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Ordensschwestern

Sie lesen auf dieser Seite:
1. Papst Franziskus begrüßt Ordensschwestern im Jahr des Geweihten Lebens
2.  Benedikt XVI. vor Ordensschwestern auf dem Weltjugendtag in Madrid
3. Warum Frauen in Wales und England scharenweise ins Kloster eintreten
4. Missionsbenediktinerin in Tutzing
5. Witwen werden Nonnen - ein neuer geistlicher Trend
6. “Iesu Communio” - Eine neu gegründete Schwesterngemeinschaft hat bereits 177 Mitglieder
7. Das Kinderheim der Franziskanierinnen aus Thuine (Emsland) mach dem Erdbeben in Ichinoseki (Japan)
8. Sr. Jordana auf dem Katholikentag in Osnabrück
9. Sr. Bernadetta und ihr Babyklappe
10. Sr. Veronika in Hamburg: den Körper und die Seele pflegen
11. Sr. Clemensa Hamburg St.Pauli: eine warme Stube für den Kiez
12. Gäste im Kloster auf Finkenwerder: eine Karmel-Zelle auf der Elbinsel
13. Mauritzschwestern im Lager Esterwegen
14. Mobile Hilfe in Hamburg mit Liebfrauenschwester Petra Schulte
15. Sr. Lucilla sorgt dafür, dass sich die Gäste heimisch und geborgen fühlen
16. Sr. Bernada wurde als TV-Köchin zum Star
167  Dritte Niederlassung der Domnikanerinnen in Deutschland: Kloster Lage-Rieste
18. ARD-Serie “Um Himmels willen” - und die Meinung von Dominikanerin Susanne Mader dazu
19. Einkleidung einer Dominikanerin: Joanna Maria Otto
20. Karmel von der Menschwerdeung: Wo nichts alles ist.
21. Ordensleben ist kein Paradies
22. Papst Franziskus: Orden sind Schätze der Kirche
23. Vesper mit Ordensleuten mit Papst Franziskus in der Kathedrale von Havanna
24. Kongress von 1.300 Männern und Frauen des geweihten Lebens protestieren gegen Christenverfolgungen

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Papst an Ordensleute: „Starres Einhalten der Regeln ist Egoismus"   Foto: Franziskus mit einer Ordensfrau

   Papst Franziskus hat junge Ordensleute vor „Starrheit“ im Leben ihrer Gemeinschaften gewarnt. Es gebe da die Versuchung, besonders auf die Einhaltung von Regeln zu pochen. „Die Observanz darf nicht starr sein: wenn sie starr ist, ist sie nicht Observanz, sondern persönlicher Egoismus“, erklärte Franziskus an Ordensleuten aus aller Welt, die er anlässlich des derzeit laufenden Ordensjahres in Audienz empfing. Er antwortete in freier Rede auf drei Fragen, die an ihn gerichtet wurden.
   Franziskus würdigte das Beispiel der heiligen Teresa von Avila. Sie sei eine „freie Frau“ gewesen, „so frei, dass sie vor die Inquisition musste“. Als Klausurnonne sei sie durch ganz Spanien gezogen und habe dort Klöster gegründet, ohne je die Fähigkeit zur Kontemplation zu verlieren. „Prophetie, Fähigkeit zu träumen, das ist das Gegenteil von Starrheit. Die Starren können nicht träumen!“, verdeutlichte Franziskus.
   Zugleich warnte der Papst die Ordensleute vor der Unaufrichtigkeit, die im Geschwätz und der üblen Nachrede liegen. „Werft niemals Bomben des Geschwätzes. Nie! Das ist die Pest des Gemeinschaftslebens! Und so wird der Ordensmann, die  Ordensfrau, die ihr Leben Gott geweiht haben, zum Terroristen oder zur Terroristin, weil sie in ihre Gemeinschaft eine zerstörerische Bombe werfen!“
   Auf die Frage nach dem rechten Weg der Evangelisierung antwortete Franziskus, das Herz müsse brennen. „Evangelisieren ist nicht bloß überzeugen: es ist be-zeugen, dass Christus lebt. Und wie bezeugst du das? Mit deinem Fleisch, mit deinem Leben. Du kannst noch so viel studieren und Kurse für Evangelisierung machen, und das ist ja auch gut, aber die Fähigkeit, die Herzen zu erwärmen, kommt nicht aus den Büchern, sondern aus deinem eigenen Herzen.“ Franziskus bedankte sich an dieser Stelle ausdrücklich bei Ordensfrauen – „entschuldigt, wenn ich jetzt ein wenig feministisch werde“, warf er ein: „Ihr habt diese Lust, immer nach vorn zu gehen. Warum? Weil ihr Mütter seid, weil ihr die Mütterlichkeit der Kirche habt.“
     Aus seiner eigenen Erfahrung als Erzbischof von Buenos Aires erzählte er, wie aus Südkorea stammende Schwestern in einem von alten argentinischen Ordensfrauen geführten Krankenhaus wahre Wunder wirkten, obwohl sie kein Wort Spanisch sprachen. „Das Zeugnis eines brennenden Herzens. Das ist die Mütterlichkeit der Schwestern. Bitte, verliert das nicht.“
   Den jungen Ordensleuten verriet Franziskus auch, er trage seit dieser Woche das Kreuz eines im Irak enthaupteten Priesters bei sich. Ein irakischer Geistlicher habe es ihm bei der Generalaudienz überreicht, berichtete Franziskus. Der Märtyrer habe das Kreuz in der Hand gehalten, als er ermordet wurde, weil er Christus nicht habe verleugnen wollen, so der Papst. Franziskus betonte, niemals in der Geschichte habe es mehr christliche Märtyrer gegeben als in der heutigen Zeit. rv150917gs

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4.000 nehmen am Geweihten-Treffen im Vatikan teil  Foto: Ukrainische Ordensfrauen

   Auch ein Treffen mit dem Papst steht auf dem Programm: Rund 4.000 junge Gläubige nehmen ab im Vatikan am internationalen Treffen der Geweihten teil. Organisiert wird die Begegnung von der Kongregation für das geweihte Leben. Papst Franziskus wird sie am Donnerstag zu einer Privataudienz treffen. Bei der Zusammenkunft in Rom geht es darum, Erfahrungen auszutauschen und auf die Schönheit des geweihten Lebens hinzuweisen. Das sagt der Sekretär der Geweihten-Kongregation, José Rodriguez Carballo, im Gespräch mit Radio Vatikan. „Ich würde vor allem einen Aspekt hervorheben: die Freiheit des Herzens. Wenn wir an das geweihte Leben denken, so kommen wohl als erstes der Gehorsam, die Keuschheit und die Armut in den Sinn. Wir wollen nun aufzeigen, dass diese drei Elemente eine totale Freiheit des Herzens bedeuten. Denn damit kann ein Gläubiger sich dem Herrn und seinen Geschwistern frei zuwenden. Das ist in der heutigen Gesellschaft gar nicht so einfach!“  Unter den Teilnehmern sind auch junge Ordensleute bzw. gottgeweihte Menschen aus Iran, Philippinen, Elfenbeinküste und Simbabwe. Am Abend fand eine Gebetsvigil auf dem Petersplatz statt.  Rv150915mg

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Papst Franziskus: “Bleibt nahe den Menschen und ihren Sorgen”

   “Eure Nähe zu den Menschen ist ein wunderbares Zeugnis. Dafür dankt euch die Kirche. Bleibt nah bei den Problemen der Menschen! Wenn von erfolgreichen Verkündern des Evangeliums gesprochen wird, hören wir, dass ihr Herz brannte und sie suchten das Leben der Menschen mit Christus zu erwärmen.” Der Papst wünschte von den in Rom versammelten Ordensschwestern noch etwas mehr dazu zu sagen. “Ich würde gern – verzeiht mir, dass ich ein wenig feministisch bin – euch danken für das Zeugnis der gottgeweihten Frauen.  Doch nicht allen: denn einige sind ein wenig hektisch.” Der Papst erhielt Zustimmung durch den fröhlichen Applaus der Menge.  
   “Odensschwestern “sehnen sich immer danach, ganz nahe dran zu sein. Warum? Weil sie Mütter sind, sie haben den mütterlichen Instinkt der Kirche, ganz nahe bei den Menschen in Not zu sein,” sagt Franziskus.
   Der Reporter der Londoner katholischen Wochenzeitung Catholic Herald berichtet dann, was der Papst von drei koreanischen Ordensschwestern in seiner Diözese Buenos Aires in Argentinien erlebte: Die drei Schwestern gehörten zum Pflegedienst in einem katholischen Hospital. Sie unterstützten die Krankenschwestern, aber “sie verstanden soviel Spanisch wie ich Chinesische – kein Wort! Unbekümmert assistierten sie den Pflegerinnen, halfen Patienten, stützten die Kranken und gaben ihnen ein Lächeln – und die Patienten lobten, wie wundervoll die Schwestern seien, obgleich sie nicht ein einziges Wort sprechen konnten. Das war das Zeugnis eines brennenden Herzens. Das ist die Mutterschaft der Ordensschwestern”, erklärt Papst Franziskus.
   “Wahrlich: Ihr habt diese Aufgabe in der Kirche. Ihr sollt die Ikone der Kirche sein, die Ikone der Mutter Maria, die Ikone der zärtlichen Kirche, der Liebe der Kirche, die Ikone der Mutterschaft der Kirche und der jungfräulichen Mutter Maria. Vergesst das nicht! Seid immer nahe am Menschen, aber in dieser Sendung!”  Die Verkündigung der Frohen Botschaft bedeutet  “mit Leib und Seele” zeigen, das Jesus Christus lebt!”, sagt Franziskus: “Wir sind kein Fußballclub der Mitglieder und Unterstützer sucht”.

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Papstrede vor Ordensfrauen auf dem Weltjugendtag in Madrid. Im Volltext.

Liebe junge Ordensfrauen!
   Am Weltjugendtag, den wir in Madrid feiern, ist es mir eine große Freude, euch begegnen zu können, die ihr eure Jugend dem Herrn geweiht habt, und ich danke für den liebenswürdigen Gruß, den ihr an mich gerichtet habt. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass der Herr Kardinal, der Erzbischof von Madrid, diese Begegnung an einem so be- deutungsvollen Ort vorgesehen hat wie dem Kloster San Lorenzo de El Escorial. Wie in dessen berühmter Biblio- thek wichtige Ausgaben der Heiligen Schrift und der monastischen Regeln verschiedener Ordensfamilien auf- bewahrt werden, so ist auch euer Leben der Treue gegenüber der empfangenen Berufung eine wertvolle Weise, das Wort des Herrn zu bewahren, das in den euch eigenen Formen der Spiritualität widerhallt.
   Liebe Schwestern, jedes Charisma ist ein Wort des Evangeliums, an das der Heilige Geist seine Kirche erinnert vgl. Joh 14,26. Es ist nicht bedeutungslos, dass das geweihte Leben „»aus dem Hören auf das Wort Gottes hervorgeht und das Evangelium als seine Lebensnorm annimmt«. Das Leben in der Nachfolge des keuschen, armen und gehorsamen Christus ist daher eine »lebendige ,Exegese‘ des Wortes Gottes«. Der Heilige Geist, in dessen Kraft die Bibel geschrieben wurde, ist derselbe, der »die Gründer und Gründerinnen das Wort Gottes in einem neuen Licht sehen ließ. Diesem Wort entspringt jedes Charisma, und jede Ordensregel will sein Ausdruck sein«. So entstanden Wege christlichen Lebens, die von der Radikalität des Evangeliums geprägt sind“.
Nachsynodales Apostolisches Schreiben Verbum Domini, 83.
Die evangelische Radikalität besteht darin, „in Christus verwurzelt und auf ihn gegründet, fest im Glauben“ Kol 2,7 zu bleiben. Im geweihten Leben bedeutet das, mit ungeteiltem Herzen an die Wurzel der Liebe Jesu Christi zu gehen und dieser Liebe nichts vorzuziehen vgl. Benedikt, Regel, IV,21, mit einer bräutlichen Zugehörigkeit, wie sie die Heiligen gelebt haben, so wie Rosa von Lima und Raffael Arnáiz, die jungen Patrone dieses Weltjugend- tags. Die persönliche Begegnung mit Christus, die eure Weihe nährt, musds mit aller ihrer verwandelnden Kraft in eurem Leben bezeugt werden; und heute kommt ihr eine besondere Bedeutung zu, insofern „eine Art »Gottes- finsternis« festzustellen ist, ein gewisser Gedächtnisschwund, wenn nicht sogar eine ausgesprochene Ablehnung des Christentums und eine Zurückweisung des empfangenen Glaubensguts, wobei die Gefahr besteht, die eigene tiefere Identität zu verlieren“ Botschaft zum 26. Weltjugendtag 2011,1. Angesichts des Relativismus und der Mittelmäßigkeit erhebt sich die Notwendigkeit dieser Radikalität, die die Weihe als eine Zugehörigkeit zu dem über alles geliebten Gott bezeugt.
   Diese evangelische Radikalität des geweihten Lebens findet ihren Ausdruck in der kindlichen Gemeinschaft mit der Kirche, der von Christus erbauten Heimstatt der Kinder Gottes; in der Gemeinschaft mit den Hirten, die im Na- men des Herrn das Glaubensgut verkünden, das sie durch die Apostel, das Lehramt der Kirche und die christliche Überlieferung empfangen haben; in der Gemeinschaft mit eurer Ordensfamilie, indem ihr dankbar ihr geistliches Erbe bewahrt und auch die anderen Charismen schätzt; in der Gemeinschaft mit anderen Gliedern der Kirche, wie den Laien, die berufen sind, von der eigenen spezifischen Berufung her das gleiche Evangelium des Herrn zu bezeugen.
   Schließlich drückt sich die evangelische Radikalität in der Sendung aus, die Gott euch anvertraut hat. Vom kon- templativen Leben, das in seinen Klöstern das Wort Gottes im beredten Schweigen aufnimmt und seine Schönheit in der von Ihm bewohnten Einsamkeit anbetet, bis zu den verschiedenen Wegen des apostolischen Lebens, in dessen Furchen der Same des Evangeliums aufgeht: in der Erziehung der Kinder und Jugendlichen, in der Pflege der Kranken und Alten, in der Begleitung der Familien, im Einsatz für das Leben, im Zeugnis für die Wahrheit, in der Verkündigung des Friedens und der Liebe, im missionarischen Einsatz und in der Neuevangelisierung, sowie in vielen anderen Bereichen des kirchlichen Apostolats.
   Liebe Schwestern, dies ist das Zeugnis für die Heiligkeit, zu dem Gott euch ruft und das ihr entfaltet, indem ihr Jesus, dem Christus, in der Weihe, in der Gemeinschaft und in der Sendung eng und absolut bedingungslos nachfolgt. Die Kirche braucht eure junge Treue, die in Christus verwurzelt und auf ihn gegründet ist. Ich danke euch auch für euer großherziges, völliges und beständiges Ja zum Ruf des Geliebten. Möge die Jungfrau Maria eure geweihte Jugend stützen und begleiten. Zugleich habe ich den tiefen Wunsch, dass sie alle Jugendlichen innerlich anrühre, sie ermutige und sie erleuchte.
   In diesem Sinne bitte ich Gott, den großherzigen Beitrag des geweihten Lebens zu diesem Weltjugendtag reichlich zu belohnen. In seinem Namen segne ich euch aus ganzem Herzen. Danke. Rv110819gs

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 Warum Frauen in England und Wales in Scharen in Klöster eintreten. Foto: Schwester Camilla Oberding
von der Gemeinschaft Unserer Lieben Frau von Walsingham 2010 nach der Profess

Schwestern-Kongregationen haben einen neuen kreativen Weg gefunden, ihre Botschaft weiterzugeben
   Das ist Tatsache! Das Nationalbüro für kirchliche Berufungen meldet, dass die Zahl der Frauen, die in eine Ordensgemeinschaft eintreten wollen, die höchste seit 25 Jahren ist. Das ist kein Wunder sagen Fr. Christopher Jamison und Schwester Cathy Jones und lächeln. Der Direktor und die Förderin der kirchlichen Berufe erleben in den letzten zehn Jahren einen ständigen Anstieg der Nachfrage. Nun ist es sicher: In England und Wales ruft Gott weiterhin Frauen in die religiösen Gemeinschaften – und die Frauen folgen diesem Ruf. Was hat sich geändert?
   Ein entscheidender Faktor ist wohl, dass die Gemeinschaften des gottgeweihten Lebens sich verändert haben. Eine sorgfältige Selbstprüfung und Wiederentdeckung ihrer Wurzeln und Inspiration haben ein neues Selbstvertrauen hervorgebracht und den Ordensschwestern gelingt es wieder, die Bedeutung ihrer Orden in der heutigen Welt zu erklären. Es gibt nicht länger den Eindruck einer Anwerbung und Überredung und Werbung zum Eintritt in einen Orden: die Schwesterngemeinschaften begleiten heute die Suchenden auf dem Weg zur Entscheidungsfindung. Ordensgemeinschaften haben auch die Art verändert, wie sie ihre Botschaft heue verbreiten: sie nutzten intensiv das Internet und die sozialen Medien, sie laden ein zu unverbindlichen “Komm und Seh”-Tagen in ihre Klöster. Die Schwestern sind darüber erfreut, was dann im Konvent geschieht und auch über die Berufungen zu den Gemeinschaften des gottgeweihten Lebens als Ordensschwestern oder auch Priester. Und sie freuen sich sehr darüber, dass die Zahl der Berufungen steigt.
    Ist es die Ausstrahlung von Papst Franziskus, die junge Leute ermutigt, eine Berufung zum religiösen Leben in Erwägung zu ziehen? Dazu ist es vielleicht jetzt noch zu früh. Aber es ist wahr, dass die Hinwendung des Papstes zu denen, die am Rand der Gesellschaft stehen, erkennbar dem Auftrag des Evangeliums entspricht. So wird nicht nur durch Worte, mehr noch durch die tatsächliche Nachfolge Jesu – ein Licht auf die religiösen Gemeinschaften geworfen, die berufen sind, an die “Peripherie” zu gehen, um aus der Kraft des Glaubens Werke der Liebe zu vollbringen. In der heute real existierenden materialistischen Welt füllen die Ordensschwestern eine “Marktlücke”. In der Suche nach dem Sinn des Leben entdecken junge Leute die religiösen Gemeinschaften der Kirche neu. Plötzlich wird ein so verstandenes Leben nach dem Evangelium wieder wichtig, machbar und zu einer sinnvollen Option.
   Während sich einige Leute als “spirituell, aber nicht religiös” bezeichnen, entdeckt eine kleine aber wachsende Zahl von Menschen, dass es durchaus möglich ist, beides zu sein, “spirituell und religiös” – und das macht das Leben wert zu leben.
  Aus dem Weltjugendtag – vom heiligen Papst Johannes Paul II. der Jugend geschenkt – die heute zur größten Jugendbewegung der Welt geworden ist – sind viele Gemeinschaften in der universalen Kirche hervorgegangen. Dort erleben Jugendliche den einzigartigen Unterschied zu Fußball-Großveranstaltungen und Rockkonzerten: Inspiriert und hochmotiviert werden sie nicht zur Masse – sie gehen in die Gesellschaft hinein mit neuen Zielen. Wer sich zu einem spirituellen Leben hingezogen weiß, greift weit über diese materielle Welt hinaus. 
   In Nordamerika gab das Zentrum für Forschung und Apostolat (VARA) 2014 eine Übersicht heraus über die Gründe, warum Menschen einer religiösen Berufung folgen. Attraktiv fanden diese an religiösen Gemeinschaften Interessierten die Klarheit und Eindeutigkeit dieser Ordens. Das betraf nicht so sehr die Ordenskleidung, sondern die Faszination ging aus von der eindeutigen Lebensgemeinschaft, eingebunden in das regelmäßige Gebet in der Gemeinschaft und den spezifischen Auftrag für die heutige Welt – dort konnten sie sich überzeugt einbringen.   
   Schon aus Kostengründen ist eine solche Übersicht in England nicht möglich. Die englische Bischofskonferenz und die Konferenz der Orden (COR) wählten einen anderen Weg.  Schwester Cathy wurde von den Orden und in Abstimmung mit der Bischofskonferenz freigestellt für die Förderung des gottgeweihten Lebens. Nach vier Jahren berichtet sie von ihrer unschätzbar wertvollen Arbeit für Berufungen: “Wir haben ein Netzwerk von ausgebildeten Ansprechpartnern für geistliche Berufungen aufgebaut. Wir arbeiten zusammen mit Ordensleuten und Laien aus unterschiedlichen spirituellen Traditionen.” Diese Ansprechpartner helfen Suchenden zu erkennen, wozu Gott sie ruft. Sie stellen sich die Frage, warum würden junge Leute heute einer religösen Gemeisnchaft beitreten? Ein gebetsstarkes, durch Gelübde gebundenes Gemeinschaftsleben ist für die derzeitige Gesellschaft keine “lifestyle Wahl”. Sicher aber ist das Leben in einer religiösen Gemeinschaft ein eindeutiges Zeichen als Antwort auf den Ruf des Evangeliums zur Nachfolge Chisti.
   Anstelle einer möglichen Karriere in und für diese Welt mit den heute erreichbaren Möglichkeiten entdeckt eine wachsende Zahl von jungen Männern und Frauen, dass Gott sie ruft zu einem tieferen und bedeutungsvolleren Leben.
   Da sie sich schon aktiv in der Kirche engagieren, spüren sie doch eine ständige Sehnsucht nach einem Leben der Hingabe und des Dienens. Manchmal spüren sie tief in sich, dass sie nicht Frieden finden können, bis sie endlich “Ja” zu einem gottgeweihten Leben sagen. Obgleich sie das nicht so aussprechen, aber in der Tiefe ihres Herzens erkennen sie, dass sie Gott sagen: “Hier bin ich. Sende mich!”
   Die wachsende Zahl junger Christen, die den Ruf Gottes zum geweihten Leben folgen entdecken, dass dieses Leben lebenswert ist – eben: “ein Leben in Fülle”, wie Jesus sagt Joh 10,10: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben." CH150423SisterJanetFearns,Interpretation:kbwn. missions-benediktinerinnen.de

