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Kardinal Koch: Vortrag über das Papstamt in ökumenischer Perspektive – Foto: Kardinal Koch und Papst Franziskus
Wir halten hier den Vortrag von Kardinal Koch fest vom 05. Dezemeber 2015; 
[1] 

Das Papstamt des Bischofs von Rom in ökumenischer Perspektive
1. Einladung zum ökumenischen Gespräch über das Papstamt

„Der Papst ist, wir wissen es wohl, ohne Zweifel
das schwerwiegendste Hindernis auf dem Weg des Ökumenismus.“
  
Dieses ehrliche Bekenntnis, dass die Frage des Papstamtes eines der wichtigsten ökumenischen Probleme darstellt, hat der selige Papst Paul VI. bei seinem Besuch im Sekretariat für die Einheit der Christen im Jahre 1967 in sehr freimütiger Weise ausgesprochen [2]. Auf dieses ehrliche Bekenntnis hat der heilige Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika über den Einsatz für die Ökumene „Ut unum sint“ zurückgegriffen, indem er erklärt hat, dass das Amt des Bischofs von Rom „eine Schwierigkeit für den Großteil der anderen Christen“ darstellt, „deren Gedächtnis durch gewisse schmerzliche Erinnerungen gezeichnet ist“[3]. In der Überzeugung, dass das Amt, das dem Nachfolger des Petrus übertragen ist, in erster Linie ein Amt der Einheit ist und dass es im Bereich der Ökumene „seine ganz besondere Erklärung“ findet [4], hat Papst Johannes Paul II. im Schlussteil seiner Ökumeneenzyklika grundlegende Gedanken dem „Dienst des Bischofs von Rom an der Einheit“ gewidmet und in diesem Zusammenhang die Bitte an die eigene Kirche, aber auch an die gesamte Ökumene ausgesprochen, sich mit ihm auf einen geduldigen brüderlichen Dialog über den Primat des Bischofs von Rom einzulassen, und zwar mit dem Ziel, eine Form der Primatsausübung zu finden, „die zwar keineswegs auf das Wesentliche ihrer Sendung verzichtet, sich aber einer neuen Situation öffnet“, genauer dahingehend, dass dieses Amt „einen von den einen und anderen anerkannten Dienst der Liebe zu verwirklichen vermag“[5].
   Die Unterscheidung zwischen dem Wesen des Primats und der konkreten Form seiner Ausübung hat auch Papst Benedikt XVI. verschiedentlich aufgegriffen und die damit verbundene Einladung an die Ökumene erneuert, beispielsweise bei seiner Begegnung mit den Vertretern der Orthodoxen Kirchen in Freiburg im Breisgau im September 2011: „Wir wissen, dass es vor allem die Primatsfrage ist, um deren rechtes Verständnis wir weiter geduldig und demütig ringen müssen. Ich denke, dabei können uns die Gedanken zur Unterscheidung zwischen Wesen und Form der Ausübung des Primates, die Papst Johannes Paul II. in der Enzyklika Ut unum sint (N. 95) vorgenommen hat, weiterhin fruchtbare Anstösse geben.“[6] In derselben Richtung geht Papst Franziskus den von seinen Vorgängern bereiteten Weg weiter, indem er ebenfalls deutlich unterscheidet zwischen dem, was für den Primat wesentlich ist, und dem, was zur konkreten Form seiner Ausübung gehört, und indem er zugleich eingesteht, dass wir auf diesem Weg der Unterscheidung bisher „wenig vorangekommen“ sind. Papst Franziskus ist aber überzeugt, dass auch das Papsttum und die zentralen Strukturen der Universalkirche es nötig haben, „dem Aufruf zu einer pastoralen Neuausrichtung zu folgen“[7].
   Die Päpste haben damit wesentliche Schritte auf eine ökumenische Verständigung über das Papstamt hin unternommen. Um diese perspektivenreichen Initiativen aufzugreifen und zu vertiefen, haben in den vergangenen Jahren das Päpstliche Komitee für die Geschichtswissenschaften [8], die Kongregation für die Glaubenslehre [9] und der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen [10] wissenschaftliche Symposien über Theorie und Praxis des Primats des Bischofs von Rom durchgeführt. Hinzu kommt, dass sich die Theologie seit längerer Zeit mit der Frage einer ökumenischen Sicht des Papstamtes abarbeitet, was bereits durch die Tatsache belegt werden kann, dass die theologischen und ökumenischen Publikationen über das Papstamt einige Bücherregale füllen. [11]  

2. Das Papstamt in der ökumenischen Diskussion

   Mit der Unterscheidung zwischen dem Wesen des Primats des Bischofs von Rom und der konkreten Form seiner Ausübung und damit auch zwischen dem Unaufgebbaren und dem Revidierbaren in der Gestalt des Papstamtes [12] ist zweifellos das Tor für eine ökumenische Sicht von Theologie und Praxis des Primats des Bischofs von Rom geöffnet. In der ökumenischen Diskussion ist aber auch deutlich geworden, dass es äußerst schwierig ist, den ökumenischen Dialog über das Papstamt direkt anzugehen. Denn bei der Frage des Primats des Bischofs von Rom handelt es sich keineswegs um eine isolierte Einzelfrage. Sie stellt vielmehr gleichsam die Spitze eines Eisbergs dar, insofern bei dieser Frage die ungelösten ökumenischen Probleme vor allem des Kirchenverständnisses und des kirchlichen Amtes mit auf den Tisch kommen. In diesem Sachverhalt ist es zudem begründet, dass sich die Frage des Papstamtes bei der ökumenischen Aufarbeitung des Schismas in der Kirche zwischen West und Ost im 11. Jahrhundert anders stellt als bei der ökumenischen Überwindung der Spaltung in der Westkirche im 16. Jahrhundert. Weil es sich dabei um zwei grundverschiedene Spaltungen handelt, muss die Beantwortung der ökumenischen Frage des Papstamtes in verschiedenen ökumenischen Dialogen erfolgen.
a) Das Papstamt im Dialog mit den Kirchen des Ostens
   Die Kirchen des Ostens haben bei der Rangordnung der apostolischen Sitze stets anerkannt, dass der Bischof von Rom den ersten Sitz innehat, dass ihm aber nur ein Ehrenprimat zukommt, wie sie ihn in der kirchlichen Realität im ersten Jahrtausend erkennen. Sie erblicken aber im Primat des Bischofs von Rom in seiner weiteren Entwicklung in der lateinischen Tradition im zweiten Jahrtausend eine Störung oder gar „Zerstörung der ekklesialen Struktur als solcher“, „in deren Gefolge etwas anderes und Neues an die Stelle der altchristlichen Form tritt“[13]. Damit ist deutlich, dass der orthodoxen und katholischen Sicht eine unterschiedliche Ekklesiologie zugrunde liegt und dass die Primatsfrage im weiteren ekklesiologischen Problemkontext behandelt werden muss.
   Im theologischen Dialog zwischen der Katholischen und der Orthodoxen Kirche konnte ein wesentlicher Schritt gemacht werden auf der Vollversammlung der Internationalen Gemischten Kommission in Ravenna im Jahre 2007. In dem damals verabschiedeten Dokument „Ekklesiologische und kanonische Konsequenzen der sakramentalen Natur der Kirche. Kirchliche Communio, Konziliarität und Autorität“ [14] wird dargelegt, dass Primat und Synodalität in dem Sinn voneinander abhängig sind, dass der Primat immer im Kontext der Synodalität und dementsprechend die Synodalität im Kontext des Primates betrachtet werden müssen, und dass die Kirche auf allen Ebenen und damit nicht nur auf der lokalen und regionalen, sondern auch auf der universalen Ebene einen protos, einen Ersten braucht. Weil dies Katholiken und Orthodoxe zum ersten Mal gemeinsam erklären konnten, stellt das Dokument von Ravenna zweifellos einen ökumenischen Meilenstein dar. Mit ihm ist der Boden bereitet, auf dem ein Konsens über den Primat des Bischofs von Rom gefunden werden kann.
   Wann ein weiterführender Konsens über das Papstamt im Zusammenhang der Frage nach dem Verhältnis zwischen Synodalität und Primat mit ihrer gegenseitigen Interdependenz erreicht werden kann, ist gegenwärtig noch unabsehbar. Dabei kann es freilich nicht darum gehen, einen Kompromiss auf dem kleinstmöglichen gemeinsamen Nenner anzuvisieren. Es müssen vielmehr die jeweiligen starken Seiten beider Kirchen miteinander ins Gespräch gebracht werden, und zwar in der Hoffnung auf Lernbereitschaft auf beiden Seiten und in der Bewährung des Grundprinzips des ökumenischen Dialogs, das im gegenseitigen Austausch der Gaben besteht. Um bei dieser schwierigen Frage im katholisch-orthodoxen Dialog weiterkommen zu können, müssen auf beiden Seiten Schritte aufeinander zu vollzogen werden.
    Auf der einen Seite muss die Katholische Kirche eingestehen, dass sie in ihrem Leben und in ihren ekklesialen Strukturen noch nicht jenes Mass an Synodalität entwickelt hat, das theologisch möglich und notwendig wäre. Darin aber besteht eine wichtige Voraussetzung, um überzeugend dartun zu können, dass sich das primatiale und das synodale Prinzip einander keineswegs ausschließen und dass eine glaubwürdige Verbindung des primatial- hierarchischen mit dem synodal-communialen Prinzip eine wesentliche Hilfe der Katholischen Kirche für das weitere ökumenische Gespräch mit den Kirchen des Ostens sein wird. Denn in der notwendigen Verstärkung der Synodalität muss man zweifellos den wichtigsten Beitrag der Katholischen Kirche für die Anerkennung eines universalkirchlichen Primats in der Orthodoxie erblicken. In dieser Richtung hat Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium hervorgehoben, dass es in den ökumenischen Dialogen vor allem darum geht, das, was der Geist bei den anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften gesät hat, „als ein Geschenk aufzunehmen, das auch für uns bestimmt ist“; und er hat diese ökumenische Wegweisung dahingehend konkretisiert: „Im Dialog mit den orthodoxen Brüdern haben wir Katholiken die Möglichkeit, etwas mehr über die Bedeutung der bischöflichen Kollegialität und über ihre Erfahrung der Synodalität zu lernen.“[15]
   Auf der anderen Seite werden die Orthodoxen Kirchen im ökumenischen Dialog lernen können, dass ein Primat auch auf der universalen Ebene der Kirche nicht nur möglich und theologisch legitim, sondern auch notwendig ist, dass auch die innerorthodoxen Spannungen es nahe legen, über ein Amt der Einheit auf der universalen Ebene nachzudenken, und dass dies keineswegs im Gegensatz zur orthodoxen Ekklesiologie steht, sondern mit ihr kompatibel ist. Von den orthodoxen Kirchen ist deshalb auch zu erwarten, dass sie sich ihrem ekklesiologischen Kernproblem dezidiert stellen, nämlich der Autokephalie von nationalen Kirchen und ihrer inhärenten Tendenz zum Nationalistischen. Dabei darf man dankbar feststellen, dass auch orthodoxe Theologen wie beispielsweise John Meyendorff die Konzeption von autokephalen Nationalkirchen als das eigentliche Problem innerhalb der Orthodoxie beurteilen und dessen theologische Aufarbeitung für vordringlich halten [16]. Darin liegt der Beitrag der Orthodoxie, damit der Weg für eine theologische Versöhnung zwischen der orthodoxen Ekklesiologie und dem Prinzip des petrinischen Dienstes frei wird. Der Primat des Bischofs von Rom würde sich dann nicht nur als „Haupthindernis“ für die Wiederherstellung der vollen Kirchengemeinschaft mit den Kirchen des Ostens darstellen, sondern auch gleichsam als „Hauptmöglichkeit“ für dasselbe Anliegen, „weil er verbindliche Schritte zur Einheit ermöglicht“ und weil im Spiegelbild sichtbar wird, dass „ohne ihn auch die katholische Kirche längst in National- und Rituskirchen zerfallen wäre, die das ökumenische Gelände vollends unübersichtlich machen würden“[17].
b) Das Papstamt im Dialog mit den Reformationskirchen
   Damit aus dem Haupthindernis immer mehr und immer überzeugender eine Hauptmöglichkeit werden kann, muss die theologische Frage nach dem Verhältnis zwischen Primat und Synodalität vertieft werden. Das Vorankommen des katholisch-orthodoxen Dialogs hat dabei auch wichtige Konsequenzen für den Dialog mit den aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften über das Papstamt. Denn die große Kirchenspaltung im 16. Jahrhundert ist weitgehend nur zu verstehen auf dem Hintergrund der Spaltung in der Kirche zwischen Ost und West. Sie ist eine wesentliche Ursache dafür gewesen, dass sich die lateinische Christenheit recht einseitig entwickelt und jene schwere Krise in der Kirche im Spätmittelalter hervorgerufen hat, die schließlich auch in die tragische Spaltung der westlichen Christenheit hinein geführt hat.
   Auch der ökumenische Dialog mit den Reformationskirchen über das Papstamt kann sich nicht einfach auf einzelne Lehrunterschiede wie den Primat des Bischofs von Rom beziehen. Da in der Reformation ein anderer Typ des Kircheseins hervorgebracht worden ist, der sich nicht unwesentlich von der ekklesialen Grundstruktur der Alten Kirche unterscheidet, muss sich der ökumenische Dialog über das Papstamt in erster Linie mit diesem anderen Typ des Kircheseins auseinandersetzen. Dieser zeigt sich in der Geschichte des Protestantismus bereits terminologisch durch eine weitgehende Ablehnung des Kirchenbegriffs und dessen Ersetzung durch das Wort Gemeinde an, die bis in die Gegenwart hinein nachwirkt. [18] Noch in den sechziger Jahren konnte der berühmte reformierte Theologe Karl Barth urteilen: „Es ist gerade theologisch ratsam, das dunkle und belastete Wort <Kirche> wenn nicht gänzlich so doch tunlichst zu vermeiden,  es  jedenfalls  sofort und konsequent durch das Wort <Gemeinde> zu interpretieren.“ [19] Heute verstehen sich die reformatorischen Gemeinschaften zwar dezidiert als Kirchen, geblieben aber ist die Fokussierung ihres Kirchenverständnisses auf die Gemeinde. Das evangelische Kirchenverständnis hat seinen eindeutigen Schwerpunkt und gleichsam sein Gravitationszentrum in der konkreten Gemeinde am Ort: In evangelischer Sicht ist die Kirche Jesu Christi im vollen Sinn in der konkreten, um Wort und Sakrament versammelten Gottesdienstgemeinde gegeben. Die Gemeinde ist die prototypische Realisierung der Kirche, wie dies das vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland publizierte „Votum zum geordneten Miteinander bekenntnisverschiedener Kirchen“ mit dem Titel „Kirchengemeinschaft nach evangelischem Verständnis“ dahingehend profiliert, dass die eine, heilige, apostolische und katholische Kirche „notwendig in Gestalt von einzelnen Gemeinden“ existiert, „die die primäre Verwirklichung der katholischen Kirche sind“. Die einzelnen Gemeinden stehen dabei durchaus miteinander im Austausch.  Ein übergemeindlicher oder gar universaler Aspekt ist insofern durchaus vorhanden, er bleibt aber theologisch unterbelichtet. So sind beispielsweise die lutherischen oder reformierten Weltbünde eben Bünde von Kirchen, aber nicht selbst Kirche auf der universalen Ebene, sondern höchstens auf dem Weg vom Kirchenbund zur Kirchengemeinschaft.
 In der Ausblendung oder zumindest theologischen Unterbelichtung des universalkirchlichen Aspekts des Kircheseins liegt der eigentliche Grund, dass das reformatorische Kirchenverständnis keine allgemein anerkannte Theologie des Bischofsamtes und schon gar keine Theologie eines universalkirchlichen Amtes kennt, wie die Katholische Kirche dieses im Petrusamt des Bischofs von Rom verwirklicht sieht. Im evangelischen Kirchenverständnis stellt sich diese Frage im Grunde gar nicht. Wenn nämlich in der konkreten Einzelgemeinde die entscheidende Vollzugsgestalt von Kirche gesehen wird, dann stellt auch das Amt des pastor loci den Prototyp des kirchlichen Amtes dar. Pastoren- und Bischofsamt sind folglich theologisch identisch und nur funktional unterschieden: „Das Bischofsamt ist nach diesem Verständnis Pastorenamt in kirchenleitender Funktion.“[20] Was das Papstamt betrifft, könnte ein solches unter den Voraussetzungen des evangelischen Kirchenverständnisses deshalb nur unter pragmatischen, nicht jedoch unter kirchenkonstitutionellen Gesichtspunkten in Frage kommen.
 
