm weiter „die Gelegenheit, meinen tiefen Respekt vor der muslimischen Gemeinschaft auszudrücken". Jordanien und die Königsfamilie würden zudem ein bedeutende Rolle im interreligiösen Dialog spielen und mit verschiedenen Initiativen - etwa dem Brief der 138 muslimischen Autoritäten an Benedikt XVI. vom Oktober 2008 - das Gespräch zwischen Katholiken und Muslimen voranbringen. Nach Presseberichten wuchs die Zahl von islamischen und jüdischen Geistlichen, die dem Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche nicht begegnen wollen. Sie verwiesen auf verschiedene Differenzen mit der katholischen Kirche und deren päpstlicher Führung.
   In Amman wurde als besonderes Zeichen der Wertschätzung für den Gast herausgestellt, dass König Abdullah und Königin Rania den Papst am Flughafen empfingen und ihn dort am Montag vor dem Flug nach Israel auch ver- abschieden wollen. Der jordanische König rief zu einem globalen Dialog in Verständnis und Harmonie auf. Er erinnerte an die gemeinsamen Wurzeln der monotheistischen Religionen und hob die Bedeutung des Glaubens für Verständigung und Frieden hervor. Auch der Papst bekräftigte das Verbindende zwischen Juden und Christen in der Geschichte und in den Heiligen-Schriften.
   Am zweiten Tag trafl Benedikt mit führenden Muslimen in der Al-Hussein-Moschee zusammen hielt und eine programmatische Rede über die Weiterführung des Dialogs zwischen Christen und Muslimen. Foto unten
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Benedikt vor Moslems: „Gemeinsam gegen Religionsmissbrauch angehen“

   Papst Benedikt XVI. hat in einer Rede vor Moslems vor einer „ideologischen Manipulierung der Religion“ gewarnt. Gegen diesen Missbrauch von Religion, der mitunter auch für politische Zwecke benutzt werde, sollten Christen und Moslems gemeinsam angehen, sagte Benedikt in Amman. In seiner Rede vor Vertretern des Islam und Diplomaten wandte er sich zudem gegen die Ausgrenzung religiöser Minderheiten und rief zu Frieden und dem Schutz der Christen besonders im Irak auf.
  Vor der größten Moschee Jordaniens, der König-Hussein-Moschee in Amman, begrüßte Prinz Ghazi bin Muhammad bin Talal den Gast aus Rom. Der Prinz war einer der Hauptinitiatoren des im Jahr 2007 von muslimischen Gelehrten verfassten offenen Briefes an den Papst und die christlichen Gemeinschaften. In diesem Schreiben sprachen sich die Islamgelehrten – nach der Regensburger Rede Papst Benedikts – für Dialog, politischen und religiösen Frieden in der Welt aus.
   In seiner Ansprache äußerte Papst Benedikt XVI. Sorge darüber, dass Religion heute zunehmend als trennendes Element wahrgenommen werde. Die größere Gefahr sei aber, so Benedikt, die „ideologische Manipulierung der Re- ligion“ - manchmal auch „zu politischen Zwecken“. Gegen diesen Missbrauch müssten Christen und Moslems ge- meinsam angehen. Gemeinsame ethische Grundlage sei dabei die Menschenwürde. Benedikt:
   „Gerade wegen der Bürde ihrer gemeinsamen Geschichte, die so oft von Missverständnis gekennzeichnet war, müssen Muslime und Christen bestrebt sein, als Gläubige erkannt und anerkannt zu werden, die treu beten, die bemüht sind, die Gebote des Allmächtigen zu halten und ihnen gemäß zu leben, die barmherzig und mitfühlend sind, die konsequent alles Wahre und Gute bezeugen, die stets den gemeinsamen Ursprung und die Würde aller Menschen bedenken, die der Höhepunkt des göttlichen Schöpfungsplans für die Welt und die Geschichte bleiben.“
   Die beiden großen monotheistischen Religionen verstünden die menschliche Vernunft beide als „Gabe Gottes“, so der Papst. Gemeinsame Herausforderung von Christen und Moslems sei nun, das Potential dieser menschlichen Eigenschaft durch „Glaube und Wahrheit zum Guten heranzubilden“.
   „Denn wenn die menschliche Vernunft demütig zulässt, dass sie selber vom Glauben geläutert wird, dann ist sie fern davon, geschwächt zu werden; vielmehr wird sie gestärkt, um der Überheblichkeit zu widerstehen und über ihre eigenen Grenzen hinauszugreifen. Auf diese Weise wird die menschliche Vernunft ermutigt, ihrem erhabenen Zweck zu folgen, der Menschheit zu dienen, wobei sie unser gemeinsames innerstes Streben zum Ausdruck bringt und den öffentlichen Diskurs lieber ausweitet, als ihn zu manipulieren oder einzuschränken. Daher – weit davon entfernt, den Geist einzuengen – erweitert ein ernsthaftes Festhalten an der Religion den Horizont menschlichen Verstandes.“

