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nordd. Kirche

  Berichte aus der norddeutschen Kirche
aus dem Erzbistum Hamburg mit den Bistümern Hildesheim und Osnabrück und dem Offizialat Vechta

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 Stefan Heße wird zum Erzbischof von Hamburg geweiht

   In Hamburg ist der jüngste Bischof Deutschlands in sein Amt eingeführt worden. Sieben Wochen nach der Ernennung durch Papst Franziskus wurde der 48-jährige Stefan Heße im Rahmen einer Zeremonie im Mariendom zum Erzbischof von Hamburg geweiht.
   Der ehemalige Kölner Generalvikar zählt zu den Hoffnungsträgern der katholischen Kirche und gilt als offen, kommunikativ und authentisch. Er tritt die Nachfolge von Werner Thissen an, der im Frühjahr 2014 mit 75 Jahren aus Altersgründen aus dem Amt geschieden war.
   Als Heße die Zeichen des bischöflichen Amtes - Bischofsstab, Mitra, Bischofsring und Brustkreuz - entgegennahm, brandete in dem vollbesetzten Gotteshaus Applaus auf. Zum Wahlspruch wählte der neue Erzbischof "Bei Gott ist alles möglich", ein Vers aus dem Matthäus-Evangelium.
   Neben Vertretern aus Politik und Gesellschaft nahmen auch 24 katholische Bischöfe an der Feier teil, darunter die Kardinäle Reinhard Marx (München), Joachim Meisner und Rainer Maria Woelki (beide Köln). In seinem Grußwort sagte Kardinal Marx, dass Erzbischof Heße als nun jüngstes Mitglied der Konferenz noch ein paar Jahrzehnte vor sich habe: "Da kann man viel prägen, wenn man langfristig arbeitet und denkt." Telekom-online150315

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Der dritte Hamburger Erzbischof ist im Amt - 1.400 Gläubige begleiteten die Weihe von Stefan Heße
„Mit Freude stelle ich fest, dass das Erzbistum Hamburg wieder einen Erzbischof hat!“
Samstag, 14. März 2015, kurz nach 11 Uhr, durfte Dompropst Spiza diese Botschaft verkünden. 

   Normalerweise wird im Gottesdienst nicht applaudiert. Am Samstag, bei der Bischofsweihe von Stefan Heße, war das anders. Einmal war der Applaus sogar im Ablaufplan vorgesehen: Nämlich in dem Moment, als der geweihte Bischof auf seinem Bischofsstuhl Platz nahm. Denn in diesem Augenblick wurde aus Stefan Heße Erzbischof Stefan. 
Ein Bischof, so hat es Papst Franziskus verlangt, muss den „Geruch seiner Schafe“ annehmen. Bischof Franz-Josef Bode erinnerte in der Predigt an dieses Papstwort und an seinen Ursprung im Buch Ezechiel. Bischof Bode: „Nicht nach Geld riechen, nicht nach Herrschaft riechen, sondern nach Stall, nach der Nähe zu denen, die dem Hirten anvertraut sind. Die Rede Gottes bei Ezechiel drückt es so großartig aus – gerade für uns Bischöfe, die sich gerne Oberhirten nennen lassen, und heute für dich, lieber Stefan:  Sich kümmern, zusammenführen und sammeln aus der vielfältigen Diaspora, der Zerstreuung und aus den verschiedenen Herkünften, Ländern und Kulturen. Gerade im Erzbistum Hamburg ist das eine große Aufgabe.“ Selten war die Herde im St.Mariendom so groß wie am Samstag. 800 Menschen passten in den Dom, 600 feierten im Saal und auf dem Domplatz mit.

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   Die Feier begann mit einer Übergabe am Domportal. Foto Alterzbischof Werner Thissen überreichte seinem Nachfolger ein Brustkreuz, das alle Hamburger Erzbischöfe bislang begleitet hat. Der Kölner Kardinal Paul Melchers(1813-1895) hat dieses Kreuz für die künftigen Hamburger Bischöfe gestiftet, 100 Jahre vor der Bistumsgründung. Die Weihe des dritten Hamburger Erzbischofs war eine schlichte, frohe und manchmal launige Feier. Aber im entscheidenden Moment wurde alles still: Als die Bischöfe Bode, Woelki und Werbs Stefan Heße die Hände auflegten – ein uraltes Symbol für das Kommen des Heiligen Geistes. 
   „Da stehe ich nun zum ersten Mal in aller Pracht mit den bischöflichen Insignien vor Ihnen: mit Stab, Mitra, Ring und Kreuz – noch ungewohnt – neuer Träger eines neuen Amtes“, sagte Erzbischof Stefan am Ende der Feier. Er selbst fühle sich als Amtsträger getragen von Gott selber, aber auch von vielen Menschen. „So will ich versuchen und Ihnen versprechen, Sie ein wenig mitzutragen.“ 
   Zuletzt gab es noch zwei Ernennungen. Kardinal Woelki ernannte Stefan Heße zum Ehrendomherr im hohen Metpropolitankapitel in Köln. „Sie können es als Nichtkölner nicht ermessen – mehr gibt’s in diesem Leben nicht“, sagte der Kölner Erzbischof der staunenden Gemeinde. Als zweite Ernennung bestimmte der Hamburger Erzbischof seinen Generalvikar – wieder unter großem Beifall. Der neue Generalvikar heißt Ansgar Thim. Er kehrt nach einem Jahr als vorübergehender Leiter der Diözese in das Amt zurück. Genauso war es in Köln vor einem Jahr gewesen. NeueKirchenZeitungHamburg150315AHüseCopyright 2014

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Einwanderer sorgen im Erzbistum Hamburg für steigende Zahlen

   Das katholische Erzbistum Hamburg wächst. Mehr als 410.000 Katholiken zählte man im Jahr 1995, als das Erzbistum nach der Wiedervereinigung aus der Stadt Hamburg, dem Land Schleswig-Holstein und dem Landesteil Mecklenburg zusammengebastelt worden war. In den Jahren darauf unterschritt die Zahl der Hamburger Katholiken unter 400.000. Ab 2011 hat sich der Trend umgekehrt, in diesem Jahr ist die Schwelle von 400.000 überschritten worden. Stefan Heße kann sich freuen. Am 14.03.15 wurde der nicht einmal fünfzig Jahre alte Geistliche zum dritten Bischof von Hamburg geweiht. Zu seiner Kirchenprovinz gehören die Bistümer Hildesheim und Osnabrück. FAZ150314

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Grußwort von Erzbischof Kardinal Woelki, Köln im Foto ganz links: "Ein Seelsorger durch und durch"

   Stefan Heße ist als neuer Erzbischof von Hamburg eingeführt worden. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat sich in einem Grußwort an Heße gewandt und ihm Gottes Segen gewünscht. Im Folgenden finden Sie Woelkis Rede im Wortlaut.
Lieber Erzbischof Stefan, liebe Schwestern und Brüder,
   als Bischof Deiner Heimatdiözese Köln darf ich Dir, lieber Erzbischof Stefan, im Namen Deiner Kölner Mitbrüder sowie aller Gläubigen von Herzen zum Empfang der heiligen Bischofsweihe und zur Übernahme Deines Dienstes als neuer Erzbischof von Hamburg gratulieren.
   Bei Deinem Abschied in Köln habe ich schon gesagt, dass wir Kölner Deinem Wechsel mit gemischten Gefühlen entgegengesehen haben, näher hin mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Einem weinenden, weil wir mit Dir einen hochgeschätzten Mitbruder, einen wirklich geistlichen Menschen und engagierten Seelsorger verlieren, mit einem lachenden Auge, weil wir uns als Christen mit unseren Schwestern und Brüdern im Erzbistum Hamburg freuen, dass sie einen jungen neuen Erzbischof erhalten haben, der ein Seelsorger durch und durch und ein wahrhaft geistlicher Mensch ist. Und weil nach einem Wort der Heiligen Schrift Geben seliger als Nehmen ist, sind wir heute mit allen Gläubigen des Erzbistums Hamburg glückselig verbunden über ihren neuen Erzbischof.
   Durch die Entscheidung des Heiligen Vaters hat Dich der Herr in das flächenmäßig größte Erzbistums unseres Landes gesandt, das zudem ein Diasporabistum ist. Auch wenn die Zahl der hier lebenden Katholiken nicht groß sein mag, so wirst du doch immer wieder auf höchst engagierte Gemeinden treffen, die darauf warten, dass ihnen ihr neuer Bischof die frohmachende Botschaft Christi verkündet. Wir befinden uns auf dem Weg nach Ostern. Was ist die wichtigste Aufgabe für einen Bischof? Bei der Wahl des Matthias sagt der Apostel Petrus dazu: Er muss "zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein" Apg. 1,22. Das, was damals für Matthias galt, gilt auch heute. Ihr neuer Bischof, liebe Schwestern und Brüder, muss zusammen mit allen anderen Bischöfen zuallererst Zeuge der Auferstehung Christi sein.
   Soeben ist Ihrem Erzbischof während der Weiheliturgie das Evangelienbuch auf das Haupt und die Schultern zum Zeichen dafür gelegt worden, dass er zum Zeugen der frohen Botschaft von der Auferstehung des gekreuzigten Herrn bestellt ist. Dieses Zeugnis wird er nicht nur durch das Wort der Verkündigung abzulegen haben, sondern durch sein ganzes Leben. In all den Mühen und Sorgen, in allen Bedrängnissen und Herausforderungen, in allem, was der Dienst eines Apostels mit sich bringt - auch durch die inneren und äußeren Leiden -, muss die Kraft der Auferstehung Christi zum Leuchten kommen, um so die darin aufscheinende Liebe des guten Hirten Jesus Christus zu den Menschen zu tragen.
   Lieber Erzbischof Stefan, wir wünschen Dir von Herzen, dass Du Dein Leben lang diesen Dienst im unerschütterlichen Vertrauen auf den Herrn erfüllen kannst und Du so für alle Menschen Deines Erzbistums - Glaubende und Nichtglaubende - zum Segen werden mögest. Herzlichen Glückwunsch und im Gebet verbunden, Gottes Segen und gutes Weggeleit dem Herren entgegen, das sei unser aller Wunsch für Dich und Deinen bischöflichen Dienst hier in Hamburg.
Ad multos annos!                                                                                                                      
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HH3-aepStefanH-14-Zz     Hirtenwort: Erzbischof Stefan Heße Hamburg 2015

Liebe Schwestern und Brüder im Erzbistum Hamburg,
   am 26. Januar hat mich Papst Franziskus zu Ihrem neuen Erzbischof ernannt. Zwischen der Ernennung und der Bischofsweihe am 14. März lagen gerade einmal acht Wochen. Wenn ich bedenke, dass ich mich vor über 20 Jahren auf meine Priesterweihe sieben lange Jahre vorbereiten konnte, ist mir jetzt ein wenig mulmig zumute.Ich werde aber meinen bischöflichen Dienst nicht anders angehen können, als seinerzeit den priesterlichen Dienst. Damals habe ich mir ein Wort aus dem Abendgebet der Kirche gewählt, das wir täglich beten und das so ähnlich im Martyrium des hl. Stephanus, meines Namenspatrons, wiederkehrt Apg 7,59:
„Herr, auf dich vertraue ich,  in deine Hände lege ich mein Leben.“
Gottvertrauen
  
Mir bleibt im Moment gar nichts anderes übrig; ich bin fest überzeugt und habe es in den vergangenen Jahren immer wieder erfahren dürfen: Ich kann einem Gott vertrauen, der sich mir anvertraut. Gerade die letzten Wochen seit meiner Ernennung haben mich darin noch einmal bestärkt. Viele Menschen haben mir nicht nur gratuliert, sondern mir auch ihr Gebet zugesagt. Das Domkapitel hat mich gewählt, der Papst hat mich ernannt. All das sind Vertrauenserweise. Im Vertrauen auf Gott komme ich in das Erzbistum Hamburg. Ich fühle mich verbunden mit den vielen Christen meiner neuen Diözese, nicht zuletzt auch mit dem seligen Eduard Müller, einem der Lübecker Märtyrer, der meinen Primizspruch auf seine Art und Weise in ein Gebet umgewendet hat:
Herr, hier sind meine Hände, lege darauf, was du willst,
nimm hinweg, was du willst.  führe mich, wohin du willst.  In allem geschehe dein Wille.

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Foto oben: Papst Franziskus mit den neuen Bischöfen in der Sala Clementina Foto unten: Erzbischof Stefan Heße

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   Papst Franziskus erinnerte die in diesem Jahr neu ernannten Bischöfe der Kirche daran, dass sie vor allem „Zeugen des auferstanden Herrn“ sein sollten. Er empfing die 125 frisch ernannten Bischöfe aus allen Erdteilen im Vatikan und sagte ihnen, noch seien sie „in den Flitterwochen“; bald jedoch werde sich auch das alltägliche Wirkungsfeld auftun, auf dem der Bischof sich in der Welt bewähren müsse.
   „Ich denke an die dramatische Herausforderung der Globalisierung, die alles näher bringt, was weit entfernt liegt und alles entfernt, was nahe ist; ich denke an das epochale Phänomen der Migration, das dieser Tage für Aufsehen sorgt; ich denke an die Natur - den Garten, den Gott uns als Wohnraum geschenkt hat und der dennoch von unserer Blindheit und Ausbeutung bedroht wird; ich denke an die Würde und Zukunft der Arbeit der Menschen, da viele junge Menschen gar keine Arbeit haben; ich denke an die Verwüstung der menschlichen Beziehungen und die weit verbreitete Einstellung, sich für nichts und niemanden verantwortlich zu fühlen.“
   Er könne den Problemkatalog noch erweitern, wolle aber stattdessen auf die Aufgaben des Bischofs eingehen, so Franziskus.
   „Wie ich in Evangelii Gaudium geschrieben habe, gibt es keinen Bereich des Lebens, den ein Hirte in seinem Herzen ausschließen sollte. Deshalb hütet euch davor, die vielen und einzelnen Realitäten in eurer Herde zu übersehen und besucht die Gläubigen in euren Bistümern, verzichtet nicht auf die Predigt und ladet alle ein, die Frohe Botschaft zu verkünden.“
   Wichtig seien Bischöfe, die Freude ausstrahlten, so Franziskus weiter. Denn Freude könne Licht zu all jenen bringen, die litten und sich von Gott fern fühlten. „Es gibt so viele leere Worte, die den Menschen von der Wahrheit entfernen und ihn ins Nichts führen. Versichert euch, dass Jesus – der von Gott Geliebte – die Nahrung dieser Menschen wird. Aber vergesst auch nicht jene, die zwar getauft sind, aber so leben, als hätten sie dieses Sakrament nie erhalten. Steht ihnen bei.“
   Dazu bedürfe es viel Geduld, so der Papst. Und abschließend bat er auch darum, sich all jenen zuzuwenden, „die Jesus noch gar nicht kennen“. „Es stimmt nicht, dass wir auf diese uns entfernten Geschwister verzichten müssen. Wir dürfen nicht ihre Suche nach der Wahrheit übersehen. Auch kann unser Engagement für ihr wahres Gut uns selber helfen, unsere eigenen Mauern zu überwinden, in denen wir uns so wohl fühlen. Wenn die anderen in uns den Herrn sehen, der auch sie anspricht, dann werden sie vielleicht den Mut haben, die Einladung Gottes anzunehmen.“
   Unter den 130 im letzten Jahr berufenen Bischöfe auf Fortbildung in Rom, die der Papst in Audienz empfing, waren der Hamburger Erzbischof Stefan Heße sowie aus Österreich Bischof  Wilhelm Krautwaschl von Graz und Militärbischof Werner Freistetter.  Rv150910mg

