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Liebst du mich?

Auf dieser Seite erklären wir die wesentliche Botschaft des Christentums: Gott ist die Liebe!
1.
Papst Benedikt hat seine erste Enzyklika über diese Liebe geschrieben: > Deus Caritas
100.000e Jugendliche ruft er auf dem Weltjugendtag zur dieser unverlierbaren Liebe auf.
2. Begründung dieser frohen Botschaft aus dem Envangelium: Petrus hatte seinen Freund und
Meister Jesus vor dem Hohenpriester allein gelassen. “Ich kenne diesen Menschen nicht!”
In der ersten Begegnung mit dem Auferstandenen hält dieser ihm nicht den Verrat vor,
sondern stellt ihm die dreifache Frage: “Simon, liebst du micht?” Lesen Sie seine Antwort.
3. Jeder Mensch, der Gott sucht, wird erkennen, dass Gott ihn zuerst geliebt hat. Dann wird er
nicht anders können, als diese Liebe zu erwidern. Wir berichten von solchen Menschen unserer Zeit.
4. Jesus Christus - das menschliche Gesicht Gottes und das göttliche Gesicht des Menschen!
5. Gott ist verliebt - verliebt in jeden von uns! Wir sind sein Traum von Liebe!
6. Heiliges Jahr 2016 - Papst Franziskus ruft ein Heiliges Jahr der Barmherzigkeit aus
7. Bischof Egon Kapellari, Graz: Ich will dich lieben meine Stärke - ein Lied von Angelus Silesius

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1.  Liebe Jugendliche, anlässlich des XXII. Weltjugendtages, möchte ich Euch zur Meditation diese Worte Jesu vorschlagen: „Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben” Joh 13,34.

Ist es möglich zu lieben? 
   Jeder Mensch verspürt den Wunsch, zu lieben und geliebt zu werden. Und dennoch: Wie schwierig ist es zu lieben; wie viele Irrtümer und Fehlschläge sind bei der Liebe zu verzeichnen! Manch einer kommt sogar dazu, daran zu zweifeln, dass die Liebe möglich ist. Wenn aber emotionale Mängel oder Enttäuschungen im Gefühls- leben auch daran denken lassen, dass Liebe eine Utopie ist, ein unerreichbarer Traum: darf man deshalb resig- nieren? Nein! Die Liebe ist möglich, und Ziel dieser meinen Botschaft ist es, einen Beitrag zu leisten, damit in jedem von Euch, die Ihr die Zukunft und die Hoffnung der Menschheit seid, das Vertrauen in die wahre, treue und starke Liebe neu geweckt wird - eine Liebe, die Frieden und Freude hervorbringt; eine Liebe, die die Menschen untereinander verbindet, so dass sie sich in gegenseitiger Achtung frei fühlen. Lasst uns also gemeinsam drei Stationen des Weges hin zur „Entdeckung” der Liebe beschreiten.
Gott, Quelle der Liebe
   Die erste Station betrifft die Quelle der wahren Liebe. Es gibt nur eine einzige Quelle der Liebe, und das ist Gott. Der heilige Johannes macht dies deutlich,  wenn er erklärt, dass Gott „die Liebe” ist 1 Joh 4,8.16. Nun will er nicht nur sagen, dass Gott uns liebt, sondern dass das Wesen Gottes selbst Liebe ist. Wir stehen hier vor der hellsten Offenbarung der Quelle der Liebe, die das Geheimnis der Dreifaltigkeit ist: Im einen und dreifaltigen Gott findet zwischen den Personen des Vaters und des Sohnes ein ewiger Austausch der Liebe statt; und diese Liebe ist keine Energie oder ein Gefühl, sondern eine Person: der Heilige Geist.
Das Kreuz Christi offenbart die Liebe Gottes in Fülle
   Wie offenbart sich uns Gott, der die Liebe ist? Wir sind hier an der zweiten Station unseres Weges angelangt. Auch wenn es schon in der Schöpfung deutliche Spuren der göttlichen Liebe gibt, so geschah die volle Offenbarung des innersten Geheimnisses Gottes in der Fleischwerdung, als Gott selbst Mensch wurde. In Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, haben wir die Liebe in ihrer ganzen Tragweite kennen gelernt. In der Tat, so habe ich in der Enzyklika Deus Caritas est geschrieben, sind „das eigentlich Neue des Neuen Testaments (...) nicht neue Ideen, sondern die Gestalt Christi selber, der den Gedanken Fleisch und Blut, einen unerhörten Realismus gibt” (12). Die Offenbarung der göttlichen Liebe ist total und vollkommen am Kreuz, wo - wie der heilige Paulus sagt - „Gott aber (...) seine Liebe zu uns darin erwiesen (hat), dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren” Röm 5,8. Jeder von uns kann somit wahrhaft sagen: „Christus hat mich geliebt und sich für mich hingegeben” vgl. Eph 5,2. Da es durch sein Blut erlöst wurde, ist kein menschliches Leben unnütz oder von geringem Wert, denn wir alle werden persönlich von ihm mit einer leidenschaftlichen und treuen Liebe geliebt, einer Liebe ohne Grenzen. Das Kreuz - Torheit für die Welt, Ärgernis für viele Gläubige - ist hingegen „Weisheit Gottes” für all diejenigen, die sich in den Tiefen des eigenen Seins berühren lassen, „denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen” vgl. 1 Kor 1,24-25. Ja, mehr noch: Der Gekreuzigte, der nach der Auferstehung die Male seines Leidens für immer trägt, lässt die „Täuschungen”  und Lügen in Bezug auf Gott, die in der Gestalt von Gewalt, Rache und Abweisung auftreten, offenbar werden. Christus ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt auf sich nimmt und den Hass aus dem Herzen des Menschen vertreibt. Das ist die wahre „Re- volution”, die er bringt: die Liebe.
Den Nächsten lieben wie Christus uns liebt
   So sind wir bei der dritten Station unserer Überlegung angekommen. Am Kreuz ruft Christus: „Mich dürstet” Joh 19,28. So offenbart er den brennenden Durst danach, zu lieben und von einem jeden von uns geliebt zu werden. Nur wenn es uns gelingt, die Tiefe und Intensität dieses Geheimnisses zu erfassen, wird uns die Notwendigkeit und die Dringlichkeit klar, ihn unsererseits zu lieben wie er uns geliebt hat. Das bringt die Bemühung mit sich, getragen von Seiner Liebe auch das eigene Leben für die Brüder hinzugeben, falls es notwendig sein sollte. Schon im Alten Testament hat Gott gesagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst” Lev 19,18. Die Neuheit Christi aber besteht in der Tatsache, dass „wie er lieben” heißt: alle lieben, ohne Unterschied; auch die Feinde, „bis zur Vollendung” vgl. Joh 13,1.
Zeugen der Liebe Christi
   Jetzt möchte ich bei drei Bereichen des alltäglichen Lebens innehalten, in denen Ihr, liebe Jugendliche, beson- ders aufgerufen seid, die Liebe Gottes offenbar werden zu lassen. Der erste Bereich ist die Kirche, die unsere geistliche Familie ist und sich aus allen Jüngern Christi zusammensetzt. Fördert - eingedenk seiner Worte: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt” Joh 13,35 - mit Eurem Enthusiasmus und mit Eurer Liebe die Tätigkeiten der Pfarreien, der Gemeinschaften, der kirchlichen Bewegungen und der Ju- gendgruppen, denen Ihr angehört. Sorgt Euch darum, das Wohl des anderen zu suchen, in Treue zu den einge- gangenen Verpflichtungen. Zögert nicht, mit Freude auf einige Eurer Vergnügungen zu verzichten. Nehmt frohen Herzens die notwendigen Opfer auf Euch. Bezeugt Eure treue Liebe zu Jesus, indem Ihr sein Evangelium beson- ders unter Euren Altersgenossen verkündigt.
Sich auf die Zukunft vorbereiten
   Der zweite Bereich, in dem Ihr dazu berufen seid, die Liebe zum Ausdruck zu bringen und in ihr zu wachsen, ist Eure Vorbereitung auf die Zukunft, die Euch erwartet. Wenn Ihr verlobt seid, hat Gott einen liebevollen Plan für Eure Zukunft als Ehepaar und Familie, und deshalb ist es so wesentlich, dass Ihr ihn mit Hilfe der Kirche entdeckt, frei vom verbreiteten Vorurteil, dass das Christentum mit seinen Geboten und Verboten der Freude der Liebe Hin- dernisse in den Weg lege und im besonderen verhindere, jenes Glück zu genießen, das Mann und Frau in ihrer gegenseitigen Liebe suchen. Die Liebe des Mannes und der Frau steht am Ursprung der menschlichen Familie, und das aus Mann und Frau gebildete Paar hat seinen Grund im ursprünglichen Plan Gottes vgl. Gen 2,18-25. Zu ler- nen, sich als Ehepaar zu lieben, ist ein wunderbarer Weg, der nichtsdestoweniger eine anspruchsvolle Lehrzeit erfordert. Die Zeit der Verlobung ist grundlegend für die Formung des Paares; sie ist eine Zeit der Erwartung und der Vorbereitung, die in der Keuschheit der Gesten und der Worte zu leben ist. Dies gestattet es, in der Liebe, in der Fürsorge und in der Aufmerksamkeit dem anderen gegenüber zu reifen; es hilft, Selbstbeherrschung zu üben und die Achtung vor dem anderen zu entwickeln. All dies sind Kennzeichen der wahren Liebe, die an erster Stelle weder die eigene Befriedigung noch das eigene Wohlergehen sucht. Bittet im gemeinsamen Gebet den Herrn darum, dass er Eure Liebe behüte und vermehre und sie von jeglichem Egoismus reinige. Zögert nicht, dem Ruf des Herrn großherzig zu folgen, denn die christliche Ehe ist eine wahre Berufung in der Kirche. Liebe junge Männer und Frauen, seid gleichermaßen bereit, Ja zu sagen, wenn Gott Euch ruft, ihm auf dem Weg des Priestertums oder des geweihten Lebens nachzufolgen. Euer Vorbild wird viele andere Eurer Altersgenossen, die auf der Suche nach dem wahren Glück sind, ermutigen.
Jeden Tag in der Liebe wachsen
   Der dritte Bereich des Einsatzes, den die Liebe mit sich bringt, ist der des alltäglichen Lebens mit seinen mannig- faltigen Beziehungen. Ich beziehe mich insbesondere auf die Familie, die Schule, die Arbeit und die Freizeit. Liebe Jugendliche, pflegt  Eure Talente nicht nur, um einen sozialen Status zu erreichen, sondern auch, um den anderen beim „Wachsen” zu helfen. Entwickelt Eure Fähigkeiten nicht nur, um „konkurrenzfähiger” und „produktiver” zu werden, sondern um „Zeugen der Nächstenliebe” zu sein. Verbindet mit der Berufsausbildung die Bemühung, reli- giöse Kenntnisse zu erwerben, die nützlich sind, um Eure Sendung auf verantwortliche Weise verwirklichen zu können. Ich lade Euch insbesondere dazu ein, die Soziallehre* der Kirche zu vertiefen, damit ihre Prinzipien Euer Handeln in der Welt inspirieren und erleuchten. Der Heilige Geist mache Euch erfindungsreich in der Nächstenliebe, standhaft in den Aufgaben, die Ihr übernehmt, und kühn in Euren Initiativen, damit Ihr Euren Beitrag zum Aufbau der „Zivilisation der Liebe” leisten könnt. Der Horizont der Liebe ist wirklich grenzenlos: er ist die ganze Welt!
* Die Sozialenyklika ist am 29. Juni 2009 erschienen > Caritas in veritate
Dem Beispiel der Heiligen folgend „die Liebe wagen”
   Liebe Jugendliche, ich möchte Euch dazu einladen, „die Liebe zu wagen”; das heißt, nichts Geringeres für Euer Leben zu ersehnen als eine starke und schöne Liebe, die fähig ist, das ganze Dasein zu einer freudigen Verwirk- lichung der Gabe Eurer selbst an Gott und die Brüder zu machen, in Nachahmung dessen, der durch seine Liebe für immer den Hass und den Tod besiegt hat  vgl. Offb 5,13. Die Liebe ist die einzige Kraft, die imstande ist, die Herzen der Menschen und der ganzen Menschheit zu wandeln und die Beziehungen zwischen Männern und Frauen, zwischen Reich und Arm, zwischen Kulturen und Zivilisationen fruchtbringend zu machen. Davon legt das Leben der Heiligen Zeugnis ab, die als wahre Freunde Gottes Weg und Abglanz dieser ursprünglichen Liebe sind. Bemüht Euch darum,  sie besser kennen zu lernen; vertraut Euch ihrer Fürsprache an und versucht, wie sie zu leben. Ich beschränke mich darauf, Mutter Teresa zu zitieren: Weil sie auf den Ruf Christi „Mich dürstet!” - einen Schrei, der sie zutiefst bewegte - prompt antworten wollte, begann sie, todkranke Menschen auf den Straßen Kalkuttas in Indien aufzunehmen. Von da an bestand die einzige Sehnsucht ihres Lebens darin, den Durst Jesu nach Liebe zu löschen - nicht mit Worten, sondern mit konkreten Handlungen, wobei sie dessen entstelltes, nach Liebe dürstendes Antlitz im Gesicht der Ärmsten unter den Armen erkannte. Die selige Teresa setzte die Lehre des Herrn in die Praxis um: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan” vgl. Mt 25,40. Und die Botschaft dieser demütigen Zeugin der göttlichen Liebe hat sich in der ganzen Welt verbreitet.
Das Geheimnis der Liebe
   Einem jeden von uns ist es gegeben, diesen Grad an Liebe zu erreichen - aber nur, wenn wir die unverzichtbare Hilfe der göttlichen Gnade in Anspruch nehmen. Nur die Hilfe des Herrn erlaubt es uns nämlich, angesichts der gewaltigen Größe der zu bewältigenden Aufgabe nicht der Resignation zu erliegen, und nur sie verleiht uns den Mut, das zu verwirklichen, was nach menschlichem Ermessen undenkbar ist. Vor allem die Eucharistie ist die große Schule der Liebe. Nimmt man regelmäßig und mit Ehrfurcht an der Heiligen Messe teil, verbringt man in Gesellschaft mit dem eucharistischen Jesus lange Momente der Anbetung, so ist es leichter, die Länge, Breite, Höhe und Tiefe seiner Liebe zu begreifen, die jede Erkenntnis übersteigt vgl. Eph 3,17-18. Durch das Teilen des eucharistischen Brotes mit den Schwesetern und Brüdern der kirchlichen Gemeinschaft wird man dann dazu angetrieben, die Liebe Christi  „mit Eile”, wie es die Jungfrau gegenüber Elisabeth getan hat, in einen großherzigen Dienst an den Schwestern und Brüdern umzusetzen.    + Benedikt pp XVI. 
Mehr zum Thema > Weltjugendtag

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2. An einem Frühlingsmorgen begegnet Petrus dem auferstandenen Jesus am Ufer des Sees von Tiberias.
Es ist der Evangelist Johannes, der uns das Gespräch überliefert, das bei dieser Gelegenheit zwischen Jesus und Petrus stattfindet. Hier tritt uns in den Verben ein sehr bedeutsames Wortspiel entgegen.
Im Griechischen drückt das Verb philéo die freundschaftliche Liebe aus, die zwar zärtlich, aber nicht allumfassend ist, während das Verb agapáo die vorbehaltlose, allumfassende und bedingungslose Liebe bedeutet. Die deutsche Sprache kennt dafür nur das eine Wort: Liebe.
Den Unterschied zur Sprache der Bibel drücken wir hier in Farbe aus.

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   Jesus fragt Petrus beim ersten Mal: „Simon..., liebst du mich“ mit dieser allumfassenden und bedingungs- losen Liebe vgl. Joh 21,15? Vor der Erfahrung des Verrates hätte der Apostel sicherlich gesagt: „Ich liebe dich bedingungslos." Jetzt, da er die bittere Traurigkeit der Untreue, das Drama der eigenen Schwäche kennengelernt hat, sagt er voll Demut: „Herr, ich habe dich lieb", das heißt: „Ich liebe dich mit meiner arm- seligen menschlichen Liebe". Christus fragt noch einmal: „Simon, liebst du mich mit dieser allumfassenden Liebe, die ich will?" Und Petrus wiederholt die Antwort seiner demütigen menschlichen Liebe: „Herr, ich habe dich lieb, so wie ich liebzuhaben vermag". Beim dritten Mal sagt Jesus zu Simon mur: Hast du mich lieb?". Simon versteht, dass Jesus seine armselige Liebe genügt, die einzige, zu der er fähig ist, und trotzdem ist er traurig darüber, dass der Herr so zu ihm sprechen musste. Deshalb antwortet er ihm: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe.
   Man möchte fast sagen, dass Jesus sich eher an Petrus angepasst hat als Petrus an Jesus! Gerade dieses gött- liche Anpassen schenkt dem Jünger, der das Leid der Untreue kennengelernt hat, Hoffnung. Daraus erwächst das Vertrauen, das ihn zur Nachfolge bis ans Ende fähig macht. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!" Joh 21,19.                           Benedikt pp XVI.