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Ein ungewöhnlicher Bankenwechsel
Im Einklang mit sich selbst: Aus Katrin Rohrmann ist Schwester Katharina OSB geworden

  Der schönste Ort für sie? Gern zieht sie sich an das romantisch­verwitterte Bootshaus am Starnberger See zurück. Ihr Blick streift die Benediktenwand und den Ra­benkopf, fern zeichnet sich das Karwendelgebirge ab. Ein überirdisch schöner Ort in Oberbayern. An heißen Sommertagen schwimmt Schwester Katharina hier am Privatsteg der Missions-Benediktinerinnen weit hinaus. Noch wohler aber fühlt sie sich in der Kapelle des Klosters in Tutzing, fünf Minuten den Hang hoch. In der Mitte steht der Altar, die mit Bibelzitaten geschmückten Fenster inszenieren Lichterspiele. Hier beten und singen die 70 Ordensfrauen. Die Augen der zierlichen Schwester leuchten, als sie zu ihrem Platz an der Bank führt.
   Jahre zuvor hat sie in einer ganz anderen Bank gewirkt. Die heute 41-Jährige ging gern in die Deutsche Bank in Stuttgart, wo sie im Credit-Risk-Management arbeitete. Dann aber schlich sich ein anderes Gefühl in das Leben der aufgeschlossenen Frau, die um die halbe Welt gereist war und vor der eine verheißungsvolle, lukrative Karriere bei der Großbank lag. „Das Gefühl, ob das wirklich alles in meinem Leben gewesen ist." Mit einem klassischen Berufungserlebnis kann sie nicht aufwarten. Aber mit dem stärker werdenden Eindruck, ihrem Leben eine neue, spirituelle Richtung geben zu wollen.
   Diese Sehnsucht nach einem gotterfüllten Leben war keineswegs absehbar, als Katrin Rohrmann in Arnsberg ihr Abitur in der Tasche hatte. Zwar war sie in einer katholischen Familie aufgewachsen, war Ministrantin, Lektorin, Kommunionhelferin. Und schon als 18-Jährige hielt sie Wortgottesdienste im Altenheim. Aber ihre Berufspläne hatten mit der Kirche nichts zu tun. Zunächst machte sie im Sauerland eine Lehre als Industriekauffrau. „Ich wollte im Zweifelsfall etwas in der Tasche haben und das Berufsleben kennenlernen. Darin bin ich rational, das Kopfgesteuerte ist ein Teil von mir." Die Eltern haben ihr freien Raum gegeben. Vielleicht auch, weil der Vater gern studiert hätte, das aber nach dem Krieg nicht ging, die Mutter zwar „mit Engagement" Lehrerin geworden ist, aber lieber etwas anderes gemacht hätte. Für Katrin Rohrmann stand fest, dass sie studieren wollte. „Wirtschaft hat mich interessiert, auch Geschichte, aber ich wollte nicht Lehrerin werden." In Konstanz schrieb sie sich für Volkswirtschaft ein. Ein Jahr studierte sie in Montreal. „Französisch sprechen zu können und in Kanada zu sein, die Mischung fand ich einfach klasse."
   Frisch diplomiert, ging sie auf Weltreise. „Das war immer mein Traum." Ein gut gepflegtes Sparbuch und ihre Unternehmungslust machten das möglich. Die 23-Jährige begann in Australien, reiste über die Fidschiinseln nach San Francisco und Montreal. „Als Backpacker kriegt man schnell Kontakt, ist aber frei, das zu tun, was man will."
   Während eines Praktikums hatte sie sich mit Wettbewerbsanalyse befasst, ein Gebiet, das ihr gut gefiel. Sie bewarb sich bei der Deutschen Bank und wurde in Stuttgart Trainee. Sie machte ihre Sache gut, wurde übernommen und befasste sich fortan mit mittelständischen Unternehmen von rund fünf Millionen Umsatz bis hin zu Baukonzernen. Einige Monate verbrachte sie in der Frankfurter Zentrale und in Brüssel und fand es „spannend zu erleben, wie internationale Kollegen arbeiten". Das klingt nach einer freudvollen Tätigkeit? „Aber ja. Das waren fünf gute Jahre, in denen ich viel gelernt und gesehen habe, die will ich nicht missen." Äußerlich führte sie das Leben einer moderat ehrgeizigen, sportlichen jungen Frau, ging ins Fitnessstudio, fuhr Fahrrad, urlaubte in der Toskana, sang im Chor - „alles eben ganz normal", lacht sie. Einzig die Mittagspausen verbrachte sie nicht beim Steh- Italiener, sondern immer öfter in der Domkirche. Die lag nur wenige Minuten von ihrem Arbeitsplatz entfernt. „Irgendwann wurde der Wunsch stärker, mehr Zeit für mich zu haben und mir Fragen nach dem Sinn unseres Seins anzugucken. Und ich wusste, es sollte in einem religiösen Rahmen stattfinden." Sie googelte und stieß auf ein Angebot des „Klosters auf Zeit" in Tutzing, eine Art Hospitanz für interessierte Laien. Vor zehn Jahren lernte sie das Kloster kennen, das stolz und ein wenig verschachtelt über dem See thront. „Im Kloster habe ich toughe, starke Frauen erlebt, die ihren Platz in der Kirche gefunden haben." Diese zehn Tage bescherten ihr ein noch diffuses Gefühl, „irgendwie angekommen zu sein. Da ist etwas ins Rollen gekommen." Die Gemeinschaft zog sie an. Sie verbrachte mehrere Wochenenden in Bayern und erkannte, dass sie für ihren Glauben die Gemeinschaft der anderen braucht. „Das gemeinsame Gebet hat mir geholfen, Gott wirken zu lassen", sagt sie mit ruhiger Ernsthaftigkeit, wohl wissend, dass nichtreligiöse Menschen ihr in dieser Wortwahl schwer folgen können.
   Als ihr Arbeitgeber ihr das Angebot machte, ein Projekt in Japan zu übernehmen, war ihr klar, dass sie sich entscheiden musste. Katrin Rohrmann entschied sich für das Leben als Ordensfrau. Sie tauschte ihre Kostüme gegen das schlichte Ordensgewand, trat 2007 ins Kloster ein und wurde Schwester Katharina. Zuvor löste sie ihre Wohnung auf, besuchte Freunde, verbrachte mit der Familie einen Skiurlaub. Oft hat sie in dieser Zeit des Umbruchs mit ihrem Bruder, der als Ökotrophologe auf Norderney arbeitet, gesprochen. „Meine Familie hat mich in meinem Entschluss unterstützt, dafür bin ich ihr dankbar." Mit 32 Jahren machte sie ihr Postulat, nahm dann den weißen Schleier zum grauen Gewand und wurde zwei Jahre Novizin, legte die erste Profess ab, um schließlich in einer feierlichen Eucharistiefeier die ewige Profess abzulegen - „eine Bindung auf Lebenszeit". Seither trägt sie den goldenen Ring als Zeichen der Treue zu Gott, das schwarze Ordenskleid und unterwirft sich einem Tagesrhythmus, den feste Gebetszeiten strukturieren. Morgens um 5.30 Uhr gibt es die Laudes, das Morgenlob. Die Schwestern, das Durchschnittsalter beträgt 71 Jahre, treffen sich zum Mittagsgebet, zur Vesper am frühen Abend und zur Komplet um 19.45 Uhr.  Wer mag, zieht sich dann in sein 12-Quadratmeter-Zimmer zurück, geht spazieren oder liest.
   „Wir sind ein Mehrgenerationenhaus mit integriertem Lebensstil, haben alles unter einem Dach, Arbeit, Freizeit, Bildung", sagt sie vergnügt. Nur das spontane Verreisen, das vermisst sie" ab und zu. „Aber Verzicht würde ich das nicht nennen. Als Ordensschwester war ich schon in Rom, auf den Philippinen und in Nairobi. Das ist auch ein Geschenk." Sie erzählt das unaufgeregt im Besucherzimmer, das aus der Zeit gefallen scheint. Auf dem Furnierschrank lagert ein Tischkegelspiel, es gibt eine Eckbank, auf der Blümchendecke stehen selbstgebackene Kekse.
   Plakativ-neugieriges Nachbohren ä la „Bankerin wird Nonne" ist sie gewohnt, allerdings sei sie kirchenrechtlich keine Nonne, sondern Ordensschwester. „Natürlich fragen mich die Menschen nach meinem Werdegang. Ich bin ja auch im Pfarrgemeinderat und finde es schön, dass wir mit unserer Lebensweise etwas anstoßen können. Wir wollen niemanden bekehren, aber ein Zeichen sein. Die Menschen sollen Christus in uns erkennen können, in dem, wie wir leben. Wir sind nicht besser, nicht heiliger als andere, aber auch nicht dümmer und naiver." Als spätberufene Akademikerin ist sie bei den Missions-Benediktinerinnen kein Einzelfall, es gibt eine promovierte Juristin, Ärztinnen und Lehrerinnen, die jetzt das Ordensgewand tragen. Grundsätzlich ist es erwünscht, dass Frauen mit einer Berufsausbildung eintreten. Wer sich auf ein Dasein hinter Klostermauern einlässt, der sollte vom Leben außerhalb einer religiösen Gemeinschaft eine klare Vorstellung haben. Auch davon, mit dem Keuschheitsgelübde umzugehen. Indiskrete Fragen einer bis vor zwei Stunden noch fremden Frau zu stellen, das fühlt sich fast unverschämt an. Aber neben dem Leben ohne nennenswerten Besitz ist die Ehelosigkeit ein beherrschendes Element eines Ordens. Schwester Katharina ist auf indiskretes Nachfragen vorbereitet. Sie hatte zwei längere Beziehungen und sich bewusst auf ein zölibatäres Leben eingelassen. „Ich bin als Frau hier eingetreten und bleibe das auch. Das gebe ich ja nicht an der Klosterpforte ab. Aber diese exklusive sexuelle Beziehung, das geht eben nicht. Mir sind gute Freundschaften voll gegenseitigen Vertrauens wichtig, wo man sich ohne Worte versteht. Das gibt mir Halt."

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  Foto links: Klosterkapelle  rechts: Kloster der Missionsbenediktinerinnen Tutzing   missions-benediktinerinnen.de
   Im Übrigen ist ihr Tag ausgefüllt. Die Finanzfachfrau arbeitet in der Klosterverwaltung, kümmert sich um die Buchhaltung und hält ihr Englisch vital, denn das ist die internationale Kongregationssprache. Theologie hat sie im Fernkurs belegt - „Wissen ist nicht alles, aber für mich ist es wichtig, fundiert Antworten zu geben". Um das Chorgebet begleiten zu können, das sie so liebt, nimmt sie Orgelstunden. Mittlerweile ist die Priorin Schwester Ruth zum Gespräch gestoßen. Sie ist ebenfalls Volkswirtin und hat im bayrischen Wirtschaftsministerium gearbeitet. Den Serientitel „Ich mach mein Ding" findet die Klostermanagerin flapsig, aber zutreffend und reflektiert: „Es geht darum: Was steckt in mir drin? Wie kann ich das entfalten?  Vielleicht  hat ja jemand dieses Ding für mich vorgedacht?" Schwester Katharina lächelt: „Uns geht es um Gott. Es wäre schön, wenn er erwähnt würde." 
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Ordensschwestern   Italien: Witwen werden Nonnen - ein neuer geistlicher Trend
Nonnen ohne Kloster noch Tracht: eine neue Form des geweihten Lebens?

   Immer mehr katholische Witwen in Italien entdecken den geistlichen Stand. Nach dem Tod ihres Gatten leben dort inzwischen mehr als 200 Frauen mit bischöflicher Anerkennung als eine Art Nonne ohne Kloster; rund 100 weitere befinden sich in Ausbildung, wie der italienische bischöfliche Pressedienst SIR (Dienstag) berichtet. Noch in diesem Jahr wolle sich der Vatikan mit dem neuen Trend befassen.
   In neutestamentlicher Zeit und der frühen Kirche ist ein eigener Stand von Witwen belegt, die bewusst auf eine neue Partnerschaft verzichten und sich stattdessen dem Gebet und sozialen Tätigkeiten widmen. Im aktuellen katholischen Kirchenrecht ist diese Lebensform nicht vorgesehen. Neben den „Instituten geweihten Lebens“ - umgangssprachlich Orden - gibt es geweihte Jungfrauen und Eremiten. Der Heilige Stuhl behält sich aber vor, neue Formen geistlichen Lebens anzuerkennen. Rv150729gs

Die Kathedrale von Burgos begrüßt die neue Schwesterngemeinschaft „Iesu Communio”.

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   Die Gründerin und Oberin des neuen spanischen Schwesternordens "Iesu Communio", Sr. Verónica Maria Berzosa Martinez Foto links, war zum Kongress zur Neuevangelisierung eingeladen. Erst im Februar 2011 wurde diese Kongregation in Burgos (Spanien) vom Vatikan als Institut päpstlichen Rechts anerkannt. In der überfüllten Kathedrale von Burgos wurde diese neue Gemeinschaft vom Nuntius und dem Erzbischof von Burgos begrüßt.
   Den Schwestern, die von den Klarissen in Lerma und Aguilera kamen, haben sich viele junge Frauen angeschlos- sen. Zur Gemeinschaft gehören jetzt 177 Schwestern Foto rechts. Eine so große Zahl von Berufungen hat die Kirche von Spanien seit dem 16. Jahrhundert nicht mehr gesehen. Sie sind jung, viele haben studiert. Unter ihnen finden sich Ärztinnen, Ingenieurinnen, Architektinnen und Dolmetscherinnen. Im Vatikan wurde das Institut vorge- stellt als eine neue Form gottgeweihten Lebens, das in einer spirituellen Nähe zur Neu-Evangelisierung steht, im Dienst gegen Armut und Ungleichheit. An der Spitze dieser Gemeinschaft steht Schwester Verónica Maria Berzosa Martinez, eine leibliche Schwester des neuen Bischofs von Ciudad Rodrigo (Raúl, der auch in der Kathedrale von Burgos dabei war). Sr. Verónica ist eine einflussreiche Frau in der spanischen Kirche – mit guten Kontakten zum Heiligen Vater. Kraft ihrer überwältigenden Ausstrahlung ist es ihr gelungen, eine starke und einflussreiche Schwesterngemeinschaft aus dem Nichts in Rekordzeit zu schaffen. Eine Nähe zu den neuen nachkonziliaren Bewegungen ist unverkennbar, viele Schwestern kommen aus den neuen jugendorientierten Gemeinschaften. Die Gemeinschaft Iesu Communio" wird den Idealen des heiligen Franz von Assisi und der heiligen Clara von Assisi folgen. Auf dem Weltjugendtag in Madrid zeigten sie sich erstmals der Öffentlichkeit.

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   Selbstbewusst treten die Schwestern des Instituts Iesu Communio auf: ein Jeans-Kleid mit weißem Gürtel, dazu ein blauer Schleier und ein Medaille als Halsschmuck sind ihre Kennzeichen. DiocBurgosNet111020

Frauen des gottgeweihten Lebens im Spiegel der deutschen Presse

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   Nur 150 Kilometer Luftlinie vom Atomkraftwerk in Fukushima entfernt liegt die Kleinstadt Ichinoseki. Dort küm- mert sich Schwester Caelina Mauer Foto, Thuiner Franziskanerin aus Heede im Emsland in einem Heim um Kinder und Jugendliche zwischen zwei und 18 Jahren. Seit dem Unglück lebt sie mit 60 Kindern in einer Turnhalle Foto unten, es fehlt an allem und die Kinder frieren bei Temperaturen, die nachts unter null Grad fallen.

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   “Der Schock durch das Erdbeben und den Tsunami sitzen noch tief. Trotz der drohenden nuklearen Katastro- phe harren sie aus. Weil es so viele Tote und Vermisste auch in der Nachbarpärfektur gibt, hat uns die Regierung gebeten Waisen und obdachlose Kinder aufzunehmen. Wir haben angesichts der hier herrschenden Not natürlich sofort zugesagt, und werden alle hier unterbringen, auch wenn es sehr eng wird.”
Foto oben: Das Kinderheim der Thuiner Schwestern in Ichinoseki, Japan, vor dem Erdbeben.