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   In diesem Vertrauen komme ich nach Hamburg, nach Schleswig-Holstein und Mecklenburg. In diesem Vertrauen komme ich zu Ihnen in die Gemeinden und auch zu vielen Menschen, die sich noch nicht oder nicht mehr zur Kirche gehörig fühlen.
Dank an Vorgänger
1. In diesem Vertrauen komme ich aus einem der ältesten Bistümer, von Köln, in die jüngste Diözese – und das auch noch als der derzeit jüngste deutsche Bischof. Ist die Kirche eigentlich jung oder ist sie alt? Gottlob hat das Christentum in unserem Land eine lange, großartige Geschichte, freilich auch mit manchen Schwachpunkten und Verirrungen.
   So ist es für mich eine große Ehre, hier im Norden in die Fußstapfen des heiligen Ansgar, eines großen Missionsbischofs, treten zu dürfen und nach Ludwig Averkamp und Werner Thissen der dritte Erzbischof von Hamburg zu sein. Erzbischof Werner, Diözesanadministrator Ansgar Thim und den beiden Weihbischöfen Norbert Werbs und Hans-Jochen Jaschke möchte ich ganz herzlich für ihren treuen, einsatzbereiten und glaubensstarken Dienst in den vergangenen Jahren danken.
Kirche ist kein Museum!
   Ich bin der festen Überzeugung: Kirche ist kein Museum, und wir sind als Christen nicht dazu da, einzig und allein die Vergangenheit zu bewahren. Die Kirche hat den Auftrag, stets in der Gegenwart zu leben. Dabei kommt sie scheinbar in die Jahre, aber entscheidend ist, dass wir Christen uns ständig verjüngen.
   Ich bin dankbar für die Glaubensdynamik in jedem einzelnen Christen. Ich schaue voll Freude auf die vielen Bewegungen und Aufbrüche und manche Gemeinschaft, die im Entstehen begriffen ist, und nicht zuletzt auf die diakonischen und pastoralen Initiativen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es der Geist Gottes ist, der die Kirche ständig jung halten kann und will und der ihr zu einem permanenten Verjüngungsprozess verhilft.
   Deswegen ist es nicht bloß eine fromme Rede, sondern Wirklichkeit, wenn wir als Christen immer dem sogenannten „jüngsten Tag“ entgegengehen. Wir sind zukunftsgerichtet und voller Dynamik.
Weite Wege
2. Ich komme in die flächenmäßig größte Diözese Deutschlands. Sie umfasst Gebiete aus drei Bundesländern: Hamburg, Mecklenburg und Schleswig-Holstein. Als ich von meiner Berufung erfuhr, habe ich zuerst einmal die Landkarte ausgepackt und mir die Weite der Diözese vor Augen geführt.
   Ich werde zukünftig wahrscheinlich sehr häufig unterwegs sein und viele Wege mit dem Auto oder dem Zug zurücklegen. Dabei muss ich sicher auch mit den üblichen Problemen rechnen, manchem Stau, mancher Verzögerung oder Verspätung und vielleicht hier und da einmal mit einem Unfall.
   Als Christen sind wir Pilger. Wir sind ständig im Aufbruch begriffen. Christsein bedeutet nicht, sich gemütlich in den Sessel zurückzulehnen. Christsein bedeutet vielmehr, aufzubrechen in die Weite des Lebens und in die Weite der Welt. Die Größe und Weite unseres Erzbistums Hamburg führt mir die Weite des Lebens der vielen Menschen vor Augen, die hier leben.
   Unser Bistum mit seiner Lage an den Küsten und mit den großen Häfen von Hamburg, Kiel und Rostock hat im wahrsten Sinne des Wortes Zugang zu der großen, weiten Welt. Die Weite des Lebens und die Größe des Menschen sind für mich etwas überaus Faszinierendes.
   Ich glaube, dass jedes Leben einen weiten Horizont braucht. Ansonsten würde es sich unter Preis verkaufen wollen. Das wird auf Dauer nicht gutgehen!
   Die Größe und Weite unserer Diözese erinnert mich an das, was die Beter in den Psalmen sagen:
„Du führst mich hinaus ins Weite“ Psalm 18
   Gott selbst ist schier unfassbare Größe und Weite. Er ist ein unerschöpfliches Geheimnis, an dem er uns immer mehr teilhaben lassen möchte. Wir glauben an einen Gott, der sich offenbart und auf uns Menschen zugeht. So kann, wenn wir ihn in unser Leben hereinlassen, die Weite des menschlichen Lebens von Gottes Fülle voll und ganz durchdrungen werden. Auch das hält unseren Glauben jung und macht unser Leben spannend.
3. Brücken sind in unserem Erzbistum allgegenwärtig
   Von Hamburg sagt man, dass es mehr Brücken habe als Venedig. Beeindruckend ist die große Querung des Nord- Ostseekanals in Rendsburg. Und über die Brücke, die das Schweriner Schloss mit der Stadt verbindet, werde ich schon morgen gehen.
   Bei einer Brücke geht es darum, dass die beiden Ufer, die voneinander getrennt sind, überbrückt und damit verbunden werden, so dass man von der einen auf die andere Seite kommen kann. Darin sehe ich eine   zentrale Dimension für mich als Ihr neuer Bischof, aber auch für unsere Diözese. Vom Papst und damit auch von jedem katholischen Bischof sagen wir theologisch, dass er ein Pontifex sein soll, also ein Brückenbauer.
   Als Christen können wir uns dieser großen Aufgabe widmen, weil wir an einen Gott glauben, der immer wieder solche Brücken in die Welt und zu uns Menschen gebaut hat. Das ganze Alte Testament ist davon voll und Jesus Christus ist die menschgewordene Brücke, die die Kommunikation und Verbindung zwischen Gott und Mensch in Person ist. Er schafft die Verbindung zwischen Ewigkeit und Zeit, zwischen Gott und Mensch, zwischen Jenseits und Diesseits. Wir brauchen eigentlich nur noch über diese Brücke, die Jesus Christus ist, hinüberzugehen.
Über Brücken gehen…
  
Ich will versuchen, als neuer Bischof von Hamburg über Brücken im übertragenen Sinne zu gehen, um die Menschen zu erreichen und ihnen etwas von der großen Hoffnung und dem Glauben weiterzugeben, die mein Leben ausmachen.
   Die vielen Brücken in unserem Erzbistum mögen mich daran erinnern, nie auf einer Seite stehenzubleiben, sondern rüberzugehen, zu den Jungen und Alten, zu den Gesunden und Kranken, zu denen auf der Sonnen-, aber auch besonders zu denen auf der Schattenseite des Lebens; Brücken zu schlagen zu den Gläubigen anderer Konfessionen und Religionen, zur Politik und den Regierungen, zur Geschäftswelt und Verwaltung, einfach zu allem und jedem, wo sich das Leben abspielt.
   Auch in unseren Gemeinden werden wir immer wieder über Brücken gehen müssen, hinaus zu den Menschen, mit denen wir vor Ort zusammenleben, die aber nicht unseren Glauben teilen. Wir werden über Brücken gehen hinein in die Zukunft und dabei noch manches unbekannte Ufer aufsuchen. Tagtäglich sollten wir über die Brücke zu Gott gehen, die Jesus Christus in Person ist.
Segen
   Liebe Schwestern und Brüder! Im jüngsten, flächenmäßig größten und brückenreichsten Bistum will ich nun voller Freude und Hoffnung meinen Dienst als Ihr neuer Bischof vertrauensvoll beginnen. Ich tue das, indem ich Sie alle unter den Segen Gottes stelle, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Ihr neuer Erzbischof    + Stefan

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Papst Franziskus taufte vor 28 Jahren Kinder in Hamburg-Wandsbek
   Als Priester hat Jorge Bergoglio, heute Papst Franziskus, 1986 in Hamburg zwei Kinder getauft. Das berichtet die „Neue Kirchen-Zeitung". Bergoglio habe sich für seine Doktorarbeit an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen der Jesuiten in Frankfurt aufgehalten und dem damaligen Pfarrer von Wandsbek Franz von de Berg, besucht. Nach Recherchen in Kirchenbüchern der Gemeinde St. Joseph sei ein Taufeintrag mit dem Namen Jorge M. Bergoglio SJ und dem Datum 2. Oktober 1986 gefunden worden. Die Getauften seien Kinder aus Argentinien gewesen. HA141213

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Der Papst in Wandsbek
  
Vor fast 30 Jahren, im Oktober 1986, lebte der Priester Jorge Mario Bergoglio SJ, der heutige Papst Franziskus, für einige Zeit in Rothenburg ob der Tauber, um Deutsch zu lernen. Während dieser Zeit reiste er auch nach Hamburg und kam in die Pfarrgemeinde Sankt Joseph in Wandsbek. Er feierte die Heilige Messe und taufte in unserer Pfarrkirche an einem Sonntag zwei Kinder. Bergoglio trug sich eigenhändig ins Zelebrationsbuch ein Foto oben, auch in den Taufbüchern erscheint sein Name. Zugegeben, so ganz exakt ist die Überschrift nicht, denn damals war er weder Bischof noch Papst.
   Aus dem Besuch ergab sich ein Kontakt zum damaligen Pfarrer, der möglicherweise nie abriss. Denn im Jahr 1999 fand in St. Joseph ein Sponsorenlauf für ein Straßenkinderprojekt in Buenos Aires statt. Es stand unter der Leitung von Jorge Bergoglio, inzwischen Erzbischof von Buenos Aires. Er bedankte sich schriftlich für die Unterstützung.
   Der damalige Pfarrer war es auch, der den heutigen Papst mit der Vita der Lübecker Märtyrer in Kontakt brachte. Diese hat ihn offenbar nachhaltig beeindruckt, auch wenn er nicht alle Details behalten konnte. So äußerte sich Papst Franziskus am 15. Dezember 2013 im Interview mit der italienischen Tageszeitung „La Stampa“:
   „Ich kannte in Hamburg einen Pfarrer, der die Heiligsprechung eines katholischen Priesters betrieb, der von den Nazis enthauptet worden war, weil er die Kinder den Katechismus lehrte. Nach ihm in der Reihe der Verurteilten war ein lutherischer Pastor, der aus demselben Grund hingerichtet wurde. Ihr Blut hat sich vermischt. [...] Das ist die Ökumene des Blutes. Sie existiert auch heute, es genügt die Zeitungen zu lesen. Jene, die die Christen töten fragen dich nicht nach dem Personalausweis um zu wissen, in welcher Kirche du getauft bist.“
   Ein Jahr später, am 30. November 2014 bei einer Pressekonferenz im Flugzeug auf dem Rückflug vom Türkei- Besuch, ging es um das Thema Ökumene. Dabei kam der Papst erneut auf die Lübecker Märtyrer zu sprechen, nannte aber auch die Taufe in Hamburg und als Zeitpunkt „als ich in Deutschland war“ – was uns letztlich auf die Spur führte:
   „Als ich in Deutschland war, sollte ich nach Hamburg zu einer Taufe fahren. Und der Pfarrer erzählte mir von dem Heiligsprechungsprozess für einen Geistlichen, der von den Nazis umgebracht wurde, weil er den Katechismus unterrichtete. Er habe herausgefunden, dass da auch ein lutherischer Pfarrer war, der aus den gleichen Gründen hingerichtet wurde. Das Blut der beiden hatte sich vermischt. Dieser Priester ist dann zu seinem Bischof gegangen und hat gesagt: Ich betreibe den Heiligsprechungsprozess nicht mehr nur für den katholischen Priester – entweder für beide oder für keinen! Das ist die Ökumene des Blutes.“ Pfarrbrief HH-Bergedorf141213

 Erzbischof: Hamburg hat so viele Katholiken wie nie   aepDrWernerThissen-TiesRabe

Werner Thissen zeigt sich bei Neujahrsempfang seines Schulverbands schlagfertig.
Senator überrascht mit Bekenntnis.
Foto: Schulsenator Ties Rabe und Erzbischof Werner Thissen im Börsensaal der Hamburger Handelskammer

   Der Neujahrsempfang des Katholischen Schulverbands scheint Erzbischof Werner Thissen zu liegen. Vor einem Jahr schmetterte der Geistliche spontan eine Verdi-Arie, jetzt erwies sich Thissen als ausgesprochen schlagfertig. In einer kleinen Talkrunde hatte Hamburger-Abendblatt-Redakteurin Vanessa Seifert gefragt, wie er sich in einer weltlichen Stadt wie Hamburg fühle, wo die Kirche auf dem Rückzug sei.
   „Wie kommen Sie auf Rückzug? Es gab seit der Reformation noch nie so viele Katholiken in Hamburg wie heute", konterte der Erzbischof gut gelaunt. Derzeit gehören gut 180.000 Hamburger (10,3 Prozent) der katholischen Kirche an. Rund 650 Gäste im Börsensaal der Handelskammer - zumeist Eltern, Kinder und Lehrer der 21 katholischen Schulen in Hamburg - quittierten Thissens Antwort mit kräftigem Applaus. Schulsenator Ties Rabe überraschte mit dem Bekenntnis, er habe „aus Trotz" Religion studiert. „Meine Eltern waren beide nicht in der Kirche", sagte Rabe, der als Lehrer bis vor zwei Jahren auch Religion unterrichtet hat. Es war ein lebhafter und stimmungs- voller Neujahrsempfang mit musikalischen Einlagen von Schülern der katholischen Schulen. In einem engagierten Impulsreferat ging der Bochumer Pastoraltheologe Prof. Matthias Sellmann dem Thema des Empfangs nach: der Zukunft der katholischen Schulen. Der Wissenschaftler wehrte sich gegen das Selbstverständnis mancher Schulen als „gegenkulturelle Kaderschmieden", die vor allem konservative Werte vermitteln wollten. Sellmann setzte dage- gen das Konzept einer „Schule des Guten", in der nicht Konfession und Taufe im Mittelpunkt stehen. „Es gibt keinen grundsätzlichen Unterschied zu den nicht katholischen Schulen", sagte der Wissenschaftler, der mit seinen Thesen bei dem einen oder anderen Gast angeeckt sein dürfte
   Die aktuelle Schulpolitik blieb - wohldosiert - auch auf dem Empfang nicht ausgespart. „Für die Rechte der Kinder muss ein Generalvikar auch mal bissig werden", sagte Generalvikar Franz-Peter Spiza, Verwaltungsratsvorsitzender des Schulverbandes. Der Satz, für den es starken Beifall gab, zielte auf den vor ihm sitzenden Schulsenator. Seit Monaten streiten sich katholischer Schulverband und Schulbehörde über die Finanzierung der Ganztagsbe- treuung. Er hoffe, so Spiza, dass es „eine aus unserer Sicht faire Lösung für unsere Schulen" gebe. Rabe blieb in seiner Antwort allgemein: „Ich wünsche mir, dass die katholischen Schulen in den Ganztag gehen. Das ist ein steiniger Weg." Fast jeden Tag gebe es Forderungen nach mehr Geld an ihn aus unterschiedlichen Bereichen. Es sei unmöglich, alle Wünsche zu erfüllen. „Aber es wird schon klappen. Das zu sagen, ist mein Job", sagte der Senator. Eine Zusage hört sich anders an.
   Ausdrücklich bekannte sich Rabe zum Wettbewerb unter den Schulen - auch zwischen staatlichen und nicht staatlichen. „Das ist nicht ungebührlich, sondern vernünftig", betonte Rabe. Zwar gebe es anders als häufig behauptet keinen allgemeinen Trend zu den Privatschulen. „Aber Wettbewerb führt zu mehr Schulqualität", sagte Rabe. Das werden die Zuhörer gern gehört haben. 9.400 Schüler besuchen die 21 katholischen Schulen. Der Migrationsanteil beträgt bis zu 75 Prozent. HA130110pum

Das Erzbistum Hamburg in Zahlen
Das Erzbistum Hamburg umfasst Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg. In 107 Gemeinden leben 396.389 Katholiken. Davon 180.912 in Hamburg, 172.733 in Schleswig-Holstein und 42.744 in Mecklenburg. 171 Priester stehen im aktiven Dienst des Erzbistums, dazu 121 pastorale Laienmitarbeiter und 53 ständige Diakone. Neun Priester sind beurlaubt oder für andere Aufgaben freigestellt. 81 Priester leben im Ruhestand. Zum Erzbistum gehören 22 katholische Schulen (20 davon in Hamburg), 64 Kindergärten, 18 Alten- und Pflegeheime sowie neun Krankenhäuser, Sozialstationen und ambulante Pflegedienste. kstHA070310

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Kleine Geschichte des Erzbistums Hamburg

   Kaiser Ludwig der Fromme wies 831/32 dem Benediktinerpater Ansgar das neuerrichtete Erzbistum Hamburg zu, das als Rückhalt für die nordische Mission galt. Infolge der Zerstörung Hamburgs durch die Wikinger (845) wurde das Erzbistum aufgeteilt, 848 aber auf Betreiben Ansgars wiederhergestellt. Die vorläufige Verbindung mit dem Bistum Bremen wurde 864 und 908 vom Papst bestätigt (Erzbistum Bremen-Hamburg). Allerdings gab es später auch in Hamburg wieder ein zweites Domkapitel, das seit 1219 über drei Stimmen für die Bischofswahl verfügte. Alt-Hamburg besaß bis zur Reformation den Mariendom (1805 abgerissen), die Pfarrkirchen St. Petri, St. Jacobi, St. Nicolai und St. Catharinen, das Magdalenen-Kloster der Franziskaner, das Johannis-Kloster der Dominikaner und das Heilig-Geist-Spital. Die Reformation wurde 1529 eingeführt und gleichzeitig den Katholiken der Aufenthalt in der Stadt verboten. 1589 wurde die erste heilige Messe wieder im nahegelegenen Altona gefeiert, 1622 erstmals in Hamburg, am Vorsetzen, außerhalb des Schaartores. Später wurde die Kapelle an den Brauerknechtsgraben verlegt. 1631 begann Pater Schacht SJ seine Tätigkeit als Kaplan der katholischen Gesandtschaften Spaniens und Frankreichs, deren Residenzen an der Fuhlentwiete bzw. am Kraienkamp lagen. Von September 1683 bis Ende 1685 wirkte in Hamburg als Apostolischer Vikar der Weihbischof Niels Stensen. 1671 wurde in der kaiserlichen Gesandtschaft am Konventgarten eine Kapelle eingerichtet. 1687 zog man wieder zum Kraienkamp, wo die Kapelle aber 1719 vom Pöbel zerstört wurde. 1708 wurde als Gesandter des Kaisers ein katholischer Priester ernannt, Hugo Graf von Schönborn, den der Papst 1715 zum Kardinal erhob. 1722 wurde die Gesandtschaft in ein Palais am Neuen Wall verlegt, wo der Senat eine Kapelle einrichtete als Ersatz für das vernichtete Gut am Kraienkamp. 1785 gab der Senat Hamburgs dem katholischen Gottesdienst gesetzlichen Schutz. 1806 ließ Kaiser Napoleon Hamburg besetzen. Für die katholischen Soldaten wurde 1810 die evangelische Kleine Michaeliskirche requiriert. 1825 konn- te sie rechtmäßig erworben werden und bildete die erste katholische Kirche seit der Reformation im damaligen Hamburg.  Die St. Josephskirche in Altona ist weit älter. Schon 1660 wurde auf der Großen Freiheit eine Kapelle erbaut (1713 von den Schweden zerstört). 1721/23 entstand dafür der Barockbau der heutigen Josephskirche. Kirchenrechtlich unterstanden die Katholiken Hamburgs seit 1622 dem Apostolischen Nuntius in Köln, seit 1670 dem Apostolischen Vikar der Nordischen Missionen. Am 13. August 1930 wurde infolge des Preußischen Konkordates das Land Hamburg mit den preußischen Vororten der kirchlichen Jurisdiktion des Bistums Osnabrück angegliedert, nur die südlichen Stadtteile Harburg und Wilhelmsburg unterstanden dem Bischof von Hildesheim.
  Nach Errichtung mehrerer Seelsorgestationen erhielt der Geistliche der Mutterkirche Klein Michaelis (St. Ansgar) den Titel eines pastor primarius von Hamburg (1862). Nach der Verfassung von 1903 gab es in der Stadt nur die eine „Römisch-katholische Gemeinde Hamburg”.  Am 1. Mai 1962 wurden die rechtlichen Verhältnisse vereinheitlicht. In allen vier Dekanaten wurden selbständige Kirchengemeinden eingerichtet mit eigener Vermögensverwaltung. Das Amt des Primarius entfiel. Bis 1945 befand sich die Verwaltung bei der Mutterkirche Klein Michaelis, die durch Bomben ganz vernichtet wurde. Nach dem Kriege wurde Hamburg-St. Georg (St. Marien) zur Zentrale. Zur besseren Koordinierung der Seelsorge in Hamburg und Schleswig-Holstein wurde der Sitz des Weihbischofs Johannes von Rudloff am 20. Januar 1958 von Osnabrück nach Hamburg verlegt. Am 1. Januar 1967 folgte die Ernennung des Weihbischofs zum Bischofsvikar für die Freie und Hansestadt Hamburg. Nach der Wiedererrichtung des Erzbistums Hamburg übernahm der Osnabrücker Bischof Dr. Ludwig Averkamp die Kathedra des heiligen Ans- gar (834-865) von 1995-2002. Zu seinem Nachfolger ernannte Papst Johannes Paul II. Erzbischof Dr. Werner Thissen.  HandbuchdesBistumsOsnabrück1968

