MM-DKWN-x
kbwn

         o n l i n e :       
www.

kbwn.de

Juden

Juden und Christen   -   Synagoge und Kirche

Sie lesen auf dieser Seite:
1. Bischöfe besuchen römische Synagoge
2. Der Landesrabbi des Vereinigten Königsreichs Großbritannien besucht Papst Franziskus
3. Franziskus empfängt Mitglieder des Jüdischen Weltkongresses
4. Rabbiner Abraham Skorka und Papst Franziskus verbindet eine beispielhafte Freundschaft
5. Neue Internetsite zum jüdisch-christlichen Dialog der Universität Bonn
6. Papst Franziskus empfängt europäische Rabbiner
7. Kardinal Kasper: Juden und Christen - das eine Volk Gottes
8.  Botschafter Israels Mordechay Lewy im Gespräch mit sechs vatikanischen Journalisten
9. Fünf Jahre später zieht Modechay Lewy eine positive Bilanz
10. Besuch von Papst Benedikt XVI. in der römischen Synagoge
11. Begegnung mit Vertretern des Judentums in der Apostolischen Nuntiatur in Paris
12. Pave the Way Fundation: “Papst Pius XII hat viele [Juden] gerettet”
13. Botschaft von Papst Benedikt XVI. an die jüdische Gemeinde New York zum Pesach-Fest
14. Der Jüdische Weltkongress in Audienz bei Papst Benedikt
15. Papst Benedikt im Gespräch mit Schimon Peres
16. Bewegungsfreiheit der Priester im Heiligen Land
17. Einzigartige Beziehungen zum Judentum
18. Israels Oberrabbiner Jona Metzger lobt den christlich-jüdischen Dialog
19. Rabbi Daniel Alter - der erste nach 60 Jahren in Deutschland wieder ausgebildeter Rabbi
20.  Ein bedeutender Schritt im Dialog zwischen Vatikan und Rabbinern in Deutschland
21. Michael Wolffsohn: Nichtamtlich-jüdische Wünsche an Papst Benedikt XVI.
22. Interview mit dem Oberrabbiner von Rom Riccardo Schmuel Di Segni
23. Israel Singer: Benedikt XVI. kann bei der Sicherung des Weltfriedens helfen
24. Papst Benedikt besucht die Kölner Synagoge
25. Ist es Zeit für nostra aetate II ?
26.  Nostra Aetate: der 4. Artikel der Erklärung des 2. Vatikanischen Konzils im Wortlaut

jud-102-Synagoge-Rom-ZxxZ

Bischöfe besuchen Synagoge  -  Die römische Synagoge

   Deutsche Bischöfe werden am 9. September die römische Synagoge besuchen. Das teilte die Bischofskonferenz an diesem Mittwoch mit. Es handelt sich um einen Besuch anlässlich des 50. Jahrestages der Verabschiedung der Konzilserklärung „Nostra aetate“ zum Verhältnis der katholischen Kirche zu den nicht-christlichen Religionen. Die  Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz werden Rabbiner der Römischen Synagoge treffen. Im Mittelpunkt stehe eine Begegnung der Delegation mit dem Oberrabbiner von Rom, Riccardo di Segni. Der Vorsitzende der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz, der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff, werde die Bedeutung der Konzilserklärung für die christlich-jüdischen Beziehungen in Deutschland erläutern. Er wird begleitet vom Vorsitzenden der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Hans-Jochen Jaschke (Hamburg), Rabbiner Jaron Engelmayer (Karmiel/Israel) und Rabbiner Jona Pawelczyk-Kissin (Heidelberg)
   Mit der Wahl der Römischen Synagoge wolle die Deutsche Bischofskonferenz den Ort und die Personen würdigen, die wie Kardinal Augustin Bea und der frühere römische Oberrabbiner Elio Toaff maßgeblich an der Entstehung von „Nostra aetate“ beteiligt waren. Während und nach dem Konzil ist die Römische Synagoge zu einem zentralen Ort der katholisch-jüdischen Verständigung geworden, von dem Impulse für die Begegnung von Juden und Christen auch in Deutschland ausgegangen sind. Rv150826mg 

Jud-106-RabbiEphraimMirvis-cdNichols-ZZ

Der britische Landesrabbi begrüßt Papst Franziskus als “außergewöhnlichen geistlichen Führer”.
Beim Gespräch mit dem Papst wird der Landesrabbiner begleitet von Kardinal Vincent Nichols, Westminster.

   Landesrabbiner Ephraim Mirvis überreichte Papst Franziskus im Vatikan ein symbolisches Gastgeschenk:
   ein Gedeck “Apfel und Honig”.

jud-107-Apfe&Honig-Zx

Äpfel und Honig: Für aschkenasische Juden ist dies ein traditionelles Symbol für dem Neujahrstag.  Man dippt Apfelstückchen  in eine Schale Honig, um die Hoffnung für ein friedvolles und fruchtbares Jahr auszudrücken.

   Der Landesrabbiner erklärte gegenüber Radio Vatikan: “das Symbol erinnert an eine bittere Vergangenheit und an die Hoffnung vorwärts zu schreiten in angenehmer Weise.” Das Geschenkt sei ein Ausdruck unserer Gedanken, was den Hintergrund unseres Besuchs betrifft. Dank Nostra aetate (dem II. Vatikanisches Konzil) – bewegen wir uns jetzt sehr weit vorwärts.”  Im Oktober vor 50 Jahren wurde im Zweiten Vatikanischen Konzil Nostra Aetate beschlossen, wo die katholische Kirche ihre Beziehungen zu anderen Religionen neu justiert hatte.
   Kardinal Nichols sagte während der Reise, dass sie “die praktische Entwicklung nach Nostra aetate gesehen haben”,  besonders im Päpstlichen Rat für religiöse Beziehungen mit den Juden und auch beim Besuch des “Kardinal-Bea-Zentrums der Universität Gregoriana in Rom für jüdäische Studien. In einem gemeinsamen Bericht für den “Daily Telegraph” von Rabbi Mirvis und Kardinal Nichols heißt es, in einer Zeit eines feindlichen Säkularismus sei es “wichtiger denn je” mit unterschiedlichen Religionen Partnerschaften zu bilden.
   “An vielen Orten der Welt muss ein Anhänger einer Religion mutig sein”, sagt der Kardinal. “Das Bekenntnis des Glaubens an Gott wird nicht allgemein respektiert. In vielen Gesellschaften werden diese Gläubigen abgelehnt als unwissende, ungebildete und engststirnige Menschen. Wer aus dem Glauben heraus über Sterbehilfe, den Wert der Familie oder auch soziale Verantwortung spricht, begegnet oft  Zweifel, als ob er unvernünftig oder unbegründet redet. Und vor allem wird das alarmierende Anwachsen der schamlosen Verfolgung von christlichen, muuslimischen und jüdischen Minderheiten als bedrückend empfunden. Das ist zu einem beschämenden Thema unserer Zeit geworden. Und darum ist es für alle Glaubensgemeinschaften sehr wichtig, untereinander enge und wirksame Beziehungen zu kultivieren”, sagten die beiden Religionsführer. CH150904

jud-VincentNichols-EphraimMirvis-Zzxx

Interreligiöser Dialog nie zum Scheitern verurteilt
Gespräch bei Radio Vatikan: Der Kardinal und der Oberrabbiner

   Juden und Christen teilen die Überzeugung vom Wert und der Würde des Lebens. Das betonen der katholische Erzbischof von Westminster, Vincent Nichols, und der Oberrabbiner Großbritanniens, Ephraim Mirvis. Gemeinsam waren Sie bei Papst Franziskus, mit Radio Vatikan sprachen die beiden über die Herausforderungen der Religion in einer säkularen Welt und den interreligiösen Dialog.
   Der in Südafrika geborene Ephraim Mirvis ist seit zwei Jahren Oberrabbiner des Vereinigten Königreichs und des Commonwealth, wie sein offizieller Titel lautet. Zwei Jahrzehnte lang war er Mitglied in der Konferenz Europäischer Rabbiner und ist bekannt für seine Arbeit im interreligiösen Dialog beim Rat der Christen und Juden. Jetzt traf er erstmal Papst Franziskus. „Ich habe ihm unsere Bewunderung zum Ausdruck gebracht. Er ist ein wirklich außergewöhnlicher, inspirierender spiritueller Führer, mit dem ich mich persönlich stark identifiziere. Mit seinem Glauben, seiner Liebe und seiner Toleranz und seinem Einsatz für die ganze Menschheit.“
Vorbild Papst Franziskus
   Nach der Papst-Audienz sprachen Mirvis und Kardinal Nichols in der Vatikan-Kommission für religiöse Beziehungen mit dem Judentum und besuchten das Kardinal Bea Zentrum für jüdische Studien an der Päpstlichen Universität Gregoriana.
   Auf der politischen wie auch der theologischen Ebene gebe es Werte und Überzeugungen, die beide Religionen teilten, so der Kardinal. Etwa in Bezug auf ein neues Sterbehilfegesetz in Großbritannien, das dieser Tage im britischen Parlament diskutiert wird. Die Religionsvertreter planten, in den nächsten Tagen einen gemeinsamen Brief dagegen zu veröffentlichen. „Dadurch wird das Leben entbehrlich“, so Nichols. „Wir haben darüber die freie Verfügung, und wir wollen sagen: Nein, diesen Weg zu gehen, bedeutet, den Wert des Lebens weiter herabzusetzen. Und wir teilen eine tiefe Überzeugung des Werts des Lebens von seinen ersten Momenten bis zu seinem natürlichen Ende.“
Leidenschaft für die Religion
   Eine Welt, in der zunehmend materielle Werte gälten und die Religion eine immer geringere Rolle spiele, sei für beide Religionen – Christentum wie Judentum – eine Herausforderung, so der Oberrabbiner Mirvis: „Wir beobachten einen zunehmenden Säkularismus und Atheismus. Gleichzeitig gibt es Gott sei Dank eine Leidenschaft für die Religion. Und so viele Menschen schätzen es, dass in unserer materiell orientierten Welt ein wahrer Durst nach Spiritualität herrscht. Religion hat da so viel zu geben.“
   Religiöse Führer seien heute gefordert, sich diesen Veränderungen anzupassen. Kardinal Nichols zeigt am Beispiel eines zunehmenden Individualismus in der Gesellschaft, dass es wichtig sei, verschiedene Stimmen auch innerhalb der Kirche zusammenzubringen. „Das ist gewissermaßen ein Problem, weil es den Egoismus fördern kann sowie die Isolation insbesondere alter und einsamer Menschen, weil dann jeder nur an sich denkt. Andererseits zeigt sich durch einen verstärkten Individualismus auch der Reichtum einer einzelnen Person, die nicht immer anerkannt wird von den religiösen Institutionen, auch der unseren. Die Tatsache, dass es in der katholischen Gemeinschaft verschiedene Stimmen gibt, ist eine Herausforderung, aber auch ein Gewinn. Es ist schön, dass der Papst sagt, diese Stimmen könnten durch den Heiligen Geist zusammengebracht werden. Wir würden uns sehr wünschen, von dem Heiligen Geist Gottes geleitet zu werden.“
Paradigmenwechsel in Flüchtingspolitik
   Am Besuchstag der beiden Religionsvertreter im Vatikan ging das Bild eines kleinen syrischen Jungen um die Welt, der nach der Flucht über das Mittelmeer leblos an einem Strand in der Türkei lag. Oberrabbiner Mirvis sieht in der Flüchtlingsdebatte ganz Europa auf den Plan gerufen. „Hier ist ein Paradigmenwechsel nötig, wie wir uns in Europa zu dem Leiden der Menschen verhalten müssen. Natürlich haben Politiker ihre Arbeit und ihre Prioritäten. Aber wir haben sicher eine moralische Verantwortung, angemessen auf das echte Leiden der Menschen zu reagieren. Das geschieht nun vor den Toren Europas, innerhalb Europas, im Nahen Osten und weltweit. Wir müssen darauf eine passende Antwort finden.”
   Der interreligiöse Dialog sei hierbei eine zentrale Aufgabe. Den jüdisch-christlichen Dialog sehe man auf einem guten Weg. Der Dialog mit den Muslimen müsse zudem weiter ausgebaut werden, betonte der jüdische Religionsvertreter. Im israelisch-palästinensischen Konflikt machten die Juden ein Angebot des Friedens, an dem jeder eingeladen sei, mitzuwirken, so der Rabbiner. Kardinal Nichols gibt die Hoffnung nicht auf, dass Friedensgespräche eines Tages Früchte tragen werden. „Ich hoffe, dass das Gebet und die persönliche Begegnung nie unwichtig, unbedeutend oder zum Scheitern verurteilt sind. Hierdurch wird eher das Scheitern verhindert. Schritt für Schritt tragen sie zu einem gegenseitigen Verständnis und einer Basis für den Frieden bei.”  Rv150904cz

ff-218-ZZ-SchimonPeres

   Franziskus hat Mitglieder des Jüdischen Weltkongresses empfangen. Im Vatikan-Gästehaus Santa Marta unterhielt er sich mit den etwa vierzig jüdischen Persönlichkeiten aus vielen Teilen der Welt. Zu den Themen des „freundschaftlichen Gesprächs gehörte auch die Lage im Nahen Osten. Nach Angaben eines Teilnehmers an der Audienz sagte der Papst dazu: „Das Fenster des Gebets steht noch offen, und mit Gebet und dem Willen Gottes lassen sich die Dinge von jetzt auf gleich ändern.“ Franziskus hatte im Juni in den Vatikanischen Gärten zusammen mit den Präsidenten Palästinas und Israels für den Frieden im Nahen Osten gebetet. Ein weiteres Gesprächsthema war die wachsende Christenverfolgung im Nahen Osten. Rv140918efe 

Papst Franziskus    fr-99-z4  jud-AbrahamSkorka-Rabbi-xx   Abraham Skorka

   Den argentinischen Rabbiner Abraham Skorka und Papst Franziskus verbindet eine beispielhafte Freundschaft über Religionsgrenzen hinweg. Franziskus bezeichnet Skorka als seinen „Bruder", und Skorka ist überzeugt, dass Papst Franziskus den Dialog der katholischen Kirche mit anderen Religionen vertiefen wird. „Er hat das ja schon hier in Argentinien praktiziert."
   Der Rabbiner und der Papst sind von Hause aus Chemiker. Der heutige Papst absolvierte vor seinem Eintritt in den geistlichen Stand eine Ausbildung zum Chemietechniker; der 14 Jahre jüngere Skorka schloss 1973 ein Chemiestudium ab, 1979 wurde er promoviert.  Bereits 1973 hatte er zudem die Ausbildung zum Rabbiner am Lateinamerikanischen Rabbiner-Seminar beendet, an dem er Professor der biblischen und rabbinischen Literatur wurde. Von 1996 bis 2008 amtierte er als dessen Rektor, seit 2010 ist er es wieder.
   Armando (Abraham) Skorka wurde am 5. Juli 1950 in Buenos Aires geboren. Seine Familie war in Polen, seinem Herkunftsland, von den Schergen des NS-Regimes fast vollständig ausgelöscht worden. Seit 1976 ist Skorka, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, im Stadtteil Belgrano seiner Geburtsstadt Rabbiner der jüdischen Gemeinde Benei Tikva, die deutsche Juden unter ihrem ersten Rabbiner Fritz Steinthai 1939 gegründet hatten. Von 1996 bis 1998 war er Präsident des Schiedsgerichtes der jüdischen Gemeinde „Amia", deren Sitz 1994 bei einem Autobombenanschlag zerstört worden war. Ferner lehrt er talmudisches Recht an der Katholischen Universität von Buenos Aires und der Universidad del Salvador. Skorka hatte im Jahr 2002 den Lehrstuhl für Hebräisches Recht an der Alma Mater der Jesuiten, der Universidad del Salvador in Buenos Aires gegründet, und 2008 an der Universidad de Buenos Aires. Der jüdische Rabbi und der katholische Kardinal kamen sich bei einem  Gottesdienst zum argentinischen Nationalfeiertag näher. Zu der Messfeier hatte Bergoglio ausdrücklich auch Vertreter anderer Religionsgemeinschaften eingeladen. „Er fragte uns alle nach unserem Lieblings-Fußballklub, er ist sehr jovial und verzichtet auf Formalitäten", erinnert sich Skorka an die erste Begegnung. Über Monate führten der Rabbiner und Papst Franziskus, damals Erzbischof von Buenos Aires, einen Dialog über Gott, Fundamentalismus, Atheismus, Tod, Holocaust, Homosexualität und Kapitalismus. Die Gespräche fanden am Bischofssitz und in der jüdischen Gemeinde Benei Tikva statt. Sie wurden 2012 in einem Buch mit dem Titel „Über den Himmel und die Erde" veröffentlicht. Im Fernsehen diskutierten die beiden geistlichen Würdenträger über Angst, Machtwillen und Einsamkeit.
  Zum 50. Jahrestag des Zweiten Vatikanischen Konzils verlieh die Katholische Universität von Buenos Aires Skorka 2012 die Ehrendoktorwürde. Erstmals vergab in Lateinamerika eine katholische Universität diesen Titel an einen Rabbi. Der damalige Kardinal Bergoglio überreichte die Urkunde. FAZ130330JosefOehrlein

f-139-ZZ-RabbiAbrahamSkorka

Kardinal Koch und Rabbi Abraham Skorka  - Koch: „Für einen Trialog ist es noch zu früh“

    Dieses Jahr ist das Jahr des Jubiläums des Zwieten Vatikanischen Konzils, vor genau 50 Jahren endete es, Anlass für eine ganze Reihe von Konferenzen. So auch diese Woche in Washington, dort ehrt man das Konzilsdokument ‚Nostra aetate’ (siehe unten) und den Dialog zu Juden und Muslimen. Die Konferenz ging der Frage nach, was für einen Einfluss das Dokument für den Dialog der Religionen und für die Ökumene hatte.
   Für einen Trialog, also einen Dialog zwischen Christen, Juden und Muslimen – den abrahamitischen Religionen – ist es für Kurienkardinal Kurt Koch aber noch zu früh. Der Unterschied zwischen den drei Weltreligionen sei gerade für Christen besonders deutlich, erklärt der Präsident des päpstlichen Einheitsrates im Gespräch mit Radio Vatikan in Washington. „Der Islam ist eine Religion, die nach dem Christentum gekommen ist und gleichsam sich als Vollendung des Christentums versteht. Demgegenüber steht das Judentum, die Mutter und der Boden des Christentums, auf dem wir stehen. Insofern kann man diese beiden Dialoge nicht einfach auf dieselbe Ebene nehmen. Man redet zwar heute gerne über eine abrahamitische Ökumene, das ist auch richtig, weil alle drei Religionen sich auf Abraham beziehen. Aber auf der anderen Seite haben wir natürlich jüdisch, christlich und muslimisch eine andere Interpretation von Abraham und das muss in den Dialog mit einbezogen werden.“
   Das Dokument ‚Nostra Aetate’ war, so Koch, ein Meilenstein für die Beziehung der katholischen Kirche mit anderen Glaubensrichtungen. Dennoch könne man die Differenzen, die trotz aller Ökumene bestehen, nicht ignorieren. Für den interreligiösen Dialog sei es auch wichtig, genau diese Differenzen anzusprechen. Ob ein solcher Dialog irgendwann möglich wäre, werde sich erst in der Zukunft zeigen, aber man müsse im Sinne des Zweiten Vatikanums weitergehen.
   Eng verbunden in einem solchen Trialog sei aber nicht nur die Theologie, man müsse auch die politische Seite betrachten. Das der Vatikan Palästina nun explizit als Staat anerkannt hat, hat im Judentum für Unmut gesorgt. Darüber war Koch überrascht, wie er zugibt: „Über die Reaktionen bin ich durchaus überrascht, weil schon die Einladung von Papst Franziskus an die beiden Präsidenten von Israel und Palästina nach Rom zu kommen an Pfingsten letztes Jahr, um für den Frieden zu beten, eigentlich eine deutliche Anerkennung dessen ist, was der Heilige Stuhl schon immer verfolgt, dass es eine Lösung im Nahen Osten nur auf der Ebene einer Zwei-Staaten- Lösung geben kann.“
   In einer inhaltlichen Reflexion des Dokuments haben die Konferenzteilnehmer trotz der politischen Differenzen, die bestehen, noch einmal betont, welche „tiefe Bande“ zwischen Judentum und der Katholischen Kirche bereits besteht. Es sei ein gemeinsames Erbe, das immer wieder vertieft werden muss, berichtet Koch: „Und natürlich, dass wir als Christen gegen den Antisemitismus eingestellt sein müssen. Dann war es mir auch ein Anliegen zu zeigen, dass alle Päpste seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil Paul VI., Johannes Paul II., Benedikt XVI. und auch Franziskus ganz auf dem Boden von ‚Nostra Aetate’ stehen und diese Überzeugung von der engen Verbundenheit zwischen Judentum und Christentum vertieft und fortgeführt haben. Johannes Paul II. hat das einmal sehr schön gesagt, die Beziehung zwischen der katholischen Kirche und dem Judentum ist nicht eine äußerliche sondern ist eine innerliche Beziehung.“ Diese Beziehung und dieser Boden gehören fest zum Christentum, sie gehört zur Identität des Christentums, so Koch weiter. Die große Herausforderung sei es, dass der Inhalt von ‚Nostra Aetate’ immer mehr in das alltägliche der Kirche mit einfließe.
Rv150522pdy

