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Ökumene

Auf dieser Seite lesen Sie:
1. Papst Franziskus trifft auf Kuba Patriarch Kyrill I.
2. Panorthodoxes Konzil 2016 in der Irenenkirche Konstantinopel (Istanbul)

3. Patriarch Theophilos III. von Jerusalem lädt nach Annam ein zum 13. katholisch-orthodoxen Dialog.
Ergebnis dieses Dialogs: Hoffnung und Fortschritte

4. Fotobericht von der zweiten Auslandsreise des Papstes (nach dem Weltjugendtag in Rio de Janeiro)
zur ökumenischen Begegnung mit Patriarch Bartholomaios I. in Jerusalem in Erinnerung an den
Bruderkuss zwischen Patriarch Athenagoras und Papst Johannes Paul II.

5. Türkei kommt Christen entgegen
6 Erzbischof Kyrill - Patriarch von Moskau
7. Bischof Ireneij - 45. Patriarch der serbisch-orthodoxen Kirche
8. Erzbischof Chrysostomos II. von Zypern beim Papst
9. Rumänien: Debatte über Interkommunion
10. Bischof Tawadrous neuer koptischer Papst in Ägypten
11. Seit wann und warum sind West- und Ostkirche getrennt?
12. Ioannes Zizioulas, Metropolit von Pergamon, spricht über den Primat des Papstes
13. Die Ludwig-Maximilian-Universität verleiht Ehrendoktoqürde an Metropolit Johannes Zizioulas, Pergamon

Sonderseite  > Ökumene: Einheit in Vielfalt

fs-110-f-MetropolitHillarion-ZzxZ Foto: Der Papst mit Metropolit Hilarion im Juni letzten Jahres

   Zu einer historischen Begegnung wird es am 12. Februar auf Kuba kommen: Dort wollen sich Papst Franziskus und der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. von Moskau treffen. Das gaben der Vatikan und das Moskauer Patriarchat an Freitagmittag in einer gemeinsamen Presseerklärung bekannt. Es wird die erste Begegnung der Oberhäupter dieser beiden Kirchen überhaupt in der Geschichte sein.
   Kyrill wird sich am 12. Februar zu einem offiziellen Besuch auf Kuba aufhalten; Franziskus will auf dem Flug nach Mexiko, dem er eine Apostolische Visite abstattet, einen Zwischenstopp in Havanna einlegen. Auf dem Flughafen der kubanischen Hauptstadt wollen Papst und Patriarch zunächst ein Gespräch führen. Anschließend ist die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung geplant. Kardinal Kurt Koch, als Präsident des Päpstlichen Einheitsrates für die Ökumene zuständig, wird dabei anwesend sein, wie aus dem Einheitsrat zu erfahren war.
   Der Heilige Stuhl und das Moskauer Patriarchat betonen, die Begegnung der beiden Kirchenführer sei „schon seit langer Zeit vorbereitet worden“. Sie werde eine „wichtige Etappe in den Beziehungen zwischen beiden Kirchen darstellen“. Beide Seiten hofften, dass das Treffen auch „als Zeichen der Hoffnung für alle Menschen guten Willens“ diene: „Sie laden alle Christen dazu ein, inständig darum zu beten, dass Gott diese Begegnung segnen möge, damit sie gute Früchte bringt.“
   Auch wenn das persönliche Treffen der beiden Kirchenchefs eine Premiere ist, so unterhält der Vatikan doch schon seit langem gute Arbeitsbeziehungen zum orthodoxen Patriarchat von Moskau. Der Leiter des Moskauer Außenamtes, Metropolit Hilarion, ist häufig im Vatikan zu Gast; erst im vergangenen Juni hat ihn Franziskus wieder zu einem Gespräch empfangen. Besser als zur russisch-orthodoxen Kirche sind die Beziehungen des Vatikans zum griechisch-orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., der in Istanbul residiert. Johannes Paul II., Benedikt XVI. und auch Franziskus haben einige Monate nach ihrem Amtsantritt den Sitz des Ökumenischen Patriarchen - so sein Ehrentitel - besucht.
Etwa vier Stunden Gespräch geplant
   Das Treffen zwischen Papst und Patriarch findet nur wenige Monate vor einem geplanten panorthodoxen Konzil statt; zu ihm wollen orthodoxe Kirchenführer im Juni auf der Insel Kreta zusammentreten. 
   Kyrill wird, wie Vatikansprecher Federico Lombardi am Freitagmittag erläuterte, bereits am 11. Februar auf Kuba eintreffen, wo er eine Pastoralreise nach Lateinamerika beginnt. Franziskus will, anders als ursprünglich geplant, schon am frühen Morgen und nicht erst am Mittag des 12. Februar von Rom aus aufbrechen. Nach Angaben von Reisemarschall Alberto Gasbarri landet der Papst gegen 14 Uhr Ortszeit in Havanna und wird dort von Kubas Staatschef Raúl Castro empfangen, der den Gast in einen Saal des Flughafens begleitet, ihn offiziell begrüßt und sich dann zurückzieht. Auf 14.15 Uhr ist die private Unterredung zwischen Franziskus und Kryrill in einem anderen Saal des Flughafengebäudes angesetzt. Die beiden Kirchenführer werden durch getrennte Türen gleichzeitig in den Saal eintreten, kündigte Gasbarri an; die Begegnung sei bis in die kleinsten Details abgestimmt.
   Aufhorchen ließ, dass für die Unterredung zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill volle zwei Stunden geplant sind. Metropolit Hilarion und Kurienkardinal Koch werden dabei anwesend sein, zuzüglich zweier Dolmetscher: die Gespräche werden auf Russisch und Spanische geführt, so Gasbarri. Im Anschluss tauschen der Papst und der Patriarch Geschenke aus. Gegen halb fünf gehen beide miteinander in einen anderen Saal des Gebäudes, in dem sie Präsident Castro bereits erwartet. Dort werden Franziskus und Kyrill die rund sechs Seiten lange Erklärung unterzeichnen, deren Original auf Spanisch bzw. auf Russisch verfasst ist. Das Dokument wird bei der Gelegenheit nicht verlesen, aber veröffentlicht. Anschließend werden sowohl der Papst als auch der Patriarch in freier Rede in ihrer jeweiligen Muttersprache ihre Eindrücke von dem Treffen schildern, sagte Gasbarri.   Die historische Begegnung endet ungefähr um 17 Uhr mit einer gegenseitigen Vorstellung der Delegationen, die den Patriarchen und den Papst begleiten. Präsident Castro wird Franziskus dann zum Flugzeug zurückbegleiten, und der Papst setzt seinen Flug nach Mexiko fort. Änderungen am Reiseprogramm von Franziskus für Mexiko gibt es keine, er trifft planmäßig um 19.30 Uhr in Mexiko Stadt ein. 
Rv160205s

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Russland: Dringende Lage wegen „Völkermord“  Foto: Metropolit Hilarion beim Papst

   Der Leiter des Außenamts des Patriarchats, Metropolit Hilarion, begründete in Moskau das überraschende Treffen auf Kuba vor allem mit der Lage im Nahen Osten, Nord- und Zentralafrika und anderen Regionen, in denen Extremisten einen „wirklichen Völkermord“ an Christen verübten. Dies erfordere dringende Maßnahmen und eine engere Zusammenarbeit zwischen den christlichen Kirchen, sagte Hilarion vor Journalisten.
   Angesichts der gegenwärtigen tragischen Situation müsse man „interne Meinungsverschiedenheiten“ zurückstellen und seine Anstrengungen vereinen, um die unter schweren Verfolgungen leidende Christenheit zu retten. Das Thema werde auch im Zentrum der Begegnung auf Kuba stehen. Zudem werde es dort um die bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Kirchen und um die internationale Politik gehen, so der Metropolit.
   Zur Wahl der Karibikinsel als Begegnungsort meinte Hilarion, Kyrill I. habe immer ein Treffen in Europa für unangebracht gehalten, weil mit diesem Kontinent die belastete Geschichte von Trennungen und Konflikten verbunden sei. Das zeitliche Zusammenfallen beider Lateinamerika-Reisen biete die Gelegenheit eines Treffens in der Neuen Welt. „Wir hoffen, dass es eine neue Seite in den Beziehungen zwischen den beiden Kirchen öffnet“, so der Außenamtsleiter. Rv160205mg

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Erste Einschätzung: Endlich normale Beziehungen Foto: Der Papst und der Patriarch

   Vor allem seit Amtsantritt von Papst Franziskus haben sich die Kontakte zwischen Rom und Moskau intensiviert, die jetzt in ein Treffen von Papst und Patriarch münden. Das sagte Dominikanerpater Hyacinthe Destivelle, der Verantwortliche des päpstlichen Einheitsrates für die Beziehungen zur russisch-orthodoxen Kirche, im Gespräch mit Radio Vatikan.
   „Es gab schon während des Pontifikats von Papst Johannes Paul II. Planungen für eine solche Begegnung, und das gilt auch für das Pontifikat von Benedikt XVI. Leider kam es aber nicht dazu. Mit Franziskus begann dann eine neue Runde von Gesprächen darüber, aber auch das hat seine Zeit gebraucht, bis es endlich zum Erfolg führte, fast drei Jahre… Der Wunsch zu einer solchen Begegnung bestand immer, und auf beiden Seiten, darum kann man nicht sagen, dass es da jemals eine Blockade gegeben hätte. Was das Zustandekommen bis jetzt verhinderte, war eine Reihe von Befürchtungen beim Patriarchat von Moskau. Die Befürchtung eines katholischen Proselytismus auf russischem Boden, die Befürchtung eines so genannten „Uniatismus“ vor allem in der Ukraine. Ich glaube aber, dass die russisch-orthodoxe Kirche sich klargeworden ist, dass diese Befürchtungen überholt sind.“
   Es habe nie eine katholische Absicht gegeben, orthodoxe Gläubige in Russland abzuwerben, versichert der Geistliche. Zugleich habe die katholische Kirche auch vom „Uniatismus“ Abstand genommen, also von dem Versuch, einen Teil der russisch-orthodoxen Kirche der katholischen sozusagen anzugliedern. „Jetzt hat die katholische Kirche eine andere Methode der Einheit, die ökumenische Methode: Da geht es nicht mehr um Angliederung der einen Kirche an die andere, sondern um einen Weg, den die Kirchen gemeinsam gehen. Einen Weg der Brüderlichkeit, der Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen, des theologischen Dialogs und der Caritas. Das wird uns mit der Zeit einander annähern, so wie die Emmausjünger auf ihrem gemeinsamen Weg auf einmal gemerkt haben, dass Christus unter ihnen war.“
   Das Entscheidende für Pater Destivel besteht darin, dass katholische und russisch-orthodoxe Kirche eines Tages gemeinsam Kommunion halten können. Das Treffen von Franziskus und Kyrill sei der Start einer neuen Etappe: „Jetzt werden wir sozusagen normale Beziehungen haben können, regulär und vertrauensvoll. Das entspricht der Kultur der Begegnung, für die sich Papst Franziskus immer einsetzt.“  Rv160205sk

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Papst ruft zum Gebet für sein Treffen mit Patriarch Kyrill auf  Foto: Patriarch Kyrill von Moskau

   Papst Franziskus hat zum Gebet für seine bevorstehende Mexikoreise und insbesondere für sein Treffen mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. aufgerufen. „Ich bitte euch, betet für mein Treffen in Havanna mit meinen lieben Bruder Kyrill“, sagte er am Sonntag nach seinem Mittagsgebet auf dem Petersplatz. Franziskus startet am Freitag zu einer sechstägigen Reise nach Mexiko. Auf dem Hinflug legt er einen Zwischenstopp auf Kuba ein, wo es zum ersten Treffen eines Papstes mit einem russisch-orthodoxen Kirchenoberhaupt kommt. Ein solches Treffen galt bislang aufgrund der bestehenden Spannungen zwischen dem Vatikan und der russischen Orthodoxie als aussichtslos. Jedoch hatten sich im vergangenen Jahr Chancen zu einer Begegnung abgezeichnet, nachdem Franziskus öffentlich seine Bereitschaft bekundet hatte, zu einem Treffen an jedem Ort und zu jeder Zeit bereit zu sein. - Moskau ist insbesondere nicht einverstanden mit der römischen Unterstützung für die Unierten Katholiken in der Ukraine. Zudem warf es dem Vatikan in der Vergangenheit eine aggressive Missionsarbeit auf traditionell orthodoxem Territorium vor.  Rv160207mc

Bartholomaios I. ist Ehrenoberhaupt aller orthodoxen Christen  Ök-pBartholomaiosI-Z

Orthodoxe Patriarchen äußern sich zum Panorthodoxen  Konzil 2016

    Sowohl der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., als auch der Patriarch von Moskau, Kyrill I., halten an dem Plan fest, 2016 ein Panorthodoxes Konzil zu veranstalten. Bartholomaios bekräftigte bei einer Pressekonferenz in Brüssel, das Konzil werde an Pfingsten 2016 stattfinden. Als Tagungsort ist die historische Irenenkirche in Istanbul vorgesehen. Im 4. Jahrhundert hatte dort schon einmal ein Ökumenisches Konzil getagt. Patriarch Kyrill referierte seinerseits in der Vorwoche vor der russisch-orthodoxen Bischofskonferenz in Moskau über das bevorstehende Konzil.
   Das russische Kirchenoberhaupt erinnerte daran, dass bei der panorthodoxen Synaxis in Istanbul im März 2014 die Position des Moskauer Patriarchats zu prinzipiellen Fragen des Konzils bei vielen anderen autokephalen orthodoxen Kirchen auf Zustimmung gestoßen sei. Im Schlussdokument werde daher auch das von Moskau vertretene Konsens-Prinzip bei der Entscheidungsfindung sowohl beim Konzil selbst als auch in der Vorbereitungsphase betont.
   Das Bischofskonzil des Moskauer Patriarchats, das im Unterschied zur Bischofskonferenz entscheidungsbefugt ist, hatte sich 2013 ausdrücklich dafür ausgesprochen, dass beim Panorthodoxen Konzil nur Entscheidungen im Konsens aller autokephalen Kirchen getroffen werden sollen. Vor den Bischöfen bedauerte Patriarch Kyrill, dass die eigens eingerichtete interorthodoxe Zentralkommission zur Vorbereitung des Panorthodoxen Konzils bisher nur einmal, im vergangen Herbst, zusammengetroffen sei. Eine weitere Sitzung solle noch im Februar stattfinden.
   Als thematische Schwerpunkte des Panorthodoxen Konzils werden u.a. die Frage der Autokephalie (Selbständigkeit) der Kirchen in neu entstandenen Staaten (wie Mazedonien oder der Ukraine, aber etwa auch Abchasien), der Organisation der mittlerweile weltweiten orthodoxen Diaspora, die Beziehungen mit den anderen christlichen Kirchen, die ethischen und sozialen Fragen der Gegenwart oder die Reform des liturgischen Kalenders genannt. Rv150209mg

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Panorthodoxes Konzil: Homosexualität doch kein Thema - Foto: russisch-orthodoxer Patriarch Kyrill I. von Moskau

   Das Thema Homosexualität wird beim Panorthodoxen Konzil 2016 aller Voraussicht nach nicht behandelt werden. Der für die Themen zuständige Metropolit, Ioannis Zizioulias von Pergamon, hat den Antrag auf Behandlung des Themas Homosexualität nach einem Einspruch der russisch-orthodoxen und anderer konservativer Kirchen wieder abgesetzt. Metropolit Zizioulias ist Vorsitzender der Redaktionskommission für die Themen des Panorthodoxen Konzils. Diesen Vorgang berichtet die Katholische Nachrichtenagentur KNA am Dienstag unter Berufung auf nicht namentlich genannte Teilnehmer der jüngsten Vorbereitungssitzung in Chambesy bei Genf. Das Konzil soll 2016 in Istanbul tagen.
   Die orthodoxe Kirche von Griechenland wollte zwar, dass das heikle Thema auf dem Konzil diskutiert wird. Es sollte jedoch keine Vorausempfehlung für eine kirchliche Legitimierung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit all ihren Konsequenzen für Eheschließungen oder kirchliche Ämter ausgesprochen werden. Das Patriarchat von Moskau stellte sich nach KNA-Angaben entschieden dagegen, die Frage der Homosexualität auf dem Konzil auch nur zu erörtern. In mehreren orthodoxen Portalen, wo diese Informationen aus Chambesy durchgesickert sind, stellte sich die Mehrzahl der Kommentare ebenfalls gegen ein orthodoxes Ja zu gleichgeschlechtlichen Praktiken. Eine kleine Minderheit befürwortete sie und argumentierte mit der „Weite christlicher Nächstenliebe“. Rv150317mg

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Vorbereitungen zum orthodoxen Konzil - dem ersten Konzil seit 1228 Jahren -
damals waren alle Christen noch auf dem 2. Konzil von Nizäa vereint!

   Vorbereitungsgipfel für das orthodoxe Konzil: Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel hat eine Versammlung aller jener Bischöfe in den Istanbuler Phanar – den Sitz des Patriarchen – einberufen, die diesem weltweit präsenten orthodoxen Patriarchat angehören. Beginn ist 29. August, Abschlusstag der 2. September, wie die Stiftung „Pro Oriente" und die US-Nachrichtenagentur „Catholic World News" berichten. Hauptzweck der Versammlung Synaxis soll die Vorbereitung des seit 1961 geplanten, jedoch immer wieder verschobenen Panorthodoxen Konzils sein. Geplanter Konzilseröffnungs-Termin ist Pfingsten 2016.
   Wegen der zahlreichen ungelösten Streitpunkte gibt es allerdings Zweifel, ob der Zeitplan für das Konzil eingehalten werden kann. Jedenfalls hätte das Treffen historischen Charakter. Er wäre das erste Treffen von orthodoxen Bischöfen aus aller Welt seit dem II. Konzil von Nicäa im Jahre 787.
   Die Auswahl der Themen, die auf dem Panorthodoxen Konzil erörtert werden sollen, bleibt weiterhin eine Streitfrage unter den orthodoxen Führern. Die russisch-orthodoxe Kirche hat darauf bestanden, dass auf der Tagesordnung nur solche Themen stehen dürfen, für die es eine Unterstützung aller nationalen orthodoxen Kirchen gibt. Diese Regel würde jedoch die Diskussion der eigentlich wichtigen - allerdings auch konfliktbehafteten - Fragen, die die orthodoxe Welt bewegen, verhindern. Rv150815ord

ök-pBartholomaios-I-Zx     Patriarch Bartholomaios I

140 orthodoxe Bischöfe bereiten in Istanbul Konzil 2016 vor 
  Zur Vorbereitung eines Panorthodoxen Konzils beginnt an diesem Samstag in Istanbul eine Versammlung von rund 140 orthodoxen Bischöfen. Das Treffen auf Einladung des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., dauert bis 2. September. Der 1. September wird dabei feierlich als Gebetstag zur Bewahrung der Schöpfung begangen, wie dies auf Wunsch des Papstes erstmals auch die katholische Kirche tun will.
   Geplanter Eröffnungstermin des Konzils ist Pfingsten 2016. Es wäre das erste Großtreffen orthodoxer Bischöfe seit über einem Jahrtausend. Als letztes Konzil, auf dem Vertreter der Ost- und Westkirche gemeinsam über Glaubensfragen berieten, gilt das Zweite Konzil von Nicäa im Jahr 787.
   Eine Zusammenkunft aller orthodoxer Kirchenführer ist seit 1961 geplant, konnte bislang jedoch nicht umgesetzt werden. Wegen zahlreicher ungelöster Kontroversen gibt es Zweifel, ob der Zeitplan eingehalten werden kann. Auch die Themenauswahl bleibt strittig. Die russisch-orthodoxe Kirche besteht darauf, nur solche Fragen zu behandeln, denen alle nationalen orthodoxen Kirchen zustimmen. Ein wesentlicher Konfliktpunkt ist die unterschiedliche Sichtweise zu den orthodoxen Kirchen der Ukraine und zur griechisch-katholischen Kirche.
   Im März 2014 gaben die auf Einladung von Patriarch Bartholomaios I. in Istanbul versammelten orthodoxen Kirchenführer bekannt, 2016 an gleicher Stelle ein Konzil zu halten. Dabei soll es voraussichtlich neben Fragen des liturgischen Kalenders und des Eherechts vor allem um Probleme gehen, die sich aus der Bildung neuer eigenständiger Kirchen und aus der Auswanderung von Gläubigen ergeben. Für Bartholomaios I., der als „Grüner Patriarch“ bekannt ist, ist weiters auch die Ökologie ein zentrales Anliegen.  Rv150828pdy

ök-HajdudorogMetropolitankirche-Zx ök-HajdudorogMetropolitankirche-Z

Ungarn: Neue katholische Ostkirche gegründet  -  Metropolitankirche in Hajdudorog

   Die griechisch-katholische Kirche in dem osteuropäischen Land wird künftig mehr Eigenständigkeit erhalten. Dazu hat Papst Franziskus diese mit Rom unierte Ostkirche Ungarns zu einer sogenannten Metropolitankirche „sui iuris“ ernannt, wie der Vatikan mitteilte. Bisher gab es einzig die Eparchie – also Diözese – Hajdudorog. Der bisherige Bischof Fülöp Kocsis dieser nun aufgewerteten Eparchie wurde zum ersten Metropoliten ernannt. In Ungarn leben rund 350.000 griechisch-katholische Gläubige. Insgesamt gibt es etwa sechs Millionen Katholiken in dem Land, was über sechzig Prozent der ungarischen Bevölkerung entspricht. Die neue griechisch-katholische Kirche Ungarns wurde gleichzeitig auch neu aufgeteilt, und zwar in mehrere Eparchien. Rv150320mg

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Jordanien: Experten hoffen auf Erfolg von der 13. katholisch-orthodoxen Dialogrunde