David McAllister    po-MP-DavidMcAllister-z aepJean-ClaudePerisset    Nuntius Périsset

   Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister und Nuntius Jean-Claude Périsset haben 08. Mai 2012 in Hannover eine Ergänzung zum Konkordat zwischen dem Bundesland und dem Heiligen Stuhl von 1965 unterschrieben. In der geänderten Zusatzvereinbarung geht es um die Anpassung des Konkordates an die Gesetzgebung Niedersachsens für weiterführende Schulen. So soll es künftig auch in der Trägerschaft der Katholischen Kirche Oberschulen geben. Ministerpräsident McAllister hatte die geplante Konkordatsänderung bereits am 08. März 2012 bei seinen Gesprächen im Vatikan angekündigt und dabei betont, dass die Niedersächsische Landesregierung auch zukünftig ein zuverlässiger Konkordatspartner der Katholischen Kirche sein werde. Insgesamt fünfzehn sogenannte Konkordatsschulen, die aus öffentlichen Schulen hervorgegangen sind, werden derzeit als Haupt- und Realschulen geführt. Rv120508pm

 Erste katholische IGS startet  nord-St.UrsulaschuleDuderst

   Im katholischen Eichsfeld gibt es Niedersachsens erste Gesamtschule in kirchlicher Trägerschaft. Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle weihte die Integrierte Gesamtschule offiziell ein, teilte das Bistum mit. Zum Schuljahresbeginn Anfang August waren rund 100 Jungen und Mädchen in den fünften Jahrgang der St.-Ursula-Schule aufgenommen worden. Kinder können die IGS aber unabhängig von ihrer Konfession besuchen. Das Schulgeld beträgt 40 Euro monatlich.
   Die St.-Ursula-Schule war bisher eine Haupt- und Realschule des katholischen Bistums. Nach Abschaffung der Orienentierungsstufe in Niedersachsen im Jahr en 2004 sank die Gesamtschülerzahl um  etwa 40 Prozent, berichtete ein Sprecher. Das Land sagte dem Bistum daraufhin das Recht zu, an der Schule einen Realaschul- und Gymnasialzweig einzurichten. Nach jahrelangen schwierigen Verhandlungen entschloss sich das Bistum zur Umgestaltung in eine IGS.  HAZlni100820dö

Katholiken diskutieren die Oberschule - Umwandlung bald möglich
  An der katholischen Ludwig-Windthorst-Schule gibt es Überlegungen, zur dann voraussichtlich ersten Oberschule in Hannover zu werden. Bisher vereinigt die Einrichtung am Altenbekener Damm unter einem Dach Hauptschule und Realschule. „Wir diskutieren eine Umwandlung unserer Schulen. Die Entscheidung ist aber noch völlig offen", sagt Konrektor Siegfried Heinemann. In der noch recht neuen Schulform Oberschule können Haupt- und Realschüler gemeinsam in einer Klasse oder auch getrennt unterrichtet werden.
   Wahrscheinlich soll vor den Sommerferien eine Entscheidung fallen. Die katholische Schule in Trägerschaft des Bistums Hildesheim könnte dann frühestens zum Schuljahr 2013/14 Oberschule werden. Aktuell werden die Hauptschule und die Realschule von insgesamt 850 Schülern besucht.
   Die niedersächsische Staatskanzlei bereitet aktuell eine Änderung des Vertrags mit dem Vatikan vor, in dem die Bedingungen für die katholischen Schulen festgelegt sind. Mit einer Neufassung dieses Konkordats will die Landesregierung katholischen Schulen den Weg zur Umwandlung in eine Oberschule eröffnen. Insgesamt gibt es in Niedersachsen 15 katholische Haupt- und Realschulen, die nach Änderung des Konkordats bei Bedarf Oberschule werden könnten. HAZ100403BärbelHilbig

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Das Gymnasium Twistringen im Kreis Diepholz ist von der katholischen Kirche übernommen worden. HAZlni100820dö

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Bischof Franz-Josef Bode in der Jüdischen Gemeinde Osnabrück

   „Unsere Begegnung ist geprägt durch Offenheit und Vertrauen”, sagte der Vorsitzende Michael Grünberg Foto links anlässlich des Besuchs von Bischof Franz-Josef Bode in der Jüdischen Gemeinde. Bode war der Einladung von Rabbiner Shimon Großberg gefolgt, die dieser bei seinem Antrittsbesuch im Bischofshaus ausgesprochen hatte. Zum Besuch gehörten auch ein Gespräch von Rabbiner Großberg und Bischof Bode über das jüdische Gebetbuch, Nachmittags- und Abendgottesdienst, die durch den Segensspruch Kiddusch unterbrochen wurden. Zum Abschluss folgte der Shabbaton, ein fröhliches Beisammensein zu Beginn des Sabbats. Die Absagen zum Katholikentag von Micha Brumlik und Rabbiner Walter Homölka anlässlich des Streits über das katholische Karfreitagsgebet spielte nur eine untergeordnete Rolle Mehr dazu: > Juden. Er könne „nicht ganz daran vorbeigehen”, sagte Bode. Der Bischof verwies aber auf die „gute Tradition” der Zusammenarbeit und den besonderen Stellenwert des Dialogs mit dem Judentum. NOZhmd080301

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Der Hamburger Knabenchor darf vor dem Papst im Petersdom singen

   Michel, St. Katharinen, Dresdner Frauenkirche und Deutscher Bundestag - der Neue Hamburger Knabenchor ist schon an vielen sehr ehrwürdigen Veranstaltungsorten aufgetreten. Jetzt folgt die Krönung in der knapp 20- jährigen Chorgeschichte: ein Auftritt und eine Audienz bei Papst Benedikt XVI. im Petersdom. Vier Tage bleiben die Sänger in der ewigen Stadt - auf dem Programm stehen ein weiteres Konzert in der mit prächtigen Fresken geschmückten Kirche St. Ignatius, ein Tag am Meer und, natürlich, eine ausgiebige Stadtbesichtigung.
   Die Reise für die 50 Sängerknaben, von denen einige schon junge Männer sind, wird ein Erlebnis werden. So wie David Radtke (21), der seit zwölf Jahren im Chor mitsingt: „Wir haben schon viele Chorreisen gemacht, aber vor dem Papst aufzutreten ist besonders spannend", sagt er. Auch Malte Preuß (12) ist schon aufgeregt: „Das wird meine erste Flugreise mit dem Chor."
   Natürlich wird man nicht einfach so eingeladen, im Petersdom und in einer weiteren berühmten Kirche zu singen. Was macht diesen Erfolg möglich? „Das gemeinschaftliche Erleben der Musik fördert die Freude am Singen und motiviert die Sänger zu Höchstleistungen", sagt Chorleiter Ulrich Kaiser (26). Mindestens fünf Gesangsproben pro Woche, individuelle Stimmbildung und Chor-Wochenenden sind weitere Paten dieses Erfolges. HA091017fru

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Ihr größter Auftritt vor Benedikt XVI. in der Vatikanischen Basilika
  Die Chorsänger gestalteten in der prunkvollen Vatikanischen Basilika eine Heilige Messe. Ob „0 salutaris hostia" von Rossini, „Adoramus te, Christe" von Gasparini oder „Deine Rede präg ich meinem Herzen ein" von Mendels- sohn Bartoldy - ihr klarer Gesang begeisterte die Besucher des Petersdoms. „Wir sind glücklich, dass wir die Leute durch unseren Gesang als andächtige Zuhörer gewonnen haben", sagte Alexander Berkowitz (30) nach dem Gottesdienst.
    Schon der Morgen war etwas ganz Besonderes für die Sänger gewesen: der Papst hatte sie zu einer Open-Air- Audienz auf dem Petersplatz geladen und sie willkommen geheißen. „Das hat uns sehr stolz gemacht", sagt Peter Becker, der als „Begleitvater" mit dabei war, „denn diese Ehre hatten nur wenige der etwa 10.000 Anwesenden".
   Die Romreise war der Höhepunkt, zu dem der Neue Knabenchor Hamburg aufgebrochen war. Bereits am Abend des ersten Tages gaben sie in der prächtigen Kirche St. Ignatius ein zweistündiges Konzert. Die Kirche war mit etwa 400 Zuhörern bis auf den letzten Platz besetzt, das Programm anspruchsvoll: 17 Lieder, darunter Werke von Puccini und Rossini - einige als Reverenz an die Gastgeber in lateinischer Sprache gesungen. Besonders großen Applaus erntete Jannis Hesse (13) für sein Orgelspiel.
  „Die Tage in Rom waren das größte Erlebnis in unserer Chorgeschichte", sagt Tobias Poensken (11). Und Maurice Lange (12) fügt hinzu: „Aber im Petersdom singen zu dürfen, war das Größte." HA091022fru

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Katholische Theologie ist neues Fach an der Universität Hamburg

 Die Universität Hamburg erweitert ihr Angebot um den Lehrstuhl Katholische Theologie. Staatsrat Roland Salchow, Uni-Vizepräsident Holger Fischer und Weihbischof Hans-Jochen Jaschke unterzeichneten eine entsprechende Über- einkunft. In einem 2005 geschlossenen Vertrag hatten die Stadt und der Heilige Stuhl vereinbart, die Ausbildung von katholischen Religionslehrern an der Hamburger Universität zu fördern. Voraussichtlich zum nächsten Winter- semester erhält die Uni jetzt von der Stadt eine zusätzliche Professur mit entsprechender Ausstattung.
   Die Katholische Kirche stellt ebenfalls Räume und ihre Bibliothek in der Katholischen Akademie Foto links zur Verfügung. Jetzt hoffen Universität und Kirche, die Professur mit einer qualifizierten Fachkraft besetzen zu können. Deren Berufung erfolgt durch die Universität Hamburg, die Katholische Kirche hat jedoch Mitspracherecht. Das Ausbildungsangebot in den Geisteswissenschaften kann so erweitert werden und angehenden Lehrern wird so die Möglichkeit eröffnet, auch das Fach Katholische Theologie zu studieren. Für den Fall, dass sich Schleswig-Holstein der Kooperation anschließt, ist der Vereinbarung zufolge die Erweiterung der Ausbildung für die Sekundarstufe zwei geplant. HAfru080207DTkna080209

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Die Universität Hamburg bildet seit 2011 erstmals katholische Theologen aus

   An der Universität Hamburg werden jetzt katholische Theologen und Religionslehrer ausgebildet. Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset, und Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) Fotos oben unterzeichneten einen entsprechenden Vertrag. Damit wird die zwischen Hamburg und dem Heiligen Stuhl bereits im Jahr 2005 vereinbarte Förderung einer universitären Ausbildungsstätte umgesetzt.
 Gundelach sprach von einem „Gewinn für Hamburg und seine Bürger". Der Lehrstuhl, der am Fachbereich Evangelische Theologie angesiedelt sein soll, sei deutliches Zeichen für ein engeres Miteinander zwischen Stadt, Universität und katholischer Kirche. Der Lehrstuhl trage dazu bei, den interreligiösen Dialog in Hamburg weiter zu vertiefen, so die Senatorin.
   Nuntius Perisset betonte, dass der neue Lehrstuhl der Pädagogenausbildung diene. Gerade in einer Stadt, in der Katholiken mit rund zwölf Prozent eine Minderheit ausmachten, sei die Religionslehrerausbildung nicht ohne Bedeutung. „Die heute gestiftete Bildungsstätte wird ihren Einfluss langsam und stetig zugunsten der Hansestadt und der Ökumene ausüben".
   Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen äußerte die Hoffnung, dass es mit der Ausbildungsstätte künftig leichter werde, katholische Religionslehrer für die Region zu finden. Der Zeitpunkt des Vertrags sei zwar zufällig, „dennoch bin ich nicht traurig darum, dass er gerade in eine Zeit fällt, wo es für die katholische Kirche schwieriger geworden ist", sagte Werner Thissen.
   Der Vertrag sieht die Errichtung des Studiengangs „Lehramt an Primar- und Sekundarstufe I" vor. Dazu soll eine Professur in Katholischer Theologie sowie je eine halbe Stelle für eine Lehrkraft für besondere Aufgaben, einen wissenschaftlichen Mitarbeiter und eine Verwaltungsstelle geschaffen werden, zudem eine halbe Stelle für eine Lehrkraft im Bereich Erziehungswissenschaften. Studiengang sowie Studien- und Prüfungsordnung werden „im Einvernehmen mit dem Erzbistum" entwickelt.
   Die Universität stellt Sachmittel und Räume bereit, die Stadt Hamburg trägt die Personalkosten. Über die Mitbenutzung von Ressourcen des Erzbistums wird eine gesonderte Vereinbarung geschlossen. HA100519kna 

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Zurück in Hamburg: Pater Hermann Breulmann SJ begeistert für Gott und die Welt
Der Jesuit ist neuer Geistlicher Rektor der Katholischen Akademie Hamburg

   Dass die Katholische Kirche in Hamburg „Nomaden" und „kleine Partisanen" ins Feld führt, ist neu. Genau so jedoch bezeichnet sich der neue Geistliche Rektor der Katholischen Akademie. Pater Hermann Breulmann, ein promovierter Religionsphilosoph, ist in die Hansestadt gekommen, um neue Wege zu gehen. Ziel des unkonventionellen Jesuiten ist es, „im Vorhof des Tempels" zu wirken und auch jene anzusprechen, die nur über Resterinnerungen an kirchliche Erfahrungen verfügen. „So gesehen", sagt Breulmann, „fühle ich mich als kleiner Partisan, als Nomade der Großstadt." Nicht nur die katholische Gemeinde wartet mit Spannung auf den Einsatz eines Mannes, der schon vor 30 Jahren als Hochschulpfarrer in Hamburg anders war als andere. Dass sich daran nichts geändert hat, bewies der Geistliche direkt im Anschluss an seine Amtseinführung durch Erzbischof Werner Thissen in der Akademie. Befragt von „Tagesthemen"-Moderator Tom Buhrow, legte Hermann Breulmann seine Ansicht kirchlicher Arbeit dar. 400 Zuhörer ließen sich gerne fesseln. „Fromm und gebildet", heißt der eine Anspruch, „in Glaubensfragen darf man nicht beliebig sein", ein weiterer. Der Sinn für das Elementare, also auch für eine markante, von Tradition und Ritualen beseelte Liturgie dürfe nicht vergessen werden, profilierte Klarheit im Kontrast zu oberflächlicher Liberalität sei eine der Herausforderungen. „Schau'n wir mal" reiche nicht als Lebensdevise. „Gerade in einer offenen Gesellschaft muss es feste Positionen geben."
   Dass zum Gottesdienst auch eine gestaltete Strenge gehöre und Raum für Stille sein müsse, bewies der neue Rektor während seiner Gottesdienste in der Kapelle der Katholischen Akademie am Herrengraben. Trotz des neuen Termins kamen jeweils mehr als 70 Menschen, darunter auch Protestanten und konfessionslose Hamburger. Stets blieben zwei Drittel, um anschließend bei Käse und Wein über die kurze, indes prägnante Predigt zu diskutieren.
   Was macht Pater Breulmann anders? Es sei die unorthodoxe Art der direkten Ansprache frei von Floskeln und Wankelmütigkeit, sagen die einen. Es sei sein Geschick, aus verschiedenen Menschen unterschiedlicher Herkunft interessante Gesprächskreise zu schmieden, meinen die anderen. Der Geistliche selbst, ein ebenso temperamentvoller wie eloquenter, indes sehr bescheidener Mann, zuckt nur mit den Schultern. Großen Wirbel um seine Person schätze er ganz und gar nicht. Und warum sind in München mehrfach 2.500 Menschen zu vier Predigten an einem Wochenende in die St.-Michaelis-Kirche geströmt, wenn Hermann Breulmann auf der Kanzel stand? Der Pater, vor 62 Jahren in Münster geboren, schweigt und erweist sich schon jetzt als Persönlichkeit mit hanseatischem Habitus.
   Der Werdegang spricht Bände. Nach dem Studium trat Breulmann in den Jesuitenorden ein. Ab 1986 wirkte er als Rektor der katholischen Begabtenförderung Cusanuswerk in Bonn, 1995 wechselte er als Rektor an das Berliner Canisius-Kolleg. Anschließend leitete er das Münchner Berchmanskolleg, eine Hochschule für Philosophie in Trägerschaft der Gesellschaft Jesu.
   Die Rückkehr nach Hamburg stelle für ihn eine neue Herausforderung dar, sagt er, doch sind die ersten Ziele gesteckt. Für das kommende Jahr sind Interviewreihen mit namhaften Persönlichkeiten geplant, die Breulmann jetzt noch nicht bekannt geben möchte. Aus seinen Jahren in Bonn, Berlin und München hat der Pater hervorragende Beziehungen zu bekannten Politikern, Künstlern und Wirtschaftsgrößen.
    Viel Aufhebens um seine Person ist ihm gar nicht recht: „In einem Jahr können wir eine erste Bilanz ziehen." Bis dahin will Pater Hermann Breulmann nach einem urhanseatischen Grundsatz verfahren: „Erst handeln, dann re- den." Handeln nach Nomadenart, als kleiner Partisan in der Großstadt. HA101221JensMeyerOdewald

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Experten sprechen von “sensationellem Fund”. Uraltes Papstsiegel in Tramm bei Plön im Erzbistum Hamburg gefunden. Foto links: Vorderseite des Bleisiegels “Anacletus pp. II.
Foto rechts: Rückseite des Siegels mit dem Bild der Apostelfürsten Petrus und Paulus.

