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Mariazell

  Das Deutsche Katholische Blindenwerk (DKBW) hatte uns zu einer großen Begegnung mit unseren deutsch- sprachigen Regionalverbänden nach Mariazell (Österreich) eingeladen. Hier bringen wir die beeindruckende Predigt für unsere Pilgergruppe am Wallfahrtsort Mariazell.
  Die schönsten Fotos von unserer Reise haben uns Krista Raupach und Rudolf Hein von dieser Fahrt mitgebracht. Unten auf dieser Seite wird Ihre Erinnerung lebendig: Viel Freude dabei!
Zunächst bringen Fotos vom Papstbesuch in Mariazell und die Predigt des Papstes:

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Liebe Brüder und Schwestern,
   bei unserer großen Wallfahrt nach Mariazell feiern wir das Patrozinium dieses Heiligtums, das Fest Mariä Geburt. Seit 850 Jahren kommen hierher Beter aus verschiedenen Völkern und Nationen mit den Anliegen ihres Herzens und ihres Landes, mit den Sorgen und den Hoffnungen ihrer Seele. So ist Mariazell für Österreich und weit über Österreich hinaus ein Ort des Friedens und der versöhnten Einheit geworden. Hier erfahren sie die tröstende Güte der Mutter; hier begegnen sie Jesus Christus, in dem Gott mit uns ist, wie heute das Evangelium sagt - Jesus, von dem es in der Lesung aus dem Propheten Micha heißt: Und er wird der Friede sein Micha 5,4. In diese große Pilgerschaft vieler Jahrhunderte reihen wir uns heute ein. Wir halten Rast bei der Mutter des Herrn und bit- ten sie: Zeige uns Jesus. Zeige uns Pilgern ihn, der der Weg und das Ziel zugleich ist: die Wahrheit und das Le- ben.
  Das Evangelium, das wir eben gehört haben, öffnet unseren Blick noch weiter. Es stellt die Geschichte Israels von Abraham an als einen Pilgerweg dar, der in Aufstiegen und Abstiegen, auf Wegen und Um- wegen letztlich zu Jesus Christus führt. Der Stammbaum mit seinen hellen und finsteren Gestalten, mit seinem Gelingen und seinem Scheitern zeigt uns, dass Gott auch auf den krummen Linien unserer menschlichen Geschichte gerade schreibt. Gott lässt uns unsere Freiheit und weiß doch, in unserem Versagen neue Wege seiner Liebe zu finden. Gott scheitert nicht. So ist dieser Stammbaum eine Gewähr für Gottes Treue; eine Gewähr dafür, dass Gott uns nicht fallen lässt und eine Einladung, unser Leben immer neu nach ihm auszurichten, immer neu auf Jesus Christus zuzugehen.
   Pilgern heißt, eine Richtung haben, auf ein Ziel zugehen. Dies gibt auch dem Weg und seiner Mühsal seine Schönheit. Unter den Pilgern des Stammbaums Jesu waren manche, die das Ziel vergessen haben und sich selber zum Ziel machen wollten. Aber immer wieder hat der Herr auch Menschen erweckt, die sich von der Sehnsucht nach dem Ziel treiben ließen und danach ihr Leben ausrichteten. Der Aufbruch zum christlichen Glauben, der Anfang der Kirche Jesu Christi, ist möglich geworden, weil es in Israel Menschen des suchenden Herzens gab – Menschen, die sich nicht in der Gewohnheit einhausten, sondern nach Größerem Ausschau hielten: Zacharias, Elisabeth, Simeon, Anna, Maria und Josef, die Zwölf und viele andere. Weil ihr Herz wartete, konnten sie in Jesus den erkennen, den Gott gesandt hatte, und so zum Anfang seiner weltweiten Familie werden. Die Heidenkirche ist möglich geworden, weil es sowohl im Mittelmeerraum wie im Vorderen und Mittleren Asien, wohin die Boten Jesu Christi kamen, wartende Menschen gab, die sich nicht mit dem begnügten, was alle taten und dachten, sondern nach dem Stern suchten, der sie den Weg zur Wahrheit selbst, zum lebendigen Gott weisen konnte.
  Dieses unruhige und offene Herz brauchen wir. Es ist der Kern der Pilgerschaft. Auch heute reicht es nicht aus, irgendwie so zu sein und zu denken wie alle anderen. Unser Leben ist weiter angelegt. Wir brauchen Gott, den Gott, der uns sein Gesicht gezeigt und sein Herz geöffnet hat: Jesus Christus. Johannes sagt von ihm zu Recht, dass er der einzige ist, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht vgl. Joh 1,18; so konnte auch nur er aus dem Innern Gottes selbst uns Kunde bringen von Gott – Kunde auch, wer wir selber sind, woher wir kommen und wo- hin wir gehen. Sicher, es gibt viele große Persönlichkeiten in der Geschichte, die schöne und bewegende Got- teserfahrungen gemacht haben. Aber es bleiben menschliche Erfahrungen mit ihrer menschlichen Begrenztheit. Nur ER ist Gott, und nur ER ist daher die Brücke, die Gott und Mensch zueinander kommen lässt. Wenn wir ihn daher den einzigen für alle gültigen Heilsmittler nennen, der alle angeht und dessen alle letztlich bedürfen, so ist dies keine Verachtung der anderen Religionen und keine hochmütige Absolutsetzung unseres eigenen Denkens, sondern es ist das Ergriffensein von dem, der uns angerührt und uns beschenkt hat, damit wir auch andere beschenken können. In der Tat setzt sich unser Glaube entschieden der Resignation entgegen, die den Menschen als der Wahrheit unfähig ansieht – sie sei zu groß für ihn. Diese Resignation der Wahrheit gegenüber ist der Kern der Krise des Westens, Euro- pas. Wenn es Wahrheit für den Menschen nicht gibt, dann kann er auch nicht letztlich Gut und Böse unter- scheiden. Und dann werden die großen und großartigen Erkenntnisse der Wissenschaft zweischneidig: Sie können bedeutende Möglichkeiten zum Guten, zum Heil des Menschen sein, aber auch – wir sehen es – zu furchtbaren Bedrohungen, zur Zerstörung des Menschen und der Welt werden. Wir brauchen Wahrheit. Aber freilich, aufgrund unserer Geschichte haben wir Angst davor, dass der Glaube an die Wahrheit Into- leranz mit sich bringe. Wenn uns diese Furcht überfällt, die ihre guten geschichtlichen Gründe hat, dann wird es Zeit, auf Jesus hinzuschauen, wie wir ihn hier im Heiligtum zu Mariazell sehen. Wir sehen ihn da in zwei Bildern: als Kind auf dem Arm der Mutter und über dem Hochaltar der Basilika als Gekreuzigten. Diese beiden Bilder der Basilika sagen uns: Wahrheit setzt sich nicht mit äußerer Macht durch, sondern sie ist demütig und gibt sich dem Menschen allein durch die innere Macht ihres Wahrseins. Wahrheit weist sich aus in der Liebe. Sie ist nie unser Eigentum, nie unser Produkt, sowie man auch die Liebe nicht machen, sondern nur empfangen und weiterschenken kann. Diese innere Macht der Wahrheit brauchen wir. Dieser Macht der Wahrheit trauen wir als Christen. Für sie sind wir Zeugen. Sie müssen wir weiterschenken in der Weise, wie wir sie empfangen haben.