3.Jeder Mensch, der Gott sucht, wird erkennen, dass Gott ihn zuerst geliebt hat. Dann wird er nicht anders können, als diese Liebe zu erwidern. Wir berichten von solchen Menschen in unserer Zeit:

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Schweizer Firmling freut sich
   Beim Weltjugendtag wird nicht nur gebetet und fröhlich gefeiert. Beim Abschlussgottesdienst spendet Papst Benedikt 24 junge Erwachsene persönlich das Sakrament der Firmung. Unter ihnen ist auch ein Schweizer: Der 24- jährige Baselbieter Student Dean Causevic freut sich auf diesen besonderen Moment in seinem Leben. Im „Inter- view der Woche” mit Radio Vatikan erzählt er mehr über diesen unvergesslichen Tag im Rahmen des Weltjugend- tages.
   Vor wenigen Jahren hätte Dean Causevic wohl nicht im Traum gedacht, sich vom obersten Hirten der katholi- schen Kirche firmen zu lassen. Wie kam es aber nun dazu?
   „Das ist eine lange Geschichte. Es fing aber alles damit an, dass ich während des Studiums in Fribourg durch den Kontakt mit anderen Studenten und Priesteramtskandidaten den Wunsch geäußert habe, getauft zu werden. Ich war nämlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht getauft. Sie haben mir den Regens des Salesianum in Fribourg sehr empfohlen und so bereitete ich mich auf meine Taufe vor. Der Regens Thomas Ruckstuhl ist auch der geistliche Begleiter der Schweizer Gruppe, die nach Sydney reist und er hat mich  darauf  aufmerksam gemacht, dass es in Australien auch eine Firmung mit dem Papst geben wird.”
   Nicht jeder Katholik kann von sich behaupten vom Papst persönlich gefirmt zu werden. Was bedeutet das für dich selber, von Benedikt XVI. dieses Sakrament zu empfangen?
   „Es ist schon etwas Spezielles. Mein ganzer Fall wird dadurch außergewöhnlich, dass ich als Erwachsener ge- tauft und gefirmt werde. Das macht man in solchen Fällen zusammen. Da es aber in Sydney die Möglichkeit geben wird, vom Papst persönlich gefirmt zu werden, haben wir beschlossen, zuerst die Taufe durchzuführen und dann eben die Firmung in Sydney. Es ist schon etwas Außergewöhnliches vom Papst dieses Sakrament zu erhalten. Das wird mir sicher mein Leben lang in Erinnerung bleiben. Ich kann die Bedeutung noch gar nicht richtig abschätzen. Das werde ich wohl erst vor Ort merken.”
   Bist du aufgeregt? Hunderttausende von Jugendliche und Millionen von Menschen werden dich live oder im Fern- sehen sehen. „Im Moment weiß ich noch gar nicht, was mich erwarten wird. Natürlich ist eine gewisse Nervosität oder Vorfreude da. Ich bin im Moment mit anderen Dingen beschäftigt, die die Organisation der Reise betreffen. Das lenkt mich ab. Kurz vor der Heiligen Messe wird sicherlich die Nervosität riesengroß sein.”
   Kannst du uns auch erläutern, wie die Firmung in Sydney durchgeführt wird?
   „Die Firmung wird beim Abschlussgottesdienst des Weltjugendtags stattfinden. Den genauen Ablauf kenne ich noch nicht. Ich bin in einer speziellen Pilgergruppe eingeteilt worden. Es handelt sich um die internationale Litur- giegruppe. Wir werden die ganze Woche in Sydney den Ablauf der Feier proben.” rv080706

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Schweizer erlebt „unvergessliche” Firmung
   Ein „unvergessliches Erlebnis” war die Firmung für den Baselbieter Dean Causevic. Er war einer von 24 jungen Menschen, die bei diesem Weltjugendtag den Heiligen Geist empfingen - sakramentale Umsetzung des Mottos: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen …“.
Im Gespräch mit Radio Vatikan berichtet der 24-Jährige:
  „Man musste eigentlich nur ‚Amen’ sagen und dann auf den englischen Friedenswunsch antworten. Ich habe dann auf Deutsch geantwortet, was den Papst wohl überrascht hat - ich habe mich darüber gefreut. Das war eigentlich alles. Ich habe dann noch das Kreuz auf die Stirn gezeichnet bekommen mit dem Chrisam.”
   Dean ist erst vor kurzem getauft worden; beim Weltjugendtag vom Papst gefirmt zu werden ist für ihn etwas ganz besonderes:
   „Schon die ganzen letzten zwei Wochen waren unbeschreiblich. Und ich kann wohl mit Recht behaupten, das waren die schönsten zwei Wochen meines Lebens. Der ganze Weltjugendtag stand unter dem Motto der missio- narischen Kirche und ich freu mich ungemein, wenn ich die Möglichkeit erhalte, allen anderen zu erzählen, wie toll das hier war.”
Für den Schweizer ist klar: Das war nicht der letzte Weltjugendtag!
   „Ich habe das gemeinsame Gebet mit Jugendlichen hier erfahren. Ich habe erfahren wie es ist, bei wildfremden Leuten empfangen zu werden, als ob man sich lange kennt. Ich kam in Sydney dann zur internationalen Liturgie- gruppe, wo ich Leute aus der ganzen Welt kennengelernt habe, die eines gemeinsam hatten: Nämlich ihren Glauben und das waren wirklich sehr bewegende Momente.  rv080720mcBP

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          ff-340-ZZ  Papst Franziskus: “Vor Freude weinen über die Verliebtheit Gottes”  

Die folgenden Beiträge sind Zusammenfassungen der morgendlichen Ansprachen in der Residenz Santa Marta

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   Gott ist verliebt – verliebt in jeden von uns, wir sind sein Traum von Liebe.

   Kein Theologe kann das erklären, wir können darüber nur vor Freude weinen. Das sagte Papst Franziskus bei der Morgenmesse in seiner Residenz Santa Marta. „Ich erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde“, heißt es in der Lesung aus dem Buch Jesaja über das Wirken Gottes. Die zweite Schöpfung Gottes sei „noch erstaunlicher“ als die erste, erklärte Franziskus, denn wenn „der Herr die von der Sünde zerstörte Welt neu erschafft“, dann schaffe er sie „in Jesus Christus“. In diesem neuen Schöpfungsakt zeige Gott seine unendliche Freude: „Ich will mich freuen über mein Volk“, heißt es bei Jesaja.
   „Der Herr denkt an das, was er tun wird, er selbst wird sich an seinem Volk erfreuen. Als ob es ein Traum des Herrn wäre! Sein Traum von uns. Wie ein Mädchen, das an den Verlobten denkt oder der Junge an die Verlobte: „Wenn wir dann zusammen sind, wenn wir heiraten“… so ist der Traum von Gott.“
‘   Der Herr „träumt von mir, er denkt an mich! Ich bin in seinen Gedanken, in seinem Herzen!“, fuhr der Papst fort. Gott mache viele Pläne mit uns: „Wir werden Häuser bauen, Weingärten anlegen, miteinander essen – alle diese Vorstellungen, die nur ein Verliebter sich macht. Und hier zeigt sich der Herr als in sein Volk verliebt.“ Mit Vernunft ausdeutbar sei das nicht. „Ich denke, kein Theologe kann uns das erklären. Daran kann man bloß denken, man kann es fühlen und man kann weinen. Vor Freude.“
   Der Herr könne uns ändern. „Und was muss ich tun? Glauben. Glauben, dass der Herr mich ändern kann, dass Er Macht hat.“ Franziskus nannte das Beispiel aus dem Tagesevangelium: der königliche Beamte in Kafarnaum, dessen Sohn im Sterben lag. Der Mann ging zu Jesus nach Galiläa und bat ihn: „Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt.“ „Dieser Mann glaubte“, sagte der Papst. „Und er gewann. Glaube heißt, dieser Liebe Gottes Raum zu geben, heißt, seiner Macht Raum zu geben, der Macht von einem, der mich liebt, der in mich verliebt ist und der mit mir Freude haben will. Das ist Glaube.“              rv150316gs

 „Von den Kindern lächeln und weinen lernen“  ff-354-SaAnna-xx

   Kinder erinnern uns daran, dass jeder von uns in jedem Augenblick auch Sohn oder Tochter Gottes ist. Das hat Papst Franziskus an diesem Mittwoch bei der Generalaudienz vor Tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz gesagt. „Auch wenn jemand selbst Mutter oder Vater wird, wenn er – oder sie – alt wird, oder eine Stelle mit viel Verantwortung übernimmt: die Identität als Sohn oder Tochter liegt allem zugrunde“, so der Papst. Mitunter lebten wir, als seien wir Herren unserer Existenz, „aber in Wirklichkeit sind wir radikal abhängig“ – und das sei schön, fuhr Papst Franziskus fort: „Es ist Anlass zu großer Freude, wenn wir spüren, dass wir in jedem Lebensalter, in jeder Situation, Söhne und Töchter sind und bleiben.“
    Kinder seien „ein großes Geschenk an die Menschheit“, so Papst Franziskus in seiner ersten von zwei geplanten Mittwochs-Katechesen über Kinder. Zugleich seien sie aber auch „große Ausgeschlossene, weil man sie nicht einmal zur Welt kommen lässt“. Ob eine Gesellschaft frei oder „von internationalen Interessen versklavt“ sei, ließe sich daran ablesen, wie sie ihre Kinder behandle. Doch auch für die Kirche seien „die Kleinen“, wie Jesus sie nannte, ein Schatz: „Sie erinnern uns dauernd an die Voraussetzung, ins Reich Gottes zu gelangen: uns nicht als selbstgenügsam anzusehen, sondern als angewiesen auf Hilfe, Liebe und Vergebung.“
   Warum Kinder die Welt bereichern, erklärte Franziskus anhand einiger Beispiele: Sie sehen mit einem vertrauensvollen und reinen Blick in die Welt und verstellen sich nicht, und sie „haben die Gabe, zu lächeln und zu weinen. Einige lächeln, wenn ich sie umarme; andere sehen mich in weißer Kleidung und denken, ich sei der Arzt, der ihnen eine Spritze verpassen will, und weinen… aber spontan! So sind die Kinder: sie lächeln und sie weinen, zwei Dinge, die in uns Großen oft blockiert sind. Wie oft wird unser Lächeln ein Lächeln wie aus Pappe, ohne Leben, ein künstliches Lächeln, ein Clown-Lächeln.“ Die Kinder könnten Erwachsene „lehren, wieder zu lächeln und zu weinen“. Nicht zufällig lade Jesus seine Jünger dazu ein, wie Kinder zu werden, denn ihnen gehöre das Königreich. Mt 18,3; Mk 10,14.
   Kinder „bringen Leben, Freude, Hoffnung“, natürlich auch Schwierigkeiten. „Aber besser eine Gesellschaft mit solchen Sorgen und Problemen als eine traurige und graue Gesellschaft, der die Kinder ausgegangen sind.” RV150318gs

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 „Das waren keine Heiligen, das waren Korrupte!“

  Ein Heiliges Jahr der Barmherzigkeit hat Papst Franziskus für 2016 ausgerufen, und Barmherzigkeit war auch das zentrale Wort in seiner Predigt bei der Frühmesse. Franziskus ging von den Bibellesungen des Tages aus: Die Erste Lesung bringt einen Abschnitt aus dem Buch Daniel, in dem die schöne Susanna von zwei Ältesten verleumdet, vom Propheten Daniel aber gerettet wird.  Das Evangelium wiederum aus Johannes schildert die Szene, wie Jesus eine Ehebrecherin vor der Steinigung bewahrt. Und Franziskus nahm noch einen Text hinzu: die im Neuen Testament mehrfach typologisch auftretende arme Witwe. „Alle drei Frauen sind“, so erläuterte der Papst, „nach Darstellung einiger Kirchenväter allegorische Figuren, die für die Kirche stehen: die heilige Kirche, die sündige Kirche und die bedürftige Kirche“. Die Richter in den Schriftlesungen von diesem Montag, vor allem die Phärisäer und Schriftgelehrten aus dem Johannesevangelium, nannte Franziskus „bösartig“ und „korrupt“: „Sie hatten die Korruption der Strenge im Herzen“, fühlten sich rein,  weil sie „den Buchstaben des Gesetzes“ einhielten.
    „Aber das waren keine Heiligen, das waren Korrupte! Korrupt, weil eine derartige Strenge nur in einem Doppelleben münden kann. Die, die diese Frauen verurteilten, gingen danach hin und suchten sie heimlich auf, um sich ein wenig zu vergnügen. Die Strengen sind – nach einem Ausdruck Jesu – Heuchler: Sie haben ein Doppelleben. Denken wir an die Kirche, an die drei Frauen, die allegorisch für die Kirche stehen: Die, die sie mit Strenge verurteilen, haben ein Doppelleben. Mit der Strenge kann man noch nicht einmal atmen.“
    Die beiden Ältesten, die im Buch Daniel der schönen Susanna nachstellen, nannte Papst Franziskus „lasterhafte Richter“, „korrumpiert durch Laster“. Ihnen stellte er den Richter an die Seite, von dem Jesus einmal im Gleichnis von der hartnäckigen Witwe erzählte: einen Richter, der sich nur deshalb ihrer annahm, weil sie ihm lästig wurde. „Ein durch Geld, durch Prestige Korrumpierter“, laut Franziskus. Drei Richtertypen also: der Geschäftsmann, der Lasterhafte und der Strenge. „Sie alle kannten ein Wort nicht – sie wussten nicht, was Barmherzigkeit ist.“
   „Die Korruption brachte sie weitab vom Verständnis der Barmherzigkeit, davon, selbst barmherzig zu sein. Und die Bibel sagt uns, dass in der Barmherzigkeit das rechte Urteil liegt. Die drei Frauen – die Heilige, die Sünderin, die Bedürftige, Allegorien der Kirche – leiden unter diesem Mangel an Barmherzigkeit. Auch heute leidet das Volk Gottes, wenn es auf diese Richter stößt, unter Urteilen ohne Barmherzigkeit, ob im bürgerlichen, ob im kirchlichen Rechtsbereich. Und wo es keine Barmherzigkeit gibt, da gibt es auch keine Gerechtigkeit. Wenn das Volk Gottes von sich aus um Vergebung bittet – wie oft, wie oft findet es dann einen von diesen Richtern!“
   Einen Lasterhaften, der es „auszubeuten“ versucht – für den Papst „eine der schwersten Sünden“. Oder einen Geschäftsmann, „der keine Luft lässt, keine Hoffnung“. Oder einen Strengen, Strafenden. „Das nennt sich Mangel an Barmherzigkeit.“
   „Ich will zum Schluss nur eines der schönsten Worte des Evangeliums aussprechen, das mich sehr bewegt: ‚Hat dich denn keiner verurteilt?’ – ‚Nein, keiner, Herr.’ – ‚Auch ich verurteile dich nicht.’ Auch ich verurteile dich nicht – eines der schönsten Worte, weil es voller Barmherzigkeit ist.“ Rv150324sk

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Angelus: Die „Liebesgeschichte Gottes“

    „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab…“ Joh 3,14 Mit diesem Satz aus dem Johannesevangelium beschäftigte sich Papst Franziskus an diesem Sonntag beim Angelusgebet in Rom. „Wenn wir dieses Wort hören, schauen wir mit unserem Herzen auf den gekreuzigten Jesus und fühlen innerlich, dass Gott uns liebt, dass er uns wirklich so sehr liebt! Hier haben wir den einfachsten Satz, der das ganze Evangelium, den ganzen Glauben, die ganze Theologie zusammenfasst: Gott liebt uns uneigennützig und unbegrenzt!“
   Vor allem in der Schöpfung der Welt zeige sich deutlich diese Liebe Gottes zum Menschen, so Papst Franziskus. „Aber auch die folgenden Etappen der Heilsgeschichte lassen die Uneigennützigkeit der Liebe Gottes deutlich werden: Der Herr wählt sich ein Volk, nicht weil dieses es verdiente, sondern weil es das kleinste unter den Völkern ist. Und als die Fülle der Zeiten kam, hat Gott mit den Menschen, obgleich sie immer wieder seinen Bund gebrochen hatten, einen neuen Bund geschlossen, im Blut Jesu – einen Bund, den nichts je brechen wird.“
   Das Kreuz Jesu sei „der überwältigende Beweis der Liebe Gottes zu uns“, fuhr der Papst fort. „Wenn der Vater uns in der Schöpfung den Beweis für seine ungeheure Liebe gab, indem er uns Leben schenkte, so gab er uns im Leiden seines Sohnes den Beweis aller Beweise: Er kam, um für uns zu leiden und zu sterben.“ „Wirksamstes Zeichen“ der Liebe Gottes zu uns sei die Eucharistie: „Jedes Mal, wenn wir sie feiern, erleben wir von neuem das Ereignis von Golgotha, den Gipfel der Liebesgeschichte Gottes zur Menschheit.”
 RV150315sk

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Papst empfängt Beichtväter: Sakrament muss befreiend wirken

Papst Franziskus traf Teilnehmer eines Fortbildungskurses für Beichtväter
  „Es gibt keine Sünde, die Gott nicht vergeben könne, keine!“ Das betonte Papst Franziskus an bei einer Audienz für die Teilnehmer eines Fortbildungskurses für Beichtväter, welcher von der Apostolischen Pönitentiarie ausgerichtet wird. „Die Sakramente sind, wie wir wissen, der Ort der Nähe und der Zärtlichkeit Gottes für den Menschen,“ so der Papst in seiner Ansprache. „Sie sind die konkrete Weise, in denen Gott uns begegnet, um uns zu umarmen, ohne sich unser und unserer Begrenztheiten zu schämen.“
    Es sei die Aufgabe besonders in der Beichte, die Menschen der Barmherzigkeit Gottes Nähe zu bringen, führte der Papst aus. Er ermahnte, dass eine Beichte kein Ausfragen werden dürfe, im Gegenteil, sie müsse befreiend wirken. Vor seiner Ernennung zum Weihbischof hatte Papst Franziskus selber zwei Jahre lang in Argentinien vor allem als Beichtvater gearbeitet. Weder der laxe Umgang mit Sünde noch das überstrenge Festhalten an Regeln zeige einen geschwisterlichen Umgang mit dem Beichtenden, so der Papst. Es gehe darum, die Büßenden an die Hand zu nehmen und zur Bekehrung zu begleiten, das sei wahre Barmherzigkeit.
   „Aber auch euch Beichtvätern sage ich: lasst euch selbst vom Sakrament der Beichte erziehen! Wie viel können wir doch lernen von der Bekehrung und der Reue unserer Brüder und Schwestern! Sie treiben uns an, selber auch eine Gewissenserforschung zu machen. Liebe ich denn den Herr genauso wie diese alte Frau? Ich, Priester, der ich Diener der Barmherzigkeit bin, bin bereit zur selben Barmherzigkeit, wie ich sie im Herz dieses Menschen in der Beichte sehe? Bin ich Beichtvater bereit, dieselbe Bekehrung zu machen, wie ich sie in diesem Menschen in der Beichte sehe, dem ich diene?“
   Papst Franziskus erinnerte abschließend daran, dass in der Beichte nichts durch eigene Vollmacht geschehe, der Blick müsse immer auf Gott gerichtet bleiben. Weder durch theologische, psychologische noch durch juristische Kompetenz erlange man das Amt, sondern durch die Gnade und Liebe Gottes. „Wir dürfen diesen Blick auf Gott nie verlieren, der uns wirklich demütig macht, der uns unsere Schwestern und Brüder wirklich annehmen lässt, die zum Beichten zu uns kommen.“
    Die Pönitentiarie zählt zu den Gerichtshöfen der Katholischen Kirche, sie ist aber kein Kirchengericht im eigentlichen Sinn, sondern befasst sich mit Fragen des Gewissens, sowohl im sakramentalen wie auch im nichtsakramentalen Bereich. Vor allem geht es um das so genannte Forum Internum, also den vertraulichen Bereich in der Seelsorge. rv150312ord

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Papstpredigt: „Verschließt keine Tore!“

   Die Kirche ist „ein Haus des Herrn“, das alle aufnimmt. Deshalb ist es falsch, wenn Christen den Zugang zur Kirche versperren. Das sagte der Papst in seiner Predigt an diesem Dienstag bei der Frühmesse in der Casa Santa Marta. Jesus öffne alle Türen zu sich, besonders jenen, die ihn aufsuchen. Auf der anderen Seite stünden jene Christen, die die Tore der Kirche verschließen, damit ja keiner hineinkomme, der Hilfe braucht. Im Grund sei das ein Konflikt, so der Papst weiter, zwischen der Barmherzigkeit Christi und der geminderten Barmherzigkeit einiger, die sich rühmten, an Christus zu glauben.
Das Wirken des Heiligen Geistes nicht zerstören
   In der Ersten Lesung aus dem Buch Ezechiel geht es um Wasser, das vom Tempel hervorströmte; „und alle, zu denen das Wasser kam, wurden gerettet“ Ez 47,1-9.12.
   „Ein Mann, eine Frau, die sich in ihrer Seele krank fühlen, traurig, weil sie so viele Fehler in ihrem Leben begangen haben, fühlen plötzlich, dass Wasser hervorströmt. Es bewegt sich was in ihnen. Es ist der Heilige Geist. Und dann sagt sich diese Person, ,… ach, ich würde gerne hingehen´… Aber du darfst nicht, antwortet ihm einer. Du hast Fehler gemacht, und deshalb darfst du jetzt nichts verlangen. Wenn du am Sonntag zur Messe kommen willst, dann bleibe bitte einfach sitzen. Das sagen einige. Und so zerstören sie das, was der Heilige Geist versucht, in den Herzen dieser Menschen wieder in Ordnung zu bringen.“
     So etwas tue ihm sehr weh, fügte Franziskus an, denn seiner Meinung nach stehe die Kirche allen offen.
    „Es ist doch das Haus Jesu, und Jesus nimmt alle auf. Er geht sogar selbst hinaus, um die Menschen zu besuchen. Und wenn einer verletzt ist, was macht Jesus? Wird er den Verletzen beschimpfen, weil er sich verletzt hat? Nein, er wird ihm aufhelfen und mit sich nach Hause tragen. Das nennt man Barmherzigkeit. Genau das meint Gott, wenn er sein Volk zurechtweist und sagt, er verlange Barmherzigkeit und keine Opfer.“
Bist du bereit?
   Jeder müsse sich deshalb fragen, ob er bereit sei, die Türen jenen zu öffnen, die ihr Leben ändern und wieder Teil des Volkes Gottes werden wollen. Gerade die Fastenzeit biete eine gute Gelegenheit, jenen beizustehen, die von Jesus geheilt werden, wie es im Tagesevangelium nach Johannes Joh 5,1-16 beschrieben wird.
   „Bitten wir heute dem Herrn, für jeden von uns und für die gesamte Kirche, dass Gott uns bei unserer Bekehrung zu Jesus hin unterstütze und dass wir zur Barmherzigkeit Jesu umkehren. Auf diese Weise kann das Gesetz Gottes auch voll umgesetzt werden, denn das Gesetz schlechthin ist, Gott und seine Mitmenschen zu lieben, wie man sich selbst liebt.“ Va150317

