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Pflege

Für unsere Mitglieder bringen wir hier aktuelle Berichte aus der überregionalen Presse

Es gehört zu den existenziellen Sorgen der Menschen, im Alter nicht mehr allein zurechtzukommen.
Daher gehen die Überlegungen der Regierung in die richtige Richtung,
den Abschluss privater Verträge für die Pflege zu fördern.       >>
mehr dazu auf unserer Seite Pflegeversicherung

Sie lesen auf dieser Seite:
1. Papst: Fürsorge für Kranke in der Familie ist heldenhaft
Pflege-Auszeit: 39.000 lassen ihren Job ruhen, um zu pflegen

2. Mehr Geld für die Pflege  - Wer bekommt was? Wer zahlt? 
3.  Bundestag beschließt Familienpflegegesetz 
4.
Hilfe für Angehörige - Pflege zu Hause. Viele Angebote sind kostenlos
5. Neue Zahlen der Altenpflege vom Statistischen Bundesamt
6. Bei Institutionen, Vereinen und Pflegekassen findet man Unterstützung
7. Koalition einigt sich auf Leistungsverbesserungen in der Pflegeversicherung
8. Neue Leistungen für Demenzkranke  -  Übersicht und Hinweise
9. Eine Kur für die Pflegebranche - Mit ihrer Master-Arbeit überzeugte Julia Hornung, 27, die Jury
10. Neben dem Job studieren: Hamburg - Berlin- Bremen
11. Kurzzeitpflege - wer nicht aufpasst, zahlt drauf
12. Anspruch auf Urlaub auch für Pflegende - Pflegekassen zahlen für Ersatz- und Kurzzeitpflege
13. Beratung ist kostenlos. Stützpunkte sind Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige
14. Ratgeber für Wahl eines Pflegeheims
15. Sozialstationen der Caritas Osnabrück jetzt online
16. Sparmodell gegen hohe Pflegekosten – Region Hannover stellt neues Konzept für Sozialhilfeempfänger vor
17. Preis der Pflege
18. Wie verläuft die Prüfung eines Pflegeheims durch den Medizinischen Dienst?
19.  Pflegeprüfung des Medizinischen Dienstes in fünf Stufen
20. Informationen  - Buchtipps  - Beratungstelefone
21. Wenn der Pflege-TUV  klingelt. Überwachung der Qualität von Seniorenwohnanlagen
22.  Pflegebedürftige bewerten künftig ihre Pfleger
23. Was bei dem Begutachtungsverfahren für die Pflegestufe nicht gesagt werden sollte
24. Pflegeheime werden im Internet bewertet - Datenbank informiert bundesweit über Alteneinrichtungen 
25. Die Bundesregierung will Pflegenoten zum Jahreswechsel ausgesetzt werden:
Ein neues Bewertungssystem wird erarbeitet!

26. Alarm im Pflegeheim: 2030 fehlen 220.000 Pflegebetten
27. Kinder zahlen für die Eltern. Wenn die Rente nicht reicht, bitten Pflegeheime die Angehörigen zur Kasse
28. Damoklesschwert Elternunterhalt
29. Pflege und  Steuervorteile
30. Deutschlandweit einmaliges Angebot. Qualifikation zum Palliativpfleger und Palliativmediziner
31. Ausländische Haushaltshilfen dürfen auch bei der häuslichen Pflege unterstützen
32. EU will Pflicht-Abi für Krankenpfleger. Um Betreuungsberufe attraktiver zu machen
33. Das Ende der Krankenschwester
34. Einheitsausbildung der Pflegeberufe löst Proteststurm aus

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Papst: „Fürsorge für Kranke in der Familie ist heldenhaft“

   Die Pflege für kranke Angehörige in der Familie ist eine heroische Tat und geht oft mit großen Opfern einher. Das hat Papst Franziskus am Mittwoch bei der Generalaudienz betont. Er rief Politik und Gesellschaft dazu auf, diese Arbeit zu würdigen und empfahl Eltern, ihre Kinder zu Fürsorge und Solidarität zu erziehen.
   Eltern sollten ihren Kindern auch die „Welt der Kranken und des Leids“ zeigen, so der Papst in seiner Katechese auf dem Petersplatz. Franziskus ging auf das Thema „Familie und Krankheit“ ein, wobei es ihm um das Verhältnis von Familienangehörigen zu Kranken ging. Es sei wichtig, dass auch die Kirche dabei helfe, „ohne viele Worte“ ganz konkret und gezielt Kranke zu unterstützen.
   „Wer einen Kranken im Familienkreis hat, der leidet vielleicht ein bisschen mehr mit. Es ist die Liebe, die uns dieses ,bisschen mehr´ verspüren lässt. Oft ist es für einen Vater oder einer Mutter schwerer, das eigene Kind leiden zu sehen als selber an einer Krankheit zu leiden. Die Familie war schon immer das naheste Krankenhaus. Auch heute noch gilt dies in vielen Teilen der Welt. Da sind es die Großeltern, Geschwister oder Eltern, die für einen Kranken sorgen.“
   Der Papst erinnerte an die vielen Bibelstellen, in denen Treffen von Jesus mit Kranken beschrieben werden. Jesus habe nie zurückgeschreckt, wenn es darum ging, einem Kranken zu helfen, so der Papst. Niemals habe Jesus weggeschaut oder eine Berührung verweigert. Auch habe Jesus die Heilung vor das Gesetz gestellt. Selbst das heiligste Gesetz der Sabbatruhe sei für ihn zweitrangig geworden, wenn es darum gegangen sei, einen Kranken zu heilen, so Franziskus:
   „Das ist die Aufgabe der Kirche! Kranken zu helfen und zu trösten. Die Kirche lädt uns alle dazu ein, für alle jene zu beten, die leiden. Das Gebet für die Kranken darf niemals aufhören. Doch in Familien, wo Leid herrscht, da kann auch die menschliche Schwäche die Oberhand gewinnen. Die Krankheit kann aber auch die Verbindung unter Familienangehörigen stärken. Ich denke, dass Eltern in der Erziehung ihren Kindern auch die Welt der Kranken bekannt machen sollten.“
   Die Gefahr sei sonst groß, dass eine Generation heranwachse, die kein Mitgefühl mit Kranken habe, so der Papst weiter. Auch Erwachsene hätten hier eine Verantwortung.
   „Wie oft sehen wir einen Mann oder eine Frau mit einem müden Gesicht, weil sie in der Nacht wach sein oder ihr Kind oder Familienangehörigen pflegen mussten. Und dennoch arbeiten sie tagsüber. Das sind heroische Taten! Das sind die Helden der Familie! Es ist zwar eine versteckte Heldentat, doch sie wird mit Zärtlichkeit und Mut getan, und deshalb ist sie heroisch.“
   Christen wüssten, dass eine Familie in einer solchen Situation nicht im Stich gelassen werden könne. Das müsse aber auch insgesamt der Politik und Gesellschaft klar werden, so der Papst:
   „Wenn eine Familie eine andere Familie unterstützt, dann ist das der größte Schatz einer Pfarrei, weil wir da das Reich Gottes besser verstehen als bei vielen Diskussionen darüber! Da spüren wir die Zärtlichkeit Gottes.“ Rv150610mg 

39.000 lassen ihren Job ruhen, um zu pflegen – Die Pflegeauszueit soll Angehörige entlasten
Eineinhalb Jahre nach Einführung der Pflege-Auszeit zieht das Bundesfamilienministerium eine erste Bilanz

   Acht Stunden im Büro und danach noch einen kranken oder hochbetagten Menschen pflegen? Für viele ist das längst Normalität: Der Spagat zwischen Pflege und Beruf gehört für immer mehr Deutsche zum Alltag. Um den Druck von den Angehörigen zu nehmen, hat die Bundesregierung ein Paket mit Entlastungen geschnürt: Mit den neuen Regeln zur Familienpflegezeit haben pflegende Angehörige das Recht auf eine berufliche Auszeit zwischen zehn Tagen und 24 Monaten. Eineinhalb Jahre nach der Einführung hat Familienministerin Manuela Schwesig ausrechnen lassen, wie viele Menschen das Angebot bereits genutzt haben, die Zahlen liegen dieser Zeitung exklusiv vor.
Kritiker sehen noch immer hohe Hürden für Angehörige
   Rund 39.000 Frauen und Männer haben demnach seit Januar 2015 eine mehrmonatige berufliche Auszeit für die Pflege genommen. Zudem haben im ersten Jahr rund 13.600 Angehörige die bis zu zehntägige Auszeit zur Regelung eines akuten Pflegenotfalls genutzt. Die SPD- Politikerin fühlt sich bestätigt: „Die Neuregelungen zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf greifen", sagte Schwesig dieser Zeitung. „Die Auszeiten werden erfreulicherweise mehr und mehr in Anspruch genommen." Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf gehöre zu den Herausforderungen vieler Familien - auch Arbeitgeber sollten dieser Frage einen höheren Stellenwert beimessen.
Kritiker bemängeln, die Hürden seien zu hoch. 2,7 Millionen Pflegebedürftige gibt es in Deutschland, rund 70 Prozent werden zu Hause betreut, zwei Drittel der privaten Hauptpfiegepersonen sind berufstätig. „Mehrere Zehntausend sind da immer noch wenige", sagte die pflegepolitische Sprecherin der Grünen, Elisabeth Scharfenberg.
   Es gibt drei Varianten zur Entlastung von pflegenden Angehörigen: Tritt ein unerwarteter Pflegefall in der Familie ein, können Angehörige eine zehntägige Auszeit nehmen - ohne auf Lohn verzichten zu müssen. Ähnlich wie beim Kinderkrankengeld bekommen Berufstätige aus der Pflegekasse einen Lohnersatz („Pflegeunterstützungsgeld"). Wer einen Angehörigen länger pflegen will, ohne den Beruf aufzugeben, kann bis zu zwei Jahre seine Arbeitszeit auf bis zu 15 Wochenstunden reduzieren („Familienpflegezeit") oder sechs Monate lang ganz aussteigen („Pflegezeit"). Um die Lohneinbußen abzufedern, bietet der Staat zinslose Darlehen an, die später abbezahlt werden müssen. Laut Familienministerium nahmen zwar mehr als 39.000 Angehörige eine der beiden mehrmonatigen Optionen in Anspruch - doch die wenigsten nutzten auch die staatlichen Darlehen: Seit Januar 2015 wurden 429 Darlehensanträge gestellt, 348 davon genehmigt.
   Eine Auszeit vom Job, um Zeit für die Familie zu haben - das war bislang vor allem eine Sache junger Eltern: Fast eine Million Mütter und Väter bezogen im Jahr 2014 Elterngeld. Die Zahl der Frauen und Männer, die nach Ablauf der staatlichen Geldzahlung in Elternzeit waren, liegt weitaus höher. Doch für immer mehr Deutsche stellt sich die Vereinbarkeitsfrage heute zweimal: Erst bei den Kindern, dann bei den Eltern.
   Während es jedoch bei den Kindern mit dem Elterngeld eine staatliche Unterstützung gibt, halten Schwesigs Kritiker das Pflegezeitgesetz für verbesserungsbedürftig. Christel Bienstein, Pflegexpertin der Universität Witten- Herdecke, kritisiert die mangelnde finanzielle Unterstützung: „Viele können es sich nicht leisten, eine berufliche Auszeit zu nehmen, auf Lohn zu verzichten, sich zu verschulden und später auch noch das Darlehen zurückzuzahlen." Die Grünen kritisieren: „Die Lebenswirklichkeit heißt immer noch: Pflegezeit und Familienpflegezeit verringern das Einkommen", sagt Pflegeexpertin Scharfenberg. „Selbstständige und Angestellte in kleinen Betrieben, vorwiegend Frauen, haben überhaupt keinen Anspruch auf die Pflegezeiten." Denn: Der Rechtsanspruch auf sechsmonatige Pflegezeit gilt nur in Betrieben ab 15 Mitarbeitern, die zweijährige Familienpflegezeit erst ab 25 Mitarbeitern. Nach Regierungsangaben sind daher rund 5,6 Millionen Arbeitnehmer ohne Anspruch.
   Die zehntägige Auszeit mit Lohnersatzleistung dagegen sei gut, sagt die Grünen-Politikerin, sie sollte nicht nur einmal pro Pflegefall sondern jährlich gewährt werden - wie das Kinderkrankengeld. Unter Experten wird diskutiert, ob das Lohnersatzmodell für sämtliche Beschäftigten eingefühlt werden sollte: Mit einer „Elternzeit für Ältere" und einem Lohnersatz aus Steuermitteln könnten Pflegende gezielter unterstützt werden.
Die Regierung geht davon aus, dass jedes Jahr rund 360.000 Berufstätige vor die Frage gestellt werden, wie sie Job und Pflege unter einen Hut bekommen sollen. In Umfragen zeigt sich immer wieder, wie groß der Wunsch, beziehungsweise die gefühlte Verpflichtung ist, sich um betagte und kranke Familienmitglieder zu kümmern: Sechs von sieben Beschäftigten würden eine berufliche Auszeit für die Pflege eines nahen Angehörigen in Erwägung ziehen. Nachhohlbedarf gibt es aber noch beim Wissen über die unterschiedlichen Angebote: Laut einer aktuellen Emnid- Umfrage im Auftrag des Familienministeriums fühlt sich nur jeder Zweite gut über Entlastungsmöglichkeiten bei der Pflege informiert. 
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 Mehr Geld für die Pflege  - Wer bekommt was? Wer zahlt?

   Die Koalition will die Einnahmen für die Altenpflege bis 2017 um 6 Milliarden Euro jährlich ausweiten. Das erste Paket mit Ausgaben von 2,4 Milliarden Euro wurde am 17. Oktober 2014 beschlossen. Davon sollen 1,4 Milliarden Euro in die ambulante Pflege und eine Milliarde in die stationäre Pflege fließen. Zudem sollen künftig jedes Jähr 1,2 Milliarden Euro für eine Reserve angespart werden. Viele Leis­tungen kommen erstmals und im Vorgriff auf weitere Gesetze Demenzkranken zu, die bisher keine oder nur eingeschränkte Hilfe erhielten.
   Mit rund 800 Millionen Euro fließt der größte Einzelbetrag in die Anhebung der Preise, die seit 2012 nicht an die Inflation angepasst wurden. Doch wird mit dem Zuschlag von 4 Prozent kein vollständiger Inflationsausgleich gewährt. Angehörigen, die Pflegepatienten übergangsweise in einem Pflegeheim unterbringen müssen, soll das durch die einfachere Kombination von Kurzzeit und Verhinderungspflege möglich gemacht werden. Tages- und Nachtpflege kann ohne Kürzung neben den ambulanten Geld- und Sachleistungen in Anspruch genommen werden. Demenzkranke (Pflegestufe 0) haben erstmals Anspruch auf teilstationäre Tages-, Nacht- oder Kurzzeitpflege.
  Auch Pflegebedürftige mit Pflegestufen 1 bis 3 können für „niedrigschwellige Betreuungsangebote" wie Begleitung bei Erledigungen oder Spaziergängen einen zusätzlichen Betreuungsbetrag von bis zu 104 Euro im Monat beanspruchen. Für Demenzkranke steigt er bis auf das Doppelte. Angebote für Hilfe im Haushalt oder Alltagsbegleiter kommen hinzu. Umbaumaßnahmen etwa an der Treppe oder der Einbau eines barrierefreien Badezimmers werden mit bis zu 4.000 Euro bezuschusst, bisher waren es 2.557 Euro. In Wohngruppen kann der Betrag auf bis zu 16.000 Euro steigen.
   In Heimen soll künftig ein Betreuer für 20 Bewohner zur Verfügung stehen. Die Zahl der Betreuer soll von 25.000 auf 45.000 steigen. Betreuer sind keine Pflegefachkräfte, sondern Hilfspersonen. Um die oft als zu niedrig kritisierten Bezahlung der Fachkräfte etwas aufzubessern, sollen Pflegeeinrichtungen angehalten werden, Mitarbeiter nach Tarif zu entlohnen. Pflegekassen können Nachweise verlangen, dass ihr Geld auch bei den Beschäftigten ankommt.
   Um die Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf zu verbessern, finanziert die Pflegeversicherung ab 2015 eine zehntägige bezahlte Freistellung vom Beruf für die Pflege eines Angehörigen. Dafür werden 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Einzelheiten muss der Bundestag noch beschließen. Ein neuer Pflegevorsorgefonds wird mit 1,2 Milliarden Euro im Jahr dotiert. Die dort gesammelten Gelder sollen ab 2035 zur Stabilisierung des Beitragssatzes genutzt, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins Pflegealter kommen.
   Zur Finanzierung der Leistungsausweitungen (2,4 Milliarden Euro) und des Vorsorgefonds (1,2 Milliarden Euro) steigt der Beitragssatz zur Pflegeversicherung ab Januar um 0,3 Punkte auf dann 2,35 (Kinderlose 2,6) Prozent des Einkommens bis zur Höhe von 4125 Euro im Monat. Mit der für 2017 angekündigten zweiten Reformstufe, die Leistungsausweitungen von weiteren 2,4 Milliarden Euro vorsieht, soll die Belastung nochmals um 0,2 Punkte wachsen. FAZ141018ami

Familienpflegezeitgesetz trat am 01. Januar 2012 in Kraft

   Um berufstätigen Frauen und Männern die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu erleichtern, trat am 1. Januar 2012 das Familienpflegezeitgesetz in Kraft. Die Familienpflegezeit soll es pflegenden Angehörigen ermöglichen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Beschäftigte können ihre Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden verringern - wenn der Arbeitgeber zustimmt. Möglich ist das über einen Zeitraum von höchstens zwei Jahren. Um die Einkommens- einbußen, die durch die Reduzierung der Arbeitszeit entstehen, abzufedern, erhalten sie eine Lohnaufstockung.
   Pflegebedürftige und ihre Angehörigen erhalten mehr Leistungen. Das gilt für die Pflege im häuslichen Umfeld, im stationären Bereich und für Pflegevertretungen.  Die Pflegesätze steigen in der häuslichen Pflege in der Pflege- stufe I von 440 Euro auf 450 Euro, in der Pflegestufe II von 1.040 Euro auf 1.100 Euro und in der Pflegestufe III von 1.510 Euro auf 1.550 Euro. In der vollstationären Pflege steigen die Leistungsansprüche für Versicherte der Pflegestufe III ebenfalls von 1.510 Euro auf 1.550 Euro und für Härtefälle von 1.825 Euro auf 1.918 Euro. HA111229

Immer mehr Beschäftigte pflegen Angehörige
Hamburger Handelskammer fordert Unternehmen auf, umfassende Strategie für Mitarbeiter zu entwickeln

   Die Unternehmen in der Hansestadt müssen ihren Mitarbeitern künftig mehr Zeit zur Pflege eigener Angehöriger einräumen, der Bedarf dafür wird steigen. Das ist das Ergebnis einer Tagung in der Handelskammer zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Aufgrund des demografischen Wandels wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Hamburg bis 2030 um 28 Prozent zulegen. Damit steigt auch die Zahl der Personen, die nicht stationär, sondern durch ihre eigenen Angehörigen ge­pflegt werden, und zwar um 22 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Hamburger WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) und die Hamburg School of Business Administration (HSBA) für die Handelskammer erstellt haben.
   „Da immer mehr Menschen immer länger erwerbstätig sein werden, gewinnt die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf für Hamburger Unternehmen und ihre Mitarbeiter zunehmend an Bedeutung", heißt es in der Studie. Rund sechs Prozent der Beschäftigten pflegen privat einen oder mehrere Angehörige. Ein gutes Drittel der Pflegenden verwendet durchschnittlich eine bis sechs Stunden Zeit pro Woche für die Pflege eines Angehörigen. Weitere 28 Prozent pflegen wöchentlich zwischen sieben und zwölf Stunden, und knapp 16 Prozent sogar zwischen 13 und 19 Stunden. Ein gutes Fünftel ist mindestens 20 Stunden pro Woche mit der Angehörigenpflege beschäftigt. „Damit gewinnt die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in der Zukunft für Arbeitgeber und Per­sonalverantwortliche zunehmend an Bedeutung", sagte Vizepräses Thomas M. Schünemann, bei der Tagung der Handelskammer.
   Hamburgs Familiensenator Detlef Scheele ergänzte: „Die Diskussion um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war lange Zeit von der Frage der Kinderbetreuung geprägt. Nun aber rückt zunehmend auch die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger in den Fokus." Wer Personal gewinnen wolle, müsse alle familiären Belange der Mitarbeiter im Blick behalten und geeignete Ange­bote auch für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege entwickeln.
Vor allem Frauen müssen Pflege und Beruf unter einen Hut bringen
   Allerdings schenkt die Hamburger Wirtschaft dem Thema noch eine geringe Aufmerksamkeit, wie die Studie aufzeigt: 38 Prozent der Befragten halten das Thema für „eher nicht relevant". Auf der anderen Seite sei die Inanspruchnahme von bereits angebotenen Vereinbarkeitsmaßnahmen der Firmen durch die pflegenden Beschäftigten ebenfalls relativ gering. Am häufigsten müssen Frauen Beruf und Pflege unter einen Hut bringen. Das Durchschnittsalter der betroffenen Beschäftigten liegt laut Studie bei 48 Jahren.
   Vizepräses Schünemann appellier­te an die Hamburger Unternehmen, angesichts der zunehmenden Bedeutung des Themas „Pflege durch Erwerbstätige" eine umfassende Strategie zu entwickeln. Dies könnte über Informationsveranstaltungen geschehen. Zudem sollte das Thema fester Bestandteil bei der Personalgewinnung und -einsatz sein. Des Weiteren sei eine Kooperation von Betrieben mit lokalen Dienstleistern - etwa externen Pflegebetrieben - und Unterstützungsnetzwerken sinnvoll. Die Studie kommt zu dem übergreifenden Ergebnis: „Der Pflege muss bei den betrieblichen Vereinbarkeitsangeboten dieselbe Bedeutung wie der Kinderbetreuung zukommen, denn auch kinderlose Belegschaftsmitglieder pflegen ihre Eltern." HA130517mk

Beschäftigte bekommen mehr Zeit für die Pflege

   Die Koalition kommt mit ihren Plänen für Verbesserungen in der Altenpflege voran: An diesem Mittwoch will das Bundeskabinett einen Reformvorschlag für die bessere Vereinbarkeit von Pflege und Berufstätigkeit verabschieden, am Freitag der Bundestag in letzter Lesung den ersten Teil der Pflegereform beschließen, mit der eine Beitragssatzerhöhung um 0,3 Prozentpunkte und Mehrausgaben von mehr als 2 Milliarden Euro einhergehen sollen. Mit dem von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) vorgelegten Gesetzentwurf für eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf will die Regierung Beschäftigten bezahlte zehntätige Auszeiten für die Organisation der Pflege und bis zu zweijährige unbezahlte Auszeiten mit Rückkehrgarantie zugestehen, falls der Betrieb mehr als 15 Beschäftigte zählt. Zinslose staatliche Kredite sollen helfen, den Einkommensverlust zu kompensieren. FAZ141015ami

Angehörige leisten den Großteil der Pflege 

   Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland hat sich allein seit 2009 um fast 300.000 Personen oder mehr als 12 Prozent auf 2,6 Millionen erhöht. Beinahe die Hälfte dieser Pflegebedürftigen wurden Ende 2013 allein von Angehörigen zu Hause betreut; weitere 616.000 erhielten Hilfe durch ambulante Pflegedienste. Etwas mehr als ein Viertel der 2,6 Millionen Pflegebedürftigen wurde demgegenüber in Heimen betreut. Das zeigt ein vom Statistischen Bundesamt vorgelegter Datenreport.
   Auch die Zahl der Beschäftigten in der Pflege hat sich deutlich erhöht, wie die Statistik zeigt. So waren Ende 2013 bei den mehr als 12.000 ambulanten Pflegediensten 32.000 Mitarbeiter beschäftigt, 19 Prozent mehr als vier Jahre zuvor. Von ihnen waren 68.000 oder gut jede fünfte Arbeitskraft staatlich anerkannte Altenpfleger; weitere 90.000 Gesundheits- und Krankenpflegekräfte kommen hinzu. Allein 65.000 Beschäftigte hatten nur einen Minijob. In den 13.000 Pflegeheimen arbeiteten den Daten zufolge gut 685.000 Menschen; 10 Prozent mehr als vier Jahre zuvor. Unter ihnen waren 159.000 staatlich anerkannte Altenpfleger und 60.000 weitere Pflegekräfte. Ein Einschnitt war für die Pflege die Abschaffung von Wehr- und Zivildienst: 2009 waren in beiden Bereichen 9.000 Zivildienstleistende tätig, 2013 aber nur noch 3.000 Helfer im Bundesfreiwilligendienst. 3.300 Teilnehmer freiwilliger Praktika kamen hinzu. FAZ150313dc

Wo liegen die Grenzen für die Pflege zu Hause?        medi-DrAnn-KathrinMeyer-xx

Für Patienten ist es eine große Motivation, aus der Klinik wieder in ihre vertraute Umgebung entlassen zu werden
Foto: Dr. Ann-Kathrin Meyer, Chefärztin Geriatrie der Asklepios Klinik Hamburg-Wandsbek

   Wenn Patienten beispielsweise nach einem Sturz und Oberschenkelhalsbruch in der Chirurgie behandelt werden müssen, steht bereits nach we­nigen Tagen die Entlassung an, und es wird dann für die alten Menschen eine Nachbehandlung in einer geriatrischen Abteilung notwendig. Dr. Ann-Kathrin Meyer ist Chefärztin der Abteilung Geriatrie (Altersheilkunde) in der Asklepios Klinik Wandsbek. Die medizinische Behandlung und Frührehabilitation ist auf die Bedürfnisse von alten Menschen ausgerichtet, die unter anderem aufgrund von Demenz, Stürzen und Brüchen, Schlaganfällen sowie Herz- Kreislauf-Erkrankungen eingewiesen werden.
Hamburger Abendblatt: Frau Dr. Meyer, wie wichtig ist es Ihren Patienten, wieder nach Hause zu kommen?
Ann-Kathrin Meyer:
Dieses Ziel ist sehr wichtig. Es ist ziemlich anstrengend und erfordert Disziplin, zum Beispiel nach einem Schlaganfall bei den Übungen unserer Physiotherapeuten und Logopäden mitzuarbeiten. Da ist es eine große Motivation, wieder in die vertrau­te Umgebung entlassen zu werden.
Bis zu welchem Schweregrad können Senioren zu Hause gepflegt werden?
   Es ist überhaupt kein Problem für die ambulanten Dienste, Patienten mit einem hohen Pflegebedarf, also mit Pflegestufe 3, zu versorgen. Hilfreich ist, wenn Familienangehörige und Bekannte vor Ort sind und zusätzlich helfen.
Wo liegen die Grenzen der Pflege in der vertrauten Umgebung?
   Wenn Angehörige die Pflege nicht übernehmen können oder wollen, ist ein Umzug in ein Pflegeheim sinnvoll. Bei einer Demenz stoßen Ehepartner und Kinder immer wieder an ihre Grenzen, besonders wenn der Betroffene Verhaltensauffälligkeiten zeigt. Einsamkeit ist auch so eine Grenze, da gibt es im Altenheim einfach mehr Geselligkeit. Alleinlebende Senioren fühlen sich oft sehr einsam, denn der Pflegedienst kommt häufig nur morgens und abends. Ihnen fehlt die Ansprache.
Schaffen die Familien die Pflege allein?
   Vielen Ehepaaren täte es gut, wenn sie Hilfe von außen annehmen würden. Vor allem die Ehefrauen möchten ihre Männer selbst pflegen. Hinzu kommen Forderungen von den Pflegebedürftigen selbst, die lieber eine vertraute Person um sich herum haben. Mitunter sind Angehörige mit der Pflege jedoch schlicht überfordert. Denken wir nur daran, dass ein Patient eine Wunde hat. Eine 87-jährige Ehefrau ist keine Wundtherapeutin. Außerdem sehen pflegende Angehörige oft nicht, wie sehr sie selbst unter der Situation leiden. Tagespflege, Kurzzeitpflege oder die täglichen Einsätze eines ambulanten Dienstes sollten sinnvoll mit der liebevollen Betreuung durch die Familie kombiniert werden.
   Die Angst der Kinder, in 20 Jahren selbst einen Schlaganfall zu erleiden oder tüdelig zu werden, ist ja durchaus vorhanden. Gibt es ein erbliches Risiko für diese Alterskrankheiten? Was können die 50- bis 70-Jährigen zur Gesundheitsvorsorge tun?
   Es besteht nur ein geringes erbliches Risiko dafür, dass Töchter und Söhne ebenfalls an diesen Alterskrankheiten der Eltern leiden werden. Die Risikofaktoren liegen bei den Vorerkrankungen, die rechtzeitig behandelt werden sollten. Dazu zählen Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Herzrhythmusstörungen.
Lassen sich diese tickenden Zeitbomben nur durch eine gute Altersmedizin behandeln?
   Nein. Ältere Menschen können viel selbst tun, um die Risikofaktoren positiv zu beeinflussen. Dazu zählen eine gesunde Ernährung, das Nicht-Rauchen und Bewegung. Ob Gymnastikgruppe im Altenheim oder der Besuch im Fitnessstudio - die ältere Generation ist da auf einem guten Weg. HA140918JochenMertens  

Hilfe für Angehörige - Pflege zu Hause. Viele Angebote sind kostenlos.
Bei Institutionen, Vereinen und Pflegekassen findet man Unterstützung.

