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Nordamerika

Die Kirche in den USA
Papst Franziskus besucht in Amerika
Kuba, Washington, New York und Philadelphia
Die Bedeutung der katholischen Kirche in den USA wächst - Grafik: Religionen in den USA
Veränderungen der Konfessionen und Religionen im Kongress
Zahl der Priesterweihen steigt um 25 % gegenüber dem Vorjahr. 600 Diakone werden zu Priestern geweiht. Unterschiedliche Meinungsumfragen zur Stärke der christlichen Konfessionen
Die protestantische Megakirche in Los Angeles ist von der katholischen Diözese Orange übernommen
Erstaunliche Funde bei archäologischen Ausgraben der Gründungs-Siedlung in Nordamerika
     Fortsetzung der Berichte aus New York und Philadelphia lesen Sie auf der folgenden Seite >Nordamerika II

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USA: Der Papst im Weißen Haus

   US-Präsident Barack Obama wird Papst Franziskus am 23. September im Weißen Haus empfangen. Das gab das Pressebüro des Weißen Hauses in Washington am Donnerstag bekannt. Während der Visite wollten der Präsident und der Papst den am März 2014 im Vatikan begonnenen Dialog fortsetzen, hieß es.
   Bei dem Treffen solle es unter anderem um gemeinsame Werte und ein ein gemeinsames Engagement für Benachteiligte und Arme gehen. Als weitere Gesprächsthemen nannte die Mitteilung bessere wirtschaftliche Chancen für alle, Umweltschutz, den Schutz von religiösen Minderheiten und die Integration von Migranten und Flüchtlingen.
   Nach den vorläufigen Planungen reist Franziskus am 22. September nach Washington. Am 25. September wird er in New York vor der UN-Vollversammlung sprechen und mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie dem Vorsitzenden der Vollversammlung zu einem Gespräch zusammentreffen. Eigentlicher Anlass des Papstbesuchs in den Vereinigten Staaten ist der achte katholische Weltfamilientag in Philadelphia. rv150326ord

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Präsident Obama zitiert Papst Franziskus beim Gebetsfrühstück im Weißen Haus
Foto: Der katholische Vizepräsident Joe Biden begrüßt Präsident Obame während des Ostergebets-Frühstücks

   Der US-Präsident sprach in seiner Begrüßungsrede an die kirchlichen Leiter aus dem ganzen Land über den kommenden Besuch von Papst Franziskus. Indem er Papst Franziskus und auch Martin Luther King jr. bei diesem Frühstück zitierte, bemerkte Präsident Barack Obama, dass die Osterfeier unsere Sorgen in einen anderen Zusammenhang stellt.  “Mit Bescheidenheit und Ehrfurcht gilt unser Dank dem außerordentlichen Opfer Jesu Christi, unserem Erlöser”, sagte Obma anlässlich des jährlichen Treffens der Vertreter der Religionen. Wir denken an die grausamen Schmerzen, die er erlitt, an den Spott, den er ertrug, an die Sünden, die er getragen hat und an das außerordentliche Geschenk der Erlösung, das er uns gab. Wir versuchen so gut wir es können die Finsternis zu verstehen, die Jesus ertragen hat, damit wir das Licht von Gott erhalten dürfen.”
   In der Audienz der Religionsführer aus dem ganzen Land fügte Obama hinzu: “Da wir uns hier auseinandersetzen mit der ungeheuerlichen Größe seines Opfers, wir dürfen nicht unsere Augen vor der Tatsache verschließen, dass diese Geschichte nicht Karfreitag endet; es geht weiter: Ostern folgt die siegreiche Auferstehung unseres Erlösers.”    Dann erwähnt der Präsident, dass Papst Franziskus noch in diesem Jahr Washington besuchen wird und er erinnert daran, wie der Papst die Menschen ermutigt, die den Frieden suchen, wie er den Menschen am Rand der Gesellschaft hilft, und wie er mahnt, gute Verwalter der Schöpfung zu sein. “Er sagt, dass wir uns bemühen sollen Jesus in jedem Menschen zu sehen, der durstig oder hungrig oder nackt ist, den Herrn gegenwärtig zu sehen in den Menschen, die ihren Glauben verloren haben … die Gefangenen, Kranken, Arbeitslosen und Verfolgten, den Herrn zu sehen in den Aussätzigen, die leiblich oder seelisch diskriminiert sind’”. Obama stellt fest, dass Jesus so gelebt und geliebt hat: “Er hat jene umarmt, die anders sind; den Kleinen diente er bis zum äußersten. Diesem Beispiel sind wir gerufen zu folgen: Gott zu lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all unseren Gedanken, und unsern Nächsten – alle unsere Nachbarn – zu lieben wie uns selbst.”
   Die Gospel- und Pop-Sängerin Amy Grant trug ihren hit “Thy Word” vor, der sich auf den Psalm 119 stützt, auch der Howard Gospel Choir der Universität von Washington beteiligte sich an diesem Treffen mit dem Präsidenten. 
   Zu den katholischen Teilnehmern beim Osterfrühstück waren Kardinal Donald Wuerl, Washington, Schwester Carol Keehan vom Orden der Caritas-Schwestern  und zugleich Vorstandsvorsitzende der Katholischen Krankenhaus-Gesellschaft, Msgr. Ronald Jenkins als Generalsekretär die US-Bischofskonferenz, der Jesuit Father Tom Reese als Kolumnist des National Catholic Reporter, und unter den Mitarbeitern des Weißen Hauses  ihr Chef Denis McDonough.
    Zur Begrüßung von Präsident Obama zitierte Vizepräsident Joe Biden Worte des Papstes Franziskus aus seiner Predigt zur Ostervigil: “Wir können nicht Ostern feiern, ohne in das Geheimnis des Tages einzutreten. Dazu gehört die Fähigkeit sich zu wundern, zu meditieren und in der Stille auf das leise Flüstern zu lauschen, wenn Gott zu uns spricht.”  Joe Biden fügte noch diesen Gedanken hinzu: “Wie wir als Christen sind – und ganz frei denke ich – so sind wir Amerikaner. Wir erneuerten uns ständig als Volk und jeder für sich durch unsere Fähigkeit, in das Geheimnis des Osterfestes einzutreten. Wir leben unseren Glauben, wen wir unseren Kindern diese Fähigkeiten beibringen: sich zu wundern, zu meditieren, und auf die zarte Stimme inmitten der großen Stille zu lauschen. Wir leben unseren Glauben, wenn wir die Hoffnung und die Möglichkeiten stärken, die unserem Land eigen sind. Wir leben das Osterereignis mit der bleibenden Erkenntnis, das wir das noch besser werden könnten. Ja, wir können es noch besser machen.
CH150408PatriciaZapor Arbeitsübersetzung: kbwn

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USA: Bis zu zwei Millionen bei Papstmesse in Philadelphia erwartet
Der Erzbischof der US-Diözese Philadelphia Charles Chaput (zweiter von rechts)  im Vatikan
nach der Pressekonferenz zum Weltfamilientreffen in seiner Diözese.

   Zum Abschlussgottesdienst des katholischen Weltfamilientreffens in Philadelphia mit Papst Franziskus erwarten die Veranstalter bis zu zwei Millionen Besucher. Das teilte der Erzbischof der US-Diözese, Charles Chaput am Donnerstag im Vatikan mit. Das katholische Großereignis findet vom 22. bis 27. September statt.
   Die Kirche will mit den seit 1994 alle drei Jahre in einer anderen Stadt organisierten Weltfamilientreffen die Bedeutung der Familie für die Gesellschaft und ihren spirituellen Wert für den Glauben hervorheben. Franziskus besucht das VIII. Welttreffen der Familien an den letzten beiden Tagen. Zu einem Familienfestival mit dem Papst am Vorabend werden bis zu eine Million Menschen erwartet.
   Insgesamt haben sich bisher laut Chaput knapp 12.000 Dauerteilnehmer aus aller Welt für die Einzelveranstaltungen und Diskussionsforen des Familienkongresses angemeldet. Nach den USA kämen die meisten Gäste aus Kanada, Vietnam, der Dominikanische Republik und Nigeria. Auch Kenia, Mexiko, Mocambique, Pakistan und Polen seien gut vertreten, sagte Chaput.
   Um die Besucher kümmern sich demnach 6.100 Freiwillige; Mehr als 1.600 US-Bürger wollen Familien bei sich aufnehmen. „Philadelphia wird in diesen Tagen eine globale Stadt sein", so der Erzbischof. Das Budget gab er mit 45 Millionen Dollar an; davon seien 30 Millionen Dollar durch Spenden aufgebracht worden.
   Aus Sicht des Präsidenten des Päpstlichen Familienrats, Erzbischof Vincenzo Paglia, kann das Welttreffen ein wichtiger Impulsgeber für die Weltbischofssynode über die Familie im Oktober werden. Die im jüngst veröffentlichten Arbeitspapier für die Synode behandelten Themen kämen auch bei dem Kongress in Philadelphia zur Sprache. Mit Blick darauf sprach Paglia von einem „Festival der Reflexion". So soll etwa bei einer Diskussionsrunde die Mutter eines Homosexuellen über dessen Erfahrungen berichten, den katholischen Glauben trotz seiner sexuellen Orientierung zu leben. „Keiner ist ausgeschlossen", so Chaput. Allerdings sei das Weltfamilientreffen keine Bühne für irgendeine Form von Lobbyarbeit.
   Nach seinen Worten soll das fünftägige Ereignis auch den Blick auf das Familienleben in anderen christlichen Glaubensgemeinschaften und Religionen weiten. 30 Prozent aller Redner seien Nichtkatholiken, hieß es.
   Der Papst besucht von 20. bis 23. September Kuba, am 23./24. September Washington, am 25. September New York und zum Abschluss seiner dritten Amerikareise am 26./27. September Philadelphia. Rv150625gs

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USA: Riesiger Empfang für den Papst geplant
Präsident Obama vor dem US-Kongress, wo auch der Papst im September eine Rede halten wird

   Papst Franziskus erwartet Ende September vor dem US-Kongress ein riesiger Empfang. Der Sprecher des Hauses, John Boehner, teilte am Mittwoch mit, die Rede vor beiden Häusern des Kongresses am 24. September werde auf eine große Leinwand und von Lautsprechern vor der Westseite des Kapitols übertragen. Der Papst habe zudem „sein Interesse bekundet, kurz vor die Menge zu treten".
   Die Kongressführer wollen dafür, wie sonst nur bei der Amtseinführung des US-Präsidenten oder großen Konzerten üblich, eigens eine Bühne für den hohen Besuch errichten. Boehner, der wie die demokratische Minderheitsführerin im Repräsentantenhaus der katholischen Kirche angehört, sprach von einem „historischen Moment für unser Land". Die Abgeordneten freuten sich darauf, „Papst Franziskus und Amerikaner aus allen Teilen der Gesellschaft in unserem Kapitol begrüßen zu dürfen".
   Die Büros der Abgeordneten und Senatoren werden bereits seit Wochen nach den begehrten Tickets für die Besuchertribüne im Kongress angefragt. Das „Public Viewing" vor dem historischen Kuppelbau soll dem großen Publikumsinteresse Rechnung tragen.
   Papst Franziskus kommt am 22. September aus der kubanischen Hauptstadt Havanna nach Washington. Vor seinem Besuch im Kongress trifft er tags zuvor mit US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus zusammen. Zudem feiert er mit den katholischen US-Bischöfen in der Kathedrale eine Messe spricht den Franziskaner-Missionar Junipero Serra aus dem 18. Jahrhundert heilig.
   Nach der Rede vor dem Kongress steht ein Besuch der katholischer Hilfsorganisationen und einer Obdachlosen- Unterkunft auf dem Programm. Danach geht es weiter nach New York, wo der Papst vor den Vereinten Nationen sprechen wird. Der Besuch endet am 27. September mit einer Messe beim Welttreffen der Familien in Philadelphia. Rv150709pr

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Präsident Obama hat in dem Gebetsfrühstück zu Ostern Amy Grant eingeladen.
Wir bringen hier ihren Bestseller in deutscher Übersetzung

      Amy Grant Foto oben: Lyrics

      El Schaddai
      [Allmächtiger Gott] - Chor: el Schaddai - Herr Gott in der Höhe
      Durch alle Zeiten – bist Du immer noch derselbe – durch die Kraft Deines Namens
      Allmächtiger Gott. Allmächtiger Gott - Herr, wir wollen Dich lieben  in der Höhe – Allmächtiger Gott

      Durch deine Liebe – und durch den Widder – hast Du Abrahams Sohn gerettet
      Durch die Macht Deiner Hand – verwandelt sich das Meer in trockenes Land

      Den Ausgestoßenen auf ihren Knien - warst Du der Gott, der sie wirklich sieht
      Und durch Deine Macht – bringst Du Deinen Kindern die Freiheit Chor

      El Schaddai
      [Allmächtiger Gott] - Chor: el Schaddai - Herr Gott in der Höhe
      Durch alle Zeiten – bist Du immer noch derselbe – durch die Kraft Deines Namens
      Allmächtiger Gott. Allmächtiger Gott - Herr, wir wollen Dich lieben  in der Höhe – Allmächtiger Gott

      Im Laufe der Jahre wurde es klar – die Zeit des Erlösers war nun nah
      Obwohl Menschen  nicht sehen konnten – wer der Messias sein sollte
      Obwohl Dein Wort diesen Plan enthielt – konnten sie es nicht verstehen
      Die Rettung wurde vollzogen – durch die Schwachheit Deines Sohnes

      El Schaddai [Allmächtiger Gott] - Chor: el Schaddai - Herr Gott in der Höhe
      Durch alle Zeiten – bist Du immer noch derselbe – durch die Kraft Deines Namens
      Allmächtiger Gott. Allmächtiger Gott - Herr, wir wollen Dich lieben  in der Höhe – Allmächtiger Gott

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   Papst Franziskus wird im September bei seiner Reise in die USA Washington, New York und Philadelphia besuchen und ein Grußwort an die beiden Kammern der US-Regierung richten und am Welttreffen der Familien teilnehmen. Gegenüber den Reportern beim Rückflug seiner zweiten Asienreise sprach Franziskus von seinem Wunsch, seine Heimat Argentinien zu besuchen, wohl aber erst zum Ende des Jahres, wenn die Präsidenten-Wahlen abgeschlossen sind, um sich nicht in das politische Tagesgeschäft einzumischen. Schon 2013 hatte Papst Franziskus  - kurz nach seiner Wahl zum Papst – Brasilien zum Weltjugendtag besucht. Der Abschlussgottesdienst an der Copacabana mit drei Millionen Jugendlichen.  CH150115CNN

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USA: Kongress ändert vor Papstrede die Hausordnung
Wegen großen erwarteten Andrangs: Kongress ändert Hausordnung

   Wegen heiß begehrter Zuhörerplätze bei der Rede von Papst Franziskus im US-Kongress haben die Abgeordneten in einem ungewöhnlichen Schritt die Regeln für den Zutritt geändert. Mit dem Beschluss vom Dienstag (Ortszeit) verlieren ehemalige Kongressmitglieder ihr Privileg, auch nach ihrem Ausscheiden jederzeit den Plenarsaal betreten zu dürfen. Angesichts des starken Interesses an der Rede des Papstes am 24. September reduzierte das Repräsentantenhaus die 17 Kategorien von Personen, die bislang ein Zutrittsrecht hatten, auf 11. Noch offen ist, ob Barack Obama bei dem historischen Auftritt des Papstes persönlich zugegen sein wird. US-Präsidenten kommen in der Regel nur zur jährlichen Rede zur Lage der Nation ins Plenum.  Rv150729gs

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US-Expertin: Bedeutung des Katholizismus in den USA wächst
Foto: Republikaner präsentieren Präsidentschaftskandidaten

   Die Republikaner stehen in Amerika für eine konservative Haltung. Religiöse Moral spielt in der US-amerikanischen Politik eine große Rolle.
   Die Bedeutung des Katholizismus nimmt nach Einschätzung der Amerikanistik-Professorin Sabine Sielke in den USA zu. Grund dafür ist eine veränderte Bevölkerungsstruktur und ein hoher Anteil an Lateinamerikanern. Insgesamt sei die Verbindung von Religion und Politik in den USA deutlich stärker ausgeprägt als in Europa, sagte sie dem Domradio. Auch bei der ersten TV-Debatte der Republikaner im Vorwahlkampf habe sich die Bedeutung der Religion auf vielen Ebenen gezeigt. Etwa dadurch, dass einige der Kandidaten Positionen aus dem religiös konservativen Spektrum der Republikaner verträten. Ihre Haltung beim Thema gleichgeschlechtliche Ehe oder Abtreibung seien konservativ und stünden auch in Verbindung mit einer religiösen Moral. Gleichzeitig forderte die Expertin, den Blick beim Thema Religion nicht nur auf die Republikaner zu wenden. Die Demokraten seien genauso wichtig und fest in Glaubensfragen. Rv150808cz 

Religionen in den USA (Mitglieder in Millionen)

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Traditionsgemeinden verlieren Gläubige

   In den Vereinigten Staaten haben die traditionellen protestantischen Kirchen etwa der Lutheraner, Methodisten oder Presbyterianer im vorigen Jahr weiter Gläubige verloren. Die spirituellen Pfingstlergemeinden und die Mormonen hingegen verzeichnen Zuwachs. Zu diesem Befund kommt das in Washington vorgestellte Jahrbuch amerikanischer und kanadischer Kirchen", das seit acht Jahrzehnten die religiöse Entwicklung in Nordamerika beschreibt. Amerikaner, die jünger als 30 Jahre seien, hätten „beträchtlich weniger kirchliche Bindung" als frühere Generationen. Am stärksten war der Rückgang 2011 mit knapp sechs Prozent bei der rund 4,28 Millionen Mitglieder zählenden Evangelischen Lutherischen Kirche in Amerika (Elka), der größten lutherischen Kirche in den Vereinigten Staaten. Dutzende konservative Gemeinden hatten sich 2011 von der nach ihrer Ansicht zu liberalen Elka getrennt. Die Zahl der Katholiken blieb 2011 gegenüber dem Vorjahr mit 68,5 Millionen stabil. Die römisch-katholische Kirche bleibt mit Abstand die größte Einzelkirche in den Vereinigten Staaten. Die größte protestantische Gemeinde ist der konservative Südliche Baptistenverband mit mehr als 16 Millionen Mitgliedern. Fast um vier Prozent vergrößerte sich die pfingstkirchliche Gemeinschaft „Assemblies of God", der rund drei Millionen Christen angehören. Die mormonische  „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" zählt in Amerika mehr als sechs Millionen Mitglieder. Wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise gingen die Einnahmen der Kirchen 2011 um 1,2 Milliarden Dollar auf knapp 29 Milliarden Dollar zurück. FAZ120322rüb

90 Prozent der Amerikaner sind gläubig

   Die USA gelten als die gläubigste der Demokratien weltweit. Die meisten Amerikaner sehen ihr Land sogar als “God’s own country”.In der Verfassung ist nicht nur die strikte Trennung von Staat und Kirche, sondern auch die Glaubensfreiheit verbrieft. Thomas Jefferson, einer der Gründungsväter Amerikas, urteilte, dass sich die Glaubensfreiheit als das effizienteste Mittel gegen den Streit unter den Religionen” erwiesen habe. Sie war nicht zuletzt eine Konsequenz aus der Tatsache, dass sich die Völker Europas unter dem Diktat von Staatsreligionen immer wieder in blutige Glaubenskriege verstrickt hatten.
   Insgesamt glauben 90 Prozent der Amerikaner an Gott und 80 Prozent an die Auferstehung. In Deutschland hingegen halten sich nur 47 Prozent (alte Länder) bzw. 32 Prozent (neue Länder) für religiös; für 14 Prozent ist die Auferstehung eine Gewissheit, weitere 15 Prozent halten sie für möglich.
   Von den gut 27 Millionen deutschen Katholiken nehmen rund 20 Prozent regelmäßig an der Sonntagsmesse teil, und von den ebenfalls etwa 27 Millionen Protestanten besuchen lediglich fünf Prozent sonntags den Gottesdienst. Anders in den USA: 48 Prozent der Katholiken besuchen wenigstens einmal pro Woche die Messe. Von den Baptisten gehen 50 Prozent, von den Methodisten 49 Prozent und von den Lutheranern 43 Prozent wöchentlich in den Gottesdienst. hanHA030213Bundeszentrale für politische Bildung
  
Die Katholiken haben nur 20 Prozent Anteil an der Bevölkerung, aber 30 Prozent aller Kongressabgeordneten sind katholisch. 40 Prozent aller Gouverneure der 50 Staaten sind katholisch. rv080901wh

