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Nahost

Die Kirche im Nahen Osten

Auf dieser Seite lesen Sie:
1. Neuer Patriarch der assyrischen Kirche des Ostens gewählt
2. Palästina-Vatikan: Abkommen ist fertig
3. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Privataudienz beim Papst
4. Heiligsprechung von zwei palästinensischen Schwestern
5. Friedensgebet in den Vatikanischen Gärten
6. Sechster Priester in Syrien entführt: Pater Jacques Mourad
7. Nuntius in Syrien Erzbischof Mario Zenari: Bericht zur Lage in Syrien
8. Kardinal Fernando Filoni im Irak
9. Papst Franziskus in Armenien

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Neuer Patriarch der Assyrischen Kirche des Ostens gewählt

   Papst Franziskus hat dem neuen Patriarchen der Assyrischen Kirche des Ostens, Mar Gewargis III. Sliwa, angesichts der Christenverfolgung im Irak und Syrien seine Solidarität zugesichert. Ihm schließe er sich im Gebet für die Leidenden an, heißt es in einer am Montag vom Vatikan veröffentlichten Papstbotschaft an den Patriarchen. Der 73-Jährige war vergangenen Freitag von der Synode seiner Kirche zum Nachfolger des im März verstorbenen Mar Dinkha IV. gewählt worden.
   Die Amtseinführung Gewargis' III. soll nach einem vatikanischen Bericht kommenden Sonntag in Erbil stattfinden. Die Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak war bisher Sitz von Gewargis Sliwa als Metropolit für Irak, Jordanien und Russland. Sein Vorgänger im Patriarchenamt, Dinkha IV., residierte in Chicago.
   Gewargis Sliwa wurde 1941 im Irak geboren. Als Metropolit des Irak, Jordaniens und Russlands ist er nach Angaben von Fides der einzige Metropolit seiner Kirche, der noch im Irak lebt. Der Hauptsitz der Assyrischen Kirche des Ostens ist in Chicago, USA. Es gibt aber Pläne, den Sitz in die kurdische Hauptstadt Erbil zu verlegen. Rv150921mg

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  Palästina-Vatikan: Abkommen ist fertig

    Palästina und der Vatikan sind auf gutem Weg zu einem detaillierten bilateralen Abkommen. Das wurde bei den Gesprächen von Unterhändlern beider Seiten im Vatikan deutlich. Das Schluss-Statement spricht von „großer Zufriedenheit über den Fortschritt bei der Ausformulierung“ des Dokuments. Der Text sei fertig (das ist bei analogen Verhandlungen zwischen dem Vatikan und Israel ganz und gar nicht der Fall), er werde jetzt den Verantwortlichen beider Seiten vorgelegt und könne „in naher Zukunft“ unterzeichnet werden. Das Dokument soll Einzelheiten des Status der katholischen Kirche in Palästina regeln; es fußt auf einem Grundlagenabkommen aus dem Jahr 2000.
  Nach Vatikanangaben wird in dem Abkommen Palästina ausdrücklich als Staat anerkannt. Der Vatikan zeigt sich ausgesprochen zufrieden über die Zusicherung der Religionsfreiheit, die in dem Text enthalten sei. Am Samstag wird Papst Franziskus im Vatikan Palästinenserpräsident Mahmut Abbas empfangen. Abbas will an der Heiligsprechung von zwei Ordensfrauen aus Palästina am Sonntag auf dem Petersplatz teilnehmen. Rv150515sk

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Der Vatikan anerkennt den Palästina-Staat  - Palmsonntag-Prozession auf dem Ölberg in Jerusalem
Der Vatikan und Palästina stimmen überein in den Prinzipien der Religionsfreiheit

      Repräsentanten des Vatikans und des Palästina-Staates haben einen gemeinsames Abkommen erstellt, in dem sie die Religionsfreiheit im Palästina-Staat anerkennen, sowie übereinstimmen in den Rechten und Verpflichtungen der katholischen Kirche, ihrer Niederlassungen und ihr Personal im Land Palästina. Ohne großes Aufsehen spricht der Vatikan zumindest seit 2013 vom “Palästina-Staat”. Das offizielle Päpstliche Jahrbuch verzeichnet “diplomatische Beziehungen zum Palästina-Staat”.
    Ein Sprecher des israelischen Außenministers reagiert über dieses Abkommen mit Bestürzung. “Israel ist über diese Entscheidung des Heiligen Stuhls enttäuscht, insbesondere darüber, dass die Endfassung dieses Abkommens mit den Palästinensern den Gebrauch des Begriffs “Palästina-Staat” mit einschließt. Eine solche Entwicklung dient nicht dem Friedensprozess und wird nicht die palästinensische Führung zu bilateralen Gesprächen zurückbringen.”
   Der Vatikan lobte die Vereinten Nationen, die im Jahr 2012 die Souveränität Palästinas anerkannt haben, und erklärte in dieser Woche, das die bilaterale Kommission in einem gemeinsamen Papier die Zustimmung festgeschrieben haben.  “Diese Vertrag wird nun den Autoritäten zur Genehmigung vorgelegt” und eine formelle Unterzeichung soll bald erfolgen.
   Der Präsident Palästinas Mahmoud Abbas war am Tag vorder Heiligsprechung von zwei palästinensischen Ordensschwestern beim Papst in Privataudienz.

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 Der vatikanische Untersekretär für die Beziehungen mit den Staaten, Msgr. Antoine Camilleri Foto, ist der Leiter dieser Delegation bei den Verhandlungen. Er sagt, der Vertrag “fördere das Leben und die Tätigkeit der katholischen Kirche und ihre Anerkennung auf juridischer Ebene.” Der Vertrag wird erst veröffentlicht, wenn er auf höchster Ebene bestätigt wird. Msgr. Camilleri zeigt sich aber gegenüber dem L’Osservatore Romano grundsätzlich zufrieden mit dieser Vereinbarung. Diese Zustimmung drückt die Hoffnung aus für eine Beendigung der palästinensisch-israelischen Spannungen und unterstützt die Existenz von zwei Staaten – getrennte und unabhängige Nationen, die Seite an Seite in Sicherheit und Frieden leben. “Das Kapitel über Religionsfreiheit und Gewissensfreiheit ist sehr ausführlich und detailliert.” Andere Kapitel handeln von “verschiedenen Aspekten vom Leben und Handeln der Kirche in Palästina: ihre Handlungsfreiheit, Mitarbeiter und Rechtsstellung, Gebäude für Gottesdienste, Freiheit für soziale und karitative Tätigkeiten und die Mittel sozialer Kommunikation. Schließlich ist da noch ein Kapitel über Fragen der Finanzen und Grundstücke.”
   Auf die Frage, ob dieser Vertrag auch ein Modell für Abkommen mit andern Ländern mit muslimischer Majorität sein könnte, antwortete Msgr. Camilleri: “Jeder bilaterale Vertrag hat zu tun mit der spezifischen Situation der beteiligten Länder. “In diesem Fall hat dieser Vertrag einen einzigarten Wert und eine besondere Bedeutung, weil er sich befasst mit der Präsenz der Kirche in dem Lan, wo  das Christentum entstand.”
   Gleichwohl könne dieser Vertrag über die Anerkennung der Kirche und der Religionsfreiheit auch “von anderen Ländern übernommen werden, darunter auch von solchen mit muslimischer Majorität, und zeigt, dass ein Land, dessen Bevölkerung faktisch mehrheitlich einer anderen Religion angehört, durchaus compatible Verträge möglich sind.” Der Prälat erklärte, er hoffe, dass dieser Vertrag den Palästinensern helfen wird, einen anerkannten unabhängigen souveränen und demokratischen Palästina-Staat zu errichten, der im Frieden und in Sicherheit mit Israel und seinen Nachbarn lebt.” Der Vatikan wünscht auch “die internationale Gemeinschaft zu ermutigen, besonders die direkt involvierten Parteien, dass sie mehr Einsatz zeigen für den dauerhaften Frieden und die Hoffnung für die Zwei-Staaten-Lösung”. CH-150514CindyWooden

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Papst an Abbas: „Engel des Friedens“ - Zwei Umarmungen: Papst Franziskus und Mahmud Abbas

   Rund zwanzig Minuten sprach Papst Franziskus mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in einer Privataudienz. Das Gespräch wird in einer Vatikannote als warm und herzlich beschrieben.
   Abbas dankte, laut dem Schreiben, Papst Franziskus für die Heiligsprechung der zwei Palästinenserinnen, die diesen Sonntag auf dem Petersplatz stattfinden wird. Während der Gespräche, an denen ein Dolmetscher teilnahm, zeigte sich eine große Zufriedenheit über das umfassende Abkommen zwischen Vatikan und Palästina, dass den Status der Kirche in Palästina klärt und definiert. Das Abkommen soll in „naher Zukunft“ von den Verantwortlichen beider Seiten unterzeichnet werden. In diesem Abkommen wird Palästina erstmals durch den Vatikan als Staat bezeichnet. Papst Franziskus und Abbas sprachen ebenso über den Friedensprozess mit Israel und ihren Hoffnungen, dass es wieder zu direkten Verhandlungen und zu einer dauerhaften und friedlichen Lösung des Konflikts komme.
   „Du bist ein Engel des Friedens“*) sagte Papst Franziskus laut italienischen Nachrichtenagenturen zu Abbas, während er ihm eine Pontifikat-Medaille übergab, sowie eine Ausgabe der Enzyklika „Evangelii Gaudium“.

