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Orthodoxie

1. orthodoxes Konzil nach über 1000 Jahren
2. Der Vertrag zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I.  öffnet eine Tür zwischen Moskau und Rom
   3.
Berichte über die Beziehungen zwischen Papst un dem Ökumenischen Patriarchen > Ökumene > Einheit in Vielfalt

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Vatikan lädt zum Gebet für orthodoxes Konzil ein  -  Sankt Paul vor den Mauern, Rom

   Katholiken beten in der römischen Papstbasilika Sankt Paul vor den Mauern für ein Gelingen des panorthodoxen Konzils auf Kreta. Dazu hatte der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen eingeladen. Auf der griechischen Insel findet vom 19. bis 26 Juni 2016 das erste Konzil der orthodoxen Kirchen seit mehr als zwölf Jahrhunderten statt.
   In einer Note des vatikanischen Ökumenrates, die der „Osservatore Romano“ veröffentlichte, heißt es, dass das Gebet der Katholiken als Ausdruck der „spirituellen Nähe der katholischen Kirche zur orthodoxen Kirche“ verstanden werde. Der Rat unter der Leitung von Kurienkardinal Kurt Koch betonte, dass ein gelungenes Konzil für die gesamte Ökumene wichtig sei.
   Unter dem Leitwort „Er rief alle zur Einheit“ kommen von 19. bis 26. Juni rund 350 Bischöfe der griechisch- orthodoxen Kirchenfamilie aus aller Welt auf Kreta zu ihrer „Großen und Heiligen Synode“ zusammen. Es handelt sich um die erste derartige Zusammenkunft der heute 14 selbstständigen („autokephalen“) Kirchen in der Neuzeit. Panorthodoxe Synoden früherer Jahrhunderte waren deutlich kleiner und regional begrenzt. Rv160607mg

Ökumenischer Patriarch Bartholomaios  ök-109-Z-pBartholomaios

   An der Durchführung und am Datum des „Großen und Heiligen Konzils“ der orthodoxen Kirche  wird nicht gerüttelt - zumindest wenn es nach dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel geht. Nach den jüngsten Querschüssen einzelner orthodoxer Kirchen gegen das Konzil bzw. gegen Teile der vorbereiteten Konzilsunterlagen tagte im Phanar in Istanbul eine außerordentliche erweiterte Versammlung des Heiligen Synods des Ökumenischen Patriarchats mit Patriarch Bartholomaios I. an der Spitze.
   Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie wird auch beim Panorthodoxen Konzil den Vorsitz innehaben. In einem Kommunique des Synods werden die anderen orthodoxen Landeskirchen aufgefordert, sich an Abmachungen zu halten und am Konzil teilzunehmen.
   In den letzten Wochen hatte es aus verschiedenen autokephalen orthodoxen Kirchen kritische Stimmen gegeben, bis hin zum Verlangen nach Absage des Konzils auf Kreta. Im Kommuniqué aus Konstantinopel heißt es dazu wörtlich: „Der Heilige Synod hat mit Überraschung und Verwunderung von Positionen und Meinungen Kenntnis genommen, die in jüngster Zeit von einigen orthodoxen Schwesterkirchen zum Ausdruck gebracht worden sind.“
   Es gebe keinen institutionellen Rahmen für eine Revision des in Gang befindlichen synodalen Prozesses, wird weiter festgestellt. Die Oberhäupter der orthodoxen Kirchen müssten - wie vom Statut des Konzils vorgesehen - Vorschläge zur Veränderung, Korrektur oder Anreicherung der Konzilstexte, die bei den panorthodoxen vorkonziliaren Treffen und den Primatialversammlungen einstimmig genehmigt worden waren, bei den Konzilssessionen einbringen.
   Das Ökumenische Patriarchat, das „die erste Verantwortung für die Bewahrung der Einheit der Orthodoxie“ trage, appelliere an alle, zu den vorgesehenen Daten an den Sitzungen des Konzils auf Kreta teilzunehmen, wie es auf panorthodoxer Ebene sowohl bei den Primatialversammlungen als auch von den bevollmächtigten Delegierten der Kirchen während des langdauernden Vorbereitungsprozesses des Konzils beschlossen worden sei.
Griechen: Katholische Kirche nur „Sekte“ 
   Nachdem sie bei der entscheidenden Vorbereitungskonferenz zum Konzil Ende Januar im schweizerischen Chambesy den Konzilsvorklagen bereits zugestimmt hatte, ruderte etwa die bulgarisch-orthodoxe Kirche zuletzt wieder zurück, und wies die Ökumene-Vorlage zurück. Einige ökumenefeindlichen Metropoliten hatten hunderte Unterschriften ihrer Priester gegen das geplante Konzilsdekret gesammelt.
   Auch von der georgisch-orthodoxen Kirche kamen massive Angriffe auf das Konzils-Dokument zur Ökumene sowie dem über die Ehe bzw. Ehehindernisse.
   Griechenlands orthodoxe Bischofskonferenz beschloss Ende Mai ebenfalls, das „Ökumenismus-Dekret“ scharf zu verurteilen. In dem Athener Text wird allen anderen christlichen Konfessionen einschließlich der katholischen jede Kirchlichkeit abgesprochen. Es handle sich aus korrekter orthodoxer Sicht ausnahmslos um Sekten.
   In dem Konzilsentwurf ist hingegen von „Kirchen und Bekenntnissen“ die Rede, wird der Dialog mit ihnen befürwortet. Die Teilnahme am Konzil stellt die Orthodoxe Kirche von Griechenland jedoch nicht in Frage.
   Vor wenigen Tagen schließlich sorgte die bulgarische-orthodoxe Kirche für einen Paukenschlag, als sie ankündigte, dem Konzil fern zu bleiben, sollten bestimmte Streitfragen vorab ungeklärt bleiben. Daraufhin forderte die Russisch- orthodoxe Kirche noch vor dem Konzil eine klärende Ad-hoc-Versammlung aller orthodoxen Kirche, um strittige Punkte zu klären. Beim Konzil selbst müssen alle Beschlüsse einstimmig getroffen werden.
  Rv160607sk

ök-110-ZxZ-pBarthol-Vorbereitungsgespräch

Patriarch Bartholomaios bei einem Vorbereitungstreffen zum panorthodoxen Konzil

   Der Vatikan hofft auf ein Zustandekommen und einen Erfolg des panorthodoxen Konzils. Das schreibt der Dominikaner Hyacinthe Destivelle, der am päpstlichen Einheitsrat für die Orthodoxie zuständig ist, in der Mittwochs- Ausgabe der Vatikanzeitung „L’Osservatore Romano“. „Die orthodoxe Einheit interessiert die Katholiken natürlich sehr, weil die Schwierigkeiten in den Beziehungen orthodoxer Kirchen untereinander ein ernsthaftes Hindernis für den theologischen Dialog und auch das für das gemeinsame Zeugnis von Katholiken und Orthodoxen in der Welt darstellen“, so Destivelle.
   Der Ökumene-Verantwortliche zitiert zustimmend den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel mit den Worten: „Die Zeiten sind kritisch, und die Einheit der Kirche sollte ein Vorbild in einer von Spaltungen und Konflikten gebeutelten Menschheit sein.“ Das Konzil, so Destivelle, werde „ein historisches Ereignis nicht nur für die orthodoxe Kirche, sondern für die ganze christliche Welt“ sein.
   Der Autor unterstreicht, dass man das orthodoxe Vorhaben mit Fug und Recht als „Konzil“ bezeichne. Immerhin sei es – anders als frühere „inter-orthodoxe“ Konzilien des 17. Jahrhunderts oder zuletzt 1872 – tatsächlich „ein Konzil der orthodoxen Kirche in ihrer Gesamtheit“. Gerade die Tatsache, dass das Konzil als „heilig und groß“, nicht aber als „ökumenisch“ bezeichnet wird, deutet Destivelle als nachgerade ökumenische Geste. Immerhin trage die Orthodoxie damit dem Umstand Rechnung, dass die Stimme der Westkirche auf dem Konzil fehle. 
   Im Übrigen lasse sich eigentlich erst im Nachhinein entscheiden, ob ein Konzil wirklich „ökumenisch“ war: Das hänge nämlich nicht „von seiner Einberufung oder Zusammensetzung“ ab, „sondern von seiner Rezeption durch die ganze Kirche“. Außerdem werde das bevorstehende panorthodoxe Konzil „anders als seine Vorgänger im ersten Jahrtausend keine dogmatischen Fragen behandeln“. Rv160608sk

ök-111Zx-pKyrill   Moskauer Patriarch Kyrill stellt Konzil infrage

   Das erste Panorthodoxe Konzil seit dem Mittelalter droht noch vor Beginn zu scheitern. Weil die orthodoxen Kirchen von Bulgarien und Antiochien dem Konzil fernbleiben wollen, stellt die russisch-orthodoxe Kirche den geplanten Gipfel in Kolymbari auf Kreta infrage. Der Pressesprecher des Moskauer Patriarchats, Wladimir Legojda, sagte der Nachrichtenagentur Tass, ohne die Teilnahme aller 14 autokephalen Landeskirchen verliere das Konzil auf der südgriechischen Insel seinen Sinn. Die russisch-orthodoxe Kirche schlage deshalb eine Krisensitzung aller orthodoxen Kirchen vor, um die Streitfragen zu lösen. Leider gebe es noch keine offizielle Antwort des federführenden Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel auf diese Initiative.
   Moskau wolle die weitere Entwicklung abwarten, so Legojda. Bislang sei noch keine Sondersitzung des von Patriarch Kyrill I. geleiteten Heiligen Synods, des obersten Leitungsgremiums der Kirche, einberufen worden. Der Außenamtschef der Kirche, Metropolit Hilarion, hatte sich am Dienstag gegenüber russischen Nachrichtenagenturen für eine solche Sondersitzung des Heiligen Synod ausgesprochen, um über das weitere Vorgehen der mit Abstand größten orthodoxen Kirche in der Konzilfrage zu beraten.
   Die Kirchen von Bulgarien und Antiochien mit Sitz im Libanon hatten in den vergangenen Tagen eine Verschiebung des Konzils gefordert. Sollten vor dem Gipfel ihre Einwände gegen die Entwürfe der Konziltexte nicht berücksichtigt werden, würden sie an dem orthodoxen Kirchentreffen auf Kreta nicht teilnehmen. Die Kirche von Antiochien begründete ihren angekündigten Gipfel-Boykott außerdem mit ihrem seit 2013 schwelenden Streit mit dem Patriarchat von Jerusalem um die Zuständigkeit für die Gläubigen des Golfemirats Katar.
   Ziel des Konzils auf Kreta ist eine Einigung der orthodoxen Kirche auf ihren künftigen Kurs. Das oberste Leitungsgremium des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel hat am Montag eine Verschiebung des Konzils abgelehnt. Allerdings könnten auf Kreta die Dokumente noch verändert werden.
  
Aus der russischen Kirche gab es heftige Kritik an der Entscheidung des Patriarchats von Konstantinopel. Ein Priester warf Konstantinopel eine „diktatorische Haltung“ vor.
Neue Appelle zur Einheit
   Einen neuerlichen Appell zur Einheit formulierte derweil der rumänisch-orthodoxe Patriarch Daniel (Ciobotea). „Wir müssen die Einheit, aber auch die gemeinsame Verantwortung zum Ausdruck bringen“, umschrieb das Oberhaupt der rumänisch-orthodoxen Kirche bei der jüngsten Tagung des Heiligen Synods seiner Kirche die Erwartung an das bevorstehende Panorthodoxe Konzil.
   „Wenn wir beim Konzil zusammenkommen, müssen wir den einen heiligen Glauben zum Ausdruck bringen, die Einheit der einen, heiligen, universalen und apostolischen Kirche“, sagte Patriarch Daniel wörtlich. Nicht jeder und jede könne am Konzil teilnehmen, aber alle hätten die Verantwortung, beizutragen, Rat zu geben und vor allem zu beten, „damit der Heilige Geist - und nicht ein weltlicher Geist - die Arbeit des Panorthodoxen Konzils leitet“. Die Einheit des Glaubens sei das „größte Geschenk“ im spirituellen Leben der orthodoxen Kirche, diese Einheit werde in der sakramentalen Einheit ausgedrückt, aber auch im missionarischen und pastoralen Dienst der Kirche in der Welt von heute.
   Sein Unverständnis gegenüber den aktuellen Schwierigkeiten unmittelbar vor Konzilsbeginn äußerte der Metropolit des südgriechischen Messenien, Chrysostomos Savvatos. Bei der Primatialversammlung („Synaxis“) in Chambesy (Schweiz) im Januar sei alles entschieden worden. Damals hätten alle dafür votiert, dass das Panorthodoxe Konzil am 19. Juni auf Kreta beginnen soll, sagte der Metropolit, der Mitglied der Konzils-Delegation der Kirche von Griechenland ist, dem Internetportal „Vatican Insider“. „Das ist ein historischer Augenblick. Keine der orthodoxen Kirchen darf dem Panorthodoxen Konzil fern bleiben. Wir müssen ein Bild der Einheit bieten“, betonte Chrysostomos
   Das Bild der Einheit sei an erster Stelle eine der Schlüsselfragen des Panorthodoxen Konzils. Zweitens gehe es aber auch um eine Botschaft für die Welt von heute und die Nationen im Hinblick auf bestimmte soziale und ethische Probleme: Die Verteidigung des Lebens und der Familie, der Schmerz, den die Scheidung der Familie zufügt, der Friede und die vielen Kriege, die derzeit ausgefochten werden, die Verteidigung der Schöpfung und die Probleme der Umwelt. Ein weiterer wichtiger Punkt werde die Möglichkeit für die orthodoxen Kirchen sein, Probleme zu lösen, die zwischen ihnen bestehen.
Sind nichtorthodoxe Kirchen wirkliche Kirchen?
   Für Diskussionen sorgte in den vergangenen Tagen auch die Ankündigung der Georgisch-orthodoxen Kirche, sie werde mehrere Textvorlagen des Panorthodoxen Konzils ablehnen, unter anderem, dass nichtorthodoxe Religionsgemeinschaften als „Kirchen“ eingestuft werden.
   Es sei unwahrscheinlich, dass solche Änderungsvorschläge durchgehen, sagte Metropolit Chrysostomos sagte dazu im Interview mit „Vatican Insider“. Einige Bischöfe hätten solche Vorschläge im Hinblick auf den Text über die Beziehungen zwischen der Orthodoxie und der übrigen christlichen Welt eingebracht. Es handle sich um Konservative, die nicht wollen, „dass man die Kirchen auf die gleiche Ebene stellt“.
   Es gebe viele andere, die mit diesem Änderungsantrag nicht einverstanden seien. Denn die katholische Kirche sei von der Mehrheit der orthodoxen Bischöfe immer als Kirche und nicht als Sekte betrachtet worden. Rv160609sk

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Kurienkardinal Koch setzt weiter auf Panorthodoxes Konzil  Foto:  Kardinal Kurt Koch

 Trotz der laufenden Debatte über die geplante Versammlung der orthodoxen Kirchen setzt Kurienkardinal Kurt Koch weiter auf das Panorthodoxe Konzil. „Es wäre ein ganz schwieriges Zeichen, wenn es nicht stattfinden könnte , sagte Koch dem Internetportal katholisch.de. „Ein Konzil ist schließlich auch dazu da, dass man Meinungsverschiedenheiten bereinigt“, so der Kardinal, der im Vatikan als Leiter des Päpstlichen Einheitsrates unter anderem für die Beziehungen zur Orthodoxie zuständig ist. Er sei zuversichtlich, dass das Kirchentreffen allen Querelen zum Trotz stattfinden können.
   Koch selbst ist zusammen mit dem Sekretär des Päpstlichen Einheitsrates, Bischof Brian Farrell, als
Beobachter zu dem Treffen eingeladen. „Wir sind vor allem am Anfang und am Ende bei den gottesdienstlichen Feiern anwesend.“ Zu den Beratungen selber seien die Beobachter nicht zugelassen, erhielten aber täglich Informationen über den Fortgang der Versammlung. „Wichtig ist für mich vor allem die Präsenz bei diesem Ereignis“, betonte der Kurienkardinal. „Es ist positiv, dass die katholische Kirche durch Beobachter anwesend sein kann. Denn es zeigt, dass die Orthodoxie die Beziehungen zu den anderen christlichen Kirchen als etwas Wichtiges betrachtet.“
   Das Konzil wird seit 1961 vorbereitet und wäre die erste Kirchenversammlung dieser Art in der Neuzeit. Es soll vom 19. Juni bis 26. Juni auf Kreta stattfinden und der Einheit der 14 eigenständigen orthodoxen Kirchen dienen sowie innerorthodoxe Streitfragen klären und über die Beziehungen zur nichtorthodoxen Welt beraten. Zuletzt forderte die serbisch-orthodoxe Kirche als dritte Landeskirche eine Verschiebung der Versammlung. Begründet wurde dies unter anderem mit Einwänden gegen die sechs vorliegenden Dokumentenentwürfe.  Rv160610pdy

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Kreta: Russisch-orthodoxe Kirche will Konzil absagen  Foto: Metropolit Hilarion

   Sechs Tage vor dem geplanten ersten Panorthodoxen Konzil seit dem Mittelalter erwägt die russisch-orthodoxe Kirche eine Absage ihrer Teilnahme. Das sagte der Außenamtschef des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion, laut Kirchenangaben vom Sonntagabend. Die Entscheidung treffe das oberste Leitungsgremium der mit Abstand größten orthodoxen Kirche, der Heilige Synod mit Patriarch Kyrill I.  bei einer Sondersitzung.
   Wenn es noch offene Streitfragen gebe, sei es besser, das vom 19. bis 26. Juni auf der griechischen Mittelmeerinsel Kreta geplante Konzil zu verschieben, so Hilarion. Das Kirchentreffen solle zur Einheit der Orthodoxie beitragen und nicht zu ihrer „Teilung“. Je näher der Gipfel rücke, desto deutlicher werde, dass es „keine Einigkeit zwischen den (orthodoxen) Kirchen“ gebe. Dies habe bereits dazu geführt, dass sich vier der 14 orthodoxen Landeskirchen entschieden hätten, nicht zum Konzil zu kommen. Rv160613mk

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Foto: Papst Franziskus mit Patriarch Batholomaios und Erzbischof Ieronymos II. von Athen

   Papst Franziskus sendet auf Einladung des Ökumenischen Patriarchen Bartholomäios von Konstantinopel Beobachter zum Panorthodoxen Konzil nach Kreta: Kardinal Kurt Koch und Bischof Brian Farrell (Präsident und Sekretär des päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen). Der Papst hält diese Jahrtausendereignis für äußerst bedeutend für das christliche Zeugnis in der Welt, sagt Bischof Farrell.
   Die Mitglieder des Panorthodoxen Konzils sind je 24 Bischöfe der 14 autokephalen orthodoxen Kirchen, die über sechs Dokumente zu beraten und zu entscheiden haben:

      • Die Sendung der orthodoxen Kirche in unserer Zeit
        Die Seelsorge für die orthodoxen Christen, die außerhalb ihres Heimat-Patriarchats leben
        Wie kann die Autonomie dieser neuen orthodoxen Gemeinden bestimmt werden?
        Regelung der kirchlichen Hochzeit
        Die Bedeutung des Fastens
        Die Beziehungen zu nicht-orthodoxen Christen (Kirchen)