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   Religion leiste in Jordanien bereits einen „konstruktiven Beitrag“ zu Erziehung und Kultur, so der Papst. Positive Beispiele dafür seien das Rehabilitationszentrum „Regina Pacis“ sowie die Madaba-Universität für Muslime und Christen. Auch die Arbeit des „Königlichen Instituts für Interreligiöse Studien und Islamisches Denken“ sowie die von muslimischen Gelehrten verfasste „Amman Message“ aus dem Jahr 2004 seien wichtige Schritte:
   „Solche Initiativen führen klar zu einer tieferen gegenseitigen Kenntnis und fördern eine zunehmende Achtung sowohl vor dem, was wir gemeinsam haben, als auch vor dem, was wir unterschiedlich sehen. Sie sollten daher Christen und Muslime dazu veranlassen, die wesentliche Beziehung zwischen Gott und seiner Welt noch gründ- licher zu erforschen, so dass wir miteinander bestrebt sein mögen sicherzustellen, dass die Gesellschaft mit der göttlichen Ordnung in Harmonie mitschwingt.“
   Abschließend grüßte Benedikt den anwesenden Patriarchen von Bagdad, Emmanuel III. Delly, und rief zu Frieden und den Schutz der Christen im Irak auf. Zusammen mit der Internationalen Gemeinschaft müsse, so Benedikt, „alles, was möglich ist“ für ein friedliches Zusammenleben der Religionen zu garantieren. In seiner Rede be- kräftigte der Prinz Bin Talal die Notwendigkeit eines friedlichen Dialogs zwischen Muslimen und Christen. Das „positive  Beispiel Jordanien“ müsse jedoch auch in Ländern gelten, in denen Muslimen in der Minderheit seien. Bin Talal:
   „Wir hoffen, dass der einmalige jordanische Geist der Harmonie zwischen den Religionen den gegenseitigen Respekt der Religionen fördert und der ganzen Welt ein Beispiel ist. Heiliger Vater, mögen Sie dieses Beispiel auch in Regionen wie Mindanao oder bestimmte Teile des subsaharischen Afrika tragen, wo muslimische Minderheiten von christlichen Mehrheiten unterdrückt werden - ebenso wie in andere Weltgegenden, wo das Gegenteil der Fall ist.“Rv090509

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Der Berg Nebo: Wo Moses nach der Wanderung durch die Wüste das Gelobte Land schaute,
erblickte auch Papst Benedikt XVI. die ersehnte Aussicht auf das Israel “zugelobte” Land.
Am selben Felsen stand auch Papst Johannes Paul II. bei seiner Pilgerfahrt  Foto unten