*) Die italienische Tageszeitung “La Stampa” korrigiert diese Agentur-Meldung: Papst Franziskus habe Präsident Abbas ein Medallion mit der Bildprägung “Engel des Friedens” überreicht. Dabei sagte der Papst zu ihm: “Der Engel des Friedens vernichtet den bösen Geist des Krieges. Ich dachte über Sie: Mögen Sie ein Engel des Friedens sein!” La Stampa berichtet aber auch, dass Papst Franziskus während seines Besuches im Heiligen Land im Jahre 2014 Abbas einen “Mann des Friedens” genannt hatte. Ebenso nannte er damals im Heiligen Land auch Präsident Schimon Peres einen “Mann des Friedens”.

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   Abbas übergab dem Papst als Geschenk eine kleine Perlmutt-Truhe, Foto mit einem Rosenkranz aus Olivenholz und zwei Reliquien der beiden Palästinenserinnen, die am Sonntag auf dem Petersplatz heiliggesprochen werden. Im Anschluss traf sich die Delegation aus Palästina mit dem Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Bei diesem Treffen war auch der vatikanischen „Außenminister“ Erzbischof Paul Gallagher anwesend.
   Abbas war mit einer elf-köpfigen Delegation beim Papst, einschließlich dem palästinensischen Außenminister, dem Sprecher des Präsidenten und dem Bürgermeister von Betlehem. Wie bei solchen Treffen üblich, gab der Vatikan keine weiteren Details aus dem Gespräch bekannt. Rv150516pdy

Israel kritisiert Vatikan

   Die israelische Regierung hat enttäuscht auf den Entwurf eines umfassenden Vertrages zwischen dem Heiligen Stuhl und „Palästina" reagiert, in dem der Vatikan erstmals offiziell die Autonomiegebiete als Staat anspricht. Dies sei dem Friedensprozess nicht förderlich und werde die palästinensische Regierung darin bestärken, keine Verhandlungen mit Israel aufzunehmen, hieß es aus dem israelischen Außenministerium. In Jerusalem befürchtet man, dass weitere westliche Staaten dem Vorbild des Vatikans folgen könnten, wozu PLO-Politiker auch umgehend aufriefen. Der Vertrag hält den Wunsch nach einer Friedenslösung zwischen Israelis und Palästinensern durch eine Zwei-Staaten-Lösung fest. Er soll in „naher Zukunft" von Papst Franziskus und vom palästinensischen Präsidenten Machmud Abbas unterzeichnet werden.  FAZ150515hcr-jöb  

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Heiligsprechung palästinensischer Ordensfrau

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   Die Heiligsprechung der beiden palästinensischen Ordensfrauen Mariam Baouardy und Marie Alphonsine Danil Ghattas bei einer Papstmesse auf dem Petersplatz führt die Spitzenvertreter der Kirche des Heiligen Landes und der Autonomieregierung in Ramallah nach Rom. Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas Foto links startete seinen Besuch am Freitag bei der italienischen Regierung. Für Samstag steht die Audienz von Abbas bei Papst Franziskus im Apostolischen Palast auf dem Programm.
 Zur Heiligsprechung selbst reist  auch der Leiter des lateinischen Patriarchats in Jerusalem, Fouad Twal Foto rechts an. Neben tausenden Pilgern aus Europa und der Diaspora werden 1.500 Christen aus dem Heiligen Land erwartet.
   Die Heiligsprechung erlangt durch das Zusammentreffen von Palästinenserpräsident Abbas und Patriarch Twal eine politische Dimension. Diese hatte  Papst Franziskus am Mittwoch  in Form des Grundlagenvertrags mit expliziter Nennung eines „Staates Palästina“ verstärkt. Abgesehen davon müsse jedoch die innerkirchliche Bedeutung der Heiligsprechung  gesehen werden, betonte Patriarch Twal: „Die beiden Heiligen stehen für zwei Dimensionen unseres kirchlichen Lebens.“ Marie Alphonsine stehe für ein aktives pastorales Leben, Mariam Baouardy hingegen für Kontemplation und Spiritualität.
   Bei der Feier am 17. Mai kommen neben den beiden Palästinenserinnen noch zwei weitere Ordensfrauen zu höchsten Kirchenehren: die Französin Jeanne Emilie de Villeneuve und die Italienerin Adelaide Brando. Rv150515lh 

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Glaubensfest mit Gästen aus dem Nahen Osten: Papst spricht Ordensschwestern heilig
Vatikan- und Palästina-Flaggen waren am Sonntag bei der Heiligsprechung auf dem Petersplatz zu sehen

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   Die Weltkirche hat zwei neue arabische Heilige: Papst Franziskus hat an diesem Sonntag die beiden palästinensischen Ordensfrauen Maria Alfonsina Danil Ghattas und Maria von Jesus dem Gekreuzigten heiliggesprochen – es war ein internationales Glaubensfest auf dem Petersplatz mit tausenden Pilgern aus dem Heiligen Land, darunter Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, der Franziskus am Samstag bereits unter vier Augen traf. Am Sonntag umarmten sich die beiden auf dem Petersplatz nochmals herzlich. Neben den beiden palästinensischen Ordensfrauen erhob der Papst am Sonntag auch die Ordensschwestern Jeanne Emilie de Villeneuve aus Frankreich und Adelaide Brando aus Italien zur Ehre der Altäre. Drei der vier neuen Heiligen sind Ordensgründerinnen.
   Maria Alfonsina Danil Ghattas und Maria von Jesus dem Gekreuzigten, die beide im 19. Jahrhundert im Heiligen Land wirkten, sind die ersten Heiligen aus der Stammregion des Christentums in der Neuzeit. An der feierlichen Messe nahmen allein 2.100 Pilger aus Israel, Jordanien und den Palästinensergebieten teil, die mit dem lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fouad Twal, zur Heiligsprechung nach Rom gekommen waren. Auch Palästinenser- Präsident Mahmoud Abbas und eine israelische Delegation waren vor Ort. Aus Frankreich war Innenminister Bernard Cazeneuve angereist.
   Insgesamt war der Petersplatz komplett gefüllt, seit den frühen Morgenstunden strömten Gruppen aus Italien, Frankreich und dem Heiligen Land vor die Basilika, die mit den Bildnissen der vier neuen Heiligen geschmückt war. Das Ereignis wurde von einem hohen Sicherheitsaufgebot begleitet. Die Heilige Messe, in die die Heiligsprechungen eingebettet waren, wurde über die Medien auch in den palästinensischen Autonomiegebieten aufmerksam verfolgt, wo Christen nur etwa zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen. 

Zwei palästinensische Ordensfrauen „Zeuginnen der Sanftmut und Einheit“

   In seiner Predigt hob der Papst die vier Ordensfrauen als leuchtende Glaubenszeuginnen hervor, deren Zeugnis auch heute beispielgebend sei. Sie hätten in besonderer Weise gezeigt, dass die Nachfolge Christi „kein Amt“ und „keine individuelle Aufgabe“ sei, sondern ein „Dienst“, ein gemeinschaftlich vollzogener Dienst, so Papst Franziskus, der auf die Entstehung der ersten christlichen Gemeinden einging, über die die Apostelgeschichte erzählt.
   Ein Wesensmerkmal des christlichen Zeugnisses ist die Einheit der Christenheit, so Franziskus ausgehend von Jesu Einheit mit Gott, dem Vater: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.“ Joh 17,11 Aus dieser Liebe nährten sich der christliche Auftrag und die christliche Gemeinschaft, fuhr der Papst fort, der auf die neue Heilige Mariam Baouardy aus Abellin in Galiläa zu sprechen kam: „Daraus entspringt immer neu die Freude, dem Herrn auf dem Weg der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams zu folgen; und dieselbe Liebe ruft dazu auf, das kontemplative Gebet zu pflegen. Dies hat auf hervorragende Weise Schwester Maria Baouardy erfahren, die – demütig und Analphabetin – extrem klare Ratschläge und theologische Erklärungen zu geben verstand, die Frucht eines beständigen Dialoges mit dem Heiligen Geist waren. Ihre Fügsamkeit dem Heiligen Geist gegenüber hat sie auch zum Instrument der Begegnung und der Einheit mit der muslimischen Welt gemacht.“
   Hierfür stehe in ähnlicher Weise die Gründerin des Ordens der Rosenkranzschwestern, Maria Alfonsina Danil Ghattas, so Franziskus: „Auch sie hat gut verstanden, was es bedeutet, im Apostolat die Liebe Gottes auszustrahlen und zur Zeugin der Sanftmut und Einheit zu werden. Sie gibt uns ein klares Beispiel dafür, wie wichtig es ist, gegenüber anderen Verantwortung zu übernehmen und im gegenseitigen Dienst am Nächsten zu leben.“ Der Orden der 1843 in Jerusalem geborenen Maria Alfonsina Danil Ghattas macht sich bis heute im Heiligen Land für Erziehung und interreligiöse Verständigung stark und führt dort zahlreiche Schulen, die von Muslimen wie Christen geschätzt werden.