   Nur 150 Kilometer vom Atomkraftwerk Fukushima entfernt, in der Präfektur Iwate, liegt die Kleinstadt Ichino- seki. Dort leitet Franziskanerschwester Caelina aus Heede (Emsland) ein Kinderheim. Die 47 Jahre alte ge- lernte Krankenschwester versucht nun, den durch das Erdbeben und den Tsunami traumatisierten Kindern wieder ein wenig Normalität zu geben.
   Wir mussten sofort evakuieren. Wir haben eine Woche in der nebenstehenden Turnhalle verbracht und sind nun wieder in das Kinderheim zurückgegangen, weil die Temperaturen immer noch unter null sind, bis minus drei Grad. Nach wie vor haben wir kein Heizöl, können also nicht die Zimmer heizen, so dass die Kinder ein Bad bekommen können. Damit müssen wir uns noch abfinden für eine gewisse Zeit. Aber ich denke, dass die Kinder wieder in ihren eigenen Räumlichkeiten leben können, dass sie wieder spielen können. Das trägt sicher dazu bei, dass sie sich einigermaßen regenerieren können. Der Bau ist ziemlich lädiert. Wir haben viele Risse in den Wänden, Deckplatten sind abgebrochen, Kacheln sind kaputt, der Fußboden ist total gerissen, ganze Wände, die Tapeten, sind völlig kaputt, Fensterscheiben sind zerstört. Das war ein Durcheinander, als wir wieder in das Heim zurückgegangen sind. Aber so langsam kehrt wieder Ordnung ein, und ich denke, dass wir so nach und nach wieder Ordnung finden und einfach in den alten Lebensumständen wieder leben können. Die Kinder haben von Anfang an durch unsere Psychotherapeuten „mental care" erhalten, und das wird fortgesetzt.
   Natürlich gibt es viele Solidaritätsanrufe. Viele wollen etwas schicken, aber die Infrastruktur ist einfach noch nicht mobil genug, die ist noch lahmgelegt. Aber wir erfahren viel Hilfe vom Ausland, unter anderem aus Deutschland, von den Maltesern, den Franziskanern. Das ist ganz wunderbar.
   Wir haben von unserer Präfektur ein Schreiben bekommen, dass wir gegebenenfalls in Kürze Kinder, die bei der Katastrophe vor einer Woche ihre Familie verloren haben und obdachlos wurden, aufnehmen sollen - beziehungsweise, ob wir das können. Und da haben wir sofort geantwortet, dass wir bereit sind, zusammen- zuarbeiten und auch über unsere Kapazitäten hinaus Kinder aufnehmen werden. Die Räume werden knapp sein, sie entsprechen sicher nicht den Umständen. Aber ich denke, für die erste Zeit ist es einfach vonnöten, dass die Kinder wieder in einer sicheren Umgebung sind, dass sie wieder mit anderen Kindern leben, spielen und sich aussprechen können.
   Wir werden natürlich über die Ereignisse im Atomkraftwerk Fukushima über die Medien informiert. Aber von der Stadt Ichinoseki oder von der Präfektur aus haben wir noch keine Weisungen erhalten. Wir müssen gut hingucken. Ich sehe das noch sehr realistisch. Und wenn ich meine Kinder so sehe - die haben noch mehr damit zu tun, dass sie mit dem Erdbeben und dem Tsunami fertig werden. An eine Flucht mit den Kindern habe ich noch nicht gedacht und denke ich auch zunächst nicht." FAZ110321JuliaLotz
Mehr Informationen: www.n-joy.de/news_wissen/erdbebenjapan131htms
Spenden und Fotos: www.malteser-spenden.de

mis-Japan-HIlfeOS-z

   “Es ist die schlimmste Situation, die ich während meiner vieljährigen Missionsarbeit erlebt habe”, berichtet die indonesische Schwester Magdalena Priharyati Foto Mitte Leiterin der Missionsprokuratur der Thuiner Schwestern. Zwei Osnabrücker Schulen überreichen ihr für den Wiederaufbau des Kinderheims in Japan 4533 Euro an Spenden. NOZ110625 

OS-Katholikentag Sr.Jordana-OP

Sr. Jordana Foto sprach das Wort zum Sonntag vom Katholikentag in Osnabrück live:
“Vielen Dank, Thomas Hermanns, nach Hamburg! . . .

   . . . Hier in Osnabrück auf dem Katholikentag stehe ich jetzt auf der MISEREOR-Bühne im Schlosspark. Und die Stimmung ist super! Wir hatten einen Tag voller angeregter Diskussionen auf Podien und in Workshops, in denen wir uns mit Themen wie Klimawandel, soziale Gerechtigkeit und das Miteinander in der Kirche auseinandergesetzt haben. Und jetzt wird gefeiert. Natürlich mit viel Musik. Musik, die das zusammenbringt, was vieles Reden oft gar nicht kann. “Osnabrück rockt für Eine Welt”: Eine Welt, in der es gerecht zugeht und wir erkennen, dass wir nur gemeinsam etwas verändern können.
   Das Motto des Katholikentages ist: “Du führst uns hinaus ins Weite”. Weite bedeutet eben genau das: Nicht nur an sich selber denken, den anderen und die Zukunft im Blick haben. Wir feiern hier unseren Glauben an Gott, der uns nicht nur ins Weite führt, sondern der uns auch die Kraft gibt, diese Weite zu füllen, mit kreativen Ideen die Zukunft gerecht und friedlich zu gestalten. Und dass wir da nicht allein stehen, das ist hier spürbar.
   Und diesen Wunsch schicken wir jetzt auch nach Belgrad: Dass die gemachte und gehörte Musik verbindet, was getrennt ist und im Unfrieden. Das gemeinsam etwas ins Schwingen, in Bewegung kommt, was zu einem guten Miteinander beiträgt.
   Ein afrikanisches Sprichwort sagt: “Ein Freund ist jemand, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vor- singt, wenn du sie vergessen hast.” Auf dass Sie diese Freundschaft – die Freundschaft Gottes und anderer Menschen – spüren und in Ihnen etwas anrührt! Hier in Osnabrück und in der ganzen Welt. In diesem Sinne schicken wir Ihnen jetzt musikalische Grüße mit Don Abi!” ARD080525

OS-Katholikentag-Sign kisSrJordana-xx

... und ein Kommentar dazu von Imre Grimm in der HAZ:

Eine Nonne außer Rand und Band
   Das Klischee will es so: Nonnen sind stille Wesen, die züchtig und gottesfürchtig hinter dicken Klostermauern dem Sinn des Lebens nachträumen und sich in tiefer Demut in Arbeit und Gebet ergehen. Amen.
   Denken Sie genauso? Vergessen Sie's. Sie haben Schwester Jordana verpasst. Die Schwester vom Orden der Dominikanerinnen ist 39 Jahre alt und hauptberuflich Erziehungsleiterin im Bethanien Kinder- und Jugenddorf Schwalmtal-Waldniel. Nebenberuflich darf sie seit Kurzem das „Wort zum Sonntag” in der ARD sprechen, und schon die allererste Ausgabe zeigte: Das tut sie wie niemand sonst. Ihre Premiere ging kurz vor dem Eurovision Song Contest über die Bühne. Jemand bei der ARD hatte die zündende Idee, gegen 20.50 Uhr direkt von der Grand-Prix-Party auf der Hamburger Reeperbahn zum Katholikentag nach Osnabrück zu schalten, von Party zu Party quasi. Dass das „Wort zum Sonntag” Jahr für Jahr mitten im Grand-Prix-Count-down zu sehen ist, ist immer wieder ein Quell der Freude. Diesmal aber stand Schwester Jordana auch noch mitten auf der „Schlossparkbühne von Misereor" vor 20.000 entfesselten Jungkatholiken und rockte das Haus. Für einen Moment war unklar, ob die Show in Belgrad schon begonnen hatte.
  „Die Stimmung ist super!”, rief Schwester Jordana, „und jetzt wird gefeiert. Natürlich mit viel Musik. Musik, die das zusammenbringt, was vieles Reden oft gar nicht kann. Das Motto des Katholikentages ist: ,Du führst uns hinaus ins Weite.’ Weite bedeutet eben genau das: nicht nur an sich selber denken, den anderen und die Zukunft im Blick haben. Und diese Weite wünsche ich mir auch für diese Dings, äh, gerechte Welt. Und diesen Wunsch schicken wir jetzt auch nach Belgrad: dass die gemachte und gehörte Musik verbindet, was getrennt ist und im Unfrieden. Dass gemeinsam etwas ins Schwingen, in Bewegung kommt.” Und so weiter und so fort.
   Ins Schwingen und in Bewegung kam dabei vor allem Schwester Jordana selbst, die auf sympathische Weise zeigte, dass sie nicht jeden Tag vor 20.000 Menschen auftritt, dies aber unbedingt öfter tun sollte. „Ein afrika- nisches Sprichwort sagt: ,Ein Freund ist jemand, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorsingt, wenn du sie vergessen hast.’ Wir schicken Ihnen jetzt musikalische Grüße mit Don Abi!”, rief die enthusiasmierte Ordensschwester, und dann kam der Sänger Don Abi und rief, man müsse an die „Kraft der Gemeinsamkeit glau- ben, we are all one! Party people! Yeah!”,und dazu rockte die Nonne, obwohl noch gar keine Musik zu hören war.
   Gegen Schwester Jordanas Auftritt war die Grand-Prix-Party von der Reeperbahn ein Kaffeenachmittag im Nonnenkloster. Obwohl - „Kaffeenachmittag im Nonnenkloster”? Wieder so ein Wortbild, das in den Papierkorb gehört. Es ist immer gut, wenn man seine Vorurteile regelmäßig überprüft. Und liebe ARD: Wenn's bei „Schmidt & Pocher” mal nicht mehr so läuft - es gäbe da einen Ersatz.

Babykl-SrBernadette- Babyklappe-xx

Mit einer Puppe nachgestellt wie eine Frau ihr Kind in eine Babyklappe legt
Hinter der Babyklappe: Findelkinder - Sr. Bernadetta pflegt abgelegte Säuglinge

„Die Kleider sind der einzige Schatz, den diese Kinder von ihren Eltern haben”
   „Die ersten Stunden des Lebens sind die wichtigsten", sagt Schwester Bernadetta. Die Ordensfrau hat sich ein Tuch gekauft, die Kinder vor die Brust gebunden und sie tagelang herumgetragen, wenn es wieder soweit war. Wenn ein anonymes Baby in der Klappe lag. „Keiner weiß, was es vor und nach der Geburt erlebt hat", sagt sie. „Es wird die Ablehnung und Not der Mutter gefühlt haben. Deshalb muss es den Herzschlag spüren und erkennen: Jemand ist jetzt für dich da."
   Schwester Bernadetta ist ein Engel hinter der Babyklappe. In der Kinderklinik ihres Ordens in Berlin hat sie fünf Jahre lang solche verlorenen Kinder betreut, sie gewickelt, ihnen vorgesungen, bis sich neue Eltern fanden. Sie hat einige wenige Mütter zu ihren Neugeborenen zurückgebracht und ein Netzwerk zwischen den Adoptiveltern geknüpft. Damit die Kinder andere treffen können, die ihr Schicksal teilen. Von den Eltern wissen sie nichts an- deres, als dass sie ihr Baby schnell und ungesehen loswerden wollten. Alle müssen später damit leben, verstoßen worden zu sein.
Nach einer Minute klingelt der Alarm
 Deutschlandweit gibt es 81 solcher Abgabestellen, in die vier Berliner Klappen wurden seit 2001 28 Kinder gelegt. Manche Krankenhäuser denken sich schönere Namen aus, nennen sie „Babynest" oder „Babyfenster". Manche sind aus kaltem Edelstahl, andere sehen aus wie weiße Türen. Wenn jemand ein Baby in die beheizte Kammer legt und die Klappe schließt, gibt es vorerst kein Zurück. Die Tür ist dann verriegelt. Eine Minute später klingelt der Alarm in der Notaufnahme der Kinderklinik, Zeit, die der Mutter bleibt, um wegzugehen.
   Schwester Bernadetta holt einen Umschlag hervor, wie ihn die Klinik in die Klappe legt. Ein Brief an die Mutter: „Wir helfen Ihnen gerne und freuen uns, wenn Mutter und Kind zusammenbleiben können", steht da. Als gehei- mes „Zeichen" gibt es eine gebastelte halbe Postkarte. Die fehlende Hälfte liegt in der Klinik. Mit ihrer Hälfte kann sich die Mutter zu erkennen geben. Zusätzlich sind Gen-Untersuchungen nötig, wenn sie ihr Baby wiederhaben möchte.
   Das wollen nur wenige. Eine 19-Jährige zum Beispiel hatte ihre Tochter allein zu Hause geboren, sieben Stunden lang, und mit der Küchenschere abgenabelt. Der Familie mochte sie sich nicht anvertrauen, bangte um ihre Arbeits- stelle. Im Internet fand sie die Adresse der Babyklappe, gab dort das Neugeborene ab und ging zur Arbeit. Einen Tag später zog die Verzweiflung sie zurück zur Klinik. Mit Hilfe von Schwester Bernadetta konnte der Großvater als familiärer Vermittler eingeschaltet werden. Es ist schwer zu verstehen, aber es geschieht in solchen Fällen oft, dass Familie und Freunde von der Schwangerschaft nichts mitbekommen oder mitbekommen wollen. Obwohl der jungen Frau sogar beim Besuch ihrer Mutter die Fruchtblase geplatzt ist.
   Manche Frauen schicken Briefe an ihr Baby, schildern die Umstände, die Armut, die Angst, als illegale Auslän- derin aktenkundig zu werden. Manche geben dem Kind einen Namen und schreiben, dass sie sich als Verbrecher- innen fühlen. Den meisten Kindern aber bleiben nur die Kleider, die sie auf dem Leib trugen. Schwester Bernadetta hebt sie auf. „Das ist der einzige Schatz, den sie von ihren Eltern haben", sagt sie. Sie macht Fotos, nimmt einen Fußabdruck, gibt ihnen einen kleinen Schutzengel für den Nachttisch und einen Namen aus der Bibel. Zwei für Jungen, zwei für Mädchen liegen in der Notaufnahme immer bereit. So kommt das Findelkind zum Eintrag beim Standesamt.
  In vergangenen Jahrhunderten hat man solche Kinder vor Klöstern durch die Klappe zur Armenspeisung gereicht. Heute liegen die Klappen verborgen an Seiteneingängen der Kinderkliniken, vor allem aber in einer juristischen Grauzone. Denn nach der Verfassung hat jedes Kind ein Recht zu erfahren, wer seine Eltern sind. Im juristischen Gedankengebäude ist nicht vorgesehen, dieses Recht in Frage zu stellen. Derzeit beschäftigt sich der Deutsche Ethikrat mit dem Thema. Die Hoffnung der Betreiber, die Klappen zu legalisieren, weicht der Befürchtung, sie könn- ten alsbald ausdrücklich verboten werden.
   Um ihren Hals trägt Schwester Bernadetta eine Medaille der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Die mittelalter- liche Legende erzählt, Elisabeth sei dabei ertappt worden, wie sie den Armen in der Hungersnot gegen den Willen ihrer gräflichen Familie Brot bringen wollte. Doch in ihrem Korb waren auf wundersame Weise statt Brot nur Rosen zu sehen gewesen. Ein ähnliches Rosenwunder, das die Gegner besänftigen könnte, will sich im Streit um die Babyklappen bislang nicht einstellen. Sie rechnen vor, dass auch neun Jahre nach Eröffnung der ersten Station die Zahl der Kindstötungen stagniert. Sie sagen: Kein Baby werde gerettet, aber viele Kinder durch das anonyme Angebot zu Verstoßenen gemacht.
   In Wahrheit kann wohl niemand sagen, was aus den Klappenkindern ohne Klappe geworden wäre. Schwester Bernadetta zitiert das Gleichnis vom verlorenen Schaf in der Herde der Hundert und wie viel wichtiger die Anstrengung um dieses eine sei, als um die 99 anderen, die der Hilfe nicht bedürfen. Vielleicht geht es bei Baby- klappe nicht nur um Lebensrettung. Nebenan in der Jugendpsychiatrie des gleichen Krankenhauses kennt man viele Fälle von Kindern, die jeden Tag aufs Neue von ihren leiblichen Eltern verstoßen worden sind. „Nicht gewollt zu sein", sagt Bernadetta, „ist für ein Kind das Schlimmste überhaupt." HA081219ChristianSeel
   Schwester Bernadetta ist eine von 326 Schwestern, die in Deutschland für die Kongregation der Schwestern von der heiligen Elisabeth arbeiten. Der katholische Orden betreibt hierzulande acht Krankenhäuser. Geboren 1973 in einem polnischen Dorf bei Posen als eines von sieben Geschwistern trat die gelernte Krankenschwester mit 20 Jahren in den katholischen Orden ein, studierte Theologie und kam 2003 als Kinderkrankenschwester zum St. Joseph-Krankenhaus in Berlin, wo sie unter anderem die Babyklappe betreute. Seit kurzem arbeitet sie als Seelsorgerin in den Krankenhäusern Sankt Elisabeth und Sankt Barbara in Halle.
>>>Babyklappen in Deutschland>>> www.babyklappe.info/alle_babyklappen

Sr. Veronika in Hamburg     HH-SrVeronika    Den Körper und die Seele pflegen

   Schwester Veronika (46) begleitet Menschen gern. Auch Sterbenden hilft sie in den letzten Minuten. Bis zum Schluss wacht die katholische Ordensschwester über diese Menschen. Viele wären ohne sie in diesem Mo- ment wohl sehr einsam. Seit anderthalb Jahren ist die ausgebildete Krankenschwester hauptsächlich in der Seel- sorge im Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand tätig. Den Patienten begegnet sie mit charismatischer Offenheit, die schnell Vertrauen aufbaut. „Wenn ich mich mit ihnen über ihr Leben unterhalte, hören das teilweise Nachbar- patienten. Auch sie wollen dann oft mit mir sprechen.”
   Wie ernst ihr die Arbeit ist, sieht man in ihren Augen. Außerdem ist sie 24 Stunden sieben Tage die Woche auf dem Gelände der Klinik. Sie wohnt in einer kleinen Klausur. Heute gibt es im Wilhelmsburger Krankenhaus neben Veronika nur noch zwei weitere Ordensschwestern. Für Schwester Veronika war es ein innerer Drang, in den Orden der Katharinen-Schwestern einzutreten. „Damit wollte ich meinem Ziel entgegenkommen, den ganzen Men- schen zu pflegen - den Körper wie die Seele.” Am glücklichsten sei sie, wenn sie sieht, wie die Patienten nach Gesprächen zu sich finden. Wie sie lernen, das Leben zu akzeptieren. HAhpls080428

HH-Sr,Clemense-x HH-Alimaus-z

Schwester Clemensa, HH-St.Pauli: Alimaus eine warme Stube für den Kiez

   Jens Meyer-Odewald fragt spontan für das Hamburger Abendblatt Menschen, was sie gerade bewegt, lädt sie auf einen Kaffee ein und lässt sie erzählen.
  Bitterkalt ist es auf der Reeperbahn. So und so. Inmitten des pulsierenden Feierabendbetriebs geht eine Ordens- schwester zielstrebig Richtung Nobistor, vorbei an allen möglichen Spelunken. Kaffee möchte die Franziskanerin Clemensa nicht trinken, einen heißen Kakao um so lieber. Also auf zum Café Möller am Beatles-Platz.
   Wohin des Weges, Schwester? „Von meiner Kirchenwohnung in der Großen Freiheit zu Alimaus", antwortet sie nach einem erwärmenden Schluck. Fragende Blicke erwidert sie mit der Erklärung: Gemeinsam mit vier anderen Schwestern und 200 ehrenamtlichen Helfern werden in der Sozialeinrichtung am Rande des Kiezes Frühstück und Mittagessen an Obdachlose und Bedürftige ausgegeben. „300 bis 400 Gäste haben wir", sagt die gelernte Erzieherin. Tag für Tag, finanziert durch Spenden. Hinzu kommen eine Kleiderkammer, medizinische Versorgung sowie eine Beratungsstelle. Im Mai wechselte die Ordensschwester von der „Wärmestube" in Osnabrück als Leite- rin zu „Alimaus".
   Schwester Clemensa blickt auf die Uhr. Eile ist geboten. Seit gestern wird auch Abendbrot ausgeteilt - der Win- ter naht. Was noch mehr Arbeit bedeutet.
    Doch über Mühe und Plage redet die couragierte Wohltäterin gar nicht gerne. Schon eher über ihr Hobby: Ohne Krimi geht sie selten ins Bett. HA09110

kis-Sr.Clemense-z

Mein Vorbild, Mutter Teresa. Ihr Leben widmet Schwester Clemensa Gott und den Mitmenschen.
Auf dem Kiez ist sie für die Menschen da, die am Rande der Gesellschaft stehen.

