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Mann und Frau II

  Hier berichten wir über die Fortsetzung der Familiensynode mit verbindlichen Ergebnissen für Ehe und Familie
 Die moraltheologischen der Bischofskonferenzen von Deutschland, Frankreich und der Schweiz > Familiensynode II

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   Papst ändert Kirchenrecht: „Gerechte Einfachheit“ in Eheverfahren
Papst Franziskus erleichtert kirchliche Pozresse zur Feststellung der Ehenichtigkeit

   Ehenichtigkeitsverfahren in der Kirche werden einfacher und schneller: Mit zwei Erlassen in der Form eines Motu Proprio verändert Papst Franziskus die Verfahren, in denen innerkirchlich über die Gültigkeit einer Ehe befunden wird. Ist eine Ehe nichtig, hat sie nach kirchlicher Auffassung niemals bestanden. Jeder der beiden Partner kann in diesem Fall erneut kirchlich heiraten.
   Der Vatikan stellte die beiden Rechtsdokumente – eines für die römisch-katholische Kirche, das andere für die mit Rom unierten Ostkirchen - am 08. September 2015 vor. Papst Franziskus möchte eine „gerechte Einfachheit“, wie er in dem Dokument mit dem Namen Mitis Iudex Dominus Jesus,  „Jesus der gütige Richter“, schreibt. Dazu wird es in Zukunft nur noch eine einzige statt bisher zwei Instanzen geben, die über die Gültigkeit einer Ehe entscheidet. Die Kirche kennt keine Scheidung, es geht in diesem Fall um die Frage, ob eine Ehe jemals gültig zu Stande gekommen ist. Der Prozess löst also keine Ehe auf, sondern findet heraus, ob die Ehe überhaupt gültig war. Darüber hat nun ein Richter in einer Instanz zu entscheiden, nicht mehr ein Ehegericht in vorgeschriebenen zwei Instanzen. Außerdem verfügt der Papst, dass der Ortsbischof selbst dieses Amt auszuüben hat, zumindest darf er es nicht vollständig delegieren. Papst Franziskus möchte damit eigenen Ausführungen zufolge sicherstellen, dass kein Laxismus in das Verfahren Einzug hält. Überhaupt gehe es nicht darum, die Ehenichtigkeit selbst zu fördern. Lediglich die Verfahren sollten klarer und einfacher gemacht werden.
   Im Fall eines Konfliktes nach der Entscheidung der ersten Instanz bleiben eine zweite Instanz beim zuständigen Erzbistum und schließlich die dritte Instanz bei der Rota Romana im Vatikan erhalten. Während aber bisher immer auch eine zweite Instanz entscheiden musste und im Fall zweier unterschiedlicher Urteile die dritte Instanz involviert war, ist nun eine Instanz ausreichend, sofern mit deren Urteil beide Betroffenen einverstanden sind.
   Papst Franziskus betont ausdrücklich, dass es nicht darum gehe, die Unauflöslichkeit der Ehe in Frage zu stellen. Es handelt sich bei den Änderungen also nicht um eine „katholische Scheidung“. Der Papst sieht in den Änderungen eine größere pastorale Nähe der Kirche. Während bisher Menschen oft die juristischen Strukturen nicht in Anspruch hätten nehmen können – sei es weil sie zu weit weg gewesen seien, sei es weil es andere Gründe gibt – erfordere es die Nächstenliebe, diese Frage der Gerechtigkeit näher zu den Gläubigen zu bringen und das Verfahren zugänglicher zu machen. Das Schreiben Evangelii Gaudium (Nr. 27) zitierend, spricht der Papst von einer „Bekehrung der kirchlichen Strukturen“. Dabei sollen die Bischofskonferenzen helfen.  Ausdrücklich sagt der Papst, dass diese Verfahren für die Paare kostenlos zu sein haben.
   Vor einem Jahr hatte der Papst kurz vor der Versammlung der Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie eine Kommission eingesetzt, die sich um eine Reform dieses Verfahrens kümmern sollte. Auch bei der Synode selbst wurde das Thema ausführlich und teils kontrovers diskutiert. Am Ende stand aber eine große Mehrheit der Synodenväter, die eine Vereinfachung wollten. Auf diesen Rat der Synode an ihn verweist der Papst ausdrücklich.
Die neuen Regelungen des Kirchenrechtes treten am 8. Dezember, mit Beginn des Heiligen Jahres, in Kraft.
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  Evangelii Gaudium Nr.27:

Eine unaufschiebbare kirchliche Erneuerung
27. Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient. Die Reform der Strukturen, die für die pastorale Neuausrichtung erforderlich ist, kann nur in diesem Sinn verstanden werden: dafür zu sorgen, dass sie alle missionarischer werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen expansiver und offener ist, dass sie die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des „Aufbruchs“ versetzt und so die positive Antwort all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet. Wie Johannes Paul II. zu den Bischöfen Ozeaniens sagte, muss » jede Erneuerung in der Kirche […] auf die Mission abzielen, um nicht einer Art kirchlicher Introversion zu verfallen.  

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Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Ecclesia in Oceania (22. November 2001), 19: AAS 94 (2002), 390.

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Extra-Motu Proprio für Ostkirchen  Foto: Orthodoxe Würdenträger besuchen Papst Franziskus

   Es waren gleich zwei Motu Propri des Papstes, die jetzt im Vatikan vorgestellt wurden. Denn das katholische Kirchenrecht gibt es seit jeher in zwei Fassungen: eine für die lateinische Kirche und eine zweite für die mit Rom unierten Ostkirchen. Bei der Neuordnung der Ehenichtigkeitsprozesse hat Papst Franziskus diese historisch gewachsene Doppelung fortgeschrieben. Dies sei ein starkes ökumenisches Zeichen und stärke die katholische Kirche mit ihren zwei Lungen, erläutert der griechisch-katholische Bischof Dimitrios Salachas am Dienstag. Er gehörte ebenfalls der Kommission an, die Wege zur Reform der Eheprozesse erarbeitet hatte. 
   „Bei uns sind über 90 Prozent gemischt-konfessionelle Ehen [zwischen katholischen und orthodoxen gläubigen, Anm.]. Ein orthodoxer Partner wartet doch bei einem Ehenichtigkeitsprozess nicht ab, bis die katholische Seite ihr Urteil abgibt, sondern geht gleich weg.“
   Es sei deshalb wichtig, dass auch für die orthodoxe Seite Klarheit herrsche. Ein Problem seien jedoch die mangelnden Ressourcen der Bistümer und Kompetenzen der Diözesanmitarbeiter.
   „Da hoffe ich sehr, dass die Herren in der Rota Romana nun in die Welt hinausgehen und sich ein konkretes Bild vor Ort machen. In Griechenland sind wir fünf Bischöfe, und ich bin der einzige, der Kirchenrecht studiert hat. Wir brauchen also konkrete Unterstützung aus Rom.“
   Im Großen entspreche aber das Motur Proprio für die Ostkirchen der Version für die lateinische Kirche. Der Hauptunterschied betrifft die Rolle der bischöflichen Synode der entsprechenden Ostkirche, die dem Bischof beim Ehenichtigkeitsverfahren hilft. Rv150908mg

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Foto: Papst bei der Generalaudienz:  Familienliebe kann das Herz einer ganzen Stadt wärmen

   Anlässlich des Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren hat Papst Franziskus an das Leiden vieler Menschen unter den aktuellen Kriegen erinnert. Bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz erinnerte er insbesondere an das Schicksal der verfolgten Christen im Nahen Osten und verurteilte en Handel mit Waffen:
   „Dieser Zerstörungswahn und jene, die mit blutigen Waffen handeln. Waffen, an denen das Blut von vielen Unschuldigen klebt. Nie wieder Krieg, dieser Ruf aus unseren Herzen, und denen all jener, die guten Willens sind, möge aufsteigen zum Fürsten des Friedens.“
   In seiner Katechese sprach der Papst über die Weitergabe des Glaubens. Die Familie sei dafür der zentrale Ort: Die familiären Bindungen würden durch die Erfahrung des Glaubens und der Liebe Gottes verwandelt und mit einem größeren Sinn erfüllt. Die Familie weise über sich hinaus auf eine umfassendere Vater- und Mutterschaft hin: „Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter“ Mk 3,35. Die familiären Bindungen in den Bereich des Gehorsams des Glaubens und des Bundes mit dem Herrn zu stellen, beschneide sie nicht, sondern schütze sie und befreie sie vom Egoismus. Ein familiärer Stil in den mitmenschlichen Beziehungen sei ein Segen für die Welt. Franziskus sprach in seinen Ausführungen insbesondere über die Rolle von Familien in modernen Großstädten:
   „Der Bund der Familie mit Gott ist heute berufen, dem Vordringen der gemeinschaftlichen Wüsten in der modernen Gesellschaft entgegenzuwirken. Unsere Städte sind zu Wüsten geworden. Es fehlt an Liebe und Lächeln. Es gibt viele Unterhaltungsmöglichkeiten, viele Möglichkeiten, die Zeit zu vertreiben und Spaß zu haben. Aber es fehlt die Liebe. Wir müssen aus den Türmen und Kammern, in denen die Eliten sich verbarrikadiert haben, ausbrechen. Und wieder die Häuser und Räume der Vielheit aufsuchen, die offen für die Liebe der Familie sind.“
  Wenn sich die Zuneigung in der Familie in ein Zeugnis für das Evangelium verwandeln ließe, werde Unvorstellbares möglich, und man könne Gottes Wirken mit der Hand greifen, so Franziskus. „Das Lächeln einer Familie ist in der Lage, diese Wüste in unseren Städten zu besiegen. Das ist der Sieg der familiären Liebe. Verlieren wir nicht die Hoffnung. Wo es Familien mit Liebe gibt, sind sie fähig, mit ihrem Zeugnis für die Liebe das Herz einer ganzen Stadt aufzuwärmen.“ Rv150902cz 

Die ordentliche Versammlung der Bischofssynode zur Ehe- und Familienpastoral,
die im Oktober 2015 stattfinden wird, ...

 ... wird fast dieselbe Leitung haben wie die außerordentliche Versammlung vom Oktober dieses Jahres. Der Vatikan gab jetzt die Ernennungen bekannt. Wie bereits in diesem Jahr werden sich auch im kommenden Jahr die Kardinäle André Vingt-Trois (Paris), Luis Antonio Tagle (Manila) und Raymundo Damasceno Assis (Aparecida) im Präsidium der Sitzungen abwechseln, dazu kommt Kardinal Wilfrid Fox Napier (Durban) als viertes Mitglied des Präsidiums. Mit drei Wochen ist die kommende Synode eine Woche länger als die vergangene Versammlung. Relator der Synode ist wieder der Erzbischof von Esztergom-Budapest, Kardinal Péter Erdö. Spezialsekretär der Synode ist wieder Erzbischof Bruno Forte (Chieti-Vasto). Rv141121

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Erzbischof Gänswein: Ehe und Familienfragen sind entschieden Foto: Erzbischof Gänswein und Papst Franziskus

   Kurienerzbischof Georg Gänswein sieht den Widerspruch gegen eine Nichtzulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion als veraltet und überholt an. Auf die Debatte in Deutschland im Vorfeld der Familiensynode im Herbst angesprochen, sagte er, „nicht alle Irrtümer“ kämen von dort, aber wohl dieser Punkt. Dabei habe Papst Johannes Paul II. die Frage schon vor 20 Jahren entschieden. „Jetzt können wir nicht sein Lehramt ignorieren und die Sachen ändern“, erklärte Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses, laut dem Internetportal Vatican Insider.
   Gänswein sagte, Johannes Paul II. habe „nach einer langen und engagierten Verhandlung nicht akzeptiert, dass wiederverheiratete Christen zur Eucharistie hinzutreten“. Wenn jetzt manche Geistliche „vorschlagen wollen, was nicht möglich ist“, folgten sie damit möglicherweise dem Zeitgeist oder dem Beifall der Medien. Alleiniger Maßstab dürfe indessen „das Evangelium, der Glaube, die gesunde Lehre, die Tradition“ sein, so Gänswein laut dem Bericht, der aus einem Interview des Magazins der Internationalen Universität Katalonien mit dem Erzbischof zitiert. Rv150722ord

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   In einer Stellungnahme „Zur Pastoral mit Geschiedenen und wiederverheirateten Geschiedenen" haben 1993 die Bischöfe der Oberrheinischen Kirchenprovinz unter Beteiligung des damaligen Bischofs von Rottenburg-Stuttgart, des späteren Kurienkardinals Walter Kasper, Foto oben, gefordert, dass diejenigen Gläubigen, die nach einer Ehescheidung noch einmal zivil geheiratet haben, zur Eucharistie zugelassen werden sollten, wenn sie sich nach einem Gespräch mit einem Priester in ihrem Gewissen dazu ermächtigt sähen.
   Im Februar 2014 hielt Kardinal Kasper vor dem außerordentlichen Konsistorium einen Vortrag, in dem er diesen Vorstoß wiederholte und vertiefte. Der Vortrag sollte der Vorbereitung der außerordentlichen Bischofssynode im Herbst 2014 dienen, die sich in einem ersten Schritt mit Ehe- und Familie befasste sollte, bevor sie 2015 zu Entscheidungen erneut zusammenkäme. Alle Teilnehmer der Synode haben dann den inzwischen als Buch unter dem Titel „Das Evangelium der Familie" erschienenen Text auf ihren Sitzen vorgefunden. Aufsehen erregte der Beitrag vor allem, weil Kasper darin mit Verweis auf einen Vortrag von Joseph Ratzinger von 1972 sagte, er wolle nur erreichen, was auch Ratzinger damals vorgeschlagen habe, dass nämlich gemäß der Praxis der frühen Kirche „gewohnheits­rechtlich nach einer Bußzeit die Praxis der pastoralen Duldung, Milde und Nachsicht" hinsichtlich der Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion einführt werden solle. Daraufhin hatte der emeritierte Papst Benedikt XVI. seinen Vortrag von 1972 vor der Aufnahme in seine gesammelten Schriften dahingehend abgeändert, dass an seiner Ablehnung einer Zulassung von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen zur Eucharistie keinerlei Zweifel mehr möglich war. Im Übrigen hatte Ratzinger bereits als Erzbischof von München und Freising wie auch als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre vielfach die Forderung der Zulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zum Tisch des Herrn abgewiesen. Nun hat sich Kardinal Kasper im Blick auf die bevorstehende ordentliche Bischofssynode erneut in dieser Frage zu Wort gemeldet. In den “Stimmen der Zeit” 7/2015 Verlag Herder Freiburg geht es Kasper darum, seinen Standpunkt „gegenüber zahlreichen Missverständnissen" zu verteidigen und zu präzisieren.
   In einer Anmerkung wird jetzt allgemein auf den Aufsatz von 1972 in der überarbeiteten Fassung des vierten Bandes der gesammelten Schriften von Joseph Ratzinger hingewiesen. Diesmal werden sogar weitere Stellungnahmen von Kardinal Ratzinger angeführt, die alle gegen eine Zulassung der wiederverheiratet Geschiedenen zur Kommunion argumentieren. Ausdrücklich hält Kasper daran fest, dass es sich beim Verbot der Ehescheidung um eine authentische Aussage Jesu handelt, die auch vom Apostel Paulus bezeugt wird. Auf der einen Seite sagt Kasper, dürfen wir heute sowenig wie damals „das Wort Jesu durch Anpassung an die Situation entschärfen", fährt aber dann fort und sagt, das Wort Jesu „sei kein Rechtssatz, sondern ein Grundsatz, den die Kirche mit der ihr anvertrauten Vollmacht, zu binden und zu lösen, ... in den sich wandelnden Situationen zur Geltung bringen muss". Was er damit meint ist: „Das Wort Jesu darf darum nicht fundamentalistisch ausgelegt werden. Es gilt, seine Grenze wie die Weite auszuloten, es im Ganzen der Botschaft Jesu zu verstehen und ihm treu zu bleiben, ohne es zu überdehnen." Erneut weist Kasper auf die angeblich „flexiblere pastorale Praxis der frühen Kirche" hin, sagt aber auch, dass es sehr umstritten ist, was diese Texte eigentlich hergeben
   Sollten die ordentliche Bischofssynode und der Papst den Vorstellungen von Kardinal Kasper folgen, ist zu befürchten, dass eintreten wird, was die Verfasser für die Orthodoxie festgestellt haben, „dass, wenn man kleinen Ausnahmen die Tür öffnet, eine völlig liberalisierte Praxis daraus folgen würde". Auch ist den Verfassern zuzustimmen, wenn sie darauf verweisen, dass diesen Kirchen der sittliche Relativismus keine neuen Mitglieder eingebracht habe. Der Relativismus habe vielmehr dazu geführt, dass sich „die Gläubigen noch mehr vom christlichen Leben entfernen, da es für sie keine besondere Kraft und keine menschliche Größe mehr besitzt, die es anziehend machen könnte".   DT150728MichaelKarger

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Familien-Synode:  Kardinal Reinhard Marx formuliert Erwartungen -
Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz fordert, Türen zu öffnen und große Impulse des Konzils aufzugreifen

   Die anstehende Fami­liensynode im Herbst muss nach den Wor­ten von Kardinal Reinhard Marx Türen öffnen, anstatt diese zu schließen. Auch Jesus habe nicht über die Menschen geurteilt, sondern versucht, diese mit all ihren Nöten und Schwächen zu verstehen, sagte Marx bei einem Requiem zum 39. Todestag von Kardinal Julius Döpfner in München. „Die Wahrheit und das Evangelium verändern sich nicht, aber sie werden tiefer verstanden." Dieser Prozess sei nie zu Ende,werde aber davon gestört, wenn die Menschen meinten, schon alles verstanden zu haben.
   Vom 4. bis 25. Oktober tagt im Vatikan die Weltbischofssynode zum Thema Ehe und Familie. Sie steht unter dem Titel „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute". Dabei geht es auch um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen. „Es geht um eine Verheutigung des Evangeliums, nicht um eine Verfälschung oder Anpassung", betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. DT150728

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Ägypten: Koptische Kirche will Möglichkeit der Scheidung ausdehnen
Foto links: Koptisches Kloster bei Höxter  rechts: Papst Tawadros II.