Juden
  
Eine neue Internetseite zum christlich-jüdischen Dialog hat die Universität Bonn freigeschaltet. Die neue Fachwebseite Nostra Aetate stellt einer breiten Öffentlichkeit wissenschaftliche Artikel und historische Quellen zur Verfügung. Der Internetauftritt richtet sich sowohl an Studenten als auch an interessierte Laien. Verantwortlich für die Gestaltung der Seite ist das Seminar für Religionspädagogik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Hochschule. Die Universität hat den Internetauftritt anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar freigeschaltet.  www.nostra-aetate.uni-bonn.de 120125pm

jud-PinchasGoldschmidtORabMoskau-ZZ

Franziskus empfängt europäische Rabbiner

   Papst Franziskus hat bei einer Audienz für europäische Rabbiner gegenwärtige antisemitische Tendenzen und Akte in Europa beklagt. „Jeder Christ kann nur darauf beharren, jede Form von Antisemitismus abzulehnen und dem hebräischen Volk seine Solidarität zu zeigen“, sagte Franziskus. Er bezog sich damit auf die Attentate der vergangenen Monate auf jüdische Einrichtungen in Paris oder Kopenhagen; allein Frankreich verzeichnete 2014 doppelt so viele antisemitische Straftaten wie im Vorjahr.
   Franziskus verwies auf die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor siebzig Jahren und forderte, die Tragödie der Schoah im Herzen Europas müsse ein Mahnmal für jetzige und für künftige Generationen bleiben. Zugleich müssten auch „überall Hass- und Gewalttaten gegen Christen und Angehörige anderer Religionen verurteilt werden“, so der Papst. Er verwies auf die nahezu fünfzig Jahre des systematischen christlich-jüdischen Dialogs seit der Konzilserklärung Nostra aetate und würdigte die erzielten Fortschritte und die heute bestehende freundschaftliche Beziehung.  
   Franziskus forderte die europäischen Rabbiner dazu auf, gemeinsam mit Christen für den Schutz des Lebens und die Präsenz der Religion in der Gesellschaft einzutreten. Die Gesellschaften des Kontinents seien immer mehr von „Säkularismus und von der Drohung des Atheismus“ gezeichnet und der Mensch oft in der Versuchung, sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen. „Juden und Christen haben die Gabe und Verantwortung, dazu beizutragen, den Sinn für Religion bei den Menschen und in der Gesellschaft lebendig zu erhalten, indem sie die Heiligkeit Gottes und des menschlichen Lebens bezeugen: Gott ist heilig, und heilig und unantastbar ist das Leben, das er schenkt.“
   Der Papst drückte auch seine Anteilnahme am Tod des langjährigen römischen Oberrabbiners Elio Toaff aus, der am Sonntag im hohen Alter verstorben war. Er beendete seine Ansprache mit der Bitte an die Rabbiner, für ihn zu beten.
   Es handelte sich um die erste Audienz der europäischen Rabbinerkonferenz beim Papst. Präsident der Vereinigung ist Pinchas Goldschmidt Foto oben. Der Oberrabbiner von Moskau benannte bei der Audienz vor dem Papst die Schwierigkeiten vieler Juden in Europa mit einem drastischen Bild. „Zwei Züge rasen immer schneller aufeinander zu, und auf dem Gleis stehen wir, die Juden, und wissen nicht, welcher Zug uns zuerst zerschmettert.“ Der erste Zug, das seien die Attentate auf Juden durch radikalisierte muslimische Einwanderer in Europa. Der zweite Zug sei die Reaktion des säkularen alten Europa auf diesen muslimischen Radikalismus, so Goldschmidt: „Statt die Radikalen zu bekämpfen, reagierte das alte Europa mit einer Attacke auf den Islam“, indem es das Minarett, das Kopftuch und die Beschneidung ächte. Das europäische Judentum riskiere, hier zum „Kollateralschaden“ der antimuslimischen Offensive zu sein.
   Goldschmidt dankte dem Heiligen Stuhl und den katholischem Gemeinden Europas für ihren Einsatz im Sinn der Religionsfreiheit. Auch stehe man gemeinsam für einen Kampf gegen die Gefahren eines radikalen Islam ein, „der eine Bedrohung nicht nur für uns, sondern für die ganze Welt“ geworden sei. Als russischer Rabbiner kam Goldschmidt auch auf den Konflikt mit der Ukraine zu sprechen, der Zehntausende von Menschen in die Flucht geschlagen habe. Sanktionen und Gegensanktionen hätten für die Bevölkerungen in Russland wie in der Ukraine zu „großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten“ geführt. Er sehe auch die Gefahr einer „neu hochgezogenen Mauer zwischen Ost und West“, fuhr Goldschmidt fort. „Wer hätte vor 25 Jahren gedacht, dass der Osten der Verteidiger traditioneller religiöser Werte werden würde, während der Westen einen Säkularismus annimmt, der ihn von seinem jüdisch-christlichen Erbe wegführt?“, fragte der Rabbiner. Der Papst sei in einer einzigartigen Lage als Oberhaupt der westlichen Christenheit; er könne „Gottes Gesandter“ sein, um Ost und West „vom Rand des Krieges zurückzuholen“. Rv150420gs

jud-101-f-ZxZ

Papst: Christen und Juden sind „Freunde und Geschwister“ – Foto: Die Audienz

   Papst Franziskus hat ein deutliches Bekenntnis zum Judentum abgelegt. „Die Christen, alle Christen haben jüdische Wurzeln“, sagte er am Dienstag bei einem Treffen mit dem Internationalen Rat der Christen und Juden (ICCJ) im Vatikan. Bestandteil der katholischen Lehre sei ein „unwiderrufliches Nein zum Antisemitismus“, betonte er unter Verweis auf die Konzilserklärung Nostra aetate. Das 50 Jahre alte Dokument habe eine neue Epoche „der Freundschaft und gegenseitigen Verständigung“ zwischen Katholiken und Juden eingeleitet und eine neue Basis gelegt, würdigte Franziskus.
   „Wenn wir uns heute als ,Freunde und Geschwister´ bezeichnen können und nicht mehr als Fremde, dann liegt es an dem damaligen Wunsch, einen wahrhaftigen Dialog aufzunehmen“, so der Papst. In die Sala Clementina im Apostolischen Palast waren über 250 Mitglieder des Verbands gekommen. Sie hatten sich zuvor zu einer Konferenz zum 50-Jahre-Jubiläum von Nostra aetate zusammengetan. „Ich bin Gott dafür dankbar, dass in Sachen Freundschaft und gegenseitigem Verständnis in diesen 50 Jahren so viel geschehen ist, weil Sein Heiliger Geist unsere Bemühungen um Dialog begleitet hat. Unsere menschlichen Spaltungen, unsere Befürchtungen und unser Stolz wurden überwunden, dank dem Geist des allmächtigen Gottes, und so konnten immer mehr das gegenseitige Vertrauen und unsere Geschwisterlichkeit gestärkt werden. Wir sind keine Fremden mehr, sondern Freunde und Geschwister.“
   Das Christentum sei ohne Judentum schlechterdings nicht vorstellbar. Auch wenn es verschiedene Sichtweisen gebe, so der Papst weiter, gelte für alle, dass Gott der Schöpfer sei, der Herr der Geschichte, und dass er in seiner unendlichen Güte und Weisheit den Einsatz für den Dialog segne.
   „Die verschiedenen christlichen Konfessionen finden ihre Einheit in Christus; das Judentum findet seine Einheit in der Thora. Die Christen glauben, dass Jesus Christus das Wort Gottes ist, das Mensch geworden und in die Welt gekommen ist; für die Juden ist das Wort Gottes vor allem in der Thora gegenwärtig. Beide Glaubenstraditionen beziehen sich auf den einen Gott, den Gott des Bundes, der sich der Menschheit durch Sein Wort offenbart hat. Auf der Suche nach dem richtigen Verhalten gegenüber Gott wenden sich die Christen Christus zu, der für sie die Quelle des neuen Lebens ist, und die Juden wenden sich der Lehre der Thora zu.“
   Diese Gedanken seien der Ausgangspunkt von Nostra aetate, so Papst Franziskus. Er hoffe, dass der Dialog im Lauf der Zeit noch viele weitere Früchte hervorbringen werde. Rv150630mg

cdWalterKasper     Walter Kardinal Kasper:

Juden und Christen - das eine Volk Gottes

I.
  Die Geschichte der jüdisch-christlichen Beziehungen ist komplex und schwierig; sie geht auf die Anfänge der Kirche im ersten nachchristlichen Jahrhundert zurück. Die frühe christliche Gemeinde in Jerusalem nahm noch an den Gebeten im Tempel teil und wurde sehr geschätzt, der Apostel Paulus ging auf seinen Missionsreisen immer zunächst in die Synagogen und erst dann zu den Heiden. Aber es kam bereits im ersten Jahrhundert zu einem Riss zwischen Juden und Christen und zum Schisma zwischen den Juden und der einen Kirche aus Juden und Heiden, insbesondere nach der Zerstörung des Zweiten Tempels durch die Römer 70 n. Chr. Diese Geschichte hat auch gute Zeiten gesehen, so etwa, wenn Bischöfe Juden unter ihren Schutz nahmen gegen Pogrome des aufgehetzten Volkes - es gab aber auch dunkle Zeiten, die sich ganz besonders in das kollektive jüdische Gedächtnis eingeprägt haben.
  Ein solcher theologisch begründeter Antijudaismus und Pogrome dieser Art müssen von dem primitiven rassischen Antisemitismus unterschieden werden, der sich im 19. Jahrhundert entwickelte, zur Nazi-Ideologie führte und in den brutalen Verbrechen der Schoah kulminierte, die historisch ohne Vergleich sind: die staatlich finanzierte, organisierte Ermordung von etwa sechs Millionen europäischen Juden, welche den absoluten Tiefpunkt dieser Geschichte darstellt. Der Holocaust kann nicht dem Christentum als solchem zugeschrieben werden, da er auch deutlich anti-christliche Züge hatte. Allerdings trug ein jahrhundertealter christlich-theologischer Antijudaismus ebenso zu dieser Entwicklung bei und begünstigte eine weit verbreitete Antipathie gegen Juden, so dass ideologisch und rassisch motivierter Antisemitismus überhaupt in dieser schrecklichen Weise überhand nehmen konnte. Der Widerstand gegen die ungeheuer inhumane Brutalität konnte so nicht das Ausmaß und die Klarheit erreichen, die man erwartet hätte.
  Bedauerlicherweise bedurfte es erst des beispiellosen Verbrechens der Schoah, um ein grundlegendes Umdenken einzuleiten. Dieses begann nach 1945 in allen großen Kirchen. Auf katholischer Seite war die Erklärung Nostra Aetate des II. Vatikanischen Konzils Foto unten rechts der entscheidende Wendepunkt.

Johannes-XXIII.-z va-VAT-II-xxx - Kopie

   Papst Johannes XXIII. Foto oben links kann als der geistige Vater dieser Erklärung angesehen werden. Als Apostolischer Delegat in Istanbul ist er aktiv eingeschritten, um viele jüdische Leben zu retten. Am Beginn seines Pontifikats, nach einem historischen Besuch des bedeutenden jüdischen Gelehrten Jules Isaak, bat er den deutschen Kardinal Augustin Bea, einen angesehenen Bibelwissenschaftler, die Konzilserklärung zu dieser Frage vorzubereiten, die nach kontroversen Diskussionen während der letzten Sitzungsperiode des Konzils 1965 von Papst Paul VI. promulgiert wurde. Sie ist - wie Papst Benedikt XVI. nochmals während seines Besuchs in der römischen Synagoge am 17. Januar 2010 in aller Deutlichkeit klar machte - unwiderruflich. Sie ist unwiderruflich aufgrund der einfachen Tatsache, dass die entscheidenden theologischen Argumente der Erklärung Nostra Aetate in zwei höherrangigen Konzilskonstitutionen entschieden begründet sind: der Dogmatischen Konstitution über die Kirche Nr. 6, 9, 16 und der Dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung Nr. 3,14.
   Zwei Aussagen sind in der bahnbrechenden ErklärungNostra Aetate von besonderer Bedeutung. Grundlegend ist die Anerkennung der jüdischen Wurzeln des Christentums und seines jüdischen Erbes. Das Konzil ruft die Beteuerungen des heiligen Paulus in Erinnerung: «Sie sind Israeliten; damit haben sie die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihnen ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, sie haben die Väter und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus» Rö 9,4-5, der Sohn der Jungfrau Maria. Das Konzil bedachte, dass Maria eine jüdische Frau war und alle Apostel Juden waren. Gegründet auf diesen gemeinsamen Wurzeln und dem gemeinsamen Erbe, ist das Judentum, wie Papst Johannes Paul II. während seines Besuches in der römischen Synagoge am 13. April 1986 sagte, dem Christentum nicht äußerlich, sondern innerlich; das Christentum steht in einer einzigartigen Beziehung zum Judentum.  Dies machte den alten Antijudaismus nichtig. Papst Pius XI. hatte bereits gesagt, dass alle Christen geistig Semiten seien.
   Die zweite wichtige Aussage des Konzils betrifft die Verurteilung des Antisemitismus. In der Erklärung bedauert die Kirche «alle Ausbrüche von Hass, Verfolgung, Ausdrücke von Antisemitismus, die jemals von jemandem gegen die Juden gerichtet wurden.» Beide Aussagen wurden mehrmals ausdrücklich von den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. bestätigt, neben anderen Gelegenheiten, besonders während ihrem Besuch in der römischen Synagoge und in Auschwitz. Die beeindruckende und bewegende mea culpa Zelebration am ersten Fastensonntag des Jubiläumsjahres 2000, die sich unter anderem auf das Verhältnis zum Jüdischen Volk bezog, ist wohlbekannt.
   Die Erklärung des Konzils ist kein toter Buchstabe geblieben: seither sind viele entscheidende Dinge passiert, um die Erklärung ins Leben zu übersetzen und zu verwirklichen. Vor allem die Besuche von Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. in der römischen Synagoge und im Heiligen Land und ebenso die Besuche hoher jüdischer Delegationen in Rom haben die neu gewachsene Beziehung beredt zum Ausdruck gebracht und weiter gestärkt. So nahm die gegenseitige Entfremdung ab und Vertrauen, Zusammenarbeit und Freundschaft wurden aufgebaut. Überdies waren die Anerkennung des Staates Israel durch den Heiligen Stuhl und die Aufnahme formaler diploma- tischer Beziehungen 1993 nur auf der Grundlage von Nostra Aetate möglich.
  1974 errichtete Papst Paul VI. die Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum, eine besondere Einheit, die Teil des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen innerhalb der Römischen Kurie ist, mit dem Ziel die Beziehungen und die Zusammenarbeit mit den Juden zu fördern. In diesem Zusammenhang möchte ich gerne zwei Punkte hervorheben. Erstens ist diese Kommission nicht Teil des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, sondern des Ökumenischen Rates, d.h. des innerchristlichen Dialogs, weil sich unser Verhältnis zum Judentum seinem Wesen nach von allen anderen interreligiösen Beziehungen unterscheidet. Zweitens sind wir verantwortlich für die religiösen Beziehungen, während die politischen Beziehungen zum Staat Israel unter die Verantwortung des Staatssekretariates fallen, mit dem wir in enger Zusammenarbeit stehen.
   Durch das Internationale Verbindungskomitee zwischen der Katholischen Kirche und dem Judentum (International Catholic Jewish Liaison Committee — ICJLC) fuhrt die Kommission regelmäßig internationale Dialoge mit dem Internationalen Jüdischen Komitee für Interreligiöse Beratungen (IJCIC), einem Konsortium einiger bedeutender jüdischer Organisationen. Die Kommission hat wichtige Dokumente zum Verständnis und zur Anwendung von Nostra Aetate veröffentlicht (Richtlinien und Vorschläge zur Anwendung von Nostra Aetate [1974], und Bemerkungen über die richtige Darstellung von Juden und Judentum [1985] sowie in Bezug auf die Schoa Wir erinnern [1998]). Außerdem führte die Kommission seit 2003 in einer außerordentlich herzlichen und freundlichen Atmosphäre einen fruchtbaren Dialog mit dem obersten Rabinat von Jerusalem.
   Darüber hinaus gibt es in allen betroffenen Bischofskonferenzen Komitees und Dialoge auf nationaler Ebene. Fruchtbare Zusammenarbeit ist auch im Bereich der Theologie und in anderen Feldern entstanden. «Wochen der Brüderlichkeit», Nostra Aetate-Jubiläen, etc. suchen die Sorge um Versöhnung und den Dialog mit dem Judentum in einer breiteren Öffentlichkeit lebendig zu halten. Die Dokumente, die zu diesem Thema bis zum Jahr 2000 veröffentlicht wurden, füllen zwei umfangreiche Bände mit insgesamt 1.800 Seiten.1 Es ist praktisch unmöglich, die umfassende Zahl von Publikationen, Monographien, einzelnen Artikeln und Aufsatzsammlungen zu überblicken. So haben Abhandlungen Pro Judaeis die alten Adversus Judaeos Traktate abgelöst. Dies alles zeigt, dass eine grundlegend veränderte Situation entstanden ist.2
  
Die oberste Priorität in diesen nationalen und internationalen Dialogen war die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und die Wiederherstellung von Vertrauen. Insbesondere in der Ausbildung der jungen Generationen wird die Erinnerung an das Geschehene als Mahnung für die Zukunft eine wichtige Aufgabe bleiben. Darüber hinaus haben uns unsere jüdischen Freunde ermutigt nicht nur zurück zu schauen, sondern auch nach vorne mit Blick auf den Aufbau einer besseren Zukunft für unsere Kinder und die Kinder unserer Kinder. So konzentriert sich die Aufmerksamkeit seit dem ICJLC Treffen in Buenos Aires (2004) zum Thema «Tzedeq und Tzedeqah — Gerechtigkeit und Barmherzigkeit» mehr auf unsere gemeinsame Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft. Es geht darum, zusammenzuarbeiten, um eine Welt aufzubauen, in der so schreckliche Ereignisse wie die Schoah nicht mehr möglich sind. In diesem Sinne wurden die anschließenden Treffen in Kapstadt (2006) und Budapest (2008) organisiert.
   Nach einer so langen Geschichte der Entfremdung und bleibenden grundlegenden Unterschieden zwischen dem Judentum und dem Christentum war es natürlich unvermeidlich, dass es zu Missverständnissen und Kontroversen kommen würde und weiterhin kommt. Dazu gehört unter anderem die neu formulierte Fürbitte für den außer- ordentlichen Ritus der Karfreitagsliturgie, die Beurteilung der Haltung von Papst Pius XII. zur Schoah während dem Zweiten Weltkrieg und die Frage der Judenmission. Aufgrund des Vertrauens, das in der Zwischenzeit gewachsen war, konnten die mitunter heftigen Kontroversen im eigensten Interesse beider Parteien durch Korrespondenz und Gespräche auf offizieller Ebene relativ schnell geklärt und bis zu einem gewissen Grad beigelegt werden. Dennoch sind diese Fragen in der Öffentlichkeit weiterhin präsent und verursachen nicht wenige und teilweise polemische Auseinandersetzungen.

II.
   Das führt mich nun zu den grundsätzlichen Problemen zwischen dem Judentum und dem Christentum, welche über die Themen des Tages hinausgehen sowie zu den unterschiedlichen Positionen, die für die beiden Gemeinschaften jeweils fundamental sind. Das schließt besonders Kernfragen ein wie das christliche Bekenntnis zu Jesus als Christus (d.h. als den Messias) und Sohn Gottes, was in direktem Zusammenhang steht zu der trinitarischen Auffassung des biblischen Monotheismus und der universalen Heilsbedeutung Jesu und andere ähnliche Fragen.
   Natürlich kann es nicht darum gehen, die tief reichenden Unterschiede in diesen Fragen zugunsten einer Art von Synkretismus aufzulösen oder sie zu relativieren. Ganz sicher geht es bei dieser Diskussion nicht um einen verdeckten Proselytismus. Die Basis für einen Dialog muss vielmehr die Realisierung sein, dass Juden und Christen sich in diesen Fragen unterscheiden und einander in ihrer Andersheit respektieren und wertschätzen müssen. Aber eben um des gegenseitigen Respekts und der gegenseitigen Anerkennung willen in dem neu geschaffenen Klima des Vertrauens muss es ein vornehmliches Ziel sein, alte Missverständnisse aktiv zu verringern und mögliche Zugänge zu entwickeln, um die Position des Anderen zu verstehen.
   Ein erster verdienstvoller Versuch, der gleichwohl von verschiedenen Seiten kritisch diskutiert wurde, wurde von jüdischen Gelehrten mit Dabru Emet: Redet Wahrheit (2000) unternommen.3 Im Anschluss begann sich 2006 auf Anregung der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum eine informell einberufene internationale Gruppe christlicher Theologen zu treffen; einzelne jüdische Fachleute und Freunde wurden als kritische Beobachter zur Teilnahme eingeladen. Ihre Arbeit widmete sich der Untersuchung der spezifischen Frage, wie die universelle Heilsbedeutung Jesu Christi auf Israels fortlaufenden Bund mit Gott zu beziehen sei. Unsere päpstliche Kommission unterstützte dieses Gespräch und wurde über seinen Fortschritt auf dem Laufenden gehalten. Jeder, der die in diesem Band versammelten Beiträge durchgeht, wird schnell bemerken, dass dieses Gespräch keineswegs zu einem Abschluss gekommen ist. Wir stehen erst am Anfang eines neuen Beginns. Viele exegetische, historische und systematische Fragen sind noch immer offen und wahrscheinlich wird es immer solche Fragen geben. Und es wird auch immer unterschiedliche Haltungen zu diesen Fragen geben. So gibt es aktuell keine endgültige Theorie über das Verhältnis zwischen Judentum und Christentum, die mehr oder weniger allgemein akzeptiert wäre, wenn es sie denn jemals geben wird.
   Aus meiner Sicht gibt es aber schon heute einige Linien, die ausgezogen werden können ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Ich werde mich auf vier Punkte beschränken, die ich in diesem Zusammenhang nur in groben Zügen darstellen kann. Alle diese Punkte sind aus einer christlichen Perspektive heraus entwickelt und sind nicht in der Erwartung entstanden, dass unsere jüdischen Gesprächspartner ihnen allen zustimmen können.
   1. In der Vergangenheit wurde Israel oft als ein verfluchtes, von Gott verworfenes Volk beschrieben. Diese Position ist seit Nostra Aetate völlig überwunden. Gemäß dem heiligen Paulus ist Israel das göttlich auserwählte und geliebte Volk des Bundes, der niemals widerrufen oder gekündigt wurde Rö 9,4; 11.29. Deshalb kann man nicht sagen, dass der Bund mit Israel ersetzt wurde durch den Neuen Bund. Der Neue Bund ist für Christen nicht die Substitution, sondern die Erfüllung des Alten Bundes.4 Beide stehen zueinander in einem Verhältnis der Verheißung oder Antizipation und Erfüllung. Diese Beziehung muss im Kontext der gesamten Bundesgeschichte verstanden werden. Die gesamte Geschichte Gottes mit seinem Volk ereignet sich in einer Reihe verschiedener Bündnisse mit Abraham, Moses, Joshua, Esra; am Ende verheißt der Prophet Jeremia einen neuen Bund Jer 31,31. Jedes dieser Bündnisse nimmt das vorherige Bündnis auf und legt es wieder neu aus. So ist für uns der Neue Bund die endgültige Deutung, welche von den Propheten des Alten Bundes verheißen wurde. Es ist das definitive «Ja und Amen» zu allen Verheißungen Gottes 2 Kor 1,20, aber nicht ihre Aufhebung oder Abschaffung.
   Ein Problem ist nicht nur das Verhältnis von Altem und Neuen Bund, sondern auch das andere zwischen der Kirche und dem nachbiblischen rabbinischen und talmudischen Judentum, welches erst nach der Zerstörung des Zweiten Tempels 70 n. Chr. entstand. Die Kanones und Strukturen von beiden bildeten sich parallel aus. Deshalb kann uns das Neue Testament keine klare und vor allem keine einheitliche Antwort auf diese Frage geben.
   Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels entwickelten sich parallel und in wechselseitiger Einwirkung eine rabbinisch-jüdische und eine christliche Auslegung des Alten Testaments; beide stützten sich auf ihre jeweiligen religiösen Voraussetzungen.
   Das Dokument der Päpstlichen BibelkommissionDas Jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen Bibel (2001) hält jedoch ausdrücklich fest, dass beide mögliche Interpretationen des alttestamentlichen Textes sind.5 In dieser Hinsicht erhält die Aussage von Nostra Aetate ihr volles Gewicht, dass die Juden nach dem Zeugnis der Apostel «immer noch Geliebte um der Väter willen sind, weil Gottes Gaben und Gnaden unwiderruflich sind». So ist unsere christliche Beziehung zu den Juden — wie Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch der Synagoge in Rom 1986 sagte - nicht nur eine äußere Wirklichkeit, sondern gehört in einem gewissen Sinn in die innere Wirklichkeit unserer Religion. Wir teilen ein wichtiges gemeinsames Erbe. Die Juden sind «unsere älteren Brüder im Glauben Abrahams».
   Es gibt also zwischen dem Judentum und dem Christentum eine Unterscheidung, die weder eine einfache parallele Koexistenz ist, noch eine Entgegensetzung. Paulus hat vielmehr in seinen Einsichten hinsichtlich der Heilsgeschichte in Rö 9-11 gezeigt, dass die beiden in ihren Differenzen dialektisch aufeinander bezogen sind. Diese Beziehung kann kaum auf eine Formel, oder auf einen eingängigen Satz reduziert werden. Es ist, wie Paulus sagt, letztlich ein Geheimnis Rö 11,33-36. Wenn man so will, kann man versuchen, dieses Geheimnis in einer ähnlichen Weise auszudrücken wie die Formel des Konzils von Chalcedon (451 n. Chr.) und das Verhältnis der beiden zueinander mit einer doppelten Negation definieren: unvermischt und ungetrennt.
   Hilfreicher womöglich als eine begriffliche Klärung ist das Bild, das Paulus im Brief an die Römer für die Beziehung zwischen Judentum und Christentum verwendet. Er spricht von der Wurzel Israels, in welche die wilden Zweige der Heiden eingepfropft wurden Rom 11,16-20. Dieses Bild, das auf den Propheten Jesaja Jes 11,1 zurückgeht, drückt den Sinn der Unterscheidung innerhalb der Einheit auf zweierlei Weise aus. Einerseits wird gesagt, dass die aufgepfropften wilden Zweige nicht aus dem Wurzelstock selbst erwachsen sind und nicht von ihm abstammen. Das Pfropfen ist etwas Neues: es ist Gottes eigenes, nicht ableitbares Handeln. Die Kirche ist also nicht einfach ein Zweig, eine Frucht oder ein Ableger Israels. Andererseits muss die Kirche ihre Kraft und Stärke aus dem Wurzelstock Israels ziehen. Wenn die eingepfropften Zweige von der Wurzel abgeschnitten werden, werden sie welk, schwach und sterben schließlich. Derart wurde die Kirche über Jahrhunderte geschwächt, indem sie sich von ihren jüdischen Wurzeln abschnitt, eine Schwäche, die offenkundig wurde in dem allzu kraftlosen Widerstand gegen die Verfolgung der Juden.
   Aber das Gegenteil ist auch wahr. Ohne die eingepfropften Zweige bleibt die Wurzel fruchtlos. Die eingepfropften Zweige geben dem Wurzelstock neue Vitalität und Fruchtbarkeit. So hat die Kirche den Monotheismus Israels und die Zehn Gebote als den Kern des mosaischen Gesetzes überall unter den Völkern verbreitet und hat dabei dazu beigetragen, dass die Verheißung,  die an Abraham erging, er würde zum Segen werden für alle Völker Gen 12,3; 18,18, wahr wurde. Israel ist ohne die Kirche in Gefahr, allzu partikularistisch zu werden und sich abzuschließen, während die Kirche ohne Israel, wie das Beispiel des Marcionismus klar macht, in Gefahr steht, seine historische Erdung zu verlieren und geschichtslos und gnostisch zu werden. Judentum und Christentum brauchen einander und sind deshalb abhängig voneinander.
   2. Eine gut durchdachte Bestimmung des Verhältnisses von Israel und Kirche ist auch grundlegend für die Beantwortung der heftig umstrittenen Frage der christlichen Mission unter Juden . Das ist für Juden eine sehr heikle und sensible Frage, weil sie für sie die Existenz Israels selbst betrifft. Aber die Frage ist auch heikel für Christen, weil die universale Heilsbedeutung Jesu Christi und die universale Sendung der Kirche von grundlegender Bedeutung für den christlichen Glauben sind. Außerdem ging Paulus auf seinen Missionsreisen stets zuerst zu den Juden in die Synagoge Rö 1,16 und erst, nachdem er auf Widerstand stieß, wandte er sich an die Nichtjuden. So können wir als Christen nicht die  Universalität der christlichen Sendung leugnen, das Evangelium Jesu Christi zu verkünden. Aber wir können und müssen anerkennen, dass wir diese Universalität anders auf Heiden als auf Juden anwenden können und müssen. Weil Juden nicht Heiden sind, glauben sie an den einen Gott und müssen sich deshalb nicht von falschen und toten Götzen abwenden 1 Thess 1,9. Das bedeutet, dass der Missionsbefehl ebenso gültig ist für Juden wie für Heiden, aber er muss für Juden gegenüber Heiden anders verwirklicht werden.
   Dieser Unterschied wurde nicht immer beachtet und bedauerlicherweise hat es eine Geschichte der erzwunge- nen Bekehrungen von Juden gegeben. Im Prinzip aber, und vor allem heute, berücksichtigt die Kirche diesen Unterschied. Im Gegensatz zu einigen fundamentalistischen evangelikalen Bewegungen, die Missionsarbeit betreiben, unterstützt die katholische Kirche keine spezifische institutionelle Missionsarbeit, die auf Juden abzielt. Das ist mehr als eine bloße Tatsache; es ist eine wichtige kirchliche Realität. Das bedeutet nicht, dass die Kirche und die Christen sich in der Zwischenzeit passiv verhalten und einfach dasitzen und Däumchen drehen sollen.  Der Ausschluss einer gezielten institutionellen Mission verbietet nicht, sondern legt vielmehr nahe, dass Christen und die Kirche jetzt generell aufgefordert sind, Juden Zeugnis von ihrem Glauben an Jesus Christus zu geben. Ein solches christliches Zeugnis wird besonders nach der Schoah unaufdringlich und demütig sein, wird jeden Anschein von Triumphalismus vermeiden und für die Überzeugungen ihrer jüdischen Partner Respekt und Wertschätzung zeigen. Demut sollte freilich nicht mit Anbiederung oder gar Feigheit verwechselt werden. Ein Zeuge sein (martys) gemäß der Schrift ist keine kleine Sache und sollte mit Offenherzigkeit verbunden sein.
  Es sollte nicht ausgeschlossen werden, dass einige Juden, wie etwa Edith Stein, sich zu Jesus Christus bekehren, ebenso wie es umgekehrt Christen gibt, die sich dem jüdischen Glauben zuwenden. Dies sind jedoch persönliche Gewissensentscheidungen, die von beiden Seiten respektiert werden müssen, aber sie sind für keine der beiden Seiten ein strategisches Ziel. Die Rettung ganz Israels ist nach dem heiligen Paulus Gott allein überlassen am Ende der Zeiten Rö 11,26ff. In diesem Sinne hält die Päpstliche Bibelkommission fest: «Die jüdische Messiaserwartung ist nicht vergeblich»; am Ende der Zeit werden beide, Juden und Christen, den «Einen, der kommen wird» erkennen, den eschatologischen Messias [§ 21].
   3. Das gemeinsame Erbe von Juden und Christen schließt ihre gemeinsame Berufung zu einem gemeinsamen Zeugnis für den einen Gott und seine Gebote ein, das als Quelle der Orientierung von besonderer Dringlichkeit für unsere moderne Gesellschaft ist. Dieser wichtige Punkt wurde von Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch der römischen Synagoge hervorgehoben.
   Das bedeutet auch die Entlarvung und prophetische Kritik der neuen falschen Götter und Idole unserer Zeit und ein geteiltes Engagement für die menschliche Würde, für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt, für die Würde und den Wert von Familie, und für die Bewahrung der Schöpfung. Nicht zuletzt können Juden und Christen zusammen Zeugnis geben für den Dialog, die Zusammenarbeit und Versöhnung, die selbst nach einer schwierigen und komplexen Geschichte möglich sind. Überdies erbringen sie mit der Feier des Sabbats bzw. Sonntags einen unverzichtbaren Dienst für die Freiheit der Menschen: sie zeigen, dass es in dieser Welt eine geheiligte Zeit geben sollte, die Gott gewidmet ist und, dass Menschsein nicht auf Arbeit, Wirtschaft, Geschäfte und Vergnügen reduziert werden sollte.
   Vor allem blicken Juden und Christen in die Zukunft: sie bezeugen zusammen - inmitten von vielen scheinbar unlösbaren Problemen und Beispielen von Hoffnungslosigkeit in der Welt - die vollkommene Gerechtigkeit und den universalen schalom, den Gott allein am Ende der Zeit herbeiführen wird. So tragen sie zum Aufbau einer gerechten und menschlichen Welt bei, in der sich so schreckliche Ereignisse wie die Schoah nicht wiederholen können.
   Dass der Dialog in nicht allzu ferner Zukunft auch dabei helfen mag, den Friedenprozess im Nahen Osten selbst zu befördern, bleibt bedauerlicherweise soweit ein unerfüllter Wunsch aller Parteien. Die Lösung dieser politischen Probleme liegt nicht in der Verantwortung unserer Kommission; wir können zu diesem dringenden politischen und menschlichen Problem nur derart beitragen, dass wir eine Mentalität bereiten und fordern helfen, die zu einem angemessenen Zugang zu diesen Fragen befähigt. Wir können bezeugen, dass selbst nach einer schwierigen und komplexen Geschichte Versöhnung möglich sein kann.
   Vor diesem Hintergrund sei abschließend die folgende Schlussfolgerung gezogen: Niemand konnte vor 45 Jahren vorhersehen, wo wir heute in der Beziehung zwischen Juden und Christen stehen.Wir sind weiter vorangekommen, als wir es uns damals vorstellen konnten. Aber heute sehen wir auch klarer, dass der Weg zueinander und miteinander noch nicht zu Ende gegangen ist und dass noch ein langer Weg vor uns liegt. Nostra Aetate ist weit davon entfernt, ein erledigtes Programm zu sein. Es ist meine Hoffnung, dass die Geschichte der Verbesserung des Verhältnisses zwischen Kirche und Judentum uns ermutigen wird, den Weg weiterzugehen zum Wohl der ganzen Menschheit und für den Frieden - schalom - in der Welt.