   Bleisiegel, eine sogenannte Papstbulle, die bei Ausgrabungen des mittelalterlichen Dorfes Tramm bei Plön gefunden wurde. Links ist deutlich der Name des Papstes zu sehen. Eine Bulle vom Gegenpapst Anaklet II. ist extrem selten. Wie das Stück aus dem 12. Jahrhundert dahin kam, ist ein Rätsel.
   Archäologen haben bei Ausgrabungen in Schleswig-Holstein ein seltenes Papstsiegel aus dem 12. Jahrhundert gefunden. Wie das Archäologische Landesamt mitteilte, stammt das in Rathjensdorf bei Plön entdeckte Bleisiegel - eine sogenannte Papstbulle - vom Gegenpapst Anaklet II. Dieser hatte von 1130 bis 1138 in Konkurrenz zum römischen Papst Innozenz II. amtiert. Anaklet, der frühere Bischof Pietro Pierleoni, war nur in zwei Regionen des damaligen Kirchenstaates als rechtmäßiger Papst angesehen worden: im normannisch regierten Sizilien und in Polen. Fachleute sprachen von einem „sensationellen Fund”. „Papstbullen des Anaklet sind extrem selten”, sagte der Plöner Projektleiter Willi Kramer.
   Auf der einen Seite des Bleisiegels sind Petrus und Paulus mit dem Bischofsstab abgebildet, auf der anderen Seite der Name des Papstes. Wie das Siegel nach Schleswig-Holstein gelangte, ist unklar.
   Laut Kramer gibt die Papstbulle von Rathjensdorf ein doppeltes Rätsel auf: Zum einen war das damals slawisch besiedelte Wagrien im Osten Holsteins Mitte des 12. Jahrhunderts heidnisch. Zum anderen hatte Erzbischof Adalbero von Hamburg-Bremen, dessen Missionsgebiet Wagrien war, Gegenpapst Anaklet II. nicht anerkannt. Erzbischof Adalbero hielt nur Innozenz II. für den rechtmäßigen Papst. Weil Wagrien zur Einflusssphäre Polens gehörte, könnte die Papstbulle von dort nach Schleswig-Holstein gekommen sein.
   In der Geschichte hatte es immer wieder Gegenpäpste gegeben. Laut dem Informationsdienst „Vaticanhistory” waren es insgesamt 38. Ein Gegenpapst wurde unter anderem gewählt, wenn sich die Kardinäle bei der Papstwahl nicht auf einen Kandidaten einigen konnten und sich das Kardinalskollegium spaltete. Erster Gegenpapst war Hippolytos (217 bis 235 nach Christus). Der bisher letzte Gegenpapst war Felix V; er amtierte von 1439 bis 1449.
   In Rathjensdorf laufen seit zur Zeit Ausgrabungsarbeiten. Auf einer fünf Hektar großen Fläche sollen Reste des im 17. Jahrhundert aufgegebenen Mittelalter-Dorfes Tramm ausgegraben werden. Die Archäologen gehen davon aus, dass das Dorf Tramm augenscheinlich eine weit größere Bedeutung gehabt hat als bisher bekannt. „Die Anaklet-Bulle von Rathjensdorf lässt erahnen, welche Überraschungen jetzt noch auf die Ausgräber zukommen dürften”, macht Kramer Hoffnung auf weitere Funde, die vielleicht auch das Rätsel der Papstbulle lüften könnten. HAdpa071122
Papst Anaklet II.
   Nach dem Tode von Papst Honorius im Jahre 1130 wählten 16 Kardinäle in aller Eile, um einer Kirchenspaltung zuvorzukommen, Innocenz II. zum Nachfolger. Seine liebenswerte Frömmigkeit und ein tadelloser Lebenswandel wurden allgemein anerkannt. Jedoch erhoben nur einige Stunden später die übrigen 14 Kardinäle, denen später noch zehn weitere beitraten, Kardinal Pierleoni zum Papst, der den Namen Anaklet II. annahm. Er war ein gebildeter, weltkluger Mann aus einer ursprünglich jüdischen, reich gewordenen Bankiersfamilie. Seine geistige Überlegenheit war unbestritten, er war kraftvoll und schnell in Entschlüssen und durch Legationsreisen nach England, Frankreich und auch nach Worms mit Europa vertraut. Während Innocenz nach Frankreich fliehen musste, stand fast ganz Rom hinter Anaklet II. Den Normannenherzog Roger II., der den Gegenpapst stützte, krönte er zum König. Durch den starken Einfluss des heiligen Bernhard - Abt des Zisterzienser-Klosters Clairvaux - erkannte Frankreich Papst Innocenz II. als rechtmäßig an. Deutschland folgte noch im selben Jahr und England 1131. Von Skandinavien und den osteuropäischen Kirchen fehlen Nachrichten. Ein Lehen, das Papst Innocenz II. an König Lothar verlieh, gab dieser weiter an seinen Schwiegersohn, den Welfen Herzog Heinrich den Stolzen von Bayern.  Erst als 1138 Anaklet II. starb, war die Kirchenspaltung beendet und Papst Inncenz II. nun wieder von der gesamten Kirche anerkannt.

Verdienstmedaille Erzbistum Hamburg   VerdienstmedailleHHx   St.Ansgar-Medaille

   Die St.-Ansgar-Medaille ist die einzige Auszeichnung, die das Erzbistum Hamburg vergibt. Sie wurde im Jahr 2000 geschaffen und bislang 21-mal vergeben. Die Medaille ist Laien vorbehalten. Mit ihr werden Frauen und Männer für ihren „vorbildlichen Einsatz für die Kirche” ausgezeichnet, so das Statut. Auch für bedeutende Leistungen im kulturellen, sozialen und wissenschaftlichen Bereich kann sie vergeben werden. Die Medaille ist aus Silber gefertigt und teilvergoldet. Sie zeigt den Bistumsgründer Erzbischof Ansgar, der die thronende Gottesmutter verehrt. Die Darstellung wird von dem Schriftzug „Verdienstmedaille Erzbistum Hamburg” umrahmt. HA070522

Lübecker Märtyrer wurden heiliggesprochen

   Am 25. Juni 2011 wurden die so genannten Lübecker Märtyrer selig gesprochen: Die drei katholischen Geistlichen sind im November 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet worden, weil sie die NS-Ideologie offen kritisiert hatten. Zusammen mit ihnen wurde damals auch ein evangelischer Pastor aus dem gleichen Grund exekutiert. Papst Benedikt hatte den Weg für die Seligsprechung der drei katholischen Märtyrer frei gemacht. Wir sprachen mit dem katholischen Propst Franz Mecklenfeld aus Lübeck:
   „Für die katholische Kirche bedeutet es die Anerkennung und Bestätigung der 70-jährigen Verehrungstradition; für die Ökumene bedeutet es ebenso die Anerkennung und Bestärkung dieser inzwischen auch mehr als ein paar Jahrzehnte währenden gemeinsamen Bestätigungstradition. Für die Stadt Lübeck bedeutet die Seligsprechung, dass damit Personen offiziell von der katholischen Kirche anerkannt werden, die damals als Vereinzelte im Blick auf die Mehrheit der Bevölkerung für die Botschaft Jesu Christi, für die Wahrheit und Menschlichkeit zutiefst eingetreten sind.“ RV100915
Papst Benedikt XVI. hat drei katholische Diözesanpriester aus Norddeutschland als Märtyrer anerkannt.
   Die Nazis hätten den Lübecker Pfarrer Johannes Prassek und seine zwei Kapläne Eduard Müller und Hermann Lange am 10. November 1943 in Hamburg „aus Hass auf den Glauben“ umgebracht,   hält ein päpstliches Dekret fest. Damit ist der Weg frei für eine Seligsprechung der so genannten „Lübecker Märtyrer“. Zusammen mit den drei katholischen Geistlichen war auch der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink wegen Kritik an den Nazis inhaftiert und ermordet worden. In seiner Audienz für den Präfekten der Heiligenkongregation, Erzbischof Angelo Amato, werden auch 26 Ordensleute, die 1936 während des Spanischen Bürgerkrieges ermordet wurden, als Märtyrer anerkannt. RV100701efe          Fotobericht über die Heiligsprechung der Lübecker Märtyrer > Heilige - ?

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Deutschlands ältester Kreuzweg liegt in Norddeutschland: in Lübeck.
Foto oben:
Das Sandsteinrelief auf dem Lübecker Jerusalemberg stellt die Kreuzigung Jesu dar.
Fotos unten: Vollendet im Jahr 1493, ist der Kreuzweg so lang wie das Vorbild Via Dolorosa in Jerusalem - 1.650 Meter. Der Lübecker Schmerzensweg beginnt an der St.Jakobi-Kirche und endet auf dem Jerusalemsberg. Die 1493 vollendete Prozessionsstrecke führte über sieben Stationen von der Altstadt vor die damalige Stadtmauer.

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     Kreuzweg am Karfreitag, typisch süddeutsch? Falsch. Der älteste in Deutschland bekannte Kreuzweg führt von der Lübecker Seefahrerkirche Sankt Jakobi vor das Burgtor. Lange Zeit vergessen, wurde er vor 13 Jahren wiederentdeckt - und genutzt. Am Karfreitag 2007 beteiligten sich mehr als 600 Menschen, am Karfreitag 2008 waren es schon über 700 Lübecker.  Allen voran gingen der katholische Erzbischof Werner Thissen aus Hamburg sowie die Lübecker Pröbste Ralf Meister (evangelisch) und Franz Mecklenfeld (katholisch).
   Die Geschichte des Lübecker Kreuzwegs ist bemerkenswert. „Hir beginet de crucedracht Xsti bute de brochdare to Jherusale (Hier beginnt die Kreuztragung Christi vor das Burgtor nach Jerusalem).” So steht es auf einem Relief an der Jakobikirche in Lübeck. Es zeigt Jesus vor Pontius Pilatus. Und tatsächlich beginnt hier ein Weg, der sein Vorbild in der Via Dolorosa in Jerusalem hat und exakt wie dieser an einem Berg, dem Jerusalemsberg, endet. Zu verdanken hat die Hansestadt diesen Weg dem Kaufmann, Ratsherrn und Mitglied der exklusiven Zirkelgesellschaft, Hinrich Konstin. Schnell aufbrausend soll er gewesen sein. 1468 brach Konstin zu einer Pilgerreise nach Jerusalem auf. Im Gepäck ein Maßband, das er an die Via Dolorosa anlegte: Auch in seiner Heimatstadt - damals eine Weltstadt - sollte ein Kreuzweg an die Leiden Christi erinnern und auch exakt dieselbe Länge haben, nämlich 1.650 Meter. Zurück an der Trave ließ Konstin einen dem Kalvarienberg ähnlichen Hügel außerhalb der Stadtmauern aufschütten.
  Die Vollendung des Lübecker Weges im Jahre 1493 erlebte Hinrich Konstin nicht mehr. Er starb 1482 kinderlos und hinterließ sein Vermögen für die Vollendung des Kreuzweges. An dessen Endpunkt, dem an der Konstinstraße gelegenen Jerusalemsberg, wurde ein Denkmal errichtet, das auf einem 3,30 Meter hohen und 1,77 Meter breiten Kalksteinrelief den Gekreuzigten zwischen Maria und Johannes  zeigt.  Aus  dem Jahr 1680 ist noch ein Vermerk über Renovierungsarbeiten an diesem Mal vermerkt. Ein Indiz dafür, dass Lübecker Kaufleute getreu ihrem Motto „Was viel Geld gekostet hat, soll man nicht blindwütig zerstören” zumindest den Anfang und das Ende des Weges vor den Bilderstürmern der Reformation bewahrt haben.
   Die Prozessionsstrecke selbst geriet jedoch in Vergessenheit. Und in Lübeck wie überall in Norddeutschland fasste die Meinung Fuß, dass diese Form der Andacht doch eher etwas für südlichere Seelen sei. Der Jerusalemsberg wurde ein Hügel, vom dem herab es sich im Winter gut rodeln ließ.
  Mehr als 450 Jahre später stieß der damalige Lübecker Propst Helmut Siepenkort in lübschen Aufzeichnungen auf den alten Kreuzweg - eine archäologische wie christliche Sensation. 2007 beteiligt sich zum ersten Mal der ACK, die Arbeitsgemeinschaft aller christlichen Kirchen in Deutschland, am Kreuzweg - nah bei den Wurzeln Konstins, der seinen Kreuzweg plante, als Martin Luther noch gar nicht geboren war.
  „Es ist ein gemeinsamer Weg, Ostern zu feiern”, sagt Lutz Jedeck, Pastor an St. Jakobi. Er hat für das Kreuz gesorgt, das der Prozession vorangetragen wird. Es ist aus 500 Jahre alten Eiderstädter Kirchenbalken gezimmert. Noch eine Besonderheit ergab sich 2007: In diesem Jahr feiern Orthodoxe wie Westkirchen das Osterfest am selben Tag. KarinLubowskiHA070405
  
Auf dem ökumenischen Kreuzweg 2008 in Lübeck, sagte der Hamburger Erzbischof Werner Thissen, der Schrei des Gekreuzigten finde Widerhall in den Gefolterten im Irak, den Verfolgten in Tibet, den Misshandelten in Kenia und den Hungernden im Sudan. Der Erzbischof betonte, der Kreuzweg sei Ausdruck für das Mitleiden und Mithoffen mit dem Nächsten. OR080404
Ökumenischer Kreuzweg in Lübeck 2010
   Zur Erinnerung an den letzten Weg Jesu Christi haben sich am Karfreitag 2010 wieder evangelische und katholische Christen in Lübeck zu einer Kreuzwegprozession getroffen.  Auch  Erzbischof  Werner  Thissen ging den 1,6 Kilometer langen Weg von der Altstadtkirche St. Jakobi bis zum Jerusalemsberg. An dem ökumenischen Kreuzweg nahmen mehrere Hundert Christen teil. Der Ende des 15. Jahrhunderts angelegte und seit 1994 wieder begangene Lübecker Kreuzweg gilt als der älteste Deutschlands. HA100403dpa
  
InLübeck sind am Karfreitag 2012 über 800 Gläubige den ältesten Kreuzweg Deutschlands gegangen. Das Prophetenwort  des  erstmals im 15. Jahrhundert begangenen Kreuzweges lautete: „Suchet der Stadt Bestes.“ „Wir zeigen, wer wir sind. Wir zeigen, dass wir als Christen das Miteinander in der Stadt gestalten wollen,“ sagte Hamburgs Erzbischof Werner Thissen. Für ihn sei der Kreuzweg eine „Demonstration für das Leben.“ RV120407pm

Mönchsweg-x  Pilgerreise per Pedale

Der Mönchsweg von Glückstadt bis Puttgarden folgt den Spuren der ersten Missionare

    Back- und Feldsteinkirchen, Schlösser und Klöster in reizvollen Landschaften mit Deichen, Wäldern und Seen - diese Vielfalt können Radfahrer auf dem Mönchsweg erleben, Deutschlands erstem kirchlichen Fernradwanderweg.
   Die 342 Kilometer lange Strecke führt quer durch Schleswig-Holstein von Glückstadt an der Elbe bis auf die Ost- seeinsel Fehmarn. Gleich, ob man im Segeberger Forst unter Schatten spendenden Bäumen Rast machen oder doch lieber die meditative Stille in einer der 50 Kirchen entlang der Wegstrecke genießen möchte: Der Mönchsweg hat Radsportlern und Naturliebhabern eben so viel zu bieten wie Kirchenfreunden und Kulturinteressierten.
   Sie alle können auf dieser besonderen Pilgerreise per Pedale auf den Spuren der ersten christlichen Mönche in Norddeutschland wandeln, allen voran des Missionars und ersten Holsteiner Bischofs Vicelin (um 1090 bis 1154). Der Mönchsweg folgt seinen Spuren über die Vicelinkirchen in Bornhöved und Bosau bis zur St. Johanneskirche nach Oldenburg, dem einstigen Bischofssitz des norddeutschen Missionars.
   Der Mönchsweg ist ein bundesweit einmaliges Kooperationsprojekt zwischen den Landkreisen Steinburg, Segeberg, Plön und Ost-Holstein sowie der Nordelbischen Kirche und dem Erzbistum Hamburg. Die Kosten des Projekts in Höhe von 150.000 Euro teilen sich die EU, das Land und die Kommunen. Schon im Vorfeld wurden mehr als 2500 begleitende Radwanderkarten verkauft. Sie bieten neben den Hinweisschildern auf den Radwegen die nötige Orientierung und erläutern die frühen Zeugnisse der Christianisierung.
   Während das Reisen zu Vicelins Zeiten noch mühsam und gefährlich war und über unwegsame Pfade führte, ist das Fortkommen der Radler heute vergleichsweise bequem: Der Großteil des Mönchswegs ist asphaltiert.
Information: www.moenchsweg.de Tel.: 0180 - 543 03 45. Radwanderkarte im Bielefelder Rad-Spiralo-Format kostet 9,95 €.  DanielKreuzHA070604

