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Mittelamerika

Fotoberichte über die Reisen von Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. nach Kuba  > Mittelamerika II

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Papst trifft Kardinäle und Bischöfe aus Lateinamerika Foto: Papst Franziskus bei Pilgern aus El Salvador

   Der Freitag stand bei Papst Franziskus ganz im Zeichen von Lateinamerika. Bereits die Morgenmesse hielt er auf Spanisch. Denn eine hochrangige Delegation von Bischöfen und Kardinälen aus Lateinamerika war zur Audienz geladen. Der Papst traf den neuen CELAM-Vorsitzenden, Kardinal Rubén Salazar Gómez aus Kolumbien, das Vorstandsmitglied Erzbischof José Belisário da Silva (Brasilien) und Kardinal José Luis Lacunza Maestrojuán (Panama) sowie Weihbischof Juan Espinoza Jiménez (Mexiko). Des Weiteren empfing Fraziskus im Vatikan rund 500 Pilger aus El Salvador.
   Die Delegation wolle den zuständigen Institutionen des Vatikan den „Plan Global 2015-2019“ von CELAM vorstellen. Einer der Schwerpunkte der lateinamerikanischen Kirchen wird künftig die Arbeit für Migranten sein.
   Zum 60-jährigen Jubiläum des lateinamerikanischen Bischofsrates hatte Papst Franziskus einen Brief gesendet. Dieser wurde am Freitag vom Vatikan veröffentlicht. Darin appellierte der Papst an Celam, die Leidenschaft für die Kirche von „unseren Völkern“ lebendig zu halten, ihre Leiden zu lindern, und ihnen zur Seite zu stehen um einen gemeinsamen Weg der Gleichheit, Freiheit und des Friedens zu ermöglichen, vor allem auch in Anbetracht des nahenden Heiligen Jahres der Barmherzigkeit.
   Zum „Consejo Episcopal Latinoamericano“ (CELAM) haben sich 22 nationale Bischofskonferenzen Südamerikas und der Karibik zusammengeschlossen. Aufgabe des Rats ist es, den Mitgliedskirchen theologische und pastorale Impulse zu geben, Kontakte herzustellen und die Zusammenarbeit zu fördern. Der CELAM wurde 1955 auf Wunsch der Bischöfe des Subkontinents von Papst Pius XII. (1939-1958) gegründet. Sitz des Generalsekretariats ist die kolumbianische Hauptstadt Bogota. An der Spitze des Gremiums steht ein auf vier Jahre gewähltes Präsidium.
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Papst Franziskus besucht Kuba

Fotoberichte über die Reisen von Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. nach Kuba  > Mittelamerika II

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Kurienkardinal auf Kuba -   Kardinal Stella mit dem Papst

  Kardinal Beniamino Stella hat die katholische Kirche auf Kuba besucht. Der Präfekt der Kleruskongregation traf sich u.a. am Freitag in Camagüey mit Priestern. Dabei ermunterte er sie, sich von Schwierigkeiten nicht entmutigen zu lassen. Priestermangel stelle kein Hindernis für eine neue Evangelisierung dar. Papst Franziskus wird, wie vor ein paar Tagen bekannt wurde, vor seiner USA-Reise im September einen Abstecher nach Kuba machen. Der Vatikan war letztes Jahr am Wiederaufnehmen der seit Jahrzehnten blockierten Beziehungen zwischen Kuba und den USA beteiligt. Rv150426sk

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  Kuba: Neue Perspektiven durch Papstbesuch - Kardinal Beniamino Stella feierte auch Gottesdienste auf Kuba 

  Die kubanische Regierung möchte ihren Umgang mit der katholischen Kirche auf der Insel verbessern. Das berichtet Kurienkardinal Beniamino Stella, der Präfekt der vatikanischen Bischofskongregation, nach seiner Rückkehr aus Havanna, wo er unter anderem mit dem kubanischen Regierungschef Raul Castro sprach. Stella war in den 1990er Jahren Nuntius auf Kuba; Papst Franziskus wird das Land im kommenden September als dritter Papst besuchen.
   „Es war ein langes Gespräch“, sagte der Kardinal über die Begegnung mit Raul Castro. Als Vertreter der katholischen Kirche habe er dem kubanischen Regierungschef eine Reihe von Anliegen der kubanischen Bischöfe vorgetragen. „Da gibt es das ganze Thema der Restaurierung von Kirchen und auch des Neubaus von Kirchen. Dann gibt es noch das Thema der Schwierigkeiten für die Priester, die sich nur mit Mühe im Land fortbewegen können. Das dritte Thema war der Zugang der Kirche zu den Medien. Da gab es schon Fortschritte, und das ist auch ein Zeichen des Voranschreitens in den Räumen der Freiheit; ich meine, dass der Papstbesuch den Medien überhaupt neue und sehr ersehnte Perspektiven bringen wird. Gerade in Bezug auf das Internet wünscht sich die kubanische Kirche Neuerungen.“
  Stella berichtete auch von kleinen katholischen Gemeinden in den Bergen, die keinerlei offizielle Anerkennung hätten. Dort gebe es keine Kirchen, sondern sogenannte „Missionshäuser“, die von Priestern, Diakonen und Katecheten angesteuert würden. Er habe dem kubanischen Regierungschef gesagt, dass diese bereits existierenden Gemeinden formal anzuerkennen seien, unterstrich der Kurienkardinal. Er erhoffe sich diesbezüglich einiges durch den Papstbesuch, der „ein großes Fenster“ sei. Kuba sei voller Vorfreude auf diese Visite, auch weil die Menschen den Lateinamerikaner Papst Franziskus als einen der ihren empfänden. Besonders den Katholiken, die für ihren Glauben einstünden und manch Schwierigkeit zu meistern hätten, zeigten großes Interesse und große Freude. Die Kirche auf Kuba sei „stark im Wachsen begriffen“, berichtete der Kardinal.
   Die Zeit der Vorbereitung auf diese Visite ist sehr kurz, räumte Stella ein, der beim Besuch von Johannes Paul II. Nuntius in Havanna gewesen war. Besonders auch der logistische Aspekt sei eine Herausforderung. „Es ist wichtig, dass die Gläubigen hingehen können, dass sie dorthin reisen können, wo der Papst sich aufhält. Es ist ein wirklicher Pastoralbesuch, den der Papst auch mit ziemlich viel Zeit ausstatten will.“
  Franziskus besucht Kuba unmittelbar vor seiner Reise in die USA im September, wobei die Daten für die Karibik- Insel noch nicht feststehen. Ende vergangenen Jahres hatte der Papst für einen politischen Coup gesorgt, als er dank seines diplomatischen Apparates die Wiederannäherung zwischen Kuba und den USA ermöglichte. Tatsächlich sei hier dem Papst „persönlich, seinem Herzen, seiner Kreativität“ viel zu verdanken, formulierte der frühere Vatikandiplomat Stella. „Wichtig ist, dass die kubanische Bischofskonferenz der kirchliche Organismus ist, der diese öffentliche und formale Rolle des Dialogs mit den Autoritäten des Landes übernimmt. Und dann muss jeder Bischof sich diese Initiativen zu eigen machen, damit diese Annäherung weitergehen und immer konkreter werden kann. Die Themen auf der Tagesordnung sind weder leicht noch wenige, aber guten Willen vorausgesetzt, sind es auch keine Berge, die man erklimmen muss. Wir wünschen uns, dass man so bald wie möglich auf Ergebnisse zusteuert, die eine wirklich neue Etappe der Beziehungen zwischen den beiden Ländern eröffnet.“  Rv150502gs

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Raul Castro empfängt Kurienkardinal - Kardinal Stella bei der Sonntagsmesse in Havanna

 Präsident Raul Castro hat in Havanna den Präfekt der Kleruskongregation, Kardinal Beniamino Stella, empfangen. Bei dem Treffen ging es u.a. um den auf September angesetzten Papstbesuch auf Kuba. Die Medien sprechen von einer „herzlichen Begegnung“. Stella war Nuntius in Havanna von 1993 bis 1999; er ist auf Kuba eingetroffen und hat in den letzten Tagen viele Gespräche mit Kirchenleuten geführt. Rv150428sk

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Annäherung: Die Präsidenten der USA und Kubas, Barack Obama und Raúl Castro

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  Raúl Castro, Präsident Kubas, besucht den Vatikan. Am 10. Mai wird er einen privaten Besuch bei Papst Franziskus machen. Das teilte der Vatikan mit. Vatikansprecher Pater Lombardi bestätigte, dass die Begegnung am Sonntagmorgen in den Empfangsräumen der Audienzhalle stattfinden werde. Der Besuch habe rein privaten Charakter, so Lombardi weiter, es sei also kein offizieller Staatsbesuch.
  Präsident Castro habe öffentlich Papst Franziskus für dessen Rolle in der Annäherung zwischen seinem Land und den USA gedankt, betonte Lombardi. Es ist also davon auszugehen, dass diese politische Entwicklung und auch der Besuch des Papstes auf Kuba im September diesen Jahres eine Rolle bei den Gesprächen spielen wird.
   Im Oktober vergangenen Jahres hatte es erste Begegnungen zwischen Vertretern Kubas und der USA im Vatikan gegeben, Auslöser waren Briefe, die der Papst den Präsidenten beider Länder geschrieben hatte. Beim Treffen der Staaten Amerikas waren sich Castro und Obama darauf hin das erste mal begegnet. Die USA haben ein Wirtschaftsembargo gegen Kuba verhängt, das seit den 60er Jahren gilt.
   Raúl Castro ist der zweite kommunistische Präsident Kubas, der den Vatikan besucht, 1996 war sein Bruder Fidel Castro, der damals regierte, mit Papst Johannes Paul II. zusammen getroffen. 1998 stattete Johannes Paul dann der Insel einen Besuch ab und mahnte, Kuba solle sich für die Welt öffnen und die Welt für Kuba. 2012 war dann Papst Benedikt XVI. zu Gast, auch er sprach sich mehrfach für Versöhnung aus. rv150506ord

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Kubas Präsident  Raúl Castro besucht Papst Franziskus

  Papst Franziskus hat den kubanischen Präsidenten Raúl Castro zu einem „privaten Besuch" empfangen. Castro habe sich beim Papst für den Brief nach Washington und Havanna bedankt, den Franziskus zur Wiederannäherung zwischen den seit langem verfeindeten Staaten USA und Kuba auf den Weg gebracht hatte, hieß es aus dem Vatikan. Zudem übermittelte der Präsident dem Papst die Freude der Kubaner über den im September bevorstehenden Besuch auf der Insel. Über die näheren Gesprächsinhalte machte der Vatikan keine Angaben.
   Die Begegnung in den Empfangsräumen der vatikanischen Audienzhalle war „sehr herzlich“, hieß es in einer Note aus dem vatikanischen Pressesaal. Sie dauerte gut 50 Minuten, was im Vergleich zu ähnlichen Audienzen lang ist; die Begegnung zwischen US-Präsident Barack Obama und Papst Franziskus dauerte damals gleich lang, allerdings einschließlich aller Übersetzungen, die diesmal nicht nötig waren. Es war die erste direkte Begegnung des lateinamerikanischen Papstes mit dem Präsidenten Kubas. Raúl Castro wurde von einer vatikanischen Delegation begrüßt, in der unter anderem der Substitut im Staatssekretariat Angelo Becciu vertreten war; dieser hatte von 2009 bis 2011 als Nuntius in Havanna gewirkt und danach der Gruppe angehört, die den Papst in der Frage USA/Kuba beriet.
   Raúl Castro sagte, er werde beim Besuch von Franziskus auf Kuba alle Messen mit dem Kirchenoberhaupt besuchen. Außerdem bekannte er, alle Reden des Papstes zu lesen. „Wenn er so weitermacht, werde ich zur katholischen Kirche zurückkehren“, sagte Castro wörtlich bei einer Pressekonferenz in Rom nach seiner Begegnung mit dem italienischen Regierungschef Matteo Renzi, den er im Lauf des Sonntagvormittags traf. Das Treffen mit Papst Franziskus bezeichnete Castro bei der Gelegenheit als „angenehm“. Beide seien bei Jesuiten zur Schule gegangen, hielt der kubanische Präsident fest.
   Raúl Castro überreichte als Gastgeschenk eine Gedenkmedaille der Kathedrale von Havanna und ein zeitgenössisches Gemälde, das einen betenden Migranten vor einem großen Kreuz aus Fragmenten alter Boote zeigt. Der Urheber des Bildes, der kubanische Künstler Kcho, gehörte zur Delegation und erklärte dem Papst, er sei von dessen Einsatz für Migranten und Flüchtlinge inspiriert,  seit Franziskus seine Reise nach Lampedusa unternahm. Der Papst seinerseits überreichte dem kubanischen Präsidenten – wie allen Staats- und Regierungschef auf Visite im Vatikan – ein Exemplar seines Schreibens Evangelii Gaudium sowie eine Medaille mit dem Bild des Heiligen Martin, der den Armen mit seinem Mantel bedeckt. Er überreiche diese Gabe besonders gern, sagte der Papst seinem Gast, weil sie „nicht nur an die Verpflichtung erinnert, die Armen zu beschützen, sondern auch an die Verpflichtung, aktiv ihre Würde zu fördern“.
  Franziskus wird im September, unmittelbar vor seiner USA-Visite, Kuba besuchen, wobei die genauen Reisedaten für Kuba noch nicht feststehen. Am atmosphärischen Durchbruch zwischen den USA und Kuba nach einem halben Jahrhundert der Sanktionen war Ende Dezember Papst Franziskus beteiligt. Seither sind direkte Gespräche zwischen Washington und Havanna angelaufen. Die päpstliche Diplomatie bemüht sich hinter den Kulissen bereits seit langem um eine Aussöhnung der verfeindeten Staaten. Auch Franziskus’  Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben Kuba besucht. Rv150510gs

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Castros Limousine fährt vor der Audienzhalle vor - Ein Schritt auf einem längeren Weg Richtung Öffnung und Frieden: Zum Besuch von Raúl Castro bei Papst Franziskus ein Kommentar von Pater Bernd Hagenkord SJ

   Die Welt solle sich für Kuba öffnen und Kuba für die Welt. Das waren die auffordernden Worte von Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch auf Kuba 1998. Und 2012 fügte Benedikt XVI. die Bitte um Versöhnung hinzu. Das Sich-Öffnen ist vielleicht eher politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich zu verstehen, die Versöhnung eine innere Haltung, aber im Fall der festgefahrenen Beziehungen zwischen den USA und Kuba sind es zwei Seiten derselben Medaille.   Als Kubas Staatschef Raúl Castro im Vatikan vorfuhr, lag von dieser Öffnung und Versöhnung etwas in der Luft. Noch einmal der Dank an den Papst, eine sehr lange Unterhaltung unter vier Augen, freundliche Worte danach.
   Seit dem Sturz der Regierung Battista in den 60er Jahren war Kuba immer mehr zu einer kommunistischen Diktatur geworden, abgeschlossen gegen die USA. Und die USA ihrerseits hatten ein Embargo verhängt. Eine Politik, die keine Ergebnisse gebracht hat, wie Präsident Barack Obama im Dezember vergangenen Jahres zugegeben hat. Um dann mit Castro das erste Mal die Hand zu schütteln.
  Papst Franziskus hat bei alldem seine Rolle gespielt. Er hat das Seine dazu beigetragen, dass aus der inneren Bereitschaft, sich nach all den Jahren zu bewegen, sich zu öffnen und vielleicht sogar Versöhnung zu wagen, konkrete politische Handlungen wurden. Dafür der Dank.
   Es war ein als „privat“ gekennzeichneter Besuch, die offiziellen Staatsbesuche galten Algerien, Russland zum Ende des Zweiten Weltkrieges und an diesem Sonntagnachmittag Italiens Ministerpräsidenten Matteo Renzi. Aber dieser private Besuch markiert sehr viel mehr gesellschaftlichen und politischen Wandel, als es die Formel eines „privaten“ Besuches vermuten lässt.
  Kuba braucht Freunde und Stabilität, und dazu auch Moskau und Italien. Wenn aber Papst Franziskus im September selber nach Kuba fährt und dann weiter in die USA, dann bringt er noch einmal die Erinnerungen an die Aufforderung nach „Öffnung“ und „Versöhnung“ mit. Es hat lange gedauert. Aber nun stehen die Chancen gut, dass die jahrzehntelange Blockade, die in der Kubakrise fast in einen Weltkrieg gemündet war, ein Ende hat. Der Besuch Castros bei Papst Franziskus ast eines der Zeichen dafür, dass die Welt sich wandelt. Rv150510ord

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Viel Lob für den Papst  -   Audienz im Vatikan: Franziskus und Präsident Castro 

  Papst Franziskus hat zum ersten Mal den kubanischen Präsidenten Raúl Castro im Vatikan empfangen. Castro habe sich bei Franziskus für dessen „Vermittlung" bei der Wiederannäherung zwischen Kuba und Amerika bedankt, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi nach der Begegnung mit. Das argentinische Kirchenoberhaupt hatte eine zentrale Rolle bei der historischen Annäherung zwischen Amerika und dem kommunistischen Karibikstaat gespielt. Der Vatikan setzt sich seit langem für die Aufhebung des amerikanischen Handelsembargos gegen Kuba ein, unterstützt zugleich aber die Katholiken auf der Insel und fordert nachdrücklich die Freilassung politischer Gefangener. Franziskus empfing Castro nicht wie bei offiziellen Privataudienzen im Apostolischen Palast, sondern in einem schlichten Saal der vatikanischen Audienzhalle.
  Castro sagte nach dem Treffen: „Wenn der Papst so weitermacht, dann kehre ich zur katholischen Kirche zurück." Kubas Präsident sei von „der Weisheit und Bescheidenheit des Papstes" beeindruckt gewesen. Die Audienz Castros soll eine Stunde gedauert haben, was für ein solches Treffen ungewöhnlich lang ist. Selbst der amerikanische Präsident Barack Obama hatte im Mai 2014 nur ein fünfzigminütiges Gespräch, Bundeskanzlerin Angela Merkel erhielt zuletzt im Februar eine Audienz von 40 Minuten.
   Bei dem als „privat" deklarierten Treffen mit Castro ging es nach Angaben aus dem Vatikan auch um den bevorstehenden Besuch des Papstes in Kuba. Franziskus will im September nach Kuba und Amerika reisen. Castro schenkte dem Papst ein Gemälde des kubanischen Künstlers Kcho, das vom Leiden der im Meer gestrandeten Einwanderer inspiriert ist. Franziskus überreichte Castro seinerseits eine Medaille des heiligen Martin von Tours, der dafür bekannt ist, seinen Mantel mit einem Bettler geteilt zu haben.   FAZ150511div 

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Castro: Papst macht mich noch zum Katholiken
  Kubas Staatschef Raul Castro ist von Papst Franziskus begeistert. So sehr, dass er überlege, wieder ein Katholik zu werden, sagte Castro nach einem Treffen mit Franziskus im Vatikan. „Kein Witz, wenn der Papst weiter so redet, dann fange ich früher oder später wieder an, zu beten." Castro, der eine Jesuiten-Schule besucht hatte, erzählte von seinem Gespräch mit Franziskus: „Ich habe ihm gesagt: Ich habe mehr Messen gehört als Sie." HA150511-

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Erste Details zum Kuba-Programm des Papstes

  Katholiken auf Kuba mit der Muttergottes von Cobre Die kubanische Bischofskonferenz hat erste Details zum Papstprogramm auf der Insel veröffentlicht. Danach wird sich Franziskus vom 19. bis 22. September auf Kuba aufhalten, bevor er in die Vereinigten Staaten weiterreist. Wie sein Vorgänger Benedikt XVI. wird Franziskus nach diesen Angaben auch den Marienwallfahrtsort El Cobre besuchen, wo Maria als „Unsere Liebe Frau von der Nächstenliebe“ Virgen de la Caridad und als Patronin Kubas verehrt wird. Benedikt hatte im März 2012 in El Cobre privat gebetet.