Weniger Protestanten, mehr Katholiken im neuen Kongress der USA

   Der amtierende US-Kongress hat am 6. Januar 2009 seine Arbeit aufgenommen. In seiner Zusammensetzung ist er ein Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft, zeigt, dass diese in religiöser Hinsicht im Wandel ist. Er ist, wie die ganze Nation, heute weit weniger protestantisch geprägt als noch vor einem halben Jahrhundert. Im neuen Kongress, dem 111. seit Gründung der USA, erreicht der Anteil der Protestanten mit 54,7 Prozent seinen niedrigsten Stand. Noch Anfang der 1960er Jahre waren knapp 75 Prozent in der Volksvertretung die Norm. Die Entwicklung entspricht den Veränderungen in der US-Bevölkerung. Noch 1980 bezeichneten sich zwei Drittel der Amerikaner als protestantisch; heute sind es dem unabhängigen „Pew Forum on Religion" in Washington zufolge noch 51,3 Prozent.
   Stark an Boden haben im Parlament auch die Methodisten verloren. Anfang der 1960er Jahre stellten sie noch jeden fünften Kongressabgeordneten, heute ist es nur noch jeder Zehnte. Ebenfalls gesunken ist der Anteil der Episkopalen, also der US-Anglikaner - einer Gruppe, die in Nordamerika ohnehin durch Spaltungen und innere Veränderungsprozesse gekennzeichnet ist.
   Größte Gewinner unter den religiösen Gruppen im Kongress sind die Katholiken. Ihr Anteil wuchs in den vergangenen fünf Jahrzehnten stark an. Seit den 1960er Jahren, als der erste und bislang einzige katholische Präsident John E. Kennedy in der US-Politik Pionierarbeit leistete, stieg ihr Anteil von knapp 19 auf heute 30,1 Prozent - ein Rekord. Die Katholiken sind damit im neuen Kongress stärker vertreten als in der Gesamtbevölkerung, in der sie mit rund 70 Millionen Mitgliedern knapp ein Viertel ausmachen. Auch Abgeordnete jüdischen Glaubens sind im neuen Kongress stärker vertreten als bisher. Ihr Anteil stieg von einst 2 auf heute 8,4 Prozent an. Damit sind auch sie im Parlament deutlich stärker vertreten als in der Gesamtbevölkerung, in der sie einen Anteil von 1,7 Prozent haben. Besonders hoch ist der Anteil von Juden im US-Senat, wo sie 13 Prozent der Senatoren stellen. Prominentestes Mitglied ist Joe Lieberman, der im Jahr 2000 gemeinsam mit Al Gore für das Weiße Haus kandidierte.
   Anders als bei den Katholiken und Juden verhält es sich bei den Baptisten. Sie sind seit Jahrzehnten konstant mit rund zwölf Prozent der Abgeordneten vertreten - obwohl knapp 20 Prozent der US-Bürger Mitglied einer Baptisten- Kirche sind. Unterrepräsentiert sind im hohen Haus in Washington, gemessen an der Bevölkerungsstatistik, auch Buddhisten, Muslime und Hindus. Jeweils knapp 0,7 Prozent der US-Bevölkerung bezeichnen sich als Muslime und Buddhisten - im Kongress stellen beide Gruppen je 0,4 Prozent.
  Seit März 2008 sitzen im Kongress immerhin zwei afroamerikanische Muslime, darunter der Konvertit Keith Ellison. Er sorgte für Wirbel, als er darauf bestand, seinen Amtseid auf den Koran statt auf die Bibel zu schwören. Nur fünf Abgeordnete des neuen Parlaments, also lediglich rund ein Prozent, gab laut einer jüngsten Erhebung des „Pew Forum" an, keiner bestimmten religiösen Gruppe anzugehören. Im Vergleich dazu bezeichneten sich bei einer breit angelegten Umfrage im vergangenen Frühjahr rund 16 Prozent der befragten US-Bürger nicht als Mitglied einer bestimmten Glaubensrichtung.  DTAdrienneWoltersdorf090103 --Die katholische Kirche in den USA wächst. Nach dem soeben veröffentlichten statistischen Jahrbuch ist die Zahl der Mitglieder in der katholischen Kirche in den USA im letzten Jahr um eine Million gestiegen auf jetzt 68,1 Millionen. Das entspricht einem Anteil von 22 Prozent der Bevölkerung. DT

US-Kongress: Jeder zehnte ist Jesuitenschüler

   Jedes zehnte Glied im neuen US-Kongress ist Absolvent einer Jesuitenschule. Zugleich ist die Zahl der Katholiken im 113. Kongress höher als je zuvor, wie Catholic News Service meldete. Das bisherige Allzeithoch hatten Katholiken im 111. Congress (2009-2010) mit 161 Abgeordneten. Nach Angaben der „Association of Jesuit Colleges and versities" haben elf von 100 Senatoren und 41 der 435 Abgeordneten im Repräsentantenhaus eine Bildungseinrichtung des Jesuitenordens besucht. Allein von Georgetown University fanden sich 12 Kongressabgeordnete wieder, gefolgt von Alumni Boston College mit sieben und Absolventen der Fordham University mit fünf. Zu ihnen gehört Senatorin Mazie Hirono, die zugleich die erste Buddhistin im Senat ist. Ebenfalls Absolvent einer Jesuiten-Universität ist der republikanische Senator Hakeem Jeffries, ein Baptist. Hirono und Jeffries haben akademische Abschlüsse der von Jesuiten geleiteten Univerversität Georgetown. Die Katholiken bilden seit den späten 60er Jahren die größte konfesssionelle Gruppe im Kongress. Ihr Anteil liegt derzeit bei rund 30 Prozent; alle protestantischen Gemeinschaften zusammen kommen auf 56 Prozent. DT131001kna

Kirchliche Krankenhäuser in den USA

  Kirchliche Krankenhäuser sind effektiver und bieten eine bessere Versorgung als private und öffentliche Ein- richtungen an. Das geht aus einer Studie der Nachrichtenagentur Thomson Reuters hervor. Dafür wurden 255 Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten u.a. auf Faktoren wie die Sterblichkeitsrate, medizinische Komplika- tionen oder Sicherheit untersucht. „Es scheint, dass die Leiter von kirchlich geführten Einrichtungen sich stärker für Qualität einsetzen“, heißt es in der Studie. – Laut Bischofskonferenz der USA befinden sich 624 Krankenhäuser und 499 Pflegeeinrichtungen in den USA in Trägerschaft der katholischen Kirche. RVapic100821pm

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Zahl der Priesterweihen in den USA gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent gestiegen
Foto: Priesterweihe in der Co-Kathedrale von St. Joseph in Brooklyn (New York) im Juni 2014

   In diesem Jahr werden fast 600 US-Amerikaner die Priesterweihe erhalten. Das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent. Nach einer Information der Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten von Amerika stehen 595 Diakone bereit zum Empfang der Priesterweihe. 2014 wurden in den USA nach Auskunft der CARA der Georgetown University 477 Priester geweiht. Das Durchschnittsalter der Weihekandidaten ist 34 Jahre. 25 Prozent dieser Diakone sind außerhalb der USA geboren, vorrangig in Nigeria, Polen, Vietnam, Kolumbien, Mexiko und auf den Philippinen. Während die große Mehrheit der Kandidaten von Geburt an katholische getauft waren, empfingen 41 der zukünftigen Priester als Erwachsene die Taufe. Bei 84 Prozent der Diakone sind beide Eltern katholisch; 37 Prozent wurden von Welt oder Ordenspriestern begleitet. 70 Prozent der Weihekandidaten beteten schon vor dem Eintritt ins Priesterseminar den Rosenkranz und pflegten die eucharistische Anbetung. CH150409

Die Zahl der Katholiken in den USA ist von 23,9 Prozent (2007) auf 20,8 Prozent (2014) gefallen

   Zum ersten Mal übersteigt der Anteil von “Nichtreligiösen” die Mitglieder der katholischen Kirche in den USA. Nach dem Pew Research Centre bezeichnen sich in der letzten Meinungsumfrage 6.7 Prozent konfessionslos (Agnostiker, Atheisten und “ohne religiöseses Bekenntnis”).  Diese Gruppe stieg von 16,1 Prozent (2007) auf 22,8 Prozent (2014).
   Zur Zeit bekennen sich 51 US-Amerikaner zur katholischen Kirche, 2007 waren es noch 54 Millionen. Die unabhängigen Meinungsforscher in Washington DC halten diese Entwicklung deswegen für bemerkenswert, weil der katholische Bevölkerungsanteil in den USA für lange Zeit relativ stabil war, während der protestantische Bevölkerungsanteil schon seit Jahrzenten rückläufig war. Die aus der Reformation hervorgegangenen Konfessionen fielen von 51,3 Prozent (2007) auf jetzt 46,5 Prozent (2014), wobei die Evangelikalen, die in dieser Zahl enthalten sind, nur 0,9 Prozent zurückfielen.
   Die jüdische Bevölkerung stieg in dieser Zeit von 1,7 auf 1,9 Prozent in den USA. Muslime erhöhten ihren Anteil um 0,5 Prozent, Hindus um 0,3 Prozent; beide Religionen erreichen in den USA zusammen 1,6 Prozent der Bevölkerung.
   US-Amerikaner sind mehr als früher bereit, über die Religionsgrenzen hinaus zu heiraten. Der Anteil der religionsverschiedenen Ehen liegt seit 2010 bei 39 Prozent, gegenüber nur 19 Prozent vor dem Jahr 1960.
Die Umfrage zeigt auch, dass für die religiöse Bindung das Alter eine Rolle spielt. Das Durchschnittsalter der Konfessionslosen ist von 38 auf 36 gefallen, während das Durchschnittsalter der Katholiken von 45 auf 49 Jahre angestiegen ist.
   Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika wuchs von 227 Millionen (2007) auf 245 Millionen (2014). Der Anteil der Christen – aller Konfessionen – ging von 78 auf 71 Prozent zurück, das entspricht einem Verlust von etwa fünf Millionen.
   Unter Berücksichtigung der Irrtumstoleranz bei einer so umfassenden Umfrage liegt der Rückgang der Christen in den letzten sieben Jahren zwischen 2,8 und 7,8 Millionen US-Amerikanern. 35.071 Antworten hat das unabhängige Institut zwischen Juni und September 2014 zusammengetragen.  CH150512DavidVBarrett

Mehr Konfessionslose in Amerika - Studie: Protestanten erstmals nicht in der Mehrheit

   Erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten stellen Protestanten nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Studie des Washingtoner „Pew Research Centers" zur Rolle der Religion im öffentlichen Leben, die alle fünf Jahre erstellt wird. Danach bezeichnen sich nur noch 48 Prozent der Erwachsenen als Protestanten; vor fünf Jahren waren es noch 53 Prozent. Der Anteil derer, die sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig fühlen, stieg in den vergangenen fünf Jahren von gut 15 auf knapp 20 Prozent; im Jahr 1990 waren es nur etwa acht Prozent. Bei jungen Menschen unter 30 Jahren ist die Zahl der Konfessionslosen mit knapp 30 Prozent besonders hoch. „Junge Erwachsene sehen sich heute viel eher als religiös ungebunden, als das bei früheren Generationen in gleichen Lebensphasen der Fall war", heißt es in der es in der Studie.
   Obschon die lebenslange Bindung an eine bestimmte Religionsgemeinschaft schwächer wird, bekennen sich noch immer 79 Prozent der Amerikaner zu einer traditionellen Konfession. Sogar unter der Gruppe der Konfessionslosen sagen mehr als zwei Drittel, dass sie an Gott glauben. 58 Prozent der Amerikaner sagen, die Religion spiele in ihrem Leben eine sehr große Rolle; dieser Anteil ist doppelt so hoch wie in den meisten europäischen Ländern.
   Die größte Einzelkonfession in den Vereinigten Staaten ist nach wie vor die katholische Kirche, zu der sich 21 Prozent der Erwachsenen bekennen. Unter den Protestanten haben sowohl konservative evangelikale als auch die liberalen Kirchen leicht verloren, während die katholische Kirche durch den Zuwachs der Latinos die Anzahl der Gläubigen halten konnte.
   Die schwindende Dominanz protestantischer Glaubensgemeinschaften in der amerikanischen Gesellschaft lässt sich auch daran ablesen, dass die republikanische Partei erstmals keinen Protestanten in das Rennen um die höchsten politischen Ämter schickt: Mitt Romney ist Mormone, Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan ist Katholik. Auch Vizepräsident Joseph Biden ist katholisch, während Präsident Barack Obama verschiedene protestantische Kirchen besucht, ohne sich fest zu einer bestimmten Glaubensgemeinschaft zu bekennen. Unter den neun Richtern des Obersten Gerichts ist kein einziger Protestant: Sechs der Richterinnen und Richter sind katholisch, drei sind Juden.
   Der Anstieg der Anzahl jener, die sich zu keiner bestimmten Glaubensgemeinschaft bekennen, auf knapp ein Fünftel der Gesamtbevölkerung, sei „ein Meilenstein in einer langfristigen Entwicklung", sagte der Hauptautor der Studie Greg Smith. Was Menschen glaubten und welcher Religionsgemeinschaft sie zugehörten, spiele nach wie vor eine wichtige Rolle bei der Herausbildung ihrer Weltanschauung, ihrer politischen Ansichten und ihrer Präferenz bei Wahlen. Während bei Protestanten der Anteil der Wähler der Republikaner mit 50 Prozent um acht Prozentpunkte höher liegt als der Wähler der Demokraten, haben bei den religiös Ungebundenen die Demokraten mit 63 Prozent gegenüber den Republikanern mit 26 Prozent einen deutlichen Vorsprung. Unter Katholiken entscheiden sich 47 Prozent für die Demokraten, 44 Prozent für die Republikaner. FAZ121010rüb

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Religion wird wichtiger Aspekt des Wahlkampfs in den USA
Kandidaten präsidieren sich: Auftakt der Auswahl bei den Republikanern
Foto: Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten der USA

   Im November 2016 wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Barack Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten, das Feld ist also weit offen. Bereits jetzt nimmt der Vorwahlkampf in den USA Fahrt auf, und in ersten Fernsehduellen versuchen mögliche Kandidaten der Republikaner und Demokraten, sich in Stellung zu bringen. Religiöse Grundhaltungen werden, das zeigt sich schon jetzt, ein wichtiger Aspekt im Wahlkampf sein. Potenzielle Kandidaten wie Scott Walker oder Ted Cruz positionieren sich z.B. durch klare Aussagen gegen eine Ehe gleichgeschlechtlicher Partner. Andere Bewerber, wie Mike Huckabee, weisen auf ihre Vergangenheit als Prediger hin. Amerikanistik-Professorin Sabine Sielke von der Universität Bonn bestätigt  dies gegenüber dem Domradio: „Die besondere Bedeutung religiöser Praxis für die Politik ist aus der Geschichte der amerikanischen Kultur zu verstehen. Die europäischen Auswanderer, die sich anfangs des 17. Jahrhunderts im Osten Nordeuropas ansiedelten, waren ja Puritaner, die ihren Glauben in England und Holland nicht leben konnten und die religiös verfolgt wurden. Deren religiöse Überzeugungen haben die amerikanische Politik nachhaltig geprägt und zu dem geführt, was wir heute als Zivilreligion beschreiben."
   Mit dem Begriff der Zivilreligion ist gemeint, dass Kirche und Staat - in den USA wie auch in den meisten europäischen Staaten - strikt voneinander getrennt sind, Religion aber im Kontext von Politik, Parteien und zivilgesellschaftlichen Strukturen eine große Relevanz hat. Sabine Sielke:
   „Wir sehen es zum Beispiel darin, dass in „god we trust“, also „wir vertrauen auf Gott", das nationale Motto der USA ist, das auf Geldscheine und Münzen gedruckt wird, oder darin dass religiöse Rhetorik die Reden amerikanischer Präsidenten schon immer gekennzeichnet hat."
   Professorin Sielke sagt ferner, dass die religiösen Grundüberzeugungen von Bewerbern für den einzelnen Wähler eine nicht unerhebliche Rolle spielen kann: „Ich glaube für manche Wähler ist die Konfession eines Kandidaten sicher von Bedeutung. Dass Romney kein Christ war und sein Vize Paul Ryan ein Katholik, wird ihm Wählerstimmen gekostet haben. Auch demokratische Präsidenten müssen sich immer wieder erklären: Kennedy war Katholik und hat das thematisiert." 
   Ob die religiösen Positionierungen am Ende wahlentscheidend werden, sei dennoch fraglich.  „Was jetzt von Bedeutung ist, ist in den USA eine Veränderung der Bevölkerungsstruktur. Latinos und viele andere Einwohner sind sehr religiös, oftmals auch Katholiken. Die Bedeutung des Katholizismus in den USA wächst. Religiös sind letztendlich auch immer schon die Afroamerikaner gewesen. Das sind wichtige Momente in dieser ganzen Debatte, um die Wahl und um die Bedeutung von Religionen in den USA heutzutage“.  rv150810mch

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Fotos:  Die protestantische “MegaKirche” in Californien USA, bekannt von zahlreichen TV-Sendern, ist von der katholischen Diözese Orange übernommen und wird in diesem Jahr zur Kathedrale in Los Angeles umgebaut.

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Jahrbuch: Amerikanische und kanadische Kirchen
   Die Zahl der Katholiken in den USA wächst langsam weiter. Wie der Nationale Kirchenrat (NCCCUSA) mitteilte, müssen die traditionellen protestantischen Konfessionen dagegen anhaltende Rückgänge hinnehmen. Eine Ausnahme bildet dabei allerdings die protestantische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, die mit 1,043,606 erwachsen getauften Mitgliedern einen Zuwachs von 4,31 Prozent verzeichnet. Laut dem soeben veröffentlichten “Jahrbuch 2011 der Amerikanischen und Kanadischen Kirchen” stabilisieren sich damit die Trends der Vorjahre: Wachsende Gemeinden wachsen weiter, tendenziell schrumpfende dagegen schrumpfen weiter.
   Wie dem statistischen Jahrbuch zu entnehmen ist, liegt die Gesamtzahl der von den kirchlichen Gemeinschaften gemeldeten Christen in den USA bei 145,8 Millionen; das ist ein Minus von 1,05 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
   Die römisch-katholische Kirche als landesweit größte Einzelkonfession hat demnach 68,5 Millionen Mitglieder, knapp 0,6 Prozent mehr als 2010. Sie profitiert vor allem vom Zuzug spanischsprachiger Einwanderer aus Lateinamerika.
   Die Southern Baptist Convention, als zweitgrößte Kirche über Jahrzehnte Garant für Wachstum, verzeichnet dagegen mit 16,1 Millionen Mitgliedern im dritten Jahr in Folge einen Verlust, und zwar von 0,4 Prozent.
   Die Vereinigten Methodisten (United Methodist Church) folgt laut Statistik mit knapp 7,8 Millionen Mitgliedern und einem Verlust von 1 Prozent.   Die   Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) legt dagegen mit 6,06 Millionen Mitgliedern 1,4 Prozent zu. Die Evangelisch-Lutherischen Christen in Amerika (ELCA) liegt auf Platz 7 mit 4,54 Millionen Mitgliedern (minus 2 Prozent), die Presbyterianer auf Platz 10 mit 2,8 Millionen (minus 2,6 Prozent) und die Episkopalkirche (Anglikaner) auf Platz 14 mit 2 Millionen Mitgliedern (minus 2,5 Prozent).
   Den größten Zuwachs unter den 20 größten christlichen Gemeinschaften verzeichnen laut Jahrbuch die Zeugen Jehovas auf Rang 20 mit 1,16 Millionen Mitgliedern (plus 4,4 Prozent). New York, N.Y./USA /APD

In Amerika spielt Religion eine wichtige Rolle

  Während in Europa christliche Werte aggressiv in Frage gestellt werden - man denke nur an die Weigerung der europäischen Regierungen das Wort “Gott” auch nur in die Präambel der Europäischen Verfassung aufzunehmen, wird die amerikanische Weltsicht entscheidend von Religion geprägt.
  “Amerikaner nehmen biblische und religiöse Argumente sehr ernst”, sagt der britische Dozent Philipp Jenkins, der Geschichte und Religion in den USA lehrt. In Amerika wirke die religiöse Inbrunst in den Ansprachen von Präsident George W. Bush keineswegs verstörend. “Aber in Europa glauben sie, er sei ein religiöser Trottel.” Die Bibel ist fester Bestandteil des täglichen Lebens. So lesen 57 Prozent der über 60-jährigen Amerikaner täglich im Buch der Bücher, bei den 18-49-Jährigen sind es noch 23 Prozent. “Das kirchliche Engagement wird in den USA viel positiver bewertet als in Deutschland”, erzählt Ulrich Wolf-Barnett, Pastor der deutschen evangelischen Gemeinde in Washington. In ganzen Landstrichen gilt das Wort Gottes an allererster Stelle, etwa im berühmten “Bibelgürtel”, der sich von den Südstaaten wie Tennessee, Alabama und Mississippi bis weit in den Mittelwesten der Great Plains erstreckt. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die so genannte “Religiöse Rechte”, eine große Vereinigung konservativer religiöser Gruppen, Präsidentschafts- und Parlamentswahlen entscheiden kann.
   “Die Entwicklung in den USA befremdet uns Europäer wohl deswegen, weil sich die Gewichte der bekundeten Religosität nach rechts verschoben haben”, erläutert Rainer Prätorius, Professor an der Universität der Bundeswehr in Hamburg und Autor des Buches “In God We Trust”. “Vor allem die Evangelikalen üben einen starken Einfluss auf die Republikanische Partei aus.” Nach Prätorius ist die enorme Bedeutung der Religion im öffentlichen Leben der USA nur im historischen Kontext zu verstehen: “Man muss wissen, dass die USA von religiösen Abweichlern und Flüchtlingen unter dem Gedanken der Religionsfreiheit gegründet wurden.” Die USA, gegründet von Leuten mit starken Glaubensgrundsätzen, hätten sich immer als Refugium für Gläubige empfunden - als neues Jerusalem, wo es noch am ehesten möglich ist, ein gottgerechtes Leben zu führen. Das führe Gläubige oft zu dem Trugschluss, dass Amerika auch die gottgerechte Nation ist und eine besondere Rolle in Gottes Heilsplan spielt. “Dies kann Ignoranz gegenüber anderen Kulturen zur Folge haben.” Angesichts der kritischen Betrachtung der amerikanischen Religiosität hierzulande unterstreicht der Professor, dass “die Gesellschaft Amerikas, das ja bis heute Einwanderungsland ist, eine enorme historische Integrationsleistung vollbracht hat. Es sind sehr viele Religionen eingewandert, für die Amerika eine Zuflucht war. Die Religion half den Menschen, sich in einer fremden Welt zurechtzufinden. Und das hat stark zu ihrer Bedeutung in der Gesellschaft beigetragen.”
cf.Th.Frankenfeld/CornelFalting,Hamburg/Washington:inHA031101