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Neue Heilige aus Frankreich und Italien: Barmherzigkeit mit Menschen am Rande

   Im Dienst am Nächsten sei auch die Französin Jeanne Emilie de Villeneuve ein Vorbild gewesen, die den Orden der Schwestern von der unbefleckten Empfängnis gründete, so Franziskus. De Villeneuve kümmerte sich vor allem um Bildung für Kinder aus armen Familien. Das Geheimnis und die Fruchtbarkeit der Heiligen liege darin, „in Christus zu bleiben“, führte der Papst aus, der erneut aus dem Johannesevangelium zitierte: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch.“ (Jh 15, 4/9): „Und diese Frucht ist nichts anderes als Liebe. Diese Liebe erstrahlt im Zeugnis von Schwester Jeanne Emilie de Villeneuve, die ihr Leben Gott und den Armen geweiht hat, den Kranken, den Häftlingen, den Ausgebeuteten, und für sie und alle zum konkreten Zeichen der barmherzigen Liebe des Herrn wurde.“
   Diese Verbundenheit mit Gott lasse alle Hindernisse überwinden, erinnerte der Papst. Das zeige auch das Wirken von Maria Cristina (Adelaide) Brando aus Italien, die Gründerin des Sakramentinerinnen-Ordens: „Sie wurde komplett von der glühenden Liebe für den Herrn erfasst; durch aus dem Gebet, aus der Begegnung Herz an Herz mit dem auferstandenen Jesus, der in der Eucharistier anwesend ist, erhielt sie die Kraft, um die Leiden auszuhalten und sich wie gebrochenes Brot vielen Menschen hinzugeben, die von Gott entfernt waren und die nach authentischer Liebe hungerten.“
   Einheit und Barmherzigkeit, Frieden und Glaubensstärke – dazu könnten die vier neuen Heiligen auch heute inspirieren, unterstrich der Papst: „Möge ihr leuchtendes Beispiel auch unser christliches Leben anrühren: Auf welche Weise bin ich Zeuge des auferstandenen Christus? Das ist eine Frage, die wir uns stellen müssen. Wie bleibe ich in ihm, wie wohne ich in ihm? Bin ich dazu in der Lage, in der Familie, in der Arbeitswelt, in meiner Gemeinschaft den Samen dieser Einheit zu säen, den er uns geschenkt hat, indem er uns hat teilhaben lassen am dreifaltigen Leben?
   Mögen wir heute die Freude dieser Begegnung mit dem auferstandenen Herrn mit uns nach Hause tragen und in unseren Herzen der Verpflichtung nachgehen, in seiner Liebe zu bleiben, mit ihm und unter uns vereint zu bleiben und dem Vorbild dieser vier Frauen, Modellen der Heiligkeit, zu folgen, die uns die Kirche nachzuahmen einlädt.“

Ermutigung der Christen im Nahen Osten
   Nach der Heiligsprechungsmesse ermutigte der Papst die Christen im Heiligen Land zu Einheit und neuem missionarischen Eifer und grüßte die offiziellen Delegationen und Kirchenvertreter, die zur Heiligsprechung nach Rom gekommen waren. Inspiriert vom Zeugnis der neuen Heiligen sollten die Christen des Nahen Ostens Barmherzigkeit und Versöhnung leben und hoffnungsvoll in die Zukunt blicken, so Franziskus beim traditionellen Mittagsgebet der Osterzeit, dem Regina Coeli.  Rv150517pr

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Heiligsprechung arabischer Ordensfrauen „Ermutigung für Palästina“
Schon Tage vor dem Ereignis beteten Gläubige in Jerusalem für die neuen Heiligen

   Als Ermutigung für Palästina deutet Rifat Bader, der Direktor des „Catholic Center für Studies and Media“ im jordanischen Amman, die beiden neuen arabischen Heiligen im Interview mit Radio Vatikan: „Jesus ist in diesen Erdteil gekommen und dort lebten die Apostel mit ihm. Es ist also normal, dass es dort neue Heilige gibt. Es ist wirklich ein Segen Gottes für alle Menschen im Heiligen Land. Für Palästina ist es eine Geste der Ermutigung des Papstes – für eine Region, die leidet und wo es ständig Unruhe gibt. Hoffen wir, dass die Heiligsprechung eine Ermutigung des christlichen Glaubens und für alle Bürger im Heiligen Land sein kann.“
   In direkten Zusammenhang mit dem vatikanisch-palästinensischen Grundlagenvertrag, dessen Abschluss der Vatikan am Mittwoch bekanntgab, will der Heilige Stuhl die Heiligsprechung von Maria Alfonsina Danil Ghattas und Maria von Jesus dem Gekreuzigten allerdings nicht stellen. Dies betonte Vatikansprecher Federico Lombardi vor Pressevertretern. Es war das erste Mal, dass der Vatikan Palästina in einem offiziellen Dokument als eigenen Staat definiert hatte. Politik hin oder her – für die Gläubigen im Heiligen Land seien die beiden neuen Heiligen ein Vorbild des Friedens in der historischen Region Palästina, hält Rifat Bader fest:
   „Heute bedeutet Heiliges Land ja ,zwei Völker‘. Doch wir Araber, Palästinenser, Jordanier sehen diese Heiligen als Frucht der arabisch-christlichen Zivilisation, die es hier seit so vielen Jahren gibt. Für die Palästinenser sind sie Zeichen der Hoffnung, denn dieses Volk leidet wirklich viel. Es mag die Heiligsprechung auch als Ermutigung sehen, dass es bald einen eigenen freien Staat bekommt. Doch dies ist kein politisches Fest, es ist ein geistliches Fest, ein Fest des Glaubens, vor allem für die Christen, doch auch für alle anderen Bürger der Region: Damit sie immer mit der Demut und Einfachheit leben, die diese beiden Heiligen hatten, nie mit Gewalt und Waffen!“
   Das Wirken der beiden Ordensschwester setze sich bis heute im Heiligen Land fort, unterstreicht Bader im Interview mit Radio Vatikan. So sei der Orden der Rosenkranzschwestern, den Maria Alfonsina Danil Ghattas gründete, bis heute dort sehr aktiv: „Heute ist der Orden vor allem im Bereich der Erziehung sehr präsent – viele Schulen in Jordanien, Palästina, Israel und im Libanon gehen auf ihn zurück. Und die Ausbildungsangebote richten sich an Muslime wie Christen, die Schulen stehen unterschiedslos allen Bürgern offen. Es ist auch ein Beispiel des Dialoges: Zu sagen, wir sind immer offen, Erziehungsdienste anzubieten, die sich positiv auf unsere arabischen Gesellschaften auswirken.“
   Maria von Jesus dem Gekreuzigten, die andere neue Heilige aus dem Heiligen Land, verweise beispielhaft auf die religiösen Spannungen in der Region, fährt Bader fort. Die unbeschuhte Karmelitin und Mystikerin aus Abellin in Galiläa ist auch unter dem Namen Mirjam von Abellin bekannt: „Sie war eine Analphabetin, die verstanden hat, dass die Kraft Gottes durch die Demut und aus der evangelischen Einfachheit wirkt. Sie ist als Beispiel für Menschen anzuführen, die unter Extremismus leiden: ein junger Mann wollte, dass sie ihre Religion wechselt, sie widersetzte sich und der Mann versuchte, sie zu töten. Doch die Gottesmutter hat sie immer beschützt. Sie ist ein Beispiel des Leidens, das wir heute im Nahen Osten im religiösen Bereich sehen: Leid aufgrund von Extremismus. Dabei darf Religion nie für Gewalt missbraucht werden, ist sie doch Beispiel der Einfachheit, der Demut und des Friedens.“ Rv150517pr

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Mahmoud Abbas: „Mutige Entscheidung“ - Kritik von israelischer Seite. Mahmoud Abbas mit Franziskus im Vatikan

