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Korea

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2. Ecclesia in Asia
3. Korea-Besuch von Papst Franziskus

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Südkorea: Neues katholisches Institut für Frieden - Foto: Landkarte Koreas

   Der Bischof von Uijeongbu, Peter Lee Ki-Heon, hat am Dienstag ein neues katholische Institut eingeweiht. Das Insitut für Frieden und Zusammenarbeit soll den Dialog zwischen Christen und Andersgläubigen vor allem in Nordkorea fördern und „das katholische Friedenskonzept verwirklichen“, so der Bischof. Neben Katholiken werden auch Protestanten und Buddhisten in verschiedenen Bereichen des Instituts arbeiten, u.a. Philosophie, Politik, Wirtschaft und Literatur.
   Die Diözese von Uijeongbu ist bekannt für ihre Versöhnungsarbeit. Das neue Institut befindet sich neben der Paju Kathedrale „der Buße und der Versöhnung“, die mit Mosaiken nordkoreanischer Künstler verziert ist und den Wunsch der Wiedervereinigung der Halbinsel symbolisiert.
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Kardinal unterstützt Friedensmarsch  -  Foto: Herrscherstatuen in Pjöngjang

   Der Erzbischof von Seoul ruft zur Unterstützung für den Marsch der Frauen für Frieden und Wiedervereinigung mit Nordkorea in der entmilitarisierten Zone an der Grenze zwischen den beiden Ländern. Diesen Appell richtete Kardinal Andrew Yeom Soo-jung an seine Regierung. Dies sei ein wichtiger Beitrag zur friedlichen Lösung 70 Jahre nach der Trennung der Halbinsel, so der Kardinal. Die Initiative hatte die nordirische Nobelpreisträgerin und Gründerin der Bewegung „Peace People“, Mairead Maguire, zusammen mit rund dreißig Mitstreiterinnen, die sich für Frieden und Dialog engagieren, auf den Weg gebracht. In einem Appell an die koreanischen Institutionen laden sie zu einem symbolischen Marsch am 24. Mai ein. Zielpunkt ist das Dorf Panmunjom in der Grenzregion. Unterdessen haben Behörden von Nordkorea der Initiative bereits zugestimmt, berichtet der Fidesdienst. rv150515fides

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Ecclesia in Asia

   Papstreise. „Sechzig Prozent der Weltbevölkerung leben in Asien. Es ist ein junger Kontinent, die Mehrheit der Bevölkerung sind junge Menschen. Und deswegen ist auf vielerlei Weise Asien zentral für die Zukunft der Welt und für die Zukunft der Welt.“ Überhaupt nicht triumphalistisch trug der Erzbischof von Bombay und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Bischöfe Asiens, Kardinal Oswald Gracias, diese Worte vor Papst Franziskus vor. Gestern war er noch bei uns im Studio, um dieselbe Botschaft loszuwerden: Schaut auf Asien, interessiert euch für Asien, nie wegen unseres Egos, sondern weil hier die Zukunft spielt.
   „Asien wird das Zentrum der Welt“ hatte es ebenfalls in unserem Studio der Erzbischof von Manila, Kardinal Luis Antonio Tagle, lächelnd gesagt.
   1999 hatte Papst Johannes Paul II. als Ergebnis der Sonderversammlung der Bischofssynode zu Asien ein Dokument veröffentlicht, „Ecclesia in Asia“, einen Text, an dem sich Papst Franziskus in seiner Ansprache klar orientiert hat. Um den aktuellen Papstbesuch und auch die Zukunft besser zu verstehen, lohnt vielleicht ein Blick auf einige wenige Passagen.
   Logik der Menschwerdung
   Der eigentliche Synodenprozess bestätigte die Bedeutung des Dialogs als kennzeichnende Eigenschaft des kirchlichen Lebens in Asien. Ein aufrichtiges und ehrliches Teilen von Erfahrungen, Ideen und Vorschlägen erwies sich als ein Weg echter geistlicher Begegnung, als Weg zu jener Gemeinschaft des Geistes und des Herzens, die in der Liebe die Verschiedenheiten achtet und sie überwindet. (3)
   Aber dieser Wille zum Dialog ist nicht einfach nur eine Strategie zur friedvollen Koexistenz zwischen den Völkern, sondern sie ist vielmehr ein wesentlicher Bestandteil der kirchlichen Sendung, da die Kirche selbst ihre Ursprünge im liebevollen Heilsdialog hat, den der Vater mit der Menschheit durch den Sohn und in der Kraft des Heiligen Geistes führt.
   Die Kirche kann ihre Mission nur in einer Weise erfüllen, die jener entspricht, in der Gott in Jesus Christus gehandelt hat, welcher Mensch geworden ist, als Mensch mit den Menschen gelebt hat und die Sprache der Menschen gesprochen hat, um seine Heilsbotschaft mitzuteilen. Dieser Dialog, den die Kirche vorschlägt, erhält seine Grundlage in der Logik der Menschwerdung. Daher kann lediglich eine innige und selbstlose Solidarität dem Dialog der Kirche mit den Menschen Asiens einen Aufwind geben, die auf der Suche nach der Wahrheit in der Liebe sind. (29)
Zeugnis und Dialog
   Das, was die Christen zu diesem Dialog beitragen, ist die feste Überzeugung, dass die Heilsfülle nur von Christus kommt und dass die Gemeinschaft der Kirche, aus der sie stammen, das ordentliche Mittel zu diesem Heil ist. Und ich wiederhole hier, was ich bereits an die Fünfte Vollversammlung der Föderation der asiatischen Bischofskonferenzen geschrieben habe: »Obwohl die Kirche gerne all das anerkennt, was in den religiösen Traditionen des Buddhismus, des Hinduismus und des Islam wahr und heilig, ja gleichsam ein Widerschein jener Wahrheit ist, die alle Menschen erleuchtet, so mindert dies dennoch nicht ihre Aufgabe, unaufhörlich Jesus Christus zu verkünden, der »der Weg, die Wahrheit und das Leben« ist Joh 14,6.
   Die Tatsache, dass auch die Anhänger anderer Religionen die Gnade Gottes empfangen und von Christus gerettet werden können, wenn auch nicht durch die Mittel, die er eingesetzt hat, hebt den Ruf zum Glauben und zur Taufe nicht auf, die Gott allen Menschen zugedacht hat«.
  Hinsichtlich des Dialogsprozesses habe ich in der Enzyklika Redemptoris missio folgendes geschrieben: »Dabei darf es keine Verzichtserklärung und keine falsche Friedfertigkeit geben. Es braucht das gegenseitige Zeugnis für einen gemeinsamen Fortschritt auf dem Weg der religiösen Suche und Erfahrung. Dies dient zugleich der Überwindung von Vorurteilen, Missverständnissen und Intoleranz.« Nur wer einen gereiften und von Überzeugung getragenen christlichen Glauben hat, ist für die Einbeziehung in einen genuinen interreligiösen Dialog geeignet. »Nur jene Christen, die tief in das Mysterium Christi eingetaucht und in der eigenen Glaubensgemeinschaft glücklich sind, können ohne unnützes Risiko und in der Hoffnung auf positive Früchte in den interreligiösen Dialog eintreten.«
   Es ist daher für die Kirche in Asien wichtig, dass geeignete Modelle für den interreligiösen Dialog zur Verfügung gestellt werden (Evangelisierung durch den Dialog und Dialog für die Evangelisierung) und dass diejenigen, die daran beteiligt sind, auch adäquat dafür vorbereitet werden. (31)
Asiatische Lehrmethodik
   Die Synode hat empfohlen, dass die zukünftige Katechese »eine evokative Pädagogik anwendet, die sich der für die asiatische Lehrmethodik so charakteristischen Geschichten, Gleichnisse und Symbole bedient«. Der Dienst Jesu selbst ist eindeutig durch den persönlichen Kontakt gekennzeichnet. Das wiederum verlangt von jemandem, der in der Evangelisierung tätig ist, sich in die Situation des Zuhörers zu versetzen und seine Verkündigung durch geeignete Formen und Redeweisen dessen Reifegrad anzupassen.
  Diesbezüglich haben die Synodenväter mehrmals die Notwendigkeit unterstrichen, das Evangelium so zu verkünden, dass dabei die Sensibilität der Völker Asiens berücksichtigt wird, was bedeutet, dass man ein der asiatischen Mentalität und den asiatischen Kulturen verständliches Bild von Jesus entwirft, welches aber auch gleichzeitig der Heiligen Schrift und der Tradition treu bleibt.
   Ein solches Bild ist zum Beispiel: »Jesus Christus, der Meister der Weisheit, der Heilende, der Befreier, der Seelenführer, der Erleuchtete, der mit den Armen Mitfühlende, der barmherzige Samariter, der gute Hirt, der Gehorsame.« Jesus könnte als die menschgewordene Weisheit Gottes dargestellt werden, dessen Gnade die »Saat« der göttlichen Weisheit zur Reife bringt, die bereits im Leben und in den Religionen der Völker Asiens enthalten ist.
   Bei all dem Leid, von dem die Völker Asiens heimgesucht sind, könnte Jesus am besten als der Retter verkündet werden, »der das Dasein all jener mit Sinn erfüllt, die unsäglichen Schmerz und Leid erdulden«. (20)
Martyrium
   So wichtig Bildungsprogramme und Strategien auch sein mögen, am Ende ist es das Martyrium, das die wahre Natur der christlichen Botschaft offenbart. Das Wort »Märtyrer« selbst bedeutet Zeuge, und jene, die ihr Blut für Christus vergossen haben, bezeugten den wahren Wert des Evangeliums bis zum Äußersten.
   In der Verkündigungsbulle des Großen Jubiläums des Jahres 2000, Incarnationis mysterium, habe ich darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, das Andenken der Märtyrer zu pflegen: »Vom psychologischen Gesichtspunkt her ist das Martyrium der eindrucksvollste Beweis für die Wahrheit des Glaubens, die selbst dem gewaltsamsten Tod ein menschliches Gesicht zu geben vermag und ihre Schönheit auch in den grausamsten Verfolgungen zum Ausdruck bringt.« (239)
   Im Laufe der Jahrhunderte hat der asiatische Kontinent der Kirche und der Welt eine Vielzahl dieser Helden des Glaubens geschenkt, und im Herzen Asiens erklingt der große Lobgesang: »Te martyrum candidatus laudat exercitus« [Dich preist der Martyrer leuchtendes Heer].« Das ist die Hymne jener, die in den ersten Jahrhunderten der Kirche für Christus auf asiatischem Boden gestorben sind, und auch der freudige Ruf von Männern und Frauen einer weniger entfernten Vergangenheit, Heilige wie Paulus Miki, Lorenzo Ruiz, Andrea Dung Lac, Andrea Kim Taegon und ihre jeweilige Gefährten.
   Mögen die zahlreichen alten und neuen Märtyrer Asiens der Kirche ihres Kontinents stets vor Augen halten, was es bedeutet, Zeugnis zu geben für das Lamm, in dessen Blut sie ihre Gewänder gewaschen und weiß gemacht haben vgl. Offb 7,14! Mögen sie stets unbeugsame Zeugen jener Tatsache sein, dass die Christen immer und überall berufen sind, nichts anderes als das Kreuz des Herrn zu verkünden! Möge durch das Blut der Märtyrer Asiens heute und immerfort in jedem Winkel des Kontinents neues Leben für die Kirche entstehen. (49)  RV140818 

  Auf seiner dritten großen Auslandsreise besuchte Papst Franziskus Korea

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Fotoberichte von der 3. Auslandsreise von Papst Franziskus nach Korea
Foto oben: Sonderbriefmarken der südkoreanischen Post zum Papstbesuch
Foto unten:  Vorbereitung des Platzes für eine Million Besucher

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ff-125-xPäpstliche Botschaft an die Koreaner: Erhebe dich, werde hell

   Die dritte internationale Papstreise führt Franziskus am 13. August 2014 nach Asien. Eine Videobotschaft des Papstes erreichte den südkoreanischen Staat einige Tage vorher. Über KBS, Korean Broadcasting System, die Rundfunkanstalt, wurde die Videonachricht des Papstes verbreitet, an welcher er sich vor allem an die Jugendlichen des Landes richtet.