   Gut zwei Drittel aller hilfe- und pflegebedürftigen Menschen werden zu Hause gepflegt, meist von Angehörigen, zum Teil unterstützt von ambulanten Pflegediensten. Erster Ansprechpartner in allen Fragen der Pflege daheim sind die Seniorenbüros beziehungsweise Pflegestützpunkte. Sie informieren, wie man eine Pflegestufe beantragt und geben Auskunft, welche Hilfen man noch in Anspruch nehmen kann.
Zum Thema Pflege stellen wir hier Angebote vor, die für die Pflege zu Hause hilfreich sein können.

Hilfe für Pflegende
   Angehörigen- bzw. Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise bieten die Möglichkeit, mit anderen Menschen, die sich in einer ähnlichen Pflegesituation befinden, ins Gespräch zu kommen. In speziellen Pflegekursen für Ange- hörige werden pflegerische und medizinische Grundkenntnisse vermittelt. Adressen und Termine für Kurse gibt es in den Seniorenbüros aber auch beim Deutschen Roten Kreuz, Tel: 0180-365 01 80.
Tipps im Internet: www.wir-pflegen.net
Betreuung von Demenzkranken
  Menschen, die einen demenzkranken Angehörigen pflegen, sind besonders gefordert. Entlastung bieten spezielle Angebote von Vereinen oder Selbsthilfegruppen. Helga Schneider-Schelte, Projektleiterin des deutsch-landweiten Beratungstelefons der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, kennt zahlreiche Angebote, zu denen man seine kranken Angehörigen mitbringen kann. Während die Pflegebedürftigen gut betreut werden, können sich die Angehörigen beraten lassen. Es gibt Gesprächsgruppen, Tanzcafés, Ausflüge und Reisen für Angehörige und Betroffene.
Infos: www.alzheimergesellschaft-hannover.de/
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., Tel. 01803 -17 10 17 (9c/min.), Tel: 0511 – 726 15 05, (tgl. 9-17 Uhr),
Ambulante Pflegedienste
  Ambulante Pflegedienste bieten Unterstützung bei der Pflege und Behandlung. Sie helfen z.B. bei der Körperpfle- ge, geben Hilfestellung beim Essen und Unterstützung im Haushalt. Ist eine Pflegestufe anerkannt, übernimmt die Pflegekasse die Kosten bis zu einer bestimmten Höhe. Hat der Pflegedienst einen Vertrag mit der Krankenkasse, kann er auch krankenpflegerische Leistungen wie Verbandswechsel und die Kontrolle und Gabe von Medikamen- ten übernehmen.
   Die Zeitschrift Ökotest untersuchte verschiedene Pflegedienste und kam zu dem Schluss: Die Trägerschaft oder werbewirksame Zertifikate erlauben keine Rückschlüsse auf die Qualität des Dienstes. Mehr Transparenz ver- spricht die Veröffentlichung der Prüfberichte des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen.
Infos zu Pflegediensten gibt es bei den Seniorenbüros, den Pflegekassen oder im Internet unter: www.aok. de/pflegenavigator.de
Buchtipp: Ratgeber zu ambulanten Pflegediensten, 92 S., 9,90 Euro, zzgl. 2,50 Euro für Porto und Versand bestellbar bei Verbraucherzentrale NRW, publikationen@vz-nrw.de
Tagespflege
   In Tagespflege-Einrichtungen können Pflegebedürftige bis zu sieben Tage in der Woche für je bis zu acht Stun- den betreut werden. Auf Wunsch steht meist ein Fahrdienst zur Verfügung. Ist eine Pflegestufe anerkannt, wer- den Kosten für eine Tagespflege bis zum jeweiligen Höchstbetrag der Pflegestufe übernommen. Wird Tagespflege neben Pflegegeld in Anspruch genommen, vermindert sich das Pflegegeld anteilig.
Adressen erhält man in den Seniorenbüros, und bei den Pflegekassen. Anbietervergleich im Internet unter:
www.aok-pflegenavigator.de
Kurzzeitpflege
   Wenn ein pflegender Angehöriger selbst ins Krankenhaus muss oder einmal Urlaub machen möchte, kann der Pflegebedürftige im Rahmen der sogenannten Verhinderungspflege in einer Kurzzeitpflege-Einrichtung unterge- bracht werden. Die Pflegekasse übernimmt für bis zu vier Wochen pro Jahr Kosten bis maximal 1.510 Euro. Ebenfalls für maximal 28 Tage pro Jahr ist es möglich, die zu pflegende Person durch einen Pflegedienst oder einen Verwandten zu Hause versorgen zu lassen, wenn die Hauptpflegeperson (z.B. durch Krankheit oder Erholungs- urlaub) verhindert ist. Die Pflegekasse trägt dafür ebenfalls bis zu 1.510 Euro.
Infos: www.hannover.de/de/gesundheit_soziales/beratung/pflegeinfo/senrat/Hilfe bei der Pflege
   Wird rund um die Uhr Unterstützung bei der Pflege gebraucht, kann man einen Pflegedienst engagieren, aber dies ist meist sehr teuer. Als Alternative bieten deutsche Agenturen die kostenpflichtige Vermittlung osteuro- päischer Pflegekräfte an. Hier sollte man sich aber genau nach den Rahmenbedingungen erkundigen. Die Pflege- kraft muss z.B. im Heimatland angestellt sein und dort Steuern und Sozialabgaben zahlen. Auf der sicheren Seite ist, wer sich eine Haushaltshilfe über die Arbeitsagentur vermitteln lässt, so Andreas Meyer von der Bundesfinanz- direktion Mitte.
weitere Informationen zur Einstellung ausländischer Haushaltshilfen > unten auf dieser Seite
Infos:
ZAV-Zentrale Auslands- und Fachvermittlung Tel.: 0228 – 713 14 14, www.arbeitsagentur.de
Ratgeber der Verbaucherzentralen: „Hilfe rund um die Uhr - (l)egal durch wen?" (kostenlos)
Pflegehilfsmittel
   Zu den Hilfsmitteln, die von der Pflegekasse bezahlt und meist über ein Sanitätshaus geliefert werden, gehören Haltegriffe, Badewannensitze, Duschsitze, Toilettensitzerhöhung, Strumpfanzieher, aber auch Rollatoren oder das dreirädrige Deltarad. Die Anträge sind bei der Pflegekasse zu stellen. Ausführliche Liste unter www.Rehadat.de
Wohnung umgestalten
   Um den Alltag für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu erleichtern, ist oft eine Umgestaltung der Wohnung nötig. Hilfe geben spezielle Wohnungsberater, die sich die Situation vor Ort ansehen und konkrete Vorschläge machen. Adressen erhält man u. a. bei den Seniorenbüros. Diese beraten auch bei der Beantragung der Mittel bei der Pflegekasse. Die Pflegekasse übernimmt Kosten für die sogenannte Wohnumfeldverbesserung bis zu 2.557 Euro, es ist aber auch ein Eigenanteil zu leisten.
Info: Niedersächsische Fachstelle für Wohnberatung, T: 0511-388 28 95, www.fachstelle-wohnberatung.de
Psychologische Unterstützung
   Die Pflege eines Angehörigen kann sehr kräftezehrend sein. Neben der körperlichen Belastung spielen dabei auch seelische Probleme eine Rolle. Es kommt zu Aggressionen, Schuldgefühlen, alte Konflikte brechen wieder auf. Pflegende Hände könnten schon mal zu schlagenden Händen werden, so Frank Erkelenz von der Hamburger Poli- zei. Pflegenotruf über Sozialverband SOVD, 0180-200 08 72 oder 0511 – 701 48 13 (montags-donnerstags, 9-16 Uhr, Fr. 9-13 Uhr)
Essen auf Rädern
   Ab ca. 4,50 Euro pro Mahlzeit kann man sich das Essen nach Hause liefern lassen. Die Versorgung mit mobilem Essenservice ist eine Frage des Geldbeutels und eine Frage des Anspruches. Experten empfehlen, erst mehrere Anbieter auszuprobieren. Infos über Anbieter gibt es bei den Seniorenbüros in den Kommunen oder bei Wohl- fahrtsverbänden.
Begleitservice
   Wer sich nicht mehr allein außer Haus bewegen kann oder möchte, kann sich von zu Hause abholen und wieder zurückbringen, oder auch begleiten lassen - z.B. bei Behördengängen, Arztbesuchen, oder kulturellen Veranstal- tungen. Oft arbeiten die Helfer ehrenamtlich, es gibt aber auch kostenpflichtige Angebote. Maria Vogel, Geschäfts- führerin des Niedersächsischen Landfrauenverbandes sagt, dass inzwischen 700 Seniorenbegleiterinnen aus- gebildet wurden. Dazu gehört es, ältere Menschen in ihrer Wohnung oder im Rahmen einer Gruppenbetreuung regelmäßig zu besuchen und in ihrem Alltag zu begleiten. Diese Dienstleistungen sind zwar nicht kostenlos, aber bezahlbar. Adressen gibt's bei den Seniorenservicebüros, Sozialstationen, Wohlfahrtsverbänden oder dem Land- frauenverband. Infos: Tel: 0511 - 353 96 00 www.landfrauen-nlv.de HAZ090918DieterWeirauch

cura-JuliaHornung-z       Julia Hornung

Eine Kur für die Pflegebranche - Mit ihrer Master-Arbeit überzeugte Julia Hornung, 27, die Jury.
Ihr neues Mitarbeiterkonzept wurde als HR-Nachwuchs des Jahres ausgezeichnet

   Immer weniger Fachkräfte, immer mehr Pflegebedürftige - auf diesen Nenner lässt sich die Situation in der Pflege bringen. Ein weiterer schwieriger Aspekt: Das Durchschnittsalter der Pflegekräfte nimmt zu. Wie lässt sich dieses Dilemma lösen? Damit hat sich Julia Hornung, 27, in ihrer Masterarbeit an der Fachhochschule Koblenz befasst. Ihre Ideen für ein umfassendes Personalkonzept, das in Pflegebetrieben eingesetzt werden kann, überzeugte die Fachjury - sie wurde dafür mit dem Preis „Human-Resources (HR)-Nachwuchs des Jahres 2011" ausgezeichnet. Das Hamburger Abendblatt sprach mit der Preisträgerin während des Human Resources Management Campus der Personalberatung von Studnitz Management Consultants.
Hamburger Abendblatt: 2011 ist offiziell das Jahr der Pflege. Bemerkt hat das bislang kaum jemand.
Wo sehen Sie zurzeit die größten Herausforderungen für die Branche?
Julia Hornung:
Zentral ist das Personalthema, vor allem der Mangel an Fach- und Führungskräften. Der freie Zu- gang zum deutschen Arbeitsmarkt für andere EU-Bürger nach dem 1. Mai wird daran nichts ändern. Außerdem fällt der Zivildienst weg, was weitere Lücken reißt, die mit Freiwilligen nicht zu füllen sind.
Jetzt haben Sie ein preisgekröntes Konzept vorgelegt. Was ist Ihr zentraler Ansatz dabei?
   Es geht um nachhaltiges Personalmanagement. Wie gehen wir mit dem Nachwuchsproblem einerseits und mit der älter werdenden Belegschaft andererseits um? Mein Ansatz ist ein Konzept mit fünf Bausteinen: Gesundheits- management, lebenslanges Lernen, Organisation und Arbeitsgestaltung, Rekrutierung sowie Führung. Mein Ziel ist es, über gezielte Maßnahmen in diesen fünf Feldern die Wettbewerbsfähigkeit von Pflegeunternehmen langfristig zu verbessern.
Nun hat der Pflegeberuf ein Imageproblem. Glauben Sie, dass es gelingen wird, diese anstrengende und oft schlecht bezahlte Tätigkeit attraktiv zu machen?
   In den vergangenen fünf bis zehn Jahren hat sich da schon viel getan. Die Pflege hat bereits einen Wandel erlebt, weg von diesem einseitigen Image der Inkontinenzversorgung und des Anreichens von Essen an demente Patienten hin zu einem wissenschaftlich fundierten Berufsbild mit einem vielfältigen Spektrum an Wissen und Dienstleistungen. Ich habe bei meinen Recherchen auch gerade junge Menschen getroffen, die mit Begeisterung in der Pflegebranche tätig sind. Auch Studiengänge wie Gesundheits- und Sozialwirtschaft finden immer mehr An- klang.
Innerhalb dieses Studiums haben Sie ja selbst Ihre Masterarbeit geschrieben. Nun werden Skeptiker einwen- den: Na ja, das ist ja alles schöne Theorie. Inwieweit sind Sie selbst in der Praxis tätig gewesen und kennen den Arbeitsalltag von Pflegekräften?
   Ich habe direkt nach dem Abitur eine Ausbildung zur Pflegeassistentin gemacht und mich anschließend als Ge- sundheits- und Krankenpflegerin ausbilden lassen. Insofern kenne ich die Arbeit an der Pflegefront aus eigener Erfahrung. Das war für mein Studium enorm wichtig, weil ich so immer die Praxis im Blick hatte.
Inwiefern spielt heute das Thema Gehalt eine Rolle, wenn es um die Attraktivität von Berufen im Pflegebe- reich geht?
   Gehalt hat immer etwas mit materieller Anerkennung zu tun. Aber ich bin überzeugt, dass viele Menschen nicht wegen monetärer Anreize in der Pflege tätig sind. Es geht vor allem um Werteorientierung, Hilfe, Nächstenliebe, das direkte Feedback vom Betreuten. Das gibt dem Berufstätigen für seinen hohen Einsatz auch viel zurück.
Das Gesundheitssystem steht unter starkem Kostendruck. Sehen Sie überhaupt realistische Chancen, dass die Attraktivität der Pflegeberufe gesteigert werden kann?
  Der Druck ist immens, und das bekommen vor allem die Mitarbeiter zu spüren. Immer mehr, immer schneller, Pro- zesse werden verschlankt und verdichtet. Das geht auf Kosten der körperlichen und psychischen Gesundheit der Mitarbeiter. Deshalb setzt mein Konzept mit einer Säule am Gesundheitsmanagement der Arbeitnehmer an. Wer in dieser Branche langfristig Personal finden und binden will, muss seine Unternehmenskultur nach seinen Mitarbei- tern ausrichten. Das rechnet sich auch betriebswirtschaftlich. Eine Maßnahme könnte neben Gesundheitskursen für Mitarbeiter auch Pflegetandems aus mehr und weniger körperlich belastbaren Mitarbeitern sein. Darüber hinaus gibt es zum Beispiel für überzeugende Demografiemanagement-Maßnahmen Fördermittel aus dem Euro- päischen Sozialfonds. Das ist vielen Trägern gar nicht bekannt.
Preisträgerin sucht Doktorvater
   Mit ihrem Konzept für generationenorientiertes Personalmanagement in der Pflege überzeugte Julia Hornung die Jury des Wettbewerbs „HR-Nachwuchs des Jahres". Mit diesem Preis werden bemerkenswerte Konzepte für die Personalarbeit prämiert. Die 27-Jährige arbeitet bei der Personalberatung con-Quaesso in Bochum und sucht für ihre angestrebte Promotion derzeit einen Doktorvater.
   Ihren Masterabschluss in Gesundheits- und Sozialwissenschaft hat die ausgebildete Krankenpflegerin an der Fachhochschule Koblenz am Standort RheinAhrCampus Remagen gemacht.
  Julia Hornung ist die dritte Prämierte des 2009 erstmals vergebenen Preises „HR-Nachwuchs des Jahres". Er wird während des Human Resources Management Campus verliehen, der wichtigsten norddeutschen Weiterbildungs- veranstaltung für Personalmanager. www.vonstudnitzconsultants.de/hr-nachwuchspreis HA110611MarkHubner-Weinhold

cura-SabrinaLemke-DIPL-z     Krankenschwester mit Diplom

Foto: Sabrina Lemke, 27, studiert neben ihrer Arbeit auf einer Intensivstation an der Medical School Hamburg.
In Gesundheitsberufen zählt bislang vor allem Praxiserfahrung.
Akademische Weiterbildungen sollen die Pfleger für neue Aufgaben qualifizieren.

   Sabrina Lemke ist bald eine Advanced Practice Nurse, zu Deutsch fortgeschrittene Pflegekraft. Was wie eine amerikanisierte Floskel aus dem Bewerbungsschreiben einer besonders diensterfahrenen Krankenschwester klingt, ist die Bezeichnung, die Sabrina Lemke nach Abschluss ihres Studiums an der Medical School Hamburg tragen wird. Vor fünf Jahren hat sie ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin abgeschlossen. Heute arbeitet die 27-Jährige auf der Intensivstation eines Hamburger Krankenhauses und studiert parallel dazu im dritten Semester ,Advanced Nursing Practice". Seit dem Wintersemester 2010/11 wird das Bachelorstudium an der privaten Hamburger Fachhochschule angeboten.
Die Studenten bringen fortschrittliche Pflegeansätze in den Klinikalltag
  
„Advanced" steht in Sabrina Lemkes Fall also weniger für langjährige Praxiserfahrung, sondern vielmehr für fort- schrittliche, wissenschaftlich basierte Pflegeansätze. „Mich weiterzubilden ist mir persönlich sehr wichtig", sagt sie. Sogar über ein Medizinstudium hat sie zwischenzeitlich nachgedacht, doch eigentlich liebt sie ihren Job als Kran- kenschwester und möchte dabei bleiben: „Bei einem Schulpraktikum habe ich gemerkt, wie erfüllend dieser Beruf sein kann und habe mich nach dem Abitur bewusst für diese Ausbildung entschieden.
   Das neue berufsbegleitende Angebot der Hamburg Medical School passte deshalb besser zu ihren Wünschen als ein aufwendiges Medizinstudium, das nur in Vollzeit möglich wäre. Einmal pro Monat büffelt Sabrina Lemke gemein- sam mit 30 Kommilitonen von Donnerstag bis Montag im Blockseminar. Die Termine stehen weit genug im Voraus fest, um ihre Schichten dem relativ problemlos anzupassen.
   Auf dem Stundenplan finden sich außer theoretischen Grundlagen der Pflege auch medizinische Inhalte, zum Bei- spiel aus den Wahlbereichen Intensivmedizin, Anästhesiologie und Notfallmanagement. Außerdem Ethik, Recht, Fall- und Qualitätsmanagement. Sabrina Lemke schätzt es vor allem, dass durch das Studium wissenschaftliche Arbeitsweisen vermittelt werden. Module wie Evidence-Based-Medicine (evidenzbasierte Medizin) sollen die Stu- denten in die Lage versetzen, selbstständig Forschungsmethoden anzuwenden und wissenschaftliche For- schungsergebnisse zur besseren Versorgung der Patienten heranzuziehen.
   Gerade im stressigen Pflegealltag bleibt nämlich oft wenig Zeit, um hergebrachte Methoden zu hinterfragen - selbst wenn sie wissenschaftlich überholt sind. Als prägnantes Beispiel nennt Sabrina Lemke die Behandlung von Druckgeschwüren mit vermeintlich durchblutungsfördernden Wechselbädern aus Eis und heißer Luft. Obwohl die als „Eisen und Fönen" bekannte Therapie bei kranker Haut kaum anschlägt und eher das Infektionsrisiko steigert, wird sie auf mancher Station noch immer angewandt, frei nach dem Motto: Das haben wir hier schon immer so ge- macht.
Sabrina Lemke hofft, dass sich der akademische Titel künftig durchsetzt
  
Solche alten Zöpfe würde Sabrina Lemke gern abschneiden: „Ich möchte das Wissen aus dem Studium in die Praxis übermitteln", sagt sie. Sie hofft, dass sich der akademische Titel für Pflegekräfte künftig in der Praxis stärker durchsetzen werde.
   Denn noch ist akademisches Pflegepersonal ein ziemliches Novum auf dem deutschen Markt. Bundesweit bieten erst wenige Hochschulen entsprechende Weiterbildungsstudiengänge für berufserfahrene Pflegekräfte an, darun- ter zum Beispiel die Fachhochschule Jena oder das Transfer Institut Medicine and Allied Health der Steinbeis Hoch- schule in Berlin. Dort können sich Pflegekräfte zu „Arzt-Assistenten" (Physician Assistants) weiterbilden.
   Im angelsächsischen Raum sind die wissenschaftlich gebildeten Pflegeprofis bereits seit vielen Jahren etabliert. In Deutschland gibt es allerdings bisher kaum Arbeitsstellen, die den hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand der Ausbildung rechtfertigen. Im Gegensatz zum Rest Europas hat hierzulande ein Großteil der Pflegekräfte bisher noch nicht einmal das Abitur. Das könnte ein aktueller Reformvorschlag der EU-Kommission allerdings bald ändern: Weil die beruflichen Anforderungen an das Pflegepersonal immer weiter steigen, soll künftig europaweit auch die Zulassungsvoraussetzung für die Berufsausbildung einheitlich von zehn auf zwölf Schuljahre angehoben werden.
   In den meisten EU-Staaten ist die höhere Schulbildung schon heute Pflicht. Als „wichtigen Meilenstein für die Professionalisierung der Pflege in Deutschland" bezeichnet der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) die geplante Neuerung und hofft af mehr engagierten Nachwuchs wie Sabrina Lemke. „In allen Ländern, die die Anforderungen bereits angehoben haben, hat dies zu einer Steigerung der Attraktivität des Berufes geführt", sagt die stellvertretende Verbandspräsidentin Gertrud Stöcker. HA120512KirstinVonElm

Neben dem Job studieren HFH Hamburger Fern-Hochschule:
Bachelor Health Care Studies, sechs Semester, Zugang ohne Abitur möglich, Gebühr 290 Euro/ Monat, Start jährlich 1. September www.hamburger-fh.de
Medical School Hamburg: Bachelor Advanced Nursing Practice, sechs bis neun Semester, Zugang ohne Abi mög- lich, Gebühr 390 Euro/ Monat, Start 1. April/1. Oktober www.medicalschool-hamburg.de
Steinbels Hochschule Berlin: Bachelor Allied Health, sechs Semester, Zugang ohne Abi möglich, Gebühr 500 Euro/ Monat, Start jährlich zum 1. Oktober www.steinbeis-pa.de
Universität Bremen: Zertifikat Palliative Care, 18 Monate, Zugang ohne Abi möglich, Gebühr ca. 2.900 Euro, Start voraussichtlich März 2013 www.uni-bremen.de   HA120512KirstinVonElm

Kurzzeitpflege - wer nicht aufpasst, zahlt drauf

   Mehr Hilfe für pflegende Angehörige verspricht der Bundesgesundheitsminister - doch erst einmal wird gespart, zulasten von Pflegenden wie Karl-Heinz Behncke. Als Rentner Behncke kürzlich seine an Alzheimer erkrankte Frau für eine Woche in einem Pflegeheim in Garbsen-Berenbostel einquartieren wollte und auf die Rechnung schaute, glaubte er zuerst an einen Irrtum. Doch mitnichten. Der Wunsch, sich ein paar Tage im Jahr „freizunehmen", ist deutlich teurer geworden. Statt 19 Euro am Tag zahlt Karl-Heinz Behncke jetzt 41 Euro aus der eigenen Tasche, wenn er seine Frau in die Kurzzeitpflege gibt, um selbst einmal auszuspannen und Urlaub zu machen. Der Grund: 2011 hat das Land Niedersachsen seine finanzielle Unterstützung weitgehend eingestellt.
   Die Kurzzeitpflege gehört zu den ergänzenden Leistungen der Pflegeversicherung, um die häusliche Pflege zu stärken. Bis zu vier Wochen im Jahr können Angehörige wie Behncke ihre Schützlinge in stationären Einrichtungen unterbringen. Die Pflegekasse erstattet die Kosten für die Pflege, entsprechend der Pflegestufe; Unterkunft und Verpflegung müssen dagegen aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Einen dritten Posten, die Investitions- folgekosten, die variieren, aber im Schnitt 20 Euro pro Heimtag betragen, hatte bis Ende vergangenen Jahres das Land übernommen. Die aktuelle Kürzung, von der sich das Sozialministerium Einsparungen von sechs Millionen Euro iim Jahr erhofft, verteuert die vierwöchige Pflege-Auszeit für Angehörige wie Behncke um mehr als 500 Euro.
   Niedersachsens Rückzug aus der Förderung ist allerdings nicht ungewöhnlich und liegt im Trend. Die meisten anderen Bundesländer zahlen bereits seit Längerem Investitionszuschüsse von Fall zu Fall direkt an die Einrich- tungsträger und nicht an die Nutzer der Kurzzeitpflege. Niedersachsen will sich zudem nicht komplett aus der Unterstützung pflegender Angehöriger verabschieden. Wer sich an Einrichtungen wendet, die ausschließlich Kurz- zeitpflege anbieten und nicht „eingestreut" zwischen den Dauerpflegeplätzen, bekommt auch weiterhin die In- vestitionsfolgekosten vom Land erstattet.
   Die Suche nach diesen Häusern ist jedoch schwierig. Vor allem auf dem Land haben spezialisierte Einrichtungen Probleme zu überleben. Seit 1999 sank das landesweite Angebot bei der „solitären" Kurzzeitpflege kontinuierlich; von 69 Stationen überlebten gerade einmal 23. Mittlerweile sei eine Kurswende spürbar, heißt es im Ministerium. Aufgrund der eingeschränkten Förderung seien viele Heimträger dabei, von der Dauerpflege auf Kurzzeitpflege umzusteigen. Binnen zwei Monaten sei das Angebot von 299 auf 481 Plätze gestiegen; 150 Plätze seien in Pla- nung. Fest steht: Die Nachfrage ist gering. Etwa 1,5 Millionen Menschen werden zu Hause gepflegt, aber nur knapp 33.800 nahmen 2009 die sogenannte Verhinderungspflege in Anspruch, also eine Vertretung bei Abwesen- heit; Kurzzeitpflege bezahlten die Pflegekassen in rund 16.500 Fällen. HAZ110429GabiStief

Anspruch auf Urlaub auch für Pflegende - Pflegekassen zahlen für Ersatz- und Kurzzeitpflege