   Die koptische Kirche will laut einem Medienbericht die Möglichkeiten einer Scheidung weiter ausdehnen. So soll der Tatbestand des Ehebruchs etwa auch durch obszöne oder intime Äußerungen in sozialen Netzwerken oder am Telefon als erfüllt gelten, berichtete die ägyptische Online-Zeitung „Egypt Independent“ unter Berufung auf Kirchenkreise. Ehebruch gehört zu den wenigen Gründen, die nach koptischem Kirchenrecht die Auflösung einer Ehe und eine Wiederheirat gestatten. Derzeit ist eine Neufassung des kirchlichen Personenstandsrechts in Arbeit. Rv150721gs  Die koptische Kirche mit 10-17 Millionen Mitglieder steht in ökumenisch-freundlicher Beziehung zur katholischen Kirche. Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster ist Bischofssitz der Kopten in Deutschland. -kbwn-

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Österreich: Kardinal wünscht mehr Sinn für Realität bei Synode – Foto: Schönborn bei der Bischofssynode 2014

   Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn wünscht sich bei der kommenden Familien-Synode im Vatikan mehr Sinn für die gesellschaftliche Realität. Es reiche nicht aus, Entwicklungen wie etwa das Zusammenleben von Paaren ohne Trauschein zu beklagen, sagte er der italienischen Jesuiten-Zeitschrift „Civiltà Cattolica" in einem vorab veröffentlichten Interview. Stattdessen gelte es zu fragen, was genau sich an den Lebensumständen der Menschen verändert habe.
   Der moderne Mensch sei von unterschiedlichsten Einflüssen geprägt: psychologischen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen, sagte Schönborn. Diese Komplexität habe die Außerordentliche Synode im Vorjahr nicht ausreichend in den Blick genommen. Auch über die Institution Ehe hätten die Synodalen nur sehr abstrakt gesprochen, so der Kardinal. So hätten es junge Menschen heute aufgrund der Situation auf dem Arbeitsmarkt sehr schwer, eine traditionelle Familie zu gründen. Nötig sei bei der Synode eine aufmerksame Wahrnehmung der realen Verhältnisse, nicht der dauernde Fingerzeig auf Hedonismus und einen übersteigerten Individualismus. 
Zivile Zweitehe: „Auch hier kann es Elemente von Heiligkeit geben“
   Mit Blick auf die wiederverheirateten Geschiedenen, die nach katholischer Lehre nicht zur Kommunion und den anderen Sakramenten zugelassen sind, plädierte Schönborn für eine enge Begleitung durch die Kirche. Diese Menschen lebten zwar in einer irregulären Verbindung. Sie könnten aber auch zu einer inneren Einsicht im Glauben gelangen, die es geboten erscheinen lasse, zum Wohl des Glaubens einen Schritt über die objektive Regel hinauszugehen. In einem ähnlichen Sinne hatten Synodale wie der deutsche Kardinal Walter Kasper bei der Synode 2014 ein Nachdenken darüber angeregt, wiederverheiratete Geschiedene nach einem Weg der Buße wieder zu den Sakramenten zuzulassen.
   Nach Schönborns Einschätzung kann es auch in irregulären Verbindungen viele Elemente von Wahrheit und Heiligkeit geben. Bei Paaren, die liebevolle Verantwortung füreinander übernähmen, sei Gottes Anwesenheit spürbar. Daher sollten die Synodalen nicht nur auf das schauen, was solchen Verbindungen fehlt, sondern auf das Gute, das schon da sei.
  Schönborn zählt zu den von Papst Franziskus persönlich ernannten Teilnehmern der Familiensynode vom 4. bis 25. Oktober im Vatikan. Der Kardinal hatte auch bereits an der Vorgängersynode 2014 teilgenommen. Rv150918gs

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Auch ein deutsches Ehepaar reist zur Synode  Foto: Kardinal Kasper ist wieder dabei

   Der Vatikan hat die offizielle Teilnehmerliste der kommenden Bischofssynode veröffentlicht. Neben den Vertreter aller Bischofskonferenzen und Ostkirchen sowie Gästen anderer Konfessionen wurden auch die von Papst Franziskus direkt berufenen Vertreter bekannt. Unter ihnen ist wie bereits bei der Synode im vergangenen Jahr der deutsche Kurienkardinal und emeritierte Präsident des vatikanischen Ökumene-Rates, Kardinal Walter Kasper; er hatte 2014 mit einem Grundsatzreferat über Ehe und Familie den synodalen Prozess zu diesem Themenkreis eröffnet.
   Weitere Vertreter aus dem deutschen Sprachraum sind - von der Deutschen Bischofskonferenz:
   Kardinal Reinhard Marx (München-Freising), Heiner Koch (Berlin) und Franz-Joseph Bode (Osnabrück).
   Aus Österreich kommen der Bischof von Feldkirch, Benno Elbs, sowie Kardinal Christoph Schönborn von Wien, der als einer von 45 vom Papst Ernannten zur Synode reist. Überdies nimmt mit dem serbisch-orthodoxen Bischof Andrej Cilerdzic ein dritter Österreicher an der Synode teil. Er wird auf der Teilnehmerliste unter den Ökumene- Vertretern aus Schwesterkirchen genannt. Aus der Schweiz wird der Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey, dabei sein. Unter den Ordensvertretern findet sich der Erzabt von St. Ottilien, Jeremias Schröder, auf der Synodenliste.
   Neben den Geistlichen und Geweihten gibt es auch einige Ehepaare, die – wie bei der vergangenen Synode vom Oktober 2014 – an der kommenden Synode teilnehmen und ihre Erfahrungen und Zeugnisse einbringen werden. Aus Deutschland wird das Ehepaar Petra und Alois Johann Buch aus Aachen sprechen. Petra Buch ist in der diözesanen Familienseelsorge tätig. Ihr Mann wirkt als Professor für Moraltheologie beim Interdiözesanen Priesterseminar St. Lambert und ist Ständiger Diakon der Diözese Aachen.
   Eine weitere deutsche Stimme bei der Synode wird der Gast der evangelischen Kirche sein: Es handelt sich um Thomas Schirrmacher. Er ist Präsident der theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz
   Insgesamt umfasst die heute vom Vatikan veröffentlichte Liste rund 360 Teilnehmende. Unter den von Papst Franziskus direkt Ernannten befinden sich 27 Kardinäle, darunter neben Kasper und Schönborn auch der als Verteidiger der traditionellen kirchlichen Ehelehre geltende Kardinal von Bologna, Carlo CaffarraRv150915mg

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Papst feiert 50. Gründungsjahr der Synode mit Gläubigen
Foto: Die Neue Synodenaula, in der die Synode tagt, sitzt huckepack auf der Audienzhalle

   Papst Franziskus begeht das 50. Gründungsjahr der Bischofssynode zusammen mit Gläubigen und allen anderen Interessieren mit einem Festakt im Vatikan am 17. Oktober in der Audienzhalle. Aus jedem Kontinent ist als Redner ein Bischof eingeladen, der an der Ordentlichen Generalversammlung der Synode zum Thema Ehe und Familie teilnimmt. Das einleitende Referat hält der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn, der auf Ernennung des Papstes zur Synode reist. Am Schluss ergreift Papst Franziskus das Wort. Bei der Begegnung wird auch eine Film- Dokumentation über die Bischofssynode zu sehen sein.
   Europa vertritt bei dem Festakt als Redner der Londoner Kardinal von Westminster, Vincent Gerald Nichols, der zugleich die Bischofskonferenz von England und Wales präsidiert. Für Afrika spricht Francisco Chimoio, der Erzbischof von Maputo in Mosambik, für Amerika Kardinal Ricardo Ezzati Andrello, Erzbischof von Santiago und Vorsitzender der chilenischen Bischofskonferenz, für Asien Patriarch Luis Raphael Sako von Babylonien und für Ozeanien Kardinal Soane Patita Paini Mafi von Tonga, Vorsitzender der Bischofskonferenz Ozeaniens.
   Mit der Einrichtung der Bischofssynode hatte Papst Paul VI. eine Idee des II. Vatikanischen Konzils aufgegriffen. er gründete sie vor 50 Jahren mit dem Schreiben „Apostolica sollicitudo" vom 15. September 1965 die Bischofssynode ein. Sie solle „den Geist der Gemeinschaft zeigen, der den Papst und die Bischöfe miteinander verbindet" und „in gewisser Weise den gesamten Weltepiskopat repräsentieren", so das Gründungsdokument. 26 Mal beriefen die Päpste seither Synoden ein. Diese haben im Gegensatz zum Konzil keine Entscheidungsfunktion, sondern dienen der kollegialen Beratung. Rv150928gs

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Familiensynode: Mehr Platz für Diskussionen anberaumt Foto: Bischofssynode: Ein Blick in die Aula

   Mehr Zeit für die Diskussionen in den kleineren Sprachzirkeln bei der Familiensynode, deren 2. Sitzungsperiode am 04. Oktober 2015 wieder begann und wo die Synodenväter drei Wochen lang zum Thema Ehe und Familie sich beraten. Der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, kündigte bei einer Pressekonferenz im Vatikan an, dass die 39 Relationen der Arbeitsgruppen diesmal veröffentlich werden, es sei hingegen keine „Zwischenbilanz“ relatio post disceptationem vorgesehen. Eine Kommission bestehend aus zehn Synodenvätern koordiniert unter der Leitung des Synodenrelators Kardinal Peter Erdö die Arbeiten der Gespräche.  An den täglichen Pressebriefings nehmen etwa 50 Synodenväter teil. Zur Frage der Journalisten, ob die Organisatoren der Synode mit Kritik und Polemiken rechnen, antwortete Kardinal Baldisseri: „Wir befinden uns wie auf dem Meer, einige Windstöße sind da normal.“ Während des Zweiten Vatikanischen Konzils habe es „ähnliche Unwetter“ gegeben.
   Die Debatten sollen „dynamischer“ werden und dennoch soll jedem Wortbeitrag genügend Zeit eingeräumt werden, erläutert der Generalsekretär der Bischofssynode. Jeder Synodenredner hat das Anrecht auf drei Minuten Redezeit im Plenum; bei der außerordentlichen Synode letztes Jahr waren es fünf Minuten gewesen. Insgesamt haben diesmal 318 Synodenteilnehmer (von 359) das Recht, sich bei den Gesprächen zu äußern. Es soll jeweils 13 Kleingruppenarbeiten in verschiedenen Sprachen – genannt circuli minores – geben, vier auf Englisch, je drei auf Spanisch und Französisch, zwei auf Italienisch und eine auf Deutsch. Ihre Schlussfolgerungen sollen diesmal im vollen Umfang am Ende der jeweiligen Synodenwoche veröffentlicht werden. Insgesamt werden 3x13, also 39 veröffentlichte Dokumente aus den Kleingruppen erwartet. Dass die Texte aus den Kleingruppen bei der Synode von 2014 nicht publiziert wurden, hatten einige Beobachter kritisch kommentiert, andere hatten diese Maßnahme im Sinn verminderten Drucks gelobt. 
   Offen ließ Baldisseri, ob am Ende der dreiwöchigen Bischofssynode sofort ein Ergebnis oder eine Entscheidung des Papstes veröffentlicht wird. Er teilte lediglich mit, dass Franziskus eine neun Mitglieder zählende Kommission zur Erstellung eines Abschlussberichts berufen habe. Diese werde das Dokument nach Beratung und Abstimmung im Plenum Franziskus überreichen. Was dann passiere, „wird der Papst entscheiden", so der Kardinal. „Das wissen wir nicht". 
   Baldisseri kündigte an, dass der Wiener Kardinal Christoph Schönborn eine Ansprache beim Festakt zum 50. Gründungsjahr der Bischofssynode halten wird. Diese Feier mit Papst Franziskus findet unter breiter Beteiligung von Gläubigen am Samstagmorgen, den 17. Oktober, in der vatikanischen Audienzhalle statt.  Anmeldungen für den Festakt sind hier möglich. Rv 151002mg  

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Bischofssynode: „Am Ende noch viel mehr Gesprächsbedarf“  -  Familientreffen in Philadelphia

 Foto: Weltfamilientreffen in Philadelphia. Lesen Sie dazu unseren großen Fotobericht > Nordamerika II

  Um in der Debatte um das katholische Verständnis von Ehe und Familie voranzukommen, nützt es weder, sich auf eine unveränderliche Lehre zu berufen, noch die Anpassung zu fordern. Das sagt der katholische Theologe Werner Jeanrond. Wenn jetzt die Debatten in der Bischofssynode wieder aufgenommen werden, brauche es einen weiteren Blick.
   „Was im Augenblick falsch läuft, ist, dass alles in einen Hut geworfen wird.“ Werner Jeanrond ist systematischer Theologe an der Universität Oxford und hat eine „Theologie der Liebe“ geschrieben. „Familie ist zum Beispiel nicht dasselbe wie Sexualität. Sexualität gibt es auch außerhalb von Ehe und Familie, und Homosexualität ist wieder eine andere Frage. Da wird im Augenblick alles durcheinander geworfen in Hinsicht darauf, dass sich etwas verändern soll oder darauf, dass sich unter keinen Umständen etwas verändern darf.“ In diesem Konfliktfeld bewege sich Kirche gerade, und nicht nur die Kirche. Verkürzungen helfen nicht, sagt der Theologe.
   „Es geht ja um einen christlichen Lebenswandel, es geht um christliche Gemeinschaft, um das Verhältnis von Personen und deren Entwicklung zur Kirche als Gemeinschaft und deren Entwicklung. Wir sprechen von verschiedenen Entwicklungsphasen, die aber alle ausgeblendet werden, um einzelne Akte in sich selbst zu beleuchten. Das kann natürlich nicht gut gehen.“ Man könne die Frage nach christlichem Leben nicht auf einige moraltheologische Fragen reduzieren. „Was wir stattdessen brauchen ist einen größeren Blick und eine größere Rückbindung an unser Glaubensverhältnis zu Gott und zueinander in der Kirche, anstatt zu hoffen, dass mit einer päpstlichen, römischen oder vatikanischen Lehraussage jetzt wieder alles in Ordnung ist. Wir sind ja jetzt erst einmal in eine Bewegung gekommen, und diese Bewegung halte ich für sehr gut.“
Liebe beschreibt Beziehung
   Das Doppelgebot der Liebe und die Aussage, dass Gott die Menschen liebt, sind die Grundlage allen Glaubens und allen Hoffens, sagt der Theologe. Dabei gebe es Grundsätzliches zu beachten: „Als Wichtigstes ist zu sehen, dass dieses Liebesgebot eine Beziehung beschreibt und nicht irgend einen Katechismus oder eine Dogmatik, aus der man dann eine Schublade herausziehen kann. Ohne diese lebendige Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen, zu Gottes Schöpfung und zu meinem eigenen in Entwicklung befindlichen Selbst, ohne dieses vier-fältige Beziehungsgeflecht gibt es gar keine Möglichkeit, theologisch zu denken.“
   Jeanrond gibt zu bedenken, dass die Liebe in den letzten 200 Jahren romantisiert worden sei. Man müsse sich heute also zunächst darüber verständigen, was denn überhaupt Liebe ist. Liebe sei mehr als Gefühl, Liebe, so der Theologe, sei eine Verbindung mit dem Anderen, nicht mit sich selbst. Lieben könne man auch nicht nur Gott oder nur einen Menschen. Alle Liebesbeziehungen hingen zusammen, das gelte es neu zu entdecken. Das sei auch Aufgabe der Synode, nicht nur das Wiederholen von bereits Gesagtem. „Es kann doch nicht sein, dass wir den Glauben und den Glaubensbezug und auch den Liebesbezug zu Gott nur aus einem Lehrgebäude heraus verstehen wollen. Das Lehrgebäude steht doch auch in einer dynamischen wechselseitigen Abhängigkeit von diesen Glaubenserfahrungen und von der Gegenwart Gottes in der Kirche und in den einzelnen Menschen. Deswegen geht es nicht an, dass man einfach nur sagt, hier ist die Lehre, und die ist unverrückbar.“ Die Lehre sei dazu da, den Menschen zu dienen und ihnen in ihrer Gottesbeziehung zu helfen, nicht umgekehrt. Sich der Lehre lediglich unterzuordnen sei der falsche Ansatz: Lehre brauche immer auch Sprache, und eine unveränderliche Sprache gebe es nicht, noch habe es sie jemals gegeben.
„Am Ende der Synode noch viel mehr Gesprächsbedarf“
   Teil der Debatte ist die Frage, wie die auf Jesus fußenden Lehren wie etwa die Unauflöslichkeit der Ehe geschützt werden können. Wenn man auch nur ganz wenig ändere, so eine Meinung, verliere man auch gleich den ganzen Rest. Jeanrond sieht das anders. Er vermisse zum Beispiel eine ‚Theologie des Scheiterns‘, die ja von Jesus vorgelebt wurde, indem er sich mit Menschen traf, die an den Dogmen ihrer Gegenwart gescheitert seien. „Da müssen wir uns doch mal entspannen und nicht etwas suchen, was uns Menschen nicht gegeben ist, nämlich eine unveränderliche Sprache, eine unveränderliche Zeit, ein unveränderlicher Raum. Wir leben in diesen Veränderungen. Das heißt aber nicht, dass wir deswegen einer Beliebigkeit opfern müssen. Wir sind weder Diener der Beliebigkeit noch Diener einer sogenannten unverrückbaren Lehre. Dazwischen ist ein großer Raum. Und den müssen wir neu und schöpferisch ausnutzen.“
   Kann die Synode da eine Lösung anbieten? Nein, sagt Jeanrond, aber sie kann einen Schritt gehen. „Da muss man doch länger denken. Das ist ein Teil eines Prozesses. Ich bin zuversichtlich, dass am Ende der Synode klarer geworden ist, dass noch viel mehr Gesprächsbedarf, Forschungs- und Diskussionsbedarf besteht. Da kann es nicht sein, dass man einfach nur einige Pflaster aufklebt und sagt, wenn du um Entschuldigung bittest, darfst du auch wieder zur Kommunion kommen‘. Wir müssen erst einmal bedenken, warum wir überhaupt ein Sakrament zur Bedingung eines anderen machen. Das einem Menschen zu erklären, fällt ja heute schon sehr schwer.“ Rv151002ord

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Papst: „Gott ist größer als unsere Logik“ Foto: Papst Franziskus als Hörender in der vatikanischen Synodenaula

        Kein Debattierklub, sondern Handlungsraum des Heiligen Geistes: Was die Synode ist und was sie nicht ist, hat Papst Franziskus den Teilnehmenden der Synode 2015 zu Ehe und Familie in seiner Eröffnungsansprache dargelegt. Er ermunterte zu offenem Reden, inhaltliche Fragen nahm er nicht vorweg. Der Papst lud namentlich die Bischöfe dazu ein, nicht den Mut zu verlieren, weder „angesichts der Verführungen der Welt“ noch „angesichts der Verhärtung einiger Herzen, die trotz guter Absichten die Menschen von Gott entfernen“. Das Glaubensgut der Kirche sei „kein Museum“, sondern eine „lebendige Quelle“. In den kommenden drei Wochen wird Franziskus an allen Tagen der Plenardebatten als Hörender anwesend sein, aber nicht mehr selbst das Wort ergreifen. Die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode  tagt bis 24. Oktober zum Thema „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“.
   „Die Synode ist, wie wir wissen, ein Miteinander-Gehen im Geist der Kollegialität und der Synodalität“ begann Franziskus seine Rede und benannte als die richtigen Herangehensweisen Freimut „Parrhesia“, pastoralen und doktrinalen Eifer, Klugheit und Aufrichtigkeit. Die Synode sei „kein Kongress, kein Sprechzimmer, kein Parlament oder Senat, wo man sich ins Einvernehmen setzt. Nein, die Synode ist ein kirchlicher Ausdruck, das heißt, die Kirche, die miteinander unterwegs ist, um die Wirklichkeit mit den Augen des Glaubens und dem Herzen Gottes zu lesen; es ist die Kirche, die sich über die Treue zum Glaubensgut befragt, das für sie kein Museum ist, das es anzuschauen oder bloß zu bewahren gälte“. Vielmehr sei das Glaubensgut „eine lebendige Quelle, an der die Kirche ihren Durst stillt, um den Durst des Lebensgutes zu stillen und zu erleuchten.“
   Franziskus beschrieb auch den Raum, den die Bischofsversammlung und in ihr die Bischöfe in der Kirche einnehmen. „Notwendigerweise“, so der Papst, sei die Synode der Kirche und dem Heiligen Volk Gottes eingeschrieben, „dem wir als Hirten, das heißt als Diener angehören“. Darüber hinaus sei die Synode „ein geschützter Ort, wo die Kirche das Wirken des Heiligen Geistes erfährt. In der Synode spricht der Geist durch die Sprache aller Menschen, die sich von Gott leiten lassen, von Gott, der immer überrascht, von Gott, der sich den Kleinen offenbart in den Dingen, die er den Wissenden und den Intelligenten verbirgt; von Gott, der das Gesetz des Sabbat für den Menschen schuf und nicht umgekehrt; von Gott, der die 99 Schafe zurücklässt, um das einzige verirrte Schaf zu suchen; von Gott, der immer größer ist als unsere Logiken und unsere Rechnungen.“
   Die Synode könne freilich nur dann „ein Wirkungsraum des Heiligen Geistes“ sein, wenn die Teilnehmer „apostolischen Mut, evangelische Demut und vertrauensvolles Gebet“  übten, fuhr der Papst fort. Der apostolische Mut ängstige sich „weder vor den Verführungen der Welt, die in den Herzen der Menschen das Licht der Wahrheit zu ersticken drohen“, noch vor „der Verhärtung einiger Herzen, die trotz guter Absichten die Menschen von Gott entfernen“. Apostolischer Mut sei es, „Leben zu bringen und nicht aus unserem christlichen Leben ein Museum der Erinnerungen zu machen“.
   Evangelische Demut hingegen bedeute, „sich von den eigenen Vorurteilen zu befreien“, den Brüdern im Bischofsamt zuzuhören und „sich mit Gott anzufüllen“. Im Umgang mit Gläubigen verhelfe eine solche Haltung der evangelischen Demut dazu, „nicht mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, um sie zu verurteilen, sondern sie an der Hand zu nehmen und ihnen aufzuhelfen, ohne sich ihnen jemals überlegen zu fühlen“.
   Das „vertrauensvolle Gebet“ sei „das Handeln des Herzens, wenn es sich Gott öffnet, wenn wir alle unsere Stimmungen zum Schweigen bringen, um die leise Stimme Gottes zu hören, der in der Stille spricht“. Und, wie der Papst vor den Synodenteilnehmern ausspricht: „Wenn wir nicht auf Gott hören, werden unsere Wörter bloß Wörter sein, die nicht den Durst stillen und nicht helfen. Wenn wir uns nicht vom Geist leiten lassen, werden unsere Entscheidungen bloß Ornamente sein, die, anstatt das Evangelium zu verherrlichen, es bedecken und verstecken.“
   Zum Abschluss seiner Eröffnungsansprache bedankte sich der Papst nicht nur bei den Synodenvätern und den anderen Teilnehmenden einschließlich der Hörer und Hörerinnen, sondern auch bei den Journalisten, die über die Synode von Rom aus oder von fern berichten. „Danke für eure leidenschaftliche Teilnahme und eure bewundernswerte Aufmerksamkeit“, so Papst Franziskus.  Rv151005gs

