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Papst Franziskus

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Papst wird im Januar Roms Synagoge besuchen    Foto: Die Synagoge Roms

   Papst Franziskus wird am 17. Januar die römische Synagoge am Tiberufer besuchen. Das gab der Vatikan an diesem Dienstag bekannt. Am 17. Januar wird der ökumenische „Tag des Judentums“ begangen. Der Papst folgt einer Einladung von Oberrabbiner Riccardo Di Segni und der jüdischen Gemeinde Roms, die eine der ältesten Exilgemeinden der Welt ist.
Es wird der dritte Besuch eines Papstes in dem jüdischen Gebetshaus am linken Tiberufer sein. 1986 hatte der heilige Johannes Paul II. die Synagoge aufgesucht und war damit der erste Papst in der Neuzeit gewesen, der eine Synagoge betrat. Benedikt XVI. kam im Jahr 2010 in die Synagoge. Ein genaues Programm von Franziskus’ Besuch soll zu einem späteren Zeitpunkt vorgelegt werden.
   Die Initiative zu einem jährlichen „Tag des Judentums“ am 17. Januar geht auf die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz zurück. Der Initiative angeschlossen haben sich die Kirchen Italiens, Polens, der Niederlande und Österreichs. Das Datum ist bewusst gewählt: Den Geist dieses Tages sollen die Kirchen in die anschließende weltweite „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ (18. bis 25. Januar) weitertragen. Denn bei allen Trennungen der Christenheit untereinander sei allen Kirchen gemeinsam, dass sie im Judentum verwurzelt sind, so die Initiatoren. Rv151117sk

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Papstreise nach Mexiko  -   Foto: Ein Bild der Jungfrau von Guadalupe während der Papstmesse

   Papst Franziskus wird von Freitag den 12. bis zum 18. Februar nach Mexiko reisen, das gab er selber während der Messe zum Fest unserer Lieben Frau von Guadalupe im Petersdom. Außerdem gab der Vatikan auch erste Details zu Reise bekannt. Am Freitagabend wird Papst Franziskus in Mexiko Stadt ankommen und offiziell empfangen. Erst am darauffolgenden Samstag beginnen dann die restlichen Termine. Er wird wie gewöhnlich die Regierung und Vertreter des öffentlichen Lebens treffen sowie die Bischöfe des Landes. In der Basilika von Guadalupe wird er ebenfalls am Samstag eine Messe feiern. Ein weiterer Höhepunkt für den Papst wird in Mexiko Stadt sein Besuch in einem Kinderkrankenhaus sein.
   In Tuxtla Gutiérrez wird Franziskus mit der Gemeinede indigener Völker eine Messe im Gemeindesportzentrum feiern, mit einigen Vertretern wird er danach  zu Mittag essen. Ebenfalls in Tuxtla Gutiérrez trifft sich Franziskus mit Familien im Stadion „Víctor Manuel Reyna“.
   An seinem vorletzten in Mexiko ist der Papst in Morelia. Dort wird er mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen eine Messe feiern und danach sich mit der Jugend des Landes im Stadion José María Morelos y Pavón treffen.
   An seinem letzten Tag mit Programm ist der Papst in Ciudad Juárez. Dort wird er ein Gefängnis besuchen. Gegen Abend Ortszeit wird er von Ciudad Juárez Richtung Rom wieder zurückfliegen. Er wird am Donnerstag den 18. Februar wieder in Rom zurückerwartet.  Rv151212pdy

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  Ein „unüberholbares“ Pontifikat?  - Foto: Spontaner Typ: Papst Franziskus  

   Das von Papst Franziskus forcierte synodale Prinzip der katholischen Kirche ist nach Überzeugung des in Paris lehrenden deutschen Theologen Christoph Theobald „nicht mehr rückgängig zu machen“. Die breitere Streuung der Verantwortung zeige sich in oft nur kleinen Gesten des Papstes, die allerdings „Fakten schaffen“: Theobald nannte im Interview mit der katholischen österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress als Beispiel die Tatsache, dass Franziskus das Annulierungsrecht in Eheprozessen, das das Papsttum im 13. Jahrhundert an sich gezogen habe, jüngst „einfach wieder an die Bischöfe zurückgab“. Oder: Texte kontinentaler bzw. nationaler Bischofskonferenzen zitiere der Papst in eigenen Enzykliken als lehrmäßige Äußerungen. Dies war 1998 von Johannes Paul II. in seinem Motu proprio „Apostolos suos“ praktisch ausgeschlossen worden.
   Eine erfolgreiche Konsequenz der Weltbischofssynode wäre für den Jesuiten, der Fundamentaltheologie und Dogmatik am Centre Sèvres in Paris lehrt, die Verpflichtung der Bischöfe, in ihren Zuständigkeitsbereichen selbst synodale Prozesse anzustoßen. Dies wäre, so Theobald, ein weiterer Schritt in Richtung Aufwertung der Ortskirchen bzw. zur Etablierung von Patriarchaten in der Weltkirche. Eine Kurienreform, derentwegen Jorge Mario Bergoglio letztlich gewählt worden sei, hält Theobald für wenig zielführend, sollte nicht auch das Papsttum selbst reformiert werden. Rom solle nicht Schauplatz der Gesamtadministration der Kirche sein, sondern als eine Art „Appellhof“ fungieren, der im Konfliktfall interveniert. Diese Sichtweise des ersten Jahrtausends würde auch ökumenisch neue Perspektiven eröffnen, sagte der Jesuit.
   Christoph Theobald war Festvortragender eines internationalen Kongresses, der vor kurzem an der Universität Wien stattfand. Führende Theologen aus aller Welt - darunter auch aus Afrika, Asien, Nord- und Südamerika - beleuchteten die Enzyklika „Evangelii gaudium“ und die Impulse des Papstes für Kirche und Theologie neuen Stils. Kongressorganisator Kurt Appel und die Sozialethikerin Ingeborg Gabriel, beide Lehrende an der Wiener Theologischen Fakultät und Vortragende bei der Tagung, äußerten sich im Interview mit "Kathpress" gemeinsam mit Theobald zu den Ergebnissen.
„Sprengt Grenzen progressiv-konservativ
   Nach den Worten Theobalds sprengt Franziskus die Grenzen „progressiv-konservativ“, er umgebe sich nicht mit bestellten Beifallklatschern oder bilde Seilschaften: Er sei vielmehr ein Papst, „der den anderen sucht und - ich glaube auch den Gegner - ganz ernst nimmt“. Zugrunde liege dieser Haltung eine Franziskus eigene „Mystik der Geschwisterlichkeit“ und eine geistlich fundierte neue Zuwendung zur Welt nach dem Motto „Alle müssen gehört werden“. Das gebe den Anstoß zu einem neuen gesellschaftlichen Engagement der Kirche. Die ganze Erde und besonders die Armen würden „als Partner“ gesehen, erläuterte Theobald, der letztes Jahr den Theologischen Preis der Salzburger Hochschulwochen erhalten hat.
   Die Voraussetzung für diesen neuen sozialen Dialog sei es, „glaubwürdig im eigenen Haus mit dem Besen zu kehren“. Das habe der Papst etwa beim Weihnachtsempfang 2014 gegenüber der römischen Kurie getan, als er zu einem unprätentiösen und uneitlen Dienst aufrief und u.a. vor „glaubensmäßiger Alzheimer-Krankheit“ und „blindem Aktionismus“ warnte.
   Franziskus stehe für eine Haltung, bei der die kirchliche Lehre „pastoral ausbuchstabiert“ werden müsse, sagte Theobald. „Denn eine Lehre, die nicht pastoral ausgerichtet ist, ist Ideologie“ und „Jesus ist ja kein Schriftgelehrter“. Die „Pastoralität“ der Lehre mag aber unterschiedlich in Europa, Lateinamerika oder Afrika sein, wie Theobald anmerkte. Hier stelle sich wieder die Frage der Ortskirchenrelevanz.
   Er orte zwischen Kirche und Gesellschaft bereits eine „klimatische Veränderung“, so der Jesuit. Er sehe das deutlich im traditionell laizistischen Frankreich, wie es sich auswirke, wenn die Kirche „keine Selbstverteidigungspolitik“ treibe und der Wahrheitsdiskurs nicht so im Vordergrund stehe wie noch bei Papst Benedikt XVI. Theobald sieht die Kirche unter Franziskus wie eine „Rutengängerin“ agieren, die hilft, Ressourcen zur Bewältigung gegenwärtiger Krisen auch außerhalb des Christentums aufzuspüren und zusammenzuführen.
Schon das Konzil betonte Synodalität
   Nach den Worten der Wiener Sozialethikerin und Vizepräsidentin der internationalen Justitia-et-Pax- Kommissionen, Ingeborg Gabriel, war die Aufwertung der Ortskirchen durch Papst Franziskus schon von Anfang seines Pontifikats an da, als er sich als „Bischof von Rom“ vorstellte. Das sei eigentlich schon im Zweiten Vatikanischen Konzil und unter Paul VI. dagewesen und werde jetzt von Franziskus  - nach langjähriger „Blockade“, wie Gabriel sagte - aufgegriffen und realisiert vor dem Hintergrund von Bergoglios lateinamerikanischer Herkunft.
   Dass der Papst die Synodalstruktur der Orthodoxen in „Evangelii gaudium“ als vorbildlich darstelle, ergänze er durch bemerkenswerte „Symbolpolitik“, wenn er etwa den „grünen Patriarchen“ Bartholomäus I. in „Laudato si’“ wie einen katholischen Lehramtsträger zitiere und bei der jetzigen Vatikan-Synode die orthodoxen Kirchen miteinbeziehe.
   An der „Öko-Enzyklika“ bewundere sie, dass Franziskus darin die sich verschärfenden „Krisen anspricht, ohne in Katastrophenstimmung oder Alarmismus zu verfallen“, so Gabriel weiter. Er halte die Balance zwischen Hoffnung und Benennung von Missständen. Freilich gelte es, überzogene Erwartungen an einen Einzelnen zu relativieren. Der Papst könne „nicht mehr tun als Zeichen der Hoffnung zu geben“ und dabei an ethische Grundlagen zu erinnern, die Gläubige mit Nichtgläubigen gemeinsam haben. Laut der Sozialethikerin ist gerade die Ethik eine Brücke zu einer postchristlichen, wenn auch in wesentlichen Teilen vom Christentum gespeiste Gesellschaft.
Pontifikat nicht „nur pastoral relevant“
   Die Tagung zeigte nach den Worten des Wiener Fundamentaltheologen und Kongress-Planers Kurt Appel auf, dass das jetzige Pontifikat nicht „nur pastoral relevant“ ist, sondern auf einer „äußerst innovativen, tief durchdachten“ Theologie fußt. Es sei ein „Franziskus-Effekt“ zu beobachten: Mittlerweile würden sich viele Katholiken, die im Dialog mit der Welt stehen, „wieder freuen, Katholik zu sein“. Davor hätten Depression bzw. sogar Scham vorgeherrscht. Dieser Effekt sei in anderen Weltteilen vielleicht stärker als in Österreich, meinte Appel, weil hierzulande noch Ressentiments gegenüber der Kirche meinungsbildend seien.
    Als positiv bewertete es der Wiener Theologe, dass unter Papst Franziskus kanonische Richtlinien bei Bischofsernennungen wieder stärker beachtet würden. Bei wichtigen Nachbesetzungen wie in Madrid oder Chicago habe es wie zuletzt auch in Österreich „gute Lösungen“ gegeben. Appel erinnerte daran, dass es beim Konzil viele ausgezeichnete Bischöfe gab, da Pius XII. - wie oft übersehen werde - viele fähige Theologen und Seelsorger zu Bischöfen ernannt habe. Rv151101sk 

K  Franziskus begreift die  programmatischen Rede des Herrn - bekannt als “Bergpredigt”-  zu Beginn seines öffentlichen Wirkens als unabdingbare Forderung an alle, die Jünger Jesu sein wollen. Darum mahnt Franziskus heute, nicht nur die Zehn Gebote zu leben, sondern in gleicher Weise auch die Seligpreisungen Jesu Christi als Weg zum Reich Gottes zu verstehen. Hier ist der Text:

Die Bergpredigt: Die Rede von der wahren Gerechtigkeit:  Matthäus 5,1-12

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           1 Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg.
          Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
          2 Dann begann er zu reden und lehrte sie.

          3 Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott;
          denn ihnen gehört das Himmelreich.
          4 Selig die Trauernden;
          denn sie werden getröstet werden.
          5 Selig, die keine Gewalt anwenden;
          denn sie werden das Land erben.
          6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit;
          denn sie werden satt werden.
          7 Selig die Barmherzigen;
          denn sie werden Erbarmen finden.
          8 Selig, die ein reines Herz haben;
          denn sie werden Gott schauen.
          9 Selig, die Frieden stiften;
          denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
          10 Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;
          denn ihnen gehört das Himmelreich.
          11 Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt
          und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet
          .
          12 Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.
          Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt. 

Was macht Papst Franziskus so beliebt - weit über Kirche hinaus?

Die Medien gewähren den Männer und Frauen, die in ein öffentliches Amt gewählt werden, traditionsgemäß eine faire Schonfrist von 100 Tagen. Das gilt auch für kirchliche Amtsträger. Dass aber ein Papst so viel öffentliche Aufmerksamkeit und freundliche Zustimmung erfährt wie Franziskus, ist phänomenal. Was sind die Gründe dafür?

Milliarden Menschen aus allen Völkern haben haben durch Presseberichte, Fernsehübertragungen, aber auch live in Rio de Janeiro, Albanien, Korea, Sri Lanka, auf den Philippinen und nicht zuletzt auf dem Petersplaz in Rom den Papst beobachtet und  seine Worte gehört. Sie haben gesehen, wie Papst Franziskus glaubwürdig die Forderungen der Bergpredigt lebt: Er umarmt die Armen, die Flüchtlinge, die Opfer von Erdbeben und Taifun, die am Rande der Gesellschaft stehen und nach Gerechtigkeit dürsten, zeigt Wege der Barmherzigkeit auf, vermittelt den Frieden zwischen den USA und Kuba, erhebt seine Stimme für alle die gehindert werden an der Ausübung ihrer Religion. An seinem Beispiel erkennen Menschen, dass die Bergpredigt nicht eine weltfremde Illusion ist.
Sie ist - wie Franziskus sagt - “eine Revolution der zärtlichen Liebe”. Genau das ist der Untertiel seiner Grundsatzrede für dieses Pontifikat Evangelii Gaudium (Die Freude des Evangliums) > Evangelii Gaudium

„Revolution der zärtlichen Liebe
            Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, zum Abschluss des Jahres des Glaubens, am 24. November –
Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, König des Weltalls – im Jahr 2013, dem ersten meines Pontifikats.