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Ein Weg der geistlichen Bekehrung: Barmherzigkeit

Papst Franziskus feiert die Bußliturgie
   „Ich habe entschieden, ein außerordentliches Jubiläumsjahr auszurufen, in dem es um die Barmherzigkeit Gottes gehen wird. Es wird ein „Heiliges Jahr der Barmherzigkeit“ sein. Wir wollen es im Licht der Worte Jesu leben: „Seid barmherzig wie der Vater“ Lk 6,36.“ Mit diesen Worten kündigte Papst Franziskus an diesem Freitag den Beginn eines außerordentlichen Heiligen Jahres an. Er predigte anlässlich des Bußgottesdienstes, der in der Petersbasilika anlässlich der Initiative „24 Stunden für den Herrn“ stattfand. In dieser Predigt erläuterte er die Barmherzigkeit Gottes anhand der Evangeliums-Lesung, die von der Sünderin berichtet, die Jesus die Füße wäscht. Die in Jesus sichtbar gewordene göttliche Barmherzigkeit sei der Auftrag der Kirche, so der Papst, und so begründete er auch die Einberufung des Heiligen Jahres: „Ich habe darüber nachgedacht, wie die Kirche noch mehr ihren Auftrag, Zeugin der Nächstenliebe zu sein, erfüllen kann. Es ist ein Weg, der mit einer geistlichen Bekehrung beginnt.“
   Die Sünderin des Evangeliums sei von der Liebe Gottes berührt worden und habe sich deswegen getraut, sich Jesus zu nähern, so der Papst. „Ihre Tränen der Reue und der Freude waschen die Füße des Meisters, und ihre Haare trocknen sie in Dankbarkeit; die Küsse sind Ausdruck ihrer reinen Zuneigung; und die reichhaltig ausgegossene wohlriechende Salbe bezeugt, wie kostbar er in ihren Augen ist. Jede Geste dieser Frau spricht von Liebe und drückt ihre Sehnsucht aus, eine unerschütterliche Sicherheit in ihrem Leben zu haben: dass ihr vergeben ist. Und Jesus gibt ihr diese Sicherheit: Sie annehmend zeigt er ihr die Liebe Gottes für sie, ganz allein für sie!“
   Der Papst sprach von der echten Begegnung, die zwischen der Sünderin und Jesu stattgefunden habe. Sie habe ihn wirklich erkannt. Dem Pharisäer Simon, in dessen Haus die Episode stattfindet, sei das nicht gelungen, so Papst Franziskus weiter. „Er verbleibt fest auf der Schwelle seiner Förmlichkeit. Er ist nicht fähig, den nächsten Schritt zu tun und zur Begegnung mit Jesus zu gelangen, der ihm die Erlösung bringt.“ Simon habe Jesus zwar zum Essen eingeladen, aber nicht wirklich aufgenommen, er bleibe an der Oberfläche.
   Christen seien berufen, über diese Oberfläche hinaus zu schauen, schloss der Papst aus der Erzählung für das Leben der Kirche. „Niemand ist von der Barmherzigkeit Gottes ausgeschlossen; alle kennen den Weg, um sie zu betreten und die Kirche ist das Haus, das alle aufnimmt und niemanden zurückweist. Ihre Tore sind weit offen, so dass alle, die von der Gnade berührt sind, die Sicherheit der Vergebung finden können. So groß die Sünden sein mögen, größer ist die Liebe der Kirche für diejenigen, die sich Bekehren.“   Diesen Gedanken will Papst Franziskus dann mit dem Beginn des Heiligen Jahres am 8. Dezember besonders in den Blick nehmen. RV150313ord

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Rom bereitet sich auf Heiliges Jahr 2016 vor

   Nach der Bekanntgabe des Papstes, dass die Kirche 2016 ein „Jubiläum der Barmherzigkeit“ begehen wird, sind die Reaktionen in der Weltkirche sehr positiv.
   Bischofskonferenzen weltweit begrüßen die Ankündigung. Auch die Stadt Rom freut sich auf den besonderen Anlass und dankt Franziskus für diese Verkündigung, wie der Bürgermeister der Stadt Ignazio Marino sagte. Es sei nun wichtig für die Hauptstadt Italiens, sich auf das Jahr rechtzeitig vorzubereiten und die Pilger so gut wie möglich zu empfangen.
   Blicken wir zurück auf Freitagabend im Petersdom: Es war eine besinnliche Bußfeier, just am Tag, an dem Papst Franziskus seinen zweiten Jahrestag seiner Wahl feierte. Am Morgen fand keine Messe in der Kapelle Santa Marta statt und auch die Fastenpredigt von Pater Raniero Cantalamessa fiel aus. Freitag, der 13. März, war im gesamten Vatikan ein Feiertag. Die Bußfeier am Abend fand im Rahmen der Initiative „24 Stunden für den Herrn“ statt. Papst Franziskus hörte wie im vergangenen Jahr auch schon mit vielen anderen Priestern Beichte. Dann hielt der Papst seine Ansprache und teilte mit, dass er für 2016 ein Heiliges Jahr einberufen wolle. Er erläuterte auch genauer, was damit gemeint sei: „Das ist die Zeit der Barmherzigkeit. Es ist wichtig, dass die Gläubigen sie leben und in alle Gesellschaftsbereiche hineintragen. Vorwärts!“ Weiter fügte Franziskus an, dass er die Organisation dieses Jahres dem Päpstlichen Rat für die Förderung der Neuevangelisierung anvertraue, „auf dass es ein neuer Abschnitt auf dem Weg der Kirche in ihrer Mission wird, jedem Menschen die Frohe Botschaft der Barmherzigkeit zu bringen“. Er sei davon überzeugt, „dass die ganze Kirche – welche die Barmherzigkeit so nötig hat, denn wir sind alle Sünder – in diesem Jubiläumsjahr die Freude findet, die Barmherzigkeit Gottes neu zu entdecken und fruchtbar werden zu lassen“.
   Das Heilige Jahr wird zum 50. Jahrestag des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) begonnen. Es sei damit eine Einladung, das mit dem Konzil begonnene Werk fortzuführen, so der Vatikan in einer Pressemitteilung vom Wochenende. Datum der Eröffnung ist der 8. Dezember 2015, das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens und gleichzeitig Jahrestag des Endes des Konzils. Enden wird das Heilige Jahr am 20. November 2016 mit dem Christkönigsfest.  RV150314mg 

Liebe oder Heuchelei, nur eines geht

   Wer sich nicht von der Barmherzigkeit Gottes verleiten lässt, den Nächsten zu lieben, endet als Heuchler, der zerstreut, anstatt Gutes zu tun. Das sagte Papst Franziskus an diesem Donnerstag bei seiner Morgenpredigt.
   Die Tageslesung berichtet vom Propheten Jeremia, der Klage Gottes über sein Volk. „Das ist die Geschichte Gottes“, so der Papst. „Es scheint, als weine Gott hier. Ich habe dich so sehr geliebt, ich habe dir so viel gegeben, und du … du wendest dich gegen mich. Auch Jesus schaute auf Jerusalem und weinte. (..) Wir handeln nach unserem Willen, aber dabei verhärten wir uns auf unserem Weg: das Herz wird hart, es versteinert. Und das Wort des Herrn kann nicht eindringen. Und das Volk entfernt sich. Auch in unserer eigenen Geschichte kann das so sein. Und an diesem Tag der Fastenzeit können wir uns fragen: ‚Höre ich auf die Stimme des Herrn, oder mache ich das, was ich will, das was mir gefällt?”
   Das Evangelium des Tages berichte von so einer Verhärtung, so Papst Franziskus: Jesus habe Dämonen ausgetrieben, und würde deswegen von den Legalisten angeklagt, er treibe Dämonen mit Dämonen aus.
   „In der Geschichte der Kirche gibt es so etwas auch! Denkt an Johanna von Orleans Jean d’Arc, heute ist sie eine Heilige. Die Doktoren haben sie lebendig verbrannt, weil sie gesagt haben, sie sei eine Häretikerin. Es waren Doktoren, welche die Lehre genau kannten, wie Pharisäer: Weit entfernt von der Liebe Gottes. Denkt an den seligen Rosmini: Alle seine Bücher auf dem Index. Man durfte das nicht lesen, es war eine Sünde. Heute ist er ein Seliger. Gott gibt uns in der Geschichte Propheten, um uns zu zeigen, dass er uns liebt. In der Kirche hat er uns die Heiligen gegeben. Sie tragen das Leben der Kirche weiter, nicht die Mächtigen, nicht die Heuchler, nein, die Heiligen.“
   Die Heiligen seien die, die keine Angst hätten, sich von der Barmherzigkeit Gottes streicheln zu lassen. Deswegen verstünden sie Not und Elend, sie schätzen niemanden gering.
   „Jesus sagt: ‚Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich’. Gibt es da einen Weg des Kompromisses, hier ein wenig, dort ein wenig? Nein. Entweder bist du auf dem Weg der Liebe, oder dem Weg der Heuchelei.“ RV150312ord

ff-JPII-AnnoSanto-ZZ       Hintergrund: Was ist ein Heiliges Jahr?

Foto: Papst Johannes Paul II. öffnet die Heilige Pforte im Jahr 2000
   Es war zunächst einmal ein Verkehrsproblem: Als Papst Bonifaz VIII., Nachfolger des zurück getretenen Papstes Coelestin, für das Jahr 1300 das erste Mal überhaupt ein Heiliges Jahr ausrief. Die alte leoninische Mauer Roms musste an einigen Stellen eingerissen werden und die damals einzige Brücke über den Tiber – die Engelsbrücke – bekam ein Einbahnstraßensystem, um der Pilgermengen Herr zu werden.
   Bonifaz wollte damals genau das feiern, was Franziskus heute auch feiern will: Die Vergebung Gottes, Gottes Barmherzigkeit. Bis dahin war die einzige Möglichkeit, im Mittelalter eine vollständige Lossprechung zu bekommen, ein Kreuzzug oder eine lange Pilgerreise etwa nach Santiago zu machen. Nun ging das also auch in Rom, was eine Aufwertung des Zentrums der Kirche bedeutete und eben auch eine neue Institution, das Heilige Jahr.
   Den italienischen Dichter Dante hat das so beeindruckt, dass er Teile seiner Göttlichen Komödie in der Osterwoche des Heiligen Jahres 1300 spielen lässt. Was ihn nicht davon abhielt, den Papst in den achten Ring der Hölle zu versetzen.
    Das Heilige Jahr heißt ursprünglich Jubeljahr oder Jubiläum und geht zurück auf Levitikus 25,8, dort wird jedes 50. Jahr die Befreiung der Sklaven, Erlass von Schulden und Rückgabe von Grund und Boden angeordnet. Es soll der sich entwickelnden Tradition der Kirche nach der inneren Erneuerung der Gläubigen dienen. Immer wieder wurden diese Jahre auch für aufsehenerregende Gesten genutzt, die das Grundthema der Jahre - die Vergebung durch Gott - ausdrücken, zuletzt die großen Vergebungsbitten Papst Johannes Paul II., die er in einer Liturgie zum Heiligen Jahr 2000 aussprach.
   Zunächst ließ man es alle 100 Jahre stattfinden, dann verkürzte man auf 50, später 33 und zuletzt 25 Jahre. So hat das letzte Jubeljahr 2000 stattgefunden. Immer wieder hat es aber auch außerordentliche Jahre gegeben, zuletzt 1983, so dass auch hier Papst Franziskus eine Tradition aufgreift.
   Das Jahr beginnt mit dem Öffnen der Heiligen Pforten – der symbolischen Öffnung neuer Wege zum Heil – und endet mit deren Schließung. Die Pforten in Sankt Peter sowie in Johannes im Lateran, Santa Maria Maggiore und Sankt Paul vor den Mauern sind normalerweise zugemauert.
   Seit Einführung der Heiligen Jahre ist die Vorbereitung auf die Pilgerströme auch ein Anlass für bauliche Maßnahmen in der Stadt. Wie gesagt, auch das Verkehrsproblem wie bei Bonifaz VIII. ist eine Tradition geblieben. Rom ist von den Heiligen Jahren geprägt, brachten die Pilger doch immer Votivgaben mit, welche die vielen Kirchen der Stadt schmücken. Auch einige Brücken sind für Pilgermassen gebaut, Julius II. zum Beispiel war das Einbahnsystem der Engelsburg nicht geheuer, er ließ 1500 eine zweite Brücke bauen, die Ponte Sisto.
Aber abgesehen von den vielen äußeren Dingen wollen diese Jahre Zeiten der Neuentdeckung zentraler Glaubensinhalte sein und diese mit ganz konkreten Handlungen, eben einer Pilgerfahrt nach Rom, verbinden. Das nächste reguläre Heilige Jahr wird dann 2025 stattfinden.  RV150314ord

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Heiliges Jahr 2016: Papst ruft „Jubiläum der Barmherzigkeit“ aus

     Papst Franziskus ruft das Heilige Jahr der Barmherzigkeit aus. Es beginnt am 8. Dezember 2015, der 50. Jahrestages des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965).
   Die Kirche wird 2016 ein „Jubiläum der Barmherzigkeit“ begehen. Das gab Papst Franziskus an diesem Freitag bei einer Predigt im Petersdom bekannt.  „Das ist die Zeit der Barmherzigkeit. Es ist wichtig, dass die Gläubigen sie leben und in alle Gesellschaftsbereiche hineintragen. Vorwärts!“, so der Papst in der Predigt.

   Die Ankündigung fand während eines Bußgottesdienstes statt, dem der Papst in der Petersbasilika vorstand. Die Liturgie fand im Rahmen der Initiative „24 Stunden für Gott“ statt, Papst Franziskus hörte wie im vergangenen Jahr auch schon mit vielen anderen Priestern Beichte.
   Das Heilige Jahr wird zum 50. Jahrestages des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) statt. Es sei damit eine Einladung, das mit dem Konzil begonnene Werk fortzuführen, so der Vatikan in einer Pressemitteilung. Datum der Eröffnung ist der 8. Dezember 2015, das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens und gleichzeitig Jahrestag des Endes des Konzils. Enden wird das Heilige Jahr am 20. November 2016 mit dem Christkönigsfest.
    Die offizielle Ankündigung des Heiligen Jahres wird durch eine feierliche Proklamation geschehen, der Papst wird die dementsprechende Bulle am Barmherzigkeitssonntag, also dem Sonntag nach Ostern, von der Heiligen Pforte des Petersdoms aus verlesen.
   Das Jubiläum finde statt, wenn im Lesejahr der Kirche die Texte aus dem Lukasevangelium genommen werden, so der Vatikan weiter. Der Evangelist Lukas trage den Ehrennamen „Evangelist der Barmherzigkeit“.
   Der Ritus der Eröffnung besteht aus der Öffnung der Heiligen Pforte in Sankt Peter. Diese Tür ist außerhalb der Heiligen Jahre zugemauert, diese Pforten existieren auch in den anderen Papstbasiliken, Johannes im Lateran, Sankt Paul vor den Mauern und Santa Maria Maggiore. Auch diese Pforten werden geöffnet. Dieser Akt will einen besonderen Weg zum Heil symbolisieren.
   Die Tradition der Heiligen Jahre geht auf das Jahr 1300 zurück, 1475 legte man dafür einen Rhythmus von 25 Jahren fest, jede Generation sollte die Möglichkeit haben, ein solches Jahr zu erleben. Aus diesem Rahmen heraus fallende Jahre hat es immer gegeben, zuletzt 1933 und 1983. Ordentliche Heilige Jahre gab es bislang 26, das letzte hatte Papst Johannes Paul II. für das Jahr 2000 ausgerufen. Der Sinn dieser Heiligen Jahre bestehe in einer Einladung, die Beziehung mit Gott und den Mitmenschen zu erneuern, so der Vatikan in seiner Note. Der Papst rücke die Aufmerksamkeit auf die Barmherzigkeit Gottes, welche auch die Menschen ansporne, selber barmherzig zu sein. Der Papst hat genau vor zwei Jahren seinen Bischofswahlspruch auch zum Papstwahlspruch gemacht, das Thema der Barmherzigkeit steht im Zentrum dieses Pontifikates.