   Die Anerkennung Palästinas als eigener Staat durch den Heiligen Stuhl ist in den Augen von Mahmoud Abbas eine „mutige Entscheidung“ und ein „historisches Ereignis“. Das sagte der Palästinenser-Präsident am Wochenende in einem Interview mit dem italienischen Newsportal „Rainews24“. In einem aktuellen bilateralen Abkommen mit Palästina bezeichnet der Heilige Stuhl das Land zum ersten Mal offiziell als „Staat“. Das Dokument war nicht der Anlass, aber ein Thema beim privaten Besuch von Abbas am Samstag im Vatikan. Zudem nahm der Palästinenser-Präsident am Sonntag an der Heiligsprechung von zwei palästinensischen Ordensfrauen auf dem Petersplatz teil.
   Kritik an Abbas‘ Visite beim Papst übte der israelische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Zion Evrony. „Es ist unerfreulich, dass Mahmoud Abbas internationale Foren dazu nutzt, um Israel anzugreifen und sich von einer Rückkehr zu den Verhandlungen fernhält, die der richtige Weg sind, um eine politische und Friedenslösung zu realisieren“, sagte der Diplomat gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur adnkronos. Auch die israelische Regierung hatte den Besuch nicht gutgeheißen. 
   Franziskus hatte Mahmoud Abbas und den damaligen israelischen Staatschef Schimon Peres im Juni 2014 zu einem Friedensgebet für den Nahen Osten in den Vatikan eingeladen. Das damalige Treffen in den Vatikanischen Gärten war vom Heiligen Stuhl klar als Gebetsinitiative und nicht als politische Vermittlung gekennzeichnet worden. Der Heilige Stuhl plädiert in dem Konflikt zwischen Israel und Palästina für eine Zwei-Staaten-Lösung. Rv150517ansa

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Friedensgebet in den Vatikanischen Gärten

 Bartholomaios I. kam zu den Friedensgebeten in die Vatikanischen Gärten, zu dem Franziskus die Präsidenten Israels und Palästinas eingeladen hatte.

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Syrien: Entführter Priester stand für Dialog der Religionen  -  Foto: P. Jacques Mourad

   In Syrien ist wieder ein Geistlicher entführt worden: Es handelt sich um den Prior des Klosters Mar Elian südlich von Homs, den syrisch-katholischen Priester Jacques Mourad, wie die Erzdiözese Homs bestätigte. Mourad, der in derselben klösterlichen Gemeinschaft gelebt hatte wie der bereits vor 22 Monaten entführten Italieners Pater Paolo Dall’Oglio, trat zuletzt als Vermittler im Tauziehen zwischen syrischer Armee und den Rebellen in der Region auf. Wer den Priester verschleppte, ist derweil noch unklar – syrische Aktivisten nannten auf Twitter bislang den so genannten „Islamischen Staat“ IS als Entführer. Mar Elian liegt rund 100 Kilometer von Palmyra entfernt, das die Islamisten eingenommen haben.
   In Mourads Kloster sind derzeit hunderte Flüchtlinge aus Palmyra untergebracht, darunter auch viele Kinder, deren Überleben der Prior mit Hilfe muslimischer Wohltäter zu sichern suchte. Der Geistliche habe sich für bedrängte Christen wie Muslime stark gemacht, betont im Interview mit Radio Vatikan der apostolische Nuntius von Damaskus, Erzbischof Mario Zenari:
   „Ich kenne ihn sehr gut und persönlich. Er ist ein hervorragender Priester, von tiefer Spiritualität und großer Barmherzigkeit. Er unterstützt Hilfsprojekte für alle, für Christen und Muslime. In der Gegend, wo das Kloster liegt, gibt es seit Jahren schon verschiedene bewaffnete Gruppen. Mourad wurde von allen sehr geschätzt, von Christen wie Muslimen – für seine Offenheit, seine Barmherzigkeit und seinen Einsatz für den Frieden. Er hatte versucht, die verschiedenen verfeindeten Parteien in Dialog zu bringen. Bislang wissen wir weder von wem noch warum er entführt wurde.“
   Das Kloster Mar Elian ist eine Zweigstelle des Klosters Deir Mar Musa al Habashi, das der ebenfalls verschleppte italienische Jesuitenpater Paolo Dall’Oglio gegründet hatte. Die Mönche sind für ihre Friedens- und Dialogarbeit in der Region bekannt und wurden deshalb auch von der syrischen Regierung mit Argusaugen beobachtet. Ein Wirken auf Messers Schneide in einem zerrütteten Land: Mourad ist bereits der sechste Priester, der im Zuge des syrischen Bürgerkrieges entführt wurde. Welche Perspektive sieht Erzbischof Zenari für die Region?
   „Ich glaube, dass bei allen die Ideen und Programme knapp geworden sind. Dieser Konflikt begann als syrischer Konflikt und hat am Ende immer mehr Länder der Region involviert. Ich würde ihn mit einem Schachspiel vergleichen, das verheerende Folgen in der ganzen Gegend haben kann. Denken wir an den Zyklon, der über den Irak hereinbrach, der den Jemen und andere Länder in diesem Erdteil getroffen hat. Es ist ein komplexer Konflikt, und die internationale Gemeinschaft müsste ihre Anstrengungen und Strategien verdoppeln. Der Waffenhandel muss unterbrochen werden, und man muss an der Versöhnung arbeiten. Und hier haben die Christen einen besonderen Auftrag: eine Brücke zu sein zwischen den verschiedenen Fraktionen.“
Mit der Entführung von Pater Mourad scheint eine weitere solcher „Brücken“ abgerissen worden zu sein. Rv150523pr

nahO-105-Zz-PJaquesMourad      Pater Jaques Mourad wieder in Freiheit!

Syrien: Der von der Terrorgruppe IS-entführte syrisch-katholische Geistliche Jacques Murad ist wieder frei

   Der syrisch-katholische Geistliche Jacques Murad ist frei. Das bestätigte gegenüber Radio Vatikan der Nuntius in Damaskus, Erzbischof Mario Zenari. Pater Murad wurde vor fünf Monaten von der Terrormiliz des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) in Syrien entführt. Zusammen mit dem weiterhin entführten italienischen Jesuitenpater Paolo Dall´Oglio hatte Murad die christliche Gemeinschaft von Mar Musa in Syrien geleitet.
   Gemäß der italienischen Nachrichtenagentur ansa befinde sich P. Murad derzeit in Zaydal, einer Ortschaft in der Nähe von Homs, die nicht vom IS kontrolliert wird. Er habe auch die Heilige Messe gefeiert und es gehe ihm den Umständen entsprechend gut. P. Murad war im vergangenen Mai in Qaryatayn entführt worden, einer Ortschaft, die mittlerweile unter Kontrolle des IS ist. Früher lebte dort eine große christliche Gemeinde. P. Murad hatte dort das antike Kloster von Mar Elian als Prior geleitet, ehe er entführt wurde. Mit ihm wurden etwa 200 Christen entführt. Die meisten von ihnen befinden sich nach Angaben der Zeitung „Corriere della Sera“ weiterhin in den Händen der Entführer. Zu den genauen Umständen der Befreiung P. Murads gibt es keine Einzelheiten, so die Zeitung „Corriere della Sera“ weiter.
   Keine Nachrichten hingegen gibt es weiterhin von Pater Dall´Oglio, der seit dem 29. Juli 2013 spurlos verschwunden ist.
Patriarch hofft auf Freilassung weiterer Christen in Syrien
   Nach der Befreiung eines französischen Priesters aus der Hand von Islamisten im syrischen Karjatain hofft der syrisch-katholische Patriarch Ignace Youssif III. Younan auf weitere Freilassungen von Christen. Rund 190 Christen aus dem Ort südöstlich von Homs seien seit Monaten in der Gewalt der Terrormiliz IS, sagte Younan am Montag in Rom gegenüber der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. Younan nimmt derzeit an der Bischofssynode im Vatikan teil. Rv151012mg

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Assyrische Christinnen beten in einer Kirche in Damaskus

   In einer handgeschriebene Liste veröffentlicht die Namen der entführten Personen. Wenigstens 60 Christen sind durch IS-Milizen aus einer zentralen Stadt in Syrien entführt, wordem, berichtet die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Nach der Einnahme von Qaryatain sind mehr als 200 Bürger der Stadt entführt worden. Der Leiter der Menschenrechtsbeobachtungsstelle Rami Abdurrahman sagte, dass viele Christen aus der Gegend von Aleppo nach Nordsyrien geflohen, um dort in der Stadt Zuflucht zu finden.  
    Ein Fotograf hat die handgeschriebene Liste bekannt gemacht, die offenbar die Namen der entführten assyrischen Christen. Neil Sammnds bestätigt für Amnesty International: “Wir wissen, dass Christen und Kalloboteure Ziele der IS sind. Sie tragen das höchste Risiko nach dem Einmarsch der Islamisten wegen der hohen Lösegeldforderungen, die beim Geiselaustausch verlangt werden.”
   Schon im Mai wurde der Syrische Priester Jacquwa Mourad aus dem syrisch-katholischen Kloster Mar Elian in Qaratain unter Waffengewalt entführt. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt. Es gibt kein Lebenszeichen von ihm.  CH150807DannyWiserf

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Die islamistischen Milizen (IS) haben eine syrische Stadt eingenommen, in der tausende Christen wohnen.
Unser Foto zeigt: IS-Militanten in Mosul.  

