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Lourdes

Auf dieser Seite lesen Sie:
1. Die heilige Bernadette
2. Die barmherzige Schwester Bernadette
3. Bernadettes Tod
4. Der Brief von Bernadettean Papst Pius IX.
5 Fünf neue Wunder in Lourdes?
6. Papst Benedikt XVI. pilgerte nach Lourdes - 150-Jahre-Marienerscheinungen in Lourdes
7. Andreas Englisch erklärt in BILD-online die Wunder in Lourdes
8. Papstworte bei der brühmten Lichterprozession auf der Esplanade du Rosaire
9. Die Grotte von Massabielle
10. Predigt zur großen Messe in Lourdes
11. Foto-Impressionen von Lourdes
12. Ansprache des Papstes zum Angelus-Gebet
13. Papst Benedikt spircht zu den Kranken
14. Internationale Soldaten-Wallfahrt nach Lourdes
15. katholisch-anglikanische Wallfahrt nach Lourdes mit Predigt des Erzbischofs Rowan Williams von Canterbury
16. Papstwort zum Tag der Kranken: Glaube hilft!
17. Sechs Millionen Menschen pilgern jedes Jahr nach Lourdes

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Bernadette Soubirous erste Vision der Jungfrau Maria in der Grotte von Massabielle.
Aquarell von Hoffbauer aus Daniel Barbes Lourdes yersterday, today and tomorrow (1893)  Foto: MaryEvansPictureLibrary

Die heilige Bernadette, 1876

    Unweit von Lourdes, einem kleinen Städtchen am Fuße der Pyrenäen, an den Ufern des Flusses Gave, befand sich die Mühle von Boly, wo seit 1843 der Müller Francois Soubirous und seine Frau Louise Casterot mit ihren zahlreichen Kindern lebten. Bernadette war die älteste Tochter und hatte neun Geschwister. Nach einigen Jahren zwangen Hunger und Arbeitslosigkeit die Eltern, die zudem noch von dem vorzeitigen Tod fünf ihrer Kinder gezeichnet waren,  in ein leerstehendes,  „Cachot"  genanntes Haus umzuziehen,  das früher als Gefängnis genutzt worden war. Dort lebte die ganze Familie fortan in einem einzigen engen und dunklen Raum unter menschenunwürdigen Bedingungen. Am Morgen des 11. Februars 1858 gingen die vierzehnjährige Bernadette, ihre Schwester Antoinette und ihre Freundin Jeanne Abadie jenseits des Flusses Gave Holz sammeln. Dort hatte Bernadette oberhalb der Grotte Massabielle, einer feuchten, schmutzigen Höhle, die als Schweinestall benutzt wurde, das erste Mal die Vision „einer weißgekleideten Dame", die ihr zulächelte und dann in der Grotte verschwand. In den darauffolgenden Tagen und Wochen erschien die „Dame" ihr immer wieder. Am 25. März 1858 soll die Erscheinung auf Bernadettes zum vierten Mal wiederholte Frage, wer sie sei, in okzitanischem Dialekt geantwortet haben: „Que soy era Immaculada Concepciou." Das Mädchen entfernte sich lachend von der Grotte. Nach dem Grund seiner Heiterkeit befragt, antwortete es: „Sie hat gesagt, sie sei die unbefleckte Empfängnis". Aus Angst, diese ihr unverständlichen Worte zu vergessen,  sagte Bernadette sie den ganzen Heimweg lang vor sich hin. Sie begab sich direkt zum Dorfpfarrer Dominique Peyramale und berichtete ihm von ihrem Erlebnis. Peyramale hatte mit seiner Skepsis hinsichtlich Bernadettes Visionen nie hinter dem Berg gehalten, doch als das Mädchen die Worte der Erscheinung wiederholte, war er zutiefst erschüttert. Ein derart ungebildetes Geschöpf hätte sich diesen Namen nie und nimmer ausdenken können. Es handelte sich schließlich um das vier Jahre zuvor von Papst Pius IX. verkündete Dogma der Unbefleckten Empfängnis! Also musste die Jungfrau Maria diesem Mädchen einfacher Herkunft tatsächlich erschienen sein. Von diesem Zeitpunkt an wurden Bernadettes Visionen ernst genommen und 1862 erklärte der Bischof von Tarbes Lourdes zum internationalen Marien-Wallfahrtsort.

Die barmherzige Schwester Bernadette,            Lou16Bernadette-x

   von ihrer plötzlichen Berühmtheit überfordert, fand bei den Barmherzigen Schwestern in Nevers Zuflucht und lernte dort in der Novizenschule lesen und schreiben. Während dieser Jahre reifte in dem jungen Mädchen der Entschluss, die Ordensgelübde abzulegen. Am 7. Juli 1866 trat sie mit 22 Jahren unter dem Namen Marie-Bernarde in das Kloster Saint-Gildard, Mutterhaus des Ordens der Barmherzigen Schwestern, ein. Im Herbst desselben Jahres verschlechterte sich jedoch ihr ohnehin schon bedenklicher Gesundheitszustand, weshalb sie sich bis zum darauffolgenden Februar Behandlungen außerhalb der Klostermauern unterziehen musste. Am 30. Oktober 1867 legte sie schließlich vor dem Bischof von Nevers, Monsignor Theodore-Augustin Forcade, das Ordensgelübde ab. Bernadette verbrachte zwölf Jahre im Mutterhaus des Ordens, wo sie trotz ihrer angegriffenen Gesundheit mit Einfühlungsvermögen und Selbstlosigkeit als Krankenschwester und Kirchendienerin wirkte, beseelt von einem einzigen, glühenden Wunsch: „Ich werde keinen Augenblick leben, ohne zu lieben."

Der Brief von Bernadette an Pius IX.           vat-PiusIX-z

   Im Jahr 1876 beauftragte Papst Pius IX. den Erzbischof von Paris, Kardinal Joseph-Hippolyte Guibert, in seinem Namen der Eröffnungszeremonie der Wallfahrtsstätte von Lourdes beizuwohnen. Einige Zeit später, am 1. Dezember 1876, schrieb Bernadette auf Zureden ihres Bischofs, Monsignor Thomas-Casimir-Franfois de Ladoue, einen langen Brief an den Papst Seite 1, in dem sie ihm ihre unbegrenzte Liebe beteuert und um seinen apostolischen Segen bittet. „Heiliger Vater", schreibt sie, .ich wende mich an Euch wie ein kleines Kind voller Hingabe und Vertrauen an den zärtlichsten aller Väter", um dann, einige Zeilen später, zu gestehen: „Schon seit einigen Jahren diene ich trotz meiner Unwürdigkeit Eurer Heiligkeit als kleiner päpstlicher Zuave: Meine Waffen sind das Gebet und der Verzicht, Waffen, die ich bis zu meinem letzten Atemzug hüten werde. Erst dann werde ich den Verzicht nicht mehr erfüllen können, doch das Gebet wird mir in den Himmel folgen, wo es um vieles kraftvoller sein wird als in diesem irdischen Exil."
   Bernadette ruft in dem Brief ihr mystisches Erlebnis von Massabielle in Erinnerung und vertraut dem Papst an, sagte Maria damals in der örtlichen Mundart: "Que soy era Immaculada Councepciou." dass sie, als die Jungfrau Maria sich Unbefleckte Empfängnis nannte, die Bedeutung dieser noch nie gehörten Worte nicht verstanden hatte.
   „Als ich dann nachdachte", fügt sie hinzu, „habe ich mir häufig gesagt: Wie gütig ist die Heilige Jungfrau! Man könnte meinen, sie sei erschienen, um die Worte unseres Heiligen Vaters zu bekräftigen.  Deshalb bin ich überzeugt, dass sie auf ganz besondere Art über Euch wacht."
   Der jungen Nonne war die schwierige Situation Pius' IX. wohl bewusst, der sich seit der Einnahme Roms durch die italienischen Truppen als Gefangener im Vatikan betrachtete. Tatsächlich hatte der Papst im Winter 1876 seinen engsten Mitarbeitern anvertraut: „Alles um mich herum hat sich verändert. Meine Methoden und meine Politik sind überholt, doch ich bin zu alt, um mich dem anzupassen." In der Schlussformel ihres Briefes vertraut Bernadette der Jungfrau Maria den Schutz des christlichen Volkes und des Nachfolgers Petri an: „Ich hoffe, dass diese gütige Mutter Erbarmen mit ihren Kindern haben wird und sich noch einmal herablassen möge, mit ihrem Fuße den Kopf der verdammenswerten Schlange zu zertreten und auch den grausamen Prüfungen der Heiligen Kirche und dem Schmerz ihres erhabenen und geliebten Papstes Einhalt gebieten wird".

  Bernadettes Tod              Lou15Bernadette

   Seit 1875 hatte Schwester Marie-Bernardes Gesundheitszustand sich zusehends verschlechtert. Ab dem 11. Dezember 1878 konnte sie wegen einer Knochentuberkulose des rechten Knies ihr von Vorhängen geschütztes Bett nicht mehr verlassen, das sie ihre „weiße Kapelle" nennen sollte. Während sie mit dem Tod kämpfte, umklammerte sie ein kleines Kruzifix, das Pius IX. ihr geschenkt hatte, und als sie nicht mehr imstande war, es festzuhalten, bat sie darum, es am Bett zu befestigen. Am 16. April 1879 starb Bernadette im Alter von 35 Jahren. Dreißig Jahre später, am 3. Oktober 1909, sandte der Bischof von Nevers Francois-Leon Gauthey der Riten-- kongregation die Unterlagen zur Selig- und Heiligsprechung Bernadettes, die am 8. Dezember 1933 von Pius XI. heiliggesprochen wurde. DocVatMarcoMairino

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Brief der heiligen Bernadette Soubirous an den Heiligen Vater Pius IX
(Pontifikat: 1846-1878) aus dem Jahr 1876 -Übersetzung aus dem Französischen: Eduard Strauss

                                                                       J.M.J.
Heiliger Vater,
   Nie hätte ich, eine kleine arme Ordensschwester, es gewagt, die Feder in die Hand zu nehmen, um Eurer Heiligkeit zu schreiben, wenn mich un­ser ehrwürdiger Bischof de Ladoue1 trotz meines Wunsches, mich vor Euch, Heiliger Vater, auf die Knie zu werfen, nicht dazu ermutigt hätte, Euch darum zu bitten, mir Euren apostolischen Segen zu spenden, der, da bin ich mir sicher, eine neue Kraft für meine so schwache Seele sein wird. Zuerst hatte ich die Befürchtung, zu indiskret zu sein; dann dachte ich jedoch daran, dass unser Bischof es mag, belästigt zu werden, sowohl von den Kleinen und den Großen als auch von den Armen und den Reichen, wobei er bei niemandem von uns einen Unterschied macht. Dieses Denken hat mir Mut gegeben. Auch zweifle ich nicht mehr; wie ein armes kleines Kind wende ich mich voller Zuversicht und Vertrauen an Euch, Heiliger Vater, den liebevollsten aller Väter.
   Was könnte ich tun, Heiliger Vater, um Euch meine tiefste Liebe zu bezeugen? Ich kann nicht mehr tun als das, was ich bis zum heutigen Tage tue, nämlich Leiden und Beten. Es hat bereits einige Jahre gegeben, in denen ich gedacht habe, ich könnte als kleiner unwürdiger Zuave2 vor Eurer Heiligkeit auftreten; mit dem Gebet und dem Opfer als meine Waffen, die ich bis zu meinem letzten Atemzug hüten werde. Dabei wird die Waffe des Opfers hier auf Erden zurückbleiben, aber das Gebet wird mir in den Himmel folgen, wo es eine noch viel mächtigere Wirkung haben wird als im Exil dieser Erde.
   Jeden Tag bitte ich das heiligste Herz Jesu und das unbefleckte Herz Mariens, Euch für eine lange Zeit in unserer Mitte behalten zu dürfen, da Ihr jene Herzen so sehr liebt und in den Mittelpunkt unseres Glaubens stellt.
Ich habe das geduldige Vertrauen, dass diese Heiligen Herzen diesen Wunsch, der in meinem Herzen selbst den wertvollsten Platz erhalten hat, erfüllen werden.
   In meinem Gebet für Eure Heiligkeit scheint es mir, als wenn unsere Heilige Jungfrau aus dem Himmel ihren mütterlichen Blick auf Euch wirft, Heiliger Vater, weil Ihr sie so sehr als unbefleckte Empfängnis verehrt! Ich erfreue mich sehr an dem Gedanken, dass Ihr von dieser guten Mutter besonders geliebt seid, weil sie mir nach vier Jahren hier auf Erden erscheint und sagt:
                                                        „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis."
Erst wusste ich nicht, was das bedeuten sollte, bis dahin hatte ich nie etwas von diesem Wort gehört. Seitdem sage ich mir zurückblickend sehr oft: Wie gut die Heilige Jungfrau doch ist! Man sagt sich, dass sie erschienen ist, um das Wort unseres Heiligen Vaters zu bestätigen. Das ist es, was mich glauben lässt, dass sie Euch auf eine ganz besondere Art und Weise beschützen wird. Ich hoffe, dass diese gute Mutter Mitleid für ihre Kinder empfinden wird und dass sie noch einmal ihren Fuß auf den Kopf der verfluchten Schlange stellen und auf diese Weise den grausamen Prüfungen innerhalb der Heiligen Kirche sowie den Schmerzen des sehr geliebten Pontifex ein Ende bereiten wird!
   Demütig küsse ich Eure Füße und verbleibe mit tiefstem Respekt vor Eurer Heiligkeit, Heiliger Vater, die sehr demütige und sehr ergebene Tochter,  Schwester Marie-Bernard Soubirous, Ordensschwester der Nächstenliebe und des christlichen Bildungswesens von Nevers.
Nevers, der 17. Dezember 1876
______________________
1  Thomas-Casimir-Francoisde Ladoue Bischof von Nevers von 1873-1877
2  Zuaven = Infanteriesoldaten der französischen Armee im 19. Jahrhundert

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Fünf neue Wunder in Lourdes?