Um den ökumenischen Dialog über das Papstamt voranzubringen, braucht es in erster Linie eine Klärung des Kirchenverständnisses, insbesondere des Verhältnisses zwischen Orts- und Universalkirche. Damit zeigt sich ein grundlegender Unterschied der heutigen Situation zu derjenigen von Martin Luther. Denn dem Reformator ist es erstens um eine umfassende Reform im Sinne der Erneuerung der ganzen Kirche und gerade nicht um eine Reformation im Sinne der mit ihr schließlich zerbrochenen Einheit der Kirche und des Entstehens von neuen reformatorischen Kirchen gegangen, wie der evangelische Ökumeniker Wolfhart Pannenberg pointiert festgestellt hat: „Luther wollte eine Reformation der Gesamtchristenheit; sein Ziel war alles andere als eine lutherische Sonderkirche.“ [21] Martin Luther hat deshalb zweitens das Papstamt als solches keineswegs abgelehnt, sondern hat die Möglichkeit einer Bejahung des Papstamtes von Bedingungen abhängig gemacht, „die alle letztlich darauf hinauslaufen, dass das Papstamt sich von seinen <antichristlichen> Zügen befreit und – summa summarum - <das Evangelium zulässt>“[22]. Auch die scharfe Papstkritik Luthers hat sich, zumindest in den Anfängen seines Wirkens, nicht gegen das Papstamt als solches gerichtet, sondern gegen seine, wie Luther urteilte, missbräuchliche Ausübung.
   Indem Luther im Grunde die von Papst Johannes Paul II. vorgeschlagene Unterscheidung zwischen dem Wesen des Primats des Bischofs von Rom und der konkreten Form seiner Ausübung, freilich unter sehr polemischem Vorzeichen, vorweggenommen hat, wäre mit ihm eine ökumenische Verständigung über das Papstamt, sofern es heute „das Evangelium zulässt“, leicht möglich. Eine solche Verständigung wäre jedenfalls viel leichter möglich als in der heutigen ökumenischen Situation,  da innerhalb des Protestantismus noch nicht einmal Konsens darüber besteht, ob es in der Kirche ein Papstamt aus theologischen Gründen überhaupt geben kann und sogar muss. Diesbezüglich sind in den reformatorischen Kirchen verschiedene Stimmen zu vernehmen. Es gibt Theologen wie Wolfhart Pannenberg, die einen Dienst an der Einheit der Christen im apostolischen Glauben auch auf der Ebene der Gesamtkirche und in Bezug auf die ganze Christenheit theologisch für notwendig erachten [23]; es gibt Theologen, die ein Papstamt als mit dem evangelischen Kirchenverständnis nicht vereinbar halten; und es gibt Theologen, die einen Einheitsdienst auf der universalen Ebene nur aus pragmatischen Gründen anerkennen würden. Solange diesbezüglich kein tragfähiger Konsens besteht, muss sich der ökumenische Dialog über das Papstamt mit den aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen auf die ekklesiologischen Grundsatzfragen konzentrieren. In dieser Sinnrichtung sollen abschliessend einige Reflexionen darüber formuliert werden, wie eine ökumenische Verständigung über das Papstamt aus katholischer Sicht anvisiert werden könnte.
3. Ökumenische Verständigung über das Papstamt in katholischer Sicht
   Um sowohl der orthodoxen Ekklesiologie, die im Kern eine eucharistische ist, als auch der reformatorischen Konzentration des Kirchenverständnisses auf die Gemeinde, der im Wesentlichen auch eine gottesdienstliche Ekklesiologie zugrunde liegt, Rechnung zu tragen, muss die katholische Papsttheologie weiter vertiefen und glaubwürdig dartun, dass der Primat des Bischofs von Rom nicht allein eine juridische und schon gar nicht eine rein äusserliche Zutat zu einer eucharistischen Ekklesiologie, sondern in ihr selbst begründet ist, insofern er letztlich nur Sinn macht von jenem weltweiten Netz von Eucharistiegemeinschaften her, das die Kirche ist. [24] Der Primat des Römischen Papstes ist letztlich nur von diesem weltweiten eucharistischen Netz her zu verstehen, worauf Papst Benedikt XVI. immer wieder, und zwar auch und gerade in ökumenischer Hinsicht, aufmerksam gemacht hat [25]. Mit seinem Hinweis, dass in der frühen Kirche das Wort „Liebe“ – caritas – zugleich das Geheimnis der Eucharistie bezeichnet, hat er deutlich gemacht, dass der Bischof von Rom seine petrinische Verantwortung vor allem dadurch wahrnimmt, dass er in der Eucharistie alle Ortskirchen auf der ganzen Welt zur einen universalen Kirche verbindet und damit Kirche als communio ecclesiae und communio ecclesiarum erfahrbar werden lässt. Den Vorsitz in der Liebe ausüben bedeutet deshalb in den Worten von Papst Benedikt XVI. „die Menschen in eine eucharistische Umarmung – in die Umarmung Christi – hineinziehen, die jede Schranke und jede Fremdheit überwindet und aus den mannigfaltigen Verschiedenheiten die Gemeinschaft bildet“ [26]. Das Papstamt ist folglich als Primat in der Liebe im eucharistischen Sinn zu verstehen, der in der Kirche um eine Einheit besorgt ist, die eucharistische Gemeinschaft ermöglicht und schützt und glaubwürdig und wirksam verhindert, dass ein Altar gegen einen anderen Altar gestellt wird, wie dies beispielsweise in der Auseinandersetzung des Optatus von Mileve mit den Donatisten in eklatanter Weise zu Tage getreten ist. [27] In diesem grundlegenden Sinn erweist sich der Primat des Bischofs von Rom, der im Dienst der eucharistischen Einheit der Kirche steht und dafür Sorge trägt, dass die Kirche immer wieder von der Eucharistie her Mass nimmt, und sich in dieser Weise als Bindeglied der Katholizität bewährt, als ein bleibendes Wesenselement der Kirche.
   Wenn sich der Petrusdienst des Bischofs von Rom am Wort des Heiligen Ignatius von Antiochien in seinem Brief an die Römer orientiert, das die Kirche des Bischofs von Rom als jene Kirche bezeichnet, die den „Vorsitz in der Liebe“ hat, dann wird auch sichtbar, dass der Vorsitz des Nachfolgers des Petrus in der Liebe und sein Vorsitz in der Lehre des Glaubens unlösbar zusammengehören. Auf der einen Seite ist der Vorsitz im Glauben an den Vorsitz in der Liebe gebunden. Der Vorsitz des Bischofs von Rom im Glauben muss Vorsitz in der Liebe sein. Denn die Lehre der Kirche vermag den Menschen nur zu erreichen, wenn sie zur Liebe führt. Auf der anderen Seite gründet die Liebe, der der Bischof von Rom in besonderer Weise zu dienen hat, im Glauben. Denn der Vorsitz in der Liebe besteht in erster Linie in der Verpflichtung zum Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes. Er ist Dienst am Glaubensgehorsam, wie dies Papst Benedikt XVI. bei seiner feierlichen Inbesitznahme der Kathedra des Bischofs von Rom in der Lateranbasilika am 7. Mai 2005 mit diesen tiefen Worten ausgesprochen hat: „Der Papst ist kein absoluter Herrscher, dessen Denken und Willen Gesetz sind. Im Gegenteil: Sein Dienst garantiert Gehorsam gegenüber Christus und seinem Wort. Er darf nicht seine eigenen Ideen verkünden, sondern muss – entgegen allen Versuchen von Anpassung und Verwässerung sowie jeder Form von Opportunismus – sich und die Kirche immer zum Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes verpflichten.“ [28]
   Der petrinische Dienst an der Einheit ist deshalb in erster Linie ein „Dienst am Glauben“ [29]; und für diesen primatus fidei ist der Papst der autorisierte Zeuge. Denn wie zu jedem Amt in der Kirche gehört auch zum Papstamt der personale Zeugendienst, für den der Zeuge persönlich haftbar und verantwortlich ist. Da Autorität in der Kirche letztlich allein Jesus Christus als dem Haupt und Herrn der Kirche zukommt, kann menschliche Autorität nur in seinem Namen und als sein persönlich beauftragter Zeuge ausgeübt werden. Damit ist im Kern zum Ausdruck gebracht, was die Katholische Kirche unter dem schwierigen Wort der Unfehlbarkeit des Papstes versteht. Bedenkt man diese martyrologische Dimension des Papstamtes, dann kann dieses nicht nur im Sinne eines so genannten Ehrenprimates verstanden werden. Denn „Ehre“ schließt im biblischen und altkirchlichen Sinn immer auch Autorität mit ein, insofern man denjenigen, dem Ehre gebührt, zu achten hat. Vor allem aber hilft ein Dienst, der nicht auch Vollmacht besitzt, gerade in jenen Situationen, in denen man ihn am meisten braucht, wenig oder nichts. Es kann deshalb nicht darum gehen, im Verständnis des Primats des Bischofs von Rom den Gesichtspunkt des Jurisdiktionellen überhaupt auszuschließen. Es geht vielmehr darum, ihn in den Gesamtzusammenhang der Kirche zu reintegrieren, wie dies Hans Urs von Balthasar gefordert hat, dessen berühmtes Buch „Der antirömische Affekt“ sinnvollerweise den präzisierenden Untertitel trägt: „Wie lässt sich das Papsttum in der Gesamtkirche integrieren?“[30]
   Die beste Integration in der Gesamtkirche auch und gerade in ökumenischer Sicht besteht darin, dass der Primat des Bischofs von Rom ein Primat des Gehorsams gegenüber dem Evangelium ist, wie dies die Kongregation für die Glaubenslehre in ihren Erwägungen über den „Primat des Nachfolgers Petri im Geheimnis der Kirche“ ausgesprochen hat: „Der römische Bischof steht – wie alle Gläubigen – unter dem Worte Gottes und unter dem katholischen Glauben. Er ist Garant für den Gehorsam der Kirche und in diesem Sinn servus servorum. Er entscheidet nicht nach eigener Willkür, sondern ist Stimme für den Willen des Herrn, der zum Menschen in der von der Überlieferung gelebten und interpretierten Schrift spricht. Mit anderen Worten: Die episkope des Primats hat die Grenzen, die aus dem Gesetz Gottes und der in der Offenbarung enthaltenen, unantastbaren göttlichen Stiftung der Kirche hervorgehen.“ [31]
   Der Bischof von Rom, dessen Aufgabe darin besteht, die Kirche zum Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes zu verpflichten, ist berufen, sich selbst als der exemplarisch Gehorsame zu erweisen. Er kann sich deshalb weder im Sinne einer Monarchie politischer Art als absoluter Herrscher verstehen, der sich nur nach seinem Willen richten würde. Er kann aber seinen Dienst auch nicht auf einen bloßen Ehrenvorrang beschränken. Er ist vielmehr letztverbindlicher Dienst am Glauben und glaubwürdiger Dienst an der Liebe und so Dienst an der Einheit der Kirche. Unter diesen Voraussetzungen bestehen Hoffnung und Aussicht auf einen ökumenischen Konsens über das Papstamt, so dass der Primat des Bischofs von Rom ganz im Dienst an der einen und ungeteilten Kirche in Ost und West stehen kann. Dann könnte die Katholische Kirche das große Geschenk, das sie mit dem Papstamt von Christus für die Kirche erhalten hat, mit der ganzen Christenheit teilen. Und dann wäre das Papstamt nicht mehr das „schwerwiegendste Hindernis auf dem Weg des Ökumenismus“, sondern Promotor der ökumenischen Verständigung und Garant der Einheit der Kirche.
[1]  Kurzvortrag beim Internationalen Kongress „Die Päpste und die Einheit der Lateinischen Welt“ im Campo Santo Teutonico in Rom am 5. Dezember 2015.
[2]  Dokumentiert in: AAS 59 (1967) 498.
[3]  Johannes Paul II., Ut unum sint, Nr. 88.
[4]  Johannes Paul II., Die Schwelle der Hoffnung überschreiten (Hamburg 1994) 181.
[5]  Johannes Paul II., Ut unum sint, Nr. 95.
[6]  Benedikt XVI., Ansprache bei der Begegnung mit Vertretern der Orthodoxen Kirchen in Freiburg im Breisgau am 24. September 2011.
[7]  Franziskus, Evangelii gaudium, Nr. 32.
[8]  Pontificio Comitato di Scienze Storiche (ed.), Il Primato del Vescovo di Roma nel primo millennio. Ricerche e testimonianze. Atti del Symposium storico-teologico (Città del Vaticano 1991).
[9]  Il primato del Successore di Pietro nel Mistero della Chiesa. Considerazioni della Congregazione per la Dottrina della fede, in: Documenti e Studi 19 (Città del Vaticano 2002) 9-21.
[10]  W. Kasper (ed.), Il ministero petrino. Cattolici e ortodossi in dialogo (Roma 2004).
[11]  Vgl. nur die bereits erschienenen Sammelbände in chronologischer Reihenfolge: G. Denzler u. a. Zum Thema Petrusamt und Papsttum (Stuttgart 1970); G. Denzler (Hrsg.), Das Papsttum in der Diskussion (Regensburg 1974); O. Mauer u.a., Das Petrusamt in ökumenischer Sicht (Innsbruck 1975); H. J. Mund, Das Petrusamt in der gegenwärtigen theologischen Diskussion (Paderborn 1976); H. Stirnimann – L. Vischer u. a., Papsttum und Petrusdienst (Frankfurt a.M. 1975); A. Brandenburg – H. J. Urban (Hrsg.), Petrus und Papst. Evangelium, Einheit der Kirche, Papstdienst (Münster 1976, Zweiter Band 1978); J. Ratzinger (Hrsg.), Dienst an der Einheit. Zum Wesen und Auftrag des Petrusamtes (Düsseldorf 1978); V. von Aristi u. a., Das Papstamt. Dienst oder Hindernis für die Ökumene? (Regensburg 1985); H.-J. Fischer u.a., Wozu noch einen Papst? Vier Plädoyers für das Petrusamt (Köln 1993); Johann-Adam-Möhler-Institut (Hrsg.), Das Papstamt. Anspruch und Widerspruch. Zum Stand des ökumenischen Dialogs über das Papstamt (Münster 1996); P. Hünermann (Hrsg.), Papstamt und Ökumene. Zum Petrusdienst an der Einheit aller Getauften (Regensburg 1997); H. Schütte (Hrsg.), Im Dienst der einen Kirche. Ökumenische Überlegungen zur Reform des Papstamts (Paderborn 2000); S. Hell / L. Lies (Hrsg.), Papstamt. Hoffnung. Chance, Ärgernis. Ökumenische Diskussion in einer gloabalisierten Welt (Innsbruck 2000); M. C. Hastetter / Ch. Ohly (Hrsg.), Dienst und Einheit. Reflexionen zum petrinischen Amt in ökumenischer Perspektive (St. Ottilien 2014); Ph. Tull (Hrsg.), Papst und Ökumene – ein Widerspruch!? Ökumenische Perspektiven des Papstamtes (Leipzig-Paderborn 2015).
[12]  Vgl. K. Koch, Unaufgebbares und Revidierbares in der Gestalt des Papsttums aus römisch-katholischer Sicht, in: Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie 52 (2005) 5-30.
[13] J. Kardinal Ratzinger, Die ökumenische Situation – Orthodoxie, Katholizismus und Reformation, in: Ders., Theologische Prinzipienlehre (München 1982) 203-214, zit. 204.
[14]  Dokumentiert in: J. Oeldemann  - F. Nüssel – U. Swarat – A. Vletsis (Hrsg.), Dokumente wachsender Übereinstimmung. Sämtliche Berichte und Konsenstexte Interkonfessioneller Gespräche auf Weltebene. Band 4: 2001-2010 (Paderborn – Leipzig 2012) 833-848.
[15]  Franziskus, Evangelii gaudium, Nr. 246.
[16]  Vgl. J. Meyendorff, Orthodoxy and Catholicity (New York 1966); Ders., The Byzantine Legacy in the Orthodox Church (New York 1982).
[17] J. Cardinal Ratzinger, Briefwechsel zwischen Metropolit Damaskinos und Joseph Cardinal Ratzinger, in: J.Cardinal Ratzinger, Weggemeinschaft des Glaubens. Kirche als Communio (Augsburg 2002) 187-209, zit. 203.
[18]  Vgl. K. Kardinal Koch, Auf dem Weg zur Kirchengemeinschaft. Welche Chance hat eine gemeinsame Erklärung zu Kirche, Eucharistie und Amt? in: Catholica 69 (2015) 77-94, bes. 80-83: Reformatorische Kirchen im Licht ihres Erbes: historischer Zugang.
[19]  K. Barth, Einführung in die evangelische Theologie (Zürich 1962) 35.
[20]  W.Kardinal Kasper, Perspektiven einer sich wandelnden Ökumene. Das ökumenische Engagement der katholischen Kirche, in: Stimmen der Zeit 220 (2002) 651-661, zit. 659.
[21]  W. Pannenberg, Problemgeschichte der neueren evangelischen Theologie in Deutschland (Göttingen 1997) 25.
[22]  Gruppe von Farfa Sabina, Gemeinschaft der Kirchen und Petrusamt. Lutherisch-katholische Annäherungen (Frankfurt a. M. 2010) 41-42.
[23]  Vgl. W. Pannenberg, Evangelische Überlegungen zum Petrusdienst des römischen Bischofs, in: Ders., Kirche und Ökumene = Beiträge zur Systematischen Theologie. Band 3 (Göttingen 2000) 366-377.
[24]  Vgl. B. Forte, Il primato nell’eucaristia. Considerazioni ecumeniche intorno al minstero petrino nella Chiesa, in: Asprenas 23 (1976) 391-410. Vgl. auch A. Garuti, Ecclesiologia Eucaristica e primato del Vescovo di Roma, in: R. Karwacki (Hrsg.), Benedictus qui venit in Nomine Domini (Radom 2009) 455-472.
[25]  Vgl. K. Koch, Die Primatstheologie von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI. in ökumenischer Perspektive, in: M. C. Hastetter / Ch. Ohly (Hrsg.), Dienst und Einheit. Reflexionen zum petrinischen Amt in ökumenischer Perspektive. Festschrift für Stephan Otto Horn zum 80. Geburtstag (St. Ottilien 2014) 15-37.
[26]  Benedikt XVI., Predigt in der Eucharistiefeier mit den neuen Kardinälen am 19. Februar 2012.
[27]  Vgl. J. Ratzinger, Volk und Haus Gottes in Augustins Lehre von der Kirche (St, Ottilien 1992), bes. 102-123: § 12 Optatus von Mileve.
[28]  Benedikt XVI., Homilie bei der feierlichen Inbesitznahme der Kathedra des Bischofs von Rom in der Lateranbasilika am 7. Mai 2005.
[29]  W. Kasper, Dienst an der Einheit und Freiheit der Kirche. Zur gegenwärtigen Diskussion um das Petrusamt in der Kirche, in: J. Ratzinger (Hrsg.), Dienst an der Einheit. Zum Wesen und Auftrag des Petrusamtes (Düsseldorf 1978) 81-104.
[30]  H. U. von Balthasar, Der antirömische Affekt. Wie lässt sich das Papsttum in der Gesamtkirche integrieren? (Freiburg i. Br. 1974).
[31]  Il primato del Successore di Pietro nel Mistero della Chiesa. Considerazioni della Congregazione per la Dottrina della fede, in: Documenti e Studi 19 (Città del Vaticano 2002) 9-21, Nr. 7.