  Sehnsüchtig lauscht Marion D. den Urlaubserlebnissen ihrer Bekannten. Für die 56-Jährige ist es nicht so einfach, mal eben die Koffer zu packen. Sie betreut zu Hause ihre pflegebedürftige Mutter. Es gibt jedoch Wege, mit denen auch sie einmal Ferien machen kann: eine Ersatz- oder Kurzzeitpflege für ihre Mutter. Die Kosten dafür übernimmt die Pflegekasse.
   Für Marion D. eröffnen Einrichtungen, die Kurzzeitpflegeplätze anbieten, eine neue Perspektive. Häufig bieten Pflegeheime, Rehakliniken und Krankenhäuser leer stehende Betten als Kurzzeitpflegeplätze an. Dort erhalten Pflegebedürftige, um die sich sonst Angehörige kümmern, eine zeitlich begrenzte, stationäre Rund-um-die-Uhr- Betreuung. Bis zu 28 Tage können sie in der Kurzzeitpflege aufgenommen werden, zum Beispiel weil die Ange- hörigen in Urlaub oder zu einer Kur fahren, selbst erkranken oder die Wohnung umgebaut werden muss.
   Die Pflegeversicherung zahlt dabei maximal 1.510 Euro pro Jahr für die pflegebedingten Aufwendungen, die Auf- wendungen der medizinischen Behandlungspflege sowie der sozialen Betreuung. Wie schnell diese Summe auf- gebraucht ist, hängt von der Pflegestufe ab. Für darüber hinausgehende Kosten sowie für Unterkunft und Verpfle- gung muss der Pflegebedürftige selbst aufkommen. Dabei bewegen sich die Preise pro Tag - abhängig von den in den Heimen geltenden Pflegesätzen - um 30 Euro.
Tipp: Man kann auch Unterstützung beim Sozialamt beantragen.
   Eine andere Möglichkeit ist die Ersatzpflege. Sie kann beantragt werden, wenn Pflegebedürftige ehrenamtlich von Angehörigen oder Freunden mindestens sechs Monate vor der Verhinderung in der häuslichen Umgebung ge- pflegt worden sind. Die betreuende Person kann sich durch andere Angehörige oder auch professionelle Pflege- dienstmitarbeiter vertreten lassen. Auch hier werden maximal 1.510 Euro für längstens 28 Tage gezahlt.
   Anträge müssen vorab bei der Pflegekasse gestellt werden. Die Kassen geben auch Auskunft, welche Häuser und Pflegedienste infrage kommen. Oftmals lohnt es sich auch, selbst bei Pflegeeinrichtungen in der Umgebung nachzufragen. HAZ110806SibylleVonKamptz    www.betreut.de     www.wohnen-im-alter.de

cura-gPflege1xx  Hilfe annehmen

    Es geht manchmal ganz schnell: Nach einer plötzlichen Erkrankung oder einem Unfall kann ein Angehöriger sich nicht mehr selbst versorgen und ist auf Unterstützung angewiesen. Oder es zeichnet sich schon seit längerer Zeit ab: Eines Tages werden die alten Großeltern in der eigenen Wohnung nicht mehr alleine zurechtkommen. Wenn es soweit ist, ist die Familie gefordert. Es wird reihum gekocht und geputzt. Wenn umfassendere Betreuung nötig ist, ziehen die erwachsenen Kinder wieder ins Elternhaus oder organisieren einen wechselnden Besuchsdienst.
   Das ist der Idealfall. Doch häufig ist das nicht möglich. Die Kinder wohnen längst nicht mehr im Heimatort oder haben mit Beruf und eigenem Nachwuchs genug zu tun. Zahlreiche Schwierigkeiten tun sich auf: Wie kommt die gehbehinderte Tante aus ihrer Wohnung, wenn es im Haus keinen Fahrstuhl gibt? Wer hilft ihr beim Anziehen? Wer sorgt dafür, dass der Kühlschrank voll ist und das Essen zur gewohnten Zeit auf dem Tisch steht?
   Wer meint, die Lösung solcher Probleme sei reine „Familiensache", macht sich selbst das Leben schwer. Wohl- fahrtsverbände, Selbsthilfegruppen oder auch Kirchengemeinden bieten vielfältige Unterstützung an. Mit der Pfle- gereform 2008 wurde nun außerdem unter anderem eine individuelle Pflegeberatung gesetzlich festgeschrieben. Wer sich um einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmert,sollte guten Gewissens jede mögliche Hilfe annehmen. Dann bleibt auch mehr Zeit für echte Zuwendung. HAGesundheit090821SabineAbel
Beratung ist kostenlos. Stützpunkte sind Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige
  Bis vor einigen Monaten kam der 79-jährige Friedrich Schulz in seiner Wohnung im vierten Stockwerk gut zurecht. Doch dann stürzte der Berliner im Treppenhaus und kam ins Krankenhaus. „Kann er sich noch allein versorgen, wenn er wieder nach Hause kommt?", sorgte sich seine Tochter Birgit, die in Bremen lebt. „Eins war von vorn- herein klar. Ins Heim wollte mein Vater auf keinen Fall", sagt Birgit Schulz. Im Internet suchte sie nach Informa- tionen und fand so die Koordinierungsstelle Rund ums Alter in der Werbellinstraße in Berlin-Neukölln. „Dort erhielt ich schnelle Hilfe", berichtet sie, „und das ganz kostenlos."
   „Wir haben uns die Wohnung des alten Herrn angesehen und Empfehlungen zum Entfernen von Stolperfallen wie Schwellen und Teppichen gegeben, auch Haltegriffe wurden montiert. Hilfe gab es außerdem beim Ausfüllen des Antrags für eine Pflegestufe", berichtet Sozialarbeiterin Birgit Sprengemann von der Neuköllner Koordinie- rungsstelle, einem von 20 Pflegestützpunkten in Berlin.
Angehörige können sich zehn Tage freistellen lassen
   Von ihr bekam Birgit Schulz auch den Tipp, dass sie sich nach der Entlassung des Vaters aus dem Krankenhaus bei ihrem Arbeitgeber kurzfristig bis zu zehn Tage lang freistellen lassen könne, um die weiterführende Pflege zu organisieren. Eine Betreuerin half außerdem,einen Rollator für ihren Vater zu beantragen.
  Seit 2009 hat jeder Pflegebedürftige einen Rechtsanspruch auf kostenlose Hilfe und Unterstützung durch einen Pflegeberater. Dafür werden zurzeit in vielen Bundesländern Pflegestützpunkte eingerichtet, die u.a. von Kranken- und Pflegekassen, Wohlfahrtsverbänden und Gemeinden getragen werden. In Berlin übernehmen zunächst die teilweise seit mehr als 20 Jahren existierenden Koordinierungsstellen „Rund ums Alter" diese Aufgabe. Zusätzlich werden weitere Pflegestützpunkte geschaffen. Hier sollen Betroffene und Angehörige Antworten auf alle Fragen bekommen, die bisher einzeln und bei verschiedenen Institutionen (Pflegekasse, Sozial- oder Bezirksamt) geklärt werden mussten.
   Viele Menschen haben den Wunsch, in der eigenen Wohnung und der gewohnten Umgebung alt zu werden. Doch wenn die Gebrechen zunehmen, sich die gesundheitliche Situation durch Unfall oder Sturz verschlechtert, wird es oft schwierig. „Bei uns gilt ambulant vor stationär. Wir wollen den Menschen helfen, auch nach einem Kran- kenhausaufenthalt so lange wie möglich in ihrer Wohnung bleiben zu können", betont Birgit Sprengemann. Die Sozialdienste der Krankenhäuser wenden sich meist vor der Entlassung an die Pflegestützpunkte, damit diese dann das häusliche Umfeld vorbereiten können.
   „Wir können eine ganze Palette der Möglichkeiten neben Hilfe durch die Familie und inzwischen rund 450 ambulanten Berliner Pflegediensten aufzeigen", sagt Birgit Sprengemann. Checklisten, beispielsweise mit Tipps zur häuslichen Krankenpflege, zur Wohnraumanpassung, zur Auswahl von Pflegediensten oder mit Adressen von Haushaltshilfen, Einkaufsdiensten, mobilen Friseuren oder Fahr- und Begleitservice werden auf Wunsch zuge- schickt.
   Manchmal sind es einfache Dinge, die die Angehörigen zum Telefon greifen lassen, ist die Erfahrung von Marikka Hofmann vom Pflegenetzwerk Leipzig. „So riefen unlängst zwei Töchter an und machten sich Sorgen um ihre apa- thisch wirkende Mutter. Sie dachten, die Mutter habe einen Schlaganfall, verweigere aber den Besuch des Arztes. Ich bin dann hingefahren und habe auf den ersten Blick gesehen, dass die alte Dame lange nichts getrunken hatte", sagt die erfahrene Pflegerin. Sie gab den Tipp, doch mehr zu trinken und dies auch zu kontrollieren. So wurde der Mutter das Krankenhaus erspart, bestätigten einige Tage später die Töchter.
Ein leerer Kühlschrank kann ein Warnsignal sein
   Nicht immer sind die Dinge so einfach zu regeln. „Problematisch wird es, wenn die Lebensführung nicht mehr sichergestellt ist", sagt Heike Nordmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Ein leerer, aber auch ein voller Kühlschrank, aus dem nichts verbraucht wird, könnten Warnsignale sein, dass jemand nicht mehr alleine zurecht kommt.
   Das gilt auch für eine vernachlässigte Wohnung, wenn jemand vorher ordentlich war. Das alles zeige, dass die Person Unterstützung braucht - aber nicht, dass sie ins Heim muss, erklärt die Pflegeexpertin. Und weder ein brennender Topf auf dem Herd noch ein Sturz bedeuteten zwangsläufig das Ende der Eigenständigkeit. Passiert so etwas, macht das Angehörigen große Angst. Viele Situationen ließen sich aber mit Hilfsmitteln entschärfen, beruhigt Heike Nordmann. Beispielsweise durch ein leicht zu installierendes Herdsicherungssystem. Über einen Hausnotruf, der am Körper getragen wird, kann man bei einem Sturz schnell Hilfe holen. Solch ein Dienst kostet zwischen 20 und 80 Euro pro Monat.
   Eine weitere Möglichkeit ist, eine Haushaltshilfe einzustellen, die für volle Kühlschränke und eine saubere Woh- nung sorgt. Adressen gibt es bei den Pflegeberatern. Immer wieder werde gefragt, wie man am besten einen mobilen Mittagstisch findet, so Marikka Hofmann. „Da haben wir zertifizierte Unternehmen in unserem Verbund und können Empfehlungen geben." Die Helfer vom Pflegenetzwerk Leipzig sind rund um die Uhr erreichbar.
   „Wir können alle Leistungserbringer innerhalb von 48 Stunden koordinieren", unterstreicht Birgit Schneider vom Pflegenetz Sachsen in Dresden. Dazu gehöre auch die Beratung zur Auswahl von Häusern für betreutes Wohnen oder eines passenden Pflegeheimes in der Umgebung. Meist vermitteln die Experten den Kontakt zur jeweiligen Pflegekasse.
Auf Wunsch kommt der Pflegeberater auch nach Hause
   Der Pflegestützpunkt in Hannover-Langenhagen nahm als Pilotprojekt bereits vor über einem Jahr seine Arbeit auf. In Niedersachsen werden weitere Pflegestützpunkte eingerichtet. Die folgende Grafik zeigt den Stand im Juli 2011.

Pflegestützpunkte in Hamburg

   In Hamburg kann auch dort eine persönliche Beratung außerhalb der Öffnungszeiten vereinbart werden. Generell kommt der Pflegeberater auf Wunsch auch nach Hause. Krankenkassen wie AOK oder DAK unterhalten ebenfalls Hotlines, die weiterhelfen.
   Die 9,3 Millionen privat Pflegeversicherten erhalten Hilfe in einem von zehn Regionalbüros, die zu Compass ge- hören. Das Tochterunternehmen des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV) stellt für alle 47 privaten Kranken- und Pflegeversicherungen bundesweit die Pflegeberatung sicher. Am Telefon werden auch gesetzlich Versicherte beraten. Umgekehrt erhalten Privatversicherte Hilfe und Unterstützung bei jedem Pflegestützpunkt.
   Der Berliner Friedrich Schulz zog inzwischen mit Unterstützung der Pflegeberater vom vierten Obergeschoss in eine behindertengerechte Parterrewohnung. Sein Mittagessen wird täglich geliefert, und außerdem fand er über den Pflegestützpunkt zwei Freunde, mit denen er sich regelmäßig zu Ausflügen und zum Skatspielen trifft. Beim Einkaufen wird er von einem kostenfreien Mobilitätshilfedienst begleitet.  HA090821DieterWeirauch
Rat und Auskunft

Hamburg -

Dienstags und freitags von 8 bis 12 Uhr zu erreichen sind:
Pflegestützpunkt Hamburg-Nord, Kümmellstraße 7 (im Bezirksamt), Tel. 040 - 428 99 10 60,
pflegestuetzpunkt@hamburg-nord.hamburg.de.
Pflegestützpunkt Hamburg-Mitte, Besenbinderhof 41 (im Gesundheitsamt) Tel. 040 - 428 99 10 50,
pflegestuetz-punkt@hamburg-mitte.hamburg.de
Bis Ende 2009 soll es in jedem Bezirk mindestens einen Pflegestützpunkt geben. Weitere Infos unter:
www.hamburg.de/pflege.
Ratgeber: „Aktiv im Alter" sowie „Hilfe und Pflege im Alter" können bestellt werden bei der Behörde für
Soziales/Familie, Broschürenservice, Hamburger Str. 47, 22083 Hamburg, Tel. 040 - 428 63-77 78
Hannover:
Seniorenservicebüro Ihmepassage 5 / Zugang über Blumenauer Straße, 30449 Hannover,
Geöffnet: Mo. bis Do.: 8-16 Uhr, Freitag: 8-13 Uhr, Hotline: 0511 - 16 84 23 45,
www.seniorenberatung-hannover.de
Region Hannover:
Pflegestützpunkt am Markt, Marktplatz 2, 30853 Langenhagen, Tel. 0511 – 590 42 18,
eMail: info@pflegestuetzpunkt-am-markt.de, Öffnungszeiten: Dienstag 10-14, Donnerstag 14-18 Uhr Pflege-Info Service-Telefon der Region Hannover: Tel. 0511 - 61 62 28 56,  -221 74,  – 221 73
Infos zur Region Hannover: www.hannover.de/de/gesundheit_soziales/beratung/pflegeinfo/
Dort kann auch ein Seniorenratgeber heruntergeladen werden.
Seniorenservicebüros in Niedersachsen, Adressen unter:
www.generationendialog-niedersachsen.de/sensb.html
Wohlfahrtsverbände vor Ort: Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz, Paritäten
Private Pflegekassen:

Wer Rat und Unterstützung sucht, kann sich an die bundesweit gebührenfreie Servicenummer 0800 -  101 88 00 wenden. Die telefonische Pflegeberatung Compass vermittelt auf Wunsch einen Termin vor Ort. Die Versicherten können sich auch an ihr Versicherungsunternehmen wenden. Dieses stellt ebenfalls auf Wunsch den Kontakt zur Compass-Pflegeberatung her. www.compass-pflegeberatung.de

Ratgeber für Wahl eines Pflegeheims

  Ein kostenloser Ratgeber im Internet soll älteren Menschen und ihren Familien bei der Auswahl eines Pflegeheims helfen. Unter www.weisseliste.de/pflegeheim sei eine interaktive Checkliste zu finden, die individuelle Bedürfnisse berücksichtigt, erklärte die Bertelsmann-Stiftung. Nutzer könnten aus 200 Fragen eine persönliche Liste zusam- menstellen, um sich beim Besuch von Pflegeheimen etwa über „Wohnen und Ausstattung", „Pflege und Betreu- ung" und anderes gezielt zu informieren. NOZ110106epd
Rechner zur Pflegeversicherung
   Wer auf die Betreuung zu Haus oder in einer Pflegeeinrichtung angewiesen ist, hat in der Regel Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung. Häufig reicht diese Grundsicherung jedoch nicht aus. Der Abschluss einer pri- vaten Pflegezusatzversicherung kann dann die Lücke zu den tatsächlichen Pflegekosten schließen.
   Um Kosten und Leistungen der privaten Pflegezusatzversicherungen besser vergleichen zu können, bietet die Verbraucherzentrale Niedersachsen einen kostenlosen Vergleich an. Die Angebotsvielfalt der Versicherungsgesell- schaften bei privaten Pflegezusatzversicherungen ist für viele kaum noch zu überschauen und ein Vergleich der zahlreichen Angebote daher schwer. Die Versicherungsunternehmen bieten verschiedene Vorsorgemodelle an und unterscheiden zwischen Pflegetagegeld-, Pflegekosten- und Pflegerentenversicherungen.
   Unter der Internetadresse www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/Pflegeversicherungen können Interessierte einen Fragebogen herunterladen und ausfüllen. Der Fragebogen ist auch in allen Beratungsstellen erhältlich. Eine persönliche Beratung ist nach vorheriger Terminabsprache möglich. HAZ0909021e

 Sozialstationen der Caritas Osnabrück jetzt online

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   Ob in Leer, Lingen, Melle oder Bersenbrück - wer für seine Angehörigen auf der Suche nach einem geeigneten Pflegedienst ist, sucht häufig in der Nähe seines Wohnorts. Meistens wünschen sich alte und kranke Menschen eine vertraute Umgebung. Die Caritas-Sozialstationen im Bistum Osnabrück starten deshalb ab sofort unter www. caritas-pflegedienste-bistum-osnabrueck.de mit einem gemeinsamen Internetauftritt. Ob fach- kundige Hilfe bei der Pflege, Unterstützung im Alltag oder bei der Wundbehandlung: Hilfesuchende finden die richtigen Ansprechpartner und Informationen rund um die Pflege. „Dieses Onlineangebot ist im Bistum bis- lang einmalig, 24 Sozialstationen präsentieren ganz individuell ihre Hilfeangebote. Zudem haben wir einen Online-Kostenrechner installiert, bei dem Interessierte sich vorab über die Kosten der gewünschten Pflege informieren können", sagt Michael LucasNülle vom Geschäftsbereich Altenhilfe und Pflege des Caritas- verbandes für die Diözese Osnabrück. Anhand einer interaktiven Landkarte gelangen Hilfesuchende direkt zu den angebotenen Caritas-Sozialstationen vor Ort. Weitere Informationen: Telefon 0541 - 349 78 - 132. NOZ100215

Sparmodell gegen hohe Pflegekosten
Region stellt neues Konzept für Sozialhilfeempfänger vor. Fallmanager entscheiden

   Die explodierenden Kosten für die Unterbringung von Sozialhilfeempfängern in Pflegeheimen stellen die Region Hannover zunehmend vor Probleme. Um Kosten zu sparen, soll künftig nach dem Grundsatz „Ambulant vor statio- när" verfahren werden. Das neue Konzept wurde in Hannover vorgestellt.
   Der defizitäre Haushalt, wegbrechende Steuereinnahmen sowie ein zu erwartender starker Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen machten ein Umsteuern notwendig, sagte Wolfgang Püster, Leiter des Fachbereichs Soziales bei der Region Hannover. Zurzeit zahlt die Region als Trägerin der Sozialhilfe pro Jahr rund 43 Millionen Euro, um die Heimunterbringung für 4.325 bedürftige Senioren zu finanzieren. „Die familiäre Pflege nimmt immer mehr ab, während die Zahl derer steigt, die einen Pflegeheimplatz nicht mehr selbst zahlen können", sagte Püster.
   Ende 2008 lebten in der Region Hannover 175.000 Menschen im Alter von 65 bis 79 Jahren. 58.000 sind älter als 80 Jahre. Nach Berechnungen der Region wird der Anteil der 65- bis 78-Jährigen bis zum Jahr 2025 um 5,1 Prozent auf 184.000 ansteigen. Bei den über 80-Jährigen rechnet die Verwaltung mit einem Anstieg um 54,9 Prozent auf 89.000. Diese Altersgruppe stellt die Mehrheit der Heimpflegefälle.
   Das neue Projekt „Steuerung in der stationären Hilfe zur Pflege" setzt auf ein Maßnahmenbündel, um die Kosten im Griff zu behalten, den Betroffenen aber weiterhin zu helfen. Im einzelnen sind folgende Schritte geplant:
• Fallmanager, je ein Sozialarbeiter und eine Pflegefachkraft, sollen die ambulante Versorgung der Betroffenen organisieren - unter Einbeziehung des persönlichen Netzwerks, ehrenamtlicher Hilfen und ambulanter Pflege- dienste. Die Fallmanager entscheiden auch - unabhängig vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen, der Pflegestufen festlegt - wann ein Umzug in ein Pflegeheim notwendig wird.
• Menschen, die nach einem Krankenhausaufenthalt kurzfristig auf Pflege angewiesen sind,  sollen etwa durch Kurzzeitpflege und verlängerte Reha-Maßnahmen wieder fit gemacht werden für eine möglichst selbstständige Lebensführung. „Notfalls übernimmt die Region vorübergehend die Mietkosten, wenn absehbar ist, dass sich der Pflegezustand eines Betroffenen bessert", sagte Tanja Krug vom Regionsteam Hilfe zur Pflege.
• Getestet wird das Projekt an zwei Standorten, und zwar zwölf Monate lang: In Langenhagen, angedockt an den dortigen Pflegestützpunkt, und in Hannover. Mitgewirkt an dem neuen Konzept haben unter anderem die Heim- aufsicht, Sozialämter, Pflegeexperten,der Pflegestützpunkt Langenhagen, Wohlfahrtsverbände, Krankenhäuser und der Seniorenbeirat. HAZ091008VeronikaThomas
Kommentar der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: Sensibler Bereich
Es ist verständlich, dass die Region als Trägerin der Sozialhilfe Einfluss auf die steigenden (Pflege-)Kosten nehmen will. Durch eine verbesserte Beratung und das Organisieren passgenauer Hilfen, die es Pflegebedürftigen ermög- licht, weiterhin in ihren eigenen vier Wänden zu leben, lässt sich sicher eine Menge Geld sparen. Aber die Region baut auch ein System der Zwangsberatung in einem sehr sensiblen Bereich auf, in dem das Vertrauen der hilfebedürftigen Menschen erst noch hergestellt werden muss. Hier ist viel Fingerspitzengefühl erforderlich. Sehr genau muss man auch auf die Kosten schauen, die durch den zusätzlichen Aufbau an Bürokratie entstehen. Das Konzept ist vom Grundsatz her gut, sofern alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Gut auch, dass eine lange Testphase eingeplant worden ist - mit der Möglichkeit, jederzeit gegensteuern zu können. HAZ091008TVerThomas

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 Preis der Pflege

Leistungen. Zeitaufwand und Bedürftigkeit: Wie die Versorgung älterer Menschen sich verändert.
Eine Übersicht:
   Die Leistungen der Pflegekasse richten sich nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit. In diesem Jahr wurden die Leistungen mit dem ersten sogenannten Pflegestärkungsgesetz angepasst. Eine zweite Stufe der Pflegereform soll folgen, die einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff und teils höhere Leistungen vorsieht.

Die Leistungen der Pflegekasse
   Wer wegen einer Erkrankung oder Behinderung voraussichtlich dauerhaft Hilfe benötigt kann bei seiner Pflegekasse die Einstufung in eine Pflegestufe beantragen. Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes stellt dann bei einem Besuch den Umfang der Pflegebedürftigkeit fest.
Pflegestufe I - Erhebliche Pflegebedürftigkeit: Benötigt werden durchschnittlich mindestens 90 Minuten täglich Hilfe bei der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung, Mobilität) und der hauswirtschaftlichen Versorgung. 45 Minuten müssen auf die Grundpflege entfallen.
Pflegestufe II - Schwerpflegebedürftigkeit: Mindestens drei Stunden täglich ist Hilfe nötig, davon zwei Stunden in der Grundpflege (mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten).
Pflegestufe III - Schwerstpflegebedürftigkeit: Hilfe ist rund um die Uhr nötig, durchschnittlich mindestens fünf Stunden täglich, davon vier in der Grundpflege. Ist ein außergewöhnlich hoher Pflegeaufwand nötig, kann eine Härtefallregelung beantragt werden.
Pflegestufe 0 - Die Voraussetzungen für eine Pflegestufe sind nicht gegeben, aber es besteht „erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz". Dies ist im Allgemeinen bei einer Demenz der Fall.

Die Höchstsätze für diejenigen, die zu Hause ambulant durch einen Pflegedienst oder eine Sozialstation versorgt werden, betragen seit 1. 1. 2015 (monatlich):
Pflegestufe 0
        231 Euro
Pflegestufe I        468 Euro, mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenz) 689 Euro
Pflegestufe II    1.144 Euro, mit Demenz 1.298 Euro
Pflegestufe III  1.612 Euro
Härtefall             1.995 Euro

Wer das Pflegegeld wählt und die Betreuung selbst organisiert, z. B. durch Angehörige, erhält monatlich für:
Pflegestufe 0
      123 Euro
Pflegestufe I      244 Euro, mit Demenz 316 Euro
Pflegestufe II     458 Euro, mit Demenz 545 Euro
Pflegestufe III    728 Euro

Das Pflegegeld kann mit Sachleistungen kombiniert werden und vermindert sich dann entsprechend.
   Teilstationäre Leistungen können inzwischen neben der ambulanten Pflegesachleistung (Betreuung durch einen Pflegedienst) oder dem Pflegegeld in vollem Umfang in Anspruch genommen werden. Das gilt für die zeitweise Betreuung im Tagesverlauf in einer Pflegeeinrichtung. Dafür gelten folgende Sätze (pro Monat):
Pflegestufe 0       231 Euro
Pflegestufe I       468 Euro, mit Demenz   689 Euro
Pflegestufe II    1.144 Euro, mit Demenz 1.298 Euro
Pflegestufe III   1.612 Euro

Ersatz- oder Verhinderungspflege
   Wenn die private Pflegeperson einmal Urlaub machen möchte oder selber krank wird und vorübergehend die Pflege nicht übernehmen kann, gibt es die Möglichkeit für bis zu sechs Wochen im Kalenderjahr eine sogenannte Ersatz- oder Verhinderungspflege in Anspruch zu nehmen. Die Pflegekasse zahlt dafür bis zu 1.612 Euro im Kalenderjahr.
   Manchmal sind Pflegebedürftige für eine gewisse Zeit auf eine stationäre Pflege im Heim angewiesen. Die Pflegekasse zahlt für solch eine Kurzzeitpflege, die bis zu vier Wochen dauern kann, bis zu 1.612 Euro im Kalenderjahr. Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen erhalten in Pflegestufe 0 bis III zusätzlich 205 Euro pro Monat.

Zusätzliche Betreuungsleistungen
   Außerdem haben alle Pflegebedürftigen einen Anspruch auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Höhe von 104 Euro monatlich. Bei Einschränkung der Alltagskompetenz kann je nach Betreuungsbedarf ein erhöhter Betrag von bis zu 208 Euro gewährt werden. Wird die Leistung in einem Kalenderjahr nicht ausgeschöpft, kann der nicht verbrauchte Betrag in das darauf folgende Kalenderhalbjahr übertragen werden. Von dem zusätzlichen Betrag können Aufwendungen z. B. für besondere Betreuung oder hauswirtschaftliche Versorgung durch einen Pflegedienst (nicht Grundpflege) bezahlt werden, der Betrag kann auch für niedrigschwellige Betreuungsangebote verwendet werden wie zum Beispiel Helferinnenkreise zur stundenweisen Entlastung pflegender Angehöriger zu Hause, eine Tagesbetreuung in Kleingruppen oder eine Einzelbetreuung durch anerkannte Helfer oder familienentlastende Dienste.
   Für Pflegehilfsmittel, die zur Pflege zu Hause benötigt werden, zahlt die Pflegekasse in allen Pflegestufen bis zu 40 Euro im Monat. Das können z. B. Einmalhandschuhe oder Betteinlagen sein.
   Sind technische Hilfsmittel nötig wie z. B. ein Pflegebett, übernimmt die Pflegekasse die Kosten, es ist ein Eigenanteil von 10 Prozent, maximal aber 25 Euro zu zahlen. Für bestimmte Verbesserungen im Wohnumfeld übernimmt die Pflegekasse bis zu 4.000 Euro.

Bei stationärer Betreuung im Heim gelten folgende Höchstsätze monatlich für:
Pflegestufe
I      1.064 Euro
Pflegestufe II     1.330 Euro
Pflegestufe III    1.612 Euro
Härtefall              1.995 Euro             
                                                                                            HA150911SabineAbel

cura-MDK-xx     „Guten Tag, wir sind vom MDK.”

Wie verläuft die Prüfung eines Pflegeheims durch den Medizinischen Dienst?
Foto: Ein Besuch mit dem Gutachterteam. Sylvia Theis und Jens Fieser (r.)
vom Medizinischen Dienst der Kranken- und Pflegekassen bei ihren Besuchen.