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   „Auf Christus schauen”, heißt das Leitwort dieses Tages. Dieser Anruf wird für den suchenden Menschen immer wieder von selbst zur Bitte, zur Bitte besonders an Maria, die ihn uns als ihr Kind geschenkt: „Zeige uns Jesus!” Beten wir heute so von ganzem Herzen; beten wir so auch über diese Stunde hinaus, inwendig auf der Suche nach dem Gesicht des Erlösers. „Zeige uns Jesus!” Maria antwortet, indem sie uns ihn zunächst als Kind zeigt. Gott hat sich klein gemacht für uns. Gott kommt nicht mit äußerer Macht, sondern er kommt in der Ohnmacht seiner Liebe, die seine Macht ist. Er gibt sich in unsere Hände. Er bittet um unsere Liebe. Er lädt uns ein, selbst klein zu werden, von unseren hohen Thronen herunterzusteigen und das Kindsein vor Gott zu erlernen. Er bietet uns das Du an. Er bittet, dass wir ihm vertrauen und so das Sein in der Wahrheit und in der Liebe erlernen. Das Kind Jesus erinnert uns natürlich auch an alle Kinder dieser Welt, in denen er auf uns zugehen will. An die Kinder, die in der Armut leben; als Soldaten missbraucht werden; die nie die Liebe der Eltern erfahren durften; an die kranken und leidenden, aber auch an die fröhlichen und gesunden Kinder. Europa ist arm an Kindern geworden: Wir brauchen alles für uns selber, und wir trauen wohl der Zukunft nicht recht. Aber zukunftslos wird die Erde erst sein, wenn die Kräfte des menschlichen Herzens und der vom Herzen erleuchteten Vernunft erlöschen – wenn das Antlitz Gottes nicht mehr über der Erde leuchtet. Wo Gott ist, da ist Zukunft.
   „Auf Christus schauen”: Werfen wir noch einen kurzen Blick auf den Gekreuzigten über dem Hochaltar. Gott hat die Welt nicht durch das Schwert, sondern durch das Kreuz erlöst. Sterbend breitet Jesus die Arme aus. Dies ist zunächst die Gebärde der Passion, in der er sich für uns annageln lässt, um uns sein Leben zu geben. Aber die ausgebreiteten Arme sind zugleich die Haltung des Betenden, die der Priester mit seinen im Gebet aus- gebreiteten Armen aufnimmt: Jesus hat die Passion, sein Leiden und seinen Tod in Gebet umgewandelt, in einen Akt der Liebe zu Gott und zu den Menschen. Darum sind die ausgebreiteten Arme endlich auch ein Gestus der Umarmung, mit der er uns an sich ziehen, in die Hände seiner Liebe hineinnehmen will. So ist er das Bild des lebendigen Gottes, Gott selbst, ihm dürfen wir uns anvertrauen.
   „Auf Christus schauen!” Wenn wir das tun, dann sehen wir, dass Christentum mehr und etwas anderes ist als ein Moralsystem, als eine Serie von Forderungen und von Gesetzen. Es ist das Geschenk einer Freundschaft, die im Leben und im Sterben trägt: „Nicht mehr Knechte nenne ich euch, sondern Freunde” vgl. Joh 15,15, sagt der Herr zu den Seinen. Dieser Freundschaft vertrauen wir uns an. Aber gerade weil das Christentum mehr ist als Moral, eben das Geschenk einer Freundschaft, darum trägt es in sich auch eine große moralische Kraft, deren wir angesichts der Herausforderungen unserer Zeit so sehr bedürfen. Wenn wir mit Jesus Christus und mit seiner Kirche den Dekalog vom Sinai immer neu lesen und in seine Tiefe eindringen, dann zeigt sich eine große Weisung.

          Er ist zunächst ein Ja zu Gott, zu einem Gott, der uns liebt und der uns führt, der uns trägt und uns doch unsere Freiheit lässt, ja, sie erst zur Freiheit macht (die ersten drei Gebote). Er ist ein Ja zur Familie (4. Gebot), ein Ja zum Leben (5. Gebot), ein Ja zu verantwortungsbewusster Liebe (6. Gebot), ein Ja zur Solidarität, sozialen Verantwortung und Gerechtigkeit (7. Gebot), ein Ja zur Wahrheit (8. Gebot) und ein Ja zur Achtung anderer Menschen und dessen, was ihnen gehört (9. – 10. Gebot). Aus der Kraft unserer Freundschaft mit dem lebendigen Gott heraus leben wir dieses vielfältige Ja und tragen es zugleich als Wegweisung in unsere Welt hinein.