   Die Patriarchen, Metropoliten und Bischöfe der orthodoxen Kirche arbeiten seit rund 100 Jahren für dieses Treffen. Die Planung begann bereits in den 1960er Jahren. Je mehr das Datum des Konzils sich näherte, wuchs die Sorge, dass nicht alle Orthodoxe Kirchen eine Delegation senden würden.
    Die orthodoxe bulgarische Kirche forderte eine weitere Vorbereitungssitzung über strittige Fragen, die zur Verbesserung der vorbereiteten Texte führen müssten. Die Bulgaren würden nicht teilnehmen, wenn nicht orthodoxe Kirchen als Beobachter eingeladen würden. Nachdem die orthodoxe Kirche von Antiochien ihr Fernbleiben vom Konzil angekündigt hatten, sofern die Zusammenkunft nicht verschoben würde, wurde von der russisch- orthodoxen Kirche anstelle des Konzils verlangt, ein weiteres Vorbereitungstreffen einzuberufen, um zuvor noch einige verbliebene Bedenken auszuräumen.
   Das ökumenische Patriarchat von Konstantinopel stellte fest, dass nach der bereits erfolgten Zustimmung aller 14 Kirchen eine Änderung der Planung nicht infrage kommt, und rief alle 14 Kirchen auf, am gemeinsam beschlossenen Konzil teilzunehmen – an den Sitzungen des Heiligen und Großen Konzils.
   Bischof Farrell bestätigte, dass die katholische Kirche das Konzil erwarte. “Alles was die Einheit unter den Christgläubigen stärkt liegt auf der Linie des Evangeliums; alles aber, was nicht zur Einheit führt, steht im Widerspruch zum Gebet des Herrn beim Letzten Abendmahl: dass seine Jünger eins sein sollen”, sagte Bischof Brian Farrell. “Es ist außerordentlich wichtig für die Christen und somit auch für die katholische Kirche, dass das pan- orthodoxe Konzil ein wirkungsvollen Zeichen für die Einheit der Orthodoxy wird.” Bischof Brian Farrell hält die Entscheidung der orthodoxn Kirche das Konzil am Pfingstfest zu beginnen sei nicht nur symbolisch zu verstehen, sondern als spirituelle Zustimmung, dass dieses Treffen der Kirche und ihre Beratungen unter der Führung des Heiligen Geistes stehen. Unter allen Kirchen und christlichen Gemeinschaften hat die katholische Kirche zur Orthodoxie eine einzigartige Beziehung. Die katholische Kirche anerkennen die orthodoxe Kirche als “Schwester-Kirche”, weil sie die apostolische Sukzession der Bischöfe und damit die Priesterweihe und Sakramente beibehalten haben. Verschidene orthodoxe Kirchen jedoch, insbesondere einige Zweige innerhalb dieser Kirchen sagen dasselbe von der katholischen Kirche nicht so. Der Entwurf des orthodoxen Dokumentes in Bezug auf die Beziehungen zu anderen christlichen Kirchen spricht nicht direct dieses Thema an, besteht aber darauf, dass der ökumenische Dialog “unbedingt erforderlich” ist.
   “Aus katholischer Sicht”, sagt Bischof Farrell, “ist die Orthodoxy der östliche Teil der Kirche und – wie Papst Johannes Paul II. oft erklärte, wir sehnen uns danach, dass die Kirche wieder mit zwei Lungen arbeiten kann – Ost ubnd West.” Das Konzil könnte ein großer Schritt in diese Richtung sein. Wir würden uns freuen, wenn unsere Teilnahme ein Zeichen unserer großen Unterstützung für die Einheit der orthodoxen Kirche verstanden würde. Auf die Herausforderungen unserer Gesellschaft können wir besser als ein
Leib als getrennte unabhängige Kirchen antworten”. CH160610CincyWooden

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Das panorthodoxe Konzil beginnt - Die Teilnehmer am Konzil von Kreta

   Ein historischer Tag: Auf der Insel Kreta beginnt das panorthodoxe Konzil, das erste seit 1.200 Jahren. Eine „Göttliche Liturgie“ in der Kathedrale Hagias Minas bildete am orthodoxen Pfingstfest, den Auftakt des Konzils, am Montag beginnen dann die Arbeiten unter Federführung des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I. Abwesend sind allerdings vier Kirchen, darunter die russisch-orthodoxe, die die größte aller orthodoxen Kirchen ist.
   In seiner Predigt betonte Bartholomaios, dass die Versammlung auf Kreta die ganze Orthodoxie repräsentiere. Die gemeinsame Eucharistiefeier bekräftige die „Einheit und Katholizität der orthodoxen Kirche“. Ohne konkret auf die aktuellen innerorthodoxen Konflikte einzugehen, erklärte der Patriarch, es genüge nicht, die Einheit auf einer theoretischen Ebene zu behaupten, sondern es bedürfe auch einer Antwort auf der praktischen Ebene, an der es derzeit bedauerlicherweise fehle. 
Bartholomaios-Berater: Es fehlt ein bisschen an Demut
   Nikos Tzoitis ist enger Mitarbeiter von Bartholomaios I. Er betont im RV-Interview, dass das Knirschen im Konzilsgebälk nichts mit theologischen Gegensätzen zu tun habe. „Das ist keine Schwäche in Glaubensfragen, sicher nicht, denn es besteht eine Gemeinschaft im Glauben. Die orthodoxe Kirche muss einfach demonstrieren, dass das erste Jahrtausend, in dem noch der Kaiser für die Einberufung eines ökumenischen Konzils sorgte, vorüber ist! Im zweiten Jahrtausend haben sich die Ostkirchen getrennt, im Jahr 2000 haben sie sich wiedergefunden, und jetzt, im dritten Jahrtausend, müssen sie eine Antwort auf die Krise finden, die es heute in der Welt gibt. Das ist keine dogmatische Frage, sondern eine Meinungsäußerung. Natürlich macht das (Fernbleiben einiger Kirchen) traurig, aber es besorgt uns auch nicht über Gebühr, denn hier geht es leider um Politik und nicht so sehr ums Christliche. Meiner Meinung nach mangelt es ein bisschen an Demut.“
   Worin besteht denn genau das Problem in der Weltorthodoxie, jenseits der Hakeleien um die Verfahrensordnung der „Großen und Heiligen Synode“? „Die orthodoxe Kirche ist stark an die Tradition gebunden. Mir kommt da ein Wort des großen Theologen Joannis Zizioulas
in den Sinn, der sagte: Die Tradition ist die Wahrheit und müsste deshalb auch die Dynamik der Wahrheit haben. Darum müsse sich jede Epoche ihre Tradition formen und dürfe sich nicht einschließen lassen in die Traditionen der Vergangenheit. Hier rühren wir an das Problem der orthodoxen Kirche: Sie muss herauskommen aus ihren Ängsten und den Dingen der Vergangenheit. Vergessen wir nicht, welchen Mut die großen Kirchenväter aus der Zeit, als die Kirche noch geeint war, hatten, wenn sie ihre zeitgenössische Welt herausforderten. So müsste das auch die orthodoxe Kirche (heute) halten...“
Aougoustinos: Die Einheit ist da
 Unter den über 170 Bischöfen, die am Konzil von Kreta teilnehmen, ist auch Metropolit Aougoustinos (Lambardakis), Exarch von Zentraleuropa; der auf Kreta geborene Kirchenmann hat seinen Sitz in Bonn. Er betont im ZDF, das Konzil habe eine „große historische Bedeutung“: „Denn so viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte haben wir nicht getrennt gelebt, aber vielleicht isoliert, jeder für sich.“ Die orthodoxe Kirche sei im Moment keineswegs gespalten: „Die Einheit ist da! Wir haben den gleichen Glauben – deshalb auch in Deutschland die orthodoxe Bischofskonferenz, bei der alle mitmachen. Das Skandalon ist, dass dadurch, dass manche fehlen, die Gläubigen und auch die anderen Christen weltweit irgendwie verunsichert sind.“
  
Trotzdem geht Aougoustinos davon aus, dass das Konzil „eine Betonung der Einheit der Orthodoxie“ zum Ergebnis haben wird. „Natürlich: Diejenigen, die nicht gekommen sind, müssen das in der Geschichte verantworten, warum sie nicht gekommen sind. Sie haben das ja in Genf alle einstimmig beschlossen, sie haben sogar alle unterschrieben – wir haben ihre Unterschriften! Also – sie müssen wissen, warum sie nicht gekommen sind. Aber die Kirche bleibt trotzdem eine.“ Auf einer sogenannten Synaxis, einer Ratsversammlung der orthodoxen Kirchen, hatten die Kirchenführer sich in der Nähe von Genf vor fünf Monaten auf Datum und Verfahrensordnung des Konzils verständigt.
   Worauf der Metropolit hofft? „Dass wir es erreichen, erfolgreich und einstimmig alles zu beschließen und so der Welt eine gute Botschaft zu vermitteln.“ Eine Botschaft der Einheit – trotz der vier leeren Stühle im Konzilssaal.
Hintergrund
   Beim ersten Konzil der Orthodoxie der Neuzeit stehen sechs Beschlussvorlagen zu innerorthodoxen Fragen sowie zu den Beziehungen zu den anderen Kirchen und zur Weltverantwortung der orthodoxen Christen auf der Tagesordnung. Zudem soll es eine Botschaft des Konzils geben. Die Arbeitssitzungen beginnen am Montag in der Orthodoxen Akademie von Kolymvari im Nordwesten der Insel.
  
Eingeladen zur Eröffnungs- und Schlussversammlung sind auch Beobachter aus der Ökumene, darunter der vatikanische Ökumeneminister, Kardinal Kurt Koch, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sowie Vertreter des Weltkirchenrats und der Kirchen der Reformation.
Weltweit gibt es etwa 300 Millionen orthodoxe Christen.   rv160619sk

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Historisches Treffen der orthodoxen Kirche auf Kreta - Wegen Abwesenheit von Patriarch Kyrill I. lediglich "Rumpfkonzil" - Foto: Orthodoxe Würdenträger beim Gottesdienst in Heraklion

   Vertreter christlich-orthodoxer Kirchen aus aller Welt haben sich auf der griechischen Insel Kreta zu einem großen Konzil versammelt, dem ersten derartigen Treffen seit einem Jahrtausend. Zum Auftakt der Begegnung feierten sie am Sonntag in einer Kirche der Stadt Heraklion das orthodoxe Pfingstfest mit einer "göttlichen Liturgie".
   Zehn Primasse zelebrierten die Messe, darunter der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I. Auch der griechische Präsident Prokopis Pavlopoulos nahm an dem live im staatlichen Fernsehsender ERT übertragenem Gottesdienst teil.
   Das Konzil soll bis zum 27. Juni in der westkretischen Stadt Chania fortgesetzt werden. Allerdings handelt es sich nur um ein "Rumpfkonzil", denn der russische Patriarch Kyrill I. glänzt durch Abwesenheit, ebenso die Patriarchen von Antiochien, Bulgarien und Syrien.
   Die vier Patriarchen hatten zunächst zugesagt und erst kurz vor Beginn des Konzils mitgeteilt, dass sie wegen Verfahrensfragen doch nicht kämen. Das letzte derartige Treffen fand 1054 statt, als durch die Exkommunizierung des Patriarchen von Konstantinopel durch Papst Leo IX. der Bruch zwischen der christlichen Ost- und der Westkirche vollzogen wurde.
   Papst Paul VI. hob die Exkommunizierung 1965 aus Anlass des Zweiten Vatikanischen Konzils auf. Seitdem gibt es Bemühungen für die Einberufung eines großen christlich-orthodoxen Konzils. Die mehreren hundert auf Kreta versammelten Erzbischöfe und Bischöfe wollen ihre Beratungen mit der Verabschiedung von sechs Dokumenten und einer "Schlussbotschaft" beenden. Papst Franziskus schloss seine orthodoxen Glaubensbrüder in sein Sonntagsgebet auf dem Petersplatz in Rom ein. Bartholomäus erklärte seinerseits, von dem Konzil werde eine "Botschaft der Einheit" ausgehen.
   Den verschiedenen orthodoxen Kirchen gehören insgesamt etwa 250 Millionen Gläubige an, der russisch-orthodoxe Zweig mit seinen bis zu 150 Millionen Christen ist der größte. Die römisch-katholischen Kirche hat weltweit 1,2 Milliarden Mitglieder.  Welt24-kbwn

ök-117-Z-Kreta.Ankunft

Diese Bischöfe nehmen am Panorthodoxen Konzil teil Foto: Orthodoxe Bischöfe bei ihrer Ankunft auf Kreta

Orthodoxe Kirche
   Als orthodoxe oder Ostkirche wird die aus dem byzantinischen (Oströmischen) Reich hervorgegangene Kirchenfamilie bezeichnet, zu der heute 14 selbstständige ("autokephale") Kirchen zählen. "Orthodox" war dabei zunächst keine eigene Konfessionsbezeichnung, sondern bedeutet "rechtgläubig". Von ihrer Tradition, ihrem Bekenntnis und der Liturgie versteht sich die Orthodoxie ungeachtet ihrer nationalen und politischen Differenzierung als eine einzige Kirche. Ehrenoberhaupt ist der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I. (76). Die weltweit mehr als 220 Millionen orthodoxen Christen bilden nach Katholiken und Protestanten aller Denominationen die drittgrößte christliche Konfession. Von ihnen gehören die meisten (rund 165 Millionen) zur russisch-orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat).
   Mit der westlichen Kirche verbinden die Orthodoxie die sieben "ökumenischen" Konzilien des ersten Jahrtausends; das letzte von ihnen fand 787 statt. In den folgenden Jahrhunderten kam es zu einer Entfremdung zwischen Ost und West. Den Bruch markierte das Jahr 1054, als der römische Legat des Papstes den Patriarchen von Konstantinopel exkommunizierte - was als Exkommunikation der gesamten griechischen Kirche gedeutet wurde. Patriarch Kerullarios ließ daraufhin den Legaten von einer Synode verdammen. Die gegenseitigen Bannsprüche wurden erst 1965 offiziell aufgehoben. Zu den Haupthindernissen für eine Kirchengemeinschaft zwischen Orthodoxie und katholischer Kirche zählt der Primatsanspruch des römischen Papstes.
  Zu unterscheiden von den griechisch-orthodoxen Kirchen sind die orientalisch-orthodoxen (altorientalischen) Kirchen, etwa die koptische, die syrische und die armenische orthodoxe Kirche. Letztere trennten sich bereits zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert von der römischen Reichskirche. In Deutschland leben laut Schätzungen etwa zwei Millionen orthodoxe Christen. Der 2010 gegründeten Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland gehören zehn Diözesan- und Weihbischöfe aus sieben orthodoxen Kirchen an. Vorsitzender ist der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos mit Sitz in Bonn. rv-kna-160819~ 
Seit über 100 Jahren bemüht sich die Orthodoxie um ein Konzil Der lange und mühsame Weg nach Kreta
   Die Kirche denkt in Jahrhunderten. Dieser landläufige Spruch gilt auch und gerade für das sogenannte Panorthodoxe Konzil, das ab diesem Sonntag auf Kreta stattfindet.
   Spätestens mit dem Niedergang des Osmanischen Reiches in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dem Entstehen neuer Nationalstaaten auf dem Balkan erkannten führende Vertreter der Orthodoxie die Gefahr eines zunehmenden Nationalismus auch innerhalb der Kirche. So berief schon 1872 das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel eine Synode ein, bei der die nationalen Rivalitäten zwischen den einzelnen Landeskirchen zwar deutlich kritisiert wurden.
Es blieb jedoch vorerst beim Appell zur Einheit der Orthodoxie. 1902 machte der Ökumenische Patriarch Joakim III. (1878-1884, 1901-1912) einen neuen Anlauf und rief in einem Schreiben an die Oberhäupter aller eigenständigen (autokephalen) orthodoxen Kirchen zu mehr Kooperation auf. Die mehrheitlich positiven Rückmeldungen führten zum Plan, einen panorthodoxen Theologenkongress einzurichten, der regelmäßig alle drei Jahre tagen und wichtige Fragen behandeln sollte.
Zur Gründung des Kongresses kam es jedoch nie. -    Kriege verhinderten Zusammenkünfte
   Durch die Balkankriege (1912/13), den Ersten Weltkrieg (1914-1918) die russische Oktoberrevolution (1917) und den Griechisch-Türkischen Krieg (1919/20) war eine panorthodoxe Zusammenkunft unmöglich.
Entweder standen die Heimatländer der einzelnen Kirchen gegeneinander im Krieg, oder die Kirchen waren aufgrund innerer politischer Prozesse wie im Fall Russlands handlungsunfähig. Ein neuerliches Schreiben von Patriarch Joakim an alle Kirchenoberhäupter 1920 blieb wirkungslos. 1923 lud sein Nachfolger Meletios IV. (1921-1923) die orthodoxen Kirchenoberhäupter zu einem panorthodoxen Kongress nach Istanbul ein.
   Zwar kamen nicht alle; trotzdem konnten einige wichtige Themen besprochen werden. Deutlich wurde auch die Notwendigkeit eines echten Panorthodoxen Konzils, das verbindliche Entscheidungen für die gesamte Orthodoxie treffen könnte.
Spannungen zwischen den Kirchen
   Gregorios VII. (1923-1924) berief ein solches Konzil deshalb auch für Pfingsten 1925 nach Istanbul ein. Es wurde später auf 1926 und auf den Berg Athos verschoben und schließlich ganz abgesagt. Spannungen zwischen den Kirchen machten ein solches Treffen unmöglich. Es folgten zwar noch eine informelle Zusammenkunft von Vertretern orthodoxer Kirchen 1932 auf dem Berg Athos, eine geplante, aber abgesagte Prosynode im selben Jahr in Istanbul und ein Theologenkongress 1936 in Athen - freilich ohne einem Konzil tatsächlich einen wesentlichen Schritt näherzukommen. Der Zweite Weltkrieg und der darauffolgende Kalte Krieg und die Spaltung Europas machten alle weiteren Pläne für ein Konzil illusorisch.
   Erst in den 60er Jahren gab es neue Bewegung: 1961, 1963 und 1965 fanden auf Rhodos panorthodoxe Konferenzen statt. 1968 folgte eine weitere in Chambesy bei Genf. Dort wurden kirchliche und ethische Fragen besprochen, aber auch die Teilnahme der Orthodoxie an ökumenischen Foren wie dem Weltkirchenrat fixiert. Ab 1971 fand schließlich eine Reihe interorthodoxer Tagungen statt, die ein Konzil vorbereiten sollten. Dort kristallisierten sich schon jene Themen heraus, die auch jetzt auf Kreta behandelt werden.
Überraschende Nachricht
   Mit dem Ende der Sowjetunion, der Entstehung neuer Staaten in Mittel- und Osteuropa sowie neuen Spannungen zwischen dem Ökumenischen Patriarchat und dem Moskauer Patriarchat schien ein Panorthodoxes Konzil wieder in weite Ferne zu rücken. Umso überraschender war dann die Nachricht, dass sich die orthodoxen Kirchenoberhäupter bei einer Zusammenkunft (Synaxis) im März 2014 in Chambesy auf die Abhaltung eines Konzils 2016 in Istanbul einigten.
   Eine Vorbereitungskommission erstellte bei mehreren Treffen den Themenkatalog. Zehn Konzilsvorlagen (Schemata), im Wesentlichen basierend auf Vorlagen aus den 1970er Jahren, wurden vorbereitet. Schließlich blieben sechs Dokumente für die Behandlung beim Konzil übrig; sie wurden bei einer Synaxis Ende Januar in Chambesy beschlossen. Die anderen vier waren zu umstritten - und werden vorerst nicht behandelt. Statt auf Istanbul einigte man sich auf Kreta als Austragungsort. rv160819~GeorgPullingkna

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Konzil: Orthodoxe Kirchenführer beraten weiteres Vorgehen  - Foto: Patriarchen unter sich: Bartholomaios und Kyrill

   Mit einer Sitzung der angereisten Vorsteher der eigenständigen orthodoxen Kirchen haben am Freitagmorgen die letzten Vorbereitungen des Panorthodoxen Konzils auf Kreta begonnen Die Kirchenoberen beraten bei ihrer regulären „Kleinen Synaxis“ in der Orthodoxen Akademie in Kolymvari unter anderem jene Fragen, die durch den Boykott mehrerer Nationalkirchen entstanden sind.
  