   Es ist Donnerstagmorgen, 8.45 Uhr, eine Kleinstadt im Calenberger Land. Die beiden Gutachter Sylvia Theis und Jens Fieser vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Niedersachsen (MDK) sind verabredet, ein Senio- rendomizil in der Region Hannover zu überprüfen - unangemeldet. Um 9 Uhr soll die Qualitätsprüfung beginnen. Fieser klingelt und erklärt dem Mitarbeiter an der Tür höflich, aber bestimmt das Vorhaben. Der Mann ist freundlich und bittet in das Büro der Heimleitung. Dann wird er etwas hektisch, das Leitungsteam - Einrichtungsleiterin und Pflegedienstleiterin - hat sich den ganzen Tag wegen eines Auswärtstermins abgemeldet. Es folgt ein kurzes Telefonat, dann verkündet der Mitarbeiter, dass die beiden Damen spätes- tens in einer Dreiviertelstunde da sein werden.
   Das Haus ist gut organisiert. Unaufgefordert stellt der Mann den Gutachachtern die wichtigsten Aktenordner zur Verfügung: Versorgungsverträge, Qualitätshandbuch, Einsatzpläne und Organigramm. Innerhalb weniger Minuten hat Fieser ermittelt, wie viele Bewohner für die Qualitätsprüfung befragt werden müssen. 71 Plätze hat das Haus, zehn Prozent der Bewohner stehen zur Begutachtung an. Ihren Pflegestufen entsprechend werden nach der Zu- fallsziehung je drei Bewohner in Pflegestufe eins und zwei sowie ein Bewohner in Pflegestufe drei zur Überprüfung herausgesucht - einschließlich persönlicher Befragung und dem Check ihrer Pflegedokumentation. Ein bis zwei Stunden kalkulieren die Gutachter pro Bewohner ein. Unterdessen sind auch die ersten Mitglieder des Heimbeirats informiert worden, die sich für Auskünfte zur Verfügung stellen.
   Die Prüferin beginnt mit Frau F. Die 87-Jährige lebt seit zwei Jahren in der Seniorenresidenz, leidet unter De- menz und bezieht Leistungen nach Pflegestufe eins. „Guten Tag, ich komme im Auftrag Ihrer Krankenkasse", stellt sich Theis vor. „Fühlen Sie sich wohl in Ihrem Zimmer?", fragt die examinierte Krankenschwester zur Einstimmung. Die alte Dame bejaht die Frage. „Schmeckt Ihnen das Essen, und sind Sie mit den Essenszeiten zufrieden?", fragt die Gutachterin weiter. Frau F. nickt und beginnt, von ihren Töchtern zu erzählen. Theis hört interessiert zu, stellt ergänzende Fragen und versucht, ihren Katalog von insgesamt 18 Fragen abzuarbeiten, den die Befragung der Bewohner vorsieht.
  Bei der nächsten Frage, ob Frau F. entscheiden könne, dass die Zimmertür offen oder geschlossen gehalten wird, schaut die alte Dame schon etwas abwesend drein. Die MDK-Prüferin entscheidet, die Befragung an diesem Punkt erst einmal abzubrechen. Sie will später noch einmal wiederkommen. Bei der Begutachtung der Pflegedoku- mentation erzählt ihre Bezugspflegerin, dass Frau F. manchmal sehr unwirsch reagiere und Pfleger schon mal aus dem Zimmer werfe. Außerdem möge sie ihre Zahnprothese nicht und verstecke sie deshalb häufiger. Hier hakt Theis nach und fragt, ob diese Besonderheiten irgendwo festgehalten werden. Das ist der Fall.
   Die anschließende Prüfung der Pflegedokumentation hat es in sich. „Ermitteln Sie ihre Stimmung tagesaktuell? Hält die Bewohnerin ihr Gewicht? Werden ihre Medikamente der Verordnung des Arztes gemäß verabreicht?" Die Gutachterin, die seit zweieinhalb Jahren für den MDK arbeitet, fragt routiniert nach und schaut sich die Lagerung der Medikamente an.
   Sie werden vorschriftsmäßig und bewohnerbezogen getrennt gelagert, die täglichen Dosen stimmen mit der Ver- ordnung überein.
   Ihr Kollege Fieser arbeitet sich zeitgleich durch die Pflegedokumentation einer 89-jährigen Bewohnerin in Pfle- gestufe zwei. Aus den Akten geht hervor, dass die Seniorin vier Kilogramm Gewicht in vier Wochen verloren hat. Die Pflegerin wirkt unsicher, kann sich den Gewichtsverlust nicht eindeutig erklären. Frau B. habe schon wieder zwei Kilo zugenommen, sei außerdem herzkrank und bekäme Entwässerungstabletten. „Das steht aber so nicht in der Dokumentation", sagt Fieser, selbst examinierter Altenpfleger. Die Pflegerin erläutert, dass die Dokumentation gerade von Papier auf EDV umgestellt werde, sie sei bisher noch nicht dazu gekommen, die Daten nachzutragen. Der Gutachter bohrt weiter, vieles lässt sich nachvollziehen, dennoch bleibt Frau Bs. Akte lückenhaft. Fieser notiert es.
   Nicht nur Bewohner und deren Pflegedokumentation stehen zur Begutachtung an, sondern die gesamte Orga- nisation des Hauses. „Ich würde jetzt gern einmal sehen, wie Sie es organisiert haben, dass die Pflege durch Examinierte gewährleistet ist, auch an den Wochenenden", sagt Theis. Die Heimleiterin legt ihr die archivierten Dienstpläne vor. Die Prüferin fragt weiter, unter anderem nach den Verantwortlichkeiten, nach Fortbildungs- und Speiseplänen, Dekubitus- und Sturzprophylaxe, Erste-Hilfe-Maßnahmen, Fallbesprechungen, Pflegevisiten und dem Konzept zur Sterbebegleitung. Nach eineinhalb Tagen ist die Arbeit der beiden MDK-Gutachter abgeschlossen - und die Einrichtungsleiterin erleichtert: „Seit Wochen standen wir hier unter Druck, weil wir wussten, dass der MDK irgendwann kommt", sagt sie und fügt hinzu: „Ich finde die Überprüfungen gut. Sie bedeuten ja, dass jede Ein- richtung unter den gleichen Bedingungen geprüft wird. Und wir müssen uns wirklich nicht verstecken." Ihre Ein- schätzung gibt ihr Wochen später recht. Das Pflegeheim erhielt die Pflegenote 1,3.  HAZ100515VeronikaThomas

Pflegeprüfung in fünf Stufen
   In Niedersachsen hat der Medizinische Dienst der Kranken- und Pflegekassen nahezu alle 1.370 Pflegeheime überprüft - mit einer Durchschnittsnote von 2,1 erzielten sie ein passables Ergebnis. Auch fast 20 Prozent der ambulanten Pflegedienste wurden inzwischen überprüft - bis Ende Mai wird für sie die erste Durchschnittsnote vorliegen. Jeder Interessierte kann dann die Qualitätsberichte im Einzelnen im Internet einsehen; bislang stehen dort nur die Pflegeheime. Dennoch sei die Note wenig geeignet, ein Pflegeheim danach wirklich bewerten zu können, sagt Stefan Neumann, Pflegeexperte des Fachverlags Vincentz Network.
   Der Prüfkatalog für jede Einrichtung umfasst insgesamt 82 Fragen in fünf Rubriken. Im Qualitätsbereich 1, dem umfangreichsten des Verfahrens, sind zur Pflege und medizinischen Versorgung 35 Fragen aufgelistet. Der Qua- litätsbereich 2, der Umgang mit demenzkranken Bewohnern, umfasst zehn Fragen. Im Qualitätsbereich 3, der die soziale Betreuung und Alltagsgestaltung bewerten soll, sind ebenso zehn Fragen aufgeführt. Der Qualitätsbereich 4 - Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft, Hygiene - wird mit neun Fragen behandelt. Die Zufriedenheit der Bewohner im Qualitätsbereich 5 soll mithilfe von 13 Fragen festgestellt werden.
   Aus 64 Einzelposten (ohne die Befragung der Bewohner) wird die Gesamtnote ermittelt. Die Ergebnisse sind auf folgenden Internetseiten der Krankenkassen einsehbar:
www.aok-Gesundheitsnavi.de (AOK), www.bkk-pflege.de (BKK)
www.der-pflegekompass.de (Knappschaft, LKK, IKK),
www.pflegelotse.de (Verband der Ersatzkassen, vdek)
   Pflegefachmann Neumann ist mit dem Prüfverfahren trotz aller Kritik zufrieden: „Das bringt einen enormen Qualitätsschub und forciert eine bessere Versorgung der Pflegeheimbewohner."Zwar gebe es Einrichtungen, die Noten zwischen 3,8 und 4,5 erhielten, doch die Mehrheit der Heime habe gut abgeschnitten. HAZ100515

Informationen  - Buchtipps  - Beratungstelefone

Buchtipps „Das Pflegegutachten", Pocketratgeber, Verbraucherzentrale NRW, 96 S., 4,90 Euro, erhältlich bei den Verbraucherzentralen, für zuzüglich zwei Euro Porto und Versand auch unter Tel.: 0211 - 380 95 55 oder per eMail: publikationen@vz-nrw.de
Sabine Keller: „Ratgeber Pflege zu Hause", Stiftung Warentest, 19,90 €, www.test.de
Rainer Reitzier: „Wenn Eltern Pflege brauchen". Humboldt, 12,90 €
Christina Manthey: Die neue Pflegeversicherung", C.H. Beck, 6,80 €
Ilse Biberti: „Hilfe, meine Eltern sind alt", Südwest Vlg., 12,95 €
Beratungstelefone
Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit: 01805 - 99 66 03 (14 Cent/Minute).
Unabhängige Patientenberatung: 0800 - 011 77 22 (kostenfrei);  Bund der Versicherten (privat) 04193 - 94 222

Mehr Geld für Pflegefälle - Seit Jahresbeginn gelten höhere Sätze / Einstufung dauert aber oft lange

   Seit 1. Januar 1911 haben die etwa 1,4 Millionen Schwerkranken, die zu Hause von Angehörigen gepflegt wer- den, ein bisschen mehr Geld zur Verfügung. Quer durch die drei Pflegestufen müssen die finanziell angeschla- genen Kassen jetzt monatlich 10 Euro mehr Pflegegeld überweisen - ein Tropfen auf den heißen Stein, wie Kritiker meinen. Bei vielen Patienten, die eine Neueinstufung oder höhere Pflegestufe brauchen, kommt momentan aber erst einmal null Euro Unterstützung an. Die Bearbeitung dringend benötigter Pflegegutachten schleppe sich häufig bis zu drei Monate lang hin, bemängelt die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP).
   Die Folge: Betroffene Familien müssen so lange finanziell in Vorleistung gehen, bis ihr Antrag auf Neueinstufung oder Umstufung eines Pflegebedürftigen „durch" ist. Wird entgegen anfänglicher Erwartungen keine Pflegestufe und damit kein Pflegegeld bewilligt, bleiben die Angehörigen in der Regel auf ihren Ausgaben sitzen.
   Verzögerungen durch Mitarbeiter von Pflegekassen oder des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung(MDK) sollten auf keinen Fall klaglos hingenommen werden, sagt DGVP-Präsident Wolfram-Arnim Candidus. „Dies ist ein unhaltbarer Zustand." Pflegebedürftige seien in der Regel auf die rasche Unter- stützung der Kassen ange- wiesen.
   Grundsätzlich gilt: Versicherte haben einen Rechtsanspruch auf eine zügige Bearbeitung von Pflegeanträgen. Die Begutachtung der Pflegesituation sollte spätestens fünf Wochen nach Eintritt der Pflegebedürftigkeit oder einer Änderung des Pflegebedarfs unter Dach und Fach sein, so die Patienten-Initiative DGVP.
   „Früher konnten Pflegekassen das halten wie sie lustig waren. Damit ist es seit der Pflegereform Mitte 2008 vorbei", erklärt Heike Nordmann, Pflegeexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Ausreden wie der Verweis auf organisatorische oder personelle Engpässe sollen nicht länger gelten.
   In der Praxis hakt es trotzdem immer wieder. Von den Betroffenen ist oft viel Geduld gefragt. Was schwer fällt, wenn ein Mensch von einem Tag auf den anderen pflegebedürftig geworden ist und schnelle Entscheidungen ge- troffen werden müssen, was beispielsweise die Anschaffung eines Pflegebetts, eines Rollstuhls oder die Unter- bringung in der Kurzzeitpflege angeht.
   Im Gesetz steht lediglich, dass ein Pflegeantrag innerhalb von fünf Wochen abgeschlossen sein soll. Er muss es aber nicht. Wegen dieser schwammigen Vorgabe sind zeitliche Verzögerungen bei den Pflegekassen offenbar keine Seltenheit. Die „eigentlich als Ausnahme hinzunehmende Überschreitung der fünf Wochen" sei eher zur Re- gel geworden, so auch die Erfahrungen von Pflegeexpertin Gudrun Matusch von der Verbraucherzentrale Rhein- land-Pfalz.
  Zum Hintergrund: Oftmals bessert sich der Zustand eines pflegebedürftig gewordenen Patienten nach der ersten Akutphase ein wenig. Erkennt die Pflegekasse sehr früh eine bestimmte Pflegestufe an, gilt diese dann erst mal als gesetzt. Deshalb scheuen einige Kassen offenbar vor allzu schnellen Entscheidungen und den damit verbun- denen finanziellen Risiken zurück.
   Zieht sich eine Terminvereinbarung mit dem MDK-Gutachter oder die Auswertung der Pflegeexpertise über die gesetzlich vorgeschlagene Frist von fünf Wochen hinaus hin, sollten Betroffene „Dampf machen", empfiehlt Nordmann. Das heißt: Die zuständige Pflegekasse anrufen, auf schnelle Bearbeitung dringen und die Notlage schildern. Zieht sich eine Entscheidung weiter hin, können Betroffene erst nach sechs Monaten eine sogenannte Untätigkeitsklage beim Sozialgericht einreichen.
  Tröstlich zu wissen: Pflegegeld wird immer ab dem Zeitpunkt der Antragstellung bezahlt. Selbst bei stark ver- zögerter Bearbeitung können betroffene Familien damit rechnen, dass die Leistung noch rückwirkend gezahlt wird - wenn die Bewilligung durch ist. Dabei ist egal, ob es sich um eine Erst- oder Änderungseinstufung handelt. „Diesen Familien geht damit wenigstens kein Geld verloren", so Nordmann.
   Wer zur Erleichterung der Pflegesituation daheim allerdings gleich ein Pflegebett oder andere Hilfsmittel anschafft, ohne die konkrete Einstufung durch die Kasse abzuwarten, handelt erst einmal auf eigene Rech- nung. Kommt eine Ablehnung, bleibt noch das Recht auf Widerspruch innerhalb eines Monats ab Eingang des Schreibens. HAZapn100125BereitGräber

Weiter Erhöhungen absehbar

   Seit Jahresbeginn 2011 bekommen Pflegebedürftige, die zu Hause betreut werden, 10 Euro mehr Pflegegeld überwiesen. In der Pflegestufe 1 beträgt die monatlichen Leistung der Pflegekasse jetzt 225 Euro, in Stufe 2 gibt es 430 Euro. In Pflegestufe 3 erhalten Kranke neuerdings 685 Euro. Für 2012 sind weitere Erhöhungen geplant, ab 2015 sollen die Beträge alle drei Jahre angepasst werden.
  Wird die Pflege zu Hause nicht von einem Angehörigen, sondern von einem ambulanten Dienst erbracht, fließt ebenfalls in diesem Jahr mehr Geld. Die so genannten Pflegesachleistungen für Patienten mit Pflegestufe I betragen jetzt 440 Euro (20 Euro mehr), in Stufe 2 sind es 1.040 Euro (plus 60 Euro) und in der dritten Stufe 1.510 Euro (40 Euro mehr).
  Die Pflegekasse übernimmt dabei entweder die festgelegten Anteile für Pflegesachleistungen zu Hause oder für teilstationäre Tages- und Nachtbetreuung.
  Ist eine Pflegeperson wegen Krankheit oder Urlaub verhindert oder muss der Schwerkranke vorübergehend in eine stationäre Kurzzeitpflege, trägt die Kasse die anfallenden Kosten bis zu 1.510 Euro. Die Stufe 3 bei außer- gewöhnlich hohem Pflegeaufwand in Höhe von monatlich 1.918 Euro bleibt 2010 unverändert.
Beispiele: Der Pflegebedürftige hat Krebs im Endstadium oder einen schweren Schlaganfall, weshalb er regel- mäßig rund um die Uhr durch mehrere Pflegekräfte zeitgleich gepflegt werden muss. HAZ100125apn

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Wenn der Pflege-TUV  klingelt. Jörg Gehrke überwacht mit seinem Team die Qualität von Seniorenwohnanlagen. Foto: Heimprüfer Jörg Gehrke befragt zusammen mit Hauptprüferin Jaqueline Paul die 92- jährige Hertha Junge. “Wir merken, wenn der Ton zu den Bewohnern rüde und lieblos ist.”

   Das Schreiben kommt morgens um acht aus dem Faxgerät in der Seniorenwohnanlage Neuwiedenthal und lässt dort den Stresspegel steigen: „Am heutigen Tag", steht da zu lesen, „findet durch Gutachter eine Qualitätsprüfung des Medizinischen Dienstes gemäß Paragraf 114 Sozialgesetzbuch statt." Es ist nicht der beste Tag für eine Kontrolle. Der 70er-Jahre-Bau im Hamburger Süden wird saniert, und das Personal braucht viel Kraft, um Baulärm und Staub zu bändigen. 60 Minuten später stehen Prüfer Jörg Gehrke und sein Team vor der Tür.
Manche Heime sparen am Essen
   „Wir achten auf jedes Detail", sagt der 40-Jährige. „Wenn wir etwa bei einem Bewohner im Vergleich zum Pfle- gebeginn einen deutlichen Gewichtsabfall feststellen, dann versuchen wir die Ursache im Gespräch oder anhand der Akten herauszufinden." Gehrke kennt Heime, in denen die Bewohner nicht ausreichend zu trinken bekamen oder die Ernährung schlecht war. Auch der Umgang der Mitarbeiter mit den Bewohnern wird beobachtet. „Wir merken, wenn der Ton zu den Bewohnern rüde und lieblos ist."
   Mit einem umfangreichen Fragenkatalog im Gepäck klopft das Team an Zimmertür der 92-jährigen Hertha Junge. Gerade ist sie vom Singen alter Volkslieder aus dem Aufenthaltsraum zurückgekommen und bester Laune. 40 Minuten bleiben Gehrke gemeinsam mit Hauptprüferin Jaqueline Paul fürs Gespräch, man redet auch Plattdeutsch. „Bitte heben Sie doch mal ihre Arme", sagt Frau Paul und notiert: „Eingeschränkt bewegungsfähig". Nächste Frage: „Können Sie noch allein auf die Toilette gehen?"
   Der Körper wird nach Druckgeschwüren untersucht. Sie können darauf hindeuten, dass druckentlastende Maß- nahmen unterblieben sind, erläutert Frau Paul. Bei Frau Junge ist alles in Ordnung. Die alte Dame ist voller Vorfreude. Gleich wird die Rettungshundestaffel des Roten Kreuzes zu Besuch in die Wohnanlage kommen. Hertha Junge kann dann das warme, weiche Fell der Tiere unter den Händen spüren.
   „Das Gespräch mit den Bewohnern ist besonders wichtig", sagt Gehrke. Seine offizelle Bezeichnung heißt TQM- Auditor, es steht für Total Quality Management. Er hat eine entsprechende Weiterbildung nach den Kriterien der Internationalen Organisation für Normung (ISO) gemacht.
   31 Gutachter umfasst Gehrkes Pflegeteam der Hamburger Zentrale des Medizinischen Dienstes der Kran- kenkassen (MDK). Sie haben regelmäßig mehr als 1.500 Pflegeheime und ambulante Dienste in Hamburg und Schleswig-Holstein zu kontrollieren. Der MDK liefert Gutachten an die Pflegekassen und gibt Empfehlungen.
   Inzwischen hat der MDK noch mehr zu tun bekommen. Alten- und Pflegeheime sollen jährlich unangemeldet überprüft und benotet werden. Laut Gesetz müssen bis Ende 2010 alle Einrichtungen kontrolliert worden sein. Bereits in diesem Herbst werden die ersten Benotungen im Internet stehen.
Bei schlechten Noten droht Vertragskündigung
   Schlecht benoteten Heimen oder Diensten drohen damit nicht nur wie bisher Auflagen und Folgeüberprüfungen, sondern auch öffentliche Aufmerksamkeit. Der erste Besuch ist kostenlos, eine Nachprüfung kostet das Heim 4.500 Euro.Im Extremfall, auch das hat Gehrke mehrfach erlebt, können Pflegekassen den Versorgungsauftrag kündigen. Dann müssen die Bewohner in andere Heime umziehen. Zum Teil finden Prüfungen gemeinsam mit der Heim- aufsicht statt. Sie ist für bauliche Fragen und die Hygiene zuständig und untersteht den Ländern. Gleich am Morgen hat sich Gehrkes Team die Liste mit den Namen aller 82 Heimbewohner vorlegen lassen. Jeder zehnte wird zur „Inaugenscheinnahme" ausgewählt, darunter auch Demenzkranke und Bettlägerige. Das Prüfteam kontrolliert nach mehr als 100 Kriterien, schaut in den Speiseraum, in die Küche, prüft Pflegedokumente, Gewichtsdaten der Bewohner, Essensgewohnheiten, Medikamentenausgabe, das Verfallsdatum der Arzneien, das Unterhaltungs- programm. Neben den Singveranstaltungen gibt es für die Bewohner in Neuwiedenthal unter anderem Gedächt- nistraining, Kaffeeklatsch, Gymnastikkurse und als eine Art Fitnessübung auch die Spielkonsole Nintendo Wii. „Ein 99-jähriger Bewohner war bis vor kurzem noch täglich mit dem Laptop im Internet", erzählt die Heimleiterin stolz.
   Gehrke hat andere Häuser gesehen: „Es kam schon vor, dass im Behandlungsraum Spritzen auf dem Boden lagen oder dass das Verfallsdatum der Medikamente längst überschritten war." Manchmal gibt es anonyme An- zeigen gegen solche Heime. Dann wird Gehrkes Team in Marsch gesetzt.
   Mittags trifft man sich mit der Pflegeleitung im Besprechungsraum ganz oben im Haus. Im Hintergrund ver- vielfältigen die mitgebrachten Tischkopierer surrend Teile der Pflegeakten. Das Material wird mitgenommen und später ausgewertet. Acht Stunden - dann ist für die Pflegekräfte der „Spuk" vorbei. Gravierende Mängel haben die Prüfer nicht gefunden, dennoch geben ihre Mienen nicht zu erkennen, wie das Heim abgeschnitten hat.  „Bis das Gutachten auf dem Tisch der Heimleiterin liegt, werden zwei bis drei Wochen vergehen", sagt Jörg Gehrke.
HA090710DieterWeirauch

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Pflegebedürftige bewerten künftig ihre Pfleger

  Es ist ein neues Gesetz, das mehr als 40.000 Hamburger unmittelbar betrifft: So viele pflegebedürftige Men- schen leben in der Stadt, bedingt durch Alter, Krankheit, Verletzungen oder Behinderungen. Jetzt verabschiedete die Bürgerschaft neue Regelungen für die Betreuung, die nicht wie zuvor nur für Heime gelten, sondern auch das wachsende Angebot ambulanter Pflegedienste einschließen, die beispielsweise Menschen zu Hause oder in Wohn- gemeinschaften pflegen. Damit schöpft Hamburg - drei Jahre nach der Föderalismusreform - seine Selbstbestim- mung als Bundesland aus, was laut Senat „veränderten Bedürfnissen" gerecht werde.
   Kernpunkte sind ein Anspruch auf Beratung für Kunden und ihre Angehörigen sowie eine Kontrolle der Pflege- leistung, auch mittels Befragungen der Pflegebedürftigen. Die Ergebnisse müssen regelmäßig veröffentlicht werden. Verbindlich ist nun auch der - bisher offenbar nicht selbstverständliche - Grundsatz, dass Anbieter vor Vertragsabschluss in „verständlicher Form" über Konditionen informieren müssen. Sozialsenator Dietrich Wersich (CDU) sprach von einem „Meilenstein für mehr Selbstbestimmung." Die SPD begrüßte das Gesetz als „längst überfälligen Schritt in Richtung mehr Verbraucherschutz und Transparenz", betonte jedoch, das Problem der Branche, etwa Personalmangel, bleibe ungelöst.
  Laut Arbeitsagentur sind derzeit in Hamburg 545 Stellen in der Pflegebranche frei, weitere 487 Ausbildungsplätze seien verfügbar. Zudem sei die Zahl der Beschäftigten in diesem Sektor im September dieses Jahres auf 79.800 angestiegen, im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Anstieg um 6,3 Prozent. Rolf Steil, Chef der Arbeitsagentur, wirbt um Interessenten: „Mehr als 4.800 Betriebe in der Stadt sorgen für feste Beschäftigungsverhältnisse und sichere Einkommen." 2009 seien 287 Arbeitslose zu Pflegeassistenten, 25 Altenpflegern weitergebildet worden.
   Diese Qualifikationen sind auf dem Arbeitsmarkt begehrt: Die Vorgabe, dass mindestens jeder zweite Mit- arbeiter eines Pflegeanbieters eine Fachkraft sein muss, bleibt im Hamburger Gesetz bisher erhalten. Nach Ansicht des SPD-Sozialexperten Dirk Kienscherf seien aus diesem Grund geplante Einsparungen im Sozialbereich nicht vertretbar: „Letztlich laufen Senator Wersichs Sparpläne darauf hinaus, dass die letzten Träger im Pflegebereich, die noch Tariflöhne zahlen, derart unter Druck geraten, dass sie aufgeben oder untertariflich zahlen müssten."
   Die konkrete Umsetzung des Gesetzes wird allerdings von Verordnungen bestimmt, die erst noch beschlossen werden sollen. SPD-Politiker Kienscherf verwies darauf, dass sich dann erst die Qualität des Gesetzes zeige. „Wir als Opposition werden sehr genau darauf achten, wie Details umgesetzt werden." Das betreffe neben der Fachkraftquote auch Art und Umfang der geplanten Überprüfungen sowie die Form der Veröffentlichungen der von Pflegebedürftigen abgegebenen Bewertungen. HA091211PhilipVolkmannSchluck

Wachsende Personalnot in der Pflege
   In Hamburg sind 43.000 Menschen pflegebedürftig. Nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbands wird die Zahl bis zum Jahr 2025 auf über 56.000 steigen. Derzeit werden rund 13.000 Senioren in Heimen gepflegt - 2025 werden es 21.000 sein. 
   19.500 Pflegekräfte arbeiteten Ende 2007 in Hamburg. Bis zum Jahr 2025 müssten 2000 zusätzliche Stellen geschaffen werden, um den drohenden Pflegenotstand zu beheben. Dabei wird es immer schwerer, genügend Bewerber zu finden.
   Bundesweit sind Lage und Prognose noch dramatischer: Laut Wirtschaftsberatung PriceWaterhouseCoopers fehlen bereits im Jahr 2020 über 174.000 Krankenschwestern, -pfleger und Hilfspflegekräfte. 2030 seien es 500.000. HA101112VolkerTerHaseborg

Neues Heimgesetz in Hamburg soll Qualität der Pflege verbessern

   Der Hamburger Senat hat den Entwurf für ein landeseigenes Heimgesetz beschlossen. „Wir wollen die Qualität, die Transparenz und den Verbraucherschutz in Pflege- und Betreuungseinrichtungen auf eine neue Grundlage stellen", sagte Sozialsenator Dietrich Wersich (CDU). Der Gesetzentwurf, den die Bürgerschaft jetzt beraten wird, enthält Mindestanforderungen für Betreutes Wohnen, Wohngemeinschaften zum Beispiel für Menschen mit De- menz, Pflegeheime und Behinderteneinrichtungen.
Das sind die zentralen Inhalte:
- Pflegebedürftige und behinderte Menschen sowie Angehörige erhalten einen Rechtsanspruch auf eine unabhän- gige Beratung.
- Alle Einrichtungen müssen vor Vertragsschluss in verständlicher Form über Art, Umfang, Preise und Grenzen ihres Angebots informieren. Die Einrichtungen müssen ihre Nutzer oder Bewohner regelmäßig zu ihrer Zufriedenheit befragen und die Ergebnisse veröffentlichen. Auch die Heimaufsicht muss ihre Prüfergebnisse veröffentlichen. 
- Die Fachkraftquote muss 50 Prozent betragen. Heime sollen jährlich, Wohngemeinschaften anlassbezogen und per Stichprobe kontrolliert werden.
   Der Gesetzentwurf war zwei Monate lang unter anderem mit Senioren- und Behindertenorganisationen, Wohlfahrtsverbänden und der Hamburgischen Pflegegesellschaft diskutiert worden. Dabei konnte unter anderem durchgesetzt werden, dass Beschwerden nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Beschwerdeführers von Bera- tungsstellen an die Aufsichtsbehörde weitergegeben werden dürfen. HA090826pum