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Archäologen haben die Skelette in der ersten englischen Siedlung in Nordamerika identifiziert:
Es waren frühe Anführer der Kolonisten

    Fast jeder Amerikaner kennt Pocahontas, und auch außerhalb der Vereinigten Staaten ist die Indianer- Prinzessin vor allem als Walt-Disney-Figur bekannt. Doch vieles, was seit 400 Jahren aus der Gründungszeit der stolzen Nation über sie erzählt und im Film gezeigt wird, ist Legende. Die Tochter des Häuptlings Powhatan hat es allerdings gegeben, zu ihren Nachfahren zählt die ehemalige First Lady Nancy Reagan. Pocahontas heiratete 1614 den Engländer John Rolfe, gebar ihm den Sohn Thomas und starb drei Jahre später als Rebecca Rolfe unweit von London. Auch hat die Eingeborene zwischen den Indianern und den ersten 104 englischen Kolonisten vermittelt, die im April 1607 Nordamerika erreichten und auf einer Insel im James River im heutigen Virginia den Ort „James Cittie" gründeten. Der Auftrag ihres Königs James I.: den Spaniern Konkurrenz machen, eine Siedlung aufbauen, mit den Einheimischen Handel treiben und vor allem so viel Silber und Gold wie möglich nach England verschiffen.
   Zu den Legenden gehört auch, dass die ersten ausschließlich männlichen Siedler ein Haufen unbeholfener Gentlemen der englischen Oberschicht waren. Dafür spricht, dass bis Ende des ersten Jahrs 66 Kolonisten bereits tot waren. In den nächsten zwei Jahren kamen weitere Siedler, unter ihnen Frauen und Kinder, und wieder starben drei Viertel von ihnen binnen weniger Monate. Inzwischen weiß man, dass nicht die Unfähigkeit der hart arbeitenden Neuankömmlinge schuld an Tod und Verderben war, sondern dass die meisten von ihnen dahingerafft wurden durch Malaria und Typhus, durch Kämpfe mit den Indianern und durch eine verheerende Dürre, die schlimmste seit 800 Jahren, und in der Folge eine furchtbare Hungersnot.
   Seit 1994 wird in der alten Festung Jamestown gegraben. Tausende menschliche Knochen und eine halbe Million Artefakte wurden gefunden und untersucht. So entdeckten die Forscher, dass es Fälle von Kannibalismus unter den Siedlern gab. Das lässt nur einen Schluss zu, denn die Kolonisten waren streng gläubige Anglikaner, die als eine der ersten Handlungen im Jahr 1608 eine Kirche errichtet hatten.
   Genau diese Kirche, in der Pocahontas John Rolfe geheiratet hatte, war lange nicht zu finden. Erst vor drei Jahren stießen die Archäologen um William Kelso, den Leiter des Ausgrabungsprojekts „Jamestown Rediscovery", auf die Grundpfeiler des knapp 20 Meter langen und gut sieben Meter breiten Gotteshauses. Das allein war schon eine Sensation, doch nichts im Vergleich zu dem, was sich unter dem ehemaligen Altar fand: vier Gräber von vier der augenscheinlich prominentesten Kolonisten. Denn sie waren nicht irgendwo auf der Insel verscharrt worden, sondern ehrenvoll und an herausgehobener Stelle zur Ruhe gebettet worden.
   Sargnägel waren die ersten Funde, wie der Archäologe Dave Givens berichtet. Jeder einzelne von ihnen sei genau dokumentiert worden, um später nachvollziehen zu können, welche Form der ansonsten längst verrottete Holzsarg hatte. Dabei zeigte sich, dass zwei der Särge dem menschlichen Körper nachgeformt waren. Givens meint, dass die beiden Toten offenbar nach 1610 beerdigt wurden, nach der Ankunft von Thomas West, dem dritten Baron De La Warr. Der neue Governeur der Siedlung und spätere Namensgeber des Bundesstaates Delaware hatte die Neue Welt im Juni mit 150 Emigranten erreicht. Er baute die Entmutigten, die er vorfand und die wieder zurück nach England wollten, nicht nur auf, er brachte auch einen Sargmacher mit, der den beiden Verstorbenen, Verwandte Wests, die aufwendigen Kisten zimmerte. Auch der dritte Sarg war ausgefallen geformt, nämlich hexagonal. Das allein spräche schon dafür, meint Givens, dass es sich um eine höher gestellte Person handelte.
   Den ersten der vier Toten aber, dessen Skelett im nördlichsten und zugleich ältesten Grab gefunden wurde, hatten die Kolonisten nur in eine Decke gehüllt. Da sein Kopf nach Osten gebettet wurde, geht Kelso davon aus, dass es ein Geistlicher war. Für den Chef-Archäologen stand damit der Name früh fest: Es kann sich nur um Robert Hunt handeln, Vikar der Kirche Englands und Priester der Kolonie. Hunt, bei seinem Tod noch keine 40 Jahre alt, ge­hörte zu den ersten 104 Siedlern.
   Auch seine drei Schicksalsgenossen starben vor ihrem 40. Lebensjahr und zählen zu den frühen Anführern der Siedler. Neben dem Geistlichen Hunt fand Sir Ferdinando Wainman, ein Cousin von Thomas West, seine letzte Ruhe, gefolgt von Kapitän Gabriel Archer, der die Expedition damals leitete, und Kapitän William West, einem Onkel des damaligen Governeurs.

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Könnte eine Reliquie der Muttergottes in Amerikas erster Siedlung begraben sein? Foto: Jamestown, Virginia:

    In Archers Grab stießen die Archäologen zudem auf zwei Artefakte, was ungewöhnlich ist, denn Toten wurde gemeinhin nichts beigegeben. Die Spitze eines Speers, eine Art Hellebarde, weist ihn als Kapitän aus, die silberne Schatulle aber erstaunte die Archäologen: In dem sechseckigen Döschen, das sich nicht öffnen lässt, scheinen eine zerbrochene Ampulle aus Glas und menschliche Knochen zu sein. Offenbar ist es ein Reliquienbehälter, in der Ampulle könnte Weihwasser, Öl oder sogar Blut eines Heiligen gewesen sein.  Der Anglikaner Archer, Jahrgang 1575, hatte nach Angaben Kelsos womöglich noch eine Nähe zum Katholizismus wie seine Eltern, die dafür in England bestraft wurden. Warum der Behälter ein eingraviertes „M" zeigt, lässt sich noch nicht erklären. Unter dem Döschen, das auf den Sarg Archers gelegt worden war, entdeckten die Archäologen zudem die einzigen Reste von Holz. So konnte festgestellt werden, aus welchem Material der Sarg gefertigt war: Amerikanische Weiß-Eiche Quercus alba, die im Osten Nordamerikas weit verbreitet ist.
   Die Arbeiten in Jamestown sind längst noch nicht abgeschlossen. Wie Douglas Owsley, einer der führenden Anthropologen am Nationalmuseum für Naturgeschichte der Smithsonian Institution meint, werden viele Untersuchungen folgen. Er verspricht sich weitere Erkenntnis se von DNA-Tests und der Isotopenanalye. Die zeigte schon, dass die vier Toten aus der Kirche tatsächlich hartes Arbeiten nicht gewöhnt waren. Damit aber waren sie Ausnahmen unter den anderen früh verstorbenen Kolonisten, deren Knochen um die Kirche verteilt waren.
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Könnte eine Reliquie der Muttergottes in Amerikas erster Siedlung begraben sein? Foto: Jamestown, Virginia: Kreuze bezeichnen die Gräber der Leiter der frühen Siedler, unter ihnen auch  die Grabstelle von Kapitän Archer

    Ein in Jamestown aufgefundenes Reliquiar weist auf eine katholische Gründung Amerikas hin, was oft den Protestanten zugeschrieben wurde. Jamestown, Virginia, war die erste dauerhafte britische Siedlung in der Neuen Welt; heute ist hier eine Ausgrabungsstelle. Die Kolonisten, die zuerst nach Jamestown („James Fort“) gingen, kamen hier 1607 an und hatten einen fürchterlichen Start: der Konflikt mit den Ureinwohnern Amerikas, der unfachmännische Versuch, Nahrung anzubauen und die verheerenden Krankheiten, unter diesen wahrscheinlich die oft tödliche Malaria. 
   Heue ist Jamestown ein bekannter Ort der Geschichte, wo die Prinzessin Pocahontas John Rolfe heiratete. Diese romantische Geschichte war schon lange bekannt, noch bevor darüber ein Spielfilm gedreht wurde. Pocahontas selbst starb an einer europäischen Krankheit, gegen die sie nicht immune war, im Alter von 22 Jahren. Sie ist bestattet in Gravesend / England.
    In jenen Tagen war das Leben in der neuen Siedlung extrem hart. Die jüngsten Ausgrabungen in Jamestown haben vier Gräber freigelegt unter der Kanzel der Kirche, die als erster Platz für die Feier anglikanischer Gottesdienste in der Neuen Welt errichtet wurde. Die Washington Post hat ausführlich über diese Ausgrabungen berichtet. Dort wurde ein Reliquiar auf einem der Särge gefunden und ans Tageslicht gebracht. Dieses Kästchen gehörte Kapitän Gabriel Archer, der im Alter von 34 Jahren im Jahr 1609 gestorben ist. Dieses Reliquiar ist für uns deswegen ein Rätsel, weil un simmer gesagt wurde, dass die ersten Kolonisten Protestanten gewesen seien. Und in der Tat, Anglikaner lehnten die Reliquienverehrung strikt ab. Die Washington Post behauptet nun, dass wohl in der Frühzeit der Anglikaner einige von ihnen noch Reliquien besaßen. Doch die katholische Wochenzeitung Catholic Herald hält das für unwahrscheinlich, mehr noch für unmöglich, und widerspräche allem, was wir von der puritanischen, elisabethanischen und jakobinischen protestantischen Kirche wissen.
   War Kapitän Garbriel Archer also ein Katholik? (Seine Eltern waren “Recusanten”, die katholisch blieben und sich weigerten den staatlichen Befehlen zum Übertritt in protestantischen Gemeinden zu vollziehen. Unter der Königin Elizabeth I. wurden diese Recusanten zu Geldstrafen, Beschlagnahme des Eigentums, Gefängnis und der Todesstrafe verurteilt.)
   Interessant ist das Reliquiar: das Material ist nicht Silber von England, sondern vom europäischen Kontinent. Es könnte ein Erbteil der Famlie sein, das irgendwo auf dem Kontinent erworben und vor dem protestantischen Bildersturm gerettet wurde. Dem Kapitän war dieser verehrte Schatz der Familie so bedeutend, dass er das Reliquiar in das unbekannte neue Land mitnahm. Die Kolonisten legten es mit in seinen Sarg für seine letzte große Reise.
   Der Buchstab “M” auf dem silbernen Reliquiar ist für Katholiken ein Hinweis auf die Gottesmutter Maria. Es sind aber keine Partikeln von Gebeinen im Reliqiar – wie bei ungezählten Reliquien von Heiligen. Das ist der “Kern unseres Glaubens, an die Aufnahme Mariens: Wir glauben, dass Maria – wie ihr Sohn Jesus Christus – schon den Tod besiegt hat und schon in der himmlischen Glorie triumphiert, und zwar in der Ganzheit ihres Wesens, in Seele und Leib”. [Letzte Predigt zur Aufnahme Mariens in den Himmel von Papst Benedikt XVI. In Castel Gandolfo 15. 08. 2010].
    In dem Reliquiar befinden sich Reliquien, die mit die Kleidung der Gottesmutter assoziiert werden, außerdem ein Flakon (mit nicht mehr erkennbarem Inhalt) und möglicherweise später hinzugefügte Reliquien von unbekannten Heiligen. Es könnte also wahr sein: In der Gründung der ältesten Siedlung des Landes, das sich heute die USA nennt, hat jemand eine Reliquie der Jungfrau Maria begraben. Das würde den Gedanken an die oft behauptete protestantische Gründung und den Beginn der Aufklärung in Frage stellen. Das könnte bedeuten, dass unser Blick auf den Staat Virginia sich nicht so sehr auf die Königin und Junfgrau Viriginia richtet, sondern auf die Königin des Himmels, die Jungfrau Maria und Mutter des Herrn – “the Virgin Mary Land”. …

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Papst Franziskus im US-Fernsehen  -  Die USA erwarten den Papst: großes Papstbild in New York

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   Papst Franziskus hat dem US-amerikanischen Fernsehsender ABC in Vorbereitung auf seine Amerikareise ein Interview gegeben. Dabei hielt er eine Art virtuelle Audienz mit Publikum in drei unterschiedlichen amerikanischen Bundesstaaten, die er nicht bereisen wird. Die Sendung mit dem Titel „Papst Franziskus und die Menschen“ wurde in einer fünf Minuten langen Vorschau vorgestellt und soll am 10. September um 20:20 (US-Zeit) ausgestrahlt werden.
   In einer Live-Schaltung mit jesuitischen Studenten in Chicago, mit Freiwilligen in Los Angeles und mit einer Kirche in Texas an der Grenze zu Mexiko kam es zu dem beliebten Frage-Antwort-Spiel mit Papst Franziskus. Franziskus habe – so der Sender - in einer Botschaft an die amerikanische Bevölkerung seine Vorfreude auf die Amerika-Reise und auf das Treffen mit den Amerikanern selbst bekundet, die ihre eigene „Geschichte, Kultur, Tugenden, Freude und Trauer“ haben.
   Bei einigen Antworten fiel Papst Franziskus sogar ins Englische und fragte ein Mädchen, das an einer seltenen Hautkrankheit leidet und seine Freude in Musik gefunden hatte, ob sie nicht etwas singen könne. In der amerikanischen Übertragung spricht der Reporter von einem „noch nie dagewesenen Papst“, der „bescheiden lebt und die Regeln ändert, der meist gefolgte Twitterer, der auf Luxus verzichtet“ und der Antworten auf Fragen der Themen „Erziehung, Abtreibung und Migration“ gibt. Diese Energie werde er nach Amerika bringen, so der Reporter David Muir.

Catholic Herald, London berichtet über dieses TV-Gespräch mit Papst Franziskus:
Foto rechts:
Papst Franziskus spricht mit Valerie Herrera, der jungen Frau, die im Interview ein Lied für ihn gesungen hat. Eine junge Frau hat ein Lied für den Papst gesungen, nachdem sie vorher erzählt hatte, wie sie ein Mobbingopfer geworden war.
   Papst Franziskus hatte ein virtuelles Treffen mit Katholiken in Chicago, Los Angeles und McAllen, Texas, in Vorbereitung seiner Reise in die Vereinigten Staaten, wo er am 22. September eintreffen wird. ABC-News hatte die Audienz über Satellit arrangiert. Dieser US-Sender brachte einen Ausschnitt aus dem Programm vom 4. September mit dem Titel: “Papst Franziskus und die Menschen”.
   Der Papst sprach mit Studenten in der Jesuiten-Hochschule Christ König in Chicago, wohnungslosen Männer und Frauen, mit Helfern für die Obachlosen in Los Angeles und Mitgliedern der McAllen-Gemeinde an der Grenze nach Mexiko. “Wir hatten die Möglichkeit im Vatikan eine Stunde mit dem Papst zusammen zu sein, wo er uns bei seinen Vorbereitungen für die Amerika-Reise begrüßte”, sagte David Muir, der Ankermann der Abendnachrichten.
    “Franziskus sagte mir, dass er die Vorbereitungen abgeschlossen hat und gab uns einige Botschaften für das amerikanische Volk vor seiner historischen Reise. Es ist für mich sehr wichtig, euch alle zu treffen, die Bürger der USA, die ihre eigene Geschichte haben, ihre Kultur, ihre Tugenden, ihre Freuden, ihre Traurigkeit, ihre Probleme wie Menschen überall. Genau das ist es, warum meine Reise für mich so wichtig ist, ich möchte bei euch sein auf euren Wegen, in eurer Geschichte.” Der Reporter fügte hinzu: “Der Papst ergänzte noch: ‘Ich bete für euch alle und ich bitte euch sehr, um ein Gebet für mich.’ Franzuiskus hatte uns nerlaubt, ihn zu besuchen. So können wir ihn jetzt mit den Menschen in den anderen Teilen Amerikas verbinden, wo er nicht hinkommen kann”, sagte Muir. “Der Papst stellte Fragen und hörte die Sorgen der Menschen”.
   Während diese virtuellen Treffens weinte die 17jährige Studentin Valerie Herrera, als sie dem Papst berichtete, wie sie gemobbt wurde wegen ihrer Hautkrankheit, an der sie schon ihr ganzes Leben litt. Als sie sagte, sie fände Kraft in der Musik, bat Franziskus sie zu singen: “Ich möchte dich gern singen hören. Darf ich dich fragen, ein Lied für mich zu singen? Nur Mut!”  Die Studentin sang darauf ein spanisches Lied.
  “Heute war ein unvergesslicher Tag in der 20-jährigen Geschichte der Jesuitenhochschule Christus König”, heißt es in einem tweet der Schule nach dem Treffen. Chris Meyer, der Technologie-Direktor der Hochschule schrieb diesen Tweet: “Ein herrlicher Morgen in Christus König Chicago”, und wies auf die Rundfunkübertragung mit starken Geschichte am 4. September hin CH150901

Papst Franziskus lobt die Ordensschwestern und die Alleinerziehenden im US-amerikanischen Fernsehen.
   Der Papst nahm teil am Diskussionsprogramm “Twon Hall” des TV-Senders ABC. Über eine Stunde stellte der Anker-Nachrichtensprecher von ABC David Muir in Direktschaltung mit dem Vatikan dem Papst Fragen. Während der Sendung ermutigte Franziskus eine junge Frau, die wegen einer Hautkrankheit über Mobbing klagte. “Du hast die Kraft, das zu überwinden. Lass dich nicht einschüchtern. Gib nicht auf! Nichts ist schlimmer, als wen nein junger Mensch sich zurückzieht, bevor es an der Zeit ist.”
  Der Papst lobte eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und sagt ihr: “Ich weiß, es ist nicht leicht, eine alleinerziehende Mutter zu sein. Ich weiß, dass Menschen manchmal schief auf sie herabschaueh. Sie sind eine tapfere Frau, weil du fähig warst, diese zwei Töchter in die Welt zu bringen. Du hast das Leben, das du in dir getragen hast geachtet und Gott wird dir das vergelten. Sei nicht beschämt. Ich gratuliere dir.”
   Im Hinblick auf kürzliche Untersuchung der Frauenorden in den USA lobte der Papst die Ordensschwestern für ihre Arbeit. Er sagte einer Schwester: “Ich möchte dir danken… und durch dich allen Ordensschwestern in den Klöstern in den USA danken für das was ihr geleistet habt und auch für euren heutigen Einsatz. Ist es ungewohnt für den Papst, so zu reden? Ja, ich liebe euch alle sehr.”
   Ein junger wohnungsloser Mann frug Franziskus, warum seine Reise nach Amerika so wichtig sei für ihn. “Was für mich sehr wichtig ist, das ist die Nähe”, antwortete der Papst, “es ist für mich schwer, nicht nahe bei den Menschen zu sein. Wenn ich mich den Menschen nähere, wie ich es hier bei euch bin, ist es leichter für mich euch zu verstehen und euch auf dem Weg des Lebens zu begleiten. Darum ist mit diese Reise so wichtig für mich, damit ich nahe bei euch und eurer Geschichte bin.”
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Papst Franziskus: Weswegen ich in die USA reise
    „Ganz herzliche Grüße an die katholische Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten und alle Bürger des Landes. Das ist meine Botschaft: ein herzlicher Gruß“. Zwei Wochen bevor Papst Franziskus von Kuba her kommend das erste Mal in seinem Leben in die USA reist, hat er in einer Art virtuellen Audienz die Wirklichkeit vor Ort besser kennen lernen wollen, mit Menschen sprechen und seine Botschaft für das Land schon einmal äußern wollen. Verbunden war er im US-Fernsehsender ABC mit einer Schule für arme und ausgeschlossene Menschen in Chicago, mit einer Gruppe von Obdachlosen in Los Angeles und einer Pfarrei in der Nähe der mexikanischen Grenze.
   Von verschiedenen, vor allem jungen Menschen hörte er ihre Probleme, sprach ermutigend und ließ ein junges Mädchen singen, weil sie Trost in ihrer Musik findet.
   Warum er in die Vereinigten Staaten von Amerika komme, wurde er von einem obdachlosen Jungen gefragt. „Ich bin für den Dienst an allen Kirchen und allen Männern und Frauen guten Willens da. Das Wichtigste dabei ist für mich die Nähe. Es ist schwer für mich, den Menschen nicht nahe zu sein. Meistens gelingt es mir besser, die Menschen zu verstehen, wenn ich ihnen wie es mit euch sein wird direkt begegne, und dann kann ich ihnen auch besser auf dem Weg des Lebens helfen. Deswegen ist meine Reise so wichtig, um euch und eurem Weg und eurer Geschichte nahe zu sein.“
   Viel hörte der Papst über die Herausforderungen im nicht einfachen Leben der Menschen. Er wurde aber auch gefragt, was man den tun könne gegen all das Schwierige, gegen Vertreibung und Flucht, gegen das mangelhafte Bildungswesen und gegen die Armut. „Was tun? Die Welt muss sich bewusster werden, dass die Ausbeutung des einen durch den anderen kein Weg ist“, antwortete der Papst. „Wir sind alle geschaffen zu einer sozialen Freundschaft. Wir tragen alle Verantwortung für alle. Keiner kann sagen, ‚meine Verantwortung endet hier’. Wir sind alle verantwortlich für alles und müssen alle mit anpacken, so jeder kann.“ Die Bibel habe ein hässliches Wort für das, was der Grund für die ganzen Übel sei: Feindschaft. Bereits am Anfang, zwischen Kain und Abel, habe diese Feindschaft geherrscht, die „erste Ungerechtigkeit“.
   „Seitdem immer mehr Krieg und immer mehr Zerstörung. Seitdem immer mehr Hass. Wenn ich das in der Fußballsprache ausdrücken darf möchte ich das so sagen, hier treten in einem Spiel die soziale Freundschaft gegen die soziale Feindschaft an.“ Eine Wahl müsse jeder selber in seinem Herzen treffen so der Papst. Keine Rezepte, keine Zitate aus Laudato Si oder der katholischen Soziallehre, sondern eine Botschaft von Begegnung und der Entscheidung für einander, nicht gegeneinander, so einfach war das, was der Papst den zugeschalteten Menschen zu sagen hatte. „Ich bin sehr hoffnungsvoll, dass wir uns begegnen. Ich bete für euch, für das gesamte amerikanische Volk und ich bitte auch euch, für mich zu beten. Danke.“  Rv150905ord