   „Zeige uns Jesus!” Mit dieser Bitte zur Mutter des Herrn haben wir uns hierher auf den Weg gemacht. Diese Bitte begleitet uns in unseren Alltag hinein. Und wir wissen, dass sie unsere Bitte erhört: Ja, wann immer wir zu Maria hinschauen, zeigt sie uns Jesus. So können wir den rechten Weg finden, ihn Stück um Stück gehen, der getrosten Freude voll, dass der Weg ins Licht führt – in die Freude der ewigen Liebe hinein. Amen.

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... und nun folgt die Predigt für unsere Gruppe in Mariazell
und ein Bildbericht über die Geschichte dieses europäischen Wallfahrtsortes.

Liebe Schwestern und Brüder,
   Dein Auge gibt dem Körper Licht. Wenn dein Auge krank ist, dann ist dein ganzer Körper finster. Wenn aber dein Auge gesund ist, dann wird auch dein ganzer Körper hell sein. So sagt uns Lukas in seinem Evangelium. Liebe Schwestern und Brüder, wenn dieses Wort vom Auge auf den leiblichen Bereich be- schränkt bliebe, dann würde ich mich dagegen ganz heftig wehren und ich denke viele von Ihnen auch. Auf die leiblichen Augen sich nicht mehr stützen zu können, das muss noch lange nicht heißen,  dass der ganze Körper finster ist. In diesem Wort will uns mehr gesagt sein. Es geht um die umfassende Wirklichkeit unse- res Lebens, liebe Schwestern und Brüder. Es geht darum, dass wir ein Auge haben, das die Gesamtwirklich- keit unseres Lebens wahrnehmen kann: ein Auge, das Licht in uns einlässt, das es in uns hell werden lässt. Und doch, liebe Schwestern und Brüder, bleibt auch das eine bestehen: auf das leibliche Sehen verzichten zu müssen, ist nicht ganz einfach, das weiß ich selber auch ganz genau – nach 26 Jahren Blindheit. Es gibt doch so manche Einschränkungen, und das Dunkel, das nun in unserer Welt allenthalben festgestellt wer- den kann, kann natürlich durch Blindheit und Sehbehinderung verstärkt werden. Verlangen nach Licht denke ich kann dann noch drängender sein, noch mehr, mit einer ganz tiefen Sehnsucht einhergehen, dort, wo eben so manche Dunkelheit des Lebens noch durch Blindheit und Sehbehinderung verstärkt werden.
    Edith Stein, diese gescheite Frau, diese Heilige, die auch viel Dunkel in ihrem Leben erfahren musste, bei dem vielen Hellen, das in ihrem Leben gewesen ist, sagt einmal: Je dunkler es hier um uns wird, desto mehr müssen wir unser Herz öffnen für das Licht, das von oben kommt.
    Liebe Schwestern und Brüder, das Licht, das von oben kommt. Wir alle wissen um die Dunkelheiten des Seins in dieser Welt. Wir wissen alle, wie so manches, das das Leben trügt, wir  wissen um die Einschränkungen, die da sind,  wir wissen um unsere Fragen nach Sinn, wir wissen um unser Sehnen nach dem ganzen Leben. Wir dürfen ja auch sehr viel Gutes und Schönes und Wertvolles und Kostbares erleben – aber es ist auch das andere: dass wir oft nicht den Durchblick haben, dass wir oft nicht wissen, wie es weiter gehen soll, dass wir gar einen nötig haben, der uns auffängt. Wir spüren, dass unser eigenes Sehen nicht ausreicht, auch unser geistiges Sehen nicht ausreicht, um die Fragen dieser Welt zu beantworten und Licht in dieser Welt in hinlänglicher Weise zu finden. 
    In der Lesung haben wir eben gehört: da ist Einer, der dem Tod die Macht genommen hat, und da ist Einer, der uns in die Pflicht des unvergänglichen Lebens stellt, durch das Evangelium, durch die frohe Botschaft, die Er an uns richtet, diese Botschaft, dass wir von Anbeginn von Gott geliebt sind, liebe Schwestern und Brüder. Lassen wir das auf uns wirken: Geliebt von Gott! Ohne dass wir vorher Werke vollbracht oder Vorleistungen erbracht hätten. Geliebt! Mit Gnade beschenkt! Gnade, die dann ganz offenbar geworden ist in Jesus Christus, der in unsere Welt kommt, unser Leben annimmt, um uns Teil zu geben an Seinem Leben. Licht ist Er – und Licht will Er sein in uns! Hell werden soll es in uns. Erleben von Gott, der unsere Wege mitgeht, der mit uns ist, der gerade auch dort  - und das hat er uns in besonderer Weise gezeigt – der gerade auch dort ist, wo wir den Durchblick selber nicht mehr haben.  Er geht unsere Wege mit, er ist der, der den Tod überwindet – für uns alle! – der uns hineinführt in endgültiges und ewiges Leben.
