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Liturgie & Musik

Kultur und Konzerte

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 Papst: „Sakrale Musik nähert uns Gott“   be-144HydePark-z

   Die Sakralmusik hilft den Gläubigen, sich näher bei Gott zu fühlen. Das betonte Papst Benedikt XVI. bei einer Audienz für die italienische Vereinigung „Santa Cecilia“. Der Verein fördert den Gesang insbesondere für Kirchen- chöre. Benedikt XVI. sagte in der Audienzhalle, dass die Gesänge während der Liturgie auch eine Wiederent- deckung Gottes darstellten. Dies sei gerade in Ländern wichtig, die zwar traditionell katholisch wie Italien seien, aber von der Säkularisierung bedroht werden.
   „Die sakrale Musik hat auch weitere wichtige Funktionen, um Gott neu zu entdecken. So ist es wichtig, dass das Volk Gottes bei der Liturgie nicht nur spricht, sondern auch zuhört. Indem der Gläubige mit seinen Sinnen und seinem Geist das Wort Gottes aufnimmt, nähert er sich Gott. Dazu zählt auch das Hören der Sakralmusik. Wichtig ist auch, dass der Gesang während der Liturgie ernst genommen wird.“
  Bei der Audienz mit dem Papst waren etwa 6.000 Mitglieder der Vereinigung in der Aula „Paolo Sesto“ anwesend. RV121110mg

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Ein Konzert für den Papst

   Ein schöner Moment in der Sixtinischen Kappelle im Vatikan: Georg Ratzinger schenkt seinem Bruder, dem Papst, eine Messe, selbst komponiert, „Missa Anno Santo“. Am Sonntagabend hörte Benedikt XVI. unter den Fresken des Michelangelo dem Päpstlichen Chor der „Cappella Musicale Pontificia“ zu.
   „Kyrie, Sanctus, Agnus Dei“: So klingt Ratzinger. Georg, der ältere der zwei Geschwister, leitete einmal die Re- gensburger Domspatzen und teilt mit seinem Bruder Joseph die Freude an der Musik. „Ein Vollblutmusiker, der sich mit allen Aspekten der Komposition gut auskennt“, urteilt der Maestro Massimo Palombella über Prälat Georg Ratzinger: „Die Messe hat einen spätromantischen Einschlag. Einflüsse von Beethoven, Wagner...“
„Glauben kommt vom Hören“
  „Glauben kommt vom Hören“, hat Papst Benedikt selbst vor italienischen Kirchenmusikern sinniert. „Und zweifel- los kann die Musik, vor allem der Gesang, den biblischen Texten, Psalmen und Cantica, eine stärkere kommuni- kative Kraft geben.“ Der heilige Augustinus sei vor seiner Bekehrung innerlich stark bewegt worden von den Hymnen, die der heilige Ambrosius komponiert hatte. Und der französische Dichter Paul Claudel habe sich doch beim Hören des Magnificat in Notre-Dame in Paris zum katholischen Glauben bekehrt. Papst Benedikt zitierte die berühmten Zeilen Claudels, die diesen Moment beschreiben: „In einem Augenblick wurde mein Herz angerührt, und ich glaubte.“
   „Das Credo fehlt allerdings“, sagt Maestro Palombella über die Ratzinger-Messe. Und weil das ein unmöglicher Zustand ist in einem „Jahr des Glaubens“, wird eben für Papst und Papstbruder ein Credo von Palestrina einge- schoben. Und Palombella bringt auch noch ein von ihm komponiertes eucharistisches Stück unter. Denn: „Wir, die Cappella musicale pontificia, können ja nicht einfach beim Althergebrachten stehenbleiben, wir müssen uns öffnen für den kulturellen Austausch. Sonst werden wir zu einem Museumsstück und nicht zu einer Institution, die das Evangelium verkünden kann.“ RV121112sk

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Audienz für die italienische Vereinigung »Heilige Cacilia« Die wichtige Aufgabe der Kirchenmusik
Ansprache von Papst Benedikt XVI. am 10. November 2012

Liebe Brüder und Schwestern!
   Mit großer Freude empfange ich euch aus Anlass der Pilgerfahrt, die von der italienischen Vereinigung »Heilige Cäcilia« veranstaltet wurde, der mein Lob an erster Stelle gilt, verbunden mit einem herzlichen Gruß an den Präsi- denten, dem ich für seine freundlichen Worte danke, sowie an alle Mitarbeiter. Von Herzen grüße ich euch, die ihr zahlreichen Scholae Cantorum aus ganz Italien angehört! Ich freue mich sehr, euch zu begegnen und auch zu wissen, wie eben gesagt wurde, dass ihr morgen im Petersdom an der Eucharistiefeier teilnehmen werdet, der Erzpriester Kardinal Angelo Comastri vorstehen wird, zu der ihr natürlich mit dem Gesang den Dienst des Lobprei- ses beitragen werdet.
   Diese eure Tagung findet bewusst in zeitlicher Nähe zum Jubiläum des 50. Jahrestages der Eröffnung des Zwei- ten Vatikanischen Konzils statt. Und mit Freude habe ich gesehen, dass die Vereinigung »Heilige Cäcilia« so eurer Aufmerksamkeit erneut die Lehre der Konzilskonstitution über die Liturgie unterbreiten wollte, insbesondere dort, wo sie - im sechsten Kapitel - die Kirchenmusik behandelt. Aus Anlass des Jubiläums habe ich, wie ihr wisst, für die Kirche ein besonderes »Jahr des Glaubens« ausgerufen, um die Vertiefung des Glaubens bei allen Getauften und den gemeinsamen Einsatz für die neue Evangelisierung zu fördern. Deshalb möchte ich bei diesem Treffen mit euch kurz erklären, wie die Kirchenmusik vor allem den Glauben fördern und dann zur Neuevangelisierung beitra- gen kann.
   In Bezug auf den Glauben denkt man spontan an die persönlichen Erlebnisse des heiligen Augustinus - einer der großen Kirchenväter, der an der Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert gelebt hat -, zu dessen Bekehrung sicher- lich entscheidend das Hören des Gesangs der Psalmen und der Hymnen in den Liturgiefeiern beigetragen hat, denen der heilige Ambrosius vorstand. Denn wie der Glaube immer vom Hören des Wortes Gottes kommt - ein Hö- ren nicht nur mit den Sinnen, sondern das von den Sinnen in Geist und Herz übergeht -, so besteht kein Zweifel, dass die Musik und vor allem der Gesang dem Gebet der Psalmen und biblischen Gesänge größere kommunikative Kraft verleihen können. Zu den Charismen des heiligen Ambrosius zählte gerade eine ausgeprägte musikalische Sensibilität und Begabung, und er stellte diese Gabe, zum Bischof von Mailand geweiht, in den Dienst des Glaubens und der Evangelisierung. Das Zeugnis des heiligen Augustinus, der zu dieser Zeit Professor in Mailand war und Gott suchte, den Glauben suchte, ist in diesem Zusammenhang sehr bedeutsam. Im zehnten Buch der Confessiones, seiner Autobiographie, schreibt er: »Wenn ich jedoch meiner Tränen gedenke, die ich beim Gesange deiner Kirche in der ersten Zeit meiner Rückkehr zum Glauben vergossen habe, wenn ich weiter bedenke, wie auch jetzt mich weniger des Gesanges Weise, sondern der Inhalt des gesungenen Textes rührt, wenn er mit rei- ner Stimme und passendstem Tonfalle gesungen wird, so erkenne ich wiederum daraus den großen Nutzen dieser Einrichtung« 33,50. Das Erlebnis der Ambrosianischen Hymnen war so stark, dass sie Augustinus im Gedächtnis eingeschrieben blieben und er sie oft in seinen Werken zitierte; er schrieb auch ein Werk über die Musik: die Schrift De Musica. Er unterstreicht, dass er in den Liturgiefeiern mit Gesang das reine Streben nach sinnlichem Ge- fallen nicht gutheißen kann, dass aber gute Musik und Gesänge eine Hilfe sein können, das Wort Gottes an- zunehmen und eine heilsame Rührung zu empfinden. Dieses Zeugnis des heiligen Augustinus hilft uns, die Tatsa- che zu verstehen, dass die Konstitution Sacrosanctum Concilium in Übereinstimmung mit der Tradition der Kirche lehrt, dass »der mit dem Wort verbundene gottesdienstliche Gesang einen notwendigen und integrierenden Be- standteil der feierlichen Liturgie ausmacht« Nr. 112. Warum »notwendig und integrierend«? Sicherlich nicht aus rein ästhetischen Gründen in einem oberflächlichen Sinn, sondern weil er gerade durch seine Schönheit dazu bei- trägt, den Glauben zu nähren und zum Ausdruck zu bringen und somit zur Ehre Gottes und zur Heiligung der Gläubigen beiträgt, die das Ziel der Kirchenmusik sind vgl.ebd. Gerade deshalb möchte ich euch für den wertvollen Dienst danken, den ihr leistet: die Musik, die ihr aufführt, ist nicht Zusatz oder nur äußere Verschönerung der Litur- gie, sondern sie ist selbst Liturgie. Ihr helft der ganzen liturgischen Versammlung, Gott zu loben, sein Wort in die Tiefe des Herzens hinabsteigen zu lassen: mit dem Gesang betet ihr und regt zum Gebet an, und ihr nehmt Teil am Gesang und Gebet der Liturgie, die die gesamte Schöpfung in der Verherrlichung des Schöpfers umfasst.
   Der zweite Aspekt, den ich eurer Aufmerksamkeit unterbreiten will, ist die Beziehung zwischen dem geistlichen Gesang und der Neuevangelisierung. Die Konzilskonstitution über die Liturgie erinnert an die Bedeutung der Kirchenmusik für die Mission ad gentes und ermahnt dazu, den musikalischen Traditionen der Völker gebührende Wertschätzung entgegenzubringen vgl. Nr. 119. Aber auch und gerade in den Ländern, die bereits früh evan- gelisiert worden sind, wie Italien, kann die Kirchenmusik - mit der ihr eigenen großen Tradition, die unsere westliche Kultur ist - eine wichtige Aufgabe haben und hat sie in der Tat, um die Wiederentdeckung Gottes sowie eine erneute Annäherung an die christliche Botschaft und die Geheimnisse des Glaubens zu unterstützen. Denken wir an die berühmte Erfahrung von Paul Claudel, eines französischen Dichters, der sich beim Gesang des Magni- fikat der Weihnachtsvesper in der Kathedrale Notre-Dame in Paris bekehrt hat. Er schreibt: »In jenem Augenblick geschah das Ereignis, das mein ganzes Leben beherrscht. In einem Nu wurde mein Herz ergriffen, ich glaubte. Ich glaubte mit einer so mächtigen inneren Zustimmung, mein ganzes Sein wurde geradezu gewaltsam empor geris- sen, ich glaubte mit einer so starken Überzeugung, mit solch unerschütterlicher Gewissheit, dass keinerlei Platz auch nur für den leisesten Zweifel offen blieb, dassß von diesem Tage an alles Grübeln und alle Wechselfälle mei- nes bewegten Lebens meinen Glauben nicht zu erschüttern, ja auch nur anzutasten vermochten.«
   Aber denken wir auch daran - ohne unbedingt berühmte Persönlichkeiten zu bemühen -, wie viele Menschen beim Anhören geistlicher Musik in der Tiefe ihres Geistes berührt worden sind; und noch mehr an jene, die sich wie Claudel von der Schönheit der liturgischen Musik neu zu Gott hingezogen fühlten. Und hier, liebe Freunde, habt ihr eine wichtige Aufgabe: setzt euch dafür ein, die Qualität des liturgischen Gesangs zu verbessern und ohne Furcht die große musikalische Tradition der Kirche wieder aufzugreifen und aufzuwerten, die im Gregorianischen Choral und in der Mehrstimmigkeit zwei ihrer höchsten Ausdrucksformen besitzt, wie es das Zweite Vatikanum selbst bekräftigt vgl. Sacrosanctum Concilium, 116. Und ich möchte betonen, dass die aktive Teilnahme des ganzen Gottesvolkes an der Liturgie nicht nur im Sprechen besteht, sondern auch im Hören, in der Aufnahme des Wortes mit den Sinnen und dem Geist, und das gilt ebenso für die Kirchenmusik. Ihr, die ihr die Begabung des Gesangs habt, könnt das Herz vieler Menschen in den Liturgiefeiern zum Singen anregen.
   Liebe Freunde, ich wünsche, dass in Italien die liturgische Musik immer mehr in die Höhe strebt, um den Herrn würdig zu loben und zu zeigen, dass die Kirche der Ort ist, an der die Schönheit zu Hause ist. Ich danke nochmals allen für diese Begegnung! Danke. ORital211111