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  Beginnen wird der Besuch in der Hauptstadt Havanna. Franziskus will, so die Bischöfe, auch in die Stadt Holguin reisen, wo bisher noch kein Papst war. Aus dieser Region stammt der frühere Revolutionsführer und Präsident Fidel Castro Fotos oben, Bruder des jetzigen Staatspräsidenten Raúl Castro. Letzte Station im Papstprogramm ist Santiago de Cuba, wie Holguin im Südosten der Insel gelegen und zweitgrößte Stadt des Landes. In Santiago hatte der heilige Papst Johannes Paul II. bei seinem historischen Kuba-Besuch 1998 eine Messe gefeiert. Franziskus wird von dort aus in die USA abfliegen. All diese Angaben aus der Bischofskonferenz harren noch einer offiziellen Bestätigung aus dem Vatikan. Rv150512sk-apic

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miAm-Kuba-6-Zz  Die Jungfrau von Cobre, Patronin Kubas

Kuba: Zwischen Armut und Unterdrückung

   Kuba – das Land der Träume und Sehnsüchte. Für die meisten Menschen hat Kuba noch immer diese romantische Komponente. Das Handelsembargo durch die USA hatte Kuba als eines der letzten kommunistischen Regimes vom Rest der Welt isoliert. Im September reist Papst Franziskus genau dorthin, wo der Vatikanstaat, diplomatisch gesehen, zu einem Tauwetter in der politischen Eiszeit zwischen den USA und Kuba verholfen hat. Die Armut der Menschen vor Ort ist jedoch weiterhin nicht zu übersehen, und viele Kubaner wollen einfach nur weg, erzählt im Gespräch mit Radio Vatikan Pater Castor José Alvarez Deveza, Leiter der päpstlichen Missionswerke auf der Insel
   „Der Staat sagt, dass jeder Dollar aus Verdiensten aus dem Ausland rund zwei Pesos für die Kubaner wert sei. Ein Dollar ist normalerweise zwanzig Pesos oder mehr wert. Also gehen circa neunzig Prozent an den Staat und zehn Prozent an den Dienstnehmer. Die Zukunft sieht also vielleicht einen Arbeiter, der ein wenig mehr verdient, aber weiterhin wenige Freiheiten genießt. Man spricht nicht von Freiheit für uns, sondern nur von Möglichkeiten für die Ausländer.“
   Der Papstbesuch wird mit großer Freude erwartet. Als „Missionar der Barmherzigkeit“ werde der Papst dem „leidenden Volk“ nahe sein, erklärt der Pater. Für diese Menschen, vor allem aber für religiöse Gruppen ist das Leben auf der Insel nicht einfach, sie klagen über groß angelegte Überwachungen und Unterwanderungen durch Sicherheitsbeamte. Pfarrer und ganz allgemein Christen werden häufig unter Druck gesetzt, das Verkünden zu unterlassen und ihre Aktivitäten auf das eigene Kirchengrundstück zu begrenzen. Davon erzählt auch Pater Deveza:
   „Der Staat Kuba erlaubt uns nicht, neue reguläre Kirchen zu errichten. Aber in den Häusern der Familien halten wir Messen am Sonntag und bringen das Volk zusammen. Es gibt mehr als 2.300 Missionshäuser auf Kuba. Manchmal legen kubanische Missionare mehr als hundert km an einem Tag zurück, zum Beispiel am Sonntag, um in die Dörfer auf dem Land zu gehen und dort Gottesdienst zu feiern und zu verkünden, von 8 Uhr bis 20 Uhr am Abend.“
  Papst Franziskus wird vom 19. bis 22. September auf Kuba erwartet, bevor er in die Vereinigten Staaten weiterreist. Wie sein Vorgänger Benedikt XVI. wird Franziskus nach Angaben der Bischofskonferenz auch den Marienwallfahrtsort El Cobre besuchen, wo Maria als „Unsere Liebe Frau von der Nächstenliebe“ Virgen de la Caridad und als Patronin Kubas verehrt wird. Benedikt hatte im März 2012 in El Cobre privat gebetet.
  Beginnen wird der Besuch in der Hauptstadt Havanna. Franziskus will, so die Bischöfe, auch in die Stadt Holguin reisen, wo bisher noch kein Papst war. Aus dieser Region stammen die Brüder Fidel und Raúl Castro, also der frühere Revolutionsführer und sein Nachfolger als Präsident.  Letzte Station im Papstprogramm ist Santiago de Cuba, wie Holguin im Südosten der Insel gelegen und zweitgrößte Stadt des Landes. In Santiago hatte der heilige Papst Johannes Paul II. bei seinem historischen Kuba-Besuch 1998 eine Messe gefeiert. Franziskus wird von dort aus in die USA weiterfliegen. All diese Angaben aus der Bischofskonferenz harren noch einer offiziellen Bestätigung aus dem Vatikan. rv150604no

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Papstreise nach Kuba und USA: Treffen mit Castro und Obama geplant
Der Vatikan hat das Kuba/USA-Reiseprogramm veröffentlicht

   Das Reiseprogramm des Papstes zur Kuba- und USA-Reise Ende September ist veröffentlicht worden. Der Vatikan stellte die Höhepunkte der Visite, die Franziskus vom 19. bis 28. September unternehmen wird, vor. Demnach wird der Papst bei seinem knapp viertägigen Aufenthalt in Kuba (19.-22. September) eine Messe auf dem Revolutionsplatz in Havanna feiern, mit Staatsratspräsident Raul Castro zusammentreffen und das Heiligtum von Cobre in Santiago besuchen. Bei der anschließenden Reise in die Vereinigten Staaten (22.-27. September) sind ein Besuch im Weißen Haus und ein Treffen mit Präsident Barak Obama vorgesehen. Auch werde der Papst eine Rede vor dem Kongress in Washington sowie eine Ansprache vor den Vereinten Nationen (UNO) in New York halten. Außerdem sieht das Reiseprogramm einen Besuch an der Gedenkstätte des Ground Zero in New York vor, an dem eine interreligiöse Begegnung stattfinden wird. Die letzten beiden Tage gelten dem Weltfamilientag in Philadelphia.
Heiligsprechung
   In Washington will Papst Franziskus dem Programm zufolge auch den Missionar Junipero Serra in feierlicher Zeremonie heiligsprechen. Dort sind auch der Besuch im Caritaszentrum einer Pfarrgemeinde sowie ein Vespergottesdienst mit Priestern und Ordensleuten vorgesehen. In New York feiert der Papst im Madison Square Garden eine Messe. Zuvor trifft er in einer Schule von Harlem mit Kindern und Migrantenfamilien zusammen. Der abschließende zweitägige Besuch in Philadelphia sieht unter anderem eine Messe mit Priestern und Klerikern in der Kathedrale vor, sowie ein „Treffen für Religionsfreiheit“ mit der Gemeinde der Hispanics und anderer Migranten. Vor der Schlussmesse des achten Weltfamilientags besucht Franziskus eine Haftanstalt.
Vespergottesdienst in Havanna
   Die Auslandsreise beginnt in Havanna. Dort feiert Franziskus in der Kathedrale einen Vespergottesdienst mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen. Danach richtet er einen Gruß an Jugendliche im Kultur-Zentrum Felix Varela. Von Havanna aus begibt sich Franziskus nach Holguin und vor dort aus weiter nach Santiago de Cuba. Neben einer Messe im Marienheiligtum von Cobre ist auch ein Treffen mit Familien in der Kathedrale geplant. Von Santiago de Cuba aus fliegt der Papst dann am 22. September weiter nach Washington, D.C. rv150630mg

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Kuba lässt Dutzende „Frauen in Weiß“ festnehmen -  Foto: Damas de Blanco - Die Frauen in Weiß  

   In Kuba sind wenige Wochen vor einem Besuch von Papst Franziskus erneut mehr als 70 Regimekritiker festgenommen worden. Wie die regierungskritische Internetseite „14ymedio“ berichtete, nahm die Polizei im Anschluss an einen Gottesdienst am Sonntag (Ortszeit) rund 40 Angehörige der Bürgerrechtsorganisation „Frauen in Weiß“ sowie weitere 30 Aktivisten in Gewahrsam. Die Frauen hatten demnach ihren traditionellen Schweigemarsch abgehalten und danach die Darbietung eines Protestliedes gehört.
   Die „Frauen in Weiß“ Damas de Blanco sind ein Zusammenschluss von Frauen in Kuba, deren Männer und Söhne wegen Eintretens für die Meinungs- und Pressefreiheit verhaftet wurden. Gegründet wurde die Bewegung 2003 als Reaktion auf den kubanischen „Schwarzen Frühling“, bei dem zahlreiche Regimekritiker festgenommen und zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Seither fordern die „Frauen in Weiß“ regelmäßig in der Öffentlichkeit die Freilassung politischer Häftlinge. Ihre Bezeichnung geht auf die weiße Kleidung zurück, die sie als Zeichen ihres friedlichen Widerstands tragen. Auf Vermittlung der katholischen Kirche wurden in den vergangenen Monaten nahezu alle politischen Häftlinge freigelassen und ins Exil nach Spanien ausgeflogen.

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Kardinäle und Kommunisten - Der Papstbesuch auf Kuba zeigt: Katholiken sind auf dem Vormarsch
Schwester Yvetty: Steinige Verhältnisse, aber die Dinge kommen in Bewegung  

   Sie haben sie fein herausgeputzt, die Kathedrale von Havanna. Wenn Papst Franziskus morgen Abend in der kubanischen Hauptstadt landet, dann wird zumindest in dem renovierten Gotteshaus nicht viel an fünf Jahrzehnte Unterdrückung und Demütigung der katholischen Kirche erinnern. Doch es tut sich was auf der Karibikinsel. Kubas Kommunisten und die Kirche gehen aufeinander zu. Schlüsselfigur ist dabei Erzbischof Jaime Ortega. Ihm gelang es vor ein paar Jahren in Verhandlungen mit dem Castro-Regime zahlreiche Dissidenten, die seit dem Schwarzen September 2003 im Gefängnis saßen, frei zu bekommen. Freilich entsorgten die Machthaber die Regimekritiker ins Ausland von wo aus sie kaum noch Einfluss auf die politische Entwicklung nehmen können. Seit diesen Gesprächen ist aber eine Vertrauensbasis zwischen Kirche und Staat entstanden, die nicht allen in Kubas offiziell illegaler Opposition geheuer ist, wittern sie angesichts der neuen Nähe eine Art Komplizenschaft zwischen Kardinal und Kommunist.
   Doch dieses Vertrauensverhältnis sorgt für Bewegung an der Basis. Ordensschwester Yvetty Guzman arbeitet in einem Außenbezirk von Havanna. Sie zieht bei ihrem Spaziergang durch die Straßen von Guanabacoa wie das Stadtviertel nur ein paar Autominuten vom Industriehafen entfernt heißt, in ihrer traditionellen Tracht die Blicke auf sich, denn auch die optische Rückkehr der Kirche ins kubanische Alltagsleben ist für viele erst noch gewöhnungsbedürftig. Die Frau aus der Dominianischen Republik spürt eine Klimaveränderung in ihrer täglichen Arbeit: „Die Arbeit ist für uns leichter geworden, genauso wie das Verhältnis zur Regierung", sagt Schwester Yvetty. Das macht vieles einfacher und effektiver. Die Kubaner haben ihre Zurückhaltung aus der Zeit, als die Kirche wie alles Nichtkommunistische als Feind der Revolution galt, aufgegeben. Es gibt keine Berührungsängste mehr, stattdessen wird über Gott und die Welt gesprochen - und über Fußball. Die Schwestern der Kongregation der „Hermanas de la Caridad del Cardenal Sancha" - im Volksmund 'Sanchinas' genannt - sind begeisterte Fans von Real Madrid, Bayern München und dem FC Barcelona. Vor allem Cristiano Ronaldo und Thomas Müller haben es ihnen angetan, so richtig entschieden haben sie sich noch nicht, an wenn sie ihr Fanherz vergeben wollen, aber ein Anlass ins Gespräch zu kommen ist das allemal.
   Die Rückkehr der 'Sanchinas' ist ein Beleg dafür, dass die Kirche auf dem Vormarsch ist in Kuba. Lange Jahre nahmen die Kommunisten das Monopol der Armutsbekämpfung eifersüchtig für sich in Anspruch. Und Fidel Castro, der „Maximo Lider", wurde dank staatlicher Propaganda gottähnlich verehrt. Für einen zweiten Gott, den katholischen, war da nur wenig Platz in Schule, Gesellschaft und Politik.
   Doch inzwischen tut sich etwas, das vielen Menschen Hoffnung macht. Nicht nur die kleinen US-Flaggen an den kubanischen Autos sind ein Zeichen des zivilen Ungehorsams und einer stillen Bewunderung für das offiziell verhasste „Imperium", das sie nur aus dem Fernsehen kennen. Auch innerhalb der Gesellschaft öffnen sich neue Wege und Chancen. Es sind erste kleine Schritte, doch zu einer tatsächlichen Demokratisierung fehlen in Kuba noch enorme Reformen. Kubas Dissidenten wenden sich deshalb wenige Tage vor dem Besuch von Papst Franziskus hilfesuchend an das erste Kirchenoberhaupt aus Lateinamerika. „Nur eine Minute" verlangt die vom Europäischen Parlament mit dem Menschenrechtspreis ausgezeichnete Bürgerrechtsorganisation „Frauen in Weiß". Genau 60 Sekunden, die signalisieren sollen, dass sie eben doch ein offizieller Bestandteil der kubanischen Zivilgesellschaft sind und nicht länger unter Verhaftungen und gezielten Demütigungen der Staatsmacht leiden sollen. Kubas illegale Oppositionsparteien riefen Franziskus zu einer Geste auf. In einem Schreiben des „Vereinten antitotalitären Forums (FANTU)" bitten sie Franziskus um ein symbolisches Treffen. Ob es dazu kommt, ist unsicher. Dafür wird der Papst Fidel und Raul Castro treffen. Letzter ist ein großer Anhänger des Papstes, kündigte zuletzt an, sogar in die Kirche zurückzukehren, wenn Franziskus seine Kirche weiterhin so mutig verändere.

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Raúl Castro, Kubas Präsident, spricht erstmals als Staatschef vor der UN-Vollversammlung in New York

   Castro werde am 28. September eine Rede halten, gab Außenminister Bruno Rodriguez bekannt. Am Rande der Sitzung werde Castro auch den US-Präsidenten Barack Obama treffen. Es ist die erste Reise des 84-Jährigen als Staatsoberhaupt in die USA. Auch zu der Rede von Papst Franziskus vor der UN-Vollversammlung am 25. September wird Castro erwartet. Papst Franziskus reist am Sonnabend zu einem viertägigen Besuch nach Kuba und am Dienstag weiter in die USA. Er spielt eine wichtige Vermittlerrolle bei der Annäherung zwischen den früheren Erz­feinden.  HA150918

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   Mit einer geistlichen Botschaft wandte sich Papst Franziskus über das kubanische Fernsehen am Donnerstagabend Ortszeit an die Gläubigen in dem Land, das er ab diesem Samstag besuchen wird. Er habe eine einfache, aber wichtige und notwendige Botschaft, so der Papst. In dem kurzen Video spricht er vom Zeugnis, das die Christen durch ihre Treue und durch ihre gegenseitige Unterstützung abgäben. Er komme in wenigen Tagen, um diesen gemeinsamen Glauben und diese Hoffnung zu teilen.
   Dann spricht der Papst von Jesus, der besser als wir selber wisse, was wir bräuchten, und er spricht vom Gebet, das den Kontakt zu Jesus ermögliche. In der Botschaft wird der religiöse Hintergrund der Reise deutlich, der in der Berichterstattung zur politischen Entspannung zwischen den USA und Kuba etwas zu kurz gekommen ist. Zu all dem verliert der Papst kein Wort, er spricht über das Vergeben, das Lieben, das Begleiten aus dem Geiste Jesu. Er wolle ein „Missionar der Barmherzigkeit“ sein, schließt der Papst seine Botschaft, „Missionar der Zärtlichkeit Gottes“, aber er wolle gleichzeitig auch alle dazu anregen, selber zu solchen Missionaren der unendlichen Liebe Gottes zu werden, so dass die ganze Welt erfahre, dass Gott immer vergebe.
Damit gibt Papst Franziskus seinem in zwei Tagen beginnenden Besuch seine eigene, religiöse Färbung.
Aus Kuba Pater Bernd Hagenkord.  rv150917ord

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Vatikan-Pfarrei nimmt kurz vor der Amerikareise noch syrische Flüchtlingsfamilie auf Foto: St. Peter im Vatikan

Die vatikanische Pfarrei Sant´Anna hat eine syrische Flüchtlingsfamilie mit zwei Kindern aufgenommen. Das teilte das päpstliche Almosenamt mit. Untergebracht wurde die Familie in einer dem Vatikan gehörenden Wohnung in der Nähe des Petersplatzes. Vater, Mutter und Kinder wohnten in der syrischen Hauptstadt Damaskus, bis sie vor dem Krieg flüchten mussten. Es handelt sich um katholische Christen, die dem griechisch-melkitischen Ritus angehören.
   Die Familie kam am 6. September und damit genau an dem Tag in Italien an, als Papst Franziskus alle Pfarreien, Klöster, Ordensgemeinschaften und Wallfahrtsorte Europas darum bat, mindestens eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen.
   Die Pfarrangehörigen begleiten die Familie nun auf ihrem Weg des Asylantrags, so das Almosenamt. Bis Italien ihren Status als Flüchtlinge anerkenne, könne man keine weiteren Informationen über die Familie erteilen. Ausdrücklich bittet der Vatikan Medien darum, die Familie ihrem Willen gemäß nicht aufzuspüren oder zu einem Interview zu überreden. Auch die zweite Pfarrei auf vatikanischem Boden, Sankt Peter, werde eine syrische Flüchtlingsfamilie aufnehmen, heißt es in der Mitteilung des Almosenamtes weiter.
  Die Fürsorge-Behörde wies zugleich darauf hin, dass die Päpste schon seit vielen Jahren Flüchtlingen dabei helfen, ihre erste Aufenthaltsgenehmigung in Italien zu bezahlen. Im  vergangenen  Jahr habe  der Vatikan dazu rund 50.000 Euro zur Verfügung gestellt. Überdies helfe das Almosenamt im Namen des Papstes täglich vielen Flüchtlingen, sei es in der Versorgung mit Mitteln des täglichen Bedarfs, sei es mit der Unterstützung der vielen Aufnahmezentren in Rom.
   Seit einigen Tagen ist auch ein neuer Rettungswagen für die Flüchtlinge im Einsatz. Es handelt sich um eine Ambulanz, die vor einigen Jahren das Land Bayern dem Papst geschenkt hatte und die bisher ausschließlich bei Papst-Events wie Generalaudienzen unterwegs war. Mehrmals in der Woche wird dieser Rettungswagen nun diverse Aufnahmezentren in den Außenbezirken Roms ansteuern, in denen Flüchtlinge – reguläre wie irreguläre - betreut werden. Die Freiwilligen an Bord der Vatikan-Ambulanz sind den Angaben des Almosenamtes zufolge Ärzte, Pfleger und Schweizergardisten. Rv150918gs

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  Syrien-Flüchtlinge bedanken sich beim Papst Unmittelbar nach dem Treffen: Papst bricht zu seiner Kubareise auf

   Eine Familie von Syrien-Flüchtlingen, die vom Vatikan aufgenommen wurde, hat sich beim Papst bedankt. Sie traf sich an diesem Samstagmorgen in der vatikanischen Casa Santa Marta mit Franziskus; in ihrer Begleitung war der Päpstliche Almosen-Verantwortliche, Erzbischof Konrad Krajewski. Die Familie ist von der Vatikanpfarrei Sant’ Anna aufgenommen worden, sie wird in einem Appartement, das dem Vatikan gehört, untergebracht. Rv150919sk

miAm-Kuba-117-Zz

Kuba: Hungerstreik vor Papstbesuch   Foto: Willkommenskultur in Havanna

   Mit einem Hungerstreik wollen kubanische Dissidenten in Havanna auf die jüngste Verhaftungswelle von Regimekritikern unmittelbar vor dem Papstbesuch aufmerksam machen. Die Aktivisten um den Bürgerrechtler Jorge Luis „Atunez“ Garcia Perez begannen den Hungerstreik nach Angaben des Internetportals „Diario de Cuba“ am Mittwoch im Wohnhaus von Garcia Perez. Die Aktion stehe unter dem Motto „Heiliger Vater, auch wir sind Kuba“, so das regierungskritische Portal. Damit wollten die Aktivisten auch auf das Fehlen eines Zusammentreffen des Papstes mit Dissidenten im offiziellen Programm hinweisen. rv150917gs

miAm-Kuba-110-ZZ

Papst Franziskus in der Luft: „Die Welt dürstet nach Frieden
Papst Franziskus grüßt die 76 Journalisten an Bord seiner Maschine.