   Seit Montag findet ein ökumenischer Austausch in der jordanischen Hauptstadt Amman statt. Im Mittelpunkt der bis 23. September anberaumten Plenartagung steht der Entwurf eines gemeinsamen Dokuments über „Synodalität und Primat“. Experten hoffen auf einen Erfolg.
    Laut Wiener Kardinal Christoph Schönborn sei die 13. Vollversammlung, seit Gründung der Internationalen Kommission im Jahr 1979, eine wichtige Verbindung. Dieses Treffen solle neue Generationen dazu motivieren „die Fackel des Miteinanders aufzunehmen“ und die „Bereitschaft, aufeinander zu hören und gemeinsam auf Christus zu schauen“ zu erhöhen. Neue Generationen orthodoxer und katholischer Theologinnen und Theologen sollen zu jener Freundschaft finden, die es ihren Vorgängern ermöglicht habe, nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil den offiziellen theologischen Dialog zwischen orthodoxer und katholischer Kirche aufzunehmen.
   Die Einladung für Amman an die Internationale Kommission war im Mai vom griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Theophilos III. Foto, im Zusammenhang mit der jüngsten Jerusalemer Begegnung zwischen Papst Franziskus und dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. ausgesprochen worden. Von katholischer und orthodoxer Seite nehmen je 30 Personen an der Plenartagung teil. Den Vorsitz führen gemeinsam der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, und der dem Ökumenischen Patriarchat angehörende Metropolit von Pergamon, Ioannis (Zizioulas). Die Kommissionsmitglieder werden in Jordanien an mehreren Gottesdiensten teilnehmen, die inhaltlich in erster Linie der Fürbitte für die bedrängten Christen des Nahen Ostens gewidmet sein werden.
   In Amman wird ein Entwurf behandelt, der bei zwei Treffen des Koordinationskomitees der Kommission in Rom (2011) und Paris (2012) erarbeitet wurde. In dem Dokument geht es neuerlich um das theologische und ekklesiologische Verhältnis von Synodalität und Primat im Leben der Kirche auf lokaler, regionaler und universaler Ebene als Rahmen für das diffizile Problem der Position des Bischofs von Rom in der universalen Kirche. In der jordanischen Hauptstadt müssen die Mitglieder der Internationalen Kommission entscheiden, ob der vorliegende Entwurf konsensfähig ist oder ob das heikle Problem des Verhältnisses der beiden kirchlichen Ordnungsprinzipien in vertiefter Weise behandelt werden muss. Denn ein 2007, bei der Plenartagung in Ravenna, beschlossenes Konsensdokument in Sachen „Synodalität und Primat“ wird nämlich vom Moskauer Patriarchat abgelehnt - vor allem aus formalen Gründen. Rv140916kap

Ökumene-Kardinal sieht Fortschritte beim Dialog mit Orthodoxen
   Die Internationale Dialogkommission der katholischen und orthodoxen Kirchen konnte auf einer gemeinsamen Sitzung in Amman keinen Konsens über ein Papier zur Frage des Primats und der Synodalität finden: Der Entwurf zu Grundfragen der Kirchenverfassung fand bei den siebentägigen Gesprächen offenbar keine allgemeine Zustimmung. Den gemeinsamen Vorsitz des Treffens in Jordanien hatten der Vertreter des Ökumenischen Patriarchats, Metropolit Ioannis (Zizioulas) und der vatikanische Ökumene-Verantwortliche, Kardinal Kurt Koch. Trotz der Divergenzen in Amman sieht Kardinal Koch im Gespräch mit Radio Vatikan dennoch Fortschritte in der Verständigung.
   „Der allergrößte Fortschritt ist aus meiner Sicht, dass alle Beteiligten bereit und auch willens sind, den Dialog weiterzuführen. Das ist nicht ganz einfach. Es war jetzt beispielsweise nicht möglich, mit einem Dokument an die Öffentlichkeit zu gehen. Das Vorbereitungsdokument, das zur Diskussion stand, wurde vor allem von orthodoxer Seite abgelehnt. Dann haben wir uns entschieden, ein neues Dokument zu erarbeiten und zwar über die wichtigsten Elemente des Hauptthemas von Synodalität und Primat im ersten Jahrtausend. Das wurde jedoch als nicht reif beurteilt. Nächstes Jahr soll nun ein neues Koordinierungskomitee den Text vertiefen und verbessern, um dann eine neue Plenarversammlung einzuberufen, sodass wir diesen Text zu Ende führen können.“
   In zwei Jahren werde vor allem für die orthodoxen Kirche ein „heikles Jahr“ sein, so Kardinal Koch. Denn für 2016 ist das Panorthodoxe Konzil geplant. Deshalb werde die katholisch-orthodoxe Großversammlung kaum vor 2017 stattfinden, fügte der Ökumene-Verantwortliche an.
   „Ich hoffe sehr, dass das Panorthodoxe Konzil überhaupt stattfinden wird, denn die Plenarversammlung hat uns gezeigt, wie viele Differenzen unter den orthodoxen Kirchen bestehen. Wir haben vielleicht mehr Differenzen unter den Orthodoxen als zwischen den Orthodoxen und Katholiken. Wenn die orthodoxen Kirchen auf einer Panorthodoxen Synode zu einer größeren Einheit unter sich finden, wird das auch eine große Hilfe für die Fortsetzung unseres Dialogs sein.“
   Bedenken und Kritik kam in Amman vor allem von russisch-orthodoxer Seite. Dies ist kein Novum: bereits beim Treffen in Ravenna von 2007 gab es Vorbehalte aus Moskau. Die damalige Kritik werde auch heute noch eingebracht, so Kardinal Koch.
   „Das Hauptproblem des Ravenna-Dokuments ist aus russisch-orthodoxer Sicht der Paragraph über die universale Ebene im Blick auf das Verhältnis von Synodalität und Primat. Sie akzeptieren einen Primat auf universaler Ebene, aber nur in einem pragmatischen und nicht in einem theologischen Sinn. Das ist für uns Katholiken eine schwierige Herausforderung, weil der Petrusdienst nicht einfach etwas rein administratives und pragmatisches ist. Da müssen wir eindeutig mehr Konsens finden. Aber ich darf ehrlich sagen, dass wir eine gute Zusammenarbeit mit der russisch-orthodoxen Delegation in Amman hatten.“
   Metropolit Hilarion sei bereit gewesen, im Redaktionskomitee für den neuen Text mitzuarbeiten, gab Koch bekannt. Der Vertreter aus Moskau habe angeregt, den Konsenstext zu Ende zu führen.
   „Was bei ihm aber immer wieder durchscheint, ist diese ungeheure Kritik an der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine. Da hat er auch immer wieder deutlich gesagt, dass der sogenannte Uniatismus – also die mit Rom unierten Kirchen – eine Wunde im Leib Christi seien. Da muss ich ihm natürlich widersprechen: die eigentliche Wunde ist die Trennung der Kirche zwischen Ost und West. Der Uniatismus ist eine Konsequenz dieser Wunde. Wenn wir das Problem des Uniatismus lösen wollen, dann müssen wir die Einheit finden.“
   Am Rande der Vollversammlung war Metropolit Hilarion auch bilateral aktiv. So konferierte er mit dem Präfekten der vatikanischen Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, über die unterschiedliche Bewertung der Rolle der griechisch-katholischen Kirche im russisch-ukrainischen Konflikt. rv140925mg

Ök-Synaxis-xx Orthodoxer Kirchengipfel beendet – Konzil  2016 geplant

     Mit einer feierlichen „Göttlichen Liturgie“ ist in Istanbul der orthodoxe Kirchengipfel zu Ende gegangen. Die Führer aller selbständigen orthodoxen Kirchen hatten sich am Sitz ihres Ehrenoberhaupts, des Patriarchen Bartholomaios I., in Istanbul zu einer sogenannten „Synaxis“ getroffen. Dabei legten sie 2016 als Datum für ein Panorthodoxes Konzil fest. Im September 2014 soll dazu eine Vorbereitungskommission zusammentreten, um das Prozedere zu klären und Entwürfe für die Konzilstexte zu schreiben. Ort des Konzils – offizieller Name ist „Heilige und Große Synode der orthodoxen Kirche“ – wird Istanbul sein.
   Der Beschluss bedeutet einen Durchbruch; seit den sechziger Jahren waren Vorbereitungen eines Panorthodoxen Konzils vor allem an Meinungsunterschieden zwischen dem Ökumenischen Patriarchen und der Führung der russisch-orthodoxen Kirche gescheitert. Beide rivalisierten um den Führungsanspruch über die weltweit 250 Millionen Orthodoxen; deutlich mehr als die Hälfte von ihnen gehören zur russisch-orthodoxen Kirche. Nun machte in Istanbul der Moskauer Vertreter, Metropolit Hilarion, den Weg zu einem baldigen Abhalten des Konzils frei.
   Es wird das erste orthodoxe Konzil seit der großen Kirchenspaltung von 1054 – nach orthodoxer Zählung das erste Konzil überhaupt seit dem Jahr 787. Zum ersten Mal seit weit über tausend Jahren wird die orthodoxe Christenheit also mit einer Stimme sprechen; das kann sich, so denken Ökumene-Experten, nur positiv auf die Beziehungen zwischen Orthodoxen und Katholiken auswirken. Die Vorbereitungen, die im September starten, sollen zu Ostern 2015 abgeschlossen sein; im ersten Halbjahr 2015 soll außerdem noch einmal eine Panorthodoxe Konferenz zusammentreten.
   Nur die orthodoxe Kirche von Antiochien hat die Istanbuler Schlusserklärung nicht unterzeichnet und auch nicht an der Schlussliturgie teilgenommen: Damit protestiert sie dagegen, dass die „Synaxis“ in einem Streit zwischen dem Patriarchat von Antiochien und dem von Jerusalem keine Stellung beziehen wollte. Der Streit, der sich um die Jurisdiktion für orthodoxe Christen in Katar dreht, sei eine bilaterale Angelegenheit, so Bartholomaios und weitere Kirchenführer, da wolle man sich nicht einmischen.
   Die Erklärung von Istanbul äußert „Bewunderung und Unterstützung für das Martyrium und Zeugnis“ vieler Christen in Afrika und im Nahen Osten. Mit Blick auf Syrien verurteilen die Kirchenführer jedweden Terrorismus und religiös motivierte Gewalt, sie rufen zur Freilassung der beiden entführten orthodoxen Bischöfe aus Aleppo auf. Und die getrennte orthodoxe Kirche der Ukraine, das sogenannte „Patriarchat von Kiew“, bitten sie um die Rückkehr in den Schoß der orthodoxen Kirchengemeinschaft.
   Die Istanbuler Erklärung äußert sich auch zur Wirtschaftskrise, zum Lebens- und zum Umweltschutz. Besondere Aufmerksamkeit im Vatikan dürfte der Passus finden, der den synodalen Charakter der kirchlichen orthodoxen Tradition herausstreicht. Die „Synaxis“ bekennt sich im übrigen auch deutlich zur Ökumene: Die „Botschaft der Orthodoxie“ zu verbreiten, lasse sich mit dem Dialog vereinbaren – dem Dialog mit Völkern und Kulturen, mit anderen Christen und auch mit anderen Religionen. Rv140309ski

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Foto links: Patriarch Bartholomaios I. - Papst Franziskus - 2013 im Vatikan
Foto rechts: Patriarch Athenagoras - Papst Paul VI. 1964 in Jerusalem
Chance auf Wiedervereinigung mit Katholiken

   Es gibt eine Chance auf Wiedervereinigung von orthodoxer und katholischer Kirche: Das sagte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. im Gespräch mit Journalisten in Istanbul. Zwar werde diese „wahrscheinlich“ zu seinen Lebzeiten nicht vollzogen werden. Doch habe er im Vatikan im Zuge seines Gesprächs mit Papst Franziskus  nach dessen Amtseinführung eine neue Haltung und einen neuen Stil erlebt, die ihn „optimistisch“ stimme. Wie die Nachrichtenagentur „kipa“ berichtet, sei Bartholomaios überrascht gewesen, dass ihn Papst Franziskus zu einem Essen mit den Kardinälen eingeladen habe. Bartholomaios I. war der erste Ökumenische Patriarch seit der Kir- chenspaltung im Jahre 1054, der an der Amtseinführung eines Papstes teilnahm.
  Im Gegenzug hatte Bartholomaios I. den neuen Papst zu einem Besuch Istanbuls aus Anlass des Andreas-Festes Ende November eingeladen; zugleich unterbreitete er aber auch den Vorschlag für eine gemeinsame Pilgerreise nach Jerusalem im Jahr 2014, um an die Begegnung dort zwischen Bartholomaios Vorgänger Athenagoras und Franziskus Vorgänger Paul VI. vor genau 50 Jahren zu erinnern.
Gemeinsam gegen Wirtschaftskrise
   Nach dem Gespräch mit Franziskus unterstrich Bartholomaios I. die Notwendigkeit, den begonnenen theolo- gischen Dialog entschlossen fortzusetzen. Dieser Dialog müsse ein „Dialog der Liebe und der Wahrheit“ sein, der in einem Geist der „Demut, Milde und Aufrichtigkeit“ geführt wird. ~rv1304~

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   Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. Foto unten ist 2014 mit der Ehrendoktorwürde an der Katholischen- Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität in München ausgezeichnet worden. Durch sein Studium von 1967 bis 1968 an dieser Fakultät entstand erstmals eine offizielle Ausbildungsmöglichkeit für orthodoxe Theologen an einer staatlichen Universität in Deutschland. Die Ehrung gelte dem „unermüdlichen Einsatz“ von Bartholomaios I. für die innerchristliche Ökumene und den interreligiösen Dialog, vor allem mit dem Judentum und dem Islam. Das Eintreten des Patriarchen für Religionsfreiheit, Frieden und die Rechte von Minderheiten sei beispielhaft. Rv140517kna

Kardinal Reinhard Marx Ök-cdRMarx-pBarthol-Mün-z Patriarch Bartholomaios

   Als wichtigen Impuls für die Ökumene in Deutschland hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz den Besuch des Ehrenoberhauptes der Weltorthodoxie Foto oben gewürdigt. Zum Abschluss der Deutschlandreise von Patriarch Bartholomaios I. sagte Kardinal Reinhard Marx in München:
  „Das ökumenische Miteinander lebt und wird von den Gemeinden getragen. Davon zeugt auch die seit 50 Jahren in Deutschland arbeitende und betende Metropolie der griechisch-orthodoxen Kirche. Ich freue mich, dass ich einen Gegenbesuch beim Patriarchen in Konstantinopel voraussichtlich zum Andreasfest Ende November 2014 machen kann.“ Mit Blick auf die Begegnung des Papstes mit Patriarch Bartholomaios in der Jerusalemer Grabeskirche betonte Kardinal Marx: „Dieses Treffen wird länger in die Geschichte hineinwirken, als es den Moment dauert. Gerade in einem Land wie Israel und Palästina, wo die Christen weniger als zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen, ist das gemeinsame Auftreten der Kirche eine Ermutigung für die Christen vor Ort. Das wollen Bartholomaios und Franziskus leisten.“ v140518pm

Ökumene-Kardinal Koch: „Papstreise ist symbolisch wichtig“  cdd-KurtKoch-2xx

   Seit der Begegnung von Papst Paul VI. mit dem Ökumenischen Patriarchen Athenagoras vor 50 Jahren in Jerusalem ist sehr viel geschehen in der Ökumene. Das betont der vatikanische Ökumene-Verantwortliche, Kardinal Kurt Koch Foto, im Gespräch mit Radio Vatikan. Der Schweizer Kurienkardinal hat Papst Franziskus bei seiner ersten  Heilig Land-Reise begleitet. „Dass nun die heutigen Vertreter der beiden Kirchen,  Papst Franziskus  und  Patriarch Bartholomaios, zusammenkommen, ist für mich Anlass zur Hoffnung, dass die guten Beziehungen, die wir in diesen 50 Jahren erleben durften, noch weiter vertieft werden und weitere Schritte in die Zukunft gemacht werden.“
  
Die Reise des Papstes sei vor allem als eine Pilger- und Dankesreise zu verstehen, so Koch. „Ich glaube, da ist eher eine symbolische Ebene hervorzuheben. Aber symbolische Ebenen sind in der Ökumene sehr wichtig. Wir unterscheiden ja zwischen dem Dialog der Liebe und dem Dialog der Wahrheit. Beim letztgenannten Dialog geht es um theologische Fragen und der ist nicht ganz einfach. Doch dieser schwierige Dialog geht nicht ohne den Dialog der Liebe und der Begegnung. Deshalb ist das Treffen von Papst Franziskus mit Patriarch Bartholomaios ein ganz wichtiges Ereignis.“
   Der Papst werde im Heiligen Land nicht nur in der Ökumene Akzente setzen, sondern mit einer Botschaft des Friedens und der Versöhnung zu den Israelis und Palästinensern gehen, sagt der Schweizer Kurienkardinal, der auch für den Dialog mit dem Judentum zuständig ist.
   „Die Begegnungen mit den Juden und Repräsentanten von Israel sind auf zwei Ebenen zu unterscheiden: auf der einen Seite steht die Begegnung mit den israelischen staatlichen Vertretern, bei der es um die Verbesserung der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Staat Israel und dem Heiligen Stuhl geht. Auf der anderen Seite steht die Begegnung mit den beiden Großrabbinern in Jerusalem. Und da geht es um die Gestaltung des Dialogs, den unsere Kommission für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum pflegt. Das wird sicher auch zu einer Vertiefung dieser Beziehungen führen.“ Rv140515mg

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Foto links: Patriarch Bartholomaios Foto rechts: Die beiden Apostel-Brüder Petrus und Andreas

Erzbischof Emmanuel, Metropolit: ök-aepEmmanuel-Frankr-z Große Hoffnung  für die Einheit der Kiche

   Der orthodoxe Erzbischof Emmanuel, Metropolit von Frankreich Foto, koordiniert für den ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomaios I. die Pilgerfahrt nach Jerusalem. Der Metropolit hofft, dass die Begegnung mit Papst Franziskus neuen Schwung in die Bemühungen um die Einheit der Kirche bringen wird. Die beiden Kirchenführer würden aber wahrscheinlich auch gemeinsame Sorgen besprechen wie die schwierige Lage der Christen im Nahen Osten, die Bewahrung der natürlichen Umwelt und den Schutz der traditionellen Familie. “Wir erwarten,  dass dieses Treffen in Jerusalem über frühere Begegnungen hinausgehen und einen neuen Horizont für die Beziehungen zwischen unseren zwei Schwesterkirchen öffnen wird. In einer geteilten Welt bedürfen wir der Einheit!”
   “Patriarch Bartholomaios, der von den orthodoxen Bischöfen als Erster unter Gleichen anerkannt wird, ist der ideale Dialogpartner für Papst Franziskus”, meint Metropolit Emmanuel, “denn sie vertreten beide gemeinsam wichtige innere Werte. Beide sind charismatische Führer, die schauen und denken über das, was wir tun und denken hinaus: Sie haben eine Vision. Zu gleicher Zeit aber”, so fügt der Metropolit hinzu, “haben beide ihre Füße auf der Erde. Sie fühlen die Not. Sie sind nahe am Menschen.” 
   Der orthodoxe Erzbischof Emmanuel, der als Präsident die Konferenz der Europäischen Kirchen leitete, erwartet von den beiden Kirchenführern, sie würden den orthodox-katholischen Dialog voranbringen, aber auch Themen von allgemeinem Interesse wie die Lage der Christen in der arabischen Welt besprechen. Die Präsenz der Christen in der Region ist stark geschwächt und die bedenkliche Abwanderung hält noch an seit der Invasion des Irak im Jahr 2003, dem “arabischen Frühling” gegen autoritäre Regime und dem Bürgerkrieg in Syrien. “Wir sind sehr betroffen über die Vorgänge in Syrien und Nordafrika und wir sind sehr in Sorge über die Gegenwart und den Schutz der Christen im ganzen Nahen Osten ”, sagt Metropolit  Emmanuel. Der Patriarch und der Papst würden wohl auch über Fragen von allgemeinem Interesse sprechen, wie Umweltprobleme  und Fragen der Familie.
   “Die katholische und die orthodoxe Kirche haben beide dieselbe Ansicht über die Ehe, als eine Trauung von Mann und Frau.” So habe es Patriarch Bartholomaios  in seiner Weihnachtsenzyklika 2013 geschrieben, in der er besonders darauf hinwies, dass  Kinder Vater und Mutter bedürfen. “Wir wissen sehr gut, dass der Papst sich gründlich befasst mit den Problemen der Familie und dem Fundament, worauf die christliche Familie gegründet ist.”
   Das Treffen zwischen den beiden Kirchenführern in Jerusalem erinnert an die Begegnung vor 50 Jahren zwischen Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras von Konstantinopel. Foto ganz oben auf dieser Seite. Nach fast 1000- jähriger Trennung der Kirche wurde in Jerusalem 1964 die Exkommunikation aus dem Jahre 1054 beidseitig aufgehoben. Damit wurde die moderne Zeit des ökumenischen Diaogs zwischen der katholischen und orthodoxen Kirche eröffnet.
   “Wir sind einen langen Weg in diesem halben Jahrhundert gegangen”, sagt der Metropolit, und erinnert an den jährlichen Austausch von hochrangigen Delegationen zwischen der Ost- und Westkirche und den Austausch von orthodoxen und katholischen Studenten in den jeweils anderen konfessionellen Hochschulen und Universitäten.
   Der orthodoxe Erzbischof bestätigte, dass noch substantielle Aufgaben zum Erreichen der Einheit der Kirche verbleiben, besonders die unterschiedliche Auffassung von der Lehre des päpstlichen Primates, erkennt aber die Öffnung der Nachfolger von Papst Paul VI. zu ihren “Brüdern” in Konstantinopel. Die Entscheidung des heiligen Papstes Johannes Paul II., die Reliquien des heiligen Kirchenlehrers Gregor und des heiligen Johannes Chrysostomus dem ökumenischen Patriarchat im Jahre 2004 zurückzugeben – 800 Jahre, nachdem Kreuzfahrer diese nach Rom gebracht hatten. Lesen Sie über den 4. Kreuzzug aus den Akten der vatikanischen Bibliothek im Internet: Kreuzzüge“Diese wertvolle Geste wusste unsere Kirche sehr zu schätzen”, sagte der Metropolit.