Eine Zusammenfassung des Apostolischen Schreibens von Papst Franziskus:
   „Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen:“ So beginnt die Apostolische Exhortation „
Evangelii Gaudium, mit der Papst Franziskus das Thema der Verkündigung der Frohen Botschaft in der Welt von Heute entwickelt. Dazu zieht er unter anderem die Arbeiten der Bischofssynode heran, die vom 7. bis zum 28. Oktober 2012 im Vatikan zum Thema der Neuevangelisierung getagt hatte. Die Exhortation ist aber keine „postsynodale“, sich also ausschließlich auf diese Synode beziehender Text. Er habe sich auch Rat geholt und seine eigenen „Besorgnisse zum Ausdruck zu bringen, die mich in diesem konkreten Moment des Evangelisierungswerkes der Kirche bewegen“ (16). Der Papst benennt auch klar die Grenzen, die er sich und seinem Schreiben setzt, auch vom päpstlichen Lehramt könne man keine „endgültige oder vollständige Aussage zu allen Fragen“ erwarten. Es sei nicht angebracht, die Ortsbischöfe in der Bewertung aller Probleme zu ersetzen. „In diesem Sinn spüre ich die Notwendigkeit, in einer heilsamen „Dezentralisierung“ voranzuschreiten.“ (16).
   „In diesem Schreiben möchte ich mich an die Christgläubigen wenden, um sie zu einer neuen Etappe der Evangelisierung einzuladen, die von dieser Freude geprägt ist, und um Wege für dem Lauf der Kirche in den kommenden Jahren aufzeigen.“ (1) Der Papst spricht alle Getauften an, er spricht von einem „Zustand permanenter Mission“ (25), den wir aufsuchen müssen, um allen Menschen die Liebe Gottes zu bringen und die große Gefahr zu vermeiden, in der die Welt heute lebt: Die individualistische Traurigkeit, wie Papst Franziskus es nennt; eine Verbindung von Begehren, Oberflächlichkeit und innerer Abgeschottetheit (2).
Verkündende Dynamik
  „Neue Wege“ und „kreative Methoden“ sollen dazu dienen, die „ursprüngliche Frische der Frohen Botschaft“ neu zu erschließen. Jesus soll aus den „langweiligen Schablonen“ befreit werden, in die wir ihn gepackt haben (11). Der „Weg einer pastoralen und missionarischen Neuausrichtung (..), der die Dinge nicht so belassen darf wie sie sind“ (25) ist das eine, eine Reform der Strukturen der Kirche das andere, was es dazu braucht.
   Papst Franziskus denkt dabei auch an eine „Reform des Papsttums“, weil er dazu berufen sei, das zu leben, was er von anderen verlange (32). Auch sein Amt müsse immer mehr der Bedeutung treu werden, die Christus ihm geben wollte und „mehr den gegenwärtigen Notwendigkeiten der Evangelisierung entspricht“ (32). Mit Bezug darauf spricht der Papst etwa von der Bedeutung der Bischofskonferenzen, die „Subjekte mit konkreten Kompetenzbereichen … auch einschließlich einer gewissen authentischen Lehrautorität“ werden sollten, wie es das Zweite Vatikanische Konzil gewünscht habe. „Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen.” (32) Man dürfe keine Angst haben, die Dinge anzugehen, die zwar historisch gewachsen seien, aber nicht direkt mit dem Evangelium zusammen hingen (43)
   Ein Zeichen für die Annahme Gottes sei es, überall offene Kirchen zu haben. Menschen auf der Suche ertrügen nicht die „Kälte einer verschlossenen Tür“. „Auch die Türen der Sakramente dürften nicht aus irgendeinem beliebigen Grund geschlossen werden“, so Franziskus (47), was besonders für die Taufe gelte. Die Eucharistie sei „nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen.“ (47) Das habe auch postorale Konsequenzen, so der Papst weiter, und man müsse diese „mit Besonnenheit und Wagemut“ angehen. Noch einmal betont Franziskus: „Mir ist eine ‚verbeulte’ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.“ (49)
Gefahren der Weltlichkeit
   Papst Franziskus weist in seinem Schreiben auf die Versuchungen für die Seelsorger und Hirten hin: Individualismus, Krise der Identität, Rückgang des Eifers etc (78). Die größte Gefahr aber sei der „graue Pragmatismus des kirchlichen Alltags, bei dem scheinbar alles mit rechten Dingen zugeht, in Wirklichkeit aber der Glaube verbraucht wird und ins Schäbige absinkt“, zitiert Franziskus Kardinal Josef Ratzinger (83). Man solle Zeichen der Hoffnung sein und nicht in einen sterilen Pessimismus absinken (84, 86), um eine „Revolution der zärtlichen Liebe“ zu erreichen (88). Zu oft fliehe man in eine „’Spiritualität des Wohlbefindens“ ohne Gemeinschaft“ oder eine „’Theologie des Wohlstands’ ohne brüderlichen Einsatz“ (90), in denen die geistliche Weltlichkeit die Oberhand gewinne. Diese Weltlichkeit suche immer nur das eigene Wohl und nicht Gott (93).
   Papst Franziskus spricht von denen, die sich für etwas Besseres halten, die einem Stil von Katholizismus anhingen, welcher der Vergangenheit angehören, die sich um eine übertriebene Pflege der Liturgie zuwenden, die gesellschaftliche Anerkennung suchen, die zu Funktionären werden. Papst Franziskus zählt die Versuchungen auf, die alle den einen Kern hätten: Hier fehle Christus (95). „Es ist eine schreckliche Korruption mit dem Anschein des Guten. Man muss sie vermeiden, indem man die Kirche in Bewegung setzt, dass sie aus sich herausgeht, in eine auf Jesus Christus ausgerichtete Mission, in den Einsatz für die Armen.“ (97)
   Papst Franziskus appelliert an die Gemeinschaft der Kirche, nicht in gegenseitigen Neid und Gegnerschaft zu verfallen, „Wie viele Kriege innerhalb des Gottesvolkes und in den verschiedenen Gemeinschaften!“ (98) Der Schmerz derer, die unter Verwundungen leiden, soll nicht übergangen werden, aber trotzdem stelle ich beim Betrachten der Auseinandersetzungen die Frage: „Wen wollen wir mit diesem Verhalten evangelisieren?“ (100)
Die Rolle der Laien
   Franziskus unterstreicht die Notwendigkeit, die Verantwortung der Laien für die Kirche zu verstärken, teilweise durch mangelnde Ausbildung, teilweise durch einen „ausufernden Klerikalismus“ spielten sie nicht die Rolle, die sie spielen sollten, auch müssten die „Räume für eine wirksamere weibliche Gegenwart in der Kirche noch erweitert werden,“ vor allem dort, wo die wichtigen Entscheidungen getroffen würden. (92,93) „Die Beanspruchung der legitimen Rechte der Frauen (…) stellt die Kirche vor tiefe Fragen, die sie herausfordern und die nicht oberflächlich umgangen werden können“. (104) Im gleichen Zusammenhang stellt Papst Franziskus aber noch einmal fest, dass das den Männern vorbehaltene Priestertum nicht zur Diskussion stehe, aber „Anlass zu besonderen Konflikten geben (kann), wenn die sakramentale Vollmacht zu sehr mit der Macht verwechselt wird“ (104). Auch die Jugendlichen müssten eine größere Rolle spielen, so der Papst weiter (106).
   Der Papst geht auch auf die Fragen des Zusammenhanges von Glaube und Kultur ein, die unter dem Begriff der ‚Inkulturation’ zusammen gefasst werden. Die Kirche verfüge nicht über ein einziges kulturelles Modell, die „authentische Katholizität drücke sich in der Verschiedenheit aus“ (116). Die Kirche könne nicht erwarten, dass die gesamte Welt das Modell übernähme, dass sich in der Geschichte Europas herausgebildet hätte (118): „Die Kultur ist etwas Dynamisches, das von einem Volk ständig neu erschaffen wird“ (122). Hier sei besonders die Volksfrömmigkeit von Bedeutung, so Franziskus, „in der der empfangene Glaube in einer Kultur Gestalt angenommen hat und ständig weitergegeben wird“ (123). Um diese Weitergabe fruchtbar zu machen, ruft der Papst die Theologen auf, den Dialog und die Begegnung zu fördern und zu reflektieren. „Doch ist es für diese Aufgabe nötig, dass ihnen die missionarische Bestimmung der Kirche und der Theologie selbst am Herzen liegt und sie sich nicht mit einer Schreibtisch-Theologie zufrieden geben.“ (133)
Gerechtigkeit und Menschlichkeit
   „In der Wurzel ungerecht” nennt Papst Franziskus das aktuelle ökonomische System (59). Diese Form der Wirtschaft töte, denn in ihr herrsche das Gesetz des Stärkeren. Der Mensch sei nur noch als Konsument gefragt, und wer das nicht leisten könne, der werde nicht mehr nur ausgebeutet, sondern ganz ausgeschlossen, weggeworfen. Diese Kultur des Wegwerfens habe etwas Neues geschaffen. „Die Ausgeschlossenen sind nicht „Ausgebeutete“, sondern Müll, „Abfall“.“ (53) Die Welt lebe in einer neuen Tyrannei des „vergötterten Marktes“, die manchmal sichtbar, manchmal virtuell sei. Hier regiere die Finanzspekulation, die Korruption und Egoismen, die sich etwa in Steuerhinterziehung ausdrückten (56).
 Franziskus weist auch auf Angriffe auf die Religionsfreiheit hin, auf die „neuen Situationen der Christenverfolgung, die in einigen Ländern allarmierende Stufen des Hasses und der Gewalt erreicht haben.“ (61)
   Auch die Familie durchlaufe eine tiefe kulturelle Krise, so Franziskus. Sie sei der Ort des Lernens, mit Verschiedenheiten umzugehen und zu reifen, werde aber „tendenziell als eine bloße Form affektiver Befriedigung gesehen“ (66). Dagegen zerstöre „der postmoderne und globalisierte Individualismus“ die Bindungen zwischen Menschen und die Familienbande. (67)
   Der Papst betont die Verbindung zwischen der Verkündigung und der Förderung der Menschlichkeit, „die sich notwendig in allem missionarischen Handeln ausdrücken und entfalten muss“ (178). Man könne von der Kirche nicht erwarten, dass sie den Glauben ins Privatleben verlege und so keinen Einfluss mehr habe auf das soziale Zusammenleben. „Wer würde es wagen, die Botschaft des heiligen Franz von Assisi und der seligen Teresa von Kalkutta in ein Gotteshaus einzuschließen und zum Schweigen zu bringen?“ (183) Franziskus zitiert an dieser Stelle Papst Johannes Paul II.: Die Kirche könne nicht abseits stehen, wenn es um das „Ringen um Gerechtigkeit“ geht.
   Die Armen seien für die Kirche zuerst eine theologische Kategorie, dann erst eine soziologische oder politische. „Aus diesem Grund wünsche ich mir eine arme Kirche für die Armen.“ (198) Jede Gemeinschaft in der Kirche, welche die Armen vergesse, stehe in der „Gefahr der Auflösung“ (207), weil das religiöse Tun fruchtlos werde und in einer „spirituellen Weltlichkeit“ aufgehe.
   Papst Franziskus lädt zu einer Sorge um die Schwächsten ein: Die Kirche müsse den „neuen Formen von Armut und Hinfälligkeit –  Obdachlosen, den Drogenabhängigen, den Flüchtlingen, den eingeborenen Bevölkerungen, den immer mehr vereinsamten und verlassenen alten Menschen usw.“ Aufmerksamkeit schenken, außerdem besonders auch den Flüchtlingen, hier rufe er zu einer „großherzigen Öffnung auf, die, anstatt die Zerstörung der eigenen Identität zu befürchten, fähig ist, neue kulturelle Synthesen zu schaffen.“ (210)
   Ein brennendes Thema seien auch die neuen Formen der Sklaverei, die unsere Gesellschaft hervorbringe, so der Papst. Es seien diejenigen, die wir jeden Tag umbringen würden durch Arbeit in einer illegalen Fabrik, im Netz der Prostitution, in den zum Betteln missbrauchten Kindern. „Es gibt viele Arten von Mittäterschaft. Die Frage geht alle an! Dieses mafiöse und perverse Verbrechen hat sich in unseren Städten eingenistet, und die Hände vieler triefen von Blut aufgrund einer bequemen, schweigenden Komplizenschaft.“ (211)
   Zu den Schwächsten, derer sich die Kirche annehme, gehörten auch die ungeborenen Kinder, denen die Würde des menschlichen Lebens verweigert würde (213). Die Kirche werde ihre Einstellung in dieser Frage nicht ändern, es sei keine Frage der „Modernität“, der sich die Kirche anpassen müsste. Allerdings müsse die Kirche sich auch fragen, ob sie genug getan habe und Verständnis aufgebracht habe für die Frauen, die durch eine Schwangerschaft in Notlagen geraten (214).
Dialog
   Die Verkündigung impliziere den Weg des Dialogs, so der Papst. Dieser Weg öffne die Kirche für die Zusammenarbeit mit politischen, sozialen, religiösen und kulturellen Institutionen und Gruppen (238). Hier hinein gehört auch die Ökumene, die ein unaufgebbarer Teil der Verkündigung sei, die Spaltung der Christen verhindere das glaubwürdige Zeugnis. Außerdem könnten die Christen viel voneinander lernen, Franziskus weist hier auf die orthodoxen Kirche und ihre Tradition der Synodalität hin“ (246).
   Der Dialog und die Freundschaft mit den Kindern Israels sei ebenfalls ein Teil des Lebens der Jünger Jesu (248). Auch der interreligiöse Dialog, geführt mit einer „klaren und freudigen Identität“, sei eine notwendige Bedingung für den Frieden in der Welt und verdunkle die christliche Verkündigung keineswegs (250,251). Demütig bitte er die Länder mit islamischer Tradition darum, „in Anbetracht der Freiheit, welche die Angehörigen des Islam in den westlichen Ländern genießen, den Christen Freiheit zu gewährleisten, damit sie ihren Gottesdienst feiern und ihren Glauben leben können.“ (253)
Verkündiger im Heiligen Geist
   Im Abschlusskapitel spricht Papst Franziskus von den Evangelisatoren, die sich dem Handeln des Heiligen Geistes öffnen. „Der Heilige Geist verleiht außerdem die Kraft, die Neuheit des Evangeliums mit Freimut (parrhesía) zu verkünden, mit lauter Stimme, zu allen Zeiten und an allen Orten, auch gegen den Strom.“ (259). Dies seien Verkünder, die beteten und arbeiteten, sie seien überzeugt, dass „die Mission (..) eine Leidenschaft für Jesus (ist), zugleich aber eine Leidenschaft für sein Volk.“ (268) Eingeladen, Zeugnis abzulegen für den Grund unserer Hoffnung würden sie das nicht als Feinde, die verurteilten (271). Der Papst ermutigt: „Da wir nicht immer diese aufkeimenden Sprossen sehen, brauchen wir eine innere Gewissheit und die Überzeugung, dass Gott in jeder Situation handeln kann, auch inmitten scheinbarer Misserfolge, denn ‚diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen’ 2 Kor 4,7.“ (279)
   Die Exhortation schließt mit einem Mariengebet, „denn jedes Mal, wenn wir auf Maria schauen, glauben wir wieder an das Revolutionäre der Zärtlichkeit und der Liebe.“ (288)

Wer ist Jorge Mario Bergoglio?    Ein Interview der    ff-civilta-cattolicà--  mit Papst Franziskus

   Ich habe die Fragen vor mir, aber ich beschließe, nicht dem von mir vorbereiteten Entwurf zu folgen, und frage den Papst etwas unvermittelt: „Wer ist Jorge Maria Bergoglio?“ Der Papst blickt mich schweigend an. Ich frage ihn, ob man ihm eine solche Frage stellen darf. Er gibt mir ein Zeichen, dass er die Frage akzeptiert, und sagt: „Ich weiß nicht, was für eine Definition am zutreffendsten sein könnte … Ich bin ein Sünder. Das ist die richtigste Definition. Und es ist keine Redensart, kein literarisches Genus. Ich bin ein Sünder.“
   Der Papst denkt weiter nach, ergriffen, so als hätte er diese Frage nicht erwartet, als wäre er gezwungen, eine weitere Überlegung anzustellen.
   „Ja, ich kann vielleicht sagen, ich bin ein wenig gewieft, ich verstehe mich zu bewegen, aber es stimmt, dass ich auch arglos bin. Ja, aber die beste Synthese, die mir aus dem Innersten kommt und die ich für die zutreffendste halte, lautet: ,Ich bin ein Sünder, den der Herr angeschaut hat.‘ Und er wiederholt: „Ich bin einer, der vom Herrn angeschaut wird. Meinen Wahlspruch Miserando atque eligendo [aus Barmherzigkeit erwählt] habe ich immer als sehr zutreffend für mich empfunden.“

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   Das Papstwappen von Franziskus zeigt eine einfache bischöfliche Mitra.  Sie ist ähnlich den Kronreifen der Tiara mit drei goldenen, in der Mitte vertikal miteinander verbundenen Bändern geschmückt. Sie stehen für die Einheit von Weiheamt, Jurisdiktion und Lehramt des Papstes in derselben Person. Der Schild trägt das Symbol der Jesuiten: eine goldene Sonne mit dem roten Christusmonogramm IHS, dessen H ein rotes Kreuz überragt. Die drei schwarzen Nägel darunter symbolisieren die jesuitischen Ordensgelübde der freiwilligen Armut, ehelosen Keuschheit und des Gehorsams. Foto 1

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   Die weiteren Symbole: Stern und Narden-Blüten sind golden statt silbern Foto 2; der Stern Foto 3 ist achtzackig. Er symbolisiert Maria (Mutter Jesu), die Narde den heiligen Josef, den Schutzpatron der Kirche. In Kerala (Südwestindien) ist die Nardenblüte als “Josefsblume” bei den syro-malabarischen Christen bekannt. Beide Symbole drücken Verehrung für die Heilige Familie aus.
   Anders als bei Benedikt enthält das Wappen kein Pallium, aber den Wahlspruch des Erzbischofs Bergoglio: Miserando atque eligendo (Aus Erbarmen erwählt). Er bezieht sich auf die Berufung des Matthäus und stammt aus einer Predigt des Beda Venerabilis.

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   Der Wahlspruch des Papstes stammt aus den Homilien des heiligen Beda Venerabilis, der in seinem Kommentar zur Episode der Berufung des heiligen Matthäus schreibt: „Jesus sah einen Zöllner, und als er ihn liebevoll anblickte und erwählte, sagte er zu ihm: Folge mir!“ Und der Papst fügt hinzu: „Das lateinische Gerundium miserando scheint mir sowohl ins Italienische wie ins Spanische unübersetzbar zu sein. Ich würde es am liebsten mit einem anderen Gerundium übersetzen, das es gar nicht gibt: misericordiando [mit herz-innigem Erbarmen].“  
   Papst Franziskus fährt mit einem Gedankensprung, dessen Sinn ich nicht gleich verstehe, in seiner Betrachtung fort: „Ich kenne Rom nicht. Ich kenne nur wenige Orte der Stadt. Darunter Santa Maria Maggiore; dorthin bin ich immer wieder gegangen.“ Ich lache und sage zu ihm: „Das haben wir alle sehr wohl verstanden, Heiliger Vater!“ „Ja doch“, fährt der Papst fort, „ich kenne Santa Maria Maggiore, Sankt Peter … Aber wenn ich nach Rom kam, habe ich immer in der Via Scrofa gewohnt. Von dort besuchte ich oft die Kirche San Luigi dei Francesi; dorthin ging ich, um das von Caravaggio gemalte Bild von der Berufung des heiligen Matthäus zu betrachten.“

arte-Caravaggio-BerufungMt-ZZ Caravaggio Berufung des Matthäus

   Ich beginne zu ahnen, was mir der Papst sagen will. „Dieser Finger Jesu, der auf Matthäus weist - so bin ich, so fühle ich mich, wie Matthäus.“ Und hier wird der Papst entschieden, so als hätte er das Bild von sich, nach dem er suchte, erfasst: „Es ist die Geste des Matthäus, die mich betroffen macht: Er packt sein Geld, als wollte er sagen: ,Nein, nicht mir, nicht mir gehört dieses Geld! Siehe, das bin ich: ein Sünder, den der Herr angeschaut hat.‘ Und das habe ich gesagt, als sie mich fragten, ob ich meine Wahl zum Papst annehme.“ Dann murmelt er: „Peccator sum, sed super misericordia et infinita patientia Domini nostri Jesu Christi confisus et in spiritu penitentiae accepto.“[Ich bin ein Sünder, aber im Vertrauen auf das Erbarmen und die unendliche Geduld unseres Herrn Jesus Christus und im Geist der Buße angenommen].    Radio Vatikan

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Die Art der Darstellung und die Lichtführung machen das Bild zu einem der meistbeachteten Caravaggios.

   Caravaggio teilte die Beteiligten im Geschehen in zwei Gruppen auf: die beiden Personen rechts, der Matthäus mit einer Geste berufende Jesus und Simon Petrus, und die Gruppe links, der Matthäus selbst angehört, der mit dem Finger fragend vor Erstaunen auf sich zeigt, und seine Begleitfiguren.
   Die seltsam kraftlose Geste, mit der Jesus auf Matthäus hinweist, ist der Geste des Adams von Michelangelo nachgebildet. Obwohl Jesus eigentlich die zentral handelnde Figur ist, stellte ihn Caravaggio dennoch nicht in das Zentrum des Bildes, sondern, um die Dramatik zu steigern, an den rechten Rand und ließ ihn dazu noch von Simon Petrus halb verdecken. Die Petrusfigur fügte Caravaggio erst nachträglich ein, wie nach einer Untersuchung fest- gestellt wurde. Grund dafür könnte sein, dass damit die Bedeutung des Petrusamtes der Päpste hervorgehoben werden sollte.
   Das Epochale an der Darstellung ist, dass zum ersten Mal in der Kunstgeschichte eine heilige Handlung nicht in einem heiligen Rahmen oder etwa in einer Ideallandschaft stattfindet, sondern in einer alltäglichen Stube. Caravaggio betont die Alltäglichkeit durch das verstaubte Fenster oben rechts und die Darstellung der Kleidung der Personengruppe um Matthäus. Es handelt sich um normale Straßenkleidung an der Wende des 16./17. Jahrhunderts. Auch die Wand des Raumes ist ungekalkt, die Raumdarstellung selbst kahl, so dass die Konzentration des Betrachters nicht von der Gestik der handelnden Personen abgelenkt wird. Wer, neben den drei Heiligen, die sonst dargestellten Personen sind, ist nicht überliefert. Caravaggio ist allerdings dafür bekannt, häufig ihm bekannte Personen, zumeist seine lombardischen Landsleute in Rom, dargestellt zu haben.
   Die durch das harte Schlaglicht von rechts oben ins Extreme gesteigerte Hell-Dunkel-Wirkung, das Chiaroscuro, hatte vor ihm noch keiner in dieser Dramatik gezeigt. Er hatte zwar damit experimentiert, aber nicht in dieser Kraft. Dass der Lichteinfall von rechts oben kommt, ist kein Zufall. Caravaggio wusste, dass das Bild auf der linken Seite der Kapelle hängen würde, mit einem Lichtfenster über dem Altarbild. Das Bild zeigt Caravaggio auf dem Höhepunkt seines Könnens, wozu auch die feine psychologische Betrachtung der unterschiedlichen Verhaltensweisen von Menschen in ihnen nicht vertrauten Situation gehört. Während der junge Bursche in dem gelb-roten Gewand in der Bildmitte zurückweichend und an Matthäus anlehnend reagiert, wendet der vordere sein Gesicht und seinen Körper interessiert zu Jesus und Petrus hin. Völlig gleichgültig hingegen erscheinen die beiden Figuren der linken Seite. Der untere zählt einfach das Geld weiter und hat am Ablauf des Geschehens überhaupt kein Interesse, ebenso der obere, ältere Mann, der ihm dabei durch die Brille zusieht.
   Die Berufung des Hl. Matthäus ist eines der bekanntesten Gemälde Michelangelo Merisi da Caravaggios. Es entstand etwa 1599 oder 1600 in der Stilepoche des Frühbarock und gilt heute als eines der epochalen Werke der Kunstgeschichte. Es war eine kirchliche Auftragsarbeit und befindet sich bis heute an der vorgesehenen Stelle der Cappella Contarelli in der Kirche San Luigi dei Francesi in Rom.                                                                      Wikipedia
 

   Papst Franziskus macht ernst: Was er in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium von den Christen erwartet, fordert er auch von sich selbst. Der letzte Satz der Exhorte Evanglii Gaudium sieht als die große Verpflichtung in seinem Pontifikat: “denn jedes Mal, wenn wir auf Maria schauen, glauben wir wieder an das Revolutionäre der Zärtlichkeit und der Liebe.“ (288). Die folgenden Kurzberichte geben davon Zeugnis.

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Papstpredigt: Unter dem Blick Jesu  -  Segen durch Papst Franziskus

   Der barmherzige Blick Jesu, der den Sünder auswählt: Das ist eine der Schlüsselszenen in der Spiritualität von Papst Franziskus. Sein Wahlspruch „miserando atque eligendo“ (etwa: durch barmherzigen Blick erwählt) bezieht sich genau darauf. Auch in seiner Predigt bei der Frühmesse in der Casa Santa Marta beschäftigte sich Franziskus an diesem Freitag mit dem Blick Jesu – und zwar dem Blick, den er an verschiedenen Stellen der Evangelien auf Petrus richtet.
   Da ist zunächst, am Anfang des Johannesevangeliums, ein „Blick der Berufung“: Der Herr sieht den Fischer Simon an, gibt ihm den neuen Namen Petrus und ruft ihn in seine Nachfolge. Dieser folgt, wie Papst Franziskus formulierte, „mit Enthusiasmus“: „Das war die erste Zeit des Gehens mit dem Herrn.“ Ganz anders hingegen der Blick, den der gefangene Jesus dem Petrus Jahre später zuwirft in dem Moment, als Petrus ihn aus Angst, ebenfalls verhaftet zu werden, unter Flüchen verleugnet. „Da hat er alles verloren“, kommentierte Franziskus, „er hatte seine Liebe verloren.“
   „Das Lukasevangelium sagt: ‚Und Petrus weinte bitterlich.’ Dieser Enthusiasmus der Nachfolge Christi ist zu Geheul geworden, weil er gesündigt und Jesus verleugnet hat. Dieser Blick (Jesu) ändert das Herz des Petrus noch mehr als der frühere Blick. Der erste Wechsel, das war der Namenswechsel und die Berufung. Dieser zweite Blick aber ändert das Herz: Das ist ein Wechsel der Bekehrung zur Liebe hin.“
   Und der dritte Blick? Das ist der, von dem das Tagesevangelium Joh 21,1.15-19 berichtet. Der Auferstandene am See, seine Fragen an Petrus, dreimal wiederholt, ‚Liebst du mich?’, die Betretenheit des so Geprüften, der nach der dritten Frage „traurig und wieder den Tränen nahe ist“. „Traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte, ob er ihn denn liebe. Er antwortet: ‚Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe’. Die Antwort Jesu: ‚Weide meine Schafe!’ Das ist der dritte Blick, der Blick der Mission...“
   Aber, so fuhr der Papst fort, „hier endet die Geschichte nicht“. Jesus sage ja noch mehr zu Petrus – in der Paraphrase durch Franziskus hörte sich das so an: „Du tust das alles aus Liebe, und dann? Wirst du dann zum König gekrönt? Nein!“ Stattdessen sage Jesus voraus, dass Petrus ihm bis ans Kreuz folgen müsse. „Auch wir können einmal überlegen: Wie blickt Jesus heute auf mich? Wie sieht er mich an? Mit einer Berufung? Einer Vergebung? Mit einer Mission? Auf der Straße, die er gegangen ist, sind wir alle unter dem Blick Jesu. Er sieht uns immer voller Liebe an. Er bittet uns um etwas, er verzeiht uns etwas, er gibt uns einen Auftrag. Jetzt kommt Jesus auf dem Altar zu uns. Jeder von uns möge denken: ‚Herr, du bist hier bei uns. Schau auf mich und sag mir, was ich tun soll! Wie ich über meine Fehler, meine Sünden weinen soll. Mit welchem Mut ich vorangehen soll auf dem Weg, den du als erster gegangen bist.“ Rv150522sk

Das Petrus-Amt in der Kirche ist im Matthäus-Evangelium festgelegt:

   Jesus sagte zu ihm [Petrus]: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.  Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein,  und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. Mt 16,17-19.