    „,Erhebe dich, werde hell´ Jesaja 60,1: mit diesen Worten richtete sich der Prophet Jesaja an Jerusalem,
mit diesen Worten wende ich mich an euch. Es ist der Herr, der uns einlädt, sein Licht im Herzen aufzunehmen und darüber in unserem Leben voller Glaube , Hoffnung und Liebe nachzudenken, in voller Freude des Evangeliums.“
    Franziskus erinnert in der Videobotschaft an die Anlässe seiner bevorstehenden Reise: das internationale Treffen junger Katholiken aus Asien und die Seligsprechung von 124 koreanischen Märtyrern am 16. August in der Hauptstadt Seoul. Dazu werden nach Angaben des Vatikan und der kirchlichen Organisatoren vor Ort eine Million Menschen erwartet.
   „Die Jungen sind die Überbringer der Hoffnung, der Energie der Zukunft, aber sie sind auch die Opfer der moralischen und spirituellen Krise unserer Zeit. Deswegen würde ich gerne den Namen ankündigen, der uns retten wird: Jesus, der Herr.“
Franziskus betonte schließlich noch die Bedeutung der Übereinkunft von Jung und Alt und ein Treffen dieser beiden Gruppen sei eine „Garantie für den Weg des Volkes“.  rv 1408110no

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Papst Franziskus ist am Mittwoch zu einer fünftägigen Reise nach Südkorea aufgebrochen                
   Franziskus startete kurz nach 16 Uhr vom römischen Flughafen Fiumicino Foto an Bord einer Sondermaschine. Er wird begleitet von rund zwei Dutzend Mitarbeitern und 68 Journalisten. Erwartet wird eine - spontane - „fliegende Pressekonferenz“; möglicherweise aber erst auf dem Rückflug am 18. August. Das Eintreffen des argentinischen Papstes in Seoul wird gegen 3.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit erwartet. Es ist die dritte Auslandsreise des amtierenden Papstes und das erste Mal seit 25 Jahren, dass ein Papst Südkorea besucht.
   Bei der Verabschiedung in Rom war auch Italiens Premierminister Matteo Renzi Foto oben links anwesend. Er „half“ dem Papst beim Einsteigen. Wie bereits bei der Brasilienreise nahm Franziskus wieder einen kleinen schwarzen Handkoffer mit. Der Papst reist mit dem Airbus „Michelangelo Buonarroti“ der italienischen Flug- gesellschaft Alitalia. Die Maschine vom Typ A330-202 absolvierte ihren Erstflug am 4. Oktober 2012, dem Festtag des heiligen Franziskus von Assisi (1182-1226). Der Großraum-Airbus zählt zu den jüngsten Flugzeugen der Alitalia- Flotte und wird hauptsächlich auf Strecken nach Nordamerika eingesetzt. Franziskus fliegt in der Business-Class.
Flugroute
   Wegen des bewaffneten Konflikts in der Ukraine führt die Route in einem nördlichen Bogen über Kroatien, Slowenien, Österreich, Polen, Weißrussland, Russland, die Mongolei und China. Dabei wird der Papst eine Grußbotschaft an die kommunistische Führung in Beijing senden. Üblicherweise übermittelt der Vatikan solche Grußtelegramme an die Staatschefs jener Länder, die der Papst überfliegt. An Bundespräsident Heinz Fischer ergeht die Grußbotschaft, sobald das Flugzeug über die Steiermark und Niederösterreich fliegt.
   Bei der Südkorea-Reise von Johannes Paul II. im Jahr 1989 hatten die chinesischen Behörden die Nutzung ihres Luftraums untersagt. Damals durfte der Papst in einer Premiere den Weg über die Sowjetunion nehmen.
Gebet vor Reisestart
   Wenige Stunden vor Beginn seiner ersten Asien-Reise nach Südkorea hat der Papst am Mittwoch die römische Kirche Santa Maria Maggiore aufgesucht. Dort betete er nach vatikanischen Angaben rund 20 Minuten vor der Marienikone „Salus Populi Romani“ und legte einen schlichten Blumenstrauß nieder.  rv140813

ff-131-K-cdPietroParolin-x  Kardinalstaatssekretär Pietro Parolini

Kardinalstaatssekretär: „Papst wird sich an ganz Asien wenden“

   Papst Franziskus hat kurz vor Abflug nach Südkorea die römische Basilika Santa Maria Maggiore besucht. So wie bei anderen Anlässen besuchte er die Muttergottesstatue in der Kirche der Ewigen Stadt. Das bestätigte Vatikansprecher Federico Lombardi am Mittwoch. „Am Tag meiner Abreise lade ich euch ein, euch mit mir im Gebet für ganz Korea und ganz Asien zu verbinden.“ Das schreibt Papst Franziskus in einem Tweet an diesem Mittwoch. Am Nachmittag bricht er von Rom zu seiner dritten internationalen Reise nach Südkorea auf; dabei wird er als erster Papst der Geschichte auch über das Territorium der Volksrepublik China fliegen. Eine entsprechende Genehmigung hatten die Behörden in Beijing 1989 Papst Johannes Paul II. noch verweigert, als dieser Korea besuchte.
   Was sind die Besonderheiten von Franziskus’ Reise? Das fragte das vatikanische Fernsehzentrum CTV den Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.
   „Aus meiner Sicht hängt die Bedeutung dieser Reise mit drei Punkten zusammen. Erstens die Tatsache, dass der Papst zum ersten Mal in den Fernen Osten reist, also in eine Weltgegend, die in der Weltpolitik und –wirtschaft eine immer größere Relevanz hat. Der Papst wird sich von dort aus an den ganzen Kontinent wenden, nicht nur an Korea. Alle Länder des Kontinents sind seine Ansprechpartner, und zwar wegen der Feier des asiatischen katholischen Jugendtreffens, an dem Jugendliche aus den Nachbarländern teilnehmen. Das ist der zweite Punkt. Der dritte Punkt ist die Zukunft: Denn diese jungen Leute sind die Zukunft, und darum geht es bei der Papstreise um die Zukunft Asiens.“
   Papst Franziskus werde die Jugendlichen in Südkorea dazu ermuntern, „Hauptdarsteller im Leben der Kirche zu werden“, formuliert Kardinal Parolin. Es gehe um „eine aktive Präsenz, um Mitarbeit und Mitverantwortung“. Die Rolle der Laien ist in der südkoreanischen Kirche essentiell, weil Korea wohl das einzige Land der Welt ist, in dem das Christentum ohne Hilfe von ausländischen Missionaren oder Priestern Fuß fasste.
   „Die jungen Leute – das wird der wesentliche Punkt des Papstes sein – müssen Evangelisierer ihrer Altersgenossen werden. Wir sind also immer bei diesem wesentlichen Projekt der Evangelisierung. Natürlich wird der Papst auch darauf drängen, sich nicht von trügerischen Werten unserer Gesellschaften blenden zu lassen. Er wird bekräftigen, dass Jesus die wirkliche Antwort auf ihre Fragen und ihre Unruhe ist.“
   Franziskus wird in Korea auch 124 Märtyrer seligsprechen: die erste Generation der Evangelisierer des Landes im 18. Jahrhundert.
  „Ich glaube, es wird die Tatsache betont werden, dass sich in dieser Gruppe nur ein Priester befindet. Alle anderen waren Laien, Menschen der verschiedensten Berufe und sozialen Schichten. Das unterstreicht diese Eigenschaft der koreanischen Kirche, dass sie aus dem Zeugnis und Einsatz der Laien entstand, denen es gelang, den Glauben zu bewahren und weiterzugeben. Das ist die wesentliche Botschaft: In der Kirche sind wir alle dazu aufgerufen, das Evangelium zu verkünden. Wir alle sind zur Heiligkeit berufen.“
   Der Kardinalstaatssekretär bestätigt, dass Papst Franziskus auch Überlebende des dramatischen Fährunglücks vom April treffen wird: Dabei starben fast 300 Menschen vor der koreanischen Küste, bis heute ist der Schock in der Gesellschaft und Politik des Landes spürbar.
   „Das hat so viele Wunden aufgerissen und Polemiken in der Gesellschaft ausgelöst! Der Papst will zeigen, dass man diese Schmerzen lindern kann, wenn man den Menschen nahe ist. Diese Nähe ist die Nähe Jesu zu allen Leidenden, sie muss auch die Nähe der Kirche zu allen Leidenden sein.“
   Schlusspunkt der Koreareise von Papst Franziskus wird am Montag in Seoul eine Messe für Frieden und Versöhnung auf der koreanischen Halbinsel sein. Das zielt auf das, was Südkoreas Bischöfe ‚den letzten Kalten Krieg’ nennen, nämlich auf die Teilung der Insel.
   Könnte der Papstbesuch neue Gesprächskanäle zwischen Südkorea und dem nordkoreanischen Regime öffnen, vielleicht auch den Christen in Nordkorea – von denen man fast nichts weiß – in ihrer Isolation Hoffnung geben?
   „Das war immer die große Hoffnung des Heiligen Stuhls, der sich immer auch konkret in dieser Richtung engagiert hat. Es ist offensichtlich, welche Spannungen auf der Halbinsel herrschen und wie nötig sie Frieden und Versöhnung hätte. Ich glaube, dass die Papstreise auch in dieser Hinsicht helfen wird, damit die Solidarität mit der notleidenden Bevölkerung (im Norden) weitergeht, und damit neue Räume für Kommunikation und Dialog entstehen. Denn nur dadurch – davon ist der Papst überzeugt – lassen sich die bestehenden Probleme lösen. Wenn es bei allen Beteiligten guten Willen gibt, dann wird sich immer ein Gesprächskanal finden lassen!“   Rv140813sk

Presse ff-132-K-Presse-x Sonderbriefmarken der südkoreanischen Post

Korea vor dem Papstbesuch: Unser Korrespondent berichtet

   An diesem Mittwochnachmittag um 16 Uhr römischer Zeit ist Papst Franziskus nach Korea zu einer fünftägigen Reise in das ostasiatische Land gestartet. Der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord SJ, ist für uns in Südkorea. Er hat schon mal einige koreanische Zeitungen angeschaut.
   Die Erwartungen an den Papst sortieren sich: Ein Blick in die – englischsprachigen – Zeitungen Seouls an diesem Mittwoch geben ein recht vollständiges Bild von dem, was den Papst erwarten wird:
   Der „Korean Herald“ zählt auf, wo die Spannungen in der Gesellschaft liegen, die der Papst vorfinden wird. Es geht um die Aufarbeitung des Fährunglücks vom April dieses Jahres, oder vielmehr um das Fehlen der Aufarbeitung, es geht um eine US-Militärbasis in einem Naturschutzgebiet, um staatliche Bauprojekte gegen den Willen der Bevölkerung, und es geht natürlich um die Wiedervereinigung der beiden Koreas.
   Auch wenn Kirchenvertreter offiziell die Erwartungen herunter fahren wollen, das sind die Themen, die in den Köpfen und Herzen der Menschen drin stecken.
   Ein schwieriges Thema ist auf der Titelseite der „Korea Times“: Eine ehemalige Sex-Sklavin der japanischen Armee während des Zweiten Weltkrieges hofft darauf, dass der Papst das Schicksal all der Frauen anspricht, die von der Besatzungsmacht jahrelang missbraucht wurden. Bis heute erkennt Japan das nicht an, bis heute wird jede Woche im Zentrum Seouls vor der Botschaft Japans demonstriert, wenn auch die Zahlen stetig abnehmen, denn die Frauen werden älter und weniger.
   Ein weiteres Thema: Was passiert eigentlich am Samstag im Zentrum der Stadt? Viele Koreaner haben keine Ahnung von katholischer Liturgie, und da viele Fernsehsender, inklusive zweier koreanischer und CNN das live übertragen, wird das in englischsprachigen und koreanischen Zeitungen samt Grafik genau erklärt: Altar, Kreuz, Kardinal, Messgewand, Skulpturen und so weiter.
   In einem Interview gerade hat mir Serena Kim, eine katholische Theologieprofessorin hier in Korea, die bei einem der Sender live kommentieren wird, bestätigt, wie sehr dieses Wissen nachgefragt ist. Sie muss alles, aber wirklich alles erklären, was mit Kirche und Liturgie und Papst zu tun hat.
   Hier wird der Papst Interesse wecken, was es mit der Kirche auf sich hat. Deren Engagement in den sozialen Fragen kennt man, deren Einsatz für die Demokratisierung des Landes wird in der gesamten Gesellschaft hoch geschätzt, nun aber bekommen alle zu sehen, was das genau ist, die katholische Kirche. Rv 140813ord

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Aus Seoul, Pater Bernd Hagenkord für Radio Vatikan. Südkorea: „Tür für die Evangelisierung Asiens“

   Papst Franziskus wird Südkorea bei seinem Pastoralbesuch „eine wichtige Botschaft der Hoffnung und des Friedens“ überbringen. Das sagte der Erzbischof der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, Kardinal Andrew Yeom Soo-jung, Foto im Gespräch mit der spanischen Nachrichtenagentur efe. Der Papst, der am Donnerstag in Seoul eintrifft, werde im ganzen Land geschätzt – nicht nur von den Katholiken, die ungefähr zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen. Kardinal Yeom wörtlich: „Wir bewundern seinen offenen Charakter und seine Einfachheit. Und wir respektieren es, wie er sich für die Armen und Ausgegrenzten einsetzt.“ Dieser Einsatz sei auch eine zentrale Mission der südkoreanischen Kirche,vor allem weil es im Land eine tiefe Kluft zwischen Arm und Reich gebe.
   Südkorea stellt nach Ansicht des Kardinals „die Tür für eine Evangelisierung Asiens“ dar. Die Kirche arbeite „ohne Unterlass für eine Versöhnung und Vereinigung“ Koreas; auch Franziskus werde während seines Pastoralbesuchs „von Nordkorea sprechen“. Yeom ist nominell auch Apostolischer Administrator von Pjöngjang, konnte die nordkoreanische Hauptstadt aber noch nie besuchen.
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Papstreise nach Korea: Bericht von der Grenzlinie