         Der Papst besucht von 20. bis 23. September Kuba, am 23./24. September Washington, am 25. September New York und zum Abschluss am 26./27. September Philadelphia. Das dort stattfindende Welttreffen der Familien ist eigentlicher Anlass seiner Reise. Für Franziskus ist es in seinem zweieinhalb Jahre währenden Pontifikat bereits die dritte Visite auf dem amerikanischen Kontinent. 2013 hatte er Brasilien besucht, 2015 Ecuador, Bolivien und Paraguay. V150901no 

USA: Ansturm auf Tickets für Papst-Messe in Philadelphia     f-218-Zx

Einzug des Papstes: Darauf warten sehr viele US-Katholiken mit großer Vorfreude.
   10.000 kostenlose Tickets für die Papst-Messe in Philadelphia stellte die Erzdiözese der Stadt am Mittwoch online – und binnen 30 Sekunden waren sie vergriffen. Das teilte die Erzdiözese Philadelphia am gleichen Tag mit. Die für 27. September geplante Messe stellt den Abschluss des sechstägigen Weltfamilientreffens dar, zu dem zehntausende Familien und Delegationen der Weltkirche erwartet werden. Im Zentrum stehen dabei Fragen der Familienpastoral.  Geplant sind ein Kongress, etwa 75 Veranstaltungen in den großen Sprachen der Welt und ein Familien-Fest, zu dem eine Million Menschen kommen sollen. Hierbei ist auch der Papst anwesend. Neben Philadelphia wird Papst Franziskus bei seiner USA-Reise vom 22. bis 27. September auch Washington und New York besuchen. Davor besucht er Kuba. rv150910cz

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Papst-Prozession im New Yorker Central Park geplant  - Foto: Der Central Park in Manhattan, New York

   Papst Franziskus wird bei seinem USA-Besuch in seinem Papamobil eine Prozession durch den New Yorker Central Park machen. Zu dem Ereignis am 25. September werden mehrere  zehntausend Teilnehmer erwartet. Nach Angaben der amerikanischen Nachrichtenagentur „the christian post“ können nur Einwohner des Staates New York an einer Verlosung der Eintrittskarten teilnehmen. Bill de Blasio, Bürgermeister von New York City, freut sich, so mehreren New Yorkern die Chance zu geben, dem Papst persönlich zu begegnen. Die Informationen sind vom Vatikan noch nicht bestätigt worden.
   Bei seiner Visite in den Vereinigten Staaten wird Papst Franziskus Washington D.C., New York und im Rahmen des Welttreffens der Familien Philadelphia besuchen. Als zentral wird sein Besuch des Ground Zero und das Treffen mit den Angehörigen der Opfer angesehen. Zuvor verbringt er drei Tage in Kuba, wo unter anderem ein Treffen mit dem Präsidenten Raùl Castro vorgesehen ist. rv150903vs

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Papst spricht mit Jugendlichen aus Havanna und New York
Foto: Der Papst im Vatikan während der Aufzeichnung seiner Video-Botschaft.

   Eisbrecher aus Rom: Papst Franziskus will Kuba und die USA einander näher bringen. Dem dient nicht nur seine bisher längste Auslandsreise, die ihn ab diesem Samstag an die zwei genannten Ziele führt, sondern auch ein Frage-Antwort-Spiel mit Jugendlichen, das CNN an diesem Samstagmorgen ausgestrahlt hat. Franziskus antwortete dabei über Satelliten-Schaltung auf Fragen von Schülern aus New York und Havanna. Aufgezeichnet wurde das Ganze am Freitag, u.a. mit Hilfe von Radio Vatikan. Höhepunkt der Sendung war das symbolische Pflanzen eines Olivenbäumchens und das Vergraben eines Projektils; damit wurde symbolisch das Kriegsbeil zwischen Kuba und den USA begraben.
   Eine Schülerin aus der kubanischen Hauptstadt wollte vom Papst etwas über seine Haltung zum US-Embargo gegen Kuba wissen. Dieses Embargo wird nach fünfzig Jahren der Eiszeit zwischen den Regierungen beider Staaten jetzt gelockert, dazu hat Franziskus vor einem Jahr mit stiller Diplomatie beigetragen. „Halleluja – ich werde das Mögliche tun, alles, um das nicht zu vergessen! Brücken bauen und blockierte Situationen lockern, damit es Kommunikation gibt, damit aus Kommunikation Freundschaft wird! Eine der schönsten Sachen ist die soziale Freundschaft. Das ist es, was ich mir für euch wünsche: soziale Freundschaft!“
   Eine Schülerin aus New York sprach Franziskus auf das Thema Umweltschutz an. Der erwiderte: „Das ist etwas, womit man schon in der Kindheit und Jugend anfangen muss. Sich um die Umwelt kümmern. Die Umwelt gehört im Moment gewissermaßen zu den Ausgestoßenen, Vernachlässigten, sie schreit auf, damit wir ihr Aufmerksamkeit schenken. Und was kann man nun als Jugendlicher für die Umwelt tun? In erster Linie: registrieren, welche Umweltprobleme es in deinem Viertel, deiner Stadt, deinem Land gibt... Die Umwelt ist unser gemeinsames Haus. Ich habe mal einem Bekannten vor einiger Zeit gesagt: ‚Wir müssen Entscheidungen für die künftigen Generationen treffen.’ Und er antwortete: ‚Aber wenn das so weitergeht mit der Umwelt, wird es dann überhaupt noch kommende Generationen geben?’ Das Problem ist ernst – das muss man sich bewusst machen.“
   Zum Thema Schule und Ausbildung bekräftigte der Papst – ein früherer Lehrer –, dass Erziehung und Schulbesuch aus seiner Sicht Menschenrechte seien. „Ein Kind hat ein Recht darauf, geliebt zu werden. Ein Kind hat ein Menschenrecht auf Spielen. Ein Kind hat ein Recht darauf, zu lernen und zu lachen. Und es hat auch ein Recht auf Erziehung. Wir könnten so eine ganze Reihe von Rechten aufzählen; ich glaube, in der Welt gibt es im Moment eine Krise, was das Recht auf Schulbildung betrifft. Ist euch klar, wie viele Kinder im Moment keine Schule besuchen, weil in ihrem Land Krieg herrscht? Abertausende von Kindern! Das ist eine Herausforderung. Eine Herausforderung, die angegangen werden muss.“
   Dass Kinder ein „Menschenrecht auf Spielen“ haben, warf gleich eine weitere Frage auf – wie der Papst denn das gemeint habe? Der zog zur allgemeinen Überraschung ein kleines Projektil aus der Tasche und sagte: „Heute morgen habe ich eine Gruppe von Jugendlichen empfangen. Einer kam aus einem Kriegsland und hat mir das hier geschenkt. Es ist eines dieser Projektile, wie sie ständig auf seine Stadt herunterregnen, und die Kinder müssen alle zuhause eingeschlossen bleiben und können nicht zum Spielen rausgehen, damit sie überleben.“ In vielen Ländern der Welt könnten Kinder nicht spielen, weil sie arbeiten müssten oder auf der Straße lebten, so Franziskus weiter. Und er begrub symbolisch das Projektil, das man ihm geschenkt hatte.
   Zum Schluss sagte der Papst: „Habt keine Angst, habt keine Angst! Angst lähmt. Ihr müsst euch bewegen! Es gibt so viel zu tun. In euren Händen liegt die Zukunft.“ Sprach’s und packte – aber das war in der Sendung nicht mehr zu sehen – seinen Koffer für die Reise nach Kuba und in die USA. Rv150919sk

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Dialog, Wandel und Familie: Die Schwerpunkte der Papstreise
Foto: Papst Franziskus wird bei seiner USA-Reise auch US-Präsident Barack Obama treffen.

   Es wird die längste Reise, die Papst Franziskus bislang unternommen hat: zehn Tage lang besucht er nacheinander Havanna, Holguín und Santiago auf Kuba, dann Washington, New York und Philadelphia in den USA. Dazwischen liegt auch noch ein ausführlicher Besuch bei den Vereinten Nationen.
   Geboren wurde die Reise beim letzten Reiseziel: Vor einem Jahr hatte Papst Franziskus die Einladung des Bistums Philadelphia angenommen, zum Weltfamilientreffen zu kommen. Lange hatte er mit einer Antwort gewartet, die Einladung stand schon lange aus. Es hatte auch schon Weltfamilientreffen gegeben, die ohne Präsenz des Papstes stattfanden, 2009 in Mexiko etwa oder 2003 in Manila.
   Die Familie ist aber eines der wichtigsten Themen dieses Papstes, und da der Weltfamilientag vom Datum her sozusagen den Auftakt zur zweiten Versammlung der Bischofssynode zum Thema Familie bildet, war es nur logisch, dass der Papst anreist.
   Dann folgte eine Einladung des UNO Generalsekretärs Ban Ki-moon, dann eine Einladung von Präsident Barack Obama. Eine außergewöhnliche Einladung nahm der Papst an als er entschied, vor beiden Häusern des US- Kongresses zu sprechen, es wird das erste Mal sein, dass ein Papst vor einem Nationalparlament spricht, das weder sein Bistum Rom noch sein Heimatland vertritt.
   Wann genau Kuba mit auf die Reiseplanungen kam, werden in Zukunft Historiker herausfinden müssen. Aber seitdem im Oktober während der Bischofssynode der Vatikan in den Öffnungsprozess zwischen Kuba und den USA eintrat, schien die Möglichkeit offen. Fest stand die Reise schon im März, bekannt wurde sie erst viel später. Und so entstand langsam das lange, ausführliche und themenreiche Programm, das der Papst ab diesem Samstag absolvieren wird.  Die Fortsetzung dieses Berichtes finden Sie > Mittelamerika/Kuba  Rv150919PaterBerndHagenkord

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Katholizismus in den USA: The American Way

Eine Kirche bereitet sich vor: National Shrine, Washington DC
   Seit Wochen überschlagen sich die Medien in den USA: Statistiken und Umfragen, Analysen und Streitschriften, der Papst lässt die katholische Kirche im nächsten Land dieser Papstreise nicht unbewegt. Aber was genau ist das für eine Kirche? Eine, die Minderheit war. Eine, die im Augenblick immer spanischer wird, das ist bekannt. Um mehr zu erfahren, hat Radio Vatikan einen Experten befragt, Ferdinand Oertel, Autor eines Buches über den US- Katholizismus.
   Er berichtet zunächst von der Sonderstellung, welche die Katholiken in Staat und Gesellschaft immer hatten, man hat sie in den USA lange Zeit nicht wirklich akzeptiert. „Obwohl es Religionsfreiheit gab und die Trennung von Staat und Gesellschaft verfassungsmäßig gegeben war, wurden die Katholiken von Anfang an als nicht demokratiefähig angesehen, sie waren ja papsthörig,“ beschreibt Oertel die Ausgangsstellung. „Die Katholiken konnten vielfach keine staatlichen Ämter übernehmen, sie wurden auch politisch verfolgt und mussten praktisch in den Untergrund gehen, in dem sie eine eigene Subkultur aufgebaut haben, und zwar eine so starke, dass das bis heute nachwirkt.“
   Die Einwanderer des 18. und 19. Jahrhunderts aus katholischen Ländern wie Italien, Irland oder Polen haben rund um ihren Kirchturm Heimat gefunden, von Arbeitsbeschaffung über Schule bis zu den Gottesdiensten. Es entstand eine sehr starke Kirche, die sich vor allem lokal identifizierte, viel stärker, als das in Europa der Fall ist.
Es wird spanischer
   Viel von den Entwicklungen der letzten Jahrzehnte ist in Europa und den USA parallel verlaufen, etwa eine zunehmende Entfremdung der Gläubigen und ein Rückgang des Gottesdienstbesuches. Ähnlich ist auch der Generationswechsel, die Post-Konzilsgeneration wird älter. Aber da gibt es auch eigene Entwicklungen, erzählt Oertel, „denn aus dieser Einwandererkirche europäischer Weißer ist inzwischen eine vielfarbige Kirche geworden. 45 Prozent sind weißer Hautfarbe, 40 Prozent sind hispanischer Herkunft, und 15 Prozent sind Afroamerikaner und Asiaten, die man auch nicht unterschätzen darf und die ebenfalls neue Elemente in die Kirche an der Westküste bringen.“ Die offizielle Kirche hat aber spät auf diese Entwicklung reagiert, Institutionen für die Hispanics hat die Bischofskonferenz des Landes, die USCCB, verspätet eingeführt, so dass viele vor allem junge Gläubige ihren als direkter und privater empfundenen Glauben nun in anderen Glaubensgemeinschaften suchen. „In der katholischen Kirche ist denen alles zu streng reglementiert.“
   Statistiken hat es in der jüngeren Vergangenheit viele gegeben, auch in Vorbereitung auf den Papstbesuch. Nur vier Prozent, so berichtet Oertel aus diesen Untersuchungen, machen das aktive Gemeindeleben vor Ort aus, meistens eher ältere Semester.  Die Jüngeren gehörten nicht mehr zu diesen eng am Kirchturm lebenden Katholiken, „und die setzen ihre Prioritäten weniger auf ein Glaubensleben, das sich im Weltkatechismus und in der Kirchenlehre widerspiegelt, sondern sie setzen neue Prioritäten, etwa den Einsatz für Frieden, Umwelt und für soziale Dienste.“
Der neue Papst
   Diese Kirche wird nun vom Papst besucht: einem Papst, der noch nie zuvor in diesem Land war und dessen eigene Herkunft eher in Konflikt mit dem Norden steht, denn die USA haben die diversen Diktatoren in Lateinamerika häufig unterstützt. Das ist aber gar nicht so sehr das Thema, berichtet der Experte Oertel, sondern „dass es von Anfang an schwere Irritationen über den Lebensstil des neuen Papstes und viele seiner Aussagen gegeben hat. Das ist so weit gegangen, dass man zuletzt, als es hieß, der Papst unterstütze Kardinal Kasper mit seinen Vorstellungen über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in der Frage des Kommunionempfangs, anfing davon zu sprechen, dass der Papst die Kirche in ein Schisma führen könnte. Dazu kommt dann jetzt die Frage mit den Familien, und da erwarten die Bischöfe und insgesamt, kann man sagen, die Katholiken eine Stärkung der Ehelehre.“
   Sehr deutlich werden in den USA auch andere Aussagen des Papstes wahrgenommen, berichtet Ortel, nämlich „dass er unverblümt über die Auswüchse des Turbokapitalismus mit den Folgen von Arbeitslosigkeit und Wegwerfkultur spricht, und dass er sich verstärkt für eine humane Einwanderungspolitik insbesondere für die elf Millionen ‚undocumented hispanics‘ [Einwanderer ohne Pass] einsetzt.“
Was die Kirche beizutragen hat
   Nun ist man aber nicht nur in Abwehrhaltung, wenn der Papst kommt, und man fürchtet sich nicht nur vor dem, was der Papst zu sagen hat, auch wenn er für klare Sprache bekannt ist. Die US-Kirche ist durchaus selbstbewusst und hat etwas beizutragen für die Weltkirche, was aus der Geschichte und der Identität der Katholiken gewachsen ist, nämlich „dass dieser American Way der Kirche die Weltkirche beleben könnte, weil er ein Zeichen dafür ist, dass katholische Kirche auch in modernen und säkularen Staaten und Gesellschaften, in denen sie vom Staat getrennt ist, durchaus blühen können.“
   Wenn der Papst also in den USA ankommt, im Kongress die Politiker, in einer Begegnung die Bischöfe und in Messen in Washington, New York und Philadelphia alle Gläubigen anspricht, begegnet ihm eine Kirche voller Stärken und Schwächen, vor allem mit einer starken Identität.
   Auf dem Weg von Kuba in die USA Pater Bernd Hagenkord, Radio Vatikan. Das Buch von Ferdinand Oertel: Kennedys katholische Erben: Der American Way der Kirche in den USA vom Konzil bis zu Franziskus, Sonderweg oder Modell für die Weltkirche? Einhard Verlag 2014. Rv150922ord

n-am-114-ZxZ-AußenministerJohnKerry

US-Außenminister Kerry sieht „politischen Papst“
John Kerry unterstreicht die politische Bedeutung von Papst Franziskus.