Angereist sind nach Angaben des Konzilssekretariats außer der Delegation des federführenden Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel auch die Vertretungen der Serben und der Rumänen, des Patriarchats von Jerusalem, der orthodoxen Kirchen von Tschechien und der Slowakei, Polen, Griechenland, Albanien sowie von Zypern. Ihre Teilnahme abgesagt haben die Patriarchate von Antiochia und von Moskau sowie die Kirchen von Bulgarien und Georgien. Keine Angabe machte das Sekretariat zur Teilnahme des Patriarchats von Alexandrien.
   Der Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, Hieronymos II., erklärte bei seiner Ankunft auf Kreta: „Wir werden jede Anstrengung unternehmen, die Probleme der Welt, unserer Gemeinden und unserer Kirche zu sehen und anzugehen und in angemessener Weise für unsere Zeit und für die Christenheit darauf zu reagieren.“
   Die Kirchen, die kurzfristig eine Verschiebung des Konzils gefordert hatten, begründeten dies mit Kritik an der Verfahrensordnung und inhaltlichen Einwänden gegen die zur Beratung stehenden sechs Vorlagen über innerorthodoxe Fragen sowie das Verhältnis zu anderen Kirchen und die Weltverantwortung der Orthodoxie. Das Patriarchat von Antiochia verwies zudem auf seinen Konflikt mit dem Patriarchat von Jerusalem über die Zuständigkeit für die orthodoxen Christen im Golf-Emirat Katar.
   Die russisch-orthodoxe Kirche hatte eine Sonder-Synaxis ab 10. Juni zur Klärung der Situation gefordert. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel hatte daraufhin erklärt, dass er sich an den Beschluss vom Januar gebunden sehe und zu einer Änderung der Vorgehensweise nicht ermächtigt sei.  Rv160617sk

                Kurzinformation Religion: Orthodoxie – Orthodoxe Kirche

Gründung
   Die orthodoxe Kirche sieht sich in Sukzession der auf Jesus von Nazareth zurückgehenden Jerusalemer Urgemeinde und der apostolischen Gemeindegründungen außerhalb Palästinas. Die Prägung des Christentums durch griechische Bildung vor allem im Ostteil des Römischen Reiches und durch lateinische, syrische oder koptische Sprache in anderen Reichsteilen führte zu einer zunehmenden Verselbständigung der größeren Lokalkirchen. Ab dem 5. Jh. kommt es zur Trennung der Reichskirche von den altorientalischen Christen (Ostsyrer, Westsyrer, Armenier, Kopten, Äthiopier) und im 11. Jh. zur offiziellen Trennung des griechisch geprägten Christentums vom lateinischen. Seither verstehen sich die Christen des Byzantinischen Reiches und der von dort missionierten slawischen Reiche als »orthodox«, d. h. sowohl »rechtgläubig« als auch »(Gott) recht lobpreisend«.
Geschichte
5. Jh.: Spaltung mit den Altorientalen
9. Jh.: Kyrillos und Methodios missionieren die Slawen
988: Taufe Rußlands
11. Jh.: Aufgabe der communio in sacris mit Rom
1204: 4. Kreuzzug erobert Konstantinopel
1438/9: Unionsversuch mit Rom scheitert
1453: Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen; Rußland versteht sich nun als führender orthodoxer Staat
ab 19. Jh.: Befreiung von den Osmanen, Nationalstaatengründungen in Südosteuropa
1920: Enzyklika »An die Kirche Christi allerorts« des Ökumenischen Patriarchates, im Anschluß Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen
Geschichte in Deutschland
18./19. Jh.: erste orthodoxe Gemeinden
1917/18: sprunghafte Zuwanderung von Russen, später Aufteilung der Gläubigen auf drei konkurrierende Diözesen (abhängig von Moskau, Konstantinopel bzw. der sog. Auslandskirche)
1963: Gründung der Griechisch-Orthodoxen Metropolie unter dem Ökumenischen Patriarchat, heute zahlenmäßig größte Diözese
1969: Gründung des serbischen Bistums
1993: Gründung des bulgarischen Bistums
1994: Gründung des rumänischen Bistums, Gründung der KOKiD.
Lehre
Die orthodoxe Kirche verwendet als zentralen Bekenntnistext das Glaubensbekenntnis von Konstantinopel aus dem Jahre 381. Will man die Lehre der orthodoxen Kirche von der römisch-katholischen und reformierten Dogmatik abgrenzen, so wird man im ersteren Fall v. a. die Ablehnung eines Jurisdiktionsprimates des Papstes und seiner Unfehlbarkeit, die Ablehnung der unbefleckten Empfängnis Mariens, die Hinzufügung des »Filioque« (d. h. dass der Heilige Geist aus dem Vater und dem Sohn [= filioque] hervorgegangen sei) ins Glaubensbekenntnis, etliche Differenzen in der Sakramentenlehre und die Ablehnung des Fegefeuers aufzählen. Von den Protestanten trennt die Orthodoxen v. a. ein anderes Amtsverständnis (besonderes Priestertum vs. Predigeramt), die Heiligen-, Reliquien- und Bilderverehrung, wiederum Unterschiede in der Sakramentenlehre. Typisch für orthodoxe Frömmigkeitsmentalität ist zudem eine sehr enge Bindung an die Tradition – neben der Bibel spielen die Texte der Kirchenväter in Predigt und Katechese eine bedeutende Rolle –, außerdem eine stärkere Zulassung des Gefühls im Frömmigkeitsleben, was sich auch in einer stärkeren Hinwendung zu mystischen Gebets- und Meditationsformen (Herzensgebet) äußert. Dadurch haben auch die Klöster Einfluss für das Leben kirchlich gesinnter Familien. In Deutschland gibt es allerdings nur zwei Kleinstklöster.
Wichtige Elemente der religiösen Praxis
   Im Zentrum des kirchlichen Lebens steht die eucharistische Liturgie. In ihrer alle Sinne ansprechenden Ausgestaltung mit symbolhaften Handlungen, Kerzen, Weihrauch, Bildern (Ikonen), Hymnen, Musik (meist nur Vokalmusik) und ihrer langen Dauer von ca. zwei bis drei Stunden soll sie den Gläubigen aus der profanen Welt heraus- und in die Sphäre des Heiligen hineinführen. Höhepunkt ist die Teilnahme an der Eucharistie, die in Gestalt von Rotwein und gesäuertem Brot mit dem Löffel gereicht wird. Brot und Wein werden im Sinne der Realpräsenz als Leib und Blut Christi verstanden. Das nach Ende der Liturgie an alle verteilte Brot (Antidoron) ist gesegnetes, aber nichteucharistisches Brot.
   Anders als die Sonntage werden die Lebensabschnittsfeste Taufe, Ehe und Bestattung von praktisch allen Gläubigen kirchlich begangen. Es wird die Kindertaufe mit Übergießen des ganzen Körpers, sofortiger Spendung des Chrisma (vergleichbar der Firmung) und nachfolgendem Eucharistieempfang auch des Kleinkindes praktiziert. Die Ehe gilt als vom Priester gespendetes Sakrament und wird mit dem Ritus der Krönung begangen, der die Heiligkeit der Ehe anzeigen soll. Der Bestattungsritus am offenen Sarg mit letztem Kuss für den Verstorbenen soll »Trauerarbeit« und Abschied unterstützen. Daneben gibt es noch die Sakramente der Beichte, der Krankensalbung und der Priesterweihe. Wichtig ist auch die Versorgung mit Weihwasser oder die in einem neu bezogenen Haus vollzogene Wasserweihe.
   Zentrale Feste des Kirchenjahres sind Weihnachten, das am 25. Dezember gefeiert wird, das allerdings bei den Ortskirchen mit julianischem Kalender  (vor allem Russland, Serbien, Palästina, Berg Athos) auf den gregorianischen 7. Januar fällt, Epiphanie (6. Januar), Ostern, Pfingsten und Mariae Entschlafung am 15. (bzw. 28.) August. Während die meisten autokephalen (unabhängigen) Kirchen den gregorianischen Kalender für die feststehenden Feste (z. B. Weihnachten) übernommen haben, blieb man für die Osterfestberechnung beim julianischen Kalender, um das Osterfest gemeinsam zu begehen. So kommt es im Vergleich zu den Christen westlicher Tradition zu Terminverschiebungen, die sich aus den jährlich differierenden Abweichungen von julianischer Zeitberechnung und astronomischem Sonnen- und Mondlauf ergibt. Außerdem darf in der orthodoxen Kirche Ostern nicht mit jüdischem Pessah zusammenfallen, da Jesus nach Pessah auferstand (was im Westen nicht mehr beachtet wird). Den hohen Festen gehen Fastenzeiten voraus, die in den letzten Jahrzehnten nur noch von wenigen Gläubigen und/oder stark verkürzt beachtet werden.
Europäische / deutsche Besonderheiten
   In westlichen Ländern mit orthodoxen Parallelorganisationen (Diözesen der jeweiligen Nationalitäten) wird nach Strukturen gesucht, die die Wahrnehmung gemeinsamer Interessen und eine Vertretung der orthodoxen Kirchen nach Außen ermöglicht, ohne die national bestimmten Bindungen der einzelnen Diözesen aufgeben zu müssen. In Deutschland wurde deshalb 1994 die »Kommission der orthodoxen Kirche in Deutschland – Verband der Diözesen« (KOKiD) gegründet, in der jene orthodoxen Diözesen vertreten sind, die miteinander in Kommuniongemeinschaft stehen.
   Da die Zahl deutscher Konvertiten begrenzt ist und die Verbindung der orthodoxen Zuwanderer zur Heimat gerade in der Kirche gesucht wird, sind typisch deutsche Elemente oder auch Deutsch als Gottesdienstsprache kaum zu beobachten. Anpassungen zeigen sich allenfalls bei den Gottesdienstzeiten, die sonntags oft etwas später liegen oder an Werktagen auf den Abend verschoben werden, um den Besuch möglich zu machen.

Verbreitung
   Die orthodoxen Gläubigen (ca. 150 Mio.) leben zunächst einmal in den Ländern mit traditionell orthodoxer Bevölkerung in den selbständigen Ortskirchen. Es sind dies in der Reihenfolge des Ehrenranges:
Erzbistum von Konstantinopel und Ökumenisches Patriarchat (Sitz: Istanbul): 3.500.000
Patriarchat von Alexandreia: 750.000
Patriarchat von Antiocheia (Sitz: Damaskus): 750.000
Patriarchat von Jerusalem: 250.000
Patriarchat von Rußland (mit Ukraine): 100.000.000
Patriarchat von Serbien: 8.000.000
Patriarchat von Rumänien: 20.000.000
Patriarchat von Bulgarien: 8.000.000
Patriarchat von Georgien: 3.000.000
Kirche von Zypern: 350.000
Kirche von Griechenland: 10.000.000
Kirche von Polen: 500.000
Kirche von Albanien: 170.000
Kirche von Tschechien und der Slowakei: 150.000
   Durch Migration leben orthodoxe Christen heute in allen Teilen der Welt, wobei die USA, Australien und Deutschland (1,2 Mio.) zahlenmäßig am bedeutendsten sind. Meist sind für die neu entstandenen Gemeinden nach dem Nationalitätenprinzip Bistümer getrennt nach Sprachgruppen gegründet worden, die von den Heimatkirchen abhängen.
    Die orthodoxen Landeskirchen sind in der Regelung ihrer inneren Angelegenheiten voneinander unabhängig, d. h. autokephal. Die Rangfolge der autokephalen Kirchen bezieht sich lediglich auf Ehrenvorränge, die z. B. bei Konzelebration bedeutsam werden. Das Erzbistum von Konstantinopel hat als Ökumenisches Patriarchat den Ehrenvorrang ohne jurisdiktionelle Kompetenzen, kann jedoch in gesamtorthodoxen Angelegenheiten die Initiative ergreifen und – nach Abstimmung mit den anderen autokephalen Kirchen! – die orthodoxe Kirche insgesamt nach außen vertreten. Die autokephalen Kirchen haben Glaube, Gottesdienst und kirchliche Ordnung gemeinsam und leben dies durch Konzelebration auch sakramentaler Gottesdienste und durch Synoden, die Angelegenheiten von gesamtorthodoxer Bedeutung behandeln.
   Es gibt drei Weihegrade des höheren Klerus: Diakon, Priester und Bischof. Innerhalb dieser Weihegrade gibt es weitere Abstufungen (beim Bischof z. B. Weih- bzw. Titularbischof ohne eigene Diözese, Erzbischof, Metropolit oder Patriarch), die eine Anerkennung für geleistete Arbeit, Dienstalter oder Wichtigkeit der Position zum Ausdruck bringen, aber auch Funktionsunterschiede haben können. Während die Bischöfe aus dem unverheirateten Klerus gewählt werden, können Priester und Diakone verheiratet sein. 
Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e. V. – REMID

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  In Uneinigkeit vereint - Das Jahrhundertprojekt eines panorthodoxen Konzils steht vor dem Scheitern  

   An diesem Sonntag, wenn die orthodoxen Christen Pfingsten feiern, beginnt auf Kreta das erste Konzil der orthodoxen Kirchen. Ziel war, durch dieses erste panorthodoxe Konzil mehr Einheit in der drittgrößten christlichen Gemeinschaft mit ihren 300 Millionen Gläubigen zu schaffen. Es sollte Ähnliches leisten wie das Zweite Vatikanische Konzil von 1962 bis 1965 für die katholische Kirche - auch mit dem Ziel, dann mit einer Stimme an der Versöhnung der Orthodoxie mit dem Vatikan zu arbeiten. Kleinliche Streitigkeiten und fundamentale Meinungsverschiedenheiten zwischen den 14 orthodoxen Kirchen offenbaren aber, dass die Unterschiede nicht kleiner werden, sondern wachsen.
   Vor dem Schisma zwischen Rom und Byzanz, also zwischen den lateinischen und orthodoxen Christen im Jahr 1054, hatten sich die Kirchen in sieben Ökumenischen Konzilien auf Grundfragen des Glaubens verständigt. Das letzte gemeinsame Konzil, an dem Kirchenführer aus Ost und West teilgenommen hatten - außer Kirchen wie der armenischen und assyrischen hatte 787 in Nicäa stattgefunden, dem heutigen Iznik. Nach dem Schisma berief die katholische Kirche 14 weitere Konzilien ein, in der orthodoxen Welt gab es jedoch kein weiteres mehr.
   Der Papst als das Oberhaupt der katholischen Weltkirche konnte die Konzilien einberufen, der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel konnte das aber nicht. Zwar ist er das geistliche Oberhaupt aller orthodoxen Christen, jedoch nur als „Erster unter Gleichen" der 14 Patriarchen, die den 14 autokephalen orthodoxen Kirchen vorstehen. Diese 14 Kirchen - wie die russische, serbische oder griechisc
he - sind voneinander unabhängig; sie wählen ihr jeweiliges Oberhaupt selbst und unterstehen nicht der Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchen. Die Folge über Jahrhunderte war, eins in Uneinigkeit zu sein. Die Kirchen kommunizierten oft nicht miteinander, ein gemeinsames Diskussionsforum gab es nicht.
   Dies sollte das Jahrhundertprojekt eines panorthodoxen Konzils ändern. Erstmals hatte 1902 der damalige Ökumenische Patriarch Joachim von Konstantinopel auf einen orthodoxen Weltgipfel gedrungen, um gemeinsam über die Herausforderungen der orthodoxen Kirchen in der Moderne zu sprechen. Erst als die katholische Kirche das Zweite Vatikanische Konzil einberief, begannen die orthodoxen Kirchenführer mit Konsultationen, ein eigenes Konzil der autokephalen Kirchen einzuberufen. 1961 lud der Ökumenische Patriarch Athenagoras zu einer panorthodoxen Konferenz in Rhodos ein, über 20 Vorbereitungstreffen folgten, zuletzt im Januar 2016 im schweizerischen Chambesy. Nach 55 Jahren Vorbereitung sollte es im Sommer 2016 endlich so weit sein.
   Da war aber bereits viel zu viel Sand im Getriebe. Denn die Türkei hatte im November ein russisches Flugzeug abgeschossen. Der russische Patriarch Kirill wollte nicht nach Istanbul reisen, an den Sitz des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaus I. Der verlegte daher den Konzilsort als Geste an Moskau auf die Insel Kreta, die ihm ebenfalls untersteht. Kirill willigte erst ein. Auf dem Weg nach Kreta standen aber neue Hürden, und vier der 14 autokephalen Kirchen sagten ab.
   Der Patriarch von Antiochien, der mit Sitz in Damaskus die orthodoxen Christen in der arabischen Welt vertritt, kommt wegen seines Streits mit dem Patriarchen von Jerusalem nicht. Denn der hatte sich bei der Besetzung des neu geschaffenen Bischofssitzes in Doha am Persischen Golf durchgesetzt. Seither kommunizieren die beiden Patriarchen nicht mehr. Er werde erst kommen, wenn der Fall zu seinen Gunsten beigelegt worden sei, erklärte der Damaszener Patriarch.
   Der bulgarische Patriarch wiederum verweigert seine Teilnahme, bis die 1969 entdeckten sterblichen Überreste des 1014 verstorbenen Königs Samuel, der als einer der Gründer des autokephalen bulgarischen Kirche gilt, von Thessaloniki nach Bulgarien überführt werde. Der Streit zwischen den Kirchen Serbiens und Rumäniens dreht sich schließlich darum, dass die rumänische Kirche Priester entsendet, um die rumänische Minderheit im Osten Serbiens zu betreuen, was die serbische Kirche als Eingriff in ihre Autokephalie wertet. Aus Protest bleibt die dem Konzil fern, schickt aber Beobachter.
   Schwerwiegender ist das Fernbleiben des russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill, der an der Spitze der mit mehr als 100 Millionen Gläubigen größten Kirche steht. Vordergründig sagte er seine Teilnahme ab, da drei andere Kirchenführer nicht kommen und daher das Konzil verschoben werden müsse. In Wirklichkeit geht der Konflikt aber um die Frage, wem die Führungsrolle in der Orthodoxie zusteht. So war Kirill nicht mit der Sitzordnung während des Konzils einverstanden. Historisch steht die Führung der orthodoxen Christenheit dem Patriarchen von Konstantinopel zu, dem „zweiten Rom"; er führt den Vorsitz über das Konzil. Seit am Bosporus aber die Türken herrschen, sieht sich Moskau als „drittes Rom" und als Führer der Orthodoxie. Kirill verlangte den Ko-Vorsitz, aber vergeblich.
  Dass Bartholomaios als Liberaler gilt, sein Gegenspieler Kirill aber als Verteidiger der Tradition, vertieft den Graben. Hinter Kirill scharen sich die Ultraorthodoxen, die von einer Anpassung der Orthodoxie an die heutige Welt nichts wissen wollen. Das Zentrum der Ultraorthodoxie ist die Mönchsrepublik Athos. Kirill hatte sie Ende Mai mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin besucht.
   In den Vorbereitungstreffen hatten sich die Vertreter der Kirchenführer auf zehn Themenkomplexe geeinigt, die auf dem Konzil abschließend hätten behandelt werden sollen. Die Themen reichen von dem Umgang mit der Diaspora über die Reform der Autokephalie bis zu Fragen des Kalenders, des Fastens und den Beziehungen zu nichtorthodoxen Christen. Eine Einigung, die vor wenigen Jahren in Reichweite schien, ist heute außer Reichweite, beispielsweise bei der Frage der Bischofswahl in der orthodoxen Diaspora, etwa in Amerika. Die Reformer wollen, dass es in einer Region nur noch einen Bischof gibt; andererseits beharren die autokephalen Kirchen in den Heimatländern, aus denen die Auswanderer stammen, darauf, dass sie einen Bischof entsenden. Die Folge ist, dass es in manchen Regionen der Diaspora mehrere orthodoxe Bischöfe gibt.
   In Fragen der Ökumene haben die Zeloten wieder Aufwind, die - wie die griechischen Bischöfe von Piräus und Kythira - darauf bestehen, dass es außerhalb der Orthodoxie keine christliche Welt gebe, sondern nur Häretiker. Eines Einsatzes für die Einheit der Christen bedürfe es daher nicht. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel setzt sich jedoch traditionell für eine Annäherung an die lateinischen Kirchen ein und geht einem Dialog nicht aus dem Weg. Noch im Mai hatten aber die Äbte des Athos Bartholomaios aufgefordert, andere „Gruppen" nicht länger als Kirchen zu bezeichnen, sondern als „christliche Lehren". Und so empfängt auf dem Athos ein Kloster seine Besucher weiter mit dem Schriftzug: „Orthodoxie oder Tod." FAZRainerHermann160618