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Der Papst grüßt die Frauen

   Papst Franziskus hat die Frauen aus Anlass des Internationalen Frauentags gewürdigt. Frauen seien wichtig, nicht nur weil sie das Leben brächten, sondern weil sie einen anderen Blick auf die Wirklichkeit ermöglichten.
   „Das ist für uns eine Gelegenheit, um erneut die Bedeutung und die Wichtigkeit der Präsenz von Frauen im Leben zu betonen. Eine Welt, in der Frauen an den Rand gedrängt werden, ist steril, nicht nur weil die Frauen das Leben bringen, sondern weil sie uns dazu befähigen weiterzusehen – denn sie schauen weiter -, und sie ermöglichen uns, die Welt mit anderen Augen zu sehen, die Dinge mit einem Herz zu erspüren, das kreativer ist, geduldiger und zärtlicher. Ein Gebet und einen besonderen Segen für die Frauen, die hier auf dem Platz sind und alle Frauen!“
   Enstanden ist der Weltfrauentag zur Zeit des Ersten Weltkriegs im Kampf für Gleichberechtigung und das Wahlrecht von Frauen. Rv150308

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Franziskus: Der erste Prediger über Jesus - eine Frau  -   Papst Franziskus über die Würde des Alterns

   Papst Franziskus hat die alte Prophetin Anna als „erste Predigerin über Jesus“ gewürdigt. In seiner Katechese bei der Generalaudienz über den spirituellen Reichtum alter Menschen erinnerte Franziskus an die Stelle aus dem Lukas-Evangelium Lk 2,29-32, als die beiden Alten Simeon und Anna im Jerusalemer Tempel dem neugeborenen Jesus begegnen. Die beiden hatten „keine wichtigeren Aufgaben als diese: auf den Herrn warten und beten“, so der Papst. Simeon sei in dieser Begegnung zum Dichter geworden, Anna zur „ersten Predigerin“ über Jesus: Sie „sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten“, zitierte Franziskus die Schrift.
   Der Papst lud alle Gläubigen im fortgeschrittenen Alter dazu ein, sich auf Simeons und Annas geistliche Spuren zu begeben. „Das Gebet der Alten und der Großeltern ist ein Geschenk für die Kirche, ein Reichtum! Eine Injektion der Weisheit auch für die ganze Gesellschaft: besonders jene, die zu beschäftigt ist, zu eingespannt und zu zerstreut. Jemand muss doch auch für sie singen und die Zeichen Gottes verkünden und für sie beten!“ Der Papst würdigte an dieser Stelle seinen Vorgänger Benedikt XVI., „der die Wahl getroffen hat, seinen letzten Lebensabschnitt im Gebet und im Hören auf Gott zuzubringen“.
   „Alt zu sein, ist eine Berufung“, unterstrich Franziskus vor den Gläubigen auf dem Petersplatz. Es sei keineswegs die Zeit, „die Ruder ins Boot zu ziehen“. Allerdings gelte es, sich diese geschenkte Zeit des Lebens ein wenig zu „erfinden“, denn „unsere Gesellschaften sind spirituell und moralisch noch nicht dazu in der Lage“, der letzten Lebensphase „ihren vollen Wert zu geben“. Selbst die christliche Spiritualität sei „ein wenig auf dem falschen Fuß erwischt“ worden: „Es geht darum, eine Spiritualität der alten Menschen zu entwerfen“.
   Franziskus, der sich selbst ausdrücklich in die Reihen der Alten stellte, zählte einige geistliche Aufgabenfelder für seine Altersgenossen auf. „Wir können dem Herrn für die empfangenen Gaben danken und die Leere der Undankbarkeit erfüllen, die ihn umgibt. Wir können für die Erwartungen der neuen Generationen eintreten und die Erinnerung an die Opfer der vergangenen Generationen würdigen. Wir können die ehrgeizigen Jugendlichen daran erinnern, dass ein Leben ohne Liebe ein trockenes Leben ist. Wir können den angsterfüllten Jugendlichen sagen, dass die Angst vor der Zukunft besiegt werden kann. Wir können die zu sehr in sich selbst verliebten Jugendlichen lehren, dass im Geben mehr Freude liegt als im Nehmen. Die Großväter und die Großmütter bilden den dauerhaften Chor eines großen spirituellen Heiligtums, in dem das Fürbitt-Gebet und der Lobgesang die Gemeinde unterstützen, die im Feld des Lebens arbeitet und kämpft.“
   Das Gebet reinige auch das Herz, fuhr Franziskus fort. Lob und Fürbitte bei Gott beugten der „Verhärtung des Herzens“ vor. „Wie hässlich ist der Zynismus eines Alten, der den Sinn seines Zeugnisses verloren hat, die Jungen verachtet und keine Lebensweisheit ausstrahlt! Und sie schön dagegen ist die Ermutigung, die der Alte dem Jungen zu übermitteln versteht, der den Sinn des Glaubens und des Lebens sucht!“ Worte von Großeltern hätten „etwas Besonders“ für Jugendliche. Franziskus bekannte, dass er selbst immer einen Brief bei sich trage, den ihm seine Großmutter am Tag seiner Priesterweihe eingeschrieben zukommen ließ. Der Brief liege in seinem Brevier „und ich lese ihn oft, und er tut mir gut“. Er wünsche sich „eine Kirche, die die Kultur des Aussonderns herausfordert mit der überfließenden Freude einer neuen Umarmung zwischen Jugendlichen und Alten.“  Rv150311

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Chef des Vatikan-TV: Kommunikation ist für Franziskus alles
Der Präfekt des Sekretariats für die vatikanische Kommunikation, Dario Edoardo Viganó, mit Papst Franziskus

   Franziskus ist der „Papst des Dialogs“. So umschreibt der Präfekt des Sekretariats für die vatikanische Kommunikation, Dario Edoardo Viganó, den Papst. Viganò ist auch Leiter des vatikanischen Fernsehzentrums CTV und hat nun ein Buch auf Italienisch herausgegeben über die Kommunikation des Papstes. Im Gespräch mit Radio Vatikan sagt er dazu: „Dieses Buch ist entstanden, weil wir einen Blick hinter die Kulissen zeigen wollen. Es handelt sich ja um ein Pontifikat mit viel Kreativität und das ist typisch für einen Mann der Kirche, der sich tief im Geheimnis Gottes verankert sieht. Das haben wir ja bereits kurz nach dem weißen Rauch am Ende des Konklave gesehen und da beginnt auch unsere Erzählung.“
   CTV habe die historische Aufgabe übernommen, diesen Papst von Anfang an der Welt zu zeigen und zwar so, wie er ist: authentisch, nah und ehrlich.
   „Ich erläutere ein Gespräch zwischen mir und einem Kamera-Techniker, der schon vor uns in der Regie wusste, wer nun auf dem Balkon des Petersdomes erscheinen wird, weil er dort unmittelbar stand und wir von unserem Raum aus natürlich noch nichts sahen. Dieses Gespräch zeigt, wie nah der Papst sein will. Das hat dann auch zu einem neuen Kamera-Blick geführt: man sah nämlich den Papst auf dem Balkon von hinten. So hatte man im Fernsehen den Eindruck neben ihm zu sein und auch den Blick auf die Menschenmenge zu erfahren, die er selber hatte.“
   Dem Papst sei die Kommunikation ein großes Anliegen, so der päpstliche Beauftragte für die vatikanischen Medien. „Das hat eine nicht-strategische Bedeutung, würde ich sagen. Die Kommunikation ist für ihn so wichtig, weil er eine Verbindung zu den Mitmenschen schaffen will und dazu bedarf es natürlich des Dialogs. Ihm ist es zum Beispiel ein Anliegen, dass vor jeder Aufzeichnung einer Videobotschaft er als erstes alle Techniker einzeln grüßt und sich danach auch bei jedem, der anwesend war sich bedankt und die Hand reicht. Seine Kommunikation ist nicht gestellt sondern er ist so.“  rv151216mg

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 Papst Franziskus ermutigt zur Beichte             Foto: Weltjugendtag in Rio de Janeiro

   Der Papst einige Quick-Tips für die Vorbereitung einer guten Beichte. Franziskus erklärt, warum die Beichte notwendig ist:  “Weil wir alle Sünder sind”. Wir müssen lernen, “tapfer” zu werden im Kampf gegen das Böse und freudig das Gute wählen. Franziskus bittet die Christen, ihr Herz zu bewachen und zu schützen – wie wir unsere Wohnung schützen und abschließen.  
   “Wie oft hast du schlechte Gedanken, schlechte Absichten, bist neidisch, eifersüchtig”, fragt Franziskus. “Wer öffnet die Tür deines Herzens, und lässt diese Gedanken herein?” Der Papst sagt, der beste Weg, sein Herz zu bewachen, ist die tägliche Übung der “Gewissenserforschung”. So erinnern wir uns, was wir Schlechtes getan haben und Gutes versäumt haben gegenüber Gott, dem Nächsten und uns selbst.
    Katholische Christen sollten zur Beichte gehen, weil jeder die Vergebung seiner Sünden nötig hat, wenn wir “gegen das Evangelium gedacht und gehandelt haben”. Franciskus zitiert Worte der Bibel: “Wer sagt, er sei ohne Sünde, ist ein Lügner oder blind.”
   Beichten bedeutet aufrichtig umzukehren und ist eine Gelegenheit, auf die Vegebung Gottes fest zu vertrauen, der seinen Kindern helfen will, wieder auf den rechten Weg zu mit Jesus zu gehen. CH280215CarolGlatz/kbwn

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Messe in der Kapelle Santa Marta. Papstpredigt: Gott vergibt, wir müssen nur darum bitten

   Entschuldigung und Vergebung sind zwei verschiedene Dinge. Papst Franziskus sprach in der Predigt bei der Morgenmesse über die Sünde und die Notwendigkeit, um Vergebung zu bitten. Um Vergebung von Gott zu erhalten, müsse man dem Vaterunser folgen und dessen Bitte aussprechen „Und vergib uns unsere Schuld“.
   Gott sei allmächtig, so der Papst im Haus Santa Marta, aber irgendwie endet seine Allmacht an der verschlossenen Tür des Herzens. Das Evangelium des Tages spricht von den „nicht sieben, sondern siebenundsiebzig Mal“, die man vergeben müsse. Es verbinde so die Vergebung Gottes für uns mit unserer Vergebung der Sünden der anderen. Alles beginne damit, dass wir um diese Vergebung bäten.
 „Jesus lehrt uns zu zum Vater zu beten: ‚Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.’”, führte der Papst den Gedanken aus. „Wenn wir nicht fähig sind, zu vergeben, sind wir auch nicht fähig, um Vergebung zu bitten. ‚Aber Pater, ich gehe doch beichten’, ‚und was machst du vor der Beichte?’  ‚Ich denke an das, was ich schlechtes getan habe…’ . Das ist gut so. Aber dir fehlt noch etwas: hast du auch denen vergeben, die dir Schlechtes getan haben?’“
   In einem Wort: Die Vergebung, die Gott gebe, brauche die Vergebung, die wir dem Nächsten geben. „Das ist das, was Jesus uns über die Vergebung lehrt. Erstens: um Vergebung bitten ist nicht einfach eine Entschuldigungsbitte, sondern man muss seine Sünden kennen, den Götzendienst, den ich geleistet habe, diese vielen Götzendienste. Zweitens: Gott vergibt immer. Aber ich muss darum bitten. Wenn ich selber nicht vergebe, dann schließe ich in gewisser Hinsicht der Vergebung Gottes die Tür. ‚Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.’  OR150310RV

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„Aber ich bin’s doch gar nicht gewesen...“

    Urteile über den Nächsten zu fällen, ist einfach. Auf dem Weg des Christen kommt man aber nur voran, wenn man die Weisheit hat, sich selbst anzuklagen und die Schuld nicht nur bei anderen zu suchen. Das sagte Papst Franziskus bei seiner Morgenpredigt. Die liturgischen Texte des Tages kreisen um das Thema Barmherzigkeit, der Papst erinnerte daran, dass alle Sünder seien, auch wenn wir das nicht immer wahrhaben wollten.
   „Wir alle sind Meister darin, uns selbst zu rechtfertigen: Aber ich bin’s gar nicht gewesen, es ist nicht meine Schuld, aber er war doch nicht so schlimm... Wir alle haben Ausreden für unsere Schwächen, unsere Sünden, und immer können wir dieses Unschuldsgesicht machen, das sagt ‚Ich? Keine Ahnung, das muss ein anderer gewesen sein.’ Aber so geht es im christlichen Leben nicht weiter.“
   Der erste Schritt sei also der, sich selber anklagen. Wenn ich bei mir selbst etwa Neid entdecke und weiß, dass dieser Neid dazu führt, dass ich schlecht über jemanden spreche und ihn moralisch töte, dann ist es weise, mich selber anzuklagen, so der Gedankengang des Papstes. 
   Schon als Verantwortlicher für die Ausbildung im Jesuitenorden in Argentinien hat Pater Bergoglio einen kurzen Text geschrieben, „Über die Selbstanklage“, in dem er dieser geistlichen Dynamik nachgeht. Seit einem Jahr liegt der Text auch auf deutsch vor. 
   Der Papst unterstrich noch eine weitere Tugend: Scham zu empfinden vor Gott, und das in einem Dialog, nämlich indem wir die eigene Schuld anerkennen. „Bei dir, Herr, unser Gott, ist Barmherzigkeit und Vergebung. Die Schande ist bei mir, und die Barmherzigkeit und die Vergebung bei dir. Dieses Gespräch mit Gott zu halten, tut uns gut während der Fastenzeit. Klagen wir uns selber an, bitten wir um Barmherzigkeit! Im Evangelium sagt Jesus ganz klar: ‚Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist’. Und so ist der, der sich selbst anklagt, auch barmherzig mit anderen. ‚Wer bin ich, zu urteilen, wenn ich dazu fähig bin, noch viel Schlimmeres zu tun?’“. Der Satz „Wer bin ich, zu urteilen“ rühre von der Ermahnung Jesu her, so der Papst: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ rv150302

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Das große Papst-Interview für die Armen seiner Heimat