Anmerkungen
1 Vgl. Rolf Rendtorff / Hans Hermann Henrix (Hg.), Die Kirchen und das Judentum. Band I: Dokumente von 1945 bis 1985, Paderborn - Gütersloh 2001, 746 S; Hans Hermann Henrix / Wolfgang Kraus (Hg.), Die Kirchen und das Judentum. Band II: Dokumente von 1986-2000, Paderborn - Gütersloh 2001, 1036 S.
2 Z.B.: Franz Mussner, Traktat über die Juden, München 1979.
3 Veröffentlicht in der New York Times im September 2000. Mit Kommentaren wieder veröffentlicht: T. Frymer- Kensky, D. Novak u.a. (Hg.), Christianity in Jewish Terms, Oxford 2000.
4 Diese Substitutionstheorie findet man erstmals im Brief des Barnabas, der als erster vom «Neuen Volk Gottes» spricht, c.5.7; 7.5; 13 s.
5 Mit einem Vorwort von Joseph Kardinal Ratzinger, Libreria Vaticana 2002, Kapitel 22.
   Walter Kardinal Kaspar, geb. 1933, 1970-1989 Professor für Dogmatik an der Universität Tübingen, 1989- 1999 Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, 1999-2010 zunächst Sekretär, dann Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und der religiösen Beziehungen zum Judentum. Auszug aus IKZ Communio 201007 Aus dem Englischen übersetzt von Goran Subotic

B-272-MordechayLewyxx

Papst Benedikt XVI nimmt die Beglaubigungsschreiben des israelischen Botschafters im Vatikan,
Mordechay Lewy, entgegen. Historisch: Diplomatische Beziehung des Heiligen Landes mit dem Vatikan

   Drei Tage nach der Überreichung der Beglaubigungsschreiben beim Papst  trifft sich der neue Botschafter Israels Mordechay Lewy mit sechs vatikanischen Journalisten zu einem Gespräch in der römischen israelischen Botschaft. Bei Kaffee und Kuchen fragt ein Journalist den Botschafter nach seinen Nahzielen im neuen Amt. Der Botschafter erhebt sich und streicht mit seiner Hand über die runden Ecken des massiven Tisches und sagt: “Ich bin dafür da, die Dinge zu glätten und nicht die Ecken und Kanten zu betonen.” 
   Bisher war Mordechay Lewy Botschafter in Deutschland und danach leitete er die Religions-Abteilung des Bürgermeisters von Jerusalem. Lewy lässt keinen Zweifel daran, dass er die Rolle des Botschafters beim Heiligen Stuhl sehr schätzt. Schon als bei der Eröffnung der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan habe er zu sich selbst gesagt: "Das wäre eine Aufgabe für mich!” Der Botschafter ist sehr an der Religionsgeschichte des Mittleren Ostens interessiert. 
   Bei der Begegnung mit dem Papst drei Tage zuvor drängte Papst Benedikt XVI. ihn, Einfluss auf seine Regierung zu nehmen, damit die Christen im Heiligen Land bleiben, wo sie eine Kraft für Frieden und Verstehen sein könnten.
   Lewy berichete den Reportern, dass sein Treffen mit dem Papst insgesamt sehr positiv gewesen sei. Wie jeder Diplomat studierte auch er die Ansprache des Papstes und fand manches Erfreuliche, besonders die bedeutenden Bereiche gemeinsamer Interessen und geschichtlicher Verbindungen: “Die Christen sind nicht allein in ihrem Leid infolge der Unsicherheit und Gewalt, die durch ver schiedene Konflikte in der Region entstehen, aber in vieler Hinsicht sind sie in der gegenwärtigen Zeit verwundbarer”, hatte der Papst dem Botschafter erklärt. Seine Antwort: “Wir werden in der Hilfe für die christlichen Gemeinschaften in Israel das uns mögliche tun, zumal ihre reale Existenz im Heiligen Land im geschichtlichen Selbstverständnis tiefe Wurzeln hat.”
   Dann richtete der Botschafter das Gespräch auf “einige weitere Gründe, die in diesem Zusammenhang genannt werden müssten”, um die massive Auswanderung zu erklären, die im übrigen schon begann, bevor der israelische Staat gegründet worden ist. Die meisten Auswanderer – damals und heute – haben wirtschaftliche, nicht poli- tische Gründe.
   Christen gehören oft zu der am besten ausgebildeten Gruppe im Heiligen Land, daher hätten sie auch größere Möglichkeiten im Ausland. “Die Kirche ist Opfer ihres eigenen Erfolgs. Sie gehören einer beruflich hoch qualifizierten Mittelschicht an, deren charakteristische Eigenschaft die Mobilität ist, den bestmöglichen Arbeitsplatz zu finden” sagt Botschafter Lewy. Das bedeute aber nicht, dass eine fortdauernde Präsenz der Christen im Heiligen Land für Israel nicht wichtig sei, aber dass Christen außerhalb der Region bessere Möglichkeiten für sich suchen, sei kaum zu verhindern. “Sie sind nicht verpflichtet, die letzte Kerze im Heiligen Land zu entzünden”, meint der Botschafter.
   Ein Problem der letzten Jahre wurde dann angesprochen: die bürokratische Ausstellung von Visa für Mitarbeiter der Kirche in Israel. Lewy erklärte das mit der politischen Reaktion auf die Selbstmordanschläge seit der Intifada im Jahr 2000. Die ostkirchlichen Mitarbeiter kämen in der Regel aus Ländern wie Syrien, Irak und dem Libanon, das ist der Grund für die strenge Prüfung. Die Beamten hätten das Land zu schützen und sicherheitsrelevante Gründe erklären das Problem. Lewy: "Ich sehe einen Priester, der Sicherheitsbeamter aber den Syrer”.
   Auf den Einspruch der Reporter, die Christen hätten aber keine Selbstmordattentate ausgeübt, weist der Botschafter auf den melkitischen Erzbischof Hilarion Capucci, einen Syrer, der von Israel 1974 in Haft genommen wurde, weil er Gewehre für Terroristen mit sich führte. Er wurde nach dringendem Ersuchen des Vatikans wieder freigelassen. “Das ist nun schon lange her, aber es bleibt im kollektiven Gedächtnis. Das hat viel Schaden angerichtet”.
   Dann kommt das Gespräch auf die Aufnahme und Unterbrechungen der Verhandlungen zwischen dem Vatikan und Israel über steuerliche und gesetzliche Fragen der Kirche in Israel.
    Im Dezember 1993 unterzeichneten Israel und der Heilige Stuhl eine historisch bedeutsame Erklärung. Das war die Grundlage für die zukünftige Beziehung zwischen beiden Vertragspartnern. Dies war ein gewaltiger Meilenstein für die zukünftige Entwicklung. Aber bedauerlicherweise wartet der Heilige Stuhl seither auf die Ratifizierung in Israel. Es gibt absolut kein Zeichen für die Zustimmung des israelischen Parlaments. Das bedeutet, dass die israelische Regierung oder wer auch immer, wenn die Kirche unter Bezug auf die Vereinbarung vor Gericht Klage erhebt, zugeben muss, dass diese Vereinbarung wertlos ist, weil sie nicht vom Parlament für rechtens erklärt worden ist, und daher vor Gericht auch nicht einklagbar ist.
   Der Botschafter erklärte, dass beide Seiten die Vereinbarung kennen, aber er könne eine schnelle Lösung nicht versprechen. Es handelt sich hier um eine innerisraelische Angelegenheit, die aber auf auswärtige Beziehungen, einschließlich des Heiligen Stuhls, durchschlägt”. Die israelische Regierung sei auf dem Weg, die Kirche als Körperschaft öffentlichen Rechts anzuerkennen, was dann auch vor Gericht Bestand haben wird.
   Dann ist da noch das Problem der steuerlichen und wirtschaftlichen Verträge. Seit dem 11. März 1999 hat es immer wieder Arbeitsgespräche darüber gegeben. In diesen Gesprächen möchte die Kirche einige bebaute Grundstücke als ihr Eigentum anerkannt sehen. Die Kirche wünscht auch die vertragliche Zusage auf Steuerbefreiung für alle historischen Gebäude. Kraft internationaler Verträge bestand die Steuerbefreiung durch alle Jahrhunderte. Da liegt das Problem des Vertrages, weil die Kirche im Heiligen Land nicht in der Lage ist, Sondersteuern zu zahlen. Das würde die Präsenz der Kirche im Heiligen Land existenziell gefährden. Der Botschafter sagt, er habe bei der Übernahme dieses Amtes hier keine Vorgaben erhalten, aber man würde die bilateralen Themen und damit auch die katholisch-jüdischen Beziehungen im Auge haben.
   Zu einem eventuellen Besuch von Papst Benedikt in Israel meinte Lewy, der Papst sei jederzeit willkommen. Der Botschafter war aber über einen baldigen Termin nicht sehr zuversichtlich, hat aber nicht bei seinem Besuch im Vatikan die Einladung wiederholt: “Ich bin nicht gehalten ein Ritual aus dieser Einladung zu machen. Er hat eine Einladung, und es ist nicht notwendig, das zu wiederholen.”
   Was die Vatikan-Israel-Beziehung angeht denkt der Botschafter, dass es besser sei nicht zu laut über große Projekte und Pläne zu reden. “Besser ist es, wenn die Arbeit im Stillen zu guten Überraschungen führt.” CT080600

 Fünf Jahre später zieht Mordechay Lewy eine positive Bilanz

   Israels scheidender Botschafter beim Heiligen Stuhl, Mordechay Lewy, wünscht sich „mindestens zwei lateinische Bistümer“ in Israel. Das sagte der Diplomat vor Journalisten zum Abschied aus seinem viereinhalbjährigen Dienst in Rom. Die katholische Gemeinde in Israel wachse und verändere sich beständig, was der Heilige Stuhl auch im Blick habe. Er, Lewy, würde es sehr begrüßen, wenn der Patriarchalvikar für die hebräischsprachigen Katholiken in Israel wieder zum Bischof aufgewertet würde. Auch in Nazareth sei aus seiner Sicht ein lateinischer Bischofssitz vorstellbar.
   „Die Herabstufung des Leiters der hebräisch sprechenden katholischen Gemeinde von Bischof auf Vikar sollte rückgängig gemacht werden und wieder ein Bischof – wenn auch bloß ein Weihbischof – eingesetzt werden. Das wäre ein Signal in die richtige Richtung, nämlich die Bedeutung (herauszustellen), die man dieser Gemeinde beimisst; das wäre auch zukunftsweisend.“
   Lewy hob mehrere positive Entwicklungen im Verhältnis zwischen Heiligem Stuhl und Israel während seiner Amtszeit hervor. Zum einen stünden die seit Jahren andauernden zähen Finanz- und Steuerverhandlungen vor der Unterschrift, „nur noch einige juristische Fragen“ seien zu klären, während die materiellen und wesentlichen Fragen bereits gelöst seien.  „Es ist allen klar und wird auch von vatikanischen Stellen bestätigt: das sind die letzten Hürden, die geblieben sind.“
   Zum anderen habe Israel entschieden, keine Visa mehr von Personen zu verlangen, die einen Pass des Heiligen Stuhles hätten. Das sei „ein echte Hochstufung“ des Vatikans auf die Ebene der mit Israel befreundeten Staaten, erklärte der Diplomat.
 Ausdrücklich würdigende Worte fand der israelische Diplomat über Benedikt XVI., der 2009 in einer vielbeachteten Reise Israel besucht hatte. Wenige Monate davor hatte der Papst die Exkommunikation der vier traditionalis- tischen Bischöfe der Piusbruderschaft aufgehoben. Einer von ihnen hatte den Holocaust geleugnet, was der Papst zum diesem Zeitpunkt nicht wusste; Lewy bezeichnete den Vorgang als „Arbeitsunfall". Was eine eventuelle Wiederaufnahme der Piusbruderschaft in die Kirche betrifft, sagte Lewy, er sei überzeugt davon, dass der Heilige Stuhl „keine Ausnahmen dulden“ werde.
   „Ich bin mir gewiss, dass die maßgeblichen Vertreter der katholischen Kirche, die die Verhandlungen führen, ihren Grundsätzen treu bleiben werden, dass die Kirche ihrer eigenen Lehre nicht widerspricht, nämlich jener Lehre, die mit Nostra Aetate verbunden ist. Wenn ich alles, was ich höre, vom Papst, von Kardinal Koch, vom jetzigen Verhandlungesführer Monsignore Di Noia, zusammennehme, bin ich sicher, dass sie ihren Grundsätzen treu bleiben werden.“
   Die Piusbruderschaft feiert die Messe nach den alten Büchern und mit der alten Karfreitagsfürbitte für die Bekehrung der Juden und will das Konzilsdokument „Nostra Aetate“ über die Anerkennung der anderen Religionen nicht akzeptieren.
   Eben dieses Dokumenat hat Papst Benedikt aus Sicht des israelischen Diplomaten mit seinem Zurückweisen einer Generalschuld der Juden am Tod von Jesus im zweiten Teil seines Jesusbuches auf hochwillkommene Art bestätigt.
    Lewy: „Es kann nicht genug wiederholt werden, weil eine Kirchenlehre, die 1965 verabschiedet wurde, Nostra Aetate, muss im Grund bis zum letzten Kirchenwinkel durchdringen, was ja nicht der Fall ist. Es erfasst ja nur einen Teil der katholischen Gemeinden – manche mehr, manche weniger. Ich glaube, wenn ein amtierender Papst das in seiner Interpretation, in seiner Lehre, in seinen Reden, in seinen Predigten wiederholt: das hilft.“
   „Antisemitische Tendenzen“ in bestimmten Teilen der katholischen Kirche wollte Lewy nicht bestätigen. „Ich will das Wort antisemitisch nicht überstrapazieren, es wird zu oft benutzt“, so der Diplomat.
   Seine Zeit als Botschafter beim Heiligen Stuhl bezeichnete Lewy wörtlich als „interessanter als ich dachte“. In seine Amtszeit fielen mehrere Entscheidungen Papst Benedikts, die in der jüdischen Welt für Aufregung sorgten. Neben der möglichen Wiederaufnahme der Piusbruderschaft in die katholische Kirche waren das beispielsweise die Wiederzulassung des alten Messritus mit der vom Papst neu formulierten Karfreitagsfürbitte oder die Zuerkennung des „heroischen Tugendgrades“, ein Schritt auf dem Weg zur Seligsprechung, für den Weltkriegspapst Pius XII.
   Zur Fürbitte „für die Bekehrung der Juden“ in der außerordentlichen Form des römischen Ritus sagte Lewy, das Problem sei aus seiner Sicht diese Überschrift und nicht der – vom Papst eigens modifzierte – Text des Gebets. Pius XII., dem Kritiker bis heute ein „Schweigen“ zum Holocaust vorwerfen, sei ein „komplexes, schmerzhaftes Thema“, zu dem es im israelischen Außenamt keine einheitliche Meinung gebe.
   „Es ist ein sehr emotionales Thema. Ich glaube abschätzen zu können, dass in der Zeit dieses Papstes das Thema (Seligsprechung Pius XII.) unter „ferner liefen“ einzuordnen ist. Es erzielt nicht die Schlagzeilen, die viel- leicht manche haben wollten. Und ich würde alles tun, damit das auch so bleibt.“
  Er plädiere jedenfalls dafür, die Frage einer Seligsprechung und die Frage der Öffnung des vatikanischen Geheimarchivs getrennt zu behandeln.
   „Es ist ein Trugschluss, dass die beiden Sachen verbunden sind. Uns interessiert die Seligsprechung nicht, das ist eine interne kirchliche Angelegenheit. Was wir uns durchaus wünschen, ist die Öffnung der Archive. Erst dann wird man sich eine verantwortliche Meinung bilden können. Wie sie ausfallen wird, lassen wir offen. Wir erwarten diese Öffnung hoffentlich bald.“
    Einige Historiker vermuten in den Magazinen des päpstlichen Archivs noch aufschlussreiches Material über die Haltung Papst Pius XII. zur Rassenverfolgung während des II. Weltkriegs; das Archiv wird derzeit aufbereitet und soll für die Forschung in wenigen Jahren geöffnet werden. Zu der jüngst angebrachten neuen Bildunterschrift unter einem Foto Papst Pius XII. in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem sagte Lewy, die Frage sei nicht in sein Kompetenzgebiet gefallen. RV120910gs

B-453-xxx Oberrabbiner Di Segni, Rom

   Papst Benedikt XVI. hat die Synagoge von Rom besucht. Im jüdischen Gebetshaus am Tiberufer stellte der sich deutlich hinter die Dialog-Initiativen seiner Vorgänger. Der Besuch fand unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt; immer wieder kam es während des Papstbesuchs bei der ältesten jüdischen Gemeinde des Westens zu spontanem Beifall, zu Tränen und Emotionen. Vor dem Betreten der Synagoge legte Benedikt, der u.a. vom deutschen Kurienkardinal Walter Kasper begleitet wurde,im römischen Ghetto einen Kranz nieder für die Menschen, die von hier aus in die Nazi-Vernichtungslager abtransportiert wurden.