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   Auch heute jordanische Gebiete gehörten von jeher zum „Heiligen Land" des biblischen Geschehens. Wie seine Vorgänger Paul VI. und Johannes Paul II. ist daher auch Benedikt XVI. in den Staat der haschemitischen Dynastie gereist. Schon die heilige Egeria besuchte den Berg Nebo, auf einem Felsen im Moab über Totem Meer und Jordan- graben. Die wohl aus Südfrankreich stammende Pilgernonne berichtete am Ende des vierten Jahrhunderts über eine klösterliche Gemeinschaft auf dem Berg. Die Mönche hatten sich an jener Stelle niedergelassen, an der Gott dem Mose 5. Mose, 34 den Israeliten das verheißene Land zeigte: „Ich habe dich mit deinen Augen schauen lassen, aber dort hinüber sollst du nicht kommen." Irgendwo dort soll Moses auch begraben worden sein.
   Von der Stelle, von der aus der Papst am 2. Pilgertag kurz nach 9 Uhr morgens mit der Sonne im Rücken vom Berg hinunter blickt, sieht man das Tote Meer. Nördlich davon erkennt man unschwer Jericho mit seiner grünen und fruchtbaren Oase, die älteste, heißeste und und am tiefsten gelegene Stadt der Welt. Dahinter erheben sich im Westen die kargen Berge Judäas. Bei klarer Sicht markieren drei Türme auf dem Ölberg über Jerusalem den Horizont: das Monument der hebräischen Universität, der Kirchturm der deutsch-evangelischen Himmelfahrtskirche auf dem Areal der Auguste-Viktoria-Stiftung und die russische Himmelfahrtskirche. 1932 hatte die franziskanische Custodie den Bergsporn des Nebo gekauft und dort nach dem Bericht der heiligen Egeria die Überreste des byzan- tinischen Klosters gesucht und gefunden.
  Heute ist das Areal touristisch entwickelt. Doch auch Reisebusse und Pilgermassen können den Zauber des weiten Blickes nach Westen und der farbenfrohen Mosaike mit Tierszenen und Erntedarstellungen in der Kirche nicht stören. Johannes Paul II. wurde im Jahre 2000 noch von Michele Piccirillo geführt, jenem franziskanischen Bruder und Archäologen, der mit seinem besonderen Interesse für byzantinische Mosaike eine ganze Generation von Forschern geprägt hat. Piccirillo erlag Ende 2008 einer schweren Krankheit und wurde seinem Wunsch gemäß im Klostergärtchen beigesetzt. Die Nebo-Mosaike entstammen der Schule von Madaba, einem noch heute christlich geprägten Städtchen in der Nachbarschaft. Dort ist im Altarraum der Kirche St. Georg die wohl älteste biblische Landkarte als Mosaik zu bewundern. Sie entstand laut einer Widmung zufolge 542 und zeigt in ihrem Zentrum die Altstadt von Jerusalem, mit ihren Kirchen und zentralen Achsen - so wie sie heute noch besteht. Seit ein paar Jahren gibt es in Madaba wieder eine Mosaikenschule, die die alte Kunst neu pflegt.
   Nach Nebo und Madaba besucht der Papst auch die „jordanische Taufstelle" am Jordan. Während auf der israelischen Seite nur Kirchen aus der Neuzeit stehen, gibt es am jordanischen Ufer ein ausgedehntes Areal von Ruinen mehrerer byzantinischer Kirchen und Eremitagen mit altem Pilgerhospiz und einem ausgeklügelten Wassersystem. Das ist nach Ansicht von Archäologen wie Piccirillo die Taufstelle Jesu „in Bethanien jenseits des Jordan, wo Johannes taufte" Johannes 1,28. FAZ090509jöb