Kreta: Orthodoxe betonen/ Gültigkeit des Konzils
 
Die zum Panorthodoxen Konzil auf Kreta versammelten zehn orthodoxen Kirchen haben die Gültigkeit des Konzils trotz der Abwesenheit von vier Kirchen bekräftigt. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios L von Konstantinopel sagte als Vorsitzender des Konzils in seiner Eröffnungsrede am Montag in der Orthodoxen Akademie in Kolymvari, Synodalität sei ein Wesensmerkmal und Fundament der Kirche. Nur widrige äußere Umstände seien dafür verantwortlich, dass in der Orthodoxie seit einem Jahrtausend keine „Heilige und Große Synode" zustande gekommen sei. Auch bei der letzten „einfachen" Synode 1872 in Konstantinopel sei Russland schon ferngeblieben, ohne dass dies ihrer Akzeptanz geschadet habe. Die jetzt auf Kreta versammelten zehn der 14 Patriarchate und Landeskirchen könnten daher sehr wohl im Namen der gesamten Orthodoxie sprechen und zu den großen Herausforderungen Stellung beziehen, betonte Bartholomaios. DT160623

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Orthodoxes Konzil: Erstes Dokument einstimmig angenommen
So sieht es aus, das panorthodoxe Konzil in Heraklion auf Kreta

   Das panorthodoxe Konzil hat an diesem Dienstag das erste seiner geplanten sechs Dokumente angenommen. Das berichtete Metropolit Ignatius von Demetrias und Almyros vor der Presse auf der Insel Kreta. In dem Text geht es um die „Mission der orthodoxen Kirche in der heutigen Welt“; er ist das Ergebnis von fünf vorkonziliaren Konferenzen, die im Lauf der letzten Jahrzehnte in Chambesy in der Schweiz abgehalten wurden. Beim letzten dieser Treffen im Januar war das Dokument bereits von allen orthodoxen Kirchenführern unterzeichnet worden.
   Der Text trägt den Stempel von Metropolit Johannes (Zizoulas) von Pergamon, der als Vorsitzender der Vorbereitungskonferenzen großen Einfluss auf die Texte hatte. Das Konzilsdokument über die Mission der orthodoxen Kirche wurde mit nur wenigen Änderungen einstimmig angenommen.
   Der Text besteht aus fünf kurzen Abschnitten mit den Überschriften „Die Würde der menschlichen Person“, „Freiheit und Verantwortung“, „Frieden und Gerechtigkeit“, „Frieden und Ablehnung des Krieges“ sowie „Die Haltung der Kirche gegenüber Diskriminierung“. In einem abschließenden sechsten Teil geht es um 15 Konkretisierungen zur „Sendung der orthodoxen Kirche als Zeugin der Liebe im Dienen“. Darin werden karitative Themen ebenso angesprochen wie Ungerechtigkeiten im Wirtschaftssystem, Hunger und Armut in der Welt, Umweltzerstörung und -bewahrung, der Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod oder ethische Fragen in den Biowissenschaften.
   Einmütig beschlossen die Konzilsväter nach Angaben des Sekretariats eine Solidaritätsbotschaft an den Patriarchen der syrisch-orthodoxen Kirche, Ignatius Aphrem II. Dieser war am Sonntag nur knapp einem Anschlag entkommen.
Wie es aus Teilnehmerkreisen weiter hieß, schlug der zyprische Metropolit Isaias Kykkotis von Tamasos die Bildung einer ständigen interorthodoxen Behörde für Flüchtlingsfragen und andere Notlagen vor. Die sei mit großem Beifall angenommen worden. Das Konzil dauert noch bis zum Wochenende.
  Rv160621sk

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Panorthodoxes Konzil auf Kreta

   Zweiter Sitzungstag des Panorthodoxen Konzils auf Kreta: Trotz des Fernbleibens von vier eigenständigen Landeskirchen ziehen die auf der Insel versammelten Kirchenführer die „Große und Heilige Synode“ der orthodoxen Kirche durch. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. verteidigte das am Montag ausdrücklich in seiner Eröffnungsrede: Das Konzil sei seit Jahrzehnten vorbereitet worden, man habe es jetzt nicht einfach noch mal verschieben können.
   Das Ehrenoberhaupt von 300 Millionen orthodoxen Christen weltweit setzte auch einen ökumenischen Akzent: Bartholomaios bedankte sich ausdrücklich bei Papst Franziskus dafür, dass dieser tags zuvor für die orthodoxen Geschwister gebetet hatte. Nach dem Patriarchen von Konstantinopel ergriffen die neun anderen Kirchenführer das Wort; sie beklagten einhellig das Fernbleiben einiger Amtsbrüder, bekräftigten aber auch, dass das Konzil ablaufen werde wie vorgesehen, um in einer zerrissenen Welt ein Signal der Einheit zu geben.
   Unter den Beobachtern aus anderen christlichen Kirchen ist auch Kardinal Kurt Koch, der den päpstlichen Einheitsrat leitet. Er erklärte hinterher gegenüber Radio Vatikan, er hoffe, dass das Konzil nicht nur zu stärkerer Gemeinschaft unter den orthodoxen Landeskirchen führen werde, sondern auch zu vertieften Beziehungen der Orthodoxie zur katholischen Kirche. Papst Franziskus betone in seinem Schreiben „Evangelii Gaudium“, dass Katholiken auch von anderen Kirchen wertvolle Impulse bekommen können – und nenne da speziell die Synodalität der orthodoxen Kirche. Rv160621sk

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Papst hofft auf „fruchtbare Ökumene“ nach Kreta-Konzil   -  Archivbild: "Bruder Andreas und Bruder Petrus" -

   Während Papst Franziskus eine wichtige ökumenische Reise nach Armenien absolvierte, fand vergangene Woche das langersehnte panorthodoxe Konzil auf Kreta statt. Nach Abschluss des Ereignisses empfing Papst Franziskus an diesem Dienstag eine orthodoxe Delegation vom Ökumenischen Patriarchat aus Konstantinopel im Vatikan. Traditionell besucht eine Delegation aus der Türkei den Vatikan zum römischen Patronatsfest Peter und Paul, zum Andreasfest, dem Patronatsfest des Patriarchats, erfolgt dann der Gegenbesuch.
   Papst Franziskus empfing die Gäste im Apostolischen Palast und ging in seinen Grußworten kurz auf das panorthodoxe Konzil ein: „Möge der Heilige Geist aus diesem Anlass viele Früchte hervorbringen, die der gesamten Kirche zugute kommen.“ Er bedankte sich bei den zwei Vatikan-Vertreter, die beim Konzil anwesend waren, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, und dem Sekretär des Rates, Bischof Brian Farrell. Beide werden dem Papst in den nächsten Tagen noch weitere Details zum Konzil mitteilen, kündigte der Papst selber an.
   Zwar war der Ökumenische Patriarch Bartholomaios selber in Rom nicht anwesend, ein Brief von ihm wurde jedoch vorgelesen. Darin geht das geistliche Oberhaupt der Orthodoxen auf die gegenwärtigen Krisen der Welt ein. Namentlich nannte er die Flüchtlingskrise und die wirtschaftlichen Probleme vieler Länder. Einen besonderen Hinweis richtete er auf die dramatische Lage der Christen im Nahen Osten. Auch einen Hinweis auf die Identitätskrise Europas fehlte nicht in Bartholomaios Brief an den Papst. Die europäische Gesellschaft könne ohne den Bezug auf ihre christlichen Wurzeln keine Zukunft haben, die rein säkulare oder wirtschaftliche Einheit Europas sei keine Alternative.
Rv1606296mg

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Panorthodoxes Konzil gerät ins Schlingern
Ökumenisches Patriarchat mahnt Teilnahme ein, aber Moskau erwägt Verschiebung

   An der Durchführung und am Datum des „Großen und Heiligen Konzils" der orthodoxen Kirche, das für 19. bis 26. Juni auf Kreta geplant ist, will das Ökumenische Patriarchat von Kon- stantinopel weiter festhalten. Nach den jüngsten Querschüssen einzelner orthodoxer Kirchen gegen das Konzil tagte am Montag im Phanar in Istanbul eine außerordentliche Versammlung des Heiligen Synods des Ökumenischen Patriarchats unter dem Vorsitz von Patriarch Bartholomaus. Er forderte anschließend in einem Kommunique die anderen orthodoxen Kirchen auf, sich an Abmachungen zu halten und am Konzil teilzunehmen.
   Zuletzt hatte es aus verschiedenen auto- kephalen orthodoxen Kirchen kritische Stimmen gegeben, bis hin zum Verlangen nach Absage des -Konzils auf Kreta. Im Kommunique aus Konstantinopel heißt es dazu wörtlich: „Der Heilige Synod hat mit Überraschung und Verwunderung von Positionen ünd Meinungen Kenntnis genommen, die in jüngster Zeit von einigen orthodoxen Schwesterkirchen zum Ausdruck gebracht worden sind." Es gebe keinen institutionellen Rahmen für eine Revision des in Gang befindlichen synodalen Prozesses, wird weiter festgestellt. Die Oberhäupter der orthodoxen Kirchen sollten nun Vorschläge zur Veränderung, Korrektur oder Anreicherung der Konzilstexte, die bei den panorthodoxen vorkonziliaren Treffen und den Primatialversammlungen einstimmig genehmigt worden waren, bei den Konzils-Sessionen einbringen.
   Das Ökumenische Patriarchat, das „die erste Verantwortung für die Bewahrung der Einheit der Orthodoxie" trage, appelliere an alle, zu den vorgesehenen Daten an den Sitzungen des Konzils auf Kreta teilzunehmen, wie es auf panorthodoxer Ebene sowohl bei den Primatialversammlungen als auch von den bevollmächtigten Delegierten der Kirchen während des langdauernden Vorbereitungsprozesses des Konzils beschlossen worden sei. Nachdem sie bei der Vorbereitungskonferenz zum Konzil im schweizerischen Chambesy den Konzilsvorklagen bereits zugestimmt hatte, ruderte die Bulgarisch-orthodoxe Kirche zuletzt wieder zurück, und wies die Ökumene-Vorlage zurück. Einige ökumenefeindlichen Metropoliten hatten hunderte Unterschriften ihrer Priester gegen das geplante Konzilsdekret gesammelt. Auch von der Georgisch-orthodoxen Kirche kamen massive Angriffe auf das Konzils-Dokument zur Ökumene sowie dem über die Ehe beziehungsweise Ehehindernisse. Griechenlands orthodoxe Bischofskonferenz beschloss Ende Mai ebenfalls, das „Ökumenismus-De- kret" scharf zu verurteilen. In dem Athener Text wird allen anderen christlichen Konfessionen einschließlich der katholischen jede Kirchlichkeit abgesprochen. Es handle sich aus korrekter orthodoxer Sicht ausnahmslos um Sekten. In dem Konzilsentwurf ist hingegen von „Kirchen und Bekenntnissen" die Rede, wird der Dialog mit ihnen befürwortet. Vor wenigen Tagen sorgte die Bulgarische- orthodoxe Kirche für einen Paukenschlag, als sie ankündigte, dem Konzil fernzubleiben, sollten Streitfragen vorab ungeklärt bleiben.
   Die Leitung der russisch-orthodoxen Kirche hat nun eine Verschiebung des Konzils nicht ausgeschlossen. Wenn die innerorthodoxen Streitfragen beigelegt würden, könne der Gipfel in knapp zwei Wochen auf Kreta beginnen, sagte der Außenamts- chef der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Hilarion, im Interview des TV-Senders „Russland 24". „Wenn sie nicht gelöst werden, dann ist es wahrscheinlich besser, es zu verschieben." Hilarion verwies darauf, dass einige der 14 Kirchen „unzufrieden" mit dem Verlauf der Vorbereitungen des Konzils seien. Es sei auch möglich, dass die Kirchen Antiochiens und Serbiens dem Gipfel fernblieben. Das Konzil ist auch vom Konflikt zwischen den Patriarchaten von Antiochia und Jerusalem um ihre Zuständigkeit in arabischen Golfstaaten überschattet. Dazu kam nun die Drohung der serbischen Kirche, die Communio mit der rumänischen Kirche abzubrechen. DT160609

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Panorthodoxes Konzil - Panorthodoxes Konzil: Kontroverse Debatte über Ehe

   Das panorthodoxe Konzil auf Kreta hat am Donnerstag seine Beratungen mit dem Thema Ehe und Ehehindernisse fortgesetzt. Die Beschlussvorlage dazu ist die einzige, die nicht zuvor mit der Unterschrift aller 14 orthodoxen Kirchen in das Konzil eingebracht wurde. Die Patriarchen von Georgien und Antiochien hatten den Entwurf bei der Vorbereitungsversammlung im Januar in Chambésy bei Genf nicht unterzeichnet, beide sind dem Konzil ferngeblieben.
  Laut dem Entwurf ist die Ehe zwischen orthodoxen und nichtorthodoxen Christen zwar „verboten“, kann aber „aus Barmherzigkeit und Menschenliebe“ gesegnet werden - im Unterschied zu der „kategorisch verbotenen“ Ehe mit Nichtchristen, auch Juden. Weiter heißt es in dem Entwurf: „Die orthodoxe Kirche erklärt die heilige Natur der Ehe als ihre fundamentale und unumstrittene Glaubenslehre. Der freie Bund von Mann und Frau ist eine unverzichtbare Bedingung für die Ehe.“ Beklagt wird ein organisierter Druck auf die Kirche, neue Formen des Zusammenlebens anzuerkennen. Die Georgier hatten eine ausdrückliche Verurteilung von Homosexualität gefordert.
Keine Fasten-Erleichterungen
  
Das Thema Fasten war überraschend schon am Mittwochabend behandelt worden. Das Dokument bekräftigt die Einhaltung der geltenden strengen Fastenregeln in der orthodoxen Kirche und enthält – anders als in früheren Phasen der Konzilsvorbereitung angedacht – keine Lockerungen angesichts der heutigen Arbeits- und Lebenswelten. Die konkrete Anwendung der Regeln wird jedoch den Ortsbischöfen anheimgestellt.
  