   Der Kiez in St. Pauli ist nicht Kalkutta. Auf der Reeperbahn liegen keine Leprakranken am Bürgersteig, und zu trinken gibt es auch genug. Doch auch hier zwischen den Spelunken, Tabledance-Bars und Dönerläden gibt es Menschen, die Hilfe benötigen. Die jemanden brauchen wie Schwester Clemensa - die Mutter Teresa von St. Pauli. Mit forschem Schritt geht die Franziskanerin die Große Freiheit entlang. Die bunteste Straße auf dem Kiez, wie die Ordensfrau sie nennt. Die Straße, die sich jede Nacht zur Partymeile verwandelt und in der Schwester Clemensa wohnt. Direkt gegenüber dem Musikklub Große Freiheit 36.
Rund 350 Menschen kommen täglich, um zu essen und sich aufzuwärmen
  
„Moin, Schwester", ruft ihr ein Mann in abgewetzter Kleidung zu. Der unrasierte Mittfünfziger lehnt an einer Haus- wand. Zum Gruß hebt er seine Bierdose. Es ist nicht das erste Bier, das er an diesem Morgen trinkt. Die 69-Jährige, unter deren Kopfbedeckung weiße Haarsträhnen hervorragen, kennt ihn. Er ist jeden Tag Gast in der Alimaus Foto oben, einer Sozialeinrichtung für Obdachlose und Bedürftige am Nobistor. Schwester Clemensa leitet das Haus seit Mai 2009, das mit seiner roten Holzfassade und dem Grasdach wie ein schwedisches Ferienhaus aussieht. Gemütlich, warm, offen für jeden. 300 bis 400 Menschen kommen täglich, um zu essen und sich aufzuwärmen - mit Kaffee, aber auch durch ein bisschen Zuneigung.
   „Wir müssen zwar nicht wie Mutter Teresa sterbenskranke Menschen von der Straße auflesen", sagt Schwester Clemensa. „Aber wir arbeiten in ihrem Sinne." Dem Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, zu helfen, das Leben Gott und seinen Mitmenschen zu widmen, das ist auch ihre Mission. Sie bewundere die Arbeit von Mutter Teresa, die jetzt 100 Jahre alt geworden wäre. „Sie ist ein Vorbild für mich", sagt die Ordensfrau und lächelt sanft. Dabei kräuseln sich viele kleine Lachfalten um ihre hellblauen wachen Augen. Und sie sagt, es sei ein schönes Gefühl, gebraucht zu werden.
   So wie hier auf dem Kiez. Ein Ort, an dem die Franziskaner-Schwester auffällt. Durch ihre hochgeschlossene schwarze Tracht und ihre aufgeschlossene Art. Auch an diesem Morgen zieht sie die Blicke auf sich. Touristen dre- hen sich nach ihr um. Frauen in knappen Miniröcken, die vermutlich gerade von der Arbeit kommen, nicken ihr freundlich zu. Zwielichtig aussehende Kerle mit breiten Schultern grüßen die Schwester in respektvollem Tonfall. „Gerade die Türsteher sind immer sehr höflich", sagt sie. Und so manche Gestalten, die vermutlich im Kiezmilieu  zu Hause sind, stecken der Ordensfrau mit einem knappen „Für die Kaffeekasse" schon mal Geld zu. Es ist ihre ganz eigene Art zu helfen. Ohne viel Aufsehen. „Sie wissen, dass ich in der Alimaus arbeite", sagt Schwester Clemensa. So wie die meisten, die täglich auf der Reeperbahn anzutreffen sind.
   Ja, diese Leute pflegten schon einen anderen Lebensstil. „Aber deshalb sind es ja keine schlechten Menschen. Sie sind nur anders", sagt die zierliche Frau, die auch schon der Kultkneipe Zum Silbersack einen Besuch abstatte. Interessant sei es, in diese anderen Welten einzutauchen. „Jeder lässt jeden nach seinem Stil leben."
Als Teenager träumte sie davon, später zu heiraten und Kinder zu kriegen
  
Ablehnung bekomme sie nicht zu spüren auf Hamburgs Amüsiermeile. Umgekehrt begegnet sie jedem mit Re- spekt. Egal, ob oder womit er sein Geld verdient. „Es ist eine sehr tolerante Gegend hier", sagt Schwester Cle- mensa, während sie am Cafe Möller am Beatles-Platz vorbeigeht („Hier trinke ich ab und zu einen Kaffee"). Um hier glücklich zu werden, sei es wichtig, jedem unvoreingenommen gegenüberzutreten. „Man muss sich für die Men- schen hier interessieren - und sie ein Stück weit lieben."
  Weniger geliebt hat sie das Bauernhofleben in niedersächsischen 4.000-Einwohner-Ort Merzen, in dem Clemensa Möller 1941 zur Welt kam. „Das war nicht mein Ding", sagt sie und rümpft für einen kurzen Augenblick die Nase. „Ich hatte keinen Draht zum Bauernhof." Groß geworden ist sie fernab von grell blinkender Leuchtreklame in einem katholischen Elternhaus. Zusammen mit drei Brüdern und einer Schwester. „Gottesdienstbesuche gehörten für uns dazu wie das Essen und Trinken."
  Mit Ordensschwestern kam sie das erste Mal in Kontakt, als sie auf ein Internat im Emsland kam, wo sie ihre mittlere Reife machte. „Aber eine Ordensschwester wollte ich damals noch nicht werden", sagt sie und lacht. Als Teenager träumte sie noch vom Heiraten und Kinderkriegen. „Das Leben der Schwestern war mir fremd." Aber sehr geschätzt habe sie diese Frauen. Und sie beobachtet. „Mit der Zeit wuchs der Wunsch, denselben Weg ein- zuschlagen."
   Mit 20 stand ihr Entschluss fest, ins Kloster zu gehen. Eine Entscheidung, die ihre Familie wenig begeisterte. „Meine Geschwister fanden es sogar unmöglich", erinnert sich die Frau mit dem hübschen Lächeln. Ihre Mutter habe es akzeptiert. „Sie hat es hingenommen, weil sie wusste, dass es wenig Sinn macht, mich davon abzu- bringen." So sei sie schon als Kind gewesen. „Wenn ich mir etwas fest vorgenommen habe, habe ich es auch gemacht."
   Schwester Clemensa schmunzelt, und für eine Sekunde scheint das kleine, dickköpfige Mädchen von früher vor einem zu stehen. Dass sie in dem Franziskanerkloster in Thuine bleiben wollte, sei ihr eigentlich von An- fang an klar gewesen. „Ich hatte dieses Gefühl: Hier gehöre ich hin. Die Gemeinschaft zu erleben war schön. Und wir hatten viel Spaß - wir waren ja alle noch sehr jung damals", sagt Schwester Clemensa, die im Laufe der Jahre unter anderem in verschiedenen Kinderheimen als Erzieherin tätig war und vor ihrer Hamburger Zeit in der „Wärmestube" in Osnabrück gearbeitet hat.
   Eines haben all ihre Stationen gemeinsam: die Nächstenliebe, die für Schwester Clemensa wesentlicher Be- standteil ihres Selbstverständnisses ist. „An Nächstenliebe fehlt es immer", sagt sie und geht zielstrebig Richtung Nobistor. „Man bemüht sich, das zu geben, was jeder braucht - aber erfüllen kann man es nicht." Entmutigt klingt sie dabei nicht. Eher bescheiden.
   Den Gästen in dem Haus Alimaus, das durch Spenden finanziert wird, hat sie gemeinsam mit vier anderen Schwestern und 200 ehrenamtlichen Helfern viel zu geben. Mehr als nur Frühstück und Mittagessen. Hier können die Mittellosen auch die Seele auftanken. „Manchmal hilft es schon, wenn sich jemand ihre Sorgen und Nöte anhört und man einfach nur zuhört", sagt Schwester Clemensa. Sie steuert den Eingang der Sozialeinrichtung an.
Berührungsängste kennt Schwester Ciemensa nicht
   Sie wird bereits erwartet. Rund ein Dutzend Bedürftiger steht vor der Tür. Die Männer schenken der Ordensfrau ein Lächeln, das sie erwidert. Berührungsängste hat sie nicht. Es sind keine Leprakranken, die dort auf sie warten. Aber Menschen, die zum Teil schon längere Zeit nicht mehr geduscht haben. Die ihre Alkoholsucht nicht im Griff haben. Ebenso wenig wie ihr Leben. Schwester Clemensa gibt ihnen ein Stück ihrer Würde zurück.
HA100826FranziskaBehring Spendenkonto: Hilfsverein St. Ansgar, Hamburger Sparkasse, Kontonummer 103 824 60 60 BLZ 200 505 50 Stichwort:„Alimaus”.

St-MutterTeresa-z  Sr Clemensa: Mutter Teresa - Mein Vorbild  St-MutterTeresaPost-x

Mutter Teresa [1910-1997] - „Engel der Armen“ wurde vor 100 Jahren geboren.
Mutter Teresa stellte ihr Leben in den Dienst der Nächstenliebe.

   Den Ärmsten der Armen in den Slums von Kalkutta zu helfen war ihre Mission. Jetzt wäre Mutter Teresa, der „Engel der Armen", 100 Jahre alt geworden. Mutter Teresa kam in Skopje, der Hauptstadt des heutigen Maze- doniens, zur Welt. Ihr bürgerlicher Name war Agnes Gonxha („Knospe“) Bojaxhiu. Ihre Eltern erzogen sie und ihre beiden Geschwister im katholischen Glauben. Bereits im Alter von 18 Jahren entschloss sich Mutter Teresa dazu, in den Orden der irischen Loreto-Schwestern einzutreten, wo sie unter anderem Englisch lernte. Nach einem kurzen Aufenthalt in Irland ging sie nach Indien und arbeitete 17 Jahre lang an der St. Mary's School in Kalkutta.
1979 erhielt Mutter Teresa den Friedensnobelpreis
  
Auf einer Zugfahrt nach Darjeeling im Jahr 1946 vernahm sie „Gottes zweiten Ruf", den Ärmsten der Armen zu helfen. Zwei Jahre später verließ sie die Loreto-Schwestern und gründete den Orden der „Missionarinnen der Nächstenliebe". Mutter Teresa, die sich ins Gewand der Armen in Bengalen kleidete - einem weißen Sari mit blauer Borte -, stellte ihr Leben fortan in den Dienst der Nächstenliebe und kümmerte sich um die Menschen in den Slums von Kalkutta. 1950 wurden die „Missionarinnen der Nächstenliebe" vom Vatikan anerkannt und dem Erzbischof von Kalkutta unterstellt.
  Mutter Teresa, die am 1997 in Kalkutta an einem Herzstillstand starb, erhielt im Laufe ihres Lebens viele Aus- zeichnungen, darunter den Friedensnobelpreis (1979) und den Unesco-Friedenspreis (1993). Im Jahr 2003 spach Papst Johannes Paul II. sie vor rund 300.000 Gläubigen heilig.
   Dem von Mutter Teresa gegründeten Frauenorden der „Missionarinnen der Nächstenliebe" gehören heute rund 4.500 Schwestern in 133 Ländern an, der Orden unterhält 710 Häuser. Darunter sind Heime für Sterbende, Lepra- oder Aidskranke, Obdachlose und Kinder.
   In Hamburg kümmern sich sechs Missionarinnen im Haus Bethlehem auf St. Pauli um Obdachlose. Insgesamt leben im Erzbistum Hamburg 250 Ordensschwestern, darunter Franziskanerinnen, Clarissinnen und Dominika- nerinnen. HA100826fbe Mehr über Mutter Teresa > Heilige Frauen

Gäste im Kloster auf Finkenwerder     SrTeresaFinkenwerder-x     mit Schwester Teresa

   Wer eine Auszeit von der Hektik des Alltags sucht, ist bei den drei Karmelitinnen in Hamburg auf Finkenwerder willkommen. Schweigen und Stille sind wichtige Elemente des katholischen Ordens, den die Heiligen Teresa von Avila im 16. Jahrhundert erneuerte. Dass Gäste am geistlichen Leben der Schwestern teilhaben können, ist eine Besonderheit der kleinen „Karmelzelle von der Menschwerdung” auf der Elbinsel. Als klausurierte Schwestern leben wir normalerweise im Verborgenen”, erläutert Schwester Teresa. Viele Gäste haben seit der Kloster- gründung 1999 die Möglichkeit genutzt zum gemeinsamen Schweigen und Meditieren, etwa bei den regelmäßigen „Tagen der Stille”. Anmeldung: 040 – 74 21 43 75. MishaLeuschenHA070313

EsterwegenLxx Lager Esterwegen

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   Die Ordensfrauen sollen dort im Gebet und Gespräch den Besuchern der Gedenkstätte Esterwegen zur Ver- fügung stehen, die vom Landkreis Emsland derzeit aufgebaut wurde. Außerdem sind sie in der Gemeindearbeit aktiv.
   Der Osnabrücker Generalvikar Theo Paul habe mit seiner Anfrage bei ihr “offene Türen eingelaufen”, berichtet Schwester Birgitte Hermann, Provinzoberin der Mauritzer Schwestern im Mutterhaus in Münster: “Mein Herz fing sofort an zu brennen, als ich den Brief las.” Für den Orden, der eigentlich in Krankenhäusern, Altenheimen und Sozial-Stationen im medizinisch-pflegerischen Bereich tätig ist, sei dies eine Chance, “einen heilenden Dienst auf andere Weise” zu leisten.
   Schwester Birgitte berichtet, dass ihre Anfrage an die etwa 800 Schwestern der deutschen Provinz, ein positives Echo erhalten habe. Viele der Schwestern hätten den Schrecken des Nationalsozialismus noch unmittelbar selbst erlebt und spürten noch heute die Nachwirkungen. “Aber wir haben nie darüber geredet”, sagt Schwester Angeli- nis Lübbers, eine jener Schwestern, die sich dazu bereit erklärte, nach Esterwegen zu gehen.
  Die Franziskanerinnen kommen an einen Ort, an dem Menschen unbeschreibliches Leid erfahren haben:“Ich habe den Wunsch, dass wir an diesem Ort mit unserem geschwisterlichen Zusammensein etwas entgegensetzen”, sagt Schwester Jacintha Altenburg. “Wir wollen im Gebet anwesend sein, ohne uns anderen aufzudrängen – damit können wir ein neues Fundament schaffen.” Sie könnten zeigen, dass an einem Ort, an dem einmal viel Unheil ge- schehen sei, Heil sein könne: “Wir wollen den Menschen Christi heilende Gegenwart bringen.” Wie genau ihr Engagement aussehen wird, wollen sie erst festlegen, wenn sie im neuen Kloster angekommen sind.
mibSt.MauritzMS060629

EsterwegenMauritzSxx  Kloster Esterwegen

Mauritzer Franziskanerinnen beziehen Kloster neben dem ehemaligen Lager Esterwegen

   Vier Mauritzer Franziskanerinnen haben ihr neues Kloster am ehemaligen Lager in Esterwegen bezogen. Dort wollen sie mit Gebet und Gespräch die Erinnerungsarbeit der Gedenkstätte mittragen. Auf diese Aufgabe freuen sich Schwester Jacintha Altenburg, Schwester Annegret Budde, Schwester Angelinis Lübbers und Schwester Vero- nika Bothe sichtlich. „Das ist wie ein Geschenk von oben”, sagt Schwester Veronika mit zupackender Begeisterung.
   Gern führen sie erste Besucher herum, lassen sie einen Blick ins Wohnzimmer und das Gäste-Appartement werfen und auch in die kleine Kapelle mit dem wuchtigen Altar aus 450 Jahre altem Eichenholz. „Wir haben schon Priester gefunden, die mit uns Gottesdienst feiern”, sagt Schwester Angelinis lächelnd. Zu dieser Messe und zu einigen Gebetszeiten werden die Besucher eingeladen. Diese Offenheit ist den Franziskanerinnen wichtig. Man spürt, wie überzeugt alle vier Frauen von ihrer Aufgabe sind, an diesem Ort gemeinsam etwas Neues aufzubauen. „Das ist wie ein Geschenk von oben”, sagt Schwester Jacintha.
   Denn ein Kloster direkt neben einer Gedenkstätte für ein ehemaliges Konzentrationslager, das ist auch für den Münsteraner Orden ein neuer Weg. Freiwillig hatten sich die Schwestern dafür gemeldet. Mit Praktika in Dachau oder Ravensbrück und mit intensiver Lektüre zur deutschen Vergangenheit haben sie sich auf Esterwegen vor- bereitet. „Ich wusste vorher nicht viel über die Emslandlager”, gibt Schwester Veronika zu. Aber je näher der Ein- zugstermin rückte, desto mehr spürten sie bei vielen Begegnungen, wie Geschichte die Gegenwart prägt. Sogar bei Eltern und im eigenen Orden: „Auf einmal darf darüber geredet werden”, sagt Schwester Jacintha. Für sie, eine gebürtige Niederländerin, mag der Dienst in Esterwegen ein besonderer Schritt sein. Ihre Familie hatte im Krieg sehr gelitten. „Diesen Schmerz möchte ich in Versöhnung verwandeln.”
   Nicht mit Seminaren oder Führungen über das Lagergelände wollen sie das erreichen. Das wird Aufgabe des Landkreises Emsland und des Dokumentationszentrums (DIZ) sein, die die Gedenkstätte aufbauen. Die Ordens- frauen wollen durch ihre bloße Präsenz helfen und heilen. „Wir wollen einfach da sein”, sagt Schwester Veronika: ohne sich aufzudrängen und damit diesem verwundeten Ort ein neues Gesicht geben.
   Oft genug werden sie genau hinhören, werden feinfühlig erspüren müssen, was ihren Gast bewegt. Wer mag, kann darüber mit einer der Franziskanerinnen sprechen. Oder sich still in den „Raum der Sprachlosigkeit”, nach draußen oder in die Kapelle setzen. Helfen wird dabei die Anbindung an St. Johannes in Esterwegen. Schwester Annegret und Schwester Angelinis arbeiten dort weiter mit: im Krankenbesuchs- und Küsterdienst. Schwester Veronika denkt daran, Exerzitien im Alltag, Bibel-Teilen oder Fastenwochen anzubieten - gerade für Mitglieder des Gemeindeverbundes.
   Wie groß das Interesse der Esterweger an ihrem ersten Kloster ist, haben die Ordensfrauen erfahren. Sie berichten von freundlichen Zaungästen, von lieben Geschenken und einem warmen Willkommen in der Gemeinde. Das hat über die anfängliche Angst an diesem abgelegenen, stillen Ort und die erste schlaflose Nacht hinweg- geholfen. „Das ist vorbei”, sagt Schwester Jacintha und schaut ihre Gefährtinnen an. „Wir fühlen uns wohl hier.” Petra-DiekMünchowKiBo070610

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Foto: Das neue Kloster auf dem ehemaligen KZ-Gelände in Esterwegen ist eingeweiht.
Die Schwestern Veronika links, Angelinis Mitte und Jacintha kümmern sich um die Menschen,
die nach dem Rundgang durch die Gedenkstätte einen Ort der Ruhe suchen.