Minister: „Papst sollte Holocaust verurteilen“
   Der israelische Minister für religiöse Angelegenheiten, Yaakov Margi, hat Benedikt XVI. dazu aufgefordert, abermals den Holocaust zu verurteilen. Am kommenden Montag wird Papst Benedikt Yad Vaschem besuchen, die zentrale israelische Gedenkstätte für die Opfer und Helden des Holocaust. Das sei die passende Gelegenheit, um das Bedauern über die Judenverfolgung zum Ausdruck zu bringen. Das wünschten sich die Überlebenden des Holocausts in Israel und in der übrigen Welt, so Margi in einem offenen Brief an den Papst. 
Polizei: Jerusalems Christen sollen zu Hause bleiben
   Christen, die im historischen Zentrum von Jerusalem wohnen, sollten während des Papstbesuches zu Hause bleiben. Das habe die israelische Polizei angeordnet, teilte die Caritas Jerusalem nach Angaben der arabischen Tageszeitung Al Quds mit. Aus Sicherheitsgründen rate die Polizei zu dieser Maßnahme. Ebenso blieben Geschäfte und Straßen im Stadtzentrum für Anwohner und Touristen während des Papstbesuches geschlossen. Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen sorgten für eine angespannte Atmosphäre vor dem Eintreffen des Papstes, so die Meldung.

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Jerusalem
   Der Muezzin ruft zum Gebet über der drittheiligsten Stätte des Islam – dem Jerusalemer Tempelberg. Das Gelände, das auch dem Judentum und den Christen heilig ist, steht unter jordanischer Verwaltung; um das zu demonstrieren, hat der mittlerweile verstorbene König Hussein erst in den neunziger Jahren die goldene Kuppel des Felsendoms neu decken lassen. Jetzt will der Papst Zugang erhalten zu dem heiligen Ort, auf dem einmal Salomos Tempel stand, wo Jesus betete und Mohammed angeblich in den Himmel auffuhr – und da muss er denn zuerst dem Haschemiten-König in Jordanien seine Aufwartung machen; so hielten es schon seine Vorgänger. Paul VI. wurde 1964 gar von König Hussein von Amman aus bis an die Mauern von Jerusalem begleitet. Das war drei Jahre, bevor Jordanien die Kontrolle über die Westbank an Israel abtreten musste; doch die Schlüssel zum Tempelberg, die liegen weiter in Amman. Ein Beispiel für die komplizierte Gemengelage des Orients, auf die Papst Benedikt trifft.  Rv090508

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Der Papst mahnt die Muslime zur Achtung der Würde der Frauen
Rede Benedikts in Jordanien zum Dialog mit dem Islam  - Besuch in Yad Vaschem

   Benedikt XVI. hat sich am Sonntag in der jordanischen Hauptstadt Amman für die Frauenrechte eingesetzt. Während einer feierlichen Messe mit Zehntausenden von Gläubigen verteidigte der Papst die Rechte der Frau „gegen Unterdrückung und Ausbeutung". Dafür müssten die Kirche Zeugnis geben. Der Papst sprach schon in den ersten drei Tagen seiner „Pilgerfahrt ins Heilige Land" die kontroversen Themen seines Besuchs im Nahen Osten an, etwa den spannungsreichen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den Muslimen, das belastete Ver- hältnis zwischen Christen und Juden, die Menschenrechte und die Würde der Frau in den heutigen Gesellschaften.
   Am Samstag hob der Papst in der mit Spannung erwarteten Rede zum Dialog zwischen Christen und Muslimen die Gemeinsamkeit der an Gott Glaubenden hervor. Er wandte sich gegen die Vorwürfe, die der Religion und der Verschiedenheit der Religionen die Schuld an Hass und Zwietracht in der Welt zuschrieben. In dieser Sache sei er „besorgt", sagte Benedikt. Der jordanische Prinz Ghazi bin Muhammed bin Talal legte in einer langen Rede die muslimischen Voraussetzungen und die Bereitschaft für den Dialog dar.
   „Die Gegner der Religion", sägte der Papst, „trachten nicht nur danach, .ihre Stimme zum Schweigen zu bringen, sondern sie durch ihre eigene zu ersetzen; so verspürt man um so brennender den Bedarf an Gläubigen, die ihren Prinzipien und Überzeugungen genau entsprechen." Widersprüche, die durch Spannungen und Spaltungen zwi- schen Anhängern verschiedener religiöser Traditionen entstünden, könnten zwar nicht bestritten werden, sagte der Papst. Doch bilde die ideologische Manipulation der Religion - zu politischen Zwecken - den wahren Katalysator für Rivalitäten und Gewalt. „Ihrer Natur nach bildet die Religion Einheit und Harmonie, als Ausdruck der Gemein- schaft zwischen den Menschen untereinander und mit Gott." Deshalb gelte keineswegs: „Je weniger Religion in einer Gesellschaft, um so besser!"