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Eröffnungsmesse zur Synode: Ehe ist keine Utopie Foto: Papst bei der Eröffnungsmesse zur Familiensynode

    Die Angst, die Ehe anzunehmen, wie sie ist, lähmt das menschliche Herz. Denn die Ehe sei „keine Utopie der Jugend, sondern ein Traum, ohne den sein Geschöpf zur Einsamkeit bestimmt ist!“ Das betonte Papst Franziskus bei der Eröffnungsmesse zur 14. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode. Bekanntlich geht es bei der dreiwöchigen Versammlung im Vatikan um das Thema der „Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“.
   Der 27. Sonntag im Jahreskreis war zugleich auch der katholische Festtag des heiligen Franziskus von Assisi, dem Namensgeber des Papstes. In seiner Predigt ging Papst Franziskus auf die biblischen Lesungen des Tages ein und unterstrich drei Themen: Einsamkeit, Liebe und Familie. An der Heilige Messe in der vatikanischen Basilika St. Peter nahmen die Synodenteilnehmer, aber auch viele Familien mit Kindern teil.
Drama der Einsamkeit
Zum Drama der Einsamkeit, das noch heute viele Männer und Frauen quäle, sagte der Papst:
   „Wir erleben heute das Paradox einer globalisierten Welt, in der wir viele Luxuswohnungen und Wolkenkratzer sehen, aber immer weniger die Wärme des Zuhauses und der Familie spüren; viele ehrgeizige Pläne, aber wenig Zeit, um das Erreichte wirklich zu leben; viele ausgeklügelte Mittel zur Unterhaltung, aber eine ständig wachsende Leere im Herzen; viele Vergnügungen, aber wenig Liebe; viel Freiheit, aber wenig Selbständigkeit… Kontinuierlich nimmt die Zahl derer zu, die sich allein fühlen, aber auch derer, die sich im Egoismus, in der Schwermut, in zerstörerischer Gewalt oder in der Sklaverei des Vergnügens oder des Götzen Geld verschließen.“
   Es sei gewissermaßen „dieselbe Erfahrung wie Adam“, so der Papst weiter. Dieser sei mächtig gewesen, doch einsam und verwundbar. Auch in der Familie spiegle sich diese Situation wider: viele seien nicht mehr bereit, „eine solide und fruchtbare Liebesbeziehung durchzutragen“. „Es scheint, dass die am weitesten entwickelten Gesellschaften gerade die sind, die die niedrigste Geburtenrate und die höchste Quote an Abtreibungen, Scheidungen, Freitod, Umweltverschmutzung und sozialer Ungerechtigkeit haben.“
Liebe zwischen Mann und Frau
   Dann ging Franziskus auf die Liebe zwischen Mann und Frau ein, ein Thema der ersten Lesung und des Evangeliums Mk 10, 2-16. Gott habe den Menschen nicht zu einem Leben in Traurigkeit und Alleinsein erschaffen, sondern für ein Leben im Glück, in dem der Mensch „seinen Weg gemeinsam mit einer anderen Person geht, die ihn ergänzt“, so der Papst. Auch gehöre es zum Menschsein, die wunderbare Erfahrung der Liebe zu machen: zu lieben und geliebt zu werden; damit er seine fruchtbare Liebe in seinen Kindern sieht, zitierte der Papst den Psalm des Tages vgl. Ps 128. Deshalb bestehe der Traum Gottes für sein Geschöpf darin, die Vereinigung der Liebe zwischen Mann und Frau verwirklicht zu sehen. Es sei dies derselbe Plan, „den Jesus im heutigen Evangelium mit diesen Worten zusammenfasst: ‚Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins’ Mk 10,6-8; vgl. Gen 1,27; 2,24“. Das Ziel des ehelichen Lebens bestehe also nicht nur darin, für immer zusammenzuleben, „sondern für immer einander zu lieben! So stellt Jesus die ursprüngliche und Ursprung gebende Ordnung wieder her“.
Die Familie
   Das dritte Thema der Predigt war die Familie: Das berühmte Jesus-Zitat aus dem Markus-Evangelium: „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ Mk 10,9 sei „eine Aufforderung an die Gläubigen, jede Form von Individualismus und Legalismus zu überwinden; diese verbergen nämlich einen kleinlichen Egoismus und eine Angst davor, die authentische Bedeutung des Paares und der menschlichen Sexualität im Plan Gottes anzunehmen.“ Und weiter fügte er an: „Paradoxerweise ist auch der Mensch von heute – der diesen Plan oft lächerlich macht – von jeder authentischen Liebe, von jeder tragfähigen Liebe, von jeder fruchtbaren Liebe, von jeder treuen und immerwährenden Liebe angezogen und fasziniert.“ Der heutige Mensch verfolge „Liebesbeziehungen des Augenblicks“, dennoch sei sein Traum „die authentische Liebe“; der heutige Mensch laufe „den fleischlichen Genüssen nach, aber er sehnt sich nach der völligen Hingabe“.
Mission der Kirche
  
In einer Zeit der „unbegrenzten Freiheit“ bekomme der Grundsatz der „Traurigkeit dieser Welt“ ein neues Verständnis: Da die verbotenen Genüsse ihren Glanz in dem Augenblick verlieren, in dem sie nicht mehr verboten sind, „mussten und müssen sie radikalisiert, immer neu gesteigert werden und erscheinen zuletzt doch schal, weil sie alle endlich sind, der Hunger aber nach dem Unendlichen geht’“, zitierte Franziskus Joseph Ratzingers Werk „Auf Christus schauen“ vgl. ebd. Freiburg/Basel/Wien 1989, S. 73. In diesem komplexem Kontext von Gesellschaft und Ehe habe die Kirche die Berufung, ihre Mission in Treue, in Wahrheit und in Liebe zu erfüllen, so der Papst:
   „Ihre Sendung zu leben in der Liebe, die nicht mit dem Finger auf die anderen zeigt, um sie zu verurteilen, sondern – in Treue zu ihrem Wesen als Mutter – sich verpflichtet fühlt, die verletzten Paare zu suchen und mit dem Öl der Aufnahme und der Barmherzigkeit zu pflegen; ein „Feldlazarett“ zu sein mit offenen Türen, um jeden aufzunehmen, der anklopft und um Hilfe und Unterstützung bittet; aus der eigenen Einzäunung herauszutreten und auf die anderen zuzugehen mit wahrer Liebe, um mit der verletzten Menschheit mitzugehen, um sie mit einzuschließen und sie zur Quelle des Heils zu führen.“ rv151004mg  

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„Familie“ hat wenig Stellenwert in der deutschen Theologie - Foto: Prof. Pater Michael Sievernich SJ

   Das Thema „Familie“ hat in der deutschen Theologie einen zu geringen Stellenwert. Das sagt der Jesuitenpater Michael Sievernich. Er wird als einziger deutscher Experte an der Bischofssynode zum Thema Familie teilnehmen. Das Synodensekretariat hat den Theologieprofessor und Jesuiten für die Beratungen nachnominiert, wie Sievernich gegenüber Radio Vatikan bestätigte. Pia Dyckmans hat mit dem Pastoraltheologen gesprochen.
   Familie steht heute unter einem enormen Druck, beobachtet Sievernich. Was ist Familie, wie setzt sie sich zusammen – da wo Kinder sind? Sievernich ist emeritierter Professor für Pastoraltheologie an der Universität Mainz und an der theologischen Hochschule der Jesuiten in Frankfurt. Auch hatte Sievernich mehrfach Gastprofessuren in Buenos Aires und Mexiko inne. Dort hat „Familie“ in der Theologie eine andere Stellung als in Deutschland, hat er festgestellt. „Familie hat traditionell in der deutschen Theologie keine sehr starke Beachtung. Obwohl die Ehefragen im kanonischen Recht oder in der Moraltheologie eine gewisse Rolle spielen, aber Familie selbst sei zurückgenommen. Wohingegen sie in Lateinamerika, vielleicht auch in Afrika, sicher auch in Asien eine größere Rolle spielt als bei uns.“ In Deutschland sei das Konzept „Familie“ weit aus umstrittener als in anderen Erdteilen. Das werde, nach seiner Vermutung, auch die Spannung sowohl in der Synodenaula als auch in den Medien ausmachen.
   Sievernich war 1986 der Betreuer von Pater Jorge Mario Bergoglio, als er nach Deutschland kam. Der Frankfurter sollte Doktorvater von Papst Franziskus werden, was aber aufgrund einer früheren Rückkehr des Papstes in seine Heimat obsolet wurde.
   Heute ist Prof. Sievernich Kenner der päpstlichen Theologie und hat einige Schriften von Franziskus editiert. Bekannt wurde der Pastoraltheologe vor allem durch das Wort zum Sonntag, zu dessen Sprechern er gehörte. Eine Tätigkeit, die seine Lehre durchaus beeinflusst hat: „Des Weiteren spielt in meiner Lehre und Forschung auch Publikation eine Rolle, die Frage der Mission bzw. Evangelisierung – wie funktioniert Mission heute in säkularen Zeiten. Das ist auch eine Frage, die mich immer umgetrieben hat.“
  Als Professor für Pastoraltheologie ist er natürlich auch Experte in Fragen der Sakramenten- oder der Ehepastoral. Das Schwergewicht der Synodenarbeit wird in den nach Sprachen geordneten Arbeitsgruppen liegen, bislang hatte es noch keinen deutschsprachigen Experten gegeben. Sievernich selber hat erst sehr kurzfristig von seiner Nominierung erfahren: „Zunächst war ich sehr überrascht, weil ich eine ganz andere Agenda hatte, die ich jetzt absagen musste, was ich nach kurzer Überlegung auch sehr gerne getan habe, weil ich meine, dass diese Synode von großer Bedeutung ist für die Kirche.“ Sievernich hofft, dass in der Synode nicht nur „die drei oder vier Fragen, die man in Deutschland für die wichtigsten Fragen der Welt“ halte, wie er es formuliert, behandelt werden, sondern dass sich die kulturelle Breite der Weltkirche zeigt, damit am Ende der Synode sich alle Erdteile in den Ergebnissen der Synode wiederfinden können. Rv151003ord

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Fakten und Hintergründe zur Synode  Foto: Archivbild: Aus der Synode 2014

   Es ist die zweite Bischofssynode im Pontifikat von Papst Franziskus nach jener im Herbst 2014. Insgesamt beteiligen sich diesmal fast rund 400 Personen an der Weltbischofssynode: Neben den Synodenmitgliedern befinden sich auch über 100 Berater, Experten, Beobachter und Gäste aus der Ökumene darunter. Die Arbeitssitzungen haben am Montag, 5. Oktober, begonnen mit einer organisatorischen Ansprache des Generalsekretärs der Synode, dem italienischen Kardinal Lorenzo Baldisseri. Es folgte eine thematische Einführung vom Generalberichterstatter der Synode, dem ungarischen Kardinal Peter Erdö. Allerdings beschränkte dieser sich zunächst nur auf die erste der drei Themengruppen des Grundlagenpapiers. Die Einführung in den zweiten und den dritten Teil erfolgt zu Beginn der zweiten und der dritten Woche. Auf diese Weise soll die Debatte inhaltlich konzentriert werden. Zudem treten die Synodalen bereits jeweils ab dem zweiten Tag in 13 Sprachgruppen zusammen, wodurch man sich eine weitere Intensivierung der Arbeit verspricht. Denn während die Redezeit in den Plenarsitzungen auf drei Minuten beschränkt ist, gibt es in den Sprachgruppen kein Limit. Verstärkt werden soll die Kommunikation und der Dialog zudem durch eine freie Aussprache, die – wie bereits unter Benedikt XVI. – zum Ende jedes Sitzungstages angesetzt ist.

Drei Etappen
  
Eine neunköpfige vom Papst berufene Redaktionsgruppe soll die Synodenarbeit in ihren drei Etappen begleiten und zum Ende einen Schlussbericht erstellen. Einen Zwischenbericht, der im vergangenen Oktober für großes Aufsehen sorgte, gibt es diesmal nicht, ebenso ist keine eigene Botschaft der Synode an die Welt vorgesehen. Dem Redaktionsgremium gehören neben Kardinal Erdö und dem Synoden-Sondersekretär Erzbischof Bruno Forte Bischöfe aus allen Kontinenten an. Unter ihnen sind der Washingtoner Kardinal Donald William Wuerl, der Rektor der Katholischen Universität Argentiniens und Papstvertraute Bischof Victor Manuel Fernandez und Jesuitengeneral Adolfo Nicolas Pachon.
Abstimmung zum Schlusstext
  
Der Schlusstext wird einen Tag vor Synodenende, am 24. Oktober, den Mitgliedern zur Debatte und Abstimmung vorlegt – und dann dem Papst übergeben. Wie dieser damit umgeht, ob und wann er das Papier veröffentlicht oder ob er es erst noch überarbeitet, sei vollkommen offen, betonte Synodengeneralsekretär Baldisseri am Freitag bei der Präsentation des Synodenprogramms. Darüber hinaus will die Synode sich diesmal aber auch selbst feiern: Am 17. Oktober ist ein Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Bischofssynode vorgesehen. Sie war am 15.September 1965 von Papst Paul VI. gegründet worden, um das Erlebnis des Konzils wachzuhalten und fortzusetzen. Festredner ist der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, an den sich fünf Kardinäle aus fünf Kontinenten anschließen.

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Auf einen Blick: Die wichtigsten Zahlen und Fakten
- Offizieller Titel:
„Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“
- Dauer: 4. bis 25. Oktober 2015
- Vorbereitung: Bereits im vergangenen Jahr gab es eine zweiwöchige außerordentliche Bischofssynode, bei der als Vorbereitung über die gleichen Themen diskutiert und abgestimmt wurde.
- Teilnehmer: 270 Synodenväter, also Bischöfe aus aller Welt, nehmen an der Synode teil. Dazu kommen 89 weitere Teilnehmer wie Laien oder Experten, etwa Ehepaare, die aus ihrem Alltag berichten.
- Herkunft der Bischöfe: 54 Synodenväter stammen aus Afrika, 64 aus Amerika, 36 aus Asien, 107 aus Europa und 9 aus Ozeanien.
- Redezeit: Insgesamt 318 der 359 Synodenteilnehmer haben das Recht, sich in den Diskussionen im Plenum zu Wort zu melden, weshalb die Redezeit auf drei Minuten beschränkt ist.
- Sprachzirkel: Hier findet wegen der beschränkten Redezeit im Plenum der Großteil der Diskussionen statt. Insgesamt 13 Mal treffen sich die 13 nach Sprachen geordneten Gruppen. Neben einer deutschen Gruppe gibt es vier englische, drei spanische, zwei italienische und drei französische Sprachzirkel.
- Berichte: Die Berichte der einzelnen Sprachzirkel sollen dieses Mal veröffentlicht werden. Dafür wird es keinen Zwischenbericht geben, der 2014 noch für viel Wirbel gesorgt hatte. Ob der Abschlussbericht, der dem Papst übergeben wird, veröffentlicht wird, entscheidet Papst Franziskus. Rv151004mg

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Frühmesse: Sich der Barmherzigkeit Gottes nicht entziehen
Foto: Anschließend geht es gleich weiter zur Synodenaula

Nach der Santa Marta-Messe geht es gleich weiter zur Synodenaula...
   Hüten wir uns davor, ein verhärtetes Herz zu haben, zu dem die Barmherzigkeit Gottes keinen Zutritt findet! Das war der zentrale Appell von Papst Franziskus bei seiner Frühmesse. Noch vor seiner Teilnahme an den Beratungen der vatikanischen Bischofssynode hielt der Papst seine gewohnte Heilige Messe in der Casa Santa Marta.
   In seiner Predigt ging Franziskus auf die Lesung aus dem Buch Jona ein, die die Bußpredigt des Propheten in Ninive schildert. Die große Stadt habe sich auf die Mahnungen des Jona hin tatsächlich bekehrt, unterstrich der Papst: „Jona hat tatsächlich das Wunder bewirkt, weil er in diesem Fall mal nicht auf seinem Dickkopf bestanden, sondern Gottes Willen befolgt hat – er hat das getan, was der Herr ihm geboten hatte.“
   Im ganzen Buch Jona machte der Papst drei Erzählstränge aus: den Widerstand gegenüber der Mission, die Gott ihm übertrug; den Gehorsam, aus dem sich dann auch tatsächlich das Wunder der Bekehrung Ninives ergab; und schließlich den Widerstand gegenüber der Barmherzigkeit Gottes. „Da sagt Jona: ‚Herr, habe ich das nicht gleich gesagt, als ich noch in meinem Land war? Du bist ein barmherziger Gott, und ich habe diese ganze Predigtarbeit geleistet, ich habe das alles ordentlich hingekriegt, und du vergibst ihnen dann einfach?’ Das ist das verhärtete Herz, das die Barmherzigkeit Gottes nicht zulassen will. ‚Meine Predigt ist doch wichtiger, was ich denke, ist wichtiger, diese ganze Liste von Geboten, die ich beachten muss, ist doch wichtiger – alles wichtiger als die Barmherzigkeit Gottes!’“
   Ein „Drama“ nannte der Papst dieses Denken. Auch Jesus sei in seinen Streitgesprächen mit Schriftgelehrten immer wieder mit solchen Argumenten konfrontiert worden; die Gelehrten hätten nicht verstanden, warum Jesus Umgang mit Sündern pflegte, sie hätten, so Franziskus, „die Barmherzigkeit nicht verstanden“. Dabei sei die Barmherzigkeit überall dort, wo auch Gott sei – „und wo die Strenge ist, da sind Gottes Diener“, so Franziskus mit einem bitteren Bonmot des heiligen Ambrosius. Die „Dickköpfigkeit fordert die Mission heraus, fordert die Barmherzigkeit heraus“.
   „An der Schwelle des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit bitten wir den Herrn, dass er uns verstehen lasse, wie sein Herz ist! Was Barmherzigkeit bedeutet. Was es bedeutet, wenn er sagt: ‚Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!’ Wir beten in der Messe den schönen Satz ‚Gieße deine Barmherzigkeit über uns aus’ – denn die Barmherzigkeit Gottes versteht man nur, wenn wir – unsere Sünden, unser Elend – von ihr überschüttet worden sind.“ Rv151006

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Familien-Synode: „Es braucht die Offenheit zu lernen“, sagt Kardinal MarxFoto:  Bischöfliche Teilnehmer aus der deutschen Ortskirche: Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof Heinrich Koch und Bischof Franz-Josef Bode