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Der iranische Präsident plant im Januar einen Besuch beim Papst Foto: Irans Präsident Hassan Rohani

   Präsident Hassan Rohani will nach Rom reisen, nachdem er einen kürzlich geplanten Besuch wegen des Terroranschlags in Paris abgesagt hatte. Jetzt ist ein neuer Termin für eine Privataudienz bei Papst Franziskus in diesem Monat vereinbart, sagt ein Sprecher des Vatikans. Die französische Presseagentur AFP erwartet die Begegnung im Vatikan Ende Januar.
   Im November 2015 war die Audienz ursprünglich vorgesehen im Rahmen einer Europareise des Präsidenten die ihn auch nach Paris führen sollte. Diese Reise unterblieb wegen des islamistischen Anschlags in Paris  Zum ersten Mal wird Präsident Ruhani den Vatikan betreten. Es ist auch der erste Besuch eines iranischen Präsidenten nach dem Besuch von Mohammad Katami zum Begräbnis ovon Papst Johannes Paul II. im Jahre 2005. Präsident Khatami hatte schon vorher Papst Johannes Paul II. in Rom getroffen im Jahr 1999. CH151223staff

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Besuch aus Chile: Präsidentin Michelle Bachelet kam in den Vatikan
   Chiles Präsidentin Michelle Bachelet hat im Vatikan Papst Franziskus getroffen. Anschließend unterhielt sie sich mit der Spitze des Staatssekretariats, Kardinal Pietro Parolin, und dem vatikanischen Außenminister, Erzbischof Paul Gallagher. Ein Vatikanstatement spricht von „herzlichen Gesprächen“. Zu den Themen habe der Lebensschutz, die Bildung und der Kampf gegen soziale Ungleichheiten gehört. Hervorgehoben worden seien die Rolle der Kirche in dem lateinamerikanischen Land, die guten Beziehungen zwischen Staat und Kirche und das wichtige soziale Engagement der Kirche. Papst Franziskus übergab der chilenischen Präsidentin ein Medaillon. Bachelet brachte dem Papst ein Buch über die Kirche in Chile und einen Rosenkranz aus Lapislazuli-Stein und Silber mit.
   In Chile wird derzeit ein Gesetzentwurf debattiert, der die Abtreibung aus medizinischen Gründen legalisiert. Vor dem Petersplatz hatte sich an diesem Freitag eine Gruppe von Lebensschutz-Aktivisten versammelt, die mit Plakaten gegen das Vorhaben protestierten. Bildung ist in Chile derzeit wieder ein Thema: So kam es in dem südamerikanischen Land zu Studenten- und Lehrerprotesten. Eine umfassende Reform des voll privatisierten Bildungssystems in Chile unter dem Motto „kostenlose Bildung für alle“ war zentrales Wahlversprechen für die zweite Amtszeit der Sozialistin Bachelet.
   Bachelet sagte nach der Begegnung mit dem Papst vor Journalisten in Rom, sie habe mit Franziskus auch über einen Chile-Besuch im Zusammenhang mit seiner für 2016 geplanten Reise nach Argentinien und Uruguay gesprochen. Ein konkretes Datum stehe jedoch noch nicht fest.
Am Sonntag trifft Papst Franziskus mit Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner zusammen. Rv150605no

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   Rund eineinhalb Stunden Zeit nahm sich Papst Franziskus am Sonntagnachmittag bei seiner Privataudienz mit der argentinischen Präsidentin Christina Fernández Kirchner. Wie es in einer Pressemitteilung des Vatikans heißt, fanden die „sehr herzlichen“ Gespräche im Arbeitszimmer des Papstes statt. Die Präsidentin habe dem Papst noch einmal die „Verbundenheit“ des argentinischen Volkes deutlich gemacht, so die Mitteilung weiter. Kirchner brachte Papst Franziskus u.a. ein Porträt des kürzlich seliggesprochenen Bischofs Oscar Romero aus El Salvador, ein Buch von Alberto Methol-Ferré sowie typische argentinische Produkte mit. Es war Kirchners fünfter Besuch bei Franziskus. Die argentinische Präsidentin war nach Rom gekommen, um an einer Konferenz der Welternährungsorganisation FAO teilzunehmen. Rv150608no  

Papst Franziskus empfängt den russischen Präsidenten  - Warum die Audienz für Putin richtig ist

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Wladimir Putin trifft Papst Franziskus
   Bei den G7 war Wladimir Putin ein unerwünschter Gast. Papst Franziskus aber empfängt den russischen Präsidenten am heutigen Mittwoch zu einer Privataudienz. Das mag auf manche spektakulär wirken. Doch ist sie Ausdruck einer Kontinuität vatikanischer Diplomatie. Und das ist gut so.
   Einer von Wladimir Putins Vorgängern als Chef im Kreml, nämlich Stalin, der Schreckliche, soll bei Kriegsende den Chef im Vatikan verspottet haben, indem er ihn militärisch wog und als zu leicht befand. Der weltbekannte Satz dazu: "Wie viele Divisionen hat denn der Papst?"
   Nun, Putin ist nicht Stalin, und die weltlichen Oberhäupter der katholischen Kirche – das eigentliche Oberhaupt ist deren Stifter Jesus – haben längst begriffen, dass ihr Einfluss in der Welt nicht mehr auf kirchenstaatlicher Macht und Herrlichkeit beruht, schon gar nicht auf christlichen Gotteskriegern. Man könnte heute mit Blick auf Franziskus und seine unmittelbaren Vorgänger sagen: Vertrauen war und ist der Anfang von allem. Die Päpste, etwa von Pius XII. über die heiligen Johannes XXIII. und Johannes Paul II., den deutschen Kirchenlehrer Benedikt XVI. bis hin zum argentinischen "Weltpastor" Franziskus wirkten und wirken allein durch ihre geistliche, geistige Ausstrahlung. Sie tun der Menschheit einen Dienst, wenn sie sich nicht als Kirchen-, sondern als Friedensfürsten begreifen.
   Die aktuelle, auf manche vielleicht spektakulär wirkende Audienz des russischen Präsidenten bei Papst Franziskus in Rom ist zunächst Ausdruck einer Kontinuität vatikanischer Diplomatie. Hinter den Leoninischen Mauern des Staates der Vatikanstadt verbirgt sich die tiefe, in Jahrhunderten gereifte Klugheit und Weisheit, dass zur Not auch mit dem Teufel reden sollte, wer die Situation zum Besseren wenden will. Und Putin ist nicht Luzifer. Im schlimmsten Fall verkörpert er einen großrussischen Romantiker und Machthaber, den es zu überzeugen gilt, dass man sich die osteuropäische und eurasische Welt nicht nach Belieben und Expansionsgelüsten zurecht biegen darf, sondern im Interesse des Weltfriedens Rücksichten zu nehmen hat.
   Die Vertreter der G-7-Staaten vereinbarten – und sie ließen sich kurioserweise dafür auch noch von Teilen der Öffentlichkeit  loben –, den russischen Präsidenten wegen dessen aggressiven Rechtsbruchs auf der Halbinsel Krim und im Osten der Ukraine auf unbestimmte Zeit zur Persona non grata zu erklären. Den Papst schert solche Ausgrenzung nicht, und das ist gut so. Die Römische Weltkirche begreift, dass Entspannungspolitik nur dann gepflegt und letztlich zum Wohle aller Menschen gerettet werden kann, wenn sie das Gegenüber, und lege es ein noch so ungehobeltes, völkerrechtswidriges Verhalten an den Tag, nicht vor die Tür setzt.
   Nebenbei: Der Repräsentant der gewaltigen Atommacht Russland wird sich durch törichte Strafarbeiten, sprich Sanktionen, die noch dazu nicht allein seinem Land weh tun, nicht von seinem außenpolitischen Kurs abbringen lassen. Man hat ja seinen Stolz. Dass Putin hingegen grundsätzlich nicht bereit sei, in Verhandlungen zu treten und mit dem Westen wieder ins vernünftige Gespräch zu kommen, wird außer Hardlinern in Warschau oder im US- Kongress kaum jemand behaupten.

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Päpste haben sich um Verständigung bemüht

   Päpste haben sich nach dem Krieg und zur Zeit des so genannten Kalten Krieges zwischen dem kommunistischen Ostblock und der Freien Welt um Ausgleich und Verständigung bemüht. Konzilspapst Johannes XXIII. (1958-1963) zum  Beispiel empfing den Schwiegersohn des damaligen Kreml-Chef Chrustschow. Hier traf ein Diktatoren- Günstling, Kalter Krieger und Atheist auf  den Mann der Kirche, der keine Divisionen besaß, aber eine (frohe) Botschaft. Der große Pole auf dem Stuhl Petri, Johannes Paul II. (1978-2005), empfing kurz bevor US-Präsident George W. Bush und sein schlimmer Vize Dick Cheney den völkerrechtswidrigen Irak-Krieg vom Zaun brachen, den Außenminister des "Teufels" Saddam Hussein zur Audienz ein, um vielleicht doch noch den drohenden Waffengang zu verhindern.
   Papst Franziskus kommt das Verdienst zu, die endlich zustande gekommene Entspannung des Verhältnisses zwischen den USA und Kuba kirchendiplomatisch befördert zu haben. Nur so lassen sich Wege zum Frieden beschreiten. Die Hoffnung bleibt, dass sich Putin durch Franziskus‘ Ausstrahlung und Eindringlichkeit beim Mahnen am Ende mehr beeindrucken lassen wird als durch Sanktions-Kraftmeiereien. Wer sich wie die "G-7" hochtrabend zur Verantwortungs-Gemeinschaft erklärt, sollte auch entsprechend verantwortlich Welt-Friedenspolitik betreiben.
Quelle:RP150610ReinholdMichels

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Wladimir Putin mit Papst Franziskus in Privataudienz

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 Diese  Woche in Rom: Besuche und Events