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   An dritten Tag erreicht der Papst Israelt. Als erstes besuchte Benedikt XVI., der Deutsche Joseph Ratzinger, die Gedenkstätte Yad Vashem für die Schoa, den millionenfachen Völkermord an den Juden durch die Nazis. In seiner Rede zum Dialog forderte Benedikt gemeinsame Initiativen von Christen und Muslimen. Dem Menschen sei es als Geschöpf Gottes, der „Schöpferischen Vernunft", aufgegeben, „im Rahmen von Glaube und Wahrheit das großarti- ge Potential menschlicher Vernunft zum Guten auszuschöpfen". So könne die Religion die Gesellschaft vor den Auswüchsen eines ungezügelten Egos schützen, das danach strebe, „das Endliche zu verabsolutieren und das Unendliche in den Schatten zu stellen". Die dafür notwendige Religionsfreiheit erstrecke sich nicht nur auf den rein religiösen Bereich des Kults, sondern schließe „besonders für Minderheiten" auch Bekenntnis und Ausübung in der Öffentlichkeit ein. Der Papst dankte den jordanischen Behörden, die Flüchtlingen aus dem Irak, unter ihnen auch viele Christen, Zuflucht gewährt hätten.
   Am Samstagmorgen hatte Benedikt den Berg Nebo besucht, von dem aus Mose zum ersten Mal das „dem auserwählten Volk verheißene Land" gesehen hatte. Nachdrücklich erinnerte der Papst an „das unzertrennbare Band zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk". In seiner Ansprache sagte Benedikt: „Von Anfang an hat die Kirche der großen Gestalten der Patriarchen und Propheten gedacht, als Zeichen ihrer großen Wertschätzung für die Einheit der beiden Testamente. Dies schenke uns ein Verlangen, alle Hindernisse auf dem Weg der Versöh- nung zwischen Christen und Juden in gegenseitiger Achtung und Zusammenarbeit im Dienst des Friedens, zu dem uns das Wort Gottes ruft, zu überwinden." Damit suchte der Papst schon im Voraus Vorbehalte gegenüber seinem Besuch in Israel zu entkräften. FAZ090511hjf

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Benedikt verneigt sich vor den Opfern des Holocausts – Peres: Eine Friedensmission
„Ihr Schrei hallt in unseren Herzen"  Besuch in Yad Vaschem