  Während des neunstündigen Fluges von Roma Fiumicino Richtung Havanna hatte Papst Franziskus und sein Pressesprecher die 76 mitreisenden Journalisten begrüßt. Rund 20 von den anwesenden Journalisten seien Amerikaner, betonte Lombardi. Nicht alle der 140 Anfragen hätten Platz im Flugzeug gefunden, doch diesmal sei auch die kubanische Journalistin Rosa Miriam Elizalde an Bord.  Papst Franziskus begrüßte die Journalisten wie immer herzlich und richtete sein Wort an sie mit Blick auf das aktuelle und beunruhigende Weltgeschehen:
   „Ich denke, dass die Welt heute nach Frieden dürstet. Es gibt die Kriege und viele Flüchtlinge. Diese Migrantenwelle flüchtet vor den Kriegen, vor dem Tod. Sie suchen das Leben. Heute war ich sehr berührt, als ich eine der syrischen Familien, die in der Pfarre von St. Anna lebt, im Vatikan verabschiedet hatte. Man sah den Schmerz in ihren Gesichtern!. Das Wort: „Friede“…Ich danke euch für eure Arbeit, für das ‚Brückenbauen‘, kleine Brücken, kleine, kleine. Aber viele kleine Brücken werden zu einer großen Brücke des Friedens.   Während des Fluges nach Havanna wurde Papst Franziskus von einer amerikanischen Journalistin überrascht. Sie hat ihm aus Miami extra argentinische Empanadas mitgebracht. Diese hatte sie kurz vorher mit einem Fön wieder aufgetaut. Papst Franziskus hat sich sichtlich gefreut über den Gruß aus der Heimat. Er ließ sie direkt warm machen und an die Journalisten verteilen. Eine nette Abwechslung neben dem Flugzeugessen. Rv150920no

miAm-Kuba-120-ZxZ

Dissidentinnen an Treffen mit Papst gehindert  -  Foto: Berta Soler bei einer Demo vor acht Tagen

   Auf Kuba sind nach Oppositionsangaben prominente Regimekritiker daran gehindert worden, sich mit Papst Franziskus zu treffen. Wie das Internetportal „Diario de Cuba“ berichtet, wurden die prominenten Dissidentinnen Berta Soler und Martha Beatriz Roque am Samstag auf ihrem Weg in die Päpstliche Nuntiatur in Havanna verhaftet. Zuvor habe sie eine mündliche Einladung eines Mitarbeiters der Nuntiatur erhalten, erklärte die Sprecherin der Bürgerrechtsbewegung ‚Frauen in Weiß’ Soler.
   Auch am Rande des Papstgottesdienstes in der Hauptstadt soll es am Sonntag zu Verhaftungen gekommen sein. Zwei führende Mitglieder der ‚Frauen in Weiß’ seien bei dem Versuch festgenommen worden, Informationsmaterial zu verteilen, berichtet „Diario de Cuba“. Franziskus hatte sich in seiner Ansprache auf dem Platz der Revolution auch an jene Kubaner gewandt, die er „aus verschiedenen Gründen“ nicht treffen könne.
   Die Oppositionspartei UNPACU erklärte, bereits am Samstag seien 26 Aktivistinnen der ‚Frauen in Weiß’ in Santa Clara bei dem Versuchfestgenommen worden, zur Papstmesse nach Havanna zu reisen. Am Sonntag berichteten regimekritische Blogs, die Handys der Dissidenten seien blockiert worden, um eine Kommunikation untereinander zu verhindern. Rv150921sk

miAm-Kuba-136-ZZ

   Am Platz der Revolution werden vor der Ankunft des Papstes zwei Dissidenten verhaftet
Havanna verhindert Treffen des Papstes mit Regimekritikern

   Das kubanische Regime hat Treffen von Papst Franziskus mit Regimekritikern verhindert. Zwei Dissidenten, Marta Beatriz Roque und Miriam Leiva, die vom Erzbischof von Havanna am Sonntag zur Vesper in die Kathedrale von Havanna eingeladen worden waren, wurden nach eigenen Aussagen kurzfristig von der Polizei festgesetzt und konnten nicht teilnehmen. Am Sonntagmorgen bei der Papst-Messe waren schon auf dem „Platz der Revolution" drei Personen abgeführt worden, die offenbar Flugblätter in die Menge werfen wollten. Bereits vor Franziskus' Ankunft waren katholische Dissidentinnen unter den „Damen in Weiß" für kurze Zeit im Innenministerium festgehalten worden - wie vor drei Jahren zur Ankunft von Benedikt XVI. Auch sie durften trotz Einladung nicht zur Vesper. Roque, Ökonomin und Menschenrechtlerin, teilte mit: „Die Sicherheitskräfte sagten uns: Ihr habt keinen Berechtigungsschein und könnt darum nicht in die Kathedrale." In seinem letzten Kuba-Bericht hatte „Human Rights Watch" befunden, das Regime in Havanna fahre fort, Dissidenten zu unterdrücken, und verhindere offene Kritik. Darüber komme es in der Regel zu kurzen Festnahmen: Dissidenten würden geschlagen, angeschwärzt, manche verlören ihren Arbeitsplatz. Vor drei Jahren hatte sich der Erzbischof von Havanna, Jaime Ortega, gegen eine Begegnung der Dissidenten mit Benedikt XVI. ausgesprochen und war dafür von den „Damen in Weiß" kritisiert worden. Jetzt heißt es, die Kirche habe dem Regime geholfen, durch den Brückenbau nach Washington sowie die Aufnahme diplomatischer Beziehungen internationale Reputation zurückzugewinnen; das Regime müsse sich nun im Gegenzug für die Gesellschaft und Regierungskritiker öffnen. Daher habe man die Dissidenten zur Vesper eingela­den. Das bestätigte auch Vatikan-Sprecher Pater Lombardi.
   Die Dissidentenszene in Kuba ist schwer zu erfassen. Meist treten die Kritiker des Regimes unabhängig voneinander als Blogger auf. Nur die „Damen in Weiß" erscheinen jeden Sonntag nach der Messe in weißen Kleidern in einem Demonstrationszug auf der Straße. Das Regime behauptet, dass sie dafür von Washington bezahlt werden. Gleichzeitig versucht es, sich als kirchentreu darzustellen. Parteifunktionäre und Betriebsgruppen wurden angewiesen, an den Papstmessen teilzunehmen. Präsident Raul Castro und sein älterer Bruder Fidel bezeugten bei ihren Treffen mit Franziskus eine Nähe zur Religion und sprachen mit ihm über „Gott, den Tod und die Welt", wie es schon nach der Begegnung Benedikts mit Fidel Castro vor drei Jahren hieß. Franziskus brachte Fidel Castro, einem früheren Jesuitenschüler, auch aus Rom religiöse Bücher mit. Der „Comandante" gab im dafür eine Broschüre „Fidel und Religion", die ein Gespräch zwischen dem Revolutionsführer und einem brasilianischen Priester festhält.
Die kubanische Kirche kämpft offener als noch vor drei Jahren um mehr Freiräume in der Gesellschaft und will dafür ihre nur rudimentär bewahrten Bildungseinrichten ausbauen. Einer der 400 Priester auf der Insel, ein junger Mann, der in der Jesuitenhochschule in Rom studierte, sagte, der Freiraum, den die Kirche mit zähem Drangen schaffen wolle, werde allen Kubanern dienen, auch Nichtgläubigen, weil die Kirche auch für Menschen- und Bürgerrechte eintrete. Am Montag setzte der Papst seine Pilgerfahrt in Holguin im Südosten des Inselstaats fort. Zur Messe auf dem Revolutionsplatz Calixto Garcia wurden 150 000 Pilger erwartet. Danach bricht Franziskus nach Santiago de Cuba auf. Dort trifft er die Bi­schöfe des Landes und besucht den wichtigsten Wallfahrtsort Kubas, das Heiligtum der Jungfrau von El Cobre, der Nationalheiligen. FAZ150922jöb

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Franziskus wollte sich auf Kuba mit Dissidenten treffen  - Dieses Treffen mit Präsident Castro kam zustande

  Papst Franziskus hat auf Kuba vergeblich versucht, sich mit Dissidenten zu treffen. Geplant gewesen sei eine kurze Begegnung, jedoch kein Gespräch, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Sonntagabend vor Journalisten in Havanna. Es habe dazu telefonische Kontakte gegeben. Bislang sei eine solche Begegnung jedoch nicht zustande gekommen. Über die Gründe für das Scheitern habe er keine Informationen, so Lombardi.
  Kubanische Medien hatten zuvor berichtet, Sicherheitskräfte hätten zwei Regimekritiker gehindert, den Papst in der Nuntiatur in Havanna aufzusuchen. Das unabhängige Portal der kubanischen Bloggerin Yoani Sanchez berichtete am Sonntagabend, dass die Regimekritikerin Martha Beatriz Roque Cabello gleich zweimal an dem Besuch von Veranstaltungen mit Papst Franziskus gehindert worden sei. Sie soll 15 Stunden auf einer Polizeiwache verbracht haben.
   Im offiziellen Reiseprogramm von Franziskus ist kein Treffen mit Dissidenten vorgesehen. Benedikt XVI. und Johannes Paul II. hatten sich während ihrer Kuba-Reisen 2012 und 1998 nicht mit Dissidenten getroffen, um die kubanischen Gastgeber nicht zu brüskieren. Rv150921sk

miAm-Kuba-113-ZZ

Kirche in Kuba: Zeiten des Schweigens und die Muttergottes
Kirche in Kuba: 60 Prozent der Kubaner sollen getaufte Katholiken sein

  Kubas Kirche hat für Jahrzehnte „praktisch nicht existiert“, aber jetzt kann sie wieder atmen. Das sagt im Gespräch mit Radio Vatikan Juan de Dios Hernandez Ruiz. Hernandez Ruiz ist Jesuit, Weihbischof von Havanna und Generalsekretär der Bischofskonferenz des Landes.  „Die Kirche hat seit Anfang an immer auf den Dialog gesetzt, immer, immer, immer. Man hat oft nicht auf uns gehört, man hat uns oft nicht verstanden, aber das ist nicht wichtig. Gott sei Dank haben sich die Beziehungen zwischen Staat und Kirche unzweifelhaft verbessert, die Sprache hat sich verändert. Es war ein Weg, ein langer und schwerer Weg, aber wie bei allen Wegen: wenn man sie hartnäckig und mit Hoffnung geht, dann können wir auch ans andere Ufer gelangen. 
   Der systematische Atheismus der kommunistischen Ideologie, erst seit den 90er Jahren in einen Laizismus abgemildert, habe seine Spuren hinterlassen, vor allem in den Schulen seien die Menschen mit diesem Atheismus konfrontiert worden. „Wir haben eine sehr schwere Zeit durchlebt, in der die Kirche fast vollständig ins Schweigen fiel.  Alle Institutionen wurden der Kirche weggenommen, alle Priester und Ordensleute wurden aus Kuba vertrieben. Wir haben damals alles verloren, nur nicht Jesus. Das hat uns auch eine große Freiheit gegeben, wie groß können sie sich gar nicht vorstellen. Das hat Jahrzehnte gedauert.“ Man habe sich aber immer durch Jesus Christus begleitet gewusst und gefühlt, so Ruiz, er benutzt das Wort „Mystik des Volkes“ für das Wissen um die Begleitung durch Jesus in diesen Zeiten des Schweigens. „Die Kirchen hat man uns weggenommen, aber in Mystik sind wir gewachsen.“
  Mystik ist ein großes Wort, aber Hernandez Ruiz wiederholt es mehrmals. Der Glaube sei wichtig in Kuba und er habe in seiner Armut eine neue Lebendigkeit erlebt, wenn auch nicht immer kirchlich. „Wenn ich mich so umsehe, dann würde ich sagen, auch wenn ich mich bei den Zahlen etwas vertun könnte, dass 90 Prozent der Kubaner Glaubende sind. Katholisch sein ist noch etwas anderes, ich spreche hier von Glaubenden. Sie glauben an etwas. Diese transzendentale Dimensionen des Menschen ist hier überall.“
„Wir leben noch“
   Es sei der Besuch von Papst Johannes Paul II. gewesen, welcher der Kirche erlaubt habe, herauszugehen und sichtbar zu werden, „wir leben noch, wir sind noch nicht tot.“ Franziskus übernehme sozusagen diese Dynamik, sagt Weihbischof Hernandez Ruiz. Aber die Umstände seien völlig verschieden. „Papst Franziskus kommt, uns in unserem Glauben zu stärken, aber da gibt es eine ganz neue Zutat, eine völlig neue Zutat. Als am 17. Dezember die Präsidenten Barack Obama und Raúl Castro sich die Hände schüttelten, war da der Papst auch irgendwie dabei. Das war für die Kubaner wie auch für die US-Amerikaner eine Überwindung einer enormen Distanz, die zwischen uns gewachsen war. Ich vergleiche das, was damals am 17. Dezember passiert ist, etwas mit dem Fall der Mauer in Berlin. Natürlich ist das eine ganz andere Sache, ich verstehe auch dass ich wahrscheinlich übertreibe, aber es sind zwei Völker, die sich nahe sind, die viele Verbindungen hatten und haben, es leben dort viele Flüchtlinge von hier. Jetzt können wir uns wieder zivilisiert zusammen setzen.“
   Was das genau für den Glauben bedeute, wagt Weihbischof Hernandez Ruiz noch nicht zu sagen. Die Erfahrungen der Vergangenheit, die Mystik, seien dafür genauso wichtig wie die tiefe Religiosität, wie sie sich etwa in der Verehrung der Virgen del Cobre ausdrücke. Überhaupt die Virgen, die Muttergottes der Barmherzigkeit, hier könne man vielleicht am ehesten sehen, was Glauben und Religion in Kuba ausmachen. Auch Menschen, die mit Kirche nichts am Hut haben, könnten eine Beziehung zu ihr aufbauen, sogar beten. „Wenn uns irgendetwas vereint hat, während dieser ganzen Zeit, dann ist das die Muttergottes, alle hier, dort, in Kuba, die Ausgewanderten, das ist etwas, was uns eint. Die Virgen del Cobre ist für uns Kubaner nicht nur eine religiöse Angelegenheit, sie ist national. Über die Muttergottes der Barmherzigkeit zu sprechen heißt, über Kuba zu sprechen.“  Was auch der Grund dafür ist, dass Papst Franziskus bereits der dritte Papst sein wird, der zur Muttergottes in Santiago pilgert, bei seiner dritten und letzten Station in Kuba, dem Land der wieder sichtbar werdenden Kirche. Rv150920ord

miAm-Kuba-111-ZZ

Papst zu Kuba-USA-Annäherung: Sieg der Kultur der Begegnung 
Foto: Willkommen in Havanna: Papst Franziskus und Präsident Castro

Papst Franziskus ist in Kuba angekommen und wurde am Flughafen der kubanischen Hauptstadt Havanna offiziell begrüßt.
   Etwas verfrüht landete die Alitalia Maschine, der Beginn der längsten Reise Papst Franziskus. Kuba empfange den Papst mit Zuneigung, Respekt und Gastfreundschaft, begrüßte Kubas Präsident Raúl Castro Ruz den Papst. Er ging auf die Schreiben des Papstes zu Umwelt und zu sozialen Fragen ein und urteilte, dass das gegenwärtige internationale System „unfair und unmoralisch“ sei. Er griff in einer politisch gehaltenen Ansprache den Aufruf von Papst Franziskus zu mehr Solidarität unter den Völkern auf und verteidigte die Revolution Kubas, die zu ähnlichen Zielen unternommen worden sei. Außerdem würdigte er den Beitrag des Papstes zur Annäherung zwischen den USA und Kuba auf dem Weg zu einer Normalisierung, die im Augenblick noch bestehenden Embargo-Regeln seien grausam, unmoralisch und illegal und müssten aufhören. Auch verlangte er von den USA die Rückgabe der auf Kuba gelegenen Militärbasis Guantanamo.
Eine politische Rede Castros, eine versöhnliche Rede des Papstes
   In seiner eigenen Begrüßungsrede sprach der Papst von Kuba als einem Land, dass allein schon wegen seiner geographischen Lage in alle Richtungen schaue und „als ,Schlüssel´ zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und West“ gelte, so der Papst. Deshalb gehöre es zur „natürlichen Berufung“ Kubas als „Ort der Begegnung zu sein, damit alle Völker sich in Freundschaft versammeln“, so Papst Franziskus, er sprach besonders die Annäherung zwischen Kuba und den USA an:
  „Seit einigen Monaten sind wir Zeugen eines Ereignisses, das uns mit Hoffnung erfüllt: der Prozess der Normalisierung der Beziehungen zwischen zwei Völkern nach Jahren der Entfremdung. Es ist ein Zeichen für den Sieg der Kultur der Begegnung, des Dialogs, des ,Systems des universalen Wachstums über das System der Dynastie und der Gruppen, das für immer vergangen ist. Ich ermuntere die verantwortlichen Politiker, weiter auf diesem Weg voranzuschreiten und alle seine Möglichkeiten zu entfalten – als Beweis für den erhabenen Dienst, den zu leisten sie berufen sind für den Frieden und das Wohlergehen ihrer Völker und des ganzen amerikanischen Kontinents und als ein Vorbild der Versöhnung für die ganze Welt.“
  Zuvor dankte er Kubas Präsident Raúl Castro sowie den Bischöfen der Karibikinsel für die Gastfreundschaft sowie all jenen, die sich die Mühe der Vorbereitung für die Pastoralreise des Papstes gemacht hätten. Dann folgte eine besondere Erwähnung: „Ich möchte Sie, Herr Präsident, bitten, Ihrem Bruder Fidel den Ausdruck meiner speziellen Achtung und Ehrerbietung zu überbringen. Zugleich möchte ich, dass mein Gruß besonders all jene erreicht, die ich aus verschiedenen Gründen nicht werde treffen können, und alle in der ganzen Welt verstreuten Kubaner.“
80 Jahre diplomatische Beziehungen
  Franziskus erinnerte daran, dass es bereits seit genau 80 Jahren diplomatische Beziehungen zwischen Kuba und dem Heiligen Stuhl gibt. Eine große Annäherung fand vor allem während des Pontifikates von Johannes Paul II. statt, wie sein Nachfolger Franziskus betonte. Er sprach dabei auch die Frage der Freiräume für die Kirche an. „Heute erneuern wir diese Bande der Zusammenarbeit und Freundschaft, damit die Kirche das kubanische Volk in seinen Hoffnungen und seinen Sorgen weiterhin begleitet, in Freiheit und mit den notwendigen Mitteln und Freiräumen, um die Verkündigung des Reiches bis in die existentiellen Peripherien der Gesellschaft zu bringen.“
100 Jahre Jungfrau von Cobre als Schutzpatronin
   Aus kirchlicher Sicht gebe es noch einen weiteren „runden Geburtstag“ und zwar den hundertsten Jahrestag der Erklärung der Barmherzigen Jungfrau von Cobre zur Schutzpatronin Kubas durch Benedikt XV. „In diesen Tagen werde ich die Gelegenheit haben, nach Cobre zu gehen, als Sohn und als Pilger, um unsere Mutter für all ihre kubanischen Söhne und Töchter und für diese geschätzte Nation zu bitten, dass diese auf den Wegen der Gerechtigkeit, des Friedens, der Freiheit und der Versöhnung voranschreite.“ Drei Mal benutzte der Papst das Wort Freiheit, dreimal Hoffnung und dreimal Frieden: die Färbung dieser Reise ist damit vorgegeben.

Aus Kuba berichtet Pater Bernd Hagenkord SJ  vat-PBerndHagenkordSJ-Zz  Radio Vatikan 

Hintergrund:
   Der Papst wird Kuba und die USA besuchen, in New York vor der UNO sprechen und in Philadelphia am Welttreffen der Familien teilnehmen; vorgesehen sind 24 Ansprachen auf Spanisch und (seltener) englisch.
   Am Freitagabend hatte der Papst, wie üblich vor Auslandsreisen, privat die römische Basilika Santa Maria Maggiore besucht. Dabei vertraute er Maria die Anliegen seiner Reise an.
   Die beiden politischen Führer der besuchten Länder, Präsident Raúl Castro von Kuba und US-Präsident Barack Obama, haben an diesem Samstag miteinander telefoniert. Dabei hoben sie nach Angaben des Weißen Hauses noch einmal die wichtige Rolle hervor, die der Papst letztes Jahr beim Zustandekommen der politischen Entspannung zwischen Kuba und den USA gespielt hat. Die beiden Länder haben am 20. Juli nach mehr als fünfzigjähriger Eiszeit wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen.
   Es war das dritte direkte Telefongespräch zwischen Castro und Obama seit der Ankündigung der historischen Wende im letzten Dezember. Die beiden Politiker werden sich in den nächsten Tagen am Rand der UNO- Vollversammlung in New York treffen. Unmittelbar vor dem Papstbesuch haben die USA die Beschränkungen für Kuba-Reisen und geschäftliche Aktivitäten auf Kuba weiter gelockert.
   Im Reisegefolge des Papstes befindet sich - abweichend von der üblichen Praxis - auch der vatikanische Außenminister Paul Gallagher. Er reise aufgrund der großen Bedeutung mit, welche die internationale Politik während dieser Reise spiele, erklärte Vatikansprecher Federico Lombardi. Als normale Angestellte des Vatikan ist dieses Mal eine Restauratorin aus der Mosaikwerkstatt der Dombauhütte von Sankt Peter dabei. Rv150919ord

miAm-Kuba-112-ZZ

Presseschau Lateinamerika: „Papst fordert totale Aussöhnung“
Papst Franziskus ruft zur Versöhnung zwischen Kuba und USA während seiner Ankunft auf Kuba

   Mit großem Interesse verfolgen die Medien in Lateinamerika den Auftakt der Kuba-Reise von Papst Franziskus. Im Mittelpunkt der Berichterstattung stand am Sonntag der Aufruf des Papstes zur Versöhnung zwischen den USA und Kuba.
   Das kommunistische Parteiorgan „Granma“ aus Kuba berichtet ausführlich über den Empfang am Flughafen durch Staatspräsident Raul Castro. Im Wortlaut dokumentiert „Granma“ die Reden von Franziskus und Castro. Die prominente kubanische Bloggerin Yoani Sanchez schreibt auf „14ymedio“: „Franziskus spricht über Versöhnung in seiner Antwort auf eine kämpferische Rede Castros.“
   Das in Madrid erscheinende regierungskritische Nachrichtenportal „Diario de Cuba“ schreibt: „Militärischer Pomp und Rufe 'Christus lebt': Papst Franziskus ist in Kuba angekommen.“ Zudem berichtet es über Festnahmen von Regimekritikern am Rande der Ankunft von Franziskus sowie über die Enttäuschung der Opposition, dass es während der Reise zu keinem Treffen mit dem Papst kommen werde.
   Die traditionell regimekritische Tageszeitung „El Nuevo Herald“ aus der Exilkubaner-Hochburg Miami schreibt: „Bei seiner Ankunft setzt sich Papst Franziskus für Versöhnung ein.“ Das ebenfalls in Miami erscheinende Blatt „Diario las Americas“ geht auch auf die aktuelle Flüchtlingskrise ein: „Der Papst fliegt nach Kuba, ohne die Flüchtlinge zu vergessen“.
   In Mittelamerika schreibt das Blatt „La Pagina“ (El Salvador): „Raul Castro dankt dem Papst für die Vermittlung und kritisiert den Kapitalismus.“ Ähnlich ist der Tenor in Kolumbien, wo „El Tiempo“ kommentiert: „Franziskus auf dem Weg, in Kuba und den USA Geschichte zu machen. Der Papst unternimmt eine Reise, um einen Prozess der Annäherung zu festigen, in dem seine Vermittlung der Schlüssel war.“
   Auch in Franziskus' Heimatland Argentinien ist das Interesse an der Kuba-Reise enorm: Die Tageszeitung „Clarin“ schreibt: „Franziskus fordert eine totale Aussöhnung zwischen den USA und Kuba.“ Das Blatt zitiert Staatspräsidentin Cristina Kirchner, die sich in Havanna aufhält, mit den Worten: „Die Mauern und die Blockaden in der Welt werden fallen.“ Die regierungsnahe Zeitung „Pagina12“ schreibt: „Kuba betet gegen die Blockade.“ Der länderübergreifende linksgerichtete Nachrichtensender Telesur aus Venezuela kommentiert: „Der Missionar der Barmherzigkeit auf der Insel der Barmherzigkeit.“ Rv150920pdy

miAm-Kuba-114-ZZ

Papstmesse: Christen müssen dienen, nicht sich bedienen
Papst Franziskus feiert mit über 100.000 Gläubigen auf dem Platz der Revolution in Havanna die Messe