   Die Einnahme der Stadt sehen die Mönche von Mar Elian als Bedrohung für zehntausende Christen und ihr Kloster. Der Superior des Mar Elaian Klosters Pater Jacques Mourad wurde von den Islamisten im Mai zusammen mit dem Christen Boutros Hanna Dekermenjian entführt. Vor seiner Entführung hatte Pater Mourad Dutzende Familien und hundert Kinder Schutz vor den Kämpfen Schutz im Kloster gewährt. Die eingenommene Stadt liegt 100 km von Palmira entfernt und ist Heimat für 40.000 Menschen, sowohl sunnitische Muslime und auch Christen. Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechtre haben die IS-Mililien das Assad-Militär überrannt, nachdem einige Armee-Kontrollpunkte durch Selbstmordattentate zerstört worden sind. CH150806

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Bevor der IS kam: Erinnerungen an Karyatain    Foto: Erzbischof Mario Zenari, Nuntius in Syrien

   Hunderte von Familien sind aus der mehrheitlich christlichen Stadt Sadad geflohen. Das sagt das „Christlich- Assyrische Netzwerk für Menschenrechte in Syrien“. Die Flüchtlinge fürchteten einen weiteren Vormarsch der Terrorgruppe ‚Islamischer Staat’; sie seien in Richtung Homs oder Damaskus aufgebrochen. Der ‚Islamische Staat’ hatte die Stadt Karyatain in Zentralsyrien eingenommen; sie liegt etwa 25 km südöstlich von Sadad. Dabei hatte die Terrorgruppe auch über 200 Zivilisten, darunter mehrere Dutzend Christen festgenommen. Einige von ihnen wurden nach Angaben von Menschenrechtlern inzwischen freigelassen; das Schicksal der übrigen Entführten ist unklar.
   „Ich habe so eine schöne Erinnerung an diese kleine Stadt Karyatain“, sagt uns der Päpstliche Nuntius in Damaskus, Erzbischof Mario Zenari, in einem Telefoninterview von diesem Wochenende. „Im September 2010 war ich dort, um eine alte Kirche aus dem sechsten Jahrhundert, die restauriert worden war, einzuweihen, und zwar das Kloster St. Elias. Es war ein schönes Fest, alle feierten mit – in dieser Region gab es immer ein schönes Zusammenleben der christlichen und der muslimischen Bewohner. Ich erinnere mich an den Pfarrer, Pater Jacques Mourad, und an (Jesuiten-)Pater Paolo Dall’Oglio, der sich anbot, meine Predigt ins Arabische zu übersetzen. Also, ich war in Begleitung dieser beiden Patres, auf deren baldige Freilassung wir hoffen...“ Beide Geistliche nämlich sind entführt worden: Mourad erst vor kurzem, mutmaßlich vom ‚Islamischen Staat’, und der Italiener Dall’Oglio schon seit 2013, in seinem Fall ist es ungewiß, ob er überhaupt noch lebt.
   „Diese Stadt war immer auch so etwas wie ein Symbol des guten Zusammenlebens von Christen und Muslimen“, fährt der Nuntius fort. „Wenn ich an dieses Fest von vor ein paar Jahren denke, dann hoffe ich wirklich, eines Tages die Möglichkeit zu haben, die Restaurierung all der Kirchen zu erleben und zu feiern, die in diesen Jahren durch den Krieg überall in Syrien beschädigt worden sind. Möge der Tag kommen, an dem auch dieses lebendige Mosaik aus verschiedenen religiösen Gruppen wieder restauriert wird, das Syrien einmal ausgemacht hat!“
   Vor dem Krieg stellten die Christen ungefähr zehn Prozent der syrischen Bevölkerung, die bei 23 Millionen Menschen lag. Heute fliegen, wenn man die von Erzbischof Zenari gebrauchte Metapher aufgreift, die syrischen Mosaiksteine überall herum, ein Bild ergeben sie nicht mehr. Seit März 2011 hat der syrische Bürgerkrieg mehr als 250.000 Menschen das Leben gekostet; über eine Million Menschen wurden verletzt. Im Februar haben Kämpfer des ‚Islamischen Staats’ in der nordöstlichen Provinz Hassaké über 220 assyrische Christen gekidnappt; nur einige davon wurden zwischenzeitlich wieder auf freien Fuß gesetzt, das Schicksal der übrigen ist ungewiss.
   „Nach meinem Wissen und meiner Erfahrung verfolgt der Heilige Vater ständig die Lage, informiert sich, bringt sich immer auf den neuesten Stand. In der letzten Audienz, die ich bei ihm hatte, konnte ich feststellen, wie präsent ihm dieses Leiden in Syrien ist. Der Papst trägt dieses Leiden aller Syrer und so vieler Menschen im Nahen Osten in seinem Herzen, vor allem natürlich, in Tagen wie diesen, das Leiden der Christen. Er betet nicht nur, sondern er ruft auch die internationale Gemeinschaft klar zum Einschreiten auf, und wo er kann, hilft er diesen armen Menschen auch konkret.“  rv150809sk

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Irak braucht eine neue Logik des Zusammenlebens – Foto: Kardinal Fernando Filoni im Irak, Ostern 2015

   Eine gute Lösung für die Menschen im Irak und damit auch für die Christen ist kaum mit europäischen Vorstellungen von Staaten und Grenzen zu lösen, diese Logik führe nur zu Machtfragen, nicht aber zu gegenseitigem Respekt. Das sagt Kardinal Fernando Filoni, so etwas wie die Autorität im Vatikan zu Fragen der Christen im Nahen Osten. Zwei Mal war er im Auftrag von Papst Franziskus zu Besuch bei den Christen im Irak, während des zweiten Golfkrieges 2003 war er als Nuntius im Land gewesen und hatte als einziger westlicher Diplomat dort ausgeharrt. Jetzt hat der Präfekt der Missionskongregation ein Buch über die Christen im Irak vorgelegt. „Es ist klar, dass wir uns bei einer modernen Vorstellung von Staat fragen müssen, welche Zukunft der Irak haben kann, der so, wie wir ihn kennen, ja erst 1920 entstanden ist“, erklärt Kardinal Filoni im Interview mit Radio Vatikan. „Nach dem letzten Golfkrieg hat sich der Irak politisch gewandelt, aber die religiösen und politischen Identitäten sind geblieben.“
   Ein Ergebnis sei der gegenwärtige Krieg, unter dem vor allem die Minderheiten, darunter die Christen, leiden. „Der Papst hat eine große Rolle gespielt, und alle dort erkennen an, dass er die weltweite Aufmerksamkeit auf diesen Bürgerkrieg und so auf das Schicksal der Christen, die dort vertrieben werden, fokussiert hat.“ Christen, Jesiden und andere Minderheiten seien die Opfer der Vertreibungen, davon habe er sich mehrfach selber überzeugen können, erklärte Filoni.
„Viele Muslime erkennen das Geburtsrecht der Christen an, hier zu sein“
  
„Die Christen sind integraler Teil der Geschichte des Nahen Ostens und besonders der Geschichte des Iraks. Mir hat man oft gesagt ‚Ihr Christen habt das Geburtsrecht hier, wir sind nachher gekommen, sowohl als Muslime als auch als Menschen, die nachher zugereist sind’. Der Irak war immer ein Durchzugsgebiet, in dem viele Menschen dann blieben. Viele Muslime erkennen an, dass die Christen das Geburtsrecht haben, hier zu bleiben.“
   Eine entscheidende Phase der irakischen Geschichte ortet Kardinal Filoni in der Zwischenkriegszeit, als Europa - glücklos - seine Vorstellungen zu Staat und Grenzen nach Nahost exportierte. Durch die europäischen Mächte nach dem Ersten Weltkrieg habe sich im Nahen Osten Druck aufgebaut, erklärt Filoni. Länder wie Syrien, der Irak, der Libanon oder Saudi Arabien seien von Europa aus erst gebildet worden. „Es sind keine Orte mit einer langen Tradition von einheitlichen Staaten. Viele Ethnien und Religionen lebten dort zusammen. Und der Druck entstand dann mit der im Westen ausgedachten Staatenbildung, denn die entsprach nicht den örtlichen Bedürfnissen. Das ist nie überwunden worden.“ Kämpfe um Macht und die gegenseitigen Ansprüche und Forderungen prägten die politische Landschaft, so fühlten sich etwa die Kurden verraten, weil sie keinen eigenen Staat bekommen hätten.
Irak braucht eine neue „Logik des Zusammenlebens“
   Die Christen hätten immer mitten in alldem gelebt, sie hätten aber niemals im Irak Gebietsansprüche erhoben, betont Filoni. Ihre Wünsche seien immer gewesen, dort nach ihren Traditionen leben zu können, wo sie waren. Aber das seien keine politischen oder administrativen Forderungen gewesen. „Wir müssen aus der Logik heraus, in der man sich nur mit den Grenzen von Staaten identifiziert und in eine Logik des Zusammenlebens hinein, wo es tiefen Respekt vor dem jeweils anderen gibt. Und das ist dann keine Toleranz, sondern der Respekt vor den Rechten der Anderen. Toleranz ist nur etwas, was ich gewähre. Wenn wir zu einer neuen Logik kommen, welche die Rechte aller anerkennt, die Menschenrechte, die sozialen Rechte, die politischen Rechte, dann kann daraus ein Zusammenleben entstehen.“
   Leider herrsche im Augenblick eine Logik, in der die jeweilige Mehrheit ihre Macht wie in einer Diktatur ausübe. „Hier muss es einen Mentalitätswechsel geben, aber dafür braucht es Zeit." Die Basis dazu sei aber etwas, das im Irak zur Zeit radikal fehlt. Filoni:  „Wenn es keinen Frieden gibt und wenn der gute Wille nicht da ist, dann bleiben der Irak und der gesamte Nahe Osten Gegenden, in denen es sehr schwer ist, zu leben.“ Rv150724ord
 

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Chaldäischer Patriarch fordert Integration der Milizen – Foto: Patriarch Louis Raphael I.