   Der US-Außenminister zeigte sich in einem per eMail geführten Exklusiv-Interview mit Paolo Mastrolilli für Radio Vatikan erfreut über die gemeinsame „diplomatische“ Linie des Vatikanstaates und den Vereinten Staaten von Amerika. Er unterstrich die ausschlaggebende und auch politische Rolle des Papstes im großen internationalen Themenpool: Von den Annäherungen zwischen Kuba und Washington, bis hin zu seinem Engagement für die Umwelt und die Aufnahme der Flüchtlinge.
   Die Prioritäten der US-Außenpolitik und das Engagement des Vatikanstaates würden sich in einigen wichtigen Punkten überschneiden, betonte Kerry. Die Rolle von Franziskus in Bezug auf die Annäherungen nach der über 50- jährigen Eiszeit zwischen USA und Kuba sei „ausschlaggebend“ gewesen und auch in Zukunft werde Amerika das kirchliche Oberhaupt konsultieren für den weiteren Verlauf der bilateralen Beziehungen. Die gemeinsamen diplomatischen Schwerpunkte der USA und des Heiligen Stuhls seien derzeit vor allem die „Flüchtlingskrise, der Klima-Wandel, der interreligiöse Dialog, die Wahrung und Sicherung der Menschenrechte und der Kampf gegen Menschenhandel“.
Die Krise im Mittelmeer: Amerika will helfen
  
Der nicht enden wollende tragische Verlust der vielen Menschenleben im Mittelmeer, der Menschenhandel, die Ausbeutungen der verwundbarsten unter uns bedrücke auch die USA. Es gehe um die gemeinsamen Interessen der Wahrung der Menschenrechte: „Die Flüchtlingskrise in Europa verlangt Kooperation von ganz Europa gemeinsam mit dem Rest der internationalen Gemeinschaft, um sicherzustellen, dass die Menschen sicher sind; dass sie mit Menschlichkeit behandelt werden; und dass wir schließlich auch an der Quelle des Probleme ansetzen müssen, und das ist die Krise in Syrien.“
   Amerika habe auch bereits sein Engagement unter Beweis gestellt, setzt Kerry fort. 4,1 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe in Syrien und den Nachbarstaaten für die 7,6 Millionen evakuierten Menschen in Syrien und den 4 Millionen Flüchtlingen in den Nachbarländern (Libanon, Türkei, Jordanien, Irak, Ägypten) - mehr als jede andere Spende, so der US-Außenminister. Nächstes Jahre wolle Amerika mindestens 10.000 weitere syrische Flüchtlinge aufnehmen und es wurde eine eigene staatliche Arbeitsgruppe für dieses Thema eingerichtet.
   Die Koalition von rund 60 Ländern haben es sich zum Ziel genommen „IS zu bekämpfen und dem zu Grunde liegenden Konflikt zu beenden und zu einem politischen Wandel zu führen“; weg von dem brutalen Regime von Assad, so der Verantwortliche der US-Außenpolitik. Denn sein Regime, welches von Russland unterstützt werde, habe den Wachstum von Extremismus gefördert. Der Dialog zu Russland dürfe aber aus diesem Grund nicht abbrechen, auch wenn Kerry die Problematik bei seinem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergey Lavorv angesprochen hatte.
Umweltpapst und Paris 2015
  
Papst Franziskus stellt in seinem päpstlichen Schreiben „Laudato Si“ den Schutz des „gemeinsamen Haus“ der Erde an die erste Stelle und somit auch den Kampf gegen den Klimawandel – auch das ist ein To do-Punkt der USA.
   Die kommende UN-Klimakonferenz sei die nächste große Herausforderung und auch hier, seien die Agenden des Papstes und die der USA gleich. „Eine anhaltende Vereinbarung bei der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 zu treffen, wäre ein wichtiger und historischer Schritt nach vorne im Kampf gegen den Klimawandel“. Jeder wisse, dass dies keine einfache Angelegenheit sei, so Kerry, doch man sei sich durchaus bewusst wie das finale Dokument aussehen müsste. Jedes Land müsste die Emissionen senken, faire nationale Ziele müssen gesetzt werden, das müsse finanziell unterstütz und die Ärmsten müssen geschützt werden, wie kleine Inseln und afrikanische Staaten.
Post-2015 Entwicklungsziele
  
Die Ausgegrenzten integrieren und eine Wirtschaft, die nicht die Reichen fördert sondern alle. Viele seien von Papst Franziskus „inspiriert, wenn es darum gehe die Ausgegrenzten miteinzubeziehen.“ Das gleiche Recht auf Menschwürde und Wertigkeit haben alle – dies vertrete auch die politische Richtlinie von Barack Obama, so Kerry. Daher sei auch die Arbeit und die Erfüllung der Post 2015 Entwicklungs-Agenda ein weiteres gemeinsames Interesse vom Vatikan und der USA. rv150923no

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Papst: Ich bin nicht „ein bisschen links“  Foto: Der Papst auf dem Flug nach Washington

   Papst Franziskus hat sich nach seiner Kubareise einmal mehr dagegen verwahrt, dass er kommunistische Neigungen habe. „Ich bin sicher, nicht eine einzige Sache gesagt zu haben, die über die Soziallehre der Kirche hinausginge“, sagte er mitreisenden Journalisten am Dienstagnachmittag (Ortszeit) auf dem Flug von Santiago de Cuba nach Washington (USA). Ein Reporter habe ihn einmal gefragt, ob die Kirche ihm bei seiner sozialpolitischen Linie folgen werde. Seine Antwort sei: „Ich bin es, der der Kirche folgt, und ich glaube, in dieser Hinsicht täusche ich mich nicht.“ Vielleicht habe er mit mancher Äußerung „den Eindruck erweckt, ein bisschen links zu sein“, doch das wäre „eine Fehlinterpretation“, so der Papst. „Meine Lehre in dieser Hinsicht, (die Enzyklika) Laudato si’ und was ich über den wirtschaftlichen Imperialismus sage, ist Teil der Soziallehre der Kirche. Und falls es nötig sein sollte, dass ich das Credo aufsage, dann bin ich bereit, das zu tun!“
Embargo: „Hoffe auf Lösung, die beide Seiten zufriedenstellt“
   Es war die erste „fliegende Pressekonferenz“ dieser Papstreise nach Kuba und in die USA. Als allererstes wurde Franziskus gefragt, was er vom US-Embargo gegen Kuba halte – und ob er auf das Thema auch bei seinem Auftritt im US-Kongress eingehen werde. „Das Problem des Embargos ist Teil der Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba; die beiden Präsidenten haben sich darauf bezogen“, so der Papst. „Ich hoffe, dass man zu einer Vereinbarung kommt, die beide Seiten zufriedenstellt. Was die Position des Heiligen Stuhls zu Embargos betrifft, haben sich schon die früheren Päpste dazu geäußert, und nicht nur zu diesem spezifischen Fall. Die Soziallehre der Kirche spricht ebenfalls davon. Im Kongress werde ich nicht spezifisch über dieses Thema sprechen, sondern allgemein über Vereinbarungen als Zeichen des Fortschreitens im Zusammenleben reden.“
„Keine Informationen über Verhaftungen von Dissidenten“
   Einer Frage nach Dissidenten, die während seines Besuchs auf Kuba verhaftet worden seien, und ob er sie gerne getroffen hätte, wich der Papst aus: Er habe „keine Informationen über die Verhaftungen“, treffe aber „alle Menschen gern“, weil alle Kinder Gottes seien und jede Begegnung „eine Bereicherung“ darstelle. „Es war klar, dass ich keine Audienzen geben würde – nicht nur Dissidenten, sondern auch anderen, darunter auch einigen Staatschefs. Ich war zu Besuch in einem Land, es war keinerlei Audienz vorgesehen. Von der Nuntiatur aus sind einige Anrufe gemacht worden; dabei wurde einigen Personen, die in dieser Gruppe von Dissidenten sind, gesagt, es würde mir Freude machen, sie bei meinem Eintreffen an der Kathedrale (von Havanna) zu begrüßen. Aber bei der Begrüßung dort hat sich keiner (mir gegenüber) als Dissident bezeichnet, ich weiß nicht, ob sie dort waren oder nicht, ich habe alle begrüßt, die dort waren.“
   Die kubanische Kirche habe „Listen von Häftlingen erstellt, um für sie eine Amnestie zu erbitten“, fuhr der Papst fort; „mehr als dreitausend“ Häftlingen sei die Amnestie dann auch tatsächlich aus Anlaß seines Besuchs auf der Insel gewährt worden. „Es werden noch weitere Fälle geprüft, hat mir der Vorsitzende der Bischofskonferenz gesagt. Einer meinte zu mir: Es wäre schön, die Gefängnisse ganz aufzulösen! ... Eine andere Möglichkeit besteht darin, alle zwei Jahre ungefähr eine Generalamnestie zu machen. Aber die Kirche arbeitet daran und hat schon daran gearbeitet.“
Mit Fidel Castro vor allem über Umwelt gesprochen
   Mit dem früheren Präsidenten Kubas, Fidel Castro, habe er zunächst über Jesuiten gesprochen, so der Papst; Franziskus gehört dem Jesuitenorden an, und Castro hat eine Schule des Ordens besucht. Ein weiteres Thema sei seine Enzyklika Laudato si’ gewesen. „Es war ein nicht so formelles, spontanes Treffen... Wir haben viel über die Enzyklika geredet, weil er sehr besorgt ist über das Thema Umwelt.“ Dass es binnen weniger Jahre schon drei Papstbesuche auf Kuba gegeben hat, nannte der Papst „normal“. Ursprünglich habe er die USA von Mexiko über die gemeinsame Grenze erreichen wollen, wie Tausende von Einwanderern aus Lateinamerika das jedes Jahr tun. Aber dann sei es zum politischen Tauwetter zwischen den USA und Kuba gekommen, und daraufhin habe er „ein bisschen zufällig“ entschieden, der USA-Reise einen Aufenthalt in Kuba vorzuschalten.
   „Diese Reise nach Kuba war sehr pastoral“, so das Fazit des Papstes. „(Sie galt) der katholischen Gemeinschaft, den Christen und auch allen Menschen guten Willens. Meine Interventionen waren Predigten. Auch beim Treffen mit Jugendlichen (in Havanna), wo Glaubende und Nichtglaubende dabei waren und unter den Glaubenden auch Anhänger verschiedener Religionen, war das eine Rede der Hoffnung, der Ermunterung zum Dialog: dass man die Dinge suchen soll, die wir mit anderen gemein haben. Es war eine pastoralere Sprache.“ rv150923sk

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Papst Franziskus in den USA eingetroffen Foto: Papst Franziskus beim Empfang in Washington

   Papst Franziskus ist in den USA eingetroffen. Auf der „Andrews Air Force Base“ von Washington wurde er am Dienstagnachmittag (Ortszeit) von US-Präsident Barack Obama, seiner Frau Michelle und den beiden Töchtern Sasha und Malia begrüßt. Reden wurden nicht gehalten; das wollen Franziskus und Obama am Mittwoch bei einem Treffen im Weißen Haus nachholen. Allerdings zogen sich die beiden Staatschefs - der Papst ist offiziell auch der „Souverän des Vatikanstaats“ - noch am Flughafen zu einem kurzen Gespräch zurück. Danach fuhr der Papst in einem schwarzen Fiat weiter.
   Der Papst kam aus Kuba, das er in den letzten vier Tagen besucht hat. Er ist das erste Staatsoberhaupt seit mehr als fünfzig Jahren, das die Vereinigten Staaten direkt von Kuba aus erreicht. Das ist ein Zeichen für das Tauwetter zwischen den USA und Kuba, an dessen Zustandekommen Franziskus durch stille Diplomatie beteiligt gewesen ist. Für den Papst aus Lateinamerika ist der USA-Besuch bis zum 28. September sein erster Aufenthalt in Nordamerika überhaupt.
   Auf dem Programm des Papstes in den USA stehen in Washington die Heiligsprechung des spanischen Missionars Junipero Serra und – historische Premiere – eine Rede vor dem US-Kongress. In New York plant er u.a. einen Auftritt vor der UNO-Vollversammlung und eine interreligiöse Begegnung an „Ground Zero“, dem Ort der Terroranschläge des 11. September 2001. Den Schlussakzent der Reise wird seine Teilnahme an einem katholischen Welttreffen der Familien in Philadelphia setzen.
   In Kuba hatte Franziskus am Montag Holguín besucht, Landungsort von Kolumbus und Geburtsort von Fidel und Raúl Castro. Später am Montag hatte er im Marienwallfahrtsort von Cobre gebetet und am Dienstagmorgen (Ortszeit) dort eine Messe gefeiert. Die Marienstatue von Cobre ist eng mit wichtigen Momenten der kubanischen Geschichte verbunden, etwa mit der Abschaffung der Sklaverei und dem Abschütteln der spanischen Kolonialherrschaft. Letzter größerer Termin des Papstes auf Kuba war ein Treffen mit Familien in Santiago de Cuba gewesen; am Flughafen von Santiago wurde er von Präsident Raúl Castro verabschiedet. rv150922sk

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Die Herz-Jesu-Kirche im Norden Washingtons ist bis auf den letzten Platz besetzt. An der Ostküste ist das eher
die Ausnahme. Am Mittwoch will der Gemeindepfarrer zum Weißen Haus laufen, um den Papst zu sehen

Foto:  Es werden immer mehr: Pfarrer Moises Villaita tauft die kleine Madilynn  in der Herz-Jesu-Kirche, Washington

    In der Herz-Jesu-Kirche werden an diesem Sonntagmittag neun Babys getauft. „Wir freuen uns sehr darüber, dass die Täuflinge unsere Gemeinde verstärken", sagt Pfarrer Moises Villaita und strahlt die Gläubigen an. Zwei Tage vorher, im Pfarrhaus, war dem Kapuzinerbruder noch ein Seufzer der Überforderung entwichen, als er nach der Größe seiner Gemeinde im Norden der Washingtoner Innenstadt gefragt wurde. „Wir haben viele Mitglieder, ganz schön viele, und es werden immer mehr." Bruder Moises stammt aus El Salvador, und auch die Herz-Jesu- Gemeinde besteht inzwischen zu 70 Prozent aus Zentralamerikanern und anderen „Latinos".1.900 Familien haben sich im Pfarrhaus angemeldet, aber zu den Gottesdiensten kommen viel mehr.
   Bis auf den letzten Platz sind die Kirchenbänke voll: junge Paare, die sich die ganze Messe lang im Arm halten; Kleinkinder in Rüschenkleidchen oder dunklen Anzügen; Großmütter in rosa Jogginghosen; Teenager, die sich mit ihren Geschwistern um Mamas Smartphone balgen. Die Kirche, die der Architekt vor knapp hundert Jahren der byzantinischen Kathedrale von Ravenna nachempfand, fasst immerhin gut tausend Menschen - und Bruder Moises feiert an jedem heiligen Sonntag fünfmal die Messe auf Spanisch: Am Vorabend um sechs, am Sonntagmorgen um acht, halb elf und zwölf, dann noch einmal am Abend um sechs. Jedes Mal wird es rappelvoll. Weil um zehn Uhr der englischsprachige Rest der Gemeinde die Kirche beansprucht, begnügen sich die Latinos um halb elf mit der Turnhalle der katholischen Schule. Um 15 Uhr gibt es in der Herz-Jesu-Kirche dann noch eine Messe auf Vietnamesisch und um viertel nach vier eine weitere auf Kreolisch für die Haitianer. „Und alles unter dem Dach einer Gemeinde mit einem Pfarrer", erklärt Moises Villalta. Und das wäre dann ich."
    Als Seelsorger ist der Kapuziner pausenlos gefragt. Von den Latinos seiner Gemeinde habe allenfalls jeder zweite gültige Aufenthaltspapiere. In jüngster Zeit sind vor allem Kinder und Jugendliche hinzugekommen, die sich ohne ihre Eltern auf die gefährliche Reise nach Texas begeben hatten, dann meist monatelang in Lagern oder Heimen hausten und schließlich zu ihren Verwandten in die Hauptstadt geschickt wurden. Für viele ist die Kirche erster Anlaufpunkt. „Wir tun, was wir können", sagt Bruder Moises, von Kleidersammlung bis Sonntagsschule. Aber für die meisten sei es „extrem schwierig", in Washington Fuß zu fassen. Umso mehr freuen sich seine Schäfchen auf Papst Franziskus. An diesem Dienstag landet das erste spanisch-sprachige Oberhaupt der Katholiken in Washington. Für Mittwochmorgen hat Bruder Moises zur Frühmesse um sechs Uhr eingeladen. Danach will er mit den Gläubigen die vier Kilometer zum Weißen Haus hinunterlaufen. Für die ersten tausend hat der Pfarrer Armbänder, mit denen sie den Sperrbezirk hinter dem Weißen Haus betreten dürfen. So haben sie eine Chance, Franziskus nach seiner kurzen Begegnung mit Präsident Barack Obama zu sehen.
   Vor Monaten hat der Papst selbst ausgeplaudert, wie er sich seinen ersten Besuch in den Vereinigten Staaten eigentlich vorgestellt hatte: Zu Fuß wollte er über die mexikanische Grenze einreisen. Das hätte zu seiner Geste vom Sommer 2013 gepasst, als er auf die italienische Insel Lampedusa reiste und für Flüchtlinge betete. Nun geht es doch an die amerikanische Ostküste, ins Herz der weltlichen Macht: Washington, New York, Philadelphia. Was Moises Villaita in einem der buntesten Stadtteile Washingtons erlebt, ist in der Region nicht die Regel. Die meisten katholischen Gemeinden schrumpfen. Hätte Franziskus Boom-Bistümer besuchen wollen, so hätte er wirklich in den Süden oder Westen des Landes reisen müssen: In Houston (Texas), Atlanta (Georgia), Fresno (Kalifornien) und Phoenix (Arizona) hat die Kirche in den vergangenen zehn Jahre jeweils zwischen 590.000 und 670.000 Neuzugänge gezählt.
   Nach Erkenntnissen der Meinungsforscher vom Pew Research Center ist der Anteil der Katholiken an Amerikas wachsender Gesamtbevölkerung dennoch in den vergangenen acht Jahren um etwa drei Prozentpunkte auf knapp 21 Prozent gesunken. In den traditionellen Zentren katholischen Lebens im Norden und Osten der Vereinigten Staaten stieg im gleichen Zeitraum die Zahl der Menschen, die sich keiner Kirche (mehr) zugehörig fühlen, um fast sieben Prozentpunkte auf knapp 23 Prozent an. Das trifft auch die protestantischen Gemeinden.
   In absoluten Zahlen wächst die Zahl der Gläubigen: 76 Millionen Amerikaner identifizieren sich als Katholiken - allerdings geht nur jeder vierte von ihnen wöchentlich zur Kirche. Das Sakrament der Ehe bedeutet immer weniger Katholiken viel: In einem halben Jahrhundert hat sich die Zahl der kirchlichen Trauungen um 58 Prozent verringert. Rund die Hälfte der amerikanischen Katholiken hält Verhütungsmittel, „wilde Ehen" oder eine neue Heirat nach einer Scheidung nicht mehr für Sünden; zwei von fünf Katholiken wollen auch homosexuelles Verhalten nicht als Unrecht ansehen. Diese Aufweichung von Glaubensgrundsätzen mag zum Priestermangel beitragen. Mehr als jede zehnte Gemeinde musste in den vergangenen 25 Jahren  mit einer anderen verschmolzen oder aufgegeben werden. Mit diesem Problem ist der Washingtoner Pfarrer Moises Villaita gut vertraut: Bevor er 2010 die Leitung der Herz-Jesu-Gemeinde übernahm,  war er zehn Jahre lang für die Nachwuchsgewinnung bei den Kapuzinern zuständig. Es war zäh. Gerade im Süden und Westen, wo die Kirche so stark wächst, stößt sie aus Personalmangel an logistische Grenzen. Besser aufgestellte evangelikale Gemeinden nutzen das aus und gewinnen katholische Latinos für sich. „Mag sein, dass das anderswo passiert", sagt Bruder Moises. „Hier haben wir so viel Zulauf, dass wir davon nichts mitbekommen." Zuletzt ist die Zuversicht unter Amerikas Katholiken wieder gewachsen. Womöglich gibt es einen „Franziskus-Effekt", der die Herde wach­sen lässt. Nachdem der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio 2013 auf den Stuhl Petri gelangt war, haben sich etliche junge Erwachsene taufen lassen, erzählt Bruder Moises. „Das waren meistens junge hispanische Berufstätige, die vorher keiner Kirche angehörten und die es ausdrücklich mit Franziskus' Botschaft begründeten." Im ganzen Land wurden voriges Jahr fast 110.00 Erwachsene getauft. Das nimmt Amerikas erzkonservativen Bischöfen Wind aus den Segeln, die laut über den Wirbel geschimpft haben, den der neue Papst mit vielen seiner mehr oder minder bedachten Worten und Gesten verursacht hat. Sein Gastgeber in Philadelphia, Erzbischof Charles Chaput, rügte voriges Jahr in harschem Ton die teils positiven Signale von Franziskus ge­genüber schwulen und lesbischen Katholiken. „Verwirrung ist des Teufels", verkündete der von Benedikt ernannte Erzbischof, nachdem der Papst mit Blick auf Homosexuelle rhetorisch gefragt hatte: „Wer bin ich, darüber zu urteilen?" Doch laut Umfragen ist der Papst sowohl unter Katholiken als auch in der amerikanischen Gesamtbevölkerung beliebter als „die Kirche".
   Noch ist Franziskus auf beiden Seiten des politisch-ideologischen Grabens populär, der die Vereinigten Staaten entzweit. Doch das könnte sich ändern, wenn Franziskus die Gebete vieler Latinos erhören und sich in seiner Rede vor dem Kongress am Donnerstag mit klaren Worten zugunsten illegaler Einwanderer in den Parteienstreit einmischen sollte. Nach der Sonntagsmesse in der Washingtoner Herz-Jesu-Kirche stellt sich die Lehrerin Jeanette Ramirez aus Honduras geduldig in eine Schlange, um sich mit einer Pappfigur des Pontifex fotografieren zu lassen. Der Papst komme wie gerufen, sagt sie. Denn Obama habe bisher wenig für die Migranten erreicht, und mit Donald Trump sei die Debatte noch viel aggressiver geworden. Der New Yorker Kardinal Timothy Dolan hat Ende Juli in der Zeitung „New York Daily News" tatsächlich einen Artikel gegen Trumps neuen „Nativismus" veröffentlicht - wenn er den Namen des führenden Präsidentschaftskandidaten der Republikaner auch nur in einem Spiel mit dem Wort Trumpfkarte („Trump card") ausschrieb. „Es ist nicht mein Job, den Leuten zu sagen, welchen Kandidaten sie unterstützen sollen", schrieb der Erzbischof von New York, den ebenfalls Benedikt XVI. ernannt hatte. „Aber als Katholik nehme ich die biblische Lehre ernst, dass wir Fremde willkommen heißen sollen." Die katholische Bischofskonferenz wirbt seit langem für eine umfassende Einwanderungsreform. Sie bekennt sich zum Grenzschutz, aber vor allem hebt sie das „Recht von Fremden" hervor, „sich zum Überleben Arbeit im Ausland zu suchen".
   Jeanette Ramirez hat von Bruder Moises keine der begehrten Karten für die Messe am Mittwochnachmittag erhalten, in der Franziskus den spanischen Missionar Junipero Serra heiligsprechen will, der im 18. Jahrhundert in Kalifornien Indianer in den Schoß der Kirche lockte oder nötigte. Doch wird sie am Mittwochmorgen mit die 16. Straße herunterlaufen, immer geradeaus zum Weißen Haus, vorbei an den wuchtigen Kirchen der Protestanten, die einst so abschätzig auf die irisch- oder polnischstämmigen Katholiken herabblickten wie heute viele Amerikaner auf die Latinos. Ramirez hofft sehr darauf, den Papst aus der Nähe zu sehen. Doch wenn sie ihren Pfarrer fragt, dann wird er ihre Erwartung bremsen, dass Franziskus den Republikanern die Leviten liest. „Ich liebe unserem Papst, weil er als Hirte, als Vater zu uns spricht", sagt der Kapuziner aus El Salvador. „Lasst uns hoffen, dass die Leute, die ihm zuhören, sich von Gottes Wort berühren lassen." Zuerst die Gebrüder Castro in Kuba und dann die zankenden Politiker in Washington. 
FAZ150922AndreasRoss

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Franziskus: "Religionsfreiheit größter Schatz Amerikas" Foto: Papst Franziskus bei seiner Rede im Weißen Haus.