 ök-JPII-pBarthhol--x Papst gab Reliquien zurück ök-Reliq-Übergabe-xx

  In einem feierlichen ökumenischen Gottesdienst im Petersdom hat Papst Johannes Paul II. dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. zwei der wertvollsten Reliquien aus der Frühzeit der Christenheit übergeben. 
   Im Beisein zahlreicher katholischer und orthodoxer Würdenträger sowie von Diplomaten und Regierungs- vertretern aus Ost- und Westeuropa erfolgte die Übergabe der Reliquien der Kirchenväter Johannes Chrysostomos (350-407) und Gregor von Nazianz (330-390) an das Oberhaupt der Weltorthodoxie. Am Samstagabend wurde in Istanbul die Rückkehr der Reliquien gefeiert; zu diesem Anlass waren tausende orthodoxe und katholische Gläubige in die einstige Kaiserstadt am Bosporus gekommen. 
Patriarch: "heiliger und historischer Moment" 
 Bartholomaios I. würdigte das Ereignis im Petersdom in einer vom Applaus der Anwesenden begleiteten Ansprache als "heiligen und historischen Moment". Durch diese brüderliche Geste der Kirche von Rom werde eine "kirchliche Anomalie und Ungerechtigkeit" beseitigt. Dies zeige, dass es zwischen den Kirchen keine unüberwindbaren Hindernisse gebe, wenn "Liebe, Gerechtigkeit und Frieden einander im heiligen Dienst der Versöhnung und der Einheit treffen". 
Würdigung des Papstes 
   Mit Nachdruck hob Bartholomaios den Einsatz Johannes Paul II. für die Aussöhnung unter den christlichen Kirchen hervor. Dieser Einsatz sei das Motiv für die unermüdlichen Reisen des Papstes in der gesamten Christenheit. "Jeder Akt, der alte Wunden heilt und die Entstehung neuer Wunden verhindert, schafft die Voraussetzungen für die Fortsetzung des Dialogs der Wahrheit und der Liebe zwischen unseren Kirchen", erklärte der Patriarch. 
Papst will auf die volle und sichtbare Einheit zugehen 
   Der Papst nannte die Übergabe der Heiligengebeine am Samstag eine Gelegenheit, "schmerzliche Erinnerungen" zu tilgen und die Aussöhnung zu stärken. Er werde in seinen Bemühungen darin nicht nachlassen, versicherte das Oberhaupt der katholischen Kirche in dem von einem Assistenten verlesenen Text.  Der Papst unterstrich den Wunsch, "gemeinsam auf die volle und sichtbare Einheit zuzugehen, die Christus für seine Jünger will". Die Überführung der Reliquien der beiden in Ost und West verehrten Kirchenväter sei eine "Gelegenheit, die verletzten Erinnerungen zu reinigen und den Weg der Versöhnung zu festigen". Der Papst betonte, er werde niemals nachlassen, mit fester Entschlossenheit die Einheit der Christen zu suchen. Die Rückgabe der Reliquien solle nicht als Bitte um Vergebung für die angebliche Entwendung der Gebeine durch Kreuzritter verstanden werden, erklärte der Vatikan. Für die Rolle der katholischen Kirche bei der Belagerung Konstantinopels 1204 hatte Johannes Paul II. bereits vor drei Jahren um Verzeihung gebeten. 
Fortsetzung des theologischen Dialogs 
Römische Delegation begleitete Patriarchen nach Istanbul 
   Patriarch Bartholomaios I. reiste am Samstagnachmittag - gemeinsam mit einer vatikanischen Delegation unter Führung des Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper - nach Istanbul zurück. Die Reliquien der beiden Kirchenväter in kostbaren Alabaster-Urnen wurden in Istanbul vom Flughafen in die Georgskathedrale gebracht, wo ein Gebetsgottesdienst stattfand, an dem auch Bischöfe unterschiedlicher Konfession teilnahmen, die zum ökumenischen Bischofstreffen der Fokolar-Bewegung in die Stadt am Bosporus gekommen sind. Nach dem Gottesdienst wurden die Reliquien in die Privatkapelle des Ökumenischen Patriarchen transferiert. Zum Andreas-Fest - dem Patronatsfest der Kirche von Konstantinopel - kehren die Reliquien am Dienstag, 30. November, wieder in die Georgskathedrale zurück. Der Patriarch wird - in Konzelebration mit orthodoxen Bischöfen aus aller Welt - den Festgottesdienst feiern. Die Delegation aus Rom nimmt an dem Gottesdienst teil. ORF

Ökumenischer Pariarch Bartholomaios I:
  
Unsere seligen Vorgänger, Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras, hegten diesen Wunsch nach Einheit aller, und durch ihre symbolische Umarmung – vor vierzig Jahren – an den Heiligen Stätten wurde ein neues Kapitel in der Geschichte der Christenheit aufgeschlagen. Was sich in den letzten vierzig/fünfzig Jahren im Bereich des ökumenischen Dialogs, der Annäherung und der Zusammenarbeit der Kirchen getan hat, hat dort seinen Ausgang genommen, an jenem Januar des Jahres 1964 in Jerusalem. Auch der verstorbene Papst Johannes Paul II., Foto unten sowie der direkte Vorgänger [von Paul VI.] Johannes XXIII., haben diese Linie weiterverfolgt, und das hat auch mein seliger direkter Vorgänger Dimitrios getan, und auch ich verfolge sie mit meinen bescheidenen Kräften, weil ich fest an die Notwendigkeit des Friedens, der Einheit, der Zusammenarbeit und des gemeinsamen Zeugnisses aller Christen in dieser unserer heutigen Welt glaube. 30Giorni

Papst Johannes Paul II. mit Patriarch Dimtrios ök-JPII-pDimitrios-z

Bartholomaios I. und Johannes Paul II. in der vatikanischen Basilika,
bei der Zeremonie der Überreichung eines Teils der Reliquien der Heiligen Gregor von Nazianz und Johannes Chrysostomos, Bischöfe von Konstantinopel und Kirchenlehrer, an den Patriarchen von Konstantinopel (Rom, 27. November 2004) 30Giorni

Bartholomaios I.: 
   “Wie sollte man in diesen Tagen nicht über Papst Johannes Paul II. sprechen, der sein Erdenleben beendet hat und nun in seine himmlische Wohnstatt eingezogen ist, nachdem er den allgemeinen Tribut für die menschliche Existenz entrichtet hat.
   Ich bin dem Papst im vergangenen Jahrzehnt viermal begegnet, von 1995 bis heute, und – wie die ganze Welt – konnte auch ich seine vielen Charismen erkennen und bewundern. Er war wirklich überaus charismatisch. Er hat mehr Reisen unternommen als jeder seiner Vorgänger, um die Botschaft des Evangeliums hinauszutragen in die Welt, die Botschaft des Friedens, der Gerechtigkeit, der Liebe, der Bruderschaft und der Zusammenarbeit unter den Menschen und den Völkern. In seinem Leben musste er viele Prüfungen über sich ergehen lassen, ganz besonders in den 26 Jahren seines Pontifikats.
   Wir hier im ökumenischen Patriarchat sind ihm besonders dankbar für den Besuch, mit dem er uns ca. ein Jahr nach seiner Wahl beehrte, um seine Disponibilität und seine Bereitschaft zu zeigen, für die Einheit der geteilten Christen tätig zu werden, besonders der Katholiken und der Orthodoxen; eine Einheit, die eine Erfordernis unserer Zeit ist, Willen des Herrn und Erfüllung des Gebets Jesu zu Seinem himmlischen Vater im Garten Getsemani, kurz vor seiner Passion: „damit alle eins sind.“ Deshalb ist er hierher gekommen und hat, gemeinsam mit meinem verehrten Vorgänger, Patriarch Dimitrios, im November 1979, am Tag unseres Thronfestes, die Einsetzung einer gemischten Kommission angekündigt, die sich dann schon bald mit der Entwicklung des theologischen Dialogs zwischen der orthodoxen Kirche und der römisch-katholischen Kirche befasste.
   Wir sind ihm aber auch dankbar für eine erst vor kurzem von ihm vollbrachte, großzügige Geste: die Erfüllung unserer Bitte der Rückgabe der heiligen Reliquien der großen heiligen Patriarchen von Konstantinopel und ökumenischen Lehrmeister, Gregor, dem Theologen, und Johannes Chrysostomos.
   Unsere seligen Vorgänger, Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras, hegten diesen Wunsch nach Einheit aller, und durch ihre symbolische Umarmung – vor vierzig Jahren – an den Heiligen Stätten wurde ein neues Kapitel in der Geschichte der Christenheit aufgeschlagen. Was sich in den letzten vierzig/fünfzig Jahren im Bereich des ökumenischen Dialogs, der Annäherung und der Zusammenarbeit der Kirchen getan hat, hat dort seinen Ausgang genommen, an jenem Januar des Jahres 1964 in Jerusalem. Auch der verstorbene Papst Johannes Paul II., sowie der direkte Vorgänger [von Paul VI.] Johannes XXIII., haben diese Linie weiterverfolgt, und das hat auch mein seliger direkter Vorgänger Dimitrios getan, und auch ich verfolge sie mit meinen bescheidenen Kräften, weil ich fest an die Notwendigkeit des Friedens, der Einheit, der Zusammenarbeit und des gemeinsamen Zeugnisses aller Christen in dieser unserer heutigen Welt glaube.”

ök-pBartholomaios-xx     Ökumene auf Augenhöhe: Bruder Andreas

  „Bruder Andreas“ - die erste offizielle Begegnung zwischen Patriarch Bartholomaios I. und dem damals ganz frisch gewählten Papst Franziskus brach gleich jede Menge Eis. „Bruder Andreas“ – die Nachfolger der Apostelbrüder Petrus und Andreas begegnen sich auf Augenhöhe. Kein protokollarisches Gerangel um wer –spricht-zuerst, einfach nur „Bruder Andreas“.
  Was damals beim Empfang für die Kirchenvertreter der nichtkatholischen Kirchen wenige Tage nach Ende des Konklaves gesagt wurde, färbt seitdem die Atmosphäre zwischen der griechisch-orthodoxen Kirche Konstantinopels und dem Heiligen Stuhl. Nicht alle machen mit, der hiesige griechisch-orthodoxe Patriarch, Theolophilos III., ist deutlich skeptischer und hat das auch in einem Interview vor der Reise noch einmal deutlich machen müssen.
  Natürlich wird auch hier in Jerusalem wieder gerangelt, der ökumenische Gottesdienst, wie der Vatikan ihn nennt, ist für einige Orthodoxe nur ein Treffen, bei dem auch gebetet wird. Aber, aber: Das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier Ökumene passiert. Mal etwas ruckelig, mal dynamisch und freundschaftlich wie zwischen Franziskus und Bartholomaios. Und vergessen wir nicht: Es gab Zeiten, da hatten sich beide Kirchen gegenseitig exkommuniziert. Und heute sagt der Papst „Bruder Andreas.“
  Es ist das Herzstück der Reise, und vielleicht gerade wegen all der Aufs und Abs besonders symbolträchtig. Vier Mal treffen sich Bartholomaios und Franziskus während dieser Reise. Andere Begegnungen werden nicht so herzlich sein, aber der Papst und der Patriarch machen vor, was passieren kann, wenn man aufeinander zugeht: Brüderlichkeit. rv140525ord Aus Jerusalem Pater Bernd Hagenkord

ök-ff-pBartol-Z2   Hintergrund: Die Patriarchen

  Wenn Papst Franziskus den ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. trifft, dann treffen auch verschiedene Kirchenverfassungen und –verständnisse aufeinander, die sich in Titeln wie Patriarch oder Exarch ausdrücken. Ein Hintergrund von P. Bernd Hagenkord:
Patriarch/Patriarchat
  Die Patriarchate gingen aus der spätrömischen Verwaltung der Kirche hervor, ab dem 6. Jahrhundert nennt man die führenden Bischöfe „Patriarchen“: Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem (in der Reihenfolge der Ranges). Gemeinsam stellten sie die Einheit der Kirche sicher. Im Zuge der Kirchenspaltungen wurde die Patriarchalleitung der Kirche unwirksam.
  Ab dem Mittelalter entstanden weitere Patriarchate, etwa von Georgien, Bulgarien, Rumänien und Moskau. Die katholische Kirche hat außerdem eigene Patriarchate, etwa das von Jerusalem und die Patriarchate der mit Rom unierten Kirchen, z.B. das melkitische, das koptisch-katholische oder das syrisch-katholische Patriarchat. Als Titel führt auch der Erzbischof von Venedig den Titel Patriarch.
Ökumenischer Patriarch
  Als „Erster unter Gleichen“ steht der ökumenische Patriarch von Konstantinopel der orthodoxen Christenheit vor, sein vollständiger Titel lautet ‚Erzbischof des Neuen Roms Konstantinopel und Oekumenischer Patriarch‘. Ihm obliegen die Initiierungen aller gemeinsamen Handlungen der orthodoxen Kirche, wie etwa die für 2016 einberufene pan-orthodoxe Synode („orthodoxes Konzil“).
  Außerdem ist der Patriarch Oberhaupt der autokephalen (eigenständigen) Kirche von Konstantinopel (Istambul), er muss türkischer Staatsbürger sein (einzige Ausnahme in jüngerer Zeit war Athenagoras I.) Augenblicklicher Inhaber des Amtes ist Bartholomaios I.
Patriarch von Jerusalem
  Der Gastgeber der Begegnung von Bartholomaios und Papst Franziskus ist der Patriarch von Jerusalem, im strengen Sinn der einzige Patriarch von Jerusalem, auch wenn sowohl die lateinische als auch die armenische Kirche eigene Patriarchen haben. Es ist eines der alten Patriarchate aus römischer Zeit.  Augenblicklicher Inhaber des Amtes ist Theophilos III.  rv140525ord

ök-ff-pBarthol-xx     Einladung zum Dialog über Petrusamt

  Natürlich, die Spaltungen unter den Christen seien nicht zu leugnen, aber auch nicht die „Schritte auf die Einheit hin“, die in den letzten fünfzig Jahren gelungen seien. Sicher, der Weg zur vollen eucharistischen Tischgemeinschaft sei noch lang, „doch die Unstimmigkeiten dürfen uns nicht erschrecken und unser Vorangehen nicht lähmen“, so der Papst.
  „Wir müssen glauben, dass ebenso, wie der Stein vom Grab weggewälzt worden ist, auch alle Hindernisse ausgeräumt werden können, die der vollen Gemeinschaft zwischen uns noch im Weg stehen. Es wird eine Auferstehungsgnade sein, die wir schon heute vorauskosten können. Jedes Mal, wenn wir einander um Vergebung bitten für die gegen andere Christen begangenen Sünden, und jedes Mal, wenn wir den Mut haben, diese Vergebung zu gewähren und zu empfangen, machen wir eine Erfahrung der Auferstehung! Jedes Mal, wenn wir nach der Überwindung alter Vorurteile den Mut haben, neue brüderliche Beziehungen zu fördern, bekennen wir, dass Christus wahrhaft auferstanden ist.“
  Und Franziskus lädt, wie schon sein Vorgänger St. Johannes Paul II. in den neunziger Jahren, die christlichen Brüder zu einem „Dialog“ ein, wie der „Dienst des Bischofs von Rom“ so ausgeübt werden könnte, dass er nicht länger einen ökumenischen Stolperstein darstellt.
  Gemeinsam beten Papst Franziskus und Patriarch Bartholomaios einen Moment im Heiligen Grab und auf dem Golgotha-Felsen, da wo einst das Kreuz Jesu stand. Sie segnen die Teilnehmer an dieser historischen Stunde, dann fahren sie – im selben Auto – zum Lateinischen Patriarchat. Dort endet dieser denkwürdige Abend mit einem gemeinsamen Abendessen. Rv140525sk

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Historischer Gottesdienst in der Grabeskirche
  Getrennt hinein, gemeinsam hinaus: Die ökumenische Feier von Papst Franziskus und Patriarch Bartholomaios strotzt nur so vor Symbolik. Jeder betritt den Platz vor der Grabes- und Auferstehungskirche durch einen anderen Zugang; dann treffen sie sich in der Mitte des Platzes, umarmen sich, die Glocken läuten. Petrus umarmt seinen Bruder Andreas.
  Zum ersten Mal wird der Status Quo, der das komplizierte Miteinander der Christen am Ort von Tod und Auferstehung ihres Herrn regelt, durchbrochen: Zum ersten Mal beten die Christen hier nicht nur neben- oder gar gegeneinander, sondern zusammen. Dass das auch organisatorisch schon eine Herausforderung ist, darauf deutet vielleicht die etwa einstündige Verspätung, mit der die Feier beginnt, bei Anbruch der Dunkelheit. Außer katholischen Bischöfen sind auch der koptische, der syrisch-orthodoxe und der äthiopische Erzbischof anwesend, dazu der anglikanische sowie der lutherische Bischof von Jerusalem. Im Innern des Komplexes beobachten die Generalkonsuln der fünf Mächte das Geschehen, die den Status Quo garantieren: Frankreich, Belgien, Spanien, Italien, Griechenland. Sowie einige weitere Konsuln des sogenannten „Corpus separatum“ von Jerusalem: aus Schweden, den USA, der Türkei und Großbritannien. Wie gesagt, die Lage hier ist kompliziert.
  Die drei Verantwortlichen der Kirche begrüßen den Papst und den Patriarchen; es sind ein orthodoxer Grieche, ein Armenier und ein Franziskaner. Gemeinsam verehren die zwei Kirchenführer aus Rom und Istanbul dann den Salbungsstein am Eingang der Grabeskirche, wo nach der Tradition der Leichnam Jesu nach der Abnahme vom Kreuz für die Grablegung vorbereitet wurde, er stellt auch die 13. Kreuzwegstation dar. Beide nehmen dazu ihre Kopfbedeckung ab. Ein griechischer Chor singt, als Franziskus und Bartholomaios schließlich den sogenannten Chor der Franziskaner erreichen, der dem Heiligen Grab gleich gegenüberliegt. Das Evangelium von der Auferstehung wird vorgetragen, auf Griechisch und Lateinisch: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden, wie er es gesagt hatte“, heißt es im 28. Kapitel bei Matthäus.
„Umarmung der Liebe“
  Das Grab Christi lädt uns ein, alle Ängste fahren zu lassen und mit Gottes Überraschungen zu rechnen – das sagt Patriarch Bartholomaios in seiner Predigt. Auch Papst Paul VI. und der Ökumenische Patriarch Athenagoras I. hätten vor fünfzig Jahren bei ihrer historischen Begegnung in Jerusalem alle Angst beiseitegeschoben, „die ein Jahrtausend lang beide alte Kirchen, die des Westens und die des Ostens, auf Distanz zueinander gehalten hatte“. Sie, die Nachfolger dieser beiden „großen Kirchenführer“, seien heute hier, um die historische „Umarmung der Liebe“ von damals zu wiederholen und beide Kirchen „auf dem Weg der Liebe, der Versöhnung, des echten Friedens und der Treue zur Wahrheit“ voranzubringen.
  „Das ist der Weg, den alle Christen gehen sollten, ganz gleich zu welcher Kirche oder Konfession sie gehören! Dadurch geben sie der ganzen Welt ein Beispiel. Die Straße kann lang und schwierig sein, ja sogar manchmal wie eine Sackgasse erscheinen. Aber sie ist der einzige Weg, um den Willen des Herrn zu erfüllen, dass alle eins seien.“
  Papst Franziskus, der an diesem Sonntag schon ein Non-stop-Programm hinter sich hat, antwortet dem Patriarchen mit einer langen Predigt, die fast genauso anfängt wie am Morgen die Predigt bei der Messe in Betlehem: was für eine „außerordentliche Gnade“ es doch sei, heute hier zu sein. Er zitiert das Apostolische Glaubensbekenntnis mit seinen Sätzen zur Auferstehung und Himmelfahrt Jesu, nennt alle Christen „geistig auferstanden aus diesem Grab“ und meint dann:
  „Nehmen wir die besondere Gnade dieses Augenblicks an. Verweilen wir in ehrfürchtiger Sammlung am leeren Grab, um die Größe unserer christlichen Berufung wiederzuentdecken: Wir sind Männer und Frauen der Auferstehung, nicht des Todes. Lernen wir von diesem Ort, unser Leben, die Sorgen unserer Kirchen und der ganzen Welt im Licht des Ostermorgens zu leben... Lassen wir uns die Grundlage unserer Hoffnung nicht nehmen! Enthalten wir der Welt die frohe Botschaft der Auferstehung nicht vor! Und seien wir nicht taub gegenüber dem mächtigen Aufruf zur Einheit, der gerade von diesem Ort aus ertönt...“

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Die gemeinsame ökumenische Erklärung
von Papst Franziskus und dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus

    1. Wie unsere verehrten Vorgänger Papst Paul VI. und der Ökumenische Patriarch Athenagoras, die sich vor fünfzig Jahren hier in Jerusalem trafen, waren auch wir, Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch Bartholomäus, entschlossen, uns im Heiligen Land zu treffen, „wo unser gemeinsamer Erlöser, unser Herr Jesus Christus, lebte, lehrte, starb, auferstand und in den Himmel auffuhr, von wo aus er den Heiligen Geist auf die entstehende Kirche herabsandte“ (Gemeinsame Erklärung von Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras, die nach ihrer Begegnung am 6. Januar 1964 veröffentlicht wurde.) Unser Treffen, eine weitere Begegnung der Bischöfe der Kirchen von Rom und Konstantinopel, die von Petrus bzw. Andreas, den beiden Apostel-Brüdern, gegründet wurden, ist für uns eine Quelle inniger geistlicher Freude. Es bietet eine günstige Gelegenheit, über die Tiefe und die Echtheit der zwischen uns bestehenden Bande nachzudenken, die selbst Frucht eines von Gnade erfüllten Weges sind, auf welchem der Herr uns seit jenem segensreichen Tag vor fünfzig Jahren geführt hat.
      2. Unsere heutige brüderliche Begegnung ist ein erneuter und notwendiger Schritt auf dem Weg zu der Einheit, zu der allein der Heilige Geist uns führen kann, der Einheit der Verbundenheit in der legitimen Vielfalt. Mit tiefer Dankbarkeit erinnern wir uns an die Schritte, die zu tun der Herr uns bereits befähigt hat. Die gegenseitige Umarmung von Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras hier in Jerusalem nach Jahrhunderten des Schweigens ebnete den Weg für eine bedeutsame Geste, die Aufhebung der Akte der gegenseitigen Exkommunikation von 1054 und ihre Entfernung aus dem Gedächtnis und dem Herzen der Kirche. Darauf folgten ein Austausch von Besuchen zwischen den jeweiligen Sitzen von Rom und Konstantinopel, ein regelmäßiger Schriftwechsel und später die von Papst Johannes Paul II. und Patriarch Dimitrios – beide seligen Angedenkens – angekündigte Entscheidung, einen theologischen Dialog der Wahrheit zwischen Katholiken und Orthodoxen aufzunehmen. Im Laufe dieser Jahre hat Gott, der Quell allen Friedens und aller Liebe, uns gelehrt, einander als Glieder ein und derselben christlichen Familie zu betrachten, unter einem Herrn und Heiland, Jesus Christus, und einander zu lieben, so dass wir unseren Glauben an dasselbe Evangelium Christi bekennen können, wie er von den Aposteln empfangen und von den Ökumenischen Konzilen und den Kirchenvätern formuliert und an uns weitergegeben wurde. Während wir uns sehr wohl bewusst sind, dass wir das Ziel der vollen Gemeinschaft nicht erreicht haben, bekräftigen wir heute unseren Einsatz, unseren gemeinsamen Weg zur Einheit fortzusetzen, für die Christus, unser Herr, zum Vater gebetet hat: »Alle sollen eins sein« Joh 17,21.
    3. Im klaren Bewusstsein, dass die Einheit sich in der Liebe zu Gott und zum Nächsten ausdrückt, sehen wir erwartungsvoll dem Tag entgegen, an dem wir endlich gemeinsam am eucharistischen Mahl teilnehmen werden. Als Christen sind wir aufgerufen, uns auf den Empfang dieses Geschenks der eucharistischen Gemeinschaft entsprechend der Lehre des heiligen Irenäus von Lyon Adv. haer. IV,18,5: PG 7,1028 durch das Bekenntnis des einen Glaubens, beharrliches Beten, innere Umkehr, Erneuerung des Lebens und brüderlichen Dialog vorzubereiten. Wenn wir dieses erhoffte Ziel erreichen, werden wir der Welt die Liebe Gottes zeigen, durch die wir als wahre Jünger Jesu Christi erkannt werden vgl. Joh 13,35.
      4. Zu diesem Zweck leistet der von der Gemeinsamen Internationalen Kommission geführte Dialog einen grundlegenden Beitrag für die Suche nach der vollen Gemeinschaft zwischen Katholiken und Orthodoxen. Im Laufe der nachfolgenden Zeiten unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. und Patriarch Dimitrios war der Fortschritt unserer theologischen Begegnungen beachtlich. Heute bringen wir unsere tiefempfundene Anerkennung für die bisher erzielten Errungenschaften sowie für die gegenwärtigen Bemühungen zum Ausdruck. Dies ist keine bloß theoretische Übung, sondern eine Übung in Wahrheit und Liebe, die eine immer tiefere Kenntnis der beiderseitigen Traditionen erfordert, um sie zu verstehen und von ihnen zu lernen. Daher bekräftigen wir noch einmal, dass der theologische Dialog nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner in der Theologie anstrebt, auf dem ein Kompromiss erreicht werden kann, sondern es geht vielmehr darum, das eigene Verständnis der ganzen Wahrheit, die Christus seiner Kirche geschenkt hat, zu vertiefen – eine Wahrheit, in die wir unaufhörlich weiter eindringen, wenn wir den Eingebungen des Heiligen Geistes folgen. Darum erklären wir gemeinsam, dass unsere Treue zum Herrn eine brüderliche Begegnung und einen aufrichtigen Dialog verlangt. Solch ein gemeinsames Streben führt uns nicht von der Wahrheit weg; vielmehr wird es uns durch einen Austausch der Gaben und unter der Leitung des Heiligen Geistes in die ganze Wahrheit führen vgl. Joh 16,13.
      5. Doch auch während wir noch auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft sind, haben wir bereits die Pflicht, gemeinsam die Liebe Gottes zu allen Menschen zu bezeugen, indem wir im Dienst der Menschlichkeit zusammenarbeiten, besonders dadurch, dass wir die Würde des Menschen in allen Lebensphasen und die Unantastbarkeit der auf die Ehe gegründeten Familie verteidigen, den Frieden und das Gemeinwohl fördern und uns um das Leiden kümmern, das unsere Welt immer wieder heimsucht. Wir erkennen an, dass Hunger, Armut, Analphabetismus und die ungleiche Verteilung der Güter ständig unserer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. Es ist unsere Pflicht, uns zu bemühen, gemeinsam eine gerechte und menschliche Gesellschaft aufzubauen, in der sich niemand ausgeschlossen oder an den Rand gedrängt fühlt.
      6. Es entspricht unserer festen Überzeugung, dass die Zukunft der Menschheitsfamilie auch davon abhängt, wie wir – sowohl klug als auch leidenschaftlich, mit Gerechtigkeit und Fairness – das Geschenk der Schöpfung bewahren, das der Schöpfer uns anvertraut hat. Deshalb geben wir mit Bedauern die rücksichtslose Misshandlung unseres Planeten zu, die in Gottes Augen der Sünde gleichkommt. Erneut bestätigen wir unsere Verantwortung und Pflicht, den Sinn für Bescheidenheit und Maß zu fördern, so dass alle die Notwendigkeit empfinden, die Schöpfung zu achten und sorgsam zu bewahren. Gemeinsam versprechen wir unseren Einsatz, die Sensibilität für den Umgang mit der Schöpfung zu erhöhen; wir rufen alle Menschen guten Willens auf zu prüfen, wie sie weniger verschwenderisch und genügsamer leben können, indem sie weniger Gier und stattdessen mehr Großzügigkeit zeigen für den Schutz von Gottes Welt und das Wohl der Menschen.
      7. In gleicher Weise ist es dringend notwendig, dass die Christen wirksam und engagiert zusammen- arbeiten, um überall das Recht zu sichern, den eigenen Glauben öffentlich zu bekunden und fair behandelt zu werden, wenn sie das fördern, was das Christentum der heutigen Gesellschaft und Kultur weiterhin zu bieten hat. In diesem Zusammenhang laden wir alle Christen ein, einen echten Dialog mit dem Judentum, dem Islam und anderen religiösen Traditionen zu fördern. Gleichgültigkeit und wechselseitige Unkenntnis können nur zu Misstrauen und bedauerlicherweise sogar zu Konflikten führen.
      8. Von dieser Heiligen Stadt Jerusalem aus bringen wir unsere gemeinsame tiefe Besorgnis angesichts der Situation der Christen im Nahen Osten zum Ausdruck sowie unsere Sorge um ihr Recht, vollberechtigte Bürger ihrer Heimatländer zu bleiben. Voll Vertrauen wenden wir uns im Gebet um Frieden im Heiligen Land wie überhaupt im Nahen Osten an den allmächtigen und barmherzigen Gott. Wir beten insbesondere für die Kirchen in Ägypten, Syrien und im Irak, die aufgrund der jüngsten Ereignisse sehr schmerzlich gelitten haben. Wir ermuntern alle Parteien, unabhängig von ihren religiösen Überzeugungen, weiter für Versöhnung und für die angemessene Anerkennung der Menschenrechte zu arbeiten. Wir sind davon überzeugt, dass nicht Waf- fen, sondern Dialog, Vergebung und Versöhnung die einzig möglichen Mittel sind, um Frieden zu erlangen.
      9. In einem von Gewalt, Gleichgültigkeit und Egoismus gezeichneten geschichtlichen Kontext spüren heute viele Männer und Frauen, dass sie die Orientierung verloren haben. Gerade durch unser gemeinsames Zeugnis für die Frohe Botschaft des Evangeliums können wir den Menschen unserer Zeit helfen, den Weg wiederzuentdecken, der zu Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden führt. In unseren Bestrebungen vereint und in Erinnerung an das Beispiel von Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras vor fünfzig Jahren hier in Jerusalem, fordern wir alle Christen zusammen mit den Anhängern aller religiösen Traditionen und mit allen Menschen guten Willens auf, die Dringlichkeit der Stunde zu erkennen, die uns zwingt, die Versöhnung und Einheit der Menschheitsfamilie anzustreben, bei voller Berücksichtigung der legitimen Unterschiede, zum Wohl der gesamten Menschheit und der künftigen Generationen.
      10. Indem wir zusammen zu dem Ort pilgern, wo unser gemeinsamer einziger Herr Jesus Christus gekreuzigt und begraben wurde und auferstanden ist, empfehlen wir unsere zukünftigen Schritte auf dem Weg zur Fülle der Gemeinschaft demütig der Fürbitte der Allerseligsten und allzeit jungfräulichen Mutter Maria und vertrauen die ganze Menschheitsfamilie der grenzenlosen Liebe Gottes an.
      »Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.« Num 6,25-26.
                                                                                             Jerusalem, 25. Mai 2014

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Papst lädt Präsidenten Israels und Palästinas in den Vatikan ein - Zusage beider Seiten
  Papst Franziskus hat die Präsidenten Israels und Palästinas in den Vatikan zu einem gemeinsamen Friedensgebet eingeladen. Zum Abschluss seiner Messe in Betlehem sagte Franziskus wörtlich beim Regina Coeli-Gebet:
  „An diesem Ort, wo der Friedensfürst geboren wurde, möchte ich an Sie, Herr Präsident Mahmoud Abbas Foto oben, und an Herrn Präsidenten Schimon Peres Foto unten eine Einladung richten, gemeinsam mit mir ein intensives Gebet zu erheben und von Gott das Geschenk des Friedens zu erflehen. Ich biete mein Haus im Vatikan an, um dieses Gebetstreffen zu beherbergen.“

ök-ff-SchimonPeres-Z    Staatspräsident Israels Schimon Peres

  Alle Menschen ersehnten den Frieden, fuhr der Papst fort, viele bauten ihn täglich mit kleinen Gesten auf, viele litten und mühten sich geduldig im Versuch, Frieden zu schaffen. Spitzenpolitiker haben hier aus der Sicht des Papstes eine besondere Verantwortung, sagte Franziskus an die Adresse der beiden Präsidenten Mahmoud Abbas und Schimon Peres.
  „Alle – besonders diejenigen, die in den Dienst ihres eigenen Volkes gestellt sind – haben wir die Pflicht, uns zu Werkzeugen und Urhebern des Friedens zu machen, vor allem im Gebet. Frieden zu schaffen ist schwierig, aber ohne Frieden zu leben, ist eine Qual. Alle Männer und Frauen dieses Landes und der ganzen Welt bitten uns, ihr brennendes Verlangen nach Frieden vor Gott zu tragen.“
  Die Politiker nahmen noch am selben Tag die Einladung des Papstes an. Das bestätigte Vatikansprecher Federico Lombardi. Auch die Büros der beiden Spitzenpolitiker erklärten laut israelischen Medienberichten am Sonntag, es werde zu dieser Begegnung zwischen den Präsidenten Palästinas und Israels im Vatikan kommen. Die Initiative des Papstes sei mit Abbas und dem Friedensnobelpreisträger Peres vorher abgesprochen worden, sagte Lombardi. Ursprünglich sei eine solche Begegnung schon für den Papstbesuch angedacht gewesen. Dies habe sich jedoch nicht verwirklichen lassen. rv140525gs

Einladung an Israel und Palästina in den Vatikan
  Mit diesen Worten hat Papst Franziskus am Sonntagvormittag am Manger Square in Betlehem den palästinenischen Präsidenten Abbas und den israelischen Präsidenten Peres zu einem gemeinsamen Friedensgebet in den Vatikan eingeladen:
  An diesem Ort, wo der Friedensfürst geboren wurde, möchte ich an Sie, Herr Präsident Mahmoud Abbas, und an Herrn Präsidenten Shimon Peres eine Einladung richten, gemeinsam mit mir ein intensives Gebet zu erheben und von Gott das Geschenk des Friedens zu erflehen. Ich biete mein Haus im Vatikan an, um dieses Gebetstreffen zu beherbergen.
  Alle ersehnen wir den Frieden; viele Menschen bauen ihn täglich mit kleinen Gesten auf; viele leiden und nehmen geduldig die Mühe auf sich, immer wieder zu versuchen, Frieden zu schaffen. Und alle – besonders diejenigen, die in den Dienst ihres eigenen Volkes gestellt sind – haben wir die Pflicht, uns zu Werkzeugen und Urhebern des Friedens zu machen, vor allem im Gebet.
  Frieden zu schaffen ist schwierig, aber ohne Frieden zu leben, ist eine Qual. Alle Männer und Frauen dieses Landes und der ganzen Welt bitten uns, ihr brennendes Verlangen nach Frieden vor Gott zu tragen.
  In denselben Worten wiederholte der Papst auf dem Flughafen von Tel Aviv die Einladung. Rv140525no

Tag zwei der Papstreise: Ein Pilger, der die Welt bewegt
  Die Initiative zum gemeinsamen Friedensgebet im Vatikan, zu der Papst Franziskus die Präsidenten Palästinas und Israels, Mahmoud Abbas und Schimon Peres, nach der Messen in Bethlehem eingeladen hatte, wurde ganz unvermittelt das Zentrum des Tages. Spätestens nachdem auch Papstsprecher Federico Lombardi die Zusage der beiden Präsidenten zu einem solchen Gebet bestätigte, war klar, dass der Papst wieder erfolgreich eine Initiative gestartet hatte.
  Israelische Medien – vor allem nationalistische – kritisieren nun den Papst, dass er seiner Reise eine politische Drehung gegeben habe. Dabei macht er nur das, was er sich vorgenommen hatte: Er pilgert. Pilgern ist aber kein sich aus der Welt heraus halten. Papst Franziskus hat an diesem Tag wie auch schon in Lampedusa und wie auch schon beim Gebets- und Fastentag für Syrien gezeigt, dass sein Beten und sein geistliches Handeln in der Welt stattfinden, nicht zurückgezogen von ihr.
  Es war der kürzeste Programmpunkt des Tages, der in diesem Sinn das stärkste Zeichen setzte, und dabei war er noch nicht einmal vorgesehen.  Als  Papst  Franziskus  durch  Betlehem  gefahren  wurde, stieg er bei der Mauer ab,

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die Israel gegen Palästina errichtet hat, und verweilte dort umgeben von Menschen still im Gebet Foto. Die Mauer trennt Israel von Palästina, aber dadurch verbindet sie die beiden Staaten auch in einem Konflikt. Der Papst hat dieser Trennung gedacht, er hat – davon können wir ausgehen – für deren Überwindung gebetet.
   Wie schwierig das alles ist hat der Muezzin in Bethlehem verkündet: Der Papst war schon beim Abschlusssegen der Messfeier, als laut der muslimische Gebetsruf über den Platz ertönte. Er konnte oder wollte nicht die zwei Minuten warten. Für kurze Zeit klang es, als ob die beiden Religionen gegeneinander beteten. Anders betrachtet: Vielleicht war es ja ein Zeichen, dass nur ein gemeinsames Beten helfen kann, auch wenn es zunächst dissonant klingen mag.
  Der eigentliche Schwerpunkt geriet dabei fast in Hintergrund: Die ökumenische Begegnung mit Patriarch Bartholomaios. Aber auch das passt in die Dynamik des Tages: Nur geistliches Geschehen, die Überwindung von Spaltung vor 50 Jahren durch gemeinsames Gebet und eine Umarmung, bringt Wandel hervor.
  Echter Dialog kann nicht geplant werden, er muss gewagt werden. Papst Franziskus hat uns heute vorgemacht, wie das geht.    rv140525Aus Jersualem Pater Bernd Hagenkord SJ für Radio Vatikan

ök-Betlehem-x   Heiliges Land: „...dass wir nicht allein sind"

   Betlehems Bürgermeisterin setzt hohe Erwartungen in den Besuch Papst Franziskus. Der Papst besucht von 24. bis 26. Mai Jordanien, Israel und die Palästinensergebiete. Vera Baboun, eine Katholikin, steht seit knapp zwei Jahren als erste Frau an der Spitze des Stadtrats von Betlehem. Über die Bedeutung des Papstbesuches in ihrer Stadt sagte die palästinensische Bürgermeisterin:
   „Seine erste Botschaft ist zu versichern, dass Frieden gebraucht wird. Der Papst kommt direkt von Jordanien, von Amman, und die erste Heilige Messe des Besuches wird in Betlehem gefeiert werden, der Stadt des Friedens. Das ist eine universelle Botschaft, auf die wir alle warten.“
   Franziskus Reise ins Heilige Land möchte an die historische Begegnung zwischen Papst Paul VI. und dem damaligen Ökumenischen Patriarchen Athenagoras von Konstantinopel im Jahr 1964 anschließen. So wird Franziskus am Sonntag, den 25. Mai, in der Jerusalemer Grabeskirche dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. von Konstantinopel begegnen, dem Ehrenoberhaupt der byzantinischen Christen. An dieser Begegnung sollen alle christlichen Konfessionen des Heiligen Landes teilnehmen.
   Die Bürgermeisterin von Betlehem gehört der palästinensischen Fatah-Partei an. Vor ihrem Einstieg in die Politik wirkte sie als Literatur-Professorin. Vera Baboun ist Mutter von fünf Kindern, ihr Mann, der in der Palästinenserbewegung aktiv war, starb 2007. Betlehems Bürgermeisterin denkt, Franziskus´ Besuch in der Geburtsstadt Jesu werde in der dornigen Lage der palästinensischen Christen die Botschaft aussenden, „dass wir nicht allein sind“.
   „Papst Franziskus hat seine ganz eigene Art, Dinge zu lenken und Botschaften auszusenden. Was in Betlehem stattfinden wird, wissen wir nicht genau, wir wissen aber, dass dies ein anderer, nicht ein weiterer, sondern ein anderer Besuch sein wird. Ich bitte derzeit Leute darum, sich zusammenzusetzen. Als Paul VI. kam, wussten die Leute, was sie wollten. Und sie baten ihn, die Einrichtung der Betlehem Universität zu unterstützen, die für einen Neuanfang in Betlehem sorgte. Nun versuche ich, viele Menschen zu treffen und mit ihnen zu sprechen, damit ich Papst Franziskus ein wirkliches Bedürfnis der Leute weitergeben kann, das vom Volk kommt. Was das sein wird, das weiß ich noch nicht. Der Papst kommt nach dem Ende der laufenden Periode der Friedensverhandlungen. Sein Besuch ist universell, christlich, katholisch. Aber vor allem ist es der meist gebrauchte menschliche Besuch, der hier je bezeugt wurde.“ RV140216gs

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Papst Franziskus besucht das Flüchtlingslager Dheisheh/Betlehem Fotos oben und unten

Franziskus trifft palästinensische Flüchtlingskinder
  Papst Franziskus hat palästinensische Flüchtlingskinder in einem Lager in Betlehem besucht. Die Buben und Mädchen bereiteten dem Kirchenoberhaupt einen herzlichen Empfang mit Gesängen, teilweise sogar auf Italienisch, da der Papst auf seiner Reise ins Heilige Land kein Englisch spricht. Mit den Kindern sprach er Spanisch, das ein Franziskaner für die Kinder Satz für Satz ins Arabische übersetzte.
  „Lasst nicht zu, dass die Vergangenheit euer Leben bestimmt. Schaut immer nach vorn. Arbeitet und kämpft, um die Dinge zu erreichen, die ihr wollt. Die Gewalt besiegt man nicht mit der Gewalt. Gewalt besiegt man mit Frieden. Mit Frieden, Arbeit, und mit der Würde, die Heimat voranzubringen. Ich bitte Gott, dass er euch segnet! Und euch bitte ich, für mich zu beten.“
  Einige Hundert Kinder und Jugendliche hatten sich zu Ehren des Papstes im so genannten „Phoenix Center“ im Lager Dheisheh versammelt. Bereits Papst Johannes II. hatte im Jahr 2000 dieses Lager besucht und mit einer Spende die Errichtung des Phoenix Centers ermöglicht. Zuvor hatte Franziskus privat die Geburtsgrotte in Betlehem besucht. Rv140525gs

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Papst vor Palästinensern: „Das Recht zweier Staaten bejahen"
  Papst Franziskus hat den unter dem Nahostkonflikt leidenden Palästinensern seine Nähe bekundet. Er wolle „aus tiefstem Herzen“ sagen, dass es Zeit sei, „dieser Situation, die immer unerträglicher wird, ein Ende zu setzen“, sagte Franziskus vor den palästinensischen Autoritäten am Sonntagmorgen in Betlehem, allen voran Palästinenser- präsident Mahmoud Abbas. 
  „Es ist für alle der Moment gekommen, den Mut zur Großherzigkeit und zur Kreativität im Dienst des Guten zu haben, den Mut zum Frieden, der darauf beruht, dass alle das Recht zweier Staaten bejahen, innerhalb international anerkannter Grenzen zu existieren und Frieden und Sicherheit zu genießen. Ich wünsche mir von Herzen, dass im Hinblick auf dieses Ziel allerseits Initiativen und Taten vermieden werden, die dem erklärten Willen, zu einer wirklichen Übereinkunft zu gelangen, widersprechen.“
  Man dürfe nicht müde werden, „den Frieden mit Entschlossenheit und Kohärenz zu verfolgen“, sagte Franziskus. Auch Verzicht sei dazu nötig. Gerechtigkeit, Anerkennung der Rechte eines jeden und beiderseitige Sicherheit zwischen Israel und Palästina müssten gegeben sein. Der Papst sprach direkt vom „Staat Palästina“, das erste Mal, dass ein katholisches Kirchenoberhaupt offiziell diese Formulierung benutzt.
  „Herr Präsident, Sie sind als Mann des Friedens und als Friedenstifter bekannt. Die jüngste Begegnung im Vatikan mit Ihnen und meine heutige Anwesenheit in Palästina bestätigen die guten Beziehungen, die zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat Palästina bestehen und von denen ich mir wünsche, dass sie weiter gefördert werden können, zum Wohl aller.“ Grundlegend dabei sei die Religionsfreiheit, so der Papst. Die Christen beabsichtigten, „ihre Rolle als vollberechtigte Bürger weiterhin auszuüben“, gemeinsam mit den anderen Mitbürgern, die sie als Brüder und Schwestern betrachteten.
  Präsident Mahmoud Abbas hieß Franziskus in Palästina, „Land des Friedens“, willkommen. Er nutzte die internationale Aufmerksamkeit bei der Begegnung mit dem Papst, um für Palästina „totale Unabhängigkeit“ von Israel und „Jerusalem als Hauptstadt“ einzufordern. Anstelle einer „Mauer aus Hass, die Israel gebaut hat“, brauche Palästina „Brücken“ und eine friedliche Gesellschaft. Sobald Israel sich „aus den besetzten Gebieten zurückgezogen“ habe, werde man auf den Friedensvorschlag der Arabischen Liga eingehen.   Rv140525gs

Papst feiert Messe in Betlehem

  Etwa zehntausend Menschen haben an diesem Sonntag mit dem Papst in Betlehem die Messe gefeiert. Es war der wichtigste Termin von Franziskus mit den Christen in Palästina und Israel; in Jerusalem wird er, anders als Benedikt XVI. 2009, keine Freiluft -Messe zelebrieren. In seiner Predigt forderte der Papst dazu auf, die Rechte von Kindern zu achten: So wie der neugeborene Jesus vor 2.000 Jahren in Betlehem ein „Zeichen“ für die Hirten gewesen sei, so sei das Kind auch heute ein Zeichen Gottes für uns. Am Schluss der Messe mischte sich der Ruf eines Muezzins von einer nahegelegenen Moschee in die Gesänge.
  Brütende Hitze auf dem „Manger Square“, dem Krippenplatz von Betlehem: Viele Menschen ziehen sich Schals oder Tücher über den Kopf, um sich vor der Sonne zu schützen. Die Menschen kommen in ihrer großen Mehrheit aus Betlehem, Ramallah und Umgebung, aber auch einige Dutzend meist ältere Christen aus dem Gaza-Streifen und Christen aus Galiläa in Nordisrael sind hier, außerdem einige hundert Gastarbeiter aus Asien, für sie gibt es eigens eine Fürbitte in der philippinischen Sprache Tagalog. Die Christen sind bei weitem nicht nur Katholiken, viele Orthodoxe sind gekommen, alle Riten querbeet sind vertreten. In der ersten Reihe der Messbesucher sitzt der (muslimische) Palästinenser-Präsident Abbas; Beifall brandet auf, als er beim Friedensgruß zum Papst geht und ihn umarmt. Die (katholische) Bürgermeisterin Vera Baboun, erste Frau an der Spitze Betlehems, hat in der Sakristei kurz Gelegenheit, Franziskus zu begrüßen.