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Kardinal Ravasi: „Glaube und Musik sind wie Schwestern“

   Verstehen, wo Glaube und Musik sich mithilfe einer Universalsprache, die über den Lärm der Welt hinausgeht, treffen. Dies ist das Ziel des Treffens „Glaube und Musik im Dialog“, das im Juni 2012 in Rom in der Basilika Santa Maria in Aracoeli auf dem Kapitol stattgefunden hat. Die Ehrengäste dieses Abends, der vom Büro für soziale Kom- munikationen des Vikariats in Rom organisiert wurde, waren der vatikanische „Kulturminister“ Kardinal Gianfranco Ravasi  Foto rechts und der Dirigent Riccardo Muti Foto links.
   „Die Musik ist nicht Verständnis, sondern Verzückung“, hatte der berühmte Dirigent während des Treffens gesagt: Sie sei ein zwischen den Noten verborgenes Licht, das uns der Unendlichkeit näher bringe; viele lyrische Werke hätten in der Tat trotz ihrer Tragik den Himmel im Fokus. Kardinal Ravasi sagt in diesem Zusammenhang:
   „Die Beziehung zwischen Glaube und Musik ist quasi die zwischen zwei Schwestern. Beide repräsentieren nicht nur den Ton, nicht nur das Sichtbare, nicht nur das Hörbare, sondern laden durch die Töne auch dazu ein, darüber hinauszugehen und eine Nachricht zu empfangen, die eine Stimme und Intensität hat und die transzendent ist. Aus diesem Grund wenden sich beide der Höhe zu, dem Geheimnis, dem Jenseitigen und Anderen.“
   Die Musik könne dabei tatsächlich als Instrument zur Hinführung auf die Frohe Botschaft gelten, sagt Ravasi. Das begründet der Kardinal so:
  „Einerseits ist die Musik seit Jahrhunderten mit biblischen und sakralen Texten verwoben. Denken wir an alle Kompositionen mit religiösem Charakter, die die Menschheit seit Jahrhunderten und vielleicht auch außerhalb des Christentums komponiert hat. Deshalb haben Religion und Musik ihren Weg gemeinsam beschritten. Andererseits muss man sagen:Gerade weil die musikalische Erfahrung eine Erfahrung ist, die von Natur aus auf die Verzückung, die Selbsthingabe, die Entdeckung der tiefsten und verborgenen Emotionen ausgerichtet ist, ist sie in einem gewissen Sinn der Versuch, bis ans Ende der Möglichkeiten zu gelangen, das heißt, bis zu Gott selbst. Deshalb ist die Musik eine Ankündigung Gottes, die oft auch in denjenigen anklingt, die nie den Namen Gottes bestätigen wollten.“
   Der Abend setzte den Schlussakkord für eine Reihe von Treffen, die dem Thema Glaube und Musik gewidmet waren. Walter Insero, der Direktor des Diözesanbüros für Sozialkommunikation in Rom:
   „Wir wollten einen Streifzug durch die musikalische Tradition der römischen Pfarreien machen, und dieser Streif- zug wurde mit diesem wunderbaren Treffen gekrönt. Heute Abend haben wir zwei großartige Referenten, die sich über die Beziehung zwischen Glauben und Musik ausgetauscht haben. Wir haben das Treffen hier im Herzen Roms abgehalten, um über die Berufung zu reflektieren: Die Musik bringt den Menschen dazu, über sich selbst hinaus- zugehen und auf das Unendliche zu schauen.“ RV120606cs

Im Gespräch mit Riccardo Muti   be-RiccardoMuti-Z  Mit der Musik über die Vernunft hinaus

In Krisenzeiten ist die Notwendigkeit noch zwingender,
das Verhältnis zwischen Glaube und Kunst zu analysieren.

   »Solange mir nicht bewiesen wird, dass Emotionen durch chemische Prozesse erzeugt werden - und das wird nicht mehr geschehen, da ich bereits ein gewisses Alter erreicht habe - werde ich wie bisher daran glauben, dass der Geist etwas anderes ist als der Körper und dass er im Augenblick des Todes frei wird. Ich weiß nicht, ob er dann in elysische Gefilde eingehen wird, oder ob er Teil eines Baumes, eines Hundes oder eines Elefanten wird, mit Sicherheit aber gibt es etwas Unsterbliches in uns, und dieses unsterbliche Teil ist die energetische Kraft, die uns alle verbindet.«
   Als er zwischen einem Konzert des Ravenna-Festivals 2012 und dem anderen gebeten wird, über einige univer- selle Themen nachzudenken, versteckt sich Riccardo Muti nicht, sondern er kommt gleich zum Kern, gerade so, wie er es auf dem Podium zu tun pflegt, denn im Grunde sind Dirigieren und Leben dasselbe: »Wenn ich dirigiere und zu den Worten  Requiem aeternam dona eis, Domine, et lux perpetua luceat eis [»Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen«] komme, dann kann ich nicht einfach nicht wissen, dass es sich um eine Anrufung, um eine aktive Bitte handelt: ich flehe um Hilfe, um zu vermeiden, dass ich von der Vernichtung erfasst werde. Ich behaupte nicht, dass man in einem solchen Augenblick Glauben im striktesten Sinn des Wortes haben muss, aber wenn man nicht wenigstens ein Gefühl der Hoffnung verspürt, dann verliert diese Bitte jede Bedeu- tung, sie wird dann zu einer bloßen Abfolge sinnentleerter Silben.«
   Das sind ganz eindeutige Sätze, die keinen Raum für Zweifel lassen. Ganz wie jene, die er an die vielverspre- chenden jungen Mitglieder des Jugendorchesters Luigi Cherubini richtet, die gemeinsam mit den gleichaltrigen Mit- gliedern des Italienischen Jugendorchesters in einem renovierten Schwefel-Lagerhaus das »Schicksalslied« von Brahms proben, während sie die Ankunft des Chors »Stagione Armónica« für die gemeinsamen Proben für das »Konzert der Brüderlichkeit« erwarten (das am 12. Juli im Palazzo Mauro De André stattfand). »Wenn ihr verspätet einsetzen wollt, dann müsst ihr noch zwanzig Jahre warten, bis meine Hand dabei zittert, den Einsatz zu geben. Jetzt spielen wir noch im vorgegebenen Tempo. Und vergesst nicht, dass man, um diese Musik spielen zu können, den Text kennen muss, diese Worte sind wundervoll.«
   Die Verse stammen von Friedrich Hölderlin, noch so einem, der kein Blatt vor den Mund nahm: »Doch uns ist gegeben, / Auf keiner Stätte zu ruhn, / Es schwinden, es fallen / Die leidenden Menschen / Blindlings von einer / Stunde zur andern, / Wie Wasser Von Klippe / Zu Klippe geworfen, / Jahr lang ins Ungewisse hinab«.
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 Riccardo Chailly dirigiert für den Papst   be-Vat-RiccardoChailly-z

  Ein Präsent für den Papst, das ihn sicher von Herzen freuen wird: Das Leipziger Gewandhausorchester spielte für das Geburtstagskind Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie-Kantate „Lobgesang". Das Konzert fand am 20. April 2012, vier Tage nach dem Wiegenfest des Papstes, in der vatikanischen Audienzhalle statt. Am Dirigentenpult stand Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly. Der italienische Maestro hat das Stück des protestantischen Komponisten wegen seines geistlichen Gehaltes und wegen seiner Schönheit ausgewählt, wie er uns im Interview sagte:
   „In meinen Augen ist der „Lobgesang“ nicht nur eine der größten Kompositionen Mendelssohns, sondern auch eine große Inspiration von Gott, von dem Text der Heiligen Schrift, die er genommen hat, um ein neues Libretto zusammenzustellen: eine bewegende Widmung an Gott, in tief religiösem Sinn. Das bewegt mich und alle Musiker, wenn wir dieses Meisterwerk spielen. Es ist für uns alle eine große Ehre, ein solches Meisterwerk im Vatikan vor Papst Benedikt zu spielen und zu singen.“
   Papst Benedikt ist ein ausgesprochener Liebhaber und Kenner klassischer Musik, Mozart ist sein Lieblings- komponist, aber auch Bach – kurz, dem Papst gefällt nicht nur Katholisches.
  „Selbstverständlich war unsere Idee, diesen Lobgesang im Vatikan zu spielen, mehr als eine ökumenische Geste. Es ist ein Stück, das alle verschiedenen Religionen quasi mitnimmt. Das kommt von der Stärke und der poetischen Kraft seiner Texte.“
   Riccardo Chailly seinerseits stammt aus einer katholischen Mailänder Familie, sein Vater war Komponist und kom- ponierte unter anderem eine Messe für Papst Paul VI.
   „Ich erinnere mich, ich war jung, ich war elf Jahre alt 1964, wir alle waren im Vatikan bei Papst Paul VI., um ihm die Partitur als Geschenk zu geben. Ich bin in einer katholischen Familie aufgewachsen, der Glaube meines Vaters war sehr stark und sehr verbunden mit der katholischen Kirche.
   Das Leipziger Gewandhausorchester ist ein renommierter Klangkörper; vor international einflussreichen Persön- lichkeiten zu spielen, ist den Musikern und ihrem Chefdirigenten nichts Neues. Dennoch macht es für Chailly einen Unterschied, im Publikum den Papst zu wissen, ja direkt für ihn zu musizieren.
   „Zuerst ja, wir haben einen Musikerpapst! Das ist einmalig, würde ich sagen. Wir wissen, wie vertraut er ist mit der musikalischen Tradition, nicht nur Deutschlands. Selbstverständlich war er sehr gut vorbereitet auf ein Stück wie Lobgesang und den Inhalt dieses Werkes, das rund 65 Minuten dauerte. Zuerst die Idee, dass die ersten drei Sätze ausschließlich symphonische Musik sind, und im vierten Satz setzt der Chor ein, später die Soli. Diese Komposition entwickelt sich mehr und mehr in Richtung eines heiligen Gebetes an Gott zum Schluss – ich bin sehr froh, dass wir mit dem MDR-Chor, dem Gewandhauschor und Orchester dieses Stück spielen können! Das Halleluja zum Schluss, Halleluja lobet den Herrn, das ist für Gott geschrieben, aber von uns in diesem Konzert dem Papst Benedikt gewidmet.“ RV120410gs