  Papst Franziskus hat im kommunistischen Kuba Cliquenwirtschaft und elitäres Verhalten verurteilt. Mancher missbrauche seinen Dienst für die Gesellschaft,  um im Namen des Allgemeinwohls die eigenen Leute zu begünstigen, sagte Papst Franziskus. Am Sonntagvormittag (15 Uhr mitteleuropäischer Zeit) feierte Franziskus auf dem Platz der Revolution in Havanna einen Gottesdienst unter freiem Himmel. Vor zahlreichen fächerwehenden Gläubigen und Geistlichen, die sich vor dem schwülen Klima unter bunten Sonnenschirmen versteckten, hielt Papst Franziskus eine Predigt in spanischer Sprache.
   Er erinnerte daran, dass der Weg der Menschheit nicht der des Egoismus sei, sondern nur der „Letzte von allen“, der „Diener aller“ werde der Größte sein. Der Dienst für das Gute und die Gemeinschaft sei die einzige richtige Antwort für die Menschen. Er bezog sich auf das Tagesevangelium, in dem Jesus seine Jünger fragte: „Worüber habt ihr unterwegs gesprochen? Die Jünger schwiegen, denn sie „hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer [von ihnen] der Größte sei“ Mk 9,34.
   „Wer ist der Größte? – Eine Frage, die uns das ganze Leben hindurch begleiten wird, und in den verschiedenen Lebensphasen werden wir herausgefordert sein, sie zu beantworten. Wir können dieser Frage nicht ausweichen; sie ist ins Herz eingraviert,“ erinnert Papst Franziskus die Gläubigen. Er betonte so den ständigen Egoismus der Gesellschaft. Jesus würde die Logik und die Gier nach Erfolg umwandeln in eine „Logik der Liebe“, weit entfernt von dem elitären Egoismus hin zu dem Dienst für den Nächsten. Das sei der Weg der Christen und auch die Antwort für die Christen. Dienen und sich nicht der anderen „bedienen“.
  „Dienen bedeutet großenteils, Schwäche und Gebrechlichkeit zu beschützen, für die Schwachen in unseren Familien, in unserer Gesellschaft, in unserem Volk zu sorgen. Die leidenden, schutzlosen, verängstigten Gesichter sind es, auf die zu schauen und die konkret zu lieben Jesus uns einlädt. Eine Liebe, die in Taten und Entscheidungen Form annimmt. Eine Liebe, die sich in den verschiedenen Aufgaben zeigt, die wir als Bürger entfalten sollen,“ fährt Franziskus fort.
   Er betonte auch die „Freude am Fest, an der Freundschaft und im Schönen“ im Volk der Kubaner. Sie sollen nun mit offenen Armen voranschreiten und trotz ihrer Wunden der Vergangenheit voller Hoffnung voranschreiten. „Vergessen wir nicht die Frohe Botschaft von heute: Die Größe und Bedeutung eines Volkes, einer Nation, die Größe einer Person beruht immer auf der Art, wie man der Schwäche und Gebrechlichkeit der Mitmenschen dient. Darin begegnen wir einer der Früchte einer wahren Menschlichkeit.“ Rv150920no

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Papstpredigt auf der Plaza de la Revolucion - Foto: Papst Franziskus auf dem Platz der Revolution in Havanna

Papstmesse auf der Plaza de la Revolucion in Havanna.
Wir dokumentieren hier die offizielle deutsche Übersetzung: 

   Das Evangelium zeigt uns Jesus, wie er seinen Jüngern eine scheinbar indiskrete Frage stellt: „Worüber habt ihr unterwegs gesprochen?“ Mk 9,33. Eine Frage, die er auch uns heute stellen kann. Worüber sprecht ihr täglich? Was sind eure Bestrebungen? „Sie schwiegen“, sagt das Evangelium, „denn sie hatten unterwegs miteinander darüber gesprochen, wer [von ihnen] der Größte sei“ Mk 9,34. Die Jünger schämten sich, Jesus zu sagen, worüber sie gesprochen hatten. Wie bei den Jüngern von damals, so kann auch uns heute dieselbe Diskussion begleiten: Wer ist der Größte?
  Jesus besteht nicht auf der Frage, er zwingt sie nicht, ihm zu antworten, worüber sie unterwegs gesprochen haben, doch seine Frage bleibt nicht nur im Gedächtnis, sondern auch im Herzen der Jünger bestehen.
  Wer ist der Größte? – Eine Frage, die uns das ganze Leben hindurch begleiten wird, und in den verschiedenen Lebensphasen werden wir herausgefordert sein, sie zu beantworten. Wir können dieser Frage nicht ausweichen; sie ist ins Herz eingraviert. Ich erinnere mich, wie mehr als einmal in Familienzusammenkünften die Kinder gefragt wurden: Wen hast du mehr lieb, Papa oder Mamma? Das ist, als fragte man sie: Wer ist wichtiger für euch? Ist diese Frage so nur ein einfaches Kinderspiel? Die Geschichte der Menschheit ist durch die Art und Weise, auf diese Frage zu antworten, geprägt worden.
  Jesus fürchtet die Fragen der Menschen nicht; er fürchtet weder die Menschheit noch das unterschiedliche Suchen, das diese anstellt. Im Gegenteil, er kennt die „Schlupfwinkel“ des menschlichen Herzens, und als guter Pädagoge ist er bereit, uns immer zu begleiten. Wie es seiner Art entspricht, nimmt er unser Suchen, unsere Bestrebungen an und gibt ihnen einen neuen Horizont. Wie es seiner Art entspricht, gelingt es ihm, eine Antwort zu geben, die fähig ist, eine neue Herausforderung zu stellen, indem er „die erwarteten Antworten“ oder das scheinbar Feststehende aus den Angeln hebt. Wie es seiner Art entspricht, stellt Jesus immer die Logik der Liebe auf. Eine Logik, die von allen gelebt werden kann, weil sie für alle ist.
   Weit entfernt von jeglichem Elitismus, umfasst der Horizont Jesu nicht nur einige wenige Privilegierte, die fähig sind, zur „ersehnten Erkenntnis“ oder zu verschiedenen Ebenen der Spiritualität zu gelangen. Der Horizont Jesu ist immer ein Angebot für das tägliche Leben, auch hier auf „unserer Insel“; ein Angebot, das dem Alltag immer den Geschmack der Ewigkeit verleiht.
   Wer ist der Größte? Jesus ist in seiner Antwort ganz einfach: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein“ Mk 9,35. Wer groß sein will, soll den anderen dienen und nicht sich der anderen bedienen.
   Hier liegt die große Paradoxie Jesu. Die Jünger diskutierten darüber, wer den wichtigsten Platz einnehmen werde, wer als Privilegierter auserwählt werden würde, wer vom allgemeinen Recht, von der generellen Norm entbunden sein werde, um sich in einem Streben nach Überlegenheit von den anderen abzuheben. Wer schneller aufsteigen werde, um die Ämter zu besetzen, die gewisse Vorteile mit sich brächten.
  Jesus bringt ihre Logik durcheinander, indem er ihnen einfach sagt, dass das authentische Leben im konkreten Engagement für den Nächsten gelebt wird.
   Die Einladung zum Dienst beinhaltet eine Besonderheit, die wir beachten müssen. Dienen bedeutet großenteils, Schwäche und Gebrechlichkeit zu beschützen, für die Schwachen in unseren Familien, in unserer Gesellschaft, in unserem Volk zu sorgen. Die leidenden, schutzlosen, verängstigten Gesichter sind es, auf die zu schauen und die konkret zu lieben Jesus uns einlädt. Eine Liebe, die in Taten und Entscheidungen Form annimmt. Eine Liebe, die sich in den verschiedenen Aufgaben zeigt, die wir als Bürger entfalten sollen. Wir sind von Jesus aufgefordert, für die Menschen in ihrer Leiblichkeit mit ihrem Leben,  ihrer Geschichte und besonders mit ihrer Gebrechlichkeit einzutreten, für sie zu sorgen und ihnen zu dienen. Denn Christ zu sein schließt ein, der Würde der Mitmenschen zu dienen, für die Würde der Mitmenschen zu kämpfen und für die Würde der Mitmenschen zu leben. Darum sind die Christen immer aufgefordert, im konkreten Blick auf die Schwächsten ihr Suchen, ihr Streben und ihre Sehnsucht nach Allmacht auszublenden.
   Es gibt einen Dienst, der dienlich ist; doch wir müssen uns hüten vor dem anderen „Dienst“, vor der Versuchung des „Dienstes“, der sich bedient. Es gibt eine Form, den Dienst auszuüben, deren Interesse darin besteht, die „Meinen“ zu begünstigen im Namen des „Unsrigen“. Dieser Dienst lässt die „Deinen“ immer draußen und schafft eine Dynamik der Ausschließung.
   Alle sind wir aufgrund der christlichen Berufung zu dem Dienst aufgefordert, der dienlich ist, und dazu, einander zu helfen, nicht den Versuchungen zum „Dienst, der sich bedient“ zu erliegen. Alle sind wir von Jesus eingeladen und angeregt, uns aus Liebe wechselseitig umeinander zu kümmern. Und das, ohne zur Seite zu blicken, um zu sehen, was der Nachbar tut oder zu tun unterlassen hat. Jesus sagt uns: „ Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein“ Mk 9,35. Er sagt nicht: Wenn dein Nachbar der Erste sein will, soll er dienen. Wir müssen uns vor dem beurteilenden Blick hüten und uns entschließen, an den verwandelnden Blick zu glauben, zu dem Jesus uns einlädt.
  Diese Haltung, uns aus Liebe umeinander zu kümmern, läuft nicht auf Servilität und Unterwürfigkeit hinaus, sondern stellt im Gegenteil in den Mittelpunkt der Frage den Mitmenschen und Bruder: Der Dienst schaut immer auf das Gesicht des Bruders oder der Schwester, berührt seine Leiblichkeit, spürt seine Nähe und in manchen Fällen sogar das „Kranke“ und sucht, ihn zu fördern.  Darum ist der Dienst niemals ideologisch, denn man dient nicht Ideen, sondern man dient den Menschen.
   Das heilige gläubige Gottesvolk, das seinen Weg in Kuba geht, ist ein Volk, das Freude hat am Fest, an der Freundschaft und am Schönen. Es ist ein Volk, das singend und lobpreisend vorangeht. Es ist ein Volk, das Wunden hat wie jedes Volk, das aber versteht, mit offenen Armen da zu sein, ein Volk, das voller Hoffnung voranschreitet, denn es ist zu Großem berufen. Heute lade ich euch ein, diese Berufung zu pflegen, diese Gaben zu pflegen, die Gott euch geschenkt hat, aber ich möchte euch auffordern, euch in besonderer Weise der Schwäche eurer Brüder und Schwestern anzunehmen und ihnen zu dienen. Vernachlässigt sie nicht aufgrund von Vorhaben, die sich als verführerisch erweisen können, aber das Gesicht dessen, der neben euch steht, nicht beachten. Wir kennen und bezeugen die „unvergleichliche Kraft“ der Auferstehung, die „überall Keime dieser neuen Welt hervorbringt“ vgl. Evangelii gaudium, 276,278.
  Vergessen wir nicht die Frohe Botschaft von heute: Die Größe und Bedeutung eines Volkes, einer Nation, die Größe einer Person beruht immer auf der Art, wie man der Schwäche und Gebrechlichkeit der Mitmenschen dient. Darin begegnen wir einer der Früchte einer wahren Menschlichkeit.
„Wer nicht lebt, um zu dienen, versteht nicht zu leben.“ Rv150920no

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Vesper mit Ordensleuten: Gott will seine Kirche arm
Foto: Auf Tuchfühlung: Papst Franziskus vor der Feier der Vesper

   Die Kirche Kubas ist eine arme Kirche. Mit diesen Worten stellte Kardinal Jaime Ortega, Erzbischof von Havanna, dem Papst in der Kathedrale von Havanna seine Kirche vor. Und eine Ordensfrau berichtete bei der Vesper am Sonntag davon, dass ihr diese Armut Angst gemacht habe, dass sie jetzt aber Gott genau darin gefunden habe. Er habe prophetische Worte gehört, antwortete der Papst, und deswegen wolle er seine vorbereitete Rede nicht halten. Stattdessen sprach er frei: ein Zeichen dafür, wie wichtig ihm das Thema ist.
   Die Armut sei die Mauer und die Mutter des Ordenslebens, zitierte der Papst den Ordensgründer der Jesuiten, Ignatius von Loyola; sie biete Zuflucht und Schutz zugleich. Es war eine dichte Ansprache über das Ordensleben, über Angst und Sicherheit, über Aufbrüche und falschen Halt. Papst Franziskus sprach eindringlich, aber er scherzte auch einige Male. Er sprach sehr engagiert, immer wieder fiel er dabei in seinen Heimatdialekt aus Buenos Aires, das Porteño, und es war ihm anzusehen, wie wichtig ihm dieses Thema eines authentischen Ordens- und Priesterlebens ist.
Ein unbequemes Thema
   Es sei unbequem, von Armut zu sprechen, so der Papst zum Auftakt. Und doch müsse man das tun, der „Geist der Weltlichkeit“ wolle davon nämlich nichts wissen. Er griff die biblische Erzählung vom reichen Jüngling auf: Als dieser von Jesus aufgefordert wurde, all sein Hab und Gut zu verkaufen und das Geld den Armen zu geben, habe er Angst vor der Armut gehabt und davor, alles zu verlassen. Reichtum und Wohlstand machen ängstlich, sie lassen uns verarmen, schloss der Papst aus dieser Episode. Es sei der Geist des Verzichts, in dem Jesus zu finden sei. „Großzügige Herzen wie das des Jünglings, die gut begonnen haben und dann Gefallen gefunden haben an der wohlhabenden Weltlichkeit, enden schlimm! Das soll heißen, sie enden in Mittelmäßigkeit. Wir verlieren dadurch das Wichtigste, das wir haben, nämlich das, was uns arm macht im einzigen Reichtum, der etwas wert ist - weil er uns dazu bringt, unsere Sicherheit auf etwas anderes zu setzen.“ Das Evangelium spreche einige Male von dieser Art Armut, zum Beispiel bei den ersten Jüngern, die alles hinter sich ließen, um Jesus nachzufolgen.
  Immer wenn eine Ordensgemeinschaft ihr Vertrauen auf Geld setze und beginne, ihre Zukunft abzusichern, dann sende der gute Gott einen schlechten Verwalter, so Franziskus unter dem Gelächter der Anwesenden: „Sie sind der größte Segen Gottes, diese desaströsen Verwalter, denn sie machen frei, sie machen arm!“ Und der Papst fuhr mit ernstem Gesicht fort: „Unsere heilige Mutter Kirche ist arm, Gott will sie arm.“
Seelsorge für den Geringsten
   In diesem Sinn sprach Franziskus dann auch über das Thema Seelsorge. Jesus habe von den Kleinsten gesprochen, den Geringsten. Matthäus 25 - eine immer wieder von ihm zitierte Bibelstelle - zeige, dass wir dereinst danach gerichtet und beurteilt würden, was wir den Geringsten unter uns getan hätten. „Es gibt seelsorgliche Dienste, die aus menschlicher Sicht vielleicht zufriedenstellender sind und die auch nicht weltlich oder schlecht sind; aber wenn jemand in den eigenen inneren Peripherien den Kleinsten sucht, den Aufgegebenen, den Kranken, den, an den sonst niemand denkt, den Geringsten, und diesem Geringsten dient, der dient Jesus auf die beste Weise!“
   Dort seien die Barmherzigkeit und die Zärtlichkeit Gottes zu finden und weiterzugeben. „Sein Leben zu verbrennen, wie weggeworfen zu sein in den Augen der Welt, das erzählt uns von einer Person. Das spricht von Jesus, der durch die Barmherzigkeit des Vaters zum Nichts geworden ist, zum Niemand! Er hat sich erniedrigt, wie der Philipperbrief sagt. Er hat sich zum Nichts gemacht. Und die Menschen, um die ihr euch kümmert, sind in dieser Hinsicht wie Jesus, nicht weil sie es wollen, sondern weil die Welt sie so behandelt.“ Er dankte ausführlich allen Frauen und Männern, die sich so in Dienst nehmen lassen, vor allem den vielen Ordensfrauen. In ihrer Arbeit an den Vergessenen und Geringen scheine Jesus auf, so Papst Franziskus, hier scheine die Entscheidung für Jesus auf, die Ordensleute und Geistliche träfen. „Danke an euch alle, Ordensmänner und Ordensfrauen, die so etwas tun!“
   Habt keine Angst vor der Barmherzigkeit Gottes, rief er abschließend den Anwesenden - speziell den Beichtvätern unter ihnen - zu. Gottes Barmherzigkeit solle buchstäblich aus ihren Händen und Umarmungen fließen. „Gott möge uns Armut und Barmherzigkeit schenken, denn da ist Jesus.“
Besuch bei den Jesuiten
  Direkt vor seinem Besuch in der Kathedrale hatte der Papst einen Zwischenstopp an der Pfarreikirche Sagrado Corazon (Herz Jesu) im historischen Zentrum von Havanna eingelegt. Die Pfarrei wird von seinen Mitbrüdern im Jesuitenorden geleitet. Es gehört mittlerweile zu den festen Terminen auf dem Papstkalender, Jesuiten auf der Welt zu besuchen. Rv150920ord
   Die schriftlich vorbereitete Predigt hat Papst Franziskus in der Vesprer für Ordensleute in Havanna nicht gehalten, sondern spontan eine freie Ansprache gehalten. Den Wortlaut seiner schriftlich vorbereiteten Predigt bringen wir in autorisierter Übersetzung auf unserer Seite > Ordensschwestern

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Träumen öffnet Horizonte“: Franziskus trifft Jugendliche Foto: Der Papst und die Jugend: Kulturzentrum Felix Varela

   Zum Leben gehört das Träumen, vor allem zum jungen Leben. Ein Jugendlicher, der nicht träumen kann, wird in sich selbst verschlossen. Wie schon bei der vorangegangenen Vesper mit Ordensleuten und Priestern sprach Papst Franziskus auch beim Treffen mit Jugendlichen in Havanna frei. Vor den – glaubenden wie nichtglaubenden – jungen Leuten griff er am Sonntagabend Themen auf, die ihm am Herzen liegen. Zum Beispiel das Träumen: „Jeder träumt manchmal von Dingen, die nie eintreten werden, aber das öffnet Horizonte (…) Öffnet euch also und träumt! Träumt davon, dass die Welt durch euch eine andere wird. (..) Vergesst nicht, zu träumen.“
   Wer in sich abgeschlossen sei, könne andere nicht annehmen und aufnehmen, fuhr der Papst fort. Dann sei man im Gerede der Ideologien oder dem Gerede der Religionen gefangen. Es gelte, über den Individualismus hinaus zu gehen. „Wenn eine Religion Zusammenrottung wird, dann verliert sie das Beste, was sie hat, dann verliert sie die Anbetung Gottes, den Glauben an Gott. Dann ist es Gerede.“ Das Gleiche gelte für die Ideologien: Wenn man sich in seine eigene Ideologie einschließe, dann sei man im Gerede dieser Ideologie gefangen.
  „Offene Herzen, offener Geist“, rief der Papst den Jugendlichen zu - das ist übrigens auch ein Buchtitel, unter dem er als Kardinal von Buenos Aires einmal Exerzitientexte veröffentlicht hat. „Wenn du anders denkst als ich, warum sprechen wir dann nicht einfach miteinander? Warum werfen wir Steine auf alles, was uns trennt, auf jeden, der anders ist?“ Sein Ratschlag: Mit dem Sprechen über Dinge beginnen, die verbinden, und dann über die Unterschiede reden. „Aber ich sage: miteinander sprechen!“ Erst dadurch komme man zum Gemeinwohl, zur „sozialen Freundschaft“, fuhr Papst Franziskus in seinen Gedanken fort. Die soziale Feindschaft zerstöre. „Um dies bitte ich euch heute: Seid fähig, soziale Freundschaft zu schaffen!“
  Franziskus sprach anschließend über das Thema Hoffnung, um das auch die Begrüßungsrede eines jungen Mannes gekreist war. Man dürfe sie nicht mit Optimismus verwechseln, so der Papst: Hoffnung sei etwas anderes. Hoffnung könne leiden und könne etwas aufgeben, etwas opfern. „Könnt ihr etwas aufgeben, oder wollt ihr nur in einer Gegenwart leben, die andere für euch organisieren?“ Hoffnung sei fruchtbar, Hoffnung sei Leben. Hoffnung komme mit dem Engagement. Jugendliche ohne Hoffnung seien schon mit zwanzig Jahren alt und in Rente.
   Der Weg der Hoffnung sei allerdings nicht einfach, fuhr Franziskus fort, und man könne ihn auch nicht alleine gehen. „Es gibt ein afrikanisches Sprichwort: Wenn du eine kleine Strecke gehen willst, gehe allein; wenn du aber weit gehen willst, dann gehe in Begleitung! Ich bitte euch, junge Kubaner, die ihr verschieden denkt, die ihr das Leben verschieden seht, darum, dass ihr gemeinsam geht! Dass ihr Hoffnung sucht. Dass ihr die Zukunft eures Landes sucht.“ rv150920ord

karik-106-ZZ     Grußworte des Papstes an die kubanische Jugend

Ansprache von Papst Franziskus an die Jugendlichen im Kulturzentrum P. Felix Varela in Havanna am 21. 09. 2015