   Der Irak braucht eine Regierung in der die verschiedenen Gruppen des Landes von Politikern vertreten sind, denen es gelingt die notwendigen Reformen auf den Weg zu bringen, die aus der derzeitigen Situation herausführen und das Leid und die Gewalt bekämpfen, die die Existenz des Landes als Nation gefährden, so berichtet der Vatikanische Fidesdienst. Außerdem ist die Integration der spontan auf ethnischer und religiöser Ebene entstandenen Milizen in die Armee notwendig. Dies bekräftigt der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. in einem Brief an die höchsten Autoritäten des Landes. Zeitgleich mit seinem Schreiben an den irakischen Präsidenten Fuad Masum, den Premierminister Haider al Abadi und den Parlamentspräsidenten Salim Abdullah al Juburi schrieb der Primas der chaldäischen Kirche auch an den Präsidenten des Parlaments der Autonomen Region Kurdistan, Yusuf Mohammed Yusuf Sadiq, den er in seinem Brief an die Notwendigkeit eines Entwurfs für eine neue regionale Verfassung erinnert, der ohne Eile und unter Berücksichtigung der Identität der in der Region lebenden Gruppen formuliert wird, damit soziale Stabilität, Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung entstehen könne. Rv150828pdy

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Papst will „Völkermord“-Opfer seligsprechen – Foto:  In einem syrischen Kloster

   Papst Franziskus will ein Opfer der türkischen Christen- und Armenierverfolgung während des Ersten Weltkriegs seligsprechen lassen. Er bestätigte im Vatikan das Martyrium des syrisch-katholischen Bischofs Flavian Michele Melki (1858-1915). Dieser war am 29. August 1915 im Zuge der Ausschreitungen, die der Papst unlängst als „Völkermord“ eingestuft hat, in seiner Bischofsstadt Djezireh „aus Hass auf den Glauben“ getötet worden. Djezireh liegt in der heutigen Türkei.
   Der künftige Selige gehörte zur Gemeinschaft von St. Ephrem; er war 1858 in Kalaat Mara, ebenfalls in der heutigen Türkei, geboren worden. „Er hat eine fundamentale Rolle gespielt beim Ermutigen der Menschen, trotz aller Schwierigkeiten der damaligen Epoche, während der Verfolgungen im Osmanischen Reich, ihren Glauben zu leben“, sagt der Postulator im Seligsprechungsverfahren, Pater Rami al-Kabalan. „Bischof Melki lebte selbst in extremer Armut; er verkaufte sogar seine Messgewänder, um den Armen zu helfen, und er war unermüdlich in den Pfarreien unterwegs. Es gibt da einen Satz von ihm, der mich immer sehr bewegt: Als sie versuchten, ihn zwangsweise zum Islam zu bekehren, hat er einfach geantwortet ‚Ich verteidige meinen Glauben bis aufs Blut!’.
   Ein genaues Datum für die Seligsprechung des Bischofs steht noch nicht fest. Sicher ist hingegen, dass sie noch in einer zeitlichen Nähe zum Gedenken an den Völkermord vor hundert Jahren liegen wird. „Hundert Jahre nach diesen Ereignissen erleben wir Christen des Nahen Ostens jetzt fast dieselben Verfolgungen, wenn auch unter anderen Vorzeichen... Darum gibt uns dieser Märtyrer Mut, unseren Glauben zu leben und zu verteidigen. Wir sollten keine Angst haben, auch wenn unsere Lage im Irak, in Syrien und anderswo in Nahost sehr schwierig geworden ist. Ich glaube persönlich, dass die Seligsprechung wirklich eine sehr starke kirchliche Bedeutung bekommen wird im heutigen Kontext: Die Figur des Märtyrers ist nicht überholt, sie bleibt in der Kirche und im Gedenken der Gläubigen, wir alle sind, auf verschiedene Weise, zum Martyrium gerufen.“
   Der syrisch-katholische Geistliche legt noch einmal nach: „Unsere Kirche ist die kleinste von denen, die mit dem Nachfolger Petri verbunden sind. Wir wurden im Irak angegriffen und in Mossul ausgelöscht; in Aleppo, jetzt in Karyatain, im Bistum Homs sind wir unter Druck – wir sind wirklich die am stärksten verwundete Kirche, wir werden überall verfolgt...“ 
rv150809sk 

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Foto: Papst Franziskus während der Feier der Göttlichen Liturgie in Armenien:
Papst Franziskus: „Armenisch-Apostolische Kirche und katholische sind Eins“

   Die armenisch-apostolische und die katholische sind eine einzige Kirche: Das betonte Papst Franziskus im Anschluss an die Göttliche Liturgie in Etschmiadsin. Es war einer der starken ökumenischen Höhepunkte seiner Armenienreise; der Papst selbst nannte diesen Gottesdienst, der im jahrhundertealten armenischen Ritus zelebriert wurde, selbst den Höhepunkt seines Besuches.
   Franziskus, der schon bei seiner Reise nach Istanbul an einer byzantinischen Göttlichen Liturgie teilgenommen hat, bedankte sich beim Katholikos Karekin II. für seine Gastfreundschaft während der Reise durch Armenien. Man habe sich als Brüder getroffen, die Hoffnung und Sorgen der Kirche Christi miteinander teilten, betonte er. „Und diese Kirche empfinden wir als eine. Ein Leib und ein Geist, wie [uns] auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist“ Eph 4,4-6.
   Diese Worte des Apostels Paulus können wir uns wirklich mit Freude zu eigen machen! Und ausgerechnet im Zeichen der heiligen Apostel haben wir uns getroffen.“ Franziskus erinnerte an die heiligen Bartholomäus und Thaddäus, die nach der Tradition als erste das Evangelium in Armenien verkündeten, und an die heiligen Petrus und Paulus, die Apostel Roms. Sie würden sich über das heutige ökumenische Bestreben sicher freuen, davon zeigte sich der Papst überzeugt.
   Franziskus bezog sich dann auf den ostkirchlichen Hymnus Trishagion;
   Der Name "Trishagion" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "dreimal heilig". Er bezeichnet einen Hymnus, der vom Buch Jesaja Jes 6,3 inspiriert ist: "Die Serafim riefen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere." Daher auch in der lateinischen Liturgie das Sanctus.
   Der Papst bat um die Fürsprache der Muttergottes, der Heiligen und ausdrücklich auch der Märtyrer, die gerade im vergangenen Jahr - hundert Jahre nach den großen Massakern - zahlreich in Armenien heiliggesprochen wurden. Schließlich bat er, mit einem Zitat des Gregor von Narek, um die Fürsprache des Heiligen Geistes: „Komm, o Geist, ‚der Du mit unaufhörlichem Seufzen unser Fürsprecher beim barmherzigen Vater bist, der Du die Heiligen behütest und die Sünder läuterst‘; gieße über uns dein Feuer der Liebe und der Einheit aus, und ‚mögen durch dieses Feuer die Ursachen unseres Ärgernisses aufgelöst werden‘ Gregor von Narek, Buch der Klagen, 33,5, vor allem der Mangel an Einheit unter den Jüngern Christi.“
   Franziskus würdigte den Weg des Friedens der armenischen Kirche und erhoffte sich eine „vollkommene Gemeinschaft“ mit der katholischen Kirche. „Möge in allen eine starke Sehnsucht nach der Einheit aufkommen, nach einer Einheit, die nicht darin bestehen darf, ‚einander zu unterwerfen noch sich gegenseitig einzuverleiben, sondern vielmehr [bedeutet,] alle Gaben anzunehmen, die Gott jedem gegeben hat, um in der ganzen Welt das große Geheimnis der vom Herrn Jesus Christus durch den Heiligen Geist gewirkten Erlösung kundzutun‘“ - mit diesen Worten zitierte Franziskus sich selbst, genauer: seine Ansprache nach der Göttlichen Liturgie in Istanbul im November 2014. Man solle auf die Stimmen der Armen und der vielen Opfer des Hasses hören, die für den Glauben gelitten und ihr Leben geopfert haben, aber auch auf die junge Generation, die frei sei von den Spaltungen der Vergangenheit.                Rv160626pdy