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Konzert des Gewandhausorchesters Leipzig zum 85. Geburtstag des Heiligen Vaters
Kunst als Lob Gottes, der höchste Schönheit ist. Ansprache von Papst Benedikt XVI. am 21. April 2012

Foto: Unter den Augen nicht nur der Schweizergarde: Blick in die Audienzhalle des Vatikans zur Bühne, wo gerade Gewandhausorchester, Gewandhauschor und MDR-Chor gemeinsam für den Papst musizieren
  Zu Ehren von Papst Benedikt XVI.
hat das Leipziger Gewandhausorchester am Freitagabend, 20. April 2012, in der vatikanischen Audienzhalle die Symphonie Nr. 2 in B-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy aufgeführt. Unter Leitung von Riccardo Chailly trug das Ensemble zusammen mit dem MDR-Rundfunkchor und dem Gewandhaus-Chor Mendelssohns Werk Opus 562 »Lobgesang« für Soli, Chor und Orchester vor. Zum Konzert anlässlich des 85. Geburtstags von Benedikt XVI. waren der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich und hochrangige Vertreter des Freistaats aus Politik und Verwaltung und Kirche in den Vatikan gereist. Papst Benedikt XVI. bedankte sich bei den Gästen mit den Worten:
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
verehrte Gäste aus dem Freistaat Sachsen und der Stadt Leipzig,
meine Herren Kardinäle, verehrte Mitbrüder im Bischofsund im Priesteramt,
sehr geehrte Damen und Herren!
   Mit dieser großartigen Darbietung von Felix Mendelssohn Bartholdys Symphonie Nr. 2 »Lobgesang« haben Sie mir anlässlich meines Geburtstags wie auch allen hier Anwesenden ein wertvolles Geschenk gemacht. Diese Symphonie ist in der Tat ein großer Lobgesang zu Gott, ein Gebet, mit dem wir dem Herrn für seine Gaben Lob und Dank gesagt haben. Zunächst möchte ich aber jenen danken, die diesen Augenblick ermöglicht haben. Da ist vor allem das Gewandhausorchester zu nennen, das eigentlich keine Vorstellung braucht: eines der ältesten Orches- ter der Welt mit einer hochstehenden Aufführungstradition und von unbestrittenem Weltruf. Herzlichen Dank sage ich den hervorragenden Chören und Solisten, ganz besonders aber dem Kapellmeister Riccardo Chailly für die be- wegende Interpretation. Mein Dank gilt auch dem Herrn Minister-Präsidenten, den Vertretern des Freistaates Sachsen, dem Oberbürgermeister und der Delegation der Stadt Leipzig, den kirchlichen Würdenträgern wie auch den Verantwortlichen des Gewandhauses und allen, die aus Deutschland gekommen sind.
Nach diesen Worten in deutscher Sprache sagte der Heilige Vater auf italienisch:
   Mendelssohn, die Symphonie »Lobgesang«, Gewandhaus: drei Elemente, die nicht nur am heutigen Abend mit- einander verbunden sind, sondern dies von Beginn an waren. Denn die eben gehörte große Symphonie für Chor, Soli und Orchester, die von Mendelssohn komponiert wurde, um das 400. Jubiläum der Erfindung des Buchdrucks zu feiern, wurde am 25. Juni 1840 in der Leipziger Thomaskirche, der Kirche von Johann Sebastian Bach, uraufge- führt, und zwar vom Gewandhausorchester unter der Leitung von Mendelssohn selbst, der jahrelang dieses alte und ruhmreiche Orchester dirigierte.
   Die Komposition besteht aus drei nahtlos ineinander übergehenden Orchestersätzen, denen eine Art Kantate mit Solisten und Chor folgt. In einem Brief an den Freund Karl Klingemann hat Mendelssohn selbst erklärt, dass in dieser Symphonie »erst die Instrumente in ihrer Art loben und dann der Chor und die einzelnen Stimmen«. Kunst als Lob Gottes, der höchste Schönheit ist, ist die Grundlage der Kompositionsweise Mendelssohns, und zwar nicht nur was die Geistliche Musik, betrifft, sondern dies gilt für sein gesamtes Werk. Wie Julius Schubring berichtet, stand die Geistliche Musik für ihn nicht auf einer höheren Stufe als die andere Musik; jede sollte in ihrer Art dazu dienen, Gott zu verherrlichen. Und das Motto, das Mendelssohn auf die Partitur der Symphonie »Lobgesang« schrieb, lautet: »Ich möchte alle Künste, sonderlich die Musica, gern sehen im Dienst deß, der sie gegeben und geschaffen hat.« Die ethisch-religiöse Welt unseres Komponisten war nicht getrennt von seiner Kunstauffassung, sie war vielmehr deren integrierender Bestandteil: »Kunst und Leben sind nicht zweierlei«, schrieb er, sondern sie sind eins. Eine tiefe Einheit des Lebens, dessen verbindendes Element der Glaube war, der das ganze Leben Mendelssohns kennzeichnete und ihn bei seinen Entscheidungen leitete. In seinen Briefen finden wir diesen roten Faden. Am 9. Januar 1841 schrieb er an seinen Freund Schirmer in Bezug auf seine Familie, dass es zuweilen nicht an Sorgen und ernsten Tagen gefehlt habe. Und doch könne man nichts anderes tun, als Gott innig darum bitten, die Gesundheit und das Glück zu erhalten, die er geschenkt habe. Und am 17. Januar 1843 schrieb er an Klinge- mann, dass er jeden Tag nicht anders könne, als Gott auf Knien zu danken für all das Gute, das er ihm schenke. Ein fester und überzeugter Glaube, der tief von der Heiligen Schrift genährt ist, wie dies unter anderem die beiden Oratorien Paulus und Elias zeigen sowie die eben gehörte Symphonie, die voller biblischer Bezüge ist, vor allem aus den Psalmen und dem heiligen Paulus. Es fällt mir schwer, einen der bewegenden Momente dieses Abends auszuwählen; ich möchte nur an das wundervolle Duett von Sopran und Chor über die Worte aus Psalm 40 erinnern: »Ich harrete des Herrn, und er neigte sich zu mir und hörte mein Fleh'n.« Es ist das Lied dessen, der seine ganze Hoffnung auf Gott setzt und sicher weiß, dass er nicht enttäuscht wird.
Wieder in deutscher Sprache sagte BenediktXVI.:
   Noch einmal möchte ich dem Orchester und dem Chor des Gewandhauses, dem Chor des Mitteldeutschen Rund- funks MDR, den Solisten und dem Kapellmeister sowie allen Vertretern des Freistaats Sachsen und der Stadt Leipzig für die Aufführung dieses »Werk des Lichts« - wie Robert Schumann es nannte - danken. Uns allen wurde dadurch die Möglichkeit geschenkt, Gott zu loben, und ich konnte in besonderer Weise Gott für die Jahre meines Lebens und meines Dienstes erneut Dank sagen.
Abschließend sagte er wieder auf italienisch:
   Ich möchte schließen mit den Worten, die Robert Schumann in der Neuen Zeitschrift & Musik schrieb, nachdem er an der Uraufführung der Symphonie teilgenommen hatte, die wir gehört haben, und die eine Einladung darstellen, über die man nachdenken sollte: »So laßt uns, wie der Künstler die Worte so herrlich componirt, immermehr >ablegen die Werke der Finstemiß und anlegen die Waffen des Lichts<«.
   Vielen Dank Ihnen allen und einen guten Abend! OR120422

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Ein sinniges Geschenk aus der Musikstadt an den Papst: Das Gewandhausorchester
spielt in der Audienzhalle des Vatikans Mendelssohns protestantischen Lobgesang.