   Auch die nächste Generalaudienz findet wieder auf dem Petersplatz statt: Am Mittwoch trifft der Papst die Besucher und Pilger ab ca. 10 Uhr im Vatikan. Ebenfalls am Mittwoch besucht eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz die römische Synagoge. Es geht um das „runde Jubiläum“ des Konzilstextes Nostra aetate.
   Am Donnerstag, 9. September, finden gleich mehrere Audienzen mit dem Papst im Vatikan statt. So spricht der Papst zu rund 400 Mitgliedern der Ehe- und Familien-Bewegung „Equipes Notre-Dame“ in der vatikanischen Sala Clementina. Danach spricht Franziskus mit dem Nuntius in Kanada, Erzbischof Luigi Bonazzi. Es folgt ein Austausch mit dem Regierungschef von Kuwait, Sheik Jaber a-Mubarak al-Hamad al-Sabah. Und zuletzt trifft der Papst ebenfalls am Donnerstagvormittag die rund 130 neuen Bischöfen, die in diesem Jahr neu ernannt wurden. Diese nehmen an einem „Fortbildungskurs“ im Vatikan teil.
   Der serbische Präsident Tomislav Nikolic ist am Freitag im Vatikan und trifft den Papst um 10.30 Uhr. Am Mittag hält der Papst eine Rede im Vatikan an die Teilnehmer eines Umweltschutz-Kongresses, an der 300 Menschen teilnehmen.
   Außerhalb Roms hingegen findet ab Freitag die diesjährige Vollversammlung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen statt: Die CCEE-Versammlung wird diesmal im Heiligen Land durchgeführt, „um die Solidarität mit den verfolgten Christen im Nahen Osten zu bekunden“, so eine Mitteilung des Rates.
   Am Samstag spricht der Papst dem vatikanischen Bildungs-Präfekten, Kardinal Giuseppe Versaldi sowie mit Erzbischof Guido Pozzo, Sekretär der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“. Auch der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, gehört zu den Gesprächspartnern am selben Tag. Kurz nach Mittag trifft Papst Franziskus die Mitarbeiter einer römischen Bank: die rund 7.000 Gäste empfängt er in der Audienzhalle.
Kurz davor fährt vom vatikanischen Bahnhof eine Dampfeisenbahn nach Castel Gandolfo: die Vatikanischen Museen führen neue Zugangsmöglichkeiten für Besucher der Päpstlichen Sommerresidenz ein.
Am Sonntag findet wie üblich das Mittagsgebet auf dem Petersplatz statt. 
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Papstbotschaft an achtjährigen Jungen

   Es ist möglicherweise die erste offizielle Botschaft eines Papstes an ein achtjähriges Kind: Der Vatikan hat an diesem Mittwoch einen Brief von Franziskus an einen kleinen Italiener veröffentlicht. Darin lobt der Papst dessen Teilnahme an einer Kinderwallfahrt für den Frieden. Sie wird vom katholischen italienischen Verband Unitalsi schon zum zehnten Mal veranstaltet und findet diesmal im französischen Marienwallfahrtsort Lourdes statt. „Lieber Damiano“, schreibt der Papst, „und liebe Kinder auf Friedensmission in Lourdes, ich habe von eurer Initiative gehört und freue mich darüber.“ Sie sollten „den Erwachsenen zeigen, dass die Kinder dazu imstande sind, zu beten, Jesus zu lieben, sich gegenseitig zu helfen und auf eine bessere Zukunft zu hoffen“.
   Damiano, der aus Rom kommt, hatte an den Papst geschrieben und ihn eingeladen, bei der Wallfahrt mitzumachen.  Rv150930sk

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Papstappell beim Angelus:  Jede Pfarrei soll Flüchtlinge aufnehmen!

   Jede Pfarrei oder Gemeinschaft soll mindestens eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen. Dazu rief Papst Franziskus am Sonntag nach dem Angelusgebet auf. Franziskus sagte, dass die Barmherzigkeit Gottes durch die Werke eines jeden Gläubigen erkannt werde. Als Beispiel nannte er die selige Mutter Teresa von Kalkutta, die offen gegenüber jeden Menschen war.
   Sein Aufruf käme direkt aus dem Evangelium, so der Papst angesichts der Tragödie der Flüchtlinge. Die Frohe Botschaft rufe jeden auf, „die Nächsten“ der Kleinsten und Verlassenen zu sein. Es ging aber darum, nicht nur schöne Worte zu sprechen, sondern den Flüchtlingen eine konkrete Hoffnung zu schenken.
   „Die christliche Hoffnung ist tapfer, mit der Hartnäckigkeit dessen, der auf ein sicheres Ziel zugeht“, so der Papst. Deshalb soll angesichts des bevorstehenden Heiligen Jahres in jeder Pfarrei, Kloster, Ordensgemeinschaft und Heiligtum in Europa, diese konkrete Hilfe zum Ausdruck kommen, erläuterte der Papst. „Angefangen in meinem Bistum hier in Rom. Die zwei vatikanischen Pfarreien werden in den nächsten Tagen zwei Flüchtlingsfamilien aufnehmen“, sagte der Papst. Er wandte sich an die europäischen Bischöfe, diesen Aufruf in ihren Bistümern zu unterstützen. Rv150906mg

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 Italiens Neo-Präsident besuchte am 18. April erstmals Franziskus
Am 25. März 2015 empfing Präsident Mattarella bereits die Kardinäle zu einem Ehren-Frühstück.

   Papst Franziskus hat Italiens Neo-Präsident Sergio Mattarella (73) erstmals am 18. April zu einer Privataudienz im Vatikan empfangen. Wie das Präsidialamt in Rom mittelte und der Vatikan bestätigte, ist er zunächst mit dem katholischen Oberhaupt zusammengetroffen und anschließend hat er Kardinalstaatssekretär und Chef-Diplomat Pietro Parolin aufgesucht. Mattarella war am 31. Januar zum Nachfolger von Giorgio Napolitano gewählt worden. Er gehörte der Demokratischen Partei (PD) von Ministerpräsident Matteo Renzi an. 
   Anders als sein religiös nicht gebundener Vorgänger Napolitano ist der bisherige Verfassungsrichter Mattarella überzeugter und praktizierender Katholik. Er befürwortet jedoch eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Sein Bruder Piersanti Mattarella war 1980 von der Mafia auf Sizilien ermordet worden. In seiner Antrittsrede bezeichnete der neue Präsident den Kampf gegen Korruption und gegen das organisatorische Verbrechen als wichtige Aufgaben der Politik seines Landes. rv150327no

fr-73-CristinaFernandesDeKi  Papst Framziskus wird 2016 seine Heimat Argentinien besuchen

Franziskus will 2016 nach Argentinien reisen. Lokalen Medienberichten zufolge hat die argentinische Regierung den Besuch von Papst Franziskus in seinem Heimatland offiziell bestätigt. Der argentinische Botschafter am Heiligen Stuhl, Juan Pablo Cafiero, sagte dem Radiosender Del Plata am Dienstag (18.2.): „Für 2016 ist ein Besuch des Papstes in Argentinien vorgesehen.“ In der Stadt Tucuman wolle Franziskus am Eucharistischen Kongress teilnehmen. Ein weiterer Anlass seien die Feiern zum 200. Jahrestag der staatlichen Unabhängigkeit Argentiniens 2016. Rv-    Fotobericht  der Amerikareise auf unserer Seite   > Südamerika   >  Mittelamerika    >  Nordamerika 

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Fotot oben: Papst Franziskus begrüßt 3 Millionen Jugendliche in Rio de Janeiro unten: Trauer in Mariupol (Ukraine)

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Friedensappell für die Ukraine: Kein Krieg unter Christen!

   Papst Franziskus hat erneut zum Frieden in der Ukraine aufgerufen. Ein "Krieg unter Christen" sei ein Skandal, so der Papst im Zug der Generalaudienz von diesem MIttwoch. In Zeiten des Krieges sei Beten ein Protest vor Gott. Franziskus bat um Gebet für die vielen Opfer, vor allem für Zivilisten und für ihre Familien:
   „Wenn ich das Wort höre „Sieg oder Niederlage“, dann fühle ich einen großen Schmerz im Herzen. Das sind nicht richtige Worte! Das einzige richtige Wort hier ist: Frieden. Das ist das einzige richtige Wort …. Ich denke an euch, ukrainische Brüder und Schwestern. … Denkt daran, das ist ein Krieg unter Christen! Ihr habt alle dieselbe Taufe. Denkt daran, das ist ein Skandal! Beten wir darum, denn unser Gebet ist unser Protest vor Gott in Zeiten des Krieges.“ Rv150204no 

  cdd-PeterTurkson-ZzZ                  Kardinal Peter Turkson,

Kardinal Turkson: “Die Kirche ist solidarisch mit den Volksbewegungen in  > Südamerika.   

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Neues Papstinterview: Kurienreform, Familiensynode und Schweizer Garde
Foto: Papst Franziskus bei der Familiensynode mit einem afrikanischen Kunstwerk das eine Familie darstellen soll.

   Papst Franziskus hat erneut ein großes Interview gegeben. Im Gespräch mit der argentinischen Tageszeitung La Nacion ging der Papst auf verschiedenste Themen ein: Auf die Familiensynode, die Kurienreform, die nächsten Papstreisen, auf das Papstsein im Allgemeinen und die Abberufung des Kommandanten der Schweizer Garde.
   Die Synode sei kein Parlament, so der Papst, sondern ein offener, vom Heiligen Geist geschützter Raum. Die Behauptung, die Väter der Familiensynode hätten sich in zwei Gruppen gespalten, sei zu einfach. Es sei nun mal wichtig, „deutlich zu sprechen und in Demut zuzuhören“. Die Familien befänden sich heute in großen Schwierigkeiten, denn viele Ehe würden nur aus sozialer Konvention heraus geschlossen. Man müsse sich fragen, inwieweit es sich überhaupt um gültige, sakramentale Ehen handele. Schon Benedikt XVI. habe diese Frage aufgeworfen. Zum Thema Homosexualität betonte Franziskus, es sei bei der Familiensynode gar nicht um die „Homoehe“ gegangen, sondern um Ehen mit homosexuellen Kindern. Das seien Dinge, die einem in der pastoralen Praxis begegneten. Mit Blick auf die Kritik am Synodenzwischenbericht, sagte er, dieser sei nur vorläufig. Es zähle am Ende der Nachsynodale Bericht, die Abschlussbotschaft und die Papstansprache. Kein Punkt der Lehre der Kirche über die Ehe sei angerührt sei.
  Wiederverheirateten Geschiedenen die Kommunion zu geben, sei hingegen keine Lösung, so Franziskus. Die Lösung sei die Integration,  es müssten die Türen weiter geöffnet werden. Einige behaupten, dass wiederverheiratete Geschiedene kein gutes Zeugnis für den Glauben gäben. Andererseits würde man einem korrupten Politiker erlauben, Taufpate zu werden, weil er kirchlich verheiratet ist. Hier müsse einiges gerade gerückt werden und die richtigen Wertmaßstäbe wiedergefunden werden.
   Auf den Vorwurf einer gewissen „Konfusion“, antwortet Papst Franziskus: „Ich halte ständig Reden, Predigten, und das ist das Lehramt.“ Das sei, was er denkt und nicht das, was die Zeitungen behaupten: “Evangelii Gaudium ist sehr klar.“ Man dürfe jedenfalls keine Angst haben, vorwärts zu gehen unter der Leitung des Heiligen Geistes.
   Auch auf die Kurienreform ging der Papst ein. Dieser sei ein langsamer Prozess, der 2015 wohl noch nicht abgeschlossen sein werde. Ihm sei aber noch viel mehr die spirituelle Reform ein Anliegen, die Reform der Herzen. Er halte die Meinungsverschiedenheiten in diesem Prozess für unproblematisch. Die Reform der Kurie sei von den Kardinälen in den Generalkongregationen beim Vorkonklave beschlossen worden. Er kündigte er an, dass er neben dem traditionellen Weihnachtsempfang für die römische Kurie – an der bisher faktisch nur die Behördenleiter teilnahmen – auch eine Audienz für alle Angestellten des Vatikan in der Audienzhalle des Vatikan plane.
   Franziskus dementiert Spekulationen, er habe Kurienkardinal Raymond Leo Burke wegen dessen Äußerungen während der Bischofssynode strafversetzt. Er habe Burke schon lange vor der Synode den Vorschlag gemacht, von der Spitze des obersten vatikanischen Gerichtshofs zum Malteserorden zu wechseln. Burke sei eines Tages zu ihm gekommen und habe ihn gefragt, warum er in seinem Amt noch nicht bestätigt worden sei, berichtete der Papst in dem Interview weiter. Er, der Papst, habe darauf verwiesen, dass der Kardinalsrat der Kurienreform noch nicht über eine Neustrukturierung der vatikanischen Gerichte entschieden habe. Dann habe er die Anfrage des Malteserordens nach einem neuen Kardinalpatron erhalten. Für diese Aufgabe sei ihm Kardinal Burke in den Sinn gekommen, weil dafür ein US-Amerikaner nötig sei, der sich in diesem Ambiente bewegen könne.
   Über seine Wahl zum Papst sagt Franziskus, er habe sich damals geschworen „Jorge, verändere Dich nicht, bleib wie Du bist und sei Du selbst. Denn in deinem Alter sich zu ändern ist lächerlich.“ Auch seine Gesundheit war Thema des Interviews: Er habe die altersüblichen Beschwerden, aber er sei in der Hand Gottes, und bis jetzt habe er sein Arbeitspensum gut erfüllen können. Außerdem habe ihm Gott, was seine Gesundheit angeht, eine „gesunde Portion Gewissenlosigkeit“ geschenkt, so der Papst ironisch.
   2016 wolle er vielleicht nach Argentinien reisen, 2015 seien bereits zwei große Reisen geplant: eine nach Lateinamerika (in drei Länder, die er noch nicht nennen will) und eine nach Afrika. Er kündigte an, im kommenden Jahr auch keine argentinischen Politiker in Privataudienz empfangen zu wollen, um die anstehenden Wahlen nicht zu beeinflussen.
   Zu Gerüchten über die Gründe der Abberufung des Kommandanten der Schweizer Garde sagte er, das Mandat Anrigs sei schon vor einiger Zeit abgelaufen, und er habe ihn persönlich darüber informiert, dass die laufende Verlängerung „donec aliter provideatur“ demnächst enden würde. Anrig sei gewiss nicht zu streng gewesen. Es sei dem Papst nur um eine gesunde und normale Erneuerung gegangen. Anrig sei eine „hervorragende Person, ein guter Katholik, mit einer hervorragenden Familie“, so Franziskus. Ebenso wies der Papst Mutmassungen zurück, die neu renovierte Wohnung des Kommandanten sei ihm zu großzügig gewesen. Er verwies darauf, dass der Kommandant vier Kinder habe.
   Das Interview war nach Angaben der Zeitung im vatikanischen Gästehaus Santa Marta geführt worden. Die Vatikan-Korrespondentin von «La Nacion», Elisabetta Pique, ist eine persönliche Bekannte des Papstes.  Rv141207 

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Neuer Kommandant der Schweizergarde
Wechsel an der Spitze der Schweizer Garde. Christoph Graf war bisher der zweite Mann hinter Anrig

   Die Päpstliche Schweizergarde hat einen neuen Kommandanten: Es ist Christoph Graf, die bisherige Nummer zwei des aus dem Dienst geschiedenen Daniel Anrig. Graf hat Ende Januar von Anrig das Interims-Kommando übernommen, nun wurde er vom Papst an die Spitze der traditionsreichen vatikanischen Schutztruppe gestellt. Als Stellvertreter des Kommandanten war Graf bisher erster Berater Anrigs gewesen und Verbindungsoffizier nach außen. Weiter war Graf bisher auch verantwortlich für das Controlling und die Funktion des Stabchefs. Christoph Graf trat 1987 in die Garde ein. Vor seiner Beförderung zum Vize-Kommandanten war er erfolgreicher Instruktor und Feldwebel. Der Vizekommandant ist verheiratet und Vater zweier Kinder. rv150207sk

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Foto oben: Kuba  - Neuer Vatikanbotschafter für Ägypten ernannt - Foto unten: Arabische Liga