B-452-x       Kranzniederlegung

   Der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni wies darauf hin, dass der neuere Dialog mit dem Judentum eine Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils sei. Das Konzil dürfe nicht in Frage gestellt werden, meinte er mit einer deutlichen Anspielung auf die Piusbruderschaft.  An dem Ereignis in der Synagoge nahmen auch islamische Gäste teil. Aus Jerusalem waren der Lateinische Patriarch Fouad Twal und Israels Vize-Regierungschef Silvan Schalom angereist. In der Synagoge hatten auch viele Überlebende des Holocaust Platz gefunden.
   Papst Benedikt hielt ein eindringliches Plädoyer für eine Fortsetzung des katholisch-jüdischen Dialogs trotz aller Irritationen. Die Lehren des letzten Konzils seien auch in dieser Hinsicht „ein fester Bezugspunkt“. Er hob die Einzigartigkeit des Holocaust hervor und lobte Initiativen des Vatikans zur Judenrettung in Zeiten des Holocaust. Auf die Polemik um Pius XII. ging der Papst aus Deutschland nicht ein siehe > “Stellvertreter”. Wie sein Vorgänger Johannes Paul II., der 1986 als erster Papst der Neuzeit die römische Synagoge besucht hatte, schloss auch Benedikt seine Ansprache mit einem Psalm-Zitat in hebräischer Sprache.  rv100118

B-454xxx

Papstrede in der Synagoge

   In seiner programmatischen Rede nannte Benedikt XVI. die Neuorientierung der katholischen Kirche im Konzil „unwiderruflich“. Mit Nachdruck beschwor er die Gemeinsamkeiten der beiden Religionen und forderte ihre Angehörigen auf, trotz bestehender Differenzen zusammen für eine bessere Welt zu arbeiten. Wir dokumentieren die Ansprache des Papstes in einer deutschen Arbeitsübersetzung.

B-455J-xx

Der Herr hat an Ihnen Großes getan, Ja, Großes hat der Herr an uns getan,
Da waren wir fröhlich.
Seht doch, wie gut und schön ist es, wenn Brüder in Eintracht beisammen sind.

Verehrter Herr Oberrabiner der jüdischen Gemeinde in Rom, verehrter Herr Präsident der Gemeinschaft der jüdischen Gemeinden Italiens, verehrter Herr Präsident der jüdischen Gemeinschaft in Rom,
verehrte Herren Rabiner, verehrte Repräsentanten des Staates und der Stadt, liebe Freunde und Geschwister.

vor der Synagoge  B-459Jxxx

  1. Die Psalmen, die wir am Anfang unseres Treffens im Großen Tempel der jüdischen Gemeinde Roms gehört haben, geben uns die geistliche Haltung vor, in der wir diesen so besonderen und freudigen Moment der Gnade leben können: das Lob des Herrn, der große Dinge für uns getan hat, der uns mit seiner Hèsed, seiner barm- herzigen Liebe, gesammelt hat; und die Danksagung für das Geschenk, dass wir uns gemeinsam zusammenfinden können, um das Band, das uns vereint, noch fester zu machen und fortfahren zu können, den Weg der Versöhnung und der Brüderlichkeit zu gehen. Ich möchte vor allem meiner Dankbarkeit Ausdruck verleihen an Sie, Herrn Oberrabbiner Doktor Riccardo Di Segni, für Ihre an mich gerichtete Einladung und für die bedeutsamen Worte, die Sie an mich gerichtet haben. Ich danke auch dem Präsidenten der Gemeinschaft der jüdischen Gemeinden Italiens, Herrn Rechtsanwalt Renzo Gattegna, und der jüdischen Gemeinde Roms, Herrn Riccardo Pacifici, für die freundlichen Worte, die sie mir entgegengebracht haben. Ich denke auch an die hier vertretenen Regierungen und an alle hier Anwesenden und richte mich in besonderer Weise an die jüdische Gemeinde in Rom und an alle, die dazu beigetragen haben, dass dieser Augenblick der Begegnung und der Freundschaft, den wir gerade erleben, möglich werden konnte.
   Als mein verehrter Vorgänger Johannes Paul II. das erste Mal - als Christ und als Papst - vor knapp 24 Jahren zu Euch kam, wollte er einen deutlichen Beitrag zur Konsolidierung der guten Beziehungen zwischen unseren Gemeinschaften leisten, um so jedes Unverständnis und Vorurteil zu überwinden. Mein Besuch heute fügt sich in den vorgezeichneten Weg ein - um ihn zu bestätigen und ihn zu verstärken. Ich bin voller lebhafter Herzlichkeit hier unter euch, um euch und allen jüdischen Gemeinden weltweit die Wertschätzung und die Zuneigung des Bischofs und der Kirche von Rom wie überhaupt der ganzen katholischen Kirche zu bezeugen.

B-446J-x

   2. Die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils ist für die Katholiken ein fester Bezugspunkt, an dem man sich in der Haltung und den Beziehungen zum jüdischen Volk ständig orientieren kann. Sie bedeutete eine neue, wichtige Etappe. Das Konzil hat entscheidend zu dem Entschluss beigetragen, einen unumkehrbaren Weg des Dialogs, der Brüderlichkeit und der Freundschaft einzuschlagen – einen Weg, der sich in diesen vierzig Jahren vertieft und entwickelt hat. Von den wichtigen und bedeutenden Schritten und Gesten möchte ich noch einmal den historischen Besuch meines Vorgängers seligen Angedenkens am 13. April 1986 erwähnen. Daneben waren da die zahlreichen Begegnungen, die er mit Vertretern des Judentums hatte, besonders während der internationalen apostolischen Reisen und der Wallfahrt im Heiligen Jahr 2000 ins Heilige Land. Dann sind da die Dokumente des Heiligen Stuhles, die nach der Erklärung Nostra Aetate wertvolle Orientierungen für eine positive Entwicklung der Beziehungen zwischen Katholiken und Juden gegeben haben. Auch ich, in diesen Jahren des Pontifikates, habe meine Zuneigung und Wertschätzung für das Volk des Bundes zeigen wollen. Ich halte in meinem Herzen alle Momente der Pilgerfahrt lebendig, die ich im Mai des letzten Jahres ins Heilige Land habe machen dürfen, ebenso wie die zahlreichen Treffen mit jüdischen Gemeinden und Organisationen, insbesondere jene in den Synagogen von Köln und New York.
  Die Kirche hat es auch nicht unterlassen, die Versäumnisse ihrer Mitglieder zu beklagen und für alles um Verzeihung zu bitten, was in irgendeiner Weise den Wunden des Antisemitismus und des Antijudaismus hat Vorschub leisten können. Mögen diese Wunden für immer heilen!
  Mir kommt wieder das schöne Gebet in den Sinn, das Papst Johannes Paul II. am 26. März 2000 an der Klagemauer in Jerusalem gesprochen hat, das Wahrhaftigkeit und Einfachheit ausstrahlt, wenn es auf dem Grund unseres Herzens widerhallt:

Gott unserer Väter,
du hast Abraham und seine Nachkommen auserwählt,
deinen Namen zu den Völkern zu tragen:
Wir sind zutiefst betrübt über das Verhalten aller,
die im Laufe der Geschichte
deine Söhne und Töchter leiden ließen.
Wir bitten um Verzeihung und wollen uns dafür einsetzen,
dass echte Brüderlichkeit herrsche
mit dem Volk des Bundes.

B-456J-xx   Synagoge in Rom 

  3. Ein Blick in die Vergangenheit erlaubt es uns, im 20. Jahrhundert wirklich eine tragische Epoche für die Menschheit zu erkennen: blutige Kriege, die Zerstörung gesät haben; Tod und Schmerz, wie sie vorher nie geschehen waren; schreckliche Ideologien, die ihre Wurzeln in der Vergötzung des Menschen, der Rasse, des Staates hatten und die einmal mehr den Bruder zum Töten des Bruders gebracht haben. Das einzigartige und erschütternde Drama der Schoah bedeutete gewissermaßen den Höhepunkt eines Weges des Hasses, der entsteht, wenn der Mensch seinen Schöpfer vergisst und sich selbst in den Mittelpunkt des Universums stellt. Wie ich am 28. Mai 2006 während meines Besuches im Konzentrationslager Auschwitz, der immer noch zutiefst in mein Gedächtnis eingeprägt ist, ausgedrückt habe: „Die Machthaber des Dritten Reiches wollten das jüdische Volk in seiner Gesamtheit ausrotten“ und damit letztlich „mit dem Austilgen dieses Volkes auch diesen Gott töten, der einst Abraham berufen, der am Sinai gesprochen und dort die bleibend gültigen Maße des Menschseins aufgerichtet hat“.

   Auschwitz B-PL13xx

   Wie könnte ich hier nicht an die römischen Juden erinnern, die aus diesen Häusern gerissen und grausam in Auschwitz ermordet wurden? Wie könnte man ihre Gesichter, ihre Namen, die Tränen, all die Verzweiflung vergessen? Die Vernichtung des Volkes des mosaischen Bundes, zuerst nur angedroht, dann im Europa unter der Nazi-Herrschaft systematisch geplant und durchgeführt, erreichte in jenen Tagen tragischerweise auch Rom. Leider blieben viele gleichgültig – aber viele, auch unter Italiens Katholiken, haben, angetrieben vom Glauben und von der christlichen Lehre, doch mutig reagiert und die Arme geöffnet, um Juden zu helfen, wobei sie oft ihr eigenes Leben riskiert haben. Sie verdienen ein ewiges Gedächtnis. Auch der Heilige Stuhl leistete damals ein Werk der Hilfe, oft verborgen und diskret.
   Die Erinnerung an diese Ereignisse muss uns antreiben, das Band, das uns eint, zu stärken, damit immer mehr Verständnis, Respekt und gegenseitige Annahme wachsen.
   4. Unsere Nähe und geistliche Bruderschaft finden in der Heiligen Schrift - in hebräisch i Sifre Qodesch, oder: die Bücher der Heiligkeit - ihr solides, ewiges Fundament. Wir teilen gemeinsame Wurzeln und ein reiches geistliches Erbe. Die Kirche, Gottesvolk des Neuen Bundes, entdeckt, wenn sie ihr eigenes Geheimnis betrachtet, ihr enges Band zu den Juden, die auserwählt sind vom HERRN, vor allen anderen sein Wort anzunehmen. Im Unterschied zu den anderen nicht-christlichen Religionen stellt der jüdische Glaube schon eine Antwort auf die Offenbarung Gottes im Alten Bund dar. Das jüdische Volk besitzt „die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihm ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, sie haben die Väter, und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus"  Röm 9,4-5, denn „unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt" Röm 11,29 - vergleiche Katechismus der katholischen Kirche 839.

B-448-x

   5. Aus unserem gemeinsamen Erbe von Gesetz und Propheten ergeben sich zahlreiche Implikationen. Ich will einige hervorheben: vor allem die Solidarität, die die Kirche und das jüdische Volk in ihrer eigenen geistlichen Identität aneinanderbindet. Sie drängt die Christen dazu, neuen Respekt für die jüdische Interpretation des Alten Testaments zu zeigen. Dann ist da die zentrale Bedeutung der Zehn Gebote, des „Zehnworts“ als gemeinsame ethische Botschaft von ewiger Gültigkeit für Israel, die Kirche, die Nichtglaubenden und die ganze Menschheit. Und schließlich ist da der Einsatz für das Reich des Höchsten in der Sorge für die Schöpfung, die Gott dem Menschen anvertraut hat, damit er sie verantwortlich hüte und pflege.

tn_MM Mose_jpg    Mose vor dem brennenden Dornbusch

   6. Der Dekalog - das Zehnwort oder die Zehn Gebote - der aus der Thora des Mose stammt, stellt eine Fackel der Ethik, der Hoffnung und des Dialoges dar, einen Polarstern des Glaubens und der Moral des Gottesvolkes, und er erleuchtet und leitet auch den Weg der Christen. Er stellt einen Leuchtturm und eine Lebensnorm in Gerechtigkeit und Liebe dar, eine ethische „magna Charta" für die ganze Menschheit - Das "Zehnwort" bringt Licht in die Unterscheidung zwischen Gut und Schlecht, wahr und falsch, gerecht und ungerecht, auch gemäß des rechten Gewissens jeder menschlichen Person. Jesus selbst hat es mehrfach wiederholt, indem er unterstrich, dass ein mühsamer Einsatz auf dem Weg der Gebote nötig sei: „Wenn Du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote". In dieser Perspektive gibt es verschiedene Felder der Zusammenarbeit und des gemeinsamen Zeugnisses. Ich möchte an drei besonders wichtige Punkte für unsere Zeit erinnern:
   Die Zehn Gebote fordern, den einzigen HERRN anzuerkennen, gegen die Versuchung, sich andere Götter zu schaffen und sich goldene Kälber zu machen. In unserer Welt kennen viele Menschen Gott nicht und halten ihn für überflüssig, ohne Relevanz für ihr Leben; so sind andere und neue Götter geschaffen worden und der Mensch verneigt sich vor ihnen. In unserer Gesellschaft muss die Öffnung auf die transzendente Dimension wieder geweckt werden. Den einzigen Gott zu bezeugen, das ist ein wertvoller Dienst, den Juden und Christen gemeinsam anbieten können.
   Die Zehn Gebote fordern den Respekt und den Schutz des Lebens gegen jede Ungerechtigkeit und Ausnutzung ein, indem sie den Wert jeder menschlichen Person anerkennen, geschaffen als Bild und Gleichnis Gottes. Wie oft werden noch - in jedem Teil der Welt, nah und fern - die Würde, die Freiheit und die Menschenrechte mit Füßen getreten. Gemeinsam den höchsten Wert des Lebens gegen jeden Egoismus zu bezeugen, ist ein Anbieten eines wichtigen Beitrages für eine Welt, in der Gerechtigkeit und Frieden herrschen – der Schalom, der von Gesetzgebern, Propheten und Weisen Israels angekündigt worden ist.
  Die Zehn Gebote fordern ein, die Heiligkeit der Familie zu bewahren und zu fördern, in der das persönliche und gegenseitige „Ja“, treu und definitiv zwischen Mann und der Frau, Raum der Zukunft erschließt: für die authentische Menschlichkeit beider und zur gleichen Zeit für das Geschenk neuen Lebens. Zu bezeugen, dass die Familie die essentielle Grundeinheit der Gesellschaft und der erste wichtigste Kontext ist, in dem die menschlichen Tugenden gelernt und ausgeübt werden, ist ein wertvoller Dienst der für die Gestaltung einer Welt mit einem menschlicheren Antlitz angeboten werden muss.

   7. Wie Mose im Schemà lehrt Dt 6,5; Lv 19,34 - und Jesus im Evangelium bestätigt Mk 12,19-31: alle Gebote lassen sich in der Liebe zu Gott und in der Barmherzigkeit gegenüber dem Nächsten zusammenfassen. Diese Regel nimmt Christen und Juden in die Pflicht, heute eine besondere Großzügigkeit für die Armen walten zu lassen, für Frauen und Kindern, für Fremde, Kranke, Schwache, Notleidende. In der jüdischen Tradition gibt es einen wundervollen Satz der Väter Israels: „Simon der Gerechte pflegte zu sagen, Die Welt gründet sich auf drei Dinge: die Torah, den Kult und die Werke der Barmherzigkeit.“ Mit der Ausübung der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit sind Juden und Christen dazu gerufen, das kommende Reich des Höchsten zu verkünden und von diesem Zeugnis zu geben und zu beten und jeden Tag voller Hoffnung zu wirken.

B-450-x

   8. In dieser Richtung können wir gemeinsam Schritte verwirklichen. Dabei sind wir uns der Differenzen, die zwischen uns sind, bewusst, auch aber ebenso auch der Tatsache, dass, wenn wir es schaffen unsere Herzen und unsere Hände zu vereinen, um dem Ruf des HERRN zu antworten, sein Licht uns nahe kommen wird, um alle Völker der Erde zu erleuchten. Der Weg, den wir in den vergangenen vierzig Jahren mit dem Gemeinsamen Internationalen katholisch-jüdischen Komitee und in den letzten Jahren auch mit der Gemischten Kommission des Heiligen Stuhles und des Israelischen Oberrabbinates zurückgelegt haben, ist ein Zeichen des gemeinsamen Willens den offenen und ehrlichen Dialog fortzusetzen. Am morgigen Tag wird die Gemischte Kommission ihr neuntes Treffen hier in Rom halten zum Thema „Die katholische und jüdische Lehre über das Geschaffene und die Umwelt"; wir wünschen ihnen einen erfolgreichen Dialog bei einem so wichtigen und aktuellen Thema.

B-449-x

   9. Christen und Juden haben zum größten Teil ein gemeinsames geistliches Erbe, sie beten zum gleichen HERRN, haben die gleichen Wurzeln,aber kennen sich oft nicht gut genug. Es liegt also an uns, als Antwort auf den Ruf Gottes, dafür zu arbeiten, dass der Raum des Dialoges immer offen bleibt, der Raum des gegenseitigen Respekts, des Wachsens in der Freundschaft, des gemeinsamen Zeugnisses im Angesicht der Herausforderungen unserer Zeit. Das alles lädt uns ein für das Wohl der Menschheit zusammenzuarbeiten, in diese Welt, geschaffen von Gott, dem Allmächtigen und Erbarmer.

B-447-x

   10. Schließlich ein eigenes Wort für unser Stadt Rom, wo seit 2.000 Jahren die katholische Gemeinschaft mit ihrem Bischof und die jüdische Gemeinschaft mit ihrer Oberrabbiner zusammenleben; dieses Zusammenleben soll von einem Wachsen in der geschwisterlichen Liebe belebt sein, das sich auch in immer engerer Zusammenarbeit ausdrückt, um ein wertvollen Beitrag für die Lösung der Probleme und Schwierigkeiten anzubieten.
   Ich erbitte vom Herrn das wertvolle Geschenk des Friedens in der ganzen Welt, vor allem im Heiligen Land. Möge er unsere Freundschaft stärken und unsere Eintracht noch enger machen.
  Zu meiner Pilgerfahrt im letzten Mai in Jerusalem an der Klagemauer habe ich zu jenem, der alles vermag, gebetet:

„Sende deinen Frieden ins Heilige Land, in den Orient, in jede menschliche Familie,
bewege die Herzen derer, die deinen Namen anrufen,
damit sie demütig den Weg der Gerechtigkeit und des Erbarmens gehen“.

  Erneut lobe und danke ich Ihn für unser Treffen. Möge Er unsere Freundschaft stärken und unsere Eintracht noch enger machen.         Diese Arbeitsübersetzung für Radio Vatikan erstellte Marc-Stephan Giese SJ. RV100118ord/mg 

Bericht der FAZ: Benedikt XVI. in der Synagoge von Rom  - Papst: Weg der Versöhnung fortsetzen

   Papst Benedikt XVI. hat bei seinem ersten Besuch in der traditionsreichen Hauptsynagoge in Rom dazu aufgerufen, den „Weg der Versöhnung und Brüderlichkeit" fortzusetzen. Dieser „unumkehrbare Pfad des Dialoges", der 1986 durch den ersten Besuch eines Papstes eingeschlagen wurde, müsse „vertieft und weiterentwickelt"werden, sagte Benedikt. Auch er wolle wie sein Vorgänger Johannes Paul II. seine „Nähe und Zuneigung" zum jüdischen Volk zeigen. Er erinnerte an seine Reise ins Heilige Land 2009 und seine früheren Besuche in den Synagogen von Köln, New York und Jerusalem.
   Der Papst erinnerte in seiner Rede in der Synagoge an das „einzigartige und überwältigende Drama der Schoa, den Gipfel eines Hasses, als der Mensch seinen Schöpfer vergaß und er sich selbst in das Zentrum des Universums stellte". Er erinnerte an seine Rede in Auschwitz 2006, in der er darüber gesprochen habe, dass die „Machthaber des Dritten Reiches" versucht hätten, das Volk Abrahams auszulöschen. Da sei es nun in Rom unmöglich, „nicht an diese Gesichter, diese Namen, diese Tränen und diese Verzweiflung von Männern, Frauen und Kindern zu erinnern". Leider seien damals viele, auch unter den Katholiken, gegenüber dem Leid der Juden gleichgültig geblieben. Aber es habe andere gegeben. „Auch der Apostolische Stuhl entwickelte Aktionen der Hilfe, offen, verborgen und diskret", sagte der Papst, ohne weiter auf die Kritik an Pius XII. einzugehen.
   Weiter Würdigte der Papst die Gemeinsamkeiten beider Religionen. Die Tora des Mose sei die „Flamme der Ethik, der Hoffnung und des Dialoges, der Polarstern des Glaubens und der Moral des Volkes Gottes, Erleuchtung und Führung auch für den Weg der Christen".
   Der Besuch des Papstes in der Synagoge in Rom ist nicht nur ein italienisches Ereignis. Aus Israel reiste der stellvertretende israelische Ministerpräsident Silwan Schalom an; zudem eine Gruppe von Rabbinern, so der Oberrabbiner von Haifa, Shear Cohen, und Rabbi David Rosen, der für interreligiöse Fragen im „American Jewish Committee" zuständig ist. Rosen sagte der FAZ: „Der positive Einfluss dieser Visite wird alles Negative in der Debatte zwischen uns und den Katholiken verdrängen." Der jetzige Besuch in der Synagoge sei ein „Nachspiel" zur Reise des Papstes nach Israel im vergangenen Jahr, sagte der israelische Botschafter beim Vatikan, Mordechai Lewy. An dem „historischen Besuch in der Synagoge will jeder teilhaben". Auf katholischer Seite nahmen der Patriarch von Jerusalem, Fuad Twal, teil, der franziskanische Custode für das Heilige Land, Pierbattista Pizzabella, und der galiläisch syrisch-katholische Erzbischof Elias Chakour, der in Israel für seine Pilgerreise nach Auschwitz bekannt geworden ist. Diese Teilnehmergruppe trifft sich zur Fortsetzung des jüdisch-katholischen Dialog.
   Die Juden von Rom können wohl auf die längste Geschichte einer Gemeinde zurückblicken. Schon vor der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 nach unserer Zeitrechnung war diese Gemeinde mindestens zweihundert Jahre alt, wie sich durch Kontakte zwischen ihr und dem makkabäischen Königshaus in Jerusalem etwa 160 vor Christus nachweisen lässt. Viele Hebräer kamen nach der römischen Eroberung des Heiligen Landes unter Pompeius in den siebziger Jahren vor Christus nach Rom. Der Apostel Paulus unterhielt einen Schriftwechsel mit der jüdischen Gemeinde und gehörte später wie Petrus selbst zu der judenchristlichen Minderheit in der Gemeinde von Rom. Mit dem Edikt von Mailand und der Anerkennung des Christentums 312 nach Christus unter Kaiser Konstantin begann die wechselvolle Geschichte zwischen Unterdrückung und Duldung. Die römische Gemeinde bewahrte sich über alle Jahrhunderte einen Sonderstatus in der jüdischen Diaspora. Sie hat ihren eigenen Ritus, der sich vom spanisch- sefardischen genauso unterscheidet wie von dem aschkenasischen Liturgiestil in Nordeuropa. FAZ100118jöb

   Papst Benedikt XVI. hat den jüdischen Gelehrten Jacob Neusner in Audienz empfangen. Einzelheiten zu dem Treffen teilte der Vatikan nicht mit. Der 77-jährige US-Amerikaner zählt zu den renommiertesten Experten für das antike rabbinische Judentum. Darüber hinaus forschte er eingehend über das Verhältnis des Judentums zum frühen Christentum. Benedikt XVI. setzte sich in seinem Buch „Jesus von Nazareth“(2007) breit mit den Thesen des Wissenschaftlers auseinander. US-Medien titulierten Neusner deswegen als „Lieblingsrabbi des Papstes“. rv100118kna

B-337FPjud-xx

Begegnung mit Vertretern des Judentums in der Apostolischen Nuntiatur in Paris
Es gibt keine annehmbare theologische Rechtfertigung für Antisemitismus