    Liebe Schwestern und Brüder: Dieses Licht, das er uns ist, er, der den Tod überwindet, das lässt uns auch so viele kleine Tode in diesem Leben überwinden. Leide mit mir für das Evangelium, sagt Paulus zu Timotheus. Licht wird es die Menschen, die in die Gemeinschaft mit Jesus Christus eintreten, die ihn erleben dürfen als den Weg, die Wahrheit und das Leben, als das Licht der Welt, der Helligkeit in unser Leben bringen will. Licht wird es in den Menschen, die ihm folgen, die mit ihm verbunden sind: Da ist in erster Linie Maria, die wir hier an diesem Wallfahrtsort in besonderer Weise verehren, zu der wir unsere Zuflucht neh- men, in ihr ist es licht gewesen: sie hat das Licht der Welt geboren, sie ist zum Licht geworden für andere; sie ist Licht geworden dieser Elisabet, dieser Verwandten, die sie selig preist, weil sie geglaubt hat. Sie ist Licht geworden den Leuten bei der Hochzeit von Kana, wo der Wein ausging, und wo sie die Not der Menschen wahrnimmt und ihnen hilft. Sie ist Licht geworden in der Gemeinschaft der Jünger. Sie ist Licht gewesen unter dem Kreuz – mit Johannes zusammen. 
   Licht drängt danach, dass es sich mitteilt, dass es nicht da bleibt, wo es ist, sondern dass es weitergeht. Und so dieses Licht, das uns von Gott her gegeben ist, dieses Licht, das Jesus Christus uns schenkt. Er will, dass wir Menschen uns gegenseitig Licht sind. Das ist in den einleitenden Texten ganz deutlich geworden. Wir Menschen sind auch einander verbunden. Wir brauchen einander, damit wir ganz zum Leben finden, damit es in unserem Leben Licht werden kann. Wir haben einander nötig, und ich denke gerade wir Menschen, die wir auf das Sehvermögen verzichten müssen, wir haben auch einen Auftrag, wir haben den Auftrag in einer Welt, in der der Individualismus zerstörerisch wirkt, zu zeigen, welche Kraft darin liegt, dass Menschen aufeinander verwiesen sind, dass sie aufeinander zugehen, dass sie voneinander Hilfe anneh- men und Hilfe gewähren. In einer Welt, wo Glaube immer weniger eine Rolle spielt, da haben wir eine Auf- gabe, Licht zu sein, durch unser eigenes, Licht dadurch zu werden, dass wir vom Glauben her leben, und dass wir dadurch anderen etwas zu geben haben, dass wir Orientierung geben können, dass wir in einer Welt, die den Perfektionismus schaffen möchte und dabei immer mehr an Lebensmöglichkeiten verliert, dass wir dort Möglichkeiten des Miteinanders zeigen, Möglichkeiten der Solidarität, Möglichkeiten des mit- einander teilen uns gegeben sind in diesem Licht, das Jesus Christus selbst ist. Licht soll es werden in uns, liebe Schwestern und Brüder, damit es in anderen Licht werde. Das ist gar nicht so ganz einfach. Das hat schon Kardinal John Henry Newman gewusst, Deswegen sein Gebet an Christus: Bleibe bei mir, damit ich beginnen kann Licht zu werden und anderen zu leuchten. Stimmen wir in dieses Gebet ein, Licht zu werden für einander.
  Liebe Schwestern und Brüder, wir brauchen keine Angst zu haben, dass wir etwas verlieren, wenn wir das Licht weiter geben. Es war da eine Braut, die gehört hatte, dass an einem weit entfernten Ort eine heilige Flamme brenne. Sie wollte von diesem Licht etwas haben, weil sie sich davon erwartet hat, für sich selber Glück und Leben zu bekommen und Glück und Leben den Menschen zu schenken, die sie liebte. Sie nahm den langen Weg auf sich, kam an den Ort der heiligen Flamme, und entzündete dort ihr Licht. Auf dem Heimweg war es ihre große Sorge, dass ja dieses Licht nicht erlöschen möge. Unterwegs traf sie auf einen Menschen, der fror und der kein Feuer hatte. Dieser Mensch bat sie, gib mir von deinem Licht. Sie zögerte. Sie dachte: soll ich dieses kostbare, dieses heilige Licht für so eine gewöhnliche Sache geben? Schließlich gab sie dem im Dunkel frierenden Menschen von ihrem Licht. Sie war schon nahe ihrer Heimat, als ein Un- wetter losbrach. Sie suchte ihr Licht gegen den Regen und Sturm zu schützen, vergeblich. Es erlosch. Den Weg zu dem entfernten heiligen Ort der Flamme, den würde sie nie mehr schaffen. Das wusste sie. Aber den Weg zu dem Menschen, dem sie von ihrem Licht gegeben hatte, den konnte sie zurücklegen und dort ihr Licht wieder entzünden.  Nach einem Tonmitschnitt des kbwn-echo.