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   Der bisherige Nuntius in Kuba wechselt nach Kairo: Erzbischof Bruno Musaro wird neuer Vatikanbotschafter in Ägypten. Das teilte der Vatikan mit. Gleichzeitig ernannte ihn Papst Franziskus zum Apostolischen Delegaten bei der Arabischen Liga in Kairo. Beide Funktionen übte bisher der französische Erzbischof Jean-Paul Gobel aus. Die Aufgabe als Nuntius in Kairo gilt wegen der oft angespannten Situation zwischen Muslimen und Christen als besonders anspruchsvoll. Allerdings ist Musaro durch seine Tätigkeit im sozialistischen Kuba mit schwierigen Situationen für die Kirche vertraut. Bevor der Süditaliener 2011 den Posten in Havanna antrat, war er Nuntius in Panama, auf Madagaskar, in Guatemala und seit 2009 in Peru.
   Zu seinen Aufgaben in Kairo dürfte gehören, den seit 2011 unterbrochenen regelmäßigen Dialog zwischen dem Vatikan und der Kairoer Al-Azhar-Universität neu zu beleben. Im vergangenen Jahr gab es deutliche Anzeichen dafür, dass die muslimische Seite an einer Wiederanknüpfung der Kontakte interessiert ist. Rv150205

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Kurienkardinal: „Recht und Barmherzigkeit gehören zusammen“
Kardinal Coccopalmerio
(Bildmitte) bei der Bischofssynode

   Im Recht gibt es Fälle, auf die Gesetze nicht anwendbar sind. Das sagt Kardinal Francesco Coccopalmerio, Leiter des Vatikanischen Justizministeriums, im Interview mit Radio Vatikan. Der Verantwortliche für die Gesetzestexte war gefragt worden, wie das große Thema des Pontifikates, die Barmherzigkeit, mit der Frage nach Recht und Gerechtigkeit zusammen passe.  Dass die Barmherzigkeit im Gegensatz zum Recht gesehen oder interpretiert werde, sei falsch, so der Präsident des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte. „Recht und Spiritualität gehören zusammen“.
   In einer Morgenpredigt vor einiger Zeit hatte der Papst gesagt, wo es keine Barmherzigkeit gibt, gebe es auch keine Gerechtigkeit. „Gerechtigkeit üben ist im Grunde genommen ein Handeln aus Liebe“, so Coccopalmerio. „Es bedeutet, auf andere zu antworten. Wir haben andere Menschen vor uns, die etwas brauchen. Ihnen zu begegnen und auf sie einzugehen, das ist Gerechtigkeit.“ Man könne nicht die Liebe von der Gerechtigkeit trennen oder die Gerechtigkeit von der Liebe.
Barmherzigkeit gegenüber dem Sünder
   Barmherzig mit dem Sünder zu sein bedeute aber nicht, die Sünde zu akzeptieren, erläutert Coccopalmerio. Das sei auch Jesus schon vorgeworfen worden, stimme aber nicht. „Im Gegenteil, schauen wir auf die Ehebrecherin im Evangelium oder die Sünderin, die Jesus die Füße wäscht - da sagt Jesus ihnen, nicht mehr zu sündigen. Aber der Blick Jesu geht nicht sofort auf die Sünde und die Verurteilung, sondern auf den Menschen.“ Das Sprechen von der Barmherzigkeit höhle das Verständnis von Fehler und Sünde nicht aus: „Wir müssen sagen, dass es keine Rechtfertigung dessen gibt, was negativ ist. Es geht einzig darum, einen Menschen anzunehmen, der unser Verständnis braucht.
Recht und Gesetz nicht immer anwendbar: Jurist muss auf Ausnahmefälle Rücksicht nehmen
   Recht und Gesetz würden Verhalten vorschreiben, könnten aber niemals alle möglichen Fälle berücksichtigen, so der päpstliche „Justizminister“ weiter. Sie seien Ausdruck der Liebe, aber notwendigerweise generalisiert. „Manchmal muss man vom Recht absehen, weil der Mensch von uns etwas braucht, was das Gesetz nicht vorhersehen konnte.“ Ein wirklicher Jurist sei nicht jemand, der in jedem Fall das tue, was das Recht vorschreibe, sondern derjenige, der wisse, dass es Fälle außerhalb der Norm gebe, in denen das Gesetz keine Gültigkeit habe. „Er muss dann einen Sprung außerhalb des Gesetzes machen und sich fragen, was in diesem Augenblick das ist, was er für diese konkrete Person tun muss. Ein solcher Jurist ist einer, der das Recht weise anwendet.“
Bischofssynode zu Ehe und Familie muss auf Barmherzigkeit basieren
   Die Frage nach Recht und Barmherzigkeit stellt sich besonders dringlich mit Blick auf den Synodalen Prozess zu Ehe und Familie, den Papst Franziskus eingeleitet hatte; eine Versammlung der Bischofssynode hat sich im vergangenen Oktober bereits damit befasst. Die Synode sei aber nicht zusammengetreten, um die Lehre der Kirche zum Thema Familie auf abstrakte Weise zu formulieren, so Kardinal Coccopalmerio. „Bei der Synode geht es um etwas anderes. Es geht darum, auf konkrete Bedürfnisse und konkrete Fragen zu antworten, die aus der Kirche und der Welt gestellt werden. Die Synode muss konkret werden, sie muss im Licht der Lehre solche Antworten geben. Der Papst hat als eines seiner Prinzipien des seelsorgerischen Leitens niemanden auszuschließen. Auch wenn jemand nicht so lebt, wie es unsere Lehre oder die Moral der Kirche vorsieht, muss die Synode diese Familien erreichen. Wir müssen uns fragen, was wir tun können, wie wir wirklich alle erreichen können. Ich denke, dass die Synode das bereits begonnen hat, dass es im Augenblick fortgesetzt wird und dass sie das sicherlich auch bei der Versammlung im Oktober tun wird.“ Rv150327ord

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Die Filialen - Kardinal Müller antwortet Kardinal Marx  Foto: Kurienkardinal Ludwig Müller

   Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller hat die deutschen Bischöfe zur Einheit mit Rom aufgerufen. Bischofskonferenzen seien weder Bischofsversammlungen im Sinne eines Konzils noch politische Organe, deren Vorsitzende darüber befänden, wer sie auf allgemeiner Ebene als Chef zu leiten habe, sagte der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation dem französischen Magazin „Famille Chretienne". Der Kurienkardinal äußerte sich mit Blick auf ein von mehreren Medien transportiertes Zitat von Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hatte während der jüngsten Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe in Hildesheim gesagt: „Wir sind keine Filialen von Rom."
    nationalen Bischofskonferenzen hätten „bei bestimmten Themen" durchaus eigene Befugnisset, räumte Müller ein. „Aber sie bilden kein Nebenlehramt zum kirchlichen Lehramt, ohne den Papst und ohne die Gemeinschaft mit allen Bischöfen." Die Idee, etwa einzelne Aspekte zum Umgang mit den Themen Familie und Ehe in die Entscheidungsgewalt der Ortskirchen zu geben, nannte Müller „absolut antikatholisch".  RV150327ord

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Angela Merkel wird mit Papst über Themen der G7 sprechen
Bereits am 18. Mai 2013 trafen sich Angela Merkel und Papst Franziskus im Vatikan

   Bundeskanzlerin Angela Merkel will bei ihrer Audienz im Vatikan mit Papst Franziskus am 21. Februar 2015 unter anderem über die Schwerpunktthemen der deutschen G7-Präsidentschaft sprechen. Sie gehe davon aus, dass der Papst an den Themen Armutsbekämpfung, Klimaschutz und Gesundheit sehr interessiert sei, erklärte sie in ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast. Bei der Audienz handelt es sich bereits um die zweite Begegnung der deutschen Regierungschefin mit dem Papst. Die erste Audienz im Mai 2013, bei der unter anderem die Finanzkrise ein Thema war, hatte mit 50 Minuten ungewöhnlich lange gedauert.
   In dem Podcast bekundet Merkel Verständnis für die Kritik des Papstes an der europäischen Flüchtlingspolitik und bezeichnet die Situation als „sehr unbefriedigend“. Ebenso gibt sie Franziskus mit seiner Warnung Recht, dass der Glaube nicht allein zu einer „Kulturangelegenheit“ erklärt werden dürfe. Es gehe nicht darum, so die Bundeskanzlerin, „dass wir irgendeine kulturelle Schilderung geben, sondern Glauben betrifft ja jeden einzelnen Menschen“. Für sie als evangelische Christin sei der Glaube „in der Frage der eigenen Lebensführung eine wichtige Sache“. Gott gebe ihr Orientierung, Halt und auch Zutrauen, erklärte Merkel. Rv150214ord

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Angela Merkel zu Gast bei Papst Franziskus
   Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ist im Vatikan mit Papst Franziskus zusammengetroffen. Die Begegnung dauerte rund 40 Minuten und war thematisch dicht, wie die Kanzlerin im Anschluss vor Journalisten in einem kurzen Statement sagte.  Sie habe dem Kirchenoberhaupt die Vorhaben der deutschen G7-Präsidentschaft vorgestellt, was der wesentliche Zweck ihres Besuchs gewesen sei.  „Natürlich hat es mich gefreut, dass die Agenda, die wir in den Mittelpunkt stellen, auch die Themen umfasst, die gerade auch für Papst Franziskus und die katholische Kirche von Bedeutung sind, hier geht es vor allem um das Thema der Armutsbekämpfung.“
   So habe Deutschland einen Schwerpunkt seiner G7-Präsidentschaft im Gesundheitsbereich gelegt, erklärte Merkel und nannte ein Beispiel: „Wir konnten jetzt, darüber konnte ich dem Papst berichten, bereits die Mittel für die internationale Impfallianz so weit aufstocken, dass in den nächsten Jahren 300 Millionen Kinder insbesondere in Afrika geimpft werden können und dies ist ein Beitrag dazu, dass Kinder gesund aufwachsen.“ Außerdem habe sie Papst Franziskus über den deutschen G7-Schwerpunkt Frauen ins Bild gesetzt, erklärte Merkel. Dabei gehe es um Selbstbestimmung, Selbständigkeit und berufliche Ausbildung von Frauen. „Die Rolle der Frauen gerade auch in Entwicklungsländern ist von besonderer Bedeutung, auch für die Zukunft der Familie, genauso haben wir aber auch noch viele Aufgaben zu lösen mit Blick auf die Gleichberechtigung von Frauen auch in den schon entwickelteren und Industrieländern.“
   Auch über die Millennium-Entwicklungsziele und die Klimaveränderung sprachen der Papst und die Kanzlerin. Gerade letzteres Thema sei für Deutschland von Bedeutung, weil die G7-Präsidentschaft helfen könne, die französische Gastgeberschaft in Paris bei der Klimakonferenz zu stärken, sagte Merkel. Abseits der G7-Agenda sprachen Franziskus und die deutsche Regierungschefin auch über die Krise in der Ukraine, bestätigte Merkel. Die Kanzlerin war aus Paris angereist, wo sie unter anderem über dieses Thema mit Präsident Francois Hollande gesprochen hatte.
   „Insgesamt war es mir eine sehr große Freude, dem Papst die Dinge vortragen zu können, und wie nicht anders zu erwarten, war es ein sehr bereicherndes Gespräch, und es macht uns auch Mut, in der deutschen Präsidentschaft entschieden und entschlossen nach konkreten Ergebnissen zu suchen und sie auch umzusetzen.“
   Einer Note aus dem vatikanischen Pressesaal zufolge ging es auch um Menschenhandel, Menschenrechte und „Religionsfreiheit in einigen Teilen der Welt“, wobei die Gesprächspartner an die Bedeutung spiritueller Werte für den sozialen Zusammenhalt erinnert hätten.
   Im Anschluss an die Begegnung mit Franziskus sprach Angela Merkel mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und dem vatikanischen „Außenminister“ Paul Richard Gallagher. Besprochen wurden laut Regierungssprecher Themen wie die Reichtumsverteilung der Welt und die Situation der Kirche in China. Danach fuhr sie in den römischen Stadtteil Trastevere zu einem Besuch bei der katholischen Basisgemeinschaft von Sant´Egidio, die unter anderem für ihre effiziente Friedensarbeit in Krisenländern bekannt ist.
   Als Geschenk überreichte die deutsche Kanzlerin dem Papst eine CD-Sammlung mit Werken des protestantischen Komponisten Johann Sebastian Bach. Außerdem überbrachte sie eine Geldspende der Bundesregierung für Flüchtlingskinder in Jordanien. Franziskus bedankte sich auf Deutsch.
    Er schenkte der Kanzlerin eine Medaille mit dem Bildnis des Heiligen Martin. Diese Medaille verschenke er gern an Regierungschefs, so der Papst, weil der ausgebreitete Mantel des Heiligen sie an die Schutzfunktion für ihre Völker erinnere. Darauf sagte Merkel: „Wir werden versuchen, unser Bestes zu geben." Zudem überreichte Franziskus der Kanzlerin eine deutsche Ausgabe seines Apostolischen Schreibens „Evangelii gaudium", das er allen Politikern in Privataudienz schenkt.
   Es war das zweite Mal, dass Merkel mit Papst Franziskus persönlich zusammentraf. Bereits im Mai 2013 war sie von Franziskus zu einer Privataudienz im Vatikan empfangen worden. Im März 2013 hatte sie an der Messe zu seinem Amtsbeginn auf dem Petersplatz teilgenommen.
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Nach der Privataudienz bei Papst Franziskus ist Angela Merkel zu Sant’Egidio gefahren. Es unterstreicht die Bedeutung, die sie der Verbindung von Religion und Frieden zumisst.
   Schon der Ort ist wie eine Überschrift: Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren öffentlichen Auftritt in Rom bei Sant’Egidio macht, unterstreicht die Bedeutung, die sie der Verbindung von Religion und Frieden zumisst. Das ist heute nicht selbstverständlich, Religion findet leider auch beim Gegenteil, bei Terror und Krieg, seinen Platz. Umso wichtiger ist die deutliche Aussage der Kanzlerin durch die Auswahl des Ortes. Deutlich macht das auch die Tatsache, dass sie überhaupt nach Rom gekommen ist. Bei dem Terminplan der vergangenen Wochen.
   Das zeigt unter anderem auch, dass die vatikanische Diplomatie zurück ist auf dem internationalen Parkett. Kuba und die USA fallen als erstes ein, hier hat Papst Franziskus persönlich vermittelt. Der Papst hat es auch geschafft, Vertreter Israels und Palästinas zusammen zu bringen, in den Vatikanischen Gärten nach seinem Besuch im Heiligen Land. Oder nehmen wir die Wortmeldungen des Ständigen Vertreters des Vatikan bei der UNO: Unmissverständliche Äußerungen zu den Rechten der Ärmsten, zur Verantwortung der Staaten gegenüber Flüchtlingen etc. Aus diplomatischen Kreisen hier um den Vatikan hört man immer wieder, dass das ernst genommen wird, was der Vatikan sagt.
   Papst Franziskus spricht mit einer moralischen, menschlichen und authentischen Stimme, die im politischen Raum nicht verhallt. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht während der G7 Präsidentschaft zum Papst gekommen wäre, wäre es niemandem aufgefallen. Aber es ist ihr wichtig, sonst wäre sie nicht hier. Wie gesagt: Eine Selbstverständlichkeit ist der Besuch nicht, sondern ein deutliches Zeichen.
   Erst im Juni vergangenen Jahres war aus der Gruppe der wirtschaftsstärksten Industriestaaten der Welt G8 die Gruppe der Sieben (G7) geworden, eine Mehrheit der dort vertretenen Staaten hatte sich entschlossen, ohne Russland zu tagen, weil dieses die Souveränität eines Landes verletzt habe, der Ukraine. Damals – im Juni 2014 – hatte Deutschland auch verfrüht die Präsidentschaft der G7 übernommen, die eigentlich erst an Russland hätte gehen sollen. Auch die Aktivitäten der Kanzlerin in den vergangenen Tagen legen noch einmal besonderes Gewicht auf das Thema Frieden. Die Themen der Unterredung dürften also offensichtlich sein, auch wenn sie von der Kanzlerin nicht direkt ausgesprochen worden wären. Die Vertreterin der wichtigsten Industriestaaten spricht auch mit einem wichtigen Vertretern von Religion über Frieden und Verantwortung.
   Der Vatikan übernimmt seine Verantwortung auf internationaler Bühne - leise und zurückhaltend - und die Vertreterin Deutschlands und der wichtigsten Industriestaaten respektiert das und bezieht ihn in ihre Beratungen ein. Jetzt hoffen wir alle, dass das auch Wirkung zeigen wird in der Politik und im Sichern von Frieden, bei der Solidarität mit Flüchtlingen und beim Umweltschutz.  Bundeskanzlerin Merkel hat gezeigt, wie wichtig ihr das alles ist. Hoffentlich folgen noch viele weitere.
Aus der Zentrale von Sant'Egidio in Rom Pater Bernd Hagenkord für Radio Vatikan.Rv151021ord