In der Diskussion über den Text wurde auch auf die Diskussionen des Zweiten Vatikanischen Konzils der katholischen Kirche (1962-1965) verwiesen, wie aus Teilnehmerkreisen verlautete. Es hatte die Zahl der für Katholiken gebotenen Fastentage deutlich reduziert und auf die Gewissensentscheidung der Gläubigen verwiesen. Dies habe zu einem drastischen Einbruch des Fastens bei den Katholiken geführt.
   Mit der Verabschiedung der „Wichtigkeit des Fastens“ beendete das Konzil am Mittwochabend auch seine erste Sitzungshälfte. Die 166 Konzilsväter aus 10 der 14 eigenständigen orthodoxen Kirchen seien eifrig bei der Arbeit, hieße es beim Pressebriefing in Kolymbari. Wie es hieß, habe es „lebhafte“ Diskussionen gegeben, für nicht wenige der Bischöfe sei das eine durchaus neue Erfahrung. Und von den Störfeuern der vier fernbleibenden Kirchen, allen voran des Moskauer Patriarchats, das der Versammlung auf Kreta den Status eines „panorthodoxen“ Konzils abspricht und es nur als „Treffen“ ansieht, lasse man sich nicht beirren.
Bartholoamais führt mit Entschiedenheit
  
Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., trat in den drei Tagen als engagierter Vorsitzender und zentrale Figur dieses Konzils hervor. Er leitete die Sitzungen konzentriert, wie Teilnehmer berichteten. Das vielleicht wichtigste Ergebnis von Kreta könne eine Institutionalisierung dieser „Heiligen und Großen Synode“ als oberstes Organ der Orthodoxie werden, heißt es. Das würde regelmäßige Sessionen bedeuten. Bartholomaios I. halte einen Turnus von sieben bis zehn Jahren für sinnvoll, andere schlugen noch häufigere Tagungen vor.
   Dies würde dem Konzil seinen außerordentlichen Status nehmen und es zu einem echten Arbeitsorgan machen. Außerdem böte es den jetzt Ferngebliebenen die Möglichkeit, sich ohne Gesichtsverlust an künftigen Sessionen zu beteiligen.
   In der zweiten Hälfte des Konzils geht es unter anderem um das Verhältnis der Orthodoxie zur übrigen Christenheit, deren Gläubige bisher von lautstarken Kreisen in mehreren Kirchen allesamt als „Häretiker“ verurteilt werden. Die Abschlusssitzung, zu der auch die Gäste aus der Ökumene wieder eingeladen sind, findet am Samstagnachmittag statt. Der Schlussgottesdienst wird am Sonntag in der Petrus-Paulus-Kirche von Chania gefeiert.
Rv160623sk

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„Erste Stellungnahme der Orthodoxen zu Menschheitsfragen“  -  Foto:  Teilnehmer beim Konzil

   Im Vatikan hat man die „Enzyklika“ des orthodoxen Konzils von Kreta genau gelesen – und würdigt den (ohne Unterschriften) elf Seiten langen Textals epochemachend. „Zum ersten Mal sprechen die orthodoxen Kirchen mit einer Stimme nicht nur in Fragen, die sie selbst betreffen, sondern auch in Fragen, die die ganze Menschheit angehen.“ Der Rundbrief sei „sicher eine der wichtigsten Früchte“ des panorthodoxen Konzils, das bis Sonntag eine Woche lang auf der Insel Kreta zusammengetreten war.
   In der Vatikanzeitung ‚L’Osservatore Romano’ analysiert Hyacinthe Destivelle vom päpstlichen Einheitsrat an diesem Freitag die „Enzyklika“. Der Dominikaner hat die Arbeiten des Konzils auf Kreta aus der Nähe beobachtet. Ursprünglich habe das Konzil neben den seit Jahrzehnten vorbereiteten Texten nur eine „Botschaft“ veröffentlichen wollen; doch nun sei neben die kurze „Botschaft“ auch eine „Enzyklika“ getreten. Sie zeichnet sich in Destivelles Sicht dadurch aus, dass sie „fast so lang ist wie alle anderen Konzilsdokumente zusammen“ und dass sie nicht schon von Vorbereitungs-Konferenzen der letzten Jahrzehnte entworfen wurde. Ein aktueller Text also. Mehr noch: Sie ist der einzige Konzilstext, der nicht nur interne orthodoxe Problemfelder behandelt, sondern zu Nicht- Orthodoxen, ja zur ganzen Menschheit spricht.
„Askese als Gegengift zum Konsumismus“
   Die „Enzyklika“ wurde von einem Gremium unter der Leitung von Metropolit Emmanuel von Frankreich geschrieben, sie hat sieben Themen-Kapitel, darunter „Familie“ und „Globalisierung“. Als „Herausforderungen unserer Zeit“ nennt Kapitel fünf u.a. Säkularismus und Konsumismus. Die Umweltkrise habe „geistlich-moralische“ Wurzeln, und wer sie bekämpfen wolle, müsse „nicht nur Buße leisten für die Sünde der übermässigen Ausbeutung natürlicher Ressourcen des Planeten“, sondern auch „Askese als Gegengift zum Konsumismus und zum Kult der Bedürfnisse betreiben“.
   Was die Globalisierung (Kapitel sechs) betrifft, macht die „Enzyklika“ einen Vorschlag, den der Vatikanmann „originell“ nennt: Die Organisation der orthodoxen Kirche wird als Alternativ-Modell zur „reduktionistischen und unpersönlichen Homogenisierung“ beschrieben. Sie mache vor, wie sich „die Identität der Völker schützen und der lokale Charakter stärken“ liessen. Alle orthodoxen Ortskirchen seien einander gleichgestellt; das könne doch ein Vorbild für die Völkerfamilie sein. Das Kapitel betont die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs und die „Liebe der Kirche“ zu Flüchtlingen und Migranten.
„Schade“: Keine Anspielung auf Ziel des ökumenischen Gesprächs
   Mit spitzen Fingern untersucht Vatikanmitarbeiter Destivelle Kapitel sieben, in dem es um Ökumene geht. Der Dialog der Orthodoxen mit „heterodoxen Christen“ wird dort mit folgenden Worten gerechtfertigt: „Dank diesem Dialog kennen die anderen Christen jetzt die Orthodoxie und die Reinheit ihrer Tradition besser. Sie wissen jetzt auch, dass die orthodoxe Kirche niemals irgendeinen theologischen Minimalismus oder Zweifel an ihrer dogmatischen Tradition und ihrem evangeliumsgemäßen Ethos akzeptiert hat.“ Diese Herangehensweise nennt Destivelle „schade“: Es fehle auch die geringste Anspielung auf das Ziel des ökumenischen Gesprächs, nämlich die Herstellung der sichtbaren Einheit unter den Christen.
   Dennoch müsse man diesem Text insgesamt doch „Gerechtigkeit widerfahren lassen“. Anders als die übrigen Konzilsdokumente mit ihrer nach innen gerichteten Optik weise die „Enzyklika“ „eine breitere theologische Vision“ auf, „die in der Regel positiver und weniger juridisch“ sei. Kennzeichnend sei die strikt kirchliche, „ja kirchenzentrische“ Perspektive. „Und das ist Zug, der zweifellos der ganzen Orthodoxie eignet“, so Pater Destivelle. „Für sie ist, wie die „Enzyklika“ formuliert, die ganze Welt dazu aufgerufen, sich verkirchlichen zu lassen.“
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Der ökumenische Patriarch Bartholomaus I. betrachtet das Konzil als den gegebenen Weg zur Herstellung und Darstellung der panorthodoxen Einheit  -  Kreta: Synode soll in konziliarem Prozess weitergehen –

Bekenntnis zum Dialog mit anderen Christen und zur Ehe von Mann und Frau
    Mit einer Göttlichen Liturgie in der Peter-und-Paul-Kirche in Chania auf Kreta ist das „Große und Heilige Konzil" der orthodoxen Kirchen am Sonntag zu Ende gegangen - und soll in Form eines konziliaren Prozesses gleich weitergehen. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. konzelebrierte die Feier mit den Oberhäuptern der anderen autokephalen orthodoxen Kirchen. In seiner Predigt sagte der Patriarch, „dass dieses heilige Konzil uns die Gelegenheit gibt, den konziliaren Prozess wiederzubeleben, so dass kirchliche Konzilien von Neuem zur kanonischen und natürlichen Art und Weise werden, um die orthodoxe Einheit zu erreichen und auszudrücken". Bartholomaios deutete damit an, dass es in Zukunft häufiger zu konziliaren Versammlungen kommen könnte, was auch als Möglichkeit interpretiert wird, um die auf Kreta nicht, vertretenen Kirchen doch noch an diesem konziliaren Prozess zu beteiligen. Der Ökumenische Patriarch ging unumwunden auf die Schwierigkeiten ein, die das Konzil begleitet hatten - insbesondere durch die Abwesenheit der Patriarchen von Antiochien, Moskau, Georgien und Bulgarien. Aber er ließ auch keinen Zweifel daran, dass er das Konzil als den gegebenen Weg zur Herstellung und Darstellung der panorthodoxen Einheit sieht.
   Zur Lage der Orthodoxie in der Welt fand Bartholomaios große Worte: „Wenn das 21. Jahrhundert das ‚Jahrhundert der  Orthodoxie' sein kann - wie treffend gesagt worden ist -,  „dann", so der Patriarch, „hat das ,Heilige und Große Konzil' durch die Gnade Gottes den Grundstein für die Verwirklichung dieser gottgefälligen Vision gelegt."
   Während der Göttlichen Liturgie wurden auch die wichtigsten Ergebnisse der einwöchigen Synode verlesen. In einer „Botschaft des Großen und Heiligen Konzils der Orthodoxen Kirche an alle Menschen guten Willens" heißt es: „Das wichtigste Anliegen des Konzils war es, die Einheit der orthodoxen Kirche zu verkünden. Gegründet auf der Eucharistie und der apostolischen Nachfolge ihrer Bischöfe muss die bestehende Einheit gestärkt werden und neue Früchte zu tragen." Zudem sei die orthodoxe Kirche, „getreu der einmütigen apostolischen Tradition und ihrer sakramentalen Erfahrung, die authentische Fortsetzung der einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche, wie sie im Glaubensbekenntnis bekannt und durch die Lehre der Kirchenväter bestätigt wird"; Bei den Beratungen des Heiligen und Großen Konzils sei die Bedeutung der Synaxis der Vorsteher, die sich gebildet hat, hervorgehoben worden „und es wurde der Vorschlag gemacht, aus dem Heiligen und Großen Konzil eine regelmäßige Institution zu machen und es alle sieben oder zehn Jahre einzuberufen".
   Die Schlussbotschaft enthält weitere programmatische Sätze: „Als Antwort auf ihre Verpflichtung, Zeugen der Wahrheit und des apostolischen Glaubens zu sein, legt unsere Kirche großen Wert auf den Dialog, vor allem mit nichtorthodoxen Christen. Auf diese Weise lernt der Rest der christlichen Welt die Echtheit der orthodoxen Tradition besser schätzen, den Wert der Lehre der Kirchenväter und das liturgische Leben und den Glauben der Orthodoxen. Die von der orthodoxen Kirche geführten Dialoge schließen niemals einen Kompromiss in Glaubensfragen ein."
   Zur Lage der Christen in den Ländern des Mittleren Ostens und zur sakramentalen Ehe erklärt die Synode: „Ganz besonders drückt sie (die Orthodoxie) ihre tiefe Besorgnis über die Lage der Christen und aller verfolgten Minderheiten im Nahens Osten aus. Sie fordert die Regierungen der Region auf, die einheimischen Orthodoxen sowie die anderen Christen und alle Bevölkerungsgruppen zu schützen, die ein unveräußerliches Recht haben, in ihren Ländern als Bürger mit gleichen Rechten zu leben.  Unser Konzil appelliert an alle Beteiligten, unverzüglich systematische Anstrengungen zu unternehmen, um ein Ende der militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten zu erreichen und überall dort, wo bewaffnete Auseinandersetzungen andauern, und allen Flüchtlingen zu ermöglichen, in ihre Heimat zurückzukehren." Und: „Im Gegensatz zum zeitgenössischen Eheverständnis betrachtet die orthodoxe Kirche die unauflösliche liebende Verbindung von Mann und Frau als ,ein großes Geheimnis (...) Christi und der Kirche'. Ebenso bezeichnet sie die Familie, die daraus entspringt und die die einzige Garantie für die Erziehung von Kindern darstellt, als eine ,kleine Kirche'."
   Bei den beschlossenen Dokumenten der panorthodoxen Synode geht es zum einen um innerorthodoxe Fragen wie die Ordnung der weltweiten orthodoxen Diaspora und die Regelung der Erklärung des Autonomiestatus einer Landeskirche. Festgeschrieben werden auch die strengen Fastenregeln und Bestimmungen zum Sakrament der Ehe und seiner Hindernisse. Zum anderen geht es um die Weltverantwortung der orthodoxen Kirche in der Gegenwart und um ein „Ökumenismus"-Papier. Es wird nun abzuwarten sein, wie sich die vier orthodoxen Kirchen, die an der Synode nicht teilgenommen haben, zu den Beschlüssen von Kreta stellen werden. DT160628-

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Orthodoxe Enzyklika: eine Übersicht  - Das Konzil auf Kreta

Genauer Titel: „Enzyklika (= Feierlicher kirchlicher Rundbrief) der Heiligen und Großen Synode der orthodoxen Kirche, Kreta 2016“Autor: Gremium orthodoxer Bischöfe und Theologen, geleitet von Metropolit Emmanuel (Frankreich)
Seiten:
11 Textseiten, vier Seiten Unterschriften aller Teilnehmer des panorthodoxen Konzils von Kreta (drei Patriarchate, sieben eigenständige Kirchen)

Kapitel: 7
Themen:
Kirche als Leib Christi; Mission der Kirche in der Welt; Familie; Erziehung; Herausforderungen der Welt von heute; Globalisierung, Extremismus und Flüchtlingskrise; Ökumene
Erste Worte: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Wir danken dem dreifaltigen Gott dafür, dass er uns erlaubt hat, uns in den Pfingsttagen auf der Insel Kreta ... zu treffen. Erfüllt vom Hl. Geist, haben wir die Arbeiten der Heiligen und Großen Synode unserer Orthodoxen Kirche zu Ende geführt, die von Seiner Heiligkeit, dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios, mit einstimmiger Zustimmung der seligen Vorsteher der heiligen Orthodoxen Kirchen einberufen worden war.“
Zentrale Aussagen über…
. . . die Kirche: „Die Orthodoxe Kirche ist, in ihrer Einheit und Katholizität, die Kirche der Konzilien, vom Jerusalemer Apostelkonzil angefangen bis heute. Die Kirche ist von Natur aus Konzil...“ (Kap. 1)
. . . die heutige Zeit:Die Kirche Christi wird heute mit extremen oder auch provokanten Formen der Ideologie der Säkularisierung konfrontiert“ (Kap. 5).
. . . Politik: „Es ist willkürlich und unangemessen, die Kirche mit „konservativ“ zu identifizieren und zu meinen, sie sei nicht mit dem Fortschritt der Zivilisation zu vereinbaren... Die orthodoxe Kirche proklamiert vor den „Menschengöttern“ unserer Zeit den „Gott-Menschen“ (Christus) als letztes Maß aller Dinge.“ (Kap. 5)
. . . Bioethik: „Das Recht, geboren zu werden, ist das erste der Menschenrechte. Die Kirche als göttlich-menschliche Einrichtung ... widersetzt sich jedwedem Versuch, den Menschen auf ein Objekt zu reduzieren oder ihn in eine messbare Menge zu verwandeln.“ (Kap. 5)
. . . die Globalisierung: „Die zeitgenössische Ideologie der Globalisierung, die unmerklich durchgesetzt wird und sich rasch verbreitet, führt weltweit zu großer Unstabilität für die Wirtschaft und für die Gesellschaft... Die Kirche widersetzt sich der Bedrohung für den Menschen unserer Zeit und für die kulturellen Traditionen der Völker.“ (Kap. 6)
. . . Kirche und Staat: „Die Kirche mischt sich nicht in die Politik im engeren Sinn ein, aber ihr Zeugnis ist doch grundlegend politisch, weil es Sorge um den Menschen und seine geistliche Freiheit ist.“ (Kap. 6)
. . .Fundamentalismus: „Fundamentalismus ist Ausdruck einer krankhaften Religiosität.“ (Kap. 6)
. . .Flüchtlingskrise: „Die Kirche stand im Lauf ihrer Geschichte immer auf der Seite der Mühseligen und Beladenen... Wir bitten die Behörden, die orthodoxen Gläubigen und die anderen Bürger der Länder, in denen Flüchtlinge Zuflucht suchen, ihnen jede nur mögliche Hilfe zu gewähren.“ (Kap. 6)
. . . Ökumene: „Die multilateralen Dialoge, die die Orthodoxe Kirche durchführt, bedeuten keinesfalls irgendeinen wie auch immer gearteten Kompromiss in Fragen des Glaubens.“ (Kap. 7) 
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Panorthodoxes Konzil

   Ein Verantwortlicher des päpstlichen Ökumenerats lobt das erste Dokument, das vom panorthodoxen Konzil auf Kreta verabschiedet wurde. Der Text über Mission, dessen erster Entwurf schon 1986 veröffentlicht worden sei, „ist nicht nur nicht veraltet, sondern immer noch sehr aktuell“. Das schreibt der Dominikaner Hyacinthe Destivelle, der die Arbeiten des Konzils auf Kreta mitverfolgt, in der Vatikanzeitung ‚L’Osservatore Romano’ von diesem Donnerstag. Das Dokument lasse „eine zutiefst biblische und patristische Inspiration“ erkennen und entwickle eine Art „orthodoxer Anthropologie“ für die heutige Zeit.
   „Der Text konzentriert sich auf die wesentliche Mission des orthodoxen Kirche“, so Destivelle, „nämlich den neuen Menschen zu verkünden, der in Christus erneuert worden ist.“ Der Ton sei „entschieden positiv“; so werde etwa mit einem Zitat von Basilius dem Großen bekräftigt, nichts sei so spezifisch christlich wie der Einsatz für den Frieden. Ausdrücklich verurteile der Text „die Verfolgung von Christen und anderen Gemeinschaften um ihres Glaubens willen im Nahen Osten und anderswo“, aber auch „die Kriege, die aus dem Nationalismus entstehen, sowie die Konflikte, die zu ethnischer Säuberung, der Veränderung staatlicher Grenzen und der Besetzung fremden Lands führen“.
   Destivelle weist darauf hin, dass das weitaus längste Kapitel des Missionsdokuments von der Nächstenliebe handelt. Hier würden die entscheidenden Prinzipien der christlichen Soziallehre behandelt, darunter Umweltschutz, Bioethik, Ehe und Familie. „Einige könnten verstimmt sein darüber, dass der Text sehr theoretisch bleibt und nicht explizit auf die historische Erfahrung der orthodoxen Kirchen hinweist”, so der Vatikanmann. „Aber es ging hier nun mal darum, Prinzipien festzusetzen.“
   Mit dem Missionsdokument verfügen die orthodoxen Kirchen nun nach Destivelles Angaben „zum ersten Mal über einen gemeinsamen Text über ihre Sicht des Menschen, geschaffen als Ebenbild Gottes, und über die sozialen Konsequenzen dieser Sicht in unserer heutigen Welt.“ Zwar gebe es namentlich von der russisch-orthodoxen Kirche bereits einen vergleichbaren Text aus dem Jahr 2000. „Doch das Besondere am neuen Text besteht darin, dass er von allen orthodoxen Kirchen vorbereitet und, mit nur wenigen Änderungen, von ihrem Heiligen und Großen Konzil verabschiedet worden ist.”
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Die erste West-Ost-Begegung zwischen Moskau und Rom:
„Ein Geschenk
des Himmels“ Papst Franziskus

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Die ersten Meldungen  via Sputnik:

   Patriarch Kyrill von Moskau und ganz Russland hat sich mit Papst Franziskus zu einer historischen Unterredung in der kubanischen Hauptstadt Havanna getroffen. Das Treffen zwischen Franziskus und Kyrill am Flughafen „José Marti“ ist das erste auf dieser Ebene seit der Kirchenspaltung vor fast 1.000 Jahren.
Papst Franziskus bezeichnet Treffen mit Patriarch Kyrill als „Geschenk Gottes“
   Nach der Begrüßung zogen sich Franziskus und Kyrill für ein etwa zweistündiges privates Gespräch in den Protokollsaal des Flughafens zurück. Nach Angaben von Metropolit Hilarion von Wolokolamsk, Vikar des russischen Patriarchen, wollen die beiden Kirchenoberhäupter unter anderem über die Verfolgung der Christen in den Krisenherden in Nahost, Afrika und Asien beraten. Der Begrüßung zwischen Kyrill und Franziskus wohnte auch Kubas Präsident Raúl Castro bei.
   Der Papst und der Metropolit werden voraussichtlich auch über Probleme der Erhaltung traditioneller Familienwerte sowie über die Lage in der krisengeplagten Ukraine mit Schwerpunkt auf die Beziehungen zwischen der orthodoxen und der sogenannten unierten (griechisch-katholischen) Kirche sprechen. Auf der Tagesordnung dürften ferner aktuelle Fragen der bilateralen Beziehungen und der internationalen Politik stehen.
 Trotz der unterschiedlichen Ansätze der Römisch-katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche ist das Treffen von Papst Franziskus und dem Patriarchen der Russisch-Orthodoxen Kirche Kyrill von immenser Bedeutung, so Patrick Poppel, Generalsekretär des Suworow-Instituts zur Förderung des österreichisch-russischen Dialogs.