Foto: Benedikt XVI. bedankt sich nach dem Konzert bei Riccardo Chailly
   Generalprobe in Rom. Während der Posaunist des Gewandhausorchesters in der Audienzhalle des Vatikans wacker seine Dreiklänge übt und dabei die Kraft der Lungen ausreizt, dass es durch die Mauern dröhnt, wagt der Chefdirigent Riccardo Chailly vor der Garderobe eine kühne Behauptung: „Dieser Papst ist eine Ausnahme in der Geschichte. Wir spielen morgen nicht nur für einen Papst, sondern für einen Musiker."
   Es ist der Abend des 19. April 2012, drei Tage nach dem 85. Geburtstag von Joseph Ratzinger, genau sieben Jahre nach dessen Wahl zum Papst. Für den Italiener Chailly, der ebenfalls seit sieben Jahren an der Spitze des Leipziger Orchesters steht, ist Benedikt XVI. „ein Musikerpapst" nicht nur, weil die Bilder um die Welt gingen, wie die Möbelträger sich mühten, das Klavier des einstigen Kardinals durch die viel zu engen Türen der päpstlichen Wohnung zu bugsieren, um dem Mann das tägliche Musizieren zu ermöglichen. Nein, Chaillys Behauptung stützt sich auf ein breiteres Fundament: „Ich war sehr überrascht, wie tief und sinnvoll, ja sogar analytisch er über Musik sprechen kann."
   Er kann es wirklich: In die Geschichte der Päpste wird Benedikt XVI. vielleicht einmal als „musicae defensor" - Verteidiger der Musik - eingehen. Kein Mann, der auf den Heiligen Stuhl gelangt ist, hat sich für die Musik als Kunst mit so viel Verve stark gemacht wie Joseph Ratzinger. „Wo der Mensch Gott lobt, reicht das bloße Wort nicht aus. Rede mit Gott überschreitet die Grenzen menschlichen Sprechens. Sie hat darum von ihrem Wesen her allerorten die Musik zu Hilfe gerufen, das Singen und die Stimmen der Schöpfung im Klang der Instrumente. Denn zum Gotteslob gehört der Mensch nicht allein. Gottesdienst ist einstimmen in das, wovon alle Dinge reden."
   Aus diesem Aufsatz von 1986, „Das Welt- und Menschenbild der Liturgie und sein Ausdruck in der Kirchenmusik", spricht nicht nur Liebhaberei, sondern theologische Überlegung. Doch sie steigert sich zu einer Hymne auf die Kunst von Palestrina bis Bruckner, wie man sie in der Geschichte des Katholizismus selten vernahm:
   „Die Größe dieser Musik ist für mich die unmittelbarste und evidenteste Verifikation des christlichen Menschen- bildes und des christlichen Erlösungsglaubens, die uns die Geschichte anbietet. Wer wirklich von ihr getroffen wird, weiß irgendwie vom Innersten her, dass der Glaube wahr ist, auch wenn er noch viele Schritte braucht, um diese Einsicht mit Verstand und Willen nachzuvollziehen." Ratzinger grenzt diese Wertschätzung nicht einmal auf katho- lische Komponisten ein: „Ob wir Bach oder Mozart in der Kirche hören, beide Male spüren wir auf wunderbare Weise, was gloria Dei - Herrlichkeit Gottes - heißt: Das Mysterium der unendlichen Schönheit ist da und lässt uns Gottes Gegenwart lebendiger und wahrer erfahren, als es durch viele Predigten geschehen könnte."
   Riccardo Chailly kommt aus einer katholischen Familie. Sein Vater Luciano war Komponist und schrieb für Paul VI. eine Messe. Bei den Privatgesprächen mit dem damaligen Papst, 1964 auf Castel Gandolfo, war der elfjährige Ric- cardo dabei. „Heute kommen in mir verwandte Gefühle zu damals auf", sagt er vor der Generalprobe. Rom, der Vatikan, das sei für ihn „das Zentrum der Spiritualität". Zugleich nennt er Benedikt XVI. einen „modernen Papst" wegen dessen Hinwendung zu den Problemen der Menschen in einer „so komplizierten, aggressiven, brutalen Welt".
   Ob es den Menschen tatsächlich hilft, wie der Papst sich ihren Problemen zuwendet, darüber lässt sich streiten. Im Bereich der Kunst aber fragt er sich mit großem Ernst, wie es gelingen kann, sich mit dem Riss zwischen Kultur und Glaube sowie zwischen der Banalität der Schnulzen und der Cliquenesoterik der Eliten nicht abzufinden. Die „Zuflucht zur Geschichte, das Daheimbleiben in der Musik, die solchen Trennungen vorauslag", ist für Joseph Ratzinger auch ein Zeichen der Ratlosigkeit angesichts gegenwärtiger Bedrängnis.
   Es war Riccardo Chaillys Wunsch, einmal mit dem Leipziger Orchester hier zu spielen. Der Bürgermeister von Paderno Dugnano - einem Ort bei Mailand, wo Chailly lebt - hat gute Verbindungen zu Monsignore James Harvey, dem Leiter der Prefettura della Casa Pontifica, wenn man so will: dem Hofmarschall des Papstes. Ihn bat Chailly im Herbst 2010, die Möglichkeit zu sondieren, ein Konzert zum 85. Geburtstag von Benedikt XVI. zu geben. Viele Stücke hatte man dafür angeboten: Verdi und Bach, die Messe für Paul VI. von Luciano Chailly sowie die zweite Symphonie von Felix Mendelssohn Bartholdy, den „Lobgesang" also, mit dem Chailly seine Amtszeit in Leipzig, der Wirkungsstätte Mendelssohns, begonnen hatte. Es war die Präfektur, die sich - gewiss in Rücksprache mit dem Papst - ausgerechnet für Mendelssohns „Lobgesang" entschied: das Werk eines protestantischen Preußen aus jüdischer Familie, komponiert zur Vierhundertjahrfeier der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg, fußend auf Bibeltexten in der deutschen Übersetzung von Martin Luther.
   Dieses Stück zum Geburtstag des Papstes aufzuführen mag wie ein äußerst gelungener Witz wirken. Vor allem, wenn man den Brief vom 1. Februar 1831 kennt, den Mendelssohn aus Rom an seine Berliner Familie schrieb. Hatten nämlich ein Jahr zuvor die Musikcorps preußischer Regimenter dem Komponisten zum 21. Geburtstag am 3. Februar ein Morgenständchen geblasen, so schrieb dieser nun mit verhaltener Selbstironie nach Hause, „daß mich die päbstliche Militairmusik Morgens überrascht, scheint mir unwahrscheinlich". Doch der Lauf der Dinge wollte es, dass am 2. Februar 1831 das Konklave die Wahl von Bartolomeo Alberto Cappellari zum Papst Gregor XVI. be- kanntgab. Und so fügte es sich, dass zu Mendelssohns Geburtstag am 3. Februar „alle Glocken in Rom läuteten, dazu Kanonenschüsse, Trompeten und Militairmusik". Der nunmehr Zweiundzwanzigjährige dachte sich, „Cappel- lari würde das auf sich beziehen, wenn er es sähe; aber ich wußte es besser - das war eben die Geburtstagsfeier, und die ganze Pabstwahl, und die Huldigung ein Schauspiel mir zu Ehren". Dass sein eigener „Lobgesang" jedoch einmal zu Ehren eines Papstes in Rom erklingen würde, hätte er sich wohl nicht träumen lassen.
   Das Konzert des Leipziger Gewandhausorchesters ist ein Geschenk für Benedikt XVI., und dieses Geschenk kostet etwa 450.000 Euro. Das Orchester mit gut neunzig Musikern, der Chor des Mitteldeutschen Rundfunks mit siebzig, der Gewandhauschor mit fünfzig Mitgliedern, die Gesangssolisten L’uba Orgonásová, Bernarda Fink und Steve Davislim mussten nach Rom gebracht werden, dazu 85 Musikerstühle, zwölf Bass-Hocker, ein Dirigierpodest, sämtliche Instrumente (bis auf die Orgel) und zwölf Frackkisten. Andreas Schulz, dem Gewandhausdirektor, ist es gelungen, dies alles durch Sponsoren und Mäzene finanzieren zu lassen. Den Hauptanteil trägt das Logistikunter- nehmen DHL, auch die Tourismus-Marketing GmbH Sachsen ist dabei. Andere wollen ungenannt bleiben.
   Stanislaw Tillich, katholischer Sorbe und sächsischer Ministerpräsident, sieht das Konzert als „Chance, für den Freistaat Sachsen und für das gesamte Land Werbung zu machen". Als er sich bei der Generalprobe vor das Orchester stellt und erklärt, er werde morgen eine Privataudienz beim Papst haben und ihn dann „auch in Ihrem Namen zum Konzert einladen", da wird diese Äußerung reserviert zur Kenntnis genommen. Burkhard Jung, Leip- zigs Oberbürgermeister, ist - gelinde gesagt - verwundert. Was hat Stanislaw Tillich mit der Organisation und Finanzierung dieses Konzerts zu tun? Was maßt er sich hier an? Wie kann er zu einem Ereignis einladen, bei dem er selbst nur Gast ist, wenn auch ein willkommener? Die alte Rivalität zwischen der freien Kaufmannsstadt Leipzig und der königlichen Residenz Dresden, zwischen dem ältesten bürgerlichen Konzertorchester Deutschlands am Gewandhaus und der einstmals höfischen Staatskapelle in der Landeshauptstadt flammt wieder auf. Das Gedrän- ge ist groß, einen Platz in der Sonne dieses Festes zu ergattern. „Gewandhaus" und „Papst" scheinen noch immer Formen symbolischer Macht zu sein, mit deren Glanz sich Herrschaft jeder Art sozial legitimieren lässt.
   Knapp siebentausend Leute kommen dann am nächsten Tag zum Konzert in die riesige Audienzhalle. Anderthalb Stunden dauert der Einlass, flankiert von den Hellebardenträgern der Schweizergarde. „Viva il Papa!", rufen die Pilger, als Benedikt XVI. den Saal betritt. Auch wenn die Akustik ungünstig ist und die Streicher fast verschwinden unter dem Klang der Bläser wie des Chores, wird es doch eine bewegende Aufführung. Musikalisch spitzt sich alles zu, als der Tenor Steve Davislim bebend mit dem Propheten Jesaja fragt: „Hüter, ist die Nacht bald hin?" Und in die dramatische Stille hinein antwortet ihm der Sopran von L’uba Orgonásová leise, hell und hoch: „Die Nacht ist vergangen." Jubel bricht los in Chor und Orchester. „Mehr Feuer" hatte Chailly an dieser Stelle bei den Proben in Leipzig von allen verlangt. Und nun lodert es mit minutenlang: „So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts!" - Paulus, Römerbrief, 13. Kapitel.
   Dann wird es still. Unbegleitet stimmt der Chor „Nun danket alle Gott" an. „Eine andere Dimension des Klangs" hatte sich Chailly hier in den Proben gewünscht. Für ihn ist dieser Choral die mystische „Widmungsstelle" des ge- samten Stücks an Johann Sebastian Bach. Hier müsse man „den symphonischen Klang vergessen", sagt er. Es gehe hier um eine „intime Spiritualität". Zugleich aber ist der „Lobgesang" tönende Geschichtsphilosophie - theo- logisch wie ästhetisch. Als Gutenberg-Kantate stellt das Stück Kontinuität her zwischen dem Erlösungswerk Jesu, dem Buchdruck, der Reformation und der Aufklärung.
   Durch den Bezug auf Beethovens neunte Symphonie und Bachs Kantaten reiht sich Mendelssohn aber auch in eine musikalische Genealogie ein. Er selbst - der getaufte Jude, der mit dem deutschen Kulturprotestantismus die Hoffnung auf Teilhabe an der Mehrheitsgesellschaft verband - inszenierte seine kunstreligiöse Sukzession sogar bewusst: Die Uraufführung des „Lobgesangs" fand mit dem Gewandhausorchester in der Leipziger Thomaskirche statt, der „Kirche Bachs", wie Benedikt XVI. sie umstandslos in seiner Dankesrede nach dem Konzert nennt.
   Der Papst hat keinerlei Probleme mit Geschichte und Herkunft dieses Stücks. Er referiert sie sogar ausführlich in seiner Rede. Mit Schumann nennt er den „Lobgesang" ein „Werk des Lichts" und begreift ihn in persönlicher Weise als Dankgebet zu Gott „für die Jahre meines Lebens und Wirkens". Er erntet dafür Bewunderung bei den Mitwir- kenden. Die Mezzosopranistin Bernarda Fink sagt später: „Es muss tröstlich für ihn gewesen sein, dass er seinen Bruder Georg bei sich hatte. Jemanden, den er lange kennt und dem er sagen kann, was er wirklich denkt und empfindet. Dieses Amt ist doch ein furchtbarer Druck, verbunden mit einer großen Einsamkeit."
   Für die Musiker ist dies kein Konzert wie jedes andere gewesen. Manche Katholiken unter den Mitgliedern des Gewandhausorchesters haben ihre Dienste getauscht, um dabei zu sein. Aber die evangelischen Christen unter ihnen, etwa der Kontrabassist Eberhard Spree, vergessen auch nicht, dass bei überkonfessionellen Trauungen der katholische Priester alles Wichtige übernimmt und sie - das sei bedrückend - im katholischen Gottesdienst vom Abendmahl ausgeschlossen bleiben.
   Ist es da nicht eine Genugtuung, Mendelssohn in Rom zu spielen? „Eine Genugtuung? Nein. Das klingt so nach Abrechnung. Darum geht es nicht", sagt Spree. „Aber wenn man hierher nach Rom kommt und durch die Vatika- nischen Museen geht, dann enthalten allein schon zwei Räume darin mehr Kunstschätze von Weltrang, als die ganze Stadt Leipzig aufbieten kann. Was wir allerdings hierherbringen, mit unserem Klang, unserer Tradition, unserer Musik, das genau fehlt in der römischen Kultur. Mag sie in Malerei, Bildhauerei und Architektur auch alles überstrahlen - die Verinnerlichung des Glaubens in der Musik hat sich doch nördlich der Alpen vollzogen. Und da macht es mich schon froh, wenn wir aus Leipzig, dem Kernland des deutschen Protestantismus, etwas hierherbrin- gen können, was Rom so nicht zu bieten hat."
   Joseph Ratzinger hat einmal geschrieben: „Das Verhältnis zwischen Theologie und Kirchenmusik scheint immer einigermaßen kühl gewesen zu sein." Für die katholische Kirche mag das gelten. Für die lutherische Kirche, die Be- nedikt XVI. immer noch nicht „Kirche" nennen mag, gilt dies nicht. Martin Luther liebte die Musik mit stürmischer Herzlichkeit, auch die kunstvolle. In dieser Liebe kommt ihm der gegenwärtige Papst so nahe, wie der Theologe Ratzinger ihm schon 1999 nahe kam als maßgeblicher Mitautor der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungs- lehre" von katholischer Kirche und lutherischem Weltbund. Johannes Bugenhagen, der Beichtvater Luthers, Refor- mator Pommerns und Dänemarks, hatte sich zum Lebensmotto den Satz erkoren: „Mein Lob ist Davids Harfe." Denn durch seinen Kommentar zum Psalter hatte er als Theologe größten Ruhm erlangt. Der 20. April 2012, der Tag des Geburtstagskonzerts für Benedikt XVI., war sein 454. Todestag. Am Tag des Todes, nicht am Tag der Geburt feiert die katholische Kirche ja ihre Heiligen. Felix Mendelssohn Bartholdy hätte über diese Fügung dankbar gelacht. FAZ120428JanBrachmann