    Liste der ordentlichen Jubiläen und der entsprechenden Päpste: 1300: Bonifatius VIII. - 1350: Clemens VI. - 1390: angekündigt von Urban VI., gefeiert von Bonifatius IX. 1400: zweites Jubiläum für Bonifatius IX.  -  1423: Martin V.  -  1450: Nikolaus V.  -  1475: angekündigt von Paul II., gefeiert von Sixtus IV.  -  1500: Alexander VI.  -  1525: Clemens VII.  -  1550: angekündigt von Paul III., gefeiert von Julius III.  -  1575: Gregor XIII.  - 1600: Clemens VIII.  - 1625: Urban VIII.  - 1650: Innozenz X.  -  1675: Clemens X.  -  1700: angekündigt von Innozenz XII., abgeschlossen von Clemens XI.  - 1725: Benedikt XIII.  - 1750: Benedikt XIV.  -  1775: angekündigt von Clemens XIV., gefeiert von Pius VI.  -  1825: Leo XII.  -  1875: Pius IX.  -  1900: Leo XIII.  -  1925: Pius XI.  -  1933: ebenfalls Pius XI.  -  1950: Pius XII.  -  1975: Paul VI.  -  1983: Johannes Paul II.  -  2000: Johannes Paul II.  -  2015: Franziskus. In den Jahren 1800 und 1850 konnte wegen der politischen Umstände kein Jubiläum gefeiert werden. Va150313ord

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Gott weist niemanden zurück

   In dieser Predigt erläuterte er die Barmherzigkeit Gottes anhand der Evangeliums-Lesung, die von der Sünderin berichtet, die Jesus die Füße wäscht.
   Wir dokumentieren in einer Arbeitsübersetzung die Predigt des Papstes bei der Bußliturgie an diesem Freitag:
   Auch in diesem Jahr sind wir hier zur Vigil des vierten Fastensonntages versammelt, um eine Bußliturgie zu feiern. Wir sind vereint mit vielen Christen, die auf der gesamten Welt die Einladung angenommen haben, diesen Augenblick als ein Zeichen der Güte des Herrn zu feiern. Das Sakrament der Versöhnung erlaubt uns nämlich, uns dem Vater im Vertrauen auf die Sicherheit seiner Verzeihung zu nähern. Er ist wirklich „reich an Barmherzigkeit“ und dehnt sie im Überfluss über die aus, die mit aufrechtem Herzen zu ihm kommen.
   Auch hier zu sein um die Erfahrung seiner Liebe zu machen, ist vor allem Frucht seiner Gnade. Wie uns der Apostel Paulus erinnert hat, hört Gott durch die Jahrhunderte hindurch niemals auf, uns die Fülle seiner Barmherzigkeit zu zeigen. Die Verwandlung des Herzens, die uns dazu bringt unsere Sünden zu bekennen, ist ein Geschenk Gottes. Von uns allein aus können wir das nicht. Seine Sünden bekennen können ist ein Geschenk Gottes, eine Gabe und sein Tun vgl. Eph 2,8-10. Von der Zärtlichkeit seiner Hand berührt zu sein und von seiner Gnade geformt zu sein erlaubt uns, uns dem Priester ohne Angst mit unserer Schuld zu nähern, in der Sicherheit von ihm im Namen Gottes angenommen zu werden und in unserer Not verstanden zu werden.
   Wir nähern uns auch ohne einen Anwalt, einen Verteidiger. Wir haben nur einen davon, der sein Leben für unsere Sünden hingegeben hat, er der vor dem Vater immer für uns eintritt.
   Aus dem Beichtstuhl heraus kommend spüren wir seine Kraft, die uns das Leben zurück gibt und die Begeisterung des Glaubens erneuern. Nach der Beichte sind wir neugeboren.
   Das Evangelium, das wir gehört haben Lk 7,36-50, öffnet uns einen Weg der Hoffnung und des Trostes. Es ist gut, über uns denselben barmherzigen Blick Jesu zu wissen, wie er ihn auch auf die Sünderin im Haus des Pharisäers gerichtet hat. In diesem Textstück tauchen wiederholt zwei Worte auf: Liebe und Gericht.
  Es ist die Liebe der Sünderin, die sich vor dem Herrn erniedrigt, aber noch davor gibt es die barmherzige Liebe Jesu für sie, welche sie dazu bringt, sich ihm zu nähern. Ihre Tränen der Reue und der Freude waschen die Füße des Meisters, und ihre Haare trocknen sie in Dankbarkeit; die Küsse sind Ausdruck ihrer reinen Zuneigung; und die reichhaltig ausgegossene wohlriechende Salbe bezeugt, wie kostbar er in ihren Augen ist.
  Jede Geste dieser Frau spricht von Liebe und drückt ihre Sehnsucht aus, eine unerschütterliche Sicherheit in ihrem Leben zu haben: dass ihr vergeben ist. Diese Sicherheit ist wunderbar. Und Jesus gibt ihr diese Sicherheit: Sie annehmend zeigt er ihr die Liebe Gottes für sie, ganz allein für sie! Für eine bekannte Sünderin. Die Liebe und die Vergebung sind gleichzeitig: Gott vergibt ihr viel, alles, weil „sie viel Liebe gezeigt hat“; und sie verehrt Jesus weil sie spürt, dass in ihm die Barmherzigkeit ist, nicht Verurteilung. Sie spürt, dass Jesus sie mit Liebe versteht, sie, eine Sünderin. Dank Jesu hat Gott ihre vielen Sünden auf sich genommen, sie sind vergessen. Auch das ist wahr: Wenn Gott vergibt, dann vergisst er, er vergisst, so groß ist die Vergebung Gottes. Für sie beginnt nun eine neue Zeit; sie ist in die Liebe und ein neues Leben eingetreten.
   Diese Frau ist dem Herrn wirklich begegnet. In der Stille hat sie ihr Herz geöffnet; im Schmerz hat sie ihm ihre Reue für ihre Sünden gezeigt; in ihren Tränen hat sie an die göttliche Güte appelliert, um Vergebung zu erlangen. Für sie gibt es kein Urteil außer dem, das von Gott kommt, und dieses ist das Urteil der Barmherzigkeit. Die Protagonistin dieser Begegnung ist wirklich die Liebe, die über die Gerechtigkeit hinausgeht.
   Dem Pharisäer Simon, dem Hausherrn, dagegen gelingt es nicht, auf diese Straße der Liebe zu kommen. Alles ist kalkuliert, durchdacht. Er verbleibt fest auf der Schwelle seiner Förmlichkeit. Das ist eine schlimme Sache, die formale Liebe, das kann man nicht verstehen. Er ist nicht fähig, den nächsten Schritt zu tun und zur Begegnung mit Jesus zu gelangen, der ihm die Erlösung bringt. Simon ist dazu begrenzt, Jesus zum Essen einzuladen, aber er hat ihn nicht wirklich aufgenommen.
    In seinen Gedanken gibt es nur Gerechtigkeit, und so handelnd macht er einen Fehler. Sein Urteil über die Frau entfernt ihn von der Wahrheit und erlaubt ihm nicht, zu erkennen, wer sein Gast ist. Er bleibt an der Oberfläche, in der Formalität, er ist nicht fähig, das Herz zu sehen. Auf die Frage zum Gleichnis Jesu, welcher Diener mehr geliebt habe, antwortet der Pharisäer korrekt „Der dem er mehr vergeben hat“. Und Jesus bestätigt ihn: „Du hast recht“. Nur wenn sich das Urteil des Simon zur Liebe hin dreht, dann ist er im Recht.
   Die Erinnerung Jesu treibt jeden von uns dazu an, niemals an der Oberfläche der Dinge stehen zu bleiben, vor allem wenn wir jemandem gegenüber stehen. Wir sind gerufen, darüber hinaus zu schauen, auf das Herz um zu sehen, zu wie viel Freigiebigkeit jeder fähig ist. Niemand ist von der Barmherzigkeit Gottes ausgeschlossen, niemand ist von der Barmherzigkeit Gottes ausgeschlossen! Alle kennen den Weg, um sie zu betreten und die Kirche ist das Haus, das alle aufnimmt und niemanden zurückweist. Ihre Tore sind weit offen, so dass alle, die von der Gnade berührt sind, die Sicherheit der Vergebung finden können. So groß die Sünden sein mögen, größer ist die Liebe der Kirche für diejenigen, die sich bekehren. Mit viel Liebe blickt Jesus auf uns! Mit wie viel Liebe heilt er unser sündiges Herz! Er wendet sich nie von unseren Sünden ab. Denken wir an den verlorenen Sohn, der zum Vater zurückkehren wollte und etwas sagen wollte, aber der Vater hat ihn nicht reden lassen, er umarmt ihn. So macht es auch Jesus mit uns. So viele Sünden, Vater! Aber er ist froh, wenn du zu ihm gehst, dann umarmt er dich mit so viel Liebe! Hab keine Angst!
   Liebe Schwestern und Brüder, ich habe oft darüber nachgedacht, wie die Kirche noch mehr ihren Auftrag, Zeugin der Nächstenliebe zu sein, erfüllen kann. Es ist ein Weg, der mit einer geistlichen Bekehrung beginnt. Und diesen Weg müssen wir gehen. Deswegen habe ich entschieden, ein außerordentliches Jubiläumsjahr auszurufen, in dem es um die Barmherzigkeit Gottes gehen wird. Es wird ein „Heiliges Jahr der Barmherzigkeit“ sein. Wir wollen es im Licht der Worte Jesu leben: „Seid barmherzig wie der Vater“ Lk 6,36. Das gilt vor allem für die Beichtväter, so viel Barmherzigkeit!
   Dieses Heilige Jahr beginnt am kommenden Hochfest der Unbefleckten Empfängnis Mariens [8. Dezember] und endet am 20. November 2016, dem Hochfest Christi, des Königs des Universums und lebendigen Angesichts der Barmherzigkeit des Vaters. Ich vertraue die Organisation dieses Jahres dem Päpstlichen Rat für die Förderung der Neuevangelisierung an, auf dass es ein neuer Abschnitt auf dem Weg der Kirche in ihrer Mission wird, jedem Menschen die Frohe Botschaft der Barmherzigkeit zu bringen.
   Ich bin davon überzeugt, dass die ganze Kirche – welche die Barmherzigkeit so nötig hat denn wir sind alle Sünder – in diesem Jubiläumsjahr die Freude findet, die Barmherzigkeit Gottes neu zu entdecken und fruchtbar werden zu lassen; wir sind alle berufen, mit der Barmherzigkeit Trost jedem Mann und jeder Frau unserer Zeit zu spenden. Vergessen wir nicht, dass Gott alles vergibt. Und Gott vergibt immer. Werden wir nicht müde, um Vergebung zu bitten. Wir vertrauen es der Mutter der Barmherzigkeit an, dass sie ihren Blick auf uns richtet und unseren Weg beschützt: Unseren Weg der Buße, unseren Weg des geöffneten Herzens, um ein Jahr lang die Freisprechung und die Barmherzigkeit Gottes geschenkt zu bekommen. RV150313ord

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Papst an Jugendliche: Sexualität nicht banalisieren - Papst Franziskus zum Weltjugendtag 2016

   „Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.“ Unter diesem Motto – es ist die sechste Seligpreisung Jesu im Matthäusevangelium – steht eine Botschaft von Papst Franziskus an Jugendliche, die der Vatikan an diesem Dienstag publizierte. „Das kostbarste Gut, das wir im Leben haben können, ist unsere Beziehung zu Gott“, schreibt der Papst in dem Text, der sich auf den bevorstehenden Weltjugendtag vom August 2016 im polnischen Krakau bezieht.
   „Gott hat jedem Mann und jeder Frau eine unbezwingbare Sehnsucht nach Glück, nach Fülle ins Herz gelegt.“ Das ist der Ausgangspunkt der Papstbotschaft. Glück besteht nun nach Darstellung der Bibel im „Zugang zur Gegenwart Gottes“ – wozu man allerdings ein „reines Herz“ brauche. Franziskus wörtlich: „Jeder von uns muss lernen zu unterscheiden, was sein Herz ‚verunreinigen’ kann“. Und weiter: „Wenn für die Bewahrung der Schöpfung, für die Reinheit der Luft, des Wassers und der Nahrung eine gesunde Aufmerksamkeit notwendig ist, um wieviel mehr müssen wir dann die Reinheit dessen schützen, was uns am kostbarsten ist: unsere Herzen und unsere Beziehungen.“ Eine solche „menschliche Ökologie“ könne uns dazu verhelfen, „die reine Luft zu atmen, die aus den schönen Dingen, der echten Liebe, der Heiligkeit hervorgeht“.
   Der Papst ermuntert die Jugendlichen zur behutsamen Pflege ihrer Gottesbeziehung. „Ist euch bewusst, wie unschätzbar wertvoll ihr in Gottes Augen seid?“, fragt er. „Wenn diese Wahrnehmung schwindet, wird das Menschsein ein unverständliches Rätsel, denn gerade das Wissen darum, dass wir von Gott bedingungslos geliebt werden, verleiht unserem Leben Sinn.“ In der Liebe stecke eine große „Kraft“: „Lasst nicht zu, dass dieser kostbare Wert verfälscht, zerstört oder verdorben wird.“ Liebe werde verfälscht, wenn man den Nächsten „für die eigenen egoistischen Zwecke“ einsetzt, „manchmal als bloßes Lustobjekt“.
   „Ich bitte euch“, so fährt der Papst fort, „habt keine Angst vor einer wahren Liebe, wie Jesus sie uns lehrt“. Junge Christen sollten sich „der verbreiteten Tendenz zur Banalisierung der Liebe widersetzen“ und die Liebe vor allem nicht „allein auf den sexuellen Aspekt reduzieren“. Die Kirche verfüge über eine „reiche Lehre auf diesem Gebiet“: Wer sie näher betrachte, stelle fest, „dass das Christentum nicht etwa aus einer Reihe von Verboten besteht, die unsere Wünsche nach Glück ersticken, sondern in einem Lebensprojekt, das unsere Herzen begeistern kann“.
   Franziskus erinnert daran, dass sich die Einführung der kirchlichen Weltjugendtage durch den heiligen Johannes Paul II. nächstes Jahr zum dreißigsten Male jährt. „Diese Jugendpilgerfahrt durch die Kontinente unter der Leitung des Nachfolgers Petri war wirklich eine gottgewollte und prophetische Initiative“, urteilt er. Rv150217sk

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Lampedusa: Papst wünscht mehr Rettungseinsätze

Papst Franziskus auf Lampedusa -
   Angesichts der neuen Tragödie vor Lampedusa hat Papst Franziskus mehr Solidarität und mehr Rettungseinsatz für die Flüchtlinge angemahnt, die in Booten über das Mittelmeer nach Europa kommen. Kurz nach ihrer Rettung aus dem eisigen Meer vor der italienischen Insel Lampedusa sind am Montag 29 Flüchtlinge aus Afrika erfroren. Insgesamt waren UNO-Angaben zufolge drei vollbesetzte Schlauchboote unterwegs. Nach Angaben von diesem Mittwoch werden noch an die 300 Menschen vermisst, sind also mutmaßlich ertrunken. „Ich verfolge die Nachrichten aus Lampedusa mit Sorge“, erklärte der Papst bei der Generalaudienz. „Ich bete für die Opfer und ich möchte neuerlich zur Solidarität aller ermutigen, damit niemandem der nötige Rettungseinsatz fehlt.“ Seine erste Reise als Papst hatte Franziskus im Sommer 2013 nach Lampedusa geführt. Rv150211gs

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Papst Franziskus begrüßt Obdachlose in der Sixtinischen Kapelle

    „Willkommen! Dies ist ein Haus für alle, das ist euer Haus.” Mit diesen Worten begrüßte Papst Franziskus etwa 150 römische Obdachlose in der Sixtinischen Kapelle. Erzbischof Konrad Kraijewski, Chef des Almosenamtes des Vatikan, hatte sie dazu eingeladen, die Papstbegegnung war hingegen eine Überraschung. Papst Franziskus begrüßte jeden der Besucher einzeln und bat sie, für ihn zu beten, abschließend segnete er sie.  Er verbrachte rund 20 Minuten mit den Gästen in der päpstlichen Hauskapelle.
  Diese bekamen vorab eine Führung durch die Kapelle, sie  stand den obdachlosen Gästen exklusiv zur Verfügung. Die übrigen Museumsbesucher konnten die Sixtina an jenem Tag nur bis 16 Uhr besichtigen.  Zuvor flanierte die Gruppe vorbei an der päpstlichen Residenz Santa Marta und durch die vatikanischen Gärten, ein Privileg weniger Besucher. Die Tour in den Museen umfasste den kürzlich neu eröffneten Pavillon der Kutschen, die Galerie der Kandelaber und der Landkarten sowie die Sixtinische Kapelle. Danach bekamen sie im Restaurant der Vatikanischen Museen, zu denen die Kapelle gehört, ein Abendessen. 
   Die Presse war nicht zugelassen bei dieser Begegnung. Papst Franziskus begrüßte jeden Obdachlosen persönlich und bat die Gruppe für ihn zu beten: “Gebete von Menschen wie euch habe ich nötig!” Dann dankte der Papst den polnischen Erzbischof Konrad Krajewski, der als päpstlicher Almonsengeber diesen Besuch organisiert hatte. Erzbischof Krajewski verteilte die Eintrittskarten persönlich. Eine obdachlose Frau, Carla, erzählt das seine Gas-Explosion ihre ganze Familie tötete. Seitdem lebt sie auf den Straßen Roms. Sie wurde betreut von Franziskanerinn am Stadtrand von Rom. CH150327
 
   Bereits im Februar war auf Betreiben Kraijewskis Duschräume an den Kolonaden des Vatikan eingerichtet worden, dazu die Möglichkeit, sich die Haare schneiden zu lassen. Um den Vatikan herum lebt ständig eine große Gruppe Obdachloser. rv150327ord 

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Bischof Egon Kapellari, Graz: „Ich will dich lieben , meine Stärke“ - Zu einem Lied von Angelus Silesius

   DerEinladung der Schriftleitung der Internationalen Katholischen Zeitschrift “Communio”, ein Lied aus dem neuen Gotteslob vorzustellen, das mir «besonders gefallt, um nicht zu sagen: ans Herz gewachsen ist», möchte ich folgen. Der Frage nach unserem Lieblingsbuch begegnen wir nicht selten. Als Priester und Bischof habe ich auf die Frage von Schülern, Studenten, aber auch von Journalisten oft die Gegenfrage gestellt, ob ich — die Bibel ausgenommen — überhaupt ein Lieblingsbuch haben müsse, da es doch so viel kostbares Wort gibt, das nicht gegeneinander ausgespielt werden muss. Bert Brecht hat aber auf diese Frage ohne Zögern geantwortet, sein Lieblingsbuch sei die Bibel. Man fragt nun aber nicht nach meinem liebsten, sondern nach einem mir besonders kostbaren Lied und ich habe diese Frage, ohne viel nachzudenken, mit dem Hinweis auf einen der nach meinem Empfinden schönsten geistlichen Texte des schlesischen Mystikers Johannes Scheffler beantwortet, der besser unter dem Namen Angelus Silesius bekannt ist. Es handelt sich um das im Jahr 1657 entstandene Lied Ich will dich lieben, meine Stärke, das im neuen Gotteslob mit der Nummer 358 und begleitet von der schönen Melodie des Breslauer fürstbischöflichen Musikers Georg Joseph präsentiert wird, dem der Großteil der Melodien zu den Liedern von Johannes Scheffler zu verdanken ist. Das hier besprochene Lied ist mir seit vielen Jahren besonders vertraut. In meiner Hauskapelle singen wir es mit der Gottesdienstgemeinde an Wochentagen oft und dann jedes Mal erst nach dem Empfang der Kommunion. Der Text spricht ja immer in der Ich-Form und ist daher für den Beginn der Eucharistiefeier nicht geeignet.

            Ich will dich lieben, meine Stärke, ich will dich lieben, meine Zier;
            ich will dich lieben mit dem Werke und immerwährender Begier;
            ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir das Herze bricht.

            Ich will dich lieben, o mein Leben, als meinen allerbesten Freund;
            ich will dich lieben und erheben, solange mich dein Glanz bescheint;
            ich will dich lieben, Gottes Lamm, als meinen Bräutigam.

            Ach, dass ich dich so spät erkannte, du hochgelobte Schönheit du,
            dass ich nicht eher mein dich nannte, du höchstes Gut und wahre Ruh;
            es ist mir leid, ich bin betrübt, dass ich so spät geliebt. 

            Ich lief verirrt und war verblendet, ich suchte dich und fand dich nicht;
            ich hatte mich von dir gewendet und liebte das geschaffne Licht.
            Nun aber ists durch dich geschehn, dass ich dich hab ersehn.

            Ich danke dir, du wahre Sonne, dass mir dein Glanz hat Licht gebracht;
            ich danke dir, du Himmelswonne, dass du mich froh und frei gemacht;
            ich danke dir, du güldner Mund, dass du mich machst gesund.

            Erhalte mich auf deinen Stegen und lass mich nicht mehr irregehn;
            lass meinen Fuß in deinen Wegen nicht straucheln oder stillestehn;
            erleucht mir Leib und Seele ganz, du starker Himmelsglanz.