   Mit Freude empfange ich euch heute abend, liebe Freunde. Es ist eine glückliche Fügung, dass unser Treffen am Vorabend der wöchentlichen Feier des »Schabbat« stattfindet, am Tag, der seit undenklichen Zeiten einen so bedeutenden im religiösen und kulturellen Leben des Volkes Israel einnimmt. Jeder fromme Jude heiligt den »Schabbat«, indem er die Schriften liest und die Psalmen betet. Liebe Freunde, ihr wisst, dass auch das Gebet Jesu sich aus den Psalmen nährte. Regelmäßig begab er sich in den Tempel und in die Synagoge. Dort ergriff er an einem Sabbat auch das Wort. Dort wollte er unterstreichen, mit welcher Güte der ewige Gott sich des Menschen annimmt, auch in der Organisation der Zeit. Sagt nicht etwa der Talmud Yoma 85b: »Der Sabbat ist euch gegeben, nicht ihr dem Sabbat«? Christus hat das Volk des Bundes aufgerufen, immer die unerhörte Größe und Liebe des Schöpfers aller Menschen anzuerkennen. Liebe Freunde, aufgrund dessen, was uns eint, und aufgrund dessen, was uns trennt, haben wir eine Brüderschaft, die wir stärken und leben müssen. Und wir wissen, dass die Brüderschaftsbande eine ständige Einladung darstellen, sich besser kennenzulernen und sich zu respektieren.
  Die katholische Kirche wünscht von ihrer Natur her, den Bund, den der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs geschlossen hat, zu achten. Denn auch sie ist eingeschrieben in den ewigen Bund des Allmächtigen, der sich seiner Ratschlüsse nicht reut, und sie achtet die Söhne der Verheißung, die Söhne des Bundes, ihre geliebten Brüder im Glauben. Kraftvoll wiederholt sie durch meine Stimme die Worte meines verehrten Vorgängers, des großen Papstes Pius XI.: »Geistlich sind wir Semiten« Ansprache an Pilger aus Belgien, 6.9.1938. So erhebt sich die Kirche gegen jede Form von Antisemitismus, für den es keine annehmbare theologische Rechtfertigung gibt. Der Theologe Henri de Lubac begriff in einer Stunde »der Finsternis«, wie Pius XII. sagte Summi Pontificatus, 20.10. 1939, dass antisemitisch sein auch antichristlich sein bedeutet vgl. Un nouveau front religieux, veröffentlicht 1942 in: Israel et la Foi Chretienne, S. 136. Noch einmal liegt mir daran, denen tiefe Ehrerbietung zu erweisen, die zu Unrecht gestorben sind, und denen, die dafür tätig waren, dass die Namen der Opfer in der Erinnerung lebendig bleiben. Gott vergißt nicht!
   Bei einer Gelegenheit wie dieser kann ich die hervorragende Rolle, die die Juden in Frankreich beim Aufbau der ganzen Nation gespielt haben, und deren namhaften Beitrag zu ihrem geistigen Erbe nicht unerwähnt lassen. Sie haben der Welt der Politik, der Kultur, der Kunst große Gestalten geschenkt - und tun dies weiterhin. Respektvolle und herzliche Wünsche richte ich an einen jeden von ihnen und rufe mit Inbrunst auf eure Familien und alle eure Gemeinden einen besonderen Segen des Herrn der Zeit und der Geschichte herab. »Schabbat schalom«! R080814

jPTWGaryKrupp-xx

Juden loben Papst Pius XII, der “viele gerettet hat”.
Foto oben: Benedikt XVI. begrüßt Gary Krupp, Präsident der Pave-The-Way-Stiftung

jPaveTheWay

   Papst Pius XII wurde nach Meinung führender Juden dämonisiert und seine Hilfe für Juden während des 2. Welt- krieges wurde durch ungenaue und unvollständige Berichte entstellt.
    “Wir müssen die Geschichte neu schreiben” und der Welt die Wahrheit sagen über den Papst, der “im 2. Welt- krieg so viele Leben rettete”, sagte Gary Krupp, der jüdische Gründer und Präsident der Pave the Way-Stiftung. Er sprach zu Beginn eines Symposiums über Studien zum Pontifikat von Papst Pius XII. Die amerikanische Stiftung förderte diese Fachtagung, auf der katholische und jüdische Referenten unter anderem auch Filmmaterial vorführten von Interviews mit Menschen, die durch die Intervention der Kirche vom Holocaust gerettet wurden.
   Gary Krupp erklärte, er sei mit Hass auf Papst Pius aufgewachsen in der Meinung, dass Papst Pius nichts gegen die Tötung von sechs Millionen Juden unternommen hätte. Aber Jahre später war er geschockt, als er durch Forschungen entdeckte, dass der Papst sich sehr stark in einem geheimen Netzwerk  für die vor der Verfolgung durch die Nazis fliehenden Menschen eingesetzt hat, durch die Öffnung der Klausuren, Klöster, religiöser Konvente und Priesterseminare in Europa.  
   Krupp führte weiter aus, dass Erfahrung gezeigt hätte, dass öffentlicher Widerspruch europäischer Führer gegen die Nazi-Verfolgung die Verfolgung der Juden verstärkt hätte – und letztlich sich auch gegen diese Sprecher wandte. Daher sei es eine große Hilfe gewesen, diesen Einsatz von Papst und Kirche geheim zu halten.
   Krupp sagte, für die Welt sei nun die Zeit gekommen, “Papst Pius XII. zu vergeben, dass er nicht groß öffentlich geredet hat, sondern wirklich anzuerkennen, dass er seinen Weg der Hilfe gegangen ist” (Krupp:“to forgive Pius XII for not talking the talk but truly commend him for walking the walk”).  CT080928CarolGlatz

P.PiusXII-x jPTWGaryKruppJPII-x

 Foto oben links: Papst Pius XIIFoto oben rechts: Gary Krupp richtet eine Grußadresse
  an Papst Johannes Paul II. in der größten jüdischen Audienz der Geschichte im Vatikan. 

  Der Vatikan erwägt laut einem polnischem Fernsehbericht, im kommenden Jahr drei Päpste gleichzeitig seligzusprechen. Geplant sei die gemeinsame Seligsprechung von Johannes Paul II.(1978-2005), Pius XII. (1939- 1958) und Paul VI. (1963-1978), meldete der Nachrichtensender „N24” am Wochenende. Der Krakauer Kardinal und ehemalige Sekretär von Johannes Paul II., Stanislaw Dziwisz, begrüßte in einem Interview des Senders entsprechende Überlegungen: „Wenn es zu einer gemeinsamen Seligsprechung von drei Päpsten kommen würde, wäre das auch sehr schön.” Der stellvertretende Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, der Posener Erzbischof Stanislaw Gadecki, bezweifelt hingegen laut der polnischen Nachrichtenagentur KAI eine gemeinsame Seligsprechung. Das Seligsprechungsverfahren für Pius XII. begann 1974.  RVkna081005sk

B-253nyxx

Liebe Freunde!
   Schalom! Es ist mir eine Freude, nur wenige Stunden vor Beginn Ihres Pesach-Festes hierher zu kommen, um der Jüdischen Gemeinde von New York City meinen Respekt und meine Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Die Nähe dieser Gebetsstatte zu meinem Aufenthaltsort bietet mir die Gelegenheit, einige von Ihnen heute zu begrüßen. Ich finde es bewegend, wenn ich daran denke, dass Jesus als ein kleiner Junge an einem Ort wie diesem die Worte der Schrift gehört und gebetet hat.
   Ich danke Rabbi Schneier für seinen Willkommensgruß und freue mich besonders über Ihr liebenswürdiges Geschenk, die Frühlingsblumen und das hübsche Lied, das die Kinder für mich gesungen haben. Ich weiß, dass die Jüdische Gemeinde einen wertvollen Beitrag für das Leben der Stadt leistet, und ich möchte Sie alle ermutigen, weiterhin Brücken der Freundschaft zu all den vielen verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen in ihrer Nachbarschaft zu bauen.
  In dieser Zeit, in der Sie sich darauf vorbereiten, die großen Taten des Allmächtigen zu feiern und Ihm, der solche Wunder für sein Volk gewirkt hat, den Lobgesang zu singen, versichere ich Sie ganz besonders meiner Nähe. Ich möchte die hier Anwesenden gerne bitten, allen Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde meine Grüße und guten Wünsche auszurichten. Gesegnet sei der Name des Herrn! DT080422Übersetzung von Claudia Reimüller

Gemeinsame Hoffnung auf Frieden  B-254nyx Park East Synagoge, New York

Botschaft von Papst Benedikt XVI. an die jüdische Gemeinde zum Pesach-Fest

   Mein Besuch in den Vereinigten Staaten veranlasst mich, einen herzlichen und tiefempfundenen Gruß an meine jüdischen Brüder und Schwestern in diesem Land und in der ganzen Welt zu richten. Einen um so innigeren Gruß, da das große Pesach-Fest naht.
  „Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen. Feiert ihn als Fest zur Ehre des Herrn! Für die kommenden Generationen  macht euch diese Feier zur festen Regel!” Exodus 12,14. Obwohl die christliche Osterfeier sich in vielem von Ihrer Pesach-Feier unterscheidet, verstehen und erfahren wir sie in der Kontinuität mit den biblischen Erzählungen von den machtvollen Taten, die der Herr an seinem Volk vollbracht hat.
  In dieser Zeit Ihres höchsten Festes fühle ich mich Ihnen besonders nahe, gerade aufgrund dessen, was die Konzilserklärung Nostra Aetate (siehe unten auf dieser Seite) die Christen nie zu vergessen mahnt: dass die Kirche „durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testaments empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schösslinge eingepropft sind” Nostra Aetate, 4. Indem ich mich an Sie wende, möchte ich die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils über die katholisch-jüdischen Beziehungen erneut bekräftigen und die Verpflichtung der Kirche zu dem Dialog wiederholen, der in den letzten vierzig Jahren unsere Beziehungen grundlegend verbessert hat.
   Aufgrund dieser Zunahme an Vertrauen und Freundschaft können Christen und Juden sich gemeinsam des tiefen geistlichen Gehaltes des Pascha, eines Gedenkens zikkaron der Freiheit und der Erlösung, erfreuen. Jedes Jahr, wenn wir die Pascha-Geschichte hören, kehren wir zu der gesegneten Nacht der Befreiung zurück. Diese heilige Zeit im Jahr sollte unsere beiden Gemeinschaften dazu aufrufen, nach Gerechtigkeit, Erbarmen und Solidarität gegenüber den Fremden im Land, gegenüber den Witwen und den Waisen zu streben, wie Mose geboten hat: „Denk daran: Als du in Ägypten Sklave warst, hat dich der Herr, dein Gott, dort freigekauft. Darum mache ich es dir zur Pflicht, diese Bestimmung einzuhalten” Deuteronomium 24,18.
  Am Pascha-Sedermahl erinnern Sie sich an die heiligen Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob und an die heiligen Frauen Israels, an Sarah, Rebecca, Rahel und Lea, den Anfang der langen Reihe von Söhnen und Töchtern des Bundes. Im Laufe der Zeit bekommt der Bund einen immer universelleren Wert, da die Verheißung an Abraham Gestalt annimmt: „Ich werde dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein. Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.” Genesis 12,2-3. Tatsächlich erstreckt sich nach dem Propheten Jesaja die Hoffnung auf Erlösung über die ganze Menschheit: „Viele Nationen machen sich auf den Weg; sie sagen:,Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen'.” Jesaja 2,3. Innerhalb dieses eschatologischen Horizontes wird eine reale Aussicht auf eine allegemeine Geschwisterlichkeit geboten, die auf dem Weg der Gerechtigkeit und des Friedens dem Herrn den Weg bereitet vgl. Jesaja 62,10.
   Christen und Juden teilen diese Hoffnung; in der Tat sind wir, wie der Prophet sagt, „Gefangene voll Hoffnung” Sacharja 9,12. Dieses Band gestattet uns Christen, zusammen mit Ihnen - wenn auch auf unsere eigene Weise - das Pascha von Christi Tod und Auferstehung zu feiern, das wir als mit Ihrem Pascha untrennbar verbunden betrachten, denn Jesus selbst hat gesagt: „Das Heil kommt von den Juden” Johannes 4,22. Unser Ostern und Ihr Pesach, obgleich klar voneinander unterschieden, vereinen uns in unserer gemeinsamen auf Gott und seine Gnade ausgerichteten Hoffnung. Diese Feiern drängen uns, untereinander und mit allen Menschen guten Willens zusammenzuarbeiten, um diese Welt für alle zu verbessern, während wir auf die Erfüllung der Verheißungen Gottes warten.
   Mit Respekt und in Freundschaft bitte ich darum die jüdische Gemeinde, meinen Pesach-Gruß entgegenzunehmen in einem Geist der Offenheit für die realen Möglichkeiten der Zusammenarbeit, die wir vor uns sehen, wenn wir die dringende Not unserer Welt betrachten und wenn wir voll Mitleid überall das Leiden von Millionen unserer Brüder und Schwestern sehen. Natürlich schließt unsere gemeinsame Hoffnung auf Frieden in besonderer Weise den Mittleren Osten und das Heilige Land ein. Möge das Gedenken an Gottes Gnaden, das Juden und Christen in dieser Festzeit begehen, alle Verantwortlichen für die Zukunft jener Region, in der die Geschehnisse um Gottes Offenbarung tatsächlich stattgefunden haben, zu neuen Anstrengungen anspornen und besonders zu neuen Einstellungen und zu einer neuen Läuterung der Herzen!
   In meinem Herzen wiederhole ich mit Ihnen den Psalm des Pascha-Hallel Psalm 118,1-4 und rufe die Fülle göttlichen Segens auf Sie herab: „Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig. So soll Israel sagen: ,Denn seine Huld währt ewig.' So sollen alle sagen, die den Herrn fürchten und ehren: ,Denn seine Huld währt ewig'.”                                               Sign-B-
Aus dem Vatikan, am 14. April 2008

B-jüdWCongr.-xx B-jüdWeltkongress07

Papst trifft Jüdischen Weltkongress. Foto links: Bronfman (WJC)  mit seinem Nachfolger Lauder re. und seinem Sohn, dem neuen Vorsitzenden li. - Foto rechts: Der Präsident des WJC Ronald Lauder beim Papst

   Der Papst hat die Leitung des Jüdischen Weltkongresses in Audienz empfangen. Mit dabei war auch der neue Präsident des Verbandes, Ronald Lauder. Nach Angaben eines Vatikan-Statements ging es bei dem Gespräch u.a. um die Themen Antisemitismus, um den Friedensprozess in Nahost und die derzeitige Krise um den Iran. Das Vatikan-Statement betont, dass die Religionen zusammenarbeiten müssen, um Vorurteile abzubauen und ethische Werte zu fördern. Der Unternehmer Lauder steht seit an der Spitze des größten jüdischen Verbandes der Welt.
rv071009
  
Lauder hat das Mandat, um den WJC aus einer seiner tiefsten Krise seit der Gründung des weltweit größten Dachverbands jüdischer Organisationen im Jahre 1936 zu führen. Heute hat der WJC, dessen Aufgabe sich nicht besser als in seinem eigenen Leitspruch „Alle Juden sind füreinander verantwortlich” beschreiben lässt, Mitglieds- organisationen in fast 100 Ländern. Lauders Vorgänger, der heute 77 Jahre alte Edgar Bronfman, hatte den WJC 28 Jahre lang geführt.
   Für Lauder kommt es nun darauf an, gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Matthew Bronfman - dem 47 Jahre alten Sohn Edgar Bronfmans - den WJC finanziell, politisch und organisatorisch auf ein solides Fundament zu stellen. Zugleich muss er gemeinsam mit Matthew Bronfman einen Generations- und auch einen Paradigmen- wechsel - vorbereiten: Als Sachwalter der Opfer des Holocausts in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat der WJC seine Aufgabe fast vollständig erfüllt, jetzt muss sich der traditionsreiche Dachverband von 80 jüdischen Gemeinschaften - unter ihnen 45 in Europa - über Sinn und Zweck seines Daseins für das Judentum in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts Rechenschaft ablegen.
   Mit seiner Stiftung hat Lauder in verschiedenen Staaten Mittel- und Osteuropas zahlreiche jüdische Schulen und andere Bildungseinrichtungen gegründet, in welchen heute etwa 10.000 Kinder unterrichtet werden - unter anderem über ihre Geschichte und ihren Glauben und was es heißt, Jude zu sein.  „Das ist es, worauf ich am meisten stolz bin“, sagte Lauder in New York. FAZ070611

B-RonaldSLauder-x     Papstaudienz für den WJC

   Bei der Papstaudienz für die Spitze des jüdischen Weltkongresses wurde der Präsident des WJC Ronald S. Lauder Foto oben bei der Überreichung eines Gastgeschenks vom neuen Generalsekretär Michael Schneider und dessen Stellvertreter Maram Stern begleitet. Der Präsident dankte Benedikt XVI. für alles, was er in den vergangenen Jahrzehnten für das jüdische Volk getan habe, heißt es in einer Mitteilung des WJC. Der Papst unterstrich demnach, wie sehr ihm die Frage der katholisch-jüdischen Beziehungen am Herzen liege.
   Beide Seiten betonten die Fortschritte, die es in den vergangenen vierzig Jahren gegeben habe. Lauder verwies auf die Möglichkeit gemeinsamer katholisch-jüdischer sozialer Initiativen in armen Ländern. „Wir haben in den letzten vier Jahrzehnten so große Fortschritte gemacht, dass es möglich sein sollte, noch enger zusammenzuarbeiten”, sagte der WJC-Präsident wörtlich. Zugleich plädierte er auch für eine Ausweitung des Dialogs auf „gemäßigte” muslimische Führungspersönlichkeiten und Regierungen.  DTkna071011

B-SchimonPeres

Peres lädt Papst ein. Israelreise in der Osterzeit? - Lob für Diplomatie des Vatikans

  Eine Wiederaufnahme der israelisch-palästinensischen Friedenskontakte im Heiligen Land und die Hoffnung auf die bevorstehende internationale Friedenskonferenz haben im Mittelpunkt der Papstaudienz für den israelischen Präsidenten Schimon Peres gestanden. Bei dem 35minütigen Gespräch, das nach Vatikan-Angaben in einem „herzlichen Klima” stattfand, wiederholte der Präsident die Einladung an den Papst zu einem Besuch im Heiligen Land.
   Bei der Unterredung ging es der Vatikan-Mitteilung zufolge auch um die Erwartungen und Probleme der Völker in der Region, die seit sechzig Jahren unter dem Nahost-Konflikt litten. Zudem äußerten der Papst und bei einer anschließenden Begegnung auch Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und Vatikan-Außenminister Dominique Mamberti den Wunsch nach Einrichtung eines ständigen Dialogs zwischen den israelischen Behörden und der katholischen Ortskirche im Heiligen Land. Ziel sei eine „volle Teilnahme der Christen am Aufbau des Gemeinwohls”, so das Kommunique. Bei Peres' Besuch in Castel Gandolfo ging es auch um bilaterale Fragen zwischen Israel und dem Heiligen Stuhl. Man habe die Hoffnung auf einen raschen Abschluss der seit Jahren auf der Stelle tretenden Verhandlungen über Rechts- und Wirtschaftsfragen geäußert, hieß es.
   Die Gespräche werden bereits seit zehn Jahren geführt. In diesen Tagen sollte die zuständige Arbeitsgruppe zu einer weiteren Konferenz in Jerusalem zusammentreffen.  DTkna070908

a_B-Katzav-xx

   Schon im Jahr 2005 hatte in einem Treffen im Vatikan der israelische Staatspräsident Katzav Foto rechts Papst Benedikt XVI. zu einem Besuch nach Jerusalem eingeladen. “Ich hoffe, dass es noch im nächsten Jahr stattfindet”, sagte Katzav damals.  FAZ051117

Nunt.aepAntonioFranco Betlehem-Mauer MeirSheetritInnenmin.-x

 Bewegungsfreiheit der Priester im Heiligen Land

   Das israelische Innenministerium erteilte die Zustimmung “hochrangigen Mitarbeitern der Kirche”, die dienstlich in Israel ein- und ausreisen müssen, ein Dauervisum auszustellen. In einem Brief an den päpstlichen Nuntius in Israel und den palästinensischen Territorien, Erzbischof Antonio Franco Foto oben links, schrieb der Innenminister Meir Sheetrit Foto oben rechts, die Kirche müsse eine Liste der betroffenen Personen aufstellen. Nach Überprü- fung und Genehmigung seitens des Ministeriums würden dann Mehrfachvisen ausgestellt.
   Sheetrit sagte. dass alle anderen Religionsgemeinschaften, die aus dienstlichen Gründen aus Israel ausreisen, könnten Wiedereinreisevisen nach Israel beantragen und erhalten bevor sie ausreisen würden. Damit würden die Schwierigkeiten vermieden, diese Einreisepapieren von außerhalb Israels zu beantragen. In Notfällen würde ebenso verfahren und “sofort und auf der Stelle” der Antrag bearbeitet, schrieb Sheetrit. Erzbischof Franco erklärte jedoch “die Kirche sei mit dieser Änderung nicht völlig zufrieden, denn auch Pfarrer müssten in ihrer Gemeinde mobil bleiben. Im lateinischen Patriarchat hätten sie viele Zusammenkünfte und pastorale Verpflichtungen. Die Priester fallen nicht unter die Rubrik der “VIP”, der hochrangigen Mitarbeiter.  Darum ist im Alltag diese Regelung wenig hilfreich.”   CT080217