  Bei der Willkommenszeremonie im Weißen Haus bezeichnete Papst Franziskus in seiner Rede die Religionsfreiheit als einen der „wertvollsten Schätze“ Amerikas. Gleichzeitig erinnerte er an die Verantwortung der USA für den Klimaschutz und die soziale Gerechtigkeit im Land. Dabei zitierte er auch Martin Luther King.
Franziskus öffnete seine Rede mit einem biografischen Detail: Als Sohn einer Einwandererfamilie freue es ihn, Gast zu sein in einem Land, das zum großen Teil von solchen Familien aufgebaut wurde.
   „Ich freue mich auf diese Tage der Begegnung und des Dialogs, in denen ich gewiss viele der Hoffnungen und Träume der Menschen Amerikas aufnehmen und teilen werde.“
   Während seines Besuchs wird Franziskus vor dem US-Kongress sprechen. Er hoffe als „ein Bruder dieses Landes“ Worte der Ermutigung an die zu richten, die berufen seien, die politische Zukunft der Nation in Treue zu ihren Gründungsprinzipien zu gestalten. Beim Besuch des  Weltfamilientreffens in Philadelphia wolle er zudem die Institutionen von Ehe und Familie in einem „kritischen Moment in der Geschichte unserer Kultur“ würdigen und stützen.
   Die amerikanischen Katholiken engagierten sich gemeinsam mit ihren Mitbürgern für den Aufbau einer „absolut toleranten und inklusiven Gesellschaft“, die Rechte der Einzelnen und der Gemeinschaften schütze und jede Form ungerechter Diskriminierung zurückzuweise. Sie sorgten für eine gerechte und wohlgeordnete Gesellschaft. Der Papst betonte, dass insbesondere die Religionsfreiheit zu schützen sei.
   „Diese Freiheit bleibt einer der wertvollsten Schätze Amerikas. Wie meine Mitbrüder, die amerikanischen Bischöfe uns erinnert haben, sind alle dazu aufgerufen, wirklich als gute Bürger wachsam zu sein, um jene Freiheit zu hüten und gegen alles, was sie bedrohen oder beeinträchtigen könnte, zu verteidigen.“
   Franziskus lobte auch die Initiative von US-Präsident Barack Obama zur Verringerung der Luftverschmutzung. Der Klimawandel sei ein Problem, das nicht länger einer kommenden Generation überlassen werden dürfe.
   „Ein solcher Wandel verlangt von uns, mit Ernst und in Verantwortung zu erkennen, was für eine Welt wir hinterlassen wollen – nicht nur unseren Kindern, sondern auch den Millionen von Menschen, die unter einem System leben, das ihnen keine Beachtung schenkt. Unser gemeinsames Haus ist Teil dieser Gruppe von Ausgeschlossenen geworden, die zum Himmel schreit und die heute kräftig an unsere Häuser, unsere Städte und unsere Gesellschaft klopft.“
   Franziskus zitierte in diesem Zusammenhang den schwarzen Menschenrechtler Martin Luther King, der gesagt habe, dass wir einen Schuldschein nicht eingelöst haben und es jetzt Zeit sei, der Verpflichtung nachzukommen. Franziskus‘ Wunsch sei es, dass alle Männer und Frauen guten Willens in dieser großen Nation die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft unterstützen, das Verwundbare in unserer Welt zu schützen und ganzheitliche und inklusive Entwicklungsmodelle anzuregen. Zum Abschluss seiner Rede bedankte sich der Papst beim US- Präsidenten und sprach: „Gott segne Amerika!“ rv150923cz

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 Foto: Papst Franziskus und US-Präsident Barack Obama bei der Begrüßung in Washington
Gespräch mit dem Botschafter über die Papstreise

   Papst Franziskus wird die Menschen in den USA bei seinem Besuch vor allem an ihre eigenen Werte erinnern, auf denen das Land aufgebaut ist. Davon ist der US-Botschafter beim Heiligen Stuhl, Kenneth F. Hackett, überzeugt. Vor dem Eintreffen des Papstes in Washington berichtete er Radio Vatikan von seinen Erwartungen und der besonderen Situation, in die der Papst in den USA kommt.
   „Negativ gesprochen sind wir eine Insel-Nation. Neulich habe ich gelesen, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass er kommt. Viele Leute lesen halt nicht die internationalen Nachrichten in der Zeitung, sondern nur den Sport. Auf der anderen Seite sind die, die wissen, dass er kommt, begeistert!“
   Die USA seien eine großzügige und gastfreundliche Nation, so der Botschafter, es gebe alle Glaubensrichtungen im Land, das Wort vom Schmelztiegel sei richtig. „Wir sind eine Nation, die aus vielen Nationen kommt. Das ist wichtig zu verstehen.“
   Im Fokus der Vorbereitungen standen vor allem die beiden Reden vor dem Kongress und vor den Vereinten Nationen. Hacket hat recht klare Vorstellungen davon, was der Papst dort sagen wird: „Ich denke, dass der Papst den Kongress und durch ihn das amerikanische Volk aufrufen wird, zu den Werten zu stehen, die uns wichtig sind. Wir sind zum Beispiel ein Volk von Menschen, die hart arbeiten, aber manchmal sieht man eine große Kluft zwischen den wenigen Reichen und dem Rest. Und der Rest, das sind ziemliche viele Leute in den Vereinigten Staaten, eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern und zwei Jobs oder Familien, in denen beide Eltern arbeiten, manchmal sogar die Kinder. So sind wir; wir sind nicht alle reich und berühmt.“
   Das werde der Papst ansprechen, weil die Grundwerte des Landes andere seien, so der Botschafter. Und damit wird er die Menschen erreichen; ideologische Spaltungen sieht der Diplomat nicht kommen. „Erst neulich habe ich mit Politikern beider großer Parteien gesprochen, und die haben gesagt,  dass sie den Papst nicht spalterisch sehen, sondern dass sie mit offenen Herzen zuhören wollen, wenn er über Einwanderung, Armut und das Klima spricht.“
   Aber auch abseits der Großevents lege der Papst den Finger auf wichtige Themen, etwas durch seinen Besuch bei Obdachlosen. dafür werde zu wenig getan, findet der Botschafter. „Und er wird in ein Gefängnis gehen. Unser Gefängnissystem ist irgendwie außer Kontrolle geraten, und ich hoffe auch, dass er die Todesstrafe ansprechen wird, oder Einzelhaft; und dass er darüber sprechen wird, dass ein Gefängnis zur Resozialisierung beitragen soll und nicht nur Strafe sein soll.“
   Es sei schade, dass es noch viele Menschen gebe, die vom Papstbesuch nichts wüssten, aber das werde sich ändern. Der Papst werde gut bei den Menschen in den USA ankommen, glaubt Botschafter Hacket. „Sie werden vom Hirten erfahren, von seiner Persönlichkeit, von seiner Großzügigkeit. Ich denke, wenn sie sich einen Papst ausdenken müssten, würden sie ihn - Franziskus - erschaffen.“
Rv150923Aus den USA Pater Bernd Hagenkord, Radio Vatikan 

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Der Fiat vor dem Weißen Haus: Ein Kommentar  - Foto: Papst und Präsident  

   Fahnen und Uniformen, geordnete Reihen von Besuchern, Protokoll wie es sich für eine Supermacht gehört. Kein Land auf der Welt kann das so überzeugend und bunt inszenieren wie die USA, eine Republik zelebriert die Macht. Und selbst das Wetter machte mit, Sonne, Wind in den Fahnen, 18. Jahrhundert Uniformen, Trommeln und Fanfaren, wunderbares Fernsehen.„What a beautiful day the Lord has made", die ersten Worte von Präsident Barack Obama.
Und dann fuhr in der Szene ein Fiat 500 vor, aus dem der Papst entstieg. Poliert, mit Fahne vorne, aber ein Fiat, nicht wie die Begleitwagen mächtige Sicherheitsfahrzeuge.
   Man mag das als Spleen abtun, aber darin steckt eine Botschaft. Und zwar, dass hier ein Mensch kommt, keine Rolle. Niemand würde etwas sagen, wenn der Papst in der nicht einfachen Sicherheitslage hier einfach in den Wagen steigen würde, der bereit gestellt ist. Aber jeder, der ihn aus dem Fiat steigen sah, sah jemanden, der als der gesehen werden will, der er ist. Seine Anliegen sind seine Anliegen, es ist nicht nur das, was man an solchen Stellen halt so sagt. 
   Wenn er Martin Luther King und seine berühmte "I have a dream" Ansprache zitiert, wenn er über das Klima spricht und darüber, dass das nichts ist, was man auf zukünftige Generationen verschieben darf, dann spricht der Hirte selber. Selten wird man auf dem politischen Rasen des Weißen Hauses so eine Authentizität erleben. Papst Franziskus lässt sich nicht vom Amt verschlingen.
   Direkt nach der Zeremonie rief eine Stimme aus der Menge: „Pope Francis, we love you". Wie ein Kommentator anschließend bemerkte, wie viele Besucher im Weißen Haus bekommen das wohl zu hören?
   Es ist seine Visitenkarte und dieses Symbol kommt an. Und alles was er danach sagt, kommt als da an, was es ist: Seine eigenen Worte. Die Fanfaren und die wehenden Fahnen sind dann nur noch Staffage.
Rv150923Aus den USA Pater Bernd Hagenkord

n-am-117-ZxZ-Wahington

Päpstlicher als die Progressiven

   Franziskus hat auf dem Flug nach Washington versichert, er sei „kein Linker". Im Weißen Haus warnt er vor der Zerstörung der Ehe. Doch die Demokraten hören: Klimaschutz und Kapitalismuskritik. 
  Donald Kardinal Wuerl gab neulich eine fast zehn Jahre alte Anekdote aus dem Vatikan zum Besten. Kurz nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Washington hielt sich Wuerl dort zu einem Bischofstreffen auf. In der Kaffeepause kam Kardinal Bergoglio auf ihn zu und sagte:  „Washington - ist das nicht die Hauptstadt deines Landes?" Der Argentinier stellte die Frage betont naiv, vielleicht ein bisschen wie der trottelige Inspektor Columbo aus der Fernsehserie. Wuerl bejahte die Frage des Kollegen. Bergoglio erwiderte: „In meinem Land ist Buenos Aires die Hauptstadt." Lächelnd spazierte er davon. Nun, da Jorge Mario Kardinal Bergoglio seit zweieinhalb Jahren Papst Franziskus heißt und sich zum ersten Mal in seinem Leben in den Vereinigten Staaten aufhält, hält die Episode für Washingtons Erzbischof eine wichtige Mahnung bereit: „Wir Nordamerikaner müssen uns vor Augen führen, dass wir nicht der Mittelpunkt aller Dinge sind."
   Von Anbeginn hatte der Papst deutlich gemacht, dass er sich in Washington, New York und Philadelphia wenig Pomp und viele Begegnungen mit Mitchristen erhofft: Er speist mit Obdachlosen, trifft Flüchtlinge und besucht Häftlinge. Doch zunächst erleben 15.000 Gäste am Mittwoch im Garten des Weißen Hauses mit, wie Barack Obama den Gast rühmt - und für seine politische Botschaft zu vereinnahmen sucht. „Sie rufen uns auf, den geringsten unter uns' in den Mittelpunkt zu rücken", sagt der demokratische Präsident. Er preist Franziskus' „unschätzbare Unterstützung unseres Neuanfangs mit Kuba" und bedankt sich für die Erinnerung an „unsere heilige Pflicht, unseren Planeten zu schützen". Die Botschaft der Barmherzigkeit verlange es ferner, „Fremde mit wahrhaftig offenem Herzen willkommen zu heißen". Das, präzisiert Obama, betreffe Kriegsflüchtlinge ebenso wie Einwanderer, die „ein besseres Leben suchen".
   Der Papst kommt in seiner Antwort noch schneller zu seinen politischen Punkten. „Als Sohn einer Einwanderfamilie bin ich froh, Gast in diesem Land zu sein, das von solchen Familien errichtet wurde", sagt Franziskus schon im zweiten Satz. An diesem Donnerstag werde er denn auch in im Kongress die Politiker „ermuntern, den Gründungsprinzipien ihrer Nation treu zu bleiben". Doch die republikanischen Gegner von Obamas Ansinnen, Millionen illegaler Einwanderer einen Weg zur amerikanischen Staatsbürgerschaft zu ebnen, müssen sich nicht allzu lang grämen. Denn sogleich verkündet der Papst, dass „die Institution der Ehe und die Familie in diesem kritischen Moment unserer Zivilisationsgeschichte" Unterstützung benötige. Das „Recht auf Religionsfreiheit" dürfe nicht unter die Räder geraten. Das darf man getrost als Kritik daran verstehen, dass in Kentucky unlängst eine gewählte Verwaltungschefin in Beugehaft genommen wurde, weil sie dem Obersten Gereicht trotzte und homosexuellen Paaren keine Trauscheine ausstellte. Doch gleich nimmt der Papst wieder eine scharfe Linkskurve: Er lobt Obamas „Initiative zur Verringerung der Luftverschmutzung" und erinnert an die „Millionen Menschen, die in einem System leben, das sie übersieht." Er sei kein Linker, hat Franziskus auf dem Flug von Havanna nach Washington Reportern versichert, und erst recht kein Kommunist. Mit seiner Kapitalismus-Kritik vertrete er nur die katholische Soziallehre. Doch für viele konservative Amerikaner, auch viele katholische Bischöfe, ist es ausgemachte Sache, dass sie es mit einem „progressiven Papst" zu tun bekommen. Wie zum Beweis findet der „demokratische Sozialist", Senator und Wahlkämpfer Bernie Sanders bei jedem Termin des Papstes ein Mikrofon in der Nähe, um sich dessen Warnung vor der Verehrung des Geldes anzuschließen. John Boehner, als „Speaker of the House" Washingtons ranghöchster Republikaner, klingt fast resigniert, als er ankündigt, er werde sich gewiss nicht auf einen Streit mit dem Papst einlassen.
   Dabei hat Boehner, der mit seinen zehn Geschwistern streng katholisch erzogen wurde, Franziskus selbst eingeladen, als erster Religionsführer im Kongress zu sprechen. Schon 1994 hatte Boehner den damaligen „Speaker" aufgefordert, den Papst ins Kapitol zu locken. Bei allen politischen Differenzen: Für Boehner geht ein Traum in Erfüllung. Auf dem Hinflug hat der Papst auch noch einmal erzählt, dass er eigentlich nach Ciudad Juárez reisen und dann „wie so viele Menschen" zu Fuß nach Texas gehen wollte. Doch dann ergab sich die amerikanisch- kubanische Annäherung, und der Vatikan schmiedete einen neuen Plan. Für die Republikaner, die Obamas Avancen ans Castro-Regime ebenso ablehnen wie seine Einwanderungspolitik, lief dieser Wechsel der Symbolik auf Pest statt Cholera hinaus.
  Das heißeste Thema, mit dem sich die Abgeordneten und Senatoren zu beschäftigen haben, sobald der Papst das Kapitol verlassen hat, ist der Streit über Abtreibungen. Abtreibungsgegner haben das Land mit heimlich aufgezeichneten Videos aufgewühlt, in dem Ärzte der Organisation „Planned Parenthood" in groberWeise darüber reden, wie sie das Gewebe abgetriebener Föten an Forscher verkaufen. Die Gespräche sind unappetitlich, die Praxis ist legal. „Planned Parenthood" gehört zum selben Verband wie das deutsche „Pro Familia". Die Organisation unterhält im ganzen Land Frauenkliniken, in denen es mehr um Krebsvorsorge als um Abtreibungen geht. Doch die Republikaner wollen der Organisation sämtliche Mittel aus dem Bundeshaushalt streichen. Viele Präsidentschaftsanwärter haben den Kampf gegen den „Handel mit Kinderorganen" oder „Körperteilen" ins Zentrum gerückt. Viele Parteirechte wollen einem neuen Etat für das am 1.Oktober beginnende Haushaltsjahr nur zustimmen, wenn „Planned Parenthood" darin nicht mehr vorkommt. Da die Demokraten sich dem Druck nicht beugen, droht dem Land abermals ein Verwaltungsstillstand. Die Katholische Kirche ist, zurückhaltend formuliert, in dieser Auseinandersetzung kein Verbündeter der Demokraten. Vielmehr stand die Bischofskonferenz schon im Kampf gegen Obamas Gesundheitsreform an vorderster Front. Sie will nicht akzeptieren, dass nun fast jede Police auch Verhütungsmittel einschließlich der „Pille danach" abdecken muss.
   Auch die demokratische Minderheitsführerin Nancy Pelosi ist engagierte Katholikin; sie rühmt sich, seit Pius XII. allen Päpsten begegnet zu sein. In konservativen Kreisen wurde ein großer Skandal daraus gemacht, dass Pelosi ebenso wie Amerikas erster katholischer Vizepräsident Joe Biden bei Franziskus' Amtseinführung im Vatikan die Kommunion empfingen. Schließlich hatte der Papst als Erzbischof von Buenos Aires 2007 geschrieben, dass „Politiker nicht die Heilige Kommunion empfangen und zugleich in Worten und Taten den Geboten zuwiderhandeln dürfen, vor allem, wenn sie zu Abtreibung, Sterbehilfe oder anderen schweren Verbrechen gegen das Leben und die Familie ermuntern". Amerikas Demokraten erinnern lieber an die jüngere Mahnung des Papstes, dass die Kirche sich nicht so „besessen" von Themen wie Abtreibung, Homo-Ehe und Verhütungsmitteln zeigen dürfe. Pelosi sagt: „Die Kirche hat ihre Haltung, und wir haben unsere: dass Gott jeder Frau einen freien Willen gegeben hat." Ähnliche Absetzbewegungen unter umgekehrten Vorzeichen führen die sechs Katholiken unter den republikanischen Präsidentschaftskandidaten vor. Jeb Bush, der als junger Mann zum Katholizismus konvertierte, plädiert sich für eine strikte Trennung der religiösen und der politischen Sphären. Dabei hatte er sich als Gouverneur von Florida nicht gescheut, seinen verfassungsrechtlich fragwürdigen Kampf gegen die Beendigung der Zwangsernährung von Terri Schiavo, die 15 Jahre lang im Wachkoma lag, mit seinem Glauben zu begründen. Chris Christie versicherte neulich im Fernsehen, der Papst habe für ihn „hundertprozentige" Autorität in Glaubensfragen - aber Familienplanung betreibe auch er zu Hause nicht nur nach der „Kalendermethode".
   Der überzeugte Abtreibungsgegner Rick Santorum, der nicht an „die Mär" vom menschengemachten Klimawandel glaubt, hat seinem Kirchenoberhaupt geraten, „die Wissenschaft den Wissenschaftlern zu überlassen". Doch da kennt Franziskus kein Erbarmen. Auf Twitter hatte er seine Klima-Enzyklika „Laudato Si" prägnant zusammengefasst: „Die Erde, unsere Heimat, gleicht immer mehr einem riesigen Dreckshaufen." Als er am Dienstag vom Flugfeld zur Nuntiatur gefahren wurde, nahm er in einem Fiat 500 Platz, der den zahlreichen schwarzen Achtzylinder- Geländewagen seiner Bewacher vom Secret Service bis zur Unterkante ihrer Motorhauben ging. Der evangelikale Republikaner Jim Inhofe, Vorsitzender des Umweltausschusses im Senat und erklärter „Jesus-Freund", warnte vor Franziskus' Rede: „Das ist die ganze linke Agenda, und die wird nicht dadurch Evangelium, dass der Papst sie verliest." Ein vom Republikaner-Mäzen Charles Koch mitfinanziertes Forschungsprojekt an der Katholischen Universität in Washington soll bald die „Vereinbarkeit von Kapitalismus und Katholizismus" untersuchen. Papst Franziskus, hat der Washingtoner Theologe Chad Pecknold gesagt, sei wie ein Rorschach-Test: Jeder könne in ihm sehen, was ihm (politisch) gefalle. Die Obama-Regierung zeigt sich entschlossen, ihrer Deutung dieses politisch zerlaufenen Tintenkleckses zum Durchbruch zu verhelfen. Man könne sich doch nicht die Chance entgehen lassen, sagte Joe Biden kürzlich, dass man „den beliebtesten Menschen der Welt" zu Besuch habe. Auf dem Flug vom kommunistischen Kuba ins kapitalistische Amerika gab Franziskus zu, womöglich habe er bei manchen Kritikern „den Eindruck" hinterlassen, dass er „ein bisschen nach links neige". Das täusche. „Wenn sie es wünschen", versprach der Pontifex, „kann ich ihnen jederzeit das große Glaubensbekenntnis aufsagen." FAZ15092AndreasRoss

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Washington: Ansprache des Papstes vor dem Weißen Haus Foto: Der Papst mit Obama