Papstpredigt bei Messe in Betlehem
 
»Das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt« Lk 2,1
   Welch große Gnade, die Eucharistie an dem Ort zu feiern, wo Jesus geboren ist! Ich danke Gott, und ich danke euch, die ihr mich auf dieser meiner Pilgerreise empfangen habt: dem Präsidenten Mahmoud Abbas und den anderen Vertretern des öffentlichen Lebens; dem Patriarchen Fouad Twal, den anderen Bischöfen und den geistlichen Oberen des Heiligen Landes, den Priestern, den braven Franziskanern, gottgeweihten Personen und allen, die sich dafür einsetzen, den Glauben, die Hoffnung und die Liebe in diesen Gebieten lebendig zu erhalten; den Vertretern der Gläubigen aus Gaza, aus Galiläa und den Migranten aus Asien und Afrika. Danke für Euren Empfang!
   Das in Betlehem geborene Jesuskind ist dasZeichen, das Gott denen gegeben hat, die das Heil erwarteten, und es bleibt für immer das Zeichen der Zärtlichkeit Gottes und seiner Gegenwart in der Welt. Der Engel sagt zu seinen Hirten: »Das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden…«
   Auch heute sind die Kinder ein Zeichen. Ein Zeichen der Hoffnung, ein Zeichen des Lebens, aber auch ein „diagnostisches“ Zeichen, um den Gesundheitszustand einer Familie, einer Gesellschaft, der ganzen Welt zu erkennen. Wenn die Kinder angenommen, geliebt, behütet und beschützt werden, ist die Familie gesund, wird die Gesellschaft besser und ist die Welt menschlicher. Denken wir an das Werk, welches das Institut Effetà Paolo VI für taubstumme palästinensische Kinder entfaltet: Es ist ein konkretes Zeichen der Güte Gottes. Es ist ein konkretes Zeichen, dass sich die Gesellschaft verbessert.
   Gott wiederholt auch heute für uns Männer und Frauen des 21. Jahrhunderts: »Das soll euch als Zeichen dienen«, sucht das Kind…
   Das Kind von Betlehem ist zart wie alle Neugeborenen. Es kann nicht sprechen, und doch ist es das Wort, das Fleisch geworden und gekommen ist, um das Herz und das Leben der Menschen zu verändern. Jenes Kind ist wie alle Kinder schwach und bedarf der Hilfe und des Schutzes. Auch heute haben es die Kinder nötig, angenommen und geschützt zu werden – vom Mutterschoß an.
   Leider gibt es in dieser Welt, welche die raffiniertesten Technologien entwickelt hat, noch viele Kinder, die unter unmenschlichen Bedingungen an den Peripherien der großen Städte oder in ländlichen Gebieten am Rande der Gesellschaft leben. Viele Kinder werden noch heute ausgebeutet, misshandelt, versklavt, sind Opfer von Gewalt und gesetzeswidrigem Handel. Zu viele Kinder sind heute aus der Heimat vertrieben und auf der Flucht, manchmal in den Meeren untergegangen, besonders in den Fluten des Mittelmeers. Für all das schämen wir uns heute vor Gott – vor Gott, der ein Kind geworden ist.
   Und wir fragen uns: Wer sind wir vor dem Kind Jesus? Wer sind wir vor den Kindern von heute? Sind wir wie Maria und Josef, die Jesus aufnehmen und sich mit mütterlicher und väterlicher Liebe um ihn kümmern? Oder sind wir wie Herodes, der ihn beseitigen will? Sind wir wie die Hirten, die eilends gehen, die niederknien, um ihn anzubeten, und ihre bescheidenen Gaben darbringen? Oder sind wir gleichgültig? Sind wir etwa Phrasendrescher oder Frömmler, Menschen, welche die Bilder der armen Kinder zu Gewinnzwecken ausnutzen? Sind wir fähig, bei ihnen zu sein, „Zeit zu verlieren“ mit ihnen? Verstehen wir es, ihnen zuzuhören, sie zu behüten, für sie und mit ihnen zu beten? Oder vernachlässigen wir sie, um uns mit unseren Geschäften zu befassen?
   »Das soll uns als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden…« Vielleicht weint jenes Kind; weint, weil es Hunger hat, weil es friert, weil es in den Armen liegen möchte… Auch heute weinen die Kinder, sie weinen viel, und ihr Weinen fragt uns an. In einer Welt, die täglich tonnenweise Nahrungsmittel und Medikamente wegwirft, gibt es Kinder, die vor Hunger oder aufgrund von Krankheiten, die leicht zu heilen wären, vergeblich weinen. In einer Zeit, die den Schutz der Minderjährigen proklamiert, werden Waffen gehandelt, die in den Händen von Kinder-Soldaten landen; werden Produkte gehandelt, die von kleinen Sklavenarbeitern verpackt sind. Ihr Weinen ist unterdrückt: Das Weinen dieser Kinder ist unterdrückt. Sie müssen kämpfen, müssen arbeiten, sie dürfen nicht weinen! Doch um sie weinen die Mütter, Rahel von heute: Sie beweinen ihre Kinder und wollen sich nicht trösten lassen vgl. Mt 2,18.
   »Das soll euch als Zeichen dienen«: findet ein Kind. Das in Bethlehem geborene Jesuskind, jedes Kind, das in jedem Teil der Welt geboren wird und heranwächst, ist ein diagnostisches Zeichen, das uns erlaubt, den Gesundheitszustand unserer Familie, unserer Gemeinschaft, unserer Nation zu überprüfen. Aus dieser klaren und aufrichtigen Diagnose kann ein neuer Lebensstil hervorgehen, wo die Beziehungen nicht mehr durch Konflikt, Unterdrückung und Konsumismus bestimmt sind, sondern Beziehungen der Brüderlichkeit, der Vergebung und der Versöhnung, des Teilens und der Liebe sind.

                O Maria, Mutter Jesu,
                die du ihn aufgenommen hast, lehre uns aufnehmen;
                die du ihn angebetet hast, lehre uns anbeten;
                die du ihm nachgefolgt bist, lehre uns nachfolgen. Amen.
                                                                                                   
                v140525no
                 

jud-AbrahamSkorka-Rab-Arg-z Der argentinische Rabbiner Abraham Skorka 

   versteht seine gemeinsame Reise mit Papst Franziskus nach Jerusalem und Bethlehem als eine „Botschaft des Friedens für alle  mit Völker  und Nationen der Region“. In einem umfangreichen Interview der römischen Jesuitenzeitschrift „Civilta Cattolica“ berichtet er, wie er mit dem Papst im Vatikan Ideen zu einem solchen Treffen entwickelt habe. „Wir haben davon geträumt, uns an der Mauer in Jerusalem zu umarmen“, sagte der Rabbiner, der mit Bergoglio seit vielen Jahren befreundet ist. Mit einer solchen Begegnung an den Resten des Jerusalemer Tempels könnten sie ein Zeichen setzen angesichts von 2.000 Jahren Dissens zwischen Juden und Christen, so Skorka in dem langen Interview. rv140518kna Foto unten: Franziskus, Abraham Skorka, Omar Abboud in Jerusalem.

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Rabbiner Skorka wünscht sich Umarmung an Mauer in Jerusalem
   Der argentinische Rabbiner Abraham Skorka Foto: 2. von rechts versteht seine gemeinsame Reise mit Papst Franziskus nach Jerusalem und Betlehem als eine „Botschaft des Friedens für alle Völker und Nationen der Region“. In einem umfangreichen Interview mit der römischen Jesuitenzeitschrift „Civilta Cattolica“ berichtet er, wie er mit dem Papst im Vatikan Ideen zu einem solchen Treffen entwickelt habe. „Wir haben davon geträumt, uns an der Mauer in Jerusalem zu umarmen“, sagte der Rabbiner, der mit Bergoglio seit vielen Jahren befreundet ist. Mit einer solchen Begegnung an den Resten des Jerusalemer Tempels könnten sie ein Zeichen setzen angesichts von 2.000 Jahren Dissens zwischen Juden und Christen, so Skorka in dem langen Interview. rv140518kna

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ök-ff-Betlehem-xx      Auf dem Papst-Podium auch ein Rabbiner

  Das Podium des Papstes wird von einem 14x6 Meter großen Gemälde dominiert, das Maria, Josef und das Jesuskind zeigt, alle drei in palästinensischer Tracht; links daneben die drei Päpste, die vor Franziskus das Heilige Land besucht haben, und rechts drei Heilige, die hier besonders verehrt werden, nämlich Franz von Assisi und die zwei Ordensfrauen Carmelina de Beken und Alfonsina, Gründerin der einzigen palästinensischen Ordensgemeinschaft. Über dem Podium: eine Darstellung des Sterns von Betlehem und die Fahnen Palästinas und des Vatikans. Papst Franziskus wirkt ernst, konzentriert. Er hält den Kreuzstab aus Olivenholz, den ihm kurz vor Ostern Insassen eines Gefängnisses im italienischen Sanremo fabriziert haben. Mit ihm zelebrieren Bischöfe verschiedener katholischer Riten, darunter der Lateinische Patriarch Fouad Twal;  auch der argentinische Rabbiner Abraham Skorka, Freund des Papstes, ist auf dem Podium zu sehen, er trägt das jüdische Käppchen.
  „Ich sehe einen völligen Einklang zwischen Deiner Person, Deiner Art der Amtsführung und des Sprechens und der Botschaft von Betlehem“, sagt Patriarch Twal in einer kleinen Ansprache. „Betlehem, das heißt Einfachheit, Transparenz, Gemeinschaft... Möge Dein Besuch in den Herzen der Menschen die Botschaft von Weihnachten, den Frieden und die Wärme der Grotte von Betlehem wiederbeleben!“
  Twal beklagt, „dass der Friede keinen Weg bis zu uns hin findet, dass es ihm nicht gelingt, die Mauern der Angst und des Misstrauens zu überspringen, die diese Stadt umgeben.
„Unsere jungen Leute erleben Emigration, Hunger, oft auch die Zerstörung ihrer Wohnung. Mit Dir zusammen, Heiliger Vater, bitten wir heute das Jesuskind, dass es Platz mache in seiner Grotte, um die vielen Kinder mit aufzunehmen, die Opfer der Gewalt und Ungerechtigkeit sind. Wie kann man nicht an die vielen Gefangenen denken und für sie beten, die die Gefängnisse füllen...“ Er meint damit palästinensische Gefangene in israelischen Haftanstalten.

Papstgebet: Regina Coeli in Betlehem
Liebe Brüder und Schwestern,
   während wir uns anschicken, diese Feier zu beenden, wenden wir unsere Gedanken Maria zu, die genau hier in Bethlehem ihren Sohn Jesus zur Welt gebracht hat. Die heilige Jungfrau ist diejenige, die mehr als alle anderen Gott im menschlichen Antlitz Jesu betrachtet hat. Mit der Unterstützung des heiligen Josef hat sie ihn in Windeln gewickelt und in die Krippe gelegt.
  Ihr vertrauen wir dieses Land an und alle, die darin wohnen, damit sie in Gerechtigkeit, Frieden und Brüderlichkeit leben können. Wir vertrauen ihr auch die Pilger an, die kommen, um aus den Quellen des christlichen Glaubens zu schöpfen – von ihnen sind viele auch bei dieser heiligen Messe zugegen. Und es sind sehr viele...
   Wache, o Maria, über die Familien, über die Jugendlichen, über die alten Menschen. Wache über die, welche den Glauben und die Hoffnung verloren haben; tröste die Kranken, die Gefangenen und alle Leidenden; stehe den Hirten und der ganzen Gemeinschaft der Gläubigen bei, damit sie „Salz und Licht“ in diesem gesegneten Land seien; unterstütze die Bildungseinrichtungen, besonders die Bethlehem University.
  Indem ich hier in Bethlehem die Heilige Familie betrachte, geht mein Denken spontan nach Nazareth, wohin ich mich hoffentlich, wenn es Gott gefällt, bei einer anderen Gelegenheit begeben kann. Von hier aus umarme ich die gläubigen Christen, die in Galiläa leben, und ermutige dazu, das Internationale Zentrum für die Familie in Nazaret zu verwirklichen.
  Der heiligen Jungfrau vertrauen wir das Geschick der Menschheit an, damit sich in der Welt neue und verheißungsvolle Horizonte der Brüderlichkeit, der Solidarität und des Friedens öffnen. Regina Coeli…  rv140525no
 

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ff-190x-Abendmahlssaal  Der Abendmahlssaal: Jerusalem im Kleinen

   Die Abschlussmesse des Papstes in Israel schafft Unruhe, genauer: Der Ort, an dem sie stattfinden soll. Franziskus will an dem Ort mit den Bischöfen des Heiligen Landes Messe feiern, wo vor 2000 Jahren Jesus das letzte Abendmahl feierte. Der Abendmahlssaal liegt aber über einem Raum, in dem seit dem Mittelalter das Grab Davids verehrt wird. Ultraorthodoxe Juden in Jerusalem haben deswegen gegen den Besuch von Papst Franziskus protestiert. Sicherheitskräfte und Passanten wurden von etwa 100 Männern bespuckt und mit Essensresten beworfen. Radikale jüdische Gruppen behaupten seit Wochen, der Saal solle der katholischen Kirche übereignet werden, das würde eine Entweihung des Grabes und der Synagoge darin bedeuten.
   In direkter Nachbarschaft zu diesem Gebäudekomplex auf dem Zionsberg liegt die deutsche Benediktinerabtei Dormitio. Pater Nikodemus gehört zur Benediktinergemeinschaft dort.
     „Es ist ein kritischer Ort. Dieser Gebäudekomplex ist eher ein Wirrwarr von Gebäude-Annexen. Das erschließt sich intuitiv nicht, auch nicht von einer Luftaufnahme aus. Und es sind viele Narrative damit verbunden. Für die Muslime ist es das Grab Davids, es ist ein ursprünglich christliches Narrativ, das dann von den Muslimen übernommen wurde. Es war ja auch 400 Jahre lang in muslimischer Hand und eine muslimische Stiftung. Dann haben 1948 einige jüdische Gruppen das übernommen und auch noch einmal umgebaut. Man kann sagen, dass das ein Krimi ist. Zudem ist es meines Wissens nach der einzige Ort auf der Welt, der drei Religionen heilig ist.   Wenn man das Coenacum heute betritt, dann ist das eine Moschee. Man sieht eine Gebetsnische und eine Predigtkanzel, über dem Saal thront ein Minarett, das ganze Gebäude ist ineinander verwoben.“
   Seit 1948 ist der Gebäudekomplex ein Museum, um den konkurrierenden Ansprüchen der Religionen aus dem Weg zu gehen. Gebetet werden durfte, aber keine Gottesdienste wie etwa Messen gefeiert werden. Seit einigen Jahren lockert sich dieser Status Quo.
   „Unten beim Davidsgrab haben die Juden eine echte Synagoge eingerichtet, mit Thora-Rollen und dem Gebet von zehn Männern [der Mindestvoraussetzung für einen jüdischen Gottesdienst]. Daraufhin gab es dann die Anfrage von Seiten des Heiligen Stuhles und von Seiten der Franziskaner, diesen Ort als interreligiösen Ort des Gebetes zu nutzen, und zwar spannenderweise für alle Konfessionen, nicht nur römisch-katholisch.  Genau das fehlt hier im Land, alles hat einen konfessionellen Stempel, es wäre der einzige Ort, der nicht konfessionell vereinnahmt wäre.“
   Papst Franziskus wird der zweite Papst sein, der dort eine Messe feiert, Papst Johannes Paul II. war 2000 der erste. Benedikt XVI. war zwar am Ort, aber ohne dort eine Messe zu feiern.
   „Und jetzt kochen die Emotionen hoch, weil einige extremistische Splittergruppen im Judentum sagen ‚Nein, die Christen sind Götzenverehrer und wenn Götzenverehrer dort feiern, dann können wir dort nicht mehr beten. Das bringt im Augenblick sehr viele negative Emotionen. Es ist ein schwieriges Terrain, besonders weil einige Extremisten gerade besonders nervös und aggressiv werden.“
   Damit ist der Komplex noch einmal so etwas wie Jerusalem im Kleinen, all die religiösen Probleme und Animositäten, aber auch Möglichkeiten zur Verständigung an einem Ort.  rv140525ord

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“Warmherzige Etappe”: Presseschau zur Papstreise

  Die „Jordan Times“, einzige englischsprachige Zeitung Jordaniens, stellt den Besuch von Papst Franziskus in Amman an diesem Freitag als Friedensmission dar. „Franziskus lanciert mit Jordanien zusammen eine Botschaft des Friedens und der Menschlichkeit für den Nahen Osten“, lautet die Schlagzeile des regierungsnahen Blattes. König Abdullah von Jordanien sei sich mit dem Papst im Bemühen um gutes Auskommen der Religionen und der Völker einig. Nicht ganz nebenbei könne die Visite auch dazu beitragen, den religiösen Tourismus nach Jordanien anzukurbeln. Ausführlich lässt die „Jordan Times“ Flüchtlinge aus Palästina, dem Irak und Syrien zu Wort kommen, die an einem Treffen mit dem Papst in Bethanien jenseits des Jordans teilgenommen haben. Franziskus` Besuch sollte die ganze arabische Welt dazu bringen, sich mehr für das Schicksal syrischer Kinder zu interessieren, die unter dem Krieg in ihrer Heimat leiden, so ein Syrer.
  An der Papstmesse vom Freitag in einem Stadion von Amman lobt die „Jordan Times“ die reibungslose Organisation. Alle seien „von der Einfachheit und Demut des Papstes angetan“ gewesen. Eine indische Journalistin staunt im Gespräch mit der Zeitung über das gute interreligiöse Klima in Jordanien: Sie habe erlebt, dass die Reiseführer an Heiligen Stätten im Land mit Stolz vom christlichen Erbe sprächen, und dass sie es als wichtigen Bestandteil des kulturellen Erbes Jordaniens darstellten. Das findet sie beispielhaft.
  Der israelische Nachrichtensender „i24 News“ betont die unvermeidliche politische Dimension des Papstbesuches. Dass Franziskus einen Kranz am Grab des Zionisten Theodor Herzl in Jerusalem niederlegen werde, ist für den Sender „das ultimative Symbol vatikanischer Akzeptanz Israels als Heimstätte des jüdischen Volkes“. Gleichzeitig wertet er den Besuch von Franziskus in Bethlehem und bei Palästinenserpräsident Mahmud Abbas als „Anerkennung des Westjordanlandes als Staat des palästinensischen Volkes“. Damit gebe der Vatikan den Palästinensern etwas, das Israel energisch ablehne.
„Bemerkenswert schmallippig“
   Der nationalistisch ausgerichtete Sender „Arutz Scheva“ kritisierte die Begegnung des Papstes mit Palästinenser- Präsident Abbas in Betlehem: Damit habe der Nahost-Besuch des Papstes trotz der vorab erklärten strikt religiösen Absicht eine politische Wende erhalten. Der Sender kritisiert, bereits im Vorfeld der Reise habe Kardinal- staatssekretär Pietro Parolin ein Recht der Palästinenser auf einen souveränen und unabhängigen Staat verteidigt. Weiter urteilte „Arutz Scheva“, Papst Franziskus sei „bemerkenswert schmallippig zur gewaltsamen Verfolgung von Christen in Bethlehem“ und habe sich stattdessen entschieden, angeblich wachsenden jüdischen Vandalismus zu verurteilen.
   Die französischsprachige libanesische Zeitung „L`Orient le Jour“ aus Beirut wertete den Jordanien-Besuch als eine „warmherzige Etappe“ und kommentiert weiter, Franziskus' Visite in Israel sei der „dornigste Teil seiner Reise ins Heilige Land“. Nach Einschätzung der englischsprachigen libanesischen Zeitung „Naharnet“ zielt der „historische Besuch“ des Papstes zuallererst auf eine Vertiefung der muslimisch-christlichen Beziehungen sowie auf eine engere Einheit mit den Führern der orthodoxen Kirchen. Rv140525kna

Lesen Sie bitte auch die Fotoberichte über diese Papstreise auf unserer Seite > Friedensgebet

Papst Benedikt XVI.  B-BartholomaiosTUx  Patriarch Bartholomäus I.

Barroso trifft ökumenischen Patriarchen - Bartholomaios bittet um Hilfe

  Der EU-Kommissionsvorsitzende Barroso ist auf seiner Türkei-Reise in Istanbul vom ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., dem Oberhaupt der orthodoxen Christen, empfangen worden. Der Patriarch bat Barroso in dem herzlich verlaufenen Gespräch um Unterstützung zur Wiedereröffnung des Priesterseminars Halki auf der Insel Heybeliada. Der türkische Staat hatte 1971 die Schließung des einzigen Priesterseminars der Kirche in der Türkei veranlasst. Die Wiedereröffnung von Halki habe für die orthodoxe Kirche die höchste Priorität, sagte Bartholomaios. Er würdigte die Äußerung von Ministerpräsident Erdogan, der vor wenigen Wochen als erster Politiker der Türkei sagte, der Status des Patriarchats sei eine Angelegenheit der Kirche und nicht des türkischen Staats.
   Bartholomaios schilderte, dass der Staat bei der Wahl der Gemeinderäte Namen ohne Begründung gestrichen habe, so dass sie ihre Ämter nicht antreten könnten. Jetzt sei es für die Betroffenen erstmals möglich, dagegen zu klagen. Er äußerte Bedenken zum neuen Stiftungsgesetz, das das Parlament jüngst verabschiedet hat. Kirchengemeinden dürfen sich nur als Stiftungen organisieren. Das Gesetz ermöglicht erstmals Klagen gegen Enteignungen von Stiftungsbesitz. Die damit verbundenen Ausführungsbestimmungen liefen jedoch darauf hinaus, dass vor 1936 enteignetes Eigentum dauerhaft verloren sei und jenes, das von 1937 bis 1972 konfisziert wurde, nur durch einzelne Gerichtsverfahren einzeln eingeklagt werden könne, heißt es aus dem Patriarchat. Die griechisch-ortho- doxe Kirche verlor neun Zehntel ihres Eigentums durch Enteignungen. FAZher080412

Türkei kommt Christen entgegen

   Das staatliche Religonsamt der Türkei erklärt Übertritte vom Islam zu anderen Religionen offiziell für erlaubt. Neben der göttlichen Strafe sehe der muslimische Glaube  keine weltliche Strafe für den Abfall vom Glauben vor, heißt es in der Monatszeitschrift der Behörde veröffentlichten Fatwa, einem islamischen Rechtsgutachten. Die Fatwa könnte die Lage der türkischen Christen und insbesondere der Protestanten im Land erheblich erleichtern. „Der Prophet (Mohammed) hat niemandem seinen Glauben aufgezwungen; er hat gegen Andersgläubige nie Gewalt angewendet”, so das Gutachten. Davon gebe es „keinerlei Ausnahmen, auch nicht für Konvertiten vom Islam”.
   Christen, die vom Islam übergetreten sind, werden in der türkischen Öffentlichkeit oft angefeindet oder bedroht. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder tätliche Angriffe auf Christen, denen Missionstätigkeit vorgeworfen wurde. 2007 wurden in Malatya drei Protestanten brutal ermordet. Die Protestanten in der Türkei forderten daher eine öffentliche Erklärung des Religionsamtes, dass Mission und Konversion nicht verboten sind. Die Fatwa des Religionsamtes beschäftigt sich insbesondere mit Vers 137 der koranischen Nisa-Sure. „Siehe, diejenigen, welche glauben und hernach ungläubig werden, dann wieder glauben und dann noch zunehmen an Unglauben, denen verzeiht Allah nicht und nicht leitet Er sie des Weges”, heißt es dort. Die verbreitete Annahme, dass der Koran eine Todesstrafe für den Abfall vom Glauben vorsehe, werde damit klar widerlegt, so das Rechts- gutachten. Ansonsten wäre es ja unmöglich, dass jemand zum Glauben zurückkehrt und ein zweites Mal davon abfällt. DT080412kna
Nur im Jenseits
   In der Türkei ist seit Atatürks Zeiten das religiöse Scharia-Recht abgeschafft. Dennoch bedeutet es nicht wenig, wenn jetzt das „Religionsamt” in einer Fatwa bekräftigt, Übertritte zu anderen Religionen - also der Abfall vom Islam - seien erlaubt, weltliche Strafen dafür unkoranisch. Tatsächlich kennt der Koran für den Abtrünnigen nur eine jenseitige Sanktion Sure 4,Verse 137/38, erst die später entstandene Scharia hat die Todesstrafe dafür eingeführt. Die Fatwa ist geeignet, eine Bresche in eine noch weitverbreitete Mentalität zu schlagen, die den Konvertiten - und erst recht den Atheisten - Gefahren aussetzt, bis hin zu Morden, wie sie zuletzt in der Stadt Malatya an Personen verübt wurden, die zum Christentum übergetreten waren. Die sich weltlich verstehende moderne Türkei will sich weiter demokratisieren; dazu gehört auch eine als umfassend verstandene Religionsfreiheit, die auch dem Atheisten zugesteht, seine Ablehnung jeglichen Glaubens ohne Angst zu bekunden. Dass deshalb die Türken nun in Massen vom Islam abfallen werden, ist nicht zu erwarten.  FAZwgl080412