 Riccardo Muti, Mailänder Scala   be-267RiccardoMuti-zt

Anlässlich des siebten Pontifikatsjahrs von Papst Benedikt XVI.
hat Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano ein Konzert in der vatikanischen Audienzhalle geschenkt.

   Riccardo Muti, langjähriger Generalmusikdirektor der Mailänder Scala, führte mit Orchester und Chor der römi- schen Oper das „Magnificat“ von Antonio Vivaldi sowie das „Stabat Mater“ und das „Te Deum“ von Giuseppe Verdi auf. Anwesend war auch Italiens Ministerpräsident Mario Monti.
   Mittlerweile ein Geschenk-Klassiker: Wie in den vergangenen Jahren hat auch diesmal das italienische Staats- oberhaupt dem Papst zum Jahrestag seiner Wahl ein Konzert „überreicht“ – ein musikalisches Zeichen der Verbun- denheit zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl, wie Papst Benedikt XVI. und Giorgio Napolitano in ihren An- sprachen betonten. Nach der musikalischen Darbietung ging der Papst im Detail auf die Werke der beiden großen italienischen Komponisten ein. Die Kirchenmusik des vor allem für seine „Vier Jahreszeiten“ weltberühmten Antonio Vivaldi sei allgemein wenig bekannt, so Benedikt XVI.:
  „Das Magnificat, das wir gehört haben, ist ein Lobgesang auf Maria und alle Demütigen, die mit Freude und Dank- barkeit Gottes Werke in ihrem eigenen Leben und der Geschichte erkennen und feiern. Gott hat einen anderen ,Stil’ als der Mensch, denn er ergreift immer Partei für die Letzten, um Hoffnung zu geben. Und die Musik Vivaldis drückt das Lob, den Jubel, den Dank und auch das Staunen vor Gottes Werk mit einem außergewöhnlichen Reich- tum an Gefühlen aus.“
   Das „Stabat Mater dolorosa“ von Giuseppe Verdi bringe mit musikalischen Mitteln den Schmerz der Muttergottes zu Füssen des gekreuzigten Jesus zum Ausdruck, fuhr der Papst fort, der die musikalische Umsetzung der Szene würdigte:
   „Die Musik wird essentiell, ja ,ergreift' praktisch das Wort, um auf intensivste Weise den Inhalt mit einer großen Bandbreite an Gefühlen auszudrücken.“
  In Verdis „Te Deum“ schließlich, das eines der letzten großen Werke des italienischen Meisters ist, biete der Kom- ponist eine andere, nicht traditionelle musikalische Lesart der Heiligen Schrift an, so Benedikt XVI. weiter. Keine großen Siege und Krönungen würden hier vertont, sondern eine Abfolge nachdenklich machender Situationen, „fast eine Bitte Verdis, Hoffnung zu haben und Licht zu sehen im letzten Lebensabschnitt“,interpretierte der Papst.
   Giorgio Napolitano betonte in seinen Grußworten auf die Verbundenheit beider Staaten: Die Christenverfolgung und die Wirtschaftskrise seien sowohl für den italienischen Staat als auch den Heiligen Stuhl geteilte Sorge, so das italienische Staatsoberhaupt. Und Napolitano fuhr fort:
  „In dieser schwierigen Phase, Heiliger Vater, tröstet uns Ihre Sensibilität und Aufmerksamkeit für die europäische Einheit wie auch für die ethische und kulturelle Dimension einer Krise, die es mit Blick auf die neuen Maßstäbe des sozialen und zivilen Wohlstandes zu überwinden gilt.“
  Vor der Aufführung hatte der 85-jährige Benedikt XVI. den zwei Jahre älteren Präsidenten in Audienz empfangen. Themen der rund 20-minütigen Unterredung waren nach Vatikanangaben die gemeinsame Sorge um den Frieden insbesondere im Nahen Osten. RV120512pr

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Interview mit dem italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano
Foto links: Plauderstunde in den Gärten der Päpstlichen Villa in Castel Gandolfo:
Der Heilige Vater mit Präsident Napolitano, dessen Gattin und Kardinal Bertone.

Papst zum Freund
   Papst Benedikt XVI. empfängt und begrüßt ihn mit der Herzlichkeit, die man einem lieben alten Freund gegen- über empfindet. Maestro Daniel Barenboim bezeichnet ihn als den »Architekten« des historischen Ereignisses, das in Castel Gandolfo stattfand. Giorgio Napolitano, der Staatspräsident der Republik Italien, bekundet seine volle Zu- friedenheit darüber, das es ihm gelungen ist, zwei Männer besser miteinander bekannt zu machen, die dieselbe Botschaft der Gewaltlosigkeit und des Friedens verkünden. Der eine ist der Papst, dessen Worte bis in jeden Winkel der Erde dringen. Der andere, Orchesterleiter Maestro Barenboim, verfolgt denselben Weg im Rhythmus einer Friedenssymphonie, die von jungen israelischen, palästinensischen, syrischen, libanesischen, ägyptischen, amerikanischen, deutschen, spanischen und argentinischen Künstlern interpretiert wird. Mit der ihm angeborenen Herzlichkeit, seiner außergewöhnlichen Dialogbereitschaft, die weder vor den großen noch den kleinen Themen des Lebens je schwächer geworden ist, hat sich Staatspräsident Napolitano gerne bereiterklärt, mit Redakteur Mario Ponzi von der italienischen Tagesausgabe des »Osservatore Romano« zu sprechen.
Erst Kardinal Ravasi und dann Maestro Barenboim haben ein kleines Geheimnis enthüllt: Sie waren der Initia- tor, der Architekt dieses Abends, der weit über seine gleichwohl ganz hervorragende künstlerische und kultu- relle Bedeutung hinausging. Können Sie uns erklären, weshalb Sie so auf diesen Augenblick gedrängt haben?
     Ich kenne Maestro Barenboim seit vielen Jahren, bewundere ihn sehr und bin ihm durch eine tiefe Freundschaft verbunden. Ich kenne auch sein Jugendorchester gut. Und ich war überglücklich, den Dan-David-Preis, der mir am 15. Mai 2011 in Tel Aviv verliehen wurde  [eine mit einer Million Dollar dotierte Auszeichnung,  A.d.R.], diesem Or- chester zukommen zu lassen, um ihm dabei zu helfen, seine weltweite Tätigkeit zu konsolidieren und auszubauen. Ich habe wundervolle Bilder ihrer Konzerte in aller Welt gesehen. Das Konzert, das sie in Ramallah aufgeführt ha- ben, hat mich innerlich zutiefst berührt: es ist unglaublich, wie diese jungen Leute es fertigbringen, so viele unter- schiedliche Jugendliche zu verbrüdern, geradeso wie die Musik das schenkt, was leider auch heute noch die Regie- rungen und die Politik nicht zu geben vermögen, nämlich ein Gefühl von Frieden, von Anteilnahme, vom Teilen ge- meinsamer Werte, die von Solidarität und Spiritualität sprechen. Werte, die die Lösung eines seit Jahren anhal- tenden und dramatischen Problems wie etwa das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern erleichtern könnten. Deshalb sollte der Papst diese Realität einfach kennenlernen.
Wann ist Ihnen die Idee gekommen, sie miteinander bekanntzumachen?
 Ich hatte vor einiger Zeit Gelegenheit, ihm persönlich von diesem Jugendorchester zu erzählen, von der Botschaft, die es in alle Welt trägt. Der Papst ließ erkennen, dass er die Bedeutung dieser Initiative sofort verstand, und wollte mehr darüber erfahren. Und dann dieses große Geschenk! Das Geschenk, das er diesen Jugendlichen dadurch gemacht hat, daß er sie in seinem Haus empfangen hat. Auch für den Maestro Barenboim war das ein großes Geschenk. Sie waren zutiefst gerührt von so viel Feinfühligkeit.
Woher kommt Ihre so offenkundige Übereinstimmung mit Papst Ratzinger?
   Seit dem Beginn meines Amtes sind sechs Jahre vergangen. Im Mai hat das letzte der vorgesehenen sieben Amtsjahre begonnen. Ich zögere nicht, zu bekennen, dass eine der schönsten Erfahrungen meiner Amtszeit gerade durch die Beziehung zu Benedikt XVI. charakterisiert ist. Wir haben zusammen sehr viele Gemeinsamkeiten entdeckt, wir haben das Gefühl eines großen und gegenseitigen Respekts voreinander erlebt. Aber da ist noch mehr, etwas, das unsere menschlichen Saiten hat zum Erklingen bringen lassen. Und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Heute beispielsweise haben wir gemeinsam einen Augenblick erlebt, der sich gerade durch sehr viel einfache Menschlichkeit auszeichnet. Wir sind spazieren gegangen, wir haben miteinander geredet wie Menschen, die sehr eng befreundet sind, bei aller Ehrfurcht, die ich vor ihm und seinem erhabenen Amt, seiner hohen Sendung habe. Wir fühlen uns einander in gewisser Weise nahe, auch weil beide dazu berufen wurden, über sehr komplizierte Realitäten zu regieren. Der Papst ist natürlich nicht nur ein »Staatsoberhaupt«, sondern und vor allem auch das Haupt der Universalkirche. Meinerseits stehe ich gerade zu einem äußerst schwierigen Augenblick an der Spitze der Institutionen der Republik Italien. Es ist erforderlich, dass ich in jedwedem Kontext überzeugende Grün- de zur Geltung bringen kann, dass Gelassenheit, Friede und Mäßigung geübt werden. Sehen Sie, ich interpretiere meine Rolle als die eines Schlichters: und was gäbe es alles zur vergleichbaren Aufgabe zu sagen, die der Papst erfüllen muss?
Und dann vereint Sie auch noch die jeweilige Vorstellung von Frieden.
   Ich glaube schließlich, dass die unablässigen Friedensappelle des Papstes von unendlich vielen Menschen auf der ganzen Welt vernommen und geteilt werden. Natürlich stoßen Friedensappelle - vor allem in Gegenden wie dem Nahen Osten - auf eine gewisse Zuspitzung der Konflikte und Kontraste. Wie es immer geschieht, wenn Jahrzehnte auf Aberjahrzehnte vergehen, ohne dass eine Lösung gefunden werden kann, dann gibt es etwas, das sich in Verhärtungen verwandelt, die sehr schwer aufzuweichen sind. Ein jeder von von uns macht, was er tun muss, und der Papst kann mit seiner Eingebung und mit der Beständigkeit seines Handelns unendlich viel erreichen. Darauf hoffe ich wenigstens.
Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Benedikt XVI. und Italien interpretieren?
   Ich werde nie die Botschaft vergessen, die er aus Anlass des 150. Jahrestags der Einigung Italiens gesandt hat: ich trage sie in meinem Herzen und werde sie immer bei mir tragen, als Vermächtnis meines Präsidentenmandats. Es ist klar, dass mit Sicherheit eine herzliche, formelle Botschaft zu erwarten war, aber bei weitem nicht so an- spruchsvoll wie seine Worte und sein historisches Urteil dann ausgefallen sind. Und das zeigt wahrlich, wie in Italien Staat und Kirche, das Volk der Republik und das Kirchenvolk, zutiefst und ganz innig vereint sind. OR120720