   An Mittwoch ist Papst Franziskus nach Korea aufgebrochen. Es ist seine dritte große Auslandsreise, nach Rio de Janeiro im vergangenen Jahr und Jordanien, Palästina und Israel vor einigen Monaten. Korea ist ein Land, das vor allem durch ein Thema definiert wird: die Teilung in Nord und Süd. Genau von der Grenzlinie meldet sich unser Korrespondent, Pater Bernd Hagenkord, mit einem ersten Bericht.
   Eine Holzbrücke, Stacheldraht, viele Fahnen und ein Wachturm, dahinter der Han-Fluss: Das sind sieben Kilometer vor der eigentlichen Grenze, weiter geht es nicht. 10.000 Won – also etwa acht Euro – kostet es, wenn man die buddhistische Friedensglocke in einem kleinen Pavillon schlagen will. Plakate am Stacheldrahtzaun verkünden, wer alles für die friedliche Wiedervereinigung der beiden Koreas ist. Aber wirklich wollen tun es wenige - denn wenn der Norden zusammenbricht oder eine Wiedervereinigung kommt, dann würden die Wirtschaft und der Lebensstil des Südens dies nicht verkraften.
   Wir sind in der sogenannten demilitarisierten Zone. Das ist ein zynischer Begriff, denn es gibt wohl kaum eine Zone dieser Welt, in der mehr Waffen und Minen aufeinanderprallen. Diese Zone prägt das Leben in Korea, und auch die Reise von Papst Franziskus steht unter diesem Vorzeichen. Es ist wieder ein Land mit einem ungelösten militärischen Konflikt, in das Papst Franziskus reist. Völlig anders als zum Beispiel im Heiligen Land, aber eben auch ein ungelöster Konflikt. Der Papst wird Impulse setzen - und zwar durch was er sagt, durch sein Auftreten und seine direkte Kommunikation. Spätestens bei der Versöhnungsmesse in Seoul am Sonntag wird er es ganz direkt ansprechen.
   Die anderen Dimensionen der Reise werden die Begegnung mit der Jugend Asiens, die Würdigung der Kirche Koreas durch ihre Märtyrer – das sind die Seligsprechungen - sowie die Begegnung mit den Angehörigen der Opfer des Fährunglücks sein. Dieses Fährunglück war eine Katastrophe, die tief im kollektiven Gedächtnis des Landes sitzt und die noch viel Spannung und Proteste hervorruft. Das alles wird wichtig sein bei dieser Reise, aber die Grundfärbung kommt von hier: dem Konflikt Nord-Süd. Papst Franziskus besucht ein Land, das im Kriegszustand ist. Frieden und Versöhnung sind in einer äußerst komplexen Situation. Nach dem Heiligen Land und dem Einsatz für Syrien geht es ein weiteres Mal um ein Thema des Pontifikats von Papst Franziskus.
Aus Korea, P. Bernd Hagenkord SJ rv 140712ord

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Papst vor Präsidentin: Korea könnte „auch in der Globalisierung der Solidarität führend sein“

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   Der Papst hat das geteilte Korea zu weiteren Schritten der Verständigung ermutigt. Dem Heiligen Stuhl sei Frieden in Korea „ein Herzensanliegen“, formulierte Franziskus in seiner ersten offiziellen Ansprache auf koreanischem Boden. Darin lobte er Errungenschaften des Landes, sprach aber auch Probleme der koreanischen Gesellschaft an. Im „Blauen Haus“ in Seoul traf der Papst zunächst Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye zu einem privaten Gespräch. Die Unterredung dauerte länger als geplant, so dass Franziskus seine erste offizielle Rede mit etwas Verspätung begann.
Frieden ist Frucht von Dialog
  
Gewalt, Verfolgung und Krieg hätten Korea im Laufe der Jahre „auf die Probe gestellt“, ein „Mangel an Frieden“ habe die koreanische Gesellschaft lange geprägt, so der Papst in seiner Ansprache. Mit Blick auf das gespannte Verhältnis der beiden Landesteile würdigte er das politische Ringen um Frieden und ermutigte zu weiteren Schritten der „Versöhnung und Stabilität“:
   „Denn sie sind der einzig sichere Weg zu dauerhaftem Frieden. Koreas Streben nach Frieden ist uns ein Herzensanliegen, denn es wirkt sich auf die Stabilität der gesamten Region und in der Tat auf unsere ganze kriegsmüde Welt aus.“
   Diplomatie als „Kunst des Möglichen“ beruhe auf der „festen und beharrlichen Überzeugung“, „dass Friede eher durch ruhiges Zuhören und durch Dialog erlangt werden kann als durch gegenseitige Schuldzuweisungen, unfruchtbare Kritik und Zurschaustellung von Macht.“ Frieden also als Frucht von Dialog, so der Papst - wenn der Weg dorthin auch oft lang und beschwerlich sein kann. Wesentlich sei dabei nicht nur, Fehler einzugestehen:
   „Gerechtigkeit als Tugend erfordert die Disziplin der Langmütigkeit; sie verlangt, dass wir vergangene Ungerechtigkeiten nicht totschweigen, sondern sie überwinden durch Vergebung, Toleranz und Zusammenarbeit. Sie verlangt die Bereitschaft, Ziele auszumachen und zu erreichen, die beiderseitig von Vorteil sind, und so die Grundlagen für gegenseitige Achtung, Verständigung und Versöhnung zu schaffen. Möge jeder von uns diese Tage dem Frieden widmen, dem Gebet für den Frieden und der Vertiefung unserer Entschlossenheit, ihn zu erreichen.“
Für eine „Globalisierung der Solidarität“
   Zweiter Schwerpunkt der Papstrede: eine sozial nachhaltige Entwicklung. „Die Erfahrung lehrt uns, dass in einer zunehmend globalisierten Welt unser Verständnis von Gemeinwohl, Fortschritt und Entwicklung sich letztlich an menschlichen und nicht an rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten orientieren muss“, erinnerte Franziskus. Und am Beispiel von Korea führte er aus, wie wesentlich für eine Gesellschaft Teilhabe und Gerechtigkeit sind:
   „Wie die meisten unserer entwickelten Nationen kämpft Korea mit bedeutenden sozialen Problemen, politischen Spaltungen, Mangel an wirtschaftlicher Fairness und Sorgen um den verantwortlichen Umgang mit der natürlichen Umwelt. Wie wichtig ist es, dass die Stimme jedes Gliedes der Gesellschaft gehört wird und dass ein Geist einer offenen Kommunikation, des Dialogs und der Zusammenarbeit gefördert wird!“
   Dazu gehöre auch die Sorge für Arme und Benachteiligte in der Gesellschaft, ergänzte der Papst. Nicht nur „unmittelbare Bedürfnisse“ müssten hier gestillt werden, sondern auf eine „ganzheitliche Entwicklung eines jeden Gliedes der Menschheitsfamilie“ geachtet werden. Gerade das wirtschaftlich aufstrebende (Süd)Korea könne hier beispielhaft vorangehen, findet der Papst:
   „Es ist meine Hoffnung, dass die koreanische Demokratie weiter gestärkt wird und dass diese Nation beweist, auch in der Globalisierung der Solidarität führend zu sein, die heute so notwendig ist.“

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Kirche will ihren Beitrag leisten
   Die katholische Kirche hat hier viel zu geben, auch in Korea. Franziskus kam hier auf die Worte seines Vorgängers Papst Johannes Paul II. zu sprechen. Dieser hatte bei seinem zweiten Besuch in Korea vor 15 Jahren Koreas Zukunft als abhängig vom Beitrag „vieler weiser, tugendhafter und tief spiritueller Männer und Frauen in seinem Volk“ beschrieben. Die katholische Gemeinschaft Koreas sehne sich „kontinuierlich“ danach, „voll am Leben der Nation teilzunehmen“, so Papst Franziskus:
   „Die Kirche möchte ihren Beitrag leisten zur Erziehung der Jugend, zur Entwicklung eines Geistes der Solidarität mit den Armen und Benachteiligten und zur Heranbildung neuer Generationen von Bürgern, die bereit sind, die von ihren Vorfahren ererbte und aus ihrem Glauben hervorgegangene Weisheit und Sichtweise in die großen politischen und sozialen Fragen einzubringen, die der Nation begegnen.“
   Anlass der Papstreise ist Franziskus‘ Teilnahme am Sechsten Asiatischen Jugendtag und die Seligsprechung des koreanischen Christen Paul Yun Ji-chung und 123 seiner Gefährten, die als Märtyrer starben. Dazu sagte der Papst direkt am Anfang seiner Ansprache:
   „Diese beiden Feiern ergänzen einander. Die koreanische Kultur versteht gut die innere Würde und Weisheit unserer Ahnen und ehrt ihren Platz in der Gesellschaft. Wir Katholiken ehren unsere Ahnen, die für den Glauben das Martyrium erlitten haben, weil sie bereit waren, ihr Leben für die Wahrheit hinzugeben, die sie im Glauben angenommen hatten und nach der sie ihr Leben zu gestalten versuchten. Sie lehren uns, wie man ganz für Gott und für das gegenseitige Wohl leben kann.“
   Ein „weises und großes Volk“ halte „nicht nur die Traditionen der Vorfahren in Ehren“, es schätze auch die Jugend, „indem es versucht, das Erbe der Vergangenheit weiterzugeben und es auf die Herausforderungen der Gegenwart anzuwenden“, fuhr der Papst fort. Zu diesen Herausforderungen gehöre in Korea vor allem der Frieden – das Land sei seiner Jugend dieses „Geschenk“ schuldig, merkte der Papst an. RV140814pr

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Papst warnt Koreas Bischöfe vor Verweltlichung

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   Papst Franziskus hat Koreas Bischöfe vor „geistlicher und pastoraler Verweltlichung“ gewarnt. In einem wohlhabenden und materialistisch orientierten Land wie Südkorea bestehe für die Kirche die Versuchung, allerlei Verhaltensweisen und Planungsmodelle „aus der Geschäftswelt“ zu übernehmen, sagte Franziskus bei seiner Begegnung mit den koreanischen Bischöfen in Seoul an diesem Donnerstag. Das führe dann auch bei Bischöfen zu einem Lebensstil und einer „Mentalität, die mehr von weltlichen Kriterien des Erfolgs – und tatsächlich der Macht – geleitet sind“, so Franziskus.
   „Weh uns, wenn das Kreuz um seine Kraft gebracht wird, über die Weisheit dieser Welt zu urteilen! Ich bitte euch und eure Brüder im priesterlichen Dienst dringend, dieser Versuchung in all ihren Formen zu widerstehen. Mögen wir vor jener geistlichen und pastoralen Verweltlichung bewahrt werden, die den Heiligen Geist unterdrückt, Umkehr durch Selbstgefälligkeit ersetzt und dabei jeden missionarischen Eifer zerstreut.“
   Gerade den missionarischen Eifer der Kirche in Korea würdigte der Papst dabei ausdrücklich. Er schwor die Bischöfe darauf ein, in ihrer Sorge um die Armen, Flüchtlinge und Migranten nicht nachzulassen.
   „Die Solidarität mit den Armen muss als ein wesentliches Element des christlichen Lebens gesehen werden … Das apostolische Ideal einer „Kirche der Armen und für die Armen“ kam in den ersten christlichen Gemeinden eures Landes deutlich zum Ausdruck. Ich bete, dass dieses Ideal den Pilgerweg der Kirche in Korea in ihrem Blick auf die Zukunft weiterhin prägen möge.“
   Seine Rede an die Bischöfe stellte der Papst unter zwei Generalaspekte: die Hirten sollen zugleich Hüter des Gedächtnisses und Hüter der Hoffnung sein. Das meint, die große geistliche Vergangenheit der Kirche in Korea ist ein tragfähiges Fundament für die Gegenwart und die Zukunft ihres Dienstes. Die Kirche genieße im Land hohes Ansehen, sagte Franziskus. Von einem Missionsland sei Korea zu einem Land der Missionare geworden. „Hüter des Gedächtnisses“ zu sein, sei aber auch eine Verpflichtung. Die Erinnerung an die koreanischen Märtyrer dürfe keine „triumphalistische“ sein. Eben deshalb gelte es, „Hüter der Hoffnung“ zu sein, so der Papst an die Bischöfe: Hoffnung, die aus dem Evangelium hervorgeht.
   „Diese Hoffnung einer Welt zu verkünden, die bei all ihrem materiellen Wohlstand etwas sucht, das mehr ist, etwas Größeres, etwas Echtes und Erfüllende: Das ist unsere Herausforderung.“  Rv140814gs

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VI. Asiatischer Jugendtag: Die Bedeutung des Heiligtum Solmoe

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   Solmoe, übersetzt „kleiner Pinienhügel“, ist der Geburtsort des Heiligen und Märtyrers Andreas Kim Taegon, des ersten römisch-katholischen Priesters Koreas. Hier hat am 13. August die Eröffnungsmesse des VI. Asiatischen Jugendtages stattgefunden und am Freitagabend bzw. Freitagmorgen mitteleuropäischer Zeit trifft der Papst dort junge Leute, die zum Jugendtag aus insgesamt 23 asiatischen Ländern angereist sind.
   Die Heimstatt des Märtyrers Andreas Kim Taegon, Solmoe, wurde 1996 wiedererrichtet und ist seitdem ein Heiligtum – die katholische Gemeinde Daejon hatte damals entschieden, den Priester anlässlich des 150-Jahr- Jubiläums seines Martyriums auf diese Weise zu ehren. Kim Taegon, der Patron der koreanischen Geistlichen, wurde als Sohn koreanischer Konvertiten geboren und mit 16 Jahren getauft. Den Katholizismus studierte er im Ausland - und zwar im Priesterseminar von Macao an der Südküste Chinas. 1845 kehrte er dann, wenige Monate nach seiner Priesterweihe in Shanghai, als Missionar in seine Heimat Korea zurück.
   In der Tat ist eine Besonderheit in der Geschichte des koreanischen Christentums, dass es ursprünglich nicht über ausländische Missionare ins Land kam, sondern sich zuallererst über Einheimische ausbreitete: Sie waren in China in Kontakt mit dieser Religion gekommen und trugen christliches und westliches Gedankengut wieder zurück in ihre Heimat. Das koreanische Königshaus stand zudem bereits im 14. Jahrhundert in regem Austausch mit mongolischen Christen, und jüngere Forschungen gehen davon aus, dass die Frau des koreanischen Königs Chungseon (1308–1313) Christin gewesen sein könnte.
   Als später zunehmend Missionare ins Land kamen, konnte Korea also schon auf eine – zwar nicht starke, aber doch beständige – christliche Präsenz zurückblicken. Als Andreas Kim Taegon im Land wirkte, hatte sich die Lage für Christen stark verschlechtert - nur ein Jahr nach seiner Rückkehr in die Heimat ließ ihn der Joseon-König Cheoljong zusammen mit anderen Christen grausam hinrichten. Kim Taegon starb im Jahr 1846 mit nur 25 Jahren. Selig gesprochen wurde der Märtyrer im Jahr 1925, heiliggesprochen 1984 von Papst Johannes Paul II. - zusammen mit 102 weiteren koreanischen Märtyrern. Rv140814pr