   Im französischen Wallfahrtsort Lourdes hat es in den vergangenen Jahren fünf medizinisch nicht erklärbare Heilungen gegeben, die nun möglicherweise als Wunder anerkannt werden.
   Die bis ins Jahr 2004 zurückreichenden Fälle seien als bemerkenswerte Spontanheilungen anerkannt worden, teilte das internationale medizinische Komitee von Lourdes nach seiner jährlichen Sitzung mit. Es handele sich um Menschen zwischen 40 und 69 Jahren, die an unheilbaren Krankheiten gelitten hätten. Damit sind die Fälle aber noch nicht als Wunder anerkannt. Dazu ist nach einem Antrag der Heimatdiözese der Geheilten eine kirchen- interne Prüfung notwendig.
   Jährlich pilgern rund sechs Millionen Menschen in die Wallfahrtsstätte im Südwesten Frankreichs, wo dem 14jäh- rigen Hirtenmädchen Bernadette Soubirous vor 150 Jahren die Jungfrau Maria erschienen ist. Von 7.000 regi- strierten Spontanheilungen in Lourdes seit Ende des 19. Jahrhunderts hat die katholische Kirche nur 67 als Wun- derheilungen anerkannt. Zwischen dem Ende der 70er-Jahre und heute gab es nur fünf anerkannte Wunder. Bei gleich fünf Fällen, die der medizinische Rat nun als nicht erklärbar einstufte, könnte nun jedoch eine Wende eintreten. NOZ081202AFP aktuelle wissenschaftlich nicht erklärbare Heilungen finden Sie > Lourdes I >  Lourdes III

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Jesus beim Letzten Abendmahl mit den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes

 Eine Arbeit des kroatischen Künstlers Marko Ivan Rupnik SJ für die Außenfassade der Rosenkranz-Basilika Lourdes

Nach Rückkehr von seiner Pilgerreise nach Lourdes zog der Papst Bilanz

  „Die feierlichen Gottesdienste und die Begegnungen mit unzähligen Gläubigen und Pilgern in Paris und vor allem in Lourdes haben mich und viele Menschen sehr berührt. Lourdes ist wirklich eine Stätte des Lichtes, des Gebets, der Hoffnung und der Bekehrung. Mit Maria betrachten wir das Geheimnis des Kreuzes und lernen, die Kreuze des eigenen Lebens im Licht des Kreuzes Christi zu sehen. Es erinnert uns daran, dass wahre Liebe auch das Leid einschließt und wir berufen sind, für unsere Mitmenschen, besonders für die Leidenden, da zu sein. Maria hat in Lourdes einen bevorzugten Ort der Begegnung mit der Liebe Gottes aufgetan, die gesund macht und Heil schenkt. Dafür wollen wir dem Herrn danken.” Dann erklärte Benedikt in mehreren Sprachen: „Am Kreuz hat uns Christus Maria zur Mutter gegeben. Wir dürfen darauf vertrauen, dass sie als Mutter immer für die Nöte ihrer Kinder da ist. Im Licht, das von ihrem Antlitz und von ihrem Lächeln ausgeht, scheint das Erbarmen Gottes durch. Bitten wir Maria, mit uns den Weg unserer irdischen Pilgerschaft gehen. Von Herzen segne ich euch alle.”  rv080917

Papst Benedikt XVI. pilgerte nach Lourdes: “150 Jahre Marien-Erscheinung in Lourdes”

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Der Wallfahrtsort Lourdes - „Stern der Hoffnung”
  Niemand muss an Lourdes glauben. Daran, dass vor 150 Jahren, von Februar 1858 an, die Jungfrau Maria, Mutter des Jesus Christus, 18-mal einem 14 Jahre alten Mädchen, Bernadette Soubirous, erschienen sei. Auch kein gläubi- ger Christ muss das glauben. Und es ist nicht einmal sicher, ob Papst Benedikt XVI. einfach blind daran glaubt oder ob er nicht vielmehr in den weiten Räumen seiner theologischen Vernunft auch dafür ein Plätzchen gefunden hat. Aber wer nach Lourdes, zu einem ganz auf religiösen Tourismus eingestellten Städtchen mit 15.000 Einwohnern am Fuß der französischen Pyrenäen, pilgert, so wie es Benedikt jetzt tat, erlebt ein anderes Wunder: Viele glau- ben etwas mehr an die Menschen, an die eigene Kraft und die des Nächsten, einander beizustehen. Die „Visionen” der Bernadette, geistliche Gesichte von Maria - als der „Unbefleckten Empfängnis”, der vollkommenen Frau, die erst vier Jahre zuvor, am 8. Dezember 1854, ihren dogmatischen Siegeszug in der Kirche angetreten hatte -, wur- den von Anfang an, gerade auch von den amtlichen Vertretern der Kirche, mit Misstrauen beargwöhnt. Aber das gläubige Kirchenvolk stimmte einfach mit den Füßen ab, später mit Fuhrwerken, Eisenbahn, Autos und Flugzeugen aus aller Welt. Im 21. Jahrhundert kommen bis zu sechs Millionen jährlich aus 70 Ländern.
   An den „Wundern” allein kann es nicht liegen. Es geschieht sehr selten, dass jemand nach einem Schluck vom heilbringenden Lourdes-Wasser aus der damals entsprungenen Quelle - mineralogische Untersuchungen erbrach- ten ganz normale Befunde - seine Krücken wegwirft und nach Hause springt. Von den Abermillionen Pilgern, phy- sisch und seelisch Kranken und ihren Begleitern, meldeten nur 7.000 in 150 Jahren dem offiziellen Gesundheits- büro in Lourdes eine spontane Heilung. Von diesen wurden nur 68 von der Kirche „als Wunder-Geschehnisse” anerkannt. Skeptiker geben dagegen viel zu bedenken, zum Beispiel, dass die Madonna mit Vorliebe (80 Prozent) Frauen heile.
   Aber Heilungen sind ohnehin nicht das Geheimnis von Lourdes. Atheisten, Schriftsteller, Kranke kamen in den Wallfahrtsort und fanden - Hoffnung. Vom „Stern der Hoffnung” sprach auch Benedikt. Die Kranken, die häufig in Sonderzügen kommen und gewöhnlich nicht Heilung finden, kehren fast immer gestärkt zurück. Getröstet in ihrer Krankheit, gefestigter in ihrem christlichen Glauben. Auch Benedikt setzt nicht auf Wunder. Nach der feierlichen Messe sagte er zu den deutschen Pilgern: „Maria ist unsere Mutter. Als ihre Kinder wollen wir Maria unser Leben anvertrauen - Freuden und Sorgen, Krankheit und Leid, all unsere Anliegen. Denn wir wissen: Maria führt uns sicher zu ihrem Sohn Jesus Christus.” FAZ080915hjf

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Foto oben: Plakatwand in Lourdes zur Vorbereitung auf den Papstbesuch
Foto unten links: Lourdes Foto unten rechts: Akunft auf dem Flughafen Lourdes-Tarbes

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   Papst Benedikt XVI. wollte als „Bote des Friedens und der Brüderlichkeit” nach Frankreich reisen. In einer Bot- schaft an das Volk und alle Bewohner „dieser geliebten Nation” sagte das Kirchenoberhaupt am Ende einer Gene- ralaudienz noch in Rom vor der Pilgerreise nach Frankreich:
   „Euer Land ist mir nicht unbekannt. Mehrmals hatte ich die Freude dort zu sein und seine reiche Tradition der Gastfreundschaft und der Toleranz zu erfahren, gleiches gilt für die Stärke des christlichen Glaubens und seine hohe menschliche wie geistliche Kultur.”
   Benedikt XVI. war in Paris und Lourdes zum ersten Mal als Papst. Es sei ihm nach der Station in der Hauptstadt eine große Freude, sich unter die Menge der Pilger zu mischen, die sich im Jubiläumsjahr der Marienerscheinungen auf die Spuren der Heiligen Bernadette Soubirous machen. Am Ort der ersten Erscheinung, in der Grotte von Massabielle, wolle er für die Kirche und den Weltfrieden beten, so Papst Benedikt in seiner Botschaft weiter.
   „Zu Füßen unserer lieben Frau werde ich intensiv für die Anliegen der ganzen Kirche beten, in besonderer Weise für die Kranken und die Vernachlässigten, aber auch für den Frieden in der Welt. Maria soll Euch allen, aber vor allem den jungen Menschen, eine Mutter sein, die stets für die Bedürfnisse ihrer Kinder sorgt, ein Licht der Hoff- nung, das eure Wege erhellt und euch führt.”
   Benedikt bat um Gebet für das Gelingen der Reise. Alle Franzosen, ihre Familien und Gemeinschaften, vertraute er der Fürsprache der Mutter Gottes von Lourdes und dem Segen Gottes an. rv080910bp

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 Lourdes: “Es geht zuerst um die Seele”- Fotos oben: Die Grotte Massabielle in Lourdes

  Vor 150 Jahren erschien die Gottesmutter der 14-jährigen Bernadette Soubirous. Seit damals reißt der Pilger- strom nicht ab, auch weil es in Lourdes in diesen 150 Jahren zu amtlich nachgewiesenen Wunderheilungen kam. Wir sprachen in unserem Wocheninterview mit Pater Uwe Barzen OMI, der seit mehreren Jahren als Pilger- seelsorger in Lourdes wirkt, und fragten ihn zunächst, ob die Wallfahrer in erster Linie wegen der Wunder kom- men.
   „Viele kommen zur Wallfahrt nach Lourdes, weil sie neugierig auf den Ort sind. Andere kommen jedes Jahr, weil sie spüren,  dass es gut für ihre Seele ist, ein paar Tage aufzutanken. Natürlich kommen auch viele Kranke, die sich auch eine Besserung ihres Zustandes erhoffen oder sogar eine Heilung. Aber das kommt nur sehr selten vor, deshalb warne ich immer davor, dass man zu große Erwartungen in dieser Hinsicht hat. Aber die meisten, die kommen und nicht gesund werden, fühlen doch sich innerlich gestärkt, sodass es nicht umsonst ist, dass man hier nach Lourdes kommt.”
Bernadette und auch die Gottesmutter Maria sind letztlich Nebenpersonen, die die Aufgabe haben, auf Christus zu verwiesen. Ist das allen klar, die kommen?
   „Es ist auf jeden Fall so, dass die Leute spüren, dass Gott im Mittelpunkt steht. Wir haben täglich viele Gottes- dienste, die eucharistische Prozession, praktisch eine Fronleichnamsprozession, in der Christus im Allerheiligsten Sakrament durch den Wallfahrtsbezirk getragen wird, und jeden Tag schließt der Tag an der Grotte mit einer eucharistischen Anbetung. Der Mensch wird so schon klar, dass es hier um Christus geht, dass Maria zu Christus führen will.”
Wie würden Sie den Geist des Ortes beschrieben?
   „Was man hier spüren kann, ist die Weltkirche. Ein Volk aus allen Nationen, wie es in der Heiligen Schrift heißt. Besonders deutlich wird das abends bei der Lichterprozession, wo das “Gegrüßet seist du Maria” in vielen Spra- chen gebetet wird. Kennzeichnend für den Ort ist auch die Hilfsbereitschaft für die Kranken und Behinderten. Es sind ja Tausende von ehrenamtlichen Helfern, die sich da einsetzen.”
Technisch betrachtet waren die Marienerscheinungen von Lourdes Privatoffenbarungen. Diese gehören nicht zum Glaubensgut der Katholischen Kirche. Wofür steht denn dann Bernadette Soubirous?
   „Bernadette hat eine wunderbare Erfahrung gemacht. Wir brauchen auch selbst immer wieder Erfahrungen, die unseren Glauben bestärken. Da ist ein Ort wie Lourdes oder andere Wallfahrtsorte eine gute Möglichkeit, aus dem Alltag herauszukommen, sich auf den Weg zu machen, Exerzitien auf Rädern zu machen. Die Botschaft von Lour- des hilft ja auch dabei, in sich hinein zu blicken – gerade die Botschaft der Buße. Wir sehen ja, wie viele hier zur Beichte kommen. An diesem Ort geht es nicht nur um die Heilung des Leibes, sondern vor allem geht es um das Heil der Seele.”
Als Sie als Schüler zum ersten Mal an diesen Ort gekommen sind, haben Sie der Rummel und die Geschäfts- macherei in Lourdes so sehr gestört, dass Sie sich vorgenommen haben, nie mehr hinzugehen. Es hat sich dann anders für Sie entwickelt – was raten Sie Menschen, die heute zum ersten Mal nach Lourdes kommen?
   „Ich denke man sollte die Pilger, wenn man in organisierten Wallfahrten kommt, darauf vorbereiten und all das, was wir als Kitsch bezeichnen, da sollte man, denke ich, auch nicht so arrogant sein, sondern anderen gefällt es, also lassen wir das den anderen. Wichtig ist, dass man da auch eine gewisse Liberalität an den Tag legt.”rv080824