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Angela Merkel hat den Papst nach Deutschland eingeladen
   Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Papst Franziskus zu einem Besuch nach Deutschland eingeladen. Nach der Audienz hatten deutsche Medien von der Einladung berichtet, gegenüber Radio Vatikan bestätigte an diesem Vatikansprecher Pater Federico Lombardi die Einladung. Direkt nach der Begegnung hatte Regierungssprecher Seibert eine Antwort auf die Frage nach einer Einladung noch offen gelassen.
   Es sei nicht üblich, dass der Vatikan solche Einladungen bekannt gebe, deswegen habe die Pressemeldung des Heiligen Stuhls zunächst davon auch nichts gesagt, so Lombardi. Aber eine Einladung sei grundsätzlich ausgesprochen worden, so Lombardi. Rv150222ord 

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Der Papst und die Kanzlerin in geheimer Mission              Foto: St.Egidio, Rom
In Rom legen Angela Merkel und Franziskus den Grundstein für eine neue Friedensinitiative für die Ukraine

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   Sie lächelt ihn an, sie scherzen, sie schütteln einander die Hände. Sie sehen aus, als könnten sie sich gar nicht trennen. Dann ziehen sie sich zurück. Gute 45 Minuten dauert die Privataudienz der Bundeskanzlerin beim Papst. Nur ein Übersetzer ist dabei. Und doch sickert eine Botschaft durch: Angela Merkel und Papst Franziskus haben in dieser Zeit den Grundstein für eine neue Friedensinitiative in der Ukraine gelegt.
   In der prächtigen Kulisse der Privatbibliothek des Apostolischen Palastes sprechen die beiden über die G-7- Präsidentschaft Deutschlands und die Themen, die beim Gipfel im Juni in Bayern auf der Agenda stehen: der Kampf gegen die Armut, Gleichberechtigung der Frau, Klimaschutz. Sie sprechen bei dieser zweiten Begegnung miteinander aber auch über den Krieg in der Ukraine. Offiziell dringt außer Formeln, dass eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts wichtig sei, nichts aus dem Saal.
   Hinter den vermeintlichen Floskeln aber verbirgt sich ein diplomatischer Coup. Und eine außerordentlich geschickte Terminplanung im Vatikan.
   Seit Herbst 2014 stand der Termin fest: Am Freitag, 20. Februar, sollte die ukrainische Bischofskonferenz zum Ad- limina-Besuch nach Rom reisen. Eine Routineangelegenheit, die Bischöfe müssen in regelmäßigen Abständen dem Papst berichten. Doch in der Ukraine herrscht Krieg, und nichts ist Routine, der Besuch verspricht eine enorme Brisanz. Der Vatikan diskutiert: Ideal wäre es, wenn zur gleichen Zeit auch ein einflussreicher Politiker käme, der den Konflikt kennt und aktiv an seiner Beilegung arbeitet. Dann könnte der Papst mit den Bischöfen beraten, sich danach mit dem Politiker absprechen und dann wiederum die Bischöfe vor ihrer Abreise in die Ukraine genau darüber instruieren, wie weiter vorzugehen ist. Der Gedanke, dass Merkel die richtige Person sein könnte, ist den Papst-Beratern früh gekommen.
   Aus Sicht der Politik bietet sich in Rom eine einzigartige Gelegenheit. Nirgendwo auf der Welt gibt es eine so große ehemals orthodoxe Kirche, die sich abgespalten hat und jetzt den Papst unterstützt, wie in der Ukraine. Die dortige griechisch-katholische Kirche könnte eine Schlüsselrolle im Konflikt spielen.
   Noch einer wird deshalb ins Team geholt: Erzbischof Mieczyslaw Mokrzycki  Foto unten im ukrainischen Lemberg, ehemaliger Sekretär von Papst Johannes Paul II. und eine absolute Autorität in osteuropäischen Kirchenfragen. Er soll das Treffen in Rom vorbereiten, denn der Argentinier Franziskus weiß wenig über die Gräben zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und der unierten Kirche der Ukraine. Erzbischof Mokrzycki aber war dabei, als dem „polnischen Papst" ein erster Brückenschlag zur orthodoxen Kirche seit der Kirchentrennung im Jahr 1054 gelang. 1999 war Johannes Paul II. als erster Papst der Geschichte in ein orthodoxes Land des ehemaligen sowjetischen Einflussbereiches gereist, nach Rumänien. Er erinnerte die Orthodoxen daran, dass sie genauso wie die Katholiken unter der Diktatur der Sowjets Hunderttausende Gläubige durch Mord und Folter verloren hatten. Das verband.
   Papst Franziskus bittet Mokrzycki nun also, möglichst unauffällig nach Rom zu kommen. Vor allem die Kritiker des Papstes sollen glauben, dass es ein reiner Zufall ist, wenn sowohl die ukrainischen Bischöfe als auch der polnische Erzbischof und die deutsche Bundeskanzlerin gleichzeitig in Rom sind.
   Für den Papst gibt es nur ein echtes Problem: Die Kirche darf und will sich nicht offen in Politik einmischen. Er braucht eine Möglichkeit, den Vatikan offiziell aus der Sache herauszuhalten. Diese Möglichkeit bietet sich in einem kleinen Kloster im Stadtteil Trastevere. Dort hat die Gesellschaft des Heiligen Ägidius ihren Sitz. Offiziell ist sie nichts weiter als eine Art Hilfsverein für Arme und Bedürftige in Rom. Inoffiziell ist sie der Arm der Geheimdiplomatie des Vatikans. Ihre Spezialität: Vermittlung zwischen kämpfenden Parteien, insbesondere in Bürgerkriegen. Der Friedensschluss für Mosambik etwa wurde 1992 hier unterzeichnet.
   „Zufällig" findet der Empfang für die Kanzlerin nun in den Räumen von St. Ägidius statt. Dies unterstreiche die Bedeutung, die Merkel der Verbindung von Religion und Frieden zumesse, kommentiert Radio Vatikan. In Wirklichkeit ist es der Auftakt zu einer Offensive, die den Krieg von Christen gegen Christen in Osteuropa beenden soll. Für den Vatikan hat der geheime Schachzug den gleichen Vorteil wie für die Kanzlerin: Sollte er fehlschlagen, haben sie nie etwas damit zu tun gehabt. HAZ150224FabrizioTedeschiAnnetteReuther 

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 Rede von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel anlässlich des Empfangs im Kloster Sant’Egidio, Rom, am 21. 02..2015

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Sehr geehrter Herr Professor Impagliazzo, sehr geehrter Herr Professor Riccardi,
Eminenzen, Exzellenzen, sehr geehrte Frau Botschafterin, liebe Annette, sehr geehrte Damen und Herren,

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   ich freue mich, hier im Friedenssaal bei Sant'Egidio zu sein. Wir haben uns schon in München getroffen, aber hier vor Ort zu sein, ist ein ganz besonderes Gefühl. Ich möchte mich dafür bedanken, dass dieser Empfang hier an diesem Ort stattfinden kann. Europa gedenkt in diesem Jahr des 70. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs. Deutschland hat in der Zeit des Nationalsozialismus schreckliche Schuld auf sich geladen. Ich will an den Holocaust erinnern und an die Verantwortung, die uns daraus erwachsen ist.
   Wir haben in weiten Teilen Europas gezeigt, dass nach Jahrhunderten zahlreicher Kriege ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Das sollte uns gerade auch in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union Kraft verleihen, für Frieden auch weltweit einzutreten, so wie Sie in Ihrer Gemeinschaft die Friedensbotschaft an vielen Orten der Welt nicht nur verkünden, sondern auch leben. Wenn wir daran denken, dass hier an diesem Ort Versöhnungsgesten möglich wurden, dann wird uns auch bewusst, dass man, wenn man einen langen Atem hat, auch Rückschläge verkraften und neue Brücken errichten kann.
   Wir sehen uns derzeit konfrontiert mit einer aggressiven Auseinandersetzung in der Ukraine, die von Russland ausgeht. Die Ukraine kann ihren Anspruch auf territoriale Integrität nicht verwirklichen. Aber wir alle in Europa wissen, dass die Achtung der territorialen Integrität wesentliche Grundlage für ein friedliches Zusammenleben ist. Wer sich einmal mit den verschiedenen Kongressen in der europäischen Geschichte befasst hat, weiß, dass nur dann, wenn die territoriale Integrität geachtet wird, ein friedliches Zusammenleben möglich sein kann. Dieses Prinzip wurde durch Russland verletzt. Wir werden alles tun, um eine diplomatische Lösung dieses Konflikts herbeizuführen. Aber wir haben auch erlebt, dass wir Maßnahmen ergreifen müssen, wie z.B. Sanktionen, um deutlich zu machen, dass wir so etwas nicht einfach hinnehmen, sondern reagieren.
   Es ist nicht immer einfach, in den Gesellschaften zu erklären, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist und dass man Aggressionen auch beim Namen nennen muss. Denn Europa hat sich in all den Jahren des friedlichen Zusammenlebens daran gewöhnt, dass Frieden und Freiheit etwas scheinbar Selbstverständliches sind. Wir müssen aber lernen, dass dafür immer wieder gekämpft werden muss.
    Der Blick auch über Europa hinaus auf die Welt zeigt uns das sehr schnell. Wir erleben in diesem 21. Jahrhundert, dass wir die Augen vor Konflikten nicht verschließen dürfen. Jedes Problem, das wir nicht zu lösen helfen, wird auch ein Problem für uns. Wir sehen das im Augenblick auch an den Migrationsströmen. Deshalb werden wir auch in den nächsten Jahrzehnten sehr viel zu tun haben, um mit Mut und Zuversicht die Aufgaben anzugehen, Menschen aus Armut zu befreien, Menschen aus Kriegen zu befreien, Kindern eine gute Zukunft zu ermöglichen.
   Ich bin sehr froh, dass ich heute die Gelegenheit hatte, Papst Franziskus unsere Agenda für die G7- Präsidentschaft, die Deutschland in diesem Jahr innehat, darlegen zu können, die sehr viel mit diesen Themen zu tun hat: Bekämpfung von Armut, Bekämpfung von Korruption, auch der Versuch, einen Beitrag zum Frieden auf der Welt zu leisten, und – ein besonderer Punkt – auch die Rolle der Frauen beim Schaffen von Frieden, beim Gestalten von Zukunft. Die Rolle der Frauen ist ein Thema, das der Papst immer wieder in den Mittelpunkt gestellt hat, weil Frauen eine ganz besondere Verbindung zu Familien und damit auch zur Zukunft des Zusammenlebens haben.
   Es gibt also eine ganze Reihe an Überschneidungen von Dingen, die uns wichtig sind. Ich persönlich habe die Rede des Papstes im Europäischen Parlament sehr geschätzt, in der er betont hat, dass Europa aufpassen muss, wenn es Dynamik ausstrahlen will. Großmütter sind zwar wunderbare Frauen, aber trotzdem beleben unseren Kontinent nicht nur Großmütter, sondern auch Kinder, Jugendliche und tatkräftige Menschen. Weisheit ist gut, aber nicht das einzige. Deshalb, Professor Riccardi und werte Mitstreiter bei Sant'Egidio, vielen Dank dafür, dass wir hier sein können an einem Ort, an dem, inspiriert von der christlichen Botschaft, Mut und Kraft gelebt werden, an dem Sie nicht die Augen verschließen, Trübsal blasen oder nicht anpacken, sondern sagen: Probleme können gelöst werden, Menschen haben Verantwortung. Ihre Freiheit ist nicht eine Freiheit von etwas, sondern eine Freiheit zu etwas. Sie nutzen die menschliche Freiheit dazu, diese Welt besser zu machen. Herzlichen Dank dafür. Herzlichen Dank, dass wir hier sein können. Sant’Egidio-Roma

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   Bei ihrem kurzen Aufenthalt in Rom besuchte Angela Merkel nach der Audienz bei Papst Franziskus im Vatikan die Gemeinschaft Sant'Egidio. Die deutsche Kanzlerin, die bereits im Jahr 2011 am von Sant'Egidio organisierten Internationalen Friedenstreffen in München teilgenommen hatte, kam zum Sitz der Gemeinschaft im Herzen Trasteveres und blieb über eine Stunde. Bei einem Gespräch mit dem Gründer von Sant'Egidio, Andrea Riccardi, wurde über dringliche internationale Themen gesprochen, über die Integration der eingewanderten "neuen Europäer" und über die verzweifelten Reisen zu unserem Kontinent, die immer höhere Opferzahlen fordern. Riccardi drückte die große Sorge der Gemeinschaft angesichts dieses Notstands aus und berichtete über Geschichten von Kriegsflüchtlingen, die die Kanzlerin als "schrecklich" und "unerträglich" bezeichnete.
   Im "Saal des Friedens", in dem es Sant'Egidio 1992 gelang, eine Übereinkunft zwischen den beiden mosambikanischen Kriegsparteien zu erzielen, wandte sich der Präsident der Gemeinschaft, Marco Impagliazzo, in einem Grußwort an Merkel: "Die Menschen sehnen sich am meisten nach Frieden. Für uns Europäer ist der Friede ein Grundpfeiler unserer Einigung. Wir haben zu sehr durch Krieg gelitten und Leid zugefügt. Deshalb engagieren wir uns als Europäer und als Christen für den Aufbau des Friedens. Heute steht Europa vor einer Herausforderung: dem friedlichen Zusammenzuleben. Hier ist eine kulturelle und humane Aufklärung notwendig, um Misstrauen, Vorurteile und Spaltungen zu überwinden."
   Am gleichen Ort sprach die Kanzlerin in ihrer Erwiderung von den Mitgliedern der Gemeinschaft als "Menschen mit Mut zum Frieden". Sie wies Europa darauf hin, dass "der Friede nicht selbstverständlich" sei und lud die Länder der Europäischen Union ein, sich "für die Verbreitung des Friedens in der Welt einzusetzen, wie es Sant'Egidio tut, das sein Zeugnis an viele Orte der Welt bringt, indem es nicht nur vom Frieden spricht, sondern ihn lebt: Ich denke an die vielen Gesten der Versöhnung, die Sie möglich gemacht und die Brücken, die Sie gebaut haben."
   Sie forderte eine diplomatische Lösung für den Krieg in der Ukraine und mahnte, man solle "nicht die Augen vor den Konflikten in der Welt verschließen, denn die Probleme, die wir nicht direkt zu lösen vermögen, können künftig auch zum Problem für uns werden." Angesichts der Migrationsbewegungen rief sie zur Verantwortung auf: "Wir müssen uns einsetzen und den Mut und das Vertrauen haben, die Aufgabe auf uns zu nehmen, die Menschen von Armut und Krieg zu befreien und den Kindern zu helfen." Schließlich dankte sie der Gemeinschaft für die Begegnung: "Wir konnten an diesem Ort sein, an dem man Kraft und Mut bekommt, inspiriert durch christliche Wurzeln, wo man nicht die Augen verschließt, wo die Probleme angegangen werden und die Menschen die Verantwortung für ihren eigenen Beitrag übernehmen. Sie denken langfristig und haben die Freiheit nicht von etwas, sondern für etwas. Und Sie nutzen diese menschliche Freiheit, um die Welt zu verändern."
Zum Schluss stellte sich Angela Merkel noch für ein Erinnerungsfoto mit den Mitarbeitern der "Trattoria degli Amici" (Trattoria der Freunde) an der Piazza Sant'Egidio auf. In dem von der Gemeinschaft betriebenen Restaurant arbeiten mehrere Menschen mit Behinderung.   Sant’Egidio-Roma