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Foto oben:Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt
unter Leitung der Spanierin Inma Sharahat für Papst Benedikt XVI. konzertiert.

   Es war das erste Mal, dass bei einem Konzert vor dem Papst eine Frau am Dirigentenpult stand. Anlass der Aufführung im Vatikan war ein Festakt zum 60. Jahrestag der Uno-Menschenrechtserklärung. Auf dem Programm standen die Ouvertüre aus Felix Mendelssohns „Sommernachtstraum“ und das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 9 von Wolfgang Amadeus Mozart. Ferner erklangen Stücke von Amilcare Ponchielli und Manuel de Falla. Bene- dikt XVI. zeigte sich erfreut und bewegt. Er dankte dem Ensemble  und seiner Gastdirigentin  für die „eindrucks- svolle“  Darbietung. Unter den rund 8.000 Gästen in der vatikanischen Audienzhalle waren auch Italiens Staats- präsident Giorgio Napolitano, die Kurienspitzen und das Corps der beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten. HA081212kna

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Foto: Papst Benedikt XVI. bekankt sich nach dem Konzert in Castelgandolfo. Links: Prälat Georg Ratzinger

Zu Ehren des fünfjährigen Pontifikats von Papst Benedikt XVI.
   gab die päpstliche Akademie der Wissenschaften ein Konzert. Die Darbietung fand im Hof der päpstlichen Som- merresidenz Castelgandolfo statt; Papst Benedikt XVI. war persönlich zugegen. Gespielt wurde das Requiem KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart in einer für Orchester und Chor adaptierten Version. Das Werk gilt als das letzte des von Papst Benedikt geschätzten Musikgenies. „Die Einladung, vor Papst Benedikt XVI. zu spielen, ehrt uns sehr“, kommentierte der künstlerische Direktor Filippo Juvarra das Ereignis. rv100907

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Dirigent Barenboim musiziert gern für den Papst
   Ein quasi religionsübergreifendes Orchester musizierte am 11. Juli 2012 vor Papst Benedikt: Das West Eastern Divan Orchestra, gegründet und dirigiert von Daniel Barenboim. Die Musiker des Klangkörpers kommen aus Israel und Palästina sowie aus mehreren anderen Nahost-Staaten, etwa Iran. Der argentinisch-israelische Maestro, der seit 20 Jahren in Berlin lebt, musiziert schon zum zweiten Mal in kurzer Zeit vor dem Papst: Bei seinem Mailand- besuch zum Weltfamilientreffen Anfang Juni lauschte Benedikt XVI. im berühmten Opernhaus der „Scala“ Beetho- vens Neunter Sinfonie, dirigiert von Barenboim. Der Maestro erzählte uns:
   „Ich war erstaunt nach dem Konzert, vielmehr: ich habe ihn bewundert nach dem Konzert in Mailand, er hat dort Worte über Beethoven gefunden, die mich sehr berührt haben.  Der Papst hat so viel Kenntnis über Musik, obwohl er sie nicht praktiziert, ist er ein richtiger Musiker.“
   Am kommenden Mittwoch steht nun abermals Beethoven auf dem Programm: Die 5. und die 6. Sinfonie, genannt die Schicksalssinfonie bzw. die Pastorale. Das Konzert versteht sich als Geschenk zum Namenstag des Papstes und findet in der Sommerresidenz Castelgandolfo statt.
   „Wenn er Zeit und Lust hat, ein paar Worte zu wechseln, würde ich mich sehr gern mit ihm unterhalten, weil die ganze Beziehung zwischen Religion und Musik von der Sicht der Emotionalität des Menschen ein sehr wichtiges Thema für mich ist.“ RV 120707gs

be-BarenboimCastel-zBenedikt XVI. würdigt Barenboims Orchester-Projekt

  Auch ein Orchester kann viel für die Völkerverständigung tun. Davon ist Benedikt XVI. überzeugt. Am 11. Juli 2012 lauschte der Papst der 5. und 6. Sinfonie Ludwig van Beethovens, die zu Ehren Benedikts XVI. in Castel Gandolfo gespielt wurden. Das Konzert des „West-Eastern Divan Orchestra“ stand unter der Leitung des Dirigenten Daniel Barenboim. In seiner Ansprache würdigte der Papst den Beitrag des Orchesters zur Förderung des Friedens im Nahen Osten: Er sei sehr erfreut, ein Orchester zu empfangen, das aus der Erfahrung entstanden sei, dass Musik die Menschen über alle Grenzen hinweg verbinde. Benedikt XVI.:
   „Das Orchester vereint Israelis, Palästinenser und Araber aus anderen Ländern sowie Menschen jüdischen, muslimischen und christlichen Glaubens. Diese verbinden professionelle Exzellenz mit einem ethischen und spiri- tuellen Anliegen. Meine eigene Generation hat – ebenso wie jene der Eltern des Dirigenten Barenboim – die Tra- gödien des Zweiten Weltkriegs und der Schoah miterlebt. Vor diesem biografischen Hintergrund ist es von beson- derer Bedeutung, dass Daniel Barenboim ein solches Orchester ins Leben gerufen hat.“
   Das Gastspiel in den Albaner Bergen war die zweite Station einer Europatournee des 1999 von Barenboim gegründeten Orchesters junger Musiker aus verschiedenen Staaten des Nahen Ostens. Zu den beiden Beetho- ven-Sinfonien merkte der Papst an:
   „In den zwei aufgeführten Symphonien spiegeln sich zwei zentrale Gesichtspunkte des Lebens wieder, das Dra- ma und der Friede. Die Symphonie Nr. 6 trägt den Beinamen ,Pastorale‘, die Symphonie Nr. 5 wird bisweilen auch als ,Schicksalssymphonie‘ bezeichnet. Beethovens Botschaft lautet, dass Frieden nur durch eine persönliche und gemeinschaftliche Umkehr, den Dialog sowie die beharrliche Suche nach möglichen Übereinstimmungen erreicht werden kann.“
   Unter den Konzertgästen im Innenhof des päpstlichen Palastes waren auch der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano Foto und der frühere UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Aus Deutschland reiste auf Einladung Barenboims Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit an. Der Politiker kam als Privatmann. RV120712mg

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Konzertdes “West Eastern Divan Orchestra” zu Ehren  von Papst Benedikt XVI.
im Innenhof des Apostolischen Palastes in Castel Gandolfo

In der Welt die Hoffnung des Friedens säen durch die universale Sprache der Musik
Ansprache von Papst Benedikt XVI. am 11. Juli 2012