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Andreas Englisch erklärt in der Internet-Ausgabe von  BILD das Geheimnis der 68 Marien-Wunder.
Foto oben links: Johannes Paul II in Lourdes.  Foto oben rechts: Andreas Englisch

   Es ist ein Herzenswunsch, den sich Benedikt XVI. erfüllt: Zum ersten Mal reist er als Papst nach Lourdes, um an der Grotte Massabielle zu beten – an jener Höhle, in der alles begann ... 68 Wunder von Lourdes hat die katho- lische Kirche offiziell anerkannt. Demnach konnten Lahme wieder laufen, Blinde wieder sehen. Auch Krebskranke seien geheilt worden.
Was ist das Geheimnis des Wallfahrts-Ortes?
  Die Geschichte geht so: An einem kalten Morgen im Februar 1858 sammelte Bernadette Soubirous (14), Tochter eines Müllers, bettelarm und asthmakrank, nahe der Grotte Feuerholz. „Ich hörte ein Geräusch”, notierte sie später, „dann sah ich eine Dame in weißem Gewand mit blauer Schärpe. Auf jedem Fuß trug sie eine gelbe Rose.” Immer wieder kehrt die Müllerstochter in den Wochen darauf zur Grotte zurück, immer wieder erscheint ihr die Gestalt, insgesamt 18-Mal.
   Das Mädchen erzählt dem Dorfpfarrer von der Erscheinung, der wünscht: „Erfrage ihren Namen!” Bernadette tut wie ihr geheißen, die Erscheinung antwortet: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis” – die Mutter Gottes. Gleich darauf, sagt das Mädchen später, sei in der Grotte ein Quell entsprungen. Die Mutter Gottes habe ihr zudem aufgetragen, eine Kapelle zu errichten. Während der Dorfpfarrer und Bernadettes Eltern noch zweifeln, macht das Wort von der Marien-Erscheinung die Runde. Pilger strömen in Scharen nach Lourdes. Das Wasser aus dem Quell, heißt es bald, heile Schwerstkranke.
   Bis heute bekennen 30.000 Pilger, das Wasser aus der Grotte habe ihnen geholfen, 68 Heilungen erkannte die katholische Kirche offiziell als Wunder an, als medizinisch nicht erklärbar.
   Das Mädchen Bernadette bekam von all dem nur noch wenig mit: Sie starb 1879 an Tuberkulose – im Alter von nur 35 Jahren. Erst 12 Jahre später erkannte Papst Leo XIII. ihre Marien-Visionen offiziell an. 1925 wurde Berna- dette selig, 1933 heilig gesprochen.
  Das Foto unten zeigt den unverwesten Leichnam der heiligen Bernadette Soubirous in Nevers.

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  Benedikt XVI. empfängt die Lichterprozession.
Papstworte bei der berühmten Lichterprozession von Lourdes auf der Esplanade du Rosaire:

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   Lieber Bischof Perrier von Tarbes und Lourdes,
      Liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst,
         liebe Pilger, liebe Brüder und Schwestern!

  Vor hundertfünfzig Jahren, am 11. Februar 1858, sah ein einfaches Mädchen aus Lourdes, Bernadette Soubirous, an diesem Ort außerhalb der Stadt, der sogenannten Grotte von Massabielle, ein Licht und in diesem Licht eine junge Dame, „schön, über alles schön”. Diese Dame wandte sich mit Güte und Liebenswürdigkeit, mit Achtung und Vertrauen an sie. „Sie siezte mich”, erzählt Bernadette, „… Möchten Sie mir den Gefallen tun, in den nächsten fünfzehn Tagen hierher zu kommen?” fragt die Dame sie. „… Sie schaute mich an wie ein Mensch, der mit einem anderen Menschen spricht.” In dieser Unterhaltung, in diesem ganz von Feingefühl geprägten Dialog beauftragt die Dame sie, einige ganz einfache Botschaften über das Gebet, die Buße und die Umkehr zu vermitteln. Dass Maria schön ist, überrascht nicht, offenbart sie doch in der Erscheinung vom 25. März 1858 ihren Namen so: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis”.
   Betrachten wir unsererseits diese „mit der Sonne bekleidete Frau”, die uns die Schrift vor Augen stellt vgl. Offb 12,1. Die Allerseligste Jungfrau Maria, die glorreiche Frau der Geheimen Offenbarung, trägt auf ihrem Haupt einen Kranz von zwölf Sternen, welche die zwölf Stämme Israels, das ganze Volk Gottes, die gesamte Gemeinschaft der Heiligen darstellen, und zugleich hat sie unter ihren Füßen den Mond, das Bild des Todes und der Sterblichkeit. Maria hat den Tod hinter sich gelassen; sie ist ganz vom Leben bekleidet, vom Leben ihres Sohnes, des aufer- standenen Christus. So ist sie das Zeichen für den Sieg der Liebe und des Guten, für den Sieg Gottes. Sie gibt unserer Welt die Hoffnung, die sie braucht. Richten wir heute Abend unseren Blick auf Maria, die so glorreich und so menschlich ist, und lassen wir uns von ihr zu Gott, dem Sieger, führen.
   Zahlreiche Menschen haben es bezeugt: Die Begegnung mit dem leuchtenden Antlitz von Bernadette verwandel- te die Herzen und die Blicke. Sowohl während der Erscheinungen als auch, wenn sie davon erzählte, begann ihr Gesicht über und über zu strahlen. Bernadette war bereits erfüllt von dem Licht von Massabielle. Das alltägliche Leben der Familie Soubirous bestand jedoch aus Elend und Traurigkeit, aus Krankheit und Unverständnis, aus Ablehnung und Armut. Auch wenn es in den familiären Beziehungen nicht an Liebe und Wärme fehlte, war es doch schwierig, im cachot („Verließ”) zu leben. Aber die Schatten der Erde haben das Licht des Himmels nicht daran gehindert zu leuchten: „Das Licht leuchtet in der Finsternis …” Joh 1,5.
   Lourdes ist einer der Orte, die Gott erwählt hat, um dort einen besonderen Strahl seiner Schönheit leuchten zu lassen; daher rührt die Bedeutung, die hier das Symbol des Lichtes bekommt. Von der vierten Erscheinung an entzündete Bernadette, wenn sie an der Grotte ankam, jeden Morgen eine gesegnete Kerze und hielt sie in der linken Hand, bis die Jungfrau sich zeigte. Sehr bald übergaben verschiedene Personen Bernadette eine Kerze, damit sie diese in der Tiefe der Grotte in die Erde stecke. Sehr bald brachten andere Menschen auch selbst Kerzen an diesen Ort des Lichtes und des Friedens. Die Muttergottes tat selber kund, dass ihr diese berührende Huldigung dieser Tausenden Kerzen gefiel, die seitdem zu ihrer Ehre ununterbrochen den Felsen der Erscheinung erleuchten. Von jenem Tag an glüht vor der Grotte Tag und Nacht, im Sommer wie im Winter, ein brennender Dornbusch, entzündet vom Gebet der Pilger und der Kranken, die ihre Sorgen und Nöte, vor allem aber ihren Glauben und ihre Hoffnung zum Ausdruck bringen.

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    Da wir als Pilger hier nach Lourdes kommen, wollen wir auf den Spuren Bernadettes in diese außergewöhnliche Nähe zwischen Himmel und Erde eintreten, die sich niemals widersprochen hat und die sich unaufhörlich weiter festigt. Während der Erscheinungen ist zu bemerken, dass Bernadette den Rosenkranz unter den Augen Marias betet, die im Moment der Doxologie mit einstimmt. Diese Tatsache bestätigt den zutiefst theozentrischen Charak- ter des Rosenkranzgebets. Wenn wir den Rosenkranz beten, leiht uns Maria ihr Herz und ihre Augen, um das Leben ihres Sohnes, Christus Jesus, zu betrachten. Mein verehrter Vorgänger Papst Johannes Paul II. ist zweimal hierher nach Lourdes gekommen. Wir wissen, wie sehr sich in seinem Leben und in seinem Dienst das Gebet auf die Fürsprache der Jungfrau Maria stützte. Wie viele seiner Vorgänger auf dem Stuhl Petri hat auch er das Rosen- kranzgebet nachdrücklich gefördert; er hat dies unter anderem in einer ganz besonderen Weise getan, indem er es durch die Betrachtung der lichtreichen Geheimnisse bereichert hat. Sie sind übrigens auf der Fassade der Basil- ika in den neuen, im vergangenen Jahr eingeweihten Mosaiken dargestellt. Wie bei allen Geschehnissen im Leben Christi, die sie in ihrem Herzen bewahrte und überdachte vgl. Lk 2,19, lässt Maria uns alle Etappen seines öffentlichen Wirkens als einen Teil der Offenbarung der Herrlichkeit Gottes begreifen. Möge der lichterfüllte Ort Lourdes eine Schule zum Erlernen des Rosenkranzgebets bleiben, das die Jünger Jesu in Gegenwart seiner Mutter in einen echten und herzlichen Dialog mit ihrem Meister einführt!

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   Durch den Mund Bernadettes hören wir die Bitte der Jungfrau Maria an uns, in Prozession hierher zu kommen, um in Einfachheit und mit Eifer zu beten. Die Lichterprozession vermittelt unseren sinnlichen Augen das Geheimnis des Gebetes: In der Gemeinschaft der Kirche, welche die Erwählten des Himmels und die Pilger der Erde mitein- ander vereint, entspringt das Licht aus dem Gespräch zwischen dem Menschen und seinem Herrn, und eine leuchtende Straße öffnet sich in der Geschichte der Menschen, auch in den dunkelsten Augenblicken. Diese Prozes- sion ist ein Moment großer kirchlicher Freude, aber auch eine Zeit tiefen Ernstes: Die Anliegen, die wir mit uns tragen, unterstreichen unsere tiefe Verbundenheit mit allen, die leiden. Denken wir an die unschuldigen Opfer, die unter Gewalt, Krieg, Terrorismus und Hungersnot leiden oder die die Folgen von Ungerechtigkeiten, Plagen und Unheil, von Hass und Unterdrückung, von Angriffen auf ihre Menschenwürde und ihre Grundrechte, auf ihre Handlungs- und Gedankenfreiheit zu tragen haben. Denken wir auch an jene, die familiäre Probleme erleben oder die infolge von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Gebrechen, Einsamkeit oder ihrer Situation als Einwanderer leiden. Außerdem möchte ich diejenigen nicht vergessen, die um des Namens Christi willen leiden und für ihn sterben.

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  Maria lehrt uns, zu beten und unser Gebet zu einem Akt der Gottes- und der Nächstenliebe zu machen. Wenn wir mit Maria beten, nimmt unser Herz die Leidenden auf. Wie könnte unser Leben dabei unverändert bleiben? Warum sollte unser Sein und unser ganzes Leben nicht Ort der Gastfreundschaft für unseren Nächsten werden? Lourdes ist ein Ort des Lichtes, weil es ein Ort der Gemeinschaft, der Hoffnung und der Umkehr ist.