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Franziskus und Benedikt solidarisch mit Ukraine

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Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk der mit Rom unierten griechisch-katholischen Kirche der Ukraine

  Gleich zwei Päpste haben ihre Solidarität mit der Ukraine ausgesprochen: das Oberhaupt der mit Rom unierten griechisch-katholischen Kirche der Ukraine, Swjatoslaw Schewtschuk, gab bekannt, dass erstmals während eines Ad Limina-Besuchs eine Delegation nicht nur beim amtierenden Papst Franziskus, sondern auch beim emeritierten Papst Benedikt XVI. zu Besuch war. Beide Päpste stünden den Ukrainern in der gegenwärtigen Situation nahe, so der Großerzbischof von Kiew und Halytsch bei einer Pressekonferenz bei Radio Vatikan. Schewtschuk ging auch auf die „kritischen Stimmen“ aus der Ukraine ein, die dem Heiligen Stuhl im Konflikt Ukraine-Russland eine zu große Nähe zu Moskau vorwerfen.
   „Es gab vatikanische Stellungnahmen, die uns in der Ukraine an die russische Propaganda erinnern. Beispielsweise hat es uns sehr verletzt, als es aus dem Vatikan hieß, es handele sich um einen ,Krieg zwischen Brüdern´, das klingt nämlich in unseren Ohren so, als sei es einfach ein Bürgerkrieg zwischen Ukrainern. Ich habe dem Papst und dem vatikanischen Staatssekretariat versucht zu erklären, was wirklich in jener Region unseres Landes geschieht. Ich habe dem Heiligen Vater gesagt, wie auch ein falsch verstandenes Wort viele Ukrainer verletzen oder entmutigen kann.“
   Von Seiten des Papstes habe er jedoch viel Ermutigung bekommen, so Schewtschuk weiter. Franziskus habe ihm versichert, dass der Vatikan alles unternehmen werde, um den Frieden zu erwirken. Ob dies in Zusammenarbeit mit dem orthodoxen Patriarchat in Moskau geschehen könne, bezweifle er, sagte das Oberhaupt der griechisch- katholische Kirche.
   „Denn wenn die Hirten nicht mehr die Stimme ihrer Schafe hören können – und in der Ukraine leben sehr viele Orthodoxe des Moskauer Patriarchats – dann wird alles sehr schwierig. Wenn eine kirchliche Hierarchie sich komplett auf die Seite eines Regimes stellen, das sich gegen das eigene Volk richtet, dann verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit. Wir Kirchenvertreter aller Konfessionen in der Ukraine versuchen alles, damit es zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts kommen kann.“
   Auf den Terroranschlag in der ostukrainischen Stadt Charkiw ging Schewtschuk direkt nicht ein. Bei einem Erinnerungsmarsch für das einjährige Jubiläum des Maidan-Aufstandes in Kiew sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Gleichzeitig fand in Moskau ein Anti-Maidan-Marsch statt, in der sich die Protestierenden gegen die „Werte des Aufstandes“ vor einem Jahr richteten.
   „Wir dürfen auch nicht die Folgen des Maidans vergessen: danach folgte die unrechtmäßige Annektierung der Krim. Während in den von den Terroristen kontrollierten Gebiete im Donbass überhaupt keine Religionsfreiheit herrscht, gilt nun auf der Krim die russische Regelung der Registrierung. Die griechisch-katholische Kirche hat schon dreimal versucht, sich registrieren zu lassen, aber bisher erfolglos. In der Region um Donezk, wo schon seit jeher viele Juden wohnten, mussten sehr viele fliehen, weil die Terroristen eine Sondersteuer von ihnen verlangten sowie eine Zwangsregistrierung als Juden.“ Das wecke bei ihm böse Erinnerungen, sagte Schewtschuk.
   Die ukrainischen Bischöfe waren in der vergangenen Woche turnusgemäß zu ihrem sogenannten Ad-limina- Besuch in den Vatikan gereist, um dem Papst und seinen Mitarbeitern über die Lage in ihren Ortskirchen zu berichten. rv150223mg

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Vatikan schickt Kardinal Tauran an die Elfenbeinküste

   Der Präsident des Dialogrates Kardinal Jean-Louis Tauran und neu-ernannter Camerlengo des Vatikans reist an diesem Freitag gemeinsam mit einer Delegation an die Elfenbeinküste. Bei der viertägigen Reise wird er eine vatikanische Delegation anführen, die an das 110-jährigen Jubiläum der Evangelisierung der Diözese von Korhogo teilnehmen soll. Ein weiteres Ziel dieser Reise sei es, laut der vatikanischen Pressestelle, den interreligiösen Dialog in dem westafrikanischen Land zu fördern und ihm einen „größeren Schwung“ zu verleihen - ganz im „Zeichen des Respekts“ den Papst Franziskus wünscht.
   Vorgesehen seien Gespräche mit Vertretern des Islams sowie traditioneller einheimischer Religionen. Zum Abschluss des Besuchs ist am Dienstag in der Hauptstadt Abidjan eine persönliche Begegnung mit Präsident Alassane Ouattara geplant. Rv150313

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Vatikan und Kuweit unterzeichnen Memorandum Foto: Franziskus mit dem Staatsgast von der arabischen Halbinsel

   Kuweit braucht eine Kultur des Respekts und des friedlichen Zusammenlebens. Das betonte Papst Franziskus bei den Gesprächen mit Kuweits Regierungschef Scheich Jaber Mubarak al-Hamad al-Sabah am Donnerstag, wie der Vatikan im Anschluss an die Audienz mitteilte. Bei der Begegnung im Vatikan wurde auch ein Memorandum über die „politische und kulturelle Festlegung gegenseitiger Zusammenarbeit“ unterfertigt. Der Premierminister des auf der arabischen Halbinsel gelegenen Staates würdigte die Rolle der christlichen Minderheit in seinem Land. Ein wichtiger Beitrag für die Zukunft könne die Bildung sein, so eine gemeinsame Mitteilung des Vatikans und Kuweits.
Rv150910mg

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Papst Franziskus reist Ende November nach Afrika  Foto: Wieder auf Reisen: Papst Franziskus

Papst Franziskus reist vom 25. bis 30. November nach Afrika. Das hat der Vatikan am Donnerstag nun auch offiziell bestätigt. Die Bischofskonferenzen der besuchten Länder hatten die Termine bereits bekannt gegeben. Nach Auskunft des Vatikan besucht der Papst vom 25. bis 27. November Kenia, vom 27. bis 29. November Uganda und vom 29. bis 30. November die Zentralafrikanische Republik. Das Programm der Reise wird demnächst bekanntgegeben, wie der Vatikan mitteilte. Rv150910

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Der Vatikan bestätigt den Besuch des Papstes in drei afrikanischen Ländern
Papst Franziskus wird im November 2015 Kenia, Uganda und die Zentralafrikanische Republick besuchen

   Es wird der erste Besuch von Papst Franziskus auf diesem Kontinent sein. “Auf Einladung der Staatspräsidenten, sowie auch der dortigen Bischöfe unternimmt Franziskus diese Apostolische Reise nach Kenia vom 25.–27. November, nach Uganda vom 27.-29. November und in die Zentralafrikanische Republik vom 29. -30. November 20152, verlautet aus dem Vatikan. Das Programm wird “zu gegebener Zeit” veröffentlicht werden.
  Die gepalante Reise des Papstes nach Kuba und den USA wird Ende September 2015 durchgeführt. Franziskus besucht Kuba vom 19.-22. September und die USA vom 22.-27. September 2015.
CH150910staff

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 Gänswein: Benedikt XVI. geht es gut  Foto: Benedikt im Konsistorium mit den neuen Kardinälen

   Benedikt XVI. geht es laut Erzbischof Georg Gänswein zwei Jahre nach seinem Rücktritt dem Alter entsprechend gut. Über den Gesundheitszustand des emeritierten Papstes würden oft böswillige Gerüchte verbreitet, sagte Gänswein in einem Interview der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera". Demgegenüber stellte der Privatsekretär des emeritierten Papstes klar: „Benedikt XVI. ist ein Mann von beinahe 88 Jahren, und wie es normal ist für sein Alter, hat er gelegentlich Probleme mit den Beinen. Das ist alles". Sein Kopf funktioniere noch hervorragend, sein Gedächtnis sei ausgezeichnet. In letzter Zeit spiele Benedikt XVI. auch wieder verstärkt Klavier, vor allem Stücke von Mozart. Benedikt XVI. hatte sich nach seinem Rücktritt im Februar 2013 in ein umgebautes Kloster in den vatikanischen Gärten zurückgezogen. Gänswein ist als Präfekt des Päpstlichen Hauses auch für Papst Franziskus tätig. Benedikt XVI. hat nach Gänsweins Angaben einen fest geregelten Tagesablauf: Er beginnt seinen Tag demnach um 7.45 Uhr mit einer Messe. Nach einem kurzen Frühstück verbringt er den Vormittag mit Gebet, Lesen, Studium sowie mit Erledigung der Korrespondenz.  „Gelegentlich"  empfängt er auch Gäste. Gegen 13.30 Uhr nimmt er üblicherweise mit Gänswein das Mittagessen ein. Anschließend geht er ein paar Schritte auf der Terrasse des umgebauten Klosters „Mater Ecclesiae". Um 16.15 Uhr begibt sich der emeritierte Papst dann zur Lourdes-Grotte in den vatikanischen Gärten, wo er den Rosenkranz betet. Anschließend widmet er sich entweder weiter dem Gebet oder dem Studium. Um 19.30 Uhr folgt das Abendessen. Danach sieht er sich die Nachrichten im italienischen Fernsehen an. Nach einem Gebet in seiner Kapelle geht der ehemalige Papst schlafen. DT150214

fr-150-Blindenführhund-zz Papst ermutigt blinde und sehbehinderte Menschen

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Pontifex ermutigt blinde und sehbehinderte Menschen

    Papst Franziskus hat blinde und sehbehinderte Menschen ermutigt, sich stärker in die Gesellschaft einzubringen. Sie dürften nicht vor dem Unverständnis, das ihnen bisweilen begegne, kapitulieren und in eine Opferhaltung verfallen, sagte er vor Vertretern der italienischen Vereinigung für Blinde und Sehbehinderte im Vatikan. Stattdessen müssten sie ihre Fähigkeiten entdecken und wertschätzen lernen, die Gott ihnen ebenso wie allen anderen Menschen verliehen habe. Menschen mit Behinderungen könnten der Gesellschaft besonders deutlich vor Augen führen, dass der Mensch nicht isoliert leben könne, sondern stets Hilfe und Begleitung brauche, sagte Franziskus weiter. Von ihnen gehe ein Aufruf an alle Menschen aus, Gemeinschaft zu sein und die eigenen Grenzen zu erkennen. Anlass der Audienz für Mitglieder des „Nationalen Rates der italienischen Vereinigung der Blinden und Sehbehinderten" war der Gedenktag der heiligen Lucia, den die katholische Kirche beging. Die sizilianische Heilige aus der Spätantike ist Patronin der Blinden. DT

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Begegnung mit 50.000 Messdienern aus Deutschland : „Gott will Menschen, die frei sind“
Foto:  Franziskus mit Jugendbischof Wiesemann und einer Gruppe Messdiener vor dem Petersdom

   Es war der Höhepunkt der Messdienerwallfahrt nach Rom: 50.000 Ministranten aus Deutschland und Österreich besuchten Papst Franziskus. In einer gemeinsamen gesungenen Vesper beteten die Gäste und der Papst gemeinsam, danach gab es eine katechetische Begegnung, in der dem Papst Fragen gestellt wurden. Eingerahmt von geistlichen Liedern und Texten feierten die Messdiener bei strahlendem Sonnenschein die Begegnung mit dem Papst.
   „Frei! Darum ist es erlaubt, Gutes zu tun“: Dieses Motto der Wallfahrt griff der Papst in seiner kurzen Predigt während der Vesper auf - übrigens das erste Mal, dass er auf Deutsch predigte. Er sprach über das Textstück aus dem Galaterbrief, das die Lesung in der Vesper war.
   „Gott macht uns klar, dass er der gute Vater ist. Und wie macht er das? Dadurch, dass er seinen Sohn Mensch werden lässt. An diesem konkreten Menschen Jesus können wir kapieren, was Gott eigentlich meint. Er will Menschen, die frei sind, weil sie sich als Kinder eines guten Vaters immer geborgen wissen.“
Dazu brauche Gott nur einen Menschen: Maria.
   „Er braucht eine Frau, eine Mutter, die seinen Sohn als Mensch zur Welt bringt. Das ist die Jungfrau Maria, die wir mit dieser Vesper heute Abend ehren. Sie war ganz frei. In ihrer Freiheit hat sie Ja gesagt. Sie hat für immer das Gute getan. So hat sie Gott und den Menschen gedient. Sie hat so Gott und den Menschen gedient. Halten wir uns ihr Beispiel vor Augen, wenn wir wissen wollen, was Gott von uns als seinen Kindern eigentlich erwartet.

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Foto: Ein Ministrant tauscht vor dem Petersdom sein Pilgertuch mit dem Tuch des Papstes

Die Fragen der Messdiener und die Antwort des Papstes
Im Anschluss an das Beten der Vesper hatten die Ministranten Gelegenheit, Papst Franziskus Fragen zu stellen. Die Fragen waren vorher aus allen Fragen zusammengestellt worden, vier Messdiener lasen Sie vor:
   Heiliger Vater, im Herbst des vergangenen Jahres haben Sie das Schreiben ‚Evangelii Gaudium’ veröffentlicht, in dem Sie an die Dringlichkeit dessen erinnert haben, dass die Jugend eine wichtigere Rolle im Leben der Kirche spielen soll. Wie können Jugendliche Ihrer Meinung nach diese Rolle einnehmen? Und: Was erwartet die Kirche von den Messdienern?
   Heiliger Vater, es gefällt mir sehr, Ministrant zu sein. Aber manchmal ist das nicht so einfach. An einigen Sonntagen würde ich lieber ausschlagen, an anderen habe ich etwas anderes vor, zum Beispiel Sport oder Musik. Auch wenn es meine Entscheidung war, bedauere ich das manchmal. Einige meiner Freunde verstehen nicht, warum ich Ministrant bin, sie machen sich über mich lustig oder sie sind sauer, weil ich wegen meiner Aufgabe keine Zeit für etwas anderes habe. Können Sie mir einen Rat geben, was ich in solchen Situationen machen soll?
  Heiliger Vater, das Motto der Wallfahrt lautet „Frei! Darum ist es erlaubt, Gutes zu tun.“ Das nimmt einen Satz aus dem Evangelium auf, in dem Jesus einen Mann mit einer verdorrten Hand heilt, so dass er wörtlich sein Leben wieder in die Hand nehmen kann. Dabei erinnert Jesus an den Sinn des Sabbats: Gott befreit uns damit wir in unserem Leben und in unserer Umgebung das Gute tun.
   In meinem Alltag dreht sich alles um Regeln, in der Schule oder auch der Berufsausbildung, bei meinen Eltern und auch in der Kirche. Wie kann ich in meinem Leben erleben, was Glaube Freiheit bedeutet? Wie kann ich in meinem Alltag diese Freiheit wirklich leben?