   Wie ein Kloster sieht das gar nicht aus: ein nüchternes Backsteinhaus, der Garten ganz ohne Mauer. Doch in die einstige Verwaltungsstelle der Bundeswehr sind Mauritzer Ordensfrauen eingezogen. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat jetzt das neue Refugium der vier Franziskanerinnen ein. Noch ungewöhnlicher als der Bau ist der Standort des Klosters: Es liegt auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Esterwegen. Gleich neben der dort entstehenden Gedenkstätte soll es an die Leiden der damaligen Häftlinge erinnern.
   Die Geschichte der 15 Emslandlager, zu denen Esterwegen gehörte, ist in der Region lange verdrängt worden. „Das kannten eher die von außerhalb”, erzählt Klosternachbar und Gemeinderat Hermann Memering. „Hier im Dorf war das kein Thema.” Fast 30.000 Gefangene, die von den Nationalsozialisten unter unmenschlichen Bedingungen zur Kultivierung der Moore gezwungen wurden, starben dort insgesamt, darunter in Esterwegen nach 1933 zahlreiche Widerstandskämpfer.
   Der 56-jährige Memering hat mehr als 30 Jahre lang als Hausmeister der Bundeswehr auf dem Gelände gearbei- tet. Den meisten aus dem Ort dagegen ist das umzäunte Gebiet nie zugänglich gewesen. Nach der Auflösung des Militärdepots entschied der Landkreis Emsland vor zwei Jahren, Esterwegen zur zentralen Stätte der Erinnerung an die Konzentrations- und Gefangenenlager der Nazis im Emsland auszubauen. Und der Osnabrücker General- vikar Theo Paul hatte die Idee mit dem Kloster, wo Besucher das Erlebte ein Stück weit verarbeiten können.
 Mit dem Einzug der Schwestern Jacintha, Veronika, Angelinis und Annegret aus Münster öffneten sich im Mai buch- stäblich die Türen. Das Rolltor an der „Lagereinfahrt” wurde aufgezogen. Ein Spitzbogen aus Lärchenholz weist den Weg in das Kloster. Freundlich blicken die Frauen in den grauen Ordenstrachten Besuchern in die Augen, die - derzeit nur nach Anmeldung - den Rundgang durch die noch provisorische Gedenkstätte hinter sich haben und die Klosterpforte passieren. 5.000 waren vor der offiziellen Klostereinweihung schon da, allein 2.000 am Tag der offenen Tür. „Die Begegnung mit Schikane, Folter und Todesqualen kann sprachlos machen”, sagt die aus Holland stammende Schwester Jacintha. Ein „Raum der Sprachlosigkeit” lade deshalb zum Nachdenken ein.
   Stahlgitter versperren dort seit dem Umbau die Fenster. Überall im Kloster weisen der Architekt Ulrich Tilgner und der Bildhauer Klaus Simon anrührend auf die leidvolle Lagergeschichte hin. Da zeigen die Eichenbänke und das Kreuz in der Kapelle Risse und Granatensplitter als Bilder der Verletzlichkeit. Da wird die Lore, einst Fahrzeug beim zwangsweisen Torfabbau, im Gottesdienst zum Altar. Betonstelen symbolisieren Standhaftigkeit, dahinter schaffen Torfstücke und das „Lied der Moorsoldaten”, 1933 von Lagerinsassen geschrieben, ein bleibendes Vermächtnis. „Das ist ihr Testament”, betont Schwester Jacintha beim Blick auf den Text an der Wand. „Wir haben die Häftlinge hier mit hereingenommen.” Nicht wenige Besucher trauten sich sogar, die bekannte Melodie anzustimmen und ihre Eindrücke so zu verarbeiten.

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Foto: Erinnerungen im Halbdunkel: Die Franziskanerinnen Jacintha und Veronika im “Raum der Sprachlosigkeit”.
Die Lore aus Holz soll an die schwere Arbeit der Gefangenen im Moor erinnern.

  Den christlichen Glauben wollen die Franziskanerinnen keinem aufdrängen. Sie haben offene Ohren für jeden, der ihnen seine Geschichte erzählen mag. Zum Beispiel für den über 70-Jährigen, der als kleiner Junge einem ge- fesselten Häftling helfen wollte, aber vom ängstlichen Vater gleich weggezogen wurde. Oder für die Anwohner, die die Schmerzensschreie der Lagerbewohner hörten und darunter litten, sowie auch für jene, die nichts gewusst haben wollen. Ein früherer Häftling aus Belgien, der das Lager besichtigte, wollte nicht sprechen. „Er hat sich ganz erschüttert und stumm zum Auto zurückführen lassen”, erzählt Schwester Veronika.
   Von den einstigen Aufsehern des Lagers hat sich bisher keiner an den Orden gewandt. Freuen können sich die Schwestern über die gar nicht wenigen Esterwegener, die damals aus Mitleid den ausgehungerten Häftlingen Brot oder Kartoffeln über den Zäun warfen. Manche von ihnen, und auch ihre Kinder und Enkel, bringen heute den Ordensschwestern Gemüse aus dem Garten, Marmelade und Eingemachtes als Spende vorbei. Seit es das Kloster gibt, ist das Lager im Dorf zum Gesprächsstoff geworden. HAZGabrieleSchulte071119

Nächstenliebe. In der Innenstadt von Hamburg ist sie der Anlaufpunkt für Menschen in Not:
Die “Mutter Teresa” vom Gerhart-Hauptmann-Platz - Liebfrauenschwester Petra Schulte.

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Mit ihrem Volkswagen steht Ordensschwester Petra regelmäßig vor Karstadt und hilft Obdachlosen und
anderen Bedürftigen. Die gute Seele vom Gerhart-Hauptmann-Platz feierte jetzt ihren 70. Geburtstag

Schwester Petra verteilt Brötchen, Kaffee und Tee, Jacken, Pullover und Schlafsäcke an Obdachlose.
 
Eisig braust der Wind durch die Hamburger Innenstadt. In der Mönckebergstraße müssen sich die Passanten hüten, nicht zu straucheln. Frostige Zeiten ganz besonders für Obdachlose und andere Bedürftige. Welch Segen, dass es Schwester Petra gibt. Unerschütterlich steht sie ihre Frau - stabil, das gesamte Jahr über. Grundsätzlich an der gleichen Stelle, am Gerhart-Hauptmann-Platz vor Karstadt. Seit 1998 gilt ihr weißer VW Caddy dort als Bas- tion der Nächstenliebe, als Anlaufpunkt für Menschen in Not. Zweimal täglich verteilt die 70 Jahre alte Ordens- schwester heiße Getränke, selbst geschmierte Brote, warme Kleidung und manches aufmunternde Wort an jene, die es bitter nötig haben.
   So wie Helmut. Der Frührentner verbringt die Nächte derzeit in einem Wohnheim in der Nähe des Hauptbahn- hofs. Der Fußweg zu Schwester Petra zählt seit Jahren zu den Konstanten in seinem Leben. Beide kennen sich(auch mit Namen) und klönen vertraut. Mit einem Pappbecher Kaffee, einem belegten Rundstück und einem Stück Kuchen zieht der Mann von dannen. „Ohne Schwester Petra wäre das Leben ärmer", sagt er. „Gott sei Dank, dass es diese Einrichtung der mobilen Hilfe gibt." Die paar Minuten am Heck des Mini-Lieferwagens haben ihm ein bisschen Wärme gebracht. So und so.
   Derweil hat sich Schwester Petra, von den umliegenden Geschäftsleuten auch „Hamburgs Mutter Teresa" ge- nannt, anderen zugewandt. In diesen Wintertagen stehen morgens zwischen zehn und elf Uhr meist 25 Personen am helfenden Mobil; nachmittags sind es etwas weniger. Viele sind Stammkunden und kennen sich untereinander. Neulingen hilft die rüstige Ordensschwester nicht nur mit Jacken, Pullovern, Schlafsäcken, Schals und Socken, son- dern auch mit handfesten Tipps. Wo sind Sozialarbeiter oder Seelsorger zu finden? Was bringt das Winternot- programm? Wo gibt es die schnelle Unterkunft?
   „Manchmal sind ein liebes Wort und ein offenes Ohr ebenso wichtig wie Tee oder Brötchen", sagt Schwester Petra Schulte während einer kurzen Verschnaufpause. Sie selbst sei so kuschelig gekleidet, dass sie der Frost nicht störe. Mehr schon die Gleichgültigkeit, mit der mancher Passant auf das Schicksal der Notleidenden reagiere. Dennoch überwiegen Verständnis und Anteilnahme bei weitem. Zuspruch, Komplimente, aber auch Zuschüsse in die Spendenbüchse gehören dazu. Eine Bekleidungsfirma stiftete einen Satz Handschuhe, und jüngst übergab ein Mann spontan seine Pelzjacke.
   Wie gut, dass die Caritas ihrem Namen alle Ehre macht und Schwester Petras anpackenden Dienst ermöglicht. Das speziell ausgerüstete Auto wurde 1997 vom Erlös eines Benefizkonzerts im Michel gekauft, das 22.000 Euro einbrachte. Wenige Monate später ging's los. Seitdem startet die gebürtige Meppenerin aus dem Liebfrauenorden in Beim bei Osnabrück werktäglich um 6.30 Uhr mit ihrem Projekt, welches zur Herzenssache wurde. Nach dem Gebet in ihrer Wohnung im Generalvikariat des Erzbistums Hamburg auf St. Georg werden Dutzende Brötchen geschmiert, 15 Liter Kaffee gebrüht und vier Liter Wasser für Tee aufgesetzt. Zeitgleich liefern Zivildienstleistende von der Bahnhofsmission Kuchenspenden an.Um 9.30 Uhr setzt sich die Ordensschwester in ihren Volkswagen und braust Richtung Einsatzort.
   Dass Helmut, Dieter und andere Stammkunden diesmal mit Blumen kamen, hat guten Grund: Schwester Petra feierte ihren 70. Geburtstag. Mit Gottesdienst und Dank des Weihbischofs. Zeit zum Aufhören? „Eine Ordens- schwester geht nie in Rente", entgegnet sie. „Solange mir der Herrgott die Kräfte gibt, bleibe ich hier stehen." HA100204JensMeyerOdewald
So hilft die Caritas Obdachlosen
   Unter dem Motto „Not sehen und handeln" setzt sich der Caritasverband Hamburg für schwache und benach- teiligte Menschen ein. Seit 1995 ist die Mobile Hilfe mit einem Kleinbus unterwegs, um eine medizinische Erst- versorgung anzubieten. Hinzu kommt ein „Zahnmobil". Im ehemaligen Hafenkrankenhaus gibt es eine „Kranken- stube" mit 14 Betten für Notleidende, und in der Innenstadt befindet sich ein „Stützpunkt" für Obdachlose. Die Caritas ist zusammen mit der Stadtmission und dem Kirchenkreisverband auch Träger der Bahnhofsmission. Im Rahmen des Winternotprogramms fahren Ehrenamtliche der Kirchengemeinden jeden Abend Menschen von der Bahnhofsmission zu der Notunterkunft in die Sportallee. In der Caritas-Zentrale in der Danziger Straße gibt es eine Kleiderkammer und eine Sozialberatung. HA100204JensMeyerOdewald
   Die Ordensgemeinschaft der Liebfrauenschwestern hat ihr Mutterhaus in Belm bei Osnabrück. 31 Schwestern haben hier ihr “zuhause”, erhalten hier ihre Ausbildung und übernehmen dann als Frauen des gottgeweihten Lebens Aufgaben im Dienst des Evangeliums wie Schwester Petra. Es ist mehr als ein Beruf. Es ist eine Berufung zu einem sinnerfüllten Leben. > eMail: haus.st-marien@t-online.de

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Es kommt auf die Kleinigkeiten an. Ein Leben in Gottes Hand: „Ich habe nie viel besessen, vermisse nichts”.
Morgendliche Routine: Frühstückstische decken

Sr. Lucilla Fotos oben ist für die Bewohner des Marienhauses Hannover in der Gellertstraße eine wichtige
seelische Stütze. Die 80-Jährige weiß das und denkt noch lange nicht daran, ihre Arbeit niederzulegen

   Schwester Lucilla hat einen straff organisierten Arbeitstag. Jeden Tag steht die 80-jährige Ordensschwester um 5 Uhr morgens auf. Wenn die meisten Bewohner des Marienhauses noch schlafen und es noch ruhig auf den lan- gen Gängen und in den Zimmern ist, deckt Schwester Lucilla die Tische ein. Alles hat seinen Platz und seine Ord- nung, wenn die Ordensschwester am Werk ist: Sie streicht den gelben Tischläufer sorgfältig über einer weißen Decke glatt, bestückt den Tisch mit gelben Servietten, Kerzen und frischen Blumen. Mit derselben Sorgfalt richtet sie dann das Frühstück an. „Ich möchte dazu beitragen, dass die Bewohner sich hier heimisch und geborgen füh- len", sagt die Ordensschwester. „Da kommt es auf die Kleinigkeiten an."
   Eigentlich ist Schwester Lucilla gelernte Hauswirtschafterin. Doch ihr Engagement geht weit über diesen Bereich hinaus. Seit 30 Jahren steht sie den schwer kranken Bewohnern des Marienhauses und ihren Angehörigen den ganzen Tag zur Verfügung - sie hört zu, spendet Trost und ist eine Stütze in Glaubensfragen.
   Kraft tankt sie immer, wenn sie die Zeit findet, sich im Garten des Hauses zurückzuziehen. Die grüne Oase hinter dem Altenpflegeheim trägt die Handschrift der Schwester, die vor mehr als 60 Jahren in den Orden der Vinzenti- nerinnen eingetreten ist. Im Sommer blühen hier Hyazinthen, Rosen und Rhododendren; religiöse Figuren säumen die Wege. „Die Bewohner sollen sich hier wohlfühlen, die Natur genießen und entspannen", wünscht sich die be- scheidene Frau. Wenn sie dann auf einer der kleinen Bänke Platz nimmt und betet, ist sie ganz bei Gott.
   Energie für ihre tägliche Arbeit holt sich die Ordensschwester in der sogenannten Woche der Stille, die dem Ge- bet und der Andacht gewidmet ist. Während der Exerzitien spricht die sonst so muntere Frau kein einziges Wort. Stattdessen betet, studiert und ruht Schwester Lucilla. „Das ist unglaublich heilsam", sagt sie.
   Schwester Lucilla hat ihr Leben in Gottes Hände gelegt. Alles, was sie macht, vollbringt sie für andere. Und damit steht ihr Leben ganz im Zeichen des Ordens, der sich der Nächstenliebe verschrieben hat. „Ich habe nie daran ge- zweifelt, dass ich den richtigen Lebensweg eingeschlagen habe", sagt sie. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass ihre Eltern sie streng katholisch erzogen haben. „Die jungen Leute von heute müssen viel mehr zurücklassen als wir damals", sagt sie. „Ich hingegen habe nie viel besessen und daher in meinem Amt kaum etwas vermisst."
   Die 80-Jährige erinnert sich noch genau an den Tag, als ihre Familie ihr gesamtes Hab und Gut in Schlesien ver- loren hat. Damals war sie ein 16-jähriges Mädchen - das älteste von zehn Geschwistern. Wenn Schwester Lucilla von der Vertreibung spricht, erzählt sie von Nachbarn, die nach und nach verschwunden sind, von der permanent herrschenden Angst und Unruhe und davon, wie ihre Eltern vorsorglich Kleidung und Geschirr im Hühnerstall versteckt hatten, um das Wichtigste schnell zusammenpacken zu können. Doch dafür blieb schließlich keine Zeit. Die Familie musste aufbrechen - ohne die Habseligkeiten.
   Es begannen Monate der Ungewissheit in Auffanglagern. Schließlich landete die Familie in Braunschweig. Lucilla arbeitete - bevor sie dem Orden beitrat - in einer Fabrik, dann bei einem Bauern und schließlich als Küchenhilfe. „Ich habe mein Leben damals genossen", sagt sie und ihre blauen Augen blinzeln dabei. „Und ich bin auch viel tanzen gegangen", fugt sie hinzu. Die Freude am Feiern hat sie sich bewahrt. „Wenn wir Fasching feiern, ist Schwester Lucilla immer die Letzte auf der Tanzfläche", verrät eine Kollegin augenzwinkernd. HAZ100916Stef.Nickel

Schwester Bernarda ist wiederauferstanden kis-SrMariaBernada-z

   In Argentinien und anderen lateinamerikanischen Ländern ist Schwester Bernarda als Fernsehköchin ungefähr so populär wie Sarah Wiener in Deutschland. Sie zeigt in ihrer Ordenstracht der Schwestern vom Heiligen Kreuz vor der Kamera, wie man selbst aus einfachsten Zutaten Kunstwerke zaubert. Als jetzt die Nachricht vom Ableben der 84 Jahre alten Nonne getwittert wurde, reagierten ihre Fans bestürzt. Doch die Trauer währte nicht lange. Schnell meldete sich die einer Familie von Wolgadeutschen entstammende Schwester Maria Bernarda Seitz bei einem Radiosender und bemerkte, dass sie selbst am meisten von der Todesnachricht überrascht wurde. „Es geht mir sehr gut. Ich bin wiederauferstanden", sagte sie. Die Erfahrung zu sterben habe sie zur Gewissenserforschung angeregt - schließlich werde Ostern die Auferstehung Jesu gefeiert. FAZ110415oe

Schwester Bernarda wurde als TV-Köchin in ganz Lateinamerika zum Star.
Was Gott und die Liebe mit gutem Hefegebäck zu tun haben
 