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   Nun, beim Einbruch der Nacht, sagt Jesus zu uns: „Lasst eure Lampen brennen!” Lk 12,35: die Lampe des Glau- bens, die Lampe des Gebetes, die Lampe der Hoffnung und der Liebe! Dieses Gehen in der Nacht mit dem Licht in der Hand spricht unser Inneres nachdrücklich an, es berührt unser Herz und besagt viel mehr als jedes andere gesprochene oder gedachte Wort. Diese Geste erfasst allein unsere Lage als Christen unterwegs: Wir brauchen Licht und sind zugleich berufen, Licht zu werden. Die Sünde macht uns blind; sie hindert uns daran, unsere Mitmenschen führen zu können, und bewirkt, dass wir ihnen misstrauen und uns selber nicht führen lassen. Wir haben es nötig, erleuchtet zu werden, und wiederholen die flehentliche Bitte des blinden Bartimäus: „Rabbuni, ich möchte wieder sehen können!” Mk 10,51. Mach, dass ich meine Sünde sehe, die mich hemmt, doch vor allem: Herr, gib, dass ich deine Herrlichkeit sehe! Wir wissen, dass unser Gebet schon erhört ist, und wir sagen Dank, denn, wie der heilige Paulus im Epheserbrief sagt: „Christus wird dein Licht sein” 5,14, und der heilige Petrus fügt hinzu: „Er hat euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen” 1 Petr 2,9.
   Zu uns, die wir nicht das Licht sind, kann Christus nun sagen: „Ihr seid das Licht der Welt” Mt 5,14, indem er uns aufträgt dafür zu sorgen, das Licht der Liebe leuchten zu lassen. Wie der Apostel Johannes schreibt: „Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht; da gibt es für ihn kein Straucheln” 1 Joh 2,10. Die christliche Liebe leben bedeutet, das Licht Gottes in die Welt zu tragen und zugleich auf seine wahre Quelle hinzuweisen. Der heilige Leo der Große schreibt: „Wer nämlich fromm und keusch in der Kirche lebt, wer seinen Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische lenkt vgl. Kol 3,2, ist in gewisser Weise dem himmlischen Licht gleich; während er selbst auf den Glanz eines heiligen Lebens achtet, weist er wie ein Stern vielen den Weg, der zu Gott führt” Serm. III,5. In diesem Wallfahrtsort Lourdes, auf den die Christen der ganzen Welt ihren Blick richten, seit die Jungfrau Maria hier die Hoffnung und die Liebe hat erstrahlen lassen, indem sie den Kranken, den Armen und den Kleinen den ersten Platz zuwies, sind wir eingeladen, die Einfachheit unserer Berufung zu entdecken: Denn es genügt zu lieben.
   Morgen wird uns die Feier der Kreuzerhöhung direkt ins Herz dieses Geheimnisses einführen. In dieser Vigil richtet sich unser Blick schon auf das Zeichen des Neuen Bundes, auf das das ganze Leben Jesu zuläuft. Das Kreuz ist der höchste und vollkommenste Akt der Liebe Jesu, der sein Leben für seine Freunde hingibt. „So muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat“ Joh 3,14-15.
   Wie es in den Liedern vom Gottesknecht angekündigt wurde, ist der Tod Jesu ein Tod, der zum Licht für die Völker wird;es ist ein Tod, der in Verbindung mit der Sühneliturgie die Versöhnung bringt, ein Tod, der das Ende des Todes bedeutet. Von da an ist das Kreuz ein Zeichen der Hoffnung, ein Banner des Sieges Jesu, denn „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat” Joh 3,16. Durch das Kreuz empfängt unser ganzes Leben Licht, Kraft und Hoffnung. Mit ihm ist die ganze Tiefe der Liebe offenbart, die im ursprünglichen Plan des Schöpfers enthalten war; mit ihm ist alles geheilt und zur Vollendung geführt. Das ist der Grund, warum das Leben im Glauben an den gestorbenen und auferstandenen Christus Licht wird.
   Die Erscheinungen waren von Licht umflutet, und Gott hat im Blick von Bernadette eine Flamme entzündet, die zahllose Herzen bekehrt hat. Wie viele Menschen kommen hierher, um ein Wunder zu sehen, und hoffen vielleicht insgeheim, eines an sich selbst zu erfahren; auf dem Heimweg, nachdem sie eine geistliche Erfahrung eines echten kirchlichen Lebens gemacht haben, ändert sich dann ihr Blick auf Gott, auf die anderen und auf sich selbst. Eine kleine Flamme, die sich Hoffnung, Mitleid und Zartgefühl nennt, wohnt in ihnen. Die verborgene Begegnung mit Bernadette und mit der Jungfrau Maria kann ein Leben verändern, denn sie sind an diesem Ort Massabielle gegenwärtig, um uns zu Christus zu führen, der unser Leben, unsere Kraft und unser Licht ist. Mögen die Jungfrau Maria und die heilige Bernadette Euch helfen, als Kinder des Lichtes zu leben, um alle Tage Eures Lebens zu bezeugen, dass Christus unser Licht, unsere Hoffnung und unser Leben ist! rv080913gs

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Stichwort: Grotte von Massabielle

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  Die 18 Marienerscheinungen der Bernadette Soubirous trugen sich sämtlich in der Grotte von Massabielle zu. Bei einer der Erscheinungen bat die Gottesmutter das Mädchen, Wasser aus einer Quelle in der Grotte zu schöpfen und es zu trinken. Bernadette, die keine Quelle sah, begann im Erdboden zu graben, und wenig später sprudelte Wasser hervor. Die Grotte - und ihr Wasser - ist heute das Ziel der zahlreichen Pilger, die aus aller Welt anreisen. Etwa 120.000 Liter fließen täglich aus der Quelle. Dem Wasser werden heilende Kräfte nachgesagt. Die Kirche hat im Lauf der Jahrzehnte nach jeweils langwierigen wissenschaftlichen Untersuchungen mehrere Dutzend Wunder- heilungen bestätigt.
  An der Stelle der Marienerscheinung ziert eine Madonnenfigur die Grotte, und in näherer Umgebung befinden sich zahlreiche Kirchen, die Basilika der unbefleckten Empfängnis, eine Rosenkranz-Basilika und ein Prozessionsplatz. rv080913jl

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Papstmesse in Lourdes: Durch Maria zu Christus

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  Mit einer großen Messe unter freiem Himmel hat Papst Benedikt XVI. der Marienerscheinungen in Lourdes vor 150 Jahren gedacht. Die Kirche in Frankreich ermutigte er dabei zu neuem missionarischem Geist. Vor allem junge Men- schen rief er zu einem entschiedenen christlichen Einsatz in der Kirche und der Welt auf.
   „Die erste Berufung des Heiligtums von Lourdes ist jene, ein Ort der Begegnung mit Gott im Gebet zu sein und ein Ort des Dienstes an den Brüdern, besonders durch die Aufnahme der Kranken, der Armen und all jener Menschen, die leiden.”
   Das Wasser für den Ritus der Taufererinnerung war von der Lourdesquelle genommen, die in der Grotte während der Erscheinungen 1858 entsprungen war und in deren Wasser Pilger gebadet werden. 150.000 Gläu- bige hatten sich um die Altarinsel auf der „Prairie” genannten Freifläche gegenüber der Grotte und den Badehallen versammelt. Lourdes ist ein internationaler Ort, mehrere Millionen Pilger kommen jährlich aus aller Welt hierher. Auch der Gottesdienst mit dem Oberhaupt der Weltkirche zeugte davon, Lieder, Fürbitten und Lesungen wurden in verschiedenen Sprachen vorgetragen. Mächtig wirkte die Musik in diesem Gottesdienst; Pauken ertönten und Trompeten erschallten zum Fest Kreuzerhöhung.

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Papst Benedikt:
   „Die Kirche lädt uns ein, dieses glorreiche Kreuz voll Stolz zu erheben, damit die Welt sehen kann, wie weit die Liebe des Gekreuzigten zu den Menschen gegangen ist. Sie lädt uns ein, Gott zu danken, denn von einem Baum, der den Tod gebracht hat, ist das Leben neu hervorgegangen. … Mitten unter uns ist jener, der uns so sehr geliebt hat, dass er sein Leben für uns hingegeben hat, jener, der jeden Menschen einlädt, vertrauensvoll zu ihm zu kommen.”
   Lourdes ist einer der größten Marienwallfahrtsorte überhaupt; doch die Botschaft bleibt nicht beim Bild der Licht umstrahlten „schönen Dame” stehen. Lourdes will durch Maria zu Christus führen. Ihre erste Erscheinung vor Bernadette begann mit dem Kreuzzeichen, erinnerte auch der Papst.
   „Mehr als um ein einfaches Zeichen handelt es sich dabei um eine Einführung in die Geheimnisse des Glaubens, die Bernadette von Maria erhält. Das Kreuzzeichen ist gewissermaßen die Zusammenfassung unseres Glaubens, denn es sagt uns, wie weit Gottes Liebe zu uns gegangen ist.” Die Universalität dieser Liebe Gottes zu den Men- schen habe Maria bei ihren Erscheinungen hier in Lourdes offenbart.
   „Sie lädt alle Menschen guten Willens ein, alle, die seelisch oder körperlich leiden, die Augen zum Kreuz Jesu zu erheben, um dort die Quelle des Lebens, die Quelle des Heils zu finden. … Heute kommt Maria uns entgegen, um uns die Wege für eine Erneuerung des Lebens unserer Gemeinden und unseres eigenen Lebens aufzuzeigen.”
   Die Kirche habe einen klaren Auftrag - weltweite Verkündigung. In der Annahme des Sohnes liege eine Kraft- quelle, so Benedikt XVI. weiter, an der die Kirche sich für ihren Dienst stärken könne. „Jesus, geboren von Maria, ist der Sohn Gottes, der einzige Erlöser aller Menschen, der in seiner Kirche und in der Welt lebt und wirkt. Die Kirche hat überall in der Welt die Sendung, diese eine Botschaft zu verkünden und die Menschen einzuladen, sie durch eine echte Bekehrung des Herzens aufzunehmen.”
   Nach dem Dialog über die Trennung von Kirche und Staat, dem Plädoyer für die Rückbesinnung auf christliche Wurzeln in Paris folgte an diesem Sonntag ein Appell an die Kirche Frankreichs: „Im Gefolge der großen Glaubens- boten Eures Landes möge der missionarische Geist, der im Lauf der Jahrhunderte so viele Männer und Frauen Frankreichs erfüllt hat, weiterhin Euer Stolz und Eure Aufgabe sein.” Doch die Botschaft Marias, ihre Glaubens- unterweisung an Bernadette, gelte auch jedem Einzelnen, so der Papst. Mit dem Blick auf Maria finde der Mensch seine Würde wieder.
   „Sich ganz Gott überlassen bedeutet den Weg der wahren Freiheit finden. Denn wenn er sich zu Gott wendet, wird der Mensch er selbst. Er findet seine ursprüngliche Berufung als Person wieder, die nach dem Bild Gottes und ihm ähnlich geschaffen ist.”
   Maria lädt zum Gebet ein - für den Christen eine unverzichtbare Kraftquelle, mahnte der Papst:
„Wer betet, vertut nicht seine Zeit, selbst wenn die Situation alle Anzeichen der Dringlichkeit besitzt und einzig zum Handeln zu treiben scheint. … Sich ganz von den Aktivitäten in Anspruch nehmen lassen bringt die Gefahr mit sich, dass das Gebet seine spezifische christliche Bedeutung und seine wahre Wirksamkeit verliert.”
   Auch das in Lourdes so zentrale Rosenkranzgebet führe letztlich „zur Betrachtung des Antlitzes Christi”. Wie die Kirche als Ganzes rufe die Botschaft von Lourdes auch einzelne Männer und Frauen in die Nachfolge, so Benedikt, der die zahlreichen jungen Pilger und Freiwilligen in Lourdes einmal mehr zum entschiedenen „Ja” zu einer christ- lichen Berufung animierte, in der Ehe, als Priester oder in einer Ordensgemeinschaft.
Er selbst, betonte der Papst, nenne Maria gern „Stern der Hoffnung”.
   „Auf den Wegen unseres Lebens, die so oft dunkel sind, ist sie das Licht der Hoffnung, das uns erleuchtet und uns auf unserm Pfad die Richtung weist. Durch ihr ,Ja’, durch das großherzige Geschenk ihrer selbst hat sie Gott die Türen unserer Welt und unserer Geschichte geöffnet. Und sie lädt uns ein, wie sie in einer unerschütterlichen Hoffnung zu leben und nicht auf jene zu hören, die behaupten, wir seien Gefangene des Schicksals.”

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   Ihre mütterliche Gegenwart begleite alle Männer und Frauen, die Familien und Nationen. Auch im abschlie- ßenden Angelusgebet ging der Papst in seinen Grußworten darauf noch einmal ein. Seine Worte auf Deutsch:
   „Von Herzen grüße ich die Pilger deutscher Sprache hier in Lourdes, besonders die Kranken, sowie alle, die über Rundfunk und Fernsehen mit uns verbunden sind. Maria ist unsere Mutter. Mit ihrer mütterlichen Fürsorge ist sie uns nahe. Dies dürfen wir immer wieder erfahren, gerade auch an diesem Wallfahrtsort. Als ihre Kinder wollen wir Maria unser Leben anvertrauen – Freuden und Sorgen, Krankheit und Leid, all unsere Anliegen. Denn wir wissen: Maria führt uns sicher zu ihrem Sohn Jesus Christus, dem Quell der Hoffnung und des Heils. Der Herr schenke euch und euren Lieben die Fülle seiner Gnade.” rv080914bp

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Messe in Lourdes - Die Predigt

   Liebe Kardinäle, lieber Bischof Perrier,
   liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst,
   liebe Pilger, liebe Brüder und Schwestern!
   „Geht und sagt den Priestern, man solle in Prozession hierher kommen und eine Kapelle errichten.” Das ist die Botschaft, die Bernadette von der „Schönen Dame” bei der Erscheinung am 2. März 1858 empfangen hat. Seit 150 Jahren haben die Pilger nie aufgehört, zur Grotte von Massabielle zu kommen, um die an sie gerichtete Botschaft der Umkehr und der Hoffnung zu hören. Und auch wir stehen an diesem Morgen hier zu Füßen Marias, der Unbefleckten Jungfrau, um uns mit der kleinen Bernadette in ihre Schule zu begeben.