Herr Präsident, verehrte Mitbrüder, sehr geehrte Damen und Herren!
   Wir haben einen wirklich tiefgehenden und unseren Geist bereichernden musikalischen Augenblick erlebt, und dafür danken wir dem Herrn. Ich möchte dem Herrn Dirigenten Daniel Barenboim sowie allen Musikern des »West- Eastern Divan Orchestra« meine aufrichtige Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Im Rahmen ihrer Sommertournee hatten sie den freundlichen Wunsch, mir am Fest des heiligen Benedikt dieses Konzert zu widmen. So haben sie mir ermöglicht, ihre hervorragende Darbietung nicht nur persönlich zu genießen, sondern auch unmittelbarer an ihrem Weg teilzuhaben, den Sie, Maestro, zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Herrn Edward Said vor nunmehr 13 Jahren begonnen haben.
   Ich begrüße sehr herzlich den Präsidenten der Italienischen Republik, Herrn Abgeordneten Giorgio Napolitano, dem ich für seine Anwesenheit und für die Unterstützung dieser Initiative danke. Und mein Dank richtet sich auch an Kardinal Ravasi, der das Konzert mit drei schönen und bedeutsamen Zitaten eingeleitet hat. Ebenso gilt mein Dank allen Autoritäten sowie euch allen, liebe Freunde.
   Ihr könnt euch vorstellen, wie sehr ich mich freue, ein Orchester wie dieses zu empfangen, das aus der Über- zeugung, ja der Erfahrung heraus entstanden ist, dass die Musik die Menschen vereint, über alle Spaltungen hinaus. Denn die Musik ist Harmonie der Unterschiede - jedes Mal zu Beginn eines Konzertes wird sie durch den »Ritus« des Stimmens der Instrumente hergestellt. Aus der Vielfalt der Klänge der verschiedenen Instrumente kann eine Symphonie entstehen. Aber das geschieht nicht auf magische Weise und auch nicht automatisch! Es wird nur dank des Einsatzes des Dirigenten und jedes einzelnen Musikers erreicht. Ein geduldiger, mühevoller Einsatz, der Zeit und Opfer verlangt, im Bemühen, einander zuzuhören, übermäßigen Geltungsdrang zu vermeiden und dem bestmöglichen Gelingen des Ganzen den Vorzug zu geben.
   Während ich diese Gedanken zum Ausdruck bringe, wendet sich der Geist der großen Symphonie des Friedens unter den Völkern zu, die niemals ganz vollendet ist. Meine Generation hat ebenso wie die der Eltern von Maestro Barenboim die Tragödien des Zweiten Weltkriegs und der »Schoah« erlebt. Und es ist sehr bedeutsam, dass Sie, Maestro, nachdem Sie die höchsten Ziele für einen Musiker erreicht haben, ein Projekt wie das »West-Eastern Divan Orchestra« ins Leben gerufen haben: eine Gruppe, in der israelische und palästinensische Musiker sowie Musiker aus anderen arabischen Ländern zusammen spielen - Personen jüdischer, muslimischer und christlicher Religion. Die zahlreichen Anerkennungen, mit denen Sie und dieses Orchester ausgezeichnet wurden, zeugen zugleich vom hervorragenden professionellen Können und dem ethischen und geistlichen Streben. Das haben wir auch an diesem Abend gespürt, an dem wir die Fünfte und Sechste Symphonie von Ludwig van Beethoven gehört haben.
   Auch in dieser Auswahl, in dieser Nebeneinanderstellung können wir eine Bedeutung sehen, die für uns inter- essant ist. Diese beiden hochberühmten Symphonien bringen zwei Aspekte des Lebens zum Ausdruck: das Drama und den Frieden, den Kampf des Menschen gegen das widrige Schicksal und das beruhigende Eintauchen in das bukolische Umfeld. Beethoven hat an diesen beiden Werken, insbesondere an ihrer Vollendung, beinahe gleich- zeitig gearbeitet. Sie wurden ja auch zusammen - wie an diesem Abend - uraufgeführt, im denkwürdigen Konzert vom 22. Dezember 1808 in Wien. Die Botschaft, die ich heute daraus entnehmen möchte, ist diese: Um zum Frie- den zu gelangen, muss man sich darum bemühen, muss Gewalt und Waffen beiseite lassen, sich durch persönliche und gemeinschaftliche Umkehr bemühen, durch den Dialog, durch die geduldige Suche nach einer möglichen Verständigung.
   Ich danke Herrn Barenboim und dem »West-Eastern Divan Orchestra« daher von Herzen, dass sie uns Zeugnis gegeben haben von diesem Weg. Einem jeden von Ihnen gilt der Wunsch und das Gebet, weiterhin in der Welt die Hoffnung des Friedens zu säen durch die universale Sprache der Musik.
Danke und allen einen schönen Abend! OR120713

be-Barenboim-a-z Benedikt XVI.: „Wir brauchen einen nahen Gott“

   Gott ist nicht abstrakt. Gegen solche Vorstellungen hat sich Papst Benedikt XVI. bei seinen Worten anlässlich des Konzertes im Mailänder Opernhaus La Scala gewandt. Er nahm dabei besonderen Bezug auf das Erdbeben in Norditalien. Angesichts der Naturkatastrophe, die „so viel unverständliche Zerstörung“ über die Region gebracht habe, „Menschenleben gekostet und vielen das Zuhause genommen habe“, scheine die Existenz Gottes „disku- tabel“, sagte der Papst nach dem Konzert in seiner zweiten Mailänder Ansprache:
   „Ist der gute Vater nur über dem Sternenhimmel? Kommt seine Güte nicht bei uns an? Wir suchen einen Gott, der nicht thront und weit weg ist, sondern der in unser Leben und Leiden eintritt.“
   Nur ein solch „naher Gott“ könne Leid lindern, nur eine „tätige“ Brüderlichkeit Erleichterung bringen, fuhr Bene- dikt XVI. fort:
   „Wir brauchen keine irreale Rede von einem fernen Gott und einer nicht verbindlichen Brüderlichkeit. Wir suchen nach dem nahen Gott. Wir suchen eine Brüderlichkeit, die inmitten der Leiden den anderen unterstützt und so hilft, weiter zu gehen.“
   Auf dem Programm für das Konzert stand am Freitagabend die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven; Chor und Orchester des weltberühmten Opernhauses dirigierte Daniel Barenboim. Die musikalische Darbietung lobte der Papst als „intensiv und packend“. Weiter ging er im Detail auf die poetische Grundlage der Symphonie, Fried- rich Schillers „Ode an die Freude“, ein, von der im Schlusschor der 9. Symphonie die Rede ist: Diese sei eine Ein- ladung an alle Menschen jenseits aller Barrieren und Überzeugungen, so Benedikt XVI.; mit der Vertonung von Friedrich Schillers Werk beschwöre Beethoven eine „ideale Vision der Menschheit“. Es gehe in dem Stück in einem allgemeinen Sinne um ein brüderliches Zusammenleben der Völker und einen Sieg über den Egoismus. Hinzu komme der Wunsch, dass der Gang der Menschheitsgeschichte von Liebe bestimmt sei. Das Opernhaus Scala würdigte der Papst als „musikalischen und kulturellen Referenzpunkt“ für die ganze Welt. Die Rekonstruktion des Opernhauses nach Kriegsende wertete er als „Zeichen der Hoffnung zur Wiederaufnahme des Lebens der ganzen Stadt“ nach den Schrecken des Krieges. RV120602prKNA

Ein weiteres Konzert für den Papst

   Der Düsseldorfer Cellist Thomas Beckmann musiziert für Benedikt XVI. Das Konzert fand am 11. August 2013 in Castel Gandolfo statt. Dazu trug das Regensburger Vokalensemble „Cantico“ geistliche Werke deutscher Romantiker vor. Das Konzert fand in exklusivem Rahmen statt, vor nur 150 handverlesenen Gästen. RV120727pm

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Konzert zu Ehren Papst Benedikts XVI. und des italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano.
Annäherung an Gott. Ansprache von Papst Benedikt XVI. am 4. Februar 2013
Foto: Vor dem Konzert  kam es zu einer herzlichen Begegnung zwischen Papst Benedikt XVI.
und dem italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano

   Aus Anlass des 84. Jahrestags der Unterzeichnung der Lateranverträge veranstaltete die Botschaft der Republik Italien beim Heiligen Stuhl in der vatikanischen Audienzhalle ein Konzert. Papst Benedikt XVI. hielt am Schluss der musikalischen Veranstaltung die folgende Ansprache:
Herr Präsident, meine Herren Kardinäle,
verehrte Herren und Damen Minister und Amtsträger,
verehrte Mitbrüder, sehr geehrte Damen und Herren!
   Zunächst grüße ich den Präsidenten der Republik Italien Giorgio Napolitano und danke ihm für die eindrücklichen Worte, die er an mich gerichtet hat; in diesen sieben Jahren sind wir uns mehrmals begegnet - wie Sie erwähnt haben - und haben Erfahrungen und Überlegungen ausgetauscht. Ich begrüße seine liebe Gattin, die italienischen Obrigkeiten wie auch die Herren Botschafter und die zahlreichen anwesenden Persönlichkeiten. Ein herzlicher Dank gilt den Veranstaltern und Organisatoren dieses Abends, insbesondere der »Flying Angels Foundation«, die sich im Bereich der Solidarität engagiert.
   Das Orchester »Maggio Musicale Fiorentino« und sein Dirigent Zubin Metha brauchen nicht vorgestellt zu werden: beide haben eine wichtige Stellung im internationalen Musikpanorama und an diesem Abend haben sie es bewiesen, indem sie uns mit der bemerkenswerten Aufführung von Verdis Sinfonía und der dritten Sinfonie von Beethoven einen Moment großer Erhebung des Geistes geschenkt haben.
   Giuseppe Verdi, Die Macht des Schicksals: eine dem großen italienischen Komponisten geschuldete Huldigung, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. Das Beeindruckende an seinen Werken ist immer wieder, wie er die Situationen des Lebens musikalisch zu erfassen und darzustellen verstand, insbesondere die Dramen des menschlichen Geistes, und das auf so unmittelbare, eindrückliche und wesentliche Art und Weise, wie es im musi- kalischen Panorama selten zu finden ist. Verdis Gestalten sind immer einem tragischen Schicksal ausgeliefert, dem auch die Protagonisten von Die Macht des Schicksals nicht entgehen: die Sinfonie, die wir gehört haben, hat uns dies von den ersten Takten an wahrnehmen lassen. Indem Verdi das Thema des Schicksals aufgreift, sieht er sich unmittelbar konfrontiert mit dem Thema des Religiösen, mit der Auseinandersetzung mit Gott, mit dem Glauben, mit der Kirche; und nochmals tritt der Geist dieses Komponisten hervor, seine Unruhe, seine religiöse Suche. Nicht nur ist eine der berühmtesten Arien in Die Macht des Schicksals, »La Vergine degli Angeli«, ein inniges Gebet, sondern wir finden hier auch zwei Geschichten der Bekehrung, der Annäherung an Gott: jene der Leonora, die auf dramatische Weise ihre Schuld erkennt und beschließt, sich in ein Einsiedlerleben zurückzuziehen, und jene von Don Alvaro, der zwischen der Welt und einem Leben in Einsamkeit mit Gott hin- und hergerissen ist. Es ist interes- sant festzustellen, dass in den beiden Versionen dieser Oper - der Petersburger Version von 1862 und der Version für die Scala in Mailand von 1869 - das Finale anders ist: in der ersten Version endet Don Alvaro als Selbstmörder, er weist das Ordensgewand zurück und verflucht sich; in der zweiten Version dagegen nimmt er die Worte des Pater Guardiano an, auf die Vergebung Gottes zu vertrauen, und die Oper endet mit den Worten» Salita a Dio«[Sie ist zu Gott gegangen].  Hier wird das Drama der menschlichen Existenz dargestellt, gezeichnet von einem tragischen Schicksal und der Sehnsucht nach Gott, nach seiner Barmherzigkeit und seiner Liebe, die auch im Dun- kel Licht, Sinn und Hoffnung bieten. Der Glaube schenkt uns diese Perspektive, die nicht illusorisch, sondern real ist, wie der heilige Paulus versichert: »Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn« Rö 8,38-39. Das ist die Kraft des Christen, die aus Tod und Auferstehung Christi geboren wird, dem höchsten Akt eines Gottes,  der in die Geschichte des Menschen nicht nur mit Worten eingetreten ist, sondern indem er selbst Mensch geworden ist.
   Ein Wort auch zur dritten Sinfonie von Beethoven, ein komplexes Werk, das klar die Abkehr von der klassischen Sinfonie Haydns und Mozarts bedeutet. Wie bekannt ist, war das Werk Napoleon gewidmet, aber der große deutsche Komponist änderte seine Meinung, nachdem Napoleon sich zum Kaiser ausgerufen hatte und veränderte den Titel in: »composta per festeggiare il sowenire di un grand'uomo« [komponiert, um das Andenken eines großen Mannes zu feiern]. Beethoven brachte das Ideal des Helden musikalisch zum Ausdruck, eines Helden, der Freiheit und Gleichheit bringt und vor der Entscheidung zwischen Resignation oder Kampf, zwischen Tod oder Leben, Kapitulation oder Sieg steht; und die Sinfonie beschreibt diese Gemütszustände mit einem bis dahin ungekannten farbigen und thematischen Reichtum. Ich gehe nicht näher auf die Deutung der vier Sätze ein, son- dern möchte nur auf den zweiten Satz hinweisen, den berühmten Trauermarsch, eine eindringliche Meditation über den Tod, die mit einem ersten Teil dramatischer und verzweifelter Töne beginnt, aber im mittleren Teil einen zuversichtlichen, von der Oboe getragenen Abschnitt enthält und dann eine Doppelfuge und Trompetenklänge: die Gedanken über den Tod laden dazu ein, über das Jenseits, das Unendliche nachzudenken. In jenen Jahren schrieb Beethoven im Heiligenstädter Testament vom Oktober 1802: »Gottheit du siehst herab auf mein inneres, du kennst es, du weist, daß Menschenliebe und Neigung zum Wohlthun drin hausen.« Die Suche nach Sinn, der eine feste Hoffnung für die Zukunft eröffnet, ist Teil des Weges der Menschheit.
   Danke, Herr Präsident, für Ihre Anwesenheit. Mein Dank gilt dem Dirigenten und den Orchestermusikern des »Maggio Musicale Fiorentino«.
Einen Dank den Veranstaltern und Organisatoren und Ihnen allen! Einen schönen Abend! OR13021