Der offizielle Text der Rede vom Papst Franziskus am 23.9. bei der Begrüßung vor dem Weißen Haus in Washington
Herr Präsident,
    ich danke Ihnen herzlich für Ihren Willkommensgruß im Namen aller Amerikanerinnen und Amerikaner. Als Sohn einer Einwandererfamilie freut es mich, Gast zu sein in diesem Land, das großenteils von solchen Familien aufgebaut wurde. Ich freue mich auf diese Tage der Begegnung und des Dialogs, in denen ich gewiss viele der Hoffnungen und Träume der Menschen Amerikas aufnehmen und teilen werde.
     Während meines Besuchs werde ich die Ehre haben, vor dem Kongress zu sprechen. Dabei hoffe ich als ein Bruder dieses Landes, Worte der Ermutigung an die zu richten, welche berufen sind, die politische Zukunft der Nation in Treue zu ihren Gründungsprinzipien zu gestalten. Ich werde auch nach Philadelphia zum Achten Weltfamilientreffen reisen, um die Institutionen von Ehe und Familie in dieser Zeit, einem kritischen Moment in der Geschichte unserer Kultur, zu würdigen und zu stützen.
     Herr Präsident, gemeinsam mit ihren Mitbürgern engagieren sich die amerikanischen Katholiken dafür, eine absolut tolerante und inklusive Gesellschaft aufzubauen, die Rechte der Einzelnen und der Gemeinschaften zu schützen und jede Form ungerechter Diskriminierung zurückzuweisen. Mit zahllosen anderen Menschen guten Willens tragen sie ebenso Sorge, dass die Bemühungen um eine gerechte und wohlgeordnete Gesellschaft ihren tiefsten Interessen und ihrem Recht auf religiöse Freiheit entsprechen. Diese Freiheit bleibt einer der wertvollsten Schätze Amerikas. Wie meine Mitbrüder, die amerikanischen Bischöfe uns erinnert haben, sind alle dazu aufgerufen, wirklich als gute Bürger wachsam zu sein, um jene Freiheit zu hüten und gegen alles, was sie bedrohen oder beeinträchtigen könnte, zu verteidigen.
     Herr Präsident, ich finde es ermutigend, dass Sie eine Initiative zur Verringerung der Luftverschmutzung vorschlagen. Angesichts der Dringlichkeit bin auch ich der Überzeugung, dass der Klimawandel ein Problem ist, das nicht länger einer kommenden Generation überlassen werden darf. Was die Sorge für unser »gemeinsames Haus« betrifft, leben wir gerade in einem kritischen Moment der Geschichte. Wir haben noch Zeit, die notwendigen Änderungen durchzuführen, um »eine nachhaltige und ganzheitliche Entwicklung« zustande zu bringen, »denn wir wissen, dass sich die Dinge ändern können« „Laudato Si" 13. Ein solcher Wandel verlangt von uns, mit Ernst und in Verantwortung zu erkennen, was für eine Welt wir hinterlassen wollen – nicht nur unseren Kindern, sondern auch den Millionen von Menschen, die unter einem System leben, das ihnen keine Beachtung schenkt. Unser gemeinsames Haus ist Teil dieser Gruppe von Ausgeschlossenen geworden, die zum Himmel schreit und die heute kräftig an unsere Häuser, unsere Städte und unsere Gesellschaft klopft. Um einen markanten Ausspruch von Pastor Martin Luther King zu gebrauchen, können wir sagen, dass wir einen Schuldschein nicht eingelöst haben und es jetzt Zeit ist, der Verpflichtung nachzukommen.
    Wir wissen vom Glauben her, dass der Schöpfer uns nicht verlässt. »Niemals macht er in seinem Plan der Liebe einen Rückzieher, noch reut es ihn, uns erschaffen zu haben. Die Menschheit besitzt noch die Fähigkeit zusammenzuarbeiten, um unser gemeinsames Haus aufzubauen« „Laudato Si", 13. Als Christen, die von dieser Gewissheit erfüllt sind, möchten wir uns der bewussten und verantwortlichen Sorge für unser gemeinsames Haus widmen.
    Die Bemühungen, die kürzlich unternommen wurden, um gebrochene Beziehungen in Ordnung zu bringen und um neue Türen der Zusammenarbeit in unserer Menschheitsfamilie zu öffnen, stellen positive Schritte auf dem Weg der Versöhnung, der Gerechtigkeit und der Freiheit dar. Mein Wunsch ist, dass alle Männer und Frauen guten Willens in dieser großen Nation die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft unterstützen, das Verwundbare in unserer Welt zu schützen und ganzheitliche und inklusive Entwicklungsmodelle anzuregen. Auf diese Weise mögen unsere Brüder und Schwestern überall den Segen des Friedens und der Wohlfahrt erfahren, die Gott für alle seine Kinder vorgesehen hat.
   Herr Präsident, nochmals danke ich Ihnen für Ihre Begrüßungsworte, und ich freue mich auf diese Tage in Ihrem Land. Gott segne Amerika! Rv150923sk

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Papst an US-Bischöfe: Vorsicht vor Spaltungen
Papst Franziskus spricht vor US-Bischöfen in der St Mathew Kathedrale in Washington DC.

   Papst Franziskus hat die Dynamik der katholischen Kirche in den USA gelobt. In einer langen Grundsatzansprache in der Kathedrale von Washington erinnerte er die US-Bischöfe am Mittwochvormittag (Ortszeit) daran, dass der Einsatz für die Umwelt und für Einwanderer ebenso zu den Kernaufgaben der Kirche gehöre wie etwa das Engagement gegen Abtreibung oder „die Verkündigung des Evangeliums der Familie“.
   Man dürfe diesen Fragen nicht ausweichen noch zu ihnen schweigen, denn da gehe es immer um Gottes Schöpfungsplan, dessen „Verwalter“ und nicht etwa „Herren“ wir seien. Deutlich wurde das Bemühen des Papstes, Polarisierungen zu vermeiden; deutlich mahnte er die Bischöfe, keine kriegerische Sprache zu führen. Es gebe schon genug Spaltungen in der Welt: Die Kirche dürfe sich nicht auseinanderdividieren lassen, dürfe nicht in kleine Grüppchen zerfallen.
   Franziskus unterstrich die vielfältige, auch finanzielle Hilfe, die die US-Kirche in vielen Teilen der Weltkirche leiste, und ihren von der US-Gesellschaft oft unterschätzten Beitrag im Schul- und Gesundheitswesen. Er stellte sich ausdrücklich hinter den Kampf „für die Sache des Lebens und der Familie“; das sei im übrigen auch eines der Hauptmotive seiner Reise. Der Papst ging aber auch ausdrücklich auf den Missbrauchsskandal ein, der die US-Kirche ebenso gebeutelt hat wie die Kirchen in Europa: Er wisse um die „Wunde der letzten Jahre“ und ermuntere, alles für eine Heilung der Opfer zu tun – und dafür, dass sich solche „Verbrechen“ niemals wiederholten.
   Als Amerikaner wie sie und als langjähriger Erzbischof von Buenos Aires bringe er viel Verständnis für ihre Situation auf, betonte Franziskus. Er bat sie, keine „komplexen Lehren“ zu predigen, sondern Christus freudig zu verkünden; und nicht „sich selbst zu weiden“, sondern „die Familie Gottes“. Die Kirche dürfe nicht ständig um sich selbst kreisen, sondern den Horizont auf Gott hin offenhalten. „Kultur der Begegnung“ und Dialog seien keine „Strategie“, sondern entsprechen nach Auffassung des Papstes der „Methode“ Jesu.
   Die USA hätten angesichts ihrer riesigen „materiellen und geistlichen Ressourcen“ weiterhin wichtige „moralische Verantwortungen“ der Welt gegenüber. Das Feuer dieses „Leuchtturms“ dürfe nicht erlöschen, es gehe um „die Zukunft von Freiheit und Würde unserer Gesellschaften“. Eindringlich bat Franziskus auch um stärkeren Einsatz für Einwanderer aus Lateinamerika; er tue das auch „in eigener Sache“, so der Sohn italienischer Einwanderer nach Argentinien. Vielleicht sei es für US-Bistümer nicht immer leicht, mit dem Ansturm und der Integration von ‚Hispanics’ klarzukommen, doch diese könnten „Amerika und seine Kirche bereichern“, wie das schon bei früheren Einwanderungs-Wellen der Fall gewesen sei. Rv150923sk

n-am-122-MtKathedraleWashington-ZZ

Washington: Papst spricht Kalifornien-Missionar heilig

   Die Weltkirche hat einen neuen Heiligen: Es ist der von Mallorca stammende Franziskaner Junípero Serra (1713- 1784), Missionar Kaliforniens im 18. Jahrhundert. Papst Franziskus nahm die Heiligsprechung an diesem Mittwochnachmittag (Ortszeit) am „National Shrine“ in Washington vor; es war seine erste große Messfeier auf dem Boden der USA seit seiner Ankunft in der Hauptstadt 24 Stunden zuvor. Viele US-Katholiken hatten sich auch einen Abstecher von Franziskus nach Kalifornien gewünscht, wo der neue Heilige einst zwischen dem heutigen San Diego und Sonoma über zwanzig Missionsstationen gegründet hat, doch der Papst entschied sich für Serras Heiligsprechung in Washington.
Lesung in der Indianersprache
   Ungewohnte Töne bei einer Papstmesse: Die Erste Lesung aus dem Buch Jesaja wurde in der Indianersprache Chochenyo vorgelesen, einer Sprache, die die Eingeborenen im früheren Missionsgebiet Serras rund um die Bucht von San Francisco heute noch sprechen. Am Rand der Messfeier von Washington traf sich Franziskus übrigens auch mit etwa zwanzig „Natives“, also Indianern, aus Kalifornien. Noch weltkirchlicher wurde es bei den Fürbitten: koreanisch, Zeichensprache, vietnamesisch, tagalog, igbo und kreolisch. Seine Predigt hielt der Papst in seiner und des neuen Heiligen Muttersprache, also auf Spanisch; dabei ging er von der christlichen Freude aus.
   „Jesus hat es damals seinen Jüngern gesagt und sagt es heute uns: Geht, verkündet! Die christliche Freude erfährt und lebt man nur, wenn man sie weitergibt – und wenn man sich selbst gibt. Der Geist der Welt lädt uns zur Anpassung ein und zur Bequemlichkeit. Dagegen müssen wir von neuem spüren, dass wir uns gegenseitig brauchen und dass wir eine Verantwortung den anderen und der Welt gegenüber haben – die Verantwortung, die Botschaft Jesu zu verkünden. Denn die Quelle unserer Freude ist dieser unerschöpfliche Wunsch, Barmherzigkeit anzubieten...“
Kirche darf nicht „zu einer Elite gerinnen“ 
    Jesus schicke auch heute die Christen „zu allen Nationen, zu allen“: „Er gibt uns keine Liste, zu wem wir gehen sollen und zu wem nicht, wer würdig ist oder nicht, seine Botschaft, seine Präsenz zu empfangen. Im Gegenteil, er hat das Leben immer so genommen, wie es ihm gerade entgegenkam, mit dem Gesicht des Schmerzes, des Hungers, der Krankheit, der Sünde...Er hat nicht auf ein aufgehübschtes, verziertes, geschminktes Leben gewartet, sondern es umarmt, wie es ihm entgegenkam... Mission entsteht nie aufgrund eines perfekt ausgearbeiteten Masterplans oder nach einem gut strukturierten Handbuch, sondern immer ... aus einer Erfahrung der Salbung durch die Barmherzigkeit Gottes.“ Das „heilige Volk Gottes“, die Kirche, begleite die Menschen auf den „staubigen Straßen der Geschichte“ und habe „keine Angst, irgendwas falsch zu machen“: „Es hat vielmehr Angst vor der Abgeschlossenheit, vor dem Gerinnen zu einer Elite, vor dem Anhangen an die eigenen Sicherheiten... Darum lasst uns hinausgehen und allen das Leben in Jesus Christus anbieten!“
    Den neuen Heiligen würdigte Franziskus als Modell einer „Kirche im Hinausgehen“. „Er hat sein Land, seine Gebräuche hinter sich gelassen und den Mut aufgebracht, neue Wege zu öffnen, neuen Menschen entgegenzugehen und von ihnen zu lernen... Er hat sich bemüht, die Würde der Eingeborenen vor Missbräuchen zu verteidigen – Missbräuchen, wie es sie auch heute noch gibt. Er wusste seinem Motto ‚Immer vorwärts’ gemäß zu leben, das war seine Art und Weise, um die Freude des Evangeliums zu leben, ohne sich das Herz betäuben zu lassen.“
Junípero Serra: Tausendsassa der Mission
      Etwa 30.000 Menschen lauschten, als zu Beginn der Messe vor der Heiligsprechung eine Biografie des nicht ganz unumstrittenen Padre Junípero Serra vorgetragen wurde. 1749 war Serra zusammen mit spanischen Kolonialbeamten als Missionar in die Neue Welt gelangt, zunächst nach Mexiko. Dort lernte er als erstes die einheimische Sprache, um die Indianer bei seinen Missionsbemühungen in einem vertrauten Idiom ansprechen zu können. Für die Messfeiern übersetzte der Franziskaner, Jahrhunderte vor dem Zweiten Vatikanum, kurzerhand einige Gebete in ihre Sprache. In Santiago de Jalpàn entstand unter seiner Regie eine barocke Kirche aus Stein – ein Novum in diesen Breiten und ein Vorbild für weitere Bauten. In San Ferdinando arbeitete er als Novizenmeister und Prediger in mehreren mexikanischen Bistümern.
   1767, nach der Vertreibung der Jesuiten aus allen spanischen Besitzungen, gelangte das heutige Kalifornien in die pastorale Verantwortung der Franziskaner. Padre Junípero wurde zum Superior ernannt, er erreichte die Region 1768 zusammen mit vierzehn Gefährten und begann von San Diego aus ein einzigartiges Werk der Evangelisierung. Kirchen wurden hochgezogen, Missionsstationen gegründet oder – nach Indianerangriffen – wieder aufgebaut, nach Schätzungen legte der unermüdliche Missionar auf seinen Pastoralreisen ca. 10.000 km zurück, dazu kommen 5.400 Seemeilen. Auf die Gründungen des Padre aus Mallorca gehen die heutigen Städte San Francisco, San Diego, Los Angeles u.a. zurück; er gilt als „Vater der Indios“, seit 1931 steht seine Statue als Verkörperung des Bundesstaats Kalifornien im US-Kongress in Washington. Übrigens trägt auch der höchste Gipfel der St.-Lucia- Bergkette in Kalifornien seinen Namen. Rv150923sk 

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Jenseits der Politik: Der radikale Papst in den USA  Foto:  Franziskus mit Kardinal Donanld Wuerl von Washington

   Man kann derzeit in den USA – wenigstens an der Ostküste – an keinem Bildschirm vorbeilaufen, ohne dass Papst Franziskus zu sehen ist. Sein Besuch dominiert die Medien. Nicht alles ist freundlich, eine New Yorker Zeitung nannte ihn am Mittwoch den Jester-in-Chief, den Oberhofnarren. Aber das Interesse ist da, kein Medium kann wegsehen, und die meisten Berichte bemühen sich darum, möglichst viel von diesem Papst verstehbar zu machen. Das liegt sowohl an der Botschaft dieses Papstes als auch an der Art und Weise, wie er reist, wie er sich verhält, wie er mit Menschen umgeht und was für ein Bild er dadurch von sich geschaffen hat, sagt Pater Matt Malone SJ, Herausgeber des America Magazine in New York, der wichtigsten katholischen Zeitschrift des Landes. „Das alles hat eine mediale Aufmerksamkeit geschaffen wie nie zuvor. Kein anderer Papstbesuch hatte so viel Aufmerksamkeit. Er ist unglaublich populär unter den amerikanischen Katholiken und auch allgemein unter Amerikanern. Seine Botschaft, sein einfacher Stil und die große Offenheit passen sehr gut zur Kultur der USA, die auch offen, einfach und wenig formal ist.“
   Ein Blick in die Zeitungen zeigt, was die Themen sind, welche die Öffentlichkeit am meisten beschäftigen. Die New York Times zum Beispiel macht eine Liste mit den Themen, welche interessieren und wie sie vom Papst besetzt sind. Die ersten vier Themen stammen aus dem Feld der Sexualmoral und der Familie: Homosexualität, Abtreibung, Scheidung und Geburtenkontrolle. Es folgen Frauen in der Kirche und sexueller Missbrauch, auch das Konfliktthemen. Erst dann kommen Migration, Umwelt, Kapitalismus und Diplomatie, was in den USA vor allem Kuba bedeutet.
Säkular-politische Brillengläser
  
„Das zeigt, dass wir hier alles durch ein säkular-politisches Prisma betrachten. Das wird zum Problem, wenn wir über die Kirche reden“, sagt Pater Malone. „Die Sprache, die wir da gebrauchen, von konservativ und liberal und zwei Seiten gegeneinander, die passt nicht zur Kirche. Dieser Papst bezeugt die katholische Soziallehre, die über diese Debatten hinausgeht. Wenn der Papst also im US-Kongress steht und etwas sagt, dann fordert er jeden einzelnen in diesem Raum heraus. Jeder fühlt sich vom Papst aber anders herausgefordert, je nachdem, wo er politisch steht. Aber das zeigt, dass das, was wir als Katholiken glauben, nicht in säkulare Politik einfach eingeordnet werden kann.“ Hier in den USA fällt es besonders auf, dass die Berichterstattung aber genau das macht, also in säkulare politische Kategorien fällt, um den Papst zu berichten, auch wenn da vielleicht gar keine böse Absicht dahintersteckt. So wird Kirche hier gesehen, zumal in einer Zeit, in der die Politik auf eine neue Präsidentschaftswahl zugeht.
   Deswegen sei der Papstbesuch auch eine Chance, die ganze Geschichte zu erzählen und die gesamte katholische Identität darzustellen, nicht nur durch parteipolitische Brillengläser. „Wenn wir etwas wissen, dann ist es, dass dieser Papst keine Ideologie mag. Er lehnt beide Sichtweisen ab, nicht weil er ein Moderater wäre, das wäre nur eine andere Spielart des Problems, sondern weil er ein Radikaler ist. Er ist radikal, wie auch das Evangelium radikal ist, das jeden einzelnen Aspekt unseres Lebens herausfordert. Das kann einfach nicht in Ideologien oder politischen Programmen gefasst werden.“
Die Radikalität des Evangeliums
  
Es gebe einen Kampf in den USA: zwischen Katholiken, die sich selber als konservativ bezeichnen und Katholiken, die ihre Identität als progressiv sehen. Der Papst komme aber von ganz woanders her, sagt Pater Malone. Er selber sehe deswegen den Papst als jemanden, der die Christen zu den fundamentalen Dingen des Glaubens zurückrufe. Weg von den politischen und letztlich ideologischen Debatten. „Schlussendlich geht es nicht um eine Ideologie oder Philosophie oder Theologie oder Statistik oder irgendein anderes menschliches Konstrukt. Es geht um den nach dem Bilde Gottes geschaffenen Menschen. Das ruft der Papst in uns auf. Und das ist radikal. Das ist nicht einfach eine Platitüde, die man so sagt, jaja das glauben wir auch, aber jetzt lasst uns mal die wirklich wichtigen Fragen besprechen - das ist die wirklich wichtige Frage. Und wenn man ihm wirklich zuhört, dann hört man diese Botschaft sehr deutlich.“ Aus New York Pater Bernd Hagenkord, Radio Vatikan.  Rv150924ord

n-am-124-ZxZ-cd.DonaldWuerlWashington

Versöhnung und Ehrfurcht: Eindrücke aus New Yorks Kirche - New York erwartet den Papst

   In New York steht die ganz große Politik auf dem Programm von Franziskus: Der Papst wird vor den Vereinten Nationen sprechen, 170 Staats- und Regierungschefs werden zur Vollversammlung hier sein und ihm zuhören. Der Besuch in der Immigrantenschule, die Vesper mit den Ordensleuten oder andere Begegnungen scheinen dagegen eher klein. Dabei kommt der Papst in ein lebendiges Bistum. Es kämpft wie alle anderen auch um pastorale Neustrukturierungen, aber wenn man sich unter den Priestern hier umhört, erfährt man auch einiges vom Glaubensleben der Stadt.
   Miles Murphy Foto ist Pfarrer von Sankt Agnes in New York, eine der ganz alten Pfarreien. Sie ist berühmt und beliebt, zu den Mitgliedern gehören UNO-Mitarbeiter und Diplomaten, viele Nichtkatholiken kommen zum Beten hierher, die Kirche hat viele Besucher von außerhalb, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass die Kirche gleich hinter dem Chrysler Building liegt.
   Wenn der Papst, der ja bei den Vereinten Nationen ganz in der Nähe sein wird, zufällig in die Kirche käme,  auf was würde Pater Murphy ihn ansprechen? „Ich glaube, dass wäre etwas, worüber er schon oft gesprochen hat, nämlich das Bedürfnis nach Versöhnung, nach dem Sakrament der Versöhnung. Manchmal haben wir hier fünfzig, an manchen Tagen haben wir hier 150 Menschen zur Beichte. Das müssen wir in der Weltkirche stärken, die Priester müssen dafür mehr zugänglich sein. Ich würde dem Papst sagen, dass wir in der Kirche mehr darüber sprechen müssen. Dieses Sakrament muss zugänglicher werden, vor allem heute, wo so viele Menschen Versöhnung mit Gott suchen.“
Versöhnung mit Gott, Sinn für das Heilige
   Leonard F. Villa steht der Gemeinde der Holy Innocents vor, auf der anderen Seite von Manhattan. Was er dem Papst von seiner New Yorker Gemeinde erzählen würde? „In dieser Kirche gibt es wirklich einen Sinn für die Gemeinschaft der Heiligen. Damit meine ich nicht Aberglauben. Sondern ich meine den Sinn dafür, in einer großen Gemeinschaft im Himmel und auf der Erde zu sein. Die Menschen nehmen das hier sehr ernst und schätzen das. Auch die Sakramentalien der Kirche werden geschätzt, Weihwasser, Heiligenbilder und so weiter. Das wird von einigen Menschen oft nicht ernst genommen, man hält das für Aberglauben, aber davon habe ich hier nichts mitbekommen. Die Menschen verstehen diese Dinge wirklich.“
   Ganz New York kommt hierher, alle Generationen, alle Kontinente und Traditionen sind vertreten, berichtet Pater Villa. Vor allem aber sei es eine Berufstätigenkirche, unter der Woche voll, am Wochenende eher leer, normal für eine Kirche in einem Geschäftsbezirk. „Ich würde dem Papst von der Hingabe der Menschen erzählen, die in diese Pfarrei kommen,  von ihrer Verehrung und ihrer Ehrfurcht hier in der Kirche. Sie haben ein Verständnis für das Heilige, sie wissen, wo sie hier sind.“
   Zwei Eindrücke von der Art Kirche, auf die Papst Franziskus in New York treffen wird. Am Freitag wird er mit dem Erzbistum New York im Madison Square Garden die Heilige Messe feiern.  Rv150924Aus New York Pater Bernd Hagenkord 