Mariazell 1793 Mariazell Gnadenstatue II

Die Bedeutung der Wallfahrtskirche Mariazell
    Kaum eine andere Wallfahrtsstätte der Welt kann auf eine derart beeindruckende Vergangenheit zurück- blicken.
     Der Überlieferung nach wurde Mariazell am 21. Dezember 1157 gegründet. Eine Bauinschrift über dem Hauptportal mit der Jahreszahl 1200 lässt diese Zeit als Baubeginn der romanischen Kapelle annehmen. Die erste urkundliche Erwähnung von "Cell" finden wir 1243. Im Jahre 1330 ist die Kirche Unserer Lieben Frau zu Zell in einer Ablassurkunde des Salzburger Erzbischofs Friedrich III. als viel besuchter Wallfahrtsort quellenmäßig belegt, bereits 1344 erhielt der Ort das Marktrecht. Von großer Bedeutung für Mariazell war die 1399 erfolgte Verleihung eines vollkommenen Ablasses durch Papst Bonifaz IX. Er wurde für die Woche nach der Oktav von Mariae Himmelfahrt gewährt und führte zur Ausbildung von Bußriten und Prozessionen, die auch nach der Aufhebung dieses Ablasses lebendig blieben und bis in die Barockzeit hinein nachweisbar sind. Der Pilgerstrom nahm ständig zu.
    Um 1400 gab es bereits an die zwei Dutzend Verkaufsstände für Votivgaben, und etwa hundert Jahre später war Mariazell als Wallfahrtsort international bekannt. Pilger aus der Gegend des heutigen Bayern, Böhmen, Frankreich, Italien, Kroatien, Polen, Deutschland, Schweiz, vor allem aber aus Österreich und Ungarn suchten schon damals die Hilfe der Mariazeller Gnadenmutter.
    Nach dem Ende der Gegenreformation erlebte Mariazell eine besondere Blütezeit als Nationalheiligtum des Hauses Habsburg, das nicht nur sein persönliches Schicksal, sondern das ganze Land und seine Bevölkerung dem Schutz Mariazells anvertraute.
    Die Vorbildwirkung der Herrscherfamilie bewog die Angehörigen des Adels und des Bürgertums und schließlich auch die bäuerliche Bevölkerung, nach Mariazell zu pilgern. Die gotische Kirche konnte die große Pilgerzahl nicht mehr beherbergen, daher entschloss sich Abt Benedikt Pierin von St. Lambrecht zur barocken Erweiterung, die der Kirche ihr charakteristisches Aussehen gab. Die Stadterhebung im Jahre 1948 ist nicht der Größe des Ortes zu verdanken, sondern der Bedeutung als kirchliches und kulturelles Zentrum weit über die Grenzen Österreichs hinaus.
   Seit dem Fall des Eisernen Vorhanges ist es auch Pilgern aus den östlichen und südlichen Nachbar- staaten Österreichs wieder ungehindert möglich, nach Mariazell zu kommen. Bei einer Einwohnerzahl  von knapp 2.000 rechnet man pro Jahr mit über einer Million Pilgern und Besuchern Mariazells.

Mariazell Gnadenaltar Mariazell Basilika

Das Innere - Die Gnadenkapelle
   Beim Betreten der Basilika fällt der Blick sofort auf die Gnadenkapelle im Zentrum des Langschiffes zwischen gotischem und barockem Teil der Basilika.
   Der heutige trapezförmige Grundriss stammt von 1690. Es wurden jedoch bestehende Teile aus dem 14. Jahrhundert integriert, wie zum Beispiel das Steinrelief im Giebel, das der Parlerschule von 1369 zugeschrieben wird. Das Relief zeigt wahrscheinlich die Porträtbüsten König Ludwigs l. von Ungarn und seiner Gemahlin Elisa- beth als Erbauer der gotischen Kapelle. Im Jahre 1756 stifteten Kaiser Franz I. und Kaiserin Maria Theresia das wertvolle Silbergitter anlässlich des 600-jährigen Bestehens der Wallfahrtskirche. Seitlich des Gitterbogens befin- den sich die Initialen des Kaiserpaares, das Kaiserwappen mit der deutschen Reichskrone sowie das ungarische Wappen. Die Inschrift unter dem Doppeladler verweist auf ein früheres, von Kaiser Leopold I. gestiftetes Gitter. Bewegte Statuen des heiligen Josef, umgeben von Engeln, sowie der Eltern Mariens - Joachim und Anna - bekrönen die Gnadenkapelle. Die Figuren sind Werke von Lorenzo Mattielli aus dem Jahr 1734, das Gitter wurde von den Wiener Goldschmieden Joseph Würth und Joseph Moser gefertigt. Auf den Dreiviertelsäulen an der Außenseite stehen unter gotischen Baldachinen die Statuen des heiligen Benedikt und des heiligen Bischofs Lambert, der beiden Patrone des Stiftes St.Lambrecht.
  Der heutige Aufsatz des Gnadenaltars wurde 1726 von Abt Kilian Werlein von St. Lambrecht in Auftrag gegeben. Der Entwurf stammt von Joseph Emanuel Fischer von Erlach, dem Sohn Johann Bernhards. Die Silberschmiede- arbeiten wurden von Philipp Jakob Drentwett in Augsburg ausgeführt. Das Antependium stammt bereits vom Vor- gängeraltar. Es wurde 1706 von Fürst Adam von Schwarzenberg gespendet. Die Kommunionbank aus Marmor ist eine Arbeit aus dem Jahr 1692.
   Die schlichte romanische Gnadenstatue aus Lindenholz machte Mariazell als “Magna Mater Austriae” zum be- rühmtesten Wallfahrtsort Österreichs. Nach altem Brauch wird die Gnadenstatue mit Liebfrauenkleidern, meist Gaben adeliger Damen, geschmückt. Ohne Liebfrauenkleid ist sie nur am Patroziniumstag, dem 8. September (Mariae Geburt), und am 21. Dezember, dem Gründungstag von Mariazell, zu sehen.
  Die beiden Lampen tragenden Engelsfiguren Raphael und Gabriel stehen lebensgroß vor der Gnadenkapelle. Ursprünglich waren sie nach Vorlagen Mattiellis aus Silber gefertigt, wurden aber am Ende des 18. Jahrhunderts wegen der Franzosenkriege eingeschmolzen und durch versilberte hölzerne Statuen ersetzt. 
   Die Kanzel aus rotem und schwarzem Marmor wurde 1689 - 1691 vom Türnitzer Bildhauer Andreas Grabmayer gefertigt. Sie ist um einen Pfeiler des Langhauses aufgebaut. Am Portal erscheint ausdrucksvoll der heilige Paulus als Vorbild der Prediger. Am Kanzelkorb befinden sich auf Konsolen die vier Evangelisten mit ihren Symbolen.