Wenn der Regieassistent die Karte mit dem pfeildurchbohrten Herzen hochhielt, dann wusste Schwester Bernar- da, TV-Köchin beim argentinischen Sender „elgourmet“, dass es Zeit war für ihre Liebesbotschaft. Sie hielt kurz inne, im Hefeteigkneten zum Beispiel, und sagte etwas wie: „Das Reich Gottes ist in uns, aber wir müssen es rauslassen, durch kleine Zeugnisse der Liebe wie diesen Kuchen.“ Oder sie dekorierte den Teller mit einer Blume: „Diese Rose ist ein wenig blass, aber Gott hat sie uns so gegeben, und die Natur erfreut das Herz“. Wenn man Essen mit Liebe zubereitet, so ihre Botschaft, dann kann gar nichts schiefgehen. Vorausgesetzt, man hat vorher die Backform gut eingefettet.
   Ein halbes Jahrhundert zuvor, am 4. Mai 1949, hatte Padre Daniel ihr einen Ring geschenkt und einen neuen Namen: „Die Novizin Florentina Seitz heißt von heute an Schwester Maria Bernarda“ sprach er und überreichte ihr eine Kerze. Das Licht solle sie in die Welt bringen, trug er ihr auf. Also suchte sich Maria Bernarda, 22, Schwester vom Heiligen Kreuz, ihre Aufgabe. Sie dachte an die Worte von Paulus: „Gott hat jedem von uns durch seinen Heiligen Geist unterschiedliche Gaben geschenkt.“ Fragte sich: Welche Gabe hat er mir gegeben? Manche reden, manche pflegen Kranke, manche predigen. Sie, beschloss Schwester Bernarda, würde kochen. Mit Spiritualität und Pragmatismus.
   Und das tat sie. Kochte Ravioli mit Spinat und Ricotta, Kartoffelauflauf, Schinkenkipfel. Lehrte an Hauswirtschafts- schulen, jahrzehntelang, über 3.000 Schülerinnen. Kochte Spätzle, gefüllte Tomaten, Gulasch. Fuhr nach Deutsch- land und in die Schweiz, um Rezepte zu sammeln. Buk Apfeltorte, Frankfurter Kranz, Ostertauben aus Hefe. Übersetzte deutsche Kochbücher ins Spanische. Mischte Kartoffelsalat, Hähnchensalat, Reissalat. Bis irgendwann jemand vom Fernsehen von der kochenden Nonne hörte. Und sich dachte: Mit der machen wir eine Sendung.
   So wurde aus Florentina Seitz erst Schwester Bernarda und dann die bekannteste Fernsehköchin Lateinameri- kas. „Süße und salzige Versuchungen“ hieß ihre Kochsendung, die bis vor wenigen Jahren im Sender „elgourmet“ lief, den man sogar in den USA und in Spanien sehen kann. Im vergangenen Sommer gab sie noch Kochkurse, mit mittlerweile 84 Jahren, jetzt erscheint ihr neuestes Kochbuch: „Recetas naturales“, Gerichte mit viel Gemüse. Ihr erstes Kochbuch ist in Argentinien ein Klassiker: 120.000 Exemplare von „100 Recetas“ wurden verkauft, in 26 Auflagen.
   Schwester Bernarda lebt in Quilmes, eine halbe Stunde außerhalb von Buenos Aires, in einem Haus des Ordens, das zur spirituellen Einkehr und Meditation dient und umgeben ist von einem Garten mit mächtigen Bäumen. Sie hat Kaffee gekocht und Basler Leckerli gebacken, in der Schweiz haben sie ihr mal gesagt, erzählt sie mit dunkler Stimme, ihre Leckerlis seien besser als das Original.
   Vor Kurzem, jetzt klingt Schwester Bernardas Stimme entrüstet, habe sie sich eine Kochshow im Fernsehen an- geschaut. An den Unterarmen klebte dem Koch der Teig, sie schüttelt den Kopf, und wie der das Ei aufgeschlagen habe, so grob! Sellerie schnitt er, die Blätter warf er einfach weg! Statt zu sagen, dass man daraus einen köstlichen Salat bereiten kann! Was für eine Verschwendung.
   Bei ihr wäre so etwas niemals vorgekommen, ihr Kochen ist mehr Schule als Show. Während andere Fern- sehköche auf „elgourmet“ um die Welt fliegen und Exotisches zubereiten, stand Schwester Bernarda in grauer Tracht, mit weißer Schürze und Ärmelschonern immer in der gleichen einfachen weißgekachelten Schulküche, in der sie auch unterrichtete. Ihre Töpfe glänzten nicht, ihr Ofen bräunte nicht gleichmäßig, ihr roter Mixer hatte schon einige Feiertags-Kuchenteige durchquirlt. Ab und an zeigte die Kamera in Großaufnahme, was ihre Hände kneteten und hackten und schnitten, aber meist stand die Kamera einfach still. Im Hintergrund lief leise mittelalterlich anmutende Musik. Wer beim Zappen inmitten der immer lauten, meist dramatischen und selten botoxfreien argentinischen Fernsehwelt ihre Sendung entdeckte, musste glauben, auf einer entlegenen Insel der Ruhe ge- strandet zu sein.
   Ihre Fans drücken es so aus: „Diese Ordensschwester gibt mir Ruhe, ich entspanne mich, wenn ich ihr und ihrer einfachen kulinarischen Kochkunst zuschaue“, schreibt einer auf Youtube. Oder: „Die Schwester ist ein wunder- bares Wesen und sie kocht wie ein Engel.“
   Man könnte sagen: Es war die neue Einfachheit, die Schwester Bernarda so populär machte. Dabei ist es tat- sächlich immer die alte Einfachheit gewesen, sie kennt es ja nicht anders. Denn einfach war ihre Kindheit in der Pampa, die sieben Geschwister, Eltern und Großeltern versorgten Kühe, Schweine und Hühner. Wenn der Schatten die Wand erreicht hat, sagte die Mutter ihr, als sie noch nicht die Uhr lesen konnte, dann stellst du den Topf aufs Feuer. Außer Salz, Zucker, Reis und Kräutern für den Mate-Tee wurde alles selbst gemacht, gekäst, geschlachtet, gewurstet, „Leberwurst, Blutwurst, alles“! Gekaufte Wurst aß sie zum ersten Mal im Konvent, 16 war sie da, eklig schmeckte ihr die, „ich bekam sie kaum runter“.
   Die Liebe zu Gott und zum Essen, sagt Schwester Bernarda, gehörte für sie seit ihrer Kindheit zusammen. Be- stimmte doch beides den Tagesablauf, morgens früh melkte der wolgadeutsche Großvater die Kühe, in einer Hand den Rosenkranz, „Heilige Mareia, Muttergottes“. Die Mutter brachte den Kindern den Katechismus bei, gebetet wurde vor jedem Essen. Die Kirche war weit, einmal im Jahr kam der deutsche Missionar. Dann war Messe, und später spielte Bernarda, damals noch Florentina, mit ihren Geschwistern alles nach, warf sich einen Umhang um, denn im Spiel war sie immer die Religiöse. „Glücklich war ich“, sagt sie, auch wenn die Mutter schimpfte: „Die Heili- ge Messe spielt man nicht nach!“
   Die Familie, sie hat Schwester Bernarda geprägt, äußerlich ist ihr der leichte deutsche Akzent geblieben und die Vorliebe für deutsches Essen, innerlich die Überzeugung, dass es glücklich macht, etwas für die Familie zu tun. Dass dem Ring von Padre Daniel kein anderer folgen durfte, bekümmerte sie nicht, konnte sie so doch vielen Familien weitergeben, was sie bis heute glaubt: Dass es ein Zeichen der Liebe ist, für jemanden zu kochen.
    Ein Zeichen, das in der Welt der Schwester Bernarda die Frauen geben sollen. Kochende Männer kommen bei ihr nicht vor, sie begrüßte ihre Zuschauerinnen mit „liebe Freundinnen“ und redet von den Hausfrauen, denen sie zeigen will, wie man durch perfekte Organisation des Haushalts Zeit spart.
   Wo bleibt da die Emanzipation? könnte man fragen, ihr ein antiquiertes Weltbild vorwerfen – aber in Wahrheit ist es doch genau das, wofür sie geliebt wird: Für die Verkörperung einer Zeit, in der die Rollen klar verteilt waren, die Familie eng zusammenlebte, die Natur den Alltag bestimmte und alles seinen festen Platz hatte. Eine Zeit, die oft die gute alte genannt wird, und die man doch nicht wiederhaben will. Aber die halbe Stunde, in der Schwester Bernarda kocht, ist ein kleiner Fluchtpunkt aus einem Alltag, in dem alles möglich ist und deshalb alles infrage gestellt wird. Eben eine Insel der Ruhe, die Konzentration auf das Wesentliche.
   Nur wenn es um die Dekoration geht, wird Schwester Bernarda übermütig. Dann wird Sahne gespritzt und Schokolade gestreut, werden Blumen in den Zuckerguss gesteckt und Kiwis auf den Kuchen gestapelt. Schön muss es aussehen, sagt sie, damit die Liebe sichtbar wird. In ihrer Sendung strahlte sie dann, schaute von ihrem Werk in die Kamera und warf ihren Freundinnen einen Handkuss zu. Und schwebte aus dem Bild, mit fast übernatürlicher Leichtigkeit. Tagesspiegel110415

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Dominikanerinnen in Lage-Rieste

   Vor zehn Jahren kamen 14 Dominikanerinnen nach Lage Rieste. Der Bischof von Osnabrück Dr. Franz Josef Bode hatte sie eingeladen. Das Gebet und die Zeit des Schweigens sind Kennzeichen dieser Gemeinschaft, die vor 800 Jahren vom heiligen Dominikus gegründet wurde. Heute gehören 4.500 Ordensschwestern in 250 Klöstern diesem Orden an. Neben Regensburg und Bamberg steht in Lage-Rieste das dritte Kloster der Dominikanerinnen in Deutschland. 070109NOZ

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ARD-Serie: Um Himmels willen. Auszug aus einem Interview der NOZ mit Janina Hartwig

Frau Hartwig, die Dominikanerin Susanna Mander siehe Bericht unten ist ganz begeistert von Ihnen. Hätten Sie damit gerechnet?
   Ich habe es gehofft. Natürlich habe ich mich im Vorfeld der Dreharbeiten viel mit Nonnen und einem Karme- litenpater unterhalten, der zu den besten Freunden unserer Familie zählt. Insofern war mir das Thema überhaupt nicht fremd. Wenn ich dann noch von einer Nonne, die sozusagen im Stoff steht, so eingeschätzt werde, freut mich das natürlich um so mehr.
Wer ist Ihre engste Beraterin in Nonnenfragen?
   Ich habe hier in München meine Schwester Rita, die kann ich mit Fragen jeglicher Art anrufen. Und sie ist zu einer ähnlichen Einschätzung gekommen. Sie sagt: Natürlich ist das eine Komödie, ganz so läuft das bei uns nicht ab, aber es gefällt mir. Da ist das beste Kompliment, das sie mir machen konnte - wir drehen ja schließlich keinen Do- kumentarfilm über das Klosterleben, sondern spielen eine Komödie. Und so etwas ist immer dramaturgisch über- höht.
Hat es eigentlich vonseiten der Kirche mal Versuche gegeben, die atheistische Fernseh-Nonne ein- zuge- meinden?
   Überhaupt nicht, warum auch? Ich bin ja Schauspielerin, Ich habe mal eine Selbstmörderin gespielt und sitze jetzt ganz lebendig vor Ihnen. Außerdem ist mir das Thema überhaupt nicht fremd gewesen. Meine Eltern haben immer darauf geachtet, dass es neben dem sozialistischen System der DDR noch etwas anderes gibt. Meine Mut- ter war viel mit uns Kindern in der Kirche, und in meiner Dresdner Zeit hatte ich auch viel Kontakt zu Kirchenleuten. Gerade in der Wendezeit hat die Kirche ja eine große Rolle gespielt. Und die Familie meines Mannes besteht ohnehin aus praktizierenden Katholiken. Mein Mann als Cellist spielt oft Kammerkonzerte in Kirchen, da begleite ich ihn häufig und gern.
Gehen Sie Ostern eigentlich in die Kirche?
   Ganz bestimmt. Fast mit der ganzen Familie - mit meinem Mann, meinem kleinen Sohn und einer der beiden Töchter, die andere hat selbst Besuch. Das hat Tradition bei uns: Erst gehen wir in die Kirche, dann noch ein bisschen spazieren. Einer geht dann schon mal vor, und wenn wir heimkommen, ist der Osterhase da gewesen und hat überall die Eier verteilt.
Sie sind doch gar nicht in der Kirche, warum gehen Sie dann rein?
   Mein Mann ist katholisch, dem ist es ein Bedürfnis, und ich gehe gerne mit. JoachimSchmitzNOZ070407

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Dominikanerin Susanna Mander, Kloster Lage-Rieste Foto: ARD-Sr.Hanna

Aus anfänglichem Kopfschütteln wurde Anerkennung für die Fernseh-Nonne
  
Ahnungslos habe ich mich auf etwas eingelassen, das nicht zu meinem Tagesprogramm gehört: TV-Unterhal- tungsendungen anzuschauen. „Um Himmels Willen!” musste ich spontan denken, als ich die ersten Folgen der gleichnamigen Reihe gesehen hatte. Denn bei kritischer Betrachtung kann ich nur schmunzeln und den Kopf schü- tteln über die skurrilen Figuren wie die Nonnen, den Bischof und den Bürgermeister, der sich von einer Nonne die Leviten lesen lässt (was ich toll fände, wenn es so was in der Realität gäbe). Es belustigt mich auch das Drum- herum, das Hightech-Büro der Ordensoberin zum Beispiel im Gegensatz zu dem einfachen Kloster in Kaltental. Kurzum: Mit der klösterlichen Realität hat das Ganze wenig zu tun.
  Was ist es aber, das dieser Serie so hohe Einschaltquoten beschert? Zweifellos ist es die Ordensschwester Hanna, dargestellt von Janina Hartwig. Als „echte” Nonne nahm ich sie, zugegeben, ziemlich skeptisch aufs Korn. Doch ich muss anerkennen: Sie spielt ihre Rolle erstaunlich gut und verstellt das Bild einer Ordensfrau nicht. Warum? Unbefangen und auch natürlich hat sie sich in diese Rolle eingelebt. Sie trifft immer den richtigen Ton, ist ganz bei der Sache und immer anwesend, wenn und wo es brennt. Sie scheut sich nicht, den Menschen die Wahrheit zu sagen, und zwingt sie geradezu, ihre „Machenschaften” zu beenden. Sie ist bei alledem nicht rechthaberisch, ehr- oder selbstsüchtig, sondern setzt sich ein für jene, die in Not und hilfsbedürftig sind, denen Unrecht geschieht. Beispielhaft!
   Damit verkörpert sie genau das Gegenteil des Bürgermeisters, der rechthaberisch, eitel und berechnend stets auf seinen Vorteil bedacht ist. Interessant ist, dass von den beiden Hauptrollen nur die Person des Bürgermeisters völlig überzogen und karikiert ist, die der Nonne aber nicht. Von der Spannung zwischen diesen beiden Personen, zwischen Nonne und Bürgermeister, zwischen „Kirche und Welt”, zwischen Gut und Böse, ja, auch zwischen Frau und Mann, lebt die Serie. Eine ähnliche Konstellation war schon bei „Don Camillo und Peppone” erfolgreich. Trotz der zum Teil überzeichneten Charaktere zeigt diese Fernsehreihe zumindest im Hinblick auf die Hauptdarstellerin kein negatives Nonnenbild (was auf ihre Mitschwestern allerdings nicht durchweg zutrifft).
   Was vermittelt diese Serie? Sicher nicht das wirkliche Ordensleben in einem Kloster - aber doch, in der Person von Schwester Hanna, das Bild einer Ordensfrau, die couragiert, engagiert und aufrichtig ihren Weg geht - und davon gibt es in der Realität ganz viele. Das lieben die Zuschauer wohl auch an dieser Fernseh- Nonne. Mal sehen, wie es mit meiner „Mitschwester” Hanna weitergeht.
   Schwester Susanna Mander gehört seit 1962 dem Dominikanerinnen-Orden an. Seit dem Jahr 2000 lebt sie mit zehn weiteren Schwestern im Dominikanerinnenkloster „Zum gekreuzigten Erlöser”, das das Bistum Osnabrück vor sieben Jahren in der ehemaligen Kommende Lage in Rieste, Landkreis Osnabrück errichtet hat. NOZ070407
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Das gute Ende einer langen Suche: Sehnsucht Kloster: Eine Neurobiologin wird Ordensfrau
Von Hermann Queckenstedt (Text)und Hermann Pentermann (Fotos)              NOZ120120

   Der 8. Dezember spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte des Dominikanerinnenklosters „Zum gekreuzigten Erlöser" in Lage-Rieste (Landkreis Osnabrück): Am 8. Dezember 2000 weihte der Osnabrücker Bischof Dr. Franz- Josef Bode die neue Ordensniederlassung in der alten Johanniter-Kommende Lage, und auf den Tag genau elf Jahre später gab es für die neun Ordensfrauen erneut einen großen Grund zur Freude: die erste Einkleidung einer Novizin oder - wie man außerhalb des Klosters formulieren würde - die erste Neuaufnahme, freilich zunächst auf Zeit und zur Probe.
   Rund anderthalb Jahre zuvor hatte Joanna Maria Otto im April 2010 erstmals Lager Klosterluft geschnuppert: „Ich erinnere mich noch gut daran. Als sie den Klosterhof betrat, blitzte und donnerte es aus heiterem Himmel", beschreibt Priorin Susanna Mander jenen denkwürdigen Tag, an dem sie den Gast - sicherlich mit einem schel- menhaften Lächeln um die Lippen - nach der Bedeutung dieser Himmelszeichen fragte. Eine Erklärung hatten beide jedenfalls nicht.
   Die 35-jährige Neurobiologin Joanna Maria Otto bog damals auf die vorläufige Zielgerade eines Weges ein, den ihr sicherlich dreieinhalb Jahrzehnte zuvor kaum jemand prophezeit hätte. In Berlin geboren, wuchs sie zunächst ohne den christlichen Glauben auf: Getauft wurde sie erst im Jahre 2006.
   Die Suche nach dem Leben und seinem Sinn führte sie nach dem Abitur nach Freiburg, wo sie - fasziniert von der Natur - Biologie studierte. Um dem Wesen des Menschen nachzuspüren, spezialisierte sie sich auf das Fachgebiet der Neurobiologie und erforschte die menschlichen Sinne. Die junge Wissenschaftlerin promovierte 2004 mit einer Arbeit über das menschliche Gleichgewicht zur Doktorin der Naturwissenschaften und arbeitete zuletzt in der Augenklinik der Universität, um das Sehen zu erforschen.
   „Die Arbeit war zwar spannend, aber nicht erfüllend, und sie hat mich nicht glücklich gemacht", bilanziert sie heute. In dieser Zeit ihres Suchens begegnete sie den Dominikanern, die gerade die Freiburger Pfarrei St. Martin übernommen hatten.
   Die Seelsorger im Ordensgewand verwiesen Joanna Maria Otto später auf die Schwestern im Kloster Lage, die als kontemplative Gemeinschaft ganz auf das Gebet und die Besinnung ausgerichtet sind. Drei Aufenthalte im Konvent weckten ein so nachhaltiges Interesse, dass die Mittdreißigerin sich um die Aufnahme ins Kloster bewarb.
   Die Zustimmung zu einem solchen Schritt ist keinesfalls die einsame Entscheidung von Priorin Susanna Mander und ihrer Steilvertreterin Maria Magdalena Dörtelmann, sondern sie erfolgt nach intensiver Absprache im Kapitel - also in der Abstimmung aller Schwestern. Im Fall von Joanna Maria Otto neigte sich die Waagschale schnell zugunsten der angehenden Novizin: „Schwester Joanna Maria hatte sich ja bereits länger mit Sinnfragen beschäf- tigt, die auch unser Leben bestimmen. Ihr Schritt war keine Weltflucht, sondern die bewusste Entscheidung für unseren alternativen Weg", erläutert die Priorin.
   Das Leben in Gebet und Besinnung hinter Klostermauern erfordere starke Persönlichkeiten, die, selbstbewusst und doch auf die Gemeinschaft ausgerichtet, ihren Beitrag im Konvent leisteten. Wer mit Schwester Joanna Maria ins Gespräch kommt, erlebt sie als eine solche starke, ruhige und reflektierte Persönlichkeit. Ihr Umfeld reagierte zunächst überrascht, habe die Konsequenz ihres Weges aber akzeptiert und ihrer „Sehnsucht" sowie ihrer „Beru- fung" Respekt gezollt: „Alle konnten die Klarheit in mir spüren und sehen, dass ich glücklich bin."
   Schwester Joanna Maria, die nicht von Kindesbeinen an in den katholischen Glauben hineingewachsen ist, geht in einer zusehends entchristlichten Welt einen sicherlich künftig häufiger anzutreffenden Weg.
   Doch wie steht die neue Ordensfrau dazu, dass ihr Weg Gegenstand der Berichterstattung wird? Sie dränge sich nicht danach, gibt Joanna Maria unumwunden zu. Und doch sei es künftig auch ihre Aufgabe, Zeugnis zu geben.
   Mit Blitz und Donner hatte sich Joanna Maria Otto im April 2010 in Lage vorgestellt. Als Priorin Susanna ihr am Fest der unbefleckten Empfängnis Mariens zwischen 11.40 und 11.48 Uhr den Ordenshabit als neues Kleid überreicht, regt sich der Himmel erneut: Die Wolken brechen auf, und durch die großen Fenster der Kloster- kapelle sendet die Sonne ihre Strahlen - auf die Novizin, aber auch auf ihre neue Lebensgemeinschaft.
   „Ich lasse viel zurück. Ich lebe künftig die Armut und bin doch unglaublich reich. Nun schließt sich der Kreis meiner Suche nach dem Mehr und dem Sinn, denn ich finde Reichtum und Fülle in der Stille bei Gott."
                                                                                                   Schwester  Joanna Maria OP.

kis-Lage-OP3-z Mit dem Wollpullover den alten Menschen ablegen

Joanna Maria Otto gibt Mitschwestern das Gefühl, „dass es ,auf Lage' weitergeht"
Als Novizenmeisterin ist Schwester Anna links Ansprechpartnerin für den klösterlichen Nachwuchs.
Gemeinsam mit der Priorin Schwester Susanna rechts übergibt sie das Ordensgewand an Joanna Maria Otto.