            Ich will dich lieben, meine Krone, ich will dich lieben, meinen Gott,
            ich will dich lieben ohne Lohne auch in der allergrößten Not;
            ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir das Herze bricht.

            GL 358 Text: Angelus Silesius 1657 Musik: Georg Joseph 1657

   Johannes Scheffler wurde 1624 in Breslau geboren und ist dort 1677 gestorben. In diesem Zeitrahmen vollzog sich ein Wanderleben, das den Sohn eines polnischen protestantischen Adeligen zum Studium der Medizin und des Staatsrechts in Straßburg und Leiden und schließlich an die Universität Padua führte, wo er 1648, also im Jahr der Beendigung des Dreißigjährigen Ist Krieges, zum Doktor der Philosophie und der Medizin promoviert wurde. In der holländischen Stadt Leiden begegnete er dem Mystiker und Philosophen Abraham von Franckenberg, der ihn mit Werken des Mystikers Jakob Böhme vertraut machte.Scheffler bekannte später, Böhme sei die Ursache dafür gewesen, dass er schließlich zur katholischen Kirche konvertiert habe, weil Scheffler am dogmatischen Protestan- tismus eine «freventliche Verwerfung» der Mystik, die der Christen höchste Weisheit sei, und eine «Abgötterei der Vernunft» konstatierte: ein seltsamer Umweg eines protestan- tischen Christen zur katholischen Kirche, für die ja die pantheistische Mystik Böhmes nicht integrierbar war. Johannes Scheffler - Arzt, Mystiker und Dichter bekannte sich am 12. Juni 1653 in der Breslauer Kirche St. Matthias, wo er später auch begraben wurde, öffentlich zur römisch-katholischen Kirche und nahm, mit Bezug auf den spanischen Mystiker Johannes de Angelis, den Namen Angelus an. 1661 wurde er schließlich in Neiße für die Diözese Breslau zum Priester geweiht. Seine Konversion führte zu heftiger protestantischer Kritik, ja Polemik, der Scheffler mit Gegenkritik und Polemik gegenübertrat. In seiner tiefsten Tiefe war der Jurist, Arzt, Mystiker, Dichter und Priester Angelus Silesius aber ein liebender Mensch, der in den letzten Lebensjahren sein gesamtes Vermögen an Arme verschenkte und ihnen als Arzt unentgeltlich Hilfe leistete.
   «Was bleibet aber, stiften die Dichter», hat Friedrich Hölderlin am Ende seiner Hymne Andenken gesagt und er hat selbst viel von solchem Bleibenden gestiftet. Dieses Wort gilt besonders auch für Angelus Silesius. In vier Tagen, in denen er — wie treffend gesagt worden ist — unter einem Sturzbach von mystischen Ein- sichten stand, entstand die Spruchsammlung «Cherubinischer Wandersmann». Viele dieser Sprüche sind auch heute allgemein bekannt. Nur drei Beispiele seien hier genannt:

Mensch, werde wesentlich: denn, wann die Welt vergeht, so fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.

Halt an, wo läufst du hin, der Himmel ist in dir: Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.

Wer ohne Liebe läuft, kommt nicht ins Himmelreich: Er springt bald hin bald her, ist einem Irrwisch gleich.

   Karl Rahner hat vor Jahrzehnten einen Aufsatz mit dem Titel «Priester und Dichter» verfasst. Nur wenige der vielen Priester im Lauf der Kirchengeschichte waren auch große Dichter. Unter ihnen Johannes vom Kreuz, der weithin als der größte Dichter und einer der wichtigsten Mystiker Spaniens gilt. Weiters sein Lehrer, der Augustinermönch Luis de Leon und besonders auch Johannes Scheffler — nach seiner Konversion: Angelus Silesius. Mit Hinweis auf seine schlesische Heimat wurde der Name Silesius wie ein Familienname hinzugefügt.
   Zu den Hauptquellen der Mystik des Angelus Silesius zählen Augustinus, Bernhard von Clairvaux, Meister Eckhart, Mechthild von Magdeburg, Johannes vom Kreuz und Johannes Tauler. Dass der biblische Gott in seiner tiefsten Tiefe Liebe ist, wie der Erste Johannesbrief des Neuen Testamentes - alle anderen biblischen Aussagen über Gott zusammenfassend — bekennt, leitet und inspiriert alle christlichen Mystikerinnen und Mystiker und so auch Johannes Scheffler — Angelus Silesius. Sein Lied «Ich will dich lieben, meine Stärke» ist ein Hymnus an Gott, der ihm in Jesus Christus unüberbietbar begegnet ist. Der Name Jesu Christi wird in allen sieben Strophen zwar nicht direkt genannt. Christus erscheint aber in der zweiten Strophe als «Gottes Lamm» und als des Dichters «Bräutigam». Hier wird offenbar auf das Hohelied der Bibel Bezug genommen und auf die dort ausgesprochene Liebe zwischen einer Braut und einem Bräutigam. In der allegorischen Deutung durch die christliche Mystik ist dann Christus der Bräutigam und die ihn liebende Seele die Braut. Die erste, zweite und siebente Strophe des hier besprochenen Liedes versprechen Christus die Liebe des Dichters und Sängers und bezeichnen ihn als «meine Stärke», «meine Zier», als «schönstes Licht» und als «meine Krone». Die dritte und vierte Strophe sprechen das Bedauern des Beters aus, Christus «so spät» erkannt und geliebt zu haben und sprechen von der dadurch verursachten Entfremdung: «Ich lief verirrt und war verblendet, ich suchte dich und fand dich nicht; ich hatte mich von dir gewendet und liebte das geschaffne Licht...»
  Wer die Confessiones des heiligen Augustinus kennt, wird durch die dritte Strophe des Liedes an einen sehr bekannten Text aus diesem großen Werk erinnert. Diese Strophe sagt und singt auf Christus hin: «Ach, dass ich dich so spät erkannte, du hochgelobte Schönheit du, dass ich nicht eher mein dich nannte, du höchstes Gut und wahre Ruh; es ist mir leid, ich bin betrübt, dass ich so spät geliebt.» Der erste Satz ist fast wörtlich aus dem 27. Kapitel des zehnten Buches der Confessiones genommen. Dieses Kapitel lautet im Ganzen:
  „Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit, so alt und doch so neu, spät habe ich dich geliebt. Siehe, du warst in meinem Innern, und ich war draußen und suchte dich dort. Ich stürzte mich, hässlich wie ich war, auf diese schönen Dinge, die du geschaffen hast. Du warst bei mir, aber ich nicht bei dir. Die Dinge hielten mich fern von dir. Und sie wären doch nicht, wären sie nicht in dir. Du riefst, du schriest, und da durchbrachst du meine Taubheit. Du strahltest auf, du leuchtetest und vertriebst meine Blindheit. Duft ging von dir aus, ich zog den Hauch ein, und nun verlangte ich nach dir. Ich habe gekostet, und nun hungere und dürste ich. Du hast mich angerührt, und ich entbrannte nach deinem Frieden.
Augustinus erweist sich hier ebenso als Mystiker wie als Dichter. Papst Benedikt XVI. hat in seiner Augustinus- Katechese bei der Generalaudienz am 30. Januar 2008 diesen Text zitiert und abschließend gesagt: «Hier sehen wir: Augustinus ist Gott begegnet und im Lauf seines gesamten Lebens hat er ihn so intensiv erfahren, dass diese Wirklichkeit — die vor allem Begegnung mit einer Person, Jesus, ist — sein Leben verändert hat, so wie sie das Leben so vieler Menschen, Männer und Frauen, zu jeder Zeit verändert, welche die Gnade erfahren, ihm zu begegnen.» Was er über Augustinus gesagt hat, kann ebenso über Angelus Silesius gesagt werden.
   In der siebenten und abschließenden Strophe des hier gedeuteten Liedes sagt Angelus Silesius: «Ich will dich lieben, meine Krone, ich will dich lieben, meinen Gott, ich will dich lieben ohne Lohne auch in der allergrößten Not; ich will dich lieben, schönstes Licht, bis mir das Herze bricht.» Von Karl Rahner stammt das Wort: «Gott ist es wert, um seiner selbst willen geliebt zu werden.» Anders ausgedrückt: Wer Gott auf ein Mittel für irgendeinen noch so erhabenen Zweck reduziert, der verfehlt ihn. Als Menschen sind wir aber Mängelwesen und dürfen, ja müssen uns immer wieder nach allem umschauen, das helfen kann, unser Vakuum zu verkleinern oder gar auszufüllen. «Wer braucht Gott?», fragt Kardinal Christoph Schönborn in einem Gespräch mit der Fernsehmoderatorin Barbara Stöckl, das in einem Buch dokumentiert ist. Die Spannung zwischen der Bereitschaft, von Gott nichts zu fordern, und dem Drang, ihn inständig zu bitten, zieht sich wie ein Webmuster durch die ganze Bibel und kann nicht harmonisch aufgelöst werden. Der konkrete religiöse Mensch steht immer irgendwo zwischen diesen beiden Polen. Der Mystiker Angelus Silesius hat Gott auch «ohne Lohne, auch in der allergrößten Not» geliebt.

GL-ElisVThurnUTaxis-x Liebeserklärung an die Kirche -  Elisabeth von Thurn und Taxis überzeugt mit ihrem Buch

   Christliche Biografien sind rare Erscheinungen in der Generation der unter Dreißigjährigen. Den einen fehlt das Startkapital einer gläubigen Erziehung, andere fürchten, über der Nachfolge komme ihnen womöglich die mühsam errungene Coolness abhanden. Umso mehr lohnt sich der Blick auf die zeitgenössischen Publikationen, in denen junge Katholiken öffentlich mit dem Talent ihrer Glaubenserfahrungen wuchern.
   Elisabeth von Thurn und Taxis legt in ihrem ersten Buch „fromm!", einer Sammlung ihrer im Vatican-Magazin erschienenen Kolumnen, unprätentiös und vollkommen authentisch dar, warum junge Katholiken auch heute ihre Hoffnung auf die katholische Kirche setzen und in ihr Orientierung und Halt finden. Dabei wuchert die weltläufige Prinzessin mit dem Talent ihrer gläubigen Erziehung und entstaubt den Begriff der Frömmigkeit nach allen Regeln der Kunst. Zwischen Volksfrömmigkeit und feierlicher Liturgie entdeckt Elisabeth von Thurn und Taxis mit wachem Blick die vielen Pluspunkte der Kirche: „Das ist ja das Tolle an den Katholiken: Dass sie in einer immer säkularer werdenden Welt das Feierliche nicht vergessen.
  Den katholischen Glauben selbstverständlich im Alltag zu praktizieren - vom Bekreuzigen mit Weihwasser, Rosen- kranzgebet über die Heiligenverehrung bis zum regelmäßigen Besuch der Sonntagsmesse ist die Prinzessin von klein auf gewöhnt. Das prägt. Mut zum „schrecklich schönen Beichten" kann die Prinzessin aus Erfahrung machen, die Freuden einer anstrengenden Pilgerfahrt nach Lourdes hat sie selbst erlebt. „Ein Ort voll von Gegensätzen, an dem ich meine eigenen Sorgen völlig vergesse und die Hektik und Aufreibung des Lebens verschwindet. Wenn ich abends todmüde in mein unbequemes Bett falle, bin ich seltsamerweise ganz und gar glücklich."
  Ihre kindliche Freude an der Volksfrömmigkeit im Allgemeinen („man könnte sogar sagen, dass Wallfahren süchtig macht") und der Verehrung der Gottesmutter im Besonderen („so ein enges Verhältnis habe ich sonst zu nieman- dem") teilt die Prinzessin mit vielen jungen Katholiken. Wer sich auf die heilige Messe freuen kann „wie auf ein köstliches Stück Kuchen" und beobachtet hat, dass Leid „ein unumgänglicher Teil des Lebens" bleibt, auch wenn die Gesellschaft Abtreibung, Scheidung und Sterbehilfe toleriert, hat genug Lebens- und Glaubenserfahrung, um Vorurteile über die angebliche Weltfremdheit der Katholiken auszuräumen.  DT091029ReginaEinig
Elisabeth von Thurn und Taxis: fromm! Mit einem Vorwort von Georg Ratzinger und einem Nachwort von Wilhelm Imkamp. Fe-Medienverlag, 2009 Kißlegg, kartoniert, 193 Seiten, EUR 9,95

Ulla Hahn, Schriftstellerin:     HH-DomUllaHahn-       Erfrischt im Dom

   Bei der Wiedereinweihung des Neuen Mariendoms in Hamburg traute ich meinen Augen nicht: So hell und weit war die vorher eher düstere, ärmlich wirkende Kirche geworden. Seither zieht es mich immer wieder, nicht nur zu Gottesdiensten, an diesen Ort der Stille und des Lichts, im Sommer kühl, im Winter geschützt gegen Wind und Wetter. Bedrückt mich etwas oder brauche ich Abstand vom Schreibtisch, mache ich mich zu Fuß auf den Weg: über die Krugkoppelbrücke, wo mich die Doppeltürme in der Ferne an ihren großen Bruder, den Kölner Dom, meine Heimat, erinnern. Die Außenalster entlang gehe ich, durchs Getümmel von St. Georg, wo die Türme zwischen den Häusern verschwinden, bis er plötzlich vor mir steht, der bescheidenste Dom Deutschlands, und ich durchs Seiten- portal ins Kircheninnere schlüpfen kann. Hier setze ich mich in eine Bank nahe beim Taufbecken, schließe die Augen oder grüße Jesus am Kreuz und seine Mutter Maria in der Kuppel überm Altar, grüße das Licht, das vom Himmel durch die Scheiben ins Kirchenschiff fällt. Die schlichte klare Schönheit lädt zur Sammlung ein, erfrischt Geist und Sinnen. Gar nichts tun muss ich, einfach nur zur Ruhe kommen, zu mir, und manchmal, glaub ich, gibt mir der liebe Gott persönlich einen kleinen Rippenstoß: weitermachen. Auch Jesus am Kreuz ist hier als der Auferstandene dar- gestellt. Er steht aufrecht und breitet die Arme aus.
   Irgendwann atme ich tief durch, zünde vor dem Marienbild eine Kerze an und sage: Danke. Jahrhundertelang mussten die Hamburger Katholiken warten, ehe sie hier in der Diaspora eine Domkirche bekamen. Sie haben nie aufgegeben. Auch von ihrem Glauben, ihrer Kraft, der Kraft des Trotz alledem nehme ich jedes Mal etwas mit nach Hause. HA090711UllaHahn

LM-SarahBauer-x  Sarah Bauer   LM-SarahBauer-xx

US-amerikanische Sängerin: Sarah Bauer
   Ihre leidenschaftlichen Lieder offenbaren ihren Glauben. „Ich ging noch zum Gymnasium als ich mich total in Jesus verliebte. In Einkehrtagen unserer Klasse geschah es: Ich war verliebt in Jesus. Plötzlich erkannte ich: Jesus existiert ganz real. Es war so, als ob der Glaube meiner Kindheit wieder lebendig wurde.“
   Hier lässt uns die junge katholische Sängerin teilhaben an ihrem Glauben:

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   Sarah ist jung, hübsch, frech und cool katholisch. Sie ist so frisch wie Hannah Montana – mit einer bezaubernden Stimme, die sogar Somon Cowell die Sprache verschlägt. Und wirklich, wer immer junge Menschen zum Glauben führen will, sollte sich ein Album von Sarah anhören, oder noch besser: eines ihrer Konzerte besuchen.  
   Noch war die Nordamerikanerin, die in Carmel, Indiana, zuhause ist, nicht in Europa. Doch TV-Spartensender EWTN können Fans sie schon erleben. „Ich würde gern nach Europa kommen“, lächelt sie. „Aber meine Tournee durch die Vereinigten Staaten nimmt mich sehr in Anspruch. In Australien erlebte ich den Weltjugendtag. Es war unglaublich schön, junge katholische Christen aus der ganzen Welt zu treffen, die Jesus lieben. Manchmal könnte man denken, dass es kaum noch junge katholische Christen gibt, und dann erkennst du, wie falsch dieser Gedan- ke ist. Die Kirche lebt – und sie ist jung!”
   Sarah Bauer, 24, war noch Studentin, als sie auf einer Talentshow die Menge begeisterte. Diese Erfahrung machte ihr Mut, bei ihren Lehrern und Eltern fand sie Unerstützung, kurz: Sarahs Musiktalent bekam Flügel. In der Uni sang sie mit in Chören, machte mit in Musicals und auch in Jugendgemeinschaften. Dann machte sie ihren Abschluss in der Purdue Universität mit dem Diplom in Englisch. Sie war entschlossen, Musik zu ihrem Beruf zu machen und realisierte ihre erste CD: „Delighting in Dreams“.
   „Von früher Kindheit an bin ich katholisch und meinen Eltern so dankbar für ihr echtes Besipiel im Glauben“, sagt Sarah. „Aber ich ging noch zum Gymnasium als ich mich total in Jesus verliebte. In religiösen Einkehrtagen unserer Klasse geschah es: ich war verliebt in Jesus. Plötzlich erkannte ich: Jesus existiert ganz real. Es war so, als ob der Glaube meiner Kindheit wieder lebendig wurde.“
   Durch den Erfolg ihres ersten Albums entdeckte Sarah im Gebet, dass es ihre besondere Berufung sei, junge Leute zu großen Träumen zu begeistern, auf dass sie die großen Pläne erkennen, die Gott mit ihnen hat. Mit ihrem zweiten Album „Lead me Home immediately“ erreichte sie weithin große Aufmerksamkeit. Dieser Erfolg ermutigte sie zu ihrer ersten USA-weiten Tournee. Sie meint: „Ich singe gern in kleinen Gemeinden aber auch in großen Konzerthallen. Beides gibt mir die Möglichkeit mit vielen jungen Christen in Kontakt zu kommen. Ich denke, sie suchen positive Leitbilder. Manchmal bin ich traurig über Leute wie Britney Spears. Ich verurteile sie nicht, aber ich bin überzeugt, dass besonders junge katholische Mädchen Leitbilder suchen, zu denen sie aufschauen können. Sie suchen Licht in der Dunkelheit von all dem Müll, der ihnen aus dem Fernsehen und aus Zeitschriften ent- gegenschlägt. Ich möchte jungen Mädchen helfen, zwischen Musik und Lifestyle zu unterscheiden. Manchmal sehe ich Mädchen mit ihren Müttern, die in der Kirche Klamotten tragen, die für den Strand geeignet wären. Einmal hörte ich in einer Gemeinde, wie ein Priester dazu aufforderte, sich anständig zu kleiden und die Kultur zu wahren. Einige nahmen ihm das übel, aber ich fand es mutig. Das musste mal gesagt werden.“
   Sarah spricht weiter: „Die Rolle der Eltern ist sehr bedeutend. Wenn sie eine tiefe Beziehung zu ihrer Tochter haben, kann man auch darüber reden. Ich denke auch, dass das gemeinsame Gebet eine große Hilfe ist. Euer Licht muss leuchten, es darf nicht die Augen blenden, sondern die Herzen erleuchten, dann erzielt es die größte Wirkung.“
   Sie freut sich über die christliche Musik unserer Zeit. Sie mag alle Instrumente, die Gott preisen. Sie ist ein Fan des 2. Vatikanischen Konzils und würde es sehr wünschen, wenn mehr moderne christliche Musik in den Gottes- diensten zu hören wäre.  „Die lateinische Messe finde ich schön, aber ich möchte lieber verstehen, was gesagt wird. Viele Priester und Chöre finde ich offen für zeitgemäße Musik. Für Jugendmessen finde ich Gitarren und Klavier mehr angemessen. Aber damit möchte ich nichts gegen die Orgel sagen. Wer einmal eine afrikanische Messe erlebt hat, ist begeistert von den Trommeln und diesen mitreißenden Rhythmen aus Afrika. Diese Musik zum Lob Gottes ist vergleichbar mit einem Stück auf der Orgel.“
   Anfang 2006 brachte sie die CD „All Access“ auf den Markt – das Thema der franziskanischen Jugend. Danach begann sie mit ihrem dritten Album: „Radiance“. Zuvor noch vertiefte sie sich in ein andereres kreatives Unter- nehmen, das Video Magazin www.sarahbauer.tv [direkt im Internet: www.sarahbauer.watchourvideos.com]. Sie nennt dieses Projekt eine „reality show – einen Insider-Blick in ihre musikalische Arbeit; sie berichtet von ihrer Berufung, Lieder zu schreiben. In einem vierteiligen Video verbringt sie einen Tag mit einem jungen Menschen, und lebt mit ihnen ihre einzigartige Berufung ihres Lebensweges. Diese Experimente führten Sarah dann auf den Weg zu ihrem neuen Album „Radiance“. Es kam 2007 auf den Markt und gilt in der Kritik als ihr schönstes Werk bis heute. 
   Letztes Jahr heiratete sie Christopher. Beide arbeiten nun gemeinsam. „Wir waren Freunde und verliebten uns“, lächelt sie. Es ist etwas Schönes, mit jemand unseren katholischen Glauben zu teilen und zu wissen, wie wichtig Gott in unserem Leben ist.“ Ihre zahlreichen Auftritte über EWTN-TV öffnen ihre Musik für einen neuen Fan-Kreis. Sie hat fest vor, mit dieser religiösen Musik weiter zu machen . Doch eher traditionelle Liebeslieder wird sie auch in Zukunft nicht singen. „Ich denke, unsere Rolle als katholische Christen ist es, Gott in allem zu verkünden, was immer wir tun. Ich könnte nicht einfach Schlager über die Liebe singen. Ich möchte mehr. Ich habe eine bedeu- tendere Botschaft als nur ‚Mädchen liebt Junge‘. Ich hörte einmal einen Künstler sagen, wenn er ein Autoschlosser wäre, würde er nicht nur Autos reparieren, die Christen gehören. Er würde alle Fahrer willkommen heißen in seiner Werkstatt. Das würde ihm die Chance geben die Liebe Gottes darin zu zeigen, indem er ehrlich arbeitet und ihnen eine Freude macht. So ist es auch in der Musik: Ich habe über die Liebe gesungen. Es möge eine Liebe unter Menschen sein, die auf Gottes Liebe für uns gründet.“ CT0903JamHastings