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   Ich danke insbesondere Bischof Jacques Perrier Foto oben, dem Bischof von Tarbes und Lourdes, für die warm- herzige Aufnahme, die mir zuteil wurde, und für die freundlichen Worte, die er an mich gerichtet hat. Ich begrüße auch die Kardinäle, Bischöfe, Priester, Diakone, Ordensleute sowie euch alle, liebe Lourdes-Pilger, ganz besonders die Kranken. Ihr seid in großer Zahl gekommen, um mit mir diese Jubiläumswallfahrt zu machen und um Eure Familien, Verwandten und Freunde sowie alle Eure Anliegen Unserer Lieben Frau anzuvertrauen. Mein Dank gilt auch den zivilen und militärischen Autoritäten, die an dieser Eucharistiefeier teilnehmen.
„Einen so großen Besitz hat das Kreuz geschaffen, und wer ihn erhält, hat einen großen Schatz!
Hl. Andreas von Kreta, Homilie X zur Kreuzerhöhung, PG 97, 1020
. An diesem Tag, an dem die Liturgie der Kirche das Fest der Kreuzerhöhung feiert, ruft uns das Evangelium, das wir gerade gehört haben, die Bedeutung dieses großen Geheimnisses in Erinnerung: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit die Menschen gerettet werden vgl. Joh 3,16. Der Sohn Gottes hat sich verwundbar gemacht, indem er wie ein Sklave wurde, gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz vgl. Phil 2,7- 8. Durch sein Kreuz sind wir erlöst. Das Marterwerkzeug, das am Karfreitag das Gericht Gottes über die Welt offenbarte, ist zur Quelle des Lebens, der Vergebung, des Erbarmens, zu einem Zeichen der Versöhnung und des Friedens geworden. „Um von unseren Sünden geheilt zu werden, schauen wir auf den gekreuzigten Christus!”, schrieb der heilige Augustinus Tract. in Johan., XII,11. Wenn wir die Augen zum Gekreuzigten erheben, beten wir den an, der gekommen ist, um die Sünde der Welt hinwegzunehmen und uns das ewige Leben zu schenken. Die Kirche lädt uns ein, dieses glor- reiche Kreuz voll Stolz zu erheben, damit die Welt sehen kann, wie weit die Liebe des Gekreuzigten zu den Men- schen gegangen ist. Sie lädt uns ein, Gott zu danken, denn von einem Baum, der den Tod gebracht hat, ist das Leben neu hervorgegangen. An diesem Holz offenbart uns Jesus seine erhabene Herrschaft, er offenbart uns, dass er in Herrlichkeit erhöht worden ist. Ja, „kommt, lasset uns anbeten”. Mitten unter uns ist jener, der uns so sehr geliebt hat, dass er sein Leben für uns hingegeben hat, jener, der jeden Menschen einlädt, vertrauensvoll zu ihm zu kommen.
   Das ist das große Geheimnis der Liebe Gottes, das uns Maria auch an diesem Morgen anvertraut, da sie uns ein- lädt, uns ihrem Sohn zuzuwenden. Es ist in der Tat bezeichnend, dass Maria, als sie Bernadette zum ersten Mal erschien, ihre Begegnung mit dem Kreuzzeichen beginnt. Mehr als um ein einfaches Zeichen handelt es sich dabei um eine Einführung in die Geheimnisse des Glaubens, die Bernadette von Maria erhält. Das Kreuzzeichen ist ge- wissermaßen die Zusammenfassung unseres Glaubens, denn es sagt uns, wie weit Gottes Liebe zu uns gegangen ist; es sagt uns, dass es auf der Welt eine Liebe gibt, die stärker ist als der Tod, stärker als unsere Schwächen und unsere Sünden. Die Kraft der Liebe ist stärker als das Böse, das uns bedroht. Das ist das Geheimnis der Uni- versalität der Liebe Gottes zu den Menschen, das Maria hier in Lourdes offenbart hat. Sie lädt alle Menschen guten Willens ein, alle, die seelisch oder körperlich leiden, die Augen zum Kreuz Jesu zu erheben, um dort die Quelle des Lebens, die Quelle des Heils zu finden.
  Die Kirche hat die Sendung empfangen, allen dieses liebende Antlitz Gottes zu zeigen, das in Christus offenbar wurde. Sind wir in der Lage zu verstehen, dass im Gekreuzigten von Golgota unsere Würde als Kinder Gottes liegt, die von der Sünde verdunkelt war und die uns wiedergeschenkt wurde? Richten wir unsere Blicke auf Christus.  Er ist es, der uns frei machen wird, damit wir lieben können, wie er uns liebt, und damit wir eine versöhnte Welt aufbauen. Denn auf diesem Kreuz hat Jesus die Last aller Leiden und der Ungerechtigkeiten unserer Menschheit auf sich genommen. Er hat die Demütigungen und Diskriminierungen getragen, die Qualen, die so viele unserer Brüder und Schwestern in zahlreichen Regionen der Welt aus Liebe zu Christus erleiden. Wir vertrauen sie Maria an, der Mutter Jesu und unserer Mutter, die unterm Kreuz stand.
  Damit wir dieses glorreiche Kreuz in unserem Leben empfangen können, lässt uns die Feier des Jubiläums der Er- scheinungen Unserer Lieben Frau in Lourdes einen Weg des Glaubens und der Umkehr beschreiten. Heute kommt Maria uns entgegen, um uns die Wege für eine Erneuerung des Lebens unserer Gemeinden und unseres eigenen Lebens aufzuzeigen. Wenn wir ihren Sohn aufnehmen, den sie uns zeigt, tauchen wir ein in eine lebendige Quelle, in der der Glaube neue Kraft zu finden vermag, an der sich die Kirche stärken kann, um das Geheimnis Christi immer mutiger zu verkünden. Jesus, geboren von Maria, ist der Sohn Gottes, der einzige Erlöser aller Menschen, der in seiner Kirche und in der Welt lebt und wirkt. Die Kirche hat überall in der Welt die Sendung, diese eine Botschaft zu verkünden und die Menschen einzuladen, sie durch eine echte Bekehrung des Herzens aufzunehmen. Diese Sendung, die Jesus seinen Jüngern anvertraut hat, erhält hier anlässlich dieses Jubiläums neuen Schwung. Im Gefolge der großen Glaubensboten Eures Landes möge der missionarische Geist, der im Lauf der Jahrhunderte so viele Männer und Frauen Frankreichs erfüllt hat, weiterhin Euer Stolz und Eure Aufgabe sein.
   Wenn wir auf den Spuren von Bernadette den Jubiläumsweg beschreiten, wird uns das Wesentliche der Bot- schaft von Lourdes in Erinnerung gerufen. Bernadette ist die älteste Tochter einer sehr armen Familie, ohne Wis- sen und Macht, von schwacher Gesundheit. Maria hat sie ausgewählt, um ihre Botschaft der Umkehr, des Gebets und der Buße zu übermitteln, in vollem Einklang mit den Worten Jesu: „All das hast du den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart” Mt 11,25. Auf ihrem geistlichen Weg sind auch die Christen aufge- rufen, die Gnade ihrer Taufe fruchtbar werden zu lassen, sich von der Eucharistie zu nähren und im Gebet die Kraft zu schöpfen, um Zeugnis abzulegen und solidarisch zu sein mit allen ihren Brüdern und Schwestern. Es ist also eine wirkliche Katechese, die uns unter dem Blick Marias dargeboten wird. Lassen auch wir uns von Maria belehren und auf dem Weg leiten, der in das Reich ihres Sohnes führt.
   In der weiteren Folge ihrer Katechese nennt die „Schöne Dame” Bernadette ihren Namen: „Ich bin die Unbe- fleckte Empfängnis”. Maria offenbart ihr so die außerordentliche Gnade, die sie von Gott empfangen hat, nämlich dass sie ohne Sünde empfangen wurde, denn „auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut” Lk 1,48. Maria ist jene Frau unserer Erde, die sich Gott völlig überlassen und die von ihm das Vorrecht empfangen hat, seinem ewigen Sohn das menschliche Leben zu schenken. „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast” Lk 1,38. Sie ist die verklärte Schönheit, das Bild der neuen Menschheit. Indem sich Maria so in ihrer totalen Abhängigkeit von Gott zeigt, bringt sie in Wirklichkeit eine Haltung völliger Freiheit zum Ausdruck, die darin grün- det, dass sie ihre wahre Würde ganz erkennt. Dieses Gnadengeschenk betrifft auch uns, denn es zeigt uns unsere eigene Würde als Männer und Frauen, die zwar von der Sünde gezeichnet, aber auf Hoffnung hin gerettet sind, eine Hoffnung, die uns erlaubt, uns unserem täglichen Leben zu stellen. Dies ist der Weg, den Maria auch dem Menschen eröffnet. Sich ganz Gott überlassen bedeutet den Weg der wahren Freiheit finden. Denn wenn er sich zu Gott wendet, wird der Mensch er selbst. Er findet seine ursprüngliche Berufung als Person wieder, die nach dem Bild Gottes und ihm ähnlich geschaffen ist.
   Liebe Brüder und Schwestern, die erste Berufung des Heiligtums von Lourdes ist jene, ein Ort der Begegnung mit Gott im Gebet zu sein und ein Ort des Dienstes an den Brüdern, besonders durch die Aufnahme der Kranken, der Armen und all jener Menschen, die leiden. An diesem Ort kommt Maria zu uns als die Mutter, die immer für die Nöte ihrer Kinder da ist. Im Licht, das von ihrem Antlitz ausgeht, scheint das Erbarmen Gottes durch. Lassen wir uns von ihrem Blick berühren, der uns sagt, dass wir alle von Gott geliebt sind und er uns nie verlässt! Maria ruft uns hier in Erinnerung, dass das innige und demütige, vertrauensvolle und beständige Gebet einen zentralen Platz in unserem christlichen Leben haben soll. Das Gebet ist unerlässlich, um die Kraft Christ empfangen zu können. „Wer betet, vertut nicht seine Zeit, selbst wenn die Situation alle Anzeichen der Dringlichkeit besitzt und einzig zum Handeln zu treiben scheint” Enzyklika Deus Caritas est, Nr. 36. Sich ganz von den Aktivitäten in An- spruch nehmen lassen bringt die Gefahr mit sich, dass das Gebet seine spezifische christliche Bedeutung und seine wahre Wirksamkeit verliert. Das Rosenkranz-gebet, das Bernadette und den Lourdes-Pilgern so teuer ist, enthält in sich die Tiefe der Botschaft des Evangeliums. Es führt uns zur Betrachtung des Antlitzes Christi hin. Aus diesem Gebet der Demütigen können wir reiche Gnaden schöpfen.
  Die Gegenwart der jungen Menschen in Lourdes ist eine weitere wichtige Tatsache. Liebe Freunde, die ihr heute morgen rund um das Weltjugendtagskreuz versammelt hier zugegen seid, als Maria den Besuch des Engels empfing, war sie eine Jugendliche von Nazaret, die das einfache und tapfere Leben der Frauen ihres Ortes führte. Und wenn sich der Blick Gottes in besonderer Weise auf sie richtete und er sein Vertrauen auf sie setzte, dann will Euch Maria damit erneut sagen, dass keiner von Euch Gott gleichgültig ist. Er richtet seinen liebenden Blick auf je- den von Euch und ruft Euch zu einem glücklichen und sinnerfüllten Leben. Lasst Euch von den Schwierigkeiten nicht entmutigen! Maria erschrak, als ihr der Engel verkündete, dass sie die Mutter des Erlösers werden sollte. Sie spürte, wie schwach sie angesichts der Allmacht Gottes war. Dennoch hat sie ohne zu zögern „Ja” gesagt. Und dank ihres „Ja” ist das Heil in diese Welt gekommen und hat die Geschichte der Menschheit verändert. Auch Ihr, liebe Jugendlichen, fürchtet Euch nicht, „Ja” zu sagen zum Ruf des Herrn, wenn er Euch einlädt, ihm nachzufolgen. Antwortet großzügig dem Herrn! Er allein kann die tiefsten Sehnsüchte Eures Herzens stillen. Ihr kommt in großer Zahl nach Lourdes, um einen fürsorglichen und großherzigen Dienst an den Kranken oder an den übrigen Pilgern zu leisten und so Christus, dem Diener, nachzufolgen. Der Dienst an den Brüdern und Schwestern öffnet das Herz und macht einsatzbereit. In der Stille des Gebets sei Maria Eure Vertraute, sie, die es verstand, zu Bernadette in Achtung vor ihrer Person und voll Vertrauen ihr gegenüber zu sprechen. Maria helfe jenen, die zur Ehe berufen sind, die Schönheit einer wahren und tiefen Liebe zu erkennen, die als gegenseitiges und treues Geschenk gelebt wird! All jenen unter Euch, die er ruft, ihm in der Priester- oder Ordensberufung zu folgen, möchte ich sagen, welch großes Glück darin liegt, sein Leben ganz für den Dienst an Gott und den Menschen hinzugeben. Die Familien und die christlichen Gemeinschaften seien Orte, wo solide Berufungen zum Dienst an der Kirche und der Welt ent- stehen und aufblühen können!
   Die Botschaft Marias ist eine Botschaft der Hoffnung für alle Männer und Frauen unserer Zeit, aus welchem Land sie auch stammen mögen. Gern rufe ich Maria als Stern der Hoffnung an Enzyklika Spe salvi, Nr. 50. Auf den Wegen unseres Lebens, die so oft dunkel sind, ist sie das Licht der Hoffnung, das uns erleuchtet und uns auf unserm Pfad die Richtung weist. Durch ihr „Ja”, durch das großherzige Geschenk ihrer selbst hat sie Gott die Türen unserer Welt und unserer Geschichte geöffnet. Und sie lädt uns ein, wie sie in einer unerschütterlichen Hoffnung zu leben und nicht auf jene zu hören, die behaupten, wir seien Gefangene des Schicksals. Sie begleitet uns mit ihrer mütterlichen Gegenwart inmitten der Geschehnisse im Leben der einzelnen, der Familien und der Nationen. Glücklich die Männer und Frauen, die ihr Vertrauen auf den setzen, der, als er sein Leben für unser Heil hingab, uns seine Mutter schenkte, damit sie unsere Mutter sei!
   Liebe Brüder und Schwestern, hier auf dem Boden Frankreichs wird die Mutter des Herrn in unzähligen Wall- fahrtsorten verehrt, die so den Glauben zeigen, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Als die in den Himmel Aufgenommene ist sie die geliebte Patronin Eures Landes. Möge sie stets mit Eifer in allen Euren Familien, in Euren Ordensgemeinschaften und Pfarrgemeinden verehrt werden! Maria wache über alle Bewohner Eures schönen Landes und über die Pilger aus anderen Ländern, die zur Feier dieses Jubiläums gekommen sind! Sie möge für alle die Mutter sein, die ihren Kindern in den Freuden wie in den Prüfungen zur Seite steht! Heilige Maria, Mutter Gottes, unsere Mutter, lehre uns, mit dir glauben, hoffen und lieben. Zeige uns den Weg zum Reich deines Sohnes Jesus! Stern des Meeres, leuchte uns und führe uns auf unserem Weg! vgl. Enzyklika Spe salvi, Nr. 50. Amen.