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Treffen von Franziskus und Kirill – ein Meilenstein für interkonfessionellen Dialog

  Dieses erste Treffen dieser Art seit der Kirchenspaltung vor rund 1000 Jahren werde die gesamte Christenheit in der Zukunft stärker auftreten lassen, so der Wiener Experte für die russisch-orthodoxe Kirche.
   „Die beiden Kirchen haben unterschiedliche Ansätze“, stellte Poppel im Sputnik-Interview mit Nikolaj Jolkin fest. „Während sich die Römisch-katholische Kirche mehr um den Umweltschutz bemüht, setzt sich die russisch-orthodoxe Kirche stärker für die Sicherheit der Christen in Kriegsgebieten ein. Wir wissen, dass Patriarch Kyrill die Militäroperation der Russen in Syrien unterstützt. Diese Mission gegen den Islamischen Staat hat er ja gesegnet. Der Patriarch steht der Politik Wladimir Putins zur Seite und stärkt ihm den Rücken, um ordentliche Verhältnisse für die Menschen in den um-kämpften Gebieten Syriens zu schaffen.“                                   
Sputnik/Vladimir Astapkovich

   Es gebe aber viele Dinge, die die gesamte Christenheit betreffen — so die Verfolgung der Christen im Mittleren Osten, wo der Krieg tobe. „Und das besorgt alle Kirchen. Deswegen ist das Treffen zwischen den Oberhäuptern der größten Amtskirchen der Welt von entscheidender Bedeutung, um sich bei der Unterstützung aller Christen zu vereinigen.“
   Zwar habe Papst Franziskus bereits andere orthodoxe Patriarchen getroffen, sei das Treffen mit dem russisch- orthodoxen Patriarchen von besonderem Wert, weil die russische Kirche die erschlossenste Formation in der gesamten orthodoxen Christenheit sei, ist sich Patrick Poppel sicher. „Und von der Anzahl der Gläubigen, die aktiv praktizieren, und von dem gesellschaftlichen Einfluss in Russland und anderen Diözesen des Moskauer Patriarchats ist die russisch-orthodoxe Kirche die stärkste Kraft der Orthodoxie.“                                       
Sputnik/Sergei Pyatakov

   Obwohl die römisch-katholische Kirche in Russland keine große Rolle spielt, könnte es aber eine gute Zusammenarbeit geben, meint der Experte, abgesehen von der Trennung, die vor Jahrhunderten vorhanden sei, und davon, dass die beiden Kirchen ihren eigenen Weg weiter gehen werden.
   Die größte Herausforderung für sie aber bleibt, so der Experte, dass die heutige Gesellschaft mit den alten Religionen nicht viel zu tun haben möchte und der Materialismus im heutigen Leben den Geist immer weiter zurückdrängt, so Patrick Poppel.
   „Die Römisch-katholische Kirche wird dazu noch von dem Fliehen von Mitgliedern und dem geringen Einfluss beeinträchtigt. Die russisch-orthodoxe Kirche prägt dagegen stark den russischen Geist in der Gesellschaft. Sie ist eine Art ideologische Komponente der russischen Kultur.    Das ist in der Römisch-katholischen Kirche zurückgedrängt.“
Sputnik/SergeiPyatakov

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Foto: Franziskus und Kyrill  -  Das Treffen von Papst und  Patriarch als Jahrtausendereignis

   Das Große Schisma, die Trennung von orthodoxer Kirche und römisch-katholischer Kirche, wird meist auf das Jahr 1054 datiert. Danach herrschte über Jahrhunderte Funkstille. Jetzt soll alles anders werden. Jetzt trafen sich erstmals ein Moskauer Patriarch und ein römischer Papst: Franziskus und Kyrill.

Im Deutschlandfunk: Thomas Bremer im Gespräch mit Andreas Main

   Andreas Main: Professor Thomas Bremer, der russisch-orthodoxe Patriarch und der römisch-katholische Papst, das erste Treffen der Oberhäupter dieser beiden Kirchen überhaupt, ein erstes Treffen nach rund tausend Jahren Kirchenspaltung - das als historisch zu bezeichnen, das lässt sich wohl kaum hinterfragen. Haben Sie als Experte für die Ostkirchen damit gerechnet, das noch erleben zu dürfen?
Thomas Bremer: Ich habe nicht damit gerechnet, dass das so bald und so schnell kommt und so unerwartet. Dass es irgendwann mal kommen würde, damit konnte man, glaube ich, im Prinzip rechnen, aber, ich glaube, für die meisten war die Ankündigung, dass es jetzt stattfinden soll, doch eine große Überraschung.
Main: An dieser Begegnung von Papst und russisch-orthodoxem Patriarchen arbeiten und arbeiteten viele im Vatikan und darüber hinaus – auch unter Franziskus Vorgängern. Was war das zentrale Hindernis aus Ihrer Sicht auf dem Weg zu dieser Begegnung?
Bremer: Da gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Zunächst die Frage war ja im Vordergrund gestanden seit dem Pontifikat von Johannes Paul II. Und in die Zeit dieses Pontifikats kommt ja auch das Ende der Sowjetunion und das Ende der kommunistischen Systeme in Osteuropa. Das bedeutet dort ein großes Maß an Religionsfreiheit. Und das bedeutet insbesondere, dass die griechisch-katholische Kirche in der Ukraine, die sogenannte unierte Kirche, nach Jahrzehnten der Illegalität sich dort wieder entfalten und entwickeln konnte. Das hatte zur Folge, dass die russisch- orthodoxe Kirche, die dort die Vormacht hatte, viele Gemeinden und viele Gläubige verloren hat. Und das hat die russische Kirche immer der römischen Kirche zum Vorwurf gemacht und gesagt, das sei ein bewusster feindlicher Akt der katholischen Kirche gegen die Orthodoxie und speziell gegen die russische Orthodoxie gewesen. Das musste jetzt ein bisschen, die letzten Monate, – obwohl das schon 25 Jahre her ist – als Vorwand dafür herhalten, warum ein solches Treffen nicht möglich ist.

"Große Nähe der russisch-orthodoxen Kirche zum russischen Staat"

Main: Die russisch-orthodoxe Kirche und die russische Regierung – viele sehen darin ein Paradebeispiel dafür, wie Kirche und Politik verquickt sind. Wir haben es – so sehen es viele – mit einer durch und durch nationalistischen Kirche zu tun, die das Regime mit Weihrauch und Ideologie stabilisiert. Lässt sich der Papst bewusst oder unbewusst in diesen antiliberalen Sumpf ziehen?
Bremer: Ich würde die Beschreibung nicht teilen, die sie am Anfang gemacht haben. Die russisch-orthodoxe Kirche hat in ihrem ersten Satz des Statuts drin stehen, dass sie eine multi-nationale Kirche ist; und sie zählt ja auch tatsächlich Ukrainer, Bela-russen und viele andere zu ihren Gläubigen. Und wenn man etwa die Ereignisse jetzt in der Ukraine in den letzten zwei, drei Jahren betrachtet, also die Frage nach der Annexion der Krim und die Ereignisse in Donbass, dann wird man sehen, dass die russische Kirche relativ – also die russische Kirche in Moskau – sich relativ verhalten äußert und keine eindeutige Position nimmt, die identisch wäre mit der des russisches Staates. Das kann man auch an einigen anderen Akten sehen. Das heißt, es stimmt, dass die russisch-orthodoxe Kirche eine große Nähe zum russischen Staat hat. Aber es gibt gerade in diesen interessanten und wichtigen Kirchendingen auch eine vorsichtige Zurückhaltung. Was vielleicht interessant ist, ist– Sie haben das angesprochen – eine wenig liberale Position. Das spielt, glaube ich, eine wichtige Rolle. Die russische Kirche vertritt – übrigens auch der russische Staat – die Position, dass Russland eine eigene Zivilisation sei, eine eigener Kulturkreis, der sich in vielen Dingen ganz diametral von dem westlichen europäischen Kulturkreis unterscheidet. Und diese Frage anzuschneiden – also das Verhältnis von orthodoxer zu westlicher Kultur, das ist, glaube ich, eine ganz interessante Sache, die sicher auch Thema werden wird bei dem Gespräch.
Main: Patriarch Kyrill hat punktgenau zu Beginn der russischen Luftangriffe in Syrien den Kampf gegen den Terrorismus – so die offizielle Version Moskaus – also diesen Krieg hat Kyrill als "heilig" bezeichnet. Sie sind Professor für Ökumene, Ostkirchenkunde und Friedensforschung. Inwieweit teilen Sie als katholischer Theologe dieses Friedensverständnis des russischen Patriarchen
Bremer: Es war ein Sprecher des Patriarchen, der diese Bezeichnung gemacht hat, als "heiliger Krieg". Aber auch der Patriarch selber hat die Luftangriffe verteidigt. Das tun viele Menschen, nicht nur in der orthodoxen Kirche, sondern eben auch in der katholischen Kirche in Syrien. Vor einigen Tagen erst hat ein katholischer Bischof die Angriffe gerechtfertigt. Und der Punkt dahinter ist der, dass man meint – ich sehe das nicht so -, aber dass man eben argumentiert, die Unterstützung des Westens für die Rebellen habe dazu beigetragen, dass es diesen großen Exodus von Christen im Nahen Osten gibt – und besonders aus Syrien. Aus Syrien, einem Land, wo die Christen mit vielleicht 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung vor dem Krieg, also vor mehreren Jahren, relativ unbehelligt und relativ gut mit den Muslimen zusammengelebt haben. Und man interpretiert das auf orthodoxer Seite, aber eben auch zum Teil bei anderen Christen im Land selber, in Syrien selber, so, als sei dieses Leben, das die Christen hatten, unmöglich gemacht worden, als seien die Vertreibungen eingeleitet worden durch die militärischen Aktionen des Westens. Und aus dieser Perspektive – die ich nicht teile, aber man muss sie eben sehen, um das zu verstehen – aus dieser Perspektive glaubt man eben, dass die russischen Angriffe, die das Regime von Assad stützen sollen, dass die eigentlich gut seien für die Christen.
Main: Ich spitze zu: Der Papst stabilisiert indirekt Putin, Kyrill und deren Syrien-Politik.
Bremer: Das wird man erst sehen. Wir wissen ja noch nicht, was der Papst Kyrill sagen wird und was dann offiziell gesagt werden wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er tatsächlich Putins Politik oder Assads Politik stützen oder rechtfertigen wird. Aber man sollte doch sehen, dass es eben – wie gesagt, nicht nur bei orthodoxen Christen – unterschiedliche Sichtweisen auf diesen Krieg gibt.

Es geht um die Kirchenspaltung

Main: Und es geht nun mal auch primär darum, eine tausend Jahre alte Spaltung zu überwinden und womöglich muss man Kollateralschäden dieser Art in Kauf nehmen.
Bremer: Das würde ich nicht so sagen, dass das Kollateralschäden sind. Das sind auch, glaube ich, zwei ganz unterschiedliche Fragen. Die Frage nach der Kirchenspaltung ist eine Frage von theologischen Differenzen, über die man sich, glaube ich, in gewisser Hinsicht und bei entsprechender Mühe einig werden könnte. Es ist natürlich sehr stark eine Frage von Kirchenpolitik. Das heißt: Was bedeutet es, wenn die Kirchen sich einig werden würden? Was wäre denn dann in dieser geeinigten Kirche etwa die Stellung des römischen Papstes? Und was bedeuten denn dann die Patriarchate? Es gibt ja nicht nur Moskau, es gibt ja noch andere orthodoxe Patriarchate. Die Frage nach diesen machtpolitischen Fragen, die Sie jetzt angesprochen haben in Bezug auf die Kriege im Nahen Osten, das ist, glaube ich, ein anderes Thema, das man nicht ohne weiteres mit dem zusammen-bringen kann. Natürlich sind die Kirchen auch Akteure; und sie haben Positionen und äußern diese Positionen in Bezug auf politische Fragen, aber das ist eben doch was anderes als die Frage etwa nach der Kirchenspaltung.
Main: Wenn es zu einer Verständigung zwischen diesen Kirchen kommen könnte, was würde das für ein Signal senden?
Bremer: Ja, die Frage ist natürlich, was für eine Verständigung das wäre. Also zunächst mal das theologisch Interessante ist die Verständigung über eine Kirchenstruktur. Das heißt, dann stellt sich tatsächlich die Frage, welche Rolle hat der römische Bischof...
Main: Einheit in Vielfalt.
Bremer: Ja, aber das muss ja konkret etwas bedeuten. Wir haben katholischerseits Aussagen von Konzilien, wie etwa das Erste Vatikanische Konzil, die für die Orthodoxen in der Form völlig unannehmbar sind. Das heißt: Wenn sich die Kirchen einigen, dann müsste man einfach gucken, was ist das für eine Einigung, worauf einigt man sich denn. Natürlich wäre es bedeutsam, wenn die beiden großen Traditionen der byzantinisch-östlichen und der katholischen Kirche sich irgendwie einigen könnten und dann gemeinsame Positionen in Bezug auf politische Fragen vertreten können. Man muss allerdings auch sagen – das ist ja so, bei großen Organisationen, wie Kirchen das sind - es gibt ja auch jetzt nicht die einheitliche Position der katholischen Kirche. Es gibt viele Katholiken, die in politischen Fragen unterschiedliche und andere Meinungen haben als etwa der Papst oder als große  Gruppen von anderen Katholiken. Also es ist ja nicht so, dass es eine einheitliche orthodoxe und eine einheitliche katholische Meinung gäbe oder Positionen gäbe, sondern die sind in sich noch mal sehr stark unterschieden und differenziert.

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Foto: Papst Franziskus und Bartholomaios I. von Konstantinopel.
Letztlich ist die Annäherung diesem Ökumenischen Patriarchen zu verdanken

Main: Unser Gespräch haben wir damit begonnen, dass Sie auch überrascht waren über die Ankündigung dieses Termins. Waren Sie ebenso überrascht, was die Ortswahl betrifft – also Kuba, das einst Teil des Sowjet-Imperiums war, also eine öffentlichkeitswirksame Begegnung dort – wie werten Sie diese Ortswahl?

Ein neutraler Ort für das Treffen

Bremer: Es gab ja schon immer Gerüchte auch unter den vorherigen Päpsten über ein solches Treffen und wo das möglich sei. Und dann war es immer natürlich das Problem, dass man einen möglichst neutralen Ort finden sollte. Es war mal Österreich und die Schweiz im Gespräch. Der weißrussische Präsident hat mal nach Minsk eingeladen und so weiter. Aber man muss natürlich sagen, dass in Europa Orte irgendwie geprägt oder belastet sind.
Main: Kuba ist aber auch nicht neutral.
Bremer: Nein – aber es ist weit weg von diesen historischen Belastungen und Prägungen, die es zwischen den beiden Kirchen gibt, und insofern ist es eben irgendwie neutral. Es ist ein glücklicher Um-stand, dass beide – also der russische Patriarch be-sucht ja Kuba und der Papst besucht Mexiko-, dass beide in der Region sind und dass man doch im gewissen Sinne auf neutralem Boden ist. Der Papst ist Lateinamerikaner, das liegt ihm vielleicht auch ein bisschen näher als unsereinem, der wahrscheinlich nicht so schnell auf Kuba gekommen wäre. Also ich war etwas überrascht, halte es aber für ein interessante und in sich nachvollziehbare Entscheidung, nach Kuba zu gehen für dieses Treffen.
Main: Verstehen Sie diejenigen, die das als eine politische Positionierung interpretieren?
Bremer: Nein – das glaube ich nicht. Der Papst hat ja schon oft genug bewiesen, dass er sich über solche Kategorisierungen hinweg setzen kann.
Main: Einschätzungen waren das von Thomas Bremer, Professor für Ökumene, Ostkirchenkunde und Friedensforschung an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Münster. Danke Ihnen ganz herzlich, Herr Bremer. Bremer: Bitte.                                                                                                          Deutschlandfunk160212

 Theologe Winkler Salzburg   O-eu-105-TheologeWinklerSalzburg-Zz  

Papst-Kyrill-Treffen kann "entkrampfen". -    Begegnung auf Kuba hat aus Sicht des
Salzburger Ostkirchenexperten nicht nur kirchliche sondern auch politische Bedeutung.