   Ihr steht, und ich sitze. Was für eine Schande! Doch ihr sollt wissen, warum ich mich gesetzt habe: weil ich mir einige Notizen gemacht habe zu dem, was unser Kamerad gesagt hat, und darüber möchte ich sprechen. Ein Wort ist mit besonderem Nachdruck gefallen: träumen. Ein lateinamerikanischer Schriftsteller hat gesagt, dass wir Menschen zwei Augen haben: eines aus Fleisch und eines aus Glas. Mit dem fleischlichen Auge sehen wir das, was wir erblicken, mit dem Glasauge sehen wir das, was wir erträumen. Schön, nicht wahr?
   In die Objektivität des Lebens muss die Fähigkeit zu träumen eindringen. Und ein junger Mensch, der nicht zu träumen vermag, befindet sich in der „Klausur“ seiner selbst, ist in sich selbst eingeschlossen. Jeder träumt manchmal Dinge, die nie eintreffen… Doch träume von ihnen, ersehne sie, suche Horizonte ab, öffne dich, öffne dich für Großes! Ich weiß nicht, ob man in Kuba das Wort gebraucht, aber wir Argentinier sagen: „No te arrugues!“[wörtlich: zerknittere dich nicht!] Nicht den Mut verlieren, öffne dich! Öffne dich und träume! Träume, dass die Welt mit dir anders sein kann! Träume, dass du, wenn du dein Bestes gibst, dazu beitragen wirst, dass diese Welt anders wird! Vergesst das nicht, träumt! Manchmal entgleitet es eurer Kontrolle, und ihr träumt allzu sehr, und dann schneidet euch das Leben den Weg ab. Macht nichts, träumt! Und erzählt eure Träume! Erzählt, sprecht von den großen Dingen die ihr ersehnt, denn je größer die Fähigkeit zu träumen ist, umso länger ist die Strecke, die du gegangen bist, wenn dich das Leben auf halbem Weg zurücklässt. Darum vor allem träumen!
   Du hast da einen kleinen Satz gesagt, den ich hier schriftlich in deinem Beitrag hatte, aber ich habe ihn unterstrichen und einige Notizen dazu gemacht: dass wir den aufzunehmen und zu akzeptieren wissen, der anders denkt als wir. Tatsächlich sind wir manchmal verschlossen. Wir begeben uns in unsere kleine Welt: „Entweder ist es so wie ich will, oder es ist nichts zu machen.“ Und du bist noch weiter gegangen: dass wir uns nicht in die „Konventikel“ der Ideologien oder in die „Konventikel“ der Religionen einschließen sollen. Dass wir wachsen mögen angesichts der Individualismen. Wenn eine Religion zum Konventikel wird, verliert sie das Beste, was sie besitzt, verliert sie ihr eigentliches Wesen, nämlich Gott anzubeten, an Gott zu glauben. Dann ist sie ein Konventikel. Ein Konventikel aus Worten, aus Gebeten, aus einem „ich bin gut, ihr seid schlecht“, aus moralischen Prinzipien. Und wenn ich an meiner Ideologie, meiner Denkweise festhalte und du an deiner, dann schließe ich mich in diesen Konventikel der Ideologie ein.
  Offenes Herz, offener Geist. Wenn du anders denkst als ich, warum sollten wir nicht darüber sprechen? Warum streiten wir immer über das, was uns trennt, über das, worin wir uns unterscheiden? Warum reichen wir uns nicht die Hand in dem, was wir gemeinsam haben? Wir sollten den Mut fassen, über das zu sprechen, was wir gemeinsam haben. Und danach können wir über das sprechen, was uns unterscheidet und worin wir unterschiedlicher Ansicht sind. Ich sage aber: sprechen. Ich sage nicht: streiten. Ich sage nicht: uns verschließen. Ich sage nicht: „tratschen“, um dein Wort zu gebrauchen. Das ist aber nur möglich, wenn ich über das zu sprechen vermag, das ich mit dem anderen gemeinsam habe, über das, was uns befähigt, gemeinsam zu arbeiten. In Buenos Aires war eine Gruppe junger Universitätsstudenten dabei, in einer neuen Pfarrei in einer sehr, sehr armen Zone einige Pfarrsäle zu bauen. Und der Pfarrer sagte mir: „Kommen Sie doch einmal an einem Samstag, dann stelle ich sie Ihnen vor.“ Samstags und sonntags arbeiteten sie an dem Bau. Es waren Jungen und Mädchen von der Universität. Ich kam und sah sie, und sie wurden mir vorgestellt: „Das ist der Architekt, er ist Jude; dieser ist Kommunist, der hier ist praktizierender Katholik, dieser ist…“ Alle waren verschieden, aber alle arbeiteten gemeinsam für das Gemeinwohl. Das bedeutet soziale Freundschaft, das Gemeinwohl suchen. Die soziale Feindschaft zerstört. Und durch die Feindschaft wird eine Familie zerstört. Durch die Feindschaft wird ein Land zerstört. Durch die Feindschaft wird die Welt zerstört. Und die größte Feindschaft ist der Krieg. Und heute sehen wir, dass die Welt dabei ist, sich durch den Krieg zu zerstören. Denn sie sind unfähig, sich an einen Tisch zu setzen und miteinander zu sprechen: „Gut, verhandeln wir. Was können wir gemeinsam tun? Worin werden wir nicht nachgeben? Aber lasst uns keine Menschen mehr töten!“ Wenn es Spaltung gibt, gibt es Tod. Gibt es den Tod in der Seele, denn wir töten die Fähigkeit, Einheit zu bilden. Dann töten wir die soziale Freundschaft. Und das ist es, worum ich euch heute bitte: Seid fähig, soziale Freundschaft zu bilden.  Dann habe ich ein weiteres Wort unterstrichen, das du gesagt hast. Das Wort „Hoffnung“. Die Jugendlichen sind die Hoffnung eines Volkes. Das hören wir überall. Doch was ist Hoffnung? Bedeutet es, Optimisten zu sein? Nein. Der Optimismus ist eine seelische Verfassung.. Wenn du morgen mit Leberschmerzen aufwachst, bist du kein Optimist, dann siehst du alles schwarz. Die Hoffnung ist mehr. Die Hoffnung ist geduldig. Die Hoffnung versteht zu leiden, um einen Plan voranzubringen, sie weiß sich aufzuopfern. Bist du fähig, dich für eine Zukunft zu opfern, oder willst du nur die Gegenwart leben, und die nächsten Generationen sollen sehen, wie sie zurechtkommen? Die Hoffnung ist fruchtbar. Die Hoffnung schenkt Leben. Bist du imstande, Leben zu schenken, oder bist du ein geistig steriler Junge bzw. ein geistig steriles Mädchen, unfähig Leben für die anderen zu schaffen, unfähig, soziale Freundschaft zu schaffen, unfähig, Heimat zu schaffen, unfähig, Großes zu schaffen? Die Hoffnung ist fruchtbar. Die Hoffnung widmet sich der Arbeit.
   Hier möchte ich ein sehr schwerwiegendes Problem erwähnen, das zurzeit in Europa erlebt wird: die Menge der jungen Menschen, die keine Arbeit haben. Es gibt Länder in Europa, in denen vierzig Prozent der Jugendlichen unter fünfundzwanzig Jahren arbeitslos sind. Ich denke da an ein bestimmtes Land. In einem anderen sind es siebenundvierzig Prozent, in einem anderen fünfzig. Ein Volk, das sich nicht darum kümmert, den Jugendlichen Arbeit zu geben, ein Volk – und wenn ich „Volk“ sage, dann sage ich nicht „Regierung“ –, das ganze Volk, das sich nicht um die Menschen kümmert, darum, dass diese Jugendlichen Arbeit haben: Es ist klar, dass ein solches Volk keine Zukunft hat.
   Die Jugendlichen werden zu einem Teil der Wegwerfkultur. Und wir wissen alle, dass heute in diesem Reich des „Götzen Geld“ Dinge weggeworfen werden und Menschen weggeworfen werden. Kinder werden weggeworfen, weil man sie nicht will, oder man tötet sie vor der Geburt. Die Alten werden weggeworfen – ich spreche von der Welt allgemein –, die Alten werden weggeworfen, weil sie nichts mehr produzieren. In einigen Ländern gibt es ein Euthanasiegesetz, aber in vielen anderen gibt es eine verborgene, verhüllte Euthanasie. Die jungen Menschen werden weggeworfen, weil man ihnen keine Arbeit gibt. Was bleibt dann einem Jugendlichen ohne Arbeit? In einem Land, in einem Volk, das keine Arbeitsmöglichkeiten für seine Jugend erfindet, bleiben diesem jungen Menschen nur, der Sucht zu verfallen oder seinem Leben selbst ein Ende zu bereiten oder aber herumzulaufen auf der Suche nach Streitkräften, die alles zerstören und Kriege anzetteln. Diese Wegwerfkultur bekommt uns allen schlecht, sie nimmt uns die Hoffnung. Und Hoffnung ist das, was du für die Jugendlichen gefordert hast: Wir wollen Hoffnung. Eine Hoffnung, die geduldig, arbeitsam und fruchtbar ist; die uns Arbeit gibt und uns vor der Wegwerfkultur errettet. Und diese Hoffnung versammelt, sie ruft alle zusammen, denn ein Volk, das sich selbst „zusammenzurufen“ weiß, um auf die Zukunft zu schauen und soziale Freundschaft zu bilden – wie du gesagt hast, auch wenn man unterschiedliche Ansichten hat –, ein solches Volk hat Zukunft.
   Wenn ich einem jungen Menschen ohne Hoffnung begegne – ich habe es schon einmal gesagt –, dann ist das für mich ein „pensionierter“ Jugendlicher. Es gibt junge Menschen, die anscheinend mit zweiundzwanzig Jahren in Pension gehen. Das sind Jugendliche mit einer existentiellen Traurigkeit. Es sind Jugendliche, die ihr Leben einem prinzipiellen Defätismus verschrieben haben. Jugendliche, die klagen, Jugendliche, die vor dem Leben fliehen. Der Weg der Hoffnung ist nicht leicht, und man kann ihn nicht alleine gehen. Es gibt ein afrikanisches Sprichwort, das besagt: „Wenn du schnell gehen willst, geh‘ allein; wenn du aber weit kommen willst, dann gehe in Begleitung.“ Und ich bitte euch, junge Kubaner, dass ihr, auch wenn ihr unterschiedliche Denkweisen habt, auch wenn ihr unterschiedlicher Ansichten seid, in Begleitung geht, gemeinsam, auf der Suche nach der Hoffnung, auf der Suche nach der Zukunft und der Noblesse der Vaterlandes.
   Wir haben mit dem Wort „träumen“ begonnen, und ich möchte mit einem anderen Wort schließen, das du gesagt hast und das ich oft gebrauche: „die Kultur der Begegnung“. Bitte, dulden wir keine Spaltung untereinander. Gehen wir in Begleitung, vereint! In wechselseitiger Begegnung, auch wenn wir unterschiedlich denken, unterschiedlich empfinden. Doch es gibt etwas, das uns überragt, und das ist die Größe unseres Volkes, die Größe unseres Vaterlandes, diese Schönheit, diese süße Hoffnung des Heimatlandes ist es, zu der wir gelangen müssen. Vielen Dank.
   Gut, ich verabschiede mich mit den besten Wünschen für euch. Ich wünsche euch… alles, was ich euch gesagt habe. Ich wünsche es euch. Ich werde für euch beten. Und ich bitte euch, für mich zu beten. Und wenn jemand unter euch keinen Glauben hat – und nicht beten kann, weil er nicht glaubt –, dann möge er mir wenigstens Gutes wünschen. Gott segne euch, er führe euch auf diesem Weg der Hoffnung zu einer Kultur der Begegnung – unter Vermeidung jener „Konventikel“, von denen unser Kamerad gesprochen hat. Gott segne euch alle!

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Hier die Ansprache, die Papst Franziskus nicht gehalten, aber zur Veröffentlichung frei gegeben hat

Liebe Freunde,
   es ist mir eine große Freude, gerade hier in diesem Kulturzentrum, das für die Geschichte Kubas so bedeutsam ist, bei euch sein zu können. Ich danke Gott, dass er mir die Gelegenheit gegeben hat zu dieser Begegnung mit so vielen Jugendlichen, die mit ihrer Arbeit, ihrem Studium und ihrer Ausbildung das Morgen Kubas erträumen und auch schon Wirklichkeit werden lassen.
   Ich danke Leonardo für seine Grußworte. Ganz besonders danke ich ihm, weil er, obwohl er über viele andere sicherlich wichtige und konkrete Dinge wie die Schwierigkeiten, die Ängste, die Zweifel – die so real und menschlich sind – hätte reden können, uns von der Hoffnung gesprochen hat, von diesen Träumen und sehnlichen Wünschen, die kraftvoll im Herzen der jungen Kubaner verankert sind, jenseits ihrer Unterschiede in Bildung, Kultur, Glaubensüberzeugungen oder Ideen. Danke, Leonardo, denn auch mir kommt, wenn ich euch ansehe, als Erstes das Wort Hoffnung in den Sinn und erfüllt mein Herz. Ich kann mir keinen jungen Menschen vorstellen, der bewegungslos und lahm ist, der weder Träume noch Ideale hat und nicht nach Größerem strebt.
   Doch was ist die Hoffnung eines jungen Kubaners in diesem Moment der Geschichte? Nicht mehr und nicht weniger als die eines jeden anderen Jugendlichen in jedem beliebigen Teil der Welt. Denn die Hoffnung spricht uns von einer Wirklichkeit, die tief im Menschen verwurzelt ist, unabhängig von den konkreten Umständen und den geschichtlichen Konditionierungen, unter denen er lebt. Sie spricht uns von einem Durst, einem Streben, einer Sehnsucht nach Fülle, nach gelungenem Leben; davon, nach Großem greifen zu wollen, nach dem, was das Herz weitet und den Geist zu erhabenen Dingen wie Wahrheit, Güte und Schönheit, Gerechtigkeit und Liebe erhebt. Doch das bringt eine Gefahr mit sich. Es verlangt bereit zu sein, sich nicht vom Flüchtigen und Verfänglichen verführen zu lassen, von falschen Versprechungen eines leeren Glücks, eines unverzüglichen und egoistischen Vergnügens, eines mittelmäßigen, selbstbezogenen Lebens, das nur Traurigkeit und Bitterkeit im Herzen zurücklässt. Nein, die Hoffnung ist kühn. Sie weiß über die persönliche Bequemlichkeit, über die kleinen Sicherheiten und Kompensationen, die den Horizont verengen, hinauszuschauen, um sich großen Idealen zu öffnen, die das Leben schöner und würdiger machen. Ich möchte jede und jeden Einzelnen von Euch fragen: Was bewegt dein Leben? Was trägst du in deinem Herzen, wohin geht dein Streben? Bist du immer bereit zum Wagnis für etwas Größeres?
  Vielleicht könnt ihr mir sagen: „Ja, Pater, die Anziehungskraft dieser Ideale ist groß. Ich spüre ihren Ruf, ihre Schönheit, den Glanz ihres Lichtes in meiner Seele. Doch zugleich ist die Wirklichkeit meiner Schwäche, meiner Kraftlosigkeit zu mächtig, um mich zu entscheiden, den Weg der Hoffnung zu gehen. Das Ziel ist sehr hoch, und meine Kräfte sind gering. Es ist besser, sich mit dem Wenigen zufrieden zu geben, mit Dingen, die vielleicht weniger groß, dafür aber realistischer sind, mehr in Reichweite meiner Möglichkeiten liegen.“ Ich verstehe diese Reaktion; es ist normal, die Last des Gewagten und Schwierigen zu spüren. Doch gebt acht, dass ihr nicht der Versuchung der Ernüchterung erliegt; sie lähmt die Intelligenz und den Willen! Und lassen wir uns auch nicht in die Resignation treiben; sie ist ein radikaler Pessimismus gegenüber allen Möglichkeiten, das Erträumte zu erreichen. Diese Haltungen enden letztlich entweder in einer Flucht aus der Realität in künstliche Paradiese oder darin, sich in den persönlichen Egoismus zurückzuziehen, in eine Art Zynismus, der den Schrei der Gerechtigkeit, der Wahrheit und der Menschlichkeit, der sich um uns herum und in unserem Innern erhebt, nicht hören will.
   Was aber tun? Wie kann man Wege der Hoffnung finden in der Situation, in der wir leben? Was muss man tun, damit diese Träume von Fülle, von authentischem Leben, von Gerechtigkeit und Wahrheit eine Wirklichkeit in unserem persönlichen Leben, in unserem Land und in der Welt werden? Ich meine, es gibt drei Gedanken, die hilfreich sein können, um die Hoffnung lebendig zu erhalten.
   Die Hoffnung, ein Weg aus Erinnerung und Unterscheidung. Die Hoffnung ist die Tugend dessen, der in irgendeiner Richtung unterwegs ist. Es ist also kein einfaches Gehen aus Freude am Gehen, sondern hat einen Zweck, ein Ziel; und das ist es, was dem Weg Sinn verleiht und ihn erleuchtet. Zugleich nährt sich die Hoffnung aus der Erinnerung; sie umgreift mit ihrem Blick nicht nur die Zukunft, sondern auch die Vergangenheit und die Gegenwart. Um im Leben voranzugehen, ist es nicht nur wichtig zu wissen, wohin wir gehen wollen, sondern außerdem auch, wer wir sind und woher wir kommen. Ein Mensch oder ein Volk, das keine Erinnerung pflegt und seine Vergangenheit tilgt, läuft Gefahr, seine Identität zu verlieren und seine Zukunft zu ruinieren. Es braucht also die Erinnerung an das, was wir sind, an das, was unser geistiges und sittliches Erbe ausmacht. Ich glaube, dass dies die Erfahrung und die Lehre des großen Kubaners Pater Félix Varela ist. Und es braucht auch die Unterscheidung, denn es ist wesentlich, sich der Wirklichkeit zu öffnen und zu verstehen, sie furcht- und vorurteilslos zu deuten. Parteiische und ideologische Deutungen sind nutzlos; sie entstellen die Wirklichkeit, damit sie in unsere kleinen vorgefassten Schemen passt, und verursachen immer Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit. Unterscheidung und Erinnerung, denn die Unterscheidung ist nicht blind, sondern wird auf der Grundlage von soliden ethischen, moralischen Kriterien durchgeführt, die helfen zu erkennen, was gut und gerecht ist.
   Die Hoffnung, ein begleiteter Weg. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: »Wenn du schnell gehen willst, gehe allein; wenn du weit gehen willst, gehe in Begleitung.« Die Abkapselung oder die Verschließung in sich selbst erzeugt niemals Hoffnung, die Nähe und die Begegnung mit dem anderen hingegen sehr wohl. Alleine gelangen wir nirgendwo hin. Und ebenso baut man mit der Ausschließung für niemanden eine Zukunft auf. Ein Weg der Hoffnung verlangt eine Kultur der Begegnung, des Dialogs, der die Gegensätze und die unfruchtbare Konfrontation überwindet. Eine grundlegende Bedingung dafür ist, dass man die Unterschiede in den Denkweisen nicht als eine Gefahr, sondern als einen Reichtum betrachtet und als einen Wachstumsfaktor. Die Welt braucht diese Kultur der Begegnung, sie braucht junge Menschen, die einander kennenlernen wollen, die einander lieben wollen, die gemeinsam vorangehen und ein Land aufbauen wollen, wie José Martí es sich erträumte: »Mit allen und für das Wohl aller«.
   Die Hoffnung, ein solidarischer Weg. Die Kultur der Begegnung muss natürlich zu einer Kultur der Solidarität führen. Ich schätze sehr, was Leonardo zu Beginn gesagt hat, als er von der Solidarität als einer Kraft gesprochen hat, die hilft, jegliches Hindernis zu überwinden. Tatsächlich, ohne Solidarität hat kein Land eine Zukunft. Über jeder anderen Erwägung oder jedem anderen Interesse muss die konkrete und reale Sorge um den Menschen stehen, der mein Freund, mein Gefährte sein kann oder auch jemand, der anders denkt, der seine eigenen Ideen hat, der aber genauso Mensch und genauso Kubaner ist wie ich selbst. Die bloße Toleranz reicht nicht aus, man muss darüber hinausgehen und von einer ängstlichen, defensiven Haltung zu einer Haltung der Aufnahme, der Zusammenarbeit, des konkreten Dienstes und der wirksamen Hilfe übergehen. Habt keine Angst vor der Solidarität, vor dem Dienst, scheut euch nicht, dem anderen die Hand zu reichen, damit niemand am Wegrand liegenbleibt.
  Dieser Weg des Lebens wird durch eine erhabenere Hoffnung erleuchtet: durch die Hoffnung, die aus dem Glauben an Christus kommt. Er ist unser Weggefährte geworden und ermutigt uns nicht nur, sondern er begleitet uns, steht uns zur Seite und reicht uns seine Freundeshand. Er, der Sohn Gottes, hat einer wie wir werden wollen, um auch unseren Weg zu gehen. Der Glaube an seine Gegenwart, seine Liebe und seine Freundschaft entflammen und erleuchten all unsere Hoffnungen und Träume. Mit ihm lernen wir, die Wirklichkeit zu erkennen, die Begegnung zu leben, den anderen zu dienen und in Solidarität voranzugehen.
  Liebe junge Kubaner, wenn Gott selbst in unsere Geschichte eingetreten und in Jesus Mensch geworden ist, unsere Schwäche und unsere Sünden auf seine Schultern geladen hat, dann habt keine Angst vor der Hoffnung, habt keine Angst vor der Zukunft, denn Gott setzt auf euch, er glaubt an euch, er hofft auf euch.
  Liebe Freunde, danke für diese Begegnung. Möge die Hoffnung auf Christus, euren Freund, euch in eurem Leben immer führen. Und bitte vergesst nicht, für mich zu beten! Der Herr segne euch.