    Juden beim Papst      B-cdKaper.xx

Enzigartige Beziehungen zum Judentum

   Die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils Nostra aetate1965, Nr. 4, siehe unten auf dieser Seite, kann als Beginn des offiziellen Dialogs der katholischen Kirche mit dem Judentum betrachtet werden. Als Auftrag wird dort folgende Anweisung gegeben: »Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist.« Wenn man heute nach über 40 Jahren auf die Entwicklung und die Ergebnisse dieses Dialogs schaut, muss sich unweigerlich das Gefühl der Dankbarkeit Gott und unseren jüdischen Gesprächspartnern gegenüber einstellen, denn das gegenseitige Verständnis hat sich zweifellos vertieft und eine solide Freundschaft ist inzwischen gewachsen.
  Ein besonderer Ausdruck der Wertschätzung des Judentums ist der »Tag des Judentums«, der jeweils am 17. Januar in der Kirche von Italien, Österreich und Polen begangen wird. Es geht darum, auf die jüdischen Wurzeln des Christentums zu blicken und sich des theologischen Zusammenhangs zwischen Judentum und Christentum jährlich bewusst zu werden. Dem 17. Januar folgt in diesen - wie auch in anderen - Ländern unmittelbar die Gebetswoche für die Einheit der Christen. Theologisch könnte man in diesem Zusammenhang den Blickwinkel derart weiten, dass man den jüdischen Ursprung unserer Kirche und aller christlichen Gemeinschaften bekennt.
   Die gemeinsame Wurzel stellt das Judentum bis zur Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70 n. Chr. dar, die Trennung der Kirche von der Synagoge steht am Ursprung aller weiterer innerchristlicher Trennungen und Ausdifferenzierungen. Insofern scheint der Tag vor der Gebetswoche für die Einheit der Christen ein geeigneter Tag für den »Tag des Judentums« zu sein, wenngleich natürlich das Ziel des interreligiösen Dialogs ein völlig anderes ist als das des ökumenischen Dialogs zwischen Christen. Dieser strebt »die sichtbare Einheit der Kirche Jesu Christi« an, während es beim interreligiösen Dialog um gegenseitigen Respekt in Freundschaft und um die Zusammenarbeit für Frieden und Gerechtigkeit geht, und zwar in gegenseitiger Bereicherung bei Wahrung der je eigenen Identität.
  Der jüdisch-christliche Dialog gehört zwar in den Bereich des interreligiösen Dialogs, hat aber dort einen besonderen und herausgehobenen Stellenwert. So spricht man in der jüdisch-christlichen Tradition davon, dass Gott den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat vgl. Gen 1,26-27, und er deshalb mit einer göttlichen Würde ausgestattet ist, die unantastbar ist und bleibt. Das menschliche Leben ist Juden und Christen heilig, weil es von Gott herkommt. Christen stehen in der jüdischen Tradition, was den Monotheismus in der Verehrung des einen und einzigen Gottes Israels betrifft.
  Der damalige Kardinal Joseph Ratzinger verbindet in einem Artikel im Osservatore Romano vom 29. Dezember 2000, der den Titel trägt »Das Erbe Abrahams - die Weihnachtsgabe«, den Gottesglauben Israels mit dem christlichen, indem er schreibt: »Es ist also Aufgabe des auserwählten Volkes, ihren Gott, den einzigen und wahren Gott, allen anderen Völkern zu schenken, und in Wirklichkeit sind wir Christen Erben ihres Glaubens an den einzigen Gott«. Von jüdischer Seite wird das in einer eigenen theologischen Erklärung vom 10. September 2000, die den Titel »Sprecht die Wahrheit« trägt, bestätigt: »Vor der Entstehung des Christentums waren die Juden die einzigen, die den Gott Israels anbeteten. Aber auch die Christen beten zum Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, Schöpfer des Himmels und der Erde. Während die christliche Gottesverehrung für Juden keine religiöse Wahlmöglichkeit ist, ... freuen wir uns darüber, dass durch das Christentum Hunderte Millionen Menschen mit dem Gott Israels in Beziehung gekommen sind«.
  Allein die Tatsache, dass Juden und Christen den einen Gott anbeten und ihr Menschenbild von ihm her entwerfen, verweist darauf, dass die Beziehung zwischen Judentum und Christentum etwas Einzigartiges darstellt. Kardinal Ratzinger drückte das im erwähnten Artikel folgendermaßen aus: »Natürlich erfolgt der Dialog von uns Christen mit den Juden auf einer anderen Ebene als der mit den anderen Religionen. Der in der Bibel der Juden, dem Alten Testament der Christen,  bezeugte Glaube ist für uns nicht eine andere Religion, sondern das Fundament unseres Glaubens«. Diese Aussage steht im Einklang mit den Worten von Johannes Paul II. in seiner Rede beim historischen Besuch der Synagoge von Rom am 13. April 1986: »Die jüdische Religion ist für uns nicht etwas >Äußerliches<, sondern gehört in gewisser Weise zum >Inneren< unserer Religion. Zu ihr haben wir somit Beziehungen wie zu keiner anderen Religion«.
   Ausgehend von diesen theologischen Überlegungen scheint es gerechtfertigt, dass die Kommission des Heiligen Stuhls für die Beziehungen zum Judentum am Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen angesiedelt ist und dort die Förderung des Dialogs mit den Juden vorangetrieben wird. Wie in allen Dialogen des Heiligen Stuhls mit anderen christlichen Gemeinschaften, den Weltreligionen und Kulturen gibt es zwei Dimensionen: den Dialog »ad intra« und den »ad extra«. Zum Dialog »ad intra« gehören alle Anstrengungen, die den Binnenraum unserer Kirche betreffen und davon geprägt sind, die Ergebnisse und Fortschritte des Dialogs auf allen kirchlichen Ebenen bekannt zu machen und entsprechende Handlungsrichtlinien zu formulieren. Vor allem der Bereich der Erziehung und Bildung ist in diesem Zusammenhang wichtig, da künftige Generationen  zu Trägern des Dialogs mit dem Judentum werden sollen.
   Anlässlich des 40jährigen Jubiläums von Nostra aetate lud die Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum am 27. Oktober 2005 ihre Konsultoren und Delegierte von Bischofskonferenzen für den Dialog mit dem Judentum (bzw. für den interreligiösen Dialog) ein, in deren Bereich lebendige jüdische Gemeinschaften leben. Unter anderem wurden wir um eine Vertiefung der theologischen Überlegungen gebeten, um so nach und nach eine »christliche Theologie des Judentums« zu entwickeln. In dieser Perspektive hat vom 19. bis 22. Oktober 2006 in Ariccia ein Treffen katholischer Theologen stattgefunden, das von vier Instituten für den Dialog mit den Juden (Chicago, Boston, Löwen, Rom) organisiert wurde, um über einige theologische Themen zu diskutieren.
   Im katholischen Raum gab es seit der Verkündigung von Nostra aetate im akademischen Bereich viele interessante theologische Denkansätze und grundsätzliche Erwägungen zur Neubestimmung des Verhältnisses unserer Kirche zum Judentum. Die Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum betrachtet es als ihre Aufgabe, derartige Diskussionen zu fördern und zu begleiten. So gibt es offene theologische Fragen, zum Beispiel das Verhältnis des Alten Bundes zum Neuen, die Beziehung der Synagoge zur Kirche in ihrer geschichtlichen Entwicklung, wie die Thora als jüdischer Heilsweg mit den entsprechenden Prämissen des Christentums vereinbar ist, wie sich eine missionarisch geprägte Kirche gegenüber dem Judentum verhalten soll.
   Zu einer christlichen Theologie des Judentums gibt es bislang kaum systematische und umfassende Dar- stellungen, wenngleich einige Eckpfeiler und Bausteine vorhanden sind vgl. die drei Dokumente der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum: Richtlinien und Hinweise für die Durchführung der Konzilserklärung Nostra aetate, Artikel 4, 1974; Hinweise für die richtige Darstellung von Juden und Judentum in der Predigt und in der Katechese der katholischen Kirche, 1985; Wir erinnern: eine Reflexion über die Schoa, 1998.
   Was den jüdisch-katholischen Dialog »ad intra« betrifft, so wurde die vatikanische Kommission vom Heiligen Vater beauftragt, in Frage kommende Bischofskonferenzen anzuschreiben, um die Einführung eines »Tages des Judentums« auf Weltebene oder auf der Ebene einzelner Bischofskonferenzen nach dem Vorbild Italiens, Österreichs und Polens abzuklären. Dort hat man nämlich grundsätzlich positive Erfahrungen mit einem derartigen Gedenktag gemacht.
   Der Dialog »ad extra« betrifft die Kontakte der Kommission des Heiligen Stuhls zum heutigen Judentum in allen seinen Formen, Ausrichtungen und Ausdifferenzierungen. Das zeitgenössische Judentum erscheint als sehr facettenreich, vielfältig und vielgestaltig, wobei die Einteilung in orthodoxes, konservatives und liberales Judentum nur eine Möglichkeit zur Klassifizierung darstellt. Die Kommission versucht, mit allen Richtungen innerhalb des Judentums den Dialog zu fördern und voranzutreiben. Zwei institutionelle Dialoge sollen hier aber besonders erwähnt werden.
   Die Kommission unterhält seit Beginn des vom Zweiten Vatikanischen Konzil eingeleiteten Dialogs Beziehungen zum IJCIC International Jewish Committee on Interreligious Consultations, einer Organisation, die nahezu alle wichtigeren jüdischen Agenturen auf internationaler Ebene umfasst. Während der letzten drei Jahre wurden zwei Begegnungen des ILC International Catholic-Jewish Liaison Committee abgehalten, eine in Buenos Aires, Argentinien (5. bis 8. Juli 2004) über das Thema »Justice and Charity« Gerechtigkeit und Nächstenliebe, und 2006 fand die XIX.Versammlung vom 4. bis 7. November in Kapstadt, Südafrika, statt über das Thema »Healthcare - Dignifying God's Image« Gesundheitsfürsorge - Würdige Behandlung von Gottes Ebenbild. Zum Abschluss jeder Begegnung wurde eine Gemeinsame Erklärung verabschiedet, die die gemeinsamen Positionen zwischen Juden und Katholiken formuliert. In Argentinien konnten gemeinsame Projekte zur Bekämpfung der von einer schweren Wirtschaftskrise verursachten Armut und im besonderen zur Fürsorge für die unterernährten Kinder verwirklicht werden; in Südafrika arbeitet man an der Erstellung eines gemeinsamen Projekts zu konkreter Hilfe im Kampf gegen Aids. Auf internationaler Ebene wächst immer mehr die Bereitschaft, im Bereich der sozialen Gerechtigkeit zusammen zu arbeiten. Die Atmosphäre bei diesen großen Zusammenkünften ist von einem Geist der Freundschaft und vom Willen geprägt, unsere Beziehungen zu vertiefen.
 Der andere institutionalisierte Dialog ist jener mit dem Großrabbinat von Israel. Dieser Dialog, der in der Folge des Israelbesuchs von Papst Johannes Paul II. Im Jahr 2002 aufgenommen wurde, ist zu einer der hauptsächlichen Säulen der Beziehungen zwischen dem Judentum und dem Heiligen Stuhl geworden. In diesen Jahren haben bereits sechs Begegnungen stattgefunden, die abwechselnd in Rom und in Jerusalem abgehalten wurden: dabei ging es um verschiedene Themen, die auch den theologischen Bereich betrafen: die Heiligkeit des menschlichen Lebens, die Werte der Familie, die Bedeutung der Heiligen Schrift für die Gesellschaft und die Erziehung, soziale Gerechtigkeit und sittliches Verhalten, die Beziehung zwischen religiöser  und ziviler Obrigkeit, die Beziehung zwischen menschlichem Leben und Technologie. Dieser Dialog hat eine »gute Tradition« für unsere Aktivitäten eröffnet; die zwei Großrabbiner Israels sind in Rom mit den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. in Privataudienz persönlich zusammengetroffen. Als Folge dieses Dialogs ist auch von Seiten anderer orthodoxer Juden eine bemerkenswerte Öffnung für den Dialog mit der katholischen Kirche und die Bereitschaft festzustellen, in den Diskussionen religiöse Themen zu behandeln. Das nächste Treffen wird im März 2007 in Jerusalem stattfinden.
   Betrachtet man insgesamt die Entwicklung und den Stand des jüdisch-katholischen Dialogs, so kann man mit großer Dankbarkeit auf das Erreichte und mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Beim Dialog mit dem Judentum geht es um die eigene christliche Identität, da das Christentum jüdische Wurzeln hat und von diesen her erst richtig verstanden werden kann. Dass Gott im Juden Jesus von Nazaret Mensch wurde, ist kein Zufall,  sondern hat mit dem geschichtlichen Heilswillen Gottes zu tun. Im vierten Kapitel des Johannesevangeliums spricht die samaritische Frau am Jakobsbrunnen mit Jesus; im Laufe des Gesprächs geht es um die Frage, wo Gott angebetet werden soll. In diesem Zusammenhang belehrt Jesus die Frau, dass das Heil von den Juden kommt vgl. Jo 4,22, und die wahren Beter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden. Heil von den Juden, Heil vom Juden Jesus von Nazaret, den Christen als den Christus und Sohn Gottes bekennen und auf den unsere Kirche gegründet ist.
 P.Norbert J. Hofmann SDB, Sekretär der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum Orig.dt/ital.inOR070119

epoiIsrael07xx       Jad Vaschem

Israels Oberrabbiner lobt den christlich-jüdischen Dialog

  Israels Oberrabbiner Jona Metzger ist in Jerusalem mit den katholischen deutschen Bischöfen zusammengetroffen. Dabei hieß er die Oberhirten in „unserem gemeinsamen Heiligen Land” willkommen. Christen und Juden seien gemeinsame Söhne Abrahams, sagte der 53-Jährige. Metzger äußerte sich nachdrücklich positiv über das Miteinander von Juden und Katholiken während der vergangenen Jahrzehnte und lobte den Besuch von Papst Benedikt XVI. in der Kölner Synagoge im August 2005. Auch der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heinrich Mussinghoff, würdigte die gegenseitigen Beziehungen. Beide Seiten seien auf einem neuen guten Weg des Dialogs. Er berichtete dabei auch über das 2006 begonnene Gespräch zwischen Bischofskonferenz und Rabbinern in Deutschland. Ein weiteres Treffen ist in Mannheim geplant.
   Metzger, der seit 2003 Oberhaupt der aschkenasischen, das heißt westlichen Juden in Israel ist, verabschiedete die Bischöfe Mussinghoff, Gerhard Ludwig Müller und Heinz Josef Algermissen mit den deutschen Worten „Auf Wiedersehen in Deutschland”. Er plant einen Besuch nach Berlin.
   Die 27 katholischen deutschen Bischöfe waren mit einem in dieser Art einzigartigen Besuch zu Gast im Heiligen Land. Neben Nazaret, Jerusalem, Betlehem und Ramallah besuchten die Bischöfe die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem. DTkna030307

epoiIsrael-JVxx

Neue Synagogen, neues Selbstverständnis Jüdisches Leben in Niedersachsen

  Fast wöchentlich kommt eine auffallende Meldung zum jüdischen Leben in Niedersachsen. Fast immer geht es dabei um Aufbruch und Neubeginn, und nur in Ausnahmefällen um die Schändung eines Friedhofs oder andere antisemitische Zeichen. Die Jüdische Gemeinde Braunschweig weiht eine neue Synagoge ein, nachdem sich die Zahl der Gemeindemitglieder seit 1990 versechsfacht hatte. In Celle wird die älteste Synagoge Norddeutschlands aufwendig saniert. In Sudheim im Kreis Northeim wird ein auch für Anwohner kaum erkennbarer jüdischer Friedhof mit historisch wertvollen Grabsteinen, der die Zerstörungen der Nazizeit überstanden hat, wiederhergerichtet. Eine alte Synagoge in Bodenfelde an der Weser, ein kleines Fachwerkhaus,  das ebenfalls die Brandstiftungen überstand, wird abgetragen und in Göttingen wieder errichtet. In Hameln wird der erste Neubau einer liberalen jüdischen Gemeinde in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg geplant - am selben Ort, an dem sie bis zur Zerstörung 1938 stand - und entworfen vom Urenkel des Erbauers der ersten Hamelner Synagoge. In Hannover will die Liberale Jüdische Gemeinde, mit 600 Gläubigen die größte der zwanzig liberalen Gemeinden in Deutschland, ein Kirchengebäude erwerben  und erstmals in Deutschland eine Kirche in eine Synagoge umwandeln.
Manche dieser Vorhaben, vor allem der kleineren liberalen Gemeinden, mögen durch das Bedürfnis, Aufmerksamkeit zu erregen, gestärkt worden sein. Sichtbares Zeichen der Erneuerung und des wachsenden Interesses aber war im Dezember nicht nur das erste öffentlich gefeierte jüdische Chanukka-Lichterfest, bei dem Oberbürgermeister Stephan Weil seine Freude äußerte, dass jüdisches Leben nach den Massenmorden an den Juden in Deutschland und auch in Hannover wieder wachse. Sichtbar wurde es noch mehr durch die Veröffentlichung eines zweibändigen „Standardwerkes” des hannoverschen Historikers Herbert Obenaus, des 1.700 Seiten umfassenden „Historischen Handbuchs der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen”. Wie wenig anderes dokumentiert es aber auch das Ausmaß des Verlustes: 1933 lebten in Hannover 4.800 Juden, im Frühjahr 1945 waren es noch 45; und in Osnabrück sank deren Zahl in den zwölf Jahren der nationalsozialistischen Diktatur von 457 auf fünf.
   In Niedersachsen lebt nach Nordrhein-Westfalen und Berlin die größte jüdische Gemeinde Deutschlands. Gestärkt wurde sie, weil das Bundesland nach einem vereinbarten Schlüssel fast ein Zehntel aller „Quoten-Zuwanderer” aufnahm, die nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Sowjetunion aus Russland, aber auch aus mittelasiatischen Ländern wie Kasachstan nach Deutschland kamen. Durch sie erweiterte sich das jüdische Leben in den fünfzehn Jahren  zwischen 1990 und einer neuerlichen Änderung des Zuwanderungsrechts im Jahr 2005 von 28.000 Gläubigen in Deutschland um mehr als das Fünffache. Zudem kamen weitere 150.000 nichtjüdische Familienmitglieder, die der Landesverband und seine elf Gemeinden sozial und beruflich mitbetreuen. Stärker als in jedem anderen Bundesland wuchs prozentual die Zahl der Gemeindemitglieder, von 600 auf 10.000 in knapp eineinhalb Jahrzehnten; und in Hannover von 380 auf mehr als 4.000 - fast auf die Zahlen vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Niedersachsen fällt nicht nur durch die hohe Zahl auf und auch nicht allein dadurch, dass der Anwalt und Notar Michael Fürst mit 26 Jahren an der Spitze der weitaus dienstälteste aller Vorsitzenden der Landesverbände jüdischer Gemeinden ist. Der Landesverband hebt sich ab, weil er Einheitsgemeinden umfasst: Osnabrück etwa ist konservativ-orthodox geprägt,  während Braunschweig, eine von Frauen gestaltete Gemeinde, als liberal gilt. In Oldenburg übernahm im Herbst Daniel Alter das Rabbinat als erster Jude, der nach 1945 in Deutschland zum Rabbiner ordiniert wurde - am Kolleg in Potsdam war er anfangs der einzige Student. Er war der erste Zögling eines weitsichtigen Vorgehens der Vorstände unter Fürst: Sie finanzierten als erster Landesverband Studenten in Potsdam und an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, verbunden mit der Erwartung, dass die Stipendiaten später in Niedersachsen wirken.
   Fürst pflegt in Hannover Kontakte zu Politikern aller Parteien. Berührungsängste hat er auch mit dem liberalen „Gegenverband” nicht. Bei seinen Gesprächen mit Landespolitikern stößt er, unabhängig von den jeweils regierenden Parteien, nur selten auf Probleme - vielleicht auch, weil seine Erwartungen auf finanziellem Gebiet, gemessen an anderen Verbänden, bemessen sind. Fürst sind Finanznöte der öffentlichen Hand wohl bewusst. Bald aber wird er wieder mit Niedersachsen einen neuen Staatsvertrag aushandeln müssen, weil die Zahl der Gemeindemitglieder und damit der Finanzbedarf seit dem letzten Staatsvertrag vor fünf Jahren stark gestiegen ist. Er schloss 1983 den ersten Staatsvertrag zwischen einem Landesverband Jüdischer Gemeinden und einem Bundesland ab. Mit der Stadt Hannover war die Beziehung unter dem alten Oberbürgermeister etwas weniger eng. Fürst beklagt etwa fehlendes Verständnis einer Stadt, die auf „Multikulti” setzt, für Besonderheiten einer Kindertagesstätte für jüdische Kinder. Um Erziehung - etwa eine Verpflichtung von Schul-Massen zum Besuch von Gedenkstätten - und Aufklärung geht es ihm auch, wenn er Kritischeres einwendet, etwa schleppende Reaktionen der Politik gegen ein Wiedererstarken von Neonazis beklagt.
   Das Jonglieren deutscher Juden zwischen dem Bedürfnis nach Eigenständigkeit und Einpassung in das Umfeld gilt auch für die niedersächsischen. Ein Beispiel war die Neufassung der Verfassung im Mai 1993: Fürst trat einer vor allem von evangelischen und katholischen Kreisen getragenen Volksinitiative bei, die einen Gottesbezug in der Landesverfassung forderte, und das mit Erfolg: Entgegen der Anfangsfassung erhielt sie eine Präambel mit dem Satz „im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen".
   Der Prozess der Integration in die Gesellschaft erhielt durch die Einwanderung der Juden aus Osteuropa eine neue Dimension, zumal sie in die jüdische Gesellschaft in Niedersachsen und darüber hinaus nicht nur eine Festigung brachte, sondern auch ein neues Element der Spaltung: Die Debatte über theologische Fragen hebt Unterschiede nach Richtungen und Gemeinden hervor. Neben den „etablierten”, von Fürst geleiteten Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen mit Gemeinden von Hannover, Hildesheim und Delmenhorst bis Bad Nenndorf trat ein zweiter „Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden von Niedersachsen”. Er umfasst neben der Liberalen Gemeinde in Hannover sechs weitere liberale Gemeinden, die sich jeweils auf unterschiedliche Riten und Ausbildungsstätten beziehen und in einem Spagat von Zusammenarbeit und stiller Rivalität nebeneinander wirken.
   Der Zahl nach ist das jüdische Leben in Niedersachsen wieder so stark wie ehedem, doch die organisatorischen Bedingungen sind sowohl in den Gemeinden als auch um sie herum ganz anders. RobertvLuciusFAZ070208

Rabbi Daniel Alter, Oldenburg     RabbiDanielAlter-xx

   Daniel Alter ist einer der ersten Rabbiner, die nach mehr als 60 Jahren wieder in Deutschland ausgebildet wurden. Er kümmert sich um die jüdischen Gemeinden in Oldenburg und Delmenhorst - und hat die Woche der Brüderlichkeit eröffnet.
   Daniel Alter hatte nicht damit gerechnet, plötzlich so sehr im Rampenlicht zu stehen - und es wäre ihm lieber gewesen, mehr Zeit für seine Gemeinde zu haben. Der 47-Jährige gehört zu den drei Rabbinern, die als Erste nach mehr als 60 Jahren wieder in Deutschland ausgebildet wurden. Nach den Gräuel des Nationalsozialismus ist die wieder begonnene Rabbinerausbildung für den Zentralrat der Juden ein historischer Schritt. Alter selbst hat darauf aber auch eine persönliche, weniger belastete Perspektive. „Für mich passte der Beginn der Rabbinerausbildung perfekt in meinen Lebensplan.” Und der war nicht immer geradlinig darauf zugelaufen, sich einmal als Geistlicher um sogar zwei Gemeinden zu kümmern.
   Lange Zeit in seinem Leben habe er sich von allem Religiösen abgewandt, berichtet Rabbi Alter. Sein erstes Studium der Judaistik und Pädagogik in Heidelberg begann er „aus wissenschaftlichem Interesse”.  Später,  als er schon für die US-Streitkräfte im Rhein-Main-Raum als Koordinator des jüdischen Bildungsprogramms arbeitete, begegnete er einem Rabbiner, dessen Persönlichkeit ihn stark beeindruckte. Doch eine Rabbinerausbildung wäre nur in Großbritannien, Israel oder den Vereinigten Staaten möglich gewesen. „Ich war damals nicht in der Lage, meine vertraute Umgebung zu verlassen.” Diese Umschreibung wählt er Heber als das Wort Deutschland, wenn es um Heimat und Zuhause geht. „Natürlich habe ich eine gebrochene Beziehung zu diesem Land. Großeltern, Onkel, Tanten sind durch den deutschen Rassenwahn umgekommen.” Es gebe Ängste und Verletzungen, Gefühle, die im Alltag aber meist unter der Oberfläche bleiben.
  Im Gespräch ist Alter freundlich konzentriert und auch unter großer Anspannung. Das ist nicht weiter verwunderlich. In seinem Leben übt er seit September den Spagat: Vier Tage in der Woche verbringt er bei seinen beiden Gemeinden in Oldenburg und Delmenhorst. Das Wochenende gehört seiner Frau und den beiden kleinen Töchtern in Berlin - und Veranstaltungen, so als Alter mit einem Vortrag über Wahrheit die Woche der Brüderlichkeit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Hannover eröffnete.
  Für Alter waren „importierte” Rabbiner, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, lange Zeit selbstverständlich. Was seine Gemeinden nun von ihm, dem deutschen Rabbiner, halten? Er kann das Lachen nicht zurückhalten. „Es wäre einfacher für sie, wenn der Rabbi Russisch spricht.” Mehr als 90 Prozent der Gläubigen kommen aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. „Ich finde immer eine Möglichkeit, eine Kommunikation zu schaffen. Wichtig ist mir, dass sie merken, ich bin für sie da.”
   Fragen nach seiner Frau blockt Alter mit ungewöhnlicher Konsequenz ab, die man selten so ausgeprägt erlebt. „Meine Frau hat eine eigene berufliche und persönliche Identität. Sie soll nicht über mich wahrgenommen werden.” Und noch in einem anderen Moment wird spürbar, wann es dem Rabbiner mit etwas ernst ist - und er Respekt einfordert. Als jemand kurz seine Bibel als Schreibunterlage ausleihen will, weist Alter das freundlich, aber bestimmt zurück. „Bitte verstehen Sie das.” HAZBärbelHilbig070220

Zahl jüdischer Einwanderer in Deutschland sinkt - Niedrigster Stand seit 1993 - Folge der Gesetzesänderung