Foto-Impressionen von Lourdes

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Ansprache des Papstes zum Angelus-Gebet in Lourdes –

Liebe Pilger, liebe Brüder und Schwestern!
  Jeden Tag gibt uns das Gebet des Engel des Herrn die Möglichkeit, inmitten unserer Tätigkeiten einige Augen- blicke über das Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes nachzudenken. Zu Mittag, wenn wir schon die Mühe der ersten Stunden des Tages spüren, werden unsere Einsatzbereitschaft und unsere Großmut durch die Betrachtung des „Ja” Marias erneuert. Dieses klare und vorbehaltlose „Ja” wurzelt im Geheimnis der Freiheit Marias, einer vollkommenen und unversehrten Freiheit vor Gott, die dank des Vorrechts ihrer unbefleckten Empfängnis von jeder Verstrickung in die Sünde frei ist.
   Dieses der Jungfrau Maria gewährte Vorrecht, welches sie von unserer allgemeinen menschlichen Verfasstheit unterscheidet, entfernt sie nicht von uns, sondern bringt sie uns im Gegenteil näher. Während die Sünde trennt und uns voneinander entfernt, bringt ihre Reinheit Maria unseren Herzen unendlich nahe, indem sie jedem von uns ihre Aufmerksamkeit schenkt und unser wahres Glück wünscht. Ihr könnt es hier in Lourdes wie in allen Marien- wallfahrtsorten beobachten, wie riesige Menschenmengen zu Marias Füßen zusammenströmen, um ihr das anzu- vertrauen, was jeder im Innersten trägt und was ihm besonders am Herzen liegt. Das, was viele aus Verlegenheit und Scham manchmal sogar ihren Nächsten nicht anzuvertrauen wagen, bringen sie zu ihr, der Ganz Reinen, zu ihrem unbefleckten Herzen: mit Schlichtheit, ohne Getue, in Aufrichtigkeit. Gerade wegen ihrer Reinheit zögert der Mensch nicht, sich vor Maria in seiner Schwachheit zu zeigen, seine Fragen und Zweifel vorzubringen, seine Hoff- nungen und geheimsten Wünsche auszusprechen. Die mütterliche Liebe der Jungfrau Maria entwaffnet jede Form von Stolz. Sie macht den Menschen fähig zu erkennen, wer er ist. Sie erweckt in ihm das Verlangen, sich zu bekehren, um Gott die Ehre zu geben.
   Maria zeigt uns so die rechte Weise, vor den Herrn hinzutreten. Sie lehrt uns, sich ihm in Aufrichtigkeit und Schlichtheit zu nähern. Dank ihrer entdecken wir, dass der christliche Glaube keine Last ist, sondern gleichsam Flügel verleiht, die uns erlauben, in höchste Höhen zu fliegen, um in den Armen des Herrn Zuflucht zu finden.
   Das Leben und der Glaube der Christen offenbaren, dass das Vorrecht der unbefleckten Empfängnis, das Maria verliehen wurde, nicht nur eine persönliche Gnade ist, sondern allen gilt, also eine Gnade ist, die dem gesamten Volk Gottes zuteil wird. In Maria kann die Kirche bereits das betrachten, was zu werden sie berufen ist. In ihr kann jeder Gläubige jetzt schon die endgültige Vollendung seiner persönlichen Berufung schauen. Möge jeder von uns unentwegt Dank sagen für das, was der Herr in seinem Heilsplan durch das Geheimnis Marias offenbaren wollte. In dieses Geheimnis sind wir auf ganz unmittelbare Weise eingeschlossen, denn vom Kreuz herab, dessen wir gerade heute in Verehrung gedenken, wurde uns aus dem Mund Jesu selbst kundgetan, dass seine Mutter unsere Mutter ist. Als Söhne und Töchter Marias können wir aus den Gnadengaben, die ihr geschenkt worden sind, Gewinn ziehen, und die unvergleichliche Würde, die ihr das Vorrecht der unbefleckten Empfängnis verleiht, kommt auch uns, ihren Kindern, zu.
   Hier in der Nähe der Grotte und in besonderer Gemeinschaft mit allen Pilgern, die an den Marienwallfahrtsorten zugegen sind, und mit all den Kranken an Leib und Seele, die Trost suchen, preisen wir den Herrn für die Gegen- wart Marias inmitten seines Volkes und an sie richten wir gläubig unser Gebet: „Heilige Maria, die du dich hier vor hundertfünfzig Jahren der jungen Bernadette gezeigt hast, du bist wirklich ein „lebendiger Hoffnungsquell” Dante, Par., XXXIII, 12.
   Als vertrauensvolle Pilger, die von überall hierher gekommen sind, wollen wir noch einmal an der Quelle deines unbefleckten Herzens Glauben und Trost, Freude und Liebe, Sicherheit und Frieden schöpfen: Monstra te esse Ma- trem! Erweise dich als Mutter aller, o Maria! Und schenke uns Christus, die Hoffnung der Welt! Amen.  rv080914

Benedikt beendet Besuch. Messe mit Kranken in Lourdes / Unauflöslichkeit der Ehe

   Papst Benedikt XVI. hat vor seiner Rückreise nach Rom im Marienwallfahrtsort Lourdes eine Messe mit Kranken gefeiert. Krankheit, so predigte Benedikt, mindere niemals die Würde des Menschen; ein längeres physisches Leiden führe um so intensiver zum wahren, tiefen Sinn des Lebens als Geschenk Gottes. Mit Blick auf seine Begegnung am Freitagabend mit Vertretern der Kultur sagte der Papst vor seinem Abflug in Tarbes, die „Kultur und ihre Interpreten sind nach meiner Ansicht der bevorzugte Pfad im Dialog zwischen Glauben und Vernunft, Gott und dem Menschen”. In seinen Reden am Freitag und Samstag in Paris hatte der Papst diesen Dialog auch auf eine engere Zusammenarbeit und bessere Übereinstimmung zwischen Staat und Kirche in den pluralistischen Gesellschaften Europas ausgedehnt. Seinen besonderen Dank sprach Benedikt den französischen Katholiken für ihren „starken und entschiedenen Glauben” aus. Durch die Begegnung mit ihnen fühle er sich selbst gestärkt. Besonders seien „die Begeisterung und die Zuneigung der jungen Leute eine Ermutigung” für ihn, sagte er. Die religiösen Feiern in Lourdes hätten ihn in seiner Überzeugung bestärkt, „dass die Zeiten reif sind für eine Rückkehr zu Gott”.
   Benedikt schärfte den Bischöfen die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe ein. Das bedeute, so der Papst, dass Geschiedene nicht ein zweites Mal den kirchlichen Segen der Eheschließung noch die volle Gemeinschaft der Kom- munion erhalten könnten. Dennoch werde, so Benedikt, „die Kirche mit der größten Zuneigung jene Männer und Frauen umfangen, welche die sakramentale Unauflöslichkeit nicht aufrechterhalten können”. FAZ080916hjf

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Soldatenwallfahrt  -     Eine Soldatenwallfahrt ist eine Wallfahrt im Rahmen der Militärseelsorge

   Die Geschichte der Internationalen Soldatenwallfahrt (franz.: Pélerinage militaire international) geht zurück auf das Jahr 1944, als französische Soldaten erstmals nach Lourdes pilgerten. An der Pilgerfahrt nach Lourdes nah- men zunächst weitere Soldaten aus der regionalen Umgebung und dann aus ganz Frankreich teil. Es entwickelte sich 1953 bei einem Treffen von Kriegsveteranen der Gedanke, diese nationale Pilgerreise auf eine internationale Ebene auszuweiten. Ziel war es, dass Lourdes Ort der Begegnung und der Versöhnung der Nationen wird, die sich im Zweiten Weltkrieg bekämpft hatten.
   Die erste internationale Soldatenwallfahrt fand dann 1958 statt, als sich die Marien-Erscheinungen zum 100. Mal jährten. 2008 nahmen an der 50. Internationalen Soldatenwallfahrt ca. 25.000 Soldaten aus 40 Nationen teil. Wikipedia
Papst zur Soldatenwallfahrt in Lourdes: Nehmt Frieden in euren Alltag mit
   Nehmt den Frieden in euer Herz und euren Alltag auf – mit diesem Appell hat sich Papst Benedikt XVI. an die Teil- nehmer der 54. Internationalen Soldatenwallfahrt in Lourdes gewandt. In dem Brief des Papstes, der bei der Er- öffnung der Wallfahrt verlesen wurde, vertraute Benedikt XVI. alle Pilger, darunter auch die Kranken und ihre Familien, der Fürsprache der Heiligen Jungfrau Maria an. Gegenüber Radio Vatikan erzählt Pater Blaise Rebotier, Direktor und Koordinator der internationalen Delegationen, wie sehr die Soldaten heute diese Botschaft brauchen:
   „Diese Wallfahrt ist nach dem zweiten Weltkrieg entstanden und gründet sich auf den Frieden der Nationen. Die Menschen, die hierhin kommen, arbeiten für den Frieden. Die Soldatinnen und Soldaten brauchen den Frieden und sie können ihn erkennen, denn sie haben bei ihren Erfahrungen gesehen, wie groß das Böse sein kann. So viel, wie es Böses gibt auf der Welt, so viel Frieden und Versöhnung braucht man.“
Bischof Overbeck: „Gewalt letztes Mittel“
  Aus Deutschland sind etwa 450 Soldaten unter der Leitung des katholischen Militärbischofs Franz-Josef Overbeck nach Lourdes gereist. Bei der Messe in Lourdes hat Bischof Overbeck Gewalt bei Militäreinsätzen als letztes Mittel bezeichnet. Der Einsatz von Gewalt bringe „Tod, Verletzung, Zerstörung, Verstümmelung und ungeahntes Leid mit sich“, so Overbeck. Lediglich wenn es darum gehe, andere Menschen „vor fremder Willkür“ zu schützen, dürfe gewaltsam vorgegangen werden, sagte Overbeck.
   Das Leid treffe nicht nur das Äußere, sondern auch das Innere des Menschen. Die Anwendung von Gewalt be- dürfe eines gefestigten Gewissens und eines klaren Charakters sowie Gottvertrauens, so der Militärbischof. Ge- waltanwendung sei immer eine Grenzerfahrung. Um mit wachsendem Druck klar zu kommen, sei nicht nur eine rechtliche und psychologische, sondern auch eine seelsorgliche Unterstützung der Soldaten wichtig, betonte der Essener Bischof.
   2012 trafen sich in Lourdes Soldaten aus 30 Nationen zur 54. Internationalen Soldatenwallfahrt. Sie stand unter dem Motto „Ave Maria - Königin des Friedens“. RV120512r