   Papst Franziskus hat abermals ein Interview gegeben. Die Nachricht ist diesmal auch, wem er es gab: einer kleinen Straßenzeitung aus einem Armenviertel von Buenos Aires, die erst letzten Dezember gegründet wurde. Es waren die Einwohner des Viertels Carcova selbst, die die Fragen an den Papst formulierten. Der Pfarrer von Carcova ist Jose Maria di Paola, ein geistlicher Ziehsohn Bergoglios. Er zeichnete am 7. Februar in Rom die Antworten von Papst Franziskus auf. Das Interview – eine Art bodenständiges Pendant zum Interview für die Jesuitenzeitschriften von 2013 – erscheint wenige Tage vor dem zweiten Jahrestag der Wahl Bergoglios zum Papst am 13. März 2013.
Wir dokumentieren eine zusammenfassende Übersetzung 
Sie sprechen viel von der Peripherie. Woran denken Sie, wenn Sie von Peripherie sprechen? An uns, die Leute aus dem Armenviertel?
   Franziskus: „Wenn ich von Peripherie spreche, spreche ich von Grenzen. Normalerweise bewegen wir uns in Räumen, die wir auf gewisse Weise kontrollieren. Das ist das Zentrum. Aber wenn wir uns vom Zentrum weg bewegen, entdecken wir mehr Dinge. Und wenn wir dann von jenen Dingen, die wir entdeckt haben, wieder auf das Zentrum schauen, von unseren neuen Positionen, von dieser Peripherie, sehen wir, dass die Wirklichkeit anders ist. Eine Sache ist es, die Wirklichkeit vom Zentrum zu sehen, und eine andere ist es, sie vom entferntesten Ort zu sehen, an den sie gelangt sind. Die Wirklichkeit sieht man besser von der Peripherie als vom Zentrum. Auch die Wirklichkeit eines Menschen, der existenziellen Peripherien und sogar die Wirklichkeit des Denkens. Du kannst ein sehr scharfes Denken haben, aber wenn du dann jemandem gegenüberstehst, der außerhalb dieses Denkens ist und du irgendwie die Berechtigung deines eigenen Denkens suchen musst, und zu diskutieren beginnst, dann wächst du an der Peripherie des Denkens des anderen.“
Drogenabhängigkeit wird immer schlimmer
Sie kennen unsere Probleme. Die Drogenabhängigkeit wird immer schlimmer und zerstört unsere Jugendlichen. Wer kann uns schützen? Und wir können wir uns selbst schützen?
   Franziskus: „Das stimmt, die Drogenabhängigkeit wird immer schlimmer. Es gibt Länder, die bereits Sklaven der Droge sind, das macht uns Sorgen. Was mich am meisten beunruhigt, ist der Triumphalismus der Drogenhändler. Diese Leute schreien bereits Sieg, sie haben gewonnen. Mit Blick auf Argentinien kann ich nur folgendes sagen: vor 25 Jahren war es ein Durchgangsland für Drogen, heute werden sie dort konsumiert. Und ich weiß es nicht genau, aber ich glaube, dort werden auch Drogen hergestellt.“
Was ist das wichtigste, was wir unseren Kindern mitgeben müssen?
   Franziskus: „Die Zugehörigkeit. Die Zugehörigkeit zu einem Zuhause. Die Zugehörigkeit entsteht durch Liebe, durch Zeit, indem man die Kinder an der Hand führt, ihnen zuhört, mit ihnen spielt, ihnen in jedem Moment das gibt, was sie brauchen, um zu wachsen. Vor allem, indem man ihnen Raum gibt, sich auszudrücken. Wenn du nicht mit deinen Kindern spielst, bringst du sie um die Erfahrung der Unentgeltlichkeit. Wenn du ihnen keinen Raum gibst, sich auszudrücken und zu sagen, was sie fühlen, ja sogar mit dir zu streiten, weil sie sich frei fühlen, dann hinderst du sie am Wachsen. Aber das wichtigste ist der Glaube. Es tut mir weh, wenn ich Jugendliche sehe, die nicht wissen, wie das Kreuzzeichen geht. Diese Jugendlichen haben das wichtigste verpasst, was ein Vater und eine Mutter ihnen geben können: der Glaube.“
Jeder Mensch kann sich ändern
Sie glauben immer, dass die Möglichkeit zur Änderung besteht, sowohl bei Menschen, die im Leben sehr herumgeworfen wurden, als auch in sozialen oder internationalen Situationen, die Ursache großen Leides für die Bevölkerung sind. Woher nehmen Sie diesen Optimismus, auch in Lebenslagen, wo man verzweifeln müsste?
   Franziskus: „Jeder Mensch kann sich ändern, auch die am schwersten geprüften. Ich kenne Leute, die existenziell bedroht waren, und heute sind sie verheiratet und haben ein Zuhause. Das ist nicht Optimismus, das ist Gewissheit in zwei Dingen. Erstens Vertrauen in den Menschen. Der Mensch ist das Bild Gottes, und Gott schätzt sein Abbild nicht gering, sondern erlöst es immer irgendwie. Und das zweite ist die Kraft des Heiligen Geistes, der langsam auf die Gewissen einwirkt. Es ist nicht Optimismus, sondern Glaube in den Menschen, in die Person, weil sie Tochter Gottes ist. Gott gibt seine Kinder nicht auf. Ich wiederhole gern den Satz, dass wir Kinder Gottes „die Pfote auf jede Maus legen“ [etwa: in jede Falle tappen], wir irren uns, wir sündigen, aber wenn wir um Vergebung bitten, vergibt Gott immer. Er wird nie müde uns zu vergeben. Wir sind es, die – wenn wir viel von uns halten - müde werden, um Vergebung zu bitten.“
Wie kann man es schaffen, im Glauben fest und sicher zu sein?
   Franziskus: „Ja, es gibt Höhen und Tiefen. In einigen Augenblicken sind wir überzeugt von der Gegenwart Gottes, in anderen vergessen wir das. Die Bibel sagt: das Leben des Menschen ist ein Kampf. Das heißt, du musst in Frieden sein und kämpfen. Vorbereitet, nicht zu versagen, immer wachsam sein, und andererseits alle schönen Dinge genießen, die Gott dir im Leben gibt. Wachsam sein, nicht schwarzseherisch, nicht pessimistisch.
   Wie kann man konstant im Glauben sein? Wenn du dir nicht versagst, ihn ganz nahe zu spüren, wirst du den Glauben in deinem Herzen finden. An anderen Tagen kann es sein, dass du überhaupt nichts spürst. Und doch ist der Glaube da, richtig? Man muss sich an die Vorstellung gewöhnen, dass der Glaube kein Gefühl ist. Manchmal gibt uns der Herr die Gnaden, ihn zu spüren, aber der Glaube ist mehr als das. Der Glaube ist meine Beziehung mit Jesus Christus, ich glaube, dass Er mich gerettet hat. Das ist der richtige Punkt des Glaubens. Überleg dir einmal selber, in welchen Augenblicken deines Lebens es dir schlecht ging, wo du dich verirrt hast, wo es nicht lief, und beobachte, wie Christus dich gerettet hat. Und halte das fest, das ist die Wurzel deines Glaubens. Und immer das Evangelium in der Hand. Führe immer ein kleines Evangelium in der Tasche mit. Das ist das Wort Gottes. Davon lebt der Glaube. Nach alldem aber: Der Glaube ist ein Geschenk, keine psychologische Haltung. Und wenn du ein Geschenk kriegst, behältst du es doch, oder? Empfange also das Geschenk des Evangeliums und lies es. Lies es und höre das Wort Gottes.“
Mein Leben war gar nicht so intensiv und reich
Sie haben ein reiches Leben. Wir wollen auch so ein reiches, intensives Leben. Wie stellt man es an, nicht unnütz zu leben? Und wie kann man wissen, dass man nicht unnütz lebt?
   Franziskus: „Naja, ich habe eigentlich ziemlich unnütz gelebt, oder? Mein Leben war gar nicht so intensiv und reich. Ich bin ein Sünder wie jeder. Bloß lässt der Herr mich einfach Dinge machen, die sichtbar sind. Wie oft gibt es Leute, die man nicht sieht, aber das Gute, das sie tun! Intensität lebt man innen, und indem man den Glauben nährt. Wie? Mit fruchtbaren Werken, mit Werken der Liebe für die Leute. Vielleicht ist die schlimmste Sünde gegen die Liebe, einen Menschen zu verleugnen. Da gibt es einen Menschen, der dich liebt, und du verleugnest ihn und tust so, als kennst du ihn nicht. Wer uns am meisten liebt, ist Gott. Gott zu verleugnen ist eine der schlimmsten Sünden, die es gibt. Der Heilige Petrus beging diese Sünde, er verleugnete Jesus…und sie machten ihn zum Papst! Und was bleibt mir da noch übrig? Vorwärts!“
Behalten Sie Menschen in Ihrer Nähe, die nicht mit Ihnen übereinstimmen?
    Ja, sicher.
 Und wie gehen Sie mit ihnen um?
   Franziskus: „Es ist mir nie schlecht ergangen, diesen Menschen zuzuhören. Jedes Mal, wenn ich ihnen zuhöre, ist es gut. Jene Male, wo ich ihnen nicht zuhörte, war es schlecht. Denn selbst wenn du nicht immer einer Meinung bist, geben sie dir immer etwas oder sie bringen dich in eine Lage, dass du so deine eigenen Sachen überdenken musst. Und das hilft dir. Das ist die Art, mit denen umzugehen, die nicht einer Meinung mit uns sind. Also, wenn es da jemanden gibt, der anderer Meinung ist und ich grüße ihn nicht, dann schlage ich ihm die Tür vor der Nase zu und lasse ihn nicht sprechen, ich frage ihn nichts, und dann ist es offensichtlich, dass ich mich selbst erniedrige. Das ist der Reichtum des Dialogs. Man wird reicher, indem man miteinander spricht und einander zuhört.“
Viele Jugendliche leben heute in virtuellen Beziehungen, das ist auch im Armenviertel so.  Wie stellt man es an, dass sie aus ihrer Fantasiewelt hinausgehen und echte Beziehungen unterhalten?
   Franziskus: „Ich würde unterschieden zwischen der Welt und der Fantasie der virtuellen Beziehungen. Manchmal sind die virtuellen Beziehungen nicht bloß Fantasie, sondern konkret, real. Aber klarerweise ist das Wünschenswerte die nicht-virtuelle Beziehung, eine physische Beziehung der Zuneigung. Ich glaube, die Gefahr, die wir heute laufen, ist es, durch viele virtuelle Fertigkeiten zu „Museums-Jugendlichen“ zu werden.  Ein „Museums-Jugendlicher“ ist sehr gut informiert, aber was macht er mit all dem? Im Leben fruchtbar zu sein, das geht nicht über den Weg, Information anzusammeln oder einfach virtuell zu kommunizieren, sondern das Konkrete der Existenz zu verändern. Letzten Endes ist es das: lieben.
   Du kannst einen anderen Menschen lieben, aber wenn du ihm nicht die Hand gibst, ihn nicht umarmst, ist es nicht Liebe; wenn du jemanden liebst, so wie du ihn heiraten würdest, also mit dem Wunsch, dich diesem Menschen komplett auszuliefern, und ihn nicht umarmst, nicht küsst, ist es nicht echte Liebe. Virtuelle Liebe gibt es nicht. Es gibt eine virtuelle Liebeserklärung, aber in der echten Liebe ist körperlicher, konkreter Kontakt vorgesehen. Gehen wir zur Essenz des Lebens. Ich spreche gern von den drei Sprachen: die Sprache des Kopfes, die Sprache des Herzens und die Sprache der Hände. Diese drei müssen in Harmonie sein. Sodass du denkst, was du fühlst und was du tust, dass du fühlst, was du denkst und tust, und dass du tust, was du fühlst und denkst. Wenn man auf der Eben des Virtuellen leibt, ist das wie in einem Kopf ohne Körper zu leben.“
Hoffentlich gibt es einen kostenlosen Wahlkampf
Gibt es etwas, das Sie der argentinischen Regierung im Wahljahr vorschlagen möchten?
   Franziskus: „Erstens, ein klarer Wahlkampf. Jeder soll sagen: Wenn wir regieren, machen wir dieses oder jenes. Schön konkret. … Zweitens, Ehrlichkeit in der Darstellung der eigenen Haltung. Und drittens – das ist eines der Dinge, die wir erreichen müssen, hoffentlich schaffen wir es – ein kostenloser Wahlkampf, einer, der nicht gesponsert wird. Denn in der Finanzierung von Wahlkämpfen tauchen viele Interessen auf, die am Ende die Rechnung präsentieren. Man muss unabhängig sein. Die Finanzierung muss öffentlich sein. Sie muss transparent und sauber sein.“
Wann kommen Sie nach Argentinien?
   Franziskus: „Im Prinzip 2016, aber Genaueres steht noch nicht fest, weil man das mit anderen Reisen in andere Länder abstimmen muss.“
Wir hören im Fernsehen Berichte, die uns sehr weh tun, dass es Fanatiker gibt, die Sie ermorden wollen. Haben sie keine Angst? Und wir, die wir Sie lieben, was können wir tun?
   Franziskus: „Das Leben ist in Gottes Händen. Ich habe zum Herrn gesagt: Schau auf mich. Aber wenn dein Wille ist, dass ich sterbe oder dass sie mir irgendetwas tun, bitte ich dich nur um einen Gefallen: dass es mir nicht weh tut. Denn ich bin sehr feig im Aushalten von körperlichem Schmerz.“  LaCarcovaNews150310RV

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Ein Weg der geistlichen Bekehrung: Barmherzigkeit -  Papst Franziskus feiert die Bußliturgie

  „Ich habe entschieden, ein außerordentliches Jubiläumsjahr auszurufen, in dem es um die Barmherzigkeit Gottes gehen wird. Es wird ein „Heiliges Jahr der Barmherzigkeit“ sein. Wir wollen es im Licht der Worte Jesu leben: „Seid barmherzig wie der Vater“ Lk 6,36.“ Mit diesen Worten kündigte Papst Franziskus den Beginn eines außerordentlichen Heiligen Jahres an. Er predigte anlässlich des Bußgottesdienstes, der in der Petersbasilika anlässlich der Initiative „24 Stunden für den Herrn“ stattfand. In dieser Predigt erläuterte er die Barmherzigkeit Gottes anhand der Evangeliums-Lesung, die von der Sünderin berichtet, die Jesus die Füße wäscht. Die in Jesus sichtbar gewordene göttliche Barmherzigkeit sei der Auftrag der Kirche, so der Papst, und so begründete er auch die Einberufung des Heiligen Jahres: „Ich habe darüber nachgedacht, wie die Kirche noch mehr ihren Auftrag, Zeugin der Nächstenliebe zu sein, erfüllen kann. Es ist ein Weg, der mit einer geistlichen Bekehrung beginnt.“
   Die Sünderin des Evangeliums sei von der Liebe Gottes berührt worden und habe sich deswegen getraut, sich Jesus zu nähern, so der Papst. „Ihre Tränen der Reue und der Freude waschen die Füße des Meisters, und ihre Haare trocknen sie in Dankbarkeit; die Küsse sind Ausdruck ihrer reinen Zuneigung; und die reichhaltig ausgegossene wohlriechende Salbe bezeugt, wie kostbar er in ihren Augen ist. Jede Geste dieser Frau spricht von Liebe und drückt ihre Sehnsucht aus, eine unerschütterliche Sicherheit in ihrem Leben zu haben: dass ihr vergeben ist. Und Jesus gibt ihr diese Sicherheit: Sie annehmend zeigt er ihr die Liebe Gottes für sie, ganz allein für sie!“
   Der Papst sprach von der echten Begegnung, die zwischen der Sünderin und Jesu stattgefunden habe. Sie habe ihn wirklich erkannt. Dem Pharisäer Simon, in dessen Haus die Episode stattfindet, sei das nicht gelungen, so Papst Franziskus weiter. „Er verbleibt fest auf der Schwelle seiner Förmlichkeit. Er ist nicht fähig, den nächsten Schritt zu tun und zur Begegnung mit Jesus zu gelangen, der ihm die Erlösung bringt.“ Simon habe Jesus zwar zum Essen eingeladen, aber nicht wirklich aufgenommen, er bleibe an der Oberfläche.
   Christen seien berufen, über diese Oberfläche hinaus zu schauen, schloss der Papst aus der Erzählung für das Leben der Kirche. „Niemand ist von der Barmherzigkeit Gottes ausgeschlossen; alle kennen den Weg, um sie zu betreten und die Kirche ist das Haus, das alle aufnimmt und niemanden zurückweist. Ihre Tore sind weit offen, so dass alle, die von der Gnade berührt sind, die Sicherheit der Vergebung finden können. So groß die Sünden sein mögen, größer ist die Liebe der Kirche für diejenigen, die sich Bekehren.“
   Diesen Gedanken will Papst Franziskus dann mit dem Beginn des Heiligen Jahres am 8. Dezember besonders in den Blick nehmen. RV150313ord

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Heiliges Jahr 2016: Papst ruft „Jubiläum der Barmherzigkeit“ aus 

  Papst Franziskus ruft das Heilige Jahr der Barmherzigkeit aus. Es beginnt am 8. Dezember 2015, der 50. Jahrestages des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65).  RV150313ord

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Was sind die Werke der Barmherzigkeit? Foto: Franziskus mit einer Darstellung des barmherzigen Jesus

   Im Heiligen Jahr sollen die Gläubigen die „Werke der Barmherzigkeit“ neu entdecken. Das regt Papst Franziskus in seiner Bulle an. Eine alte Tradition, früher kannte jeder Christ die Liste auswendig, um sein eigenes Handeln davon leiten zu lassen, mittlerweile hat sich Staub über dieses Traditionswissen gelegt. Was sind die Werke der Barmherzigkeit?
   „Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso“. Was das Lukasevangelium 3,11 beschreibt, ist einer der Grundzüge christlichen Handelns, das in der Tradition in die Werke der Barmherzigkeit entwickelt wurde. Man unterscheidet leibliche und geistliche Werke. Diese Werke sind aber weder moralisch zu verstehen, noch „erwirbt“ man sich damit die Gnade oder das Wohlwollen Gottes. Sie sind vielmehr Ausdruck eines Handelns, das der Nachfolge Jesu gemäß ist.
   Die sieben Werke der leiblichen Barmherzigkeit sind: Hungrigen zu essen geben, Obdachlose aufnehmen, Nackte bekleiden, Kranke und Gefangene besuchen, Tote begraben, Almosen geben. Daneben gibt es die sieben Werke der geistlichen Barmherzigkeit: Unwissende lehren, Zweifelnde beraten, Trauernde trösten, Sünder zurecht weisen, Beleidigern gern verzeihen, Lästige geduldig ertragen, für die Lebenden und Verstorbenen beten.
   Eingang in den Katechismus der Katholischen Kirche haben diese Werke unter der Nummer 2447 gefunden.
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Papst empfängt Beichtväter: Sakrament muss befreiend wirken

Papst traf Teilnehmer eines Fortbildungskurses für Beichtväter
    „Es gibt keine Sünde, die Gott nicht vergeben könne, keine!“ Das betonte Papst Franziskus an diesem Donnerstag bei einer Audienz für die Teilnehmer eines Fortbildungskurses für Beichtväter, welcher von der Apostolischen Pönitentiarie ausgerichtet wird. „Die Sakramente sind, wie wir wissen, der Ort der Nähe und der Zärtlichkeit Gottes für den Menschen,“ so der Papst in seiner Ansprache. „Sie sind die konkrete Weise, in denen Gott uns begegnet, um uns zu umarmen, ohne sich unser und unserer Begrenztheiten zu schämen.“
   Es sei die Aufgabe besonders in der Beichte, die Menschen der Barmherzigkeit Gottes Nähe zu bringen, führte der Papst aus. Er ermahnte, dass eine Beichte kein Ausfragen werden dürfe, im Gegenteil, sie müsse befreiend wirken. Vor seiner Ernennung zum Weihbischof hatte Papst Franziskus selber zwei Jahre lang in Argentinien vor allem als Beichtvater gearbeitet. Weder der laxe Umgang mit Sünde noch das überstrenge Festhalten an Regeln zeige einen geschwisterlichen Umgang mit dem Beichtenden, so der Papst. Es gehe darum, die Büßenden an die Hand zu nehmen und zur Bekehrung zu begleiten, das sei wahre Barmherzigkeit.
   „Aber auch euch Beichtvätern sage ich: lasst euch selbst vom Sakrament der Beichte erziehen! Wie viel können wir doch lernen von der Bekehrung und der Reue unserer Brüder und Schwestern! Sie treiben uns an, selber auch eine Gewissenserforschung zu machen. Liebe ich denn den Herr genauso wie diese alte Frau? Ich, Priester, der ich Diener der Barmherzigkeit bin, bin bereit zur selben Barmherzigkeit, wie ich sie im Herz dieses Menschen in der Beichte sehe? Bin ich Beichtvater bereit, dieselbe Bekehrung zu machen, wie ich sie in diesem Menschen in der Beichte sehe, dem ich diene?“
   Papst Franziskus erinnerte abschließend daran, dass in der Beichte nichts durch eigene Vollmacht geschehe, der Blick müsse immer auf Gott gerichtet bleiben. Weder durch theologische, psychologische noch durch juristische Kompetenz erlange man das Amt, sondern durch die Gnade und Liebe Gottes. „Wir dürfen diesen Blick auf Gott nie verlieren, der uns wirklich demütig macht, der uns unsere Schwestern und Brüder wirklich annehmen lässt, die zum Beichten zu uns kommen.“
   Die Pönitentiarie zählt zu den Gerichtshöfen der Katholischen Kirche, sie ist aber kein Kirchengericht im eigentlichen Sinn, sondern befasst sich mit Fragen des Gewissens, sowohl im sakramentalen wie auch im nichtsakramentalen Bereich. Vor allem geht es um das so genannte Forum Internum, also den vertraulichen Bereich in der Seelsorge. Rv150312or 

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Papst Benedikt XVI. überreicht Kardinal Rainer Maria Woelki das Pallium zum Zeichen der Verbundenheit mit Rom

Die    Papst Benedikt XVI. hat  am 29. Juni 2012 im Petersdom 46 neuen Erzbischöfen, die im vergangenen Jahr in ihre Ämter berufen wurden, das Pallium als Zeichen ihrer Metropolitan-Würde als Leiter einer Kirchenprovinz verleihen. 44 von ihnen überreichte der Papst das Pallium am Beginn des Festgottesdienstes zum römischen Patronatsfest Peter und Paul persönlich. Zwei weitere Erzbischöfe erhalten das Pallium nach Vatikan-Angaben an ihrem Metropolitan-Sitz von einem Vertreter des Papstes. An der Messe zum römischen Patronatsfest Peter und Paul nahm auch eine hochrangige Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel teil. Hier die Predigt des Papstes auf Deutsch im Wortlaut:

Meine Herren Kardinäle, verehrte Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst,
liebe Brüder und Schwestern!
   Wir sind um den Altar versammelt, um in festlichem Glanz die heiligen Apostel Petrus und Paulus, die Hauptpatrone Roms, zu feiern. Unter uns weilen die im letzten Jahr ernannten Erzbischöfe der Metropolitansitze; sie haben soeben das Pallium erhalten, und ihnen gilt mein besonderer und freundschaftlicher Gruß. Ebenfalls anwesend ist eine von Seiner Heiligkeit Bartholomäus I. entsandte hochrangige Delegation des ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, die ich in brüderlicher wie herzlicher Verbundenheit empfange. In ökumenischem Geist freue ich mich, den Chor der Westminster Abbey, der gemeinsam mit der Cappella Sistina die musikalische Gestaltung der Liturgie übernommen hat, zu begrüßen und ihm zu danken. Ich grüße auch die Damen und Herren Botschafter sowie die Repräsentanten des öffentlichen Lebens: Allen danke ich für ihre Anwesenheit und für ihr Gebet.
   Vor der Petersbasilika stehen bekanntlich zwei imposante Statuen der Apostel Petrus und Paulus, die leicht an ihren Attributen – den Schlüsseln in der Hand des Petrus und dem Schwert in den Händen des Paulus – zu erkennen sind. Auch auf dem Hauptportal der Basilika Sankt Paul vor den Mauern sind Szenen aus dem Leben und aus dem Martyrium dieser beiden Säulen der Kirche gemeinsam dargestellt. Die christliche Überlieferung betrachtet von je her die heiligen Petrus und Paulus als untrennbar – zusammen stehen sie tatsächlich für das ganze Evangelium Christi. In Rom hat dann ihre Verbindung als Brüder im Glauben eine besondere Bedeutung erlangt. Die christliche Gemeinde dieser Stadt sah sie nämlich als eine Art Gegenaltar zu den mythischen Gestalten von Romulus und Remus, dem Brüderpaar, auf das man die Gründung Roms zurückführte. Man könnte auch noch an eine andere kontrastierende Parallele denken, ebenfalls zum Thema der Bruderschaft: Das erste Brüderpaar der Bibel zeigt uns nämlich die Wirkung der Sünde, als Kain den Abel tötet. Dagegen haben Petrus und Paulus, obwohl sie menschlich sehr verschieden waren und es in ihrer Beziehung nicht an Konflikten gefehlt hat, eine neue, nach dem Evangelium gelebte Art, Brüder zu sein, verwirklicht – eine authentische Art und Weise, die eben durch die in ihnen wirkende Gnade des Evangeliums Christi möglich wurde. Nur die Nachfolge Christi führt zur neuen Brüderlichkeit: Das ist die erste grundlegende Botschaft, die das heutige Hochfest jedem von uns überbringt und deren Bedeutung sich auch in dem Ringen um jene volle Gemeinschaft widerspiegelt, die der ökumenische Patriarch und der Bischof von Rom wie auch alle Christen ersehnen.
   In dem Abschnitt aus dem Matthäus-Evangelium, den wir eben gehört haben, legt Petrus ein Zeugnis seines Glaubens an Jesus ab, indem er ihn als Messias und Sohn Gottes bekennt; er tut das auch im Namen der anderen Apostel. Als Antwort offenbart der Herr ihm die Sendung, die er ihm anvertrauen will, nämlich „petra“, der „Fels“ zu sein, das sichtbare Fundament, auf dem das gesamte geistliche Gebäude der Kirche errichtet ist vgl. Mt 16,16-19. Doch in welcher Weise ist Petrus der Fels? Wie muss er diese Sonderposition verwirklichen, die er natürlich nicht für sich selbst erhalten hat? Die Erzählung des Evangelisten Matthäus sagt uns zunächst, dass die Erkenntnis der Identität Jesu, die Simon im Namen der Zwölf kundgetan hat, nicht aus „Fleisch und Blut“, das heißt aus seinen menschlichen Fähigkeiten hervorgegangen ist, sondern auf einer besonderen Offenbarung Gott Vaters beruht.
    Unmittelbar danach, jedoch, als Jesus sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung ankündigt, reagiert Simon Petrus genau nach dem Impuls von „Fleisch und Blut“: Er „machte ihm Vorwürfe …Das darf nicht mit dir geschehen!“ 16,22. Und Jesus erwiderte: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen“ V. 23. Der Jünger, der durch die Gabe Gottes ein starker Fels werden kann, zeigt sich auch als das, was er in seiner menschlichen Schwachheit ist: ein Stein auf der Straße, ein Stein, an dem man anstoßen und zu Fall kommen kann – skandalon, auf Griechisch. Hier tritt die Spannung, die zwischen der Gabe, die von Herrn kommt, und den menschlichen Fähigkeiten besteht, offen zutage. Und in dieser Szene zwischen Jesus und Simon Petrus sehen wir das Drama der Geschichte des Papsttums, die gerade durch das Miteinander dieser beiden Elemente gekennzeichnet ist, gewissermaßen vorweggenommen: Einerseits ist das Papsttum dank dem Licht und der Kraft aus der Höhe das Fundament der in der Zeit pilgernden Kirche; andererseits kommt im Laufe der Jahrhunderte auch die Schwäche der Menschen zum Vorschein, die nur durch ein Sich-Öffnen auf das Handeln Gottes hin verwandelt werden kann.
   Und es erscheint im heutigen Evangelium mit Nachdruck die klare Verheißung Jesu: „Die Mächte der Unterwelt“, das heißt die Mächte des Bösen, werden nicht die Oberhand gewinnen können, „non prevalebunt“. Dabei kommt einem die Erzählung von der Berufung des Propheten Jeremias in den Sinn, zu dem der Herr, als er ihm die Sendung aufträgt, sagt: „Ich selbst mache dich heute zur befestigten Stadt, zur eisernen Säule und zur ehernen Mauer gegen das ganze Land, gegen die Könige, Beamten und Priester von Juda und gegen die Bürger des Landes. Mögen sie dich bekämpfen, sie werden dich nicht bezwingen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten“  Jer 1,18-19. In Wirklichkeit ist die Verheißung, die Jesus dem Petrus gibt, noch größer als diejenigen, welche den alten Propheten gemacht wurden: Diese waren nämlich nur durch ihre menschlichen Feinde bedroht, während Petrus gegen die „Mächte der Unterwelt“, gegen die zerstörerische Macht des Bösen verteidigt werden muss. Jeremias empfängt eine Verheißung, die ihn als Menschen und seinen prophetischen Dienst betrifft; Petrus wird in Bezug auf die Zukunft der Kirche, der neuen Gemeinschaft beruhigt, die von Jesus Christus gegründet ist und sich über das persönliche Leben des Petrus hinaus auf alle Zeiten erstreckt.
   Kommen wir nun zum Symbol der Schlüssel, von dem wir im Evangelium gehört haben. Es verweist auf den Spruch des Propheten Jesaja über den Verwalter Eljakim, von dem es heißt: „Ich lege ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter. Wenn er öffnet, kann niemand schließen; wenn er schließt, kann niemand öffnen“ Jes 22,22. Der Schlüssel stellt die Autorität über das Haus David dar. Und es gibt im Evangelium noch ein anderes Wort Jesu, das an die Schriftgelehrten und an die Pharisäer gerichtet ist, denen der Herr vorwirft, den Menschen das Himmelreich zu verschließen vgl. Mt 23,13. Auch diese Aussage hilft uns, die Verheißung an Petrus zu verstehen: Ihm als dem treuen Verwalter der Botschaft Christi kommt es zu, die Tür des Himmelreiches zu öffnen und zu beurteilen, wer aufzunehmen und wer zurückzuweisen ist vgl. Offb 3,7. So drücken die beiden Bilder – das der Schlüssel und das des Bindens und Lösens – ähnliche Bedeutungen aus und bestärken sich gegenseitig. Das Wort vom „Binden und Lösen“ gehört zum rabbinischen Sprachgebrauch und spielt einerseits auf doktrinelle Entscheidungen an und andererseits auf die Disziplinargewalt, also auf die Macht, die Exkommunikation zu verhängen und aufzuheben. Die Parallele „auf Erden … im Himmel“ gibt die Gewähr, dass die Entscheidungen Petri in der Ausübung dieser seiner kirchlichen Funktion auch vor Gott Gültigkeit besitzen.
   Im 18. Kapitel des Matthäus-Evangeliums, das dem Leben der kirchlichen Gemeinde gewidmet ist, finden wir ein weiteres Wort Jesu an seine Jünger: „Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein“ Mt 18, 18. Und der heilige Johannes gibt in seiner Erzählung von der Erscheinung des auferstandenen Christus am Osterabend inmitten der Apostel dieses Herrenwort wider: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ Joh 20,22-23. Im Licht dieser Parallelen wird deutlich, dass die Autorität zu lösen und zu binden in der Macht besteht, die Sünden zu vergeben. Und diese Gnade, die den Kräften des Chaos und des Bösen ihre Wirksamkeit entzieht, liegt im Herzen des Dienstes der Kirche. Diese ist nicht eine Gemeinschaft von Vollkommenen, sondern von Sündern, die zugeben müssen, dass sie der Liebe Gottes bedürfen, dass sie es nötig haben, durch das Kreuz Jesu Christi gereinigt zu werden. Die Aussagen Jesu über die Autorität Petri und der Apostel lassen gerade dieses erahnen: dass die Macht Gottes die Liebe ist, die Liebe, die ihr Licht von Golgotha her ausstrahlt. So können wir auch begreifen, warum in der Erzählung des Evangeliums unmittelbar auf das Glaubensbekenntnis des Petrus die erste Leidensankündigung folgt: Mit seinem Tod hat Jesus tatsächlich die Mächte der Unterwelt besiegt, in seinem Blut hat er einen riesigen Strom der Barmherzigkeit über die Welt ausgegossen, der mit seinen heilbringenden Wassern die gesamte Menschheit tränkt.
   Liebe Brüder und Schwestern, wie ich zu Anfang sagte, stellt die ikonographische Tradition den heiligen Paulus mit dem Schwert dar, und wir wissen, dass dies das Werkzeug ist, mit dem er getötet wurde. Wenn wir jedoch die Schriften des Völkerapostels lesen, entdecken wir, dass sich das Bild des Schwertes auf seine ganze missionarische Sendung bezieht. So schreibt er zum Beispiel, als er den Tod herannahen spürt, an Timotheus: „Ich habe den guten Kampf gekämpft“ 2 Tim 4,7. Sicher nicht den Kampf eines Feldherrn, sondern den eines Verkünders des Wortes Gottes, in der Treue zu Christus und seiner Kirche, wofür er sich ganz hingegeben hat. Und genau deshalb hat der Herr ihm den Kranz der Herrlichkeit verliehen und ihn gemeinsam mit Petrus als Säule in das geistliche Haus der Kirche gestellt.
   Liebe Metropoliten, das Pallium, das ich euch überreicht habe, wird euch immer daran erinnern, dass ihr in der und für die Kirche eingesetzt seid; sie ist das große Geheimnis der Gemeinschaft, das geistliche Bauwerk, das auf Christus, dem Grundstein, und – in seiner irdischen und geschichtlichen Dimension – auf dem Felsen Petrus errichtet ist. Beseelt von dieser Gewissheit, wollen wir uns alle als Mitarbeiter der Wahrheit fühlen, die bekanntlich einzig und “sinfonisch“ ist und von jedem von uns wie auch von unseren Gemeinschaften den ständigen Einsatz der Umkehr zum Herrn in der Gnade des einen Geistes fordert. Es führe und begleite uns auf unserem Weg des Glaubens und der Liebe die heilige Mutter Gottes. Königin der Apostel, bitte für uns! Amen.

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Das Pallium, Zeichen der Verbindung zwischen Papst und Metropolitan-Erzbischöfen

Papst Franziskus hat eine Änderung bei der Verleihung der Pallien verfügt.
   In Zukunft wird er den neuen Erzbischöfen bei der Zeremonie zu Peter und Paul am 29. Juni im Vatikan die Wollstolen nicht „auferlegen“, sondern „überreichen“. Der Akt der „Auferlegung“ findet anschließend in den Erzdiözesen selbst statt und wird vom jeweiligen Apostolischen Nuntius durchgeführt. Dies hat der päpstliche Zeremonienmeister Guido Marini in einem Brief an alle Nuntiaturen bekannt gegeben. Durch diese Zweiteilung soll die Beziehung der Metropolitan-Erzbischöfe mit ihren Ortskirchen stärker zum Tragen kommen, erläuterte Marini im Gespräch mit Radio Vatikan.
   Auf diese Weise wird die ganze Bedeutung der Feier des 29. Juni beibehalten, die die Synodalität und auch die hierarchische Gemeinschaft zwischen dem Heiligen Vater und den neuen Erzbischöfen unterstreicht. Zugleich aber kommt – mit einer bedeutenden Geste – die Bindung mit der Ortskirche hinzu.
   Das Pallium symbolisiert die Verbundenheit von Papst und Erzbischöfen. Es ist eine ringförmige weiße Wollstola mit sechs eingestickten Seidenkreuzen und wird während der Eucharistiefeiern vom Papst und den Erzbischöfen über dem Messgewand getragen. Am Fest der Heiligen Agnes, dem 21. Januar, hatte Papst Franziskus wie üblich im Vatikan zwei Lämmer gesegnet, die symbolisch für jene Schafe stehen, aus deren Wolle das Pallium gewoben wird. Seine Entscheidung, den Ritus der Pallienübergabe zu ändern, entspricht offensichtlich seinem Wunsch nach Dezentralisierung.  Rv150129gsDT

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Orthodoxe Delegation in Rom zur Amtseinführung von Papst Franziskus

   Zum ersten Mal in der Geschichte war der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel zur Amtseinführung eines Papstes nach Rom gekommen.  Mit Patriarch Bartholomaios waren hohe Vertreter der Orthodoxen Kirche bei der Messe vor dem Petersdom anwesend. Papst Franziskus lud sie freundlich zum gemeinsamen Frühstück ins Gästehaus Santa Marta ein. Auch zahlreiche Vertreter anderer christlicher Kirchen und Gemeinschaften waren da.
Diese herzlich-brüderliche Nähe zeigt, welche Früchte aus der  ökmuenischen Bewegung gewachsen sind.

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Am Fest des Apostel Andreas machte Papst Franziskus einen Gegenbesuch im Phanar und erklärte:

  “ ... Durch eine glückliche Fügung findet dieser mein Besuch einige Tage nach der Feier des fünfzigsten Jahrestages der Promulgation des Dekrets des Zweiten Vatikanischen Konzils Unitatis redintegratio über die Bemühungen um die Einheit unter allen Christen statt. Es handelt sich um ein grundlegendes Dokument, durch das ein neuer Weg für die Begegnung zwischen den Katholiken und den Brüdern der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften eröffnet wurde.
   Mit diesem Dekret anerkennt die Katholische Kirche insbesondere, dass die orthodoxen Kirchen »wahre Sakramente besitzen, vor allem aber in der Kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie, wodurch sie in ganz enger Verwandtschaft bis heute mit uns verbunden sind« Nr.15. Folglich wird bestätigt: Um die Fülle der christlichen Tradition in Treue zu wahren und die Wiederversöhnung der Christen des Ostens und Westens herbeizuführen, ist es von größter Bedeutung, das überreiche Erbe der orientalischen Kirchen zu erhalten und zu fördern – nicht nur das, was sich auf die liturgischen und geistlichen Traditionen bezieht, sondern auch auf die von den heiligen Vätern und den Konzilien sanktionierten kanonischen Ordnungen, die das Leben dieser Kirchen regeln vgl. Nrn. 15-16.
   Ich halte es für wichtig, die Beachtung dieses Grundsatzes als eine wesentliche und gegenseitige Voraussetzung für die Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft zu betonen, die weder bedeutet, einander zu unterwerfen noch einzuverleiben, sondern vielmehr alle Gaben anzunehmen, die Gott jedem gegeben hat, um in der ganzen Welt das große Geheimnis der vom Herrn Jesus Christus durch den Heiligen Geist gewirkten Erlösung kund zu tun. Jedem von euch möchte ich versichern, dass die katholische Kirche, um das ersehnte Ziel der vollen Einheit zu erreichen, nicht beabsichtigt, irgendeine Forderung aufzuerlegen als die, den gemeinsamen Glauben zu bekennen, und dass wir bereit sind, im Licht der Lehre der Schrift und der Erfahrung des ersten Jahrtausends gemeinsam die Bedingungen zu suchen, um mit diesen die notwendige Einheit der Kirche unter den gegenwärtigen Umständen zu gewährleisten: Das Einzige, was die katholische Kirche wünscht und ich als Bischof von Rom, „der Kirche, die den Vorsitz in der Liebe führt“, anstrebe, ist die Gemeinschaft mit den orthodoxen Kirchen. Diese Gemeinschaft wird immer die Frucht der Liebe sein,»denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist« Röm 5,5, Frucht brüderlicher Liebe, die dem geistigen und transzendenten Band, das uns als Jünger des Herrn verbindet, Ausdruck verleiht.
 

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Friedensgebet in den Vatikanischen Gärten

 Bartholomaios I. kam zu den Friedensgebeten in die Vatikanischen Gärten, zu dem Franziskus die Präsidenten Israels und Palästinas eingeladen hatte. Schließlich gab es, dem Beispiel Paul VI. und Patriarch Athenagoras folgend, eine herzliche Umarmung der beiden in Jerusalem, wo sie danach ihren Willen zur Annäherung zu Papier brachten.  Foto unten

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   Zitat aus dem gemeinsamen Dokument: “...    Wir drücken unsere aufrichtige und feste Absicht aus, im Gehorsam gegenüber dem Willen unseres Herrn Jesus Christus unsere Anstrengungen zur Förderung der vollen Einheit aller Christen und vor allem zwischen Katholiken und Orthodoxen zu verstärken. Wir wollen außerdem den theologischen Dialog unterstützen, den die Gemischte Internationale Kommission angeregt hat, welche vor genau fünfunddreißig Jahren von dem Ökumenischen Patriarchen Dimitrios und Papst Johannes Paul II. hier im Phanar eingesetzt wurde. Sie behandelt zurzeit die schwierigsten Fragen, die die Geschichte unserer Spaltung gekennzeichnet haben und einer aufmerksamen und vertieften Untersuchung bedürfen. Zu diesem Zweck versprechen wir als Hirten der Kirche unser leidenschaftliches Gebet und bitten die Gläubigen, sich unserem gemeinsamen Gebetsruf anzuschließen: » Alle sollen eins sein … damit die Welt glaubt « Joh 17,21
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Türkei

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Papst empfängt Christine Lagarde - Begegnung im Vatikan: Christine Lagarde mit dem Papst -
   Papst Franziskus hat die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, zu einem Gespräch im Vatikan empfangen. Angaben zum Inhalt der Begegnung am Rand der Generalaudienz machte der Vatikan nicht. Franziskus hatte wiederholt eine Reform der Finanzmärkte angemahnt. Im April kritisierte er die Praxis der Kreditvergabe an Krisenländer, die zu den Aufgaben des IWF gehört. Solche Darlehen seien oft mit zu weitreichenden politischen Auflagen und Forderungen an die Legislative der betreffenden Staaten verbunden. Rv141210pr 

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„Erfahrungsgesättigte Theologie“: Marianne Schlosser, Theologin im Vatikan
Im Hintergrund: Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation

   Papst Franziskus freut sich über den Beitrag von Frauen zur Theologie. Das sagte er zu den Angehörigen der Internationalen Theologischen Kommission, die an der Glaubenskongregation angesiedelt ist. Die Theologinnen könnten „zu aller Nutzen bestimmte bisher unerforschte Aspekte des unergründlichen Geheimnisses Christi entdecken“, sagte Franziskus. Dem rund zwei Dutzend Köpfe umfassenden Beratungsgremium nun gehören nach der jüngsten Ernennungsrunde fünf Frauen an, unter ihnen die aus Bayern stammende Marianne Schlosser, die an der Universität Wien Spiritualität lehrt. Gudrun Sailer führte kurz nach Marianne Schlossers Berufung an die Kommission ein Interview mit der Theologin.
Was erhoffen Sie sich von Ihrem zukünftigen Wirken in der Internationalen Theologischen Kommission?
   “Diese Kommission geht auf die Initiative der ersten großen Bischofssynode zurück, die nach dem Zweiten Vatikanum stattgefunden hat. Da wollte man ganz bewusst aus der Perspektive verschiedener Sprachen, theologischer Schulen, Kulturen, Kontinente auch die Nähe zwischen Lehramt und wissenschaftlicher Theologie fördern. Also, ich möchte dazu gerne einen Beitrag leisten, soweit ich das kann. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit so vielen verschiedenen fähigen Kollegen. Ich weiß auch von der Verantwortung und der Arbeit, die eine solche Aufgabe mit sich bringt. Aber ich will versuchen dieses Vertrauen, das da in einen gesetzt wird, wenn man dazu berufen wird, auch zu rechtfertigen und mit Gottes Hilfe meinen Beitrag zu leisten.“
Welchen Ruf genießt die Kommission in der akademischen theologischen Landschaft fern von Rom?
   „Wenn ich jetzt so zurückblicke auf die Gratulationen, die mir aus Kollegenkreisen gegeben worden sind, kann ich nur sagen, man ist stolz darauf, man freut sich über die Tatsache, dass jemand dazu berufen wird oder Mitglied wird. Wenn man einen Blick auf die Liste der inzwischen 27 Dokumente wirft, die von dieser Kommission in den letzten Jahren seit der Gründung veröffentlicht worden sind, dann lässt sich auch erahnen, wie wichtig die Aufgabe ist. Vielleicht ist das manchmal nicht so bekannt, obwohl diese Dokumente über das Internet in verschiedenen Sprachen zugänglich sind: dass es da beispielsweise um das Wesen der wissenschaftlichen Theologie, um die menschliche Person, um das Verständnis von Glaubenssinn, um Fragen der Eschatologie, also um sehr grundlegende Fragen, die auch der Glaubenskongregation und dem Heiligen Stuhl, so ist ja die Aufgabe definiert, helfen sollen, Lehrfragen, die von größerem Gewicht sind, theologisch vorab zu klären, und deren Tätigkeit auch zu unterstützen.“
Papst Franziskus hat schon mehrmals gesagt, was fehlt ist eine echte Theologie der Frau. Der Kontext war zumindest in einem Fall, die Rolle der Frau in der Kirche. Wie haben Sie - als Theologin - diesen Ruf des Papstes nach einer Theologie der Frau verstanden?
   „Ich würde sagen, dass man das zweifach verstehen kann. Zum einen als eine inhaltliche Vertiefung, wie Sie es gerade angesprochen haben. Eine Reflexion über das Frausein im Licht des christlichen Glaubens, etwa wenn Papst Franziskus einmal formuliert hat, dass die Jungfrau und Gottesmutter Maria für das, was die Kirche ist, zentraler sei als die Apostel. So verstanden würde eine Theologie der Frau die Bemühungen von Johannes Paul II. aufgreifen, die in dem Schreiben Mulieris dignitatem (Über die Würde der Frau) einen Kulminationspunkt erreicht haben. Man kann auch eine zweite Hinsicht in Betracht ziehen: nach dem besonderen Beitrag von Frauen für die Glaubenslehre, die Glaubensvermittlung fragen, und auch da gibt es natürlich Vorreiter, wie Kardinal Ratzinger, der mit höchster Wertschätzung von Frauentheologie gesprochen hat. Als Papst hat er bekanntlich eine Reihe von Katechesen gerade dem Beitrag von Frauen für die Theologie gewidmet und dabei betont, dass man diesen Beitrag, obwohl es sich nicht um akademische Theologie handelt, nicht einfach als bloß „erbaulich“ zur Seite wischen kann. Schon vorher gibt es Meilensteine der Anerkennung, etwa die formelle Erhebung von zwei Frauen zu Kirchenlehrerinnen um die Zeit als die Kommission gegründet worden ist, 1970, durch Papst Paul VI. Das ist wiederum eine Bestätigung einer langen Wirksamkeit von Frauentheologie. Ich würde aber auch dazusagen, die Größe der Frauen, die wie etwa Katharina von Siena, Gertrud die Große oder Teresa von Avila, gesamtkirchlich rezipiert worden sind, die besteht nicht zuletzt darin, dass sie eben von Männern und Frauen rezipiert worden sind.“
Wenn wir über eigenen Fachbereich sprechen: die Theologie der Spiritualität, welche Zugänge ließen sich da schaufeln für das Thema Theologie der Frau?
   „Ich hab mich selber mit einigen dieser Frauen auch wissenschaftlich befasst, gerade mit Katharina, mit Teresa, mit Edith Stein, auch mit Klara von Assisi. Ich denke, in dieser Theologie von Frauen – und ich möchte jetzt auch ein bisschen vorsichtig sein, weil es sich da nicht um ein Alleinstellungsmerkmal handelt, als wäre das bei Männern nicht der Fall – gibt es doch inhaltlich und formal erkennbare Schwerpunkte. Diese Art von Theologie ist, weil sie vielleicht weniger im akademischen Raum betrieben wurde, im gewissen Sinne „erfahrungsgesättigter“, manchmal vielleicht auch „konkreter“. Jede Theologie ist Nachsinnen über Gottes Wort oder über seine Offenbarung, um zu einem tieferen Verstehen zu gelangen; und tieferes Verstehen bedeutet auch, eine tiefere Beziehung zu finden. Aber die erste Antwort auf das Wort Gottes, das man hört, ist nicht das Nachdenken theoretischer Art, sondern es ist das Gebet. Und in der Theologie der großen Frauen der Kirchengeschichte, ob sie jetzt zu Kirchenlehrerinnen geworden erklärt worden sind oder nicht, wird gerade dieser Zusammenhang sehr deutlich: Rede über Gott wurzelt in der Rede zu Gott.
   Gebet und Betrachtung, „Suche nach dem Angesicht Gottes“, ist vollzogener Glaube – und das ist der Wurzelboden dieser Frauentheologie. Und das meine ich, könnte auch inspirierend sein. Papst Franziskus würde vielleicht sagen, ein Weckruf für alle Theologie und sicher auch für die Arbeit dieser Kommission. Eben dass Wissenschaft und Gebet, theologische Reflexion und geistliches Leben nicht zu trennen sind. Weil eben gute Theologie mehr ist als nach bestimmten Regeln betriebene Wissenschaft. Das ist sie auch – ich sag ja auch „mehr“ und nicht „weniger“. Mehr, weil sie Glaubenseinsicht sein will, also Einsicht in den Glauben, und damit auch eine tiefere Beziehung zu Gott auch bei anderen Menschen wecken will.“ Rv141206gs