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Ich mache immer alles selbst Was bei dem Begutachtungsverfahren für die Pflegestufe nicht gesagt werden sollte

   Als Ulla F. nach einem leichten Schlaganfall im Krankenhaus liegt, stellt sich die Frage: Wie geht es danach zu Hause weiter? Allein wird sie vermutlich nicht mehr zurechtkommen. Die 86-Jährige ist schwerbehindert, sie hat eine künstliche Hüfte, zwei künstliche Kniegelenke und leidet an Altersschwäche.
   Ihre Tochter wohnt für eine tägliche Betreuung zu weit weg, und einen Pflegedienst kann sie sich auf Dauer nicht leisten. So beschließt sie, bei der Pflegekasse einen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung zu stellen. Um zu überprüfen, ob die Voraussetzungen für eine Pflegestufe erfüllt sind, beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Dieser erstellt bei einem vorher angekündigten Hausbesuch» ein „Gutachten zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit". Auf dieser Basis entscheidet die Pflegekasse dann über den Antrag.
   Die Pflegeversicherung deckt aber nicht alles ab, was wünschenswert wäre. Oft gebe es das Missverständnis, dass eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung finanziert wird; sagt Bernhard Fleer vom Medizinischen Dienst des Spitzen- verbandes Bund der Krankenkassen in Essen. Sein Rat lautet daher: „Orientieren Sie sich, was an Leistungen in der Pflegeversicherung möglich ist."
   Wie Fleer rät auch Heike Nordmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, vor der Begutachtung ein Pflegetagebuch zu führen. Dadurch werde den Antragstellern bewusst: „Welche Tätigkeiten fal- len wie oft an, und wie lange dauern sie?" Es sollte mindestens einen Tag, am besten aber 14 Tage lang geführt werden und sei eine wertvolle Hilfe beim Gespräch mit dem Gutachter. „Für den MDK zählt vor allem die Körper- pflege", erläutert die Referentin für Pflegedienstleistungen. Der Gutachter ermittele zum Beispiel, welche Hilfe der Pflegebedürftige beim Waschen oder Anziehen braucht.
   Eine zweite wichtige Rolle spielt die Mobilität. So lasse sich der Gutachter etwa vom Pflegebedürftigen zeigen, wo dieser sich wäscht, erklärt Fleer. Dies gebe gleichzeitig Auskunft darüber, wie gut sich der Betroffene in seiner Wohnung zurechtfindet - wie viel sogenannte Alltagskompetenz er also noch hat. Auch ob Begleitung beim Ver- lassen der Wohnung für einen Arztbesuch nötig ist, sollte ermittelt werden. Nicht relevant ist laut Nordmann da- gegen, ob jemand beim täglichen Spaziergang Begleitung braucht.
   Drittes entscheidendes Thema im Bereich „Grundpflege" ist schließlich die Ernährung: Kann sich der Betroffene die Nahrung nicht zubereiten und allein zu sich nehmen, spricht das für Hilfebedarf. „Um die Pflegestufe eins zu erhalten, geht der Gesetzgeber von einem Mindestpflegebedarf von 90 Minuten täglich aus", sagt Nordmann.
   Für die drei Punkte der Grundpflege müssten dann minimal 46 Minuten angesetzt sein. Bei wem das der Fall ist, der erreiche wahrscheinlich auch die insgesamt erforderlichen 90 Minuten und bekomme Unterstützung. Auf den weniger bedeutsamen Aspekt Hilfe im Haushalt - also etwa Einkaufen - könnten dann 44 Minuten entfallen.
   Auf die leichte  Schulter sollte die Begutachtung niemand nehmen. „Die Bedingungen sind hart", sagt Christiane Schiller von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) in Bonn. Schließlich gehe es um die sorgfältige Vergabe von Steuergeldern. Deshalb sei es sinnvoll, den Pflegebedürftigen nicht alleinzulassen. „Wenn eine Person des Vertrauens dabei ist, fühlt sich derjenige, der „untersucht" wird, wohler, außerdem kann man besser nachhaken", sagt Schiller. Denn in diesem Moment zählt jedes Wort.
   „Wenn die pflegebedürftige Person dauernd sagt, „Ich mache immer alles selbst", dann ist das natürlich nicht so günstig", warnt auch Schiller. Sie rät dringend dazu, ehrlich zu bleiben und nichts herunterzuspielen, aber auch nicht zu übertreiben. Ein anwesender Angehöriger könne eingreifen und auch ein unangenehmes, weil zum Bei- spiel intimes Thema wie Inkontinenz als Problem benennen. Auch ein bereits tätiger Pflegedienst könne dem Gutachter wertvolle Hinweise geben und sollte daher hinzugezogen werden.
   Wenn aber trotz aller Bemühungen einige Zeit später wie bei Ulla F. ein ablehnender Bescheid der Pflegekasse ins Haus flattert, besteht die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. Dieser sollte anhand des Gutachtens begründet werden. „Oft gibt es nachher doch eine Zusage", lautet Schillers Erfahrung. NOZ090514dpa
Literatur: Verbraucherzentrale NRW: Das Pflegegutachten, ISBN: 978-3-938-17480-7, - 4,90 Euro. 

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Niedersachsen: 256.000 brauchen Pflege - Zwei Drittel werden zu Hause betreut

   256.100 Menschen in Niedersachsen sind pflegebedürftig. Das geht aus einem jetzt vom Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie (LSKN) vorgelegten Ländervergleich hervor.
Diesen Zahlen aus dem Jahr 2009 zufolge handelt es sich bei den Pflegebedürftigen zu etwa zwei Dritteln um Frauen. 68 Prozent der Hilfsbedürftigen in Niedersachsen wurden laut LSKN zu Hause gepflegt, zwei Drittel davon allein durch Angehörige. In 25 Prozent der Fälle wurde ein ambulanter Pflegedienst in Anspruch genommen.
   Nach Angaben der Statistiker nahm die Zahl der in Heimen versorgten Pflegebedürftigen in Niedersachsen von 2007 bis 2009 um 5,7 Prozent zu. Bei den im häuslichen Bereich betreuten Hilfsbedürftigen gab es eine Steigerung um sieben Prozent. Um 12,8 Prozent kletterte so gar die Zahl der Personen, die ambulante Pflege in Anspruch nahmen. NOZ110423hab

Pflegeberufe: Jetzt reicht Hauptschule

   Künftig reicht der Hauptschulabschluss für die Ausbildung als Kranken- oder Altenpfleger. Damit  können nun alle Schüler mit zehnjähriger Schulausbildung direkt in die Ausbildung  einsteigen. Das  entsprechende Gesetz wurde jetzt vom Bundesrat gebilligt. Wie der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste in Berlin mitteilt, soll die Neuregelung unmittelbar nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft treten, voraussichtlich Mitte August. NOZ090718tmn

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Die Bundesregierung will Pflegenoten für Pflegeheime Ende 2015 abschaffen!
Ein Ausschuss soll ein neues Bewertungssystem erarbeiten

Gröhe will Noten für Pflegeheime abschaffen  -  Die Pflegenoten müssen weg, da sind sich fast alle einig.
Nun soll ein neuer Ausschuss eine neues Bewertungssystem erarbeiten.
  Die Bundesregierung will die umstrittene Bewertung von Pflegeheimen ändern und den „Pflege-TÜV" reformieren. So sollen die „Pflegenoten" zum Jahreswechsel ausgesetzt und zwei Jahre später durch ein neues Verfahren abgelöst werden. Das soll ein neuer Pflegequalitätsausschuss erarbeiten, der ein zentrales Steuerungsorgan der Pflege werden könnte. Das hat der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), vorgeschlagen. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) nannte die Vorschläge „sehr gut", aus Koalition und Verbänden kamen eher gemischte Reaktionen.
   Die Pflegenoten, die nach dem Muster von Schulnoten auf den ersten Blick die Qualität eines Pflegeheims erläutern sollen, stehen seit langem in der Kritik. Das ist nicht verwunderlich, weil die mehr als 12.000 Heime im bundesweiten Schnitt mit „sehr gut" (1,3) abschneiden. Dabei hat der Medizinische Dienst der Kassen (MDK) selbst festgestellt, dass immer noch 10 Prozent der Heimbewohner nicht genug zu essen und zu trinken bekommen, die Behandlung chronischer Schmerzen nicht ausreiche, zu viele Patienten ans Bett gebunden oder zu viele Patienten zu wenig vor Druckgeschwüren geschützt würden.
  Grund für die Unwucht ist, dass 66 Kri­terien für die Bewertung abgefragt wer­den, darunter zur Heimatmosphäre, Freizeitangeboten und der Anbindung an den Nahverkehr. Schlechte Noten bei „harten" Pflegekriterien können durch „weiche" ausgeglichen werden.
   Laumann reagiert darauf: „Die Pflegenoten sind gescheitert, die müssen weg, weil sie nicht aussagekräftig sind", sagte er dieser Zeitung. Bis zur Jahresmitte solle der Bundestag deshalb die Aussetzung der Noten von Januar 2016 an beschließen. Damit sich Heimbewohner und Angehörige bis zur Einführung eines neuen Verfahrens 2018 dennoch orientieren können, soll es bei den bisher erhobenen Kriterien bleiben. Der MDK-Prüfbericht solle „auf einer Dreiviertel Seite" zusammengefasst werden, sagte er.
   Die künftigen Kriterien für die Qualitätsprüfung und die anschließende Veröffentlichung der Ergebnisse soll der neue Pflegequalitätsausschuss ermitteln. Darin wären Verbände der Heimbetreiber, Krankenkassen, Pflegebedürftigen und Pflegeberufe gleichberechtigt vertreten. Ein unparteiischer Vorsitzender solle bei Pattsituationen entscheiden. Der Ausschuss könnte „ein effizientes und endlich entscheidungsfähiges Gremium" für die Pflege werden.
   Das erinnert an den Gemeinsamen Bundesaussschuss der Ärzte, Krankenhäuser und Kassen (GBA), der festlegt, was die Kassen bezahlen. Ähnlich wie er soll auch der neue Pflegequalitätsausschuss ein Institut zu seiner Beratung gründen. Laumann wies die Analogie zum GBA zu­rück: „Wir brauchen keinen neuen GBA für die Pflegenoten. Ich denke an eine kleine transparente, bürokratiearme Veranstaltung." Der Frage, ob er als Ausschusschef in Frage komme, wich er aus.
   Gröhe dankte Laumann „für seine sehr guten Vorschläge". Er werde sie mit den Fraktionen und allen Beteiligten intensiv beraten. Der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn (CDU), lobte, dass es nun konkrete Vorschläge zur Abschaffung der Pflegenoten gebe. Alle anderen Ideen werde man sich anschauen. „Die Einrichtung immer neuer Gremien und Institute der Selbstverwaltung braucht es aus meiner Sicht nicht." Der Pflegepolitiker Erwin Rüddel (CDU) sagte: „Wir brauchen keine Parallelstrukturen, vielmehr muss sich die Politik stärker in die Verantwortung nehmen lassen." Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Hilde Mattheis, sagte, man müsse noch darüber reden, ob das Aussetzen der Noten wirklich die beste Lösung sei. Das gelte auch für Details des Pflegeausschusses. Die Kassen betonten, sie legten großen Wert darauf, dass die Pflegeversicherung weiterhin staatsfern organisiert bleibe. „Es ist schwer vorstellbar, dass ein Pflegequalitätsausschuss in einem Bundesministerium angesiedelt ist." FAZ150402ami

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Alarm im Pflegeheim: Forscher warnen: 2030 fehlen 220.000 Heimplätze und mehr als 50.000 Pfleger

   Deutschland ist auf die Alterung der Bevölkerung und die wachsende Pflegebedürftigkeit seiner Alten nicht gut vorbereitet. Zu dem Schluss kommt eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Demnach müssen binnen 15 Jahren bis zu 220.000 zusätzliche stationäre Pflegeheimplätze geschaffen werden. Unklar ist, in welchem Umfang der bisherige Bestand an Pflegeeinrichtungen modernisiert werden kann oder neu gebaut werden muss. Das würde zusätzliche Investitionen bedeuten, wobei das IW auf eine Abschätzung der gesamten Investitionskosten verzichtet hat. In der ambulanten Pflege, die ebenfalls stark zunehmen wird, rechnen die Forscher mit einem Bedarf von bis zu 53.000 Vollzeitstellen.
   Ende März hatten laut Gesundheitsministerium mehr als 2,7 Millionen Menschen einen Anspruch auf Hilfen der Pflegeversicherung. Das IW kalkuliert für das Jahr 2030 mit einer Zunahme der Pflegefälle um 670.000 bis 828.000. Die niedrigere Zahl unterstellt, dass die Menschen bei zunehmendem Alter auch erst später ins Pflegeheim gehen, ihr Einritt sich also nur nach hinten verschiebt, Auf die höhere Zahl kommen die Forscher, indem sie von einem früheren Eintritt und einer längeren Verweildauer im Pflegeheim ausgehen. Auswirkungen des derzeit vorbereiteten Umbaus der Pflegeversicherung, die die Zahl der Anspruchsberechtigten laut Regierung um rund eine halbe Million erhöhen soll, würden die IW-Zahlen entsprechend nach oben treiben.
Nach der Rechnung fehlen in 15 Jahren bundesweit 220.000 Heimplätze bei dann einer Million Heimpatienten. Der regionale Vergleich zeigt gravierende Unterschiede: Im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen müssten fast 48 000 zusätzliche Pflegeplätze geschaffen werden. Das ist immerhin ein Plus von 23 Prozent, in Bayern wären es mit fast 23.000 Plätzen auch noch 13 Prozent mehr. „Unter den Stadtstaaten scheint Berlin am wenigsten gerüstet. Hier müssen die Kapazitäten - bei einem unveränderten stationären Versorgungsanteil - um 38 Prozent aufgestockt werden", sagte IW-Direktor Michael Hüther. Allein das Saarland erscheine gut gerüstet, dort fehlten nur etwa 1000 Plätze.
Die Pflegegesetze der vergangenen Jahre zielten vor allem auf die Stärkung der häuslichen Pflege durch Angehörige oder Ehrenamtliche ab. Mittel waren mehr Geld für die Betreuung, Hilfen für den Umbau der Wohnung bis hin zu Verbesserungen für pflegende Angehörige wie der befristeten Freistellung vom Arbeitsplatz oder Anrechnungen bei der Rente.
   Die Forscher trauen diesem Ansatz aber nur wenig Erfolg zu. „Bislang feh­len empirische Beweise dafür, dass die familiäre oder nachbarschaftliche Pflege steigt", sagte IW-Forscher Jochen Pimpertz. Bundesweit gebe es eher einen Trend hin zu mehr professioneller Pflege. Auch spielten gesellschaftliche Entwicklungen eine wichtige Rolle: Die Zahl der Ein-Personen-Haushalte steige, genau wie die Gruppe der Kinderlosen. Partner und Kinder fielen damit immer häufiger als potentielle Pfleger weg. Auch sei nicht absehbar, wie sich die steigende Erwerbstätigkeit von Frauen auf deren Pflegebereitschaft auswirkt. „Bislang übernehmen vor allem Töchter, Schwestern und Schwiegertöchter die Pflege, was sich allein rein zeitlich meist nicht mit einem Job vereinbaren lässt." Bundes- und Landesregierung müssten schnell reagieren, sagte Pimpertz. Denn der notwendige Ausbau der Pflegeinfrastruktur brauche, seine Zeit.
   Die Politik solle dabei keine einzelne Versorgungsart bevorzugen, ob ambulant, in Wohngemeinschaften oder Heimen. Die Länder, die den Heimen - oft unterschiedliche - Vorgaben über Größe und Ausstattung der Einrichtungen machen, sollten ihre Pflegepolitik überprüfen. So sei eine detailversessene Regulierung bis hin zur Zimmerausstattung kontraproduktiv, gerade wenn diese Vorschriften Grundlage für die Berechnung erstattungsfähiger Investitionskosten seien und überdies fortlaufend verändert würden. Das schrecke dringend benötigte Investoren ab und gefährde mittelfristig unternehmerisches Engagement. Das aber sei nötig, damit genügend Plätze angeboten würden. FAZ150929ami

Nur Heime in Ostdeutschland sind billiger - In Niedersachsen kostet Pflegeplatz 2.493 Euro

   Wer in Niedersachsen auf Heimpflege angewiesen ist, muss deutlich weniger zahlen als in allen anderen west- deutschen Bundesländern. Nach einem Ländervergleich des Statistischen Bundesamts kostete Ende 2007 ein Heimplatz in der Pflegestufe III, einschließlich Unterkunft und Verpflegung, im Bundesdurchschnitt monatlich 2.766 Euro. In Niedersachsen lag der Preis dagegen bei 2.493 Euro; nur in ostdeutschen Einrichtungen fällt die Ver- gütung geringer aus. Spitzenreiter in der Tabelle sind Nordrhein-Westfalen (3.131 Euro) und Hamburg (3.040). In der Pflegeklasse II betrug die Vergütung 2.341 Euro, in der Pflegeklasse I durchschnittlich 1.915 Euro im Monat.
  Die Pflegekasse zahlt - bundesweit einheitlich - in der Pflegestufe III 1.470 Euro, sodass der Eigenanteil der Bewohner im Bundesdurchschnitt bei rund 1.300 Euro liegt. Hinzukommt häufig noch ein Beitrag für Investitions- aufwendungen, den die Heime verlangen. Diese Pauschale schlägt laut Berechnungen der Betriebskrankenkassen zusätzlich mit durchschnittlich 367 Euro im Monat zu Buche.
   Auch bei der Trägerstruktur nimmt Niedersachsen eine Sonderrolle ein. Der Anteil der Privatunternehmen bei der stationären Versorgung liegt bei 59 Prozent, während bundesweit die meisten Heime von freigemeinnützigen Trägern betrieben werden. Insgesamt arbeiteten laut Statistischem Bundesamt Ende 2007 574.000 Beschäftigte in 11.000 Einrichtungen - jeder Zweite in Teilzeit.
   Die unterdurchschnittlichen Heimentgelte in Niedersachsen sorgen seit Längerem für Unmut in der Branche. Be- klagt wird ein restriktives Vorgehen der Pflegekassen, die die Preise genehmigen müssen.

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Kinder zahlen für die Eltern. Wenn die Rente nicht reicht, bitten Pflegeheime die Angehörigen zur Kasse.
Teure Altenpflege: Bevor der Staat mit Sozialhilfe einspringt, müssen die Kinder zahlen.

      Der Brief war zwei Seiten lang, höflich im Ton, aber bestimmt in der Sache. Anita Möller fiel aus allen Wolken. 24.000 Euro forderte das Sozialamt für die Pflegekosten ihrer Eltern. Seit Jahren lebten Mutter und Vater nun schon in einem Pflegeheim. Damals, als der Umzug ins Heim anstand, musste alles ganz schnell gehen. Die nahe Lage war entscheidend, auf den Preis hat Anita Möller nicht so genau geschaut. Das Sozialamt, so meinte die nette Heimleiterin, werde schon helfen, falls das Geld nicht reiche. Es reichte nicht. Die Rente des Vaters und der Zuschuss der Pflegeversicherung langten vorn und hinten nicht. Das Sozialamt zahlte bis zu jenem Tag, als die Behörde die Zeit fand, die aufgelaufenen Rechnungen aufzulisten und bei den Kindern, Tochter und Sohn, anzufragen, wie es um ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse steht.
   Rechtlich ist dies nicht zu beanstanden. Kinder haften für die Heimkosten ihrer Eltern. Den sogenannten Eltern- unterhalt regelt das Bürgerliche Gesetzbuch. Auch moralisch ist die Unterstützung gut begründet, so lange man innerfamiliäre Solidarität als einen Wert begreift, der gegenseitige finanzielle Hilfe einschließt. Dennoch wächst sich die Zahlungspflicht zu einem brisanten Thema aus.
   Anlass sind nicht nur steigende Heimpreise, die trotz Pflegekassenbeitrag eine wachsende Zahl an Bewohnern überfordern. 2007 kostete ein Pflegeheimplatz in der höchsten Pflegestufe nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts bereits 2.700 Euro im Monat. Im Schnitt. Rechnungen von 3.000 Euro, von denen rund 1.500 Euro selbst bezahlt werden müssen, sind keine Ausnahme. Mehr als jeder dritte Heimbewohner ist bereits auf Sozial- hilfe angewiesen. Immer mehr Kinder müssen einspringen - Söhne und Töchter, die häufig selbst kurz vor der Rente stehen oder gezwungen sind, stärker privat vorzusorgen als früher. Welche Belastung ist zumutbar?
   Monatelang haben Anita Möller und ihr Bruder versucht, sich mit dem Sozialamt zu einigen; Wochen verstrichen, bevor die Behörde auf ihre Schreiben reagierte. „Bei vielen, die zu uns kommen, füllt der Schriftverkehr bereits mehrere Aktenordner", berichtet die hannoversche Fachanwältin Kirsten Reimers. „Die meisten haben eine Odyssee hinter sich." Das Problem sei, so meinen Juristen und Betroffene, dass es keine klaren Regeln und keine abschließenden gesetzlichen Vorgaben gibt. Zwar hat der Bundesgerichtshof (BGH) seit 2002 mehrere Grundsatzurteile gesprochen, doch die rechtliche Lage bleibt unübersichtlich.
   2006 entschied der BGH, dass der Elternunterhalt nicht die „gewählte Lebensstellung" der Kinder gefährden dürfe. Was dies im Einzelfall bedeutet, ist eine hochkomplexe Rechenaufgabe mit vielen  Unbekannten. Beim Einkommen gilt ein Nettoverdienst bis zur Grenze von 1.400 Euro als unantastbar. Jeder Euro zusätzlich kann zu 50 Prozent vom Sozialamt zur Begleichung der Pflegekosten eingefordert werden. Doch was ist mit dem Ersparten oder dem vermieteten Eigenheim, das den Lebensstandard im Alter sichern sollte? Bei der Berechnung des „Notgroschens", der nicht für den Elternunterhalt zur Verfügung steht, werden fünf Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens seit Berufseinstieg zuzüglich einer vierprozentigen Verzinsung als angemessene Altersvorsorge hochgerechnet.
  Was sinnvoll klingt, kann paradoxe Folgen haben. So auch im Fall von Anita Möller. Die 65-Jährige, die mittleweile eine Rente von 670 Euro bezieht, hat eine typische Frauenberufskarriere. Als die Kinder zur Welt kamen, setzte sie aus. Später arbeitete sie in Teilzeit, bevor sie schließlich die Arbeitszeit erneut reduzierte, um ihre Eltern zu pflegen. Ihr Durchschnittsverdienst wurde mit 1.650 brutto berechnet. Der Bruder kam als Beamter auf mehr als das Doppelte - und erzielte damit auf der Basis der Berechnungsvorgaben des BGH einen um 100.000 Euro höheren Freibetrag als die Tochter. Ist das gerecht?
   „Eine strikte Umsetzung des Urteils des BGH wäre fatal gewesen", sagt die Juristin Reimers, die für die Familie Möller die Verhandlungen mit dem Sozialamt übernahm. Angesichts der geringen Rente wäre ein höherer Freibetrag nötig gewesen. Am Ende einigte man sich auf einen außergerichtlichen Vergleich. Die Nachforderung von 24.000 Euro schrumpfte auf 12.000 Euro. Kirsten Reimers hätte gern ein Urteil erstritten, damit es nicht anderen so ergeht wie ihren Mandanten. Aber Anita Möller und ihr Bruder wollten die Akte gern schließen.
   Nicht alle geben sich mit kleinen Erfolgen zufrieden. Seit Monaten werben die Verfasser einer Petition an den Bundestag um Mitstreiter und „für klare Gesetze und Gerechtigkeit". Auch sie beklagen, dass es keine verbindliche Berechnungsmethode gebe. Das Vorgehen der Sozialämter sei sehr unterschiedlich, der Verwaltungsaufwand enorm. 90 Prozent würden nach Aussagen von Fachanwälten den Elternunterhalt zu hoch ansetzen. Bereits vor Jahren stritt der Deutsche Juristinnenbund über Konsequenzen und eine mögliche Abschaffung des Unterhalts zulasten der öffentlichen Kassen. Am Ende empfahl man, das Thema „nur sehr behutsam anzugehen". Den Petitionsverfasser ist eins wichtig: „Jeder sollte wissen, mit welchem Betrag er im Fall der Heimbedürftigkeit der Eltern rechnen muss." HAZ090218GabiStief

Damoklesschwert Elterunterhalt. Wenn Mutter oder Vater im Alter Pflege bedürfen,
müssen oft die Kinder zahlen. Es gibt Möglichkeiten, die Unterhaltskosten in Grenzen zu halten.

   Die Finanzierung für das Haus steht, die Kinder sind ausgezogen und selbstverständlich ist für alle möglichen Eventualitäten vorgesorgt: Die Risikolebensversicherung, falls der Haupternährer der Familie stirbt, die Berufsunfähigkeitsversicherung, falls die Arbeit nicht mehr ausgeübt werden kann und die Haftpflicht wurden vor Jahren abgeschlossen. Über Gebäude-, Elementar- und Hausratpolicen sind Hab und Gut gesichert. Und auf dem Tagesgeldkonto befindet sich ein Notgroschen - falls Auto oder Waschmaschine den Geist aufgeben. Alles in allem vorbildlich.
   Doch dann tritt ein, was nicht geplant ist und wofür oft kein Plan existiert: Vater oder Mutter kommen nicht mehr alleine zurecht, benötigen Hilfe oder einen Platz in einem Pflegeheim. Die Pflege erfordert nicht nur viel Zeit und Organisationstalent – insbesondere der stationäre­ Aufenthalt geht auch ins Geld. Ein Heimplatz in der Pflegestufe III kostet laut Pflegestatistik 2013 durchschnittlich 3.017 Euro im Monat. Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt in diesem Fall 1.612 Euro, in Härtefällen 1995 Euro. Die Lücke von mindestens 1.405 beziehungsweise 1.022 Euro müssen - sofern keine private Pflegeversicherung besteht - die Betroffenen aus eigener Tasche zahlen.
   Reichen Vermögen und Renten der Eltern nicht, um die Rechnungen des Pflegeheims zu begleichen, springt zunächst das Sozialamt ein. Doch die Behörde versucht, sich das Geld von den Kindern zurückzuholen. Schließlich sind Verwandte in gerader Linie zum Unterhalt verpflichtet. So sieht es Paragraph 1601 des Bürgerlichen Gesetzbuches vor. Das gilt selbst dann, wenn das Verhältnis zerrüttet war und über viele Jahre kein Kontakt bestand Az. XII ZB 607/12.
   Landet der Brief vom Sozialamt im Briefkasten, fürchten viele um ihren Lebensstandard. „Zu Unrecht", sagt Jörn Hauß, Fachanwalt für Familienrecht. Im Schnitt zahlen die Sozialämter zwischen 500 und 1.000 Euro im Monat. Kinder, die überhaupt zahlen müssen, werden im Durchschnitt mit rund 220 Euro im Monat zur Kasse gebeten, weiß der Duisburger Elternunterhalts-Spezialist aus seiner langjährigen Beratungstätigkeit. Schließlich urteilten die Richter des Bundesgerichtshofs schon 2002, dass der Lebensstandard der Kinder im Fall des Elternunterhalts geschützt ist Az. XII ZR 266/99. Doch wer nicht zu viel zahlen möchte, sollte sich von einem Anwalt beraten lassen.
   Die Bundesbürger werden immer älter, die Zahl der Pflegebedürftigen wird daher in den kommenden Jahren steigen. Das Statistische Bundesamt rechnet bis 2030 mit 3,4 Millionen Pflegefällen. 2013 waren es 2,6 Millionen, von denen 29 Prozent vollstationär in Heimen betreut wurden. Trotzdem bleibt das statistische Unterhaltsrisiko laut Jörg Hauß gering.
   Bundesgerichtshof und Bundesverfassungsgericht haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Urteile zugunsten der Kinder gefällt und so in vielen Punkten Klarheit geschaffen, wie die Höhe eines möglichen Elternunterhalts konkret zu berechnen ist. Um festzustellen, wie hoch der Betrag ausfällt, den Sohn oder Tochter überweisen müssen, wird zunächst das anrechenbare bereinigte Nettoeinkommen ermittelt. „Das bereinigte Nettoeinkommen entspricht nicht dem Nettoeinkommen", sagt Michael Baczko, Fachanwalt für Sozialrecht in Erlangen. Denn von ihrem Nettoeinkommen können die Kinder verschiedene Aufwendungen wie beispielsweise den Unterhalt für die eigenen Sprösslinge, ihre Altersvorsorge oder Ausgaben für Kredite oder den Beruf abziehen. Hinzu kommt ein Mindestselbstbehalt in Höhe von 1.800 Euro bei Alleinstehenden beziehungsweise 3.240 Euro bei Verheirateten, den das Amt nicht antasten darf.