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katholisch-anglikanische Wallfahrt nach Lourdes

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Anglikanischer Primas pilgert nach Lourdes
Fotos v.l.n.r.: Kardinal Walter Kasper, Lourdes, Primas Rowan Williams

   Der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, hat den Marienwallfahrtsort Lourdes besucht. Williams hat an einem Gottesdienst mit dem vatikanischen Ökumeneminister Kardinal Walter Kasper teilgenommen und eine geistliche Ansprache gehalten. Anlass der Reise des anglikanischen Primas ist die 150-Jahr-Feier der Marien- erscheinungen. Seit mehreren Jahren finden jährlich katholisch-anglikanische Pilgerfahrten nach Lourdes statt. –
   Am 16. Mai 2005 gaben die römisch-katholische Kirche und die anglikanische Gemeinschaft eine gemeinsame Erklärung über die Rolle der Jungfrau Maria im Christentum heraus. Fotobericht Seite > Anglikaner II 
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Kardinal Walter Kasper begleitet Erzbischof Rowan Williams auf der Wallfahrt nach  Lourdes

   Anglikanische Priester und Gläubige haben den Besuch des Erzbischofs von Canterbury in Lourdes kritisiert. Ein anglikanischer Erzbischof dürfe keine Marionette des Papstes sein. So bezeichnete die Gruppe Protestant Truth Society die Teilnahme Williams an dem ökumenischen Gottesdienst als „Verleumdung der protestantischen Ortho- doxie”. Williams hatte auf Einladung des päpstlichen „Ökumeneministers”, Kardinal Walter Kasper, an der gemein- samen Messe in Lourdes teilgenommen. Neben weiteren Bischöfen und Geistlichen waren auch hunderte angli- kanische und katholische Gläubige dem Gottesdienst gefolgt. In seiner Predigt hatte Erzbischof Williams die Heilige Bernadette als beispielhafte Gläubige hervorgehoben. RVcns080926ad

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Foto: Walter Kardinal Kasper mit dem anglikanischen Primas Rowan Williams in Lourdes
bei der Krankensegnung. Hier bringen wir die  Predigt des Erzbischofs von Canterbury:

   In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib Lk 1,44. Maria, die Jesus in ihrem Leib trägt,  kommt, um Elisabet zu besuchen. Der Sohn Gottes ist noch unsichtbar und noch nicht geboren; selbst Elisabet weiß noch nichts davon. Doch nun erkennt Elisabet, dass Maria die Hoffnung und die Sehnsucht aller Völker trägt und Leben bewegt sich tief im Innern ihres Leibes. Der Mann aber, der Jesus den Weg bereiten soll, Johannes der Täufer, bewegt sich, als ob er die kommende große Hoffnung begrüßen wollte, ob- schon sie noch nicht sichtbar ist. Maria erscheint uns wie die erste Missionarin, “die erste Botin des Evangeliums” – wie Bischof Perrier von Lourdes sie genannt hatte: der erste Mensch, der die frohe Botschaft von Jesus Christus anderen verkündet. Das geschieht, weil sie Christus in sich trägt. Maria erinnert uns daran, dass Mission nicht mit der Überbringung einer Botschaft in Worten beginnt, sondern wir müssen aufbrechen zu einem anderen Menschen mit Jesus im Herzen. Maria bezeugt die große Bedeutung, einfach Jesus zu bringen und noch ehe es Worte und Taten bedarf, ihn zu erklären. 
   Diese Geschichte vom Besuch Mariens bei Elisabet ist in mehrfacher Weise eigenartig. Es geht hier nicht um eine rationale Information von einem zum anderen, sondern um eine einfache Übertragung einer spirituellen Kraft vom ungeborenen Christus zum ungeborenen Johannes dem Täufer. Ohne Zweifel ist es eine Sendung, weil sie Er- kenntnis und Freude hervorruft. Hier geschieht etwas, das alle Worte, die gesprochen werden und alle  Werke, die getan werden, vorbereitet. Der Glaubende kommt mit Christus,der in ihm durch Glauben wohnt. Gott bewirkt, dass diese Kraft lebendig wird und die beginnende Antwort – noch nicht in Worten oder Mitteilungen – ist die Erkennt- nis: hier ist das Leben.
  Als Maria zu Bernadette kam, erschien sie zunächst als eine unbekannte Person, eine wunderschöne Frau, ein geheimnisvolles "Etwas". Bernadette erkennt sie noch nicht als die makellose Mutter des Herrn. Obschon Berna- dette noch nicht wesentlich in der kirchlichen Lehre unterrichtet war, hüpfte sie vor Freude, weil sie erkennt, dass ihr hier Leben und Heil begegnet. Erinnern wir uns an die Berichte über sie, die von ihrer anmutigen Art sprechen als die Dame Bitten äußerte – als ob sie gleich wie Johannes der Täufer noch unter dem Herzen seiner Mutter Elisabet anfing zu tanzen nach der Musik des fleischgewordenen Wortes, das von seiner Mutter getragen wird. Nur allmählich findet Bernadette die Worte, das Geschehen der Welt mitzuteilen. Nur in kleinen Schritten – so möchten wir sagen – lernt sie der Dame zuzuhören und nachzusprechen, was sie uns zu sagen hat.
  Dies sind gute Nachrichten für uns alle,  die  Jesus in  seinem Namen im Missionsauftrag nachfolgen und gute Nachricht für alle, die ihren Einsatz gering und offenbar nutzlos finden und für alle, die noch nicht ihren Weg gefunden haben für die "rechten" Worte und das freimütige Bekenntnis.
   Unsere erste und allumfassende Aufgabe ist es, Jesus dankbar und gläubig zu tragen,  mit uns, mit allen Fasern unseres Lebens: wie Teresa von Avila könnten wir es tun, ganz gewöhnlich stets mit einem kleinen Bild oder Kreuz in unserer Tasche, so dass wir ständig mit dem Herrn verbunden sind. Wir können es auch tun, indem wir der orthodoxen sprituellen Tradition folgen und still das Jesus-Gebet wiederholen: “Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner, ich bin ein Sünder.” Wenn wir darauf vertrauen, dass wir so Christus in uns tragen, dann wird etwas geschehen, eine Kraft wird überspringen auf jene, die bei uns sind. Sie werden - vielleicht unbewusst – einen Hauch des Lebens und der Freude fühlen, den sie zunächst überhaupt nicht erklären können.
   Möglicherweise werden wir das niemals sehen oder etwas darüber wissen; die Menschen werden es nicht einmal mit uns in Verbindung bringen, aber es geschieht, weil Jesus immerzu das anspricht, was in den Herzen der Männer und Frauen verborgen ist und wofür wir geschaffen sind. Ob man es weiß oder nicht: es gibt etwas in den Menschen, was auf Jesus ausgerichtet ist. Fahrt fort, Jesus zu bringen und seid nicht mutlos! Die Mission wird sich erfüllen, trotz allem, weil Gott in Christus seine Reise in die Herzen der Menschen begonnen hat.
   Wenn wir jenen begegnen, die sagen, dass sie gern glauben würden aber nicht glauben könnten, fragen wir uns, wie sie ihren Weg zur Hingabe finden, der erschreckend und auch schwer zu verstehen erscheint, dann müssen wir ihnen dieses sagen: “Gebt nicht auf! bemüht euch und haltet fest an Augenblicken tiefer und geheimnisvoller Freude! Wartet geduldig auf das, was in euch wächst!” Es ist nicht unsere Aufgabe zu drohen oder zu überreden, und Menschen zu einer Hingabe zu drängen, zu der sie noch nicht bereit sind, aber wir können und sollen ihre Nähe suchen und dabei Jesus in uns tragen und die Freude durchscheinen lassen und erwarten, dass sein Herz von der Gnade der Erkenntnis angerührt wird. 
   Natürlich haben wir es oft selbst nötig, die frohe Botschaft zu hören. Wir brauchen Menschen in unserer Nähe, die Jesus tragen, weil wir, die wir uns Gläubige nennen, Momente der Verwirrung kennen und wir können auch das Ziel aus dem Blick verlieren. Anderes macht es uns schwer oder verletzt uns. Die Kirche selbst mag uns irritiert oder schwach oder auch lieblos erscheinen, und wir fühlen, dass wir nicht das erhalten was wir nötig haben und nicht geführt werden, wie es sein sollte.
   Die Geschichte von Maria und Elisabet zeigt uns, dass das fleischgewordene Wort Gottes immer schon auf dem Weg zu uns ist, verborgen in bekannten und unbekannten Stimmen, Gesichtern und Menschen. Jesus ist in der Stille ständig am Werk und er sucht das Innerste in uns, die Ursache unserer Freude und unserer Hoffnung. Wenn wir uns  vielleicht verloren und enttäuscht fühlen oder wenn er uns milde wegzieht von einer nur menschlichen Freude oder Hoffnung, die nur oberflächlich ist. Vielleicht ist dies Teil unserer Reise zur Wahrheit. Auch wir müssen auf die Momente der Erkenntnis und tiefer Freude in uns schauen und lauschen. Es kann geschehen, wenn wir einem Menschen begegnen, in dem wir spüren, dass die Worte, in denen wir ziemlich halbherzig von Gott spre- chen, in ihnen lebendig und wirklich gegenwärtig sind. (Darum bedeutet uns das Leben der alten und modernen Heiligen so viel).
   In einem Augenblick der Stille mögen wir inmitten eines Familiengottesdienstes ergriffen sein und für einen Moment fühlen und erkennen dass wir den Schlüssel für alles in der Hand haben, wenn wir nur die rechten Worte finden. Es mag an einem heiligen Ort geschehen, eingetaucht in die Hoffnungen und Gebete von Millionen, wenn wir plötzlich sehen: alles, was auch immer wir als Einzelne denken oder fühlen mögen, wird von einer großen Wirklichkeit umfasst, die uns umgibt, neben uns und in uns, ob wir es nun begreifen oder nicht. Dieses sind unsere “Elisabet-Erlebnisse”, wenn das Leben unser Innerstes berührt und uns eine Zukunft mit Christus ankündigt, die unseren Verstand übersteigt.
    Es ist für uns eine große Versuchung, wenn wir über die Mission denken, sie könne auf dieselbe Weise ge- schehen, wie wir so viel anderes tun, wobei alles von der Planung und Art wie wir es machen abhängt, damit gute Ergebnisse dabei herauskommen. Es ist eine Versuchung wenn wir denken würden, dass das ganze Leben der Kirche in ähnlichen Bahnen verläuft. Natürlich müssen wir unseren Verstand benutzen, wir müssen in der Lage sein, gut und böse zu unterscheiden. Wir müssen Geschicklichkeit und Begeisterung einsetzen wenn wir auf den Ruf Gottes antworten, um teilzuhaben an dem Werk der Umformung der Welt durch Jesus und seinen Geist.
    Maria zeigt uns in ihrer Mission, dass es immer eine tiefere Dimension gibt, die auf Christus gründet, der macht- voll wirkt und unerkannt und still eine Verbindung schafft, die die Tiefe des Herzens eines jeden Menschen er- reicht. Er lebt getreu im Herzen der Kirche selbst, inmitten von Desaster, Verrat und Verwirrung, und schenkt sich selbst ohne Zurückhaltung. Alles, was wir “unsere” Sendung nennen, hängt hiervon ab. Wenn wir klug sind wissen wir, dass wir immer wieder überrascht werden durch das Echo und die Verbindungen, die dort lebendig werden, wo wir es nicht erwarten konnten. Wahre Mission ist bereit, sich überraschen zu lassen von Gott, “über- rascht durch Freude”, wie es liebevoll C. S. Lewis beschreibt. Elisabet kannte die ganze Geschichte Israels, und wie der Weg Gottes zu seinem Volk vorbereitet war. Überrascht hat sie das neue Leben und die Erkenntnis, als das Kind in ihrem Leib hüpfte. Die Nachbarn, Lehrer und Priester von Bernadette meinten, dass sie alles über die Muttergottes wüssten, und doch wurden sie überrascht durch dieses einfache, schwache, unbedeutende Mäd- chen, als sie vor Freude hüpfte, als sie Maria als ihre Mutter und Schwester erkannte, die uns den Herrn und Erlöser brachte. 
   Unser Gebete hier in Lourdes, erneuert und überrascht an diesem heiligen Ort, müssen sich darauf richten, dass uns die Kraft des Heiligen Geistes überschatte, Jesus dorthin zu tragen, wohin immer wir gehen, in der Hoffnung, dass Freude überspringen wird von Herz zu Herz in all unseren menschlichen Begegnungen. Auch möge uns Mut gegeben werden, um jene Freude zu schauen und zu erlauschen in der Tiefe unserer Herzen, wenn die Klarheit der Frohen Botschaft weit entfernt erscheint und der Himmel bewölkt ist.
   Aber hier mit Elisabet und Bernadette sagen wir heute dankbar und bewundernd: “Warum bin ich so begnadet, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?” Und wir erkennen dass die Sehnsucht unserer Herzen in der Tiefe unseres Seins neues Leben hervorruft.  CT071005Arbeitsübersetzung-kbwn