 Erzbischof Dr. Werner Thissen, Hamburg      aepWernerThissen07x

   Im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt  äußerte sich der 68-Jährige Erzbischof auch zur Sonntagsöffnung der Läden und zum Konsolidierungskurs im Erzbistum. Hamburgs Erzbischof Werner Thissen hat an die Wirtschaft appelliert, sich ihrer sozialen Verantwortung zu stellen und für den Erhalt von Arbeitsplätzen zu sorgen. „Es kann nicht angehen, dass große Unternehmen immer höhere Gewinne machen, sich aber nicht um ihre Mitarbeiter kümmern” sagte der Oberhirte von rund 400.000 Katholiken in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt.
   Gleichzeitig übte der Erzbischof Kritik am Beschluss des Hamburger Senats, den Weg für eine Sonntagsöffnung am 1. April freizumachen. „Es ist wichtig, dass der Sonntag geschützt bleibt, und hier handelt es sich um einen besonderen Tag, den Sonntag der Karwoche. Das ist einigen Politikern möglicherweise gar nicht klar gewesen.”
HAMBURGER ABENDBLATT: Immer wieder werden Konzerne kritisiert, die Gewinne machen, aber zugleich Personal abbauen. Wie stehe Sie zu dieser Problematik?
Erzbischof Werner Thissen:
Es ist wichtig, dass Unternehmen nicht nur auf Gewinnmaximierung aus sind, son- dern auch das Schicksal ihrer Mitarbeiter im Blick behalten. Manager müssen zu ihrer sozialen Verantwortung stehen. Gewinne sind sozialpflichtig. Ich appelliere an die Chefs, sich das immer wieder vor Augen zu führen.
Auch das Erzbistum fährt einen harten Konsolidierungskurs. Wie viele Stellen wurden abgebaut? Sind die Sparziele erreicht?
   Wir haben sehr darauf geachtet, dass dies sozialverträglich gestaltet wurde und insbesondere Altersteilzeitvereinbarungen abgeschlossen wurden. Aber wir stecken noch mitten im Konsolidierungsprozess, für den in der Verwaltung des Bistums eine Reduzierung um 30 Stellen eingeleitet ist. Zurzeit sind bereits 20 Mitarbeiter aus dem Dienst ausgeschieden.
Eine weitere Sparmaßnahme ist die Fusion von Gemeinden. Wie ist da der Stand?
  Am Ende der Restrukturierung, die leider auch mit sinkenden Priesterzahlen zusammenhängt, werden wir von ehemals rund 170 noch gut 80 Pfarreien haben. Ich habe hohen Respekt vor unseren Pfarrgemeinden, die nach dem ersten Schreck über die rigiden Veränderungen kreativ mit dem Druck umgegangen sind. Denn Fusionen bedeuten ja nicht nur, mit weniger Geld an Schlüsselzuweisungen vom Bistum auszukommen. Dazu gehört auch, sich neu als Pfarrei auszurichten und auf neuen Wegen wie Sponsoring Mittel zu akquirieren, um die Aufgaben in den Gemeinden weiter zu erfüllen.
Ist der Priestermangel im Erzbistum noch Thema?
   Ja, wir haben zu wenig Priester. Ich wäre froh, wenn wir mehr hätten. Wir werben um junge Leute. Ich sag denen, was das für ein toller Beruf ist.
Im vorvergangenen Jahr sind 2.493 Menschen aus der katholischen Kirche im Erzbistum ausgetreten. Wird diese Zahl durch Eintritte ausgeglichen?
   Nein, aber die Zahl der Neueintritte und Wiedereintritte steigt.
Werden Sie als Bischof auch einmal mit den Gründen konfrontiert, warum jemand aus der katholischen Kirche austritt?
   Ja, ich treffe in den Gemeinden auch Menschen, die mal Kirchenmitglieder waren und es nicht mehr sind. Eine ziemlich häufige Begründung dafür ist: Das war ja auch mal nicht so üblich, in der Kirche zu sein. Das sind Menschen, die überlegen jetzt, den Schritt wieder rückgängig zu machen. Es ist inzwischen wieder ein gesellschaftlicher Trend, zur Kirche zu gehören. Das hat sicher auch mit den überzeugenden Persönlichkeiten der Päpste, Johannes Paul II. und Benedikt XVI. zu tun.
Vor Kurzem haben Sie das Vorhaben der Renovierung des Doms in St. Georg und einer Umgestaltung des Vorplatzes vorgestellt. Die Kosten werden auf 7,8 Millionen Euro geschätzt, die durch Spendengelder aufgebracht werden sollen...
    ... Das ist unser Ziel...
Dennoch: Gibt es nicht Unmut, dass vor dem Hintergrund des Sparkurses so viel Geld für dieses Projekt ausgegeben wird?
   Klar, das wird diskutiert, und das habe ich auch erwartet. Auf der einen Seite mute ich den Gemeinden viel zu. Auf der anderen Seite sage ich:Jetzt renovieren wir den Dom. Dennoch erlebe ich, dass das auch eingesehen wird. Diejenigen, die unseren Dom kennen, sehen sofort: Da muss was gemacht werden. Innen ist zwingender Renovierungsbedarf.
Wie weit sind die Pläne für das christliche Zentrum in der HafenCity gediehen?
   Es zeichnet sich eine gute ökumenische Lösung ab. Der Trägerverein ,Die Brücke' hat einen Standort ins Auge gefasst. Die Finanzierungsabsprachen sind getroffen und auch mit einer christlichen Gemeinschaft, die dieses Zentrum mit spirituellem Leben erfüllen soll, sind wir im konkreten Gespräch.
Ein ganz anderes Thema. Es wird derzeit viel über selbstbestimmtes Sterben diskutiert. Wie stehen Sie dazu?
   Für uns ist eindeutig: Leben ist lebenswert bis zum Schluss. Und das wird auch so gesagt von Menschen, die in der letzten Lebensphase stehen. Ich sehe zwei Voraussetzungen: Einmal muss die Schmerzbekämpfung optimal sein, und dann dürfen wir diese Menschen nicht allein lassen. Hier leistet die Hospizbewegung  in der Begleitung Schwerstkranker und Sterbender Großartiges. Die Hospizbewegung wird sich stärker durchsetzen, wir fördern das nach Kräften.
Auf die Frage, wie weit darf sich Kirche politisch einmischen, sagten Sie einmal: Wenn ich sehe, dass etwas schiefläuft, sage ich es dem Bürgermeister zuerst, aber wenn er nichts tut, sage ich es laut. Wie viele Vier- Augen-Gespräche haben Sie mit Ole von Beust geführt?
  Einige. Es ergeben sich immer wieder Gelegenheiten zu solch persönlichen Gesprächen. Der Umgang in Hamburg zwischen Politik und Kirche ist äußerst angenehm.
Gab es beispielsweise Gespräche über die sogenannten Leuchtturmprojekte der Stadt, die angesichts wachsender Armut kritisiert werden?
   Es gibt da deutliche Zeichen, dass etwas geschieht. Zwei Beispiele aus den letzten Tagen: die Ausbildungsförderung von Hauptschülern in Zusammenarbeit mit Handelskammer, Handwerkskammer und Unternehmensverbänden sowie die Einrichtung von Eltern-Kind-Zentren in sozialen Brennpunkten. Aber es geschieht nie genug. Zum Beispiel gibt es Schulklassen, in denen die Lehrkräfte mit den Fingern beider Hände die Zahl der Nationalitä- ten nicht abzählen können. Integration bleibt eine der Hauptaufgaben der Politik.
Was sagen Sie denn zu dem Senatsbeschluss, den Sonntag am 1. April zum Einkaufen freizugeben?
   Diesen Beschluss finde ich sehr bedauerlich, zumal es sich um den Palmsonntag handelt, der am Beginn der Karwoche steht. In allen drei Ländern, über die sich das Erzbistum erstreckt, ist die Sonntagsöffnung ein Thema. Ich sehe, dass das mit einer Salamitaktik ausgeweitet wird, und kann nur an die drei Länderchefs appellieren, sich die Bedeutung des Sonntagsschutzes vor Augen zu führen.
Sie sind vier Jahre in Hamburg. Haben Sie Lieblingsplätze, ein Lieblingsviertel?
   Das ist St. Georg, wo ich wohne, ganz klar! Wenn mich jemand besucht, sagt er: Du musst ja gar keinen Urlaub machen, du hast alle Nationalitäten an der Langen Reihe. Und dann gehe ich sehr gern einen Weg an der Elbe entlang, etwa von St. Georg bis Wedel oder sogar Pinneberg. Da bin ich dann sechs, sieben Stunden unterwegs und entwerfe beim Gehen Predigten.
Und sind Sie inzwischen HSV-Fan?
   HSV und Hansa Rostock. In meinem früheren Bistum Münster hatte ich keinen Verein aus der ersten Bundesliga, jetzt hoffentlich bald wieder zwei. Das freut einen als Fußballfan. KristianStemmlerRalphKlingel-DomdeyHA070310 

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Umbau in Hamburg vollendet: Mariendom wurde zur Kathedrale umgebaut

   „Aus der kleinsten und bescheidensten Bischofskirche Deutschlands ist eine richtige Kathedralkirche geworden”, der Wunsch von Erzbischof Thissen ging in Erfüllung. Im Innenbereich des mehr als 100 Jahre alten Gotteshauses wurden Putz, Fenster, Fußboden und das denkmalgeschützte Mosaik saniert. Auch Beleuchtung, Wand- und Deckenfarbe wurden verändert. Der Altarraum und die liturgischen Orte wurden im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbs neu gestaltet und so die liturgischen und organisatorischen Ansprüche an eine Kathedralkirche erfüllt. Weitere Maßnahmen im Innern des Gotteshauses waren: die Schaffung eines Zugangs zur unter der Kirche liegenden Krypta, die Sanierung der Beckerath-Orgel und die Verlegung des Taufbeckens in die Mitte der Kirche. Die Taufkapelle an der rechten Seite des bildet nun den Durchgang zu einem neuen Anbau, für die Sakristei und andere Räume. Während der zwölfmonatigen Bauzeit war die Kirche geschlossen - die Gottesdienste wurden in Gastkirchen abgehalten. HA070217frg

Mittwochmittag im Marien-Dom Hamburg  -   in aller Ruhe eine kurze Messe feiern:

   Das wollen die Menschen, die sich mittwochs um 12.30 Uhr im St.-Marien-Dom (Danziger Straße 60) im Hamburger Stadtteil St. Georg versammeln. Während sich ganz in der Nähe, auf der quirligen Langen Reihe, viele zum Mittagessen niederlassen, nimmt den Besucher hier das milde Licht der neuromanischen Kirche in eine andere Welt auf. Der weite Raum der Kirche, die reduzierte Ausstattung fordern heraus, den richtigen Platz für sich zu finden.
   Die Orgel spielt. Wenige ausgewählte Lieder werden gesungen. Der Priester predigt kurz, immer wieder Momente der Stille. Menschen feiern Eucharistie, mitten am Tag. „Viele der Besucher kommen in ihrer Mittagspause und kehren nach der Messe an ihren Arbeitsplatz zurück. Dahin sollen sie eine Stärkung aus dem Evangelium mitnehmen", sagt Domkapitular Thomas Benner, der Initiator der Mittwochsmittags-Messe.
   Angepasst an die Mittagspause ist deshalb auch die Länge des schönen, stillen Gottesdienstes. Er dauert nur 30 Minuten. HA120810nie

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Die Kirche in Hamburg

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   Innerhalb der christlichen Gemeinden vollzieht sich ein  Wandel: Auf der einen Seite verlieren sie durch demografische Entwicklung und Austritte Mitglieder. Auf der anderen Seite wandern durch die Globalisierung immer mehr ausländische Christen ein - aus Europa und Amerika, aus Korea, China und Indonesien, Iran und vor allem Westafrika. Mittlerweile gibt es rund 120 afrikanische und asiatische Gemeinden in der Hansestadt. „Die christliche Migration ist höher als die islamische - auch, wenn man manchmal einen anderen Eindruck hat", sagt Ökumenebeauftragte Martina Severin-Kaiser.
   Auf die beiden Konfessionen wirkt sich das unterschiedlich aus. Bei den Katholiken haben Zuwanderer wegen ihres Verständnisses, eine Weltkirche zu sein, keine Schwierigkeiten, sich in den Hamburger Gemeinden zu integrieren - durch Zuzug etwa aus Polen oder Süddeutschland wuchs die Mitgliederzahl sogar: von 178.255 im Jahr 1998 auf 181.158 in 2008. Hamburger Katholiken kommen aus 160 Ländern der Erde, in vielen Kirchen werden daher Gottesdienste in anderen Sprachen gehalten, etwa auf Spanisch und Englisch. Anders bei den evangelischen Gemeinden. Sie haben in Hamburg in den letzten zehn Jahren rund 70.000 Mitglieder verloren und bereits elf Kirchengebäude aufgeben müssen.
   Die Zahl afrikanischer und asiatischer Protestanten wächst ständig. Doch weil ihre Glaubensrichtungen unterschiedlich sind, finden sie in der lutherisch geprägten Gemeinden keine geistliche Heimat, gründen daher eigene und haben das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören.
   Noch bilden die Protestanten in Hamburg mit rund 530.000 Gemeindegliedern die größte Gruppe, gefolgt von 181000 Katholiken,  etwa  140.000  Muslimen  und  rund 17.500 Orthodoxen. Zu den Minderheiten gehören auch 30.000 Aleviten, insgesamt etwa 20.000 Freikirchler (Baptisten, Methodisten, Mennoniten) und jeweils rund 5.000 Juden, Buddhisten und Hindus.
Katholische Gemeinden
   Die katholische Heilig-Geist-Gemeinde in Farmsen Foto oben betreut Pater Karl Schmickler 4.000 Mitglieder aus 65 Nationen. Innerhalb der katholischen Kirche in Hamburg hat sie den höchsten Anteil an regelmäßigen Gottes- dienstbesuchern. Gehen im Durchschnitt 11,7 Prozent der Katholiken zur Messe, sind es in Farmsen 22,43 Prozent - man sieht hier Alte und Junge, Familien, die Dame im Pelz und Menschen, die gerade mit Aldi-Plastiktüten vom Einkaufen kommen. „Pater Schmickler hält die Gemeinde zusammen und füllt sie mit Leben", sagt Stanislaus Cra- mer, der seit 13 Jahren jede Woche mindestens einmal zum Gottesdienst kommt. Lydia Gädike und ihre Tochter Lara (13) schätzen die familiäre Atmosphäre in der Kirche. „Ich mag besonders den Chor und die vielen Feste, die wir feiern", sagt Lara. Weil zu den Hauptgottesdiensten mehr als 500 Besucher kommen, wurde der Innenhof der Kirche mit einem Glasdach bedeckt.
   In Harvestehude, liegt die katholische Kirche St. Elisabeth Foto oben. Die Gottesdienste sind unterschiedlich gut besucht. Rund 6.000 Katholiken gehören zu der Gemeinde, die von Pfarrer Klaus Alefelder geleitet wird. Gottes- dienste werden auf Deutsch, Englisch und Spanisch gehalten. „Es gibt innerhalb der Gemeinde einen erfreulichen Zusammenhalt, sie ist sehr engagiert und ökumenisch interessiert", sagt der Pfarrer. Dietrich und Beatrix Rauchenberger kommen seit 20 Jahren regelmäßig zum Gottesdienst - meist zu Fuß. „Die Gemeinde hat viel Gemeinschaftsgefühl", sagen auch die Eheleute. Es gibt ein großes Aufgebot von 160 Ehrenamtlichen, dazu gehört auch Gabriele Schmitz, die sich als Lektorin und Kommunionhelferin engagiert. „Mir sind Liturgie und Gottesdienst kostbar", sagt sie. Außerdem schätzt sie den Friedensarbeit, mit der die Gemeinde Ruanda unterstützt.