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   Nehmen wir ein Beispiel: Ein Alleinstehender hat ein Nettoeinkommen von 2.800 Euro. Von diesem können fünf Prozent berufsbedingte Aufwendungen, also 140 Euro, abgezogen werden. Hinzu kommen Monat für Monat fünf Prozent des Bruttoeinkommens, den der Alleinstehende in seine Altersvorsorge investieren kann BGH XII ZR 98/04. Zieht er weitere berücksichtigungsfähige Ausgaben wie beispielsweise für Zins und Tilgung eines Konsumentenkredits in Höhe von 110 Euro ab, ergibt sich in seinem Fall ein bereinigtes Nettoeinkommen von 2.300 Euro. Dieses übersteigt den Selbstbehalt für Alleinstehende um 500 Euro. In einem nächsten Schritt wird der Selbstbehalt um 50 Prozent des übersteigenden Beitrags erhöht. In unserem Beispiel wären dies summa summarum 2.050 Euro (1.800 Euro plus 250 Euro). Der Alleinstehende muss demnach 250 Euro (2.300 Euro minus 2.050 Euro) Elternunterhalt im Monat zahlen siehe Grafik.
   Doch Kinder müssen nicht nur ihr Einkommen offen legen. Die Behörde interessiert sich auch für deren Vermögen. Eines vorweg: Das Eigenheim muss nicht beliehen oder veräußert werden, um die Pflegekosten der Eltern bezahlen zu können. Das geht aus Urteilen des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2005 AZ. BvR 1508/61 und des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2013 Az. 269/12 hervor. Neben den eigenen vier Wänden akzeptieren die Behörden zudem eine Altersvorsorge Az. XII ZB 269/12. Deren Höhe berechnet sich wie folgt: Für jedes Berufsjahr können Sohn oder Tochter fünf Prozent ihres letzten Bruttolohns zurücklegen. Diese Summe wird trotz der aktuell doch recht dürftigen Zinsen fiktiv für jedes Berufsjahr mit vier Prozent aufgezinst.
   Ein Beispiel: Die 60-jährige Tochter verfügt über ein Bruttoeinkommen von 60.000 Euro. Sie ist seit 25 Jahren berufstätig. Legt sie jedes Jahr fünf Prozent ihres Bruttolohns für die Altersvorsorge zurück, ergeben sich nach 25 Jahren ein Altersvorsorgevermögen von rund 125.000 Euro, das neben der selbst bewohnten Immobilie zum Unterhalt nicht herangezogen werden darf. Dabei ist unerheblich, ob das Geld in Aktien, Fonds, Sparplänen oder Versicherungen investiert ist. Bei Selbstständigen akzeptieren die Behörden sogar 25 Prozent des Bruttoeinkommens als Altersvorsorge. Auch können Sohn oder Tochter 10.000 Euro für Anschaffungen wie Auto oder Modernisierungsmaßnahmen am Eigenheim zurücklegen. Das darüber hinausgehende Vermögen kann für den Elternunterhalt herangezogen werden. „Doch nur wenige Leute verfügen überhaupt über das zulässige Schonvermögen", weiß Fachanwalt Hauß aus seiner Beraterpraxis.
   Etwas komplexer fällt die Berechnung bei Ehepaaren aus. Denn auch das Einkommen des Schwiegerkindes wird mit berücksichtigt, um die Höhe des Elternunterhalts zu ermitteln. In diesem Fall ist entscheidend, wie hoch das Familieneinkommen ist und wie hoch der Prozentsatz ausfällt, den der Unterhaltspflichtige dazu beiträgt.

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   Baczko erläutert dies an folgendem Beispiel: Das Einkommen des unterhaltspflichtigen Ehemannes beträgt 3.000 Euro, das der Ehefrau 1.000 Euro. Das gesamte Familieneinkommen liegt damit bei 4.000 Euro, wozu der Ehemann 75 Prozent beiträgt. Nach Abzug des individuellen Familienbedarfs in Höhe von 3.582 Euro bleiben 418 Euro übrig.
   Da streng genommen nur der Ehemann gegenüber seinen Eltern unterhaltspflichtig ist, muss dieser monatlich 313,50 Euro (75 Prozent von 418 Euro) Elternunterhalt zahlen siehe Grafik. Das Vermögen des nicht unterhaltspflichtigen Partners bleibt dabei außen vor.
   Gerade bei Eheleuten gibt es daher Gestaltungsmöglichkeiten. „Das Vermögen lässt sich unter Eheleuten geschickt aufteilen", sagt der Konstanzer Rechtsanwalt und Vorsitzender des Instituts für Erbrecht, Elmar Uricher. Ein Beispiel: Ein Ehepaar besitzt ein Eigenheim und zwei Wohnungen, die vermietet sind. Haben die Eltern der Frau kaum Vermögen, könnte das Eigenheim an die Frau überschrieben werden, die Mietwohnungen an den Mann. Wenn der Pflegefall der Eltern jedoch absehbar oder eingetreten ist, ist eine derartige Gestaltung nicht mehr möglich. Nehmen Eheleute Vermögensumschichtungen vor, um langfristig keinen Elternunterhalt zahlen zu müssen, sollten sie aber auch den Fall der eigenen Scheidung bedenken. „Für diesen Fall sollten Rückfallklausen aufgenommen werden, wonach das an den anderen Ehegatten übertragene Vermögen im Scheidungsfall wieder in ihn zurückfällt", rät Uricher.
   Geschwister werden anteilig nach ihrer Leistungsfähigkeit zur Kasse gebeten. Um es kurz zu machen: Der Fleißige muss zahlen, der Hallodri nicht. „Das führt insbesondere bei schwäbischen Gemütern zu Irritationen", sagt Hauß. Und oft auch zu Streitigkeiten und Missgunst. Schließlich kann es sein, dass ein Kind kaum Vermögen und nur ein geringes Einkommen hat und daher nichts zum Elternunterhalt beitragen muss, während der besser betuchte Bruder, nachdem anrechenbares bereinigtes Nettoeinkommen und Schonvermögen ermittelt sind, einige Hundert Euro im Monat zahlen muss.
   Wenn der Brief vom Sozialamt im Briefkasten liegt, empfiehlt es sich, einen Anwalt zu konsultieren. „Häufig lassen sich die Forderungen des Amtes reduzieren", berichten Baczko und Hauß. Nicht immer seien die Berechnungen der Sozialämter korrekt, und mitunter vergessen Kinder Ausgaben, die die Unterhaltslast drücken.
   Wer seinen bedürftigen Eltern freiwillig oder vom Amt genötigt unter die Arme greift, kann die Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art in seiner Steuererklärung verrechnen. Die Ausgaben akzeptieren die Beamten in unbegrenzter Höhe. Bevor sich jedoch der erste Euro steuermindernd auswirkt, müssen die Kinder zunächst eine zumutbare Belastung aus eigener Tasche zahlen. Wie hoch diese ausfällt, hängt von der Höhe des Einkommens, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder ab.
   Die zumutbare Belastung können Sohn oder Tochter auch als haushaltsnahe Dienste verrechnen. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn das Kind vom Pflegedienst oder Heim eine Rechnung erhält und den Betrag an den Leistungsbringer überweist. Für all diejenigen, die den Betrag an das Amt überweisen, besteht diese Möglichkeit jedoch nicht Finanzgericht Baden-Württemberg 6 K 2688/14.

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   Wer im Alter nicht in die Bredouille kommen möchte, kann eine private Pflegeversicherung abschließen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass diese bereits ab Pflegestufe I zahlt. Wenn lediglich Pflegestufe III abgesichert ist, wäre das Geld für die Police sicher sinnvoller in einen schönen Urlaub investiert. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Ernstfall eintritt und die Versicherung zahlen muss, ist - auch wenn die Bundesbürger immer älter werden - nicht allzu groß. 2013 waren gerade einmal 11,8 Prozent aller Pflegebedürftigen in Stufe III eingruppiert.
FAZ150711BarbaraBrandstetter .Die Autorin ist Professorin für Wirtschaftsjournalismus an der Hochschule Neu-Ulm.

Auch ohne Ehe weniger Unterhalt

 Der Bundesgerichtshof stärkt die Rechte unverheirateter Eltern. Partner, die in einer nichtehelichen Familie zusammenleben, müssen künftig weniger Pflegekosten für ihre gebrechlichen Eltern bezahlen als bislang. In solchen Fällen kann vom Einkommen des Betroffenen ein Betreuungsunterhalt für jenen Partner abgezogen werden, der die gemeinsamen Kinder betreut und deshalb keinen Beruf ausüben kann. Dies entschieden die Karlsruher Richter am Mittwoch in einem Grundsatzurteil. Das Gericht würdigte damit die freiwillige Familienleistung in nichtehelichen Partnerschaften. Einen gleichwertigen Anspruch auf einen Familienselbstbehalt wie Verheiratete haben die Partner aber noch nicht.
   Im konkreten Fall sollte sich der Kläger, der ein monatliches Nettoeinkommen von über 3.300 Euro hat, mit rund 270 Euro an den Pflegekosten für seinen Vater beteiligen, da dessen Rente und Pflegeversicherung dafür nicht ausreichten. Der Kläger verwies mit Blick auf sein Einkommen aber darauf, dass er in einer nichtehelichen Familie lebe. Er habe mit seiner Partnerin eine Ende 2008 geborene gemeinsame Tochter, die seine Partnerin zusammen mit ihren beiden Söhnen aus ihrer geschiedenen Ehe betreue. Sein Vater wird seit Jahren in seiner Berliner Wohnung von einem Pflegedienst betreut. Rente und Pflegeversicherung decken die Ausgaben nicht vollständig ab. Für den Rest kam das Land auf und forderte einen Teil des Geldes zurück. Der Sohn beansprucht aber einen über den eigenen Selbstbehalt von derzeit 1.800 Euro hinausgehenden Familienselbstbehalt, wie er Verheirateten eingeräumt wird. Dem Bundesgerichtshof zufolge steht solch ein Selbstbehalt laut Gesetz nur Verheirateten zu. Es müsse aber trotzdem berücksichtigt werden, wenn nicht verheiratete Eltern freiwillig zusammenleben, um einvernehmlich gemeinsame Kinder zu erziehen. Wer in solchen Konstellationen für die Pflegekosten seiner Eltern aufkommen soll, könne deshalb neben dem eigenen Selbstbehalt von derzeit 1.800 Euro monatlich auch noch einen Betreuungsunterhalt für seinen nicht erwerbstätigen Partner in Abzug bringen.
Aktenzeichen XII ZB 693/14.
FAZ160310

Neues Urteil: Pflege ist „Naturalunterhalt"

   Wenn erwachsene Kinder den Unterhalt ihrer pflegebedürftigen Eltern sichern müssen, können sie diese Pflicht auch durch Dienstleistungen statt durch Geldzahlungen erfüllen. Das ergibt sich aus einem Urteil des Oberlandes- gerichts Oldenburg, das jetzt veröffentlicht wurde Az.: 14 UF 134/09.
   Im entschiedenen Fall ging es um eine pflegebedürftige 95-Jährige, die in einem Seniorenheim für betreutes Wohnen lebt. Das Sozialamt forderte von ihrer Tochter, einen Teil der Heimkosten zu übernehmen, nämlich 105,81 Euro pro Monat. Vor dem OLG hatte die Behörde damit aber keinen Erfolg.
   Der 5. Senat für Familiensachen entschied, dass die Mutter ihre Unterhaltspflicht bereits umfassend durch „Naturalleistungen" erfülle: Die Mutter werde beim betreuten Wohnen zwar morgens und abends von Pflege- kräften versorgt; ansonsten betreue aber die Tochter täglich für mehrere Stunden die erblindete und demente Frau. Ohne diese Hilfe wäre die 95-Jährige auf stationäre Vollzeitpflege angewiesen, was die öffentlichen Kassen wesentlich mehr belasten würde.
   Zudem wäre es laut Urteil eine „unbillige Härte", wenn die Tochter noch mit zusätzlichen Geldzahlungen belastet würde, obwohl sie durch ihre Betreuungsarbeit bereits „in einem weit über das geschuldete Maß hinaus" ihre Unterhaltspflichten erfülle. Eine mögliche Revision beim Bundesgerichtshof ließ das OLG nicht zu. Das Sozialamt kann gegen diese Entscheidung aber eine „Nichtzulassungsbeschwerde" einlegen.  HAZ100125stg

Pflege wird besser honoriert - Durch Reform noch weitere 20.000 Euro steuerfrei

   Geschwister, Freunde und andere Mitglieder der Steuerklassen II und III können etwas mehr steuerfrei bekom- men, wenn sie den Verstorbenen kostenlos gepflegt haben. Außer dem persönlichen Freibetrag dieser Erben sind in solchen Fällen mit der Reform noch weitere 20.000 Euro steuerfrei. Bisher blieben nur zusätzliche 5.200 Euro von der Steuer verschont, wenn die Pflege kostenlos oder nur gering vergütet war.
   Bedingung: „Das Zugewendete ist als angemessenes Entgelt anzusehen", darf also nicht unverhältnismäßig hoch sein (was den Schluss zuließe, nicht allein die Pflegetätigkeit solle entgolten werden).
Tipp: Die Stiftung Warentest hält in ihrem neuen Ratgeber „Vererben und Erben" noch folgenden Tipp bereit: Damit derjenige, der Sie pflegt, den Freibetrag bekommt, müssen Sie möglichst im Testament festlegen, wie die Pflegeleistung angerechnet werden soll. Sie können sich zum Beispiel daran orientieren, wie viel die gesetzliche Pflegeversicherung für Pflegedienste zählt. So viel müsste die Finanzverwaltung pro Pflegemonat auch akzeptie- ren. In der höchsten Pflegestufe III können mehr als 17.600 Euro im Jahr zusammenkommen. Rein rechnerisch wird zuerst die Pflegeleistung aus dem Nachlass vergütet. Nur das restliche Erbe wird dann unter den gesetz- lichen Erben verteilt.
   Wer seinen Angehörigen gepflegt hat, kann nach dem neuen Erbschaftsteuergesetz von einem höheren Freibetrag ausgehen. NOZ090324wam

Pflege steuerlich absetzen

   Pflege- und Betreuungsleistungen können als haushaltsnahe Dienstleistungen beim Finanzamt geltend gemacht werden. Absetzen lassen sich 20 Prozent von Aufwendungen bis zu 20.000 Euro, höchstens also 4.000 Euro pro Jahr, erklärt die Bundessteuerberaterkammer.
   Eine steuerliche Förderung gibt es aber nur dann, wenn die Aufwendungen nicht als Betriebsausgaben, Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden können.
Beispiel: Ein Steuerpflichtiger mit Pflegestufe 2 erhält Pflegesachleistungen und Betreuungsleistungen, für die er einen professionellen Pflegedienst in Anspruch nimmt. Von den anfallenden Kosten von 1.400 Euro monatlich übernimmt die Pflegeversicherung 980 Euro und einen zusätzlichen Kostenersatz von 100 Euro.
Die Abrechnung sieht wie folgt aus: 1400 mal 12 ergibt Gesamtkosten in Höhe von 16.800 Euro. Angerechnet darauf werden die Leistungen der Pflegeversicherung in Höhe von 12.960 Euro (980 plus 100 Euro mal 12). Zieht man diese Summe von den Gesamtkosten ab, bleiben 3.840 Euro übrig. Davon können 20 Prozent (768 Euro) als Steuerermäßigung in Anspruch genommen werden. NOZ120221dpa

Steuerbonus für betreutes Wohnen - Betroffene sollten Kosten angeben

   Die Kosten für ein Beschäftigungsverhältnis im Haushalt können häufig von der Steuer als haushaltsnahe Dienstleistungen angegeben werden. Dieser Steuerbonus gilt auch für „Dienstleistungen zur Pflege am Menschen", wie der Körperpflege, Hilfe beim Einkauf oder Betreuung. Dafür kann die Steuerschuld im Jahr um 20 Prozent der Aufwendungen, maximal 4.000 Euro, reduziert werden.
 „Als Haushalt gilt dabei auch ein Heim", sagt Constanze Grüning vom Bund der Steuerzahler. Daher können Heimbewohner von diesem Steuerbonus profitieren, wenn in der Seniorenresidenz Beiträge für eine haushaltsnahe Dienstleistung oder Handwerker­leistung anfallen, die alle Voraussetzungen für die steuerliche Berücksichtigung erfüllen. Ob allerdings auch Seniorenwohnformen dazugehören, die nicht unter den Heimbegriff fallen, muss noch geklärt werden. Das Finanzgericht Nürnberg ließ die Kosten zum Abzug zu. Der Bundesfinanzhof muss diese Frage abschließend noch beurteilen. HA141025dpa

Neues Erbrecht belohnt Pflegende

   2010 ist die Reform des Erbrechts in Kraft getreten. Angehörige, die den Verstorbenen gepflegt haben, haben bei der Aufteilung des Erbes Anspruch auf einen finanziellen Ausgleich für ihre Fürsorge. Zudem ist es nun schwieriger, einen Angehörigen, dem ein Pflichtteil zusteht, per Testament gänzlich zu enterben. Auf die Änderun- gen weist die Zeitschrift „Test" hin.
   Der finanzielle Ausgleich für eine Pflegeleistung wird jetzt vor der Aufteilung des Erbes dem pflegenden Ange- hörigen zugeschlagen. Bislang bekommen beispielsweise Sohn und Tochter jeweils die Hälfte des Vermögens, wenn ihre alleinstehende Mutter ohne andere Regelungen im Testament stirbt. Falls die Tochter ihre Mutter ge- pflegt hat, erhält sie nun künftig bei einem Erbe von 100.000 Euro zunächst 20.000 Euro für die Pflegeleistung. Nur die verbleibenden 80.000 Euro werden aufgeteilt.  Insgesamt erhält damit die Tochter 60.000 Euro und der Sohn 40.000.
   Angehörige, denen zumindest ein Pflichtteil des Erbes zusteht, können bislang nur bei „ehrlosem, unsittlichem Lebenswandel" gänzlich enterbt werden. Nun ist der Entzug zulässig, wenn der Erbe zu einer Haftstrafe von min- destens einem Jahr ohne Bewährung verurteilt wurde. Zudem darf der Pflichtteil entzogen werden, wenn der Angehörige dem Erblasser, seinem Lebenspartner oder seinen Kindern nach dem Leben getrachtet hat.
   Bei der Berechnung des Pflichtteils zählen Schenkungen der letzten zehn Jahre mit. Künftig werden aber nur noch Schenkungen im ersten Jahr vor dem Erbfall voll angerechnet. NOZ091114

Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Niedersachsen:
Private Pflegezusatzversicherung - Verbraucherzentrale bietet kostenlosen Vergleich an

   Rund 2,25 Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit pflegebedürftig. Viele werden dabei zu Hause von Angehörigen oder Pflegediensten versorgt. Wer Unterstützung bei der Pflege oder Versorgung braucht, hat An- spruch auf Leistungen der Pflegepflichtversicherung. Häufig können die laufenden Kosten für eine Pflegekraft oder einen Platz im Pflegeheim vom Pflegebedürftigen nicht gezahlt werden. Familienangehörige können dann ver- pflichtet werden, für den Restbetrag aufzukommen. Der Abschluss einer Pflegezusatzversicherung kann dann sinnvoll sein, um die Lücke zwischen der gesetzlichen Pflegeversicherung und den tatsächlichen Kosten zu schlie- ßen. Finanzielle Notlagen im Pflegefall können so vermieden werden.
   Bei der Pflegezusatzversicherung wird zwischen Pflegekosten- und Pflegetagegeldversicherung unterschieden. Die Pflegekostenversicherung übernimmt nur entstandene Kosten, wenn professionelles Pflegepersonal einge- setzt wurde. Die Pflegetagegeldversicherung gewährt den vereinbarten Tagessatz bei Feststellung der ent- sprechenden Pflegestufe. Der Pflegebedürftige ist dabei völlig frei in der Verwendung des Pflegetagesgeldes.
Kostenloser Service für Verbraucher*
   Die Verbraucherzentrale Niedersachsen bietet Interessierten www.vzniedersachsen.de einen kostenlosen EDV- gestützten Vergleich zur privaten Pflegezusatzversicherung an. Verbraucher erhalten damit einen Überblick über Kosten und Leistungen der privaten Pflegezusatzversicherung und können besser bewerten, ob und wann eine Pflegekosten- oder eine Pflegetagegeldversicherung sinnvoll ist. Ein Fragebogen kann heruntergeladen und aus- gefüllt an info@vzniedersachsen.de gemailt werden. Der Fragebogen ist auch in allen Beratungsstellen der Verbrau- cherzentrale erhältlich. Adressen und Öffnungszeiten in Osnabrück: Die kostenlose Info-Mappe gibt es in der Verbraucherberatung, Große Str. 67, während der Öffnungszeiten montags und donnerstags von 10 bis 13 Uhr und 13.30 bis 18 Uhr, dienstags von 10 bis 13 Uhr. 
Pflegemappe informiert Pflegebedürftige bei häuslicher Pflege*
   Weitere Informationen und Hinweise rund um das Thema "Häusliche Pflege" bietet die Mappe "Pflege - trans- parent – Informationen für Pflegebedürftige bei häuslicher Pflege" der Verbraucherzentrale. Sie erläutert, wer An- spruch auf Leistungen hat und was bei der Antragstellung zu beachten ist und erklärt, was zu bedenken ist, wenn die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst oder eine Pflegeperson erfolgen soll. Ferner gibt sie Tipps, welche Pflegehilfsmittel im eigenen Heim die Pflege erleichtern und welche Leistungen für Pflegepersonen bestehen. Checklisten bieten einen schnellen Überblick und helfen bei den wichtigen Entscheidungen. Die kostenlose Info-Mappe gibt es in allen Beratungsstellen.  
*Projektförderung durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit. 0904

cuPalliativmed.OS-xx cuPallitativmed.OS-xx

Deutschlandweit einmaliges Angebot. Qualifikation zum Palliativpfleger und Palliativmediziner
 so nur in Osnabrück möglich. Foto von links: Das Team für qualifizierte Hospiz- und Palliativarbeit:
Reinhold Kassing, Ulrich Barlag, Kirsten Frankenberg, Maria Lindemann, Winfried Hardinghaus,
Kerstin Moldenhauer, Hansjörg Hermes, Bernhard Greitemann und Hartmut Remmers.

  Ein in dieser Form einmaliges Qualifikationsangebot hat das Institut für Gesundheit und Bildung Osnabrück (IFGB) jetzt vorgestellt. Ärzte, Pfleger, Sozialarbeiter, aber auch in der Palliativversorgung ehrenamtlich Tätige können sich hier zum Palliativmedizinier oder Palliativpfleger weiterbilden.
   Dieses interdisziplinäre Angebot hat das IFGB in Zusammenarbeit mit dem Hospiz- und Palliativstützpunkt Osnabrück, dem Bildungszentrum St. Hildegard, der Akademie des Klinikums Osnabrück GmbH und der Universität Osnabrück aus der Taufe gehoben.
  Im Klinikum Osnabrück informierten sich nun die infrage kommenden Berufsgruppen über die Weiterbildung, die im Mai 2009 beginnt und über ein knappes Jahr laufen wird. Der Leiter der Niedersächsischen Koordinierungs- und Beratungsstelle für Hospizarbeit und Palliatiwersorgung, Winfried Hardinghaus, wies auf den besonderen Status des Angebots hin. „Das IFGB ist der einzige Bildungsanbieter in Deutschland, bei dem Ärzte, Pflegende, Ehren- amtliche, Seelsorger und Angehörige psychosozialer Berufe gemeinsam den Umgang mit Palliativpatienten er- lernen." Das Angebot sei von langjährig erfahrenen Praktikern aus der Region entwickelt worden, die sich in einer Arbeitsgruppe unter der Leitung des Hospiz- und Palliativstützpunktes zusammengefunden haben.
   Bernhard Greitemann, erster Vorsitzender des IFGB, hob die besondere Bedeutung der Weiterbildung für das Institut hervor: „Die Bevölkerung wird immer älter, sodass der Bedarf an palliativer Versorgung stetig steigt." Deshalb sei das Thema Palliativmedizin für die Mitgliedseinrichtungen sehr wichtig. „Wir bieten mit der Weiter- bildung ein Paradebeispiel für interdisziplinäre Zusammenarbeit", so Greitemann.
   Der Erste Kreisrat Reinhold Kassing freute sich über das neue Angebot im Osnabrücker Land: „Damit bauen wir unsere regionalen Kompetenzen bei der Versorgung mit Schwerkranken und Sterbenden weiter aus." Mit der Fort- bildungsmaßnahme sei ein weiterer Leuchtturm für die gesamte Region entstanden.
   Der Geschäftsführer des Klinikums Osnabrück und Vorstandsmitglied, Hansjörg Hermes, dankte der Geschäfts- führerin des IFGB Kirsten Frankenberg, der Leiterin der Akademie des Klinikums, Kerstin Moldenhauer, und dem Leiter des Bildungszentrums St. Hildegard, Ulrich Barlag: „Die große Kooperationsbereitschaft der drei Bildungs- anbieter macht dieses innovative Qualifizierungsangebot möglich." Anmeldungen für die Weiterbildung sind noch möglich beim Institut für Gesundheit und Bildung Osnabrück e.V.; Kontakt unter Telefon 05424/220-100.NOZ090224

Forschung: „Intelligentes Zuhause" für Demenzkranke

   In nicht allzu ferner Zukunft könnten innovative Sensor-Systeme Demenzkranken den Alltag erleichtem. Die von britischen Forschern entwickelte Technik registriert Bewegungen und Tätigkeiten eines Patienten und gibt verbale Hilfestellungen. So erinnert das System etwa daran, den Wasserhahn zuzudrehen oder den Herd auszuschalten. Außerdem kann es Lichtschalter oder Haushaltsgeräte auch direkt ansteuern und an- oder abschalten. Zwei Testsysteme dieses „intelligenten" Zuhauses funktionieren bereits seit mehr als einem Jahr erfolgreich in zwei Londoner Pflegeheimen. HA090305wsa

cura-g-Pflege-xx       Die Haushaltshilfe darf auch pflegen

 Legaler Weg für Kräfte aus Osteuropa ist frei
Ausländische Haushaltshilfen dürfen auch bei der häuslichen Pflege unterstützen.