po-GünterGrass-z   Günter Grass zum Thema Beichte

   Der deutsche Schriftsteller Günter Grass lobt die Beichte. In einem Interview fragte Radio Vatikan den Literatur- Nobelpreisträger (und Agnostiker), was ihm an der Kirche gefällt. Darauf antwortete er: „Ich finde die Einrichtung der Beichte etwas sehr Menschliches. Weil die Gegenseite ans Schweigegebot gebunden ist, und der Mensch sich erleichtern kann, von dem was ihn bedrückt. Eine sehr menschliche Geste. Keine öffentliche Anklage, man macht das in dem Beichtstuhl aus. Die Beichte ist etwas sehr Gutes.” rv080424sk

Kil-MatthiasMatussek-2z Kil-MatthiasMatusssek-3x

   In seinem Spiegel-bestseller “Das katholische Abenteuer” beschreibt Matthias Matussek das “Agnus Dei” und die Sündenvergebung in der Kirche: “Ich glaube daran, dass das selbst für meine wundgescheuerte und unruhige Seele gilt, nur ein Wort, und dann heil, was für ein Versprechen, was für eine Hoffnung für einen verwehten, nervösen oft schwermütigen Großstadtneurotiker wie mich.”

   Benedikt XVI.: Beichten macht auch den Priester demütig    Y-WJT-47-z-be

   Das Beichtgespräch ist heutzutage „eine der wenigen, wenn nicht die einzige Gelegenheit, wirklich in der Tiefe angehört zu werden“. Das sagte Papst Benedikt XVI. über das Sakrament der Beichte. Priester sollten also die Zeit im Beichtstuhl nicht vernachlässigen, empfahl Benedikt. In der sakramentalen Versöhnung kommen die per- sönliche Freiheit des Menschen und seine Selbstkenntnis besonders klar zum Ausdruck; außerdem erziehe sie zur Demut, und zwar nicht nur den Beichtenden, sondern auch den Priester, erklärte der Papst.
   „Nicht selten stehen wir im Beichtstuhl vor echten existentiellen und spirituellen Dramen, die in den Worten der Menschen keine Antwort finden, die aber von der verzeihenden und verwandelnden Liebe Gottes umarmt und er- löst werden … Die Abgründe des menschlichen Herzens zu kennen und gleichsam zu besichtigen stellt zwar zum einen die Menschlichkeit und den Glauben des Priesters selbst auf die Probe, zum anderen aber nährt dies in ihm die Gewissheit, dass das letzte Wort über das Leiden des Menschen und der Geschichte von Gott kommt, von sei- ner Barmherzigkeit, die alles neu macht.“
  Im Beichtstuhl könne der Priester gründliche Lektionen der Demut lernen, formulierte der Papst. Die Beichte habe einen „pädagogischen Wert“ für den Priester in Bezug auf seinen Glauben, auf die Wahrheit und die Armut seiner Person. RV110325gs

 Pater Frederico Lombardi SJ: „Fünf Schritte zur Freude“   LombardiSJxx

Bei einem Treffen mit Kurienmitarbeitern hat Papst Benedikt XVI. fünf Schritte zur Freude aufzeigt. Das berichtete der Vatikansprecher Federico Lombardi:
   „Der erste Schritt besteht darin, die Universalität der Kirche wieder neu zu entdecken. Wir sind alle Brüder und Schwestern und zwar nicht einfach einer simplen Idee sondern einer Erfahrung. Der zweite Schritt ist die Schön- heit der Nächstenliebe: Die Zeit und das Leben sind dann sinnvoll, wenn man sie mit anderen Menschen teilt und nicht wenn man für sich alleine ist.“
   Der dritte Schritt zur Freude sei die Anbetung: Gerade die Eucharistie zeigt, dass Gott wahrlich unter uns ist, so Lombardi weiter.
   „Und wir kommen zum vierten Schritt: die Beichte ist ein Sakrament, das unseren Egoismus beseitigt, uns er- leichtert, reinigt und mit Liebe füllt. Es folgt der fünfte Schritt und der besteht in der Annahme der Liebe Gottes. Denn Gott liebt uns. Mit diesen fünf Schritten erreichen wir die Freude und umgehen die Trauer.“  RV111224mg

Antonia von Meer, 10   GL-AntoniaVMeer-z

  1.500 Ministranten waren im Olympiastadion Berlin zum Dienst für den Papst bereit. Eine der jüngsten Mess- diener war Antonia von Meer aus Hamburg. Sie hat sich darauf gefreut und wollte mit dabei sein: „Ich liebe es, wenn es so feierlich ist. Deshalb wollte ich auch schon immer Ministrantin werden.“ Wie das Ministrantengewand getragen wird, weiß sie genau. HAhpks110921mik

kil-ClausHipp-x      Claus Hipp Unternehmer und Künstler (73) ...

  ...  ist gelegentlich als Messdiener in der Münchner Liebfrauenkirche im Einsatz. „Gewöhnlich ministriere ich am Sonntag in der Früh die erste Messe im Dom in München", sagte Hipp im Interview mit dem „Passauer Bistums- blatt".  Der Glaube sei ihm einfach wichtig. Zudem ist der Unternehmer überzeugt, „dass es halt Dinge gibt, die wir nicht wissen und die trotzdem für wahr zu halten richtig ist". Da er Gott als höchste Instanz anerkenne, komme er sicher mit den Schwierigkeiten und all dem, was einen vom rechten Weg ableiten wolle, leichter zurecht, sagte Hipp weiter.

Peter Scholl-Latur          PeterScholllatur-z

   “Wenn ich bete, dann auf Lateinisch. „Ich bin katholisch, aber nicht sehr fromm. Ich bin ja noch in der lateinischen Liturgie erzogen worden, wenn ich bete, dann auf Lateinisch. Ich muss ehrlich sagen, ich ärgere mich am laufenden Band über die Kirche. Ich halte von den Piusbrüdern überhaupt nichts. Dass sie an der Liturgie festhalten wollen, dafür habe ich aber Verständnis.“ Der deutsche Journalist Peter Scholl-Latour, 85, im Gespräch mit der FAS 110103

po-NikiLauda-z       Niki Lauda (64) wieder zuhause

   Niki Lauda, früherer Formel-1-Pilot, ist wieder in die katholische Kirche eingetreten. Ausgelöst wurde das durch Laudas Wunsch, seine Zwillinge Mia und Max taufen zu lassen, berichtet die „Bild am Sonntag". Er habe lange mit seiner Frau diskutiert, ob sie die Kinder taufen lassen oder ihnen die Entscheidung selbst überlassen sollten. Aber irgendwann sei ihm klargeworden, dass er sich wünsche, „dass meine Kinder unter dem Schutz des Glaubens stehen, ich bin ja selber so aufgewachsen". HA110919kna

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   Die Journalistin Maria von Welser bezeichnet ihren Glauben an Gott als Nährboden und Orientierung für ihr Leben. Er gibt ihr Kraft und Energie. Die bekommt sie auch bei ihren regelmäßigen Besuchen im St.-Marien-Dom, Hamburg Fotos oben. Das ist ihre Kirche. Maria von Welser mag dieses prächtige Bauwerk in St. Georg. Rund- herum das pralle Leben und dann dieser Moment der Stille, wenn sie das Gotteshaus betritt. Es ist ihre katho- lische Oase in der norddeutschen Diaspora.
   Dabei ist Maria von Welser erst vor zwölf Jahren zum katholischen Glauben übergetreten. 55 Jahre lang ist sie Protestantin gewesen, „aber ich habe mich immer im Herzen der katholischen Kirche zugehörig gefühlt", sagt sie. Das war schon als Kind so. „Meine Eltern waren nicht sehr religiös und haben sich keine Gedanken darüber ge- macht, wie ich mich da gefühlt habe." Sie wurde konfirmiert, „obwohl ich wusste, dass ich in der falschen Kirche war".
   Doch erst in Mainz, als sie 1997 Redaktionsleiterin wurde, hatte sie die Zeit, sich mit ihrem Übertritt zu beschäf- tigen. Zwei Jahre lang führte sie wöchentliche Konversionsgespräche unter anderen mit Kardinal Lehmann. „Das war eine sehr bereichernde Zeit für mich. Ich habe diese intellektuellen Auseinandersetzungen über alle Facetten des Glaubens sehr genossen." Als sie dann drei Jahre später konvertierte, „war ich in meiner religiösen Heimat an- gekommen".
   Maria von Welser liebt die katholischen Rituale, das sinnliche Erleben einer Messe, das Beichten, „das doch sehr menschlich ist". Himmel&Elbe110913SabineTesche

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Prof. Janne Haaland Matláry in Päpstliche Akademie für Sozialwissenschaften berufen

   Benedikt XVI. hat die norwegische Politikwissenschaftlerin Janne Haaland Matlary als Mitglied in die Päpstliche Akademie für Sozialwissenschaften berufen. Die frühere Vize-Außenministerin ihres Landes gehört bereits dem Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden an und ist Beraterin beim Päpstlichen Familienrat. Mehrmals entsandte sie der Heilige Stuhl zu internationalen Konferenzen. Haaland Matlary, vierfache Mutter, gehört der kleinen katholischen Minderheit Norwegens an. Ihr Buch: „So wurde ich katholisch“ wurde mit einem Vorwort von Joseph Kardinal Ratzinger ausgezeichnet. Rv091003

GL-PlacidoDomingo-x    Star-Tenor Placido Domingo . . .

 . . . betet nach eigenem Bekunden vor jedem Auftritt. „Ich bitte um die Kraft, die mich trägt", sagte der 68-Jährige in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Das geschehe nicht aus Eitelkeit, sondern „um den Genies zu dienen, die diese wunderbaren Opern geschaffen haben", die er interpretiere. Deshalb wende sich der gebürtige Mexikaner im Gebet vor jedem Auftritt an die Heilige Cäcilia als Schutzpatronin der Musik und den Heiligen Blasius. Domingo bekräftigte zudem seine Bewunderung für Papst Johannes Paul II. „Karol Wojtyla war eigentlich ein ganz normaler Mensch, einer wie du und ich, und so blieb er auch später, als Papst". DT090317

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Andrea Bocelli’s Mutter wählte das Leben

   Der blinde italienische Tenor Andrea Bocelli erzählt sie Geschichte von der Schwangerschaft seiner Mutter. Bei einer Untersuchung riet der Arzt seiner Mutter zum Schwangerschaftsabbruch, weil sein Kind mit einer Behin- derung geboren würde. In einem neuen Video lobt Bocelli seine Mutter dafür, dass sie „die rechte Wahl“ getroffen hätte, und fügt hinzu, dass andere Mütter sollten durch seinen Bericht ermutigt werden.
   In einem YouTube-Video erzählt Andrea Bocelli eine „kleine Geschichte“ über die Abtreibung. Der Star-Sänger sitzt an einem Klavier und erzählt den Zuhörern eine Geschichte über eine junge schwangere Frau, die in ein Krankenhaus wegen einer „einfachen Blinddarmentzündung“ eingeliefert wurde. „Die Ärzte legten einen Eisbeutel auf den Magen, und nach der Operation wollten sie das Kind abtreiben. Sie sagten der Mutter, es wäre die beste Lösung, denn das Baby käme mit einer Behinderung auf die Welt. Aber die tapfere junge Frau entschied sich gegen die Tötung und das Kind wurde geboren.
   Diese Frau war meine Mutter, und ich war das Kind. Vielleicht bin ich befangen, wenn ich sagen kann: es war die rechte Wahl.“ Andrea Bocelli hofft, dass diese Geschichte seines Lebens viele Mütter in „schwierigen Situationen“ ermutigen könnte, auch das Leben ihrer Kinder zu retten.
   Andrea Bocelli hat als Geburtsfehler den „Grünen Star“. Im Alter von 12 Jahren verlor er die Sehkraft während eines Kopfstoßes während eines Fußballspiels. CT100611TimConroy

Reverend Jeffrey Steenson    Ök-angJeffreySteenson-x

Ein Gespräch mit dem ehemaligen Bischof der Episkopalkirche Reverend Jeffrey Steenson