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   Jeden Sonntag um 12.30 Uhr feiert die Ghana Catholic Mission ihren Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Sophien in Barmbek. Dann ist das schöne Gotteshaus gut gefüllt: mindestens 200 Besucher, darunter viele Kinder, singen Gospels mit dem Chor und tanzen dazu, beten mit der Gebetsgruppe und lauschen den Predigten, die auf Englisch gehalten und manchmal auch in die Muttersprache übersetzt werden. „Weil wir viele lange Lieder singen, dauert der Gottesdienst mehr als zwei Stunden", sagt Theophilius Bediako-Asare, der seit 15 Jahren zur ghanaischen Gemeinde gehört und seit 2003 ihr Präsident ist. Obiri Manu-Bio, seit 30 Jahren in Deutschland, hat früher „normale" katholische Gottesdienste besucht. Seit vielen Jahren besucht er sonntags die ghanaische Messe in St. Sophien. Oft nimmt er seine Familie mit - Frau, Kinder und Enkelkinder. „Manchmal bleiben wir nach dem Gottesdienst den Rest des Tages in der Kirche, reden miteinander und lösen Probleme", sagt er. HA100213FriederikeUlrich

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Erzbischof Werner Thissen, Hamburg: Der Glaube braucht keine Werbung

   Mit einem Vespergottesdienst im Michel ist die 34. Hamburger Sankt-Ansgar-Woche zu Ende gegangen. Katholiken erinnerten an den Gründer des ersten Erzbistums Hamburg. Der heilige Ansgar (801-865) könne auch heutigen Menschen zeigen, wie viel Kraft und Lebensfreude die Gemeinschaft mit Jesus Christus vermittele, sagte Erzbischof Werner Thissen beim Patronatsfest im Mariendom. Thissen betonte vor mehreren Hundert Besuchern, der christliche Glaube sei keine Marke, für die man Werbung treiben müsse. „Christsein ist Lebensqualität, die man erfahren kann.” Die Feier ist traditionell der größte katholische Gottesdienst des Jahres in der Hansestadt. Mehrere Tausend Menschen aller Konfessionen hatten sich zur 43. ökumenischen Sankt-Ansgar-Vesper in Sankt Petri versammelt. HA070205

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Foto links: Sophie-Barat-Schule Foto rechts: Schulpfarrer Johannes Pricker

Johannes Pricker hat 19 Jahre in der Winterhuder Gemeinde St. Antonius gewirkt, jetzt ist er der erste und einzige katholische Schulpfarrer in Hamburg
  Cybermobbing, Eifersucht und Neid - mit diesen Problemen wenden sich Hamburger Schüler an den katholischen Schulpfarrer Johannes Pricker. Weil der Gesprächsbedarf bei den Mädchen und Jungen an den 21 katholischen Schulen in Hamburg so groß ist, bietet der 57 Jahre alte Geistliche seit Kurzem regelmäßig individuelle Beichten und Feiern zur Versöhnung an. Auf diese Weise setzt er alte kirchliche Traditionen in den Schulen fort.
   „Rund zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler nehmen solche Angebote wahr", sagt Hamburgs erster katholischer Schulpfarrer. „Bislang haben rund 400 Mädchen und Jungen von der Sophie-Barat-Schule und dem Niels-Stensen-Gymnasium an der individuellen Beichte teilgenommen", sagt der katholische Priester, der 19 Jahre lang in der Winterhuder Antonius-Gemeinde gewirkt hat und seit wenigen Monaten als Schulpfarrer arbeitet.
   Das große Interesse habe ihn selbst überrascht, fügt er hinzu. „Es gibt bei den Jugendlichen offenbar eine neue Suche nach authentischem Leben und christlichem Glauben." Nach der großen Resonanz der bisherigen Seelsorgeangebote sind weitere Beichtangebote in der Adventszeit geplant, die seit Jahrhunderten als Fastenzeit gilt.
   Neben Mobbing und Persönlichkeitsentwicklungen geht es in solchen Beichtgesprächen nach Angaben des Geistlichen auch um Leistungsethik sowie um Konflikte mit den Eltern und um Ehescheidungen. „Auch Versagensängste, Einsamkeit und fragwürdige Praktiken beim Umgang mit digitalen Medien sind ein Thema bei den Schülern", betont der Pfarrer mit Hinweis auf das Phänomen des Sexting, bei dem private sexuelle Inhalte über die Netzwerke verbreitet werden. Zudem spiele die wachsende Unsicherheit durch die Pluralisierung und Individualisierung eine zunehmend wichtige Rolle.
   Die Beichte unterscheidet sich von psychologischen Beratungen und geht über seelsorgerliche Gespräche hinaus. „Im Mittelpunkt steht, dass Gott es ist, der barmherzig handeln will", sagt der Priester. Am Ende sagt der katholische Geistliche im Auftrag der Kirche diese Worte: „So spreche ich dich los von allen deinen Sünden."
   Bei den Schülern, die von der fünften bis zu den Abiturklassen das neue Beichtangebot nutzen, löst das Ritual eine nachhaltige Wirkung aus. „Sie spüren, dass die Versöhnungsfeier eine befreiende Kraft hat", sagt Schulpfarrer Pricker. In hohem Maße seien die jungen Menschen daran interessiert, vor Gott bestehen zu können. Weitere Einzelheiten wollte Pricker mit Rücksicht auf das Beichtgeheimnis nicht nennen.
     Zu den Aufgaben als Schulpfarrer gehören Gespräche mit Lehrern, Gottesdienste in den Schulen und Kontakte zu den Eltern.  Pricker  ist  gern  für den katholischen Schulverband tätig: „Wir realisieren in unseren 21 Schulen den christlichen Erziehungsauftrag. Die jungen Menschen werden in ihrer Ganzheit wahrgenommen. Wir kümmern uns um jeden Einzelnen." Der Verband ist der größte freie Schulträger in der Hansestadt. In den 21 Schulen lernen 9.400 Mädchen und Jungen. Nach Angaben der Kirche sind die Zahlen in diesem Schuljahr erneut gestiegen. „Die guten Anmeldezahlen bestätigen uns auf unserem Weg der Konzentration, Investition und Profilierung", sagt Schuldezernent Erhard Porten, Geschäftsführer des Schulverbands.   HA141001EdgarSHasse

Privatschulen haben enormen Zulauf
Anmeldungen dreimal höher als freie Plätze. Katholische Einrichtungen wollen Schulgeld einführen

  Nach einem Boom von neu gegründeten Privatschulen in den vergangenen Jahren wird es in diesem Jahr in Ham- burg voraussichtlich keine neuen Schulen in privater Trägerschaft geben. Die bestehenden 69 Privatschulen in Hamburg - neben 393 staatlichen Schulen - werden aber auch im nächsten Schuljahr weiter regen Zulauf haben.
   So können im kommenden Schuljahr die katholischen Grundschulen 1.148 Schüler in die ersten Klassen aufnehmen und 329 neue Schüler in die fünften Klassen der katholischen Gymnasien, sagte Matthias Nordbeck, EDV-Referent des katholischen Schulverbandes. Damit halten die katholischen Schulen ihre Zahlen aus diesem Schuljahr. HA100223ElisabethJessenFlorianEisemüller

Katholische Schulen in Hamburg bauen für 60 Millionen Euro

   Rund 500 Tage nachdem der Katholische Schulverband Hamburg unter dem Titel „Katholische Schul-Offensive" Pläne zur langfristigen Sicherung und Weiterentwicklung des Katholischen Schulsystems vorgestellt hat, gibt es eine erste Zwischenbilanz. Mit Neubauten und Bauplanungen in Bergedorf, Billstedt, Farmsen, Langenhorn, Rotherbaum und Wilhelmsburg wurden in den vergangenen Monaten schon Bauprojekte für 37,5 Millionen Euro verwirklicht, teilte Volker Reitstätter, Verwaltungsdirektor des Katholischen Schulverbandes mit. Das Investitionsprogramm sieht Gesamtausgaben von bis zu 60 Millionen Euro vor. Mit Sanierungen sind spürbare Verbesserungen in allen 21 Schulstandorten geplant. HA141022hpkt

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Die neue Sophie-Barat-Schule Hamburg
Für den siebenstöckigen Neubau an der Neuen Rabenstraße wurde der Grundstein gelegt

   „Möge das Gebäude lange halten", „ein respektvolles Miteinander", „keine gelben Räume" oder „einen Kicker und ein Sofa für Regenpausen" - diese und andere Wünsche vertrauten gestern die Sophie-Barat-Schüler der Grundstein-Kassette für ihren Neubau an. Mit weiteren Dokumenten, einem Abendblatt und einer Kirchenzeitung wurde die Messingkapsel dann im Boden versenkt, gesegnet und mit Weihwasser besprengt.
Nach dem Abriss eines 60er-Jahre-Gebäudes an der Neuen Rabenstraße, in dem die Oberstufe untergebracht war, soll das traditionsreiche katholische Gymnasium nun einen siebenstöckigen Neubau erhalten. Mit einer Fassade aus farblich gedeckt gehaltenen Keramik-Elementen und horizontalen Lichtbändern soll er sich harmonisch in die Nachbarbebauung einfügen. Die Fläche, die bislang als Lehrerparkplatz genutzt wurde, wird künftig dem Schulhof zugeschlagen. Dieser erhält Stufen und eine erhöhte Rasenfläche, auf denen die Schüler in den Pausen verweilen können.
   Innen wird der Neubau, den alle an der Schule „neue Sophie" nennen, über fast 4400 Quadratmeter Bruttoge- schossfläche verfügen. „Zum Vergleich: Das ist ungefähr die Fläche von 30 Einfamilienhäusern", sagte auf der Feier Volker Reitstätter, Geschäftsführer des Katholischen Schulverbands, der den Neubau mit Hilfe des Erzbistums Hamburg realisiert.
   In den beiden Untergeschossen sehen die Entwürfe des Architekturbüros Haslob Kruse+Partner einen Konferenzraum sowie eine 400 Quadratmeter große Einfeldsporthalle mit Umkleide- und Sanitärräumen vor. Im Erdgeschoss entstehen ein Theater- und Musikraum mit modernster Bühnentechnik sowie eine Lese-Lounge für die Unterstufe. Im ersten Obergeschoss sind die Büros von Schulleitung und Verwaltung sowie das Lehrerzimmer vorgesehen, in den Stockwerken darüber insgesamt zehn Klassenzimmer. Die neue Schulkapelle mit Orgel, Empore und künstlerisch gestalteten Fenstern wird 90 Sitzplätze erhalten und sowohl vom dritten als auch vom vierten Stockwerk zugänglich sein. „Diese Kapelle wird das Herzstück unserer Schule", freut sich Gabriele Roosen, die stellvertretende Schulleiterin.
   Während das Gymnasium bislang an der Warburgstraße verortet war, wird die „neue Sophie" durch den Neubau nicht nur ein neues Gesicht, sondern auch eine neue Adresse erhalten. Dort, wo er jetzt an der Neuen Rabenstraße errichtet wird, stand früher das alte Internatsgebäude des Sacre-Coeur- Ordens aus den 1960er-Jahren. Dessen Zustand und Zuschnitt entsprach nicht mehr den aktuellen Schulanforderungen, außerdem enthielt es teilweise Asbest. Für Abriss und Neubau investiere man insgesamt 9,8 Millionen Euro, so Schulverband-Chef Reitstätter. Das sei ein „exzellenter Preis" von 2300 Euro pro Quadratmeter.
   Ursprung der heutigen Sophie-Barat-Schule war eine Bildungsanstalt für Mädchen, die bereits 1895 bestand. Bis 1982 war die Sophie-Barat-Schule eine reine Mädchenschule, zu der Zeit in Hamburg recht ungewöhnlich - dann erfolgte der Übergang zur Koedukation, und Jungen und Mädchen werden nun gemeinsam unterrichtet. HA160514fru

Sr. Veronika in  Hamburg      HH-SrVeronika     Den Körper und die Seele pflegen

   Schwester Veronika (46) begleitet Menschen gern. Auch Sterbenden hilft sie in den letzten Minuten. Bis zum Schluss wacht die katholische Ordensschwester über diese Menschen. Viele wären ohne sie in diesem Moment wohl sehr einsam. Seit anderthalb Jahren ist die ausgebildete Krankenschwester hauptsächlich in der Seelsorge im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand tätig. Den Patienten begegnet sie mit charismatischer Offenheit, die schnell Vertrauen aufbaut. „Wenn ich mich mit ihnen über ihr Leben unterhalte, hören das teilweise Nachbarpatienten. Auch sie wollen dann oft mit mir sprechen.”
   Wie ernst ihr die Arbeit ist, sieht man in ihren Augen. Außerdem ist sie 24 Stunden sieben Tage die Woche auf dem Gelände der Klinik. Sie wohnt in einer kleinen Klausur.
   Heute gibt es im Wilhelmsburger Krankenhaus neben Veronika nur noch zwei weitere Ordensschwestern. Für Schwester Veronika war es ein innerer Drang, in den Orden der Katharinenschwestern einzutreten. „Damit wollte ich meinem Ziel entgegenkommen, den ganzen Menschen zu pflegen - den Körper wie die Seele.” Am glücklichsten sei sie, wenn sie sieht, wie die Patienten nach Gesprächen zu sich finden. Wie sie lernen, das Leben zu akzeptieren. HAhpls080428

HH-Sr,Clemense-x     Schwester Clemense, HH-St.Pauli: Eine warme Stube für den Kiez

   Jens Meyer-Odewald fragt spontan für das Hamburger Abendblatt Menschen, was sie gerade bewegt, lädt sie auf einen Kaffee ein und lässt sie erzählen.
  Bitterkalt ist es auf der Reeperbahn. So und so. Inmitten des pulsierenden Feierabendbetriebs geht eine Ordensschwester zielstrebig Richtung Nobistor, vorbei an allen möglichen Spelunken. Kaffee möchte die Franziskanerin Clemensa nicht trinken, einen heißen Kakao um so lieber. Also auf zum Café Möller am Beatles-Platz.
   Wohin des Weges, Schwester? „Von meiner Kirchenwohnung in der Großen Freiheit zu Alimaus", antwortet sie nach einem erwärmenden Schluck. Fragende Blicke erwidert sie mit der Erklärung: Gemeinsam mit vier anderen Schwestern und 200 ehrenamtlichen Helfern werden in der Sozialeinrichtung am Rande des Kiezes Frühstück und Mittagessen an Obdachlose und Bedürftige ausgegeben. „300 bis 400 Gäste haben wir", sagt die gelernte Erzieherin. Tag für Tag, finanziert durch Spenden. Hinzu kommen eine Kleiderkammer, medizinische Versorgung sowie eine Beratungsstelle. Im Mai wechselte die Ordensschwester von der „Wärmestube" in Osnabrück als Leiterin zu „Alimaus".
   Schwester Clemensa blickt auf die Uhr. Eile ist geboten. Seit gestern wird auch Abendbrot ausgeteilt - der Winter naht. Was noch mehr Arbeit bedeutet.
   Doch über Mühe und Plage redet die couragierte Wohltäterin gar nicht gerne. Schon eher über ihr Hobby: Ohne Krimi geht sie selten ins Bett. HA091103  Mehr zum Thema >
Ordensschwestern

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Foto links: Weihbischof Hans-Jochen Jaschke Foto rechts: Mariendom Hamburg
Weihbischof Hans Jochen Jaschke, Hamburg, zur Auferstehung:

   “Mit dem Tod ist für Jesus kein Ende. Er tritt in eine neue Dimension des Lebens ein, zu der nicht nur das Geistige, sondern auch das Materielle, Leibhaftige gehört - nicht der faltige, geschundene Leib, wie er jetzt ist, sondern eine neue Form.
   Der alte Adorno hat gesagt: Wenn es eine Hoffnung gibt, dann muss auch der arme Leib davon betroffen sein, nicht nur so ein esoterisches Etwas für geistige Welten. Natürlich gibt es viele, die sagen: Wir müssen dieses Wunder (der Auferstehung) nicht glauben, uns interessieren viel mehr Jesu Worte, die sind gut. Mein Einwand: Er war nicht nur ein Morallehrer so wie Sokrates, Seneca und andere Große. Er ist der Mensch, an dem uns aufgeht, dass unser Leben eine Perspektive über den Tod hinaus hat. Seine Worte werden bestätigt, bewiesen durch das, was an ihm selber geschehen ist. Das gibt ihnen ihr einzigartiges Gewicht.” HA060527

Gäste im Kloster auf Finkenwerder mit     SrTeresaFinkenwerder-x      Schwester Teresa

  Wer eine Auszeit von der Hektik des Alltags sucht, ist bei den drei Karmelitinnen in Hamburg auf Finkenwerder willkommen. Schweigen und Stille sind wichtige Elemente des katholischen Ordens, den die Heiligen Teresa von Avila im 16. Jahrhundert erneuerte. Dass Gäste am geistlichen Leben der Schwestern teilhaben können, ist eine Besonderheit der kleinen „Karmelzelle von der Menschwerdung” auf der Elbinsel. Als klausurierte Schwestern leben wir normalerweise im Verborgenen”, erläutert Schwester Teresa. Viele Gäste haben seit der Klostergrün- dung 1999 die Möglichkeit genutzt zum gemeinsamen Schweigen und Meditieren, etwa bei den regelmäßigen „Tagen der Stille”. Anmeldung: 040–74 21 43 75 Mehr zum Thema > Ordensschwestern  MishaLeuschenHA070313  

Diözöse Osnabrück

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    Bischof Franz-Josef Bode Foto Mitte wird unterstützt von den Weihbischöfen Norbert Werbs, Schwerin, und Theo Kettmann, Osnabrück, bei der Weihe von Johannes Wübbe Foto unten zum neuen Weibischof in Osnabrück.

Voll Hoffnung glauben  O-epaJohannesWübbe-2zZ  Weihbischof Johannes Wübbe

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Drei Weltreligionen in einer Nussschale. Das Bistum Osnabrück treibt ein ungewöhnliches
multireligiöses Projekt voran. Foto oben rechts: Bischof Dr. Franz-Josef Bode, Osnabrück
Foto links: So sieht Einigkeit aus: (v.l.) Avni Altimer, Theo Paul, Michael Grünberg, Winfried Vernburg

   Der Presseandrang war groß, als das Bistum im Kulturforum des Doms seine Pläne für eine ganz außergewöhn- liche Spielart von Ökumene darlegte. Denn alle Beobachter wussten: Der Plan einer gemeinsamen Grundschule für Christen, Juden und Muslime, angeregt von der katholischen Kirche, ist nichts weniger als eine Sensation. Michael Grünberg als Vertreter der jüdischen Gemeinde Osnabrück und Avni Altiner, Vorsitzender der „Schura", Landes- verband der Muslime in Niedersachsen e.V., verhehlten ihre Genugtuung nicht.