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Angelus: Papst bittet um Frieden und Versöhnung in Kolumbien
 Papst Franziskus rief beim Angelus Gebet zu Frieden in Kolumbien auf.

  Papst Franziskus hat an die Konfliktparteien in Kolumbien appelliert, die derzeitigen Friedensverhandlungen zu einem guten Ende zu bringen. Nach einer Ansprache und Dankesrede von Kardinal Jaime Ortega y Alamino, der Papst Franziskus auch für sein politisches Engagement und seine diplomatischen Bemühungen in der Rolle als Vermittler zwischen Kuba und den USA dankte, rief Franziskus ein weiteres Mal dazu auf sich den Leidenden anzunehmen und sich nicht von ihnen abzuwenden: „Und wir bitten sie, uns zu lehren, beim Kreuz des leidenden Bruders und der leidenden Schwester auszuharren. Dass wir lernen, Jesus in jedem Menschen zu sehen, der auf dem Weg des Lebens liegen geblieben ist; in jedem Mitmenschen, der Hunger oder Durst hat, der nackt oder im Gefängnis oder krank ist. Gemeinsam mit der Mutter, unter dem Kreuz, können wir erkennen, wer wirklich ‚der Größte‘.“
  Franziskus erwähnte weitere wichtige Friedensgespräche bei dem Angelus-Gebet, nämlich die von Kolumbien. In Havanna laufen seit Ende 2012 Friedensgespräche zwischen der Regierung Kolumbiens und den Farc-Rebellen, Franziskus nutzte die Gelegenheit um zu einem friedlichen Abschluss der Gespräche aufzurufen.
  „Möge das Blut Tausender Unschuldiger, das während so vieler Jahrzehnte des bewaffneten Konflikts vergossen wurde, gemeinsam mit dem Blut des Herrn Jesus Christus am Kreuz alle Anstrengungen unterstützen, die jetzt – sogar auf dieser schönen Insel – unternommen werden für eine endgültige Versöhnung! Und möge sich so die lange Nacht von Schmerz und Gewalt mit dem Willen aller Kolumbianer verwandeln in einen Tag, der keinen Abend kennt – einen Tag der Eintracht, der Gerechtigkeit, der Brüderlichkeit und der Liebe, in der Achtung der Institutionalisierung und des nationalen wie internationalen Rechts, damit der Friede dauerhaft sei! Bitte, wir sind nicht berechtigt, uns ein weiteres Scheitern auf diesem Weg des Friedens und der Versöhnung zu erlauben.“
  Grundsätzlich ist der Heilige Stuhl dazu bereit, in Kolumbien zu vermitteln: Das hatte Papst Franziskus selbst beim Rückflug von Südamerika im Juli bestätigt. Doch die Einladung zu einem Vermittlertreffen der Farc-Rebellen und Papst Franziskus in Kuba wurde laut eine Aussage von Vizesprecher Pater Ciro Benedittini offiziell nicht zugestimmt. Die FARC entstand 1964. Mit rund 9.200 Kämpfern ist sie die größte Rebellenorganisation Lateinamerikas. Ihr werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, die EU stuft sie als Terrororganisation ein. Rv150920no

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Papstbesuch bei den Castros  - Foto: Papst Franziskus und Fidel Castro

   Papst Franziskus hat an diesem Sonntag Fidel Castro einen Besuch abgestattet. Das bestätigte Vatikanspecher Pater Federico Lombardi nach dem Treffen. Die beiden hätten sich in Anwesenheit einiger Familienmitglieder Castros über eine halbe Stunde lang unterhalten Franziskus wiederholt damit einen Besuch, den bei seiner Reise 2012 Papst Benedikt XVI. gemacht hatte. Castro war Revolutionsführer und bis 2008 Vorgänger seines Bruders Raúl als Präsident des Landes. Der 89-jährige habe dem Papst einen Interviewband geschenkt, den er gemeinsam mit einem brasilianischen Theologen vor Jahren geschrieben habe, berichtete Lombardi.
   Nach der Mittagspause machte Papst Franziskus dann seinen offiziellen Besuch bei Kubas Staatspräsident Raúl Castro. Die Delegationen wurden einander vorgestellt, danach unterhielten sich Castro und der Papst, die sich schon früher einmal im Vatikan sowie bei der Ankunft des Papstes in Havanna begegnet sind. Ansprachen wurden nicht gehalten. Der Papst schenkte Castro ein Mosaik der Virgen del Cobre, während dieser dem Gast aus Rom ein großes Kruzifix aus Bootsrudern übergab.
   Zur gleichen Zeit unterhielten sich auch die offiziellen Delegationen, auf vatikanischer Seite geführt von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, miteinander. Rv150920ord

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Aufbrüche in Kubas Kirche: Von Mönchen und Schaufelbaggern
Kuba, wie man es kennt: Es gibt aber auch neue Seiten, kirchliche Aufbrüche

   Der atheistische Staat Kuba hat den Bau von Kirchen verboten. Siebzig Jahre lang ist kein Gotteshaus errichtet worden, erst jetzt ändert sich das, und zwar dank einem italienischen Pfarrer: Pasquale Pentimalli aus Kalabrien arbeitet daran, die erste katholische Kirche nach all den Jahren des Verbotes zu bauen. Sie soll in der Peripherie von Havanna entstehen, in einer armen Gegend. 50.000 Menschen leben dort, bislang ohne Kirche. Jetzt soll die Pfarrkirche Heiligen Johannes Paul II.  dort gebaut werden. „Seit zwei Jahren arbeiten wir mit Kardinal Ortega daran, und auch die Regierung unterstützt uns, Raúl Castro hat uns das Land für den Bau geschenkt.“
   Der erste Papst, der das Land besucht hat, stehe symbolisch für die Öffnung, und jetzt ernte man allmählich die Früchte, sagt der Pfarrer aus Süditalien. „Aber die Probleme in Kuba sind etwas delikat. Alles hängt hier vom Staat ab, das Material, die Arbeiter und so weiter. Der bürokratische Aufwand dafür ist enorm. Für die kleinsten Dinge werden die Arbeiten unterbrochen, und deswegen dauert das schon zwei Jahre. Im Augenblick sind sie unterbrochen, weil es keinen Schaufelbagger gibt.“ Ganze drei solcher Bagger gebe es in ganz Havanna, und da sei kein Drankommen.
Hilfe aus Italien
  Warum baut ein italienischer Pfarrer eine Kirche in Havanna? Weil ihn die Armut der Menschen getroffen habe, die geistliche und die materielle Armut, so Pater Pasquale. Aber er ist nicht allein mit seinem Projekt, auch nicht mit den Problemen von Schaufelbaggern und Anträgen bei diversen Verwaltungen. Auch die Missionsbenediktiner aus Sankt Ottilien arbeiten an einem Bau in Kuba, etwas länger schon - und es wird auch noch etwas dauern, aber schließlich soll es nicht nur eine Kirche werden, sondern gleich ein ganzes Kloster. Ein Anruf beim Erzabt der Kongregation, Jeremias Schröder OSB, der erst vor kurzem in Kuba zu Besuch bei seinen Mitbrüdern war.
  Steht denn da schon etwas? „Nein, da ist fast noch gar nichts,“ berichtet der Abt. „Wir haben etwas gerodet und ein Kreuz mitten auf dem Grundstück errichtet. Alle Entwicklungsschritte gehen in Kuba sehr langsam. Für das Klostergebäude, das wir errichten wollen, brauchen wir Genehmigungen von sieben Ministerien, und die Bürokratie arbeitet sehr gründlich, aber auch sehr langsam, es ist sehr schwer, das alles abzuwickeln.“ Auch Pater Pasquales Probleme mit dem Schaufelbagger sind dem Abt nicht fremd. „Wir haben jetzt zwei Jahre gebraucht, um die Erlaubnis zu bekommen, einen Traktor zu importieren, die haben wir aber jetzt bekommen. Das ist etwas, was uns erlaubt, auch mit dem Aufbau unserer Landwirtschaft voranzukommen.“
Benediktiner kommen!
  Die Gründung sei bereits 2008 erfolgt, zunächst sei das aber nicht mehr gewesen als ein in Rom unterschriebenes Stück Papier. Das Erzbistum Havanna hatte den ankommenden Mönchen dann zunächst ein leerstehendes Karmelitenkloster zugewiesen, berichtet der Abt; damals hatten die Mönche gehofft, in vier Jahren ihr neues Kloster beziehen zu können. Sehr optimistisch sei das damals gewesen, zehn Jahre wären realistischer gewesen, räumt er heute ein. Die Benediktiner sind also immer noch in ihrem Stadtkloster. Aber immerhin habe man schon den ersten kubanischen Mönch in die Gemeinschaft aufnehmen können.
  Leicht sei es nicht, dort zu leben, vor allem auch nicht für die aus dem Ausland kommenden Mönche: Es fehlt an vielem. Man wolle sich aber benediktinisch stabil in die Kirche Kubas einbringen. „Diese Kirche ist der stärkste sozial Handelnde außerhalb des Staates. Gerade auch Kardinal Ortega hat sehr viel Vertrauen erworben bei Regierung und Opposition und steht da oft in einer Vermittlerposition, in der er behutsam auf Modernisierung hinwirkt und Freiräume für Menschenrechte und Handlungsspielräume für die Kirche erstreitet.
  Die Benediktiner seien sehr angesehen in ihrer kleinen Pfarrei, berichtet der Abt. „Mir sagte, als ich neulich da war, der Prior: ‚Weißt du, du kommst immer wieder hierher, und das sehen die Leute! Die Leute wissen, dass viele von Kuba weg wollen. Dass da jemand immer wieder herkommt, ist ein starkes Zeichen.‘ Dass wir Benediktiner gekommen sind und bleiben wollen, ist auch so ein starkes Zeichen. Daran liegt es auch, dass unss soviel Wohlwollen entgegen schlägt.“
Ruhepol für die Kirche Kubas
   Und was genau soll der Auftrag für die Mönche sein? Bei der Pfarrei an der Peripherie Havannas ist das klar, aber was genau will ein Kloster? „Der Kardinal hat uns am Anfang sehr klar gesagt, dass er erwartet, dass wir ein Gemeinschaftsleben bringen. Es sind zwar viele Orden in Kuba präsent, die sind aber in der Pfarrseelsorge aktiv. Eine klösterliche Gemeinschaft ist dort nicht zu erleben. Das wäre unser Beitrag, und das liegt uns ja auch im Blut. Wir sehen momentan vor, ein Gästehaus zu haben. Die Priester und Ordensleute in Kuba sind oft sehr, sehr erschöpft. Der Alltag ist zermürbend, auch die Versorgungssituation ist so, dass man auch um ganz einfache Dinge kämpfen muss. Das Kloster kann als Rückzugsort für die Geistlichen im Land dienen; dann wollen wir das auch für Gläubige öffnen... und dann sehen, was sich noch ergibt.“ Rv150922Aus Kuba Pater Bernd Hagenkord

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Papst in Holguín: „Jesu´ Blick öffnet das Herz“ – Foto: Papst in Holguín  

  Christus sehen bedeutet sich der Herausforderung der Bekehrung stellen. Diese Botschaft brachte Papst Franziskus den Menschen bei der Messfeier an diesem Montag mit. Im kubanischen Ort Holguín feierte er eine Eucharistiefeier. Es war seine zweite Station bei seinem Kuba-Besuch. Mehrere hunderttausend Menschen begrüßten Franziskus in der ostkubanischen Stadt. Es war das erste Mal, dass ein Papst Holguín besucht hat.
   In seiner Predigt am katholischen Festtag des Evangelisten Matthäus ging der Papst auf die Stellung der katholischen Kirche auf Kuba ein: Er wisse, unter wieviel Anstrengung und Opfer die Kirche in Kuba arbeite, „um allen, auch in den am weitesten abgelegenen Orten, das Wort und die Gegenwart Christi zu bringen“, so der Papst. 60 Prozent der 11 Millionen Kubaner sind katholisch getauft – lange Zeit konnten sie ihren Glauben aber nach der Revolution von 1959 nicht frei ausüben. Inzwischen gilt Religionsfreiheit, im Rahmen des Öffnungsprozesses sollen auch 80 Kirchen zurückgegeben werden. Franziskus erinnerte in der Predigt an die sogenannten „Missionshäuser“, die angesichts des Mangels an Kirchen und Priestern vielen Menschen „einen Raum bieten, wo sie beten, das Wort Gottes hören, Katechese halten und ein Gemeindeleben pflegen können“. Es seien „kleine Zeichen der Gegenwart Gottes“ in den kubanischen Stadtvierteln.
   An der Messe im Freien nahm auch Kubas Präsident Raúl Castro teil. Zum Fest des Apostels und Evangelisten Matthäus erinnerte der Papst daran, dass es sich bei diesem Heiligen um eine „Geschichte einer Bekehrung“ handele. „Er selbst erzählt uns in seinem Evangelium, wie die Begegnung verlief, die sein Leben prägte; er führt uns in ein „Spiel der Blicke“ ein, das imstande ist, die Geschichte zu verändern“, so der Papst.
  Matthäus war ein Zöllner und somit von der Gesellschaft verachtet. Jesus hingegen blickte solche „verachtete Menschen“ wie beispielsweise auch den Zöllner Zachäus ruhig und friedvoll an. „Er schaute ihn an mit Augen der Barmherzigkeit; er schaute ihn an, wie ihn vorher nie jemand angeschaut hatte. Und dieser Blick öffnete sein Herz, machte ihn frei, heilte ihn und gab ihm eine Hoffnung, ein neues Leben – wie dem Zachäus, dem Bartimäus, der Maria Magdalena, dem Petrus und auch jedem von uns.“ Der Papst lud alle ein, bei sich zu Hause oder in der Kirche einen Moment im Schweigen zu verharren, um dankbar und freudig an jene Begebenheit, an jenen Moment zu erinnern, in dem der barmherzige Blick Gottes auf unser Leben fiel.
   Der Herr sei gerade dafür gekommen, „alle zu suchen, die sich gegenüber Gott und den anderen unwürdig fühlen“, fügte Franziskus an. Jeder soll sich „vom Herr anschauen“ lassen und zwar im Gebet, in der Eucharistie, in der Beichte sowie in den Mitmenschen, „die sich verlassen, am einsamsten fühlen“.
   Der Papst will sich zudem mit Kubas Bischöfen treffen, bevor er zur letzten Station, nach Santiago weiterreist. Von hier geht es dann zu einem Besuch in den USA. Rv150921mg

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Papstpredigt in Holguín: Messe zum Matthäus-Tag Foto: Papst in Holguín

   Im kubanischen Ort Holguín feierte der Papst am Montag eine Eucharistiefeier. Wir dokumentieren hier die Predigt in einer offiziellen deutschen Übersetzung.
   Wir feiern das Fest des Apostels und Evangelisten Matthäus. Wir feiern die Geschichte einer Bekehrung. Er selbst erzählt uns in seinem Evangelium, wie die Begegnung verlief, die sein Leben prägte; er führt uns in ein „Spiel der Blicke“ ein, das imstande ist, die Geschichte zu verändern.
   An einem Tag wie jeder andere, als er am Zoll saß, kam Jesus vorbei und sah ihn, näherte sich und sagte zu ihm: „Folge mir nach!“ Und er stand auf und folgte ihm  vgl. Mt 9,9.
  Jesus schaute ihn an. Welche Kraft der Liebe lag in dem Blick Jesu, um Matthäus in dieser Weise zu bewegen! Welche Kraft müssen diese Augen gehabt haben, um ihn aufstehen zu lassen! Wir wissen, dass Matthäus ein Zöllner war, das heißt er zog die Steuern der Juden ein, um sie den Römern zu geben. Die Zöllner waren verpönt und sogar als Sünder angesehen. Darum lebten sie abgesondert von den anderen und waren verachtet. Mit ihnen durfte man nicht gemeinsam essen, noch sprechen, noch beten. In den Augen des Volkes waren sie Verräter: Sie nahmen ihr Volk aus, um den Ertrag anderen zu geben. Die Zöllner gehörten zu dieser gesellschaftlichen Kategorie.
  Jesus hingegen blieb stehen; er machte nicht eilig einen großen Bogen um ihn. Er blickte ihn ruhig und friedvoll an. Er schaute ihn an mit Augen der Barmherzigkeit; er schaute ihn an, wie ihn vorher nie jemand angeschaut hatte. Und dieser Blick öffnete sein Herz, machte ihn frei, heilte ihn und gab ihm eine Hoffnung, ein neues Leben – wie dem Zachäus, dem Bartimäus, der Maria Magdalena, dem Petrus und auch jedem von uns. Auch wenn wir nicht wagen, die Augen zum Herrn zu erheben, schaut er uns als Erster an. Es ist unsere persönliche Geschichte; wie viele andere kann jeder von uns sagen: „Ich bin ein Sünder, auf den Jesus geschaut hat.“ Ich lade euch ein, bei euch zu Hause oder in der Kirche einen Moment im Schweigen zu verharren, um euch dankbar und freudig an jene Begebenheit, an jenen Moment zu erinnern, in dem der barmherzige Blick Gottes auf unser Leben fiel.
  Seine Liebe kommt uns zuvor, sein Blick eilt unserem Bedürfnis voraus. Er versteht zu sehen, was hinter der äußeren Erscheinung liegt, sein Blick reicht über die Sünde, das Scheitern oder die Unwürdigkeit hinaus. Er versteht zu sehen, was jenseits der Gesellschaftsschicht liegt, zu der wir gehören mögen. Er sieht über allem diese Würde der Gotteskindschaft, die manchmal durch die Sünde verschmutzt, auf dem Grund unserer Seele aber immer vorhanden ist. Er ist ja gerade dafür gekommen, alle zu suchen, die sich gegenüber Gott und den anderen unwürdig fühlen. Lassen wir uns von Jesus anschauen, lassen wir zu, dass sein Blick unsere Wege durchstreift, lassen wir zu, dass sein Blick uns die Freude, die Hoffnung zurückgibt!
  Nachdem er ihn voller Barmherzigkeit angeschaut hatte, sagte der Herr zu Matthäus: „Folge mir nach!“ Und er stand auf und folgte ihm. Nach dem Blick das Wort Jesu. Nach der Liebe der Auftrag. Matthäus ist nicht mehr derselbe; er ist innerlich verändert. Die Begegnung mit Jesus, mit seiner barmherzigen Liebe, hat ihn verwandelt. Und zurück bleiben die Zollstation, das Geld und seine Ausschließung. Vorher hatte er sitzend gewartet, um Steuern einzuziehen, um die anderen auszunehmen, mit Jesus muss er jetzt aufstehen, um zu geben, herzugeben, sich für die anderen hinzugeben. Jesus blickte ihn an, und Matthäus fand die Freude im Dienen. Für Matthäus und für jeden, der den Blick Jesu gespürt hat, sind die Mitmenschen nicht die, von denen man „lebt“, die man gebraucht und missbraucht. Der Blick Jesu erzeugt ein missionarisches Handeln des Dienens und des Gebens. Seine Liebe heilt unsere Kurzsichtigkeiten und regt uns an, unseren Blick zu weiten und nicht bei der äußeren Erscheinung oder dem politisch Korrekten stehen zu bleiben.
  Jesus geht voraus, er geht vor uns her, öffnet den Weg und lädt uns ein, ihm zu folgen. Er lädt uns ein, langsam Schritt für Schritt unsere Vorurteile zu überwinden und unsere Widerstände dagegen abzubauen, dass sich im Leben der anderen – und sogar bei uns selbst – eine Veränderung vollzieht. Tag um Tag fordert er uns heraus mit der Frage: Glaubst du? Glaubst du, dass es möglich ist, dass ein Steuereinnehmer sich in einen Diener verwandelt? Glaubst du, dass es möglich ist, dass ein Verräter zum Freund wird? Glaubst du, dass es möglich ist, dass der Sohn eines Zimmermanns der Sohn Gottes ist? Sein Blick verwandelt unsere Blicke, sein Herz verwandelt unser Herz. Gott ist ein Vater, der die Rettung aller seiner Kinder sucht.
  Lassen wir uns vom Herrn anschauen im Gebet, in der Eucharistie, in der Beichte, in unseren Brüdern und Schwestern, besonders in denen, die sich verlassen, am einsamsten fühlen! Und lernen wir, so zu sehen, wie er uns ansieht. Teilen wir seine Zärtlichkeit und seine Barmherzigkeit mit den Kranken, den Gefangenen, den Alten oder den Familien in Schwierigkeiten. Ein ums andere Mal sind wir aufgerufen, von Jesus zu lernen, der immer auf das Eigentlichste schaut, das in jedem Menschen lebt, nämlich das Abbild seines himmlischen Vaters.
   Ich weiß, unter wieviel Anstrengung und Opfer die Kirche in Kuba arbeitet, um allen, auch in den am weitesten abgelegenen Orten, das Wort und die Gegenwart Christi zu bringen. Eine besondere Erwähnung verdienen die sogenannten „Missionshäuser“, die angesichts des Mangels an Kirchen und Priestern vielen Menschen einen Raum bieten, wo sie beten, das Wort Gottes hören, Katechese halten und ein Gemeindeleben pflegen können. Es sind kleine Zeichen der Gegenwart Gottes in unseren Stadtvierteln und eine tägliche Hilfe, um die Worte des Apostels Paulus lebendig werden zu lassen: »Ich … ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält« Eph 4,1-2.
   Und jetzt möchte ich den Blick auf die Jungfrau Maria richten, auf die Barmherzige Jungfrau von Cobre, die Kuba in seine Arme aufnahm und ihr für immer seine Türen öffnete. Sie bitte ich, alle Söhne und Töchter dieser edlen Nation gemeinsam wie einzeln in ihrem mütterlichen Blick zu bewahren. Mögen ihre „barmherzigen Augen“ immer auf jede und jeden von euch, auf eure Häuser, eure Familien und auf die Menschen achten, die das Gefühl haben können, dass für sie kein Platz vorhanden ist. Möge sie uns alle so behüten, wie sie in ihrer Liebe für Jesus sorgte. Rv150921mg