Mariazell Gnadenbild Mariazell Gnadenstatue

Das Innere - Chorempore:
   Die Chorempore bildet mit dem Orgelgehäuse als harmonische Einheit den westlichen Abschluss des Haupt- schiffes. Sie erhielt ihre heutige Form durch eine Umgestaltung im Jahr 1739. Die großen Reliefs auf der stark ge- schwungenen Brüstung zeigen Szenen der biblischen Tempelweihe, in der Mitte ist das Wappen des Stiftes St. Lambrecht zu sehen. Das reich geschmückte Relief auf der Unterseite zeigt die Gründungslegende von Mariazell.
   Die Mariazeller Orgel hat ihre eigene aufregende Geschichte: Umbauten, Neubauten, Vergrößerungen bis zum Einbau eines Fernwerkes hinter dem Hochaltar kennzeichnen  die Mariazeller Orgelgeschichte seit 1509. Das Or- gelwerk wurde in den Jahren 1740, 1912 und 1929 umgebaut. Die Basilika Mariazell hat auf jeder Seite des Lang- hauses sechs Kapellen, deren Titel jeweils an der Stirnseite benannt sind. An der Südseite finden wir die Kapellen zu Ehren der heiligen Benediktus, Ägidius, Barbara, Dreifaltigkeit, Heilige Familie und Antonius von Padua, an der Nordseite zu Ehren der Heiligen Jakobus, Emmerich von Ungarn, Stephan, Katharina, Leopold und Ladislaus. Die Kartuschenmalereien beziehen sich auf die Patrone der Kapellenaltäre. Kunstvoll geschmiedete Eisengitter um 1675 schließen die Kapellen zum Kirchenschiff ab.
   Die einheitlichen Altäre aus rotem Marmor wurden nach Entwürfen des Baumeisters Domenico Sciassia durch den Bildhauer Carlo Gianollo geschaffen, während die Altargemälde von verschiedenen Meistern stammen. Durch eine kolossale Pilasterordnung werden Kapellen und Emporen miteinander verbunden und in den Gesamtraum mit einbezogen. Die Bildfelder in den Gewölben des Langhauses stellen Figuren aus dem Alten Testament,  Patriarchen, Propheten sowie die beliebtesten Heiligen dar. Die Beichtstühle entstanden um die Mitte des 18. Jahrhunderts.