   Eine Synode braucht die Auseinandersetzung. Das sagte Bischof Franz-Josef Bode, einer der Synodenväter aus Deutschland, am ersten Arbeitstag der Versammlung im Vatikan. Dass es bei der Synode zu Ehe und Familie stark voneinander abweichende Meinungen gebe, sei „kein Geheimnis“, so Bode bei einem Pressegespräch, das alle deutschen Teilnehmenden der Synode gemeinsam am Montagabend am Camposanto im Vatikan gaben. Vor allem auch in den Arbeitskreisen kämen die geäußerten Meinungen konstruktiv zur Sprache. Bischof Bode verwies auf die deutschsprachige Synoden-Arbeitsgruppe, der neben den aus Deutschland angereisten Teilnehmenden auch die Kardinäle Gerhard Ludwig Müller und Walter Kasper angehören. „Da werden wir in interessante Dispute kommen“, so Bischof Bode. Es gelte, um Inhalte „auch zu ringen“.
„Synode verlangt von Synodenvätern die Offenheit zu lernen“
   Aus Sicht von Kardinal Reinhard Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, agieren bei der Synode keineswegs zwei schroff voneinander abgesetzte Blöcke. Es sei „mediale Inszenierung zu sagen, hier stehen sich zwei unversöhnliche Lager wie zwei D-Züge gegenüber“, so der Kardinal. Erzbischof Heiner Koch von Berlin ergänzte, „wenn es Gruppen gibt, dann mehr als zwei“. Er setze sehr auf den Gesprächsprozess in den Sprachgruppen, bei denen 13 Sitzungen zu je mindestens zwei Stunden angesetzt seien; Koch, der 2012 an der Synode zur Neuevangelisierung teilgenommen hatte, würdigte den Ausbau dieser Gesprächszeit in den Arbeitsgruppen zu Lasten der Gesprächszeit im Plenum.
   Die Bischöfe Bode, Koch und Marx stimmten darin überein, dass die Synode von den Teilnehmern „Offenheit zu lernen“ verlange. Marx: „Wer in die Synode hineingeht und sagt, wie setze ich meine Position durch, hat nicht verstanden, was eine Synode ist. In einer Synode muss man auch offen sein für neue Formulierungen und neue Wege von allen Seiten und erkennen, was ist uns jetzt aufgegeben, wenn wir zu einem einmütigen Zeugnis kommen wollen. Und darauf vertraue ich, dass das gelingt.“
Marx: Synode muss „zumindest“ auf dem Barmherzigkeits-Niveau des Papstes sein
   Inhaltlich müsse die Synode jedenfalls „zumindest auf dem Niveau dessen“ sein, was Papst Franziskus in seinen Predigten  und  Katechesen  zum  Umgang mit Paaren und  Familien in der Krise gesagt habe, so Kardinal Marx. Mit Blick auf katholische Gläubige, die in einer zivilen Zweitehe leben und nach geltender Lehre das Sakrament der Eucharistie nicht empfangen dürfen, sagte Marx:
    „Wir werden weiter arbeiten dafür, dass das was der Papst in seinen Predigten sagt, dass die Menschen das spüren und erleben und erfahren, dass auch dann, wenn ihr Leben nicht so verläuft wie sie es eigentlich wollten und sie nicht ohne neue Schuld in das alte Leben zurück können, dass dann die Kirche ganz zu ihnen steht. Was das im Einzelnen heißt pastoral, darüber wird man reden. Aber es ist sehr schwierig, pastoral Menschen zu vermitteln, ihr gehört ganz zu uns, wenn man sie generell und ohne Unterschied an jedem Tag für schwere Sünder hält.“
    Kardinal Marx beklagte, dass es zwischen der Synode 2014 und der jetzt laufenden „zu wenige organisierte wissenschaftliche Diskurse“ gegeben habe. Für eine allfällige weitere zweistufige Synode wäre es empfehlenswert, „dass in der Zwischenzeit von Rom aus, vom  Synodensekretariat aus, kontrovers-theologisch zwei, drei größere Kongresse stattfinden, um die verschiedenen Meinungen zu prüfen, die aufgetreten sind.“ Er erwarte sich von Bischöfen, dass sie sich über neuere Entwicklungen in der Theologie jeweils informieren „und nicht nur einfach das wiederholen, was sie immer schon seit dem Studium vorgebracht haben“. RV151005no

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 Papst zum Auftakt der Synode: „Gott ist größer als unsere Logik“
Foto: Papst Franziskus in der vatikanischen Synodenaula

Kein Debattierklub, sondern Handlungsraum des Heiligen Geistes:
   Was die Synode ist und was sie nicht ist, hat Papst Franziskus den Teilnehmenden der Synode 2015 zu Ehe und Familie in seiner Eröffnungsansprache dargelegt. Er ermunterte zu offenem Reden, inhaltliche Fragen nahm er nicht vorweg. Der Papst lud namentlich die Bischöfe dazu ein, nicht den Mut zu verlieren, weder „angesichts der Verführungen der Welt“ noch „angesichts der Verhärtung einiger Herzen, die trotz guter Absichten die Menschen von Gott entfernen“. Das Glaubensgut der Kirche sei „kein Museum“, sondern eine „lebendige Quelle“. In den kommenden drei Wochen wird Franziskus an allen Tagen der Plenardebatten als Hörender anwesend sein, aber nicht mehr selbst das Wort ergreifen.

   Die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode tagt bis 24. Oktober zum Thema
„Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“.

„Kein Kongress, kein Sprechzimmer, kein Parlament"
   „Die Synode ist, wie wir wissen, ein Miteinander-Gehen im Geist der Kollegialität und der Synodalität“ begann Franziskus seine Rede und benannte als die richtigen Herangehensweisen Freimut „Parrhesia“, pastoralen und doktrinalen Eifer, Klugheit und Aufrichtigkeit. Die Synode sei  „kein Kongress, kein Sprechzimmer, kein Parlament oder Senat, wo man sich ins Einvernehmen setzt. Nein, die Synode ist ein kirchlicher Ausdruck, das heißt, die Kirche, die miteinander unterwegs ist, um die Wirklichkeit mit den Augen des Glaubens und dem Herzen Gottes zu lesen; es ist die Kirche, die sich über die Treue zum Glaubensgut befragt, das für sie kein Museum ist, das es anzuschauen oder bloß zu bewahren gälte“. Vielmehr sei das Glaubensgut „eine lebendige Quelle, an der die Kirche ihren Durst stillt, um den Durst des Lebensgutes zu stillen und zu erleuchten.“
Hören auf den Gott, der sich den Kleinen offenbart
   Franziskus beschrieb auch den Raum, den die Bischofsversammlung und in ihr die Bischöfe in der Kirche einnehmen. „Notwendigerweise“, so der Papst, sei die Synode der Kirche und dem Heiligen Volk Gottes eingeschrieben, „dem wir  als Hirten, das heißt als Diener angehören“. Darüber hinaus sei die Synode „ein geschützter Ort, wo die Kirche das Wirken des Heiligen Geistes erfährt. In der Synode spricht der Geist durch die Sprache aller Menschen, die sich von Gott leiten lassen, von Gott, der immer überrascht, von Gott, der sich den Kleinen offenbart in den Dingen, die er den Wissenden und den Intelligenten verbirgt; von Gott, der das Gesetz des Sabbat für den Menschen schuf und nicht umgekehrt; von Gott, der die 99 Schafe zurücklässt, um das einzige verirrte Schaf zu suchen; von Gott, der immer größer ist als unsere Logiken und unsere Rechnungen.“
Leben bringen statt Museum hüten
   Die Synode könne freilich nur dann „ein Wirkungsraum des Heiligen Geistes“ sein, wenn die Teilnehmer „apostolischen Mut, evangelische Demut und vertrauensvolles Gebet“ übten, fuhr der Papst fort. Der apostolische Mut ängstige sich „weder vor den Verführungen der Welt, die in den Herzen der Menschen das Licht der Wahrheit zu ersticken drohen“, noch vor „der Verhärtung einiger Herzen, die trotz guter Absichten die Menschen von Gott entfernen“. Apostolischer Mut sei es, „Leben zu bringen und nicht aus unserem christlichen Leben ein Museum der Erinnerungen zu machen“.
Wider das Gefühl der Überlegenheit
   Evangelische Demut hingegen bedeute, „sich von den eigenen Vorurteilen zu befreien“, den Brüdern im Bischofsamt zuzuhören und „sich mit Gott anzufüllen“. Im Umgang mit Gläubigen verhelfe eine solche Haltung der evangelischen Demut dazu, „nicht mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, um sie zu verurteilen, sondern sie an der Hand zu nehmen und ihnen aufzuhelfen, ohne sich ihnen jemals überlegen zu fühlen“.
   Das „vertrauensvolle Gebet“ sei „das Handeln des Herzens, wenn es sich Gott öffnet, wenn wir alle unsere Stimmungen zum Schweigen bringen, um die leise Stimme Gottes zu hören, der in der Stille spricht“.
   Und, wie der Papst vor den Synodenteilnehmern ausspricht: „Wenn wir nicht auf Gott hören, werden unsere Wörter bloß Wörter sein, die nicht den Durst stillen und nicht helfen. Wenn wir uns nicht vom Geist leiten lassen, werden unsere Entscheidungen bloß Ornamente sein, die, anstatt das Evangelium zu verherrlichen, es bedecken und verstecken.“
Papst dankt auch den Journalisten
   Zum Abschluss seiner Eröffnungsansprache bedankte sich der Papst nicht nur bei den Synodenvätern und den anderen Teilnehmenden einschließlich der Hörer und Hörerinnen, sondern auch bei den Journalisten, die über die Synode von Rom aus oder von fern berichten. „Danke für eure leidenschaftliche Teilnahme und eure bewundernswerte Aufmerksamkeit“, so Papst Franziskus.  
Petra Buch: „Am Ende mehr als Ergebnis als von manchen befürchtet“
   Das Ehepaar Aloys und Petra Buch aus dem Bistum Aachen nimmt als eines von 17 eingeladenen Ehepaaren an der Synode teil. Auch die Buchs können der Auseinandersetzung als Arbeitsmittel der Synode viel abgewinnen. Der Papst habe alle Teilnehmenden darum gebeten, „in aller Freiheit und ohne Angst zu reden“, hob Petra Buch hervor. „Wenn das in dieser Weise weitergeht, bin ich sehr optimistisch, dass in diesem offenen Dialog am Ende mehr als Ergebnis stehen wird als von manchen befürchtet.“ Aloys Buch sieht in der leidenschaftlich vorgetragenen Meinung bei der Synode eine Bestätigung dafür, dass „hier Themen unter den Nägeln brennen“, etwa auch die Frage, wie Familie überhaupt noch funktionieren kann unter den heutigen Bedingungen. Es sei „klar, dass Katholiken das im Frieden miteinander, aber doch auch streitig austragen“.rv150006

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Baby an Bord, auch in der Synodenaula

   Diese Synode ist voller Überraschungen und Premieren. Wer denkt, dass in der Synodenaula nur Erwachsene sitzen, liegt falsch. Denn unter den 370 Synodalen, die in den nächsten drei Wochen um Lehre und Pastoral ringen, hat sich auch ein Kleinkind eingereiht, wie viele Agenturbilder zeigten. Der kleine heißt Davide, seine Eltern stammen aus Italien und arbeiten in Belgien. Die Visitenkarte des Paares zeigt ihren ganzen Stolz: 13 Kinder und eines sitzt in den nächsten drei Wochen mitten unter Bischöfen, Kardinälen und dem Papst. Rv151006katholisch

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Synodenväter für bessere Ehevorbereitung  -  Es gibt viele verschiedene Gesprächsthemen bei der Synode

   „Man muss die Familie heute sozusagen noch einmal neu gründen!“ Das sagt der brasilianische Kardinal Odilo Scherer, Erzbischof von Sao Paolo und einer der Synodenväter. „Die guten Gründe, die die Kirche für das Eingehen einer Ehe und das Gründen einer Familie sieht, ziehen heute bei den Menschen weitgehend nicht mehr. Die Leichtigkeit, mit der man sich heute scheiden lassen kann, macht das Reden von der Unauflöslichkeit der Ehe hohl; dasselbe gilt für die Bekräftigung, dass man nur einen einzigen Partner heiraten kann, wo es doch heute so leicht ist, mehr als eine Beziehung gleichzeitig zu führen. Das wird ja in einigen Ländern von der Gesetzgebung sogar noch gefördert, so dass wir da fast mit einer legalisierten Polygamie konfrontiert sind!“
   Auch der Hinweis auf die Fruchtbarkeit einer Ehe, auf ihre Offenheit für das Leben, verfange heute bei vielen nicht mehr, weil sich Kinder ja mittlerweile im Reagenzglas zeugen ließen, so Kardinal Scherer. Traditionelle Werte im Bereich Ehe und Familie lägen damit weitgehend am Boden. „Darum brauchen wir eine neue Form, um Sensibilität und Aufmerksamkeit für diese Werte zu schaffen, damit man sie wieder buchstäblich wert-schätzen kann.“ Und darum ist es nach Ansicht des Kardinals alles andere als hilfreich, die Thematik der Synode engzuführen auf Reizthemen wie wiederverheiratete Geschiedene oder den Umgang mit Homosexuellen. „Die Synode beschäftigt sich mit sehr viel weiteren Fragestellungen, sie versucht, die Realität von Familie aus sehr breitem Blickwinkel zu behandeln. In meiner Sprachgruppe zum Beispiel ging es jetzt sehr intensiv um die Frage des Lebensendes, um die alleingelassenen älteren Menschen, um Drogen. Aber wir haben durchaus auch über den Fall gesprochen, dass ein Familienmitglied homosexuell ist: Wenn ein Sohn der Familie auf einmal seine Homosexualität entdeckt und ihm das zu schaffen machen, wie sollte die Familie damit umgehen?“
„Wir navigieren auf offenem Meer“
   Der sizilianische Kardinal Montenegro bestätigt gegenüber Radio Vatikan, dass die Synodenväter nicht in die Falle der Medien laufen. Sie seien keineswegs dabei, sich nur über zwei, drei Reizthemen zu zanken. „Nein – auch von der Diskussion her, mit der wir angefangen haben, zeigt sich: Wir navigieren auf offenem Meer und nicht in einem vorgegebenen Kanal!“ Apropos Kanal: Dass im Kanal von Sizilien weiterhin Flüchtlingsdramen stattfinden (die Insel Lampedusa gehört zu seinem Erzbistum), hat Montenegro auf der Synode schon zum Thema gemacht. „Das Thema Flüchtlinge wird ja auch schon im Instrumentum Laboris (im Grundlagendokument dieser Synode) behandelt. Die Welt der Migration hat tatsächlich sehr viel mit dem Thema Familie zu tun, denn da gehen Familien zu Bruch, weil jemand sich zum Weggang entscheidet und dann hier bei uns landet. Familien, die dann zerbrochen bleiben – da muss die Kirche helfen, damit sich die Familie wieder zusammensetzt und ihren Frieden findet. Wir kümmern uns in Europa im Moment vor allem um die Erstaufnahme: Ich gebe dir ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen. Dabei wäre es sehr wichtig, dass man versucht, die übrigen Familienmitglieder nachzuholen, damit sie wieder ein gemeinsames Leben aufnehmen können.“
   Viel ist auch bei dieser Synode vom spezifischen Blickwinkel der afrikanischen Teilnehmer die Rede. Einer von ihnen ist Bischof Rafael Nyrabukeye aus Guinea, der im Gespräch mit uns von einem dramatischen Niedergang von Ehe und Familie in Guinea berichtet. „Die Scheidungen sind unser Hauptproblem. Es gibt immer mehr geschiedene Katholiken. Ein spezielles Problem dabei sind die religiös gemischten Ehen – nicht nur zwischen Christen unterschiedlicher Konfession, sondern auch zwischen Muslimen und Katholiken. In der Regel sind es muslimische Männer, die katholische Frauen heiraten; und manchmal nimmt sich so ein muslimischer Mann dann noch eine Nebenfrau, womit seine katholische Ehefrau natürlich nicht einverstanden sein kann. In der Regel ist die Scheidung die Folge.“
   Bischof Nyrabukeye und viele Amtskollegen, die er aus anderen Ländern Afrikas kennt, setzen vor allem auf eine verbesserte Ehevorbereitung: intensivere Kurse für künftige Ehepartner. „Wie ist es möglich, dass man sieben Jahre oder länger studieren muss, um Priester zu werden, aber die Vorbereitung aufs Heiraten braucht nur drei Monate? Man braucht also eine sehr solide Vorbereitung!“ Das betont auch der italienische Kurienkardinal Giuseppe Versaldi – aber aus einer ganz anderen Perspektive. „Heute steigt die Zahl der Verfahren zur Ehe-Annullierung, da kann man die Vorbereitung auf die Ehe nicht so lassen, wie sie bisher ist! Denn diese Paare, die unter Mühen und Leiden um eine Annullierung nachsuchen, sind ja dieselben, die man mal – vielleicht allzu geschwind – zum Sakrament der Ehe zugelassen hat, ohne eine Überprüfung oder einen Weg. Es geht nicht darum, Paare vom Ehesakrament auszuschließen, sondern sie besser vorzubereiten, damit sie sich nicht Lasten aufladen, die sie später kaum wieder loswerden.“ Rv151008sk

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Synode: Ein Text wächst -  Viele Texte bei der Synode

   Von außen gesehen ist es das Unspannendste, was man sich vorstellen kann: Textarbeit. Da sitzen also in diesen Tagen die Synodenteilnehmer nach Sprachen aufgeteilt in Gruppen zu etwa zwanzig Leuten und debattieren einen Text.
   Vor ihnen liegt die Arbeitsgrundlage, das Instrumentum Laboris. Der Text selber ist nicht offiziell, sondern ein Arbeitsschritt, und deswegen wird an ihm herumgebaut. Welche Formulierung trifft nicht, welche Realität fehlt, müssen wir nicht insgesamt viel positiver heran gehen, das alles sind Fragen, die ich immer wieder gehört habe.
   Das Problem, das immer bei Textarbeit entsteht, ist die Frage der Präzision. Ob nun genau Wort A oder Wort B benutzt wird, daran kann man sich festbeißen. Da aber die meisten Gruppen nicht in der Synoden-Text-Sprache Italienisch tagen, verlieren sich die vielen Nuancen bei der ersten Übersetzung, nicht wenige erfahrene Synodenteilnehmer haben also in ihren Gruppen darauf hingewiesen, dass es sich nicht lohnt, allzu präzise zu sein, wenn nicht klar ist, dass sich diese Präzision nicht auch ins Italienische übersetzen lässt.
   Ein Beispiel gefällig? Aus dem vergangenen Jahr: eine englischsprachige Gruppe machte den Vorschlag, deutlicher zwischen „Matrimony“ und „Marriage“ zu unterscheiden und arbeitete lange dazu. Lange, bis ein anwesender Kardinal die vor allem nordamerikanischen Teilnehmer darauf hinwies, dass nur die englische Sprache diesen Unterschied kennt, der Rest der Welt habe nur ein einziges Wort für diese beiden. Also musste man das wieder lassen.
   Der Ablauf der Synode sieht drei Mal solche Textarbeit vor, zum ersten, zweiten und dritten Teil des Vorbereitungstextes, der zweite Teil beginnt schon Montag. Da es dreizehn Kleingruppen gibt, entstehen so drei Mal dreizehn Texte (die auch veröffentlicht werden). Diese werden in der Aula vorgestellt und gehen dann ohne Debatte in die Redaktionsgruppe, die daraus einen endgültigen Text machen soll, samt Übersetzung und Einarbeitung vielleicht divergierender Festlegungen. Die Synodenteilnehmer dürfen sich dann noch einmal zum Gesamttext äußern, in der Aula oder auch schriftlich, bevor er eine endgültige Form bekommt.
   So in etwa war es auch schon im vergangenen Jahr, und Version für Version ist der Text gewachsen: Erst waren da die Lineamenta genannten Vorbereitungstexte samt Fragebogen Eins, dann der Grundlagentext Instrumentum Laboris, dann die Vorstellung dieses Textes in der Aula (Relatio ante disceptationem), dann die Aussprache im Plenum dazu, dann die Zusammenfassung dieser Aussprache Relatio post disceptationem, dann die Kleingruppenarbeit und dann er Abschlusstext, der nach Abschnitten mit zwei Dritteln Mehrheit verabschiedet wurde.
   Und dann in die zweite Runde, aus diesem Text wurde dann das Instrumentum Laboris für die diesjährige Synode, samt Frageboten Zwei, und wieder gab es eine Vorstellung des Textes. Aber wegen der geänderten Methodik geht es nun jeweils direkt in die Kleingruppen.
   Wie gesagt: das ist wie dem Gras beim Wachsen zuschauen, unspannend. Aber: so entstehen Texte. So wurde beim Konzil gearbeitet (in etwa), so entstehen Texte, die von allen gemeinsam erstellt werden; in einer Spannung zwischen allen einzelnen Beiträgen und der Notwendigkeit einer Redaktion, die nicht alles berücksichtigen kann, um den Text nicht zu einem Buch werden zu lassen, das alles sagt und damit nichts mehr.
   Und dann? Dann bekommt der Papst den Text, um daraus seinen Text zu machen. Eine Synode ist ja ein Beratungsgremium, so wird Papst Franziskus, der die Synode in ihrem Zweijahresablauf einberufen hat, auch das letzte Wort haben. Rv151008ord

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 In der Synodenaula ist auch der Redaktionsleiter von Radio Vatikan Pater Bernd Hagenkord SJ dabei.
Was in den jüngsten Gesprächen wichtig war, lesen Sie hier:

   Mit der ungewöhnlichen Ansprache von Papst Franziskus hat ein Thema Aufmerksamkeit gefunden, das früher wenig Beachtung fand: Die Methode der Debatte. Das Synodensekretariat unter Kardinal Lorenzo Baldisseri hat dem Papst einen Plan vorgelegt, den dieser approbiert hat, damit ist eine Methode vorgegeben, die von der der vergangenen Jahre abweicht.
   Arbeitsgruppen sind das Gebot der Stunde: Im Vergleich zur letzten ordentlichen Versammlung der Bischofssynode vor drei Jahren gibt es mehr Sitzungen in den Kleingruppen, die Bedeutung hat mit der geänderten Methodik also zugenommen.
   Es gibt Einwände: die Stimme aller müsse von allen gehört werden, drei Minuten pro Synodenmitglied seien zu wenig. Die Kleingruppen nähmen von der Zeit weg, in der alle auf alle hören. Ganz auflösen lässt sich diese Spannung nicht, aber der Papst und die Synodenleitung haben sich eindeutig für diese Methode entschieden. Damit ist mehr persönliche Begegnung und - ein Papstwort oberster Wichtigkeit – Dialog möglich. Eine erste Runde findet in dieser Woche statt, zum ersten Teil des Vorbereitungstextes.
   Noch eine zweite Methodenfrage: Es wird keine Zusammenfassung der Plenarsitzungen geben, die dann in den Kleingruppen bearbeitet wird (offizieller Name: relatio post disceptationem). Diese hatte im vergangenen Jahr noch zu sehr viel Auseinandersetzung geführt. Stattdessen wird das Thema wie gesagt in drei Schritten behandelt, jeweils erst im Plenum und dann in den Gruppen. Die Aufteilung auf die drei Wochen der Tagung kann man ganz klassisch mit Sehen - Urteilen - Handeln bezeichnen. Auch hier gibt es Fragen, ob es nicht wichtiger sei, zuerst auf Jesus Christus und seine Lehre zu sehen, bevor man sich der Wirklichkeit zuwendet. Aber auch hier ist die Entscheidung der Synodenleitung und des Papstes eindeutig: erst der Blick auf die Wirklichkeit, dann die „Unterscheidung“ wie es in der geistlichen Sprache heißt: bewerten und schauen mit dem Blick Jesu.
   Seit zwei Tagen sind diese Kleingruppen nun an der Arbeit. Eine der Gruppen tastet sich langsam an das Verfahren heran und liest erst einmal gemeinsam den zu besprechenden Text. Eine andere Gruppe steigt gleich in die Arbeit ein und diskutiert lebhaft erste inhaltliche Punkte. Eine dritte Gruppe sammelt erst einmal Eindrücke aus der Debatte im Plenum, bevor es an den Text geht. Die Herangehensweisen sind verschieden, aber allen Gruppen, die ich besuchen konnte, ist gemeinsam, dass sie um die lange Strecke wissen, die vor ihnen liegt, drei Mal geht es über zwei Tage in diese Gruppen, jeweils mit anderer Textgrundlage.
   Hat die erneuerte Methode Auswirkungen? Sicherlich. Das Gespräch ist intensiver, es gibt weniger vorgelesene Langtexte, dafür mehr kürzere Arbeitstexte, die nicht an Schreibtischen, sondern in Zusammenarbeit entstanden sind. Es geht für die Synodenteilnehmer nicht mehr nur um Zuhören und Abstimmen, sondern um Beteiligung. Und genau das will der Papst.
Aus der Bischofssynode Pater Bernd Hagenkord rv151007

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Erzbischof Heiner Koch: „Ich weiß, dass Homosexuelle ein Wort der Anerkennung erwarten“

   Der Berliner Erzbischof Koch weiß von den Erwartungen in Deutschland. Als Synodenvater bringt er seine Erfahrungen und die Erwartungen aus Deutschland in die Diskussionen ein.
   Homosexuelle erwarten ein Wort der Anerkennung, das sagt der Berliner Erzbischof Heiner Koch. Er sitzt mit seinen deutschen Kollegen gemeinsam in der deutschen Sprachgruppe. Am Freitag berichteten die einzelnen Gruppen von ihren Beratungen der ersten Woche. Die deutsche Gruppe warb für eine nuancierte Wahrnehmung der Wirklichkeit der Familie und der sie umgebenden Kulturen. Ein Synodendokument müsse „die jeweiligen kulturellen Eigenheiten und Unterschiede sachgerecht wahrnehmen“, heißt es in dem Text, der aus der deutschsprachigen Kleingruppenarbeit der ersten Woche hervorgegangen ist. Mit Radio Vatikan sprach Koch über seine Eindrücke der Beratungen.
   Nach Erzbischof Koch zeigt sich bei den Synodenteilnehmern aus verschiedenen Kulturen auch die Unterschiedlichkeit der Probleme. In manchen Ländern wie Eritrea, Irak oder Syrien sei die Familiensituation durch Unterdrückung und Flucht zum Teil deutlich problematischer als etwa in Deutschland. Insgesamt habe er aber den Eindruck, dass sich durch die Synode auch gemeinsame Linien zögen.
   „Die Eindrücke waren schon sehr bunt und das zeigt wie breit gefächert es ist. Aber es gibt auch gemeinsame Richtungen, etwa die Gesellschaft nicht nur pessimistisch und negativ zu sehen, sondern auch als Chance und als Herausforderung. Es zeigt sich auch ein Grundzug: Wir reden gerade in Deutschland sehr viel von Trennung und dem Scheitern von Ehen und wie wir dann damit umgehen. Erst mal müssen wir auch den Menschen vermitteln, warum sie nicht nur heiraten sollen, sondern auch das Sakrament der Ehe spenden sollen. Dass das neu übersetzt und den Menschen nahegebracht werden muss, das scheint eine weltweite Aufgabe zu sein.“
   Gemeinsam mit seinen deutschsprachigen Kollegen plädiert Koch im Synoden-Schlussdokument für einen Abschnitt über „die Schönheit der Ehe und den Auftrag der Ehen und Familien“. Außerdem sollte die Synode einen Dank an Eheleute und Familie aussprechen: einen Dank für ihren Dienst an der Gesellschaft und der Kirche, einen Dank besonders auch an jene, die „in Schwierigkeiten beieinander geblieben sind und so ein sichtbares Zeichen der Treue Gottes geworden sind“.
   Koch geht auch auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften ein, auch sie bräuchten ihre Anerkennungen. Demgegenüber sei die Ehe die Beziehung zwischen Mann und Frau, die der Weitergabe des Lebens diene und in der Gott gegenwärtig sei. Die Ehe sei etwas deutlich anderes als eine gleichgeschlechtliche Beziehung. Aber auch diese Beziehungen haben einen hohen Wert wie Verlässlichkeit und Verbindlichkeit. Koch erinnert sich an seine Zeit als Weihbischof in Köln: „Aus meiner Kölner Zeit kenne ich alte homosexuelle Menschen, die sich auch im Alter, wenn es nichts Begeisterndes mehr gibt, gegenseitig tragen, auch in Krankheit, Demenz und im Sterben. Das ist auch ein hoher Wert, dass sie nicht allein sind.“ Es gebe sicher einige, die sagen, dass diese Beziehungen nichts mit dem kirchlichen Verständnis von Ehe gemeinsam hätten. Und dennoch würde Bischof Koch ganz klar sagen, dass die Frage, wie Kirche mit diesen Menschen und ihren Beziehungen umgeht, für Deutschland nun ansteht: „Ich weiß, dass homosexuelle Menschen auf ein Wort warten, das für sie ein Stück Anerkennung und Achtung ist. Ich glaube nicht, dass sie von uns erwarten, dass wir das bejahen, was alle meinen, nämlich ein Bekenntnis zur Ehe für alle. Mir ist es ein besonderes Anliegen, weil wir auch in Berlin homosexuelle Menschen haben, die sehr stark zu ihrem christlichen Glauben stehen und dafür von ihren homosexuellen Gemeinschaften scharfe Kritik und Vorhaltungen bekommen, wie sie eigentlich als Homosexuelle noch mit dieser Kirche verbunden bleiben. Diese Menschen möchte ich stärken und nicht enttäuschen.“
   Ob die Sicht der deutschen Gruppe auf Homosexualität von den anderen Synodenteilnehmern angenommen wird, muss sich zeigen. Letztlich müsse ohnehin der Papst entscheiden, welche der vorgeschlagenen Punkte im Schlussdokument er aufgreife und welche nicht. Koch ist zuversichtlich, dass die Synode das Papier in einer großen Einmütigkeit und Verbundenheit – auch mit unterschiedlichen Standpunkten vorgelegt werde. Es sei aber auch zu überlegen, ob die kulturell sensiblen Dinge immer zentral geregelt sein müssen, merkt Koch an. Für den neuen Berliner Bischof müssen die theologischen Grundlagen überall gleichsein, das stehe außer Frage. Denn das Kirche weltumfassend ist, sei ihr großer Pluspunkt. Die Loyalität mit dem Papst und der Kirche werde für Koch immer bleiben. „Aber man muss sich auch fragen, welche Dinge vor Ort vielleicht auch unterschiedlich geregelt werden können, weil die Situation ganz unterschiedlich ist. Die Frage zum Beispiel, ob es möglich ist, jemanden trotz eines Bruches seiner Ehe zur Eucharistie zuzulassen oder ob er ein Leben lang ausgeschlossen bleiben muss, bis sein Partner stirbt. Das sind Fragen, die grundsätzlich geklärt werden müssen. Wenn man nachher sagt, wir müssen Einzelfallbetrachtungen ansehen, weil es wirklich ganz unterschiedliche Situationen gibt, dann schlage ich vor, dass man auch überlegt, wie man das in den einzelnen Teilen unterschiedlich regelt.“
   Eine längere Passage ihres Textes widmet die von Kardinal Christoph Schönborn moderierte deutsche Sprachgruppe dem Stil eines Synodendokuments. Es sollten eine „positive, die christliche Position entfaltende Sprache“ verwendet werden und auch positive Entwicklungen der Gesellschaft aufgegriffen werden. „Der Wunsch ist in unserem Sprachzirkel sehr deutlich herausgekommen: Wir müssen wieder zündend und einladend in einer pluralen Gesellschaft sagen, was für uns Ehe und Familie ist. Und dass es nicht ein katholisches Sondergut ist, sondern eine lebensbedeutsame Hilfe und Lebensqualität ist auch für Menschen, die diesen Glauben nicht teilen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es hier nicht um eine Ordnungsfrage oder eine soziologische Frage geht, um Tradition und Brauchtum, sondern wirklich um ein Stück gelingendes Leben. Diese Grundsehnsucht liegt in jedem Menschen: Ich möchte lieben und ich möchte geliebt werden - bedingungslos und ohne Einschränkung. Ich muss nicht die Angst haben, dem anderen irgendwann nicht mehr zu genügen. Und ich möchte diese Liebe weitergeben. Auch ein Menschenleben weitergeben.“
   Zugleich darf für Koch nicht vergessen werden, dass Familie mehr ist als Vater Mutter Kind, sondern das gesamte Netz der Verwandtschaft. Und zu diesem Netz gehörten auch die alten Menschen, die es ohne Familie am Schwersten hätten. Auch die Diskussion über Sterbehilfe in Deutschland sei letztlich auch ein Familienthema: „ Wo trägt eine Familie das Sterben ihrer Mitglieder mit? Wir haben da viel zu sagen und dieses kostbare Gut, das wir von Christus empfangen haben und das für alle Menschen offen ist, dürfen wir nicht zurückhalten." Rv151010cz

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Bischöfe: „Gnade bedeutet keine Abkehr von der Lehre“   Foto: Kardinal Oswald Gracias, Erzbischof von Mumbay

   Es sind die zwei Denkschulen, die bei der katholischen Kirche in Bezug auf Ehe und Familie zusammenkommen. Die französischen Sprachgruppen haben am Samstag beim Pressebriefing im Vatikan hervorgehoben, dass sich kirchliche Lehre und die Barmherzigkeit bei den Beratungen gegenüberstanden. Die Bischöfe hätten sich zudem gefragt, was die Kirche in den letzten 50 Jahren unabhängig von „äußeren, feindlichen Kräften“ falsch gemacht habe. Wo lägen die Schwächen der Kirche selbst?
   Die englischsprachigen Bischöfe wiederum betonten bei ihren Beratungen zum zweiten Teil des Synodenpapiers „Instrumtentum Laboris“, dass die Gnade mit Menschen mit sozialen Problemen nicht zwangsläufig eine Abkehr von der kirchlichen Lehre bedeuten müsse. Denn viele Menschen seien schlicht machtlos gegenüber den Schicksalen, die ihnen widerführen. Dennoch habe auch die Gnade bestimmte Regeln. Die Familie sei eine Schule für Ehrlichkeit und Gerechtigkeit. Die Familie sei aber auch Grundlage für organisierte Kriminalität und Diktaturen, denn hier herrsche eine Clan-Struktur und ein hoher Sinn für Loyalität. Umso mehr seien christliche Familien dazu aufgerufen, nach jenen zu schauen, die litten. „Ein Kind, das leidet, ist unser Kind“, so der Sprecher der englischen Sprachgruppen in dem Briefing.
   Er betonte zugleich, dass es eine Verbindung gebe zwischen der Krise der kirchlichen Berufungen und der Krise der katholischen Ehe. Die Ehevorbereitung gelte es besser zu gestalten und man solle dabei stärker als bislang Bezug auf die Heilige Schrift nehmen.
   Am Samstag sprach auch ein indisches Ehepaar zu den Bischöfen. Es war ein interreligiöses Paar, die Frau römisch-katholisch, der Ehemann Hindu. Kardinal Oswald Gracias, Erzbischof von Mumbay, sprach sich wie viele Bischöfe für ein positiveres Familienbild aus, wo nicht nur die Probleme, sondern vor allem die Tiefe, Schönheit und Spiritualität der örtlichen Kirchen und ihren Familien hervorgehoben werde. Auch ältere Menschen verdienten eine Wertschätzung, da sie von der Gesellschaft aus ökonomischer Sicht oft als nutzlos angesehen würden. Dabei sorgten sie sich um die Enkel und deren spirituelle Entwicklung.
   Auf die schwierige Lage der Christen in Indien angesprochen, übte sich der Kardinal in Zuversicht. Leiden und Martyrium gehörten auch zum Christentum dazu, doch die christliche Minderheit existiere nunmehr seit 2.000 Jahren in Indien. „Es ist eben erst Freitag, aber wir hoffen auf den Sonntag“, sagte der Kardinal. Was die Fluchtbewegungen vieler Menschen und auch Christen angehe, betonte Gracias, dass es wichtig sei, den Menschen in ihren Herkunftsländern Bedingungen zu schaffen, dass sie blieben. So ehrbar die Einladung von Franziskus sei, Flüchtlinge aufzunehmen. Es sei auch wichtig, dass die Weltgemeinschaft sich um die Heimatländer der Flüchtlinge kümmere. Rv151010cz

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Einigkeit bei Fragen der Lehre? Gibt es Diskussionsbedarf? Foto: Synodenaula

   Eigentlich gibt es wenig zu debattieren, in Fragen der Lehre sind wir uns doch eigentlich einig. Kardinal Walter Kaspers Worte zu mir heute Morgen könnten, glaube ich, von den meisten hier in der Synodenaula kopfnickend wiederholt werden. Wenn dem also so ist, warum gibt es also Diskussionsbedarf?
Wenn man der Debatte am Freitagnachmittag und Samstagmorgen zugehört hat, dann sind es vor allem drei Dinge.
   Erstens ist es die Frage, wie Gläubige und Familien einbezogen werden können. Den Glauben gibt es ja nicht einfach, sondern er muss gelebt werden. Wie dem geholfen werden kann, das ist ein Thema. Es geht um Dinge wie Familien-Liturgie, um Bildung und Ausbildung. Es geht um den Weg-Charakter der Pastoral, um die göttliche Pädagogik, wie es ein Synodaler ausgedrückt hat. Es also darum, wie der Glaube auch im Familienleben seinen Ort bekommen kann, im Wort, im Gebet, wie auch in Gottesdiensten.
   Zweitens taucht auch hier immer die Frage nach Barmherzigkeit auf. Anders formuliert: Wie reagieren wir mit unserem Glauben auf das Scheitern? Im Vorfeld ist immer wieder von einer Theologie des Scheiterns gesprochen worden, nicht um sie schönzureden, sondern auch um einen theologischen Umgang damit zu finden.
   Drittens wird immer wieder die theologische Aussage besprochen, dass die Familie Bild und Wunsch Gottes sei. Sie sei nicht nur soziologisch zu verstehen, nicht als Ergebnis einer Entscheidung von Menschen entstanden, sondern göttlich gewollt. Immer wieder beziehen sich die Synodalen auf die Schöpfungsberichte und sprechen davon, dass man über etwas spricht, was man nicht in der Hand hat. Mensch ist als Mann und Frau geschaffen, darin erkennt die Kirche den Willen Gottes.
   Dahinter liegt natürlich auch die Beobachtung, dass es einen zunehmenden Abstand gibt zwischen der Familie, die als von Gott in die Schöpfung eingewebt, geglaubt wird, und der Familie und den Beziehungen, wie wir sie in der Welt beobachten. Es ist also die Suche nach einer theologischen Sprache, die treu zum Glauben und gleichzeitig bei den Menschen ist.
   Alles wartet natürlich auf die dritte Woche, das dritte Thema, in dem es um die praktischen Dinge geht, die man unternehmen kann. Die meisten Synodalen wollen auch zu diesem dritten Teil des Instrumentum Laboris sprechen. Aber es ist gut, dass es einen Zwischenschritt gibt, in dem man hier über das spricht, was dem Handeln als Grundlage dient.  Rv Aus der Synodenaula Pater Bernd Hagenkord141010rd

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Synode: Kanadischer Erzbischof regt Frauendiakonat an - Erzbischof Durocher rechts bei der Synode

   Der kanadische Erzbischof Paul-André Durocher (Quebec) hat vor der Weltbischofssynode eine Öffnung des Ständigen Diakonates für Frauen vorgeschlagen. Diese solle sich allerdings nicht auf die Weihestufe, sondern auf das traditionelle frühkirchliche Amt des Diakons beziehen, sagte der frühere Vorsitzende der Kanadischen Bischofskonferenz vor Bischöfen aus aller Welt im Vatikan. Zudem regte Durocher an, über eine Predigterlaubnis für verheiratete Männer und Frauen nachzudenken. Ziel sei es, vor der Gemeinde Zeugnis über ihr Leben als Eltern und Eheleute abzulegen. Die betreffenden Laien müssten dabei gut vorbereitet und geistlich begleitet werden, so der Erzbischof von Gatineau. Rv151009
   Der in London erscheinende „Catholic Herald“ zitiert Erzbischof Durocher: “Ich denke wir sollten wirklich ernstlich damit beginnen, Frauen zu Diakoninnen zu weihen, zumal das Diakonat in der Tradition der Kirche nicht auf den priesterlichen Dienst hingerichtet ist”. Gegenwärtig erlaubt die katholische Kirche nur Männern die Weihe zu Diakonen. Diakone können predigen und die Liturgie der Taufe, Hochzeiten und Beerdigungen leiten; aber sie dürfen nicht das Meßopfer feiern und Beichte hören.
   Zusätzlich zur Berufung zu Diakoninnen schlägt Erzbischof Duroche vor, Frauen sowohl in leitende Stellen der römischen Kurie wie auch auf Diözesanebene zu berufen.
   Eine andere Sache schlägt der Erzbischof von Quebec und ehemaliger Präsident der kanadischen Bischofskonferenz vor: wir sollten die Möglichkeit überdenken, Ehepaaren – Männer und Frauen, die dafür vorbereitet und auch begleitet werden – in den Sonntagsmessen die Predigt zu übertragen, so dass sie Zeugnis geben können von von der Beziehung zwischen dem Wort Gottes und ihrem eigenen Eheleben und dem Leben ihrer Familien”. CH151006CarolGlatz

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Wochenvorschau: Zweite Woche der Weltbischofssynode -  Der Papst unterwegs zur Synodenaula