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Papst Franziskus inzensiert den Altar während der Eucharistiefeier in Holguín
Tausende Kubaner nahmen am Fest des heiligen Apostels Matthias an der Heiligen Messe teil

  Dieses Apostelfest betrachtet der Papst als einen Wendepunkt in seinem eigenen Weg des Glaubens. Franziskus sagt vor den Tausenden Kubanern, dass Jesus weiß, wer sie wirklich sind, und ruft sie auf, mit ihm zu gehen. 
  Von Havanna kommend traf der Papst in der Stadt Holguín im Osten der Insel ein. Direkt auf dem Revolutionsplatz feierte er das Fest. Dieser Tag wurde zu Ehren des Papstes zum staatlichen Feiertag erklärt. Die Kinder hatten schlufrei. Daher konnten sie an der Festmesse teilehmen. Franziskus erklärte den Menschen auf dem Platz, dass Matthäus Zöllner war, der für die römischen Besatzer die Steuern eintrieb. Daher galt er im Volk als Verräter und wurde von allen gemieden. Jesus aber “schaute ihn an mit den Augen der Barmherzigkeit”; er schaute ihn an wie noch niemand zuvor ihn angeschaut hatte. Dieser Blick öffnete das Herz des Matthäus”, sagte der Papst. “Das befreite Matthäus, heilte ihn, gab ihm Hoffnung und ein neues Leben”. Ebenso geben die barmherzigen Augen Jesu den Männer und Frauen heute neues Leben .
   Die Geschichte von der Berufung des heiligen Matthäus und von seiner Umkehr erzählt der Papst öfter. Der Festtag des Matthus ist der erste Frühlingstag in Argentinien und aller Schüler haben schulfrei.
   Es war ein Tag im Jahr 1955 als der 17jährige Jorge Mario Bergoglio ein starkes Verlangen spürte, in einer Kirche zur Beichte zu gehen. Der Papst berichtet gern von dieser Geschichte und von seinem Gefühl, dass der Priester im Beichtstuhl auf ihn gewartet hätte. Das war der Beginn seiner Berufung zum Jesuiten und Priester.
   Als der Jesuitenpater Antonio Spadaro – der Herausgeber der Civilta Cattolica in Rom – das erste lange Interview mit Papst Franziskus im Jahre 2013 hatte, erzählte dieser ihm, dass er im Gemälde des Caravaggio von der “Berufung des Matthäus” seine eigene Berufung erkannte. Der Finger von Jesus zeigt auf Matthäus. “Das bin ich”, sagte Franziskus Pater Spadaro. “Es ist die Geste des Matthäus die mich trifft: Er halt sein Geld fest als ob er sagen wolle: ‘Nein, nein, nicht ich! Nein, dies Geld ist meins’. Hier, das bin ich, ein Sünder auf den der Herr seinen Blick wandte. Genau das ist es, was ich gesagt habe, als sie mich fragten, ob ich meine Wahl zum Papst annehmen würde.“ Pater Spadaro schreibt, dass der Papst zu den anwesenden Kardinäle leise in Latein diese Worte flüsterte: „Ich bin ein Sünder, aber ich vertraue auf die unendliche Barmherzigkeit und Geduld unser Herrn Jesus Christus, und ich nehme die Wahl im Geist der Buße an.“ Lesen Sie das volle Interview der Civilta Cattolica über das Gemälde von Caravaggio: “die Berufung des Matthäus [Foto oben links] auf unserer Seite > Papst Franziskus
  Unter dem strahlend blauen Himmel in Holguín predigte Papst Franziskus dem Volke: “Die Liebe von Jesus kommt uns zuvor, sein Blick erkennt unsere Not. Er kann durch das äußere Erscheinungsbild unsere Sünde sehen, unsere Fehler und Unwürdigkeit. Jesus sieht unsere Würde als Söhne und Töchter, eine Würde, die alle von uns haben, die manchmal von Sünden befleckt ist, aber er sieht tiefer in unserer Seele eine bleibende Würde.
   Der Papst bittet seine Zuhörer, eine Zeit der Ruhe zuhause oder in einer Kirche zu finden und sich im Schweigen und in Dankbarkeit an eine Situation zu erinnern, wo wir den barmherzigen Blick von Jesus gespürt haben. Die Liebe von Jesus, seine Barmherzigkeit und sein Ruf, ihm nachzufolgen, ruft uns auf, andere zu lieben, ihre Würde zu achten und ihnen gegenüber barmherzig zu sein. Die Liebe von Jesus heilt unsere Kurzsichtigkeit und lässt uns tiefer blicken; wir geben uns nicht mehr mit dem Äußeren zufrieden oder auch mit dem, was “politisch korrekt” ist. Papst Franziskus bittet die Menge immer wieder auf Jesus in der Eucharistie und Beichte zu schauen und auch “auf unsere Brüder und Schwestern – besonders auf jene, die ausgeschlossen und verlassen sind. Mögen wir lernen, sie anzusehen, wie Jesus uns anschaut.”
CH150925 Arbeitsübersetzung:kbwn

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Virgen del Cobre: Muttergottes der Freiheit  - Foto: Die Virgen del Cobre

   Freiheit ist etwas ganz Besonderes: Besonders die indigene Bevölkerung Amerikas und die dorthin verbrachten Sklaven wissen davon zu erzählen. Der Kampf um die Freiheit braucht aber immer auch eine Identität und ein besonderes Symbol. 1612 wurde unter wundersamen Umständen eine Figur aufgefunden, die dieses Symbol für Kuba sein sollte: la Virgen de la Caridad del Cobre. Juan und Rodrigo de Hoyos und Juan Moreno – zwei indigene Kubaner und ein Sklave afrikanischer Abstammung – hatten beim Fischen im Wasser die Holzfigur einer Muttergottes gefunden, versehen mit der Aufschrift „Ich bin die Jungfrau der Nächstenliebe“. Die Figur wurde zu einer nahegelegenen Kupfermine gebracht, wodurch sie ihren Beinamen „vom Kupfer, del Cobre“ bekam.
  Später wurde dieser Ort dann der Symbolort für die Sklavenbefreiung auf Kuba, auch ein schriftliches Manifest zur Sklavenbefreiung ist mit dem Wallfahrtsort verbunden. Und später wurde die Statuette auch zur Patronin der Befreiung der Insel vom Kolonialismus.
   Dass Maria auf diese Weise zum Symbol der Freiheit wurde, war nur möglich, weil sie eine „örtliche“ Figur war. Von Unterdrückten und einem Sklaven gefunden, gehört sie diesen Menschen, die ihre Freiheit erstreiten wollten oder erstritten haben. Sie war nicht aus Europa importiert.
   Ganz ähnlich ist es überall auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Die Muttergottes wurde zur Fürsprecherin, wann immer die indigene Bevölkerung und die Sklaven eine solche brauchten. Sie war oft zugänglicher als die ‚offizielle’ Religion, die häufig genug mit den Mächtigen verbunden war. Papst Franziskus wird diesen Wallfahrtsort der Virgen de la Caridad del Cobre besuchen und dort einen Gottesdienst feiern, wie seine beiden Vorgänger auch schon. Er wird der Muttergottes eine goldene Rose schenken - ein Brauch, der weit ins Mittelalter zurückgeht, ein Zeichen der bleibenden Verehrung.
Hemingway und Fidel
  Diese Rose (und auch schon eine frühere, die Papst Benedikt vor drei Jahren hier hinterliess) sind aber nicht die einzigen Gaben, die sich in Cobre besichtigen lassen. Papst Johannes Paul II. hatte auf seiner historischen Kubareise 1998 dem Gnadenbild eine Krone geschenkt und symbolisch die Muttergottes zur Nationalheiligen ‚gekrönt’. Auch Ernest Hemingway hat eine Gabe hinterlassen: Er widmete seinen Nobelpreis für Literatur der Muttergottes. Hemingway lebte damals überwiegend auf der Insel, und auch sein durch das Nobelpreiskomitee gewürdigte Werk, ‚Der alte Mann und das Meer’, spielt dort. Seitdem der Preis einmal gestohlen und wiedergebracht wurde, ist das Original der Medaille allerdings sicher verschlossen.
  Der Besucher findet in Cobre aber auch zahlreiche Votivgaben an die Muttergottes, unter anderem die einer Mutter, die darum bittet, dass ihre Söhne im Guerillakrieg verschont bleiben mögen. Die Namen der beiden Söhne: Raúl und Fidel Castro. Rv150922Aus Kuba Pater Bernd Hagenkord

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Dankbare Meditation des Papstes im kubanischen Marienwallfahrtsort „Virgen de la Caridad del Cobre“

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Papstpredigt von Cobre (Kuba): Maria, die erste Jüngerin Foto: Der Papst in El Cobre

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   Der Papst hat im kubanischen Marienwallfahrtsort „Virgen de la Caridad del Cobre“ am Dienstag eine Messe gefeiert. Wir dokumentieren hier die Predigt in deutscher Übersetzung.
  Das Evangelium, das wir gehört haben, stellt uns eine Bewegung vor Augen, die der Herr jedes Mal hervorruft, wenn er uns besucht. Er zieht uns aus dem Haus heraus. Das sind Bilder, die zu betrachten wir immer wieder eingeladen sind. Die Gegenwart Gottes in unserem Leben lässt uns niemals in Ruhe, stets drängt sie uns zur Bewegung. Wenn Gott uns besucht, zieht er uns immer aus dem Haus heraus. Wir werden besucht, um zu besuchen, getroffen, um andere zu treffen, geliebt, um zu lieben.
   Hier sehen wir Maria, die erste Jüngerin. Ein junges Mädchen, vielleicht zwischen 15 und 17 Jahren, das in einem Dorf Palästinas vom Herrn besucht wurde, der ihr verkündete, sie werde die Mutter des Heilands sein. Weit davon entfernt, sich etwas darauf einzubilden und zu meinen, das ganze Volk müsse sie nun beachten oder ihr dienen, geht sie aus dem Haus und macht sich auf den Weg, um zu dienen. Sie bricht auf, um ihrer Kusine Elisabet zu helfen. Die Freude, die aus dem Wissen entspringt, dass Gott mit uns, mit unserem Volk ist, weckt das Herz, setzt uns in Bewegung, „zieht uns nach draußen“ und führt uns dazu, die empfangene Freude zu teilen in Form eines Dienstes, einer selbstlosen Hingabe angesichts all der unangenehmen Situationen, die unsere Nachbarn oder Verwandten erleben mögen. Das Evangelium sagt uns, dass Maria eilte, bedächtigen aber beständigen Schrittes – mit Schritten, die wissen, wohin sie gehen, Schritten, die weder hastig sind, um schnell „einzutreffen“, noch sich allzu träge hinziehen, gleichsam um nie „anzukommen“. Maria eilt – weder hektisch, noch schläfrig –, um ihrer Kusine beizustehen, die im Alter schwanger ist. Maria, die erste Jüngerin, ist besucht worden und aufgebrochen, um zu besuchen. Und von diesem ersten Tag an ist dies immer ihre besondere Eigenschaft gewesen. Sie war die Frau, die so viele Männer und Frauen, Kinder, alte Menschen und Jugendliche besucht hat. Sie hat es verstanden, viele unserer Völker in den dramatischen Situationen ihres Werdens zu besuchen und zu begleiten; sie beschirmte den Kampf all derer, die für die Verteidigung der Rechte ihrer Kinder litten. Und jetzt bringt sie uns immer noch unablässig das Wort des Lebens, ihren Sohn, unseren Herrn.
   Auch dieses Land hat den Besuch ihrer mütterlichen Gegenwart erfahren. Die kubanische Heimat entstand und wuchs in der Wärme der Verehrung für die Barmherzige Jungfrau. »Sie hat der kubanischen Seele eine eigene und besondere Gestalt verliehen«, schrieben die Bischöfe dieses Landes, »und die höchsten Ideale der Liebe zu Gott, zur Familie und zur Heimat im Herzen der Kubaner erweckt.«
   Das haben auch eure Landsleute vor hundert Jahren zum Ausdruck gebracht, als sie Papst Benedikt XV. baten, die Barmherzige Jungfrau zur Patronin Kubas zu erklären. Sie schrieben damals:
  »Weder Unheil, noch Entbehrung konnten den Glauben und die Liebe auslöschen, die unser katholisches Volk für diese Jungfrau hegt, sondern in den schwersten Schicksalsschlägen des Lebens, wenn der Tod schon vor Augen stand und man der Verzweiflung am nächsten war, erschien immer wie ein Licht, das alle Gefahr auflöste, wie ein tröstender Tau … die Vision dieser Heiligen Jungfrau, die eine Kubanerin sondergleichen ist … denn so liebten sie unsere unvergesslichen Mütter, so preisen sie unsere Frauen.«
   In diesem Heiligtum, das die Erinnerung des gläubigen heiligen Gottesvolkes in Kuba bewahrt, wird Maria als Mutter der Barmherzigkeit verehrt. Von hier aus wacht sie über unsere Wurzeln, unsere Identität, damit wir uns nicht auf den Wegen der Verzweiflung verlieren. Die Seele des kubanischen Volkes wurde, wie wir gerade gehört haben, in Schmerzen und Entbehrungen geschmiedet, die jedoch den Glauben nicht auszulöschen vermochten. Dieser Glaube überlebte dank der vielen Großmütter, die im heimischen Alltag weiter die lebendige Gegenwart Gottes möglich machten – die Gegenwart des himmlischen Vaters, die befreit, stärkt, heilt, Mut verleiht und die ein sicherer Zufluchtsort sowie ein Zeichen einer neuen Auferstehung ist. Großmütter, Mütter und viele andere, die mit Zärtlichkeit und Liebe ein Zeichen eines göttlichen „Besuches“, Zeichen des Mutes und des Glaubens für ihre Enkelkinder und in ihren Familien waren. Sie hielten einen Spalt offen, so klein wie ein Senfkorn, durch den der Heilige Geist weiter das pulsierende Leben seines Volkes begleitete.
   Und »jedes Mal, wenn wir auf Maria schauen, glauben wir wieder an das Revolutionäre der Zärtlichkeit und der Liebe« Evangelii gaudium, 288.
   Von Generation zu Generation, von Tag zu Tag sind wir eingeladen, unseren Glauben zu erneuern; sind wir eingeladen, die Revolution der Zärtlichkeit zu leben wie Maria, die Mutter der Barmherzigkeit. Wir sind eingeladen, „aus dem Haus zu gehen“, die Augen und das Herz für die anderen offen zu halten. Unsere Revolution nimmt den Weg über die Zärtlichkeit, über die Freude, die immer zu Nähe, immer zu Mitgefühl wird und uns dazu führt, uns in das Leben der anderen einzubringen, um zu dienen. Unser Glaube lässt uns aufbrechen und auf die anderen zugehen, um Freude und Heiterkeit, Hoffnung und Frustration miteinander zu teilen. Unser Glaube zieht uns aus dem Haus heraus, um den Kranken, den Gefangenen, den Weinenden zu besuchen und den, der auch versteht, mit den Lachenden zu lachen und sich zu freuen an der Fröhlichkeit der Nachbarn.  Wie Maria wollen wir eine Kirche sein, die dient, die aufbricht, die aus ihren Kirchen, aus ihren Sakristeien herausgeht, um das Leben zu begleiten, die Hoffnung zu unterstützen und Zeichen der Einheit zu sein. Wie Maria, die Mutter der Barmherzigkeit, wollen wir eine Kirche sein, die aufbricht, um Brücken zu spannen, Mauern zu durchbrechen und Versöhnung auszusäen. Wie Maria wollen wir eine Kirche sein, die – engagiert im Leben, in der Kultur, in der Gesellschaft – alle unangenehmen Situationen unserer Mitmenschen zu begleiten versteht, und uns nicht davonschleichen, sondern mit unseren Brüdern und Schwestern mitgehen.  Das ist unser kostbarstes „Kupfer“ – „El Cobre“ –, das ist unser größter Reichtum und das beste Erbe, das wir hinterlassen können: wie Maria aufzubrechen über die Pfade des Besuches. Und zu lernen, mit Maria zu beten, denn ihr Gebet ist Gedenken und Dankbarkeit zugleich; es ist der Gesang des Gottesvolkes, das durch die Geschichte pilgert. Es ist die lebendige Erinnerung daran, dass Gott in unserer Mitte wandelt; die ständige Erinnerung daran, dass Gott auf die Niedrigkeit seines Volkes geschaut hat, dass er sich seines Knechtes angenommen hat, wie er unseren Vätern verheißen hat und seinen Nachkommen auf ewig vgl. Lk 1,48.54f. 
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Ansprache von Franziskus zu den Familien in Santiago de Cuba