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Asien, Versöhnung, Jugend: Die Themen der Papstreise nach Korea

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   Der erste Besuchstag des Papstes in Südkorea war davon geprägt, dass Franziskus vor allem mit Vertretern von Politik und Kirche sprach. Nach dem Besuch bei Staatspräsidentin Park Geun-hye fand das Treffen mit den Vertretern von Staat und Gesellschaft statt und danach sprach der Papst mit den Bischöfen des Landes. Damit begann die erste Papstreise in den Fernen Osten seit zwanzig Jahren. Pater Bernd Hagenkord von Radio Vatikan gibt eine Einschätzung, wie der Besuch zu bewerten ist:
   „Alle Verantwortlichen, hier in Korea wie auch in Rom, betonen zuerst einmal dass der Papst nicht nur Korea, sondern ganz Asien besucht. Das geschieht vor allem beim Asiatischen Jugendtag, der an diesem Mittwoch begonnen hat, den der Papst besuchen wird und für den er die Abschlussmesse feiern wird. Diesen Jugendtag dürfen wir uns nicht wie einen der Weltjugendtage vorstellen, er ist viel, viel kleiner, aber es treffen sich eben junge Menschen eines christlich gesehen jungen und kleinen Kontinents, wenn man das etwa mit Lateinamerika oder Europa vergleicht.
   Aber auch wenn der Anlass der Jugendtag ist, Korea als Land und als Gesellschaft wird diese Reise sicherlich prägen. Es ist eine Pastoralreise, die Bischofskonferenz hat in einer Pressemeldung Wert darauf gelegt, dass der erste Termin des Papstes das Treffen mit den Bischöfen sei, der Besuch bei der Präsidentin Park Geun-hye sei ein ‚Höflichkeitsbesuch‘ gewesen. Und für einen Pastoralbesuch gibt es einiges an Themen, allem voran die Frage nach den Spaltungen und Konflikten, denen mit Nordkorea und denen innerhalb der Gesellschaft. Darüber werden wir im Zuge der Berichterstattung sicherlich noch ausführlich zurückkommen.“
Der Gastgeber ist die katholische Kirche Südkoreas, was für eine Gemeinschaft besucht er dort?
   „Der Vatikan nennt es eine ‚junge und dynamische Kirche‘, die Kirche ist klein, etwas über 10 Prozent der Bevölkerung, aber sie wächst. In den letzten zwanzig Jahren hat sie sich verdoppelt. Das ist das eine.
   Das zweite ist die Geschichte, denn die Kirche ist sozusagen eine Selbstgründung, sie ist nicht durch die Ankunft von Missionaren entstanden, sondern durch das Interesse von Koreanern. Die Kirche hat hier Jahrzehnte lang, seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, ohne Priester und das heißt ohne Strukturen grausame Verfolgungen überstanden. Das wird der Papst durch die Seligsprechungen würdigen.
   Und drittens - und damit sind wir wieder bei den inneren Spannungen - ist auch für die Kirche der Konflikt zwischen Norden und Süden und innerhalb des Landes wichtig, die Kirche bezieht Position, sie hat eine sehr positive und in der gesamten Gesellschaft geschätzte Rolle bei der Demokratisierung des Landes gespielt, die die Militärdiktatur seit den 80er Jahren abgelöst hat.
Das sind in etwa die Koordinaten der Kirche, die der Papst hier besuchen wird.
   Vielleicht noch ein Wort zu Nordkorea: Kirchlich gesehen ist Korea immer noch ein Land, der Norden hat drei katholische Bistümer, die aber alle vakant sind und vom Erzbischof von Seoul formell verwaltet werden. Eine Beziehung zu Deutschland gibt es auch: Ein Bistum wurde von der Territorialabtei Tokown verwaltet, einer Gründung der Missionsbenediktiner von Benediktbeuern.“
   Der Katholizismus ist nicht die Mehrheitsreligion, aber Christen gibt es viele im Land, etwa ein Drittel der Bevölkerung. Spielt das eine große Rolle im Land?
   „Wenn man vom Flughafen in die Stadt fährt - immerhin 10 Millionen Einwohner in Seoul selber, dazu noch mal der Großraum drum herum, der zweitgrößte Ballungsraum der Welt nach Tokio/Yokohama - dann fallen die vielen kleinen Kirchen ins Auge. Meistens sind es relativ kleine Gebäude, aber immer mit Kirchturm und oben drauf auch immer ein Kreuz, das auch nachts per Neon sichtbar ist. Religion ist also schon im Stadtbild recht präsent. Das Christentum versteckt sich nicht.
   Dann haben aber die protestantischen Kirchen und die katholische Kirche recht verschiedene Geschichten, und während der Katholizismus wie gesagt stark wächst, nehmen die protestantischen Kirchen eher ab. 'Das Christentum' gibt es also so gar nicht, da muss man differenzierter betrachten. Der Papst kommt aber in eine Land, in dem der christliche Glaube fest verwurzelt ist, aber nicht dominant.“
   Die Reise hat wie immer eine ganz Reihe von Elementen und Terminen für den Papst, was aber sind die wirklich wichtigen Themen und Elemente?

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   „An diesem Donnerstag ist es sicherlich der erste Eindruck, der zählt. Die Koreaner haben den Papst noch nicht in einer großen Veranstaltung getroffen, da kommt es auf die Bilder im Fernsehen an.
   Freitag ist auf der einen Seite der Nationalfeiertag Koreas, der Unabhängigkeitstag, aber auf der anderen Seite auch Maria Himmelfahrt. Das wird der Papst in Daejeon feiern, die erste große Begegnung mit den Menschen hier. Ganz wichtig ist auch die Begegnung mit den Angehörigen der Opfer des Fährunglücks vom April dieses Jahres, aus dem Westen ist schwer einzuschätzen, was für tiefe Wunden diese Tragödie gerissen hat. Erwähnen möchte ich noch die Versöhnungsmesse am Montag: Versöhnung ist ja eines der wichtigsten Themen des Papstes und etwas, was dieses Land nötig hat. Und es ist etwas, was diesen Besuch auch mit der letzten Reise, der ins Heilige Land, verbindet, aber das nur als Nebenbemerkung.
   Es ist also ein inhaltlich volles Programm, auch wenn es weniger Programmpunkte gibt als zuletzt im Heiligen Land. Aber das kann der Papstreise ja auch sehr gut tun.“ Rv140814ord

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Koreanischer Weihbischof: Hohe Erwartungen an Franziskus

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   Was erwarten sich Gesellschaft und Kirche in Korea vom Besuch von Papst Franziskus? Pater Bernd Hagenkord hat diese Fragen einem der Weihbischöfe von Seoul gestellt.
   Wie die katholische Kirche bei der Demokratisierung Koreas während der letzten dreißig Jahre eine sehr wichtige Rolle gespielt hat, so muss sie heute ihre Rolle in der Überwindung der inneren Spaltungen des Landes finden. Dabei könne der Papstbesuch wichtige Impulse setzen. Das erhofft sich Timotheus Yu Gyoung-chon, Weihbischof des Erzbistums Seoul. Der Gesellschaft Koreas gebe der Besuch Gelegenheit, Kirche und Glauben kennen zu lernen. Gerade dieser Papst bringe Dinge mit, welche die Gesellschaft brauche.
   „Die Medien sprechen vom Franziskus-Effekt und -Syndrom. Viele Leute, die nichts mit dem Glauben zu tun haben, haben hohe Erwartungen an den Papst und den Papstbesuch. Und warum? Weil bekannt ist, wie sehr er versucht, einfach, demütig und in Armut zu leben. Das ist für unsere Gesellschaft eine gute Botschaft, denn wir haben viele gesellschaftliche Konflikte, zwischen Reichen und Armen, ideologisch zwischen links und rechts oder Konservativen und Progressiven und so weiter. Dort gibt es viele tiefe Konflikte.
   Die Versöhnung innerhalb unserer Gesellschaft ist die vorrangige Sache, ohne diese Versöhnung kann man auch keine Versöhnung zwischen Norden und Süden erwarten.“
   Die Kirche wird im Land positiv wahrgenommen, erläutert Weihbischof Timotheus Yu, das sei ein Auftrag für die Zukunft.
   „In den vergangenen dreißig Jahren hat die Katholische Kirche in Korea in der Demokratisierung der Gesellschaft eine sehr aktive Rolle gespielt. Die Menschen auch außerhalb der Kirche wissen, wie gut die Rolle ist, die die Kirche gespielt hat. Diese Rolle bei der Verbesserung der Gesellschaft erwartet man auch für die Zukunft.“
   Die Konflikte heute seien nicht so schlimm wie damals, zu den Zeiten der Militärdiktatur, sagt der Weihbischof, sie seien auch anders gelagert, die Herausforderungen seien Neue.
   „Welche Rolle genau die Kirche spielen kann, das ist genau die Frage. Und gerade da gibt der Papstbesuch einen Impuls, oder einen neuen Geist.“ Rv140814ord

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Die Papst-Ansprache an Asiens Jugend in Solmoe

  Die Ansprache von Papst Franziskus bei der Begegnung mit asiatischen Jugendlichen in Solmoe beim Heiligtum der koreanischen Märtyrer am 15. August 2014. Im ersten Teil entspricht sie im wesentlichen der offiziellen Fassung. Der zweite Teil besteht in einer Arbeitsübersetzung der Antworten, die der Papst spontan auf die Fragen einiger Jugendlichen gab.