   Eine weitere arbeitsreiche Woche im Vatikan: Trotz der, bereits seit einer Woche laufenden, Bischofssynode verzichtet Papst Franziskus nicht auch seine morgendliche Messe im Gästehaus Santa Marta. Am Montag und Dienstag tagen auch wieder die 13 nach Sprachen unterteilten Zirkeln der „14. Bischofssynode zum Thema Ehe und Familie“ hinter verschlossenen Türen. Die „Circoli minores“ halten ihre Konferenzen Vormittags (09.00 – 12:30) und Nachmittags (16:30-19:00). Täglich um 13:00 versammeln sich Pressesprecher mit unterschiedlichen Gästen aus der Synodenaula im vatikanischen Pressesaal und liefern den internationalen Medien Zusammenfassungen der besprochenen Punkten, die dem Arbeitspapier der Synode vom Herbst 2014 entnommen werden, und stellen sich den Fragen der internationalen Medien.
   Am Mittwoch hält der Papst, wie gewohnt die Generalaudienz am Petersplatz, während in der Synodenaula bereits an den neuen 13 Dokumenten  - des zweiten Teils des Grundlagentextes – in den Sprachgruppen herumgefeilt wird. Die Ergebnisse der kleinen Sprachgruppen werden wieder in der Synodenaula am Donnerstag von den Synodenväter in den Vormittags- und Nachmittagssitzungen zu präsentiert.
   Am Freitagvormittag kommen in der Synodenaula die ökumenischen Gäste zu Wort und am Nachmittag die geladenen Gäste. Die zweite Woche der Bischofssynode gilt laut Synodenteilnehmer als die spannendste, denn da gehe es um die Glaubenslehre und die pastorale Anwendung, also auch Umsetzung.
   Am Sonntag werden die Eltern der heiligen Theresia von Lisieux, Louis Martin und Zelie Guérin heiliggesprochen. Sie stehen für das Ideal der christlichen Ehe, die ihnen auch in Schicksalsschlägen Halt und Kraft gab. rv151009no

koipRobertSpaemann-Zz    Prof. Robert Spaemann

Dem Zeitgeist die Stirn bieten

   Der deutsche Philosoph Robert Spaemann rät von einer Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion ab. In einem Aufsatz im neuen „Vatican“-Magazin äußert sich Spaemann damit zu einer der auf der vatikanischen Bischofssynode besprochenen Fragen. Er weist darauf hin, dass die katholische Kirche „die einzige Institution der Welt“ sei, „die das vor Gott gegebene (Ehe-) Versprechen“ und die durch dieses Versprechen „entstandene Entität als ein neues Rechtssubjekt ernst nimmt“. Dieses Versprechen könne „niemand, kein Papst, kein Standesamt und auch nicht die Ehepartner selbst“ wieder für nichtig erklären.
   Die Kirche hätte aus Spaemanns Sicht „allen Grund, in der Nachfolge Jesu mit Stolz dem Zeitgeist die Stirn zu bieten, statt nach Schlupfwegen Ausschau zu halten, die die Botschaft verwässern“. Wiederverheiratete Geschiedene wieder zur Eucharistie zuzulassen, wäre so, „als hätte Jesus zur Ehebrecherin gesagt: ‚Ich will dich nicht verurteilen. Sündige fröhlich weiter. Mit der Zeit wird auf deine Beziehung Gottes Segen herabkommen.’“ Natürlich müsse man „Mitchristen in solchen Situationen beistehen, ihnen mit Empathie begegnen“, schreibt der Philosoph. „Die Spendung der Eucharistie aber ohne Reue oder ohne Beseitigung der irregulären Situation wäre eine Versündigung gegen das Sakrament“.
rv151015vatican-magazin  

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Lesen Sie hier den einstimmig beschlossenen Synodenbericht der deutschen Sprachgruppe vom 23. Okt. 2015
Relatio – Circulus Germanicus: Kardinal Christoph Schönborn O.P. -  Relator: Erzbischof Heiner Koch Foto: Mitte

cdChristophSchönborn-z   Kardinal Christoph Schönborn OP, Wien

   Mit großer Betroffenheit und Trauer haben wir die öffentlichen Äußerungen einzelner Synodenväter zu Personen, Inhalt und Verlauf der Synode wahr genommen. Dies widerspricht dem Geist des Zusammengehens, dem Geist der Synode und ihren elementaren Regeln. Die gebrauchten Bilder und Vergleiche sind nicht nur undifferenziert und falsch, sondern verletzend. Wie distanzieren uns entschieden.
   In der deutschen Sprachgruppe war es ein gemeinsames Anliegen, den Titel der
Relatio finalis Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute durch den Untertitel Überlegungen und Vorschläge für den Heiligen Vater, Papst Franziskus zu ergänzen, um so die Einordnung des Textes klar zum Ausdruck zu bringen, der kein Beschlussdokument darstellt. Für die Einleitung regen wir an, auf die weltweiten Umfragen Bezug zu nehmen und Dank und Wertschätzung für sie zum Ausdruck zu bringen.
  
Im Sinn einer deutlicheren Betonung der Familie als Subjekt der Pastoral soll benannt werden, dass christliche Familien berufen sind, das Evangelium von der Ehe, das ihnen anvertraut ist, durch ihr Leben zu bezeugen. Die christlichen Eheleute und Familien sind damit Teil der neuen Familie Christi, seiner Kirche. So dürfen die Eheleute Sakrament sein für die Welt. Die „neue Familie Jesu Christi“, die Kirche, soll die Eheleute zu diesem Zeugnis ermutigen, stärken und befähigen. Dabei lernt die Kirche immer auch selbst von den Lebens- und Glaubenserfahrungen der Eheleute und Familien.
   An dieser Stelle war uns ein Bekenntnis wichtig: Im falsch verstandenen Bemühen, die kirchliche Lehre hochzuhalten, kam es in der Pastoral immer wieder zu harten und unbarmherzigen Haltungen, die Leid über Menschen gebracht haben, insbesondere über ledige Mütter und außerehelich geborene Kinder, über Menschen in vorehelichen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften, über homosexuelle orientierte Menschen und über Geschiedene und Wiederverheiratete. Als Bischöfe unserer Kirche bitten wir diese Menschen um Verzeihung.
   Ausführlich haben wir uns auch über den Zusammenhang von Sprache, Denken und Handeln gerade im Hinblick auf eine humane Gestaltung der menschlichen Sexualität ausgetauscht. Eine angemessene und erneuerte Sprache ist entscheidend vor allem für die Hinführung heranwachsender Kinder und Jugendlicher zu einer gereiften menschlichen Sexualität. Diese ist in erster Linie Aufgabe der Eltern und darf nicht allein dem schulischen Unterricht oder den Medien und sozialen Medien überlassen werden. Vielen Eltern und in der Seelsorge Tätigen fällt es schwer, eine sachgerechte und zugleich respektvolle Sprache zu finden, die die Aspekte der biologischen Geschlechtlichkeit in den Gesamtzusammenhang von Freundschaft, Liebe, bereichernder Komplementarität und gegenseitiger Hingabe von Frau und Mann einordnet.
   Der Arbeitsgruppe war wichtig zu betonen, dass die christliche Überzeugung grundsätzlich davon ausgeht, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen und sie gesegnet hat, damit sie ein Fleisch seien und fruchtbar werden Gen 1,27f; 2,24 Mann- und Frausein sind in ihrer ebenbürtigen personalen Würde wie in ihrer Unterschiedenheit Gottes gute Schöpfung. Nach christlichem Verständnis einer Einheit von Leib und Seele lassen sich biologische Geschlechtlichkeit „sex“ und sozio-kulturelle Geschlechtsrolle „gender“ zwar analytisch voneinander unterscheiden, aber nicht grundsätzlich oder willkürlich voneinander trennen. Alle Theorien, die das Geschlecht des Menschen als nachträgliches Konstrukt ansehen und seine willkürliche Auswechselbarkeit gesellschaftlich durchsetzen wollen, sind als Ideologien abzulehnen. Die Einheit von Leib und Seele schließt ein, dass das konkrete soziale Selbstverständnis und die soziale Rolle von Mann und Frau in den Kulturen verschieden ausgeprägt und einem Wandel unterworfen sind. Daher ist das Bewusstwerden der vollen personalen Würde und der öffentlichen Verantwortung der Frauen ein positives Zeichen der Zeit, welches die Kirche wertschätzt und fördert Johannes XXIII. Pacem in terris 22
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Wir haben über den Zusammenhang, von Tauf- und Ehesakrament und der Notwendigkeit des Glaubens gesprochen.
   Das katholische Glaubensbekenntnis zur Ehe gründet auf den Worten des Herrn in der Heiligen Schrift und der Apostolischen Tradition und wurde durch das Lehramt in seiner Substanz treu bewahrt. Dennoch gibt es in der theologischen Ausarbeitung Spannungen zwischen dem dogmatischen, moraltheologischen und kanonistischen Zugang, die in der pastoralen Praxis zu Schwierigkeiten führen können.
   So muss das Axion „Jeder Ehevertrag unter Christen ist per se ein Sakrament“ neu bedacht werden. In nicht mehr homogenen christlich Gesellschaften oder Ländern mit unterschiedlichen kultureller und religiöser Prägung kann ein christliches Verständnis der Ehe auch bei Katholiken nicht ohne weiteres vorausgesetzt werden. Ein Katholik ohne Glauben an Gott und seine Offenbarung in Jesus Christus kann nicht automatisch eine sakramentale Ehe vollziehen ohne oder sogar gegen sein Wissen und seinen Willen. Es fehlt die Intention, wenigstens das mit diesem Geschehen zu wollen, was die Kirche darunter versteht. Zwar kommen die Sakramente nicht durch den Glauben des Empfängers zustande, aber auch nicht ohne ihn oder gar gegen ihn; zumindest bleibt die Gnade unfruchtbar, weil sie nicht mit dem Glauben, der durch die Liebe bestimmt ist, frei willentlich aufgenommen wird.
   Auch stellt sich die Frage bei unseren Mitchristen, die ihrem Bekenntnis gemäß die Sakramentalität der Ehe (mit ihren darauf sich ergebenden Wesenseigenschaften) ablehnen, ob ihrer Glaubensüberzeugung entgegen eine sakramentale Ehe zustande gekommen ist. Das würde nicht bedeuten, dass man von katholischer Seite die Legitimität nicht-katholischer Ehen bestreitet oder auch das Gnadenwirken Gottes in nichtsakramentalen Ehen in Frage stellen würde. Wir erkennen die Vielfalt der Studien zu dieser Frage an und empfehlen ein vertieftes Studium dieser Fragen mit dem Ziel einer lehramtlichen Neubewertung und einer größeren Kohärenz der dogmatischen, moraltheologischen und kanonistischen Aussagen zur Ehe mit der pastoralen Praxis.
   Eine Ergänzung haben wir zu den interkonfessionellen Ehen: Im Hinblick auf das Thema der interkonfessionellen Ehe müssen vor allem die positiven Aspekte und die besondere Berufung einer solchen Ehe erwähnt werden, da die nicht katholischen Christen keineswegs außerhalb der Einen Kirche stehen, sondern ihr durch die Taufe und eine gewisse wenn auch unvollständige Gemeinschaft mit der katholischen Kirche angehören vgl. UR 3. Auch die interkonfessionelle Ehe ist als Hauskirche anzusehen und hat eine spezifische Berufung und Aufgabe, die im Austausch der Gaben innerhalb des Ökumenismus des Lebens besteht.
   Im Hinblick auf die Bedeutung der Familie in Gesellschaft und Staat, unterstrich die Arbeitsgruppe als Ausgangspunkt, dass Ehe und Familie dem Staat vorausgehen. Sie sind Grundlage und „Lebenszelle der Gesellschaft“ AA 11. Ohne Familien kann kein Gemeinwesen bestehen. Deshalb ist das politische Gemeinwesen verpflichtet, alles zu tun, um diese „Lebenszelle“ zu ermöglichen und dauerhaft zu fördern. Die immer wieder beklagte „strukturelle Rücksichtslosigkeit“ gegenüber Familien ist zu überwinden. Mittel dazu sind vor allem der Zugang zu Wohnung und Arbeit, die Ermöglichung von Bildung und Kinderbetreuung sowie ein fairer Familienleistungsausgleich in der Steuergesetzgebung, der das, was Familien der Gesellschaft geben, in gerechter Weise anerkennt. Es muss klar sein: Nicht die Familie hat sich wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen, sondern umgekehrt. Der Einsatz für die Familie steht im Zentrum der Katholischen Soziallehre, die ein unverzichtbarer Teil der kirchlichen Verkündigung und der Evangelisierung ist. Alle Christen sind aufgerufen, sich im Feld der politischen Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu engagieren und so zu helfen, dass Familien besser leben und sich entfalten können. Dabei muss die Politik besonders das Prinzip der Subsidiarität beachten und darf die Rechte der Familien nicht einschränken. Hier ist an die „Charta der Familienrechte“ zu erinnern. Die Kirche insgesamt soll sich mit ihrem Engagement im Bereich von Familienbildung, Kindergärten, Schulen, Beratungsstellen, Einrichtungen der Familienhilfe aktiv und exemplarisch einbringen.
   Im Hinblick auf die Ehevorbereitung war es der Arbeitsgruppe ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass ein kurzes Gespräch oder eine knappe Einführung hier nicht ausreichen. Da viele Brautleute nicht auf eine vom Glauben geprägte Erziehung aufbauen können, wird die Einführung eines Ehekatechumenats dringend empfohlen, das wenigstens einige Monate dauert, um wirklich zu einem reifen, vom Glauben getragenen Ja-Wort zu kommen, das auch um die Endgültigkeit des Ehebundes weiß und auf die Treue Gottes vertraut.

   Auch der Aspekt der verantworteten Elternschaft war einer der zentralen Gesprächsgegenstände der Arbeitsgruppe. Nach der Schöpfungsordnung Gottes sind die eheliche Liebe von Mann und Frau und die Weitergabe des menschlichen Lebens aufeinander hingeordnet. Gott hat Mann und Frau zur Teilnahme an seinem schöpferischen Wirken und gleichsam zu Interpreten seiner Liebe berufen und die Zukunft der Menschheit in ihre Hände gelegt. Diesen Schöpfungsauftrag sollen Mann und Frau im Sinn einer verantworteten Elternschaft verwirklichen. Sie sollen sich im Angesicht Gottes unter Erwägung ihrer gesundheitlichen, wirtschaftlichen, seelischen und sozialen Situation, ihres eigenen Wohles und des Wohles ihrer Kinder, wie des Wohles der Gesamtfamilie und der Gesellschaft ein Urteil über Zahl und zeitlichen Abstand ihrer Kinder bilden GS 50. Dem personalen und menschlich ganzheitlichen Charakter der ehelichen Liebe entsprechend ist der rechte Weg der Familienplanung das einvernehmliche Gespräch der Eheleute, die Rücksicht auf den Rhythmus und der Respekt vor der Würde des Partners. In diesem Sinn sollen die Enzyklika Humanae vitae (10-12) und das Apostolische Schreiben Familiaris consortio (14,28-35) neu erschlossen werden und entgegen einer oft lebens- und teilweise kinderfeindlichen Mentalität die Bereitschaft zu Kindern geweckt werden.
  
Immer wieder sollen junge Eheleute ermutigt werden, Kindern das Leben zu schenken. Damit wächst die Offenheit für das Leben in Familie, Kirche und Gesellschaft. Dabei kann die Kirche durch ihre zahlreichen Einrichtungen für Kinder zu einer höheren Kinderfreundlichkeit in Gesellschaft, aber auch in der Kirche beitragen. Die Wahrnehmung der verantworteten Elternschaft setzt die Bildung des Gewissens voraus. Das Gewissen ist „die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem Innersten zu hören ist“ GS 16. Je mehr sich Eheleute auf den Weg machen, um im Gewissen auf Gott zu hören und je mehr sie sich dabei geistlich begleiten lassen, umso mehr werden sie in ihrer Entscheidung innerlich frei von affektiver Neigung und von Anpassung an Verhaltensweisen ihrer Umwelt. Um diese Freiheit des Gewissens willen weist die Kirche aufgezwungene staatliche Maßnahmen zugunsten von Empfängnisverhütung, Sterilisation oder gar Abtreibung mit aller Kraft zurück.
   Wir haben ausführlich diskutiert über die
Integration der zivil wiederverheiratet Geschiedenen in die kirchliche Gemeinschaft.
   Es ist bekannt, dass in beiden Sessionen der Bischofssynode intensiv über die Frage gerungen wurde, ob und in wie weit wiederverheiratete Geschiedene, wenn sie am Leben der Kirche teilnehmen wollen, unter bestimmten Voraussetzungen die Sakramente der Buße und der Eucharistie empfangen können. Die Debatten haben gezeigt, dass es hier keine einfachen und generellen Lösungen gibt. Wir Bischöfe haben die mit diesen Fragen verbundenen Spannungen ebenso erlebt wie vieler unseren Gläubigen, deren Sorgen und Hoffnungen, Warnungen und Erwartungen uns in unseren Beratungen begleitet haben.
   Die Diskussionen zeigen deutlich, dass es einiger Klärungen und Vertiefungen bedarf, um die Komplexität dieser Fragen im Licht des Evangeliums, der Lehre der Kirche und mit der Gabe der Unterscheidung weiter zu vertiefen. Einige Kriterien können wir freilich nennen, die zu Unterscheidung helfen. Das erste Kriterium gibt der heiligen Papst Johannes Paul II. in FC 84, wenn er dazu einlädt: „Die Hirten mögen beherzigen, dass sie um der Liebe willen zur Wahrheit verpflichtet sind, die verschiedenen Situationen gut zu unterscheiden. Es ist ein Unterschied, ob jemand trotz aufrichtigen Bemühens, die frühere Ehe zu retten, völlig zu Unrecht verlassen wurde oder ob jemand eine kirchlich gültige Ehe durch eigene schwere Schuld zerstört hat. Wieder andere sind eine neue Verbindung eingegangen im Hinblick auf die Erziehung der Kinder und haben manchmal die subjektive Gewissensüberzeugung, dass die frühere, unheilbar zerstörte Ehe niemals gültig war.“ Es ist deshalb Aufgabe der Hirten, zusammen mit dem Betroffenen diesen Weg der Unterscheidung zu gehen. Dabei wird es hilfreich sein, gemeinsam in ehrlicher Prüfung des Gewissens Schritte der Besinnung und der Buße zu gehen. So sollten sich die geschieden Wiederverheirateten fragen, wie sie mit ihren Kindern umgegangen sind, als die eheliche Gemeinschaft in die Krise geriet? Gab es Versuche der Versöhnung? Wie ist die Situation des verlassenen Partners? Wie ist die Auswirkung der neuen Partnerschaft auf die weitere Familie und die Gemeinschaft der Gläubigen? Wie ist die Vorblidwirkung auf die Jüngeren, die sich auf die Ehe entscheiden sollen? Eine ehrliche Besinnung kann das Vertrauen in die Barmherzigkeit Gottes stärken, die niemanden verweigert wird, der sein Versagen und seine Not vor Gott bringt.
   Ein solcher Weg der Besinnung und der Buße kann im forum internum
, im Blick auf die objektive Situation im Gespräch mit dem Beichtvater, zur persönlichen Gewissensbildung und zur Klärung beitragen, wie weit ein Zugang zu den Sakramenten möglich ist. Jeder muss sich selber prüfen, gemäß dem Wort des Apostels Paulus, das für alle gilt, die sich dem Tisch des Herrn nähern: „Jeder soll sich selber prüfen: erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wenn ihr davon isst und trinkt ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, in dem er isst und trinkt…Gingen wir mit uns selbst ins Gericht dann werden wir nicht gerichtet“ (1 Kor 11, 28-31).
  Die Modi zum 3. Teil des Instrumentum Laboris wurden ebenso wie die Modi zu den beiden ersten Teilen, im guten synodalen Geist bearbeitet und einstimmig beschlossen.
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Papst lobt „lebhafte, offene Diskussion“ der Synode Foto: Nach der Synode: Der Papst verlässt die Aula