   Wir halten hier die Ansprache von Papst Franziskus fest bei der Begegnung mit den Familien in der Kathedrale “Nuestra Señora de la Asunción“ in Santiago de Cuba.
   Wir sind „in Familie“! Und wenn man in der Familie ist, fühlt man sich zu Hause. Ich danke euch, liebe kubanische Familien, danke, liebe Kubaner, dass ihr mir in all diesen Tagen das Gefühl vermittelt habt, „in Familie“ zu sein, das Gefühl, zu Hause zu sein! Danke für all das! Diese Begegnung mit euch ist wie das „Pünktchen auf dem i“. Meinen Besuch mit dem Erlebnis dieser Begegnung „in Familie“ abzuschließen, ist ein Grund, Gott zu danken für die „Wärme“, welche Menschen ausstrahlen, die es verstehen, einen willkommen zu heißen, zu empfangen, einem das Gefühl zu vermitteln, zu Hause zu sein. Danke allen Kubanern!
   Ich danke dem Erzbischof von Santiago Dionisio García für seinen Gruß, den er im Namen aller an mich gerichtet hat, und den Eheleuten,  die den Mut hatten, ihre Sehnsüchte,  ihre Bemühungen, ihr Heim als „Hauskirche“ zu leben, mit uns allen zu teilen.
   Das Evangelium von Johannes zeigt uns als erstes öffentliches Auftreten Jesu die Hochzeit zu Kana, das Fest einer Familie. Hier ist er mit Maria, seiner Mutter, und einigen seiner Jünger. Sie nehmen am Familienfest teil.
   Die Hochzeit ist ein besonderer Moment im Leben vieler. Für die „Älteren“, die Eltern, die Großeltern, ist es eine Gelegenheit, die Früchte ihrer Saat zu ernten. Es erfreut die Seele, die Kinder heranwachsen zu sehen und zu erleben, dass sie ihr eigenes Zuhause bilden können. Es ist die Gelegenheit, für einen Augenblick zu sehen, dass alles, um das man gerungen hat, der Mühe wert war. Die Kinder zu begleiten, zu unterstützen, anzuspornen, damit sie sich entschließen können, ihr Leben aufzubauen, ihre eigene Familie zu gründen, ist eine große Herausforderung für die Eltern. Und auf der anderen Seite ist da die Freude der jungen Brautleute. Alles ist Auftakt einer Zukunft. Und alles hat den „Geschmack“ eines neuen Hauses, den „Geschmack“ der Hoffnung. Bei der Hochzeit vereint sich immer die Vergangenheit, die wir erben, mit der Zukunft, die uns erwartet. Erinnerung und Hoffnung. Immer tut sich die Gelegenheit auf, für all das zu danken, das uns ermöglicht hat, bis zum Heute zu gelangen, mit derselben Liebe, die wir empfangen haben.
   Und Jesus beginnt sein öffentliches Auftreten ausgerechnet auf einer Hochzeit. Er fügt sich ein in diese Geschichte von Aussaat und Ernte, von Träumen und Bestrebungen, von Anstrengung und Engagement, von harter Arbeit, die den Boden gepflügt hat, damit er seine Frucht bringt. Jesus beginnt sein Leben im Schoß einer Familie, im Innern eines Zuhauses. Und gerade dort, in das Innere unserer häuslichen Gemeinschaften fügt er sich immer noch ständig ein, nimmt immer noch daran teil. Es gefällt ihm, sich in die Familie einzufügen
   Es ist interessant zu beobachten, wie Jesus sich auch bei den Mahlzeiten, bei den Abendessen offenbart. Mit verschiedenen Menschen zu speisen, verschiedene Häuser zu besuchen, war für Jesus ein bevorzugter Ort, um den Plan Gottes bekannt zu machen. Er geht ins Haus seiner Freunde – Marta und Maria –, doch er schließt nicht aus – nicht wahr? – es stört ihn nicht, wenn dort Zöllner oder Sünder sind wie Zachäus. Er geht ins Haus des Zachäus. Nicht nur er handelte so, sondern als er seine Jünger aussandte, die Frohe Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden, sagte er ihnen: Bleibt in dem Haus, das euch aufnimmt; esst und trinkt, was sie haben vgl. Lk 10,7. Hochzeiten, Hausbesuche, Abendessen – diese Momente werden etwas „Besonderes“ im Leben der Menschen haben, weil Jesus bevorzugt, sich dort zu offenbaren.
   Ich erinnere mich, dass in meiner früheren Diözese viele Familien mir erzählten, dass der einzige Moment, den sie hatten, um beisammen zu sein, normalerweise das Abendessen war, zu später Stunde, wenn man von der Arbeit zurückkam und die meisten Kinder mit den Schulaufgaben fertig waren. Das war ein besonderer Moment im Familienleben. Man erzählte vom Tag, das, was jeder getan hatte, man räumte das Haus auf, brachte die Kleider in Ordnung, organisierte grundlegende Aufgaben für die übrigen Tage, die Kinder zankten sich… aber das war eben der Augenblick. Es sind Momente, in denen einer auch müde ankommt, und da kann die eine oder andere Diskussion aufkommen, der eine oder andere „Streit“ zwischen den Eheleuten, doch davor muss man keine Angst haben… Ich fürchte mich mehr vor Ehen, von denen mir gesagt wird, dass sie nie, nie eine Diskussion miteinander hatten… Selten, das ist selten. Jesus wählt diese Momente, um uns die Liebe Gottes zu zeigen. Jesus wählt diesen Rahmen, um in unsere Häuser einzutreten und uns zu helfen, die lebendige Gegenwart des Heiligen Geistes zu entdecken, der in unseren Häusern und in unseren alltäglichen Dingen wirkt. Im Hause lernen wir die Geschwisterlichkeit, lernen wir die Solidarität, lernen wir, die anderen nicht zu überfahren. Im Hause lernen wir, das Leben als Segen zu empfangen und dafür zu danken, und wir lernen, dass jeder den anderen braucht, um voranzukommen. Im Hause erfahren wir Vergebung und sind aufgefordert, ständig zu vergeben und uns verwandeln zu lassen. Es ist interessant: Im Hause gibt es keinen Platz für „Masken“; wir sind die, die wir sind, und so oder so sind wir eingeladen, nach dem zu streben, was das Beste für die anderen ist.
  Darum bezeichnet die christliche Gemeinde die Familien als „Hauskirchen“, denn in der häuslichen Wärme durchdringt der Glaube jeden Winkel, erleuchtet jeden Raum und bildet Gemeinschaft. Denn in solchen Momenten haben die Menschen Schritt für Schritt gelernt, die konkrete Liebe und die wirkende Liebe Gottes zu entdecken.
   In vielen Kulturen verschwinden heutzutage diese Räume, verschwinden diese familiären Momente, und alles führt dazu sich zu trennen, zu isolieren. Gemeinsame Momente, um beisammen zu sein, um in Familie zu sein, werden seltener. Daher ist man nicht imstande abzuwarten, versteht nicht, um Erlaubnis zu bitten, versteht nicht, um Vergebung zu bitten, weiß nicht zu danken, weil das Haus allmählich leer wird, nicht menschenleer, sondern leer aus Mangel an Beziehungen, Mangel an Kontakten, Mangel an Begegnungen zwischen Eltern, Kindern, Großeltern, Enkelkindern, Geschwistern. Vor Kurzem erzählte mir jemand, der mit mir zusammenarbeitet, dass seine Frau und seine Kinder in die Ferien gegangen waren und er allein geblieben war, weil er in diesen Tagen arbeiten musste. Am ersten Tag war das Haus ganz still, „in Frieden“, er war glücklich, nichts war unordentlich. Am dritten Tag, als ich ihn fragte, wie es ihm gehe, sagte er mir: „Ich wollte, sie kämen schon alle zurück.“ Er spürte, dass er ohne seine Frau und seine Kinder nicht leben konnte. Und das ist schön. Das ist schön.
   Ohne Familie, ohne die häusliche Wärme wird das Leben leer, beginnen die Netze zu fehlen, die uns im Unglück unterstützen, die Netze, die uns im Alltag versorgen und das Ringen um Wohlergehen motivieren. Die Familie bewahrt uns vor zwei gegenwärtigen Phänomenen, vor zwei Dingen, die heutzutage vorkommen: vor der Zersplitterung, das heißt der Spaltung, und vor der Vermassung. In beiden Fällen verwandeln sich die Menschen in isolierte Individuen, die leicht zu manipulieren, zu regieren sind. Und daher finden wir in der Welt gespaltene, zerbrochene, berührungslose oder stark uniformierte Gesellschaften, die eine Folge des Zerreißens der familiären Bindungen sind – wenn die Beziehungen verloren gehen, die uns zu Personen machen, die uns lehren, Person zu sein. Ja, und so verlernt man, Papa, Mamma, Sohn, Tochter, Großvater, Großmutter zu sagen… man vergisst gleichsam diese Beziehungen, die das Fundament sind. Sie sind das Fundament des Namens, den wir haben.
  Die Familie ist eine Schule der Menschlichkeit, eine Schule, die uns lehrt, uns die Bedürfnisse der anderen zu Herzen zu nehmen, aufmerksam zu sein auf das Leben der anderen. Wenn wir gut in der Familie leben, bleiben die Egoismen ganz klein – sie existieren, denn alle haben wir etwas davon in uns –; wenn man aber kein Familienleben lebt, entwickeln sich diese „Persönlichkeiten“, die wir so benennen können: „ich, mich, mein, mit mir, für mich“, völlig auf sich selbst konzentriert, die nichts verstehen von Solidarität, von Brüderlichkeit, von gemeinsamer Arbeit, von Liebe, von Aussprache unter Brüdern. Das kennen sie nicht. Trotz der vielen Schwierigkeiten, die heute unsere Familien in aller Welt quälen, wollen wir bitte eines nicht vergessen: Die Familien sind nicht ein Problem, sie sind in erster Linie eine Gelegenheit. Eine Gelegenheit, die wir hüten, schützen und begleiten müssen. Das ist eine Weise, zum Ausdruck zu bringen, dass sie ein Segen sind. Wenn du beginnst, die Familie als ein Problem zu erleben, dann wirst du müde, kommst nicht weiter, weil du sehr auf dich selbst konzentriert bist.
  Es wird heute viel über die Zukunft diskutiert, darüber, welche Welt wir unseren Kindern hinterlassen wollen, welche Gesellschaft wir uns für sie wünschen. Ich glaube, dass sich eine der möglichen Antworten im Blick auf euch – auf diese Familie, die gesprochen hat, auf jeden von euch – findet: Hinterlassen wir eine Welt mit Familien! Das ist das beste Erbe: Hinterlassen wir eine Welt mit Familien. Sicher, es gibt keine perfekte Familie, es gibt keine perfekten Eheleute, keine perfekten Eltern und Kinder und, wenn sie es mir nicht übel nimmt, würde ich sagen: auch keine perfekte Schwiegermutter. Es gibt sie nicht, es gibt sie nicht. Das ist aber kein Hindernis dafür, dass sie die Antwort für ein Morgen sind. Gott spornt uns an zur Liebe, und die Liebe engagiert sich immer für die Menschen, die sie liebt. Die Liebe engagiert sich immer für die Menschen, die sie liebt! Lasst uns deshalb für unsere Familien sorgen, die wahren Schulen für morgen! Sorgen wir für unsere Familien, die wahren Räume der Freiheit! Sorgen wir für unsere Familien, die wahren Zentren der Menschlichkeit!
  Und hier kommt mir ein Bild in den Sinn: Wenn ich bei den Mittwochs-Audienzen durch die Reihen fahre, um die Leute zu begrüßen, zeigen viele, viele Frauen auf ihren Bauch und sagen: „Pater, segnen Sie mir das Kind?“ Ich biete jetzt allen Frauen, die schwanger sind und die Hoffnung unter ihrem Herzen tragen – denn ein Kind ist eine Hoffnung – etwas an: dass sie in diesem Moment ihren Bauch berühren. Wenn eine hier ist, soll sie es hier tun, oder auch diejenigen, die über Radio oder Fernsehen zuhören. Und ich gebe jeder von ihnen, jedem Jungen oder Mädchen, das dort in ihrem Innern wartet, den Segen. So berühre jede ihren Bauch, und ich gebe ihr den Segen: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und ich wünsche, dass das kleine Kindlein gesund zur Welt komme, dass es gut wachse, dass es schön ins Leben begleitet werde. Liebkost das Kind, das ihr erwartet!
   Ich möchte nicht schließen, ohne die Eucharistie zu erwähnen. Ihr werdet bemerkt haben, dass Jesus die Feier seines Gedächtnisses in den Rahmen eines Abendmahls legen wollte. Als Rahmen für seine Gegenwart unter uns wählt er einen konkreten Moment im Familienleben. Einen Moment, den alle erleben und den alle verstehen können: das Abendessen.
   Und die Eucharistie ist das Abendessen der Familie Jesu, die sich an allen Enden der Erde versammelt, um sein Wort zu hören und sich von seinem Leib zu nähren. Jesus ist das Brot des Lebens für unsere Familien. Er möchte immer gegenwärtig sein und uns mit seiner Liebe ernähren, uns mit seinem Glauben unterstützen und uns helfen, mit seiner Hoffnung unseren Weg zu gehen, damit wir in allen Situationen erfahren können, dass er das wahre Brot vom Himmel ist.
   In einigen Tagen werde ich gemeinsam mit den Familien aus aller Welt am Weltfamilientreffen teilnehmen und in weniger als einem Monat an der Bischofssynode, deren Thema die Familie ist. Ich lade euch ein zu beten. Ich bitte euch von Herzen, für diese beiden Anliegen zu beten, damit wir alle einander helfen können, für die Familie zu sorgen; damit wir immer mehr den Immanuel entdecken können, das heißt den Gott, der inmitten seines Volkes lebt und jede Familie sowie alle Familien zu seinem Zuhause macht. Ich verlasse mich auf euer Gebet. Danke!
Abschließender Gruß des Papstes von der Terrasse vor der Kirche aus Foto unten
   Ich grüße euch. Ich danke euch… für den Empfang, die Wärme… Die Kubaner sind wirklich liebenswürdig, gütig und vermitteln einem das Gefühl, zu Hause zu sein. Vielen Dank! Und ich möchte ein Wort der Hoffnung sagen. Ein Wort, das uns vielleicht veranlasst, zurück zu schauen und nach vorn zu schauen. Der Blick zurück ist die Erinnerung. Erinnerung an die, welche uns das Leben geschenkt haben, und besonders Erinnerung an die Großeltern. Ein herzlicher Gruß an die Großeltern! Vernachlässigen wir nicht die Großeltern! Sie sind unsere lebendige Erinnerung. Und im Blick nach vorn stehen die Kinder und die Jugendlichen;  sie sind die Kraft eines Volkes. Ein Volk, das für seine Großeltern sorgt und das für seine Kinder und Jugendlichen sorgt, hat den sicheren Triumpf in der Hand! Möge Gott euch segnen. Und erlaubt mir, dass ich euch den Segen gebe – aber unter einer Bedingung. Ihr müsst etwas dafür bezahlen: Ich bitte euch, für mich zu beten. Das ist die Bedingung. Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Auf Wiedersehen und Danke!  rv150925no

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Papst in Santiago: Die Familie als Schule der Menschlichkeit
Franziskus traf am Ende seines Kuba-Aufenthalts Familien in der Kathedrale von Santiago und segnete die Stadt

   Bei seinem letzten offiziellen Termin in Kuba widmete sich Papst Franziskus dem zentralen Thema der kommenden Weltbischofssynode in Rom, einem Thema, das ihm selbst besonders am Herzen liegt: der Familie
   „Wir sind „in der Familie“! Und wenn man in der Familie ist, fühlt man sich zu Hause. Danke, liebe kubanische Familien, danke, liebe Kubaner, dass ihr mir in all diesen Tagen das Gefühl vermittelt habt, ‚in der Familie‘ zu sein, das Gefühl, zu Hause zu sein.“
   Bei einer Begegnung mit Familien in der Kathedrale von Santiago rief Papst Franziskus dazu auf, der Familie mehr Aufmerksamkeit zu schenken, denn dies sei die wahre Schule der Menschlichkeit. Die Familie sei das „Zentrum der Menschlichkeit“, das als solches gewahrt bleiben müsse. Hochzeiten, Hausbesuche und Abendessen, diese Momente seien etwas Besonderes im Leben der Menschen, betonte der Papst vor den versammelten Familien in der Kathedrale von Santiago. Vor allem unser Zuhause sei ein Ort der Zusammenkunft, der geschützt werden müsse.
   „Im Hause lernen wir die Geschwisterlichkeit, die Solidarität, lernen wir, die anderen nicht zu überfahren. Im Hause lernen wir, das Leben als Segen zu empfangen und dafür zu danken, und wir lernen, dass jeder den anderen braucht, um voranzukommen. Im Hause erfahren wir Vergebung und sind ständig aufgefordert, zu vergeben und uns verwandeln zu lassen. Im Hause gibt es keinen Platz für „Masken“; wir sind die, die wir sind, und so oder so sind wir eingeladen, nach dem zu streben, was das Beste für die anderen ist.“
   Die Räume der Geborgenheit und der Familie gingen immer öfter verloren, sagte Papst Franziskus. Immer mehr Kulturen verlören diese Tradition isolierten und sich selbst immer mehr. Ohne familiäre Strukturen verliere der Mensch seine Basis und dies führe zur Spaltung der Gesellschaft und zu einer Uniformierung. Gespaltene, zerbrochene, berührungslose oder stark uniformierte Gesellschaften seien die Folge des Zerreißens der familiären Bindungen – wenn die Beziehungen verloren gingen, die uns zu Personen machten. Dafür sei vor allem das Abendessen ein wichtiger Fixpunkt des familiären Lebens.
   „Ich möchte nicht schließen, ohne die Eucharistie zu erwähnen. Ihr werdet bemerkt haben, dass Jesus die Feier seines Gedächtnisses in den Rahmen eines Abendmahls legen wollte. Als Rahmen für seine Gegenwart unter uns wählt er einen konkreten Moment im Familienleben. Einen Moment, den alle erleben und den alle verstehen können: das Abendessen.“
  Schließlich verließ er in Begleitung seiner Entourage, unter ihnen auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, die gut gefüllte Kathedrale.
  Menschenmassen warteten  vor der Kathedrale, fächerwehende Besucher und blitzende Smartphones bildeten ein stimmiges Bild des letzten Punkts des Kuba-Programms, während Franziskus von einem Balkon der Kathedrale aus, die Stadt segnete, und nochmals an die wichtigsten „Säulen“ der Gesellschaft erinnerte:
   „Ich möchte euch noch ein Wort der Hoffnung mitgeben, für den Blick nach vorn und zurück. Wenn ihr nach hinten blickt, seht ihr die Erinnerung. Die Erinnerung der Großeltern. Einen speziellen Gruß an die Großeltern, vergessen wir sie nicht.  Sie sind die lebende Erinnerung. Und wenn wir nach vorne seht, so sehen wir die Kinder und die Jugendlichen, sie sind die Kraft des Volks. Ein Volk, dass auf die Älteren und Jüngeren achtet, wird mit Sicherheit triumphieren.“
  Nach dem Treffen mit den Familien in der Hafenstadt Santiago reist Papst Franziskus weiter nach Washington, wo er von US-Präsident Barack Obama und First Lady Michelle Obama empfangen. rv150922.

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Was bleibt vom Kuba-Besuch? Die Kultur der Begegnung Foto: Kubareise: Was bleibt vom Besuch?

   Der erste Teil der Reise von Papst Franziskus ist zu Ende, an diesem Dienstag fliegt der Papst von Santiago de Cuba weiter in die Hauptstadt der USA, Washington, wo er von Präsident Barack Obama empfangen werden wird. Unser Korrespondent Pater Bernd Hagenkord war in Kuba dabei, ist aber ebenfalls bereits auf dem Weg weiter in die USA. Vor seinem Aufbruch haben wir ihm die Frage gestellt, was denn vom Besuch in Kuba bleibt.
   „Wie immer wird sich das erst in Zukunft zeigen. Geprägt wurde er aber vom Wandel, den das Land derzeit durchläuft. Die Enttäuschung, dass sich seit dem letzten Papstbesuch (Benedikt XVI. vor drei Jahren) so wenig geändert hat, ja dass das Land sichtbar nicht weiter gekommen ist sondern stagniert, ist mit Händen zu greifen, gleichzeitig spricht man immer und immer wieder über die Öffnung in Richtung USA.“
RV: Gab es ganz besondere Augenblicke bei der Reise, die vielleicht hängenbleiben?
   „Für mich war das ganz eindeutig die Vesper mit den Ordensleuten in Havanna. Wie der Papst da frei gesprochen hat und alle Feiernden gepackt hat, da war er wirklich der „Revolutionär der Liebe Gottes“ und „Missionar der Nächstenliebe“, da konnte man wirklich erfahren, was er damit meint, herauszugehen. Das war ein magischer Moment.
   Was aber auch nicht zu unterschätzen war, ist die Tatsache, dass der Papst wie auch schon bei seiner vorherigen Reise auch „zu Hause“ war, also in Lateinamerika. Für uns Europäer ist das schwer einzuschätzen, aber hier merkt man sehr deutlich, dass unsere Kirche doch weit weg ist von der Realität hier; da ist der Papst eine Brücke, weil er „einer von ihnen“ ist und ihre Sprache spricht, auch im übertragenen Sinn.“
RV: Nun ist immer wieder von Protesten gesprochen worden, von der Opposition, die der Papst nicht treffen konnte und so weiter. Wie hat sich das ausgewirkt?
   „Es gibt eine Tendenz, den Besuch politisch zu machen in dem Sinn, wie wir das gewohnt sind. Also der gegen den und Opposition und politische Botschaft. Aber so funktioniert der Papst nicht, das haben wir auch schon bei Benedikt XVI. vor drei Jahren gesehen. Wenn ich noch einmal zurückblicken darf: Der Besuch Benedikts 2012 hatte eine Hinwendung zu den Menschen und ihrem Glauben zum Thema, es ging nicht um Systeme und wirtschaftlich-politische Fragen. Und genau deswegen war der Besuch damals so wichtig für das Land, auch und gerade weil er so unspektakulär verlief:
  Dieser Besuch war zwar anders, aber das Prinzip hält. Es ging um die Menschen und ihren Glauben, um die innere Haltung und die Bedeutung Jesu. Den Journalisten ist das vielleicht zu wenig politisch, keine politische Auseinandersetzung,  sondern Begegnung mit den Menschen und ihrem Glauben. Immer, wenn es den Papst packte, wenn er frei sprach ganz besonders, war das deutlich zu merken. Er interessiert sich, er will eine Botschaft loswerden. Und immer ist sie sehr konkret: Wer will, kann das, was Papst Franziskus zu sagen hat, direkt in die Praxis umsetzen. Und am Applaus der Menschen wurde immer wieder deutlich, dass er sie erreichte.
   Das ist nicht unpolitisch, weil die Haltung des aus sich heraus Gehens und der Hinwendung zum Nächsten, vor allem dem Geringsten, Folgen hat. Gerade weil sich solch ein Glauben nicht vor einen Karren spannen lässt, zeigt er Selbstbewusstsein. Aber das lässt sich nicht auf Begegnungen mit Oppositionellen und ähnliches engführen.“
RV: Du sprichst Benedikt XVI. an, du warst auch bei der Reise 2012 nach Kuba dabei, gibt es Unterschiede?
  „Kuba und die Welt brauchen Veränderung, da waren sich beide Päpste einig. Während Papst Benedikt von der Notwendigkeit der Freiheit für die Menschen gesprochen hatte, die es brauche, um diese Veränderung auch erreichen zu können, sprach Papst Franziskus zu den Menschen, um die Motivation zu erreichen, die es ebenso braucht. Vielleicht lassen sich so die Unterschiede, oder besser: die verschiedenen Gewichtungen der Papstreisen fassen.“
RV: Ein Satz, eine Formulierung, die den Besuch zusammenfassen kann?
   „Das ist sicherlich „Kultur der Begegnung“. Das hat er gleich zu Beginn gesagt, das hat er wiederholt und das steht ja auch für die Beteiligung der Kirche am Entspannungsprozess zwischen den USA und Kuba.“ Rv150922ord

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Abflug von Kuba - Richtung USA

Fotoberichte über die Reisen von Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. nach Kuba  > Mittelamerika II

                   Kbwn:Mittelamerika

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