I.Liebe junge Freunde,
   „Es ist gut, dass wir hier sind!“ (Mt 17,4). Auch für mich. Diese Worte sprach der heilige Petrus auf dem Berg Tabor, als er vor dem in Herrlichkeit verklärten Jesus stand. Wahrlich, es ist gut, dass wir hier sind, gemeinsam in diesem Heiligtum der koreanischen Märtyrer, in denen die Herrlichkeit des Herrn zu Beginn des Lebens der Kirche in diesem Land offenbart wurde. In dieser großen Versammlung, die junge Christen aus ganz Asien zusammenführt, können wir die Herrlichkeit Jesu gleichsam greifen – die Herrlichkeit Jesu, der gegenwärtig ist in unserer Mitte, gegenwärtig ist in seiner Kirche, die alle Nationen, Sprachen und Völker umfasst, gegenwärtig ist in der Kraft seines Heiligen Geistes, der alles neu, jung und lebendig macht!
   Ich danke euch für euren wirklich sehr herzlichen Empfang und für das Geschenk eurer Begeisterung, für eure freudigen Gesänge, eure Glaubenszeugnisse und eure schönen Darbietungen der Vielfalt und des Reichtums eurer unterschiedlichen Kulturen. In besonderer Weise sage ich den drei jungen Freunden (er nennt die Namen der Fragenstellenden) Dank, die mich an euren Hoffnungen, euren Problemen und euren Sorgen haben teilhaben lassen. Ich habe ihnen aufmerksam zugehört und werde sie im Gedächtnis behalten. Ich danke Bischof Lazzaro You Heung-sik für seine einführenden Worte und begrüße euch alle von Herzen.
   Heute Nachmittag möchte ich mit euch über einen Teil des Themas vom Sechsten Asiatischen Jugendtag nachdenken: „Die Herrlichkeit der Märtyrer erstrahlt über euch.“ Genauso wie der Herr seine Herrlichkeit im heroischen Zeugnis der Märtyrer weiterleuchten ließ, möchte er seine Herrlichkeit auch in eurem Leben und durch euch aufscheinen lassen, um das Leben dieses weiten Kontinents hell zu machen. Heute klopft Christus an die Tür eures Herzens. Er fordert euch auf, euch zu erheben, ganz wach und aufmerksam zu sein und die Dinge im Leben zu sehen, die wirklich von Bedeutung sind. Mehr noch: Er bittet euch, hinauszugehen auf die Straßen und Gassen dieser Welt und an die Türen der Herzen anderer zu klopfen mit der Einladung, ihn in ihrem Leben willkommen zu heißen.
„Beunruhigt über Kluft zwischen reich und arm“
   Dieses große Treffen junger Asiaten ermöglicht uns ebenfalls, etwas von dem zu sehen, was die Kirche selbst in Gottes ewigem Plan sein soll. Gemeinsam mit jungen Menschen von überall her möchtet ihr dazu beitragen, eine Welt aufzubauen, wo wir alle in Frieden und Freundschaft zusammenleben, indem wir Barrieren überwinden, Zerwürfnisse heilen sowie Gewalt und Vorurteile zurückweisen. Und genau das ist es, was Gott uns wünscht, nur für uns. Die Kirche soll ein Same der Einheit für die gesamte Menschheitsfamilie sein. In Christus sind alle Nationen und Völker in eine Einheit gerufen, welche die Vielfalt nicht zerstört, sondern sie anerkennt, versöhnt und bereichert.
   Wie weit entfernt erscheint der Geist der Welt von dieser wunderbaren Vorstellung und diesem großartigen Plan! Wie oft scheint der Same der Güte und Hoffnung, den wir zu säen versuchen, erstickt zu werden vom Unkraut des Egoismus, der Feindseligkeit und der Ungerechtigkeit nicht nur in unserer Umgebung, sondern auch in unserem eigenen Herzen! Wir sind beunruhigt durch die wachsende Kluft zwischen reich und arm in unseren Gesellschaften. Wir sehen Zeichen einer Vergötterung von Besitz, Macht und Vergnügen, was Menschen großen Schaden zufügt. In unserer näheren Umgebung gibt es so viele unserer eigenen Freunde und Altersgenossen, die sogar inmitten von immensem materiellen Reichtum unter geistlicher Armut, Einsamkeit und stiller Hoffnungslosigkeit leiden. Gott scheint von der Bildfläche verschwunden zu sein. Es ist beinahe, als beginne eine geistige Wüste, sich über unsere ganze Welt auszubreiten. Es wirkt sich auch auf die jungen Menschen aus, indem es ihnen ihre Hoffnung nimmt und in allzu vielen Fällen sogar ihr Leben selbst.
   Doch das ist die Welt, in die ihr hinausgehen und Zeugnis bringen sollt für das Evangelium der Hoffnung, für das Evangelium Jesu Christi und die Verheißung seines Reiches. In den Gleichnissen sagt Jesus uns, dass das Reich friedlich in die Welt kommt, indem es still, aber sicher wächst, wo immer es von Herzen empfangen wird, die für seine Botschaft der Hoffnung und des Heils offen sind. Das Evangelium lehrt uns, dass der Geist Jesu jedem menschlichen Herzen neues Leben bringen und jede Situation – sogar die scheinbar hoffnungsloseste – verwandeln kann. Das ist die Botschaft, die ihr mit euren Altersgenossen teilen sollt: in der Schule, am Arbeitsplatz, in euren Familien, euren Universitäten und euren Gemeinden. Weil Jesus vom Tod erstanden ist, wissen wir, dass er „Worte des ewigen Lebens“ hat (Joh 6,68), dass sein Wort die Macht hat, jedes Herz zu berühren, Böses mit Gutem zu überwinden und die Welt zu verändern und zu erlösen.

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II. Liebe junge Freunde, in dieser Generation zählt der Herr auf euch, er zählt auf euch! Er kam in euer Herz am Tag eurer Taufe, schenkte euch seinen Geist am Tag eurer Firmung und stärkt euch ständig durch seine Gegenwart in der Eucharistie, so dass ihr seine Zeugen sein könnt vor der Welt. Seid ihr bereit, ihm euer „Ja“ zu sagen? Seid ihr bereit? Danke. Sicher? Man müsste mit dem Herzen sprechen, spontan. Aber ich habe Schwierigkeiten, ich kann nicht gut Englisch. Ja, ja – aber wenn ihr das wünscht, dann kann ich spontan einige Sachen sagen. Soll ich weitermachen? Aber ich werde auf Italienisch sprechen. Können Sie übersetzen? Danke.
Italienisch: Ich habe sehr stark mitgefühlt, was Marina gesagt hat. Ihr Konflikt in ihrem Leben – wie soll sie in ihrem religiösen Leben weitermachen (soll sie Ordensfrau werden oder im Laienstand bleiben, Anm.d.Übs.)? Welche Straße soll sie wählen? Es ist ein offensichtlicher Konflikt. Was soll Marina machen oder andere, die sich dieselbe Frage stellen? Auch ich habe mir selbst diese Frage gestellt. Welche Straße soll ich nehmen? Aber du brauchst dir diese Frage gar nicht zu stellen! Das muss der Herr für dich entscheiden. Es ist das Gebet, dass die Jugendlichen beten sollten: Herr, was willst du für mich? Mit dem Gebet können die Jugendlichen, Laien, Bischöfe, Schwestern, Familien, auch der Papst selbst einen Rat erfragen.
Beten wir:
                   „Herr, was willst du im Leben für mich?“
                                                     „Herr, was willst du im Leben für mich?“
                                                                                        „Herr, was willst du im Leben für mich?“

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„Ich werde mich um Heiligsprechungen kümmern“
   Ich bin sicher, dass der Herr euch zuhören wird. Auch dir, Marina, und auch all den anderen. Entschuldigung, denn die Frage hatte May und nicht Marina gestellt.
   May hat auch von anderen Themen gesprochen: von den Heiligen, den Zeugen. Sie erzählte von Trauer und von Nostalgie in ihrem Land (Kambodscha, Anm.d.Übs; die Fragestellerin hatte den Papst gebeten, den unter Pol Pot Verfolgten und Getöteten, unter ihnen viele Katholiken, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen). Es gibt viele Heilige dort, aber die Kirche hat viele von ihnen noch nicht anerkannt – noch nicht selig- und noch nicht heiliggesprochen. Und ich danke dir für diese Frage, denn wenn ich nach Hause komme, werde ich mich darum kümmern! Es gib einen Beauftragten namens Angelo – ein schöner Name –, und wir werden uns darum kümmern, eine Anfrage für die Heiligsprechungen zu starten! (Verantwortlicher der Heiligenkongregation ist Kardinal Angelo Amato, Anm.d.Übs.)
Soll ich aufhören? Noch ein wenig weitermachen? Na gut.
„Gibt es etwa zwei Koreas?“ Beten für die Einheit
   Kommen wir nun zu Marina. Sie hat Fragen zum Glücklichsein gestellt. Man kann das Gefühl des Glücklichseins nicht kaufen. Und vor allem das Glück der Liebe, diese Art von Glücklichsein, die andauernd ist. Die Straße der Liebe ist jedoch einfach: Liebe Gott und liebe deinen Bruder, liebe deinen Nächsten, liebe denjenigen, der es braucht. Wenn du deinen Nächsten liebst, wenn du keinen Hass in deinem Herzen trägst, dann liebst du auch den Herrn, da bin ich sicher!
   Es war auch eine schmerzvolle Frage dabei, aber danke für die Frage! Die zwei Koreas, die getrennten, die schmerzhafte Trennung von zwei Teilen. Gibt es denn zwei Koreas? Aber nein, es gibt nur eines. Aber die Familie ist gespalten, und darum gibt es Schmerz. Ich werde euch zwei Sachen sagen. Zuerst einen Rat, und dann eine Hoffnung. Zuerst: Ich rate dir zu beten. Beten für unsere Brüder im Norden. Wir sind eine Familie, Herr. Hilf uns, uns zu vereinen! Du kannst dies tun! Wir sind eine Familie von Brüdern, und jetzt lade ich euch ein nach der Übersetzung gemeinsam mit mir für die Einheit von Korea zu beten.
Ruhe, wir beten nun. (Alle beten im Stillen für eine Vereinigung von Nord und Südkorea)
   Und jetzt die Hoffnung: Was ist die Hoffnung? Es gibt viel Hoffnung, aber eine besonders schöne. Ihr sprecht dieselbe Sprache in Nord- und Südkorea, ihr seid eine Familie. Als Josefs Brüder nach Ägypten gefahren sind, um dort Essen zu kaufen, haben sie ihren Bruder dort gefunden. Und warum? Weil sie dieselbe Sprache gesprochen haben. Ihr sprecht auch dieselbe Sprache, und wenn man dieselbe Sprache spricht, dann gibt es eine Hoffnung für die Menschen!
„Das Fest für die Sünder fällt noch größer aus“
   Hier haben wir einen schönen Sketch gesehen, das Gleichnis des verlorenen Sohnes. Der eine Sohn, der gegangen ist, der das Geld ausgegeben hatte, der seinen Vater und die Familie betrogen hatte. Er ist demütig zurückgekehrt, nachdem er alles verloren hatte. Doch wie sollte er um Vergebung bitten? Das Evangelium sagt, dass der Vater ihn schon von weitem kommen sah. Und warum? Weil er ihn jeden Tag suchte und jeden Tag von der Terrasse blickte. Er hat ihn nicht ausreden lassen, der Sohn konnte nicht mal um Vergebung bitten, weil der Vater so glücklich über seine Rückkehr war. Er hat ein Fest für ihn gegeben! Auch wenn er ein Sünder ist, so wird das Fest groß ausfallen! Denn das Fest ist umso größer, wenn ein Sünder nach Hause kehrt.
   Niemand weiß, was uns im Leben noch erwartet. Wir sind dazu fähig, schreckliche und hässliche Dinge zu tun. Aber zurückkehren, zurückkehren ist das Wort. Zurück nach Hause gehen, zurück zum Vater, denn das Fest wird für die Sünder noch größer ausfallen. Das macht mich glücklich, denn Gott wird nie müde zu vergeben oder zu warten.
Betet viel in eurem Leben und arbeitet, arbeitet für die anderen, für die Armen.
 (Englisch:)
Nun ist es Zeit für mich, zu gehen. Ich freue mich darauf, euch in diesen Tagen zu sehen und wieder zu euch zu sprechen, wenn wir uns am Sonntag zur heiligen Messe versammeln. Für jetzt lasst uns dem Herrn danken für den Segen dieser gemeinsamen Zeit und ihn bitten um die Kraft, treue und frohe Zeugen seiner Liebe überall in Asien und in der ganzen Welt zu sein.
   Möge Maria, unsere Mutter, über euch wachen und euch immer in der Nähe Jesu, ihres Sohnes bewahren. Und auch der heilige Johannes Paul II., der die Weltjugendtage eingeführt hat, sei euch vom Himmel aus ein ständiger Begleiter. In großer Liebe erteile ich euch meinen Segen.
Und bitte, vergesst nicht für mich zu beten! Rv140815no

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 “Are you tired?”
   Es hätte ganz leicht abgleiten können. Oder anders formuliert: Wenn es nicht Papst Franziskus gewesen wäre, wäre das Treffen mit den Jugendlichen Gefahr gelaufen, irgendwie billig auszusehen. Sich seiner Umgebung immer genau bewusst, voll da und souverän die Situation meisternd hat er seine Rede gehalten, in einem guten Englisch.
   Und dann geht er ins Italienische. Er fragt die Jugendlichen, bittet um Nachsicht, winkt seine Übersetzerin von der Bühne, um einem Übersetzer aus dem Italienischen Platz zu machen, und dann wird geredet, mit Händen und Augen und ganzem Körper, wie wir es von ihm kennen.
   Es wird auch gebetet, dreimal wiederholt. Er geht auf die Fragen der drei Jugendlichen genau ein, die ihm vorher gestellt waren, er verwechselt einen Namen, merkt es und korrigiert sich, nicht ohne auch hier um Nachsicht zu bitten.
 “Are you tired? Should I stop? Or may I go on?”
   Alles nichts Besonderes, sollte man meinen, aber wenn man bedenkt, wie streng die Organisation einer Reise ist und auch sein muss und wie schwer es ist, sich in einer fremden Kultur zu bewegen, dann war das heute ganz großes Kino.
  Die Jugendlichen haben den Papst echt und authentisch erlebt. Kritische Stimmen wird es wieder geben, natürlich. Aber sie werden bei niemandem, der dabei war oder das auch nur mitverfolgt hat, Gehör finden.
   Das Geheimnis: Der Papst packt und lässt gleichzeitig frei. Er überwältigt nicht, er umwirbt und bittet und kommuniziert, nicht in Phrasen sondern mit echten Sätzen. Und wenn die Sprache nicht reicht, dann muss halt ein neuer Übersetzer ran. Das lässt jedem und jeder die Freiheit, sich dazu zu verhalten.
   Und genau so geht man mit Jugendlichen um. Bei uns in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird man nicht viel davon mitbekommen, jedenfalls nicht über die regulären Medien. Aber für mich war dieses Treffen mal wieder einer der vielen Höhepunkte dieses Pontifikates.  PaterBerndHakenkordSJ

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Papst an Asiens Jugend: Seid Motor gesellschaftlicher Veränderung