Erzbischof Kirill I. Patriarch von Moskau   ÖkPatriarchKirill-x

62-Jähriger ist neues Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche

   Metropolit Kirill ist neues Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche. Ein Landeskonzil aus Bischöfen, Geistlichen und Laien wählte ihn zum Patriarchen als Nachfolger des verstorbenen Alexij an.
  Nach Angaben der Wahlkommission setzte sich Kirill in der Abstimmung deutlich gegen Metropolit Kliment, 59 durch, den Verwaltungschef des Patriarchates. Unmittelbar vor der Wahl hatte der Metropolit von Minsk, Filaret,73, seine Kandidatur zurückgezogen und zur Wahl Kirills aufgerufen.
   Die Bekanntgabe des Ergebnisses wurde vom russischen Fernsehen und der Webseite der Kirche übertragen. Kirill war bereits zuvor als Favorit gehandelt worden. Seit dem Tod von Alexij II. leitete er die Kirche übergangsweise. Es war die erste Patriarchen-Wahl seit dem Ende der Sowjetunion. Seither hat sich die Kirche wieder als eine moralische Instanz etabliert und greift zunehmend in die Politik ein.
   Der russisch-orthodoxen Kirche gehören mit 150 Millionen Mitgliedern mehr als die Hälfte der rund 250 Millionen orthodoxen Christen weltweit an. 70 bis 80 Prozent der Russen bekennen sich heute zum orthodoxen Glauben.
   Kirill schloss bei der Eröffnung des Landeskonzils Kompromisse mit anderen christlichen Konfessionen in Glaubensfragen aus. Ziel des zwischenkirchlichen Dialogs sei der Kampf gegen die Marginalisierung von Religion und die Verteidigung der Moral. In seinem Bericht sagte er, das Patriarchat sei bei der Nutzung des Internets Vorreiter unter den Kirchen.
   Vor der Erlöser-Kathedrale hatten mehrere hundert Menschen auf die Kür des neuen Patriarchen gewartet. Die umliegenden Straßen waren für den Verkehr gesperrt.
   Die russisch-orthodoxe Kirche zählt auch fast alle ehemaligen Sowjetrepubliken zu ihrem kanonischen Territorium. Die Zahl der Pfarreien und Klöster stieg nach dem Ende des kirchenfeindlichen kommunistischen Regimes stark an. Dementsprechend hatte das Landeskonzil nun mehr als doppelt so viele Mitglieder wie bei der Patriarchenwahl 1990.
   Fast die Hälfte der 711 Mitglieder des Konzils kam aus dem Ausland, die meisten davon mit 192 aus der Ukraine; 10 kamen aus Deutschland. Die rund 200 Bischöfe machten weniger als ein Drittel der 711 Delegierten aus. Rund 500 Wahlberechtigte waren von den Diözesen entsandt, jeweils ein Priester, ein Ordensmitglied und ein Laie. Unter den Laien waren neben Kirchenbediensteten auch Geschäftsleute, Schauspieler und Staatsbeamte. Kritik an den so genannten VIP-Delegierten wies die Kirche zurück. zdf090127

Vatikan: Glückwünsche an Kyrill – Dialog soll vertieft werden

   Papst Benedikt XVI. hat dem neuen russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill gratuliert. „Mit Freude habe ich die Nachricht der Wahl Kyrills zum neuen Patriarchen von Moskau und ganz Russland empfangen. Mögen der Heilige Geist und die Gottesmutter über seinen neuen Dienst für die russisch- orthodoxe Kirche wachen.“
   Als Vertreter des Vatikans reiste der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper zu den Feierlichkeiten der Amtsübernahme nach Moskau. Derweil hat Benedikt XVI. dem neuen Patriarchen ein Glückwunsch-Telegramm geschickt. Rv090128
Kasper: Neuer Patriarch, neue Phase im Dialog
   Der Vatikan hat sich erfreut über die Wahl von Metropolit Kyrill zum neuen Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche gezeigt. „Wir sind froh, einen Patriarchen zu haben, mit dem wir seit vielen Jahren brüderliche Beziehungen unterhalten“, heißt es in einer Erklärung des für Ökumenefragen zuständigen vatikanischen Einheitsrates.  Man hoffe, „den gemeinsamen Weg der Wiedervereinigung, den wir begonnen haben, fortzusetzen“. Der Vatikan biete stets seine Zusammenarbeit auf sozialer und kultureller Ebene und für die Festigung christlicher Werte an, doch der Dialog ziele immer „auf die Einheit aller Christen“, sagte der vatikanische Ökumeneminister Kardinal Walter Kasper gegenüber Radio Vatikan. Rv090128

ÖK-Kyrill-I-z    Kirill: Antikirchliche Kräfte

Russische orthodoxe Kirche rügt „aggressive Liberale“
   In russischen Kirchen ist eine Erklärung des Obersten Rates der russischen orthodoxen Kirche verlesen worden, in der „antikirchliche Kräfte" heftig angegriffen werden, weil sie unter Einsatz der ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel und ihres Einflusses in den Medien versuchten, den Klerus zu verunglimpfen und Menschen dazu zu bringen, sich von der Kirche abzuwenden. Das Motiv der Kirchenfeinde sei die Furcht vor dem Wiedererstarken der Kirche und der Renaissance des nationalen russischen Selbstbewusstseins, hieß es in der Erklärung, die in der vergangenen Woche auf Initiative des Oberhauptes der russischen orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill, beschlossen worden war.
   Zu diesen Kräften geselle sich ein „aggressiver Liberalismus", hieß es in dem am orthodoxen Palmsonntag 2012 verlesenen Text weiter. Dieser Liberalismus propagiere angebliche Werte, die für die Kirche jedoch unannehmbar seien, weil sie mit dem Christentum nicht zu vereinbaren seien. Dabei gehe es insbesondere um die Billigung gleichgeschlechtlicher Beziehungen oder um die Propagierung eines ungehemmten Konsums und von Freiheit ohne Schranken. Der Konflikt zwischen Kirche und antichristlichen Kräften nehme an Schärfe zu und besitze auch eine politische, antirussische Dimension. Das sei in der Zeit vor den Wahlen im Dezember und im März deutlich geworden und dauere an. Am Sonntag nach dem orthodoxen Osterfest solle deshalb in allen Kathedralkirchen für die Verteidigung der Kirche gegen deren Feinde gebetet werden.

Neue Generation von Patriarchen

   Der Vatikan sieht sich beim ökumenischen Dialog mit der orthodoxen Kirche jetzt einer neuen Generation von Patriarchen gegenüber. Darauf macht die französische katholische Tageszeitung „La Croix“ in einer Analyse auf- merksam. Die neuen Köpfe auf orthodoxer Seite stünden für einen verstärkten Dialog mit der katholischen Kirche.
   Als erster trat vor einem Jahr Kyrill als neuer orthodoxer Patriarch von Moskau an – der frühere „Außenminister“ seiner Kirche hat glänzende Kontakte zu anderen Kirchen. Nach ihm wurde Hieronymos II. der Patriarch der grie- chischen Orthodoxie, Daniel übernahm die Verantwortung in Rumänien, und erst kürzlich wurde Irinej neuer orthodoxer Patriarch in Serbien. Die neuen Kirchenchefs seien Vertreter einer orthodoxen Kirche, die seit dem Ende des Kalten Kriegs immer stärker werde: In den letzten zwanzig Jahren hat sich etwa in Russland die Zahl orthodoxer Pfarreien vervierfacht, die Zahl der Klöster stieg gar um mehr als das Vierzigfache. Mit der Eröffnung eines russisch-orthodoxen Priesterseminars im November habe Kyrill I. von Moskau schon ein erstes ökumenisches Signal gegeben. Gleichzeitig bemüht sich der russische Patriarch um Versöhnung mit dem orthodoxen Ehrenober- haupt Bartholomaios I. – unter ihnen ist vor allem die Zugehörigkeit der Orthodoxen in der Ukraine umstritten. Seit Oktober bemüht sich eine gemeinsame Arbeitsgruppe, den Konflikt zu lösen. RV100209LaCroix

Patr.IrinejSerb-x    Der neue Patriarch     Patr.IrinejSerb-1x

 Bischof Irinej von Nisistam, 79,  zum 45. Patriarchen der Serbisch-Orthodoxen Kirche gelost worden

   Zu den anderen beiden Loskandidaten hatten die 45 Bischöfe Irinej von Novi Sad und den Metropoliten Amfilohije von Montenegro gewählt. Irinejs Wahl ist ein Glückslos für alle, die darauf hoffen, dass sich die serbische Orthodoxie von ihrem Nationalismus befreit. Irenej gilt als offen und moderat. Er wurde in Prizren (Kosovo), Belgrad und Athen ausgebildet. FAZ100123tens
   Papst Benedikt XVI. hat dem neuen serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej von Nis zu seiner Wahl gratuliert. In einem Schreiben wünschte er dem neu gewählten Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche „innere Stärke, um die Einheit und das geistliche Wachstum der serbisch-orthodoxen Kirche zu festigen, aber auch um brüderliche Beziehungen mit anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften aufzubauen“. Gleichzeitig würdigte er den Vorgänger Irinejs, den im vergangenen November verstorbenen Patriarchen Pavle. Dieser habe ein reiches und tiefes spirituelles Erbe hinterlassen. Bischof Irinej von Nis war in Belgrad zum neuen Patriarchen gewählt worden. Neben der Ökumene warten auf ihn politische Herausforderungen wie die Kosovo-Frage und die europäische Integration Serbiens. rv100123kip
Moderat
   Ob es Zufall war oder der Wille des Himmels, einer von beiden meinte es gut mit der Serbischen Orthodoxen Kirche, als deren Bischöfe einen neuen Patriarchen kürten.  Das Verfahren sieht vor, unter den drei Kandidaten, die von den anderen Bischöfen am meisten Stimmen erhalten haben, das Los entscheiden zu lassen.  Zwei der Bischöfe, deren Namen im Lostopf gelandet waren, gelten als entschiedene Nationalisten: Amfilohije, Erzbischof von Cetinje und Metropolit von Montenegro, aber auch Irenej, Bischof der Batschka mit Sitz in Novi Sad. Amfilohije hatte die meisten Stimmen erhalten und wäre wohl heute neuer serbischer Patriarch, wenn dessen Bestallung einer üblichen Mehrheitswahl unterworfen wäre. Das Los aber fiel auf den Bischof Irenej von Nis, der, anders als Amfilohije, nicht durch hetzerische Äußerungen aufgefallen ist.
   Dennoch ist auch für ihn das Kosovo ein zentrales Thema. Die Serbische Orthodoxe Kirche müsse dem Staat helfen, „das Kosovo zu verteidigen. Wenn wir das Kosovo vergessen, wird das Kosovo uns vergessen. Serbien ohne Kosovo ist ohne Seele, ohne Verstand und ohne Herz", sagte Patriarch Irenej nach seiner Inthronisierung. Die alte Leier also? Nicht unbedingt. Die Frage ist, wie Irenej den Kampf um dieses nicht nur gedachte Herzland seiner Kirche, wo sich viele der schönsten Klöster und Kirchen der serbischen Orthodoxie befinden, führen will. Geht es ihm um die Bewahrung der serbischen Kulturgüter, die ein europäisches Erbe sind, oder um die Aushöhlung des kosovarischen Staates? Bisher hat sich Irinej dazu moderater geäußert als viele andere Bischöfe seiner Kirche.
   Auch im Streit um die Frage, ob Serbien den Papst willkommen heißen solle, vertrat er eine Ausnahmeansicht. Johannes Paul II. war zwar bis nach Banja Luka gekommen, in die Hauptstadt der bosnischen Serbenrepublik, wo er im Juni 2003 eine Messe zelebrierte, doch Serbien gehört zu den wenigen europäischen Staaten, deren Boden er nicht betrat. Seinem Nachfolger könnte das nun erlaubt sein. 2008 hat Irenej in einem Gespräch mit der Belgrader Tageszeitung „Politika" die Idee eines Papstbesuchs ausdrücklich begrüßt. Als möglichen Zeitpunkt nannte er 2013, wenn in Nis Feierlichkeiten zum 1700. Jahrestag des Mailänder Toleranzedikts ausgerichtet werden sollen. Dessen bekanntester Vater, Konstantin der Große, wurde 280 dort geboren, als die Stadt noch Naissus hieß. „Es gibt keinen Grund, dass wir Angst haben vor einer Begegnung mit dem Papst. Eine solche Begegnung und ein Dialog sind unverzichtbar, denn das ist ein Anlass zum Kennenlernen", so Irenej damals. Zwar kann auch er einen Besuch des Papstes nicht erzwingen, denn unter den Bischöfen ist er nur Primus inter Pares. Aber als Patriarch hat er großen Einfluss. Geboren wurde Irenej 1930 als Miroslav Gavrilovic in einem Dorf in Westserbien. Er leistete Wehrdienst in Titos Armee, besuchte das Priesterseminar in Prizren (Kosovo) und studierte an der theologischen Fakultät Belgrad, später in Athen. Die Mönchsweihe empfing er 1959 unter dem Namen Irenej. Seit 1975 war er Bischof in Südserbien mit Sitz in Nis - fast 35 Jahre lang.  FAZ100126MichaelMartens 

  Patriarch Irinej     Patr.Irinej-Serb-3xx

Serbisch-orthodoxer Patriarch eingeführt.
Benedikt XVI. gratuliert Irinej: Brüderliche Beziehungen mit anderen Kirchen aufbauen

   Bischof Irinej von Nis ist in sein neues Amt als Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche eingeführt worden. Die Feier fand in der Belgrader Kathedrale statt. Der vollständige Titel des neuen Patriarchen lautet:  Erzbischof von Pec, Metropolit von Belgrad-Karlowitz und Serbischer Patriarch.  Der 79-Jährige war gewählt worden. Er ist Nachfolger des verstorbenen Patriarch Pavle I.
   Zu den Teilnehmern bei den Feierlichkeiten gehörten neben orthodoxen kirchlichen Würdenträgern auch der Apostolische Nuntius Erzbischof Orlando Antonini und der katholische Erzbischof von Belgrad, Stanislav Hocevar. Die serbische Regierung war durch Premierminister Mirko Cvetkovi sowie einige Kabinettsmitglieder vertreten. In seiner ersten Predigt als Patriarch erklärte Irinej, er betrachte seine Wahl als Werk der Gnade und Liebe Gottes. Daher verpflichte ihn dieses Amt und verlange von ihm eine würdige Antwort. Am historischen Sitz der serbischen Kirche in Pec soll eine weitere Feierlichkeit für den neuen Patriarchen stattfinden.
  Zu den Aufgaben Irinej’s gehört eine politische Richtungsentscheidung der serbisch­orthodoxen Kirche. Eine wichtige innerkirchliche Streitfrage ist die Zusammenarbeit mit der internationalen Staatengemeinschaft in der Kosovo-Frage. Weitere Punkte sind die Positionen der Kirche zur europäischen Integration Serbiens, zur Ökumene und zur Liturgiereform.
   Papst Benedikt XVI. gratulierte Irinej zu seiner Wahl. Dabei bekannte er sich zu einer Fortsetzung des ökumenischen Dialogs und der Förderung „brüderlicher Beziehungen" zu den serbischen Christen. Er wünschte dem neu- en Oberhaupt „innere Stärke, um die Einheit und das geistliche Wachstum der serbisch-orthodoxen Kirche zu fes- tigen, aber auch um brüderliche Beziehungen mit anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften aufzubauen". Zugleich würdigte der Papst den im Alter von 95 Jahren verstorbenen Pavle für seine Offenheit gegenüber der katholischen Kirche. Pavle habe seinem Nachfolger ein reiches und tiefes spirituelles Erbe hinterlassen, so Benedikt XVI. Der Präsident des Rates der Europäischen Kirchen, der ungarische Kardinal Peter Erdö unterstrich in einer ersten Reaktion, er schätze den neuen Patriarchen wegen seiner persönlichen Überzeugungen und seiner ökumenischen Einstellung. Auch die Deutsche Bischofskonferenz schickte ein Glückwunschschreiben. Darin verlieh der Konferenzvorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, der Hoffnung Ausdruck, „dass wir weiterhin gemeinsam einen Weg des brüderlichen Miteinanders zwischen Ihrer und unserer Kirche finden werden".
   Unter dem neuen serbisch-orthodoxen Patriarchen wird die serbisch-orthodoxe Kirche zu einer „Brücke zwischen Ost und West". Diese Hoffnung hat der Präsident der ökumenischen Stiftung „Pro Oriente", Johann Marte, in einem persönlichen Glückwunschschreiben an den Patriarchen zum Ausdruck gebracht. Zugleich unterstreicht Marte die traditionell engen Beziehungen zwischen „Pro Oriente" und der serbischen Orthodoxie, wie sie nicht zuletzt durch einen Besuch des neuen Patriarchen im November 1990 in Wien grundgelegt wurden. Die guten Beziehungen wurzeln außerdem in der persönlichen Verbundenheit zwischen Kardinal Franz König und dem verstorbenen Patriarchen Pavle. In besonderer Weise werde das im Jahr 2013 anstehende große Kaiser-Konstantin-Jubiläum die Brückenfunktion der serbisch-orthodoxen Kirche deutlich machen, so Marte. „Pro Oriente" ist selbst mit der Vorbereitung eines wissenschaftlichen Projekts in Nis in dieses Jubiläum eingebunden.
   Irinej wurde am 28. August 1930 mit dem bürgerlichen Namen Miroslav Gavrilovic in einem Dorf in Westserbien geboren. Er besuchte das Priesterseminar in Prizren (Kosovo-Metohija) und studierte an der Theologischen Fakultät in Belgrad. 1959 empfing er die Mönchs- und Priesterweihe., Anschließend studierte er in Athen und wurde 1969 Direktor der Mönchsschule im Kloster Ostrog in Montenegro. Von dort wurde er zum Rektor des Priesterseminars in Prizren berufen. 1974 wurde Irinej Vikarbischof von Moravica in Serbien. 1975 wurde er zum Diözesanbischof von Nis gewählt. Die Stadt Nis liegt in Südostserbien. Kaiser Konstantin der Große, der das Christentum als Religion im römischen Reich zuließ, wurde dort geboren. DT100126

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Weiterer Schritt Roms zur Annäherung an orthodoxe Kirche.
Gemeinsame Erklärung: Papst Benedikt empfing Erzbischof Chrysostomos II. von Zypern

   Während sich im Verhältnis der katholischen Kirche zu den Gemeinschaften der Protestanten und Anglikaner schon seit geraumer Zeit keine Fortschritte mehr auf dem Weg hin zu einer möglichen Kircheneinheit feststellen lassen, vertiefen sich die Beziehungen zu den orthodoxen Schwesterkirchen. Jetzt hat sich der orthodoxe Erzbischof Chrysostomos II. für mehrere Tage im Vatikan aufgehalten. Er traf machte einen Antrittsbesuch bei Papst Benedikt. Beide unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung.
  Chrysostomos II. steht etwa sechshunderttausend orthodoxen Gläubigen vor. Bei der Begrüßung sagte Benedikt XVI., der Gast sei nicht einfach zu einem „Austausch ökumenischer Freundlichkeiten” nach Rom gekommen, son- dern „um den festen Entschluss zu bekräftigen, im Gebet auszuharren, bis der Herr uns zeigt, wie wir zur vollen Einheit kommen können”. Die Kirche von Zypern, so der Papst weiter, sei die Kirche des Barnabas, des Gefährten und Mitarbeiters des heiligen Paulus, wie auch des Bischofs Epiphanius von Costanza, des heutigen Famagosta, der sein Bischofsamt 35 Jahre in einer bewegten Zeit ausübte. Habe Epiphanius den Glauben gegen den Arianismus und in den Auseinandersetzungen mit den Pneumatomachen verteidigt, so stünde man heute in einer ähnlichen Situation. „Wie damals ist es auch heute nötig, das Volk Gottes vor den falschen Propheten zu schützen, vor Irrtümern und der Oberflächlichkeit von Vorschlägen, die mit der Lehre des göttlichen Meisters, unseres einen Erlösers, nicht konform gehen.” Zugleich, fügte der Papst an, müsse man dringend „eine neue Sprache entwickeln, um den Glauben denen zu verkünden, die uns umgeben, eine nachvollziehbare und geistliche Sprache, die in der Lage ist, die offenbarten Wahrheiten treu weiterzugeben, wobei wir uns auf diese Weise auch helfen, die Einheit unter allen Mitgliedern des einen Leibes Christi in Wahrheit und Liebe wieder zu errichten”.
   Erzbischof Chrysostomos erklärte in seiner Ansprache, die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und den Orthodoxen auf Zypern stünden auf einem festen Fundament. Die bisherigen offiziellen theologischen Dialoge seien sehr wichtig für die katholische und die orthodoxe Kirche gewesen und die apostolische Kirche Zyperns habe immer an diesen Gesprächen mitgewirkt. Der Erzbischof hob auch hervor, dass sie beide, der Papst und er selber, „die gewünschte Einheit vielleicht nie erleben werden”, dennoch hätten sie „ihre Pflicht getan”, indem sie als „Friedensstifter und als echte Brüder” aufgetreten seien. Der Gast aus Zypern ging auch auf die Probleme im Norden seines Landes ein. Nord-Zypern ist von den Türken besetzt und ein eigener Staat, der allerdings nur von der Türkei anerkannt wird. Den Papst bat er deshalb um „die Unterstützung durch das unbesiegbare brüderliche Gebet, aber auch durch die väterliche Verteidigung der Rechte der zypriotischen Kirche”.
   In zehn Punkten fasst die bei dieser Gelegenheit von Papst Benedikt und seinem zypriotischen Gast unter- zeichnete Erklärung den Inhalt und das Ziel der Begegnung nochmals zusammen: Neben der ausdrücklichen Be- kräftigung, alles Mögliche für eine zukünftige Kircheneinheit zu unternehmen, steckt die Erklärung den Rahmen ge- meinsamer Aufgaben der Katholiken und Orthodoxen in Zypern und ganz Europa ab: Von der Wiedervereinigung Zyperns über die Achtung der Menschenrechte und der Wiederbelebung der christlichen Wurzeln Europa bis hin zu den Bemühungen um eine gesunde Bioethik und dem Kampf gegen Hunger, Elend und Umweltzerstörung.
DTgho070619