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Foto: Papst Franziskus und Katholikos Karekin II.
Gemeinsame Erklärung: „Zeugen einer ungeheuren Tragödie" - „Freudig bekräftigen wir,
dass wir deutlicher erkannt haben, dass das, was uns eint, mehr ist als das, was uns trennt.“

   Zum Abschluss der Armenienreise unterzeichneten Papst Franziskus und der Katholikos der Armenisch- Apostolischen Kirche, Karekin II., eine gemeinsame Erklärung, in der sie eine tragfähige Basis für die Zusammenarbeit und das gemeinsame Zeugnis für die Einheit aller Christen feststellen.
   Die Freude über die guten gemeinsamen Beziehungen werde getrübt durch die Tatsache, dass man gemeinsam „Zeuge einer ungeheuren Tragödie“ werde, die sich vor aller Augen abspiele, heißt es in dem Dokument. Religiöse und ethnische Minderheiten würden verfolgt, unschuldige Menschen getötet, vertrieben oder ins Exil getrieben. Das Leiden für den eigenen Glauben sei zur täglichen Realität geworden. Das Dokument spricht von der „Ökumene des Blutes“, die Verfolgungen machten keine Unterschiede zwischen den historischen Trennungen zwischen den Christen.
   Es folgt das gemeinsame Gebet für die Verfolgten, und dann ein eindringlicher Appell:
   „Wir bitten die Verantwortungsträger der Nationen inständig, auf das Flehen von Millionen von Menschen zu hören, die sich nach Frieden und Gerechtigkeit in der Welt sehnen, die die Achtung ihrer gottgegebenen Rechte verlangen, die dringend Brot brauchen, nicht Waffen.“ Viel sei schon getan worden, viel mehr noch sei notwendig, heißt es im Text weiter, und das gelte ganz besonders für die politischen Führer und die internationale Gemeinschaft, „um das Recht aller, in Frieden und Sicherheit zu leben, sicherzustellen, um die Herrschaft des Rechtes aufrechtzuerhalten, um religiöse und ethnische Minderheiten zu schützen und um Menschenhandel und -schmuggel zu bekämpfen.“
   Leider böten auch die Religionen nicht immer ein gutes Bild, gemeinsam beklagen Karekin II. und Franziskus die „Darstellung von Religion und religiösen Werten in fundamentalistischer Weise, die gebraucht wird, um die Verbreitung von Hass, Diskriminierung und Gewalt zu rechtfertigen.“ Sie bezeichnen die Rechtfertigung von Verbrechen aufgrund religiöser Vorstellungen als unannehmbar, „Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern ein Gott des Friedens“.
   Gerade Christen seien aufgerufen, Schritte zur Versöhnung und Frieden zu suchen und auszuführen, heißt es weiter, und das gelte nicht nur mit Blick auf die Verfolgungen, sondern auch auf andere Konflikte, etwa den um die Region Nagorny-Karabach mit dem Nachbarland Aserbeidschan, das Papst Franziskus im September diesen Jahres besuchen wird. Fast die Papstworte bei der Predigt am Samstag wiederholend heißt es im Text über diese Aufgabe der Christen:
   „Es geht um den eigentlichen Sinn unserer Menschlichkeit, unserer Solidarität, unseres Mitgefühls und unserer Großherzigkeit, der nur angemessen zum Ausdruck gebracht werden kann in einem unverzüglichen praktischen Einsatz der Hilfsmittel.“
   Gemeinsam richte man einen Aufruf an die Gläubigen, christliche Werte in die Gesellschaft einzubringen, „diese tragen wirksam zum Aufbau einer Kultur der Gerechtigkeit, des Friedens und der menschlichen Solidarität bei.“ Der Weg der Versöhnung und der Brüderlichkeit läge offen vor ihnen.          Rv160626ord

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Foto: Pater Lombardi rechts mit Papst und Reisemarschall Rueda – Pressekonferenz im Flieger
nach Armenien: Pater Lombardi SJ: Papst ist Friedensreisender, nicht Kreuzfahrer

   Der Papst ist kein Kreuzfahrer. Mit diesen Worten antwortete Papstsprecher Pater Federico Lombardi auf die Kritik der Türkei, nachdem Papst Franziskus die Verbrechen im Osmanischen Reich ‚Völkermord' nannte. Die Türkei widersprach am Samstag der Aussage von Papst Franziskus, dass die Kämpfe der Türken im Jahre 1915 geplanter Völkermord an den Armeniern waren. Der stellvertretende Premierminister Nurettin Canikli nannte die Aussage des Papstes „sehr bedauerlich“ und sagte, dass sie die Handschrift der „Mentalität der Kreuzzüge“ trug. Die Türkei lehnt die Verwendung des Begriffs „Völkermord“ ab.
   Die Reise von Papst Franziskus nach Armenien stand ganz im Zeichen des Friedens. Das betonte Lombardi im Interview mit Radio Vatikan. Gerade nach der Ansprache von Papst Franziskus am Samstag während dem Friedensgebet mit dem Katholikos Armeniens, Karekin II., mache deutlich, dass das Thema der Reise „Ökumene und Frieden“ war.
   In seiner Ansprache rief Franziskus das armenische Volk dazu auf, Friedensboten zu sein, mache das deutlich, gerade auch in den Tagen des Konflikts in Armenien. „Ich denke, dass das eine sehr wichtige Botschaft ist, auch weil die Probleme dort immer noch da sind: Probleme mit dem Frieden, für das armenische Volk und die gesamte Region. Denken wir an Nagorny-Karabach, das von Papst Franziskus mit äußerster Diskretion erwähnt wurde, vom Katholikos dahingegen sehr direkt. Die Region ist eine voller Spannungen oder sogar Konflikten, und dort ist Friede nicht nur ein Wort, sondern eine Haltung, die einen Weg finden muss, in die Praxis umgesetzt zu werden. Es erfordert Überzeugung und Bereitschaft. Der Papst hat einen erheblichen Beitrag geleistet, gerade mit seiner Rede am Samstagabend.“
   Mit seiner Nähe zum armenischen Volk wolle Franziskus nicht die Welt in Täter und Opfer unterteilen. Das sei nicht die Art der christlichen Botschaft, betont Lombardi. Sie verstecke und verleugne Gewalt und Hass zwar nicht, sei aber zugleich die Grundlage zur Erneuerung und Versöhnung. Gesten der Versöhnung gab es in den Tagen der Papstreise zu genüge. „Ja, da waren sehr viele schöne Gesten dabei, symbolische Gesten: diejenigen an der Gedenkstätte etwa waren sicher sehr effektiv, sehr klassisch möchte ich sagen, wie man einen Baum pflanzte und ihn bewässerte, damit er wachsen kann. Das ist ein charakteristisches Symbol für das Leben. Und dann diese Arche Noah, die der Papst geschenkt bekommen hat, und in die Kinder aus den benachbarten Völkern Erde aus ihren Ländern hineingelegt haben; gut bewässert, um Leben zu geben. Das ist auch ein großes Zeichen der Universalität, des Dialogs und der Brüderlichkeit zwischen den Familien der Menschheit gewesen.“rv160626ord

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Friedenstauben: Abschluss der Papstreise am Fuß des Ararat Foto: Das Kloster Chor Virap

      Der Berg Ararat ist gewissermaßen das geistliche Zentrum der Christen in der Region, es ist der Berg, der als Ort verehrt wird, an dem nach der Sintflut die Arche Noahs zuerst wieder den Boden der Erde berührte.
   Am Fuße dieses in der Türkei liegenden Berges, direkt an der Grenze, steht das alte Kloster Chor Virap, es war die letzte Station der Reise von Papst Franziskus nach Armenien. Und wie die Taube, die Noah aus der Arche steigen ließ, zur Friedenstaube wurde, so ließen auch in einem weiteren ökumenischen Zeichen Katholikos Karekin II. und Papst Franziskus Friedenstauben gen Ararat steigen, unausgesprochene Bitten für Frieden in der Region, mit Aserbeidschan, mit der Türkei um die Frage des „Großen Übels“, des Völkermordes, wie die gemeinsame Erklärung der beiden Kirchenoberhäupter es noch einmal festhält.
   Papst und Katholikos haben noch einmal eine kleine Liturgie mit Gebet und Gesang gefeiert, bevor es für den Papst dann zurück nach Jerewan und zum Flugzeug ging, am Flughafen fand die Reise dann mit der Verabschiedung ihr offizielles Ende, Präsident und Katholikos verabschiedeten den Papst mit militärischen Ehren. 16.48 Uhr (mitteleuropäischer Zeit) hob der Papstflieger ab, in der Nacht war Papst Franziskus wieder im Vatikan.     rv160626ord