   „Die erste Pflicht der Kirche besteht nicht darin, Verurteilungen auszusprechen, sondern darin, die Barmherzigkeit Gottes zu proklamieren, zur Umkehr aufzurufen und alle Menschen zum Heil des Herrn zu führen“: Das sagte Papst Franziskus in seiner Schlussansprache der Bischofssynode. Unmittelbar nach der Verabschiedung des Synoden-Schlußdokuments durch die Teilnehmer der Familiensynode am Samstagabend lobte er in der Synodenaula, die dreiwöchigen Beratungen hätten „Zeugnis von der Lebendigkeit der katholischen Kirche gegeben“.
   Die Kirche habe „keine Angst, die betäubten Gewissen aufzurütteln oder sich die Hände schmutzig zu machen, indem sie lebhaft und offen über die Familie diskutiert“. Auffallend sei, „dass das, was dem Bischof von einem Kontinent normal vorkommt, dem Bischof eines anderen Kontinents seltsam, fast skandalös erscheinen kann“, bemerkte Franziskus. Offiziell geht die Synode mit einer feierlichen Messe am Sonntag auf dem Petersplatz zu Ende.
„Den Kopf nicht in den Sand stecken“
   Er habe darüber nachgedacht, „was es für die Kirche bedeuten wird, diese Synode zum Thema Familie zu einem Abschluss gebracht zu haben“, so der Papst. „Sicher bedeutet es nicht, mit allen Themen rund um die Familie jetzt abgeschlossen zu haben.“ Stattdessen se es darum gegangen, „sie mit dem Licht des Evangeliums, der Tradition und der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche zu erleuchten“. Wichtig sei gewesen, „nicht einfach nur zu wiederholen, was sowieso nicht verhandelbar oder längst gesagt war“.
   Die Synode habe keineswegs „umfassende Lösungen für alle Schwierigkeiten und Zweifel“ im Bereich Ehe- und Familienpastoral gesucht, „sondern diese Schwierigkeiten und Zweifel vielmehr ins Licht des Glaubens gerückt und aufmerksam untersucht“. Das sei „furchtlos und ohne den Kopf in den Sand zu stecken“ geschehen. Franziskus bekräftigte, die Ehe sei der Bund „von Mann und Frau, gegründet auf Einheit und auf Unauflöslichkeit“.
   In einem „historischen Moment der Entmutigung und Krise“ habe die Synode „die Realität, besser gesagt die Realitäten von heute mit den Augen Gottes“ zu lesen versucht. Das Evangelium bleibe für die Kirche „die lebendige Quelle ewiger Neuheit“. Dies richte sich gegen denjenigen, der die Frohe Botschaft „zur Indoktrination benutzen und zu Steinen machen will, die man auf andere Menschen wirft“, so Franziskus. Auch „hinter den Lehren der Kirche oder hinter den guten Absichten“ verbärgen sich leider viele „verschlossene Herzen“; doch die Kirche gehöre „den Armen im Geiste und den Sündern, die nach Vergebung suchen, nicht nur den Gerechten und Heiligen“.
Gegen „Hermeneutik der Verschwörung“
   Mit deutlichen Worten wandte sich Papst Franziskus gegen „jede Hermeneutik der Verschwörung oder des Verengens der Perspektive“. „Auf dem Weg dieser Synode konnten die verschiedenen Meinungen frei ausgedrückt werden; leider geschah das manchmal mit nicht ganz wohlmeinenden Methoden!“ Diese Rüge dürfte manchem Missklang aus dem medialen Begleitkonzert der Bischofssynode gegolten haben. Auf Einzelheiten ging Franziskus allerdings nicht ein.
   Deutlich geworden sei auf der Synode, „dass die Kulturen untereinander sehr unterschiedlich sind und dass jedes allgemeine Prinzip inkulturiert werden muss, um beachtet und eingehalten zu werden“. Inkulturation bedeute keine „Schwächung“ von Werten, sondern zeige vielmehr „ihre wahre Kraft und ihre Echtheit“. Nicht die Werte änderten sich bei ihrer Einbettung in einen neuen Kontext, sondern „die verschiedenen Kulturen verändern sich friedlich und graduell“ durch die Werte.
   Die Familie müsse „gegen alle ideologischen und individualistischen Angriffe verteidigt“ werden, und zwar „ohne der Gefahr des Relativismus aufzusitzen oder die anderen zu dämonisieren“, forderte der Papst. Mit Entschiedenheit fügte er den synodalen Weg der Kirche zur Erneuerung ihrer Ehe- und Familienpastoral in das bevorstehende Heilige Jahr der Barmherzigkeit ein.
„Wahren Verteidigern der Lehre geht es um den Menschen“
   „Die Erfahrung der Synode hat uns auch verstehen lassen, dass die wahren Verteidiger der Lehre nicht die sind, die den Buchstaben, sondern die, die den Geist verteidigen; nicht die Ideen, sondern den Menschen; nicht die Formeln, sondern die Unentgeltlichkeit der Liebe Gottes und seines Verzeihens. Das bedeutet nicht, die Wichtigkeit der Formeln, Gesetze und Gebote Gottes irgendwie zu verkleinern, sondern die Größe des wahren Gottes zu preisen.“
   Papst Franziskus zitierte ausführlich seine Vorgänger Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI., um die zentrale Bedeutung der Barmherzigkeit Gottes für die Kirche zu betonen. „Für uns alle hat das Wort Familie jetzt einen anderen Klang als früher“, meinte er abschließend. Nach der Synode mache sich die Kirche jetzt wieder „auf den Weg, um wirklich in jeden Teil der Welt“ und „in jede Situation hinein das Licht des Evangeliums, die Umarmung durch die Kirche und die Unterstützung durch Gottes Barmherzigkeit zu bringen“. Rv151024sk

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Das Schlussdokument der Synode – Unterscheidung der Geister -  Die Bischofssynode stimmte am Samstag über das Schlussdokument ihrer 14. Ordentlichen Generalversammlung ab

   Noch einmal sind 248 Änderungsvorschläge eingearbeitet worden, am Samstag war er fertig, der Abschlusstext der Bischofssynode. Er wurde in der Versammlung per Abstimmung angenommen. Alle Abschnitte bekamen eine Zweidrittelmehrheit.  Danach: die Übergabe an den Papst, der mit diesem Text den letzten Schritt des synodalen Prozesses zum Thema Familie gehen wird. Eine Zusammenfassung von P. Bernd Hagenkord:
   Der Sakramentenzugang für wiederverheiratete Geschiedene kommt direkt nicht vor. Auch die mit dem Namen von Kardinal Walter Kasper verbundene Idee einer
„via poenitentialis“ zurück zu den Sakramenten, die im Vorfeld so heftig debattiert wurde, taucht im Abschlussdokument nicht auf. Überhaupt sind die 94 Paragrafen des Abschlusstextes der Bischofssynode nicht das, was sich die meisten erwartet haben. An diesem Samstag wurde der Text den Synodenteilnehmern vorgelesen - und für alle Nichtitaliener auch simultan übersetzt. Danach stimmten die Synodenväter über ihn ab. Knapp 50 Seiten sind es geworden, 94 Paragrafen, drei große Teile mit je vier Kapiteln.
   Aber neben den außerhalb der Synode am meisten diskutierten Themen sind auch andere Dinge nicht im Text. So spricht das Dokument nicht von einem „objektiven Stand der Sünde“, wenn es um wiederverheiratete Geschiedene geht, und vermeidet eine rigoristische Sprache oder die Perspektive des Richters.
   Der erste Satz des ersten Kapitels nimmt seinen Anfang bei der Schöpfung Gottes und spricht über das Staunen über diese Schöpfung. Die Synode verankert ihr Denken in einer theologischen Vision, beginnend mit dem Handeln Gottes.
   Die Redaktion hat die drei Schritte beibehalten, die bereits in der vergangenen Bischofssynode im Oktober 2014 das Arbeiten strukturiert haben: Sehen, Urteilen, Handeln. Daraus waren im Arbeitsdokument drei Textteile und in der Synode drei Arbeitsteile geworden. Das findet sich nun auch im Abschlusstext wieder.
   Diese drei großen Teile haben jeweils ein eigenes Vorwort bekommen, wie auch der Text insgesamt. Diese Texte geben dem ganzen Duktus eine mehr positive Richtung: Die Kirche sieht nicht nur Probleme überall, sondern hat etwas positiv beizutragen, sie bekennt ihren Glauben. Insgesamt ist das Dokument neu geordnet und systematisiert, viel besser als vorher, wie viele Synodenteilnehmer bemerkten. Es gibt klarere Zuordnungen und eine erkennbare innere Logik.
   Ein Thema sticht heraus, und hier hatte es auch im Vorfeld den meisten Redebedarf gegeben: die Frage des Gewissens (vor allem in den Punkten 84 ff. entwickelt). Das Gespräch mit dem Beichtvater, die Einbeziehung der Umstände und inneren Verfassung. Klargestellt wird die Tatsache, dass aus allgemeinen Regeln nicht einfach konkrete Handlungsanweisungen folgen können, und dazu der Wunsch, zu einer volleren Teilhabe am Leben der Kirche zu kommen
   Die Pastoral und auch die Entscheidungen müssen der Wirklichkeit entsprechen, um die sie sich kümmern. Zuerst taucht dieser Gedanke bei den Flüchtlingen auf, dann aber immer wieder, unter anderem im Kapitel zur kirchlichen Lehre zur Unauflöslichkeit (51). Was zuerst selbstverständlich klingt, war in seiner Formulierung nicht unumstritten. Der Katechismus (zitiert wird § 1735) sieht vor, dass moralische Normen kein Deduzieren von korrekten Antworten in allen Fällen erlaubten. Die Frage bleibt, wie dann die Normen gelten. Oder noch genereller: Wie gelten dann die Gebote? Nur in Anwendung oder auch als solche, so dass sich die Wirklichkeit dem beugen müsste? Es sind abstrakte Fragen, die im Hintergrund dieser harmlos daher kommenden Überlegungen erscheinen. Und in diesem Licht wird man den Text lesen müssen, in diesem Licht wird Papst Franziskus ihn auch entgegengenommen haben, weiter bearbeiten und eventuell zu einem eigenen Schreiben umformulieren.
Die Teile im Einzelnen
Teil 1: Blick auf die Wirklichkeit der Familien – ohne Idealisierungen
   Teil 1 beginnt mit dem realistischen Blick auf Familien heute. „Paare und das Eheleben sind keine abstrakten Wirklichkeiten, sie bleiben unvollkommen und verletzlich“ - deutlich setzt sich der Text gleich zu Beginn von Idealisierungen ab. Sozio-kulturelle Bedingungen werden erwogen, Stützen wie auch Herausforderungen und Gefährdungen. Es geht um Flucht und Vertreibung. Es geht um Einstellungen zum Menschsein, individuelle und politische, zur Frage des Individualismus. Es geht um Politik und die Frage, ob Ideologien dem gesellschaftlichen Leben übergestülpt werden sollen. Insgesamt sei die Vorstellung von Familie kulturübergreifend prägend und werde als selbstverständlich verstanden. Trotzdem gebe es Konflikte und Spannungen, über die man sprechen müsse.
   Ein Kapitel befasst sich mit den wirtschaftlichen Fragen und mit Armut und Ausschluss, mit Umweltfragen, mit der „Kultur des Wegwerfens“, mit modernen Phänomenen wie der Mobilität und mit Sozialpolitik. Stark ist der Paragraf zu Migranten, Flüchtlingen und Verfolgten (23 f.).
   Die Katechesen des Papstes in diesem Jahr aufgreifend, spricht das Papier über die einzelnen Teile und Rollen in der Familie, über die Kinder, die Frau, den Mann, die Jugend. Gewalt gegen Frauen kommt dort vor, sexualisierte Gewalt gegen Kinder, aber auch die gegenseitige Unterstützung. Auch die Großeltern, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung werden angesprochen und gewürdigt. Zum Schluss wird auf die pastoralen Herausforderungen eingegangen, hier ist auch das erste Mal von der „Dynamik der Barmherzigkeit“ die Rede (34).
   Dieser erste Teil gibt einen allgemeinen Überblick über die Wirklichkeit von Familie in der Welt, wie sie in den vergangenen drei Wochen in der Synodenaula zusammengetragen wurde. Deutlich wird in den Formulierungen, dass man sich nicht auf die negativen Aspekte beschränken wollte, so schwierig sie in den einzelnen Weltgegenden auch wahrgenommen werden.
2. Teil: Die Berufung der Familie – Unterscheidung der Geister
   Teil 2, der theologische Teil, stellt die Formulierung „Berufung der Familie“ an den Anfang und stellt sie damit anderen „Berufungen“ gleich. Normalerweise benutzt die Kirche dieses Wort nur für Priester und Ordensleute, hier erfolgt also eine deutliche Aufwertung. Diese Berufung der Familie - so der Text - empfängt ihre kirchliche Form durch die sakramentale Verbindung, welche die eheliche Beziehung als unauflöslich heiligt. Gegenseitige Hingabe und Offenheit für Kinder sind Zeichen der Gnade des Heiligen Geistes, lebendiges Zeichen für die Einheit Christi mit der Kirche, heißt es weiter (36).
Der Text betont die Zugehörigkeit zu den anderen Sakramenten: Man könne die Ehe nicht losgelöst betrachten, es gebe eine „göttliche Pädagogik“, Gott handle im Leben der Christen und führe zur Integration in seine Gemeinschaft (37). Der Teil schaut auf die Bibel als Quelle, auf die Lehren der Päpste von Paul VI. bis Franziskus und des Zweiten Vatikanums, und er fasst die Lehre der Kirche zu Sakramentalität, Zugehörigkeit zur Schöpfung, Offenheit für das Leben und Unauflöslichkeit zusammen. Dieses sakramentale Band zu brechen, sei gegen den Willen Gottes, so glaubt die Kirche. Gleich hier wird aber auch auf die „Komplexität der verschiedenen Situationen“ hingewiesen, welche eine „
Unterscheidung“, also eine reflektierende Anwendung auf die einzelnen und unterschiedlichen Wirklichkeiten nötig mache (51). Hier erscheint - sowohl im Gedanken der Begleitung von Ehen in Schwierigkeiten als auch bei der Vorbereitung auf die Ehe - der Wegcharakter der Pastoral der Kirche (53 f).
3. Teil: Die missionarische Familie
   Teil 3 verbindet das Sprechen von der Familie mit dem Sprechen von Dienst und „Mission“, also dem Auftrag der Kirche. Gemäß dem Leitprinzip dieses Teils - Handeln - geht es um praktische Bereiche. Nicht die Norm, sondern die Verkündigung der Gnade Gottes stehe im Vordergrund (56). Zunächst geht es um die Vorbereitung auf die Ehe, dann um die Feier und die weitere Begleitung; auch hier dominiert der Wegcharakter der Pastoral. Es geht um verantwortete Elternschaft, um Adoption, Schul- und Erziehungsfragen.
  
Kapitel 3 behandelt dann die „komplexen Situationen“ (69-86). Dieses Thema nimmt den breitesten Raum im Dokument ein. Prägend ist der „Weg“, der in pastoralen Situationen eingeschlagen wird; der Text denkt dynamisch, nicht in Festlegungen, es geht um das Gehen auf dem Weg zur „vollen Sakramentalität“, um einen „Weg des Wachsens“, etc. (69, 71). Der Text spricht vor allem von den konkreten Umständen, wie sie etwa von verschiedenen Kulturen geprägt werden.
  
Darauf müsse eine „differenzierte Pastoral“ antworten, es könne nicht eine einzige Antwort auf verschiedene Umstände geben (73). Auf dem Weg brauche es Begleitung, die wiederum von Barmherzigkeit geprägt sein müsse. Es gehe ums Zuhören und Versöhnung, aber auch um Gerechtigkeit im Fall einer gescheiterten Ehe, vor allem für die Kinder.
  
Im Abschnitt mit dem Titel „Unterscheidung und Integration“ (84-86, oben schon einmal angedeutet) geht der Text dann darauf ein, wie das geschehen kann: „Die Logik der Integration ist der Schlüssel für ihre pastorale Begleitung“, sagt er über die wiederverheirateten Geschiedenen. So gelte es darüber nachzudenken, wie praktizierte Formen des Ausschlusses in Pastoral, Liturgie, Erziehung oder auch in Beteiligung in den Institutionen überwunden werden können. Auf die Zulassung zu den Sakramenten geht der Text nicht ein. Er sagt aber, dass alle Beteiligten „verpflichtet sind, die Situation gut zu unterscheiden“, d.h. die Realität im Blick des Glaubens gut in den Blick zu nehmen. Diese Unterscheidung solle „nach der Lehre der Kirche und unter der Anleitung des Bischofs“ geschehen.
   An einer Stelle wird es recht kompliziert: „Man kann nicht übersehen, dass es Situationen gibt, in denen Anrechenbarkeit einer Tat und Verantwortung für sie durch verschiedene Bedingungen vermindert, ja sogar aufgehoben“ sind (siehe Katechismus § 1735). Ein Urteil über eine objektive Situation muss deswegen nicht in den konkreten Umständen zu denselben Ergebnissen führen. „Die pastorale Unterscheidung, das recht gebildete Gewissen der Menschen einbeziehend, muss sich dieser Situationen annehmen. Auch die Konsequenzen der Handlungen sind nicht immer in allen Fällen dieselben.“
   Wie soll das geschehen? „Im Gespräch mit dem Priester, im Forum Internum, geschieht das Bilden des rechten Urteils über das, was einer volleren Teilhabe am Leben der Kirche entgegensteht, und über die Schritte, welche diese wachsen lassen.“ Das nehme nichts weg von dem, was die Wahrheit und die Nächstenliebe des Evangeliums geböten.
   Abschließend geht es um die Spiritualität der Familie, aufbauend auf der Trias „Entschuldigung, Danke, Bitte“, die Papst Franziskus immer wieder ins Zentrum des familiären Verhaltens setzt (87). Familien sollen Handelnde in der Pastoral der Kirche sein, nicht nur als Objekt der Pastoral behandelt werden. So wird die Familie das, was Papst Franziskus von der ganzen Kirche will: missionarisch.
Ein Gebet schließt das Dokument ab.   Rv151024ord

Übersetzung: Synodentext zu Wiederverheirateten  -  Eheschließung am Standesamt

Hier lesen Sie zur Vertiefung einen Auszug aus dem Schlussdokument der Bischofssynode, das am Samstagabend veröffentlicht wurde, in einer nichtoffiziellen Arbeitsübersetzung.
Unterscheidung und Integration
  
84. Die Getauften, die geschieden sind und standesamtlich wiedergeheiratet haben, müssen mehr in die christlichen Gemeinden integriert werden – in der je möglichen Art und Weise, unter Vermeidung jeden Anlasses zum Skandal. Die Logik der Integration ist der Schlüssel ihrer seelsorglichen Begleitung, damit sie nicht nur wissen, dass sie zum Leib Christi – d.h. der Kirche – gehören, sondern das auch auf freudige und fruchtbare Weise erleben. Sie sind Getaufte, sind Brüder und Schwestern, der Heilige Geist schüttet über sie zum Wohle aller Gaben und Charismen aus. Ihre Teilnahme kann sich in verschiedenen kirchlichen Diensten ausdrücken; es gilt daher zu unterscheiden, welche der verschiedenen Formen des Ausschlusses, die derzeit in liturgischem, pastoralem, schulischem und institutionellem Bereich bestehen, überwunden werden können. Sie sollen sich nicht nur nicht exkommuniziert fühlen, sondern können als lebendige Glieder der Kirche leben und reifen und die Kirche dabei als eine Mutter wahrnehmen, die sie immer aufnimmt, sich voller Zuneigung um sie kümmert und sie ermuntert auf dem Weg des Lebens und des Evangeliums. Diese Integration ist auch für die Sorge und die christliche Erziehung ihrer Kinder nötig, sie müssen an erster Stelle stehen. Für die christliche Gemeinschaft bedeutet das Sich-Kümmern um diese Menschen keine Schwächung des eigenen Glaubens und des Zeugnisses für die Unauflöslichkeit der Ehe – im Gegenteil, die Kirche drückt gerade dadurch ihre Nächstenliebe aus.
   85. Der heilige Johannes Paul II. hat einen umfassenden Kriterienkatalog zusammengestellt, der die Grundlage für die Einschätzung solcher Situationen bleibt: „Die Hirten mögen beherzigen, dass sie um der Liebe willen zur Wahrheit verpflichtet sind, die verschiedenen Situationen gut zu unterscheiden. Es ist ein Unterschied, ob jemand trotz aufrichtigen Bemühens, die frühere Ehe zu retten, völlig zu Unrecht verlassen wurde oder ob jemand eine kirchlich gültige Ehe durch eigene schwere Schuld zerstört hat. Wieder andere sind eine neue Verbindung eingegangen im Hinblick auf die Erziehung der Kinder und haben manchmal die subjektive Gewissensüberzeugung, dass die frühere, unheilbar zerstörte Ehe niemals gültig war“
Familiaris Consortio, Nr. 84.
   So ist es Aufgabe der Priester, die betroffenen Menschen auf dem Weg der Unterscheidung zu begleiten, gemäß der Lehre der Kirche und den Vorgaben des Bischofs. In diesem Prozess wird es hilfreich sein, eine Gewissenserforschung mittels Momenten der Reflexion und der Buße vorzunehmen. Die wiederverheirateten Geschiedenen sollten sich fragen, wie sie mit ihren Kindern umgegangen sind, als die eheliche Gemeinschaft in die Krise geriet; ob es Versuche der Versöhnung gab; wie die Situation des verlassenen Partners ist; wie sich die neue Partnerschaft auf die weitere Familie und die Gemeinschaft der Gläubigen auswirkt; welches Beispiel den Jüngeren gegeben wird, die sich auf die Ehe vorbereiten sollen. Eine ehrliche Besinnung kann das Vertrauen in die Barmherzigkeit Gottes stärken, die niemandem verweigert wird.
   Überdies kann man nicht in Abrede stellen, dass unter einigen Umständen aufgrund verschiedener Einflüsse„die Schuldfähigkeit und die Verantwortung für eine Handlung gemindert oder aufgehoben sein können“. Infolgedessen kann das Urteil über eine objektive Situation nicht zu einem Urteil über die „subjektive Schuldfähigkeit“ führen
(Päpstlicher Rat für die Interpretation der Gesetzestexte, Erklärung vom 24. Juni 2000, 2a). In bestimmten Umständen stoßen die Menschen auf große Schwierigkeiten, sich anders zu verhalten. Deshalb ist es – auch wenn man die allgemeine Norm aufrecht erhält – nötig zu erkennen, dass die Verantwortung bezüglich bestimmter Handlungen oder Entscheidungen nicht in allen Fällen dieselbe ist. Die pastorale Unterscheidung muss sich auch unter Einbeziehung des recht gebildeten Gewissens der Menschen dieser Situationen annehmen. Auch die Folgen der begangenen Akte sind nicht notwendigerweise in allen Fällen dieselben.
  