Katholisch-orthodoxe Gespräche auf Zypern

   Katholische und orthodoxe Theologen könnten in diesen Tagen auf Zypern einen wichtigen Schritt auf die Einheit der Christen hin tun. Das glaubt der deutsche Ökumene-Experte Johannes Oeldemann vom Johann-Adam-Möhler- Institut in Paderborn. Im Gespräch mit dem Kölner Domradio meinte Oeldemann, die Frage des Papst-Amtes, über die in Zypern derzeit debattiert wird, sei die „Hauptfrage, die derzeit noch als Trennungsgrund zwischen beiden Kirchen gilt“.
   „Wir sind uns ja mit den orthodoxen Christen in vielen Fragen des Glaubens einig, beispielsweise in der Frage der Sakramente oder Eucharistie, aber auch der Strukturen des kirchlichen Amtes; der päpstliche Primat ist aber der Punkt, der von den Orthodoxen zumindest in der Form, wie er sich im zweiten Jahrtausend entwickelt hat, nicht akzeptiert wird – insbesondere die Papst-Dogmen des 19. Jahrhunderts, wo die Unfehlbarkeit und der Jurisdiktions- Primat des Papstes definiert wurden. Die internationale Dialogkommission will aus diesem Grund bei ihrer Sitzung in Zypern auf das erste Jahrtausend schauen, um gemeinsam zu erheben: Wie sind die Grundlagen aus der Zeit, in der Ost- und Westkirche noch miteinander in Kirchengemeinschaft standen,  und was können wir daraus für die heutige Zeit,  das dritte Jahrtausend, lernen?“’
   Natürlich werde sich nicht alles „1:1 auf das dritte Jahrtausend übertragen lassen“ – dennoch könne aber „die Form, in der man damals Kirchengemeinschaft gebildet hat“,  doch „ein Muster bis in die heutige Zeit“ sein. Oeldemann hält es für einen Erfolg, dass diesmal auch die russisch-orthodoxe Kirche – die aus der letzten Gesprächsrunde in Ravenna ausgezogen war – mit am Tisch sitzt:  
   „Aus katholischer Sicht ein sehr wichtiger Fortschritt, weil die russisch-orthodoxe Kirche zahlenmäßig die weitaus größte orthodoxe Gemeinschaft ist, und diese im Dialog außen vor zu lassen, wäre alles andere als sinnvoll und weiterführend. RV091019domradio

Ök-epNicolaeCorneanu-x     Metropolit Nicolae Corneanu

Rumänien: Debatte über Interkommunion

   Die orthodoxe Kirche hat einem Bischof vergeben, der in einer katholischen Messfeier zur Kommunion gegangen war. Das berichtet die Nachrichtenagentur Apic. Vor seinen Amtsbrüdern hatte der orthodoxe Metropolit des Banat, Nicolae Corneanu, seine Geste ausführlich begründet. Der Kommunionempfang des orthodoxen Bischofs bei der Weihe einer griechisch-katholischen Kirche in Timisoara hatte zu einer erregten Debatte geführt. Die rumänisch- orthodoxe Kirche betont in einer Erklärung, es sei keinem orthodoxen Gläubigen erlaubt, in der Kirche einer anderen christlichen Konfession an der Kommunion teilzunehmen. Wer dem zuwider handle, verliere die „Glaubenseinheit mit der orthodoxen Kirche”. Eine Rüge der Kirchenführung ging nicht nur an den 83jährigen Metropoliten, sondern auch an den orthodoxen Bischof von Oradea. Dieser hatte im Januar nach Agenturangaben mit seinem griechisch- katholischen Amtskollegen konzelebriert. Die griechisch-katholische Kirche ist mit Rom verbunden, feiert die Liturgie aber nach byzantinischem Ritus. Immer wieder kommt es zwischen ihr und der rumänisch-orthodoxen Kirche zu Unstimmigkeiten. Dabei geht es u.a. um den Besitz der katholischen Kirche, der 1948 von den Kommunisten enteignet worden war. Die orthodoxe Kirche verweigert nach Agenturangaben eine Rückgabe. In Rumänien gehören 87 Prozent der Gläubigen zur orthodoxen Kirche.  RVapic080803sk

ök-pTawadrus-II-Kopt-x  Ägypten: Neuer Papst gewählt, Zollitsch gratuliert

   Bischof Tawadrous Foto ist neuer koptischer Papst. Der Weihbischof aus dem Bistum Beheira wurde an seinem 60. Geburtstag, am 04. November 2012 zum Nachfolger des am 17. März 2012 verstorbenen Papstes Shenouda III. gewählt. Ägyptische Medien betonen die theologische und kommunikative Kompetenz des neuen Patriarchen und seine Erfahrungen in der Jugendarbeit. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch gratulierte dem neuen Kirchenoberhaupt und würdigte in einer Grußbotschaft den Beitrag der koptischen Kirche zum Aufbau einer friedlichen Gesellschaft in Ägypten und für die Ökumene. Er sei froh, dass es gute Kontakte zwischen der koptisch-orthodoxen und koptisch-katholischen Kirche unter Leitung des Patriarchen Kardinal Antonios Naguib gibt.
Zur Person:
   Tawadrous II. wurde am 4. November 1952 im oberägyptischen Mansoura geboren. Sein Geburtsname lautet Wajih Sobhi Baki Solayman. Er studierte in Alexandria Pharmazie und war Geschäftsführer der Staatlichen Pharma- zeutischen Werke Damanhour. 1986 trat er in das Anba-Bishoy-Kloster ein, wo er 1988 die Ewigen Gelübde ablegte und die Mönchsweihe erhielt. 1989 wurde er zum Priester geweiht und empfing 1997 von Papst Schenuda III. die Bischofweihe. Als Generalbischof (Weihbischof) in Damanhour-Beheira im Nildelta stand Tawadrous seitdem Metropolit Bakhomios (76) zur Seite.
   Seit dem Tod Schenudas III. gehörte Tawadrous zum Mitarbeiterstab des Interims-Kirchenleiters Pachomios. Medienberichten zufolge steht er für eine positive Haltung gegenüber dem Islam, auch angesichts der derzeitigen Regierung der Muslimbruderschaft. Wie viele Ägypter wünscht er eine offene Gesellschaft mit Frieden zwischen den Religionen. RVmc121104kna

Der Papst schreibt dem neugewählten Papst
   In den Herausforderungen der Gegenwart ist es für alle Christen wichtig, gemeinsam Zeugen der Liebe und Ge- meinschaft Gottes zu sein. Das schreibt Papst Benedikt XVI. an den neugewählten Patriarchen der koptisch-ortho- doxen Kirche, Tawadros II. Er sei froh über seine Wahl zum Papst von Alexandrien und Patriarchen auf dem Stuhl des Evangelisten Markus, so der Papst. Er danke Gott für die Fortschritte, die man gemeinsam in Sachen Ökumene geschafft habe, und er werde sich in Dialog und Gebet weiter für Solidarität und Versöhnung einsetzen.  RV121105

Tawadros II. will keinen Religions-Staat
   Der Papst der Kopten, Tawadros II., hat deutlich gemacht, dass er einen Religions-Staat in Ägypten nicht unterstützen wird. „Eine Verfassung, die aus Ägypten einen religiösen Staat macht, werde ich ablehnen“, so Tawadros wörtlich. Dies berichteten zwei Tage nach seiner Wahl übereinstimmend mehrere ägyptische Medien. Es könne keinen Staat geben, der nur der muslimischen Mehrheit gerecht werde, so Tawadros. Die Schönheit Ägyptens bestehe auch in einer Vielfalt und dem Nebeneinander von Christen und Muslimen. Im Gespräch mit einem koptischen Fernsehsender sagte der Nachfolger des Evangelisten Markus:
   „Ich habe viele Wünsche für Ägypten: zuallererst, dass die volle Sicherheit auf den Straßen wiederhergestellt wird. Mein zweiter Wunsch ist, dass es der ägyptischen Wirtschaft gelingen möge, wieder auf die Füße zu kommen, denn unser Land ist derzeit vom wirtschaftlichen Zusammenbruch bedroht. Und mein dritter Wunsch ist der des sozialen Friedens in einem Staat, der von seiner Verfassung her geeint, säkular und modern sein sollte.“
   Die ägyptische Verfassung wird gerade neu formuliert; das entsprechende Gremium wird von Islamisten dominiert. Erste Vorab-Veröffentlichungen aus dem Verfassungsentwurf nähren die Befürchtung, dass Ägypten einen Schritt zum islamischen Staat hin machen soll. Etwa zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung sind Kopten. Ihr neues Oberhaupt forderte sie auf, das Land nicht zu verlassen – schon in der Vergangenheit hätten sie „immer neben den Muslimen gelebt“. „Unsere Herzen sind offen. Wir wollen den Muslimen mit Respekt begegnen und weiterhin versuchen, friedlich zusammen zu leben – trotz der Attentate, die unseren Weg der Versöhnung gefährden“, so Tawadros. Der designierte Patriarch von Alexandria macht deutlich, dass er sich in öffentlichen Belangen zu Wort melden wird.
   „Dem ägyptischen Volk sage ich: Der Papst der koptischen Kirche ist nicht nur ein Vater für die Christen. Der Papst der ägyptischen Kirche ist ein Vater für alle Ägypter. Und darum habe ich ein offenes Herz für jeden, der in Ägypten lebt, und ich sehe mich selbst als Diener jedes Menschen auf ägyptischem Boden.“  RVascaANSA121106

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Geschichte und Hoffnungen: Die Trennung von West- und Ostkirche. Viele fragen sich:
Seit wann und warum sind West- und Ostkirche getrennt?  Was behindert die Wiedervereinigung?

    Eine Wurzel der Trennung zwischen “Lateinern” und “Griechen” gründet in einem Streit über die Zufügung des “filioque” im Glaubensbekenntnis im Jahre 867. Der Westen hatte damals unter Karl dem Großen auf einem Provinz-  Konzil in Toledo in das Allgemeine Glaubensbekenntnis von Nizäa “der Heilige Geist geht vom Vater aus” einseitig hinzugefügt:und vom Sohn. Dies geschah ohne Anrufung eines Allgemeinen Konzils, und auch ohne Rücksprache mit dem Osten. Das erregte Anstoß. Der Westen aber hatte dieses “filioque” mit guten Gründen eingefügt: Gegen die Arianer sollte so die Gottessohnschaft Christi verteidigt werden. Der Osten aber behauptete, dieser Zusatz im Credo untergrabe ihr Verständnis von Gott, dem Vater, als Ursache und Quelle von allem: die Zeugung des Sohnes vor aller Zeit und auch die Geistsendung durch den Vater.
   Die Gemeinschaft der West- und Ostkirche wurde kurzfristig wieder hergestellt, aber schon 1014 brachen beide Teile auseinander, als Rom das “filioque” in das Glaubensbekenntnis aufnahm. Die Unterhandlungen gerieten 1054 zu einem Desaster. Der jähzornige päpstliche Legat Kardinal Humbert und der unversöhnliche byzantinische Patriarch Michael Cerularius exkommunizierten einander. Die Kirchentrennung wurde 1204 betoniert, als ein west- europäischen Kreuzzug statt nach Jerusalem nach Konstantinopel zog. Die Kaiserstadt und seine jahrtausendalten Schätze der Christenheit wurden geplündert. Die Kreuzfahrer beraubten die Kirchen, zerstörten die Ikonen, zertraten in den Straßen das heilige Sakrament (weil sie meinten, es sei ungültig wegen der Verwendung von gesäuertem Brot) und zahlreiche Reliquien der Heiligen wurden gestohlen. Das Kreuzzugsheer setzte den Byzantinischen Kaiser und auch den Griechischen Patriarchen ab. Papst Innozenz III. bestätigte die Einsetzung des Bischofs Thomas Morosini zum Patriarchen von Konstantinopel.
   Als die Lateiner auch noch eigene Patriarchen in Antiochien und Jerusalem einsetzten, wurde den Griechen mit Schrecken der Anspruch des Papstes über die universale Kirche klar. Daher wählten sie ihren eigenen Patriarchen in Nizäa im Jahre 1208. Dieser wurde anerkannt von der Ostkirche in Griechenland, Bulgarien, Serbien und den Kiewer Rus. Vielleicht könnten wir heute alle dem Glaubenssatz zustimmen, dass der Heilige Geist “vom Vater durch den Sohn ausgeht”. Aber die damals vollzogene Trennung hält an.
Die päpstliche Jurisdiktion
   Viele orthodoxe Christen würden einen Ehrenprimat des römischen Papstes als “Erster unter Gleichen” primus inter pares annehmen. Jedoch erscheint den Ostkirchen der römische Primat, wie eine Monarchie, die nicht zum Auftrag der Kirche gehöre. So habe Rom “sich selbst von uns durch seinen Stolz getrennt. Wie sollen wir von Rom Entscheidungen annehmen, die ohne Konsultation mit uns zustande gekommen sind und uns oft auch nicht mitgeteilt wurden.”
   Andererseits: Wenn der Papst als Nachfolger des Heiligen Petrus, den Auftrag hat, die Lehreinheit in Glaube und Moral zu erhalten, welche Macht muss er dann notwendigerweise besitzen, um diese Pflicht zu erfüllen? Johannes Paul II. sprach vom Papstamt als barmherzigen Dienst, die Kirchen aus bitterer Isolation zur universalen weltweiten Gemeinschaft zu rufen. Der Ehrentitel des Papstes “Diener der Diener Gottes” ist signifikant für seinen Dienst an der Einheit. 
Lehrunterschiede
   Die Ostkirche verwendet gesäuertes Brot, die katholische Kirche ungesäuertes Brot für die Eucharistie. Aber heute ist es uns möglich, beide alten Traditionen zu achten. 
   Die Griechen beten für die Toten, aber ihre Auffassung von Fegefeuer und Reinigung ist nicht präzise festgelegt. Auf dem Konzil von Florenz (1439) akzeptierten die griechischen Theologen den Gedanken von der “reinigenden Strafe”, aber grundsätzlich halten sie sich zurück von verbindlichen Glaubensaussagen auf diesem Gebiet.
   Die katholischen Christen haben einige Schwierigkeiten mit der Praxis der Frömmigkeit in der Orthodoxie. Die Theologie eines Gregor Palams lehrt, dass christliche Aszese und Spiritualität zum Schauen des “ungeschaffenen Lichts” Gottes führen kann. Der Westen spricht dagegen mehr von der Heiligung und der Erfahrung der geschaffenen Gnade Gottes, nicht so sehr vom göttlichen Wesen.
   Trotz der tiefen Verehrung der immer-jungfräulichen Mutter Gottes lehnt die Orthodoxie die “Unbefleckte Empfängnis” Mariens ab, seit sie von Rom zum Dogma erhoben wurde.
Sakramente
   Die Orthodoxie kennt vier Hochfeste im Jahr mit strenger Vorbereitung auf die heilige Eucharistie. Die heilige Kommunion wird stets unter beiden Gestalten mit einem Kommunionlöffel gereicht. Die Partikel der Eucharistie -  die wie würfelförmiges Weißbrot aussehen, werden mit Ehrfurcht in das kostbare Blut gegeben. Fast die ganze Liturgie wird gesungen, nicht gesprochen. Es gibt keine Instrumentalmusik: alle singen a capella.
   Der orthodoxe Klerus ist in der Regel verheiratet: aber ihre Mönche und Bischöfe leben im Zölibat.
   Bei der Trauung spendet der Priester das Ehesakrament unter dem Zeichen der Krönung. Orthodoxen ist nach einer Scheidung und einer Zeit der Buße eine zweite Trauung erlaubt – die aber nicht auf der gleichen Stufe wie die erste steht. 
   Grundsätzlich betrachtet die orthodoxe Kirche den katholischen Westen als zu rational mit zu starkem Vertrauen auf die menschliche Vernunft und in ihrem Verlangen alles und jedes in präzise Dogmen zu gießen. Sie misstrauen einer Denzinger-Theologie (Sammlung aller päpstlichen Entscheidungen und Konzilsbeschlüsse). Der Osten zieht es vor zu sagen: “Dies ist ein Geheimnis, ein Mysterium. Glaube es und bete es an! Warum willst du die Großtaten Gottes analysieren und bewerten?” Die Göttliche Liturgie ist mehr als die Universitätstheologie Offenbarung der göttlichen Gnade.
   Der Osten muss aber auch die unterschiedliche Geschichte des Westens achten. Während die katholische Kirche durch die protestantische Reformation und die rationalistische Aufklärung gezwungen wurde, ihren Glauben schärfer zu präzisieren, versuchten die Ostchristen unter der islamischen Herrschaft der Ottomanen, unter den russischen Zaren und ihren Nachfolgern, den kommunistischen Apparatschiks, ihren Glauben zu bewahren. Keines dieser Regime bot Raum für christliche Theologie oder freies Denken. Im Zarenreich wurde erst 1864 die Leibeigenschaft aufgehoben. Die katholische Kirche des Westens breitete sich kraftvoll in der neuen Welt aus; das war eine einzigartige Herausforderung, und der Westen wurde viel früher mit der Industrierevolution und der modernen Wissenschaft konfrontiert. Der Westen aber – geschüttelt vom Sturm des Modernismus und Relativismus – wird bereichert von der feinsinnigen himmlischen Liturgie und dem Glauben des Ostens. Die orthodoxe Liturgie gewinnt ihre Kraft von den Kirchenvätern und griechischen Mönchen aus sechzehn Jahrhunderten. Sie ist poetischer und ausdrucksstärker als die klare lateinische Liturgie. Aus heutiger Sicht darf man sagen: Der Osten braucht den Westen und der Westen den Osten.
Nationalismus
   Im byzantinischen Reich waren Kirche und Staat eng miteinander verbunden und bildeten eine vollkommene christliche Gemeinschaft auf Erden. Sowohl der Kaiser wie auch der Patriarch waren Repräsentanten Gottes. Die Bischöfe erklärten und lehrten den Glauben, der Kaiser schützte die Kirche, und griff oft in die Verwaltung der Kirche ein. Als jedoch Konstantinopel von den Türken eingenommen wurde (1453) stärkten die Sultane antiwestliche Gefühle. Sie verhinderten die Heilung der alten antikatholischen Belastungen. Die nationalen orthodoxen Kirchen von Bulgarien, Serbien und Moskau gewannen ihre Unabhängigkeit. Die russische Kirche wurde vollkommen dem Zar und seinen Zielen untergeordnet. Darin lag die Gefahr eines übertriebenen Nationalismus. Die Betonung der Volkszugehörigkeit stärkte die zentrifugalen Kräfte und verdrängte den Gedanken an die weltweite Christenheit. 1872 verurteilte die Synode von Konstantinopel diesen “Phyletismus” – den nationalen oder ethnischen Vorrang in der Kirche. Heute stehen in Nordamerika verschiedenen ethnische orthodoxe Kirchen in Konkurrenz: Griechen, Russen, Ukrainer, Serben. Eine Einheit oder auch nur eine gemeinsame englische Liturgie ist schwerlich zu finden.
Versuchungen in unserer Zeit
   Die größte orthodoxe Kirche – das Moskauer Patriarchat – verhält sich extrem kritisch gegen das “Uniatemtum” – wie die katholischen Riten, besonders der Ukrainer, die in der Einheit mit Rom, aber in byzantinischer Tradition stehen, genannt werden. Moskau sieht in diesen Christen Verräter der Orthodoxie. Eine andere große Gruppe sind die rumänischen Katholiken nach griechischem Ritus.
   Als “Brücken-Kirchen” zwischen Ost und West beweisen die Ukrainer und Rumänen, dass die orthodoxe Tradition mit dem katholischen Rom verbunden werden kann. Gerade das aber verstehen die Orthodoxen als eine sehr un- willkommene Drohung. Sie möchten um jeden Preis ihre nationale Unabhängigkeit bewahren. Die Putins, Lukaschenkos und Milosevics dieser Welt sind nur allzu glücklich darüber, ihre nationalen Kirchen frei von rivalisierenden fremden Einflüssen zu halten.
   Die katholisch-orthodoxe Einheit scheint heute nicht denkbar ohne nationale orthodoxe Kirchen, jede mit einem eigenen Patriarchen und Bischöfen und Heiligen Synoden, jedoch bestätigt durch und in der der katholischen Union mit Rom. Das führt uns zur Frage der römischen Jurisdiktion: Darf der Papst intervenieren, wenn die Hierarchie der Ortskirche gespalten ist, oder eine Irrlehre um sich greift? Aber wie denn sonst könnte der Papst die Einheit des Leibes Christi bewahren? Die Orthodoxie betrachtet ein pan-orthodoxes oder ökumenisches Konzil als höchste Autorität. Dies lässt die Frage unbeantwortet, wer denn die entscheidende Stimme hat, wenn ein Konzil nicht zu einer Entscheidung kommt? Wer trägt Verantwortung für die internationalen Tages-Entscheidungen in dem zwischen den Konzilien liegendem Jahrhundert? Die Herausforderung liegt darin, eine gesunde Balance zwischen einem zentralistischen Papsttum und einer zentrifugalen Auflösung der Kirche in nationale Einheiten zu finden. 
Fr.FrancisMarsenCT061203

Papst Benedikt XVI. und Patriarch Bartholomaios I.wollen Einheit der katholischen und orthodoxen Kirche

    Der gemeinsame Gottesdienst mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I.,  in der Moscheen-Metropole am Hochfest des Apostels Andreas, des Orthodoxen-Heiligen, war der eigentliche Grund der päpstlichen Visite in der Türkei. Papst und Patriarch erinnerten ausdrücklich im Hinblick auf die EU-Verhandlungen in einer gemeinsamen Erklärung an “die unveräußerlichen Rechte der menschlichen Person, insbesondere die Religionsfreiheit, die der Beweis und Garant des Respekts vor jeder anderen Freiheit ist”. Sie forderten weiter, dass “die Minderheiten, ihre kulturellen Traditionen und ihre religiösen Besonderheiten geschützt werden sollten”.
   Aber der Patriarch selbst ist auch für den Papst eine Mahnung, die Einheit der Christen weiter voranzubringen. Tröstlich ist, dass aus der Feindschaft von Jahrhunderten zwischen lateinisch-westlichen Katholiken und orientalisch- orthodoxen Christen in wenigen Jahrzehnten seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) wachsendes Verständnis geworden ist. Benedikt und Bartholomaios haben in Freundschaft Gemeinsames demonstriert. Der theologisch versierte Papst hat zudem zur Deutung seines römischen Primats für die Nicht-Katholiken den Begriff von der “universalen Verantwortlichkeit” des Bischofs von Rom in die christliche Glaubenswelt gesetzt. Darauf werden die Orthodoxen und andere Christen Antwort geben müssen, wenn es ihnen mit der Einheit ernst ist.
Heinz-JoachimFischerFAZ061204.