   Zehntausende Frauen aus Osteuropa kümmern sich in deutschen Familien um Pflegebedürftige. Die Helferinnen aus Polen, Tschechien oder Ungarn sind angesichts immenser Pflegekosten oft die einzig bezahlbare Entlastung für erschöpfte Angehörige, die Schwerkranke rund um die Uhr zu Hause versorgen wollen. Das Geschäft mit der Vermittlung ausländischer Hilfskräfte boomt, vor allem im Internet. Doch so manche Agentur arbeitet am Rand der Legalität. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich über die Agentur für Arbeit eine Hilfe aus dem Ausland in den Haushalt holen.
   Seit dem 24. Dezember 2009 dürfen legal beschäftigte Polinnen oder Tschechinnen jetzt auch einfache „pflege- rische Alltagshilfe" leisten. So etwas hatte der Gesetzgeber bisher nicht erlaubt. Die Frauen konnten seit 2005 offiziell nur als Haushaltshilfe angestellt werden. Die Pflege von Patienten war ihnen ausdrücklich verboten - was. in der Praxis häufig zur rechtlichen Gratwanderung wurde. Was gehört noch zur Hausarbeit, und wo beginnt die Pflege?
   Das ist nun besser geklärt. Jetzt dürfen die Helferinnen aus Osteuropa nicht nur Essen kochen, sondern den Kranken auch damit füttern. Muss der Pflegebedürftige zur Toilette, dürfen sie ihn auch offiziell dabei unterstützen. Bis vor Kurzem hätte ihm nur ein Angehöriger oder ein Profi, vom ambulanten Pflegedienst dabei helfen dürfen. Der Gesetzgeber erlaubt jetzt alles, wofür keine Ausbildung nötig ist. Dazu gehört das An- und Ausziehen der Pfle- gebedürftigen, die Unterstützung beim Aufstehen und Zubettgehen, beim Waschen, Baden, Duschen, Kämmen, bei der Haut-, Mund- oder Nagelpflege. Auch zur Hand gehen beim Rasieren oder bei der Zahnpflege sind nun legal möglich.
   „Die Änderung ist allerdings noch nicht so publik", erklärt Beate Raabe von der Zentralen Auslands- und Fach- vermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit in Bonn. Weiterhin tabu bleiben Arbeiten der Behandlungspflege wie Verband wechseln, Spritzen geben oder Medikamente reichen. Das muss ausgebildetem Fachpersonal über- lassen werden. Die Kosten dafür trägt die Pflegerespektive die Krankenkasse.
  Wichtig: Die Bezahlung ist nicht frei aushandelbar. Die Osteuropäerin muss nach Tarif bezahlt werden. Die Bruttolöhne liegen derzeit zwischen 1.099 und 1.353 Euro. Dazu kommen Sozialabgaben, beispielsweise für die Krankenversicherung. Man sollte Zusatzkosten von 20 bis 30 Prozent einkalkulieren.
   Als Arbeitszeit gilt die 38,5-Stunden-Woche sowie ein Urlaubsanspruch von bis zu 30 Tagen. Mehrleistung muss als Überstunden bezahlt werden. Werden Unterkunft und Verpflegung gestellt, dürfen gut 380 Euro vom Brutto- lohn abgezogen werden. Außerdem hilft der Fiskus mit. Das sozialversicherungspflichtige Engagieren einer osteu- ropäischen Haushaltshilfe gilt als sogenannte haushaltsnahe Dienstleistung. Ausgaben bis maximal 4.000 Euro können in die Steuer gepackt werden. Um diesen Betrag sinkt die Steuerlast.
  Günstiger als deutsche Pflegedienste komme die offizielle Vermittlung durch die Arbeitsagentur allemal, sagen Fachleute. Bei einer Rund-um-die-Uhr-Versorgung könnten sich die Kosten schnell auf bis zu 5.000 Euro sum- mieren.
   Der Weg über die ZAV ist in Deutschland der einzig gesicherte Weg, an eine legale Haushaltshilfe zu kommen. Zwar gibt es auch Vermittler, die ganz offen übers Internet ihre Dienste anbieten. Doch Modelle, wonach eine Hilfe in ihrer Heimat angestellt ist und nur monatsweise nach Deutschland entsandt wird, sind rechtlich sehr umstritten und könnten als Schwarzarbeit ausgelegt werden.
   Auf dünnem Eis bewegt sich auch, wer sich eine ausländische Betreuerin ins Haus holt, die in Deutschland ein Gewerbe angemeldet hat. HAZap100503BerritGräber

So engagieren Sie eine legale Hilfe

   Wer eine Haushaltshilfe aus Osteuropa offiziell in Vollzeit beschäftigen will, muss sich an seine örtliche Agentur für Arbeit wenden. Die Vermittlung von Kräften aus Polen, Tschechien, Ungarn, Bulgarien oder Rumänien läuft dann über die ZAV und ist kostenfrei.
   Eine ausländische Kraft kann bis zu drei Jahre legal angestellt werden. Vorher wird geprüft, ob es deutsche Bewerber für die Stelle gäbe. Das dauert in der Regel etwa sieben Wochen. Etwas schneller kann es gehen, wenn Pflegebedürftige und ihre Angehörigen selbst eine Hilfe finden und diese der Behörde melden.
   Wer eine illegale Hilfe aus der Schwarzarbeit herauslösen und offiziell anmelden will, kann sich ebenfalls an die Arbeitsagentur wenden, ohne unangenehme Nachfragen befürchten zu müssen.
Informationen zur Vermittlung und zu den Kosten bieten die örtlichen Arbeitsagenturen sowie die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn, Telefon 0228 – 713 14 14,
eMail: zav.bonn.Haushaltshilfen@arbeitsagentur.de 
   Hintergrundinformationen gibt es online unter www.arbeitsagentur.de (auf der Startseite „Bürgerinnen & Bürger" anklicken, dann „Arbeit und Beruf", dann „Vermittlung", schließlich „Haushaltshilfen"). HAZ100503ap

Marga reicht Salat, aber eine Polackin ist sie nicht

   Pünktlich rollt der Kleinbus mit dem polnischen Kennzeichen auf den Garagenhof. Am Steuer des futuristisch an- mutenden Wagens mit lang heruntergezogenen Fenstern sitzt ein junger Mann. Hinten, in der dritten Sitzreihe, das muss Marga sein, mit dem blonden Pferdeschwanz. Sie sucht ihre Sachen zusammen, steigt aus und holt einmal tief Luft. Die anderen Frauen im Bus rufen ihr einen Abschiedsgruß zu. Sie sehen erschöpft aus. Die Fahrt aus Kattowitz war lang, acht Stunden, aber noch sind sie nicht am Ziel. Es geht weiter nach Koblenz.
   Marga hat zwei schwere Gepäckstücke, die sie später auspackt: Kleidung für drei Monate, Fotos ihrer beiden Kinder, einer Tochter, die Abitur machen wird, während Marga in Frankfurt das alte Ehepaar pflegt, und eines Sohnes, der studiert. „Ich muss arbeiten", sagt Marga. Sie ist 50 Jahre alt, schlank und hochgewachsen und zieht ihre beiden Kinder als Witwe seit sieben Jahren allein groß. Seit vier Jahren arbeitet sie als polnische Pflegekraft in Deutschland, nach dem Modus „3,2", wie es im Vertrag heißt. Das heißt, sie ist drei Monate im Ausland und zwei daheim in Kattowitz, 46 Quadratmeter mit kleinem Balkon.
   Was im neuen Haushalt auf sie zukommt, Alter, Krankheitszustand, weiß sie nur andeutungsweise. „Ich bin Polin", sagt sie bei der Begrüßung, beugt sich zu den alten Leuten hinab und zieht Geschenke aus der Tasche, ein Kästchen mit Marzipan und ein Paar geräucherte oberschlesische Dauerwürste, die würzig riechen.
  Drei Monate lang wird Marga ihre Dreiwortsätze verbreiten, die Komposita umdrehen, wenn sie die „Suppe- tomate" auf den Tisch stellt. Ihr Ausruf: „Gemüse, gesuund" wird ins Familienvokabular eingehen und auch die Formulierung „Nein, ist!" auf die Frage beim Einkauf, ob sie Dosenmilch brauche. Die Katholikin wird den Papst zitieren, wenn es hoch hergeht bei der Pflege, und sagen: „Ich rufe Papa Benedikt an, habe Nummer." Sie wird immer dann, wenn sie nichts versteht, ihren Pferdeschwanz schwenken und sagen: „Ich bin Polin, ich habe 100 Stunden Deutsch."
   Aber sie wird auch zwei- bis dreimal in der Nacht aufstehen, dem Patienten Wasser und Schokolade reichen, ihn beruhigen und dann wach liegen und sich um ihre Kinder sorgen. Wird tagsüber die Wohnung putzen, den Patien- ten waschen. anziehen und mit dem Rollator ins Wohnzimmer bringen, wird kochen, die Tabletten viermal täglich nicht vergessen und pünktlich um zwölf Uhr das Essen auf den Tisch stellen: Suppetomate, Salat und ein Hauptgericht, dreimal Fleisch in der Woche, einmal Fisch und zweimal vegetarisch. Mit Marga wird der Obstsalat zur Regel.
     Marga ist die erste Polin in diesem Haushalt, eine Garantie dafür, dass das Ehepaar nicht ins Heim muss. Für die alten Leute ist Marga ein Fremdkörper im Haus, an den sie sich gewöhnen müssen. Öfter als früher kommt der alte Mann auf seine Kriegsjahre zu sprechen. In seiner Erziehung war Polen nicht gut weggekommen. Jetzt ist eine Polin seine Rettung. Wenn er verwirrt ist, wird er sie als Polackin beschimpfen, und Marga wird sich empört wehren. Sie hasst dieses Wort.
   Beim Abschied werden alle weinen, das alte Ehepaar, weil es sich an Margas Fürsorglichkeit gewöhnt hat, und Marga, weil sie Herz hat und doch noch nicht heim nach Kattowitz fahren kann. Ihr Kühlschrank ist kaputt- gegangen, ihr Sohn hat in den Semesterferien keinen Job gefunden. In solchen Augenblicken werden die Falten um den Mund scharf. Ihre nächste Station ist Köln. „Keln", sagt sie, „Haus mit Garten, ich schneide Gras, nur eine alte Dame, das ist wie Ferien." Diesmal fährt sie mit dem Zug. FAZ09084Martina Dreisbach

cura-PflegePL-z Bezahlbare Pflege zu Hause: 24 Stunden Pflege für 1.500 Euro

Caritas und Privatfirmen vermitteln in Niedersachsen legal Polinnen

   Die Nachfrage ist groß, das bisherige Angebot hat seine Tücken: Wer in Deutschland für einen pflegebedürftigen Angehörigen eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung sucht, kann diese oft nicht bezahlen - oder greift auf rechtlich nicht abgesicherte Helferinnen aus Polen zurück. Etliche Tausend Schwarzarbeiterinnen und Scheinselbstständige aus dem Nachbarland tummeln sich auf dem wachsenden Markt. In der etablierten Pflegebranche wurden die Frauen, die für Billiglohn arbeiten, bisher kritisch beäugt. Nun holt erstmals ein niedersächsischer Wohlfahrtsverband selbst Hilfskräfte aus Osteuropa in die Haushalte. Der Caritas-Landesverband Oldenburg bietet Familien einen Vermittlungsdienst an. „Wir wollen die polnischen Haushaltshilfen aus der rechtlichen Grauzone holen", sagt Alten- pflegereferent Manfred Bockhorst.
   Erprobt worden ist das Modell seit zwei Jahren bei der Caritas im westfälischen Paderborn. Mit der EU-weiten Erleichterung der Arbeitsmöglichkeiten osteuropäischer Mitglieder steht es von Mai an allen offen; auch die Caritas in Hildesheim denkt an eine Übernahme. Bockhorst betont, dass es bei der geplanten Zusammenarbeit mit dem Partnerverband in Polen nicht um eine Konkurrenz zu bisherigen eigenen Angeboten geht, sondern um eine Erweiterung. „Die Caritas mit ihrem ambulanten Dienst kommt weiter ins Haus, etwa für Injektionen", sagt der Pflegereferent. „Zusätzlich stellt die Familie eine Frau aus Polen ein, die in einem eigenen Zimmer im Haus lebt und beispielsweise beim Waschen hilft." Dies geschehe sozialversichert zum Gastgewerbe-Tarif; die Kosten beliefen sich einschließlich Essen und Unterkunft auf etwa 1.800 Euro im Monat. Gegen eine geringe Gebühr übernehme die Caritas gern die Abrechnung. Der katholische Verband will die Helferinnen durch Sprachkurse und regelmäßige Treffen mit Landsleuten aus der Isolation holen. Auch legt er Wert darauf, Polinnnen durch das für sie finanziell attraktive Angebot nicht ihren Familien zu entreißen. Wenn Frauen zu Hause selbst Kinder betreuen müssten, kämen sie nicht in Betracht.
   Private Anbieter sehen das weniger eng. „Bei uns wechseln sich in der Regel zwei Frauen aus Polen im Drei- monatsrhythmus ab", sagt Diplom-Kaufmann Oskar Majzner.„Sie freunden sich in der Zeit mit den Pflegebedürf- tigen an, gucken mit ihnen Fernsehen, lesen vor oder gehen spazieren."
   Der 28-Jährige vermittelt seit einem halben Jahr in Osnabrück über eine polnische Partnerfirma Pflegehelferinnen in Familien, ab etwa 1.500 Euro im Monat. Rund 1.000 Euro davon kämen bei der - umfassend versicherten - Helferin an, die jede Woche von Majzners Mutter besucht werde. Über Isolation oder 24-Stunden-Bereitschaft habe sich bisher keine beschwert. Die Gewerkschaft ver.di indes fürchtet Lohndumping. Das gilt vor allem ab Mai. Dann bietet Majzner seine Dienste in großem Stil sogar Pflegeheimen an. HAZ110301GabrieleSchulte

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Foto: 24-Stunden-Altenpflege zu Hause statt im Heim:
die polnische Pflegerin Liliana („Lilli") Solokowska links mit Vera Dautner, 86 

Pflegerin aus Polen statt Altenheim. Wie Vera Dautner engagieren immer mehr hilfsbedürftige Senioren Betreuerinnen aus Osteuropa, weil sie günstiger sind und deutsches Personal fehlt.

   Bis vor zwei Jahren führte Vera Dautner, 86, in der Nähe von Wedel eine Hundepension. Dann bekam sie einen Schlaganfall, musste zum ersten Mal in ihrem Leben zum Arzt und sollte anschließend in einem Pflegeheim untergebracht werden. Manchmal vergisst sie Dinge. Und auf der linken Seite ist sie bewegungseingeschränkt. Doch, ins Heim? „Nie im Leben", sagt Frau Dautner und ihre grünen Augen blitzen entrüstet auf. „Im Krankenhaus war es schlimm genug. Ich wollte so schnell wie möglich wieder nach Hause."
   In dem Häuschen gleich hinter der Gartentür, in dem früher die Verwaltung der Hundepension untergebracht war, lebt heute Liliana. Die 54-jährige Polin kommt aus der Nähe von Stettin und ist eigentlich gelernte Buchhalterin. „Nachdem ich ein Jahr arbeitslos war, habe ich beschlossen, in Deutschland als Pflegerin zu arbeiten", sagt sie in gebrochenem Deutsch. Eine Ausbildung brauchen Pflegemigrantinnen nicht. „Sie sollten etwas Deutsch sprechen, erste Pflegeerfahrungen besitzen und Lust haben, mit Menschen zu arbeiten", sagt Mateusz Wysocki von der Agentur Pflegehelden.  Von seinem Bruder Martin 2005 gegründet,  hat das Franchiseunternehmen deutschlandweit mittlerweile 14 Filialen. In Kooperation mit einer Firma in Krakau, bei der die Frauen fest angestellt und damit sozial-, kranken- und unfallversichert sind, hat Pflegehelden bislang mehr als 5.000 Frauen vermittelt.
   Neben Liliana waren es auch ihre beiden Freundinnen Regina und Czeslawa. Die drei lösen sich bei der Betreuung von Vera Dautner ab. Jeweils zwei Monate ist eine von ihnen bei ihr, dann ist die Nächste dran. Für Vera Dautner ist das in Ordnung. „Ich komme mittlerweile gut klar mit Lilli und den anderen beiden Damen", sagt sie. Daran, dass immer jemand bei ihr ist, musste sie sich erst gewöhnen. Ihr Mann Erich, ein Zoologe, starb vor 30 Jahren. Danach hat sie lange nur mit Shetlandponys und Hunden zusammengelebt. In den vergangenen zwölf Jahren waren ihr die Pudeldamen Fränzi und Maxi treue Begleiter. Jetzt zählt Vera Dautner auch die drei Osteuropäerinnen zu ihrem engsten Kreis.
   Die Pflegesituation in Deutschland h verschärft sich weiter. Laut einer Studie „ des Allensbach-Instituts im Auftrag der R+V-Versicherung haben schon zehn Millionen Deutsche einen Pflegefall in der Familie. Bis 2022 kann sich diese Zahl nahezu verdreifachen. Gleichzeitig wird der Mangel an Pflegekräften immer größer. Nach Angaben des Bundesverbands Haushaltshilfe und Senioren-Betreuung (BHSB) werden 2030 eine halbe Million Vollzeitkräfte in der Pflege fehlen.
   Der Verband fordert daher, sowohl die Pflege durch Angehörige zu stärken als auch mehr ambulante Pflegeangebote zu machen. Beide Aspekte ließen sich durch den Einsatz von osteuropäischen Kräften in der sogenannten 24-Stunden-Betreuung stärken, sagt Werner Tigges vom BHSB, der in Polen die Agentur Care Work zur Vermittlung polnischer und bulgarischer Hauswirtschafts- und Betreuungshilfen gegründet hat.
Die Betreuerinnen verdienen mit 1.000 bis 1.700 Euro mehr als in ihrer Heimat
  
Auch in Hamburg werden zunehmend Pflegekräfte aus Ländern wie Polen, Ungarn, der Tschechischen Republik oder dem Baltikum engagiert. Seit dort die Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt, boomt das Geschäft mit der Pflegemigration. Wie viele der auf mehr als 100.000 geschätzten ausländischen Pflegekräfte in Deutschland aus Osteuropa kommen, ist jedoch nicht bekannt.
   Die meist weiblichen Betreuer arbeiten für weniger Lohn, verdienen mit etwa 1.000 bis 1.700 Euro netto aber deutlich mehr als in ihrer Heimat. Bei freier Kost und Logis helfen sie den Pflegebedürftigen beim Waschen, Anziehen und dem Gang zur Toilette, kaufen ein, kochen und putzen, begleiten sie beim Spaziergang oder gehen mit ihnen zum Arzt. Etliche werden gleich als Vollzeitbetreuung beschäftigt und ersparen ihren Auftraggebern damit den Weg ins Heim.
   Grund für die große Nachfrage nach osteuropäischen Pflegekräften ist allerdings nicht nur der niedrige Lohn – sondern auch   der Mangel an einheimischem Pflegepersonal. „Das Betreuungsloch wäre allein mit deutschen Kräften nicht zu füllen", sagt Dominica Tigges von der Agentur Care Work. „Viele alte Menschen in Deutschland haben von früher Beziehungen zum heutigen Polen", sagt Dominica Tigges. „Das schafft Berührungspunkte bei den Betreuerinnen und ihren Klienten."
   Eine der von ihr vermittelten Pflegekräfte ist Maria, 58, aus der Nähe von Warschau. Um sich zu qualifizieren, hat sie bereits vor Jahren Pflegekurse absolviert. „Ich liebe meine Arbeit", sagt sie. Sieben Jahre lang hat sie in Amerika gearbeitet, dann in der Nähe von Dortmund, jetzt betreut sie eine 98-jährige Seniorin in Tangstedt. „Die Arbeit ist nicht anstrengend", sagt Maria. Trotzdem verdient sie damit doppelt so viel wie in Polen - doch das ist nicht der einzige Grund, warum sie in Deutschland arbeitet. „Ich möchte die Sprache besser erlernen", sagt Maria. Deshalb ist es auch für sie eine Bereicherung, wenn sie mit ihrer Patientin Gedichte liest, über klassische Musik spricht oder darüber, was sie am nächsten Tag kochen soll. HA120606FriederikeUlrichKlausBödig 

cura-gPflege-Abi-z

EU will Pflicht-Abi für Krankenpfleger. Um Betreuungsberufe attraktiver zu machen,
sollen zwölf Jahre Schulbildung vorgeschrieben werden. In Deutschland ist die Skepsis groß  

    Wer sich für die Krankenpflege entscheidet, muss bei seiner Ausbildung einiges hinter sich bringen: Allein 2.100 Theoriestunden, dazu kommen 2.500 Praxisstunden. Und auch der Job selbst ist für viele zwar schön, aber auch nicht immer einfach. Es kann anstrengend sein und hart, jeden Tag mit Krankheit und Leid konfrontiert zu werden. Physisch und psychisch müssen Krankenschwestern und -pfleger mitunter sehr belastbar sein - und nicht jeder findet den Wert seiner Arbeit angemessen belohnt, wenn es um das monatliche Gehalt geht. Um die 1.600 Euro netto verdienen die Pflegenden im Schnitt - auch wenn der tatsächliche Verdienst je nach Region und Berufs- erfahrung variiert.
   Die EU-Kommission plant, die Ausbildung für Krankenpfleger und Hebammen einheitlicher zu gestalten und die Zulassungsvoraussetzungen in allen Mitgliedstaaten auf das gleiche Niveau zu bringen. Demnach muss künftig jeder zwölf Jahre zur Schule gehen, bevor er eine Ausbildung in der Pflege antritt. Bislang sind in Deutschland anders als in anderen Mitgliedstaaten zehn Jahre Schule ausreichend - oder auch ein Hauptschulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Bundesregierung findet, dass es künftig auch dabei bleiben soll, und lehnt den Vorstoß der EU ab. Auch die Opposition unterstützt sie dabei. „Wir müssen auch Haupt- und Real- schülern die Möglichkeit geben, einen Pflegeberuf zu ergreifen", meint etwa Gesundheitsminister Daniel Bahr(FDP).
   Berufsverbände sind hingegen erleichtert. „Eine höhere allgemeine Bildung für die Pflegeausbildung ist der rich- tige Weg", sagte Gertrud Stöcker, Vizepräsidentin des  Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) dem Hamburger Abendblatt. „Es ist notwendig , dass die Professionalisierung der Pflege und die Aufwertung des Be- rufsbildes in Deutschland vorangetrieben wird." Vor allem verweist sie auf die gestiegenen Anforderungen, denen sich Auszubildende in der Praxis stellen müssen. „Internationale Studien haben belegt, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen der Personalqualifikation und der Versorgungsqualität der Patienten gibt", so Stöcker. „Je geringer die Personalqualifikation, desto mehr Komplikationen bis hin zu Todesfällen treten auf." Wichtig ist für sie zudem, dass zwölf Jahre Schulbildung nicht zwangsläufig eine Abiturpflicht bedeuten müssen. „Bei gutem poli- tischen Willen" seien Alternativen möglich. „Denkbar wäre eine Kombination aus Schule und einer berufsvorbe- reitenden Ausbildung, etwa zur Pflegeassistenz." Der Vorschlag der EU-Kommission sehe so etwas ausdrücklich vor.
   Für den Präsidenten der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, wären die Pläne dennoch eine deutliche „Überakademisierung" der Krankenpflege. Vor allem das Nachwuchsproblem würde so deutlich verschärft. Bundes- wirtschaftsminister Philipp Rosler (FDP), gelernter Arzt, sieht es genauso. Und tatsächlich hängt der drohende Fachkräftemangel seit Jahren wie ein Damoklesschwert über der Pflegebranche. Bis 2020 werden nach Einschät- zung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) rund 220.000 zusätzliche Vollzeit-Pfleger gebraucht. 2009 hat die Bundesregierung die Zulassungsvoraussetzungen deshalb auf Hauptschulniveau abgesenkt, um mehr Bewer- ber zu rekrutieren. Das habe jedoch „überhaupt nicht geholfen", bemängelt DBfK-Vize Stöcker - und verweist auch auf das europäische Ausland: Von den 27 EU- Mitgliedstaaten sind bereits in 24 Ländern zwölf Jahre Schulbildung vorgeschrieben. Der Bewerbermangel sei hier nicht so groß wie in der Bundesrepublik.
Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks: Pflege braucht keinen „Arzt light"
   Doch auch Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sieht nicht, dass die Dauer der Schul- zeit für Pflegende ausschlaggebend ist. „Entscheidend für die Qualifikation der Krankenpflegekräfte ist nicht die Dauer der Schulvorbildung, sondern die Qualität der Ausbildung", sagte sie dem Abendblatt. Die deutsche Aus- bildung sei im internationalen Vergleich von hoher Qualität. Eine Aufwertung der Pflege könne nicht über die Ausgrenzung eines Großteils von potenziellen Bewerbern geschehen.
    Die Senatorin befürchtet zudem einen „Systemwandel", sollte sich die EU durchsetzen: „Eine Steigerung der Zahl von Pflegekräften mit Hochschulabschluss müsste aus Kostengründen zwangsläufig zu einem höheren Anteil an niedrig qualifizierten Pflegekräften führen", so Prüfer-Storcks. In anderen europäischen Ländern sei das bereits Realität. „Darüber hinaus soll in vielen Ländern der Ärztemangel kompensiert werden, indem Fachkräfte ärztliche Tätigkeiten übernehmen", befürchtet sie. „Die Pflege in Deutschland fordert Professionalisierung bezogen auf originär pflegerische Tätigkeiten, wie das Wund- oder Schmerzmanagement, nicht den Arzt light'".
   Da die Bundesrepublik mit ihrem Verfahren in der EU bereits jetzt zur Minderheit zählt, wird sie kaum genug Verbündete finden, um die Pläne der Kommission zu verhindern. Setzt Berlin die neuen Regeln dann nicht um, könnten deutsche Pfleger nur noch schwer im Ausland arbeiten - und Berlin könne ein Vertrags- verletzungsverfahren blühen. Immerhin würde die Reform nur für Berufsanfänger gelten. Wer heute in der Krankenpflege arbeitet, muss sein Abi nicht nachholen. Schere, Tupfer, Abi-Zeugnis? Geht es nach der EU, sollen Krankenpfleger zwölf Jahre die Schulbank drücken. Ha120123NinaPaulsen

Kankenschwestern ohne Abitur  -  Europaabgeordnete ändern Kommissionsvorschlag ab  

   Die Ausbildung zur Krankenschwester oder Hebamme bleibt wohl weiter auch für Menschen ohne Abitur offen. Der federführende Binnenmarktausschuss im EU-Parlament sprach sich jetzt in Brüssel mit klarer Mehrheit gegen einen Vorschlag der EU-Kommission aus, künftig das Abitur oder einen vergleichbaren Abschluss zur Voraus- setzung für eine Ausbildung zu einem Pflegeberuf zu machen. Ein zehnjähriger Schulbesuch und eine zweijährige Berufsschulausbildung sollen nach dem Votum ebenfalls ausreichen. Die EU soll aber einen Katalog mit Anfor- derungen festlegen, die Pflegekräfte am Ende ihrer Ausbildung erfüllen müssen.
   Die neuen Vorgaben sind Bestandteil der Richtlinie für die gegenseitige Anerkennung von Berufsabschlüssen, die die EU momentan überarbeitet. Die Kommission hatte bei der Vorlage des Vorschlags Ende 2011 argumentiert, angesichts der stetig wachsenden Anforderungen an Krankenschwestern und Hebammen sei das Abitur als Vor- aussetzung für eine entsprechende Ausbildung angemessen. Außerdem wollte sie den Pflegekräften mit der An- gleichung der Anforderungen auf hohem Niveau den Wechsel ins EU- Ausland erleichtern.
   Momentan ist schon in 24 der 27 EU-Staaten das Abitur Voraussetzung für eine Ausbildung zur Kranken- schwester. Nur in Deutschland, Österreich und Luxemburg steht diese auch anderen Schulabschlüssen offen. Heute haben hierzulande 45 Prozent der Krankenschwestern Abitur. Die Bundesregierung hatte vor einem Pflege- notstand gewarnt, sollte der Kommissionsvorschlag nicht geändert werden. Zudem passe es nicht zusammen, dass die Kommission das deutsche duale Ausbildungssystem zum Vorbild für die restliche EU erkläre, sie dann aber im Falle der Pflegeberufe nicht akzeptiere.
  Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) begrüßte das Votum des Ausschusses in Berlin: „Unser Einsatz für den Er- halt der Pflegeausbildung in Deutschland hat sich gelohnt." Als wichtigen Etappensieg wertete die Abgeordnete Anja Weisgerber (CSU) die Abstimmung. Um das „Pflege-Abitur" endgültig abzuwehren, muss sich Deutschland nun noch im EU-Ministerrat durchsetzen. Hier wächst zwar die Unterstützung. Dass die Staaten am Ende eine ähnliche Position wie das Parlament einnehmen, ist aber nicht sicher. Inkrafttreten kann die Regelung erst, wenn sich beide Institutionen auf eine Linie geeinigt haben. FAZ130124hmk