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   Das Bistum erreicht mit diesem Projekt dreierlei. Die Johannisschule Foto oben, jene kleine Nussschale, in der sich nun drei Weltregionen drängeln sollen, wäre unter neuer Trägerschaft in ihrem Bestand gesichert; die katholische Kirche führt die multireligiösen Ansätze in der Friedensstadt Osnabrück auf eine neue Ebene; schließlich: Die evangelische Kirche steht dort beiseite, wo sie freudig hätte mitmachen sollen. Die Landeskirche hatte kein Interesse.
   Gleichwohl sind evangelische Kinder an der künftigen Schule, die eine “verbundene Ganztagsschule” sein soll, willkommen, wie Dr. Winfried Verburg, im Generalvikariat für Schulen und Hochschulen zuständig, unterstreicht. Er legt dar, dass auch die praktischen Folgen eines solchen Dreierbundes schon bedacht sind: Die Schulspeisung etwa findet gemäß der jeweiligen religiösen Gebräuche statt, gemeinsam, aber eben anders. Die religiösen Symbole aller drei Religionen sollen ihren Platz finden und sich nicht gegenseitig stören.
   Theo Paul schlägt einen großen Kreis. Er sieht das Projekt als Teilstück des Weges der Christen von einer Westkirche zu einer Weltkirche. „Gesellschaft wird morgen sein, was Schule heute ist", zitiert er einen klugen Bischof.
   Die neue Schule soll ein Ort sein, an dem die Kinder in gegenseitigem Respekt voneinander lernen. Respektvoll heißt für Paul: „In versöhnter Verschiedenheit", womit er die Standartformel der skeptischen Ökumeniker beider christlichen Konfessionen aufgreift. So gibt es für jene Schülergruppe „ihren“ Religionsunterricht, auch werden ihnen jeweils eigene Lehrer zugeordnet.
   Michael Grünberg sieht für die israelische Seite in dem Projekt „die Fortsetzung des Dialogs und der Arbeit, die wir in Osnabrück leisten". Nebenbei teilt er mit, dass inzwischen in einem katholischen Kindergarten eine Gruppe jüdischer Kinder Einzug gehalten hat.
   Avin Altiner unterstreicht, das. „abrahamitische Projekt" sei auch wegen seiner friedensstiftenden Außenwirkung bedeutsam und könnte ein Beispiel für ganz Deutschland sein. Ab 01. August 2012 hat die neue Schule ihre Arbeit aufgenommen. Bleibt es bei der bisher üblichen öffentlichen Förderung, brauchen die Eltern kein Schulgeld zu zahlen. ON090906re

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Drei Religionen unter einem Schuldach
Der Rat der Stadt Osnabrück macht den Weg für die „trialogische“ Johannisschule frei

   Im August 2012 wurde die Johannisschule zu einer „trialogischen Grundschule".Jetzt werden dort Kinder der drei sich auf den Stammvater Abraham beziehenden Religionen Judentum, Christentum und Islam gemeinsam unterrichtet. Träger dieser neuen Modellschule ist die Schulstiftung des Bistums Osnabrück. So hat es der Rat der Stadt Osnabrück beschlossen.
   Nachdem der zuständige Fachausschuss des Rates sich zuvor nicht auf einen Beschluss einigen konnte, legten die drei Fraktionsvorsitzenden Fritz Brickwedde (CDU), Thomas Thiele (FDP) und Michael Hagedorn (Grüne) einen gemeinsamen persönlichen Antrag vor. Dessen Kern war die Überlassung des Schulgebäudes der Johannisschule an die bischöfliche Schulstiftung für die trialogische Grundschule bei Aufteilung der anfallenden Betriebskosten zu zwei Dritteln auf die Stadt Osnabrück und einem Drittel auf die Kirche. Damit wurden die Konditionen gegenüber dem bisherigen Verhandlungsstand noch einmal nachgebessert.
   Hintergrund für das Antragsverfahren: Offenbar war zumindest die Fraktion der Grünen in dieser Frage gespal- ten, weshalb denn auch der SPD-Fraktionsvorsitzende eine geheime Abstimmung verlangte. Am Ende konnte der Ratsvorsitzende Josef Thöle nach einer langen und konzentrierten Debatte mit 15 Wortmeldungen das Ergebnis der geheimen Abstimmung verkünden: Mit 25 zu 21 Stimmen kam damit eine über ein Jahr währende Kontroverse zum Abschluss.
   Zuvor hatten Befürworter und Gegner noch einmal ihre Argumente ausgetauscht. Fritz Brickwedde sprach von einer „einmaligen Chance", in Osnabrück ein Modellprojekt zu verwirklichen. Es sei ein Schritt zu mehr Integration, wenn Kinder aus drei Religionen gemeinsam ihren Glauben leben, zusammen feiern und darüber einander ernst nehmen könnten. Thomas Thiele nannte die neue Schule ein „Zusatzangebot" und wegen ihres Modellcharakters einen „Gewinn für alle".
   Sprecher der SPD hielten dagegen, das Miteinander der Bekenntnisse und Religionen sei ohnehin in jeder Gemeinschaftsgrundschule gelebte Praxis. Paul Meimberg (SPD) warnte davor, als Privatschule mit Aufnahmekriterien werde die trialogische Grundschule eine spezielle bildungsorientierte Klientel ansprechen und damit zulasten an- derer Grundschulen „privilegiert sein".
   Die Position der Verwaltung stellte Oberbürgermeister Boris Pistorius heraus: Zwar sei das Konzept grundsätzlich nicht schlecht, allerdings werde das Miteinander der Religionen an jeder Grundschule gelebt. Vor diesem Hintergrund müsse die Stadt auch die Kosten bedenken. „Im Ergebnis zahlen wir das Sechsfache für ein Konzept, das andere Schulen auch leisten können", sagte Pistorius, „das Bistum bestimmt die Inhalte, und deshalb ist es keine ökumenische Schule."
NOZ101216FrankHenrichvark  

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Gemeinsame Schule für Christen, Juden und Muslime
Das Bistum Osnabrück eröffnet gemeinsam mit Juden und Muslimen die Einrichtung einer Grundschule für Kinder aller drei Religionen. Foto: Sie haben die gemeinsame Grundschule geplant: von links: Michael Grünberg (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Osnabrück), Theo Paul (Generalvikar des Bistums Osnabrück) und Avni Altiner (Vorsitzender des Landesverbandes der Muslime in Niedersachsen e.V.).

  Die Johannisschule in der Osnabrücker Innenstadt ist in die Trägerschaft der Schulstiftung des Bistums übergegangen. Das Bistum wird in Osnabrück mit dem gemeinsamen Projekt die guten Beziehungen zwischen den Religionen in der Stadt des Westfälischen Friedens vertiefen und ausbauen, unterstrich Generalvikar Theo Paul.
Konzept für eine Grundschule in Trägerschaft der Schulstiftung im Bistum Osnabrück mit dem Profil "Abrahamische Religionen":
  Die Idee des Bistums Osnabrück und seiner Schulstiftung ist es, eine Grundschule in der Stadt Osnabrück so zu gestalten, dass Kinder der drei abrahamischen Religionen (Christentum, Judentum, Islam) in dieser Schule gemeinsam lernen und leben. Ihre unterschiedlichen religiösen Überzeugungen, Riten und ihre religiös geprägte Lebensweise sollen in dieser Schule selbstverständlich sein und thematisiert, nicht tabuisiert werden.
   Die Vision ist eine Schule für Juden, Muslime und Christen, in der die Feste im Jahreskreis gelebt werden, Religionsunterricht in der jeweiligen Religion erteilt wird und die Kinder über Feste und Projekttage viel über die anderen Religionen ihrer Mitschülerinnen und -schüler lernen können - eine Lerngemeinschaft von Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern der drei monotheistischen Religionen, die sich ihrer gemeinsamen Grundlagen tiefer bewusst und gerade dadurch fähig werden, respektvoll Menschen anderer religiöser Überzeugungen zu begegnen und mit ihnen zusammen zu arbeiten und zu leben.
Organisationsform Ganztagsschule
   Dazu ist eine Lebensgemeinschaft über den Unterricht hinaus Voraussetzung. Daher ist für eine solche Schule die Organisationsform der gebundenen Ganztagsschule richtig. Diese Form ist auch pädagogisch sinnvoll, weil die Ganztagsschule Benachteiligungen von Kindern aus sogenannten bildungsfernen Elternhäusern verringern kann und durch eine größere Flexibilität der Gestaltung von Lernzeiten und -formen den Ansprüchen der Kinder eher gerecht werden kann als eine Halbtagsschule.
   Diese Schule soll ein Gemeinschaftsprojekt der Schulstiftung im Bistum Osnabrück mit der jüdischen Gemeinde und mit islamischen Organisationen sein im Verbund mit der Stadt Osnabrück. Die Schulstiftung würde ihre Erfahrung, ihre Kenntnisse und ihre Strukturen als Trägerin von freien (Grund-) Schulen einbringen, die jüdische Gemeinde und islamische Moscheevereine im Verbund mit dem Lehrstuhl für islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück sollen als Kooperationspartner für den jeweiligen Religionsunterricht und die Gestaltung des religiös geprägten Schullebens mitwirken. Erfahrungen der Kooperation mit dem Lehrstuhl für islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück bei der Entwicklung und Durchführung von islamischem Religions- unterricht an der katholischen Haupt- und Realschule in Papenburg (erstes Angebot von islamischem Religionsunterricht im Sekundarbereich in Niedersachsen) sind ermutigend.
Beitrag für friedliches Zusammenleben
   Das Zusammenwirken der drei abrahamischen Religionen an einer solchen Projektschule wäre ein Gewinn für die Schülerinnen und Schüler; denn sie würden schon in der Grundschule die kulturellen und religiösen Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Menschen anderer Religionen kennenlernen und so zu lernen beginnen, die Perspektive von Menschen anderer religiöser Überzeugungen einzunehmen.
  Darüber hinaus wäre eine solche Schule für die Friedenstadt Osnabrück und für die Region ein Symbol, dass die monotheistischen Religionen einen aktiven Beitrag für ein friedliches Zusammenleben in versöhnter Verschiedenheit zu leisten imstande und willens sind. Zudem könnte die Stadt als Schulträger die an dieser Projektschule gewonnenen Erfahrungen nutzen für die Weiterentwicklung der Schulen in städtischer Trägerschaft, zum Beispiel im Hinblick auf die Kooperation der unterschiedlichen Religionen in der Schule und im Hinblick darauf, was die Wertschätzung der Religion der Menschen für eine gelingende Integration bedeutet.
"Lernort" für die Religionsgemeinschaften
   Schule ist auch ein "Lernort" für die Religionsgemeinschaften. An dieser Schule können Formen der Kooperation des jüdischen, islamischen und katholischen Religionsunterrichts entwickelt und erprobt werden. Die Erfahrungen unter Praxisbedingungen sind für die beteiligten Religionsgemeinschaften, die für die Inhalte des jeweiligen Religionsunterrichts zuständig sind, hilfreich für die weitere inhaltliche Gestaltung des jeweiligen Religionsunterrichts. Zudem können Erfahrungen in der Gestaltung des religiös geprägten Schullebens den Religionsgemeinschaften Impulse geben, was sie für den interreligiösen Dialog in anderen Schulen und weiteren Bereichen des gesell- schaftlichen Lebens tun können.
Das Gemeinwohl fördern
   Das Engagement der Schulstiftung im Verbund mit dem Bistum Osnabrück für eine solche Schule ist begründet in der Aufgabe der katholischen Kirche, das Gemeinwohl zu fördern und "ihre Bemühungen mit allen Menschen guten Willens - Angehörige anderer Religionen oder Nichtgläubige - zu vereinen, damit unsere Welt wirklich dem göttlichen Plan entspricht: als eine Familie unter dem Blick des Schöpfers zu leben." Papst Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate, 29.6.2009, Nr.57. Die geplante Schule soll dies anfanghaft in der Friedensstadt Osnabrück verwirklichen: Jüdische, muslimische und christliche Kinder, ihre Eltern und Lehrer lernen in der Schule, "Schulfamilie" zu leben. Dass kirchliche Schulen zum Aufbau einer menschlicheren Welt beitragen können und sollen, hat schon das Zweite Vatikanische Konzil 1965 betont: Mit den katholischen Schulen bietet die Kirche ihre "Hilfe allen Völkern an zur Vervollkommnung der menschlichen Persönlichkeit, zum Wohl der irdischen Gesellschaft und zum Aufbau einer Welt, die menschlicher gestaltet werden muss." Erklärung über die christliche Erziehung Nr.3.
   Nach gemeinsamer Überzeugung der an den Projekt beteiligten Religionsgemeinschaften kann ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen (und solcher ohne religiöse Überzeugungen) schwerlich erreicht werden, wenn die Frage nach Gott und der Wahrheit in der Schule ausgeklammert wird, sondern nur, wenn diese Fragen in der Schule behandelt werden und die jungen Menschen dadurch die Bereitschaft und Fähigkeit erwerben zu Dialog und Toleranz - trotz unterschiedlicher religiöser Grundüberzeugungen.
   Als Schule in freier Trägerschaft ist diese Schule ein Angebot für die Erziehungsberechtigten jüdischen, islamischen oder christlichen Glaubens, die das Konzept der Schule befürworten und für ihr Kind diese Schule wählen. Es gibt keinen festen Schuleinzugsbezirk, niemand ist zum Besuch dieser Schule verpflichtet. Die Schule kann Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Stadtgebiet aufnehmen.
Osnabrück, den 04. 09. 2009
Dr. theol.  Winfried Verburg, Schulrat i.K.
Leiter der Abteilung Schulen und Hochschulen im Bischöflichen Generalvikariat Osnabrück

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Foto links: Logo der Drei-Religionen-Grundschule  Foto rechts: Leiterin der Johannisschule Birgit Jöring

   Am 5. September 2012 ist die „Drei-Religionen-Grundschule" in Osnabrück gleich neben der Johanniskirche gestartet, mit vorerst 18 Kindern in einem Jahrgang.
   Der Name ist zwar Programm, aber doch etwas kompliziert. Spätestens, wenn die noch bestehende Johannisschule als katholische Bekenntnisgrundschule in städtischer Trägerschaft ausgelaufen sein wird, soll die Neugründung des Bistums aber den Namen Johannisschule weitertragen, so kündigte Winfried Verburg für die Schulstiftung des Bistums Osnabrück gestern bei der Vorstellung des Konzepts dieser neuen interreligiösen Grundschule an.
18 Kinder
   Juden, Christen und Muslime machen gemeinsam Schule, so lautet kurzgefasst das religionspädagogische Konzept der neuen Grundschule in Trägerschaft des Bistums Osnabrück. Sein Kerngedanke: Kinder der drei großen Weltreligionen sollen ihren Glauben als „gleichwertig, aber nicht gleichartig" erfahren, wie Verburg sagte, und indem sie mehr über den anderen erfahren, gleichzeitig ihre „Dialogkompetenz" in Glaubensdingen stärken.
   Dies geschieht zum Beispiel bei religiösen Festen. Indem die im jeweiligen Religionsunterricht erarbeiteten Ergebnisse den anderen Lerngruppen vorgestellt würden, werde die neue Grundschule der Religiosität der Kinder einen festen Platz im Alltagsleben geben. Dieses Konzept drücke sich auch im Logo der neuen Schule aus: Es zeigt ein Kreuz, die jüdische Menora und den Halbmond als Symbol islamischer Glaubenspraxis in einem offenen grünen Kreisbogen, der die Schöpfung verkörpert.
   18 Kinder wurden für den ersten Jahrgang der Drei-Religionen-Grundschule angemeldet. Neben neun katholischen Kindern sind es fünf Muslime und ein jüdisches Kind sowie jeweils ein evangelisches, serbisch- orthodoxes und ein Kind ohne Bekenntnis, das aber nach dem Willen der Eltern am katholischen Religionsunterrichtet teilnehmen soll. Dieses Zahlenverhältnis decke sich nicht ganz mit den Erwartungen, sagte Verburg unumwunden, es sei aber auch darauf zurückzuführen, dass zwei Kinder aus der jüdischen Gemeinde vorerst zurückgestellt wurden und jetzt im folgenden Jahr eingeschult werden sollen. Generell werde der Anteil jüdischer Kinder nach der Gründung eines jüdischen Kindergartens in Zusammenarbeit mit der Barbara-Gemeinde noch steigen, sagte Verburg. Angestrebt wird eine Zweizügigkeit der Schule. Grundsätzlich gehe das Konzept von einer Drittel-Parität der beteiligten Religionen aus, erläuterte der Leiter der bischöflichen Schulabteilung. Wenn diese nicht ausge- schöpft werde, so könnten freie Plätze unter den beiden anderen Religionen aufgeteilt werden.
   Neben dem Konzept stellte das Bistum jetzt auch das Kollegium der neuen „Drei-Religionen-Grundschule" vor. Schulleiterin wird die aus Bersenbrück stammende Lehrerin Birgit Jöring, die noch an einer Grundschule in Olden- burg unterrichtet. Zuvor studierte sie Deutsch, Mathematik und katholische Religion für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen in Kiel. Außerdem wird das Kollegium zunächst von Simone Vogelsang (katholische Religion und Sachunterricht), Annett Abdel-Rahman, die den neuen Studiengang für islamische Religionspädagogik an der Uni Osnabrück absolviert hat, und Sebastian Hobrack als Lehrer für jüdische Religion gebildet. Das Interesse an dieser neuen Schulform sei groß gewesen, sagte Verburg, man habe aus zahlreichen Bewerbern auswählen können.
Dialogfähig
   Kinder und Jugendliche in einer bunter werdenden Gesellschaft auch in Glaubensdingen dialogfähig zu machen, dieses Ziel habe sie besonders zur Arbeit an der neuen Grundschule motiviert, sagten auch Birgit Jöring sowie Annett Abdel-Rahman. Sie habe drei Kinder, die eine öffentliche Schule besuchen, berichtete zum Beispiel Annett Abdel-Rahman, aber nicht eines habe bislang mit der Klasse einmal eine Synagoge oder Moschee besucht: „Viele Lehrer haben nicht das Wissen, über fremde Religionen zu reden, ohne den anderen zu verletzen." NOZ120412  Foto unten:  Der Start ist gelungen mit 22 bunten Schultüten!