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Papst Franziskus vor der Vollversammlung der UNO: „Krieg ist die Negierung aller Rechte“

    Papst Franziskus hat die Regierenden der Welt dazu aufgerufen, Eigeninteressen und Ideologien auf Kosten der Armen auszublenden und die „unangefochtene Herrschaft des Rechts“ sicherzustellen. Nur so könne die internationale Politik ihrem Auftrag als Friedensstifter nachkommen. Franziskus sprach an diesem Freitag in einer langen Rede vor der UNO-Vollversammlung in New York. Er beschwor die Staatenlenker eindringlich, anstehende wichtige Entscheidungen über Umwelt und Politik nicht zu verschieben. Konstant lenkte der Papst den Blick auf die Verflechtungen zwischen Armut und Umwelt und darauf, dass Politik auch auf den höchsten Ebenen immer konkrete Menschen im Blick haben müsse, vor allem die Armen und Ausgeschlossenen: „Die wirtschaftliche und soziale Ausschließung ist eine völlige Verweigerung der menschlichen Brüderlichkeit und ein äußerst schwerer Angriff auf die Menschenrechte und auf die Umwelt“, erklärte der Papst. Anwesend waren 160 Staats- und Regierungschefs, so viele wie nie zuvor bei der UNO-Generaldebatte.
   Dem Wirken der Vereinten Nationen, die seit 70 Jahren bestehen, gestand Franziskus bei allen Schwierigkeiten eine geradezu weltrettende Kraft zu. Es sei „klar, dass die Menschheit, wenn all diese internationale Aktivität ausgeblieben wäre, den unkontrollierten Gebrauch der eigenen Möglichkeiten eventuell nicht überlebt hätte“. Die UNO habe viele Verdienste, so der Papst: sie entwickelte das internationale Recht, erstellte den Katalog der Menschenrechte, leistete Friedenseinsätze und löste viele internationale Konflikte. Das alles sei Teil eines idealen Wegs, nämlich die menschliche Brüderlichkeit zu konkretisieren. Franziskus zollte seine Achtung „allen Männern und Frauen, die in diesen siebzig Jahren der ganzen Menschheit treu und opferbereit gedient haben“.

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Internationale Finanzbehörden
   Danach stieg Franziskus in die dringendsten Problematiken der heutigen Weltgemeinschaft ein.  Das „letzte Ziel“ der UNO sei es, „ausnahmslos allen Ländern eine Beteiligung und einen realen und gerechten Einfluss auf die Entscheidungen zu gewähren“. Das gilt nach der Darstellung des Papstes besonders auch in der Bewältigung der Wirtschaftskrisen: „Die internationalen Finanzbehörden müssen über die nachhaltige Entwicklung der Länder wachen und diese vor einer erstickenden Unterwerfung durch Kreditsysteme schützen, die – weit davon entfernt, den Fortschritt zu fördern – die Bevölkerung unter das Joch von Mechanismen zwingen, die zu noch größerer Armut, Ausschließung und Abhängigkeit führen.
„Es gibt ein wirkliches Recht der Umwelt“
   Franziskus erinnerte die zur UNO-Generaldebatte versammelten Staatenlenker an die klassische Definition von Gerechtigkeit: „jedem das Seine zu geben“. Das bedeute, „dass weder eine Einzelperson noch eine Menschengruppe sich als allmächtig betrachten darf“. Niemand, auch kein Staat, habe das Recht, „über die Würde und die Rechte der anderen Einzelpersonen oder ihrer gesellschaftlichen Gruppierungen hinwegzugehen“.
   Die Wirklichkeit zeigt aber nach Darstellung des Papstes anderes. Heute gebe es „viele Scheinrechte und zugleich große schutzlose Bereiche“, nämlich „die natürliche Umwelt und die weite Welt der ausgeschlossenen Frauen und Männer“. Er sprach von einem „wirklichen Recht der Umwelt“ und betonte, wie sehr Umwelt und Armut zusammenhängen: „Tatsächlich führt ein egoistisches und grenzenloses Streben nach Macht und materiellem Wohlstand dazu, sowohl die verfügbaren materiellen Ressourcen ungebührlich auszunutzen als auch die auszuschließen, die schwach und weniger tüchtig sind.“ Folgerichtig rief Franziskus die Regierenden der Welt dazu auf, mehr für Umweltschutz zu tun und die Politik des Ausschlusses zu beenden, und zwar ganz konkret heute: „Die Annahme der „2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung“ auf dem Gipfeltreffen,  das noch heute beginnen wird, ist ein wichtiges Zeichen der Hoffnung.“ Er vertraue auch darauf, dass die UN-Klimakonferenz von Paris im Dezember „zu grundlegenden und wirksamen Vereinbarungen gelangt“

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Neben Deklarationen braucht es konstanten Willen”
   Feierliche Absichtserklärungen allein reichten freilich nicht aus, schärfte der Papst den Staats- und Regierungschefs zugleich ein. „Die Welt verlangt von allen Regierenden einen wirklichen, praktischen, beständigen Willen zu konkreten Schritten und unverzüglichen Maßnahmen, um die natürliche Umwelt zu bewahren und zu verbessern und das Phänomen der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ausschließung so schnell wie möglich zu überwinden.“
   Angesichts von Erscheinungen wie Menschenhandel, Organhandel, sexueller Ausbeutung von Kindern, Sklavenarbeit einschließlich Prostitution,  Drogen- und Waffenhandel, Terrorismus und internationale organisierte Kriminalität forderte Franziskus von den Politikern nicht bloß Deklarationen, die das Gewissen beruhigen, sondern Willen, Konstanz und Haltung: „Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Institutionen wirklich effektiv sind im Kampf gegen all diese Plagen.
Recht auf Wohnung, Arbeit, Land und Religionsfreiheit“
   Ebenso müssten die Regierenden mit ihrer Politik dafür sorgen, allen Menschen die „minimale materielle und geistige Grundlage“ zu geben, „um menschenwürdig zu leben und eine Familie zu gründen und zu unterhalten.“ Wohnung, Arbeit und Land seien materiell dazu nötig – Franziskus griff hier auf die Grundforderungen der von ihm geschätzten „Volksbewegungen“ zurück – sowie Religionsfreiheit und das Recht auf Bildung, besonders auch für Mädchen.

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Umweltschutz ist Lebensschutz
  Die ökologische Krise unserer Tage könnte, fuhr der Papst fort, die Existenz der Spezies Mensch selbst gefährden. Franziskus sprach von „unheilvollen Auswirkungen einer unverantwortlichen Zügellosigkeit der allein von Gewinn- und Machtstreben geleiteten Weltwirtschaft“. Als erstes und wichtigstes Gegenmittel empfahl Franziskus ein ernsthaftes Nachdenken über den Menschen und seine ethischen Grenzen. „Der Mensch macht sich nicht selbst“, zitierte der Papst seinen Vorgänger Benedikt XVI. Umweltschutz und der Kampf gegen Ausschließung erforderten die „Anerkennung eines Sittengesetzes, das in die menschliche Natur selbst eingeschrieben ist“. Dieses Gesetz schließe die natürliche Unterscheidung zwischen Mann und Frau ein sowie „die uneingeschränkte Achtung vor dem Leben in allen seinen Stadien“. Das ist ein Wink zur Position bestimmter reicher UNO-Länder, die sich ein „Recht auf Abtreibung“ auf die Fahnen schreiben.
   „Krieg ist die Negierung aller Rechte“Nach diesem Blick auf die Grundlagen politischen Handelns ging Franziskus auf den großen Auftrag der UNO selbst ein: Krieg zu vermeiden und Frieden zu schaffen. „Krieg ist die Negierung aller Rechte und ein dramatischer Angriff auf die Umwelt. Wenn man eine wirkliche ganzheitliche menschliche Entwicklung für alle anstrebt, muss man weiter unermüdlich der Aufgabe nachgehen, den Krieg zwischen den Nationen und den Völkern zu vermeiden.“ Zu diesem Zweck müsse „die unangefochtene Herrschaft des Rechtes sichergestellt werden“, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln: Verhandlungen oder Schiedsverfahren etwa. Franziskus wiederholte sein klares Nein zu Waffen, ganz besonders Atomwaffen. Diese „verleugneten in der Praxis“ die Grundsteine des internationalen Rechtsgebäudes. Und noch deutlicher: „Eine Ethik und ein Recht, die auf der Bedrohung gegenseitiger Zerstörung – und möglicherweise einer Zerstörung der gesamten Menschheit – beruhen, sind widersprüchlich und stellen einen Betrug am gesamten Gefüge der Vereinten Nationen dar.“ Ausdrücklich würdigte Franziskus an dieser Stelle das Atomabkommen mit Iran. Diese Vereinbarung sei „ein Beweis für die Möglichkeiten des politischen guten Willens und des Rechts“; er wünsche sich, dass sie „dauerhaft und wirkungsvoll sei.”
Lob für Atomabkommen mit dem Iran
   Als Beispiel verfehlter Politik nannte der Papst politische und militärische Eingriffe in Nahost und Afrika ohne Abstimmung in der UNO. Konkreter wurde er nicht, doch dürfte er damit auf die Lufteinsätze der USA und Großbritanniens in Syrien und jene Frankreichs in Libyen anspielen. Christen und auch gemäßigte Muslime müssten in bestimmten Weltgegenden zusehen, wie ihre Kultstätten, ihre Häuser und ihre Habe zerstört werde. Solche Lebensrealitäten müssten „ein ernster Aufruf zu einer Gewissenserforschung“ der Staatenlenker sein. In jedem Fall aber – und hier nannte der Papst die Ukraine, Syrien, Irak, Libyen, Süd-Sudan und das Gebiet der großen afrikanischen Seen – hätten „konkrete Personen den Vorrang vor Partei-Interessen,  so legitim sie auch sein mögen. In den Kriegen und Konflikten gibt es den einzelnen Menschen, unseren Bruder und unsere Schwester – Männer und Frauen, Jugendliche und Alte, Knaben und Mädchen, die weinen, leiden und sterben –, Menschen, die zu Material werden, wenn man sich nur damit beschäftigt, Probleme und Strategien anzuführen und sich in Diskussionen zu ergehen – zu Material, das man wegwerfen kann.“

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   Die Gefahr für die Entwicklung der Welt komme „weder vom Fortschritt noch von der Wissenschaft”, zitierte Franziskus gegen Ende seiner Ansprache Papst Paul VI., der vor fast genau 50 Jahren am selben Rednerpult gesprochen hatte Foto: „Die wahre Gefahr liegt im Menschen, der über immer mächtigere Mittel verfügt, die fähig sind, sowohl in den Ruin als auch zu größten Errungenschaften zu führen.“ So mahnte Franziskus die Staats- und Regierungschefs sowie die Vertreter der 193 UNO-Staaten dazu, „neue Dynamiken in der Gesellschaft“  zu erzeugen. „Wir können es uns nicht leisten, ,einige Zeitpläne´ auf die Zukunft zu verschieben. Die Zukunft verlangt von uns kritische und globale Entscheidungen im Hinblick auf die weltweiten Konflikte, die die Anzahl der Ausgeschlossenen und Bedürftigen erhöhen.“ Die internationalen Politiker müssten „sektorale Interessen und Ideologien ausblenden und aufrichtig nach dem suchen, was dem Gemeinwohl dienlich ist“.
   Es war das fünfte Mal, dass ein Papst vor der UNO-Vollversammlung sprach. Die erste Rede vor der internationalen Welt-Organisation hielt Paul VI. im Jahr 1965. Johannes Paul II. kam zweimal, 1979 und 1995. Papst Benedikt XVI. sprach 2008 vor der UNO. Rv150925gs

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Papst Franziskus vor dem UNO Personal: „Lebt das Ideal der Menscheitsfamilie“- Papst Franziskus bei der UNO

   Papst Franziskus hat den Hauptsitz der UNO in New York besucht. Er sprach zu dem Personal der Vereinten Nationen. Nach einem Fotoshooting mit Ban Ki-Moon und den Bischöfen begab er sich in eine Halle, wo bereits die Mitarbeiter mit erhobenen Smartphones warteten.
   In erster Linie bedankte sich Papst Franziskus bei den Mitarbeitern, sie seien das „Rückgrat der Organisation“ und ein „Mikrokosmos der Völker, die diese Organisation“ vertrete. Jeder einzelne von Dolmetscher bis zum Koch und Sicherheitspersonal sei unersetzlich und ihre Arbeit wertvoll für die gesamte „Menschheitsfamilie“.
   Er ehrte die stille und hingebungsvolle Arbeit der Mitarbeiter für den Frieden und die Gerechtigkeit und für forderte die Mitarbeiter auf, auch untereinander für Frieden und Gerechtigkeit zu sorgen und für Harmonie nicht nur in der Menschheitsfamilie sondern auch in der Firma intern zu sorgen.
   Seien Sie einander nahe, achten Sie sich gegenseitig und verkörpern Sie so untereinander das Ideal dieser Organisation: eine geeinte Menschheitsfamilie, die in Harmonie lebt, die nicht nur für Frieden, sondern in Frieden arbeitet; die nicht nur für Gerechtigkeit, sondern im Geist der Gerechtigkeit arbeitet.  Rv150925no

Papst Franziskus vor dem UNO Personal: „Lebt das Ideal der Menscheitsfamilie“

   Papst Franziskus hat den Hauptsitz der UNO in New York besucht. Er sprach zu dem Personal der Vereinten Nationen. Nach einem Fotoshooting mit Ban Ki-Moon und den Bischöfen begab er sich in eine Halle, wo bereits die Mitarbeiter mit erhobenen Smartphones warteten.
   In erster Linie bedankte sich Papst Franziskus bei den Mitarbeitern, sie seien das „Rückgrat der Organisation“ und ein „Mikrokosmos der Völker, die diese Organisation“ vertrete. Jeder einzelne von Dolmetscher bis zum Koch und Sicherheitspersonal sei unersetzlich und ihre Arbeit wertvoll für die gesamte „Menschheitsfamilie“.
Er ehrte die stille und hingebungsvolle Arbeit der Mitarbeiter für den Frieden und die Gerechtigkeit und für forderte die Mitarbeiter auf, auch untereinander für Frieden und Gerechtigkeit zu sorgen und für Harmonie nicht nur in der Menschheitsfamilie sondern auch in der Firma intern zu sorgen.
Seien Sie einander nahe, achten Sie sich gegenseitig und verkörpern Sie so untereinander das Ideal dieser Organisation: eine geeinte Menschheitsfamilie, die in Harmonie lebt, die nicht nur für Frieden, sondern in Frieden arbeitet; die nicht nur für Gerechtigkeit, sondern im Geist der Gerechtigkeit arbeitet.  Rv150925no

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UNO hisst erstmals Vatikanflagge  -  Foto: Archivbild: Papst Franziskus mit UNO-Chef Ban Ki-Moon

   Zum ersten Mal überhaupt wird vor dem UNO-Hauptsitz in New York die Vatikanfahne offiziell gehisst. Das teilt die Ständige Vertretung des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen mit. Der Entscheidung der UNO sei eine Beratung mit dem Heiligen Stuhl vorausgegangen. Beide Seiten hätten sich darauf geeinigt, dass die Vatikanfahne ohne eigene Zeremonie zusammen mit den Fahnen der UNO-Mitgliedsstaaten am Hudson River aufgezogen wird. Der Vatikan ist kein Mitglied der UNO, hat aber – wie mittlerweile auch Palästina – den Status eines Ständigen Beobachters. Papst Franziskus hat als vierter Papst in der Geschichte eine Rede vor der UNO-Vollversammlung halten. Rv150921sk

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Foto oben: St. Patrick New York Foto unten: Heilige Messe im Madison Square Garden New York

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Papst Franziskus bei der Messe im Madison Square Garden

   Normalerweise finden im „Madison Square Garden“, einem Stadion in New York, Wrestling-Wettkämpfe statt – oder Parteitage. Doch an diesem Freitagabend (Ortszeit) hatte das Erzbistum NY das Rund gemietet: Etwa 20.000 Menschen nahmen hier an einer Messe mit Papst Franziskus teil. Die (kostenlosen) Eintrittskarten für das Ereignis waren in den letzten Wochen heiß begehrt, sogar ein Schwarzmarkt hatte sich dafür entwickelt. Der Papst bat die New Yorker, ihre Stadt nicht zu einem anonymen Moloch werden zu lassen: „Gott lebt in unseren Städten“, rief er ihnen zu.
   Bunt und lebhaft – so präsentierten sich die Katholiken des „Big Apple“ dem Besucher aus dem Vatikan. Konsequenter noch als bei den Reisen früherer Päpste nach New York wurde in der Liturgie neben dem Englischen auch Spanisch gesprochen, eine Verbeugung vor den „Hispanics“, die das Gesicht der US-Kirche immer stärker prägen. Die Fürbitten allerdings gab es u.a. auf Irisch, Polnisch, Deutsch und Italienisch, und das verwies auf die klassischen Einwanderernationen früherer Jahrhunderte.
„Das Volk, das im Smog wandelt...“
   „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht“: Über diesen Vers aus dem alttestamentlichen Prophetenbuch des Jesaja predigte Papst Franziskus in New York. Es sei „eine besondere Gabe des gläubigen Volkes Gottes“, auch inmitten der „Dunkelheiten“ das Licht Christi zu entdecken. Nicht ohne Ironie übersetzte er die Jesaja-Worte in die heutige Wirklichkeit: „Das Volk, das mitten im Smog wandelt, atmet, lebt, es sieht ein helles Licht, erfährt frische Luft.“
   Es sei „etwas recht Komplexes“, in einer Metropole zu leben, fuhr Franziskus fort; da sprach auch der frühere Erzbischof von Buenos Aires aus ihm. Multikulturelle Städte wie New York seien „mit großen Herausforderungen“ konfrontiert, „die nicht einfach zu lösen sind“. Allerdings bedeute die „Verschiedenheit der Kulturen, Traditionen und historischen Erfahrungen“ auch einen großen Reichtum: „Großstädte werden zu Polen, welche die mannigfachen Möglichkeiten darzustellen scheinen, die wir Menschen gefunden haben, um dem Leben in den Umständen unseres Daseins Sinn zu geben.“
„Großstädte verbergen die Gesichter“
   Von da schlug der Papst den Bogen zu einem Thema, das ihm sehr am Herzen liegt: Menschen in Armut, Menschen am Rand. „Großstädte verbergen die Gesichter all jener Menschen, die scheinbar keine Bürgerschaft haben oder Bürger zweiter Klasse sind. In Großstädten ziehen unter dem Lärm des Verkehrs, unter dem „Rhythmus des Wandels“ so viele Gesichter unbemerkt vorbei, weil sie kein „Recht“ auf Bürgerschaft haben, kein Recht, ein Teil der Stadt zu sein“. Ausländer seien das, „ihre Kinder, die nicht eingeschult wurden, Menschen ohne Krankenversicherung“.  Die Anonymität dieser Menschen „an den Rändern unserer Straßen, auf unseren Gehwegen“, sei „ohrenbetäubend“. „Sie werden zu einem Bestandteil einer urbanen Landschaft, die in unseren Augen und vor allem in unseren Herzen allmählich selbstverständlich wird.“
   Aber Jesus gehe „weiter auf unseren Straßen einher“, mische sich „wirklich unter sein Volk“, und das erfülle uns mit Hoffnung. Einer Hoffnung, die keine Gleichgültigkeit den Mitmenschen gegenüber mehr zulasse. „Eine Hoffnung, die keine Angst hat, sich einzubringen und so als Sauerteig zu wirken, wo immer sie auch lebt und handelt. Eine Hoffnung, die uns auch mitten im „Smog“ die Gegenwart Gottes erkennen lässt, der weiterhin in unserer Stadt einhergeht.“ Jesus dränge uns auch heute, so wie einst seine Jünger, auf die Menschen zuzugehen: „Geht hinaus, immer wieder, geht hinaus ohne Angst, ohne Scheu. Geht hinaus und verkündet die Freude, die für alle Menschen bestimmt ist.“ Die Christen sollten durch ihr Leben zeigen, dass Gott auch heute die Armen und Verlorenen umarmt; dass er uns „von einem gesichtslosen und leeren Leben befreit“, „vom Wettbewerbskampf und von der Selbstbezogenheit“. Rv150925

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