    Die Zahl jüdischer Einwanderer aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion hat sich im Jahr 2005 gegenüber dem Vorjahr nahezu halbiert und den niedrigsten Stand seit 1993 erreicht. Nach Auskunft des Migrationsberichts des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge kamen 2005 Jahr 5.968 jüdische Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Als Ursachen des Rückgangs werden verringerte Antragszahlen, verschärfte Bedingungen sowie der Beitritt der ehemaligen baltischen Sowjetgebiete zur Europäischen Union genannt. Seit Estland, Lettland und Litauen der EU angehören, gelten für die jüdischen Bürger dieser Staaten die europäischen Freizügigkeitsrechte.
   Die Einführung des neuen Einwanderungsgesetzes zum 1. Januar 2005 hat auch jüdischen Emigranten erhöhte Integrationsansprüche auferlegt. So können Personen, die nach Urkunden vor 1990 in der Sowjetunion mit der Nationalitätenangabe „jüdisch” versehen wurden oder von mindestens einem jüdischen Elternteil abstammen, gemeinsam mit ihren Ehepartnern und minderjährigen Kindern nach Deutschland einwandern. Nach den gesetzlichen Regeln können sie in der Regel nach acht Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben. Rentenansprüche in Deutschland bestehen für die jüdischen Einwanderer nur, insofern sie auch in Deutschland erworben wurden.
   Die jüdischen Einwanderer müssen seit Geltung des neuen Einwanderungsgesetzes nachweisen, dass sie in absehbarer Zeit nach ihrer Ankunft in Deutschland ihren Lebensunterhalt selbst verdienen werden. Eine „Sozial- und Integrationsprognose” soll dies ebenso analysieren wie die familiäre Einbindung der Neubürger. Grundsätzlich müssen jüdische Einwanderer nun auch deutsche Sprachkenntnisse nachweisen. Ebenso benötigen sie die Bescheinigung einer jüdischen Gemeinde in Deutschland, der zufolge die Möglichkeit der Aufnahme in der Gemeinde besteht. Bei Opfern nationalsozialistischer Verfolgung wird abgesehen von diesen Nachweisen. Für Personen, die ihre Emigration nach Deutschland vor Inkrafttreten des Einwanderungs-Gesetzes beantragt hatten, gelten Übergangsregelungen.
   Die etwa einhundert jüdischen Gemeinden in Deutschland sind die wichtigsten Garanten der Integration und Betreuung jüdischer Einwanderer. Etwa die Hälfte der rund 191.000 seit 1992 eingewanderten Juden sind Mitglieder jüdischer Gemeinden in Deutschland. Das bedeutet für die jüdischen Gemeinden große Aufgaben, die mit vielfach ehrenamtlicher Tätigkeit erfüllt werden. Umgekehrt beschreibt der Migrationsbericht die jüdischen Einwanderer als „Fundament des erfolgreichen Aufbaus jüdischer Gemeinden”. In Deutschland lebe die „weltweit am schnellsten wachsende jüdische Gemeinschaft”. pcaFAZ060626

cdKasper,RBrandt,Bxx

 Ein bedeutender Schritt im Dialog zwischen Vatikan und Rabbinern in Deutschland

   Auf Einladung des Vorstands des Deutschen Koordinierungsrates der 83 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit haben sich christliche und jüdische Vertreter in Berlin zu einem offiziellen Gespräch getroffen. Walter Kardinal Kasper, Präsident der Vatikanischen Kommission für Religiöse Beziehungen zum Judentum, und mehr als zwanzig Rabbiner begegneten sich in der Berliner Katholischen Akademie.
   Der Vortrag des Kardinals fasste in klaren Linien noch einmal all das zusammen, was auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine geschichtliche Wende herbeigeführt hatte. Ausgelöst vom 4. Kapitel im Konzilsdokument Nostra aetate hatte sich die Kirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts zu ihrem jüdischen Ursprung bekannt, der bis hinab zu Abraham reicht.
  Die Juden sind eben nicht das von Gott verworfene und verfluchte Volk. Wer so denkt oder spricht, übersieht, dass der Neue Bund, von Jesus Christus gestiftet, den Alten Bund nicht aufgehoben hat. Die Kirche ersetzt nicht die Synagoge, und nach fast 2000 Jahren sollten die Juden wieder das werden, was sie nach dem Willen Gottes immer schon waren, nämlich der Christen ältere Brüder. Denn „nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich” Rö11,18. Antisemitismus ist eine Sünde. Er verletzt die Würde des Menschen und beleidigt Gott. Zweifellos sind es die Verbrechen der Schoah gewesen, die wesentlich  zu dieser Wende beigetragen haben, und für Kardinal Kasper ist das, was auf dem Zweiten Vatikanum  geschah, von welthistorischer Bedeutung. Nie wieder sollen unvermeidliche Glaubensunterschiede ein Vorwand für Feindschaft sein. Denn, so Kasper wörtlich, „wir brauchen einander und die Welt braucht uns”. Bei aller berechtigten Genugtuung über das bisher Erreichte vergaß der Kardinal allerdings nicht, ausführlich die Schwierigkeiten bei der Umsetzung einer Konzilsbotschaft innerhalb einen weltumspannenden Kirche aufzulisten. Denn Menschen sind fehlbar, und auch die Christen sind ein störrisches Volk.
   Was sich Kasper von den Rabbinern wünschte, ist die Entwicklung einer umfassenden jüdischen Theologie des Christentums. Dass der Staat Israel und seine anerkannte und gesicherte Existenz eine zentrale Rolle für den Weltfrieden spielen, setzte Kasper voraus, wenn er darüber hinaus auch die theologische Bedeutung des Landes Israel ansprach und eine diesbezügliche Interpretation durch das Rabbinat erhoffte. Als Kardinal Kasper mit dem Wunsch schloss, von nun an mögen Juden und Christen Schulter an Schulter zusammenstehen, war deutlich zu spüren, dass er mit seiner Rede die Köpfe und Herzen der Rabbiner erreicht hatte.
  Als der Landesrabbiner Henry Brandt in seiner Replik auf Kardinal Kasper nun seinerseits die Lehren aus der Geschichte zu ziehen begann, war schon nach wenigen Sätzen klar, dass er sich dem Kern der Dinge mit einer größtmöglichen Offenheit zu stellen bereit war. Natürlich sprach auch er von dem tiefen Einschnitt, den die sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden für die jüdisch-christlichen Beziehungen bedeutet haben. Wie schon Kasper, so wies auch Brandt in diesem Zusammenhang auf Berlin als den besonderen Ort dieses Treffens hin. Denn in einer Berliner Wannsee Villa wurde von den Nationalsozialisten die „Endlösung der Judenfrage” beschlossen, und von der deutschen Hauptstadt aus war der Massenmord organisiert worden.
  Als sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gleichwohl wieder sehr kleine jüdische Gemeinden in Deutschland zusammenfanden, sah es über lange Zeit so aus, als wäre diese zarte Pflanze Hoffnung nur ein letztes Aufflackern vor dem endgültigen Schlussstrich. Doch mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion kamen Juden aus Russland nach Deutschland und mit ihnen neues Blut und eine neue jüdische Zukunft. Aber - und hier wurde der Landesrabbiner sehr deutlich - die russischen Juden wussten nicht mehr, wer Gott ist. Der atheistische Kommunismus hatte ihnen zwar nicht das Bewusstsein ihrer Zugehörigkeit nehmen können, doch ihr Glaube an den Schöpfer des Himmels und der Erde war von einer jahrzehntelangen religionsfeindlichen Propaganda zerstört worden. Also hieß es, wieder von vorn zu beginnen.  Es gehört zu den unschätzbaren Verdiensten des deutschen Rab- binats, den Mut, die Kraft und die Geduld aufgebracht zu haben, sich der gewaltigen Aufgabe eines religiösen Neuaufbruchs zu stellen. Doch wer seine Gemeinde religiös bilden will, muss selber gebildet sein, und ohne Scheu beklagte Brandt hier einen anhaltenden Mangel an jüdischen Bildungswerken für die Rabbiner in Deutschland.
   Dessenungeachtet ließ Henry Brandt keinen Zweifel daran, dass es der Vatikan auch in Deutschland mit einem selbstbewussten Judentum zu tun hat. Dass die römisch-katholische Kirche die immerwährende Gültigkeit des Alten Bundes feststellt, registrierte er mit „Genugtuung”, jedoch ohne dafür ausdrücklich dankbar zu sein. Denn Dankbarkeit schien ihm dort fehl am Platze, wo Selbstverständliches formuliert worden ist. Den Juden war immer bewusst, dass Gott treu ist! Um so bedeutsamer wird, wenn der Präsident des Rabbinerkomitees in Deutschland uneingeschränkt die Defizite der jüdischen Theologie mit Blick auf das Neue Testament bekennt und die Seinen dazu aufruft, vom Christentum zu lernen: „Die jüdischen Kinder wissen wenig, fast nichts über das Christentum. Das muss sich ändern. Sonst können wir zukünftig keine gleichwertigen Partner der Christen sein!”
 Brandt sprach von einem Abgrund, der die Juden und Christen bis zum 2. Vatikanum fast 2000 Jahre lang trennte. Doch „Nostra aetatehabe Früchte getragen, und nun sei die Zeit gekommen, eine Brücke über die Kluft zu schlagen. Dabei käme allerdings die meiste Arbeit auf die katholische Seite zu. Allein schon der größeren Zahl wegen. Der Landesrabbiner bat um Geduld, Verständnis und Zuneigung, ja um Liebe für die älteren Brüder, dann würde Gott selbst das begonnene Versöhnungswerk segnen.
Der Bericht von Ingo Langner in der DT ist stark gekürzt. Lesen Sie weiter in der DT: www.die-tagespost.de

Nichtamtlich-jüdische Wünsche an Papst Benedikt XVI. Michael Wolffsohn in der FAZ

Ein deutscher Jude begrüßt Benedikt XVI
  Jesus war kein Christ, sondern Jude. Ohne Judentum kein Jesus, kein Christus, kein Christentum und keine Botschaft der Liebe. Weil, wenn und indem Christen und christliche Kirchen Juden und Judentum bekämpften, bekämpften sie Jesus, das Sein und Heil des Christentums und verwandelten es in ein Christentum ohne Jesus. Erst der Verzicht auf Antijudaismus führt Kirche und Christentum zu Jesus zurück.
  Auch die Sünden der Kirche haben das Leid Israels bewirkt. Dieser Feststellung folgt in der Regel der berechtigte Hinweis auf Kreuzzüge und Inquisition oder reflexartig der allfällige Hinweis auf „Pius XII. und die Juden”, also auf den  “Stellvertreter”. Im gesellschaftlichen Gespräch gilt Pius XII. geradezu axiomatisch als „Antisemit”, und wer hinterfragt, ist selbst einer. Wegen der „doppelten Schutzherrschaft” der Päpste über Juden und Judentum ist jener Vorwurf absurd. Doppelte Schutzherrschaft bedeutete: Der Papst hatte die Juden vor den Christen, aber auch die Christen vor den Juden zu schützen. Juden lebten extra ecclesiam und sub ecclesia, aber leben sollten sie, um Zeugnis vom Triumph des Christentums sowie der „Knechtschaft” des Judentums abzulegen und weil sie, erinnert sei an den Apostel Paulus, Teil der göttlichen Schöpfung waren und blieben.
  Die Konsequenz dieser doppelbödigen, ambivalenten, ja gedeichselten Theologie ohne Toleranz oder gar Akzep- tanz des Judentums ist trotz allen Unbehagens über Inhalt und Formulierungen jener doppelten Schutzherrschaft unmissverständlich: Judenmorden konnte und durfte nicht im Sinne des Christentums sein. Wenn Christen Juden Leid zufügten oder mordeten - und das taten sie oft -, widersprachen sie den Grundlagen christlicher Theologie. Genau diese Grundlagen aber entstellte Daniel Goldhagen, als er 2002 in seinem Buch „Die katholische Kirche und der Holocaust” dem Christentum einen immanenten, bereits in den Heiligen Schriften und in der Theologie begründeten Antisemitismus zu attestieren versuchte. Das war eine grobe Vereinfachung, denn so sehr es eine lange, leidvolle Geschichte von Judenverfolgungen durch Christen gibt, so wenig kann man von einer christlich- theologischen (oder gar päpstlichen) Vorgeschichte des Judenmordens oder gar des Holocaust sprechen.
  Vielen Juden und auch den meisten nicht mehr wirklich christlichen Christen ist diese theologisch-historische Grundlage fremd und deshalb unverständlich. Nur so ist die folgende Kritik an Papst Benedikts XVI. „Juden- theologie” zu verstehen. „Spiegel Online” kritisierte im Mai 2006 (wie viele andere) die auf Juden bezogenen Passagen des Papstes in seiner Auschwitz-Rede: „Statt von Schuld spricht Benedikt XVI. von Metaphysik. Die Zerstörung des Volkes Israel sei im Kern der Wille zur Zerstörung Gottes: ,Im tiefsten wollten jene Gewalttäter mit dem Austilgen dieses Volkes den Gott töten, der Abraham berufen, der am Sinai gesprochen und dort die bleibend gültigen Maße des Menschseins aufgerichtet hat.'” Und weiter: ,„Mit dem Zerstören Israels sollte im letzten auch die Wurzel ausgerissen werden, auf der der christliche Glaube beruht, und endgültig durch den neuen, selbst gemachten Glauben an die Herrschaft des Menschen, des Starken, ersetzt werden.' Aber kein Wort zum Antisemitismus, gestern und heute.”
   Die Kritik trifft den Kritiker, der das Christentum nicht kennt und versteht. Denn wer Juden als Juden ermordet, ermordet Gott und aus christlicher (natürlich nicht jüdischer) Sicht Gottes Sohn, Jesus, sowie dessen Botschaft der Liebe. Genau diesem Thema,  der Liebe,  galt die erste Enzyklika Benedikts XVI.: Deus Caritas est. Daher ist auch im judentheologischen Zusammenhang die Wahl der ersten Enzyklika dieses Papstes ebenso überzeugend wie konsequent. Lange vor seiner Wahl zum Oberhaupt der Katholischen Kirche hat Benedikt XVI. geradezu Revolutionäres verkündet: „Die Bergpredigt schafft die sittlichen Vorschriften des alten Gesetzes keineswegs ab und setzt sie nicht außer Kraft, sondern offenbart die ganze göttliche und menschliche Wahrheit des alten Gesetzes” und „Jesus lebt ganz im Gesetz Israels”.
  Vom Leiden Israels zum Wunsch: Gerade weil dieser Papst auch theologisch-intellektuell ein Himmelsstürmer ist, seien aus subjektiv,nichtamtlich-jüdischer Sicht Wünsche an das Oberhaupt der Katholischen Kirche herangetragen. Noch immer wird die Erklärung „Nostra Aetate” des Zweiten Vatikanischen Konzils als Durchbruch betrachtet. Zu Recht, denn die Preisgabe der zwei Jahrtausende alten These von „den” Juden als Gottesmördern war revolutionär. Das christliche Selbstverständnis wurde damit vom Kopf auf die Füße gestellt. Seit 1965 ist viel Wasser durch Jordan, Tiber und Isar geflossen. Der Durchbruch von damals genügt nicht, dickere christlich-jüdische Bretter müssen gebohrt werden.
 Das „Volk des Neuen Bundes”, heißt es in der Erklärung, sei „mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden”. Die Kirche habe „durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes” empfangen. Aber wo bleiben die Einflüsse der mündlichen Lehre, Thora schbealpe, der Pharisäer oder Essener, ohne die das Denken und Handeln Jesu undenkbar wäre? Hegemonial- kirchlich und unrealistisch ist die Behauptung, dass „Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt hat”.
  Aus „dem Fleische” der Stammesverwandten des Apostels Paulus stamme Christus ab, verkündet die Erklärung, auf Rö 9,4-5 verweisend. Auch im Katechismus der Katholischen Kirche finden wir die verquaste Formulierung „Aus dem Fleisch” (nicht mehr altertümelnd „Fleische”). Die damaligen Juden waren nicht die Stammesverwandten des Apostels, sondern sein Volk, kein Stamm, und dieses Volk bestand ursprünglich aus zwölf Stämmen, nicht einem einzigen.
  Wichtiger: Jesus stammt zunächst und vor allem aus der Tradition Israels. Texte sind Ausdruck des Denkens, und das judentheologische Denken sowie Sprechen des Papstes sind klarer, auch wahrer als der Wortlaut von Nostra Aetate. In diesem Abschnitt der Erklärung ist vom jüdischen Volk die Rede. Warum aber wird im Zusammenhang mit Jesus und Paulus der irreführende, ja falsche Begriff der Stammesverwandten benützt? Der neue Katechismus ist klarer. So wird etwa die Beschneidung Jesu unumwunden als Zeichen seiner Zügehörigkeit zum jüdischen Volk bezeichnet. Ebenso klar wird in anderen Abschnitten des Katechismus vom jüdischen Volk gesprochen.
   Erschwerend für einen Dialog bleibt die apodiktische Feststellung, „dass alles Heil von Christus, dem Haupt, durch die Kirche, seinen Leib, kommt”. Welchen Zweck kann unter solchen Voraussetzungen das christlich-jüdische Gespräch haben? Wenn und solange die Kirche Christentum und Judentum nicht als zwei gleichberechtigte Wege zum selben, einen, einzigen Gott betrachtet und benennt, kann und wird es keinen wahrhaftigen Dialog geben. Möge Benedikt XVI., dieser dem Judentum so aufgeschlossene Papst, seiner Kirche und seinen Gläubigen gegen- über diesen Doppelweg benennen. Dass er und die Kirche den zweiten, chronologisch ersten, also jüdischen Weg begehen, wird kein vernünftiger Mensch erwarten. „Versöhnung ohne Preisgabe des christlichen Glaubens” verlangte als Kardinal Papst Benedikt XVI. überzeugend.
   Geistlich Ebenbürtige fände der Papst in der jüdischen Orthodoxie. Sie stellt zwar nur rund zehn Prozent der Diaspora- und rund ein Viertel der israelischen Juden, ist jedoch theologisch dominant. Doch gerade die jüdische Orthodoxie verweigert den Dialog mit der Kirche, solange Juden sub ecclesia bleiben, weil sie Jesus nicht als Christus anerkennen und das Heil ohne Kirche finden. Das mag „hartnäckig”, im Klischee alttestamentarisch scheinen, es ist aber angesichts der christlichen Prämissen konsequent.
   Der Papst könnte den innerjüdischen Dialog im Sinne christlich-jüdischer und jüdisch-christlicher Versöhnung ohne Preisgabe des jeweiligen Glaubens und Seins erleichtern, wenn er und die Kirche den Doppelweg zu Gott anerkennten, den jüdischen und christlichen. Ein Gott, zwei Wege - eigentlich drei, denn der Islam gehört ebenfalls zur (im nichtkatholischen Sinne) „dreifaltigen” monotheistischen Einheit. MichaelWolffsohnFAZ060913 

RicardoSchmuelDiSegni,Rom1x RicardoSchmuelDiSegni,Rom.x

Interview mit dem Oberrabbiner von Rom Riccardo Schmuel Di Segni Fotos
nach dem Besuch der größten Moschee Europas: Es geschieht zu Rom und betrifft die ganze Welt.

Die jüdische Diaspora war schon vor dem Christentum in Rom, lebt seit zweitausend Jahren mit dem christlichen Glauben zusammen. Kann diese Beziehung zu einer veränderten, neuen Haltung dem Islam gegenüber anregen?
   DI SEGNI: Natürlich ist die Beziehung zwischen Judentum und Christentum ganz anders als die zwischen Judentum und Islam, und das aus strukturellen Motiven, wegen der internen Beziehungen zwischen den Religionen und aus historischen Gründen. Wir wissen, dass sich Parallelen zwischen den beiden Prozessen nur schwer ausmachen lassen, und das auch deshalb, weil immer dann, wenn Christen und Muslime sich an die Juden wenden, sie ihren eigenen Kategorien entsprechend argumentieren. Die Christen wollen von den Juden - was nicht selten peinliche Momente auslöst -, dass sie an ihren Zeremonien teilnehmen, gemeinsam beten, usw. Ein Muslim wird das von einem Juden kaum verlangen, weil er eine andere Auffassung von Religion hat. Außerdem haben Judentum und Christentum seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wichtige Kommunikationslinien entwickelt, konnten dank beachtlicher und vielseitiger lehrmäßiger Stellungnahmen in Sachen Dialog große Fortschritte machen. Mit dem Islam stehen wir diesbezüglich noch am Anfang. Vielleicht müsste man denselben Weg gehen, den wir mit dem Christentum zurückgelegt haben, vielleicht aber auch nicht, und wenn doch, dann sind andere Gesten not- wendig, weil wir uns auf unterschiedlichen Ebenen befinden.
   In Rom dagegen herrscht - und das ist wichtig - ein gewisses Klima vor, und daran arbeiten wir alle, ein jeder für seine Seite. Das ist das typische Merkmal Roms: das günstige Klima für die Begegnung. Rom ist der schönste Ort, an dem gewisse Wurzeln reifen und Frucht tragen können.
Seit dem ersten Besuch eines Papstes in der Synagoge von Rom sind zwanzig Jahre vergangen. In Erwartung des Besuches von Benedikt XVI. wurden Sie von ihm in Audienz empfangen. Papst Benedikt hat Ihnen gesagt, dass uns die dringenden Erfordernisse in Rom und in der Welt daran gemahnen, in konkreten Initiativen der Solidarität, der Zädäk (Gerechtigkeit) und der Zädekah (Liebe) zueinander zu finden. Was halten Sie von diesem Vorschlag?
   DI SEGNI: Über diese Ausdrücke wie auch andere Aspekte der Grußadresse des Papstes habe ich mich sehr gefreut. Sie sind nämlich ein Beweis für die Sensibilität der Kirche im Moment des Dialogs, zumindest in den letzten Jahren. Wenn auf jüdischer Seite beispielsweise Bereiche abgesteckt werden, gesagt wird, was wir zusammen tun können und was unter uns nicht Diskussionsthema sein kann ..., dann können wir feststellen, dass man auf der anderen Seite aufnahmebereit ist ... Solidarität, Gerechtigkeit und Liebe sind uns schon immer am Herzen gelegen, und das nun auch aus dem Munde des Papstes zu hören bedeutet, dass die Kirche ein offenes Ohr hat, dass unser Dialog ganz und gar kein doppelter Monolog zwischen Tauben ist.
Kommen wir wieder auf die jüdische Gemeinschaft von Rom zurück. Wodurch zeichnet sie sich aus?
   DI SEGNI: Ich glaube, zunächst einmal dadurch, dass sie zuerst in Rom war, bevor die Christen kamen, nie von hier fort gegangen ist. Das gibt unserer Präsenz hier einen ganz besonderen, eigenen Anstrich. Es gab eine Reihe von Gelegenheiten, historischen Phasen, die diese besondere, römische Mentalität geformt haben. Heute - und das habe ich auch in der Moschee gesagt - setzt sich unsere Gemeinschaft nicht länger nur aus „waschechten”, seit Generationen hier lebenden Römern zusammen, sondern auch aus den Juden Libyens, die ein wesentlicher Bestandteil unserer Gemeinschaft sind. So sind wir römischen Juden mitten im Christentum, haben aber auch eine starke Komponente, die sich aus jenen zusammensetzt, die vollkommen den Islam leben und nur wenige Kontakte zum Christentum haben.
   Bei unserem Besuch in der Moschee gehörten unserer Delegation auch viele libysche Juden an, die mit den Muslimen arabisch gesprochen haben ... das war eine besonders nette Seite unseres Besuchs.
Und was hat es mit dem Purim auf sich, dem Fest der Barmherzigkeit für die Armen, an dem sich die Kinder verkleiden?
   DI SEGNI: Hierin liegt ein Heilsgedanke. Die Kinder sind unsere Zukunft und unsere Hoffnung. Wir sind ständig in Bewegung begriffen, treiben eine Diskurs voran, der sich über alle Generationen erstreckt, nämlich den der Kontinuität. Die Familie als Kern, wo die Religion überlebt und weitergegeben wird, ist bei uns von grundlegender Bedeutung, auf die Erziehung der Kinder wird viel Wert gelegt, da das Kind Mittelpunkt der Familie ist. Das Judentum hat die Tendenz, sich zu verewigen, und das kann es nur durch die neuen Generationen tun.
  Es gibt ein chassidisches Sprichwort, das uns daran gemahnt, dass wir wie die Kinder sein sollen. Und zwar wegen der drei Dinge, die ihnen eigen sind: sie sind zufrieden, immer in Bewegung und wenn sie etwas wollen, tun sie alles, um es auch zu bekommen.
GiovanniCubeddu30Giorni0603 Foto unten: Papst Benedikt empfängt Oberrabiner Riccardo Schmuel Di Segni links

RicardoSchmuelDiSegni-Bxx

Sir Sigmund Sternberg, London, hofft, dass Papst Benedikt die römische Synagoge besucht

a_JP

Sir Sigmund Sternberg Foto oben mit Papst Johannes Paul II. schreibt in Catholic Times:
  “Es wird Sie interessieren, dass ich - zusammen mit Kardinal Jan Willebrands, dem damaligen Präsident des Rates für die Einheit der Christen,- den Besuch von Papst Johannes Paul II. in der Synagoge zu Rom mit vorbereitet habe. Der Kardinal unterstützte mich jederzeit als Vorsitzenden im Internationalen Rat der Christen und Juden. Nach dem Besuch in der römischen Synagoge überreichte ich dem Heiligen Vater die Haggadah - einen Text für die Pesachfeier in hebräischer Sprache. Ich hoffe sehr, dass Papst Benedikt XVI. ebenfalls die Synagoge in Rom besuchen wird.  CT060219

Israel Singer, bisheriger Vorsistzender des WJC   RIsraelSingerX

 Vermittlerrolle. Israel Singer: Benedikt XVI. kann bei der Sicherung des Weltfriedens helfen

   Der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, Israel Singer, misst Papst Benedikt XVI. eine wichtige Vermittlerrolle bei der Sicherung des Weltfriedens zu. Nach dem Karikaturen-Streit sei auf höchster Ebene ein neuer interreligiöser Dialog zwischen den drei Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum notwendig, sagte der Rabbiner am in Heidelberg. Das wisse und verstehe der Papst am besten, da er sich schon als Kardinal in außergewöhnlicher Weise mit Judentum und Islam beschäftigt habe.
 Der Streit um die Mohammed-Karikaturen zeige, wie unnötig Konflikte zwischen den Religionen ausgelöst würden, sagte Singer in der Hochschule für jüdische Studien. 99 Prozent der Muslime lehnten jegliche Gewalt ab. „Wir müssen deshalb gemeinsam auch in den eigenen Reihen gegen Verrückte vorgehen und im Dialog die Gemeinsamkeiten suchen”, so der Rabbiner. Ohne gegenseitigen religiösen Respekt werde es zum Krieg kommen, bei dem Mächte mit Atomwaffen aufeinander stießen.
  Zugleich rief er bei Karikaturen zu religiösen Themen zur Zurückhaltung auf. „So wie wir nicht wollen, dass unsere Religion beleidigt wird, so sollten wir auch vorsichtig sein, nicht andere Religionen zu beleidigen”, sagte Singer der Katholischen Nachrichten-Agentur in Jerusalem. Zwar sei die Meinungsfreiheit für Zeitungen absolut, es zeuge aber nicht von Intelligenz, wenn zur Demonstration dieses Rechts Millionen beleidigt würden. Er sei aber davon überzeugt, dass die große Mehrheit der Muslime jede Form der religiös begründeten Gewalt ablehne. Den Stand der Gespräche zwischen Christen und Juden bezeichnete er als positiv. Zum wiederholten Male sei er vor kurzem mit hohen Kirchenvertretern im Vatikan zusammengetroffen. Es gelte nur noch, über „letzte Differenzen” zu reden. DTkna060218

Köln: Die älteste Synagoge nördlich der Alpen: Köln, Roonstr.