Einkleidung „auf Lage" - für Schwester Joanna Maria ist das mehr als der einfache Wechsel der Garderobe. Mit ihrem weißen Wollpullover und dem roten Rock legt sie an diesem Vormittag auch ihr altes Leben ab. Sie folgt damit ihrer Berufung in den Dominikanerorden, dessen weißen Habit sie von nun an täglich tragen wird.
   „Ablegen sollt ihr den alten Menschen eures früheren Lebens. Zieht an den neuen Menschen": Priorin Susanna Mander zitiert aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser, als sie der neuen Mitschwester die dominika- nischen Gewänder überreicht: die weiße Tunika, die Ordensgründer Dominikus als Kleiderfarbe der Armen aus- wählte; das Skapulier - den Schulterüberwurf also - als Symbol für das „sanfte Joch Christi"; den Gürtel als Aus- druck der Gotteshingabe; den Rosenkranz als Zeichen der Nähe zur Gottesmutter sowie den weißen Schleier als Bild der Treue.
   Gemeinsam geleiten Schwester Susanna sowie die Novizenmeisterin, Schwester Anna Kunos, Joanna Maria Otto in einen Nebenraum der Kapelle, wo sie nun tatsächlich die alten Kleider und symbolisch den „alten Menschen" ablegt. Ihr neuer Dominikanerhabit wurde eigens im Osnabrücker Land geschneidert und weist kleine „Lager" Nuancen auf.
   Ihren „alten" Namen wird die Novizin dagegen behalten, denn nach dem Segen durch den Kreuzherrenpater Bernhard Leisenheimer und den Dominikanerpater Thomas Gabriel Brogl erhält sie „Joanna Maria" auch als Klosternamen.
   „Früher wäre das nicht möglich gewesen", erläutert die Priorin später im Gespräch. Als sie selbst vor 52 Jahren in den Orden aufgenommen wurde, teilte die Klosterleitung ihr den Namen Susanna zu: „Ich war danach ehrlich erleichtert, denn oft wurden ausgesprochen unübliche Patrone für die neuen Schwestern ausgesucht.
   Am Fest der heiligen Katharina von Siena - dem 29. April - war Joanna Maria Otto von Freiburg nach Lage um- gezogen, um sich mit einem siebenmonatigen Postulat auf ihren Eintritt ins Kloster vorzubereiten.
   Auf die Einkleidung folgt das einjährige Noviziat, an das sich das erste, zeitliche Ordensgelübde anschließt. Dann dauert es noch einmal drei Jahre, bis mit der feierlichen Profess die endgültige Aufnahme ins Kloster er folgt. Bis dahin können sowohl der Konvent als auch die neue Schwester von ihrem gegenseitigen Versprechen zurück- treten.
   Von diesem Schritt ist nach dem feierlichen Gottesdienst während der herzlichen Gratulation durch die Mit- schwestern aber keine Rede. „Uns gibt die Einkleidung von Joanna Maria das gute Gefühl, dass junge Menschen nachkommen und es damit weitergeht", freut sich Priorin Susanna und mit ihr die ganze Gemeinschaft des Klosters „Zum gekreuzigten Erlöser".

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“Karmel von der Menschwerdung” Finkenwerder.  Wo nichts alles ist
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Die Karmelitinnen Teresa, Katharina und Miriam (l-r) in der katholischen Kirche St. Petrus auf Finkenwerder

   Im Kloster der Karmelitinnen auf Finkenwerder gibt es etwas, nach dem sich viele Menschen sehnen: Ruhe und Selbstfindung - nicht nur in der Fastenzeit 
   Am Norderkirchenweg ist Endstation für die Linie 251. Der Bus kommt alle halbe Stunde vom Elbanleger herüber ins Finkenwerder Dorf, an den Rand der Metropole, 8,8 Kilometer Luftlinie vom Hamburger Rathaus entfernt. Er kommt aus einer Welt, in der das Leben laut, bunt, zuweilen schrill, vor allem aber hektisch und schnell verläuft. Einer Welt des Konsums und der Genüsse, voller Verheißungen, voller Versuchungen. Einer Welt, der immer mehr Menschen immer seltener gewachsen sind. Weshalb für einige von ihnen am Norderkirchenweg in doppeltem Wortsinn Endstation ist. Wenigstens für ein Weile.
   Von der Haltestelle bis zur St.-Petrus-Kirche auf der ehemaligen Apfelwiese nahe dem Deich sind es nur ein paar Schritte. Über dem Portal zeigt eine Stahldrahtskulptur, wie Jesus den ertrinkenden Petrus aus den Fluten rettet. Mehr Symbolik geht kaum. Und das nicht nur, weil die drei Stahlglocken des Kirchturms in jener schicksalhaften Sturmflutnacht vor 50 Jahren die Menschen der umliegenden Häuser warnend aus dem Schlaf gerissen haben. Jenseits der patinaüberzogenen Pforte kann der erschöpfte Mensch heute finden, was ihm der Alltag oft nicht lässt: Ruhe. Und Zeit.
Manche kommen nur fürs Wochenende, andere bleiben zehn Tage und länger
  
Denn St. Petrus ist Teil einer Karmelzelle, die zum hessischen Karmelitinnen-Kloster Hainburg bei Frankfurt gehört. Am 1. Advent 1999 übernahmen drei Nonnen das verwaiste Pfarrhaus gleich nebenan. Damit haben sie St. Petrus nicht nur vor dem drohenden Abriss gerettet, nachdem die katholische Gemeinde auf unter 500 Mitglieder geschrumpft war. Sie bieten temporären Aussteigern seitdem auch eine Zufluchtsstätte der be- sonderen Art.

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    „Angefangen hat alles mit einer kleinen Wohnung und drei Schlafplätzen in einem ehemaligen Werftarbeiter- haus  Fotos oben auf der anderen Seite der Kirche", berichtet Schwester Teresa, mit 74 Jahren die Älteste der Karmelitinnen. Heute sind es bereits vier Gästewohnungen mit je drei Zimmern, Küche und Bad, die ausschließlich durch Spenden von Besuchern finanziert werden.
   Die Nachfrage ist gewaltig. Es kommen Junge und Alte, 50 Prozent sind evangelisch. Es kommen Ärzte und Manager. Es kommen Frauen, viele zwischen 30 und 40 Jahre alt. Es kommen Menschen mit Bindungsproblemen und Menschen, die eine Auszeit brauchen. Manche Besucher bleiben nur für ein Wochenende. Andere nehmen sich Auszeiten zwischen fünf und zehn Tagen. Eine Frau war schon zehnmal zu Gast,eine andere blieb ein ganzes Jahr.
    „Der Rückzug im Kloster ist vollständig, weil es praktisch keine Ablenkung gibt. Die äußere Ruhe ermöglicht innere Einkehr", sagt eine Besucherin, die als Coach für Führungskräfte arbeitet und anonym bleiben will. Für einige Zeit mit den Karmelitinnen zu leben, zu beten, sich aber auch mit ihnen auszutauschen, eröffne die Chance, sich grundsätzlichen Fragen des Seins zu stellen und das eigene Leben zu reflektieren.
   Das hat auch Andrea Rösch und Marie Kuschel jüngst für jeweils eine Woche auf die Elbinsel Finkenwerder ge- führt. Andrea Rösch, 52, eine Gemeindereferendarin aus Solingen, beschreibt es als Auszeit vom permanenten Termindruck. Und als Gelegenheit, Körper und Geist wieder in Einklang zu bringen. Marie Kuschel, 53, eine Arzt- sekretärin aus Hannover, bezeichnet es als Flucht aus dem Alltag, als „Zeit nur für mich".
   Sich befreien vom Zwang permanenter Erreichbarkeit. Von der Vereinnahmung durch die schicken und hippen neuen Kommunikationsmittel wie Smartphones, Notebooks und Tablet-PC. Sich dem überbordenden Erwartungs- druck in Beruf und Familie entziehen. Eine lange Weile nichts tun als in sich hineinhorchen. Reduziert auf das Wesentliche: auf sich selbst. Das ist es, was immer mehr Menschen auch den Weg ins Kloster auf Finkenwerder finden lässt.

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Das Leiden an Hektik und Burn-out hat zugenommen
  
Einer Studie des Karriereportals Stepstone zufolge zeigt deutschlandweit im Schnitt schon rund ein Drittel, in manchen Branchen gar bis zu 50 Prozent der Beschäftigten Symptome des Burn-outs. Einer Studie der Kranken- kasse DAK zufolge schlucken 800.000 Menschen in Deutschland regelmäßig Tabletten, um Stress und Konflikte auszuhalten.
   „Es gibt da eine große Sehnsucht, die nicht erfüllt wird", sagt Schwester Teresa, gerade bei Menschen, die glauben, alles zu haben. „Vieler Dinge bedarf es doch gar nicht. Wer aufhört, seine vordergründigen Bedürfnisse zu stillen, wer entsagen kann, gewinnt viel. Der findet sich selbst und vielleicht auch Gott." Diese Erfahrung habe sie selbst gemacht, bevor sie sich als 22-Jährige entschloss, Nonne zu werden.
   Bei Novizin Katharina, mit 44 Jahren die Jüngste im Bunde, ist es ganz ähnlich gewesen. Als Einzelhandels- kauffrau im Naturkostbereich hatte die Buxtehuderin ein gutes Auskommen. Sie ging gern ins Kino, zum Shoppen und zum Tanzen. „Doch irgendwann habe ich in meinem perfekten Wohnzimmer gesessen und fühlte trotz allem eine große Leere." Wer alles habe und alles dürfe, für den werde Freiheit zur Plage. „Außerdem ist das weltliche Leben geprägt von vielfältigen Abhängigkeiten", sagt Schwester Katharina.
   Als sie Ostern 2008 das erste Mal zu Gast bei den Karmelitinnen auf Finkenwerder war, wusste sie sofort: „Das ist es." Der gesamte Tagesablauf wird von Gebeten strukturiert, vom Dialog mit Gott. Die kontemplative Glaubens- gemeinschaft verzichtet auf soziale und karitative Arbeit, betreibt keinen Kindergarten, keine Krankenpflege, keine Katechese. Sie missioniert nicht, wirbt nicht. Stattdessen legt sie größten Wert auf Stille, Einsamkeit und An- spruchslosigkeit. „So habe ich Atem auch bei ganz normalen Arbeiten. Ich habe Zeit, Ruhe und Luft, ganz bei mir selbst und Gott sein zu können", beschreibt Katharina ihre neu gewonnene Freiheit.
   Ende der 90er-Jahre sind die Karmelitinnen gen Norden gezogen, um ihren Glauben transparent zu leben. Zuerst nach Neumünster, dann nach Ahrensburg und in Hamburgs Stadtteil St. Georg, bis sie schließlich auf Finkenwerder Wurzeln schlugen. Weil sie die Trennung von der Welt, ein Leben hinter dicken Mauern und vergitterten Fenstern nicht mehr für zeitgemäß hielten. „Eine Kirche, von der sich immer mehr Menschen abwenden und die mit einem gravierenden Nachwuchsproblem zu kämpfen hat, muss neue Wege gehen, neue Antworten geben", sagt Schwester Teresa.
   Diese Art der Öffnung, die Aufnahme von Fremden, sei lange ignoriert und als Experiment argwöhnisch beäugt worden, weiß Schwester Immaculata, 50, die kürzlich zur neuen Priorin im Karmelitinnen-Kloster Hainburg (Hessen) gewählt wurde. Doch schon Papst Benedikt XVI. habe gesagt: „Wenn die Menschen nicht mehr zu uns kommen, müssen wir zu den Menschen gehen."

„Karmel von der Menschwerdung" haben die Nonnen ihr Kloster genannt
  
So lädt die Karmelzelle per Homepage und Flyern, die Schwester Immaculata selbst gestaltet hat, zu speziellen „Stille-Tagen" ein, einer Schweigemeditation mit Anleitung zum inneren Gebet - „dem persönlichen, inneren Gebet, der wichtigsten und schönsten Art des Betens", wie es Schwester Miriam, 48, beschreibt. So darf der Männer- verein in der Kirche singen, weil die für ihre exzellente Akustik bekannt ist. Und so ist Teresa seit fünf Jahren auch regelmäßig dabei, wenn auf der traditionsreichen Finkwarder Karkmess das erste Bierfass angestochen wird - zuletzt an der Seite von HSV-Kultmasseur Hermann Rieger.
   Die Transparenz im Kloster Finkenwerder hat aber auch Schattenseiten. Seit Jahresbeginn wurde der Opferstock in der St.-Petrus-Kirche schon zweimal aufgebrochen. Nun hat sich Schwester Teresa schweren Herzens entschlossen, das Gotteshaus, das zuvor allen 24 Stunden am Tag offen stand, weitgehend abzuschließen.
„Karmel von der Menschwerdung" haben die Nonnen von Finkenwerder ihr Kloster genannt. In der tiefen Überzeu- gung, dass sich der Wertekanon in der modernen Gesellschaft sehr verändert hat. Dass es viele Menschen gibt, die ihre innere Mitte verloren haben, die ein orientierungsloses und zuweilen auch maßloses Leben führen. Denen kann ein Ort wie St. Petrus auf Finkenwerder helfen, sich wiederzufinden. HA120222LutzKasendiek

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Kloster auf Zeit
Die Benediktiner in Niederaltaich
waren die Ersten, die 1962 „Kloster auf Zeit" angeboten haben.
267 verschiedene Klöster bieten heute deutschlandweit die Möglichkeit des temporären Rückzugs an. Kirchenzugehörigkeit oder Konfession spielen bei der Aufnahme keine Rolle. 15 Prozent aller Besucher nutzen die Gelegenheit, sich über eine Berufung zum dauerhaften Klosterleben klar zu werden.
Ihre Blütezeit erlebten Klöster in Deutschland im Mittelalter. Im Zuge der Reformation und der Säkularisierung erfolgte ein Niedergang. Seit 2008 verzeichnen die meisten deutschen Orden wachsende Besucherzahlen. Die Internetplattform www.orden.de listet insgesamt 107 Männerund 327 Frauen-Orden auf.
Im Norden bieten auch das Benediktiner-Kloster Nütschau in Travenbrück, die Mauritzer Franziskanerinnen in Kiel und die Steyler Missionsschwestern in Harsefeld „Kloster auf Zeit" an.
Der Karmeliterorden
Im Karmelgebirge bei Haifa
lebten bis ins 13. Jahrhundert hinein Mönche als Einsiedler nach dem Ideal des Propheten Elias. 1242 wurden sie vom Bischof von Jerusalem aufgefordert, eine Gemeinschaft zu bilden. Während der Kreuzzüge verschlug es sie weit gen Westen, wo sie nur als Bettelorden existieren konnten.
Im 14. Jahrhundert schlossen sich auch Frauen an. Der Orden der „Unbeschuhten Karmeliten" wurde 1562 von der heiligen Teresa von Avila, die allein 16 Klöster gründete, reformiert. Um eine familiäre Atmosphäre und geistlichen Austausch zu gewährleisten, sollten die Karmel nur noch von maximal 13 Schwestern bewohnt werden.
Oberster Repräsentant des Teresianischen Karmel ist Padre Generale Saverio Cannistrà, ein Italiener, der in Rom residiert. Teresa von Avila war übrigens immer gegen einen Mann als Spiritual.
Das älteste deutsche Karmelitinnen-Kloster wurde 1637 in Köln gegründet. Insgesamt gibt es 22, darunter fünf, die auch von insgesamt 31 Mönchen bewohnt werden. Das nördlichste befindet sich in Berlin. Die einzelnen Klöster sind autonom, unterstehen keiner zentralen Leitung.
Die Karmelzelle auf Finkenwerder
ist noch kein autonomes Kloster, da ihr bislang nur drei Nonnen angehören. Rechtlich gehört sie zum Karmelitinnen-Kloster Hainburg in Hessen, bis sich dauerhaft sechs Schwestern auf der Elbinsel niedergelassen habenInternet: www.karmelzelle.de  luka

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Papst: Ordensleben ist kein Leben im Paradies - Papst Franziskus und das Ordensleben der Diözese Rom

   Der letzte Punkt der Papstagenda an diesem Samstag war ein Treffen mit Ordensleuten der Diözese Rom. Es wurde gesungen, gebetet und kam auch zum Frage-Antwortspiel mit dem Papst.
   Papst Franziskus nahm sich wie so oft bei den Frage-Antwortgespräch mit den Menschen Zeit und antwortete spontan auf jede einzelne Frage. Er riet den vielen Menschen, die ein geweihtes Leben führen und der Diözese Rom angehören vor allem eines: Auf die Menschen zugehen und lächeln. Er scherzte, dass das geweihte Leben kein Paradies sei, viel mehr das Fegefeuer. Doch es gehe voran.
Das Lächeln und der menschliche Kontakt
   Eine dieser vier Fragenden war Fulvia. Schwester Fulvia,  die als Augustinerin einem römischen Schwesterkonvent Santi Coronati al Laterano angehört, repräsentierte das Leben in Klausur in einem urbanen Raum wie Rom. Die Stadt mit all ihren Schatten- und Sonnenseiten, und das Klausurleben. Sie erzählte von der Erfüllung des kontemplativen Lebens und fragte schließlich, wie das Klausurleben das Leben der Diözese beeinflussen könnte und wie es sich an den anderen Formen des Ordenlebens bereichern könne, ohne ihren speziellen Charakter zu verlieren.
   Über die äußerst lange Einführung der Schwester, scherzte der Papst, der einige Zettel in der Hand hielt. „Das ist die Einführung der Schwester, damit ich mich auch an alles erinnern kann“, ergänzte er blätternd in den Zetteln.
   Die Berufung zum Ordensleben sei für Papst Franziskus nicht unbedingt ein Ausgleich, vielmehr eine Spannung, erklärte der Papst. Eine Spannung zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren. Diese Spannung sei eine lebendige Spannung, die man in dem Ruf Gottes finden könnte. Er rufe dazu auf, dass unsichtbare Leben sichtbar zu machen. Und die Frauen in Klausur seien in dieser Spannung zwischen sichtbar und unsichtbarem: „Wie soll diese Sichtbarkeit sein? Wie soll das verborgene Leben sein? Diese Spannung trägt ihr in eurer Seele. Das ist eure Berufung. Ihr seid Frauen in dieser Spannungsphase….in diesem Verhalten den Herr zu suchen, sich in dem Herrn zu verstecken und der Berufung einen Sinn zu geben. Die Mauern sind nicht ausreichend für diese Zeichen.“
   Dennoch soll das Klausurleben nicht ein vollkommener Bruch sein zu Außenwelt, so der Papst. Auch die Nachrichten, nicht der Medienklatsch und Tratsch, aber die Nachrichten über Krieg, Frieden und das Leid in dieser Welt sollte auch die Menschen hinter den Klausurmauern erreichen. Die Klausur, das Ordensleben sei kein Versteck. Es sei wichtig, den Menschen zu zuhören, auf die Menschen zu zugehen. „Das Lächeln der Schwestern, öffnet das Herz. Das Lächeln der Schwestern nährt besser als das Brot. …Vergesst nicht, eine Schwester, die nicht lächeln kann, der fehlt etwas“. Papst Franziskus empfiehl schließlich den menschlichen Kontakt nie abbrechen zu lassen und auch den Dialog mit den Priestern zu suchen und für diese auch zu beten.
Die konkrete und mütterliche Liebe
   Eine weitere Nonne richtete sich an Papst Franziskus mit der Frage nach der Ehe und der Jungfräulichkeit. Beides sei ein Ruf der Liebe Gottes, beides verlange Vertrauen. Wie könne man beide Wege erhellen? Ist die Liebe der Ehe mit einer Liebe in das gottgeweihte Leben zu vergleichen?
   Papst Franziskus betonte in seiner Antwort, die Weiblichkeit der Kirche. Es sei „die Kirche“, die Gemahlin von Jesus. Die Nonnen seien auch die Ikonen der Kirche und der Muttergottes. Diese Liebe zum gottgeweihten Leben sei vielmehr eine mütterliche und „konkrete Liebe“. Er empfiehl den Nonnen aus dem Matthäusevangelium Kapitel 25 zu lesen.
Die Reform des Dokuments „Mutuae Relationes“
  