  Papst Franziskus hat junge Christen in Asien dazu ermutigt, sich zum Motor gesellschaftlicher Veränderung zu machen. Zur Abschlussmesse des VI. Asiatischen Jugendtreffens waren am Sonntag junge Katholiken aus 22 asiatischen Ländern zur Festung Haemi gekommen.
   Trotz des regnerischen Wetters vor Beginn des Gottesdienstes waren die Rasenflächen des Burginnenhofes gefüllt mit jungen Leuten; insgesamt 6.000 Jugendliche waren seit Mittwoch zu Gast beim Jugendtreffen. Jugendliche aus verschiedenen Ländern sorgten mit Gesang und Lesungen in verschiedenen asiatischen Sprachen für ein abwechslungsreiches Programm. Papst Franziskus wandte sich in seiner Predigt auf Englisch an die jungen Leute:
   „Der asiatische Kontinent, durchtränkt mit reichen philosophischen und religiösen Traditionen, bleibt ein großes Grenzland für euer Zeugnis für Christus, den ,Weg, die Wahrheit und das Leben‘ Joh 14,6. Als junge Menschen nicht nur in Asien, sondern auch als Söhne und Töchter von diesem großen Kontinent habt ihr ein Recht und eine Pflicht, voll am Leben eurer Gesellschaften teilzunehmen. Habt keine Angst, die Weisheit des Glaubens in alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens einzubringen!“
   Das Christentum habe die Kraft, das Erbe der Kulturen Asiens zu „läutern, zu erheben und zu vervollkommnen“, formulierte der Papst. Es biete das notwendige Unterscheidungsvermögen an, um Gesellschaft gut zu gestalten.
   „Durch die Gegenwart des Heiligen Geistes, der euch in der Taufe geschenkt und in der Firmung als Siegel aufgeprägt wurde, und in Einheit mit euren Hirten könnt ihr die vielen positiven Werte der verschiedenen asiatischen Kulturen anerkennen. Ihr seid auch imstande zu unterscheiden, was mit eurem katholischen Glauben unvereinbar ist, was zum in der Taufe geschenkten Leben der Gnade im Gegensatz steht und welche Aspekte der heutigen Kultur sündhaft, korrupt sind und zum Tod führen.“
   Franziskus forderte die jungen Leute dazu auf, ihren „Optimismus“, ihre „Energie“ und ihren „guten Willen“ in den Dienst der Kirche zu stellen – ob in der Arbeit, im Studium, im Eheleben oder als Ordensvertreter und Priester:
   „Lasst Christus euren natürlichen Optimismus in christliche Hoffnung verwandeln, eure Energie in moralische Tugend, euren guten Willen in echte selbstlose Liebe! Das ist der Weg, den zu gehen ihr berufen seid. Das ist der Weg, um alles zu überwinden, was in eurem Leben und in eurer Kultur Hoffnung, Tugend und Liebe bedroht. Auf diese Weise wird eure Jugend ein Geschenk für Jesus und für die Welt sein.“
   Die Jugend könne hier auch einen Beitrag dazu leisten, gemeinsam mit Bischöfen und Priestern eine „heiligere, missionarischere und demütige Kirche aufzubauen“, fuhr der Papst fort – eine Kirche, die im Dienst an den „Armen“, „Einsamen“, „Kranken“ und „an den Rand Gedrängten“ stehen müsse, betonte er.
   „Es ist der Ruf so vieler Menschen in unseren anonymen Städten, der Ruf so vieler eurer eigenen Altersgenossen und der Ruf all jener Märtyrer, die auch heute für den Namen Jesu Verfolgung und Tod erleiden: ,Jesus, hilf mir!‘ Oft ist es ein Ruf, der auch aus unserem eigenen Herzen aufsteigt: ,Herr, hilf mir!‘ Lasst uns antworten, nicht wie die, welche Menschen, die uns um etwas bitten, wegstoßen, als hindere unser Dienst an den Notleidenden uns daran, dem Herrn nahe zu sein. Nein! Wir müssen wie Christus sein, der auf jede Bitte um seine Hilfe mit Liebe, Barmherzigkeit und Mitleid antwortet.“
   Vor Abstumpfung warnte der Papst auch mit Blick auf die Empfänglichkeit für die Botschaft Jesu: Es brauche ständige Wachsamkeit, damit Christen nicht blind würden für die „Schönheit der Heiligkeit“ und die „Freude des Evangeliums“: „Wacht auf, wacht auf“, wiederholte der Papst hier eindringlich.
   In der Festung Haemi waren im 19. Jahrhundert tausende Christen interniert und hingerichtet worden. An diesem Ort ging der Papst noch einmal auf die christlichen Märtyrer ein, auf die sich das Motto des Asiatischen Jugendtages u.a. bezieht. 124 koreanische Glaubenszeugen hatte der Papst am Samstag selig gesprochen:
   „Die Märtyrer von Korea – und unzählige andere in ganz Asien – übergaben ihren Leib ihren Verfolgern; uns haben sie ein ewiges Zeugnis übergeben, dass das Licht der Wahrheit Christi alle Finsternis vertreibt und die Liebe Christi glorreich triumphiert. Mit der Gewissheit seines Sieges über den Tod und unserer Teilhabe daran können wir der Herausforderung des christlichen Jüngerseins heute begegnen, unter unseren Gegebenheiten und in unserer Zeit.“

Nächster Asiatischer Jugendtag in Indonesien
   Am Ende der Messe kündigte der indische Kardinal und Vorsitzende der Föderation Asiatischer Bischofskonferenzen Oswald Gracias an, dass Indonesien 2017 Austragungsort für den VII. Asiatischen Jugendtag wird. Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit. Von seinen rund 253 Millionen Einwohnern gehören gut 87 Prozent dem Islam an. Katholiken stellen nach vatikanischen Angaben eine Minderheit von 3 Prozent. Rv140817pr

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Papst tauft Koreaner auf den Namen Franziskus

   Papst Franziskus hat in Südkorea den 56-jährigen Lee Ho-jin getauft, dessen Sohn im April beim Untergang der Fähre „Sewol“ mit mehr als 300 weiteren Menschen ums Leben gekommen war. Die Taufe fand nach vatikanischen Angaben in einem „sehr persönlichen Rahmen“ am Sonntagmorgen in der Kapelle der Vatikanbotschaft in Seoul statt. Lee hatte sich bereits vor dem Tod seines Kindes auf den Eintritt in die katholische Kirche vorbereitet.
   Der Vater war am Freitag in der Stadt Daejeon gemeinsam mit anderen Opfern des Schiffsunglücks vom 16. April mit Franziskus zusammengetroffen. Dabei bat er den Papst um die Taufe. Dieser sagte spontan zu. Als Taufnamen wählte Lee „Franziskus“.
   Lee hatte nach dem Ertrinken seines Sohnes eine 900 Kilometer weite Fußwallfahrt von seinem Heimatort zum Hafen von Incheon unternommen, wo die letzte Fahrt der Unglücksfähre begonnen hatte.
   Wie Vatikansprecher Federico Lombardi erklärte, wurde der Taufgottesdienst in koreanischer Sprache vom Dolmetscher des Papstes geleitet, Jesuitenpater John Chong Che-chon; der Papst taufte und salbte Lee persönlich. Begleitet war Lee unter anderem von einem weiteren Sohn und einer Tochter.
   Nach dem Untergang der „Sewol“ vor der Südwestküste Koreas am 16.April wurden 294 Menschen tot geborgen; zehn weitere gelten als vermisst. An Bord waren vor allem Jugendliche,die auf dem Weg zu einer Ferieninsel waren.  rv140817kna

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Die Predigt zum Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel

   Die Predigt des Papstes in der Heiligen Messe zum Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel, gehalten im südkoreanischen Daejeon im Fußballstadion „World Cup Stadion“ am 15. August 2014. Es handelt sich um eine offizielle deutsche Übersetzung.

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Liebe Brüder und Schwestern in Christus,
   in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche feiern wir die Aufnahme der Gottesmutter mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels. Die Himmelfahrt Marias zeigt uns unsere eigene Bestimmung als Adoptivkinder Gottes und Glieder des Leibes Christi. Wie Maria, unsere Mutter, sind wir berufen, vollkommen an dem Sieg des Herrn über Sünde und Tod teilzuhaben und mit ihm in seinem ewigen Königreich zu herrschen.
   Das „große Zeichen“, das uns in der heutigen ersten Lesung vor Augen geführt wird – eine Frau, mit der Sonne bekleidet und mit Sternen gekrönt vgl. Offb 12,1 – lädt uns ein, Maria zu betrachten, wie sie in Herrlichkeit neben ihrem göttlichen Sohn thront. Es lädt uns auch ein, die Zukunft zu erkennen, die der auferstandene Herr gerade jetzt vor uns auftut. Die Koreaner feiern dieses Fest traditionell im Licht ihrer historischen Erfahrung, indem sie in der Geschichte ihrer Nation und im Leben ihres Volkes die liebevolle Fürsprache der Jungfrau Maria sehen.
   In der zweiten Lesung von heute hörten wir, wie der heilige Paulus uns sagt, dass Christus der neue Adam ist, dessen Gehorsam gegenüber dem Willen des Vaters das Reich der Sünde und der Knechtschaft umgestürzt und das Reich des Lebens und der Freiheit errichtet hat vgl. 1 Kor 15,24-25. Wahre Freiheit finden wir, wenn wir den Willen des Vaters liebevoll annehmen. Von Maria, die von Gnade erfüllt ist, lernen wir, dass christliche Freiheit mehr ist als die Befreiung von der Sünde. Es ist die Freiheit zu einer neuen, geistlichen Weise, die irdischen Wirklichkeiten zu sehen. Es ist die Freiheit, Gott und unsere Brüder und Schwestern mit reinem Herzen zu lieben und ein Leben in freudiger Hoffnung auf das Kommen des Reiches Christi zu leben.
   Heute wenden wir uns bei der Verehrung Marias, der Himmelskönigin, an sie auch als Mutter der Kirche in Korea. Wir bitten sie uns zu helfen, der königlichen Freiheit, die wir am Tag unserer Taufe empfingen, treu zu sein, unsere Bemühungen zu leiten, die Welt im Einklang mit Gottes Plan zu verwandeln, und die Kirche in diesem Land zu befähigen, immer vollkommener Sauerteig seines Reiches inmitten der koreanischen Gesellschaft zu sein. Mögen die Christen dieser Nation eine großherzige Kraft für die geistige Erneuerung in allen Gesellschaftsschichten sein. Mögen sie die Verlockung eines Materialismus, der echte geistige und kulturelle Werte erstickt, und den Geist des uneingeschränkten Wettbewerbs, der Egoismus und Unfrieden erzeugt, bekämpfen. Mögen sie auch unmenschliche Wirtschaftsmodelle, die neue Formen von Armut schaffen und Arbeiter an den Rand drängen, sowie die Kultur des Todes verwerfen, die das Bild Gottes, des Gottes des Lebens, entstellt und die Würde jedes Menschen – ob Mann, Frau oder Kind – verletzt.
   Als koreanische Katholiken, Erben einer edlen Tradition, seid ihr berufen, diese Erbschaft zu pflegen und sie an die kommenden Generationen weiterzugeben. Das erfordert von jedem eine erneute Umkehr zum Wort Gottes und eine leidenschaftliche Sorge für die Armen, die Notleidenden und die Schutzlosen in unserer Gesellschaft.
   In der Feier dieses Festes verbinden wir uns mit der Kirche auf der ganzen Welt im Blick auf Maria als unsere Mutter der Hoffnung. Ihr Lobgesang erinnert uns daran, dass Gott die Verheißungen seines Erbarmens niemals vergisst vgl. Lk 1,54-55. Maria ist diejenige, die Segen empfängt, weil sie „geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“ Lk 1,45. In ihr haben sich alle Verheißungen Gottes als vertrauenswürdig erwiesen. In der Herrlichkeit thronend, zeigt sie uns, dass unsere Hoffnung verlässlich ist; auch jetzt reicht sie als „sicherer und fester Anker der Seele“ Hebr 6,19 dorthin, wo Jesus in der Herrlichkeit wohnt.
   Diese Hoffnung, liebe Brüder und Schwestern, die Hoffnung, die aus dem Evangelium hervorgeht, ist das Gegenmittel gegen den Geist der Hoffnungslosigkeit, der wie ein Krebs zu wuchern scheint in Gesellschaften, die äußerlich wohlhabend sind, aber oft innere Traurigkeit und Leere erfahren. Von wie vielen unserer Jugendlichen hat diese Hoffnungslosigkeit ihren Tribut gefordert! Mögen sie, die jungen Menschen, die uns in diesen Tagen mit ihrer Freude und ihrem Vertrauen umgeben, niemals ihrer Hoffnung beraubt werden!
   Wenden wir uns an die Jungfrau Maria und erflehen wir von ihr die Gnade, uns der Freiheit der Kinder Gottes zu erfreuen, diese Freiheit im Dienst für unsere Brüder und Schwestern sinnvoll zu nutzen und zu leben und zu arbeiten als Träger der Hoffnung, die ihre Erfüllung in jenem ewigen Reich finden wird, wo herrschen bedeutet zu dienen. Amen. Rv140815

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Papst spricht in Seoul 124 Märtyrer selig