   Papst Benedikt XVI. hat am Montag in Jerusalem der Schoa, des Völkermords an den Juden durch die Nazis während des Zweiten Weltkriegs, gedacht. In der Gedenkstätte Yad Vashem verneigte sich das deutsche Ober- haupt der katholischen Kirche vor den sechs Millionen Opfern des jüdischen Volkes. „Die katholische Kirche empfin- det tiefes Mitgefühl mit jenen, an die hier erinnert wird. Zugleich stellt sie sich jenen an die Seite, die heute ihrer Rasse oder der Hautfarbe wegen, aus sozialen oder religiösen Gründen verfolgt werden", sagte der Papst. Die Wege Gottes seien unbegreiflich; dennoch müssten die Gläubigen der heiligen Schriften von diesem geheimnis- vollen Gott des Friedens unbeirrt Zeugnis ablegen. Benedikt schloss seine Rede für die Millionen Opfer mit den Worten: „Während wir in Schweigen verharren, hallt ihr Schrei in unseren Herzen. Es ist ein Schrei gegen jeden Akt der Ungerechtigkeit und Gewalt. Er ist eine immerwährende Verdammung gegen das Vergießen unschuldigen Blutes." Einem Bibelzitat  aus dem Buch der Klagelieder fügte er das persönliche Wort an: „Meine Freunde, ich bin Gott zutiefst dankbar, dass ich hier schweigend stehen darf: im Schweigen, um zu gedenken, im Schweigen, um zu hoffen."
   Unmittelbar nach seiner Ankunft in Israel am Montagmorgen hatte Benedikt abermals jede Form von Antisemitis- mus verurteilt und dazu aufgerufen, alle Anstrengungen zu unternehmen, um ihn zu bekämpfen, „wo immer er an- getroffen wird". Auf tragische Weise hätten jüdische Menschen die schrecklichen Folgen von Ideologien erfahren, welche die grundlegende Würde jeder menschlichen Person leugneten, sagte Benedikt. Leider zeige der Antisemi- tismus in vielen Teilen der Welt weiterhin „seine hässliche Fratze". „Das ist völlig inakzeptabel".
   In Anlehnung an die Zwei-Staaten-Lösung formulierte Benedikt in Fortsetzung der bisherigen vatikanischen Nah- ost-Politik als Ziel, dass beide, Palästinenser und Israelis, in einem eigenen Land mit international anerkannten Grenzen in friedlicher Nachbarschaft zusammenleben können. Der israelische Präsident Peres bezeichnete Bene- dikts Besuch als eine „Friedensmission", die spirituell von höchster Bedeutung sei.
   Dem deutschen Papst war die Anspannung zum Beginn des Besuches in Israel anzumerken. Wie schon in Jorda- nien suchte Benedikt auch in Israel die gemeinsamen Werte der drei verschiedenen Religionen, des Judentums, der Christenheit und des Islam, herauszustellen. Bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von Tel Aviv war Benedikt von Präsident Peres, Ministerpräsident Netanjahu und den meisten israelischen Parlamentariern begrüßt worden. Dies wurde als Zeichen dafür gewertet, wie sehr auch Israel an guten Beziehungen zur katholischen Kirche liege.
  Ausdrücklich lobte der israelische Präsident - auch mit einem Satz auf Lateinisch - Benedikts Bemühungen um Toleranz und die den Dialog zwischen Christen und Juden. Israel stelle sicher, dass jeder entsprechend seiner Religion leben könne und freien Zugang zu den heiligen Stätten habe. Die israelische Regierung verhandle mit den Palästinensern, um mit ihnen Frieden zu schließen, wie man es mit Ägypten und Jordanien schon getan habe. Israel sei aber auch zu einem umfassenden regionalen Frieden bereit, sagte Peres.
   Während eines Empfangs in seiner Residenz am Nachmittag lobte Peres den Gast aus Rom als einen „Förderer des Friedens". Solche Persönlichkeiten könnten den Weg für die politischen Führer ebnen und „die Minenfelder räumen, die die Straße zum Frieden blockieren" . Statt auf die jüngsten Verstimmungen einzugehen, lobte Peres vor 700 geladenen Gästen ausdrücklich die Bemühungen Benedikts, jetzt „Bänder der Versöhnung und der Verständigung zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Vatikan und dem jüdischen Volk zu knüpfen".
   Kurzfristig hatte sich Benedikt bereit erklärt, in der Residenz des Staatspräsidenten auch kurz mit dem Vater des von der Hamas im Gazastreifen entführten israelischen Soldaten Gilad Schaut zusammenzutreffen. Angeblich sollte er eine Botschaft für die palästinensischen Politiker erhalten, die Benedikt im Lauf der Woche noch treffen wird.
   Vor seinem Abflug aus Amman, der Hauptstadt Jordaniens und ersten Etappe seiner „Pilgerfahrt ins Heilige Land", trat der Papst aufs Neue für die Rechte der Christen in den arabisch-muslimischen Staaten ein, indem er den Jordaniern, Muslimen und Christen, in besonderer Weise für ihre religiöse Toleranz dankte. So könne die Kirche Einrichtungen für ihre soziale Arbeit und das Bildungswesen unterhalten. Religiöse Toleranz und Dialog zwischen den Religionen würden den Frieden in der Krisenregion des Nahen Ostens entscheidend fördern können, sagte Benedikt. FAZ090512 hjf.hcr