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Papstbotschaft zum Tag der Kranken: Glaube hilft Foto: In der Grotte von Lourdes

   Der Glaube kann zwar eine Krankheit nicht ungeschehen machen, aber er kann zumindest helfen, das Leben auch in schwierigen Situationen zu verstehen. Das betont der Papst in seiner Botschaft zum 24. Welttag der Kranken, der am 11. Februar 2016 begangen wird. Der Vatikan stellte die Botschaft jetzt vor. Ihr Thema lautet: „Auf den barmherzigen Jesus sowie auf Maria vertrauen “. Ausgehend von der biblischen Erzählung der Hochzeit zu Kana, in der Maria sagt: „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5), schreibt Papst Franziskus, dass das Vertrauen auf Jesus Großes bewirken könne. Dies gelte gerade für alle jene, die an physischen Leiden litten. Maria sei eine „wahre Lebensexpertin“, und deshalb solle man sich ihr anvertrauen und auf ihre Worte hören, so der Papst weiter. 
   Der Welttag der Kranken wurde 1993 vom heiligen Papst Johannes Paul II. eingeführt. Er wird jährlich am 11. Februar, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau von Lourdes, begangen. Es finden jeweils ein Gottesdienst im Petersdom statt sowie zentrale Veranstaltungen in einem anderen Land. In der Schweiz wird der Tag der Kranken hingegen am ersten Sonntag im März begangen. Rv150915mg

Sechs Millionen Menschen pilgern jedes Jahr nach Lourdes.
Sie glauben an die Muttergottes - und an die heilende Kraft des Wassers aus der Grotte.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade
  Es hat geregnet über Nacht, die Straßen von Lourdes sind nass. Angela Röder steht vor der Rosenkranzbasilika. Ihre Lippen sind schmal, ihr Blick ist ernst. Gedanken arbeiten in ihr. Am Abend zuvor war sie noch an der Grotte. Es war schon dunkel und kalt. Sie hat sich die Mauer entlang gedrückt, vorbei an den Hähnen, aus denen das heilende Wasser fließt, sich durch den Bauzaun geschlängelt, um zu ihr zu kommen, zur Heiligen Muttergottes. In einem weißen Gewand, mit blauem Gürtel und Rosen auf den Füßen stand sie da. Niemand sonst war dort. Angela Röder kniete vor ihr nieder, die Hände gefaltet. Die Gottesmutter ganz groß, Angela Röder ganz klein. Sie betete. Dass die Arthrose in ihrer linken Hand bald wieder verschwinde und dass ihr Enkel doch noch getauft werde. Dann schlug sie das Kreuz.  Die Heilige Muttergottes lächelte sie an, so wie sie jeden Pilger anlächelt, der zu ihr an die Grotte kommt. Angela Röder blieb noch einen Augenblick dort stehen. Würde sich ihr Wunsch erfüllen, ein Wunder geschehen?
Der Herr ist mit dir
   Denn so war es ja schon einmal gewesen. Vor 15 Jahren sagte ihr Arzt, in sechs Jahren würden ihre Nieren versagen und sie müsse an die Dialyse. Das erste Jahr mit der Diagnose war schlimm, das zweite brutal, das sechste fast unerträglich. Dann fuhr sie mit einer Pilgergruppe nach Lourdes, einem kleinen Ort am Fuße der französischen Pyrenäen. Sie ging oft in die Heilige Messe, trank von dem heilenden Wasser und ging in die Bäder. Als sie aus dem Steintrog stieg, musste sie sich nicht abtrocknen, sagt sie. Und die Sonderbarkeiten gingen weiter. Zu Hause musste der Arzt seine Diagnose revidieren. Plötzlich funktionierten die Nieren wieder. „Der Glaube versetzt manchmal Berge", sagte der Arzt. „Das war mein persönliches Wunder", sagt Angela Röder. Um es festzuhalten, dieses kostbare Geschenk, fährt sie seither, so oft es geht, mit den Maltesern, einer katholischen Hilfsorganisation, in den Wallfahrtsort. Angela Röder ist gebürtige Polin, sie ist schon an viele heilige Orte gereist, stand vor vielen Kreuzen. Aber Lourdes sei etwas Besonderes, sagt sie und blickt über die Esplanada, den großen Platz, der sich vor der Rosenkranzbasilika erstreckt. Noch sind hier nicht viele Pilger unterwegs, die Saison hat erst begonnen.  Nur die Hälfte der Andenkenläden, aus denen die Innenstadt von Lourdes nahezu ausnahmslos besteht, hat schon geöffnet. Sie verkaufen zu jedem Souvenir, zu jedem Plastikkanister, Holzkreuz und Metallanhängerchen auch eine Hoffnung: Greif zu, packe dein Glück, vertraue auf Gott! So blinkt es von Leuchtreklamen, so säuseln die Lautsprecher. Die kleinen Kerzen, mit denen die Gläubigen das Licht in die Welt tragen können, kosten 50 Cent, die großen zwei Euro. In Lourdes geht es nicht nur um den Glauben, sondern auch immer um das Geschäft. Der Bischof der Diözese ist fast so etwas wie der Vorstandsvorsitzende eines Wirtschaftsunternehmens mit Milliardenumsatz.
Du bist gebenedeit unter den Frauen
   Die Pilger stört der Kommerz meist nicht. Entweder haben sie sich an ihn gewöhnt, denn die meisten waren schon oft in Lourdes. Oder sie wissen, wer zuerst da war und vermutlich länger bleiben wird - nämlich sie. Die ersten Pilger kamen im Frühsommer 1858, da war das erste Wunder noch ganz frisch. Bernadette Soubirous war die Tochter eines armen Müllers. Ihr erschien an einem Tag im Februar beim Holzsammeln in einer Nische oberhalb der Grotte Massabielle eine weiß gekleidete Frau. Sie bat  um insgesamt 18 Treffen, und sie sprach zu ihr: „Ich bin die unbefleckte Empfängnis." Der Pfarrer war, als Bernadette ihm davon berichtete, zutiefst erschüttert. Denn erst vier zuvor hatte Papst Pius IX. das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens verkündet, und Bernadette konnte davon nicht gewusst haben. Das 14 Jahre alte Mädchen wurde verhört wie eine Verbrecherin, bis man es endlich als Seherin anerkannte. Seliggesprochen wurde es 1925, heiliggesprochen 1933 von Papst Pius XI. Da kamen die Pilger schon in Scharen zur Grotte Massabielle. Über sie baute man die Rosenkranzbasilika mit einem runden Hauptschiff. Und über alles blickt die Gottesmutter, mit ausgestreckten Armen, Engelsköpfen und der Inschrift „Par Marie à Jesus" - „Durch Maria zu Jesus".
Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus
  Es hat einige Zeit gedauert, bis Thomas Ohm zu Maria und Jesus fand. In seinem ersten Leben war er Polizeibeamter - und evangelisch. In seinem zweiten Leben arbeitet er hauptberuflich für die Malteser. Er konvertierte zum Katholizismus, er fühlte sich dort aufgehoben, nur das Knien in der Kirche fiel ihm schwer. Dann fuhr er als Betreuer mit den Maltesern nach Lourdes. Eines späten Abends nahmen ihn dort ein paar erfahrene Pilger mit zum „Grötteln". In der Dunkelheit gingen sie gemeinsam zur Felsnische. Thomas Ohm sah die Statue der Jungfrau Maria. Als er das nächste Mal auf die Uhr schaute, war eine halbe Stunde vergangen, und er kniete. Er erinnerte sich nicht, was geschehen war. Ein Wunder?
   Thomas Ohm blickt aus dem Fenster. Seit vielen Jahren leitet er nun die Pilgerfahrten der Malteser in der Diözese Paderborn nach Lourdes, so auch dieses Mal. 800 Männer und Frauen sitzen in dem Sonderzug, der von Ostwestfalen bis an die französisch-spanische Grenze fährt. Ohm bereitet seine Pilger gut vor, schickt ihnen eine Pilgerkarte, einen Kofferanhänger für ihr Gepäck, und er sagt ihnen: Erwartet bloß keine Wunder! „Das Wunder ist doch", sagt Ohm, „dass wir hier alle in diesem Zug sitzen und uns auf die Reise machen."
   Hat er Angst? Vor dem Wunder? „Vielleicht ein bisschen Furcht." So geht es vielen im Zug. Die Furcht scheint zu wachsen, je näher die Pilger dem Ort des Rätsels kommen. Was wäre, wenn wirklich jemand wieder gehen könnte, der vorher im Rollstuhl saß? „Es wäre ein Schock", sagt Ohm und meint das genau so. Nichts wäre mehr so wie vorher. Der Glaube ist die Vorstellung, das Wunder wäre die Realität.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder
  Die Pilger hoffen natürlich trotzdem auf die Erfüllung ihrer Wünsche, der kleinen und großen Träume. Wenn man in die ersten drei Waggons des Zuges geht, erfährt man davon. Dort liegen die Schwerkranken, Schwachen, Pflegebedürftigen. Manche können kaum mehr sprechen, andere ringen um jeden Atemzug. Aber: Sie freuen sich. Wie Maria Weritz, eine kleine Frau mit freundlichen Augen und wasserdicken Beinen. Als sie im Jahr 1981 zum ersten Mal nach Lourdes fuhr, übernachtete sie noch in einem normalen Abteil mit fünf anderen Frauen. Einige Jahre später musste sie ins Liegeabteil. Jetzt ist sie im Lazarettwagen. Eine Frau von den Maltesern, in grauem Kleid und mit weißer Haube, hält ihr die Hand. Vor ein paar Monaten hatte Maria Weritz eine Lungenentzündung und einen Herzstillstand - und als sie im Krankenwagen lag, war ihre einzige Befürchtung, dass sie nicht nach Lourdes mitfahren könnte. Jeden Monat hat sie einen Teil ihrer kargen Rente gespart, um die Reise zu bezahlen. Woher kommt diese Hoffnung auf Besserung, wenn es einem doch selbst immer schlechter geht? „Ich habe es schon so weit geschafft. Jetzt will ich der Muttergottes dafür danken."
  Dann hebt der Chor an. Der Zug muss einen längeren Stopp einlegen, auf dem Bahnsteig von Toulouse haben sich Malteser mit Akkordeon, Saxophon und Gitarre aufgestellt, viele Pilger singen dazu. Maria Weritz, die gerade  noch nach jedem zweiten Wort Luft holen musste, richtet sich auf. Eine Dame hilft ihr. Zusammen gehen sie ans offene Fenster des Waggons, ganz langsam. Maria Weritz legt ihre rechte Hand auf die Scheibe, ihre Finger bewegen sich im Takt, fast unmerklich. Sie lächelt.
   Auch die restlichen Stunden der Fahrt bis an die Pyrenäen steht sie durch. In Lourdes wird sie mit den anderen Pflegebedürftigen ins Accueil Notre-Dame gebracht, ins Krankenhaus. Einige der Malteser, mehrere Ärzte und ein Priester kümmern sich dort um sie. Das Accueil liegt gegenüber der Grotte, kein Hotel ist näher an der Muttergottes. Beim Baden werden die Kranken vorgelassen, in der Heiligen Messe sitzen sie ganz vorne. Der Bischof segnet sie. Davon zehren sie ein ganzes Jahr. Bis sie wiederkommen.
Jetzt und in der Stunde unseres Todes.
  Wie oft werden sie in dieser Zeit das Gebet murmeln: Herr, unser Gott. Wir bitten dich, erhöre uns. Jetzt dürfen sie es noch einmal laut hinausrufen, mit Hunderten weiteren Pilgern. Männer, Frauen und Kinder aus Italien, Frankreich und Spanien haben sich der Gruppe aus Paderborn angeschlossen. Sie feiern die erste Lichterprozession des Jahres. Sie folgen dem weiß leuchtenden Kreuz, das ein Geistlicher der Gruppe voranträgt, schützen mit der Hand ihre Kerzenflammen gegen den Wind, beten laut: Herr, unser Gott. Wir bitten dich, erhöre uns. Der Wind bläst die Flammen immer wieder aus. Immer wieder zünden die Pilger sie an. Sie geben nicht auf. Auch Angela Röder kämpft mit dem Licht. Sie dreht sich nach links, nach rechts, wartet auf eine windstille Sekunde. Ihr Feuerzeug macht klick, klick. Die Frau, deren Nieren nach einem Bad in heiligem Wasser gesund geworden sind, aber deren Hand noch immer schmerzt, hofft weiter. Sie hat keine Furcht. Klick, klick. Da fängt die Kerze endlich Feuer.
   Wer Wunder sehen will, wird sie sehen. In Lourdes und überall. Amen.               LourdesfaZ-MAGAZINMonaJaeger

 Lesen Sie mehr über Lourdes. Der Bischof von Lourdes erklärt die Wallfahrtsstätte > Lourdes I >  Lourdes III       

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