   800.000 Menschen nahmen an der Messe zur Seligsprechung von 124 Märtyrern in Seoul teil. Papst Franziskus feierte den Gottesdienst im Zentrum der südkoreanischen Hauptstadt am Samstagmorgen (Ortszeit), als es in Zentraleuropa noch 3 Uhr nachts war. In seiner Predigt forderte Franziskus zu einem vorbehaltlosen Einsatz für eine „gerechtere, freiere und versöhntere Gesellschaft“ auf. Das Vorbild der Märtyrer habe auch den heutigen Menschen „viel zu sagen“, die in Gesellschaften lebten, „wo neben unermesslichem Reichtum schreckliche Armut lautlos“ zunehme und „wo der Schrei der Armen selten Gehör findet“, so der Papst. Es werfe die Frage auf, „wofür wir selbst – wenn überhaupt – zu sterben bereit wären“. Der Papst wörtlich:
   „Der Sieg der Märtyrer, ihr Zeugnis für die Macht der Liebe Gottes, bringt heute weiter Frucht in Korea, in der Kirche, die aus ihrem Opfer Wachstum empfing. Unsere Feier des seligen Paul und seiner Gefährten gibt uns die Gelegenheit, zu den ersten Augenblicken, sozusagen zur Anfangsphase der Kirche in Korea zurückzukehren. Sie lädt euch Katholiken von Korea ein, euch an die großen Dinge zu erinnern, die Gott in diesem Land gewirkt hat, und das Erbe an Glauben und Liebe, das euch von euren Vorfahren anvertraut wurde, in Ehren zu halten.“
   Die heutige Welt lege Christen oft nahe, Kompromisse zu schließen und „die radikalen Forderungen des Evangeliums abzuschwächen und sie dem Zeitgeist anzupassen“, fuhr Franziskus fort. Die Märtyrer hingegen hätten Besitz, Land, Ansehen und Ehre geopfert, weil „Christus allein ihr wahrer Schatz war“. Sie lehrten Christus „an die erste Stelle zu setzen“ und starre Gesellschaftsstrukturen zu hinterfragen.
   „Das heutige Evangelium enthält eine wichtige Botschaft für uns alle. Jesus bittet den Vater, uns in der Wahrheit zu heiligen und uns vor der Welt zu beschützen.“
   Die Seligsprechungsfeier auf dem Gwanghwamun-Platz in Seoul war die bisher größte Veranstaltung während der fünftägigen Südkorea-Reise des Papstes, die noch bis Montag dauert. Mit der Zeremonie billigt Franziskus offiziell die regionale kirchliche Verehrung des Märtyrers Paul Yun Ji-Chung (1759-1791) und seiner 123 Gefährten, die im 18. und 19. Jahrhundert wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Sie gehörten zur ersten Generation von Katholiken in Korea, die ihres Glaubens wegen starben.
Rolle der Laien gewürdigt
   Franziskus würdige zugleich die Rolle der Laien in der katholischen Kirche. Sie seien „die ersten Apostel“ der Kirche in Korea gewesen. Die Geschichte von Paul Yun Ji-Chung und seinen 123 Gefährten „sagt uns viel über die Bedeutung, die Würde und die Schönheit der Berufung der Laien“, so der Papst.
   „Das Beispiel der Märtyrer lehrt uns auch die Bedeutung der Liebe im Glaubensleben. Die Lauterkeit ihres Zeugnisses für Christus, die in der Annahme der gleichen Würde aller Getauften ihren Ausdruck findet, führte sie zu einer Form brüderlichen Lebens, welche die starren Gesellschaftsstrukturen ihrer Zeit hinterfragte. Ihre Weigerung, das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe aufzuspalten, trieb sie zu so großer Sorge für die Bedürfnisse der Brüder. Ihr Beispiel hat uns viel zu sagen, die wir in Gesellschaften leben, wo neben unermesslichem Reichtum schreckliche Armut lautlos zunimmt; wo der Schrei der Armen selten Gehör findet und wo Christus uns immer noch ruft und uns bittet, ihn zu lieben und ihm zu dienen, indem wir uns um unsere notleidenden Brüder und Schwestern kümmern.“
   Das Christentum war nicht durch ausländische Missionare nach Südkorea gebracht worden, sondern durch koreanische Laien, die sich in China hatten taufen lassen. Auch die Märtyrer während der Verfolgungen im 18. und 19. Jahrhundert waren fast ausschließlich Nichtgeistliche.

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Die Papst-Predigt bei der Seligsprechungsmesse in Seoul

   Die Predigt des Papstes in der Messe zur Seligsprechung der koreanischen Märtyrer, gehalten in Seoul, bei der „Pforte von Gwanghwamun“, am 16. August 2014. Es handelt sich um eine offizielle Übersetzung.
   Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Röm 8,35. Mit diesen Worten spricht der heilige Paulus von der Herrlichkeit unseres Glaubens an Jesus: Christus ist nicht nur vom Tod erstanden und in den Himmel aufgefahren, sondern er hat uns mit sich selbst vereint und gibt uns Anteil an seinem ewigen Leben. Christus ist siegreich, und sein Sieg gehört uns!
   Heute feiern wir diesen Sieg in Paul Yun Ji-Chung und seinen 123 Gefährten. Ihre Namen stehen jetzt neben denen der heiligen Märtyrer Andreas Kim Taegon, Paul Chong Hasang und ihrer Gefährten, denen ich eben meine Ehrerbietung erwiesen habe. Sie alle lebten und starben für Christus, und nun herrschen sie mit ihm in Freude und Herrlichkeit. Gemeinsam mit dem heiligen Paulus sagen sie uns, dass Gott uns im Tod und in der Auferstehung seines Sohnes den größten aller Siege verliehen hat. Denn „weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ Röm 8,38-39.
   Der Sieg der Märtyrer, ihr Zeugnis für die Macht der Liebe Gottes, bringt heute weiter Frucht in Korea, in der Kirche, die aus ihrem Opfer Wachstum empfing. Unsere Feier des seligen Paul und seiner Gefährten gibt uns die Gelegenheit, zu den ersten Augenblicken, sozusagen zur Anfangsphase der Kirche in Korea zurückzukehren. Sie lädt euch Katholiken von Korea ein, euch an die großen Dinge zu erinnern, die Gott in diesem Land gewirkt hat, und das Erbe an Glauben und Liebe, das euch von euren Vorfahren anvertraut wurde, in Ehren zu halten.
   In Gottes geheimnisvoller Vorsehung wurde der christliche Glaube nicht durch Missionare an die Küsten Koreas gebracht; er trat vielmehr durch die Herzen und den Geist des koreanischen Volkes selbst ein. Er wurde durch die geistige Neugier, durch die Suche nach religiöser Wahrheit ausgelöst. Durch eine anfängliche Begegnung mit dem Evangelium öffneten die ersten koreanischen Christen ihren Geist für Jesus. Sie wollten mehr erfahren über diesen Christus, der gelitten hat, gestorben ist und vom Tod erstand. Das Lernen über Jesus führte bald zu einer Begegnung mit dem Herrn, zu den ersten Taufen, zur Sehnsucht nach dem vollen sakramentalen und kirchlichen Leben und zu den Anfängen missionarischen Aufbruchs. Es brachte auch Frucht in Gemeinschaften, die sich an der Urkirche orientierten, in der die Gläubigen wirklich ein Herz und eine Seele waren, ohne Rücksicht auf traditionelle soziale Unterschiede, und alles gemeinsam hatten vgl. Apg 4,32.
   Diese Geschichte sagt uns viel über die Bedeutung, die Würde und die Schönheit der Berufung der Laien. Ich begrüße die vielen gläubigen Laien, die hier sind, und besonders die christlichen Familien, die täglich durch ihr Vorbild unserer Jugend den Glauben und die versöhnende Liebe Christi lehren. In besonderer Weise grüße ich auch die vielen anwesenden Priester; durch ihren hingebungsvollen Dienst geben sie das reiche Glaubensgut weiter, das frühere Generationen koreanischer Katholiken gepflegt haben.
   Das heutige Evangelium enthält eine wichtige Botschaft für uns alle. Jesus bittet den Vater, uns in der Wahrheit zu heiligen und uns vor der Welt zu beschützen.
Zu allererst ist bedeutsam, dass Jesus, während er den Vater bittet, uns zu heiligen und zu beschützen, ihn nicht bittet, uns aus der Welt zu nehmen. Wir wissen, dass er seine Jünger aussendet, ein Sauerteig der Heiligkeit und der Wahrheit in der Welt zu sein: das Salz der Erde, das Licht der Welt. Darin zeigen uns die Märtyrer den Weg.
   Bald nachdem die ersten Samen des Glaubens in diesem Land ausgesät waren, mussten die Märtyrer und die christliche Gemeinde wählen, Jesus oder der Welt zu folgen. Sie hatten die Warnung des Herrn gehört, dass die Welt sie um seinetwillen hassen werde vgl. Joh 17,14; sie kannten den Preis der Jüngerschaft. Für viele bedeutete das Verfolgung und später Flucht in die Berge, wo sie katholische Siedlungen bildeten. Sie waren bereit, große Opfer zu bringen, und ließen sich alles wegnehmen, was sie von Christus entfernte – Besitz und Land, Ansehen und Ehre –, denn sie wussten, dass Christus allein ihr wahrer Schatz war.
   So oft können wir heute bemerken, dass unser Glaube durch die Welt herausgefordert wird, und auf vielerlei Weise wird uns nahegelegt, Kompromisse mit unserem Glauben zu schließen, die radikalen Forderungen des Evangeliums abzuschwächen und sie dem Zeitgeist anzupassen. Doch die Märtyrer rufen uns zu, Christus an die erste Stelle zu setzen und alles andere in dieser Welt in Beziehung zu ihm und zu seinem ewigen Reich zu sehen. Sie fordern uns auf, darüber nachzudenken, wofür wir selbst – wenn überhaupt – zu sterben bereit wären.
   Das Beispiel der Märtyrer lehrt uns auch die Bedeutung der Liebe im Glaubensleben. Die Lauterkeit ihres Zeugnisses für Christus, die in der Annahme der gleichen Würde aller Getauften ihren Ausdruck findet, führte sie zu einer Form brüderlichen Lebens, welche die starren Gesellschaftsstrukturen ihrer Zeit hinterfragte. Ihre Weigerung, das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe aufzuspalten, trieb sie zu so großer Sorge für die Bedürfnisse der Brüder. Ihr Beispiel hat uns viel zu sagen, die wir in Gesellschaften leben, wo neben unermesslichem Reichtum schreckliche Armut lautlos zunimmt; wo der Schrei der Armen selten Gehör findet und wo Christus uns immer noch ruft und uns bittet, ihn zu lieben und ihm zu dienen, indem wir uns um unsere notleidenden Brüder und Schwestern kümmern.
   Wenn wir der Spur der Märtyrer folgen und den Herrn beim Wort nehmen, werden wir die erhabene Freiheit und Freude verstehen, mit der sie in den Tod gingen. Wir werden die heutige Feier auch in dem Sinn verstehen, dass sie die unzähligen namenlosen Märtyrer in diesem Land und in der ganzen Welt einschließt, die – besonders im vergangenen Jahrhundert – ihr Leben für Christus hingaben oder um seines Namens willen schwere Verfolgung um erlitten.
   Heute ist ein großer Freudentag für alle Koreaner. Das Erbe des seligen Paul Yun Ji-Chung und seiner Gefährten – ihre Lauterkeit in der Suche nach der Wahrheit, ihre Treue zu den höchsten Prinzipien der Religion, die sie für sich erwählt hatten, und ihr Zeugnis der Liebe und Solidarität allen gegenüber – ist ein Teil der reichen Geschichte des koreanischen Volkes. Das Erbe der Märtyrer kann alle Männer und Frauen guten Willens anregen, in Eintracht für eine gerechtere, freiere und versöhntere Gesellschaft zu arbeiten und dadurch zum Frieden und zum Schutz authentischer menschlicher Werte in diesem Land und in unserer Welt beizutragen.
   Mögen die Gebete aller koreanischen Märtyrer gemeinsam mit der Fürbitte der Jungfrau Maria, der Mutter der Kirche, uns die Gnade der Ausdauer im Glauben und in allen guten Werken sowie Heiligkeit, Reinheit des Herzens und apostolischen Eifer erwirken zum Zeugnis für Jesus in diesem geschätzten Land, in ganz Asien und bis an die Enden der Erde. Amen. Rv140816mg 

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Papst an Ordensgemeinschaften: Demut, Freude und Barmherzigkeit

   Wieder eine Planänderung: Papst Franziskus hätte bei dem Treffen mit der Ordensgemeinschaft „School of Love“ in Kkottongnae eine Vesper feiern solle, aber aus Zeitmangel wurde es dann doch nur ein gemeinsames Ave Maria-Gebet. Er erklärte die Änderung des Treffens den vielen Gläubigen, die den Papst und seine Lockerheit unterhaltend fanden:
„Wir können heute nicht die Vesper gemeinsam beten, weil wir ein Zeitproblem haben. Wenn wir nicht mit dem Helikopter rechtzeitig abheben, dann laufen wir Gefahr gegen die Berge zu prallen. ... Darum werden wir gemeinsam nur beten, an die Mutter Gottes, alle zusammen.
  Im Publikum lachten die vielen Schwestern der Ordensgemeinschaft. Männer waren kaum zu sehen im Auditorium der „School of Love“ in Kkottongnae. Papst Franziskus dankte den 5.000 anwesenden Ordensleuten für die Verbreitung der Barmherzigkeit Gottes und ermahnte sie zur Bescheidenheit, Reinheit und die Freude in den Mittelpunkt des Ordenslebens zu stellen.
   „Die feste Überzeugung, von Gott geliebt zu sein, steht im Mittelpunkt eurer Berufung: für andere ein berührbares Zeichen der Gegenwart des Reiches Gottes zu sein, ein Vorgeschmack der ewigen Freuden des Himmels. Nur wenn unser Zeugnis freudig ist, werden wir Männer und Frauen für Christus interessieren.“
  Durch das Gebet und die Feier der Sakramente sollen die Gläubigen der Freude Ausdruck verleihen und auch wenn die Freude im Leben nicht immer gleich groß sein kann, so sollen sie immer versucht sein, die Freude als „Geheimnis der Barmherzigkeit“ zu betrachten. Vor allem im Gemeinschaftsleben der Orden sei es wichtig, so der Papst die Freude zu leben und weiterzugeben, um eben auch Schwierigkeiten und Schwächen überwinden zu können. Um „unerschütterliche Barmherzigkeit“ innezuhaben und die „Vollkommenheit der Nächstenliebe“ zu erreichen, müsse das Herz rein bleiben und motivierte so die Geistlichen zur Enthaltung.
   „Die Keuschheit bringt eure zielstrebige Hingabe zur Liebe Gottes zum Ausdruck, der ‚die Kraft unserer Herzen‘ ist. Wir alle wissen, was für ein persönliches und anspruchsvolles Engagement das zur Folge hat.“
  Immer wieder kam Papst Franziskus in seiner Ansprache auf das Thema der Bescheidenheit zurück, erinnert, dass die Armut die höchste Form der Demut sei und die auch für das Glaubensleben unerlässlich sei, denn Geistliche, die ein Gelübde der Armut sprechen, aber in Reichtum leben wollen, seien lediglich Heuchler.
  „Im gottgeweihten Leben ist die Armut beides, eine „Mauer“ und eine „Mutter“. Sie ist eine „Mauer“, weil sie das gottgeweihte Leben schützt, und sie ist eine „Mutter“, weil sie zu wachsen hilft und entlang des richtigen Weges führt.“  Rv140816no