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Europäischer Wachstumsmarkt: Pflege

          Laut der European Confederation of Care Home Organisations (E.C.H.O.) fehlen in Europa bis 2020 rund 750.000 Pflegeplätze. Jetzt hat die auf Sozialimmobilien spezialisierte Beratungsgesellschaft Terranus in einem Ländervergleich die Pflegemärkte von Frankreich, England, Italien, Spanien und Deutschland analysiert:
   „Vor allem in Deutschland und Italien erwarten Demographen zwischen 2000 und 2025 einen Anstieg der über 80jährigen von 96,7 % bzw. 91,3 %", so Herman J. Thiel, Geschäftsführer der Terranus Consulting GmbH. Dieser rapide Zuwachs, moderne Gesellschaftsstrukturen und zunehmende Akzeptanz für Heimpflege in familienorien- tierten Ländern wie Italien und Spanien, generierten eine dynamische Nachfrage. 2020 sollen europaweit 27,4 Millionen über 80jährige leben (2005: 18,8 Millionen). Bei 83 Jahren liege derzeit das durchschnittliche Eintrittsalter in der stationärne Betreuung. Überproportional stiegen auch Demenz und Alzheimer-Erkrankungen: Waren 2005 noch 5,3 Millionen Europäer betroffen, sollen es 2050 ca. 11,8 Millionen sein.
   Mit der gemeinsamen Problematik gehen die Nationen nach der Terranus-Analyse sehr unterschiedlich um: „Die EU-Staaten reglementieren und lenken ihre Pflege absolut autark. Konsolidierungsgrad, Eintrittsbarrieren, Bele- gungsrate, Preisflexibilität und staatliche Reglements differieren in den Märkten deutlich". Die Briten zum Beispiel rechneten zwischen 2000 und 2025 mit einem Anstieg ihrer 80jährigen um 50 %. Gepflegt würden diese voraus- sichtlich in einer privatwirtschaftlichen Einrichtung. „73 % aller stationären Pflegeplatze auf der Insel stellen be- reits private Anbieter. Durch die starke Kommerzialisierung der vergangenen Jahre weist England aktuell die höchste Marktkonsolidierung in Europa auf. Anreize für Investoren sind im sozialen Sektor kaum noch gegeben".
   Anders in Südeuropa: In Italien lebten nur 1,3 % der über 65jährigen im Pflegeheim. Zum Vergleich: In Deutsch- land stehen für 4,3 % dieser Altersgruppe Pflegebetten bereit, in Frankreich und im europäischen Durchschnitt sind es rund sechs Prozent. „Italien zeigt in unserer Analyse das größte Entwicklungspotential", so Thiel. Der stationäre Sektor befinde sich noch im Aufbau. Derzeit sei die Altenpflege mit 47 % überwiegend staatlich oder durch NPO (35 %) organisiert. Auch die iberische Halbinsel vollziehe einen spürbaren Umbruch von der überwie- gend häuslich geleisteten hin zur institutionellen Pflege. Für Entwicklungspotential spreche ein neues soziales Sicherungssystem, das die Regierung 2007 initiierte. Ähnlich der deutschen Pflegeversicherung sieht es eine stufenweise Kategorisierung der Pflegebedürftigkeit und damit verknüpft eine staatliche Unterstützung vor. Es soll bis 2015 etabliert sein.
  Den nominal stärksten Bettenzuwachs müssten die beiden größten Pflegemärkte der EU, Deutschland und Frank- reich, schultern. In der Bundesrepublik müssten jährlich 20.000 bis 25.000 Betten neu hinzukommen, in Frankreich 10.000 Betten pro Jahr. In beiden Nationen beschränkten knappe Staatskassen die öffentlichen Träger. Ein gra- vierender Unterschied liege in der Rolle des Staates: Während es im deutschen Markt keinerlei Einschränkungen für den Aufbau neuer Kapazitäten gebe,  deckele  die französische Regierung das jährliche Wachstum auf maximal 7.500 Pflegebetten. Durch stärkere Eintrittsbarrieren und eine Belegungsrate von 95 % (Deutschland: 92 %) sei das allgemeine Marktrisiko im Nachbarland niedriger. Weitere Informationen: www.terranus.de  BfS090303

Ab August 2010 erhalten Pflegkräfte 8,50 Euro gesetzlichen Mindestlohn

   Rund 560.000 Pflegekräfte in Altenheimen und bei ambulanten Diensten erhalten ab 1. August 2010 einen gesetzlichen Mindestlohn. Nach monatelangen Diskussionen verabschiedete das Bundeskabinett eine entsprechende Rechtsverordnung von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU).
   Danach gilt künftig eine Lohnuntergrenze von 7,50 Euro im Osten und 8,50 Euro im Westen. Zum 1. Januar 2012 und zum 1. Juli 2013 werden die Stundensätze noch einmal um jeweils 25 Cent steigen, sodass sie dann bei neun Euro im Westen und acht Euro im Osten liegen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer hatten sich im März nach zähen Verhandlungen auf den Kompromiss geeinigt. In der Pflegebranche arbeiten insgesamt rund 810.000 Menschen.
   Die Monopolkommission kritisierte das neue Gesetz. „Mit Sorge sehen wir den immer stärker werdenden politi- schen Einfluss auf die Lohnfestlegung", sagte der Kommissionsvorsitzende Justus Haucap  in Berlin. Das unter- grabe nicht nur die Tarifautonomie von Gewerkschaften und Arbeitgebern, sondern gefährde zusätzlich auch den Wettbewerb. HAZdpa100715AFP

Das Ende der Krankenschwester

   Die Minister Gröhe und Schwesig wollen die Pflegeausbildung neu regeln. Geplant ist eine dreijährige, einheitliche  Lehre für alle Kollegin Schwesig und ich treiben mit einem Pflegeberufsgesetz gemeinsam die Modernisierung der Berufe in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege voran. Hermann Gröhe, Gesundheitsminister (CDU).
   „Soll ich Krankenschwester werden oder Altenpfleger?" Schulabgänger, die einen Pflegeberuf lernen wollen, müssen sich bislang entscheiden - zwischen Klinikjob, Pflegedienst oder Altenheim. In Zukunft soll das anders werden, die Bundesregierung reformiert die Pflegeausbildung: Geplant ist eine dreijährige Ausbildung für alle - wer sie schafft, darf sich „Pflegefachfrau" oder „Pflegefachmann" nennen und kann überall dort eingesetzt werden, wo Menschen Pflege brauchen. Damit verschwindet das Berufsbild der klassischen Krankenschwester. Die Hoffnung hinter der Reform: Der Beruf soll für junge Leute attraktiver werden und auf Dauer den Personalkollaps in der Pflege verhindern.
   Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) haben sich jetzt auf die Details geeinigt. Wie die FAZ aus Koalitionskreisen erfuhr, soll der Entwurf für das Pflege- berufsgesetz in Kürze mit den anderen Ressorts abgestimmt werden und im neuen Jahr ins Kabinett kommen. Das Gesetz ist ein Teil eines Pakets zur Verbessrung der Lage in der Pflege: „Wir werden in Zukunft mehr Pflegekräfte brauchen. Deshalb müssen wir den Zukunftsberuf Pflege jetzt auch zukunftsfähig machen", sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) dieser Zeitung. Durch Bürokratieabbau und zusätzliche Betreuungskräfte würden die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessert. Zugleich habe man festgelegt, dass im nächsten Jahr die Pflegesätze und damit auch die Personalschlüssel für die Pflegeheime überprüft und angepasst werden müssen. „Und Kollegin Schwesig und ich treiben mit einem Pflegeberufsgesetz gemeinsam die Modernisierung der Berufe in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege voran." Dort, wo Pflegeschulen heute noch Schulgeld fordern, müsse die Ausbildung endlich kostenlos werden. „Schulgeld darf es in einem Mangelberuf nicht geben."
   Noch nie, so Gröhe, habe es so viele Auszubildende in der Pflege gegeben wie heute. „Das ist zugleich eine Verpflichtung, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Pflegekräfte ihren Beruf gerne und dauerhaft ausüben. Dazu gehört auch eine ordentliche Bezahlung." Bundesweit arbeiteten zuletzt mehr als 632.000 Fachkräfte in der Krankenpflege und mehr als 267.000 in der Altenpflege. Insgesamt sind in der Altenpflege über eine Million Fachkräfte, Helfer und Betreuer beschäftigt. Die meisten Fachkräfte arbeiten in Teilzeitjobs: Nach Angaben des Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) haben 70 Prozent der Krankenpfleger Teilzeitjobs, bei den Altenpflegern sind es sogar 80 Prozent. Die Löhne sind niedrig, die körperliche Belastung hoch, viele werfen nach wenigen Jahren erschöpft das Handtuch. Bei den Azubis ist die Lage ähnlich: Zwar steigen die Ausbildungszahlen gerade in der Altenpflege in den letzten Jahren stetig an - im Schuljahr 2013/14 gingen mehr als 26.000 neue Azubis an den Start. Doch das Problem dabei: „Von 30 neuen Auszubildenden schließen nur 15 die Ausbildung auch ab", sagt die renommierte Pflegewissenschaftlerin und DBfK-Präsidentin Christel Bienstein. Der Grund: „Die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege sind oft katastrophal", viele Auszubildende würden gleich zu Beginn überfordert.
  
Hinzu kommt die ungleiche Bezahlung. „Eine Krankenschwester verdient im Schnitt 500 Euro mehr als eine Altenpflegerin." Bienstein unterstützt daher das neue Pflegeberufsgesetz: „Künftig müssen beide gleich bezahlt werden." Egal, ob sie als Fachkraft im Krankenhaus, im Hospiz oder im Pflegeheim arbeiten.
   Doch für die Einheitsausbildung spricht noch ein anderer Punkt: In den Krankenhäusern müssen immer mehr alte und hochbetagte Patienten mit Mehrfacherkrankungen und Demenz versorgt werden. Gleichzeitig nimmt in der stationären Altenpflege die Anzahl der Pflegebedürftigen zu, die eine medizinische Versorgung benötigen. Pfleger müssen komplizierte Verbände anlegen können, mit der Versorgung chronisch Kranker oder Menschen mit Mehrfacherkrankungen zurechtkommen und technisch anspruchsvolle Geräte bedienen können. „Deshalb macht es keinen Sinn, bei den Versorgungssystemen zwischen alten und jungen Patientinnen und Patienten bzw. Pflegebedürftigen zu unterscheiden", sagt Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerats. „Denn die Grundelemente der Pflege sind immer gleich." Sie könnten deswegen auch gemeinsam vermittelt werden.
   Die Kosten für die Reform sollen sich Bund und Länder teilen. Ob die Umstellung bei den Pflegeschulen schon zum Beginn des neuen Ausbildungsjahrs im September 2016 klappt, ist noch unklar. Sicher aber ist: Ein Hauptschulabschluss nach neun Jahren wird als Voraussetzung für die neue Fachausbildung nicht reichen, die EU schreibt eine zehn- bzw. zwölfjährige Schulbildung vor.
   Viele Kritiker finden das problematisch: Brauchen wir nicht jeden, der Altenpfleger werden will? Bienstein ist da skeptisch:  „Pflege ist ein anspruchsvoller Beruf -  Sie müssen kritische Situationen sofort richtig einschätzen können." Weniger qualifizierte Schulabgänger können sich dagegen jetzt schon zu Pflegeassistenten ausbilden lassen.
HA151125JuliaEmmrich

Statt Pflege für alle: Die Ausbildung soll vereinheitlicht werden

Pflege aus einer Hand will die Regierung organisieren: Kranken-, Kinder- und Altenpflege sollen ein Lehrberuf werden. Das macht nicht alle froh.
   Wer eine Ausbildung als Pfleger absolvieren will, muss sich ab 2018 nicht mehr entscheiden, ob er - meist ist es eine Sie- - Kranke, Kinder oder Alte pflegen will. Die drei Ausbildungsberufe sollen in einer neuen Pflegeausbildung vereint werden. Den Gesetzentwurf dafür haben am Freitag Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) vorgelegt.
   Der zweite Schwerpunkt des Umbaus ist eine Finanzreform. Die soll dazu führen dass Pflegeschüler kein Schulgeld mehr zahlen müssen und im Gegenzug alle eine Ausbildungsvergütung erhalten. Neu ist zudem, dass alle Betreiber von Pflegeeinrichtungen per Umlage zur Finanzierung herangezogen werden. Erstmals werden die private und gesetzliche Pflegeversicherung mit 10 und 90 Millionen Euro an den Kosten beteiligt.
   Das Geld soll in Länderfonds fließen, aus denen die Ausbildungskosten bezahlt werden. Die Kosten der Ausbildung steigen durch die Reform von heute 2,4 auf dann 2,7 Milliarden Euro im Jahr.
   Schwesig ließ sich mit dem Satz zitieren, man wolle den Pflegeberuf aufwerten und attraktiver machen. „Die Reform der Pflegeausbildung ist dafür ein Meilenstein." Gröhe merkte an, in einer alternden Gesellschaft wüchsen die Anforderungen an die Pflege Alter und Kranker. „Mit der neuen Pflegeausbildung machen wir unsere Pflegekräfte fit für diese veränderten Pflegebedarfe."
   Die „generalistische" Pflegeausbildung soll im nächsten Jahr beschlossen und ab dem Schuljahr 2018 umgesetzt werden. Innerhalb der Ausbildung soll es die Möglichkeit für Vertiefungen geben, etwa für Kinderkrankenpflege. Wie genau diese ausgestaltet werden, wird von einer vom Ministerium mit Zustimmung der Länder vorzulegenden Rechtsverordnung abhängen.
   Wegen der großen Tragweite dieser Verordnung drängen Gesundheitspolitiker darauf, dass ihnen die Verordnung vorab vorgelegt wird. Der für Pflege in der Unionsfraktion zuständige Berichterstatter Erwin Rüddel (CDU) sagte dieser Zeitung: „Wir werden dem Gesetz nicht zustimmen, wenn wir die Verordnung nicht zuvor intensiv prüfen konnten." Das sei mit der SPD-Fraktion verabredet.
   Gröhe zeigte sich trotz der in der vergangenen Woche aus seiner Fraktion lautgewordenen Kritik sicher, dass der Entwurf das Parlament weitgehend unverändert passieren werde.  „Ich habe keine Zweifel,  dass das gelingen wird."
   Neben der Zustimmung aus Reihen der Verbände der Pflegebeschäftigten waren die Vorschläge auch auf reichlich Kritik gestoßen. So in der Frage, ob die neue breite Ausbildung genügend Platz für die notwendige Spezialisierung lasse, wie sie in der Kinderkrankenpflege nötig sei. Aus Bayern wurde besorgt gefragt, ob mit der Reform die Anforderungen an die Ausbildung so weit erhöht würden, dass es Hauptschulabgängern erschwert werde, einen Pflegeberuf zu ergreifen. Die Regierung verneint das. Hauptschüler könnten weiter ihre Ausbildung nach der 9. Klasse aufnehmen. Dazu sollen sie ein Jahr als Pflegehelfer angelernt werden, danach in das zweite Ausbildungsjahr wechseln. Mit Abschluss der 10. Klasse könne jeder die Lehre beginnen.
   Die Pflegeberufe sollen attraktiver werden, denn es fehlt überall an Flachpersonal. Die Koalition will deshalb die Durchlässigkeit innerhalb der Berufsbilder verbessern. Der Wechsel von der Kranken- in die Altenpflege oder umgekehrt soll leichter möglich werden. Auch würden die Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten verbessert. Eine Hilfskraft könne mit der dreijährigen Ausbildung zur „Pflegefachfrau" oder dem männlichen Pendant die Basis für ein Pflegestudium legen.
   Aus den Reihen der Heimbetreiber war darauf hingewiesen worden, dass die neue generalistische Ausbildung den Mangel in der Altenpflege .verschärfen werde. Denn weil in der Krankenpflege mehr Geld als in der Altenpflege verdient werde, sei absehbar, wohin es die neuen „Pflegefachfrauen" ziehen werde. Hinzu komme, dass die Bundesregierung gerade ein dreijähriges Pflegestellenförderprogramm für Krankenhäuser mit jährlich 660 Millionen Euro aufgelegt habe.
   Regierungsmitglieder wissen um (den Verdrängungseffekt zu Lasten der Altenpflege und akzeptieren ihn. Es gebe keinen anderen Hebel, um die Lohnsituation der Pflegekräfte in den Heimen zu verbessern", hieß es. Zu Deutsch: Wenn die Betreiber ihr Personal besser bezahlten, würden sie auch Fachkräfte finden. Die Voraussetzungen dafür seien geschaffen. Immerhin müssten die Pflegekassen bei den Pflegesatzverhandlungen akzeptieren, dass die Betreiber für ihre Fachkräfte den Tariflohn zahlten.
   Die ambulante und stationäre Pflege in Deutschland beschäftigt gut 1 Million Menschen. Das sind laut Regierung 61 Prozent mehr als 1999. Rund 375.000 Pflegefachkräfte arbeiteten in der Altenpflege; 374 000 in Krankenhäusern. Im Schuljahr 2013/2014 absolvierten demnach 133 000 junge Menschen eine der drei derzeitigen Pflegeausbildungen.
FAZ1511288AndreasMihm

Einheitsausbildung für Pfleger löst Proteststurm aus - Die Bundesregierung will die Pflegeberufe zusammenfassen. Neben den Grünen sind auch die Arbeitgeber entsetzt - der Altenpflege drohe das Aus.

   Der Pflegesektor zählt zu den Berufsfeldern mit Fachkräftemangel und stark wachsendem Personalbedarf - in der Altenpflege dauert es laut Arbeitsagentur derzeit im Durchschnitt 130 Tage, bis für eine offene Stelle eine Fachkraft gefunden und eingestellt ist. Die Bundesregierung will das Berufsfeld daher reformieren und die bisher getrennten Ausbildungen für Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege in einer einheitlichen Ausbildung zusammenfassen. Dies soll die Pflegeberufe von 2018 an attraktiver und durchlässiger machen.
   Gegen den Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) formiert sich inzwischen aber ungewöhnlich breiter Widerstand. Neben Gewerkschaften und Grünen schlagen nun auch die Arbeitgeber mit drastischen Worten Alarm: „Die geplante Reform der Pflegeausbildung wird dazu führen, dass der schmerzliche Fachkräftemangel in der Altenpflege noch weiter verstärkt wird. Statt Aufwertung der Altenpflege wird diese faktisch abgeschafft." So steht es in der Stellungnahme der Arbeitgeber-Bundesvereinigung BDA für eine Fachanhörung des Bundestags.
   Überdies hat sich die BDA mit einem Brief an die Fraktionschefs von Union und SPD, Volker Kauder und Thomas Oppermann, gewandt: „Es darf nicht durch ein falsch justiertes Gesetz dazu kommen, dass nur noch ,Superkönner' eine komplexe Pflegeausbildung absolvieren können, die alle drei Bereiche abdeckt, und normal begabten Menschen eine Ausbildung in der Pflege real versperrt wird", heißt es in dem dieser Zeitung vorliegenden Brief. Statt das Gesetz „eilig durchzupeitschen" sei eine „Einbeziehung von Experten aus der Praxis" nötig. Das Ministerium begründet sein Konzept der „generalistischen Pflegeausbildung" auch damit, dass die heutige Dreiteilung nicht mehr in die Zeit passe, weil es einen Wandel der Pf legebedarfe und der Versorgungsformen gebe. Jenseits dieses Streits soll mit dem Gesetz ein Umlagefonds zur Finanzierung von Ausbildungskosten eingeführt werden, um das bisher in der Altenpflege verbreitete Lehrgeld abzuschaffen.
   Für die Einheitsausbildung hatte sich neben Gröhe vor allem der Deutsche Pflegerat stark gemacht, eine Vertretung von Berufsverbänden. Kritiker verweisen indes auch auf den Koalitionsvertrag von Union und SPD: Dort sei von einer „gemeinsamen Grundausbildung und einer darauf aufbauenden Spezialisierung" die Rede. Eine gemeinsame Grundausbildung, die etwa ein Drittel der Ausbildungszeit ausmacht, finden auch die Arbeitgeber sinnvoll - ebenso die Grünen und die Gewerkschaft Verdi. Denn mit zu viel Vereinheitlichung werde „die Berufsfähigkeit nach Abschluss der Ausbildung gefährdet", warnt Verdi. Nicht ganz klar ist bisher, welches der beiden möglichen Probleme einer Einheitsausbildung größer ist: Einerseits droht eine Verflachung der Inhalte und damit ein Verlust spezifischer Qualifikationen; andererseits könnte die Generalausbildung aber auch so anspruchsvoll werden, dass die Hürden für Haupt- und Realschüler zu hoch werden. Die Antwort darauf dürfte stark von den Einzelheiten der künftigen Ausbildungsverordnung abhängen. Diese ist aber noch nicht fertig.
   Schon deshalb sei die Koalition gut beraten, das Gesetz nicht einfach zur Sommerpause durchzuwinken, sondern erst die geplante Ausbildungsverordnung zu prüfen, mahnen die Arbeitgeber. Dies gelte umso mehr, als mit dem vorliegenden Entwurf eine Verringerung berufspraktischer Ausbildungszeiten absehbar sei. Mittelbar geht es in dem Streit auch darum, wie viel die Pflege mit den Strukturen des dualen Berufsbildungssystems zu tun haben soll. „Der Pflegerat kann auf keinen Fall die praxisnahe Expertise der Sozialpartner in diesem wichtigen Ausbildungsbereich ersetzen", warnt die BDA in dem Brief an die Fraktionschefs. FAZ160528dc

Streit um geplante Prüfung von Altenheimen
Gesundheitsbehörde will Ergebnisseim Internet veröffentlichen. Betreiber wehren sich

 Ursula Preuhs, 85, sieht sich am Ziel eines langen Kampfes. „Unsere jahrelangen Anstrengungen haben sich endlich gelohnt", sagt die Vorsitzende des Bezirksseniorenbeirats Hamburg Nord. Nun sei Schluss mit dem „ganzen Hühnerkram", endlich würden die Hamburger Altenpflegeheime, in denen über 16.000 Bewohner leben, schärfer kontrolliert: „Das war überfällig." In der Tat will Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks eine Verordnung verabschieden, nach der Heime für Pflegebedürftige intensiv geprüft werden können. „Die letzten Abstimmungen unter den Behörden laufen, dann wird die Verordnung zeitnah in Kraft treten", sagte Marco Kellerhof, Abteilungsleiter Pflege bei der Gesundheitsbehörde, dem Abendblatt. Voraussichtlich noch in diesem Jahr sollen dann erste Ergebnisse der Prüfungen ins Internet gestellt werden.
   Der Entwurf mit dem sperrigen Titel „Wohn- und Betreuungsdurchführungsverordnung" (WBDurchfVO) erzeugt indes keineswegs nur Begeisterung. Die Betreiber der Hamburger Pflegeeinrichtungen laufen Sturm. „Dieses Vorhaben ist völlig inakzeptabel. Die Verordnungsumsetzung bedeutet in der bisher bekannten Fassung für die Einrichtungen einen immensen bürokratischen Aufwand. Die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten müssen von den Einrichtungen übernommen werden, die Stadt übernimmt die nicht", sagt Martin Sielaff, Geschäftsführer der Hamburgischen Pflegegesellschaft (HPG), die in Hamburg 96 Prozent der Träger stationärer Pflegeeinrichtungen und 90 Prozent der ambulanten Pflegedienste vertritt. Dabei hat Sielaff grundsätzlich nichts gegen Prüfungen der Pflege- und Betreuungsqualität. Der vorliegende Entwurf habe aber schwere handwerkliche Fehler, zudem greife die Behörde auf unzulässige Weise in die Organisationsfreiheit der Heimbetreiber ein.
   Ist die Qualität von Pflegeheimen objektiv messbar? Leisten sollte dies der „Pflege-TÜV" des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK), der seit 2009 die Heime in 82 Feldern benotet. Die Durchschnittsnote lag bei fabelhaften 1,3, selbst einem Bonner Pflegeheim, das wegen unhaltbarer Zustände schließen musste, wurde ein „sehr gut" attestiert. Mangels Aussagekraft setzte CDU-Gesundheitsminister Hermann Gröhe das Notensystem aus
   Wagt Hamburg nun einen Alleingang? Kellerhoff verneint dies: „Unser Ansatz ist ein anderer. Wir kontrollieren nicht die Qualität der Pflege, das ist Aufgabe des MDK. Wir vergeben auch keine Noten. Wir prüfen vor allem, inwieweit die Einrichtung das Leitbild der Selbstbestimmung und Teilhabe ihrer Klienten umsetzt."
   Als Beispiele nennt Kellerhof, dass die Bewohner selbst entscheiden können, wann sie schlafen gehen oder aufstehen wollen, oder ob sie ein Mitspracherecht bei der Auswahl ihrer Speisen haben. Geprüft werde auch, ob sichergestellt sei, dass Fahrten der Bewohner zu Familienfeiern oder Arzttermine organisiert werden. Für die Prüfungen will die Behörde Mitarbeiter, Bewohner und Angehörige befragen. Die Ergebnisse sollen dann abgestuft nach Zielerreichung - von „nicht erreicht" bis „in vollem Umfang" - ins Internet gestellt werden.
   PG-Chef Sielaff prognostiziert durch die geplanten Prüfungen Mehrkosten allein für die Heime von etwa elf Millionen Euro. Um Streitfälle zu klären, die „zwangsläufig durch widersprüchliche Angaben und Bewertungen" entstehen würden, müsste die Dokumentation viel intensiver und kleinteiliger geführt werden: „Und das kostet Pflegezeit und damit Geld." Zudem verletze die Behörde das Prinzip „wer bestellt, der zahlt" - etwa, indem Heime angehalten werden, Fahrdienste für die Bewohner vorzuhalten.
   Darüber hinaus moniert Sielaff, dass die Mitarbeiter von einer Behörde zu ihren Arbeitsbedingungen und zu einem Urteil über Vorgesetzte befragt werden sollen, was dann auch noch in eine ins Internet gestellte Bewertung einfließe: „Das ist juristisch unhaltbar. Solche betriebsinternen Informationen und Vorgänge gehören nicht in die Öffentlichkeit und gehen zum Teil auch Behörden nichts an."
   Immerhin zeichnet sich hier ein Kompromiss ab: Die unmittelbaren Ergebnisse der Beschäftigen-Umfrage sollen nun doch nicht veröffentlicht werden. Weitere Zugeständnisse lehnt die Behörde jedoch ab. „Wir haben einiges berücksichtigt, nicht alles. Das wäre auch nicht fair gegenüber den anderen Interessengruppen wie den Pflegekassen oder den Seniorenbeiräten. Und vor allem nicht gegenüber den Pflegebedürftigen. Denn unsere vorrangige Aufgabe ist es schließlich, deren Interessen zu schützen", sagt Senatorin Prüfer-Storcks. Ursula Preuhs bestätigt, dass sich der Seniorenbeirat noch schärfere Regelungen gewünscht hätte: „Viele Heimbewohner sind gesundheitlich so angeschlagen, dass sie selbst ihre Interessen kaum noch wahrnehmen können. Die brauchen Schutz."
   Spannend bleibt nun, ob die HPG oder Pflegeheime juristisch gegen die Verordnung vorgehen werden. Kellerhof betont zwar, dass die Behörde weiter empfiehlt, sich bei der Auswahl des Heimes auch von persönlichen Eindrücken leiten zu lassen. Aber natürlich hätte ein Heim, dem in mehreren Kriterien bescheinigt wird, wichtige Ziele nicht zu erfüllen, in dem umkämpften Markt kaum noch Chancen. Sielaff hält das für ein Unding, da viele Prüfkriterien „objektiv nicht nachvollziehbar" seien. Prüfer-Storcks sieht das anders: „Viele der Pflegeheime leisten sehr gute Arbeit. Genau diese Heime wollen wir mit unseren Prüfungen und der Veröffentlichung der Ergebnisse stärken." HA160125PeterWenig

Es gehört zu den existenziellen Sorgen der Menschen, im Alter nicht mehr allein zurechtzukommen.
Daher gehen die Überlegungen der Regierung in die richtige Richtung,
den Abschluss privater Verträge für die Pflege zu fördern. >>
mehr dazu auf unserer Seite Pflegeversicherung

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