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Das Geschenk für den Papst: Nussbaums „Lagersynagoge"

   „Lagersynagoge" heißt das Ölgemälde, von dem Papst Benedikt XVI. in der Gedenkstätte Yad Vaschem eine Re- produktion geschenkt bekommen hat. Der aus Osnabrück stammende jüdische Maler Felix Nussbaum (1904-1944) schuf es Anfang 1941 in Brüssel und verarbeitete dabei seine Erfahrungen im südfranzösischen Internierungslager Saint-Cyprien.
   Das von düsterem Anthrazit geprägte Bild zeigt eine Gruppe von vier Juden und eine einzelne Person, alle mit Gebetskäppchen und Gebetsmantel bekleidet, vor der Längswand einer Lagerbaracke. In dem isolierten Beter rechts dürfte sich Nussbaum selbst dargestellt haben - unsicher im Vergleich zur geschlossenen Gruppe frommer jüdischer Beter. „Das Bild ist sicher eine seiner eindrucksvollsten Arbeiten", meint Inge Jaehner, Direktorin des Osnabrücker Felix-Nussbaum-Hauses. Das Ölgemälde werfe ein Schlaglicht auf den Versuch, „auch unter erbärm- lichsten Lagerbedingungen Würde zu bewahren". Eine Vorzeichnung zu dem Bild findet sich im Osnabrücker Nussbaum-Haus.  NOZ090512hav

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Fotos oben: Benedikt XVI.  mit Abbas und Peres. Papst plädiert für Palästinenserstaat -
Papst Benedikt XVI. und Palästinenserpräsident Abbas in Betlehem.

   Papst Benedikt XVI. hat sich bei seinem Besuch in Bethlehem für die Gründung eines eigenständigen Palästinen- serstaates ausgesprochen. "Der Vatikan unterstützt das Recht ihres Volkes auf einen souveränen palästinensi- schen Staat im Land ihrer Vorfahren", sagte er bei einem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.
   Ein solcher Staat müsse "in Sicherheit und in Frieden mit seinen Nachbarn in international anerkannten Grenzen" entstehen, sagte Benedikt XVI. bei der Begrüßungszeremonie vor dem Präsidentenpalast. Auch wenn dieses Ziel in weiter Ferne scheine, solle die "Flamme der Hoffnung" auf eine Lösung erhalten bleiben.
Mitgefühl mit Palästinensern im Gazastreifen
   Die Palästinenser sollten jedoch der Versuchung widerstehen, sich "Gewalt und Terrorismus zuzuwenden", sagte er. Der Papst rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, sich für eine Lösung im Nahostkonflikt einzu- setzen. Ein gerechtes und friedliches Zusammenleben der Völker in der Region könne jedoch nur durch einen "Geist der Zusammenarbeit und des gegenseitigen Respekts" erreicht werden. Mit Blick auf die israelische Militär- offensive im Gazastreifen zu Jahresbeginn sprach er der dortigen Bevölkerung sein "tiefes Mitgefühl" aus. Abbas sagte beim Empfang des Papstes, es sei an der Zeit, die Leiden der Palästinenser zu beenden.
   Bei seiner ersten Pilgerreise in die Palästinensergebiete besuchte der Papst auch ein Flüchtlingslager in Betle- hem. Im Westjordanland leben 50.000 Christen und 2,4 Millionen Moslems.