   Das Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarchen Kyrill I. am Freitag, 12. Februar 2016 in Kuba kann zu einer Entspannung zwischen der katholischen und russisch-orthodoxen Kirche und zu einer wesentlichen "Entkrampfung" auch innerhalb der orthodoxen Kirchen beitragen: So schätzt der Salzburger Ostkirchenexperte Dietmar W. Winkler in einem "Kathpress"-Interview die Bedeutung der historisch ersten Begegnung zwischen einem römischen und Moskauer Kirchenoberhaupt ein. Vordergründig geht es für die russische Kirche um zwischenkirchliche Beziehungen, allerdings geht es Moskau mehr um Politik als um Kircheneinheit oder um Ökumene, so der Theologe.
„Patriarch vs.Bischof von Rom”
   Zwei "sehr verschiedene Typen von Kirchenoberhäuptern" würden auf dem Flughafen in Havanna aufeinandertreffen, führte Winkler aus: "Kyrill, der sein Amt als Patriarch sehr betont und Franziskus, der den Primat nicht so sehr in den Vordergrund stellt und sich vor allem als Bischof von Rom bezeichnet." Er sei zudem "ein Papst, der mehr das Praktische wie etwa die Option für die Armen hervorhebt". Auch die Motivationen seien unterschiedlich: Im Gegensatz zur katholischen Kirche sei auf russischer Seite der theologischer Wille zu einem "echten ökumenischen Dialog" kaum erkennbar, vielmehr gehe es ihr um praktische Zusammenarbeit mit politischen Hintergründen. Dennoch sei diese Ebene wichtig und spiele in der Theologie immer mit, so der Konsultor im Päpstlichen Rat für die Einheit der Christen.
   Auf Entspannung hofft Winkler konkret im Ukraine-Konflikt im Blick auf die griechisch-katholische Kirche, die nun erstmals kein Vorwand mehr für die Verhinderung des Papst-Patriarchen-Treffens gewesen sei. Der "Schritt Richtung Westen" seitens der russisch-orthodoxen Kirche sei überdies eine "Notwendigkeit für Russland im gesamtpolitischen Konzert". Kritik an Russlands Rolle im Syrienkonflikt werde der Papst dennoch nicht üben: "Franziskus wird eher das Positive herausstreichen, dass die Kirchen und Staaten jetzt zusammenarbeiten und gemeinsam an einem Strang ziehen müssen, damit der Flüchtlingsstrom und auch die Abwanderung der Christen aus dem Nahen Osten beendet wird. Er wird hier das Kooperations-Angebot der russisch-orthodoxen Kirche aufgreifen", so Winkler.
   Positiv könne sich das Treffen auch für den innerorthodoxen Konflikt zwischen dem Moskauer und dem Ökumenischen Patriarchat auswirken: Nachdem Franziskus bisher gemeinsame "starke Zeichen" mit Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel (Istanbul) gesetzt habe - Winkler nannte hier u.a. das Treffen 2014 in Jerusalem, das Konzilsgedenken 2015 mit der Aufhebung der Exkommunikation von 1054 - sei die russisch- orthodoxe Kirche "bemüht, sich in Position zu bringen", erklärte der Salzburger Kirchenhistoriker. Im Vorfeld des panorthodoxen Konzils "tut es dem russischen Patriarchen ganz gut, Papst Franziskus zu treffen und in der Ökumene weltweit Aufmerksamkeit zu erhalten".
   Ob die Begegnung auf Kuba auch im katholisch-orthodoxen Verhältnis zu einer Entspannung beitragen kann, wird laut Winklers Einschätzung sehr von den Worten und vom Umgang der beiden Kirchenmänner miteinander abhängen: "Zeichen haben eine sehr hohe Symbolwirkung. Man darf deshalb schon gespannt sein, welche Bilder das kubanische Fernsehen liefern wird."
Lange Anläufe für Treffen
   Das Zustandekommen des Treffens bezeichnete der Salzburger  Theologe  als  "überraschend",  wenngleich es lange Vorbereitungen gegeben habe: "Es ist nicht so, dass es keine Beziehungen gegeben hätte. Metropolit Hilarion ist im Vatikan ein- und ausgegangen, wurde positiv empfangen und bekam immer seine Privataudienz beim jeweiligen Papst." Umgekehrt habe dies für Delegationen aus dem Vatikan in Moskau nicht immer so zugetroffen, weiß Winkler. Dennoch habe es zuletzt von beiden Seiten eine "Öffnung" gegeben.
    Das Streben nach einem derartigen Treffen gehe auf katholischer Seite schon Jahrzehnte zurück, erklärte Winkler. Unter Papst Johannes Paul II. sei eine Begegnung mit dem damaligen Moskauer Patriarchen Alexij II. - geplant war u.a. ein gemeinsames Dreier-Treffen in Österreich mit Patriarch Bartholomaios - stets an der politischen Situation gescheitert: "Das Sowjetreich brach gerade zusammen und die russische Seele war zutiefst verwundet." Dass der Papst aus Polen kam, das eine historisch beladene Beziehung zu Russland hat und auch zu den wegbrechenden Satellitenstaaten des Warschauer Paktes zählte, belastete ebenso.
   Fast gleichzeitig zur Amtsübernahme von Benedikt XVI. 2005 erfolgte auch an der Spitze der russisch-orthodoxen Kirche ein Wechsel: Patriarch Kyrill pflegte über seinen neuen Außenamtschef Metropolit Hilarion weitaus stärker als zuvor sowohl die Außenbeziehungen der russischen Kirche als auch die Beziehungen zu Präsident Vladimir Putin. "Seit dieser Zeit ist weniger von einem ökumenischen Dialog die Rede, sondern von zwischenkirchlichen Beziehungen und praktischer Zusammenarbeit", so Winkler. Dass Papst Benedikt weitaus mehr an einer theologischen Ökumene interessiert gewesen sei,  habe es der Moskauer Kirche ein Treffen ebenso schwer gemacht wie die deutsch-russische Beziehung aufgrund der Ereignisse im 20. Jahrhundert.
Günstige Vorzeichen
   Zustande gekommen sei das nunmehrige Treffen nach Einschätzung Winklers auch durch den politischen Willen Russlands unter Präsident Wladimir Putin, die eigene Position im Westen zu stärken, sowie durch dessen Intervention im Nahen Osten. Die Beziehungen der russisch-orthodoxen Kirche, ihres Patriarchen Kyrill und vor allem von Metropolit Hilarion zu Präsident Putin seien ausnehmend gut.
   Günstig sei für die russische Kirche auch das lange von der ehemaligen Sowjetunion unterstützte Kuba als "semi- neutraler Boden": "Kyrill kann seinen teils sehr konservativen Bischöfen, die gegen jegliche Beziehung zum Westen sind, zeigen: Ich muss nicht nach Rom reisen, sondern wir treffen uns anlässlich unserer Pastoralreisen in Lateinamerika." Dass dann Papst Franziskus gerade als Lateinamerikaner "nicht in die Wirrnisse der europäischen politischen Geschichte verwickelt" ist, könne für Treffen nur vorteilhaft sein.              ErzdiözeseWienred/kap160212

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Kardinal Kurt Koch zum Treffen mit Kyrill I.:  «Ich hoffe auf einen Durchbruch»

Kardinal Kurt Koch wird beim Gespräch zwischen Papst Franziskus und dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. Foto unten dabei sein. Was erhofft sich der aus der Schweiz stammende vatikanische Ökumene-Minister von diesem historischen Treffen? Kurz vor seinem Abflug nach Kuba antwortet Koch auf die Fragen von kath.ch.

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Sylvia Stam: Was bedeutet das historische Treffen für Sie als Ökumene-Minister?
  
Kurt Koch: In der Ökumene sind persönliche Beziehungen wichtige Voraussetzungen für den theologischen Dialog. Es freut mich deshalb sehr, dass das lange erwartete und vorbereite Treffen zwischen Papst Franziskus und dem Patriarchen Kyrill der russisch-orthodoxen Kirche nun stattfinden kann. Es wird die erste Begegnung zwischen beiden Kirchenmännern sein und deshalb ein historisches Ereignis darstellen.

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Welches wird Ihre Funktion sein bei diesem Treffen?
   Ich werde zwei Tage früher nach Cuba reisen, um Vorbereitungen zu treffen und den Russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill in Cuba zu begrüßen. Beim persönlichen Gespräch zwischen dem Papst und dem Patriarchen werden auch Metropolit Hilarion Foto
aus Moskau und ich die Ehre haben, dabei zu sein.
Worüber werden der Papst und der Patriarch sprechen?
Koch: Themen des Gesprächs werden Fragen sein, die die Beziehungen zwischen der römisch-katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche betreffen. Die beiden Kirchenführer werden aber gewiss auch die großen Fragen der heutigen Welt besprechen wie die gravierenden Krisenherde, die erbärmliche Situation im Nahen Osten, die Christenverfolgungen, die heute ein großes Ausmass angenommen haben.
Was erhoffen Sie sich persönlich von diesem Gespräch?
Koch: Ich hoffe, dass dieses Treffen ein Durchbruch in der Beziehung zwischen beiden Kirchen sein wird und zu einer Normalisierung der Beziehungen führt. Ich erwarte auch, dass von diesem Treffen Impulse für den theologischen Dialog zwischen der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen insgesamt ausgehen werden. Zudem hoffe ich, dass auch eine klare Botschaft des Friedens und der Versöhnung in die heutige Welt hineingegeben wird. Weshalb gab es bislang kein solches Treffen?
Koch: Patriarch Kyrill hat zwar seit seinem Amtsantritt gewünscht, dem Papst in Rom zu begegnen. Er ist aber der Überzeugung gewesen, dass die Zeit dazu noch nicht reif sei. Das russisch-orthodoxe Patriarchat hat sich dabei stets auf den großen Konflikt in der Ukraine und die schwierigen Beziehungen zwischen der griechisch-katholischen Kirche und der orthodoxen Kirche berufen. Noch früher ist stets die Anklage erhoben worden, die römisch-katholische Kirche betreibe auf dem Gebiet des russisch-orthodoxen Patriarchats Proselytismus
das Abwerben von Gläubigen. Dieser Vorwurf ist freilich heute kaum mehr zu hören, zumal Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus eindeutige Worte gegen den Proselytismus ausgesprochen haben.
Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür, dass das Treffen jetzt zustande kommt?
Koch: Auf der einen Seite haben sich die Bedingungen, die in der Sicht der russisch-orthodoxen Kirche bisher ein solches Treffen verunmöglicht haben, gewandelt. Und auf der anderen Seite sind die Herausforderungen in der heutigen Welt derart groß geworden, dass die Kirchen sich verpflichtet fühlen, intensiver zusammen zu arbeiten und ein gemeinsames christliches Zeugnis zu geben.    
                                                                  Zürichkath.ch160212sys

Papst Franziskus  O-eu-109-Z Patriarch Kyrill I.

Bruderkuss auf Kuba: Franziskus trifft Moskauer Patriarch Kyrill

   Ein historisches kirchenpolitisches Treffen im nüchternsten aller Rahmen: Auf dem Flughafen von Havanna in Kuba sind einander an diesem Freitag Papst Franziskus und Patriarch Kyrill I. begegnet. Es ist das erste Mal, dass Oberhäupter der katholischen und der russisch-orthodoxen Kirche direkt miteinander sprechen. Ihre Unterredung hinter verschlossenen Türen in einem Empfangszimmer des kubanischen Flughafens dauerte zwei Stunden. Franziskus und Kyrill unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung. Das sechs Seiten lange Dokument siehe unten auf dieser Seite wurde nicht verlesen, vielmehr wechselseitig überreicht. Danach hielten erst Kyrill, danach der Papst eine kurze Ansprache in der jeweiligen Muttersprache, Russisch und Spanisch. Eine Ikone der in Russland sehr verehrten Muttergottes von Kazan schmückte den kahlen Raum, in dem das Treffen stattfand. Religiöse Gesten im engeren Sinn fehlten; kein gemeinsamer Segen wurde erteilt, kein "betet für uns" war zu hören.   
  „Bruder, endlich!",
ließ sich Papst Franziskus vor der Umarmung mit dem Patriarchen vernehmen. „Wir sind Brüder, und es ist ganz klar, dass das hier der Wille Gottes ist." Kyrill antwortete: „Es ist schön, sich zu treffen, und trotz aller Schwierigkeiten sind die Dinge jetzt leichter." Franziskus zeigte sich beeindruckt und bewegt von der Begegnung. „Wir haben wie Brüder miteinander geredet, wir haben dieselbe Taufe, wir sind beide Bischöfe, wir haben von unseren Kirchen geredet, wir waren einer Meinung darüber, dass die Einheit im gemeinsamen Unterwegssein entsteht", erklärte er vor den anwesenden Würdenträgern.
   Es war „ein sehr reichhaltiges Gespräch“, sagte Patriarch Kyrill, „das uns erlaubt hat, die jeweiligen Positionen zu verstehen und zu fühlen.“ Beide Kirchen könnten nun zusammenarbeiten, „damit kein Krieg mehr ist, damit das menschliche Leben überall respektiert wird, damit sich das moralische Fundament der Familie und des Menschen stärkt.“ Franziskus lobte ausdrücklich Metropolit Hilarion und Kardinal Koch für ihren Einsatz. Besonderes Lob zollte er dem Gastgeberland dieses historischen Treffens: „Ich will nicht weggehen ohne ein Zeichen meines Dankes an Kuba, an das große kubanische Volk und seinen hier anwesenden Präsidenten, für seine aktive Verfügbarkeit“. Und der Papst fuhr fort: „Wenn das so weitergeht, wird Kuba die Hauptstadt der Einheit."
   In der gemeinsamen Erklärung bekunden katholische und russisch-orthodoxe Kirche ihren Willen, angesichts der Entwicklungen der zeitgenössischen Welt in Zukunft stärker miteinander aufzutreten. Das Dokument verteidigt die gemeinsamen christlichen Werte, die – auch angesichts der Zuwanderung – das Fundament Europas bleiben müssten. Ein Ja zur Ehe zwischen Mann und Frau und zum Lebensrecht für alle sind dort ebenso festgehalten wir die gemeinsame Sorge wegen Christenverfolgung und religiös fundiertem Terrorismus. 
   Als Gastgeschenk brachte Patriarch Kyrill eine Kopie der Marienikone von Kazan für den Papst mit. Franziskus verschenkte seinerseits einen silbernen Kelch mit Patene sowie eine Knochenreliquie des heiligen Kyrill aus der römischen Basilika San Clemente. 
   Kubas Präsident Raúl Castro hatte Papst Franziskus am Flughafen empfangen und nach einer kurzen Begrüßung an die Schwelle eines für das Treffen der Kirchenführer vorgesehenen Raumes begleitet. Dem strengen Protokoll zufolge – „jeder Schritt und jeder Atemzug ist abgestimmt“, verriet der päpstliche Reisemarschall Alberto Gasbarri – betraten Papst Franziskus und Patriarch Kyrill den Raum gleichzeitig durch zwei verschiedene Türen. Sechs Personen nahmen an dem vertraulichen Gespräch teil: an der Seite des Papstes Kardinal Kurt Koch, der päpstliche Ökumene-Verantwortliche, an der Seite des Patriarchen Metropolit Hilarion, Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchates. Außerdem waren zwei Dolmetscher für Spanisch und Russisch zugegen. 
   Das Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill war vor einer Woche überraschend angekündigt worden. Bereits seit dem Pontifikat von Papst Johannes Paul II. bemühten sich beide Seiten hinter den Kulissen um ein solches katholisch-orthodoxes Spitzentreffen. Unter anderem waren 1997 die österreichische Stadt Graz sowie später unter Benedikt XVI. das österreichische Stift Heiligenkreuz als Rahmen einer solchen Begegnung im Spiel.
   Papst Franziskus hatte signalisiert, er sei zu einem Treffen mit Patriarch Kyrill wann und wo auch immer bereit. Kuba, das der Papst vergangenes Jahr besucht hatte, bot sich an, weil es als nicht-europäischer Ort eine gewisse Neutralität verhieß und überdies zufällig am Schnittpunkt von seelsorgerlichen Unternehmungen beider Kirchenoberhäupter lag: Patriarch Kyrill befindet sich auf Pastoralreise auf der Karibikinsel, während Franziskus dort einen Zwischenstopp einlegte, um danach seine Pastoralreise in Mexiko aufzunehmen.
   Drei Delegationen – aus Kuba, Russland und dem Vatikan - hatten sich am Flughafen eingefunden, um das historische Treffen zu begleiten. Anwesend waren unter anderem der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, der Erzbischof von Santiago de Cuba, Dionisio Garcia Ibanez, und der Apostolische Nuntius auf Kuba, Erzbischof Giorgio Lingua. Aus dem Vatikan war neben dem Papst und Kardinal Koch der französische Dominikaner Giacinto Destivelle angereist, der am Einheitsrat unter Koch für den Dialog mit der Orthodoxie zuständig ist.
Rv160212gs

O-eu-110-ZzFlughafenKuba

Gemeinsame Erklärung von Franziskus und Kyrill

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  Foto: Patriarch und Papst überreichen einander die jeweils vom anderen unterzeichnete gemeinsame Erklärung

                                            Gemeinsame Erklärung von Papst Franziskus 
                                     und Patriarch Kyrill von Moskau und dem ganzen Rus

„Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ 2 Kor 13,13
   1. Durch den Willen Gottes des Vaters, von dem jede Gabe kommt, im Namen unseres Herrn Jesus Christus und mit dem Beistand des Heiligen Geistes des Trösters haben wir, Papst Franziskus und Kyrill, Patriarch von Moskau und dem ganzen Rus, uns heute in Havanna getroffen. Wir danken Gott, der in der Dreifaltigkeit verherrlicht ist, für diese Begegnung, die erste in der Geschichte.
   Mit Freude sind wir als Brüder im christlichen Glauben zusammengekommen, die sich treffen, um persönlich miteinander zu sprechen
vgl. 2 Joh 12, von Herz zu Herz, und die wechselseitigen Beziehungen zwischen den Kirchen, den wesentlichen Problemen unserer Gläubigen und die Aussichten zur Entwicklung der menschlichen Zivilisation zu erörtern.
   2. Unser brüderliches Treffen hat auf Kuba stattgefunden, am Kreuzungspunkt von Nord und Süd sowie von Ost und West. Von dieser Insel, dem Symbol der Hoffnungen der „Neuen Welt“ und der dramatischen Ereignisse der Geschichte des 20. Jahrhunderts, richten wir unser Wort an alle Völker Lateinamerikas und der anderen Kontinente.   Wir freuen uns, dass der christliche Glaube hier in dynamischer Weise im Wachsen begriffen ist. Das starke religiöse Potential Lateinamerikas, seine jahrhundertealte christliche Tradition, die in der persönlichen Erfahrung von Millionen von Menschen zum Ausdruck kommt, sind die Garantie für eine große Zukunft für diese Region.
   3. Da wir uns weit weg von den alten Auseinandersetzungen der „Alten Welt“ treffen, empfinden wir mit besonderem Nachdruck die Notwendigkeit einer gemeinsamen Arbeit zwischen Katholiken und Orthodoxen, die gerufen sind, mit Sanftmut und Respekt der Welt Rede und Antwort zu stehen über die Hoffnung, die uns erfüllt
vgl. 1 Petr 3,15
.
   4. Wir danken Gott für die Gaben, die wir durch das Kommen seines einzigen Sohnes in die Welt empfangen haben. Wir teilen die gemeinsame geistliche Tradition des ersten Jahrtausends der Christenheit. Die Zeugen dieser Tradition sind die Allerseligste Gottesmutter und Jungfrau Maria und die Heiligen, die wir verehren. Unter ihnen sind ungezählte Märtyrer, die ihre Treue zu Christus bezeugt haben und „Samen der Christen“ geworden sind.
   5. Trotz dieser gemeinsamen Tradition der ersten zehn Jahrhunderte sind Katholiken und Orthodoxe seit ungefähr tausend Jahren der Gemeinschaft in der Eucharistie beraubt. Wir sind getrennt durch Wunden, die durch Konflikte in ferner oder naher Vergangenheit hervorgerufen wurden, durch von den Vorfahren ererbte Gegensätze im Verständnis und in der Ausübung unseres Glaubens an Gott, einer in drei Personen – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Wir beklagen den Verlust der Einheit als Folge der menschlichen Schwäche und der Sünde, die trotz des Hohepriesterlichen Gebets Christi, des Erlösers, eingetreten ist: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein“
Joh 17,21.
   6. Im Bewusstsein, dass zahlreiche Hindernisse andauern, hoffen wir, dass unsere Begegnung zur Wiederherstellung dieser von Gott gewollten Einheit, für die Christus gebetet hat, beitragen kann. Möge unser Treffen die Christen in aller Welt inspirieren, Gott mit neuem Eifer um die volle Einheit aller seiner Jünger zu bitten. In einer Welt, die von uns nicht nur Worte, sondern auch konkrete Taten erwartet, möge diese Begegnung ein Zeichen der Hoffnung für alle Menschen guten Willens sein.
   7. In unserer Entschlossenheit, alles, was notwendig ist, zu unternehmen, um die uns überkommenen geschichtlichen Gegensätze zu überwinden, wollen wir unsere Bemühungen vereinen, um das Evangelium Christi und das allgemeine Erbe der Kirche des ersten Jahrtausends zu bezeugen und miteinander auf die Herausforderungen der gegenwärtigen Welt zu antworten. Orthodoxe und Katholiken müssen lernen, in Bereichen, wo es möglich und notwendig ist, ein einmütiges Zeugnis für die Wahrheit zu geben. Die menschliche Zivilisation ist in eine Zeit epochalen Wandels eingetreten. Unser christliches Gewissen und unsere pastorale Verantwortung erlauben es uns nicht, angesichts der Herausforderungen, die eine gemeinsame Antwort erfordern, untätig zu bleiben.
   8. Unser Augenmerk richtet sich in erster Linie auf die Gebiete in der Welt, wo die Christen Opfer von Verfolgung sind. In vielen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas werden Familien, Dörfer und ganze Stände unserer Brüder und Schwestern in Christus ausgelöscht. Ihre Kirchen werden verwüstet und barbarisch ausgeplündert, ihre sakralen Gegenstände profaniert, ihre Denkmale zerstört. In Syrien, im Irak und in anderen Ländern des Nahen Ostens stellen wir mit Schmerz eine massenhafte Abwanderung der Christen fest, aus dem Gebiet, in dem sich unser Glaube einst auszubreiten begonnen hat und wo sie seit den Zeiten der Apostel zusammen mit anderen Religionsgemeinschaften gelebt haben.
   9. Bitten wir die internationale Gemeinschaft, dringend zu handeln, um einer weiteren Vertreibung der Christen im Nahen Osten zuvorzukommen. Wenn wir die Stimme zur Verteidigung der verfolgten Christen erheben, möchten wir zugleich unser Mitgefühl für die Leiden zum Ausdruck bringen, die die Angehörigen anderer religiöser Traditionen erfahren, welche ihrerseits Opfer von Bürgerkrieg, Chaos und terroristischer Gewalt geworden sind.
   10. In Syrien und im Irak hat die Gewalt bereits Tausende von Opfern gefordert sowie Millionen von Menschen obdachlos und ohne Mittel zurückgelassen. Wir rufen die internationale Gemeinschaft auf, sich zu vereinen, um der Gewalt und dem Terrorismus ein Ende zu setzen, und zugleich durch den Dialog zu einer raschen Wiederherstellung des inneren Friedens beizutragen. Es ist entscheidend, eine humanitäre Hilfe in großem Umfang für die gepeinigten Bevölkerungen und für die so vielen Flüchtlinge in den angrenzenden Ländern bereit zu stellen.
   Wir bitten alle, die auf das Schicksal der Entführten, unter ihnen die Metropoliten von Aleppo Pavlos und Yohanna Ibrahim, die im April 2013 verschleppt wurden, Einfluss nehmen können, alles zu unternehmen, was für ihre rasche Befreiung nötig ist.
   11. Flehen wir in unseren Gebeten zu Christus, dem Erlöser der Welt, um die Wiederherstellung des Friedens im Nahen Osten, der „das Werk der Gerechtigkeit“
Jes 32,17 ist, auf dass sich das brüderliche Zusammenleben zwischen den verschiedenen Volksgruppen, Kirchen und Religionen dort intensiviere, auf dass die Flüchtlinge in ihre Häuser zurückkehren können, die Verletzten wieder genesen und die Seelen der unschuldig Getöteten die Ewige Ruhe finden.
   Einen dringenden Appell richten wir an alle Parteien, die in die Konflikte verwickelt sein können, auf dass sie guten Willen zeigen und sich an den Verhandlungstisch setzen. Zugleich ist es nötig, dass die internationale Gemeinschaft alle möglichen Anstrengungen unternimmt, um dem Terrorismus mit Hilfe von gemeinsamen, vereinten und abgestimmten Aktionen ein Ende zu setzen. Wir rufen alle Länder auf, die in den Kampf gegen den Terrorismus involviert sind, in verantwortungsvoller und umsichtiger Weise zu handeln. Wir ermahnen alle Christen und alle Gottgläubigen, mit Inbrunst den sorgenden Schöpfer der Welt zu bitten, auf dass er seine Schöpfung vor der Vernichtung bewahre und keinen neuen Weltkrieg zulasse. Für einen dauerhaften und zuverlässigen Frieden sind besondere Bemühungen erforderlich, die darauf ausgerichtet sind, die gemeinsamen, uns verbindenden Werte wiederzuentdecken, die im Evangelium unseres Herrn Jesus Christus ihr Fundament haben.
   12. Wir verbeugen uns vor dem Martyrium derjenigen, die auf Kosten ihres eigenen Lebens die Wahrheit des Evangeliums bezeugt haben und den Tod der Verleugnung des Glaubens an Christus vorgezogen haben. Wir glauben, dass diese Märtyrer unserer Zeit, die verschiedenen Kirchen angehören, aber im gemeinsamen Leiden geeint sind, ein Unterpfand der Einheit der Christen sind. An euch, die ihr für Christus leidet, richtet sich das Wort des Apostels: „Liebe Brüder! … Freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln“
1 Petr 4,12-13.
   13. In dieser beunruhigenden Zeit ist der interreligiöse Dialog unerlässlich. Die Unterschiede im Verständnis der religiösen Wahrheiten dürfen die Menschen unterschiedlicher Glaubensüberzeugungen nicht davon abhalten, in Frieden und Eintracht zu leben. Unter den aktuellen Umständen haben die Leiter der Religionsgemeinschaften die besondere Verantwortung, ihre Gläubigen in einem respektvollen Geist gegenüber den Überzeugungen derer, die anderen religiösen Traditionen angehören, zu erziehen. Absolut inakzeptabel sind die Versuche, kriminelle Handlungen mit religiösen Slogans zu rechtfertigen. Kein Verbrechen kann im Namen Gottes begangen werden, „denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern ein Gott des Friedens“
1 Kor 14,33.
   14. Indem wir den hohen Wert der Religionsfreiheit bekräftigen, danken wir Gott für die noch nie dagewesene Erneuerung des christlichen Glaubens, die gerade in Russland und in vielen Ländern Osteuropas geschieht, wo über Jahrzehnte hinweg atheistische Regime vorgeherrscht haben. Heute sind die Ketten des militanten Atheismus zerbrochen, und die Christen können an vielen Orten ihren Glauben frei bekennen. In einem Vierteljahrhundert sind Zehntausende von neuen Kirchen gebaut sowie Hunderte von Klöstern und theologischen Schulen eröffnet worden. Die christlichen Gemeinschaften bringen eine wichtige karitative und soziale Aktivität voran, indem sie den Bedürftigen vielfältige Unterstützung bieten. Orthodoxe und Katholiken arbeiten oft Seite an Seite. Sie bestätigen die bestehenden gemeinsamen spirituellen Fundamente des menschlichen Zusammenlebens und bezeugen die Werte des Evangeliums.
   15. Gleichzeitig sind wir über die Situation in vielen Ländern besorgt, in denen die Christen immer häufiger mit einer Einschränkung der religiösen Freiheit, des Rechts, die eigenen Überzeugungen zum Ausdruck zu bringen, und der Möglichkeit, ihnen entsprechend zu leben, konfrontiert sind. Besonders stellen wir fest, dass die Transformation einiger Länder in säkularisierte Gesellschaften, die jedem Bezug zu Gott und seiner Wahrheit fernstehen, eine schwere Bedrohung für die Religionsfreiheit darstellt. Quelle zur Beunruhigung ist für uns die gegenwärtige Beschränkung der Rechte der Christen, wenn nicht gar ihre Diskriminierung, wenn gewisse politische Kräfte, die durch die Ideologie eines oft sehr aggressiven Säkularismus geleitet werden, sie an den Rand des öffentlichen Lebens zu drängen versuchen.
   16. Der Prozess der Integration Europas, der nach Jahrhunderten blutiger Konflikte begonnen wurde, ist von vielen mit Hoffnung aufgenommen worden, wie eine Garantie für Frieden und Sicherheit. Wir möchten allerdings dazu einladen, gegenüber einer Integration, die die religiöse Identität nicht achtet, wachsam zu sein. Auch wenn wir für den Beitrag anderer Religionen zu unserer Kultur offen sind, sind wir davon überzeugt, dass Europa seinen christlichen Wurzeln treu bleiben muss. Wir bitten die Christen Ost- und Westeuropas sich im gemeinsamen Zeugnis für Christus und das Evangelium zu vereinen, so dass Europa seine Seele bewahrt, die sich in zweitausend Jahren christlicher Tradition gebildet hat.
   17. Unser Blick richtet sich auf die Menschen, die sich in großer Schwierigkeit befinden, die unter Bedingungen ex-tremer Bedürftigkeit und Armut leben, während der materielle Reichtum der Menschheit zunimmt. Wir können nicht gleichgültig gegenüber dem Los von Millionen von Migranten und Flüchtlingen sein, die an die Tür der reichen Länder klopfen. Der zügellose Konsum, wie man ihn in einigen der am meisten entwickelten Länder antrifft, beginnt allmählich die Ressourcen unseres Planeten aufzubrauchen. Die wachsende Ungleichheit in der Verteilung der irdischen Güter erhöht den Eindruck von Ungerechtigkeit im Hinblick auf das sich ausgebildete System der internationalen Beziehungen.
   18. Die christlichen Kirchen sind aufgerufen, die Erfordernisse der Gerechtigkeit, den Respekt vor den Traditionen der Völker und eine echte Solidarität mit allen Leidenden zu verteidigen. Wir Christen dürfen nicht vergessen, dass Gott das Törichte in der Welt erwählt hat, um die Weisen zuschanden zu machen. Das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt:  das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott
vgl. 1 Kor 1,27-29.
   19. Die Familie ist die natürliche Mitte des menschlichen Lebens und der Gesellschaft. Wir sind über die Krise der Familien in vielen Ländern besorgt. Orthodoxe und Katholiken teilen die gleiche Auffassung über die Familie. Sie sind aufgerufen zu bezeugen, dass sie ein Weg zur Heiligkeit darstellt, der in der Treue der Eheleute in ihren gegenseitigen Beziehungen, in ihrer Offenheit für den Nachwuchs und für die Erziehung der Kinder, in der Solidarität zwischen den Generationen und der Achtung der Schwächsten zum Ausdruck kommt.
   20. Die Familie gründet sich auf der Ehe, dem Akt der freien und treuen Liebe eines Mannes und einer Frau. Die Liebe besiegelt ihre Verbindung und lehrt sie, sich gegenseitig als Geschenk anzunehmen. Die Ehe ist eine Schule der Liebe und der Treue. Wir bedauern, dass andere Formen des Zusammenlebens mittlerweile auf die gleiche Stufe dieser Verbindung gestellt werden, während die durch die biblische Tradition geheiligte Auffassung der Vaterschaft und der Mutterschaft als besondere Berufung des Mannes und der Frau in der Ehe aus dem öffentlichen Bewusstsein ausgeschlossen wird.
   21. Wir bitten alle, das unveräußerliche Recht auf Leben zu respektieren. Millionen Kindern ist selbst die Möglichkeit versagt, zur Welt zu kommen. Das Blut der ungeborenen Kinder schreit zu Gott
vgl. Gen 4,10.
   Die Entwicklung der sogenannten Euthanasie führt dazu, dass die alten Menschen und die Kranken beginnen, sich als eine übermäßige Last für ihre Familien und die Gesellschaft allgemein zu fühlen.
   Wir sind auch besorgt über die Entwicklung der technischen Entwicklung der biomedizinischen Fortpflanzung, denn die Manipulierung des menschlichen Lebens ist ein Angriff auf die Grundlagen der Existenz des Menschen, der als Abbild Gottes erschaffen ist. Wir halten es für unsere Pflicht, an die Unveränderlichkeit der christlichen moralischen Grundsätze zu erinnern, die auf der Achtung der Würde des Menschen beruhen, der nach dem Plan Gottes ins Leben gerufen ist.
  22. Heute möchten wir uns im Besonderen an die jungen Christen wenden. Ihr liebe Jugendliche, habt die Aufgabe, euer Talent nicht in der Erde zu verstecken
vgl. Mt 25,25, sondern alle Fähigkeiten, die Gott euch geschenkt hat, zu gebrauchen, um in der Welt die Wahrheiten Christi zu bekräftigen und in eurem Leben die im Evangelium verankerten Gebote der Gottes- und der Nächstenliebe zu verkörpern. Habt keine Angst, gegen den Strom zu schwimmen, wenn ihr die Wahrheit Gottes verteidigt, der sich die heutigen weltlichen Normen durchaus nicht immer angleichen.
   23. Gott liebt euch und erwartet von jedem von euch, dass ihr seine Jünger und Apostel seid. Seid das Licht der Welt, damit die Menschen in eurer Umgebung eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen 
vgl. Mt 5,14.16.
Erzieht eure Kinder im christlichen Glauben, gebt die kostbare Perle des Glaubens vgl. Mt 13,46, die ihr von euren Eltern und euren Vorfahren empfangen habt, an sie weiter. Erinnert euch daran: „Um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden“ 1 Kor 6,20, um den Preis des Kreuzestodes des Gottmenschen Jesus Christus.
   24. Orthodoxe und Katholiken sind nicht nur durch die gemeinsame Tradition der Kirche des ersten Jahrtausends miteinander verbunden, sondern auch durch die Sendung, das Evangelium Christi in der Welt von heute zu verkünden. Diese Sendung beinhaltet die gegenseitige Achtung für die Mitglieder der christlichen Gemeinschaften und schließt jede Form von Proselytismus aus.
   Wir sind nicht Konkurrenten, sondern Geschwister, und von dieser Vorstellung müssen alle unsere wechselseitigen Unternehmungen wie auch die gegenüber der Außenwelt geleitet sein. Wir fordern die Katholiken und die Orthodoxen aller Länder auf zu lernen, in Frieden, in der Liebe und in „Einmütigkeit“
Röm 15,5 zusammenzuleben. So darf man nicht zulassen, dass unlautere Mittel eingesetzt werden, um die Gläubigen zum Übertritt von einer Kirche zur anderen zu bewegen, und so ihre Religionsfreiheit und ihre Traditionen verneint werden. Wir sind berufen, nach der Regel des Apostels Paulus zu handeln: Ich habe „darauf geachtet, das Evangelium nicht dort zu verkündigen, wo der Name Christi schon bekannt gemacht war, um nicht auf einem fremden Fundament zu bauen“ Röm 15,20.
 
  25. Wir hoffen, dass unsere Begegnung auch dort zur Versöhnung beitragen möge, wo Spannungen zwischen Griechisch-Katholischen und Orthodoxen bestehen. Heute ist klar, dass die Methode des „Uniatismus“ aus der Vergangenheit, der als Vereinigung einer Gemeinschaft mit der anderen durch ihre Loslösung von ihrer Kirche verstanden wurde, nicht eine Weise ist, die es ermöglicht, die Einheit wiederherzustellen. Dennoch haben die kirchlichen Gemeinschaften, die unter diesen historischen Umständen entstanden sind, das Recht zu existieren und alles zu unternehmen, was notwendig ist, um die geistlichen Ansprüche ihrer Gläubigen zu befriedigen, bei gleichzeitigem Bemühen, mit ihren Nachbarn in Frieden zu leben. Orthodoxe und Griechisch-Katholische haben es nötig, sich miteinander zu versöhnen und Formen des Zusammenlebens zu finden, die beiderseitig annehmbar sind.
   26. Wir bedauern die Auseinandersetzung in der Ukraine, die bereits viele Opfer gefordert, unzählige Verwundungen bei den friedlichen Einwohnern verursacht und die Gesellschaft in eine schwere wirtschaftliche und humanitäre Krise geworfen hat. Wir laden alle Konfliktparteien zur Besonnenheit, zur sozialen Solidarität und zum Handeln ein, um den Frieden aufzubauen. Wir laden unsere Kirchen in der Ukraine ein zu arbeiten, um zur gesellschaftlichen Eintracht zu gelangen, sich einer Beteiligung an der Auseinandersetzung zu enthalten und nicht eine weitere Entwicklung des Konfliktes zu unterstützen.
   27. Wir hoffen, dass die Kirchenspaltung unter den orthodoxen Gläubigen in der Ukraine auf der Grundlage der bestehenden kanonischen Regelungen überwunden werden kann, dass alle orthodoxen Christen der Ukraine in Frieden und Eintracht leben und dass die katholischen Gemeinschaften des Landes auch dazu beitragen, so dass unsere christliche Brüderlichkeit immer deutlicher sichtbar wird.
   28. In der vielgestaltigen und doch durch eine gemeinsame Bestimmung vereinten Welt von heute sind Katholiken und Orthodoxe berufen, in der Verkündigung der Frohen Botschaft brüderlich zusammenzuarbeiten und gemeinsam die ethische Würde und die authentische Freiheit der Person zu bezeugen, „damit die Welt glaubt“
Joh 17,21. Diese Welt, in der die geistigen Grundpfeiler des menschlichen Lebens in zunehmendem Maß verschwinden, erwartet von uns ein starkes christliches Zeugnis in allen Bereichen des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens. Von unserer Fähigkeit, in diesen schwierigen Zeiten gemeinsam Zeugnis zu geben für den Geist der Wahrheit, hängt zum großen Teil die Zukunft der Menschheit ab.
   29. In diesem kühnen Zeugnis für die Wahrheit Gottes und die Frohe Botschaft möge uns der Gottmensch Jesus Christus, unser Herr und Erlöser, unterstützen, der uns geistig mit seiner untrüglichen Verheißung stärkt: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.“ Lk 12,32!
   Christus ist die Quelle von Freude und Hoffnung. Der Glaube an ihn verwandelt das menschliche Leben und erfüllt es mit Sinn. Davon haben sich durch die eigene Erfahrung alle überzeugen können, auf die man die Worte des Apostels Petrus beziehen kann: „Einst wart ihr nicht sein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk; einst gab es für euch kein Erbarmen, jetzt aber habt ihr Erbarmen gefunden“
1 Petr 2,10.
   30. Erfüllt von Dank für das Geschenk des gegenseitigen Verstehens, das während unserer Begegnung zum Ausdruck kam, schauen wir dankbar auf die Allerseligste Gottesmutter und rufen sie mit den Worten dieses alten Gebetes an: „Unter den Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter“. Möge die selige Jungfrau Maria durch ihre Fürbitte alle, die sie verehren, zur Brüderlichkeit ermutigen, damit sie zur von Gott bestimmten Zeit in Frieden und Eintracht in einem einzigen Gottesvolk vereint seien, zur Ehre der Allerheiligsten und unteilbaren Dreifaltigkeit!

O-eu-112-Z

                          Franziskus, Bischof von Rom,
                            
                          Papst der katholischen Kirche
                          Kyrill I., Patriarch von
                              Moskau und dem ganzen Rus

                           12. Februar 2016, Havanna (Kuba)

ök-107-ZxZ-pKyrill

Russland: Patriarch froh über Zusammenarbeit mit Katholiken  Foto: Patriarch Kyrill

   Der Moskauer Patriarch Kyrill I. lobt das Engagement der russisch-orthodoxen Kirche im christlichen Dialog. „Wenn Ost und West ihre Kraft zum Zeugnis für das Evangelium angesichts der Attacken christenfeindlicher Strömungen vereinen, können wir unsere Aufgabe in dieser Welt viel effektiver erfüllen.“ Das sagte Kyrill I. in seiner Ansprache im Moskauer Danielskloster bei den Feiern zum 70-Jahr-Jubiläum des Außenamts des Moskauer Patriarchats. Kyrill I. ging nach Angaben des Pressediensts der Wiener Stiftung Pro Oriente ausdrücklich auch auf die Beziehungen zwischen römisch-katholischer und russisch-orthodoxer Kirche ein. Diese seien in jüngster Zeit durch eine „positive Dynamik“ gekennzeichnet. Man sei sich der Notwendigkeit bewusst, den Einsatz von Orthodoxen und Katholiken für die christlichen Werte und zur Abwehr von Säkularismus, Diskriminierung der Christen, Unterhöhlung der moralischen Grundlagen des persönlichen und des gesellschaftlichen Lebens zu vereinen. Rv160524mk

Berichte über die Beziehungen zwischen Papst un dem Ökumenischen Patriarchen > Ökumene > Einheit in Vielfalt

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