   Reverend Jeffrey Steenson strahlt jugendliche Glaubensfreude aus. 1980, mit 28 Jahren, wurde er zum Priester der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika geweiht, einer Provinz der Anglikanischen Gemeinschaft, 2005 zum Bischof von Rio Grande (New Mexiko, USA). Zwei Jahre später legte er sein Bischofsamt nieder und kon- vertierte zur katholischen Kirche, am 21. Februar 2009 empfing er die katholische Priesterweihe. Er ist einer der über 70 ehemaligen Priester der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten, die diesen Weg gegangen sind, seit 1980 die „Pastoral Provision" in Kraft getreten ist. Sie gestattet die Errichtung katholischer Pfarreien, die anglika- nische Gebräuche pflegen, sowie die Priesterweihe verheirateter anglikanischer Priester, die zum Katholizismus übergetreten sind. Nach seiner Priesterweihe kam Steenson gemeinsam mit seiner Frau Deborah - sie sind seit 35 Jahren verheiratet und haben drei erwachsene Kinder - für einige Monate nach Rom, wo er sich dem Studium und der Lehre der Kirchenväter widmet. Von “Tagespost” sprach Claudia Kock mit ihm über seine Konversion.
Welcher Prozess liegt Ihrer Konversion zugrunde?
   Innerlich waren bei mir die Kirchenväter entscheidend. Als Doktorand in Oxford las ich John Henry Newman über die Entwicklung der Lehre und merkte, dass der Protestantismus mit der Alten Kirche kaum vereinbar ist. Aber wie viele Anglikaner glaubte ich, dass es das Beste sei, geduldig auf die Versöhnung unserer Kirche mit der römisch- katholischen Kirche hinzuarbeiten. Meine Hoffnungen wurden jedoch enttäuscht. Schon bald kam es zur Kontro- verse über die Frauenordination und dann über die Ordination und Ehe homosexueller Personen. Es waren keine Kernfragen, aber es war symptomatisch für das, was im Anglikanismus, besonders in der Episkopalkirche, vor sich ging.
   2006 hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Wir Bischöfe arbeiteten damals an einer Antwort der Episkopalkirche auf den „Windsor Report" des Erzbischofs von Canterbury. Er schlug für alle Provinzen der Anglikanischen Gemein- schaft eine einheitliche Kirchendisziplin vor. Bei wichtigen Entscheidungen sollten die einzelnen Provinzen sich dem Urteil der Anglikanischen Geemeinschaft fügen. Meine Kollegen sagten: „Das werden wir nicht tun, denn die Epi- skopalkirche ist von ihrem Wesen her demokratisch geordnet." Da wurde mir plötzlich bewusst, dass ich in einem Zug saß, der nicht in Richtung der katholischen Einheit fuhr, sondern in die andere Richtung. Viele meiner Freunde wollten damals eine „alternative" Anglikanische Gemeinschaft schaffen. Ich konnte diesen Weg nicht mitgehen, denn es schien mir eine rein protestantische Lösung zu sein.  Im Protestantismus fängt man einfach wieder neu an, wenn einem etwas nicht gefällt - aber das entsprach ganz und gar nicht meinem Kirchenverständnis. Ich be- schäftigte mich schon lange mit Irenäus von Lyon. In seinem Werk „Gegen die Häresien" schreibt er, dass alle Kirchen im Einklang stehen müssen mit der Kirche von Rom, wegen ihrer apostolischen Gründung. Dieser Text wurde für mich zum Prüfstein. Die Zeit war reif, und meine römisch-katholischen Freunde machten mir Mut. Es war nicht einfach, als Mittfünfziger noch einmal von vorne anzufangen. Ich bin dankbar für meine Amtsjahre in der Epi- skopalkirche, aber ich bin sehr glücklich, katholisch zu sein.
Sie haben einmal gesagt: „Um die katholische Eucharistie herum ist die Luft dichter, und das liegt nicht am Weihrauch, denn in der anglikanischen Kirche benutzen wir mehr Weihrauch".
   Die anglikanische Hochkirche ist sehr stolz auf ihre schöne Liturgie: der Weihrauch, die Musik, die herrlichen Gotteshäuser, die wunderbare liturgische Sprache. Aber all das erschien mir nicht real. Wir schaffen uns damit eine Atmosphäre. In der katholischen Kirche dagegen nehmen wir etwas wahr, das nicht aus uns selbst kommt, sondern von weit außerhalb: die Präsenz Christi. Christus ist wirklich präsent. Er wird durch mein Zutun nicht mehr präsent als er es im Sakrament bereits ist. Daher ist auch in der einfachsten, bescheidensten katholischen Kirche alles realer. Philosophisch könnte man von Nominalismus sprechen: Der Anglikanismus gibt vor, eine katholische Liturgie zu haben, ich glaube jedoch, dass er nominalistisch ist.
2006 wurde Katherine Jefferts Schori zum Primas der Episkopalkirche gewählt>Angllikaner II, als erster weib- licher Primas innerhalb der Anglikanischen Weltgemeinschaft. Da nicht alle Diözesen die Bischofsweihe von Frauen anerkennen, ist ihre Wahl umstritten. Wurde Ihre Konversion davon beeinflusst?
   Nein. Ich hatte mich schon vor ihrer Wahl dazu entschlossen. Katherine war für mich ein Geschenk, das die Ent- scheidung, die ich im Herzen trug, bestätigte. Sie ist ein sehr liebenswerter Mensch. Theologisch haben wir nicht viel gemeinsam, aber sie hat die Probleme in der Episkopalkirche nicht verursacht.
Waren Sie sicher, auch nach Ihrer Konversion als Priester dienen zu können?
   Nein, und ich war mir dessen bewusst. Das war sehr schwer. Man muss den Schritt im Glauben tun. Als Konvertit muss man lernen, die Entscheidungen der Kirche zu akzeptieren. Das Wichtigste ist, Katholik zu sein. Ob ich Pries- ter bin oder nicht, ist zweitrangig. Ich wäre auf jeden Fall konvertiert. Ich wusste, dass ich nicht bleiben konnte. Wenn man sich einem Weg nicht aus ganzem Herzen hingeben kann, dann sollte man ihn nicht weitergehen.
Wie hat die anglikanische Kirche reagiert?
  Die Ultraliberalen jubelten. Sie waren wahrscheinlich froh, dass ich ging. Die Konservativen taten sich schwer mit meiner Entscheidung. Sie hatten gehofft, dass ich mich für einen konservativen, biblischen Anglikanismus ein- setzen würde, von der Episkopalkirche getrennt. Sie waren sehr betroffen. Es war eine schwere Entscheidung. Als ich den katholischen Erzbischof von Santa Fe um Rat fragte, sagte er: „Sagen Sie den Menschen, dass es eine Ge- wissensentscheidung ist. Das werden sie akzeptieren". Er hatte recht. Als ich in New Mexiko zum Priester geweiht wurde, gab es darüber einigen Unmut. Das war sehr unangenehm.  Aber die Zeit heilt alle Wunden. Aus den Augen, aus dem Sinn: Auch deshalb verbringe ich dieses Jahr in Rom, damit sich die Situation entspannt.
Wie steht Ihre Familie, besonders Ihre Ehefrau, zu Ihrer Entscheidung?
   Meine Frau Debbie und ich haben solange gewartet, bis auch sie zu diesem Schritt bereit war. Ich hätte es schon früher getan. Aber es war besser zu warten, bis wir es gemeinsam tun konnten. Sie ist sehr glücklich darüber. Kardinal Law hat uns 2007 gemeinsam in die Kirche aufgenommen, hier in Rom, in Santa Maria Maggiore, wo ich ein Jahr später auch zum Diakon geweiht wurde. Bevor Kardinal Law Erzbischof von Boston wurde, arbei- tete er an der „Pastoral Provision". Ich kannte ihn schon lange; es war mein großer Wunsch, von ihm in die Kirche aufgenommen zu werden. Johannes Paul II. hat die „Pastoral Provision" 1980 approbiert. Als er 1978 gewählt wurde, war ich Student in Harvard. Im Fernsehen sah ich, wie er die Loggia des Petersdoms betrat, und da hatte ich das seltsame Gefühl - fast eine mystische Schau -, dass ich eines Tages zu seiner Kirche gehören würde. Ich wollte unter ihm katholisch werden. Aber ich verpasste die Gelegenheit. Als er starb, war ich sehr unglücklich darüber, dass ich es mir nicht zum Ziel gesetzt hatte. Benedikts Wahl war jedoch ein Segen. Ich war ihm 1993 begegnet und bewundere ihn sehr. Diese zweite Gelegenheit wollte ich nicht verpassen.
Welche Hoffnungen haben Sie für den ökumenischen Dialog?
   Meine Hoffnungen sind größer denn je, auch wenn sie jetzt natürlich andere Formen annehmen. Letztes Jahr sagte Kardinal Kasper, dass der bisher beschrittene Weg einer Änderung bedarf. Es gibt eine große Mauer. Wenn die anglikanische Kirche weiter weibliche Bischöfe weiht, dann ist das ein unüberwindliches Problem. Es ist wichtig, die Türen offenzuhalten und die Gespräche fortzusetzen. Die katholische Kirche kann und sollte ihre Lehre nicht ändern. Aber vielleicht erleben viele Protestanten eine Umkehr des Herzens. Ich kenne zwei Frauen, die Priester in der Episkopalkirche waren und ihr Amt aufgegeben haben, um katholisch zu werden. Ich bewundere sie sehr. Ich bewundere ihren Mut. Solche Menschen sind für mich wirkliche Helden. Für mich war es nicht so schwer, aber sie haben ein großes Opfer gebracht. Kürzlich habe ich Lumen gentium noch einmal gelesen. Auch hier wird deutlich, dass die Annäherung letztlich zur katholischen Einheit führt. Es hat mir auch gutgetan, durch Lumen gentium noch einmal daran erinnert zu werden, dass jeder, der überzeugt ist, dass Christus die katholische Kirche gegründet und sie dem Petrus anvertraut hat, verpflichtet ist, entsprechend zu handeln; es wird für ihn zur Frage des Heils. Diese Botschaft möchte meinen Freunden, die noch Protestanten sind, vermitteln. In Gottes Zeit wird sich alles zum Guten wenden. Darauf vertraue ich. Die katholische Kirche braucht keinen Triumphalismus. Ich möchte nur Zeugnis geben von meiner Dankbarkeit und meiner Freude, katholisch zu sein. DT090707
Reverend Jeffrey Steenson ist von Papst Benedikt XVI. zum 01. Januar 2012 zum Leiter des US-amerika- nischen Personalreferates für die ehemaligen Mitglieder der Episcopal Church, die zur katholischen Kirche übergetreten sind, ernannt worden. Lesen Sie unsere Fotoberichte auf unserer Seite > Anglikaner

GL-BangalyMarra-     Die Geschichte von Bangaly Marra:

Der 38-Jährige war Moslem und ist jetzt katholischer Priester

   Vor zwanzig Jahren kam er – als illegaler Einwanderer und Fabrikarbeiter von der Elfenbeinküste nach Nord- italien – jetzt ist er katholischer Priester. Zwei Jahre lang blieb er ein „Clandestino“, wie man hierzulande sagt. „Es gab damals noch keine Visa-Vereinbarung zwischen Elfenbeinküste und Italien“, erzählt er, „und so war ich eben ein Illegaler. Aber das wahre Problem war die Sprache ... Ich fand freundliche Leute, die mir keine Probleme be- reitet haben.“
   Marra war Moslem und kam in Italien zum ersten Mal so richtig in Kontakt mit dem Christentum. „Sagen wir es so: Ich war mit meinem islamischen Kontext nicht zufrieden, ich suchte etwas, was darüber hinausging. Das war eine lange Suche nach etwas Größerem. Ich habe dann für mich die Antwort gefunden, als ich die Evangelien las – da war das, was ich suchte. Das hat mich dazu bewegt, mich auch in den Dienst an den anderen zu stellen; auch darum habe ich beschlossen, Priester zu werden.“
   Seine Familie in Elfenbeinküste ist zuerst natürlich nicht begeistert über diesen Religionswechsel. Marra muss viel erklären; er betont, dass er seine Wahl frei getroffen hat. „Da haben sie verstanden, dass ich es ernst meinte und dass das kein Witz war. Ich habe wirklich in mir gespürt, dass das meine Straße war. Das haben sie schließlich verstanden und mich meinen Weg gehen lassen.“
   Marra arbeitet damals noch in einer Fabrik: „Eine wirklich schöne Erfahrung. Erschöpfend natürlich auch. Aber wenn ich jetzt mit Arbeitern rede, dann weiß ich, wie die leben. Ich habe auch dort den Herrn getroffen.“ Im Juni 2009 wurde er in Mailand zum Priester geweiht; heute ist Marra Kaplan in einem Städtchen in der Provinz Mailand. Die Leute dort haben ihn gut aufgenommen, sagt er. Das derzeitige Priesterjahr „ist nicht nur für die Priester da“, sinniert Marra – und hat auch einen Wunsch an die derzeitige Afrika-Bischofssynode im Vatikan:
 „Dass die Bischöfe die wahren Probleme Afrikas erkennen. Afrika hätte es nötig, das Wort Gottes richtiggehend zu kauen, um ins Geheimnis des Evangeliums einzutreten. Der Geschmack des Wortes Gottes würde Afrika gut tun.” Denn, davon ist der Kaplan überzeugt: „Im Wort Gottes finden wir alles – für den Nächsten, für die Armen, für die Fremden. Wenn sie an unsere Türen klopfen, dann sollten wir keine Angst vor ihnen haben, sondern sie auf- nehmen und ihnen helfen.“ So wie er es ja selbst erlebt hat, als er von Afrika nach Italien kam. Rv091006 
> In Deutschland gibt es  jährlich rund 150 Muslime, die um die Aufnahme in die katholische Kirche bitten.

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Anne Rice Foto oben links lebte 40 Jahre fernab vom Glauben, bevor sie sich ihrer Not bewusst wurde
und in die Kirche zurückkehrte. Die Bestseller-Horror-Autorin, die 100 Millionen Bücher verkauft hat,
berichtet hier von ihrem großen Glück, wie sie vom Blut der Vampire zum Blut Christi zurückfand.

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   Die Romanschriftstellerin Anne Rice ist nicht schreckhaft. Vampire, Geister und Gegenstände, die nachts rum- poltern, haben diese berühmte bestseller-Autorin nie gestört. 40 Jahre lang hat die heute 68jährige schreckliche Bücher geschrieben. Einige dieser Romane brachte Hollywood als ebenso erfolgreiche wie grausame Horrorfilme auf die Leinwand. Ihr bekanntester Roman „Interview with the Vampire” erschien 1973 als erste von ihren Vampir- Geschichten. Er wurde zum Blockbuster-Event und machte Brad Pitt und Tom Cruise zu Weltstars. Der Erfolg er- mutigte sie, weitere makabre Geschichten zu erfinden, darunter auch einige nicht jugendfreie Bücher. In der Ge- samtauflage erreichte sie mehr als 100 Millionen verkaufte Bücher.
  Aber eines jagte ihr doch Schauer über den Rücken: der Tag, an dem sie sich bewusst wurde, dass sie jeden Kontakt zu ihrem einst tiefen katholischen Glauben verloren hatte. Nachdem sie so 40 Jahre als in der Wolle ge- färbte Atheistin gelebt hatte, beendete sie das Kapitel der blutsaugenden Bücher und öffnete die lebensspende- nden Seiten des Katechismus. „Ich machte einen furchtbaren Fehler, ich habe meinen Glauben verloren, weil ich meinte, ich könne nicht in den Grenzen der Kirche leben; und weil ich dies unmöglich fand, bildete ich mir ein, dass die Kirche sich irrt und Gott vielleicht gar nicht existiert.“ Ich hörte auf mit Gott zu sprechen. Ich hörte auf, Gott um etwas zu bitten. Ich hörte auf zu beten. Mein Fehler war die Sturheit, es fehlte mir jegliche Elastizität, kurz: ich war unfähig mich für neue Erfahrungen zu öffnen und vollzog damals einen totalen Bruch mit der Kirche.“  
   Anne Rice verbrachte ihre Kindheit in New Orleans, eine Stadt, die bekannt ist für die Vermischung von Religion, heidnischen Feiern und Okkultismus. Seit ihrer Jugend war sie von dieser multi-kulti-Melange fasziniert – und das findet sich auch in ihren Büchern wieder. Sie entstammte einer tiefreligiösen irischen Familie. Als sie mit 18 Jahren den Dichter und überzeugten Atheisten Stan Rice heiratete, legte sie ihren Glauben ab. Sie spricht ganz offen über ihre Jugendzeit in New Orleans, ihre Trauer über die Alkoholabhängigkeit ihrer Mutter und ihr Leben im radikalen Berkeley, California, während der Hippie-Ära.
  Alle ihre Erinnerungen sind eingewebt wie in einen reichen Wandteppich. Eindrucksvoll beschreibt sie ihre kleinen Abendspaziergänge mit ihrer Familie durch den Garten-Distrikt in New Orleans im Jahre 1940. Der Weg führte zu einer kleinen Kapelle zur Muttergottes von der Immerwährenden Hilfe an der Prytaniastraße, wo sie manchmal hin- gingen, um zu beten. Sie erzählt von den riesigen alten Eichen und den „eindrucksvollen Häusern mit ihren ko- rinthischen und dorischen Säulen“, jedes für sich wie ein Denkmal. In ihrer Erinnerung erscheinen die purpurroten Wandelröschen und die eisblauen Bleiwurzgewächse, die sich durch die Latten der schwarzen, eisernen Umzäu- nung hindurchdrängten. Die katholische Kapelle „stand hinter einer hohen, schwarzen Lattenumzäunung; die Tür stand immer offen, und eine kleine Flucht von weißen Marmorstufen führte in das Portal, das mit weißem Marmor ausgekleidet war“. Dann erzählt sie von „dem Wachs der flackernden Kerzen“ drinnen und „dem bleibenden Duft von Weihrauch“.
   „Als Atheistin hatte ich immer eine ganze Reihe von Argunmenten gegen Jesus“, sagt Anne Rice. Am Ende fand ich meine Zweifel nicht sonderlich überzeugend, während gleichzeitig die Kraft des Evangeliums mich ‚aus den Socken riss‘. Als ich nun wieder begann mit Jesus zu sprechen, tat ich es mit großem Vertrauen. An jenem Nachmittag im Jahre 1998, als der Glaube zurückkehrte, erlebte ich einen Hauch der grenzenlosen Macht und Majestät Gottes, die mich überzeugte, dass Gott alle Antworten kannte auf die theologischen und sozialen Fragen, die mich seit vielen Jahren quälten. In einem prägenden Augenblick sah ich, dass Gott, der die Doppelhelix und auch die Schneeflocke erschaffen konnte, der die schwarzen Löcher im Weltraum schuf und die Lilien auf dem Feld, dass dieser Gott grenzenlos alles machen konnte und absolut alles weiß.“’
   Nun erwachte in ihr eine Sehnsucht nach dem Glauben, sie besuchte oft die in der Nähe liegenden Kirchen, in der Hoffnung, einen Priester zu treffen. Langsam entwirrte sie ihre 40-jährige Wildnis, sie erschrak darüber, wie weit sie gegangen war. Als ihre Vampir-Romane immer grausamer wurden und ihr Erfolg immer größer, wurde sie immer unglücklicher, je mehr sie von Gott wegging. „Ich war schuldbeladen und übertrug dieses auf meine Roman- figuren“, erklärt sie ihre Situtation. „Die Vampire waren eine Metapher für die Seelen, die sich vom Licht Christi entfernen in die Dunkelheit der Nacht. In diesen Jahren spiegelten meine Romanfiguren meine Verzweiflung, meine Schuld und die Suche nach Sinn und nach dem Glauben“.
   Es ist fast unglaublich, aber als Anne Spice auf der Suche nach neuen Ideen für ihre Romane und Geschichten war, begann sie den katholischen Glauben wieder zu entdecken. Die ersten Vampire wurden in den Romanen des 18. Jahrhunderts erfunden, aber Anne Spice entschied sich, noch weiter zurückzugehen. 
   „Als ich das erste Jahrhundert erreichte und begann, den Ursprung des Christentums zu erforschen und wie es damals in der römischen Welt zuging, erkannte ich Raster, die ich nicht erklären konnte – es sei denn dass es einen Gott gibt, der in der Geschichte wirkt. Durch Lesen und Schreiben führte mich meine Suche zurück in die Kirche. Dann kam der Tag, als ich dachte: ‚Sieh an, du glaubst an Christus, du liebst ihn, du möchtest heimkehren zur Kirche, du möchtest zurückkehren zum Festmahl und du möchtest die Heilige Kommunion wieder empfangen. Das heißt doch, du bist nicht länger mehr eine Atheistin, meine Dame!‘“
   Anne Rice fand nun, dass sie nicht länger von den großen Fragen gequält wurde wie diese: warum das Böse exisiert, oder warum gute Menschen leiden müssen. Inzwischen lebte sie wieder in New Orleans ganz in der Nähe der Pfarrkirche „Nativity of Our Lord in Kenner“ und nahm jetzt wieder regelmäßig an der Heiligen Messe teil und war auf der Suche nach einem Priester, von dem sie eine geistliche Führung erwartete.
  Jetzt suchte Anne Rice auch eine neue Identität als Schriftstellerin. Ihr Talent war nicht verloren, aber die Themen mussten sich ändern. Das Ergebnis waren Christus-Bücher, die sich beschäftigten mit dem Leben Jesu als junger Mann in Nazaret, vor seinem öffentlichen Wirken. Überrascht wurde sie durch einige Kritiken, die sie erhielt. Einige von ihnen waren zu erwarten gewesen, sie kamen von Protestanten, die die Jungfräulichkeit Mariens nicht an- erkennen. Sie erhielt aber auch Kritik von Seiten katholischer Christen, weil sie die Legenden über Eltern Mariens, Anna und Joachim, in ihre Texte übernahm. „Meine Christus-Bücher sind echt katholische Bücher, aber ich hoffe, dass sie alle Christen ansprechen“, sagt Anne Rice, die sich sehr verärgert zeigte, als Dan Brown’s Da Vinci Code ein bestseller wurde mit dem SuperStar Tom Hanks. Die Menschen wünschen sich korrekte biblische Filme, beson- ders nach dem Da Vinci Code. Es war eine Katastrophe, eine solche lächerliche Geschichte auf den Markt zu brin- gen und schlimmer noch, dass die Leute solchen Unsinn auch noch glaubten.
   „Mein zweiter Christus-Roman „I see The Road to Cana“ war eine direkte Antwort auf den Da Vinci Code. Nein, und nochmals nein: unser Herr heiratete nicht Maria Magdalena. Er lebte im Zölibat und ohne Sünde.
   Ich glaube an ihn. Das ist ganz einfach, und doch schwierig. Ich glaube an Jesus Christus, Gott und Mensch, der auf die Erde kam, der als kleines Kind geboren wurde und dann über 30 Jahre mitten unter uns lebte. Meine Gebete und Meditationen sind auf diesen Christus gerichtet. Meine Bücher für Jesus wurden zur Berufung, die meine früheren Romane verblassen ließen.“
   Als Anne Rice mit ihrem ersten Christus-Buch begann, plante sie nicht über die Passion zu schreiben. Aber ihre Erfahrungen mit Schmerz und Schaden habe sie zur Einsicht gebracht, diese Buch-Reihe weiterzuführen.
    Ihre Tochter starb an Leukämie im Alter von fünf Jahren. Ihr Ehemann starb nach 41 Ehejahren an Gehirntumor. Ihre Eltern sind längst verstorben und ihre ältere Schwester Alice starb 2007. Diese Verluste haben ihr ein „tiefes Verständnis“ dafür gegeben, wie wichtig es ist, jemand zu lieben, und wie wertvoll jeder Moment und jeder Tag ist: „Du beobachtest, was Menschen erleiden, und wie sie sterben; du siehst, denke ich, das Erbarmen des Herrn, das zarte Erbarmen des Herrn.“
   50 Jahre ist Anne Rice nun bestseller-Autorin. Nun hat sie ihre neue Rolle für ihre Feder entdeckt, die sie einst in das Blut von Vampiren tauchte – jetzt schreibt sie über das Blut Jesu. „Wir müssen wieder und wieder zurück- finden zu Jesus Christus, nach all unseren Fehlern, und ihn ihm suchen wir – in seiner ehrfurchtgebietenden Majestät und Macht – die kreativen Lösungen unserer Probleme“. Da ist sich Anne Rice jetzt ganz sicher. 
CT090329JamesHastings 