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Foto:  Das mini-mobil vor dem Dom zu Osnabrück mit der Diözesan-Pilgerleitung und Osnabrücker Messdienerinnen

Was der Papst in seiner Predigt in aller Kürze darlegte, wurde danach noch einmal ausführlicher Thema
   Die Veranstalter hatten die Messdiener im Vorfeld gefragt, was für Fragen sie dem Papst stellen wollten, daraus wurden dann einige Fragen zusammengestellt, die von vier Ministranten vorgetragen wurden. Dabei ging es zunächst um die Rolle von jungen Menschen in der Kirche.
Der Papst antwortete, dass jeder Mensch seine Aufgabe habe, wenn es um das Gemeinwohl gehe, aber:
  „Wir Jünger des Herrn haben eine weitere Aufgabe, nämlich die, „Kanäle“, Verbindungslinien zu sein, welche die Liebe Jesu weitergeben. Und in dieser Aufgabe habt ihr, Jugendliche und junge Erwachsene, eine besondere Rolle: Ihr seid aufgerufen, euren Altersgenossen von Jesus zu erzählen – nicht nur innerhalb der Pfarrgemeinde oder eures Verbandes, sondern vor allem außerhalb. Das ist eine Aufgabe, die besonders euch zukommt, weil ihr mit eurem Mut, mit eurer Begeisterung, mit eurer Spontaneität und Kontaktfreudigkeit leichter das Denken und das Herz derer erreicht, die sich vom Herrn entfernt haben. Viele junge Menschen eures Alters haben ein ungeheures Bedürfnis nach jemandem, der ihnen mit seinem Leben sagt, dass Jesus uns kennt, uns liebt, uns verzeiht, mit uns unsere Schwierigkeiten teilt und uns mit seiner Gnade unterstützt.“
   Weiter ging es um die Situation der Jugendlichen: Ihr Engagement sei manchmal nicht leicht, vor allem in der Konkurrenz zu Sport oder Musik oder in den Augen von Freunden, die das nicht verstünden.
   „Da muss man sich ein bisschen organisieren, die Dinge in ausgewogener Weise planen … aber ihr seid Deutsche, und das klappt bei euch! Unser Leben besteht aus Zeit, und die Zeit ist ein Geschenk Gottes, darum muss man sie für gutes und fruchtbares Tun einsetzen. Vielleicht vergeuden so manche junge Menschen zu viele Stunden mit unnützen Dingen: Das können das Chatten im Internet oder mit dem Handy oder auch Fernsehserien sein. Unter den vielen Dingen, die zu unserer täglichen Routine gehören, sollte es vorrangig sein, uns an unseren Schöpfer zu erinnern, der uns leben lässt, der uns liebt und der uns auf unserem Lebensweg begleitet.“
Auch das Thema der Wallfahrt wurde in den Fragen noch einmal genannt: Im Leben gebe es viele Regeln, in Schule und Ausbildung, in der Familie. Also, wollten die Ministranten wissen, was es heißt, diese Freiheit im Alltag wirklich zu leben.
   „Eben weil Gott uns nach seinem Bild geschaffen hat, haben wir von ihm auch dieses große Geschenk der Freiheit erhalten. Wenn wir die Freiheit aber nicht gut gebrauchen, kann sie uns von Gott weit weg führen, kann uns die Würde verlieren lassen, die er uns verliehen hat. Daher sind Orientierungshilfen, Anweisungen und auch Regeln nötig – sowohl in der Gesellschaft, als auch in der Kirche – um uns zu helfen, den Willen Gottes zu tun und auf diese Weise entsprechend unserer Würde als Menschen und als Kinder Gottes zu leben. Liebe junge Freunde, gebraucht eure Freiheit nicht falsch! Vertut nicht eure große Würde als Kinder Gottes, die euch geschenkt ist. Ihr werdet die echte Freude finden, weil Gott will, dass wir vollkommen glücklich und sinnerfüllt sind. Nur wenn wir uns dem Willen Gottes fügen, können wir das Gute vollbringen und Licht der Welt wie auch Salz der Erde sein!“
   Zum Abschluss reichten sich Ministranten und Bischöfe, Vorbereiter und Chor, Papst und Teilnehmer alle die Hände. Der Dienst der Ministranten ist von Gemeinschaft geprägt, diese Gemeinschaft sichtbar zu machen: Dieses Zeichen rundete das Treffen auf dem Petersplatz ab. Rv140806ord

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Papstpredigt: „Hier bin ich, sende mich!“ - Predigt von Papst Franziskus
bei der Feier der Vesper mit der internationalen Ministrantenwallfahrt auf dem Petersplatz.

Liebe Ministranten, guten Tag!
1. Ich danke euch, dass ihr trotz der römischen Augustsonne in so großer Zahl gekommen seid. Dank sage ich auch Bischof Nemet, eurem Präsidenten, für die Worte, die er zur Eröffnung dieser Begegnung an mich gerichtet hat. Aus ganz verschiedenen Ländern habt ihr euch für eure Wallfahrt nach Rom, dem Ort des Martyriums der Apostel Petrus und Paulus, auf den Weg gemacht. Das ist bedeutsam, denn es gibt euch zu verstehen, dass beim Dienst am Altar die Nähe und Vertrautheit mit Jesus in der Eucharistie es auch möglich macht, sich dem Mitmenschen zu öffnen, gemeinsam weiterzugehen, sich verbindliche Ziele zu setzen und die Kraft zu finden, um sie zu erreichen. Wenn wir uns auch eingestehen, dass wir klein und schwach sind, ist es doch eine Quelle echter Freude zu wissen, dass wir mit Jesu Hilfe Kraft bekommen und im Leben eine große Reise in seiner Begleitung unternehmen können.
   Auch der Prophet Jesaja entdeckt diese Wahrheit, das heißt, dass Gott seine Absichten läutert, seine Sünden vergibt, sein Herz heilt und ihn fähig macht, eine wichtige Aufgabe zu übernehmen, nämlich dem Volk das Wort Gottes zu bringen und so Werkzeug der Gegenwart und der Barmherzigkeit Gottes zu werden.  Jesaja findet heraus, dass das gesamte Leben verwandelt wird, wenn man sich vertrauensvoll den Händen des Herrn überlässt.
2. Der Abschnitt aus der Bibel, den wir gehört haben, spricht gerade diese Sache an. Jesaja hat eine Vision, die ihn die Herrlichkeit des Herrn erfahren lässt. Zugleich bleibt aber der sich offenbarende Gott für ihn in der Distanz.
   Jesaja entdeckt mit Erstaunen, dass Gott den ersten Schritt tut, sich als Erster nähert. Vergesst das nicht! Gott macht immer den ersten Schritt. Jesaja bemerkt, dass seine Unvollkommenheiten das göttliche Handeln nicht behindern. Es ist einzig das göttliche Wohlwollen, das ihn zur Mission tauglich macht, indem es ihn in eine vollkommen neue Person verwandelt und ihn daher befähigt, auf den Ruf zu antworten und zu sagen: „Hier bin ich, sende mich!“ Jes 6,8.
3. Ihr habt es heute besser als der Prophet Jesaja. In der Eucharistie und in den anderen Sakramenten erfahrt ihr die tiefste Nähe mit Jesus, die Schönheit und die Kraft  seiner Gegenwart. Ihr begegnet nicht Jesus auf einem hoch erhobenen, unerreichbaren Thron, sondern in den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein. Sein Wort lässt nicht die Türpfosten wackeln, sondern bringt die Saiten der Herzen zum Klingen. Wie Jesaja entdeckt jeder von euch, dass Gott – auch wenn er euch in Jesus nahekommt und sich in seiner Liebe zu euch herabbeugt – doch immer der unermesslich Größere bleibt und unsere Fähigkeiten, sein innerstes Wesen zu verstehen, übersteigt. Wie Jesaja, macht auch ihr die Erfahrung, dass die Initiative immer von Gott ausgeht, weil er es ist, der euch geschaffen und gewollt hat. Er ist es, der euch in der Taufe zu einer neuen Schöpfung gemacht hat, und immer ist Er es, der mit Geduld eine Antwort auf seine Initiative erwartet. Er gewährt jedem Verzeihung,der ihn mit Demut darum bittet.
4. Wenn wir seinem Handeln keinen Widerstand entgegensetzen, berührt Gott unsere Lippen mit der Flamme seiner erbarmenden Liebe, wie Er es beim Propheten Jesaja tat. Das macht uns fähig, ihn zu empfangen und zu unseren Brüdern und Schwestern zu bringen. Wie Jesaja, so sind auch wir eingeladen, nicht in uns selbst verschlossen zu bleiben und unseren Glauben in einem unterirdischen Depot zu verwahren, in das wir uns in schwierigen Momenten zurückziehen können. Wir sind stattdessen aufgerufen, die Freude zu teilen – die Freude, sich als von der Barmherzigkeit Gottes Erwählte und Gerettete zu erkennen. Wir sind aufgerufen, Zeugen dafür zu sein, dass der Glaube fähig ist, unseren Schritten eine neue Richtung zu geben und dass der Glaube uns frei und stark macht, für die Mission verfügbar und geeignet zu sein.
5. Wie schön ist es zu entdecken, dass der Glaube uns aus uns selbst, aus unserer Isolierung herausgehen lässt! Denn wir sind erfüllt von der Freude, Freunde Jesu Christi zu sein, und das lässt uns auf die anderen zugehen und macht uns wie von selbst zu Missionaren. Ministranten sollen Missionare sein.
    Liebe Ministranten, je näher ihr am Altar seid, um so mehr werdet ihr euch erinnern, im täglichen Gebet mit Jesus zu sprechen und euch aus dem Wort Gottes und dem Leib des Herrn zu nähren. Um so mehr werdet ihr in der Lage sein, auf den Nächsten zuzugehen und ihm das zum Geschenk zu machen, was ihr empfangen habt und eurerseits mit Enthusiasmus die Freude zu schenken, die euch geschenkt ist.
    Danke für eure Bereitschaft, am Altar des Herrn zu dienen, indem ihr diesen Dienst zu einem Übungsplatz der Erziehung zum Glauben und zur Liebe gegenüber eurem Nächsten macht. Danke, dass auch ihr angefangen habt, dem Herrn zu antworten, wie es der Prophet Jesaja tat: „Hier bin ich, sende mich!“. rv150804ord

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„Danke für eure Bereitschaft, am Altar des Herrn zu dienen" -    Papst Franziskus mit dem Pilgertuch der Messdiener

   Das ganze Leben ändert sich, wenn man sich vertrauensvoll Gott überlässt. Diese Botschaft hatte Papst Franziskus für die Teilnehmer der Internationalen Ministrantenwallfahrt, die auf den Petersplatz gekommen waren, um mit dem Papst gemeinsam das Abendgebet der Kirche zu feiern. Einfach war es nicht für die vielleicht zehntausend „Minis“, das Vorprogramm dauerte zwei Stunden und das bei über 30 Grad, die Vatikan-Feuerwehr schaffte mit Wasser Abhilfe, sehr warm blieb es trotzdem. Der Stimmung tat das keinen Abbruch, manch Pilgertuch fand sich schützend auf dem Kopf wieder und mit viel Musik hielt auch der Kreislauf durch. Bands aus Weißrussland, Italien, Ungarn, Belgien und Deutschland spielten geistliche Rockmusik. Die Vesper betete der Papst teilweise auf deutsch, auch die Predigt wurde in ganzer Länge übersetzt; die größte Gruppe der Anwesenden kam schließlich aus Österreich.
   Bischof Ladislav Nemet, Leiter des Internationalen Ministrantenbundes, hatte in das Thema der Wallfahrt eingeführt: „Hier bin ich, sende mich!", entnommen dem Buch Jesaja.Und diese Textstelle legte auch der Papst aus. Der Prophet erfährt seine Berufung als einer, der unwürdig ist, aber gereinigt wird, er befindet sich vor Gottes Thron. Die Bibel berichtet von der Vision eines Stücks glühender Kohle, welche die Lippen des Propheten berührt. „Jesaja hat eine Vision, die ihn die Herrlichkeit des Herrn erfahren lässt. Zugleich bleibt aber der sich offenbarende Gott für ihn in der Distanz. Jesaja entdeckt mit Erstaunen, dass Gott den ersten Schritt tut, sich als Erster nähert. Vergesst das nicht! Gott macht immer den ersten Schritt. Jesaja bemerkt, dass seine Unvollkommenheiten das göttliche Handeln nicht behindern.“ Es erinnert ein wenig an das Motto, dass der Papst sich bei seiner Wahl gegeben hatte, Miserando atque Eligendo, frei übersetzt „durch barmherzigen Blick erwählt“.
   Wenn man also „hier bin ich, sende mich!“ sage, dann sei es Gott selber, der dazu fähig mache, und zwar durch seine Barmherzigkeit. Jesaja habe herausgefunden, dass sich das gesamte Leben ändere, wenn man diesen Schritt gehe und sich Gott überlasse. „Ihr habt es heute besser als der Prophet Jesaja“, fuhr der Papst fort. In der Eucharistie und in den anderen Sakramenten würden die Ministranten die Nähe zu Jesus ganz besonders erfahren. Er wohne nicht auf einem unerreichbaren Thron, wie ihn das Buch Jesaja beschreibe, sondern sei in der Eucharistie nah. „Sein Wort lässt nicht die Türpfosten wackeln“, wie bei Jesaja, „sondern bringt die Saiten der Herzen zum Klingen. Wie Jesaja entdeckt jeder von euch, dass Gott – auch wenn er euch in Jesus nahekommt und sich in seiner Liebe zu euch herabbeugt – doch immer der unermesslich Größere bleibt und unsere Fähigkeiten, sein innerstes Wesen zu verstehen, übersteigt. Wie Jesaja, macht auch ihr die Erfahrung, dass die Initiative immer von Gott ausgeht, weil er es ist, der euch geschaffen und gewollt hat.“
   Gott berühre auch heute und reinige, blieb der Papst im biblischen Bild. „Wie Jesaja, so sind auch wir eingeladen, nicht in uns selbst verschlossen zu bleiben und unseren Glauben in einem unterirdischen Depot zu verwahren, in das wir uns in schwierigen Momenten zurückziehen können. Wir sind stattdessen aufgerufen, die Freude zu teilen – die Freude, sich als von der Barmherzigkeit Gottes Erwählte und Gerettete zu erkennen.“ Ministranten seien Missionare, rief der Papst den Mitfeiernden zu. „Danke für eure Bereitschaft, am Altar des Herrn zu dienen, indem ihr diesen Dienst zu einem Übungsplatz der Erziehung zum Glauben und zur Liebe gegenüber eurem Nächsten macht.  Danke, dass auch ihr angefangen habt, dem Herrn zu antworten, wie es der Prophet Jesaja tat: „Hier bin ich, sende mich!.”. Rv15084ord

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