Die dritte Frage stellte ein Scalabrini-Missionar, der sich für Migranten engagiert und seit 24 Jahren ein Fest der Völker veranstaltet und auch eine Mensa für Migranten. Er stellte die Frage, wie all die unterschiedlichen kirchlichen Institutionen, Bewegungen, Kongregationen und Einrichtungen miteinander arbeiten können ohne dabei miteinander zu konkurrieren.  
   Das Fest sei eine christliche Tradition, die wir oft vergessen. Papst Franziskus erinnerte, dass das Fest eine theologische Kategorie sei. Dtn 26,5–10 Disziplin sei ein wichtiges Gut, doch das fest sei wichtig und auch die Eucharistie sei ein Fest. Die Probleme der Einheit mit den unterschiedlichen charismatischen Bewegungen mit dem Bischof sei oft schwierig, aber das sei auch menschlich. Um hier eine Regelung zu finden, werde derzeit das Dokument „Mutuae Relationes“ aus der Synode 1994 reformiert, betonte der Papst. Dieses Dokument definiert die Beziehungen und Strukturen von Ordensleuten und Bischöfen.
Frauen in der Kirche
   Die letzte Frage stellte Priester Gaetano, der vor zwei Jahren mit Papst Franziskus am Gründonnerstag bei der Fußwaschung im Jugendgefängnis teilnahm. Er ist auch heute noch der zuständige Priester für das Jugendgefängnis. Das gottgeweihte Leben in der Kirche sei zu 80 Prozent weiblich, doch wie sei es möglich diese Präsenz zu würdigen?
   Papst Franziskus ging in seiner letzten Antwort wieder auf die Mutterrolle der Frau ein. Diese mütterliche Liebe der Frau, die sie für die Kranken empfinden. Die mütterliche Liebe die wachsen helfe. Er erwähnte auch, dass mehr Frauen in Führungsposition sein sollten und erwähnte die erste Frau, die eine Direktorin an einer päpstlichen Universität sei. Doch das sei die reine Betrachtung der Funktionalität der Frau in der Kirche. Die Entdeckung der wahren Rolle, sei komplexer und tiefgehender.
   „Wenn wir Männer ein Problem lösen, kommen wir zu einer Schlussfolgerung. Doch dasselbe Problem kann mit Frauen gemeinsam zu einer anderen Lösung führen. Dieselbe Richtung, doch die Lösung wird intuitiver, reicher und stärker sein.“
   Papst Franziskus scherzte nach 30 Minuten Frage-Antwort Spiel: „Das Ordensleben ist das Paradies auf Erden. Nein, oder? Vielleicht das Fegefeuer, aber nicht das Paradies. Es ist nicht leicht voran zu kommen.“ Rv150516no

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Orden sind Schätze der Kirche
Papst Franziskus traf die Ausbilder von Orden und Gemeinschaften des geweihten Lebens.

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   Katholische Orden sind nach Einschätzung von Papst Franziskus angesichts der gegenwärtigen Krise der Familie heute für die Kirche wichtiger denn je. Um die Botschaft Jesu in die Randgebiete zu den Armen und „Kleinen Leuten" zu bringen, bedürfe es „solider Grundlagen". Eine solche „christliche Struktur der Personalität" könnten die Familien heute jedoch nur noch selten bieten, sagte der Papst vor Ordensleuten im Vatikan. Dadurch wachse die Verantwortung der Orden. Sie seien einer der wertvollsten Schätze der Kirche. Zugleich zeigte sich Franziskus zuversichtlich, dass das rückläufige Interesse an einem Eintritt in katholische Orden durch überzeugende Vorbilder überwunden werden könne. „Ich bin überzeugt davon, dass es überall dort, wo es Ordensleute gibt, die imstande sind, mit ihrem eigenen Zeugnis die Schönheit der Weihe zu vermitteln, keine Krise der Berufungen existiert", so der Papst.
   Franziskus äußerte sich vor Teilnehmern einer dreitägigen Konferenz für Ausbilder in Orden und Gemeinschaften apostolischen Lebens: Ausbilder in Orden dürften keine „Meister" sein, sondern müssten vor allem Zeugen der Nachfolge Christi sein, sagte der Papst weiter. Diese gelte es jeweils gemäß dem Charisma ihres Ordens, dem geistlichen Profil, zu leben. Ausbilder dürften zudem nicht nur als Freunde und Wegbegleiter der jungen Leute auftreten. Sie müssten überdies „wahre Väter und Mütter" sein, die imstande seien, ihnen das Maximum zu geben und zu fordern.
   Franziskus hat zur Förderung der katholischen Orden ein „Jahr der Orden" ausgerufen, das am 30. November begonnen hat und am 2. Februar 2016 endet. Rv150411fs

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Vesper in der Kathedrale von Havanna mit Papst Franziskus Foto: Vesper mit Ordensleuten

   Die Ansprache, die Papst Franziskus bei der Feier der Vesper mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen in der Kathedrale von Havanna halten wollte, aber nicht gehalten hat. Wir dokumentieren hier die offizielle deutsche Übersetzung des Textes, den er zur Veröffentlichung freigegeben hat.
e Wir haben uns in dieser historischen Kathedrale versammelt, um mit den Psalmen die Treue Gottes zu seinem Volk zu besingen und Dank zu sagen für seine Gegenwart, für seine unendliche Barmherzigkeit. Von Treue und Barmherzigkeit sprechen uns nicht nur die Wände dieses Gebäudes, sondern auch einige „ergraute Häupter“ – eine lebendige Erinnerung und Vergegenwärtigung des Psalmwortes: „Ewig währt seine Huld, von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.“ Brüder und Schwestern, lasst uns gemeinsam Dank sagen!
   Danken wir für die Gegenwart des Geistes mit dem Reichtum der verschiedenen Charismen auf dem Antlitz so vieler Missionare, die auf diese Inseln gekommen sind und schließlich Kubaner unter Kubanern waren – ein Zeichen seiner ewig währenden Huld.
   Das Evangelium zeigt uns Jesus im Gespräch mit seinem Vater, es stellt uns ins Zentrum der Vertrautheit zwischen dem Vater und dem Sohn, die zu Gebet wird. Als sich seine Stunde näherte, betete Jesus zum Vater für seine Jünger, für diejenigen, die bei ihm waren, und für die, welche kommen sollten vgl. Joh 17,20. Es tut uns gut, daran zu denken, dass Jesus in der für ihn entscheidenden Stunde das Leben der Seinen, unser Leben ins Gebet aufnimmt. Und er bittet seinen Vater, sie in der Einheit und in der Freude zu bewahren. Jesus kannte das Herz der Seinen gut, er kennt unser Herz gut. Darum betet er, er bittet seinen Vater, damit sie nicht von einem Bewusstsein eingenommen werden, das zur Isolierung neigt, dazu, sich in die eigenen Sicherheiten, die eigene Geborgenheit, die eigenen Räume zurückzuziehen; sich nicht um die anderen zu kümmern, indem sie sich auf kleinen „Gutshöfen“ niederlassen, die das vielgestaltige Gesicht der Kirche zersplittern. Das sind Situationen, die in individualistischer Traurigkeit enden, in einer Traurigkeit, die nach und nach Unmut, ständige Klage und Eintönigkeit aufkommen lässt. „Das ist nicht Gottes Wille für uns, das ist nicht das Leben im Geist“ Evangelii gaudium, 2, zu dem Jesus sie einlud, zu dem er uns einlud. Darum betet er und bittet, dass die Traurigkeit und die Isolierung unser Herz nicht einnehmen. Wir wollen dasselbe tun, wir wollen uns dem Gebet Jesu, seinen Worten anschließen, um gemeinsam zu sagen: »Vater, bewahre sie in deinem Namen […] damit sie eins sind wie wir« Joh 17,11 „und damit ihre Freude vollkommen wird“ vgl. Joh 15,11.
   Jesus betet und lädt uns ein zu beten, weil er weiß, dass es Dinge gibt, die wir nur als Gabe erhalten können, Dinge, die wir nur als Geschenk leben können. Die Einheit ist eine Gnade, die uns nur der Heilige Geist geben kann; unsere Aufgabe ist es, darum zu bitten und unser Bestes zu tun, um durch diese Gabe verwandelt zu werden.
   Häufig wird Einheit verwechselt mit Einheitlichkeit, damit, dass alle dasselbe tun, empfinden und sagen. Das ist aber nicht Einheit; das ist Homogenität. Es bedeutet, das Leben des Geistes auszulöschen, es bedeutet, die Charismen zu ersticken, die er zum Wohl seines Volkes verteilt hat. Die Einheit wird jedes Mal bedroht, wenn wir die anderen als unser Abbild und uns ähnlich gestalten wollen. Darum ist die Einheit eine Gabe und nicht etwas, das man mit Gewalt oder per Dekret aufzwingen kann. Ich freue mich, euch hier zu sehen, Männer und Frauen verschiedenen Alters, aus divergierenden Zusammenhängen und mit unterschiedlichen Biographien, vereint durch das gemeinsame Gebet. Bitten wir Gott, dass er in uns den Wunsch nach Nähe wachsen lasse. Dass wir „Nächste“ sein, einander nahe sein können, mit unseren Verschiedenheiten, Macken, Stilen, aber nahe. Mit unseren Diskussionen und Streitereien, indem wir offen reden und nicht hinter dem Rücken. Dass wir volksnahe Hirten sind, dass wir uns von unseren Leuten in Frage stellen und befragen lassen. Die Konflikte, die Diskussionen sind in der Kirche wünschenswert, und ich wage sogar zu sagen: notwendig. Sie sind ein Zeichen, dass die Kirche lebendig ist und dass der Geist weiter wirkt, sie weiter in Schwung hält. Weh den Gemeinschaften, wo es weder ein Ja noch ein Nein gibt! Sie sind wie diese Ehen, in denen nicht mehr diskutiert wird, weil man das Interesse verloren hat, weil man die Liebe verloren hat.
   An zweiter Stelle betet der Herr, dass wir von derselben vollkommenen Freude erfüllt sein mögen, die er besitzt vgl. 17,13. Die Freude der Christen und besonders die der Geweihten ist ein ganz deutliches Zeichen der Gegenwart Christi in ihrem Leben.Wenn es traurige Gesichter gibt, ist das ein Warnsignal, dann stimmt etwas nicht. Und Jesus erbittet dies vom Vater ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als er sich anschickt, zum Ölberg zu gehen, als er sein „Fiat“ erneuern muss. Ich zweifle nicht, dass ihr alle die Last nicht weniger Opfer tragen müsst und dass für einige die Opfer seit Jahrzehnten drückend sind. Jesus betet – auch von seinem Opfer aus –, dass wir nicht die Freude darüber verlieren, zu wissen, dass er die Welt besiegt. Diese Gewissheit ist es, die uns antreibt, Morgen für Morgen unseren Glauben neu zu bekräftigen. „Mit einem Feingefühl, das uns niemals enttäuscht und uns immer die Freude zurückgeben kann, erlaubt er uns  [mit seinem Gebet und seinem Abglanz auf dem Angesicht unseres Volkes], das Haupt zu erheben und neu zu beginnen“ Evangelii gaudium, 3. Wie wichtig, welch ein kostbares Zeugnis für das Leben des kubanischen Volkes ist es, immer und überall diese Freude auszustrahlen, trotz der Müdigkeit, der Skepsis, sogar der Hoffnungslosigkeit, die eine sehr gefährliche Versuchung ist, welche die Seele zerfrisst! 
   Brüder und Schwestern, Jesus betet, dass wir eins seien und dass seine Freude in uns bleibe. Tun wir dasselbe und vereinen wir uns miteinander im Gebet! zu dem Jesus sie einlud, zu dem er uns einlud. Darum betet er und bittet, dass die Traurigkeit und die Isolierung unser Herz nicht einnehmen. Wir wollen dasselbe tun, wir wollen uns dem Gebet Jesu, seinen Worten anschließen, um gemeinsam zu sagen: »Vater, bewahre sie in deinem Namen […] damit sie eins sind wie wir« Joh 17,11 „und damit ihre Freude vollkommen wird“ vgl. Joh 15,11.
   Jesus betet und lädt uns ein zu beten, weil er weiß, dass es Dinge gibt, die wir nur als Gabe erhalten können, Dinge, die wir nur als Geschenk leben können. Die Einheit ist eine Gnade, die uns nur der Heilige Geist geben kann; unsere Aufgabe ist es, darum zu bitten und unser Bestes zu tun, um durch diese Gabe verwandelt zu werden.
   Häufig wird Einheit verwechselt mit Einheitlichkeit, damit, dass alle dasselbe tun, empfinden und sagen. Das ist aber nicht Einheit; das ist Homogenität. Es bedeutet, das Leben des Geistes auszulöschen, es bedeutet, die Charismen zu ersticken, die er zum Wohl seines Volkes verteilt hat. Die Einheit wird jedes Mal bedroht, wenn wir die anderen als unser Abbild und uns ähnlich gestalten wollen. Darum ist die Einheit eine Gabe und nicht etwas, das man mit Gewalt oder per Dekret aufzwingen kann. Ich freue mich, euch hier zu sehen, Männer und Frauen verschiedenen Alters, aus divergierenden Zusammenhängen und mit unterschiedlichen Biographien, vereint durch das gemeinsame Gebet. Bitten wir Gott, dass er in uns den Wunsch nach Nähe wachsen lasse. Dass wir „Nächste“ sein, einander nahe sein können, mit unseren Verschiedenheiten, Macken, Stilen, aber nahe. Mit unseren Diskussionen und Streitereien, indem wir offen reden und nicht hinter dem Rücken. Dass wir volksnahe Hirten sind, dass wir uns von unseren Leuten in Frage stellen und befragen lassen. Die Konflikte, die Diskussionen sind in der Kirche wünschenswert, und ich wage sogar zu sagen: notwendig. Sie sind ein Zeichen, dass die Kirche lebendig ist und dass der Geist weiter wirkt, sie weiter in Schwung hält. Weh den Gemeinschaften, wo es weder ein Ja noch ein Nein gibt! Sie sind wie diese Ehen, in denen nicht mehr diskutiert wird, weil man das Interesse verloren hat, weil man die Liebe verloren hat.
    An zweiter Stelle betet der Herr, dass wir von derselben vollkommenen Freude erfüllt sein mögen, die er besitzt  vgl. 17,13. Die Freude der Christen und besonders die der Geweihten ist ein ganz deutliches Zeichen der Gegenwart Christi in ihrem Leben.  Wenn es traurige Gesichter gibt, ist das ein Warnsignal, dann stimmt etwas nicht. Und Jesus erbittet dies vom Vater ausgerechnet zu dem Zeitpunkt,  als er sich anschickt, zum Ölberg zu gehen, als er sein „Fiat“ erneuern muss. Ich zweifle nicht, dass ihr alle die Last nicht weniger Opfer tragen müsst und dass für einige die Opfer seit Jahrzehnten drückend sind. Jesus betet – auch von seinem Opfer aus –, dass wir nicht die Freude darüber verlieren, zu wissen, dass er die Welt besiegt. Diese Gewissheit ist es, die uns antreibt, Morgen für Morgen unseren Glauben neu zu bekräftigen. „Mit einem Feingefühl, das uns niemals enttäuscht und uns immer die Freude zurückgeben kann, erlaubt er uns [mit seinem Gebet und seinem Abglanz auf dem Angesicht unseres Volkes], das Haupt zu erheben und neu zu beginnen“ Evangelii gaudium, 3. Wie wichtig, welch ein kostbares Zeugnis für das Leben des kubanischen Volkes ist es, immer und überall diese Freude auszustrahlen, trotz der Müdigkeit, der Skepsis, sogar der Hoffnungslosigkeit, die eine sehr gefährliche Versuchung ist, welche die Seele zerfrisst! 
   Brüder und Schwestern, Jesus betet, dass wir eins seien und dass seine Freude in uns bleibe. Tun wir dasselbe und vereinen wir uns miteinander im Gebet! Rv150920pdy

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1.300 Frauen und Männer des geweihten Lebens verurteilten aufs Schärfste die Christenverfolgungen
Foto: Kardinal João Braz de Aviz spricht mit Ordensfrauen

   Die Männer und Frauen haben auf ihrem Treffen im Vatikan den Leidenden gedankt für ihr Zeugnis der Treue. Öffentlich verurteilten die Mitglieder der Orden aus aller Welt die Christenverfolgungen und forderten die international Gemeinschaft dringend auf, sich konkret für den Frieden einzusetzen. Diese Erklärung wurde von Kardinal João Braz unterzeichnet. Der Kardinal ist Präfekt der Kongregation für geweihtes Leben und für die Institute des Apostolischen Lebens. Der Kongress der Ordensleute repräsentierte Dutzende von religiösen Kongregationen und tausende Schwestern und Brüder weltweit. “Wir fühlen uns denen nahe, die in der Welt um ihres Glaubens willen leiden, und wir zeigen uns solidarisch mit allen Männern und Frauen des geweihten Lebens, die in verschiedenen Ländern der Welt leiden müssen, weil sie Christen sind und Gott geweiht sind.”
   Der Kongress dankten ihren leidenden Schwestern und Brüder für “ihr Zeugnis der Treue” zu ihrer Berufung und Sendung, und weil sie die Leidenden nicht verlassen. Die Versammlung versprach den Leidenden ihre Gebete. Weiter sagten sie: “Vereint mit Papst Franziskus und der ganzen Kirche beten wir, “dass der Friede, das Geschenk des auferstandenen Herrn Hass und Gewalt überwinde, damit alle Menschen sich als Brüder und Schwestern erkennen.” CH151011

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