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Katholisch-orthodoxe Dialogkommission
 Foto links: Benedikt XVI. mit Metropolit Ioannis Zizioulas von Pergamon 
Foto rechts: Benedikt XVI. mit Kardinal Walter Kasper

   Die zehnte Vollversammlung der Internationalen Theologischen Dialogkommission von katholischer Kirche und orthodoxen Kirchen tagte in Ravenna. Im Mittelpunkt der Beratungen standen Fragen des Kirchenverständnisses. Dabei soll es etwa um das hierarchische und das synodale Prinzip in den Kirchen gehen, um die Rolle des Bischofs und die Bedeutung des Bischofs-Kollegiums - und damit letztlich auch um die strittige Frage nach dem Petrusamt, der obersten Kirchenleitung in einer Person.
  An der Konferenz nahmen je  30  Vertreter der katholischen und nahezu aller orthodoxen Kirchen teil. Leiter der Dialogkommission sind gemeinsam Metropolit Ioannis Zizioulas von Pergamon Foto links und Kurienkardinal Walter Kasper Foto rechts. Der 1979 offiziell eröffnete Dialog zwischen Vatikan und Orthodoxie war nach anfänglichen Erfolgen rasch in eine Krise geraten. Nach einer Begegnung im Jahr 2000 im nordamerikanischen Baltimore wurden die Treffen vorübergehend ausgesetzt und erst im Jahr 2006 mit einer Konferenz in Belgrad wieder aufgenommen. Damals würdigte der vatikanische Ökumene-Minister Kardinal Kasper die „brüderliche, positive und konstruktive Atmosphäre” des Dialogs über die „Kirche als Gemeinschaft”. Strittige Fragen wie das Problem des Uniatismus - der mit Rom verbundenen Ostkirchen - seien in Belgrad ausgeklammert worden, so Kasper im September 2006. DTkna071009
Der Vatikan zieht eine positive Bilanz des katholisch-orthodoxen Dialogs. Russische Delegation sorgt für Eklat
  Der vatikanische Ökumene-Rat zieht eine positive Bilanz der jüngsten katholisch-orthodoxen Theologen- gespräche in Ravenna. Nach dem Thema Kirchenverständnis werde man nun auch die Frage nach dem Papsttum angehen, sagte der Untersekretär des von Kardinal Walter Kasper geführten Rates für die Einheit der Christen, Eleuterio Fortino, in Radio Vatikan. Das nächste Treffen im Herbst 2009 werde sich um die Rolle des Bischofs von Rom im ersten Jahrtausend drehen. In der Zwischenzeit wollten zwei Unterkommissionen Studien zu dem Thema erarbeiten. In Ravenna diskutierten katholische und orthodoxe Experten der Gemeinsamen Kommission für den theologischen Dialog unter Leitung von Kasper und dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Ioannis Zizioulas über dogmatische und kirchenrechtliche Aspekte des Kirchenverständnisses.  Das einwöchige Treffen in der Adriastadt war die 10. Vollversammlung der Kommission.
   Fortino bedauerte die vorzeitige Abreise der russisch-orthodoxen Delegation, die für einen Eklat gesorgt hatte. Spannungen innerhalb der Orthodoxie hätten auch Einfluss auf den katholisch-orthodoxen Dialog. Die beiden Gesandten des Moskauer Patriarchats hätten sich aus den gemeinsamen Gesprächen zurückgezogen, um nach eigenem Bekunden nicht eine De-facto-Anerkennung der estnischen apostolischen Kirche zu leisten, sagte Fortino. Seit 1996 bestehen nebeneinander eine dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel unterstehende estnisch-apostolische Metropolie und eine zu Moskau gehörende Metropolie von Tallinin. Estnisch-orthodoxe Gemeinden begaben sich damals unter die Jurisdiktion von Konstantinopel, was im russischen Patriarchat Empörung hervorrief.  DTkna071017 
Benedikt XVI. bekennt sich zur Ökumene
   Der Präsident des vatikanischen „Rats für die Einheit der Christen”, der deutsche Kurienkardinal Kasper, legte den Kardinälen eine detaillierte aktuelle Bestandsaufnahme der ökumenischen Entwicklungen vor, „Informationen, Reflexionen und Bewertungen des ökumenischen Dialogs”, wie es offiziell hieß. Als besonderen Fortschritt im Verhältnis zu den orthodoxen Kirchen - mit dem offenen Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel in Istanbul und dem auf Eigenständigkeit bedachten Moskauer Patriarchat - bezeichnete Kardinal Kasper das „Dokument von Ravenna” vom 13. Oktober 2007. Dieses Dokument behandelte besonders im Blick auf die Kirchen des Orients die „ekklesiologischen und kanonischen Folgen des sakramentalen Wesens der Kirche, die kirchliche Gemeinschaft, Konziliarität und Synodalität”. In Ravenna hätten katholische und orthodoxe Kirchenführer Einvernehmen darüber erzielt, dass dem Papst als Bischof von Rom in jedem Fall ein „Primat”, ein erster Rang unter Patriarchen und Bischöfen einer einen Kirche, zukomme, hieß es. Danach konnten die Kardinäle im Plenum ihre Meinung äußern, so hatte es Benedikt gewünscht.

   Ioannis Zizioulas, Metropolit von Pergamon, Mitglied des Synods des Ökumenischen Patriarchats Konstantinopel sieht die schwierige Frage des Primats, in der Katholiken und Orthodoxe noch immer geteilt sind, mit objektiven Augen. Er war es auch, der die Delegation aus Konstantinopel leitete, die nach Rom gekommen war, um dem neuen Bischof der Ewigen Stadt zum Hochfest Peter und Paul Ehre zu erweisen.
    Zizioulas, einer der bedeutenden Theologie-Experten unter den Orthodoxen, wird für die orthodoxe Seite als Co-Präsident der internationalen Kommission des Dialogs zwischen katholischer und orthodoxer Kirche fungieren. „Die Katholiken müssen den vom II. Vatikanischen Konzil betonten Begriff der vollen Katholizität der Ortskirche ernst nehmen und auf ihre Ekklesiologie anwenden,” betont Ioannis Zizioulas in einem Interview mit der Zeitschrift “Trenta Giorni”, das wir hier leicht gekürzt wiedergeben.

Das Problem des Primats steht zweifelsohne im Mittelpunkt der Beziehungen zwischen römisch- katholischen und orthodoxen Gläubigen. Die orthodoxe Theologie ist in dieser Frage nicht monolithisch. Können Sie einige grundlegende Kriterien beschreiben, in denen die Meinungen der orthodoxen Theologen auseinandergehen?
  Es gibt einige orthodoxe Theologen (in der Vergangenheit waren sie in der Mehrheit), die sagen, dass der Anspruch des Papstes hinsichtlich seines Primats jeden dogmatischen Inhalts entbehre, weshalb er auch relativiert werden könne. Für sie hat der Primat mit dem Kirchenrecht zu tun, betrifft nicht den Glauben. Sie sehen keine Verbindung zwischen dem Primat und dem Wesen der Kirche. 
Und die andere Gruppe?
  Einige orthodoxe Theologen sind der Meinung, dass der Primat wesentlich zur Kirche gehört und nicht nur kirchenrechtlich gesehen werden kann. Sie sind sich dessen bewusst, dass ein Verzicht auf den Primat unweigerlich bedeutet, dass man etwas Wesentliches unseres Glaubens einbüßt. Das zeigt, dass das Thema des Primats nicht nur ein Problem ist im Bezug auf den Anspruch des Bischofs von Rom, sondern auch im Innern der orthodoxen Kirche selbst.
Können Sie uns ein Beispiel dafür geben, wie die erste Gruppe argumentiert?
   Einer der großen orthodoxen Theologen, der verstorbene Professor Ioannis Karmiris, hat geschrieben: „Aufgrund der politischen Bedeutung Roms und der Apostolizität dieser Kirche, wie auch wegen des Martyriums, das die Apostel Petrus und Paulus hier erlitten haben, aufgrund ihrer herausragenden Werke der Nächstenliebe, des Dienstes und der Mission, wurde dem Bischof von Rom von den Konzilien, den Vätern und den frommen Kaisern – von Instanzen menschlicher und nicht göttlicher Ordnung also – ein einfacher Ehren- und Rangprimat verliehen, als Erstem unter ebenbürtigen Präsidenten der Teilkirchen.” Somit ist die derzeitige Primatstruktur lediglich auf menschliche, vergängliche Faktoren zurückzuführen. Das heißt, dass die Kirche zwar ohne den Primat, nicht aber ohne die Bischöfe oder die Synoden existieren könnte, die ja schließlich Realitäten göttlichen Rechts sind und daher für die Kirche wesentlich seien.
Die orthodoxen Theologen sprechen oft von „Ehren- und Rangprimat”. Was bedeutet das?
   Wenn man von „Ehrenprimat” spricht, will man das Recht des Primatsinhabers der Jurisdiktion über die anderen Bischöfe ausschließen. Es handelt sich allerdings um eine recht zweideutige Formulierung. Einen „einfachen Ehrenprimat” gibt es nämlich nicht einmal in der orthodoxen Kirche.
Warum?
   In der orthodoxen Kirche kann beispielsweise in Abwesenheit des Patriarchen oder während einer Sedisvakanz keine Bischofswahl erfolgen und auch keine kanonische Maßnahme ergriffen werden. Wie kann man also den Primat des Patriarchen einfach nur als Ehre beschreiben?
Hat diese Formulierung andere Bedeutungen?
   Der Ausdruck „einfacher Ehrenprimat” wird gebraucht, um den Umstand zu unterstreichen, dass alle Bischöfe, vom Papst bis zu den Patriarchen, bis hin zum letzten Bischof, vom Blickpunkt des Weiheamtes her (hieratikós) gleich sind.
Das ist jedoch sowohl für die Orthodoxen als auch für die römisch-katholischen Gläubigen ein traditionelles Prinzip ...
   Allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: die römisch-katholischen Gläubigen beziehen diese Gleichheit nur auf die Ebene der sakramentalen Gnade, was nicht automatisch die Ausübung der Jurisdiktion mit sich bringt – die Orthodoxen dagegen treffen keine derartige Unterscheidung.
Halten Sie diese Ideen für korrekt?
  Diese Positionen scheinen gewissen, in der orthodoxen Tradition vorhandenen Fakten, Fakten des Glaubens, nicht Rechnung zu tragen: dem einfachen und offensichtlichen Faktum, dass es ohne Primat keine Synodalität geben kann. In der orthodoxen Tradition hat es niemals einen Synod oder ein Konzil ohne einen protos, also einen primus, gegeben – und das wird es auch nie geben. Und schließlich muss, wenn die Synodalität göttlichen Rechts ist, das mit derselben Berechtigung auch der Primat sein.
Hat schon ein orthodoxer Theologe versucht, diesen Widerspruch aufzulösen?
  Alivisatos zum Beispiel ist der Meinung, dass es keines fixen protos bedarf; der Primat kann turnusmäßig ausgeübt werden. Ich halte das für wenig überzeugend: der Primat in der Kirche wurde nie turnusmäßig ausgeübt. Er ist an ein besonderes Amt, einen besonderen Dienst und eine besondere Person gebunden. Und wenn wir die Anwendung des Turnus gleichermaßen auch auf das Innere einer jeden autokefalen Kirche ausdehnen würden, würde das die Abschaffung der Ämter des Patriarchen und Metropoliten als persönliche und permanente Ämter bedeuten.
Andere orthodoxe Theologen berufen sich in ihrer Ablehnung des Primats auf die Demokratie ...
   Karmiris bezieht sich beispielsweise auf die Demokratie als Merkmal der orthodoxen Kirche. Er identifiziert die orthodoxe Position ausdrücklich mit der des westlichen Konziliarismus in dessen ablehnender Haltung dem Primat des Papstes gegenüber: es darf keinen Primat in der Kirche geben, weil die oberste Autorität, der wahre primus in der Kirche, das Konzil ist.
Um einen Ausweg aufzuzeigen, haben Sie bekräftigt, dass es in der Zeit vor und nach dem II. Vatikanischen Konzil neue Perspektiven gegeben hat. Warum?
   Das Problem, das bereits in der langen Periode vor dem Konzil die Debatte anheizte, als so herausragende Persönlichkeiten wie Congar, Rahner, Ratzinger, de Lubac und andere der Theologie des II. Vatikanischen Konzils den Weg ebneten, war, ob die Fülle der Kirche, ihre Katholizität, mit ihrer universalen Struktur zusammenfällt oder nicht.
Und in dieser Frage orientierten sich die Konzilsväter an der Orthodoxie ...
   Hauptsächlich an der sogenannten „eucharistischen Ekklesiologie” des russischen Theologen Nikolai Afanassieff, der das Axiom „wo die Eucharistie ist, ist die Kirche” formulierte. Was bedeutet, dass jede Ortskirche, in der die Eucharistie gefeiert wird, als volle und katholische Kirche betrachtet werden müsse. Die römisch-katholischen Theologen waren von diesem Ansatz beeinflusst und folglich fand in den Dokumenten des Konzils auch eine Theologie der Ortskirche Niederschlag.
Die sich auch auf die Debatte um den Primat auswirkte ...
  Von orthodoxer Seite wurde die Debatte hauptsächlich von Theologen russischer Herkunft geführt, die anfänglich in Paris lebten und zum Teil später nach Amerika auswanderten. Vier davon – Afanassieff, Meyendorff, Schmemann und Koulomzine – stellten ein Gemeinschaftswerk mit dem Titel The Primacy of Peter in the Orthodox Church zusammen englische Ausgabe 1973. Sie gingen von folgender Frage aus: wenn eine jede Ortskirche eine „katholische” Kirche ist, warum muss man dann von einem universalen Primat oder von einer „universalen Kirche” sprechen?
Würden Sie diese Frage auch so beantworten?
  Nein. Afanassieff besteht beispielsweise darauf, dass die Kirche des Altertums bis zur Zeit Cyprians keine universale Ekklesiologie kannte. Auf dieser Linie behaupten einige orthodoxe Theologen, dass die universale Kirche nur ein Gelegenheits-Phänomen ist, das sich immer dann zeigt, wenn Bischöfe und Oberhäupter von Ortskirchen einander in den Konzilien begegnen. Wenn es keine Konzilien gäbe, gäbe es auch keine universale Kirche. Es gäbe dann nur Gemeinschaft im Glauben und sakramentale Gemeinschaft, ohne irgendeine strukturelle Konsequenz.
Und die anderen?
   Schmemann sieht das beispielsweise anders. Für ihn hat die Kirche einen universalen Primat göttlichen Rechts gekannt. „Der Primat”, schreibt er, „ist der notwendige Ausdruck der Einheit im Glauben und im Leben aller Ortskirchen.”
Und Meyendorff?
  Für ihn ist der Primat eine unausweichliche Notwendigkeit der Existenz der Kirche in der Welt. „Es hat keine Epoche gegeben,” schrieb er, „in der die Kirche nicht eine gewisse Rangordnung anerkannt hätte – vor allem unter den Aposteln und dann unter den Bischöfen –,  und in dieser Rangordnung ein Apostel, Petrus, und in der Folge ein Bischof, an der Spitze einer Teilkirche nicht den Rang des Primas eingenommen hätte.” Er wagte zu behaupten, dass „die Funktion dieses Bischofs die ist, auf weltweiter Ebene im Dienst der Einheit zu stehen, ebenso wie es die Funktion des Primas einer Region ist, auf regionaler Ebene als Einheitsfaktor zu fungieren.”
Wie stehen Sie persönlich dazu?
  Die Orthodoxen haben den universalen Primat in der Kirche sowohl aus nichttheologischen wie auch theologischen Gründen abgelehnt. Nach dem großen Schisma haben die Orthodoxen den Primat des Papstes als kirchlichen Imperialismus empfunden. Heute beurteilen die orthodoxen Theologen den Primat gemeinhin als unvereinbar mit dem demokratischen Gedankengut der modernen Gesellschaft, und lassen somit zu, dass nicht theologische Argumente in einer theologischen Frage den Ausschlag geben. Wir müssen uns jetzt aber fragen, ob das aus der Sicht der orthodoxen Ekklesiologie eine korrekte Anschauung ist.
Und in Zukunft?
   Vor allem müssen wir unsere Tradition in Betracht ziehen. Wie ich bereits gesagt habe, hat es in der orthodoxen Kirche niemals Synoden ohne Primasse gegeben, und das zeigt klar und deutlich, dass wenn die Synodalität eine dogmatische Notwendigkeit ist, das auch für den Primat gelten muss. Wie auch der bekannte Apostelkanon unter Nr. 34 ausdrücklich festlegt...
Inwiefern?
   Dieser Kanon aus dem 4. Jahrhundert kann die goldene Regel der Primatstheologie abstecken. Er legt fest, dass der protos eine unaufgebbare Bedingung conditio sine qua non für die synodale Institution ist und dass der Synod wiederum eine Voraussetzung für die Ausübung des Primats ist.
   Der Umstand, dass die Synoden einen Primas haben zeigt, dass auch die ökumenischen Synoden einen primus haben müssten. Das bedeutet unweigerlich den universalen Primat. Auf dieser Grundlage könnte die orthodoxe Theologie bereit sein, den Primat auf allen Ebenen der kirchlichen Struktur zu akzeptieren, einschließlich der universalen. Das Problem, das im Kontext des theologischen Dialogs zwischen römisch-katholischen und orthodoxen Gläubigen weiterhin offen bleibt, ist, an welche Art Primat man dabei denkt.
Welche Art Primat  muss im Namen einer Aussöhnung in dieser entscheidenden Frage ausgeschlossen werden?
  Die Orthodoxen können keine pyramidale Ekklesiologie akzeptieren, bei der der Inhaber des universalen Primats nicht im Dienst der Ortskirchen steht, sondern diese unterwirft. Der universale Primat kann nur im Bezug auf jene gelten, die die synodale Gemeinschaft ausmachen, niemals aber isoliert, also außerhalb einer Realität der Communio.
Warum ist es so wichtig, dass alle Primate (universaler eingeschlossen) vom Primas als Oberhaupt einer Ortskirche ausgeübt werden müssen?
    Der Primat ist keine legalistische Vorstellung, die bedeutet, dass ein bestimmtes Individuum mit Macht ausgestattet wird, sondern eine Form der diakonia. Was auch bedeutet, dass dieses Amt die gesamte Gemeinschaft erreicht dank der Communio der Ortskirchen, die durch die das Konzil oder den Synod bildenden Bischöfe manifestiert wird. Aus diesem Grund soll der Primas auch das Oberhaupt einer Ortskirche sein, ein Bischof also. Als Oberhaupt einer Ortskirche, und nicht als Individuum, dient er der Einheit der Kirche als eine Gemeinschaft koinonia von vollkommen konstituierten Kirchen, und nicht als eine Art Kollage unvollständiger Teile einer universalen Kirche. Auf diese Weise wird die Integrität keiner Ortskirche vom Primat untergraben.
Wie kann Ihrer Meinung nach also ein realistisches Terrain für etwaige gemeinsame Antworten auf diese noch offenen Fragen aussehen?
   Für die zukünftige Entwicklung des Dialogs zu diesem Thema ist es überaus wichtig, dass die Orthodoxen anerkennen, dass der Primat Teil des Wesens der Kirche ist und keine Frage der Organisation. Sie müssten auch anerkennen, dass es einen Primat auf universaler Ebene geben muss. Das ist in diesem Moment sehr schwer, aber es wäre sehr viel einfacher, wenn wir eingehender über die Natur der Kirche nachdenken würden. Die Kirche kann nicht Ortskirche sein, wenn sie nicht universale Kirche ist, und sie kann nicht universale Kirche sein, wenn sie nicht Ortskirche ist.
Und auf katholischer Seite? Was kann dort dem Dialog hilfreich sein?
  Die Katholiken müssen dem beim II. Vatikanischen Konzil betonten Begriff der vollen Katholizität der Ortskirche Rechnung tragen und auf ihre Ekklesiologie anwenden. Das bedeutet, dass jede Form von Primat auf universaler Ebene die Ortskirche wiederspiegeln muss und keinerlei Einmischung in die Ortskirche ohne Zustimmung derselben erfolgen darf. Jede Ortskirche muss die Möglichkeit haben, ihre Katholizität im Bezug auf den Primat zu bekräftigen. Daher wiederhole ich, dass die  goldene Regel für die korrekte Ausübung des Primats der Apostelkanon, Nr. 34, ist.
Wie ist eine Wiederannäherung auf der Grundlage einer neuen theologischen These möglich?
   Die Anerkennung des römischen Primats wird von der Tatsache abhängen, dass man sich darüber einig ist, dass die Kirche aus vollkommen konstituierten Ortskirchen besteht, vereint in einer einzigen Kirche, ohne ihre kirchliche Fülle einzubüßen. Aber das ist keine theologische „Innovation”. Pater Congar glaubte, dass der Primat des Papstes, trotz der monarchischen Tendenzen, die damals vorherrschten, auch im Westen bis ca. zum 16. Jahrhundert im Innern einer Communio-Ekklesiologie ausgeübt wurde, als das Papsttum im gesamten Westen einfach den monarchischen Primat aufzwang. Wenn dem so ist, dann ist die Rückkehr zu einer solchen Communio-Ekklesiologie gar kein so unrealistischer Ansatz.
Eine letzte Frage. Sie haben Kardinal Ratzinger – Papst Benedikt XVI. – kennengelernt. Wie wird der Papst diese Probleme Ihrer Meinung nach angehen?
  Ich hatte die Ehre und das Privileg, den damaligen Kardinal Ratzinger Anfang der Achtzigerjahre kennenzulernen, als wir Mitglieder der internationalen Kommission für den offiziellen theologischen Dialog zwischen Römisch- Katholischen und Orthodoxen waren. Er ist ein großer Theologe und ein Experte in Sachen Ekklesiologie, der westlichen wie der östlichen. In seiner Eigenschaft als Papst kann er sicherlich entscheidend auf eine Konvergenz zwischen Römisch-Katholischen und Orthodoxen im Verständnis von Primat einwirken. In der Vergangenheit hat er wichtige Anregungen für die Lösung dieses Problems gegeben. Es mag providentiell erscheinen, dass in diesem entscheidenden Moment der Debatte über dieses Thema gerade er Papst ist.  TrentaGiorni07100

ök-105-MetropJohannesZizioulasPergamon-ZZ

Kardinal Marx würdigt Zizioulas als „großen Brückenbauer“
Der Metropolit von Pergamon, hier mit Kardinal Turkson bei der Vorstellung der Papstenzyklika Laudato

   Kardinal Reinhard Marx hat den orthodoxen Metropoliten Johannes Zizioulas als „großen Brückenbauer zwischen unseren beiden Kirchen“ bezeichnet. Für Marx sei Zizioulas „stets ein Garant für die Kontinuität und den Willen“ gewesen, „weiter zur sichtbaren Einheit voranzuschreiten“. Dies sagte er im Rahmen der Verleihung der Ehrendoktorwürde an den Metropoliten und des 20-jährigen Bestehens der Orthodoxen Ausbildungseinrichtung an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Für den ökumenischen Dialog brauche es laut Marx junge Theologen und Seelsorger, die „ihre eigenen Wurzeln und Traditionen kennen und diese vor den ‚Zeichen der Zeit‘ im Licht des Evangeliums fruchtbar machen können“. Rv151104ma

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