SynagogeKx2

Papst Benedikt besuchte Kölner Synagoge

Vor dem Besuch des Papstes in der Kölner Synagoge erklärte Joachim Kardinal Meisner vor Journalisten in Rom:
   Beim ersten Pastoralbesuch des „deutschen” Papstes habe ein solcher Besuch gerade im sechzigsten Jahr nach Kriegsende hohe Symbolkraft. Der Synagogenbesuch sei ein Signal an die Juden als unsere „älteren Brüder und Schwestern”, dass sich die Ereignisse der Vergangenheit nicht wiederholen dürften, sagte Meisner.
   Der Papst komme in ein Land, das bis heute an den Wunden des Holocaust trage. Wenn Benedikt XVI. außerhalb des Weltjugendtagsprogramms in eine Synagoge gehe dann sei dies, so der Kardinal, eine „eindeutige Symbolhandlung”, dass „wir alles daransetzen müssen, dass sich so etwas nicht wiederholt”. Der Rabbiner der Kölner Synagogengemeinde Netanel Teitelbaum erklärte, die Gemeinde habe sich nach der Wahl Benedikts XVI. mit Blick auf den Weltjugendtag dazu entschlossen, den Papst einzuladen. Die Synagoge an der Roonstraße sei die älteste nördlich der Alpen.  Ein Besuch des Papstes sei nicht nur ein besonderes  Zeichen für die jüdische Gemeinde in Köln, sondern auch für die Weltöffentlichkeit. Den christlich-jüdischen Dialog in Köln bezeichnete Rabbiner Teitelbaum als ausgesprochen gut. Die Jüdische Gemeinde habe auch Unterstützung für den Weltjugendtag angeboten. Für ihn und die Gemeinde stehe im Zusammenhang mit der Begegnung weniger das Gedenken an das Kriegsende im Vordergrund als der Weltjugendtag und die Möglichkeit, dem Papst zu begegnen. Dass Benedikt XVI. Deutscher sei, habe für die Einladung „keine Rolle gespielt”, so Teitelbaum. Rabbiner Teitelbaum unterstrich darüber hinaus die theologische Komponente der Begegnung. Benedikt XVI. habe zu Beginn seines Pontifikats erklärt, dass der interreligiöse Dialog für sein Pontifikat eine herausragende Rolle spiele. Das habe die jüdische Gemeinde aufmerk- sam registriert. Rabbiner Teitelbaum erklärte, die Begegnung sei nicht politisch zu sehen, sondern diene der Stär- kung  des Dialogs zwischen Juden und Christen. Er sei gewiss, dass es im Rahmen der Begegnung zu einem fachlichen Austausch über die Schriften des Alten Testaments kommen werde.  DT050707REGINAEINIG

B-K04xx

Ansprache des Papstes in der Kölner Synagoge. Die Heiligkeit des Lebens verteidigen. Bei seinem historischen Be- such in der Kölner Synagoge sieht  Papst Benedikt XVI. Grund zur Sorge in den neuen Formen des Antisemitismus.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Brüder und Schwestern! Schalom lechem!
   Es war mir ein tiefes Anliegen, anlässlich meines ersten Besuches in Deutschland nach der Wahl zum Nachfolger Petri der Jüdischen Gemeinde von Köln und den Vertretern des deutschen Judentums zu begegnen. Mit diesem Besuch möchte ich an das Ereignis des 17. Novembers 1980 anknüpfen, als mein verehrter Vorgänger, Papst Johannes Paul II., auf seiner ersten Deutschland-Reise in Mainz dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der Rabbinerkonferenz begegnete.
   Auch bei dieser Gelegenheit möchte ich versichern, dass ich beabsichtige, den Weg zur Verbesserung der Beziehungen und der Freundschaft mit dem jüdischen Volk, auf dem Papst Johannes Paul II. entscheidende Schritte getan hat, weiterzuführen.
   Die jüdische Gemeinde von Köln darf sich in dieser Stadt wirklich „zu Hause” fühlen. Tatsächlich ist dies der älteste Sitz einer jüdischen Gemeinde auf deutschem Boden: Sie reicht zurück bis in das Köln der Römerzeit. Die Geschichte der Beziehungen zwischen jüdischer und christlicher Gemeinde ist komplex und oft schmerzlich. Es gab Perioden guter Nachbarschaft, doch es gab auch die Vertreibung der Juden aus Köln im Jahr 1424. Im 20. Jahrhundert hat dann in der dunkelsten Zeit deutscher und europäischer Geschichte eine wahnwitzige neuheidnische Rassenideologie zu dem staatlich geplanten und systematisch ins Werk gesetzten Versuch der Auslöschung des europäischen Judentums geführt, zu dem, was als die Schoah in die Geschichte eingegangen ist. Diesem unerhörten und bis dahin auch unvorstellbaren Verbrechen sind allein in Köln 7.000 namentlich bekannte -, in Wirklichkeit sicher erheblich mehr - Juden zum Opfer gefallen. Weil man die Heiligkeit Gottes nicht mehr anerkannte, wurde auch die Heiligkeit menschlichen Lebens  mit Füßen getreten.
   In diesem Jahr gedenken wir des 60. Jahrestags der Befreiung aus den nationalsozialistischen Konzentrationslagern, in deren Gaskammern Millionen von Juden - Männer, Frauen und Kinder - umgebracht und in den Krematorien verbrannt worden sind. Ich mache mir zu Eigen, was mein verehrter Vorgänger zum 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz geschrieben hat und sage ebenfalls: „Ich neige mein Haupt vor all denen, die diese Manifestation des mysterium iniquitatis erfahren haben.” Die fürchterlichen Geschehnisse von damals müssen „unablässig die Gewissen wecken, Konflikte beenden und zum Frieden ermahnen”. Gemeinsam müssen wir uns auf Gott und seinen weisen Plan für die von ihm erschaffene Welt besinnen:  Er ist - wie das Buch der Weisheit mahnt - „ein Freund des Lebens” 11,26.
   Ebenfalls in diesem Jahr sind es vierzig Jahre her, dass das Zweite Vatikanische Konzil die Erklärung Nostra aetate promulgiert siehe unten auf dieser Seite und damit neue Perspektiven in den jüdisch-christlichen Beziehungen eröffnet hat, die durch Dialog und Partnerschaft gekennzeichnet sind. Im vierten Kapitel erinnert diese Erklärung an unsere gemeinsamen Wurzeln und an das äußerst reiche geistliche Erbe, das Juden und Christen miteinander teilen. Sowohl die Juden als auch die Christen erkennen in Abraham ihren Vater im Glauben vgl. Gal 3, 7; Rö 4,11 f. und berufen sich auf die Lehren Moses und der Propheten. Die Spiritualität der Juden wird wie die der Christen aus den Psalmen gespeist. Mit dem Apostel Paulus sind die Christen überzeugt, dass „Gnade und Berufung, die Gott gewährt, unwiderruflich sind” Rö 11,29; vgl. 9,6.11; 11,1f.  In Anbetracht  der jüdischen  Wurzeln des Christentums vgl. Rö 11,16-24 hat mein verehrter Vorgänger in Bestätigung eines Urteils der deutschen Bischöfe gesagt: “Wer Jesus Christus begegnet, begegnet dem Judentum”.
   Deshalb beklagt die Konzilserklärung Nostra aetate „alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemand gegen das Judentum gerichtet haben” Nr. 4. Gott hat uns alle „als sein Abbild” Gen 1,27 geschaffen und uns dadurch mit einer transzendenten Würde ausgezeichnet. Vor Gott besitzen alle Menschen die gleiche Würde, unabhängig davon, welchem Volk, welcher Kultur oder Religion sie angehören. Aus diesem Grund spricht die Erklärung Nostra aetate auch mit großer Hochachtung von den Muslimen vgl. Nr. 3 und den Angehörigen anderer Religionen vgl. Nr. 2. Aufgrund der allen gemeinsamen Menschenwürde „verwirft die Kirche jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen” als einen Akt, der im Widerspruch zu dem Willen Christi steht vgl. ebd., Nr. 5. Die Kirche weiß sich verpflichtet, diese Lehre in der Katechese und in jedem Aspekt ihres Lebens an die nachwachsenden Generationen, die selbst nicht mehr Zeugen der schrecklichen Ereignisse vor und während des Zweiten Weltkriegs waren, weiterzugeben. Das ist insofern eine Aufgabe von besonderer Bedeutung, als heute leider erneut Zeichen des Antisemitismus und Formen allgemeiner Fremdenfeindlichkeit auftauchen. Sie sind Grund zur Sorge und zur Wachsamkeit. Die katholische Kirche - das möchte ich auch bei dieser Gelegenheit wieder betonen - tritt ein für Toleranz, Respekt, Freundschaft und Frieden unter allen Völkern, Kulturen und Religionen.
   In den vierzig Jahren seit der Erklärung Nostra aetate ist in Deutschland und auf internationaler Ebene vieles zur Verbesserung und Vertiefung des Verhältnisses zwischen Juden und Christen getan worden.  Neben den offiziellen Beziehungen sind besonders dank der Zusammenarbeit unter den Bibelwissenschaftlern viele Freundschaften entstanden. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die verschiedenen Erklärungen der Deutschen Bischofs- konferenz und an die segensreiche Tätigkeit der „Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit”, die dazu beigetragen hat, dass sich die jüdische Gemeinde seit 1945 hier in Köm wieder „zu Hause” fühlen kann und zu einem guten nachbarschaftlichen Zusammenleben  mit den christlichen Gemeinden gefunden hat. Vieles bleibt freilich noch zu tun. Wir müssen uns noch viel mehr und viel besser gegenseitig kennen lernen. Deshalb ermutige ich zu einem aufrichtigen und vertrauensvollen Dialog zwischen Juden und Christen. Nur so wird es möglich sein, zu einer beiderseits akzeptierten Interpretation noch strittiger historischer Fragen zu gelangen und vor allem Fortschritte in der theologischen Einschätzung der Beziehung zwischen Judentum und Christentum zu machen. In diesem Dialog kann es ehrlicherweise nicht darum gehen, die bestehenden Unterschiede zu übergehen oder zu verharmlosen: Auch und gerade in dem, was uns aufgrund unserer tiefsten Glaubensüberzeugung voneinander unterscheidet, müssen wir uns gegenseitig respektieren. Schließlich sollte unser Blick nicht nur zurück in die Geschichte gehen, er sollte ebenso vorwärts auf die heutigen und morgigen Aufgaben gerichtet sein.
  Unser reiches gemeinsames Erbe und unsere an wachsendem Vertrauen orientierten geschwisterlichen Beziehungen verpflichten uns, gemeinsam ein noch einhelligeres Zeugnis zu geben und praktisch zusammenzuarbeiten in der Verteidigung und Förderung der Menschenrechte und der Heiligkeit des menschlichen Lebens, für die Werte der Familie, für soziale Gerechtigkeit und für den Frieden in der Welt. Der Dekalog vgl. Ex 20; Dtn 5 ist für uns gemeinsames Erbe und gemeinsame Verpflichtung. Die „Zehn Gebote” sind nicht Last, sondern Wegweiser zu einem geglückten Leben. Sie sind es besonders für die Jugendlichen, die ich in diesen Tagen treffe und die mir so sehr am Herzen liegen. Ich wünsche mir, dass sie den Dekalog als die Leuchte für ihre Schritte und als Licht für ihre Pfade vgl. Ps 119, 105 erkennen. Die Erwachsenen tragen die Verantwortung, den jungen Menschen die Fackel der Hoffnung weiterzureichen, die Juden wie Christen von Gott geschenkt worden ist, damit die Mächte des Bösen „nie wieder” die Herrschaft erlangen und die künftigen Generationen mit Gottes Hilfe eine gerechtere und friedvollere Welt errichten können, in der alle Menschen das gleiche Bürgerrecht besitzen.
   Ich schließe mit den Worten aus Psalm 29, die ein Glückwunsch und zugleich ein Gebet sind: „Der Herr gebe Kraft seinem Volk. Der Herr segne sein Volk mit Frieden.” Möge er uns erhören!

va-vat-II-Z4

2. Vatikanisches Konzil 28.10.1965

Die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen: “Nostra Aetate”
1. Vorbemerkung Karl Rahner / Herbert Vorgrimler
2. Die Erklärung im Wortlaut

   Der 4. Artikel dieser Erklärung des 2. Vatikanischen Konzils bringt das Thema, um dessentwillen die ganze Erklärung entstand: das Verhältnis von Juden und Christen. In dieser Frage gab es mehr zu bereinigen als nur eine grausame, unbewältigte Vergangenheit, in der sich die Christen vieler Sünden, blutiger und moralischer Verfolgungen der Juden und heute offenkundiger Lügen (z.B.Ritualmordlüge und Verzerrungen der jüdischen Lehre) schuldig gemacht hatten. Tatsache ist, dass bis zu diesem Konzil der unmenschliche und unchristliche Antisemitismus auch aus vielen Bestandteilen der katholischen Liturgie, Katechese und Predigt immer neue Nahrung erhielt. Papst Johannes XXIII. war entschlossen, dem ein Ende zu machen, was jedoch mit nur administrativen Maßnahmen (Säuberung der liturgischen Bücher) angesichts der Hartnäckigkeit unterschwelliger Komplexe und Aggressionstriebe nicht möglich war. Neben alldem fehlte in der katholischen Theologie eine „Theologie Israels” so gut wie ganz. Die Art und Weise, wie der Artikel in 7 knappen Absätzen diese komplexen Probleme angeht, ist bewundernswert.
   Der erste Teil ruft nachdrücklich in Erinnerung, dass der Glaube, die Erwählung und die Berufung der Kirche in Israel ihren Anfang haben und Israel die bleibende Wurzel der Kirche aus Juden und Heiden ist.  Im Fortgang Abrahams aus seiner Heimat, im Auszug Israels aus Ägypten: in dieser Pilgerschaft im Glauben erkennt sich die Kirche in Wahrheit vorgebildet.
  Der zweite Absatz sagt mit Paulus Rö 9, was alles in der Kirche den Juden gehört und von den Juden stammt, nicht zuletzt Jesus, dem Fleische nach ein Jude. Mit Nachdruck erklärt der dritte Absatz, dass nach dem Zeugnis des Apostels die Juden immer noch von Gott geliebt sind.Die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unwiderruflich. Für die katholische Theologie wird diese neuerliche Betonung des souveränen Heilswillens Gottes von großer Bedeutung sein. Darüber hinaus sind hier wertvolle Elemente für eine Theologie der Heilsgeschichte und für eine christliche Eschatologie enthalten.
   Als praktische Folgerung ergibt sich schon aus diesem Absatz, dass trotz der hier erwähnten Ablehnung Jesu in Israel die Juden niemals als „verworfen” bezeichnet werden dürfen. Der vierte Absatz weist auf die nötige gegenseitige Kenntnis und Achtung hin, der vor allem biblische und theologische Studien und brüderliche Gespräche dienen. Im fünften Absatz wird auf die Verantwortlichkeit der Juden für den Tod Jesu eingegangen. In historischer Argumentation wird festgestellt, dass die Ereignisse des Lebens Jesu weder allen damals lebenden Juden noch den heutigen Juden (eine bare Selbstverständlichkeit) zur Last gelegt werden dürfen. Historisch gesehen, sind für den Tod Jesu verantwortlich: „eine kleine Gruppe Juden, ein Römer und eine Handvoll Syrer, die zur 10. in Palästina stationierten Kohorte gehörten” (Kardinal Franz König). Und all diesen hat der Herr am Kreuz vergeben. Eine solche historische Argumentation ist nur angesichts einer unbegreiflichen menschlichen Borniertheit notwen- dig, die den Sinn des Todes Jesu nicht zu erfassen vermag,  der wegen der „Sünde der Welt”, also auch wegen unserer eigenen, unser Todesschicksal erlitt. Dass in der Endfassung des Textes die Anklage der Juden wegen „Gottesmord” nicht mehr zurückgewiesen wird, ist verständlich, weil die Worte „Mord” und „Gottesmord” in diesem Zusammenhang zu pathologisch-dumm sind, als dass das Konzil darauf hätte eingehen müssen. Statt dessen wird im Blick auf die Zukunft allen Katholiken untersagt, in Katechese und Predigt die Juden als von Gott verworfen oder verflucht darzustellen. Der sechste Absatz beklagt alle Verfolgungen gegen irgendwelche Menschen, namentlich und ausdrücklich aber den Antisemitismus jedweder Spielart. Der Wortlaut ist eindeutig und wird künftig jeden Zuwiderhandelnden in der Kirche bloßstellen.  Um alle theologischen Zweifel zu zerstreuen, geht der siebte Absatz noch einmal auf die Freiheit des Leidens Christi ein, auf die Sünden aller Menschen, auf das Kreuz als Zeichen der universalen Liebe Gottes.
  Artikel 5 spricht zum Schluss von der Brüderlichkeit aller Menschen, von der Gleichheit von Mensch und Mensch, von Volk und Volk. Feierlich wird jede Diskriminierung eines Menschen, jeder Gewaltakt gegen einen Menschen wegen seiner Rasse oder Farbe, wegen seines Standes oder seiner Religion verurteilt. Dieser Appell wird „mit leidenschaftlichem Ernst“ vorgetragen.

cdd-KurtKoch-8-Zzjud-ProfMaximilianGottschlickWien-Z 

Unerlöste Schatten: Nostra Aetate 2.0 --    Foto: Kardinal Kurt Koch Rom und Prof. Maximilian Gottschlich, Wien Kardinal Kurt Koch ist zuständig für den Einheitsrat des Vatikans und somit auch für den Dialog mit dem Judentum

   Der emeritierte Wiener Professor der Kommunikationswissenschaft, Maximilian Gottschlich - ein Christ mit jüdischen Wurzeln - hatte die Gelegenheit, dem Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch sein neues Buch „Unerlöste Schatten“  über „Christen und den neuen Antisemitismus“ persönlich vorzustellen. Der Dogmatiker Kurt Koch, der seit 2010 Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen ist und somit auch Vorsitzender der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum, zeigte sich angetan von der Idee, dass das Konzilsdokument „Nostra Aetate“ 50-Jahre später eine „Erneuerung“ brauche. Denn Antisemitsmus, sei laut Gottschlich, auch in der dritten Generation nach der Schoah in den „Köpfen und Herzen“ der Menschen vorhanden.
   „Wir waren uns in der Diagnose der Situation relativ einig. Natürlich kann jemand wie ich, als Kommunikationswissenschaftler mit jüdisch-christlichen Bezug, der von Außen die Dinge betrachtet, in leichterer Weise Forderungen stellen, was alles zu tun wäre. Derjenige, der es dann umsetzen muss, der sieht die Situation anders. Kardinal Koch, der auch zuständig ist für das Einheitssekretariat, hat sehr viele Aufgaben, die auf seine Schultern ruhen und da ist die Frage des Christentums und des Judentums sehr wichtig, aber eine Frage unter anderen. Mir ging es darum, klar zu machen,  dass es eine ganz dringliche Frage ist, auch vor dem Hintergrund eben der neuen muslimischen Migrationsbewegung in Europa. Dass wir eigentlich jetzt Anlass haben, die Frage zu stellen, ob ein 'Nostrae Aetate Zwei' nicht notwendig wäre und dieses mit größerer medialer Begleiterscheinung als es noch vor 50 Jahren war. Es gab keine konkreten Gespräche außer dem Umstand, dass wir im Gespräch bleiben und dass der Gedankenaustausch für uns fruchtbar sein kann.“
   Vor allem Christen müssten in einem neuen Dokument auch die Verbindung des Christentums und des Judentums klarstellen und die „jüdische Mitte des christlichen Glaubens“ herausheben, fordert Gottschlich. „Ich denke, dass diese Anregung bei Kardinal Koch durchaus auf großes Interesse gestoßen ist. Und er hat gemeint, da ich aus Wien komme, dass wir möglicherweise auch einen Kontakt mit Kardinal Christoph Schönborn auf den Weg bringen können.“
   Der emeritierte Professor nehme diese Herausforderung an. Er denkt dabei auch an das berühmte Vorbild Jules Isaac, der französische Jude und Holocaust-Überlebende, der den Prozess von Nostrae Aetate in Gang gebracht hatte. Im Jahre 1960 hatte er in einer Privataudienz Papst Johannes XXIII. umfangreiches Material seiner Aktivitäten zur „jüdisch-christlichen Freundschaft“ gegeben. „Er hat die Nacht vorher nicht gut geschlafen, schreibt er in seinen Tagebüchern. Denn wie kann man denn in so kurzer Zeit dem Papst versuchen klar zu machen, dass die Politik der Kirche gegenüber den Juden sich radikal verändern muss. Seine Präsenz und die wechselseitige Sympathie hatte dazu geführt, dass Johannes XXIII. den deutschen Bibelwissenschaftler und Kardinal Augustin Bea beauftragt hatte, einen Text vorzubereiten, der letztlich zu Erklärung Nostra Aetate geführt hat. Ich denke, wenn es so sein soll, wenn der Geist mitwirkt, dann wird sich vielleicht auch hier etwas neues bewegen,“hofft Gottschlich. Rv151003no

va-Vat.II-zHier folgt der Konzilstext im Wortlaut:

   4. Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist. So anerkennt die Kirche Christi, dass nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen,  bei Mose und den Propheten finden. Sie bekennt, dass alle Christgläubigen als Söhne Abrahams dem Glauben nach in der Berufung dieses Patriarchen eingeschlossen sind und dass in dem Auszug des erwählten Volkes aus dem Lande der Knechtschaft das Heil der Kirche geheimnisvoll vorgebildet ist. Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, dass sie durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schösslinge eingepfropft sind. Denn die Kirche glaubt, dass Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt hat. Die Kirche hat auch stets die Worte des Apostels Paulus vor Augen, der von seinen Stammverwandten sagt, dass „ihnen die Annahme an Sohnes Statt und die Herrlichkeit, der Bund und das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißungen gehören wie auch die Väter und dass aus ihnen Christus dem Fleische nach stammt” Röm 9, 4-5, der Sohn der Jungfrau Maria. Auch hält sie sich gegenwärtig,  dass aus dem jüdischen Volk die Apostel stammen, die Grundfesten und Säulen der Kirche, sowie die meisten jener ersten Jünger, die das Evangelium Christi der Welt verkündet haben.
   Wie die Schrift bezeugt, hat Jerusalem die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt, und ein großer Teil der Juden hat das Evangelium nicht angenommen, ja nicht wenige haben sich seiner Ausbreitung widersetzt. Nichtsdestoweniger sind die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine Berufung unwiderruflich. Mit den Propheten und mit demselben Apostel erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit einer Stimme den Herrn anrufen und ihm „Schulter an Schulter dienen” Weish. 3,9. Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theo- logischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist.
   Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen. Gewiss ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, dass niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht.
   Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle Verfolgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben.
  Auch hat ja Christus, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um der Sünden aller Menschen willen, sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen. So ist es die Aufgabe der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden. AUS:KLEINESKONZILSKOMPENDIUMcdROM

   Hier haben wir den 4. Artikel der Erklärung des 2. Vatikanischen Konzils abgedruckt, der das Verhältnis von Juden und Christen bestimmt. Das gesamte Dokument “Nostra Aetate” über das Verhätnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen finden Sie auf unserer vorigen Seite > Dialog der Religionen

                           kbwn:Juden

[kbwn] [Blindenwerk] [Reisen Fahrten] [Hörbücher] [Heilung] [HiTech] [Kirche] [Vatikan] [Glaube & Leben] [weltweite Kirche] [Himmel & Erde] [Dialog der Religionen] [Nostra Aetate] [Juden] [Jerusalem] [Judenmission] [Kirche & Moschee] [Kirche im Islam] [Muslime & Christen] [Islam] [Koran] [Keine Gewalt] [Hinduismus] [Vorhof der Völker] [Recht] [Alterssicherung]