Kultur und Konzerte

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Papst Franziskus lädt Obdachlose von der Peripherie zu Kultur und Konzerten in den Vatikan ein

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Papst Franziskus begrüßt Obdachlose in der Sixtinischen Kapelle

    „Willkommen! Dies ist ein Haus für alle, das ist euer Haus.” Mit diesen Worten begrüßte Papst Franziskus etwa 150 römische Obdachlose in der Sixtinischen Kapelle. Erzbischof Konrad Kraijewski, Chef des Almosenamtes des Vatikan, hatte sie dazu eingeladen, die Papstbegegnung war hingegen eine Überraschung. Papst Franziskus begrüßte jeden der Besucher einzeln und bat sie, für ihn zu beten, abschließend segnete er sie.  Er verbrachte rund 20 Minuten mit den Gästen in der päpstlichen Hauskapelle.
  Diese bekamen vorab eine Führung durch die Kapelle, sie  stand den obdachlosen Gästen exklusiv zur Verfügung. Die übrigen Museumsbesucher konnten die Sixtina an jenem Tag nur bis 16 Uhr besichtigen.  Zuvor flanierte die Gruppe vorbei an der päpstlichen Residenz Santa Marta und durch die vatikanischen Gärten, ein Privileg weniger Besucher. Die Tour in den Museen umfasste den kürzlich neu eröffneten Pavillon der Kutschen, die Galerie der Kandelaber und der Landkarten sowie die Sixtinische Kapelle. Danach bekamen sie im Restaurant der Vatikanischen Museen, zu denen die Kapelle gehört, ein Abendessen. 
   Die Presse war nicht zugelassen bei dieser Begegnung. Papst Franziskus begrüßte jeden Obdachlosen persönlich und bat die Gruppe für ihn zu beten: “Gebete von Menschen wie euch habe ich nötig!” Dann dankte der Papst den polnischen Erzbischof Konrad Krajewski, der als päpstlicher Almonsengeber diesen Besuch organisiert hatte. Erzbischof Krajewski verteilte die Eintrittskarten persönlich. Eine obdachlose Frau, Carla, erzählt das seine Gas-Explosion ihre ganze Familie tötete. Seitdem lebt sie auf den Straßen Roms. Sie wurde betreut von Franziskanerinn am Stadtrand von Rom. CH150327
 
   Bereits im Februar war auf Betreiben Kraijewskis Duschräume an den Kolonaden des Vatikan eingerichtet worden, dazu die Möglichkeit, sich die Haare schneiden zu lassen. Um den Vatikan herum lebt ständig eine große Gruppe Obdachloser. rv150327ord 

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Voller Erfolg: Konzert für Obdachlose im Vatikan

   Das Benefizkonzert für die Obdachlosen Roms Länger als geplant: Das Benefizkonzert im Vatikan für die Obdachlosen Roms war ein voller Erfolg. Es dauerte länger, als es angekündigt war. Über 2.000 Arme der Ewigen Stadt seien anwesend gewesen, so die Organisatoren. Im Mittelpunkt der Aufführung standen weder das philharmonische Orchester Salernos unter der Leitung von Daniel Oren noch der Chor der Diözese Rom sondern die „besonderen Gäste“ in der Audienzhalle, wo das Konzert stattgefunden hatte. Sie waren alle zuvorderst in der Halle versammelt, denn so wollte es Papst Franziskus, der selber jedoch nicht an dem Konzert teilnahm. Die Stücke hatten vor allem mit dem italienischen Autor Dante Alighieri zu tun, dessen 750. Geburtsjahr gedacht wird. Unsere italienischen Kollegen haben einige „Gäste“ des Konzertes nach der Aufführung getroffen.
   „Ich heiße Omar und komme aus Somalia. Ich bin 2003 auf einem Boot hier nach Italien gekommen. Wir waren sechs Tage auf dem Mittelmeer, ohne Treibstoff, ohne Wasser und Nahrung. Ich bin dann später nach Rom umgezogen und hatte nichts. Ich lebte auf der Straße, bis ich eine Familie traf, die Caritas heißt. Ich lebe gut mit ihnen, das Hilfswerk Caritas ist meine Familie.“
   Ein anderer Obdachloser heißt Roberto und trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Wir sind eine Familie, die für dich betet“.
   „Das hat uns Papst Franziskus geschenkt. Jeder, der unter den Kolonaden auf dem Petersplatz die Duschen für Obdachlose benützt, bekommt so ein T-Shirt. Ich bin da Dauergast. Aber ich helfe gerne selber als Freiwilliger. Das macht mir Freude, auch wenn ich auf der Straße lebe, aber es ist schön, anderen zu helfen.“
   Das Benefizkonzert stand unter dem Motto „Mit den Armen für die Armen“ und wurde vom päpstlichen Almosenamt organisiert. Der Eintritt war frei; die weiteren mehreren tausend Besuchern, die nicht obdachlos sind, wurden jedoch um eine Spende gebeten. Der Erlös wird für karitative Zwecke in Rom verwendet. Das Leben der Obdachlosen in Rom liegt dem Papst besonders am Herzen. Am Petersplatz ließ er für sie Duschen installieren und einen Friseursalon einrichten. Zuletzt bekam eine Gruppe von Obdachlosen eine Sonderführung durch die Sixtinische Kapelle.
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Anglikanischer Chor singt bei Papstmesse - Der Päpstliche Chor während eines Auftrittes in der Sixtinischen Kapelle

     Der anglikanische „New College Choir“ aus Oxford wird gemeinsam mit Sängern des Vatikan die Papstmesse zum römischen Patronatsfest Peter und Paul am 29. Juni im Petersdom gestalten. Wie der Vatikan mitteilte, werde die „Cappella Sistina“ zuvor Ende Mai zu einem Probetermin nach Großbritannien reisen und dabei in Oxford sowie in der Westminster Abbey in London konzertieren. Die Einladung an die anglikanischen Sänger setzt die ökumenische Tradition fort, nach der seit dem Jahr 2012 bedeutende Chöre zum Fest von Peter und Paul im Vatikan auftreten. Zwei Tage zuvor treten der  „New College Choir“ und der Päpstliche Chor außerdem bei einem gemeinsamen Konzert in der Sixtinischen Kapelle vor den Leitern der römischen Kurienbehörden und dem beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatischen Corps auf.
   Auch in den vergangenen Jahren waren bereits beachtliche Chöre zur musikalischen Mitgestaltung des Peter-und- Paul-Fests in den Vatikan gekommen. Die Musik schlage auf diese Weise eine Brücke des Dialogs und der Begegnung, hieß es zu der Initiative im Vatikan. Rv150521sedoc

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Komponist Morricone: „Messe für Papst Franziskus“ - Fotos: Ennio Morricone, hier mit seiner Ehefrau Maria Tavia

   Klänge für Western-Filme, Gangster-Streifen oder Soap-Operas: Der italienische Filmmusiker Ennio Morricone ist weltberühmt mit seinen Werken geworden und hat schon den Oscar dafür erhalten. Nun wird der Italiener erstmals eine „Messe für Papst Franziskus“ dirigieren, die er selbst komponiert hat. Die Uraufführung fand am Mittwochabend, dem 10. Juni 2015, in der römischen Kirche „Il Gesu“ statt, der Hauptkirche des Jesuitenordens, dem auch Franziskus angehört. Der Jesuitenorden hatte Morricone bereits 2012 um eine Messe zum Gedenken an die Wiederzulassung der Gesellschaft Jesu 1814 gebeten. Nach der Wahl von Franziskus im März 2013 nannte Morricone sein Werk Missa Papae Francisci.  Im Gespräch mit Radio Vatikan erläutert der Komponist des Jesuiten- Films The Mission, in der es um die Jesuistenreduktionen ging, mit einem Augenzwinkern:
   „In allem, was ich tue, prüfe ich mich selbst und werde auch vom Publikum geprüft. Was mich selbst ein wenig wundert, ist meine enge Verbindung zum Jesuitenorden. In der Tat habe ich ja die Filmmusik zu ,The Mission´ komponiert und mich sozusagen an ihrem Schicksal von der Auflösung bis zum ersten Jesuiten, der Papst wird, persönlich beteiligt. Mit dieser Messe hingegen werde ich mit dem ersten Papst in Verbindung gebracht, der auch Jesuit ist. Das finde ich einen wunderbaren Zufall!“

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   Die Ausführenden des Konzerts waren das Orchestra Roma Sinfonietta sowie Chöre der römischen Oper und der Accademia di Santa Cecilia – jenem Konservatorium, an dem Morricone einst studierte.
   Populär wurde der römische Komponist vor allem durch Westernfilm-Musiken, etwa „Für eine Handvoll Dollar“ (1964), „Zwei glorreiche Halunken“ (1966), „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968), aber auch „Cinema Paradiso“, eine Liebeserklärung an das Kino von 1988. Weniger bekannt sind seine klassischen Werke, darunter auch Kantaten und andere geistliche Stücke. Rv150610mg

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