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Text der ökumenischen Erklärung: Weg der Brüderlichkeit – Foto: Papst Franziskus und Karekin II.
Gemeinsame Erklärung von Papst Franziskus und Katholikos Karekin II. anlässlich der Armenienreise des Papstes

   Wir, Papst Franziskus und der Katholikos aller Armenier Karekin II., erheben heute im heiligen Etschmiadsin unseren Geist und unser Herz zum Allmächtigen und sagen Dank für die beständige und wachsende Nähe in Glaube und Liebe zwischen der Armenisch-Apostolischen Kirche und der Katholischen Kirche in Bezug auf ihr gemeinsames Zeugnis für die Heilsbotschaft des Evangeliums in einer von Unfrieden erschütterten Welt, die sich nach Trost und Hoffnung sehnt. Wir preisen die Allerheiligste Dreifaltigkeit – den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist –, dass sie uns ermöglicht hat, in dem biblischen Land des Ararat zusammenzukommen, der daran erinnert, dass Gott immer unser Schutz und unser Heil sein wird. In geistlicher Freude denken wir daran, dass im Jahr 2001 anlässlich der 1700-Jahr-Feier der Erklärung des Christentums zur Religion Armeniens der heilige Johannes Paul II. Armenien besuchte und Zeuge einer neuen Etappe herzlicher und brüderlicher Beziehungen zwischen der Armenisch-Apostolischen Kirche und der Katholischen Kirche wurde. Wir sind dankbar, dass wir die Gnade hatten, am 12. April 2015 bei der feierlichen Liturgie in der Petersbasilika in Rom zusammen zu sein. Dort besiegelten wir unseren Willen, uns jeder Form von Diskriminierung und Gewalt entgegenzustellen, und gedachten der Opfer dessen, was die Gemeinsame Erklärung Seiner Heiligkeit Johannes Paul II. und Seiner Heiligkeit Karekin II. so zur Sprache bringt:
» Die Ermordung von anderthalb Millionen armenischen Christen ist das, was generell als der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird « 27. September 2001.
   Wir preisen den Herrn, dass der christliche Glaube heute wieder eine pulsierende Realität in Armenien ist und dass die armenische Kirche ihre Sendung in einem Geist brüderlicher Zusammenarbeit zwischen den Kirchen weiterführt und die Gläubigen beim Aufbau einer Welt der Solidarität, der Gerechtigkeit und des Friedens unterstützt.
   Leider sind wir aber Zeugen einer ungeheuren Tragödie, die sich vor unseren Augen abspielt, einer Tragödie zahlloser unschuldiger Menschen, die getötet, vertrieben oder durch andauernde ethnische, wirtschaftliche, politische oder religiöse Konflikte im Nahen Osten und in anderen Teilen der Welt in ein schmerzliches und ungewisses Exil gezwungen werden. Folglich sind religiöse und ethnische Minderheiten zum Zielobjekt von Verfolgung und grausamer Behandlung geworden, so dass das Leiden für den eigenen Glauben zur täglichen Realität geworden ist. Die Märtyrer gehören allen Kirchen an und ihr Leiden ist eine „Ökumene des Blutes“, die die historischen Trennungen zwischen Christen überschreitet und uns alle dazu aufruft, die sichtbare Einheit der Jünger Christi zu fördern. Gemeinsam beten wir – auf die Fürsprache der heiligen Apostel Petrus und Paulus, Thaddäus und Bartholomäus hin – für eine Umkehr des Herzens all derer, die solche Verbrechen begehen, und derer, die in der Lage sind, die Gewalt zu stoppen. Wir bitten die Verantwortungsträger der Nationen inständig, auf das Flehen von Millionen von Menschen zu hören, die sich nach Frieden und Gerechtigkeit in der Welt sehnen, die die Achtung ihrer gottgegebenen Rechte verlangen, die dringend Brot brauchen, nicht Waffen. Leider beobachten wir eine Darstellung von Religion und religiösen Werten in fundamentalistischer Weise, die gebraucht wird, um die Verbreitung von Hass, Diskriminierung und Gewalt zu rechtfertigen. Die Rechtfertigung solcher Verbrechen aufgrund religiöser Vorstellungen ist unannehmbar, denn » Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern ein Gott des Friedens «
1 Kor 14,33. Außerdem ist die Achtung gegenüber religiösen Unterschiedlichkeiten die notwendige Bedingung für das friedliche Zusammenleben verschiedener ethnischer und religiöser Gemeinschaften. Gerade weil wir Christen sind, sind wir aufgerufen, Schritte zu Versöhnung und Frieden zu suchen und auszuführen. In diesem Zusammenhang bringen wir auch unsere Hoffnung auf eine friedliche Lösung der Probleme um Nagorny-Karabach zum Ausdruck.
   Unter Beachtung dessen, was Jesus seine Jünger lehrte, als er sagte: » Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen« Mt 25,35-36, bitten wir die Gläubigen unserer Kirchen, ihre Herzen und ihre Hände den Opfern von Krieg und Terrorismus, den Flüchtlingen und ihren Familien zu öffnen. Es geht um den eigentlichen Sinn unserer Menschlichkeit, unserer Solidarität, unseres Mitgefühls und unserer Großherzigkeit, der nur angemessen zum Ausdruck gebracht werden kann in einem unverzüglichen praktischen Einsatz der Hilfsmittel. Wir anerkennen alles, was bereits getan wurde, doch wir beharren darauf, dass seitens der politischen Führer und der internationalen Gemeinschaft viel mehr notwendig ist, um das Recht aller, in Frieden und Sicherheit zu leben, sicherzustellen, um die Herrschaft des Rechtes aufrechtzuerhalten, um religiöse und ethnische Minderheiten zu schützen und um Menschenhandel und -schmuggel zu bekämpfen.
Die Säkularisierung weiter Kreise der Gesellschaft, ihre Distanzierung vom Spirituellen und Göttlichen führt unvermeidlich zu einer entsakralisierten und materialistischen Sicht des Menschen und der Menschheitsfamilie. Diesbezüglich sind wir besorgt über die Krise der Familie in vielen Ländern. Die Armenisch-Apostolische Kirche und die Katholische Kirche teilen dieselbe Auffassung von der Familie, die auf die Ehe, einen Akt freiwillig geschenkter, treuer Liebe zwischen einem Mann und einer Frau, gegründet ist.
Freudig bekräftigen wir, dass wir trotz der fortdauernden Spaltung zwischen Christen deutlicher erkannt haben, dass das, was uns eint, mehr ist als das, was uns trennt. Das ist die tragfähige Basis, auf der die Einheit der Kirche Christi verdeutlicht werden wird, entsprechend dem Wort des Herrn: » Alle sollen eins sein «
Joh 17,21. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ist die Beziehung zwischen der Armenisch-Apostolischen Kirche und der Katholischen Kirche glücklich in eine neue Phase eingetreten, gestärkt durch unser beiderseitiges Gebet und die gemeinsamen Bemühungen bei der Überwindung aktueller Herausforderungen. Heute sind wir überzeugt, dass es von ausschlaggebender Bedeutung ist, diese Beziehung zu fördern und uns in einer tieferen und maßgeblicheren Zusammenarbeit zu engagieren, nicht nur auf theologischem Gebiet, sondern auch im Gebet und in aktiver Zusammenarbeit auf der Ebene der örtlichen Gemeinden, mit dem Ziel, die volle Gemeinschaft und konkrete Ausdrucksformen der Einheit miteinander zu teilen. Wir bitten unsere Gläubigen dringend, einträchtig für die Förderung der christlichen Werte in der Gesellschaft zu arbeiten; diese tragen wirksam zum Aufbau einer Kultur der Gerechtigkeit, des Friedens und der menschlichen Solidarität bei. Der Weg der Versöhnung und der Brüderlichkeit liegt offen vor uns. Möge der Heilige Geist, der uns in die ganze Wahrheit führt vgl. Joh 16,13, jedes echte Bemühen, Brücken der Liebe und der Gemeinschaft zwischen uns zu bauen, unterstützen.
   Vom heiligen Etschmiadsin aus rufen wir alle unsere Gläubigen auf, sich unserem Gebet mit den Worten des heiligen Nerses, des Gütigen, anzuschließen: » Verherrlichter Herr, nimm die Gebete deiner Diener an und erfülle gnädig unsere Bitten, auf die Fürsprache der heiligen Gottesmutter, des heiligen Johannes des Täufers, des ersten Märtyrers Stephanus, des heiligen Gregors unseres Erleuchters, der heiligen Apostel, der Propheten, der als „göttlich“ betitelten Heiligen, der Märtyrer, der Patriarchen, der Einsiedler, der Jungfrauen und aller deiner Heiligen im Himmel und auf Erden. Und dir, o unteilbare Heilige Dreifaltigkeit, sei Herrlichkeit und Ehre immer und ewig. Amen. «
Im heiligen Etschmiadsin, am 26. Juni 2016
Unterzeichnet von Franziskus und Karekin II.                                                              
                         rv160626ord

                               kbwn:Nahost

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