Mariazell Tympanonrelief      Mariazell Wallfahrtskirche

Hauptfassade:
   Die charakteristische Fassade der Mariazeller Wallfahrtskirche mit den drei Türmen spiegelt ihre Baugeschichte deutlich wider. Der gotische Mittelturm hat einen quadratischen Grundriss, das Obergeschoss geht in ein Achteck über. Der Turm erhebt sich 90 m hoch, seinen Spitzhelm erhielt er nach dem Brand von 1827. Die barocken Seitentürme ragen 60 m hoch und sind von Zwiebelhelmen bekrönt. Aus Rücksichtnahme auf die starken histori- schen Bezüge zu Ungarn wurde die von Domenico Sciassia in einem frühen Entwurf geplante Barockisierung des Mittelturmes nicht verwirklicht.
   Seitlich des Hauptportales stehen Markgraf Heinrich von Mähren und König Ludwig l. von Ungarn als lebens- große Bleifiguren - anlässlich der 600-Jahr-Feier 1757 von Balthasar Moll geschaffen.
   Das große spitzbogige Hauptportal mit gotischem Gewände zeigt im Bogenfeld eine vielfigurige Kreuzigung aus Kalkstein. Am linken unteren Rand des Tympanonreliefs ist kniend der Stifter Abt Heinrich Moyker von St. Lam- brecht zu sehen, der 1437 den Auftrag dazu erteilt hatte.
Lateinische Inschriften erläutern die einzelnen Darstellungen:
   “Der Heilige Wenzel weist den Markgrafen von Mähren und seine Gemahlin, die lange Zeit von der Gicht geplagt wurden, zur Heilung (an Maria)”.  Unmittelbar  neben der Schutzmantelmadonna kniet König Ludwig I. von Un- garn (1342-1382) mit einem Marienbild, das er als Dank für den Sieg über die Türken als Votivgabe gestiftet hat (derzeit in der Nordschatzkammer). Darunter befindet sich der Wappenschild mit dem ungarischen Doppelkreuz. “Ludwig, der König von Ungarn, erlangt durch die Mutter der Barmherzigkeit einen glorreichen Sieg über die Türken.”
   Die beiden anderen Wappenschilder zeigen das Allianzwappen mit dem Schild Albrechts V. von Österreich und dessen Gemahlin Elisabeth, einer Tochter König Sigismunds von Ungarn.
   Am rechten Reliefrand ist die Szene einer Teufelsaustreibung durch einen Mönch dargestellt. Das Relief wird nach unten von einer Inschrift mit der Osterantiphon “Regina coeli” begrenzt.
Das Innere - Hochaltar:
    Der Hochaltar, ein großartiges Gesamtkunstwerk zu Ehren der Heiligsten Dreifaltigkeit, entstand zwischen 1693 und 1704 nach dem Entwurf des berühmten Künstlers und Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach. Die Altarmensa besteht aus einem Marmorblock. Der Tabernakel in Form einer Weltkugel ist Fischers eigene Er- findung. Im Zuge einer großen Silberablieferung für die Franzosenkriege wurden vier Statuen eingeschmolzen und 1807 durch versilberte Holzstatuen ersetzt.
   Anlässlich der letzten Restaurierung (bis zum Jahr 2000) wurden die beiden Modellengel der ursprünglichen Silberfiguren gefunden und am Altar aufgestellt. Somit können wir jetzt von “drei Generationen” der Hochaltar-  Skulpturen sprechen. Die einzigartige Weltkugel aus Gold und Silber mit einem Durchmesser von zwei Metern ist eine der prachtvollsten Augsburger Arbeiten jener Zeit von Christoph Schanternell. Dieser Globus hat die Funktion eines Tabernakels und bildet mit der Ewig-Licht-Ampel Kaiser Karls VI. eine symbolische Einheit. Die emaillierte Schlange erlaubt eine vielfache religiöse Deutung von der Erbschuld bis zur Erhöhung der Schlange am Kreuz und letztlich bis zur Neuschöpfung des Lebens durch das Erlösungswerk Christi. Unter dem Kreuz stehen die Mutter Jesu und der Lieblingsjünger Johannes. Der Gekreuzigte befiehlt die beiden einander an - die Mutter dem Jünger und dem Jünger seine Mutter. Das Geschehen am Kreuz deutet hier aber bereits die Überwindung des Kreuzes an, der Gekreuzigte wird vom Vater erhöht. Somit ist das Geschehen am Kreuz ins Kosmische geweitet und sprengt alle Dimensionen der Menschenwelt: Judenchristentum und Heidenchristentum werden einander zuge- ordnet als die neue Familie Gottes. Eine neue Beziehung zwischen Gott und Mensch und Mensch und Mensch wird gestiftet. Die Vollendung der Liebe des Dreifaltigen Gottes (die Taube als Symbol des Heiligen Geistes in der Glo- rie des Hochaltares) ermöglicht uns Menschen neues Leben. Der Mariazeller Hochaltar in Form eines Triumph- bogens wird somit für uns Menschen zu einer Lebenspforte - zum Tor des Übergangs vom Tod in das Leben.
   Johann Bernhard Fischer von Erlach nahm bei dieser Darstellung Anleihe bei Bernini. Die ursprüngliche Dramatik des Heilsgeschehens konnte durch die jetzt neu gewonnene Lichtfülle (Stoff-Transparent) wiedererlangt werden. Historische Forschungen und umfangreiche Studien ließen das ursprüngliche Konzept erkennen. Das Orgelfern- werk (um 1900) verstellte das obere Fenster, das Buntfenster verdunkelte den ganzen Altarraum und verfälschte zudem die ursprüngliche theologische Ausrichtung und die künstlerische Gesamtkomposition - beide wurden entfernt. Presbyterium und Gesamtraum haben durch die Übertünchung des Marmoranstriches aus den fünfziger Jahren gewonnen und ihr barockes Aussehen wiedererlangt.
   Die Kreuzigungsszene mit Gottvater, Christus, Maria, Johannes und den beiden Anbetungsengeln ist über- lebensgroß und wurde nach Modellen von Lorenzo Mattielli vom Wiener Goldschmied Johann Kanischbauer in Silber ausgeführt. Kaiser Karl VI. spendete sie 1722. Acht gekuppelte Marmorsäulen auf massiven Podesten tragen zwei gebogene, verkröpfte Gebälkteile, die durch einen Triumphbogen verbunden werden, auf dem sich die himmlische Glorie mit der Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz erhebt. Die ganze Szene ist von Engeln umgeben. Johann Bernhard Fischer von Erlach bezieht sich bei der Darstellung von Gottvater mit dem Gekreu- zigten auf ein Gemälde Berninis, seines römischen Lehrmeisters. Zwei durch hohe Marmorportale gekennzeich- nete Sakristeien sind zwischen dem Hochaltar und der Madonnensäule im Süden und im Norden angebaut. Die geschnitzten Schränke sind wahrscheinlich Hans Rietz um 1666 zuzuschreiben.
   Im Barockbereich steht auf der Säule eine Marienstatue, die ebenfalls als Gnadenbild verehrt wird. Früher fanden vor der “Muttergottes auf der Frauensäule” verschiedene Bußbräuche statt.
   Die bemerkenswerte Statue mit einer Höhe von fast zwei Metern entstand um 1520. Die Kronen sind aus vergoldetem Kupfer gearbeitet, der Strahlenkranz wurde 1709 dazugefügt. Maria als Himmelskönigin trägt auf dem rechten Arm das segnende Jesuskind mit der Weltkugel, in der linken Hand hält sie ein Zepter.
    Nach der Vollendung des barocken Erweiterungsbaues erfolgte 1682 die Aufstellung auf der fünf Meter hohen Marmorsäule mit Stuckkapitell.
  Folgende Stukkateure und Maler waren während der barocken Umgestaltung tätig: Mathias Camin - ein in Graz ansässiger Italiener - schuf 1649 bis 1669 die Stuckumkleidung und Ausschmückung der Pfeiler und der Decken in den drei Schiffen, in den Kapellen und auf den Emporen. Die Stukkaturen der Sakristeien stammen von Alessandro Serenio (künstlerisch von Camin abhängig) um 1665. Giovanni Rocco Bertoletti schuf 1666 - 1672 den Stuck im barocken Neubau (Kapellen, Flachkuppel, Schatzkammern) und stellte die große Kuppel, Chorgewölbe und -wände um 1683 gemeinsam mit Fernando Loreto fertig. Domenico Bosco und Francesco Casagrande arbei- teten 1703 an den Fensterlaibungen des Chores. Georg Hausen aus Bam- berg wurde mit den Kartuschen- malereien der Gewölbe im Westteil zwischen 1649 und 1680 beauftragt. Er ließ sich schon nach der ersten Auftragsvergabe in Mariazell nieder, wo er 1685 verstarb. Giovanni Battista Colomba freskierte die Gewölbe und Wände in den Sakristeien, Schatzkammern und im Barockbau ab 1665.