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Foto links: Anne Rice in Meditation vor Christus und Franziskus. Foto rechts: Christ the Lord-Reihe

Anja Silja, Opernsängerin     GL-AnjaSilja-x

Foto links:Anne Rice in Meditation vor Christus und Franziskus. Foto rechts: Christ the Lord-Reihe

    „Seine Bescheidenheit und Klugheit, sein Minimalismus, das kann ich alles sehr gut nachvollziehen", sagte die gebürtige Berlinerin in einem Interview des Berliner „Tagesspiegel". Sie bewundere Papst Benedikt unendlich. Aus- schlaggebend für ihre Entscheidung zur Taufe sei auch die Oper „Dialoge der Karmeliterinnen" gewesen, die Francis Poulenc (1899-1963) im Jahr 1957 geschrieben hat, erläuterte Silja. Die Sopranistin verwies darauf, Religion, Spiritualität, Mystik, Ruhe und Stille seien ihr schon immer im Leben wichtig gewesen. DT090127

kk-AndreaRiiccardi-x       Andrea Riccardi

Deutschland/Italien: Karlspreis an Andrea Riccardi von Sant’Egidio

   Der Internationale Aachener Karlspreis 2009 wurde an Christi Himmelfahrt an den italienischen Historiker Andrea Riccardi verliehen. Der Gründer der ökumenischen Gemeinschaft Sant’Egidio sei „ein großer Europäer, der mit leidenschaftlichem Engagement für die Verständigung über alle konfessionellen und nationalen Grenzen hinweg“ eintrete, begründete das Karslpreis-Direktorium seine Entscheidung. Mit der Gemeinschaft Sant’Egidio habe Riccar- di einen bedeutenden Beitrag für eine friedlichere und gerechtere Welt geleistet. Insofern bedeute die Auszeich- nung mit dem Aachener Karlspreis eine große Verantwortung, sagte uns Riccardi:
   „Nicht nur für mich, sondern für die ganze Gemeinschaft! Denn den Preis erhalte nicht ich, sondern die Gemein- schaft. Die Verantwortung, die wir fühlen, Männer und Frauen zu sein, die für das Evangelium leben. Europäer, die nicht ihre Wurzeln vergessen. Das Christsein und das Dasein für die anderen sind in ihre Zukunft eingeschrieben.“
  Die ökumenische Bewegung hat heute nach eigenen Angaben rund 50.000 Mitglieder in 70 Ländern. Riccardi, damals Student, gründete Sant’Egidio 1968 in Rom zusammen mit einigen Mitstreitern. Man traf sich mit Armen und Obdachlosen und las mit ihnen aus dem Evangelium. Das Evangelium ist es, das die Gemeinschaft seit ihrer Grün- dung in die Tat umsetzen will. In den 80er Jahren erweiterte Sant’Egidio seinen Aktionskreis nach Afrika. 1992 glückte nach hartnäckiger Vermittlungsarbeit der Gemeinschaft ein Friedensabkommen in Mosambik, das bis heute hält. Unter anderem dafür und erhielt Sant’Egidio 1999 den Friedenspreis der UNESCO. Für das Aids-Projekt „Dream“ in Afrika, eines der wichtigsten Programme zur Bekämpfung der Immunschwächekrankheit, wurde Sant’Egidio 2004 mit einem Sonderpreis der renommierten Schweizer Balzan-Stiftung geehrt. In Italien setzt sich die Gemeinschaft besonders für illegale Bootsflüchtlinge aus Afrika ein.
   Riccardi: „Sant’Egidio ist eine europäische Tatsache. Als eine kleine, umgrenzte Gemeinschaft, die befreundet ist mit den Armen, will Sant’Egidio Europa sagen, dass es nicht für sich allein leben kann. Vielmehr muss es für die anderen leben. Wir dürfen nicht wie eingeschlossen in unseren nationalen Grenzen leben, sondern müssen die Würde entdecken, Europäer zu sein - verschieden, aber nicht getrennt.“
   Der Karlspreis wird seit 1950 traditionell am Fest Christi Himmelfahrt an Personen oder Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. 2004 erhielt Papst Johannes Paul II. einen Außeror- dentlichen Karlspreis. Weitere Träger waren Konrad Adenauer, Francois Mitterand, Helmut Kohl, Vaclav Havel, Tony Blair, Bill Clinton und Angela Merkel. Rv090520kna
Wofür steht Andrea Riccardi?
   Der Karlspreisträger des Jahres 2009 passt in kein Schema. Nie hat er ein öffentliches Amt bekleidet, ein politi- sches Mandat besessen oder eine Diplomatenakademie besucht. Doch als Gründer der „Gemeinschaft Sant'Egidio" hat Riccardi womöglich mehr zum Frieden in der Welt und zur Versöhnung zwischen den Völkern beigetragen als manch ein Preisträger vor ihm.
   Die Bekehrung des Sohnes aus gutbürgerlichem Haus fiel in das Jahr 1968. In der Tschechoslowakei hatten Panzer den „Prager Frühling" niedergewalzt, im Westen revoltierten Studenten, auch in der katholischen Kirche brodelte es. „Alles kann sich ändern", so beschreibt der 1950 geborene Römer die Lehre jenes Jahres, „aber ohne Gewalt - und die Veränderung muss bei mir anfangen." Die „Dritte Welt" der Gymnasiasten, die Riccardi um sich scharte, lag nicht jenseits des Atlantiks, sondern in den Baracken der römischen Vorstädte, ihre Lektüre war nicht die Mao-Bibel, sondern das Matthäusevangelium, die Inspiration ihrer Lieder nicht das Stampfen der Stiefel, son- dern die byzantinische Liturgie. In ein Schema Schema pressen ließ sich die „Gemeinschaft Sant'Egidio", wie sie sich seit 1974 nach dem Ort ihres täglichen Abendgebetes nennt, noch nie - wie ihr Gründer.
   „Ich reise, ich unterhalte mich, und dann studiere ich die Geschichte, um zu sehen, was hinter den Worten steckt": So entwickelte sich der Jurist nicht nur zu einem Geschichtsprofessor, der sich mit Büchern wie dem über die Christenverfolgung im 20. Jahrhundert einen Namen gemacht hat. Vor allem wurde Riccardi zum „Spiritus Rector" einer Bewegung, die seit 1986 päpstlich anerkannt ist und mittlerweile 50.000 Mitglieder und Freunde in allen Kontinenten zählt.
   Ihr Markenzeichen sind die sieben „Werke der Barmherzigkeit" - Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte kleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Tote bestatten - nicht weniger als die Ver- pflichtung, vor dem Bösen in der Welt nicht zu resignieren. Ob in den achtziger Jahren im Libanon, in den neunziger Jahren in Mocambique und Algerien, in Guatemala und dem Kosovo oder jüngst in der Elfenbeinküste - in vielen innerstaatlichen Konflikten haben Riccardi und andere Mitglieder seiner Bewegung geduldig und nicht selten erfolgreich vermittelt.
   Für den Katholiken Riccardi waren der Kampf gegen die Armut und für den Frieden stets zwei Seiten derselben Medaille. Der Europäer Riccardi ist längst nicht am Ziel, der Karlspreis nur eine Etappe auf dem Weg hin zu einem weniger selbstgenügsamen Europa.  FAZ090520DanielDeckers

Nicolas Sarkozy   amIngridBetancourt-xx   Ingrid Betancourt

Betancourt dankt Jungfrau von Guadalupe: “Ich bin sicher, dass sie da war, um uns zu helfen

   Die nach fast sechseinhalb Jahren Geiselhaft aus der Gewalt linker FARC-Rebellen befreite frühere kolumbi- anische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt ist von Bogota aus nach Paris geflogen. Zuvor hatte sie bei einer Pressekonferenz in der französischen Botschaft angekündigt, dass sie von Papst Benedikt XVI. im Vatikan empfangen werde. „Das ist ein Treffen, das man sich nicht entgehen lassen darf, sagte die 46-Jährige. Der genaue Termin sei ihr noch nicht bekannt.
   Betancourt war zusammen mit vierzehn weiteren Geiseln bei der spektakulären Aktion von den Streitkräften durch einen Trick und ohne Blutvergießen befreit worden. Ihre Rettung aus der Hand der Rebellen am Fest Maria Heimsuchung schrieb Betancourt der Fürsprache der Muttergottes zu. Der lateinamerikanische Nachrichtendienst „Noticieros Televisa International” berichtete, dass Betancourt in der Pressekonferenz vor dem Abflug der Jungfrau von Guadalupe gedankt habe: „Ich bin sicher, dass sie da war, um uns zu helfen. Fast sieben Jahre habe ich auf diesen Moment gewartet. Im Dschungel habe ich vor Schmerzen geweint, heute weine ich vor Freude.”
   Schon unmittelbar nach der Ankunft am Flughafen von Bogota nach der Befreiung hatten Betancourt und ihre Angehörigen Gott und der Jungfrau Maria mit einem Gebet auf Knien gedankt. Betancourt berichtete nach der Landung, sie habe am Morgen nach dem Aufstehen den Rosenkranz gebetet. Am linken Handgelenk trug Betan- court während der Befreiungsaktion einen selbstgeknüpften Rosenkranz.
Auf dem Foto unten links: Der von Ingrid Betancourt in der Geiselhaft selbst geknüpfte Rosenkranz.
Foto unten rechts: Das Gnadenbild von
> Guadalupe

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   Die Politikerin stammt aus einer tiefgläubigen Familie. Im Mai hatte ihre Schwester Astrid Betancourt der Zeit- schrift „Panorama” gegenüber erklärt, Ingrid und die gesamte Familie vertrauten auf die Gottesmutter und gäben die Hoffnung nicht auf.
   Benedikt XVI., den Betancourts Mutter Yolanda Pulecio Anfang Februar nach der Generalaudienz um sein Gebet für ihre Tochter gebeten hatte, ist erleichtert über die Befreiung, die „Anlass zur Hoffnung” für Kolumbien gibt. Das sagte Vatikansprecher Federico Lombardi, als die Nachricht über die Rettung der Politikerin bekannt wurde. „Die Nachricht von der Befreiung Ingrid Betancourts und der anderen Geiseln ist eine Nachricht, die uns mit großer Freude erfüllt. Natürlich hoffen wir, dass es sich dabei um ein positives Zeichen handelt, dem andere dieser Art folgen werden. Denn unglücklicherweise leiden immer noch viele Personen auf dieselbe Art, infolge der Gewalttat einer Geiselnahme.”, so Lombardi.
   Papst Benedikt hatte oftmals zur Freilassung dieser Geiseln aufgerufen, zuletzt in einer Botschaft an die kolum- bianischen Bischöfe, denen er zum 100-jährigen Bestehen ihrer Bischofskonferenz gratulierte. „Der Appell des Papstes hat sein Ergebnis erbracht in dieser Befreiung, die wichtig, aber gleichzeitig begrenzt ist. Wir hoffen, dass alle diese Menschen die Freiheit wiedererlangen, und dass Kolumbien auf Frieden hoffen kann, auf eine Rückkehr zu einem Leben, das frei ist von der entsetzlichen Gewalt, die das Land seit langer Zeit quält.”
  Auch die kolumbianischen Bischöfe, die derzeit zu ihrer Vollversammlung in Bogota versammelt sind, begrüßten die Rettungsaktion. Dies sei eine „großartige Nachricht”, erklärte Kardinal Pedro Rubiano Saenz. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Luis Augusto Castro, sieht eine Chance auf ein Ende des bewaffneten Konflikts.  Die Guerilla-Organisation müsse begreifen, dass nach einer Freilassung aller Geiseln die Tür für eine Verhandlungs- lösung offen stehe.  rvDT080705regDPA

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   Foto oben links: Ingrid Betancourt hat sich im südfranzösischen Wallfahrtsort Lourdes mit bewegenden Worten bei der Jungfrau Maria für ihre Befreiung aus den Händen der Farc-Rebellen bedankt. „Danke, Maria! Danke für meine Freiheit, danke für das Leben”, sagte sie an der Seite des Erzbischofs Jacques Perrier vor Tausenden Pilgern. Während des Angelus-Gebets an der Grotte von Massabielle schloss Betancourt die Augen oder blickte gebannt auf die Statue der Heiligen Jungfrau. Mehrmals nahm sie ihre Mutter, ihre Schwester und ihre Kinder Melanie und Lorenzo in den Arm. Die Pilger applaudierten Betancourt anschließend, einige umarmten sie. Am Vormittag hatte sich die Katholikin allein zu einem Gebet in eine Kapelle zurückgezogen. Betancourts Mutter hatte während der Geiselhaft angekündigt, sobald ihre Tochter frei sei, werde die erste Reise der beiden nach Lourdes führen. Foto oben rechts: Ingrid Betancourt mit Tochter Melanie und Sohn Lorenzo. AZ080714AFPkna

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Ingrid Betancourt und ihr Sohn Lorenzo entzündeten Kerzen in der Grotte von Massabielle

   Die franko-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt hat im südfranzösischen Marienwallfahrtsort Lourdes für ihre Befreiung aus den Händen der kolumbianischen FARC-Rebellen gedankt. Wie französische Medien berichteten, war sie in Begleitung ihrer Mutter Yolanda Pulecia Velez, ihrer Schwester Astrid und ihrer Kinder Melanie und Lorenzo Delloye. Der Bischof von Tarbes und Lourdes, Jacques Perrier, betete mit der Familie an der Grotte von Massabielle das Angelusgebet. „Danke Maria! Danke für meine Freiheit, danke für das Leben”, sagte Betancourt den Berichten zufolge vor mehreren tausend Pilgern. Mit einem Rosenkranz in den Händen fügte sie hinzu: „Ich flehe dich an, meine liebe Maria (...), beschütze diejenigen, die zurückbleiben mussten. Sie brauchen dich, deine Kraft, deine Hoffnung und dein Licht.”
   Die Pilger applaudierten anschließend der 46-jährigen Politikerin, die von einem hohen Aufgebot an Sicherheits- kräften begleitet wurde. Am Vormittag hatte sich die katholische Christin allein zu einem Gebet in eine Kapelle zurückgezogen. Nach Angaben der Wallfahrtsstätte hatte Betancourts Mutter während der Geiselhaft den Wunsch geäußert, sich mit ihrer Tochter nach Lourdes zu begeben. Sobald sie frei sei, werde die erste Reise der beiden nach Lourdes führen. Das habe sie der Jungfrau versprochen, wurde Betancourts Mutter zitiert. Betancourt selbst hatte nach ihrer Freilassung mehr- fach erklärt, während ihrer sechs Jahre dauernden Geiselhaft habe sie das Gebet sehr verändert. Sie habe zudem Beistand in Jesus und Maria erfahren.
   In der aktuellen Ausgabe der französischen Zeitschrift „Pelerin” berichtete Betancourt, ihr Glaube sei in der Ge- fangenschaft kontinuierlich gewachsen. Diese sechs schrecklichen Jahre seien geschehen, „damit ich andere Dinge begreife”. Erst in dieser Zeit habe sie eine Beziehung zur Muttergottes gefunden. Ihr verstorbener Vater sei zwar ein großer Marienverehrer gewesen, doch dies sei ihr früher albern erschienen. Im Dschungel habe sie voller Be- wunderung für die Mutter Jesu die Heilige Schrift gelesen. „Um Maria zu verstehen, muss man etwas Lebens- erfahrung und Reife haben”, sagte Betancourt, die während der sechsjährigen Gefangenschaft im Dschungel viele Versprechen an die Mutter- gottes abgelegt hat. Sie finde es „sensationell”, wie Maria zu ihrem Kind Ja gesagt habe, obwohl sie ihr Leben ganz anders geplant hatte. „Maria ist jedes Risiko eingegangen”, so die Politikerin. „Ich finde Maria stark, intelligent und humorvoll". Der Dialog zwischen Jesus und Maria bei der Hochzeit zu Kanaa im Johannesevangelium habe in ihr eine tiefe Liebe zu Maria geweckt und sie zugleich an ihre eigene Beziehung zu ihrem Sohn Lorenzo erinnert.
   Am 1. Juni habe sie im Lager durch den katholischen Radiosender „Radio Catolica Mundial” erfahren, dass der Juni der Herz-Jesu-Verehrung geweiht sei. Dies habe sie an die letzte Begegnung mit ihrem Vater erinnert, der am Tag vor ihrer Entführung vor einem Herz-Jesu-Bild für sie gebetet habe. Obwohl sie keine genaue Vorstellungen von einer Herz-Jesu-Weihe hatte, habe sie daraufhin gelobt, sich künftig ganz dem Herzen Jesu zu übereignen, wenn sie im Juni das Datum ihrer Befreiung erfahre. Dabei habe sie gelobt, nach der Befreiung als erstes dem Herrn zu danken. Aus diesem Grund sei ihre erste Geste nach der Landung auf dem Flughafen in Bogota  ein Kreuzzeichen gewesen. Am 27. Juni habe der Kommandant den Befehl zum Aufbruch gegeben, da einer der Gei- seln möglicherweise freikommen werde. Auch wenn alles schließlich anders gekommen sei, wisse sie nun: „Jesus hat Wort gehalten. Ich habe ein Wunder erlebt”.
   Das erste Jahr ihrer Gefangenschaft sei sehr hart gewesen. Sie habe im Kampf mit Gott gelegen und ihm den Tod ihres Vaters sehr übelgenommen. Die Frage „warum strafst Du mich so?”, habe sie stark beschäftigt. Im Lauf der Zeit habe sie eingesehen, dass der Tod  ein Segen für ihren Vater gewesen sei, denn er hätte „diese sechs schrecklichen Jahre” niemals durchgestanden. Die Heilige Schrift, mit der sie sich zuvor nicht weiter beschäftigt hatte und ihre Liebe zu Jesus und Maria hätten ihr die Kraft gegeben, den Hass gegen ihre Peiniger zu über- winden. Jedes Mal, wenn sie in der Bibel Jesu Wort von der Feindesliebe gelesen habe, habe sie sich direkt angesprochen gefühlt. Der Text sei ihr sehr nahe gegangen, denn diese Forderung Jesu umzusetzen sei nicht leicht. Sie habe sich dennoch erleichtert gefühlt, wenn sie im Dschungel das „Segne deine Feinde” vor sich herge- murmelt habe, wenn ihr der Sinn überhaupt nicht danach stand. Die Gefangenschaft habe einen Teil ihres Schreckens verloren und sie selbst habe sich verwandelt. Tief beeindruckt habe sie das Pauluswort aus dem Römerbrief „Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen” Röm 8,26. Gegen diese Aussage habe sie sich zunächst empört: „Mein Gott, ich weiß doch, was ich will: frei sein”. Heute habe sie endlich begriffen welches Glück es bedeute, dass das Heilige Geist da sei, um für sie zu beten, denn sie sei nicht imstande, um das Notwendige zu bitten. DT080715  Mehr über Lourdes > Lourdes I

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