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Mehr als 10000 Menschen pilgerten nach Telgte
  
Die diesjährige Wallfahrt zum Marienheiligtum stand unter dem Thema: „Sagt den Verzagten: habt Mut, fürchtet euch nicht. „So nach Telgte zu gehen, wo Christus und seine Mutter uns erwarten, kann zum Gebet mit den Füßen werden, durch das man sich Vieles von der Seele läuft.“
   Trotz Regenschauer und Platzregen haben sich mehr als 10.000 Menscn an der 160. Wallfahrt von Osnabrück nach Telgte beteiligt. „Das ist ein echter Jubiläumserfolg. Deutschlands. Im vergangenen Jahr hatten sich rund 8500 Menschen beteiligt. Die ersten Teilnehmer hatten sich am frühen Samstagmorgen von Osnabrück aus über die gesperrte Bundesstraße 51 auf den 48 Kilometer langen Weg in den münsterländischen Wallfahrtsort gemacht. Am späten Sonntagabend waren die Pilger wieder zuhause.
   Das wechselhafte Wetter hätte den Menschen nicht viel ausgemacht. Die Fußwallfahrt ist nach Schomakers gaben eine der größten  Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode begrüßt an der Bistumsgrenze den Münseraner Bischof Felix Glenn.
   Nach der Ankunft in Telgte wurden erst einemal die Füße gekühlt und Erfrischungen gereicht. NOZ1207~

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St.Ursula-Gymnasium inn Hannover wächst - Schule mit dem Segen des Bischofs
Foto oben rechts: Mit Segen: Bischof Norbert Trelle weiht die neuen Räume

   Die St.-Ursula-Schule in der Südstadt ist zum Beginn des Schuljahres ein ganzes Stück größer geworden. Die  Schüler, Lehrer, Eltern, Nachbarn und viele weitere feierten den Zuwachs mit einem festlichen Gottesdienst und Schulfest. „Es ist uns gelungen, ein Wohnhaus, das direkt an die Schule grenzt, zu kaufen und umzubauen", erklärte Schulleiter Ewald Wirth stolz. Dass zu diesem Kunststück viel Glück und die Arbeit zahlreiche Menschen notwendig waren, wurde in Wirths Rede schnell deutlich.
   Das katholische Gymnasium in der Simrockstraße/Bandelstraße fasste bereits 2004 den Entschluss zur Erweite- rung: Die Fünft- und Sechstklässler, die seit der Auflösung der Orientierungsstufe wieder direkt am Gymnasium beginnen, sollten nicht für immer die Außenstelle am Altenbekener Damm besuchen. „Doch seit 2003 gingen die Kirchensteuereinnahmen rapide zurück. Das Bistum entließ Mitarbeiter und schloss Einrichtungen", berichtete Jörg- Dieter Wächter von der Trägerstiftung Katholische Schule beim Bistum. Die Stiftung erhielt aber in dieser Zeit eine beträchtliche Erbschaft von einer Dame aus Hannover.
   Bischof Norbert Trelle besichtigte nach dem Gottesdienst das neu hinzugewonnene, fünfstöckige Gebäude in der Sallstraße und segnete die Räume mit Weihwasser. „Im Chemieraum nehme ich geweihtes H20", meinte der Bischof. Schulleiter Wirth dankte auch den Nachbarn für ihre Geduld angesichts des Baulärms. Die St.Ursula-Schule gehört mit aktuell 1.110 Schülern und 103 Lehrern zu den größten Gymnasien in der Stadt und liegt Wand an Wand mit Wohnhäusern in einem Block. „Sorge macht uns nur noch der kleine Schulhof", sagte Wirth. Neuerdings gehen Lehrer deshalb mit Schülern in der Pause auf den Stephansplatz. HAZ090910BärbelHilbig

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Katholiken feiern in Hannover Fronleichnam mit gemeinsamer Prozession
   Es war ein bisschen wie beim Evangelischen Kirchentag vor vier Jahren - nur eben mit Weihrauch, Messdienern und Fahnen katholischer Verbände: Hunderte Christen zogen am Fronleichnamstag singend und betend durch die Straßen. Die Prozession war eine Premiere: Erstmals hatten sich zehn katholische Kirchengemeinden gemeinsam auf den Weg durch die City gemacht. „Wir möchten den Menschen zeigen, dass wir an einen Gott glauben, der unter uns ist", sagte Propst Martin Tenge. In ökumenischer Verbundenheit begann die Prozession mit einer Messfeier vor der evangelischen Neustädter Kirche und führte am Leibnizufer entlang zur Basilika St. Clemens.
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Foto: Bischof Norbert Trelle, Hildesheim, vor dem Hezilo-Leuchter: Der weltbekannte Radleuchter soll künftig im Hauptschiff aufgehängt werden. Der Dom in Hildesheim wird saniert - Näher am ursprünglichen Baustil

   Das Bistum Hildesheim hat den romanischen Mariendom und das daneben liegende Diözesanmuseum von 2010 bis 20154 völlig umgebaut. 37,2 Millionen Euro hat das gekostet, wie das Bistum bekanntgab. Die Diözese erhielt Finanzhilfe aus Hannover, Berlin und Brüssel und steuert selbstmit 18,3 Millionen erheblich dazu bei.
   Bischof Norbert Trelle und Domdechant Hans-Georg Koitz stellten das gegenüber ersten Planungen stark abgespeckte Vorhaben der Öffentlichkeit vor. Zunächst hatte der Kölner Architekt Johannes Schilling den gesamten Baukomplex am Domhof umgestalten wollen. Doch die Kosten konnte das finanziell angeschlagene Bistum nicht schultern.
     Mit der jetzt vorgeenommenen Umgestaltung des Gebäudes ist eine Annäherung an die ursprüngliche Architektur erreicht. Mehr als die Hälfte der Baukosten, betont Trelle, gehe auf das Konto der anstehenden Reparaturen. So musste der Fußboden aus italienischem Marmor aufgerissen werden, um die Heizung zu erneuern. Jetzt ist der gesamte Boden gleich um 60 Zentimeter tiefer gelegt. Damit wird ein Baufehler aus der Wiederaufbauzeit der sechziger Jahre beseitigt.
   Die Ausstattung mit Kunstwerken aus bernwardinischer frühmittelalterlicher Zeit (die den Dom zum Weltkulturerbe gemacht hat) soll neu geordnet werden. Die in jeweils einem Stück gegossenen Bernwardstüren  wurden umgedreht und weiter ins Kircheninnere verlegt, damit sie nicht mehr Wind und Wetter ausgesetzt sind. Die ebenfalls aus Bronze gegossene Christussäule hat ihren etwas stiefmütterlichen Platz halbrechts vom Hochaltar verlassen und ist ins Zentrum des Hauptschiffs gerückt, in dem auch der Heziloleuchter aufgehängt werden soll.
   Die Ausstellungsfläche des Diözesanmuseums ist im Zuge der Sanierung mehr als verdoppelt worden, es hat nun einen eigenen repräsentativeren Eingang direkt zur Stadt hin.
   Der romanische Mariendom aus dem Jahr 815 war im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den Nachkriegsjahren wieder aufgebaut worden. Seitdem sind keine bauerhaltende Arbeiten durchgeführt worden.
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Archäologen haben unter dem Hildesheimer Dom etwa 40 Gräber gefunden

   Sie stammen vermutlich aus der Zeit vor dem Bau des ersten Doms im Jahr 852, wie Diözesankonservator Karl- Bernhard Kruse berichtete. „Dieser Friedhof hat uns sehr überrascht. Der war bislang völlig unbekannt." Drei Skelette haben die Experten nahezu vollständig geborgen. Noch gibt es keinerlei Vermutungen, wer in den neu entdeckten Gräbern bestattet wurde. HAZ101001Ini 

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Michael B. Berger: Das Bistum Hildesheim beschreitet seit Jahren einen Konsolidierungskurs. Bis 2014 soll die Zahl der Pfarrgemeinden auf ein Drittel reduziert werden - von derzeit 313 auf 120 im Jahr 2014. Tut das weh?
Bischof Norbert Trelle: O ja, das schmerzt. Das Wort vom Gesundschrumpfen halte ich für nicht besonders intelligent. Aber zur Konzentration der Kräfte gibt es gar keine Alternative - nicht nur wegen des Priestermangels, sondern auch wegen des allgemeinen Rückgangs der Bevölkerung. Von den jetzt aktiven 183 Weltpriestern werden nach neuesten Berechnungen im Jahr 2020 vielleicht 100 bleiben. Von derzeit 97 Gemeinde- und 60 Pastoral- referentenstellen werden wir auf 81 Gemeinde- und 44 Pastoralreferentenstellen zurückgehen - in 2020. Das setzt auch eine Bereitschaft zum Umbruch voraus. Wir sind aber sehr bemüht, den Prozess der Konzentration so zu gestalten, dass kleine Gruppen nicht einfach untergepflügt werden. In Pfarrgemeinde- und Dekanatspastoralräten wollen wir ausloten, wie die einzelnen Profile künftig bestehen bleiben, welche Gemeinde zum Beispiel besonders gut im Bereich der Jugendpastoral arbeitet, welche in der Kirchenmusik. Die Zusammenlegung von vier Gemeinden zu einer bringt es alleine noch nicht, da braucht es den Willen zur Zusammenarbeit. HAZ070825

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Bischof Trelle klopft an die Tür des Doms
   Nach knapp fünfjähriger Sanierung ist der Hildesheimer Dom im August 2014 feierlich wiedereröffnet worden. Die Kathedrale zählt zum Weltkulturerbe.  Zum Festgottesdienst mit Bischof Norbert Trelle am Abend hatten sich hochrangige Vertreter der katholischen Kirche und Gäste aus Politik und Gesellschaft eingefunden. „Die großen Kunstwerke des Mittelalters erzählen davon, was Christen hoffen. Alle, die in den Dom eintreten, finden hier ein Dach für ihre Seele", sagte der Bischof. HA140816

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Botschaft des Papstes zum 1200. Jahrestag der Errichtung der Diözese Hildesheim. Ein heiliges Experiment

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      Meinem verehrten Bruder Norbert Trelle, Bischof von Hildesheim
         Mit Freude habe ich von dem großen Ereignis erfahren, das dem Bistum Hildesheim bevorsteht. Im Jahre 2015 feiert die Diözese ihr 1200-jähriges Jubiläum. Das Bistum, das 815 unter dem fränkischen König Ludwig dem Frommen zur Mission unter den Sachsen errichtet worden war, hatte eine bewegte Geschichte. Immer wieder wechselten Zeiten des Wachstums und der kulturellen Blüte mit bedrängenden Situationen, die nicht selten durch politische Umstände jenseits der Grenzen des Bistums ausgelöst worden waren. Zuletzt hat der Zweite Weltkrieg die Bezugspunkte christlichen Glaubens, wie den Mariendom und weitere Kirchen in Trümmer gelegt. Nach einem provisorischen Wiederaufbau des Doms in den Fünfziger Jahren dürfen wir nun zum Abschluss einer umfassenden Renovierung seiner endgültigen Wiedereröffnung am Hochfest Mariä Himmelfahrt, seinem Patrozinium, freudig entgegensehen.
        Das Jubiläumsjahr haben Sie unter das Leitwort »Ein heiliges Experiment« gestellt. Da mag man zunächst an den wechselvollen Lauf der Geschichte denken, in der vieles vom Menschen Gemachte auch wieder vergeht. So scheint uns zuweilen unser menschliches Tun wie ein Experiment, das gelingen oder auch scheitern kann. Aber wechseln wir einmal den Standpunkt und schauen, wie wohl ein »heiliges Experiment« aus der Perspektive Jesu aussehen würde. Im Markusevangelium wird berichtet, wie die Jünger sich nach ihrem Einsatz bei Jesus versammeln und sich mit ihm an einen einsamen Ort zurückziehen, um etwas auszuruhen vgl.6,30ff. Doch auch dort werden sie von der Wirklichkeit eingeholt. Tausende Menschen wollen Jesus hören und bitten ihn um Hilfe. In dieser Situation gibt der Herr den Jüngern die nach menschlichem Ermessen unerfüllbare Anweisung: »Gebt ihr ihnen zu essen« V.37. Wie sollen sie mit dem Wenigen und Unzureichenden, was sie zur Verfügung haben, seine Bitte erfüllen? Doch Jesus nimmt diese kargen Vorräte seiner Jünger und sättigt damit die Fünftausend. »Gebt ihr ihnen zu essen.« Dieses Wort hallt in der Geschichte nach und ist auch an uns gerichtet. 
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   Viele Menschen kamen während der Festwoche in die Hildesheimer Bischofskirche, die sich an die Wieder- eröffnung am 15. August 2014 anschloss. Dieses Bild zeigt den ökumenischen Tauferinnerungsgottesdienst am 16. August. Die erste Woche nach der Wiedereröffnung stand im Zeichen des Dankes: Über 5.000 Menschen – unter ihnen Handwerker, Architekten, Kirchenmusiker, Priester und weitere Mitarbeiter in der Seelsorge sowie Förderer und Spender – folgten der Einladung von Bischof Norbert Trelle zu mehreren Dankgottesdiensten und Festen. Generalvikar Dr. Werner Schreer, Projektleiter der Domsanierung und Mitglied des Domkapitels, zog ein positives Fazit der Festwoche: „Sie ist außerordentlich gut gelungen. Wir sind überwältigt von der übergroßen Zahl an Menschen, die den Dom sehen wollten.“. Schreer betonte, dass sich der Mariendom mit seiner besonderen spirituellen Atmosphäre als Gottesdienst-Ort bewährt habe. Dies zeigen auch die belegten Stuhlreihen während des täglichen Mittagsgebets und die voll besetzten Heiligen Messen.

Bischof Norbert Trelle, Hildesheim       epTrelleDom4x

 Großstadtpfarreien von 14.000 Mitgliedern    
   Der Rückgang der Gottesdienstbesucher und die Verminderung der Steuereinnahmen führen zu einer Neuordnung der Pfarreien im norddeutschen Raum. „Nicht jedes Dorf wird in Zukunft seine eigene Kirche behalten können”, sagte der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle in Hannover. Eine Großstadtgemeinde solle in Zukunft rund 14.000 Mitglieder umfassen, auf dem Lande seien Gemeinden mit bis zu 2.000 Mitgliedern noch tragbar. Menschen seien aber durchaus bereit, für kirchliche Angebote größere Entfernungen zurückzulegen.  dpa~NOZ060914
Gemeinden fusionieren  - Reform bei Katholiken
   In der Geschichte der katholischen Kirche Hannovers wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen: Insgesamt 14 Kirchengemeinden wurden 2010 faktisch aufgelöst. Diese wurden durch Fusionen in vier neue Großgemeinden umgewandelt, die jeweils drei bis vier Kirchengebäude und meist mehr als 10.000 Gläubige umfassen. Die größte Kirchengemeinde der Region ist mit 11.200 Mitgliedern künftig St. Martin - die 2.150 Katholiken von St. Antonius in Kleefeld wurden dieser Gemeinde jetzt „zugepfarrt".
  In den Gemeinden wurden die Zusammenlegungen teils skeptisch beäugt, vielerorts fürchten Gläubige, dass damit der weiteren Schließung einzelner Kirchen der Weg gebahnt wird. „Hinter den Gemeinden liegt ein langer Prozess, der nicht ohne Schmerzen verlaufen ist", räumt Propst Martin Tenge ein. Allerdings sei die Reform unverzichtbar, wenn man die Kirche zukunftsfähig und lebendig halten wolle. Im gesamten Bistum Hildesheim wurden am 1. September 52 bisherige Gemeinden zu 16 neuen Einheiten vereinigt. Damit reagierte die Kirche auch auf Priestermangel, sinkende Steuereinnahmen und Mitgliederschwund.
   In der Region Hannover reduzierte sich die Zahl katholischer Gemeinden von noch 60 im Jahr 2000 auf nunmehr 26. Dabei gehören jetzt in der 10.300 Mitglieder starken Heilig-Geist-Gemeinde in Bothfeld auch die Kirchen St. Bruder Konrad, St. Franziskus und Heilig Kreuz. Im Westen der Stadt zählen die Kirchen St. Benno, Maria Trost und Christkönig künftig zur 10.400 Mitgliederumfassenden Gemeinde St. Godehard in Linden. Die erweiterte Gemeinde St. Heinrich umfasst nun auch die Kirchen St. Elisabeth und St. Clemens in der City. Sie umfasst nun 10.200 Gläubige. Vergleichsweise klein nimmt sich dagegen die neue Gemeinde St. Bernward in Döhren aus: Nach der Fusion mit St. Michael in Wülfel und St. Eugenius in Mittelfeld gehören ihr 4.900 Mitglieder an. HAZ100826SBenne

Offizialat Vechta

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 Oldenburger Katholiken feiern Eigenständigkeit

    Mit einem Festakt ist das 175-jährige Bestehen des Bischöflich Münsterschen Offizialats Vechta gefeiert worden. „Wenn eine Einrichtung, die es in der gesamten Kirche nur einmal gibt, auf eine 175-jährige Geschichte zurück- blicken kann und dieses Jubiläum auch noch festlich begangen wird, dann darf man vermuten, dass es sich dabei um eine Erfolgsgeschichte handelt”, sagte der Botschafter des Papstes in Deutschland,  Nuntius Erwin Ender, in der Propsteikirche St. Georg in Vechta. Auch der Bischof von Münster, Reinhard Lettmann, nahm an dem Festgottesdienst teil. Das Offizialat wurde im Zuge der Trennung von Kirche und Staat 1803 und der Aufhebung des Fürstbistums Münsters 1831 gegründet.
  Zuvor hatten der evangelische Großherzog von Oldenburg und Unterhändler des Papstes über die Gründung der „Zweigstelle” des Bistums Münster verhandelt, nachdem 1803 Oldenburg die Herrschaft über die katholischen Ämter Cloppenburg und Vechta erhalten hatte. Mit der Errichtung des Offizialats blieb der Bischof von Münster geistlicher Oberhirte der Region. Eine solche Konstruktion, wonach ein Bischof über zwei kirchliche Leitungsbehörden verfügt, ist nach Angaben eines Sprechers des Offizialats in Deutschland einmalig. Leiter des Offizialats ist Weihbischof Heinrich Timmerevers  Foto oben links mit Nuntius Erwin Ender; Foto oben rechts: die niedersächsischen Bischöfe Franz-Josef Bode, Osnabrück und Norbert Trelle, Hildesheim, als Festgäste in Vechta. IniHAZ060612

                 kbwn:nordd. Kirche

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