Mariazell Monstranz mz568

Gründungsgeschichte
   Die Legende berichtet folgende Gründungsgeschichte: Abt Otker vom Benediktinerkloster St. Lambrecht sandte im Jahre 1157 einen Mönch namens Magnus in die Mariazeller Gegend, die zum Besitz des Klosters gehörte. Jener Mönch sollte die Seelsorge der dort lebenden Menschen übernehmen. Mit Erlaubnis des Abtes durfte er seine aus Lindenholz geschnitzte Marienstatue auf die weite Reise mitnehmen. Am Abend des 21. Dezember versperrte ihm nahe des Zieles ein Felsblock den Weg. Magnus wandte sich Hilfe suchend an die Muttergottes, worauf sich der Felsen spaltete und den Weg freigab. Am Ziel angekommen, stellte der Mönch die Statue auf einen Baumstrunk und begann eine “Zelle” zu bauen, die als Kapelle und gleichzeitig als Unterkunft für ihn selbst diente. Maria in der Zelle gab dem Ort seinen Namen. Die Marienstatue wurde zum berühmten Gnadenbild, das noch heute als Magna Mater Austriae, als große Mutter Österreichs, verehrt wird. 
    Die ersten prominenten Pilger waren Markgraf Heinrich von Mähren und seine Gattin, die sich auf eine Weisung des heiligen Wenzel hin auf den Weg nach Mariazell machten und von einer schweren Gichterkrankung geheilt wurden. Als Dank für diese Heilung ließ der Markgraf im Jahre 1200 rund um die Zelle eine romanische Kapelle errichten.
   Der Bau der gotischen Kirche steht in engem Zusammenhang mit König Ludwig I. von Ungarn. Er besiegte 1365 im Namen der Gottesmutter ein feindliches Reiterheer und stiftete das wertvolle Madonnenbild, welches noch heute am Altar der Schatzkammer vor allem von ungarischen Gläubigen verehrt wird. Vom gotischen Bau sind noch der Mittelturm und das barock umgestaltete Langhaus erhalten.
  Die nach der Reform (“Gegenreformation”) wieder erstarkte katholische Kirche und die barocke Volksfrömmig- keit bewirkten im 17. Jahrhundert einen stärkeren Wallfahrerzustrom.  Abt Benedikt Pierin von St. Lambrecht beauftragte daher mit Unterstützung Kaiser Ferdinands III. den Um- und Neubau der alten Kirche nach Plänen des St. Lambrechter Stiftsbaumeisters Domenico Sciassia.
   Der barocke Erweiterungsbau entstand ab 1644 innerhalb von ca. 50 Jahren unter den Äbten Benedikt Pierin und Franz von Kaltenhausen. Die vier freien Pfeilerpaare der gotischen Hallenkirche mit ihren fünf Jochen wurden ummantelt und die Gewölbe mit Stuckaturen und Malereien geschmückt. Die Gewölbefresken der Ovalkuppel (10 x 15 x 50 m) - nach dem Großbrand von 1827 erneuert - zeigen die Haupt- patrone der österreichisch-ungarischen Monarchie (Leopold, Joseph, Johannes von Nepomuk, König Stephan I. von Ungarn) und die vier Evangelisten, in der Mitte ist in Gold der Name Jesu (IHS = Jesus, Gottessohn, Retter). Die Kartuschen der Pendentifs symbolisieren der vier im 17. Jahrhundert bekannten Erdteile. Durch die großen Fenster auf den Em- poren erzielte Sciassia den für die Wirkung des Innenraumes so entscheidenden Lichteinfall. Der gotische Chor im Osten musste 1654 vollständig abgebrochen werden, um Platz für die barocke Raumfolge zu schaffen. Das Lang- haus wird durch eine Flachkuppel mit angrenzenden Nebenschiffen und Kapellen fortgesetzt. An die dynamische längsovale Kuppel fügen sich die beiden Sakristeien, Nebenräume und das Presbyteriurn in meisterhafter Weise an. Durch das Vortreten der Sakristeibauten erhält die Kirche einen kreuzförmigen Grundriss. Der Chor ist etwas schmaler als das Mittelschiff und rechteckig, wodurch der Bau einen flachen Abschluss erhält. Durch die Fortset- zung des Langhauses nach Osten erzielte Sciassia einen großzügigen Raum, der die Wallfahrergruppen aufneh- men konnte.
   Stuckaturen und Fresken verbinden alle Raumteile und verunklären die ursprüngliche Raumwirkung der gotischen Halle mit den birnstabprofilierten Rippen des Kreuzgewölbes. Die gotische Halle ist 42 m lang, 20 m breit und 19 m hoch. Die Gesamtlänge der Kirche beträgt 84 m, die Breite 30 m. Domenico Sciassia starb 1679 in Mariazell, vier Jahre vor der Vollendung seines Werkes. Er wurde in der Gruft im südlichen Seitenschiff beigesetzt. Mit der Konsekration des Hochaltars durch Abt Franz von Kaltenhausen von St. Lambrecht erfolgte am 31. August 1704 der Abschluss der barocken Umgestaltung der Basilika.
   Ein schwerer Schlag für Mariazell war die Aufhebung des Mutterklosters St. Lambrecht in den Jahren 1786 bis 1802. Mariazell blieb auch nicht von staatlich verordneten Silberablieferungen, wie zum Beispiel zur Finanzierung der Franzosenkriege um 1800, verschont. Zahlreiche Kunstschätze mussten eingeschmolzen werden. Im Ersten Weltkrieg war  man sogar zur Ablieferung des Kupferdaches gezwungen. Beim großen Brand von 1827 wurden Dach und Turmhelme völlig zerstört, auch die Glocken schmolzen. Das Innere der Kirche blieb jedoch größtenteils verschont. Zur Behebung der Schäden trug die ganze Monarchie bei. Im Jahr 1907 wurde die Kirche zur Basilika minor erhoben, die päpstliche Krönung der Gnadenstatue erfolgte 1908 durch den Nuntius. Die Wallfahrt nach Mariazell lebt ungebrochen weiter. Mariazell ist auch heute einer der größten Wallfahrtsorte Mitteleuropas.

 Das Deutsche Katholische Blindenwerk
hat alle deutschen Regionalverbände  zu einer Wallfahrt nach Mariazell eingeladen.  Auch das
Katholische Blindenwerk Norddeutschland e.V. war dabei. Hier sind unsere schönsten Erlebnisfotos:

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