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Papstpredigt: Glaubensvermittlung nur dank Frauen - Papst Franziskus predigt in der Casa Santa Marta

   Der Glaube wird vor allem durch Frauen verbreitet. Daran erinnerte Papst Franziskus bei der Frühmesse in der Casa Santa Marta. Zum kirchlichen Gedenktag der Heiligen Timotheus und Titus ging der Papst in seiner Predigt auf die Zweite Lesung aus dem Paulusbrief an Timotheus ein. Der Apostelfürst erinnere seinen Jünger daran, dass der Glaube ein Geschenk des Heiligen Geistes sei. Übergeben werde der Glauben durch die Mutter oder Großmutter:
   „Da frage ich mich, wieso sind es denn vor allem Frauen, die den Glauben weitergeben? Das ist ganz einfach, weil Jesus uns eine Frau geschenkt hat. Das ist der Weg, den Jesus gewählt hat, er hat nämlich eine Mutter gewählt und so ist der Glaube vor allem durch Frauen weiter zu reichen, so wie Jesus durch Maria uns geschenkt wurde.“
   Kein Studium führe zum Glauben. Der Glaube sei ein Geschenk, fügte Franziskus an. Wer dieses Präsent erhält, soll es hüten und nicht durch „sinnloses oder weltliches Geschwätz“ beschädigen.
    „Wenn wir nicht vorsichtig mit dem Glauben umgehen – und zwar jeden Tag sorgfältig damit umgehen – dann wird der Glaube schwächer und verwässert mit etwas anderem. Der Glaube wird dann eine Kulturangelegenheit. Man weiß dann vielleicht alles über den Glauben, über den Katechismus, aber man lebt den Glauben nicht mehr.“
Der lebendige Glaube hat zwei Hindernisse: die Scheu und die Scham, so der Papst.
   „Gott hat uns nicht den Geist der Scheue geschenkt, das würde nicht zum Glauben passen, weil dieser dann gar nicht wachsen könnte. Die Scham ist im Bereich des Glaubens jene Sünde, wenn man sagt: ach, ich glaube, aber will das nicht zeigen oder so offen legen. Ich schäme mich, dass andere meinen Glauben sehen. Das hat aber nichts mit Glauben zu tun und zwar weder die Scham noch die Scheu. Vielmehr sollte man den Geist der Stärke, der Güte und der Behutsamkeit an den Tag legen.“
   Der Geist der Behutsamkeit sei jener, der dem Gläubigen sagt: Du darfst nicht alles machen, was du willst. rv150126mg 

Papst Franziskus über drei Frauen: Maria, unsere Kirche und unser Seele

   Zwei Frauen und Mütter – Maria und die Kirche bringen Christus zu einer dritten Frau, die den ersten beiden ähnelt, die aber »kleiner« ist: zu unserer Seele. Mit diesem rundum weiblichen Bild wollte der Papst bekräftigen, dass wir ohne die Mutterschaft Marias und der Kirche ohne Christus wären. »Wir sind keine Waisen«, erinnerte er im Lauf der Frühmesse, die er am in der Kapelle des Hauses Santa Marta feierte. Franziskus hob sofort hervor, dass »die Kirche uns in ihrer Liturgie zweimal, zwei Tage lang, einen nach dem anderen, auf den Kalvarienberg führt«: Tatsächlich »hat sie uns dazu veranlasst, uns in das Kreuz Jesu zu vertiefen, heute in seine Mutter, die bei dem Kreuz stand« Joh 19,25-27. Besonders »gestern ließ sie uns ein Wort aussprechen: glorreich«. Ein Wort, das sich auf »das Kreuz des Herrn« bezogen habe, »weil es das Leben gebracht hat, weil es uns die Herrlichkeit gebracht hat«. Aber »heute lautet das stärkste Wort der Liturgie ›Mutter‹.  Glorreich ist das Kreuz; demütig, sanft die Mutter«, die in der Liturgie als schmerzensreiche Jungfrau gefeiert werde. Die Reflexion über die Mutter führe uns direkt zu Jesus als dem Sohn. »In dem Abschnitt aus dem Hebräerbrief, den wir vernommen haben«, so merkte der Papst an, der sich auf Kapitel 5,7-9 bezog, hebt Paulus, als er über Jesus als Sohn spricht, drei starke Worte hervor: er lernte, er gehorchte und er erduldete«. Kurz, Jesus »lernte Gehorsam  und  erduldete«. Das sei also »das Gegenteil dessen, was unserem Vater Adam widerfahren war, der das nicht hatte lernen wollen, was der Herr befohlen hatte, der weder hatte erdulden noch gehorchen wollen«. Überdies, so fuhr er fort, »erinnert uns diese Lesung aus dem Brief an die Hebräer an jenen anderen Abschnitt aus dem Brief an die Philipper: Obwohl er Gott gleich war, hielt er doch nicht daran fest, wie Gott zu sein; er entäußerte sich, demütigte sich und wurde wie ein Sklave. Das ist die Herrlichkeit des Kreuzes Jesu«. Der, wie Franziskus bekräftigte, »in die Welt gekommen ist, um zu lernen, ein Mensch zu sein, und als Mensch mit den Menschen zu gehen. Er ist in die Welt gekommen, um zu gehorchen, und er hat gehorcht.« Aber »diesen Gehorsam lernte er durch das Leiden«. »Adam verließ das Paradies mit einer Verheißung«, so fuhr er fort, »die viele Jahrhunderte lang weitergegangen ist. Diese Verheißung wird heute durch diese Selbstvernichtung, durch diese Selbsterniedrigung Jesu zur Hoffnung«. Und »das Volk Gottes geht mit dieser sicheren Hoffnung voran«. Auch Maria, »die Mutter, die neue Eva, wie Paulus selbst sie nennt, hat Anteil an diesem Weg des Sohnes: sie lernte, sie litt und sie gehorchte«. Sie »wird Mutter«. Wir könnten sagen, dass sie eine »gesalbte Mutter« sei, so bekräftigte der Papst, und dasselbe gelte auch für die Kirche. Dies also sei »unsere Hoffnung: wir sind keine Waisen, wir haben Mütter«: Maria vor allem. Und dann auch die Kirche, die Mutter sei, »wenn sie denselben Weg Jesu und Marias geht: den Weg des Gehorsams, den Weg des Leidens, und wenn sie diese Einstellung hat, unablässig den Weg des Herrn zu lernen«. »Diese beiden Frauen« – Maria und die Kirche – »bringen die Hoffnung voran, die Christus ist; sie geben uns Christus, sie zeugen Christus in uns«, so bekräftigte der Bischof von Rom. So »hätte es ohne Maria keinen Jesus Christus gegeben; ohne die Kirche können wir nicht vorangehen«. Sie seien »zwei Frauen und zwei Mütter«. »Maria«, so erläuterte Franziskus, »verharrte standhaft unter dem Kreuz, sie war mit dem Sohn verbunden, weil sie es akzeptiert hatte und mehr oder weniger wusste, dass sie ein Schwert erwartete: Simeon hatte es ihr vorhergesagt«. Maria sei »die standhafte Mutter«, die »uns auf diesem Weg des Lernens, des Leidens und Gehorchens Sicherheit verleiht«. Und auch die Mutter Kirche »ist standhaft, wenn sie Jesus Christus anbetet und uns leitet, uns lehrt, uns zudeckt, uns auf diesem Weg des Gehorsams, des Leidens, des Erlernens dieser Weisheit Gottes hilft«. Überdies, so bekräftigte der Papst weiter, »hat auch unsere Seele hieran Anteil, wenn sie sich Maria und der Kirche gegenüber öffnet: dem Mönch Isaak, Abt von Stella zufolge ist auch unsere Seele weiblicher Natur und gleicht Maria und der Kirche auf analoge Weise«. So »sehen wir heute, wenn wir diese Frau unter dem Kreuz betrachten – die standhaft entschieden ist, ihrem Sohn im Leiden zu folgen, um Gehorsam zu lernen – die Kirche und sehen unsere Mutter«. Aber »auch wenn wir unsere kleine Seele betrachten, die sich dann niemals verirren wird, wenn sie damit fortfährt, auch weiterhin eine Frau zu sein, die diesen beiden großen Frauen nahe ist, die uns in unserem Leben begleiten: Maria und der Kirche«. Franziskus schloss, indem er daran erinnerte, dass »so wie unsere Väter das Paradies mit einer Verheißung verlassen haben, auch wir heute mit einer Hoffnung vorangehen können: der Hoffnung, die uns unsere Mutter Maria schenkt, die standhaft unter dem Kreuz steht, und unsere heilige Mutter, die hierarchische Kirche«.           OR140900news

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Papst spricht zur Römischen Rota

Der Papst und die Rota Romana
   Eine „schwierige Mission“: So beurteilt Papst Franziskus die Aufgabe der Römischen Rota. Das traditionsreiche Gremium, das er im Vatikan empfing, ist der höchste Zivil- und Strafgerichtshof der Kirche, er urteilt vor allem in Ehenichtigkeitsverfahren. Der Papst schrieb den Richtern ins Stammbuch, Lösungen für Menschen, die sich an die Kirche wendeten, dürften „nicht an juristischen Hindernissen scheitern“. Das ‚salus animarum’, zu deutsch Seelenheil, dürfe bei der Rechtsfindung keinen Schaden nehmen.
    „Die Funktion des Rechts orientiert sich am ‚salus animarum’. Es verzichtet auf Haarspalterei und versucht stattdessen, in einem Moment der Einvernahme die Wahrheit aufzudecken: nämlich ob jemand Christus treu geblieben ist oder einer falschen, weltlichen Mentalität.“
   Papst Franziskus ermunterte die vatikanischen Richter auch, über den „menschlichen und kulturellen Kontext, in welchem sich die Eheabsicht bildet“, nachzudenken. Er betonte, dass die Krise der Werte in unserer Gesellschaft eigentlich nichts Neues sei. Der Verzicht auf Glauben oder auf eine „Perspektive des Glaubens“ habe unweigerlich „ein falsches Verständnis von Ehe zur Folge“.
   Es gebe außerdem eine Art „geistliche Weltlichkeit“ die sich hinter einer Religiosität oder hinter der Liebe zu Gott verstecke und die in Wirklichkeit nur am persönlichen Wohlbefinden interessiert sei. Mit Freude hob Papst Franziskus jedoch hervor, dass es ihn erfreue, dass die Rota Menschen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten einen kostenlosen Rechtsbeistand zur Seite stelle.
   „Eine große Anzahl der Fälle, die von der Römischen Rota übernommen werden, sind kostenfrei für diejenigen, die sich in einer schlechten wirtschaftlichen Lage befinden. Und das ist ein Punkt, den ich betonen will: Auch die Sakramente nämlich sind gratis. Die Sakramente geben uns die Gnade; und der Ehe-Prozess ist verbunden mit dem Sakrament der Ehe. Wie sehr würde ich mir wünschen, dass alle Prozesse kostenfrei wären!“ rv150123no

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Ehenichtigkeit nur bei absoluter Gewissheit - Szene am Rand der Papstaudienz für die Römische Rota

   Das Ehenichtigkeitsverfahren soll kürzer werden, jedoch braucht es bei der Urteilsverkündung eine „absolute Gewissheit“. Das ist das, was sich Papst Franziskus zum Verfahren wünscht. Er sprach darüber bei einer Audienz für die Teilnehmer eines Kongresses der Gregoriana-Universität, die sich mit der kirchlichen Instruktion „Dignitatis Connubii“ auseinandergesetzt hat.
   24 Stunden, nachdem er vor der Römischen Rota zum Thema Ehenichtigkeitsverfahren gesprochen hatte, kam er also an diesem Samstag nochmals auf das Thema zurück: „Die Schrift ,Dignitatis Connubii´ ist nicht nur für Experten gedacht, sondern ein Begleitschreiben, damit wir uns alle gemeinsam bei Ehenichtigkeitsverfahren richtig verhalten. Das Wichtigste bei diesem Verfahren ist die moralische Gewissheit.“
   Ein schnelleres Verfahren wäre aus der Sicht des Papstes vor allem ein Zeichen des Respekts gegenüber den Betroffenen. Es gehe nicht darum, „neue Formalismen“ einzuführen, nur um den Prozess hinauszuzögern. Doch auf eine Figur will Franziskus nicht verzichten: dem sogenannten „Verteidiger des Ehebandes“.
   „Seine Tätigkeit ist sehr wichtig, damit der Richter eine unabhängige Stimme hört, die die Pro- und Contra- Argumente für das entsprechende Verfahren darlegt.“ Rv150124mg

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Papst Franziskus gibt der bevorstehenden Fastenzeit das Motto "Macht euer Herz stark" Jak 5,8.
Hier finden Sie den Text im offiziellen deutschen Wortlaut.

Liebe Brüder und Schwestern!
   die österliche Bußzeit ist eine Zeit der Erneuerung für die Kirche, für die Gemeinschaften wie für die einzelnen Gläubigen. Vor allem aber ist sie eine "Zeit der Gnade" 2 Kor 6,2. Gott verlangt nichts von uns, das er uns nicht schon vorher geschenkt hätte: "Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat" 1 Joh 4,19. Er ist uns gegenüber nicht gleichgültig. Jeder von uns liegt ihm am Herzen, er kennt uns beim Namen, sorgt sich um uns und sucht uns, wenn wir uns von ihm entfernen. Jedem Einzelnen von uns gilt sein Interesse; seine Liebe hindert ihn, gleichgültig gegenüber dem zu sein, was uns geschieht. Es kommt allerdings vor, dass wir, wenn es uns gut geht und wir uns wohl fühlen, die anderen gewiss vergessen (was Gott Vater niemals tut); dass wir uns nicht für ihre Probleme, für ihre Leiden und für die Ungerechtigkeiten interessieren, die sie erdulden … Dann verfällt unser Herz der Gleichgültigkeit: Während es mir relativ gut geht und ich mich wohl fühle, vergesse ich jene, denen es nicht gut geht. Diese egoistische Haltung der Gleichgültigkeit hat heute ein weltweites Ausmaß angenommen, so dass wir von einer Globalisierung der Gleichgültigkeit sprechen können.
   Es handelt sich um einen Missstand, dem wir als Christen begegnen müssen. Wenn das Volk Gottes sich zu seiner Liebe bekehrt, findet es die Antworten auf jene Fragen, die ihm die Geschichte beständig stellt. Eine der drängendsten Herausforderungen, auf die ich in dieser Botschaft eingehen möchte, ist die der "Globalisierung der Gleichgültigkeit". Die Gleichgültigkeit gegenüber dem Nächsten und gegenüber Gott ist eine reale Versuchung auch für uns Christen. Wir haben es daher in jeder österlichen Bußzeit nötig, den Ruf der Propheten zu hören, die ihre Stimme erheben und uns wachrütteln. Gott ist die Welt nicht gleichgültig, er liebt sie so sehr, dass er seinen Sohn für die Rettung jedes Menschen hingibt. In der Menschwerdung, im irdischen Leben, im Tod und in der Auferstehung des Sohnes Gottes öffnet sich ein für alle Mal die Tür zwischen Gott und Mensch, zwischen Himmel und Erde. Und die Kirche ist gleichsam die Hand, die diese Tür offen hält, indem sie das Wort verkündet, die Sakramente feiert und den Glauben bezeugt, der in der Liebe wirksam ist vgl. Gal 5,6. Dennoch neigt die Welt dazu, sich in sich selbst zu verschließen und diese Tür zufallen zu lassen, durch die Gott in die Welt und die Welt zu Gott kommt.
   So darf sich die Hand, die die Kirche ist, niemals wundern, wenn sie zurückgewiesen, eingezwängt und verletzt wird. Das Volk Gottes bedarf daher einer Erneuerung, um nicht gleichgültig zu werden und um sich nicht in sich selbst zu verschließen.  Ich möchte euch drei Schritte für diese Erneuerung nahelegen, über die ihr nachdenken sollt.

"Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit" 1 Kor 12,26 – Die Kirche   fr-149-Fußwaschung-zz

   Die Liebe Gottes, die diese tödliche Selbstverschließung der Gleichgültigkeit aufbricht, wird uns von der Kirche durch ihre Lehre und vor allem durch ihr Zeugnis entgegengebracht. Bezeugen kann man aber nur, was man vorher erfahren hat. Ein Christ ist, wer sich von Gott mit dessen Güte und Barmherzigkeit, mit Christus selbst bekleiden lässt, um wie dieser zum Diener Gottes und der Menschen zu werden. Daran erinnert uns deutlich die Liturgie des Gründonnerstags mit dem Ritus der Fußwaschung. Petrus wollte nicht, dass Jesus ihm die Füße wasche, aber dann verstand er, dass Jesus nicht bloß ein Beispiel dafür sein will, wie wir einander die Füße waschen sollen. Diesen Dienst kann nur tun, wer sich vorher von Christus die Füße hat waschen lassen. Nur dieser hat "Anteil" an ihm Joh 13,8 und kann so dem Menschen dienen. Die österliche Bußzeit ist eine geeignete Zeit, um sich von Christus dienen zu lassen und so wie er zu werden. Das geschieht, wenn wir das Wort Gottes hören und die Sakramente, insbesondere die Eucharistie, empfangen. Durch diese werden wir das, was wir empfangen: Leib Christi. In diesem Leib findet jene Gleichgültigkeit, die sich so oft unserer Herzen zu bemächtigen scheint, keinen Raum. Denn wer Christus gehört, gehört einem einzigen Leib an, und in ihm begegnet man einander nicht mit Gleichgültigkeit. "Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm" 1 Kor 12,26.
   Die Kirche ist communio sanctorum, weil die Heiligen an ihr teilhaben, aber auch weil sie Gemeinschaft an heiligen Dingen ist: an der Liebe Gottes, die in Christus offenbar geworden ist, und an allen seinen Gaben. Zu diesen gehört auch die Antwort derer, die sich von dieser Liebe erreichen lassen. In dieser Gemeinschaft der Heiligen und der Teilhabe am Heiligen besitzt keiner etwas nur für sich, sondern was er hat, ist für alle. Und weil wir in Gott verbunden sind, können wir auch etwas für die Fernen und diejenigen tun, die wir aus eigener Kraft niemals erreichen könnten, denn mit ihnen und für sie beten wir zu Gott, damit wir uns alle seinem Heilswirken öffnen.
2. "Wo ist dein Bruder?" Gen 4,9– Die Gemeinden und die Gemeinschaften
  
Das in Bezug auf die Weltkirche Gesagte muss notwendigerweise in das Leben der Pfarrgemeinden und Gemeinschaften übersetzt werden. Gelingt es in solchen kirchlichen Bereichen, sich als Teil eines einzigen Leibes zu erleben? Ein Leib, der zugleich empfängt und teilt, was Gott schenken möchte? Ein Leib, der seine schwächsten, ärmsten und kleinsten Glieder kennt und sich um sie sorgt? Oder flüchten wir uns in eine universale Liebe, die sich in der weiten Welt engagiert, aber Lazarus, der vor der eigenen verschlossenen Tür sitzt, vergisst? vgl. Lk 16,19- 31 Um das, was Gott uns schenkt, empfangen und vollkommen fruchtbar machen zu können, müssen wir die Grenzen der sichtbaren Kirche in zwei Richtungen überschreiten. Zum einen, indem wir uns betend mit der Kirche des Himmels verbinden. Wenn die irdische Kirche betet, entsteht eine Gemeinschaft des gegenseitigen Dienstes und des Guten, die bis zum Angesicht Gottes reicht. Mit den Heiligen, die ihre Fülle in Gott gefunden haben, bilden wir einen Teil jenes Miteinanders, in dem die Gleichgültigkeit durch die Liebe überwunden ist. Die Kirche des Himmels ist nicht triumphierend, weil sie sich von den Leiden der Welt abgewandt hat und sich ungestört der Freude hingibt. Vielmehr können die Heiligen schon sehen und sich darüber freuen, dass sie mit dem Tod und der Auferstehung Jesu die Gleichgültigkeit, die Hartherzigkeit und den Hass ein für alle Mal überwunden haben. Solange dieser Sieg der Liebe nicht die ganze Welt durchdrungen hat, sind die Heiligen noch mit uns als Pilger unterwegs. In der Überzeugung, dass die Freude im Himmel über den Sieg der gekreuzigten Liebe nicht vollkommen ist, solange auch nur ein Mensch auf der Erde leidet und stöhnt, schrieb die heilige Kirchenlehrerin Terese von Lisieux: "Ich rechne bestimmt damit, im Himmel nicht untätig zu bleiben. Mein Wunsch ist, weiter für die Kirche und die Seelen zu arbeiten" Brief-Nr. 254 vom 14. Juli 1897.
   Auch wir haben Anteil an den Verdiensten und der Freude der Heiligen, und diese nehmen teil an unserem Ringen und an unserer Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung. Ihre Freude über den Sieg des auferstandenen Christus gibt uns die Kraft, die vielen Formen der Gleichgültigkeit und der Hartherzigkeit zu überwinden. Zum anderen ist jede christliche Gemeinschaft dazu aufgerufen, die Schwelle zu überschreiten, die sie in Beziehung setzt zu der Gesellschaft, die sie umgibt, sowie zu den Armen und Fernen. Die Kirche ist von ihrem Wesen her missionarisch, nicht in sich selbst zurückgezogen, sondern ausgesendet zu allen Menschen. Diese Sendung ist das geduldige Zeugnis für Ihn, der die ganze Wirklichkeit und jeden Menschen zum Vater führen will. Die Mission ist das, worüber die Liebe nicht schweigen darf. Die Kirche folgt Jesus Christus auf dem Weg, der sie zu jedem Menschen führt, bis an die Grenzen der Erde vgl.Apg 1,8. So können wir in unserem Nächsten den Bruder und die Schwester sehen, für die Christus gestorben und auferstanden ist. Was wir empfangen haben, das haben wir auch für sie empfangen. Und ebenso ist das, was diese Brüder besitzen, ein Geschenk für die Kirche und für die ganze Menschheit. Liebe Brüder und Schwestern, wie sehr möchte ich, dass die Orte, an denen sich die Kirche zeigt – unsere Gemeinden und besonders unsere Gemeinschaften –, zu Inseln der Barmherzigkeit im Meer der Gleichgültigkeit werden!
3. "Macht euer Herz stark" Jak 5,8 – Der einzelne Gläubige
  
Auch wir als Einzelne sind der Versuchung der Gleichgültigkeit ausgesetzt. Wir sind von den erschütternden Berichten und Bildern, die uns das menschliche Leid erzählen, gesättigt und verspüren zugleich unser ganzes Unvermögen einzugreifen. Was können wir tun, um uns nicht in diese Spirale des Schreckens und der Machtlosigkeit hineinziehen zu lassen? Erstens können wir in der Gemeinschaft der irdischen und der himmlischen Kirche beten. Unterschätzen wir nicht die Kraft des Gebetes von so vielen! Die Initiative 24 Stunden für den Herrn, von der ich hoffe, dass sie am 13. und 14. März in der ganzen Kirche, auch auf Diözesanebene, gefeiert wird, möchte ein Ausdruck dieser Notwendigkeit des Betens sein.
   Zweitens können wir mit Gesten der Nächstenliebe helfen und dank der zahlreichen Hilfswerke der Kirche sowohl die Nahen als auch die Fernen erreichen. Die österliche Bußzeit ist eine geeignete Zeit, um dieses Interesse dem anderen gegenüber mit einem vielleicht auch nur kleinen, aber konkreten Zeichen unserer Teilnahme am gemeinsamen Menschsein zu zeigen. Drittens schließlich ist das Leid des anderen ein Aufruf zur Bekehrung, weil das Bedürfnis des Bruders mich an die Zerbrechlichkeit meines eigenen Lebens, an meine Abhängigkeit von Gott und von den Mitmenschen erinnert. Wenn wir demütig die Gnade Gottes erbitten und die Grenzen unserer Möglichkeiten annehmen, dann werden wir auf die unendlichen Möglichkeiten vertrauen, die die Liebe Gottes in sich birgt. Und wir werden der teuflischen Versuchung widerstehen, die uns glauben macht, wir könnten uns selbst und die Welt ganz alleine retten.
   Um die Gleichgültigkeit und unseren Allmachtswahn zu überwinden, möchte ich alle darum bitten, diese österliche Bußzeit als einen Weg der "Herzensbildung" zu gehen, wie Benedikt XVI. sich ausdrückte Enzyklika Deus caritas est, 31. Ein barmherziges Herz zu haben, bedeutet nicht ein kraftloses Herz zu haben. Wer barmherzig sein will, braucht ein starkes, ein festes Herz, das für den Versucher verschlossen, für Gott aber offen ist. Ein Herz, das sich vom Heiligen Geist durchdringen und auf die Wege der Liebe führen lässt, die zu den Brüdern und Schwestern führen. Im Grunde ein armes Herz, das um die eigene Armut weiß und sich für den anderen hingibt. Deswegen, liebe Brüder und Schwestern, möchte ich mit euch in dieser österlichen Bußzeit Christus bitten: Fac cor nostrum secundum cor tuum – “Bilde unser Herz nach deinem Herzen" Gebetsruf aus der Herz-Jesu-Litanei. Dann werden wir ein starkes und barmherziges, waches und großmütiges Herz haben, das sich nicht in sich selbst verschließt und nicht in den Schwindel der Globalisierung der Gleichgültigkeit verfällt.
   Mit diesem Wunsch sage ich mein Gebet zu, damit jeder Gläubige und jede kirchliche Gemeinschaft den Weg der österlichen Bußzeit fruchtbringend beschreite. Und ich bitte euch, für mich zu beten. Möge der Herr euch segnen und die Muttergottes euch behüten!
Aus dem Vatikan, am 4. Oktober 2014, dem Fest des heiligen Franziskus von Assisi
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Mit den Träumen in die Freiheit fliegen  -  Der Papst am Samstag mit Kindern

   „Ich grüße euch alle, seid ihr von der Reise müde?“ So begrüßte Papst Franziskus über 200 Kinder von Häftlingen in der vatikanischen Audienzhalle. Alle riefen ihm lauthals entgegen: „Nein“. Bereits das dritte Mal ist ein „Zug der Kinder“ mit benachteiligten Kindern in den Vatikan eingefahren, um Papst Franziskus zu treffen. Dieser Zug, der tatsächlich in den vatikanischen Bahnhof eingefahren ist, ist eine Initiative des Päpstlichen Kulturrates. Den Zug selber stellte die italienische Staatsbahn zur Verfügung.
   Dieses Jahr sind über 200 Kinder von Häftlingen zu Besuch im Vatikan unter dem Motto „Fliegen“. Ein Bild der Freiheit, und für die Kinder eine Möglichkeit, sich durch die Fantasie aus dem meist schweren Alltag wegzudenken bzw. wegzufliegen. Begleitet werden die Kinder dieses Jahr zum ersten Mal auch von ihren Eltern, von Familienmitgliedern und/oder Betreuern, damit sie dieses Treffen mit dem Papst wirklich unbeschwert erleben können. „Ist es wahr, wie mir gesagt wurde, dass ihr heute geflogen seid?“ „Ja“, rufen die Kinder dem Papst entgegen. Das wollte Franziskus aber nicht glauben, und eines der Kinder durfte es ihm erklären: In ihren Träumen seien sie geflogen. Dies griff der Papst gleich auf und erklärte ihnen, dass sie – wenn sie wollten – ihre Familienmitglieder in ihren Träumen immer finden könnten. Mit ihrer Fantasie sei das immer möglich, so der Papst. „Wollt ihr das mit eurer Fantasie?“ fragt Franziskus. „In den Träumen zu fliegen -“, fängt Papst Franziskis einen Satz an. „...lehrt Freiheit“, beendet ihn ein Kind.
   Die Initiative will den Kindern Stärke geben, die sie im Alltag mit inhaftierten Eltern oder Familienmitgliedern nicht immer bekommen. Als die Idee während der vergangenen Weltbischofssynode aufkam, war Franziskus direkt begeistert davon. Er betonte die Bedeutung von Träumen, denn sie öffneten die Tore zum Glück. Andererseits würde das Herz geschlossen bleiben wie ein Stein. „Sagt mir eine Möglichkeit, wie das Herz zu Stein werden kann?“ fragt Franziskus, „wenn wir nicht träumen, wenn wir nicht beten“. Ein kleiner Junge fasst es so treffend zusammen, dass Papst Franziskus ihn ans Mikro holt. „Unser Herz wird zu Stein, wenn wir nicht auf Jesus und nicht auf Gott hören“, sagt der Junge. Genau das sollten die Kinder nicht vergessen, betonte der Papst. Deswegen sollten sie auch nie aufhören, zu träumen. Das sei der Ort der Freiheit und der Begegnung mit Familie, Freunden und auch Gott. Nachdem Franziskus mit ihnen zum Abschluss das Vater Unser gebetet und den Segen erteilt hatte, fragte er die jungen Zuhörer noch einmal ab: „Was ist besser, ein gebrechliches  oder hoffnungsvolles Herz?“ – „Ein hoffnungsvolles Herz!“ – „Was ist besser? Zu beten oder nicht zu beten?“ – „Zu beten!“ – „Was ist besser? Auf die Worte Gottes zu hören oder auf nichts zu hören?“ – „Auf die Worte Gottes zu hören!“ – „Was ist besser? In den Träumen zu fliegen oder nichts zu machen?“ – „In den Träumen zu fliegen!“ rv150530pdy

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Das Versprechen der Geschwisterlichkeit   -   Gut gelaunt: Papst Franziskus bei der Generalaudienz

   Die ur-menschliche Erfahrung, Bruder und Schwester zu sein, ist in Jesus Christus zur Fülle gekommen. Das sagte Papst Franziskus an diesem frühlingshaften Mittwoch bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz. Nach den Katechesen zu Mutter, Vater und zu Kindern wandte sich Papst Franziskus an diesem Mittwoch den Geschwistern zu. „Bruder“ und „Schwester“ seien Worte, welche das Christentum liebe und dank der Familien seien es Worte, die in allen Kulturen und allen Epochen verstanden würden.
   Wenn das geschwisterliche Band zerreiße, öffne sich der Weg zu Schmerz und Konflikt, so der Papst unter Verweis auf die Geschichte von Kain und Abel. „‘Wo ist Abel, dein Bruder?’, das ist eine Frage, die der Herr in jeder Generation wiederholt. Und leider wiederholt sich auch in jeder Generation die dramatische Antwort Kains: ‚Ich weiß nicht, bin ich denn der Hüter meines Bruders?’“, so der Papst.
   Es sei die Familie, welche die Geschwisterlichkeit in die Welt eingeführt habe, auch wenn wir das nicht immer vor Augen hätten. „Ausgehend von dieser ersten Erfahrung der Geschwisterlichkeit, genährt von der Zuneigung und der Erziehung in der Familie, strahlt die Geschwisterlichkeit als ein Versprechen für die gesamte Gesellschaft und die Beziehungen zwischen den Völkern aus,“ fuhr der Papst fort. „Denkt daran, was aus den Beziehungen zwischen Menschen wird, auch wenn sie ganz verschieden sind, wenn sie sagen können, „Er ist wie ein Bruder, sie ist wie eine Schwester für mich“! Die Geschichte hat uns dagegen auch immer wieder gezeigt, dass auch die Freiheit und die Gleichheit, ohne die Geschwisterlichkeit, zu Individualismus und Konformismus werden können.“
   Ganz besonders leuchte diese Geschwisterlichkeit, wenn sie sich den Schwächsten zuwende. „Einen Bruder oder eine Schwester zu haben, die Gutes für dich will, ist eine starke Erfahrung, unbezahlbar, unersetzbar. Genauso ist es mit der christlichen Geschwisterlichkeit. Die Kleinsten, die Schwächsten und die Ärmsten (..) sind unsere Geschwister und so müssen wir sie lieben und behandeln.“ So werde christliche Geschwisterlichkeit lebendig, erklärte Papst Franziskus. „Christen begegnen den Armen und Schwachen nicht, weil sie einem ideologischen Programm folgen, sondern weil das Wort und das Beispiel des Herrn uns sagen, dass sie unsere Geschwister sind. Das ist das Prinzip der Liebe Gottes und aller Gerechtigkeit unter den Menschen.“
   Mehr denn je sei es heute wichtig, diese Geschwisterlichkeit ins Zentrum unserer technokratischen und bürokratischen Welt zu rücken, so bekämen Freiheit und Gleichheit ihren richtigen Klang. Rv150218ord

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Papst zu Dialog mit Islam: Identität und Respekt

   Der Papst empfängt seine Islamkenner - Sich treffen und zuhören sind die Grundelemente beim Dialog zwischen Muslime und Christen. Das hat Papst Franziskus jetzt betont. Er traf die Teilnehmer der Konferenz des Päpstlichen Instituts für arabische und islamische Studien (PISAI) in Rom. Sie feierten das 50-jährige Jubiläum des Instituts, das 1926 in Tunesien ins Leben gerufen wurde.
   „Der beste Schutz gegen jegliche Form von Gewalt ist die Bildung und zwar jene, die danach ausgerichtet ist, offen gegenüber Mitmenschen zu sein und die Unterschiede als Reichtum zu akzeptieren. Sowohl das Christentum als auch der Islam haben ihre väterliche Wurzeln bei Abraham, das dürfen wir nie vergessen.“
   Die Gemeinsamkeiten seien deshalb wichtig, so der Papst. Denn heute brauche es mehr denn je Gespräche, um sowohl über Gemeinsamkeiten als auch über die Unterschiede zu sprechen.
   „Der Dialog zwischen Muslimen und Christen braucht Geduld und Bescheidenheit. Dazu gehört aber auch eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema. Deshalb ist eine Institution wie PISAI wichtig. Jegliche Verallgemeinerung oder gar Improvisierungen können nur schaden und führen zu Unruhen und peinlichen Situationen. Es braucht also Ausdauer, damit wir gemeinsam auf die verschiedenen Umständen reagieren können.“
   Dazu zähle der Respekt der jeweiligen Begebenheiten und kulturellen Kontexten, so der Papst. Nur wer seine eigene Identität kenne, könne an diesem Dialog teilnehmen. Denn ohne ein klares Selbstbild sei es sehr schwierig, miteinander offen zu sein.
   Sich treffen und Zuhören sind die Grundelemente beim Dialog zwischen Muslime und Christen. Das hat Papst Franziskus erneut betont. Er traf die Teilnehmer einer Konferenz in Rom, die das 50-Jährige Jubiläum des Päpstlichen Instituts für arabische und islamische Studien (PISAI) feiern. Diese vatikanische Einrichtung wurde 1926 in Tunesien ins Leben gerufen.
   „Der beste Schutz gegen jegliche Form von Gewalt ist die Bildung und zwar jene, die danach ausgerichtet ist, offen gegenüber Mitmenschen zu sein und die Unterschiede als Reichtum zu akzeptieren. Sowohl das Christentum als auch der Islam haben ihre väterliche Wurzeln bei Abraham, das dürfen wir nie vergessen.“
   Die Gemeinsamkeiten seien deshalb wichtig, so der Papst. Denn heute brauche es mehr denn je Gespräche, um darüber zu sprechen aber auch über die Unterschiede.

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Mehr Mut bei der Frauenförderung - Papst Franziskus bei der Generalaudienz

   Mehr „Kreativität und Wagemut“ bei den Bemühungen um Gleichberechtigung von Mann und Frau in Kirche und Gesellschaft hat Papst Franziskus an diesem Mittwoch bei der Generalaudienz gefordert. In einem weiteren Teil seiner Katechese-Reihe zum Thema Familie ging er auf die Komplementarität der Geschlechter ein: Um das Miteinander von Mann und Frau zu stärken, müsse zunächst einmal „viel mehr für Frauen getan“ werden, so Franziskus.
   „Es ist notwendig, dass der Frau nicht nur zugehört wird, sondern dass ihre Stimme ein reales Gewicht hat und dass sie ein anerkanntes Ansehen in Gesellschaft und Kirche erhält. Die Art und Weise, wie Jesus in einem weit weniger vorteilhaften Kontext als dem unseren Frauen behandelte, erleuchtet einen weiten Weg, von dem wir nur ein Stückchen gegangen sind. Wir haben noch nicht tief verstanden, welche Dinge uns der weibliche Genius geben kann, die Dinge, die die Frau – die die Dinge mit anderen Augen sieht, welche das Denken der Männer ergänzen – der Gesellschaft und uns geben kann. Es ist ein Weg, der mit mehr Kreativität und Wagemut beschritten werden sollte.“
   Mann und Frau seien nicht nur einzeln, sondern auch als Paar Abbild Gottes, so Franziskus ausgehend vom Buch Genesis. Die Komplementarität der Geschlechter sei eine Voraussetzung für die menschliche Entwicklung und das Wohlergehen der Geschlechter, hielt der Papst fest. Ohne eine gegenseitige Bereicherung in diesem Verhältnis – im Denken und Handeln, in der Arbeit und im Glauben – sei ein tiefes Verständnis der eigenen Geschlechtsidentität unmöglich. Der heutigen Kultur diagnostiziert der Papst Angst vor den Unterschieden zwischen Mann und Frau und Unfähigkeit, mit diesen konstruktiv umzugehen:
Papst: Gender-Theorie ist Ausdruck von Resignation
   „Die moderne und zeitgenössische Kultur hat neue Räume, Freiheiten und Tiefen eröffnet, diese Unterschiede besser zu verstehen. Doch sie hat auch viele Zweifel und Skepsis hineingebracht. Ich frage mich zum Beispiel, ob die sogenannte Gender-Theorie nicht auch Ausdruck von Frustration und einer Resignation ist, die auf die Auslöschung der sexuellen Differenz zielt, weil sie nicht mehr versteht, sich mit ihr zu konfrontieren. Wir riskieren hier, einen Rückschritt zu machen. Die Verdrängung der Unterschiede ist das Problem, nicht die Lösung.“
   Der Dialog von Mann und Frau, die Ehe und die Familie seien dagegen eine Stütze nicht nur im Leben gläubiger Christen, sondern in der ganzen Gesellschaft. Franziskus wandte sich hier explizit an die Vertreter der Gender- Theorie: „Ich möchte die Intellektuellen hier auffordern, dieses Thema nicht zu ignorieren, als wäre es sekundär für den Einsatz für eine freiere und gerechtere Gesellschaft geworden.“
   Heutige Probleme im Umgang der Geschlechter setzte Franziskus vor der Folie der biblischen Erzählung dann in einen Zusammenhang mit der heutigen Krise des Glaubens: „Die biblische Erzählung sagt uns mit ihrem großen symbolischen Fresko zum irdischen Paradies und dem Sündenfall, dass die Einheit mit Gott sich in der Einheit des menschlichen Paares widerspiegelt und dass der Vertrauensverlust in den himmlischen Vater zu Teilung und Konflikt zwischen Mann und Frau führt.“
   Aufgabe der Kirche und aller Gläubigen, aller Familien sei hier heute, die Schönheit der göttlichen Schöpfung von Mann und Frau und ihrer Einheit wiederzuentdecken, so Papst Franziskus. Rv150415pr 