86. Der Weg des Begleitens und der Unterscheidung führt diese Gläubigen zur Gewissensentscheidung über ihre Lage vor Gott. Das Gespräch mit dem Priester, im Forum Internum, trägt zur Herausbildung eines gerechten Urteils bei über das, was die Möglichkeit einer volleren Teilnahme am Leben der Kirche ermöglicht, und über die Schritte, die dazu beitragen und sie reifen lassen können. Da es im Gesetz selbst keine Gradualität gibt (s. FC, Nr. 34), kann diese Unterscheidung niemals von den Erfordernissen der Wahrheit und der Nächstenliebe des Evangeliums absehen, wie die Kirche sie vorgibt. Damit dies geschehe, sollen die nötigen Bedingungen der Demut, Vertraulichkeit, Liebe zur Kirche und ihrer Lehre garantiert werden, in der aufrichtigen Suche nach dem Willen Gottes und im Wunsch, zu einer vollkommeneren Antwort auf dieselbe zu gelangen. Rv151024sk

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Friedensappell der Bischofssynode  -  In der Synodenaula des Vatikans

   Die vatikanische Bischofssynode ruft in einer Erklärung zum Ende der Konflikte im Nahen Osten, in Afrika und in der Ukraine auf. Der Text der Bischöfe, der ökumenischen Delegierten und der Experten wurde an diesem Samstag vom Vatikan veröffentlicht. Er bringt vor allem Sorge über die Lage von Familien im Nahen Osten zum Ausdruck: „Seit Jahren sind sie wegen der blutigen Konflikte in der Region Opfer unerhörter Gewalt.“
   Wörtlich heißt es in dem Aufruf: „Der Einsatz von Massenvernichtungswaffen, die Tötungen, Enthauptungen, Entführungen, der Frauenhandel, das Anwerben von Kindern als Soldaten, die Verfolgung aus religiösen oder ethnischen Gründen, die Zerstörung von Kultorten, die Vernichtung des kulturellen Erbes und unzählige weitere Grausamkeiten haben Tausende von Familien zur Flucht gezwungen.“ Die im Vatikan Versammelten erklären sich „mit allen Einwohnern im Nahen Osten“ solidarisch.
   „Wir denken an alle Entführten und bitten um ihre Freilassung. Unsere Stimmen vereinen sich mit dem Schrei so vieler Unschuldiger: Nie wieder Gewalt, nie wieder Terrorismus, nie wieder Zerstörungen, nie wieder Verfolgungen! Mögen die Feindseligkeiten und der Waffenhandel sofort eingestellt werden!“ Friede im Nahen Osten lasse sich „nicht mit Gewalt durchsetzen“, sondern nur durch politische Mittel und Dialog erreichen. „Wir sind davon überzeugt, dass der Friede möglich ist und dass es möglich ist, die Gewalt in Syrien, Irak, in Jerusalem und im ganzen Heiligen Land zu beenden, die jeden Tag immer mehr Familien und unschuldige Zivilisten erfasst und die humanitäre Krise verschärft", betonen die Bischöfe aus aller Welt. Juden, Christen und Muslime sollten in den anderen Gläubigen Mitbrüder sehen, die es zu respektieren und zu lieben gelte.
Dank an Aufnahmeländer
   Ausdrücklich dankt die Synode Jordanien, Libanon und der Türkei sowie zahlreichen europäischen Ländern für die Aufnahme von Flüchtlingen. Sie appelliert an die internationale Gemeinschaft, Eigeninteressen hintanzustellen und sich um eine Lösung durch Diplomatie, Dialog und internationales Recht zu bemühen. „Niemand darf den Namen Gottes für Gewalt instrumentalisieren. Arbeiten wir zusammen für Gerechtigkeit und Frieden“, heißt es in dem Appell. Die Synodalen rufen insbesondere alle Gläubigen, die sich auf den biblischen Urvater Abraham berufen, zu gegenseitigem Respekt und Nächstenliebe auf. „Lernen wir den Schmerz der anderen zu verstehen“, betonen sie unter Hinweis auf die Rede von Papst Franziskus vor dem Jerusalemer Felsendom im Mai 2014.
   Die knapp 400 Teilnehmer des Kirchentreffens, das am Sonntag zu Ende geht, äußern sich zudem tief besorgt über ähnliche Situationen in anderen Teilen der Welt, insbesondere in der Ukraine und in Afrika. Rv151024sk

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Kardinal Schönborn: „Diese Synode ist zukunftsweisend“  Der Wiener Kardinal

    Das Abschlussdokument der Bischofssynode über Ehe und Familie ist fertig. Wie Vatikansprecher Federico Lombardi am Samstag mitteilte, wurde der Text am Vormittag vor den Mitgliedern der Bischofssynode verlesen. Er umfasse 94 Punkte und sei von den zehn Mitgliedern des Redaktionsteams einstimmig verabschiedet worden, so Lombardi. Dieses habe zuvor „einige“ der insgesamt 248 Änderungswünsche eingefügt, die nach der Vorstellung des Entwurfs am Freitag eingereicht worden seien. Lombardi stellte die Veröffentlichung des Dokuments für Samstagabend in Aussicht. Zum Inhalt des Papiers äußerte sich bei der Pressekonferenz am Samstagnachmittag der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. Er erinnerte daran, dass das Abschlussdokument keinen Beschlusscharakter habe, sondern lediglich eine Empfehlung an den Papst darstelle. Schönborn betonte auch, dass in dem Dokument Aussagen zu den besonders kontroversen Themen wie dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen eher allgemein gehalten werden. Die Synodenväter hätten vor allem definiert, was Familien seien: „Das ist ein Mann, eine Frau und ihr gemeinsames Leben, das offen ist für das Leben. Wenn sich zwei finden, dann entstehen zwei Schwiegermütter, also zwei Familien sind dann miteinbezogen, sagt der Papst. Diese Definition schließt Patchwork-Familien nicht aus, aber der Kern bleibt immer die Verbindung zwischen Mann und Frau, die das Leben weiterreicht.“
Neue Arbeitsmethode gewürdigt
    Schönborn würdigte vor allem die neue Arbeitsmethode bei der Synode. Sie sei zukunftsweisend, weil mehr miteinander gesprochen werde. Das sei deshalb der eigentliche Erfolg dieses Treffens gewesen, fügte er an. Ebenfalls eine Besonderheit seien die Umfragen bei den Gläubigen im Vorfeld sowie die Konsistorien gewesen, was die „neue Gesprächskultur“ bei Synoden bestätige. Deshalb sei es falsch zu behaupten, die Synode werde nur einen Kompromiss hervorbringen. „Nein, die Hauptbotschaft dieser Synode ist das behandelte Thema. Denn die Kirche mit ihren 1,2 Milliarden Gläubigen hat zwei Jahre lang über die positiven und schwierigen Seiten der Familien gesprochen. Die Kirche sagt ein großes Ja, das ist das Fazit dieser Synode. Die Familie ist kein Modell der Vergangenheit, sondern eine fundamentale Realität unserer Gesellschaft. Der verstorbene atheistische Journalist, Frank Schirrmacher hatte vor ein paar Jahren ein Buch geschrieben mit dem Titel ,Minimum‘ und darin sagt er ein formidables Ja für die Familie, denn sie ist eine Stütze zu jeder Zeit. Dem schließe ich mich an. Das gilt sogar für Patchwork-Familien!“
Homosexualität kommt nicht vor
   Die beiden Synoden hätten „eine ganze Bibliothek zum Thema Familie hervorgebracht“, so Schönborn weiter. Zu den „heiklen Themen“ fügte er an, dass sie in das Abschlussdokument nicht näher eingehen. „Es wird nichts zur Homosexualität darin stehen, weil wir auf die Familien eingehen und auf Homosexualität wird darin nur soweit eingegangen, dass wir auf homosexuelle Familienmitglieder eingehen. Es gibt ja verschiedene kulturelle und politische Unterschiede und es gibt Regionen auf der Welt, wo dieses Thema sehr gefährlich ist. Doch die Kirche muss darüber sprechen und das haben wir getan. Es gab einige Synodenväter, die sagten, dass diese Frage bei ihnen kein Thema sei. Aber aus einer synodalen Sicht müssen auch sie darüber sprechen. Umgekehrt galt es für Themen, die bei uns in Europa nicht zentral sind.“ Zu Homosexualität gelte weiterhin der Katechismus der Katholischen Kirche: Jeder Mensch muss berücksichtigt werden und seine Würde muss gewahrt werden, betonte Schönborn. „Das Lehramt ist klar und muss diesbezüglich nicht neu erfunden werden“, fügte er an.
Unterscheidungsvermögen bei Wiederverheirateten Geschiedenen
   Bei der Frage nach den wiederverheirateten Geschiedenen solle man das Stichwort „Unterscheidungsvermögen“ in den Vordergrund nehmen, so Schönborn. „Es gibt kein weiß und schwarz, man muss jede Situation unterscheiden und dieses Anliegen finden wir auch bei Johannes Paul II.
in ,Familiaris consortio‘.“ Auf den Zugang zu den Sakramenten für wiederverheiratete Geschiedene gehe das Abschlussdokument nicht direkt ein, sondern gebe die fundamentalen Kriterien, wie man damit umgehen soll und das heißt vor allen Dingen, wie man solche Paare seelsorgerlich begleiten soll. „Bei der Sakramentenfrage für wiederverheiratete Geschiedene geht es nicht um Ja oder Nein. Das ist eine falsche Frage, denn die Situation ist immer sehr unterschiedlich. Auch der Schweizer Kurienkardinal Georges Cottier sagte einmal in einem Interview, dass man nicht von wiederverheirateten Geschiedenen sprechen soll, weil es da Unterschiede gibt. Das Abschlussdokument spricht von ,nichtregulären Ehen‘. Übrigens auch die Politik muss sich ändern: es kann nicht sein, dass verheiratete Paare gegenüber nicht-verheirateten Paaren sogar fiskalpolitisch benachteiligt sind.“
Ausgleich zwischen Orts- und Weltkirche
   Zum Stichwort „Dezentralisierung“ sagte der Wiener Erzbischof: „Es braucht einen Ausgleich zwischen Ortskirche und Universalkirche. Das ist ein altes Anliegen. Es geht nicht darum, die Kirchen zu nationalisieren. Die Verbindung zum Papst ist ausschlaggebend. Es wäre tragisch, wenn es eine österreichische Kirche oder sonst eine nationale katholische Kirche gäbe. Es ist schön, zusammenzuarbeiten, aber man muss natürlich die kulturellen Unterschiede beachten, damit ist Dezentralisierung gemeint.“ 
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Bischof Elbs lobt deutsche Sprachgruppe Foto: Der Bischof von Ferldkirch, Benno Elbs.

Was von der 14. Ordentlichen Bischofssynode zur Familie und Ehe einige Beobachter überrascht hat, war der deutsche Sprachzirkel. Viele dürften vorab in dieser Gruppe Spannung und Streit erwartet haben, zumal ihre Angehörigen - unter anderem die Kardinäle Müller und Kasper - verschiedenen theologischen Sprektren angehören. Es kam anders. Die deutschsprachige Gruppe war die einzige der 13 „Circuli minores", die ihre drei Zwischenberichte einstimmig veröffentlichte. Es gab immer Konsens und richtungsweisende Vorschläge. Dieser Erfolg ist wohl zum Teil einem Österreicher zu danken: der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn wirkte als Moderator der Gruppe, Relator war der Berliner Erzbischof Heiner Koch. Ein weiterer Österreicher, der in dieser Sprachgruppe teilnahm, war der Bischof von Feldkirch in Vorarlberg, Benno Elbs. Im Interview mit uns sagt er: „Die Arbeit in der deutschen Sprachgruppe war für mich sehr wertvoll. Es war für mich theologisch eine Weiterbildung, denn es waren herausragende Theologen in der Gruppe gewesen.“ Die Themen seien sowohl fundamentaltheologisch als auch philosophisch behandelt worden. Unter den deutschsprachigen Teilnehmern gab es einen „wertschätzenden und rücksichtsvollen Umgang miteinander“. „Spannungen sind etwas, was die Menschen belebt und kreativer macht und auch zu neuen Ideen motiviert“, so Bischof Elbs. -Rv151024

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Am letzten Tag der Synode - Auch zu heiklen Fragen immer Zweidrittelmehrheit“

   Insgesamt 265 Synodenväter haben am Samstagabend nacheinander über jeden einzelnen Abschnitt des Synoden-Schlussdokuments abgestimmt. Das sagte Vatikansprecher Federico Lombardi nach Abschluss der Synodenarbeiten vor der Presse. Bei der „ziemlich zügigen“ Abstimmung sei jedesmal „die qualifizierte Mehrheit, also die Zweidrittelmehrheit von mindestens 177 Stimmen“, erreicht worden; für sehr viele Abschnitte des Textes hätten sogar „deutlich mehr als neunzig Prozent“ der Stimmberechtigten votiert.
   Zu einigen Textabschnitten, „bei denen es um schwierige Situationen geht“, wurde die Zweidrittelmehrheit nach Lombardis Angaben nur knapp erreicht. „In diesen Punkten gab es zwar nicht einen so überwältigenden Konsens wie zu den übrigen, doch wurde immer – und das ist Grund zur Genugtuung – die Zweidrittelmehrheit erreicht.“ Beim Schlusstext der Bischofssynode vom vergangenen Jahr sei das noch anders gewesen, bemerkte der Jesuit.
   Nach der Schlussrede des Papstes hätten die Synodenväter ein „Te Deum“ gesungen. Papst Franziskus teilte nach Lombardis Angaben in der Synodenaula mit, dass sowohl der Text des Schlussdokuments mit der Stimmenzahl zu jedem Abschnitt als auch seine eigene Rede gleich veröffentlicht werden sollten. „Halten wir das wie im vergangenen Jahr“, so Franziskus wörtlich.
   Der Papstsprecher erklärte, er habe nach Abschluss der Synode in der Aula große Zufriedenheit mit dem zurückgelegten Weg wahrgenommen. Das Schlussdokument sei keine bloße Wiederholung des Textes „Familiaris Consortio“ aus der Feder Johannes Pauls II. 1984; vielmehr blicke es „mit einer Intensität, Anteilnahme und einem Reichtum auf die Lage der Familie in der heutigen Gesellschaft“, wie es das in „Familiaris Consortio“ noch nicht gegeben habe.
Rv151024sk

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Papst empfängt Ehegericht: Familie gehört zum Traum Gottes

   Die Familie, wie sie von der Kirche verkündet wird, ist kein Ideal, das nur wenige erreichen können, sondern sie ist für alle da. Das bekräftigte am Freitag Papst Franziskus in seiner Ansprache zur Eröffnung des Gerichtsjahres der Rota Romana, des römischen Ehegerichts. Er empfing die Richter und Mitarbeiter im Vatikan, um ihnen wie jedes Jahr einige grundsätzliche Gedanken zu ihrer Arbeit auf den Weg zu geben. Als Appellationsgerichtshof der Kirche ist die Rota unter anderem für Ehefragen zuständig, dieses Thema griff der Papst in seiner Ansprache auf.
   „Die Kirche kann die unvergängliche barmherzige Liebe Gottes für die Familien sichtbar machen, besonders für die von der Sünde und den Herausforderungen des Lebens verwundeten Familien. Gleichzeitig kann sie die unverzichtbare Wahrheit von der Ehe nach dem Plan Gottes aufzeigen. Dieser Dienst ist vor allem dem Papst und den Bischöfen aufgegeben.“ Die Rota sei eine Hilfe für den Papst in der Ausübung dieser Aufgabe, und sie sei gleichzeitig ein Gericht, das sich um die Familie wie auch um die Unauflöslichkeit der Ehe kümmere; diese beiden Aspekte seien komplementär so der Papst.
   Während des synodalen Prozesses zum Thema Familie, der in den vergangenen zwei Jahren stattgefunden habe, sei noch einmal klargestellt worden, dass es keine Verwechslung geben dürfe zwischen der Familie, wie sie von Gott gewollt sei, und allen anderen Formen von Beziehung. „Wenn die Kirche durch Ihren Dienst die Wahrheit über die Ehe in konkreten Fällen und Situationen zum Wohl der Gläubigen verkündet, dann hat sie immer vor Augen, dass diejenigen, die aus eigener Entscheidung oder durch unglückliche Lebensumstände in einem objektiven Stand des Irrtums leben, immer noch Ziel der barmherzigen Liebe Christi und damit der Kirche selber bleiben.“ Die Familie, die auf der unauflöslichen, einenden und fruchtbaren Ehe aufbaue, gehört zum ‚Traum’ Gottes und seiner Kirche für das Heil der Menschen, zitierte der Papst seinen Vorgänger Pius XII. Die Kirche habe sich schon immer besonders um die Familie und ihre Probleme gekümmert, fuhr der Papst fort.
Kommt eine Ehe zustande?
   Im vergangenen Jahr hatte der Papst in seiner Ansprache betont, Lösungen für Menschen, die sich an das Gericht wendeten, dürften „nicht an juristischen Hindernissen scheitern“. In diesem Jahr sprach er über den Glauben der Menschen als eine der Bedingungen für eine Ehe. „Weil sie Mutter und Lehrerin ist, weiß die Kirche, dass es unter den Christen Menschen gibt, die einen starken, in der Nächstenliebe gebildeten Glauben haben, durch eine gute Katechese, Gebet und die Sakramente gestärkt und genährt, während andere einen schwachen, vernachlässigten, nicht gebildeten oder vergessenen Glauben haben.“ Es sei wichtig, noch einmal deutlich zu bestätigen, dass die Qualität des Glaubens keine wesentliche Bedingung für den Konsens zur Ehe sei. Der Konsens – das „Ich will“ vor der eigentlichen Eheschließung – stelle sicher, dass die Eheleute frei heirateten. In der Ehe-Gerichtsbarkeit geht es oft um die Frage, ob ein solcher Konsens vor der Eheschließung vorhanden war. Wenn es ihn nicht gegeben hat und die Ehepartner in ihrem Willen beschränkt waren, dann ist gar keine Ehe zustande gekommen (die so genannte „Ehenichtigkeit“). In ihren Verfahren stellt die Rota diese Nichtigkeit fest.
   Es sei nicht selten, so Papst Franziskus weiter, dass die Eheleute im Augenblick der Eheschließung nur ein begrenztes Verständnis der Fülle von Gottes Plan mit ihnen hätten.    Erst später, im Leben ihrer Familie, entdeckten sie, was Gott, Schöpfer und Erlöser, mit ihnen vorhabe. „Das Fehlen von Ausbildung im Glauben und auch die Irrtümer, welche die Einheit, die Unauflöslichkeit und die sakramentale Würde der Ehe betreffen, beschädigen den
Ehe-Konsens nur dann, wenn sie den Willen bestimmen“, zitierte der Papst das Kirchenrecht Kanon 1099
. Deswegen sollten die die Sakramentalität der Ehe betreffenden Irrtümer sehr sorgfältig vom Gericht untersucht werden.
Die Verantwortung der Kirche für die Ehe
   „Die Kirche verkündet in einem erneuerten Bewusstsein für ihre Verantwortung weiterhin die Ehe in ihren wesentlichen Elementen – Nachwuchs, das Wohl der Eheleute, Einheit, Unauflöslichkeit, Sakramentalität – nicht als ein Ideal für wenige, auch wenn die modernen Modelle von Zusammenleben sich um das Flüchtige und Vorübergehende drehen. Sie verkündet sie als eine Wirklichkeit, die dank der Gnade Christi von allen getauften Gläubigen gelebt werden kann.“ Für alle Teile der Kirche gelte deswegen eine gewisse pastorale Dringlichkeit, so der Papst, vor allem für eine gute Vorbereitung auf die Ehe, etwa durch eine neue Form des Ehe-Katechumenats, wie es auch von einigen Synodenvätern vorgeschlagen worden sei.
   Die aktuelle Situation sei sehr schwierig für Familien, schloss der Papst seine Ausführungen, aber auch für diejenigen, welche die Familien zu begleiten berufen seien, darunter die Richter der Rota. Deswegen wünsche er ihnen alles Gute für das nun beginnende Gerichtsjahr.
Rv160122ord

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