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Papst trifft Menschen mit Behinderung - Gebet für abgetriebene Kinder
   Nach einem der spirituellen Höhepunkte der fünftägigen Reise von Papst Franziskus an diesem Samstagmorgen (Ortsorzeit) und der Seligsprechung von 124 Märtyrern im Zentrum der südkoreanischen Hauptstadt hatte Papst Franziskus einen etwas kleineren, aber dafür umso wichtigen Programmpunkt: der Besuch im Zentrum für Menschen mit Behinderung in KKottongnae.
   90 Kilometer von Seoul, in dem Ort Kkkottongnae, in der Diözese von Cheongju, befindet sich das „House of Hope“ (Haus der Hoffnung). Es bietet Platz für ungefähr 150 Patienten und für 50 Waisenkinder. Mehr als 70 Mitarbeiter der Einrichtung erwarteten ebenso den Papst.
   Papst Franziskus befolgte die Regeln des Respekts des Hauses und zog sich die Schuhe aus, bevor er das Gesundheitszentrum besuchte. Ein kleines Mädchen in traditioneller Kleidung begrüßte ihn und überreichte ihm eine „Girlande“, die er sich sofort umhängte.
Zeichen gegen Abtreibung
   In einer kleinen Kapelle traf er dann auf die schwerbehinderten Menschen, einige von Ihnen im Rollstuhl. Papst Franziskus legte seien Hand auf die Köpfe und wechselte mit den Menschen einige Wörter. Nach einer kleinen choreographischen und musikalischen Einlage der Kinder ging die Reise für Papst Franziskus weiter. Auf den Weg zu dem Treffen mit der Ordensvertretern der „School of Hope“ stoppte er vor dem „Garten zum Gedenken der abgetriebenen Kinder“. Begleitet wurde der Papst von Vertretern der koreanischen Pro-Life-Gruppen sowie dem koreanischen Missionar Lee Gu-won, der keine Arme und Beine hat.
   Lange Augenblicke verharrte er mit gefalteten Händen und geneigtem Kopf vor dem Rasen mit weißen Holz- kreuzen, bevor er sich zum Abschluss bekreuzigte. Die Gedenkstätte gehört zu einem katholischen Therapie- und Erholungszentrum im Landkreis Eumseong südöstlich von Seoul. Rv140816no

Kirche in Korea: Spiritualität des Zeugnisses  ff-167-K-Z

   Überschrieben ist der erste Teil des Asiatischen Jugendtages mit „Die Wurzeln unseres Glauben“. „Die Wurzeln, das sind unsere Märtyrer“, das sagt Pater Gregor Kim, Leiter des Katechetischen Instituts des Erzbistums Seoul. „Sie haben ein gläubiges Leben während harter Verfolgungen geführt, bis zum Martyrium.“ Davon lernen die Gläubigen auch heute noch, vorbildhaft zu leben, er nennt es die „Spiritualität des Martyriums“, das vorbildhafte Leben, auch wenn die Kirche nicht groß ist.
  „Ein zweite Wurzel war das Engagement der Kirche während der Militärdiktatur, allen voran der damalige Kardinal, Stephen Kim Sou-hwan“. Hier könne man vorbildhaftes Leben in Korea in jüngerer Zeit sehen, und das nicht nur beim Kardinal. In den 70er und 80er Jahren habe die Kirche gegen Ungerechtigkeit gekämpft, das wäre in der Gesellschaft sehr wohl wahrgenommen worden, sagt Pater Gregor. Dazu komme natürlich auch, dass das Engagement Erfolg gehabt habe, die Diktatur wurde überwunden, auch das trägt natürlich zum Ruf der Kirche bei.
   Und dann sei da auch die besonderer Geschichte der Kirche, sagt Pater Gregor. Die Laien seien „sehr gläubig und sehr engagiert in der Kirche“. Das habe auch mit den Märtyrern zu tun, ein Zeichen dafür sei, dass unter den 124 Zeugen, die der Papst selig sprechen wird, nur ein einziger Priester ist.
   Eine vierte Wurzel: Die Bibel. Seit Beginn vor 200 Jahren habe es immer Bibelgruppen gegeben, auch an seinem katechetischen Institut seien diese heute sehr wichtig, und „Bibel lesen hält jung“, lacht er. Hier liege ebenfalls eine Stärke des Glaubens in Korea.
Das Zeugnis des Papstes: Ein realisierbares Ideal
   Heute leide dieses Zeugnis der Christen in der Gesellschaft allerdings, sagt Pater Gregor dann nachdenklich, „die Kirche und die Kleriker sind wohlhabend, im Vergleich zu anderen Leuten. Ich erwarte ein wenig mehr Armut in der Kirche. Das ist ein Grundsatz unseres Glaubens. Diesen Grundsatz haben wir vielleicht etwas vergessen.“ Die Kirche brauche einen neuen Impuls, dafür stehe dieser Papst sehr klar und deutlich.
   „Eine Ordensfrau hat mir gesagt, dass sie bislang geglaubt hat, die Armut sei nur eine Theorie, weil wir ja nicht so leben. Aber mit diesem Papst hat sie erfahren, dass dieser Grundsatz keine Theorie ist, sondern ein realisierbares Ideal.“
   Vom wirtschaftlichen Aufschwung habe auch die Kirche profitiert, da vergesse man schnell das Ideal der Armut. Für eine Kirche, deren Wurzeln im Zeugnis der Gläubigen liegen, wäre dieser Impuls unendlich wichtig, um dieses Zeugnis auch heute leben zu können. 140815ord 

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Versöhnung über Bande: Zentrum für Frieden und Einheit   

      Der Grundkonflikt in Korea ist der zwischen Norden und Süden, überwinden könne man ihn nur durch Gespräch, durch Diplomatie wie Papst Franziskus in seiner Ansprache vor den Vertretern von Staat und Gesellschaft am ersten Tag seiner Reise betonte. Pater Bernd Hagenkord hat für uns ein Projekt besucht, in dem die Kirche ganz konkret sich für Frieden und Versöhnung einsetzt.
  Die Kirche steht in Südkorea, ist aber eine Kopie einer zerstörten Kirche im Norden. Dasselbe gilt für das Eingangsportal des daneben stehenden Bildungshauses: Nachempfunden einem zerstörten Haus im Norden. Das Zentrum für Frieden und Einheit der Katholischen Kirche Koreas in Uijengbu zwischen Seoul und der Grenze weiter nördlich will dem Vergessen entgegen wirken, erklärt Pater Lee Eun-hyung, Leiter des Zentrums.
  „Wir sind seit langem geteilt und es gibt einen gewaltigen Unterschied in der Wirtschaft zwischen Nord und Süd. Aber unser größtes Problem ist: Wir verlieren langsam den Glauben an die Wiedervereinigung. Wir müssen wieder daran erinnern, dass wir hier zusammen leben. Unsere Aufgabe ist es die Menschen daran zu erinnern, wie wichtig die Wiedervereinigung für unsere Zukunft ist. Menschen, die aus Nordkorea stammen, haben dieses Stück Land gekauft und wollten etwas damit unternehmen, eine Kirche des Friedens mit Nordkorea errichten. Das war gar nicht so einfach. Und dann haben sie die katholische Kirche gebeten, das zu machen. Wir haben uns diesen Wunsch nach einem Ort für den Frieden und die Versöhnung zu Eigen gemacht.“
  Im Norden gebe es eine von der Regierung autorisierte katholische Gemeinschaft, 3.000 seien es offiziell. Pater Lee geht aber von mehr aus. Als Leiter des Versöhnungskomitees sei er öfters im Norden, ansonsten verlaufe der Kontakt indirekt.
   „Ich habe eine Kontaktperson in China, einen Pater, der wiederum Kontakte nach Nordkorea hat. In Nordkorea ist die Religionsausübung eingeschränkt. Wir sehen aber den Auftrag der Versöhnung. Wir helfen nicht der Regierung, sondern den Menschen. Wir haben sehr viele Probleme mit unserer eigenen Regierung, die Nord-Korea Politik ist sehr strikt im Vergleich zu früher, die Kirche kann deshalb nicht mehr so aktiv sein, wie sie möchte.“
  Das Zentrum biete vor allem Kurse an, ganz praktisch im Umgang mit der Vergangenheit und mit dem Konflikt. Es geht um das Kennenlernen des Nordens, um Konfliktüberwindung, aber auch um Schulungen in Dialog: Man wolle die Menschen des Nordens, wenn sie in Kontakt mit dem reichen und religionsfreien Süden kämen, nicht überfordern sondern einführen. Man mache sich nichts vor, sagt Pater Lee, Wünsche nach mehr Dialog aus dem Norden seien reine Propaganda, aber trotzdem bereite man sich vor, denn wenn man das aufgebe, gebe man den Gedanken an Wiedervereinigung auf.
  Man bete auch für die Einheit, auch das ein wichtiger Dienst des Zentrums. „Umkehr und Buße“ steht groß über dem Eingang der Kirche, Zeichen dass Einheit bei den Menschen selber anfange, nicht erst bei politischen Entscheidungen.
  Aber gibt es überhaupt eine Zukunft? Immerhin scheint die Situation politisch völlig festgefahren. Pater Lee glaubt daran.
   „Ich glaube, die nordkoreanische Kirche wird sich weiterentwickeln, so kann es nicht weitergehen. Ich glaube, sie werden sich an China orientieren. Die chinesische Kirche hat starke und schwache Seiten. Wir müssen uns dieses Modell sehr genau ansehen und uns darauf vorbereiten. Wir beobachten mit großer Aufmerksamkeit die Beziehung zwischen Nord- und Südkorea. Deshalb habe ich große Erwartungen an diesen Papstbesuch. Das ist eine große Möglichkeit, unsere Beziehung zu vertiefen und die Mauer einzureißen.“
Aus Uijengbu, Pater Bernd Hagenkord für Radio Vatikan rv140815ord

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Foto oben: Pressegespräch auf der Rückreise im Flugzeug: lebendige Fragen - klare Antworten - live.
Fotos unten: Dank an die Gottesmutter in Santa Maria Maggiore, Rom, mit einem Blumenstrauß aus Korea.

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Blumen für die Gottesmutter 
   Papst Franziskus hat direkt nach seiner Rückkehr aus Südkorea an der römischen Basilika Santa Maria Maggiore haltgemacht. Dort dankte er der Gottesmutter mit einem Strauß Blumen für den guten Ausgang der Reise. Die kleine Visite kündigte Franziskus zuvor auf dem Flug von Seoul nach Rom den mitreisenden Journalisten an.
  Ursprünglich habe er seinen Sicherheitschef Domenico Giani gebeten, Blumen in den Nationalfarben Koreas zu besorgen, sagte der Papst. Montagfrüh habe ihm jedoch ein Mädchen beim Verlassen der Apostolischen Nuntiatur in Seoul einen Strauß Rosen geschenkt. Darauf habe er sich entschlossen, sie der Gottesmutter in Rom zu bringen.
 Auch kurz vor seinem Abflug nach Seoul betete der Heilige Vater vor der Salus Populi Romani für einen guten Verlauf der Reise. OR140829

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   Kardinal Andrew Yeom Soo-jung von Seoul Foto erinnert in einer Botschaft an den tragischen Unfall der Fähre. Er bete, dass „die Weihnachtsfreude jeden Winkel unseres Landes erreichem, damit die armen und an den Rand gedrängten Menschen den Segen Gottes erfahren. Jesus ist überall, wo Menschen lieben und Anteil nehmen. Darum sandte Gott seinen einzigen Sohn in der Gestalt eines armen Dieners, um den Armen und Bedrängten nahe zu sein. So offenbart Gott seine unendliche Liebe zu uns und lädt uns ein zum ewigen Leben.“
   Kurz blickte der Kardinal auf das Unglück der Sewol Fähre, wobei 304 überwiegend Schüler und Studierende starben. „Ich bete, dass der Herr alle Tränen der Trauernden abwische und ihnen die notwendige Kraft schenkt. Bei aller Trauer und allem Schmerz sollten wir den Willen des Herrn suchen, um alle schwierigen Situationen unseres Lebens zu bestehen.“ CH141221

                            kbwn:Korea

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