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Bringt der Papst den Frieden nach Nahost? Ägypten und Israel wollen Benedikt als ständigen Vermittler

   Papst Benedikt XVI. feierte am vierten Tag seiner Israel-Reise in Nazareth eine Abschluss-Messe mit 60.000 Gläubigen. Der Nachmittag stand im Zeichen knallharter Politik: ein Vier-Augen-Gespräch mit Israels Premier Benja- min Netanjahu. Thema: Eines der schwierigsten politischen Probleme überhaupt, der Friedensprozess im Nahen Osten. „Es war ein herzliches, politisches Gespräch“, sagte Papstsprecher Federico Lombardi zu BILD.de.
   Der Papst überbrachte Netanjahu Foto oben zunächst eine Botschaft des jordanischen Königs Abdullah II., den er vor seiner Ankunft in Israel besucht hatte. Inhalt der Botschaft: geheim.
   Bei seinem Besuch in den Palästinensergebieten hatte Benedikt XVI. für eine Zwei-Staaten-Lösung und ein baldiges Ende der Blockade des Gazastreifens geworben. Netanjahus rechte Koalition hat sich trotz ent- sprechender Forderungen der USA und der EU bislang nicht klar zur Bildung eines eigenständigen Palästi- nenserstaats geäußert. Immerhin 17 Minuten dauerte das Vier-Augen-Gespräch – dann wurden die Delegationen hereingebeten.
   Im zweiten Teil der Unterredung ging es um das Grundsatzabkommen des Vatikans mit Israel. Der Vatikan möchte, dass Israel eine Besitz-Garantie abgibt für alle Heiligen Orte, die Eigentum der katholischen Kirche in Israel sind. Beispiel: der Ölberg in Jerusalem – dieser soll nach israelischen Plänen bebaut werden. Das möchte der Vatikan unter allen Umständen verhindern, deshalb soll Israel garantieren, dass diese Stätten niemals enteignet werden können.
   Zu einem konkreten Ergebnis führte das Gespräch nicht, aber sowohl Israel als auch der Vatikan ließen durch- blicken, dass man auf einem guten Weg sei.
   Fest steht aber: Auch nach dem Ende der Papst-Reise in das Heilige Land wird der Vatikan eine Rolle im Friedensprozess spielen. Alle Beteiligten sind daran interessiert, dass die katholische Kirche mit 1,2 Milliarden Mitgliedern einen festen Platz am Verhandlungstisch bekommt.
   Im Anschluss an das politische Gespräch nahm der Papst an einem interreligiösen Treffen teil. Gemeinsam sangen der Kirchenvater, die Religionsführer, Muslime, Juden und Drusen „Schalom“ – Frieden. Danach betete Benedikt XVI. in der Grotte, in der die Heilige Familie in Nazaret gelebt hat.
   Einige Worte richtete er an die christliche Gemeinde: Gemeinsam mit den Religionen anderer Völker sollen sie ihre Kinder von Fanatismus und Gewalt abhalten und sie darauf vorbereiten, eine bessere Welt zu schaffen.
    Am Abend in der Kirche der Verkündigung in Nazaret sagte der Papst: „Viele eurer christlichen Mitbrüder sind emigriert, in der Hoffnung, woanders mehr Sicherheit und mehr Wohlstand zu finden. Habt das Vertrauen und den Glauben an Jesus Christus, um hier zu bleiben  – in dem Land, das er durch seine eigene Anwesenheit geheiligt hat.“   Bild090515Andreas Englisch, Nazaret

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   Benedikt XVI. wurden jetzt die Sonderausgabe der israelischen Post zum Andenken an seine Israel-Reise über- reicht. Ein lächelnder Papst nahm die Souvenirs seiner Pilgerreise entgegen. Der katholische Journalist und Rund- funksprecher Peter Jennings auf dem Foto rechts neben dem israelischen Botschafter Mordechay Levy, sagte: „Es war für mich eine große Ehre und ein Privileg, dass mich die israelische Post eingeladen hat, an diesem Zeichen der herzlichen Verbundenheit zwischen dem Staat Israel und der katholischen Kirche mitzuarbeiten. CT090621

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