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Kardinal Marx: Aufruf zu mehr Dialog

   Die Rede von Papst Franziskus vor dem Straßburger Europaparlament wertet der Vorsitzende der EU- Bischofskommission COMECE als einen Aufruf, den Dialog der Kirche mit den EU-Institutionen voranzutreiben. „Die Rede des Papstes war für mich ein wichtiger Appell, dass die Kirche eine Stimme in Europa hat“, sagte der Münchner Kardinal Reinhard Marx in Straßburg. Es sei nun Aufgabe der Kirchen, für das Zusammenleben in Europa einen Beitrag zu schaffen. Dabei biete der Dialog die beste Möglichkeit, die unterschiedlichen Nationen und Kulturen in Europa zu vereinen. „Der Papst hat deutlich gemacht, dass das Evangelium eine Quelle der Inspiration für ein multikulturelles Europa sein kann“, so Marx.
   Franziskus habe nicht die wirtschaftlichen Ziele, sondern die kulturellen und sozialen Werte Europas in den Mittelpunkt gestellt. „Das war eine Rede, die sicherlich in Erinnerung bleiben wird“, so Marx. Der Papst habe Europa „Mut für die Zukunft“ gemacht, in der es nicht allein um das Überleben in der globalen Welt gehe. „Der ein oder andere Parlamentarier ist sicherlich ins Nachdenken gekommen“, so der Kardinal. Marx ist auch Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. rv141125pr       > Fotobericht > Europa II

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  Papst Franziskus trifft Angehörige von „Comunione e Liberazione“
 Die erste Großveranstaltung in diesem Jahr: Der Geburtstag von Communione e Liberazione auf dem Petersplatz

   Papst Franziskus hat 80.000 Angehörige und Freunde der Laienbewegung „Comunione e Liberazione“ auf dem überfüllten Petersplatz empfangen, es war die erste Großveranstaltung diese Jahres. Papst Franziskus machte nach seiner Runde am Petersplatz eine weitere große Runde auf der Via della Conciliazione um die vielen Gläubigen zu begrüßen.
   In seiner Ansprache würdigte er den Gründer der Bewegung, Don Luigi Guissani. Der vor zehn Jahren verstorbene Priester gründete die Organisation 1954 im Rahmen der katholischen Studentenseelsorge in Mailand. Papst Franziskus betonte, dass auch er durch die Literatur des Gründers der Laienbewegung beeinflusst wurde. Sein Credo und die Wichtigkeit des „persönlichen Kennenlernens“, der Begegnung, der Zusammenkunft verglich Papst Franziskus einem Bild
   „Es geht nicht um die Begegnung mit einer Idee, sondern mit einer Person, mit Jesus Christus. So hat er (Luigi Guissani) die Befreiung erklärt und führte so zur Begegnung mit Christus, denn Christus gibt uns die wahre Freiheit. Mir fällt das Bild „Der Berufung von Matthäus“ von Caravaggio ein Fotos siehe oben auf dieser Seite. Ich blieb jedes Mal, wenn in der Kirche San Luigi dei Francesi in Rom war, davor stehen. Niemand von den Anwesenden im Bild konnte diese Botschaft glauben. Selbst der geldgierige Matthäus nicht, niemand konnte diesem Finger, der auf ihn zeigte, glauben. Aber die Augen blickten auf ihn mit Barmherzigkeit und wählten ihn.“
   Papst Franziskus betonte, dass die Begegnung immer der Anfang sei. Unser ganzes Leben beruhe auf den Begegnungen und das war auch schon in Zeiten von Jesus so. Diese Dynamik der Begegnung begründet vor allem auf der Barmherzigkeit.
   Diese Dynamik der Begegnung gründet vor allem in der Barmherzigkeit. Die christliche Moral sei laut Papst Franziskus keine „titanische und freiwillige Anstrengung“ sich als Einzelkämpfer der Welt zu stellen. „Nein. Die christliche Moral ist die Antwort, die gerührte Antwort auf eine überraschende Barmherzigkeit, unvorhergesehen, sogar „falsch“ nach menschlichen Kriterien definiert. Einer, der mich kennt, kennt auch meine Fehler und verzeiht mir diese, er schätzt mich, er umarmt mich, er ruft mich weiterhin, hofft auf mich und wartet auf mich. Die christliche Moralität heißt nicht ‚Nie hinzufallen‘, sondern immer wieder aufzustehen, dank seiner Hand, die uns aufhilft.“
   Die Aufgabe der Kirche sei es auch das eigene „Gebiet“ zu verlassen und auf die Peripherien zuzusteuern. Das habe er erst unlängst wieder den Kardinälen gesagt, so der Papst. Schließlich forderte er die Menschen am Peterplatz und die Sympathisanten der Laienbewegung dazu auf „das Feuer lebendig halten und nicht die Asche begehren“.
Hintergrund
   Als Schüler- und Studentengruppe Mitte der 50er Jahre in Mailand entstanden, nahm die Bewegung ab 1969 ihren heutigen Namen an, der zu Deutsch „Gemeinschaft und Befreiung“ bedeutet. Rund 100.000 Mitglieder in 75 Ländern der Welt gehören „Comunione e Liberazione“ heute an. Neben hohen Klerikern wie dem Mailänder Kardinal Angelo Scola waren auch viele Repräsentanten anderer Religionen vertreten - von Anglikanern, orthodoxen Russen, Ukrainen und Muslime  - war auch eine Gruppe von italienischen Gefängnisinsassen mit ihren Begleitern der Gefängnisse aus Chiavari, Padova, Neapel, Como und Forli anwesend.  rv150703no

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Interview mit Papst Franziskus: „Es gibt kein unbedingtes Recht auf Eigentum“
Foto: Papst Franziskus, Begegnung mit Sant'Egidio Rom

   Mit dem Satz „diese Wirtschaft tötet“ hat Papst Franziskus ein Thema seines Pontifikates gesetzt. In  Evangelii Gaudium [53] beschreibt er damit eine Wirtschaftsform, die Menschen ausschließt und Ungleichheit schafft. Aber auch sonst spricht Papst Franziskus oft über dieses Thema, es ist ihm aber weniger wirtschaftstheoretisch als eine Frage der Ethik und der geistlichen Haltung wichtig. Darüber haben nun die beiden italienischen Vaticanisti Andrea Tornielli und Giacomo Galeazzi ein Buch geschrieben. Es sammelt die Aussagen des Papstes zu Armut, Immigration, sozialer Gerechtigkeit, der Finanzwelt und der katholischen Soziallehre.
   Das Buch endet mit einem ausführlichen Interview der beiden Herausgeber mit Papst Franziskus selbst, aus dem die Webseite Vatican Insider, für die beide Vaticanisti unter anderem arbeiten, einen Auszug veröffentlichte.
   In dem Interview differenziert der Papst, die Globalisierung habe einerseits viele Menschen aus der Armut gerettet, andererseits aber auch neue Armut geschafft, neuen Hunger und neue Ungleichheiten. Darunter läge eine Politik und ein Verhalten des Wegwerfens, greift der Papst ein ihm wichtiges Thema auf. „Wenn im Zentrum des Systems nicht mehr der Mensch steht, sondern das Geld, wenn das Geld zu einem Götzen wird, dann werden Frauen und Männer auf einfache Mittel eines sozialen Systems reduziert,  dass von tiefer Ungleichheit charakterisiert, ja dominiert wird,“ so der Papst. Alles, was dieser Logik nicht diene, werde weggeworfen.
   Er spricht von der Jugend ohne Arbeit und Perspektive, von Abtreibung von Kindern und der „versteckten Euthanasie“ der alten Menschen. „Bitte lasst uns damit aufhören!“ Das sei nicht unumkehrbar, zeigt er sich überzeugt, der Aufbau einer gerechten Gesellschaft und Wirtschaft, am Gemeinwohl orientiert, sei möglich.
   Dazu brauche es vor allem eine Ethik in der Wirtschaft, und die dort Verantwortlichen sähen die Religion hier in der Pflicht. Dazu brauche es aber auch die Einsicht, dass das Teilen und die Liebe ein Geschenk seien und nicht gemacht würden, zitierte der Papst die Enzyklika Caritas in Veritate seines Vorgängers Benedikt XVI. Die Einsicht in das eigene Geschaffensein sei ebenfalls Voraussetzung.
   Daneben brauche es aber auch einen Wandel, Programme, Mechanismen und Prozesse die auf eine bessere Verteilung der Güter, das Schaffen von Arbeit und die vollständige Integration derer, die Ausgeschlossen sind, hin orientiert sind“.
   Angesprochen auf die Worte Papst Pius XI. in seiner Enzyklika Quadragesimo Anno, der von einem „internationalen Imperialismus des Geldes“ gesprochen hatte, sagte Papst Franziskus, dass Pius XI. nicht übertrieben habe, manches hätten sich erst jetzt bewahrheitet.
   Eine weitere Enzyklika, Populorum Progressio von Papst Paul VI. aus dem Jahr 1967, sprach davon, dass das Privateigentum kein absolutes Recht sei, sondern dem Gemeinwohl unterworfen. „Das sind nicht nur Aussagen, die immer noch wahr sind, sondern je mehr Zeit vergeht, desto zutreffender werden sie durch die Erfahrung erwiesen,“ kommentiert Papst Franziskus.
   Aus der Formulierung, die Armen seien das „Fleisch Christi“, wurde gegen den Papst der Vorwurf abgeleitet, er sei „Pauperist“, ein Anhänger der These, alle sollten arm sein. Dem begegnet der Papst mit dem Verweis, dass Pauperismus eine „Karikatur des Evangeliums und der Armut selbst“ sei. Jesus habe vorgegeben, wonach wir gerichtet würden Mt 25: was wir dem Armen und Leidenden tun würden, das täten wir für Jesus selbst. Das sei das Evangelium, es verdamme die Reichen nicht, sondern den Götzendienst am Reichtum, der den Schrei des Armen nicht hören lasse.
   „Jesus hat gesagt, dass wir bevor wir unser Opfer zum Altar bringen den Frieden mit unserem Bruder machen müssen, um im Frieden mit ihm zu sein. In Analogie dazu können wir sagen, dass das auch dafür gilt, in Frieden mit den armen Brüdern zu leben.“
   Noch einmal geht der Papst zum Schluss des Interviews auf die lange Tradition der kirchlichen Lehre ein: Papst Johannes XXIII. habe gesagt, dass die Kirche eine Kirche für alle, vor allem aber für die Armen sein wolle. Daran anschließend habe sich die präferentielle Option für die Armen entwickelt. Man könne aber nicht sagen, dass das etwas Neues sei, all das habe seinen Ursprung im Evangelium und findet sich auch in den Dokumenten der ersten Jahrhunderte des Christentums.
   „Wenn ich einige Predigten der Kirchenväter aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert wiederholen würde, wie die Armen zu behandeln seien, wann würde man sagen, dass meine Predigt eine marxistische Predigt sei.“ Es sei die Lehre von Ambrosius bis zu Paul VI., dass Eigentum kein unbedingtes Recht sei, niemand habe das Recht etwas zurück zu halten, was über Bedürfnisbefriedigung hinaus gehe, wenn andere bedürftig seien. Diese Option für die Armen sei keine „Erfindung des Kommunismus“ und man dürfe sie auch nicht ideologisieren, wie das in der Geschichte immer wieder geschehen sei. Um die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ zu überwinden, wolle die Kirche ohne zu politisieren „nur von den Worten Jesu bewegt ihren Beitrag leisten für den Aufbau einer Welt, wo man sich gegenseitig unterstützt und umeinander sorgt.“ Rv150111ord

Dia Belotti: arte-Paulus-DiaBellotti-1977-Z4x Paulus

Frühmessen mit Papst Franziskus - Predigten in der Kapelle des Gästehauses Santa Marta m Freitag, 24. April
Eine persönliche Begegnung für jeden

Jeder Mensch hat eine persönliche Begegnung mit dem Herrn. Eine wahre, konkrete Begegnung, die das Leben radikal verändern kann. Das Geheimnis besteht nicht nur darin, sich dieser Begegnung bewusst zu werden, sondern auch in der Erinnerung an sie, die man nie verlieren darf, deren Frische und Schönheit man bewahren muss.
  Dies unterstrich Papst Franziskus bei der heiligen Messe am 24. April in der Kapelle des Hauses Santa Marta, wobei er eine »Hausaufgabe« und zwei praktische Vorschläge anfügte: um die Gnade der Erinnerung beten sowie das Evangelium lesen, um sich in den vielen Begegnungen Jesu wiederzufinden.
   In der ersten Lesung Apg 9,1-20, so der Papst zu Beginn seiner Predigt, werde »die Geschichte von Saulus- Paulus« berichtet, davon, wie er »mit großem Eifer von seiner Lehre überzeugt war«. Aber »dieser Eifer brachte ihn dazu, diesen neuen Weg zu verfolgen, das heißt die Christen«. So »erbat sich Saulus Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Erlaubnis zu erhalten, die Christen dort in Ketten zu legen«. Und das tat er mit dem Eifer für Gott«.
   Dann aber, so der Papst, sei das geschehen, »was wir gehört haben und was wir alle wissen: er hat eine Vision und fällt vom Pferd«. Da »spreche der Herr zu ihm: >Saul, Saul, warum verfolgst du mich?< - Er antwortet: >Wer bist du, Herr?< - >Ich bin Jesus.<« Das sei »die Begegnung von Paulus mit Jesus«.
   Bis dahin habe Paulus geglaubt, »dass alles, was die Christen sagten, bloße Geschichten gewesen seien«. Aber dann »ist er Ihm begegnet und wird diese Begegnung nie wieder vergessen: sie ändert sein Leben und lässt ihn in der Liebe zum Herrn wachsen, den er zuerst verfolgt hatte und jetzt liebt«. Eine Begegnung, so der Papst, die Paulus dazu führe, »der Welt den Namen Jesu als Heilswerkzeug zu verkünden«. So sei die Begegnung des Paulus mit Jesus verlaufen und das sei ihre Bedeutung.
   »In der Bibel gibt es noch zahlreiche weitere Begegnungen«, fuhr Franziskus fort, »auch im Evangelium«. Und alle seien verschieden voneinander. So habe jeder »seine persönliche Begegnung mit Jesus«. »Denken wir zum Beispiel an die ersten Jünger, die Jesus nachfolgten, und den ganzen Abend bei ihm blieben - Johannes und Andreas, die erste Begegnung - und sie freuten sich darüber«. So sehr, dass »Andreas zu seinem Bruder Petrus geht - der zu jener Zeit Simon hieß - und sagt: >Wir haben den Messias gefundene« Das sei »eine weitere begeisterte, glückliche Begegnung, und er führt Petrus zu Jesus«. Es folge dann die »Begegnung zwischen Petrus und Jesus«, »der ihn anblickt« und zu ihm sage: »Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen«, das bedeutet »Fels«.
   Es gebe in der Tat sehr viele Begegnungen, unterstrich Franziskus. Da sei zum Beispiel »die Begegnung mit Natanael, dem Skeptiker«. Sofort »streckt Jesus ihn mit wenigen Worten nieder«, so dass der Intellektuelle zugebe: »Du bist der Messias!« Dann sei da noch »die Begegnung mit der Samariterin, die sich schwierigen Fragen gegenübersieht und sich als Theologin versucht: »Dieser Berg aber, und der andere...«Jesus antworte ihr: »Aber dein Mann, deine Wahrheit.« Die Frau »begegnet in ihrer Sünde Jesus und verkündet es den anderen in der Stadt: >Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. Ist er vielleicht der Messias? <«
   Franziskus erinnerte ebenso an die »Begegnung mit dem Leprakranken, einer der zehn Geheilten, der umkehrt, um zu danken« und an jene »mit der Frau, die seit zwölf Jahren krank war und dachte: >Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.< Und sie begegnet Jesus.« Und schließlich sei da noch »die Begegnung mit dem Besessenen, aus dem Jesus viele Dämonen ausgetrieben habe, die in die Schweine fahren«, und der dann Jesus folgen will, dieser aber sagt: »Nein, nein, bleib' zu Hause, aber erzähl allen, was dir geschehen ist.«
   Der Papst fasste zusammen: »Wir finden so viele Begegnungen in der Bibel, weil der Herr uns sucht, um uns zu begegnen« und »jeder von uns hat seine persönliche Begegnung mit Jesus«. Vielleicht »vergessen wir ihn, erinnern wir uns nicht mehr an ihn«, so dass wir uns fragen: »Wann bin ich denn Jesus begegnet oder wann ist Jesus mir begegnet?«  Sicherlich »ist Jesus dir am Tag deiner Taufe begegnet: das ist wahr, du warst ein Kind«. Und in der Taufe »hat er dich gerechtfertigt und dich in sein Volk aufgenommen«. »Wir alle«, fuhr Franziskus fort, »haben in unserem Leben eine Begegnung mit Ihm gehabt«, eine wahre Begegnung, in der »ich gespürt habe, »dass Jesus mich anblickt«. Das sei keine Erfahrung »nur für Heilige«. Und »wenn wir uns nicht daran erinnern, dann wird es schön sein, ein wenig nachzudenken und den Herrn zu bitten, dass er uns diese Erinnerung schenken möge, denn er erinnert sich, er erinnert sich an die Begegnung«. In diesem Zusammenhang bezog sich der Papst auf das Buch Jeremia, wo zu lesen sei: »Ich denke an deine Jugendtreue, an die Liebe deiner Brautzeit.« Der Text handle von »jener begeisterten Begegnung am Anfang, jener neuen Begegnung: Er vergisst nie, aber wir vergessen die Begegnung mit Jesus.«
   Eine »schöne Hausaufgabe«, so der Vorschlag von Franziskus, sei es, darüber nachzudenken, »wann ich wirklich die Nähe des Herrn gespürt habe«, »als ich gespürt habe, dass ich mein Leben ändern oder mich bessern oder einer Person vergeben muss«, »als ich gespürt habe, dass er Herr mich um etwas bat«, und damit, »wann ich dem Herrn begegnet bin«.
   Denn unser Glaube sei »eine Begegnung mit Jesus«. Gerade »das ist das Fundament des Glaubens: Ich bin Jesus begegnet, so wie Saulus, so wie es der Abschnitt aus der Apostelgeschichte in der Tageslesung berichte.
   Wenn einer also sage, dass er sich »an die Begegnung mit dem Herrn nicht erinnert«, dann sei es Zeit, um die Gnade zu bitten: »Herr, wann habe ich dich bewusst gefunden? Wann hast du mir etwas gesagt, das mein Leben verändert hat oder das mich eingeladen hat, jenen Schritt im Leben zu tun?« Der Papst empfahl: »Das ist ein schönes Gebet, bete es jeden Tag!« Und wenn »du dich dann erinnerst, dann freue dich über diese Erinnerung, die eine Erinnerung der Liebe ist«.
   Eine »weitere schöne Aufgabe wäre«, so Franziskus, »das Evangelium in die Hand zu nehmen« und die vielen Begebenheiten zu lesen, die es dort gebe, um sehen, »wie Jesus den Menschen begegnet, wie er die Apostel erwählt« und vielleicht zu bemerken, dass manche Begegnung »der meinen ähneln«. Denn jeder hat seine persönliche Begegnung.
   Diese beiden konkreten Aufgaben »werden uns gut tun«. Vor allem: »Beten und um die Gnade der Erinnerung bitten«, indem wir uns fragten: »Wann, Herr, hat diese Begegnung stattgefunden, jene erste Liebe?« Um »nicht diese Zurechtweisung hören zu müssen, die der Herr in der Offenbarung ausspricht: >Ich werfe dir aber vor, dass du deine erste Liebe verlassen hast.<«
   Der zweite Ratschlag des Papstes ist, das Evangelium zur Hand nehmen und die Begegnungen Jesu mit den verschiedenen Personen zu betrachten. Es sei offensichtlich, »dass der Herr uns begegnen will. Er will eine Beziehung mit uns von Angesicht zu Angesicht.« Sicherlich habe es »in unserem Leben eine eindrückliche Begegnung gegeben, die uns dazu geführt hat, unser Leben ein wenig zu ändern und uns zu bessern«.
   Abschließend unterstrich der Papst, dass die Eucharistiefeier »eine weitere Begegnung mit Jesus ist, um zu tun, was wir im Johannesevangelium 6,52-59 gehört haben: »Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.« Gerade um »im Herrn zu bleiben, nähern wir uns jetzt dieser täglichen Begegnung«.

              Der Papst fasst zusammen:
              »Wir finden so viele Begegnungen in der Bibel,
              weil der Herr uns sucht, um uns zu begegnen«

              und »jeder von uns hat seine persönliche Begegnung mit Jesus«.

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