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Philippinen

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 Vatikan sieht Eucharistischen Weltkongress 2016 als Signal für Asien

   Der Vatikan erhofft sich vom 2016 bevorstehenden 51. Eucharistischen Weltkongress auf den Philippinen ein Signal für die Kirche in ganz Asien. Auf dem größten Kontinent gelte sie weithin als Fremdkörper und Import aus dem Westen, sagte der Präsident des Päpstlichen Komitees der Internationalen Eucharistischen Kongresse, Kurienerzbischof Piero Marini, im Vatikan. Die Botschaft Jesu sei vielen Asiaten deshalb unbekannt. Der Eucharistische Weltkongress vom 24. bis 31. Januar 2016 im philippinischen Cebu könne dagegen ein Zeichen kirchlicher Solidarität und Mission für Länder wie China, Indien oder Vietnam setzen, so der Erzbischof
   Die Philippinen sind neben dem Kleinstaat Osttimor das einzige asiatische Land mit katholischer Bevölkerungsmehrheit. Mehr als 80 Prozent der Filipinos sind Mitglieder der katholischen Kirche. Der Weltkongress soll auch an den Beginn der Evangelisierung vor 500 Jahren erinnern.
   Der Erzbischof von Cebu, Jose Palma, zeigte sich bei der Programmvorstellung im Vatikan überzeugt, dass das Ereignis mit tausenden von Gläubigen aus der ganzen Welt weit über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen werde. Die Kirche biete damit „eine Botschaft der Hoffnung für ganz Asien an“.
   Zu dem Treffen kommen nach Angaben des Erzbischofs rund 20 Kardinäle und 50 Bischöfe aus anderen Ländern. Im Kongresspavillon sollen 14.000 Menschen Platz finden, um dort gemeinsam zu beten, die Messe zu feiern oder Vorträge zu hören. Rv151027pdy

Das zweite Ziel der Asienreise von Papst Franziskus waren die Philippinen
                                         Berichte von seinem Besuch in Sri Lanka finden Sie auf unserer Seite > Sri Lanka

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Vorbereitung auf den Besuch von Papst Franziskus

    Die alljährlich stattfindende Prozession zum Fest des „Schwarzen Nazareners“ war eine Generalprobe zum Papstbesuch.  Über eine Millionen Filipinos nahmen am Festumzug der jahrhundertealten Statue von Jesus Christus durch Manila teil. Das ist der höchste Feiertag der Philippinischen Nation. Wenige Tage vor dem Papstbesuch in dem asiatischen Land mit dem größten katholischen Bevölkerungsanteil wurden die religiösen Passionsdarstellungen mit ergreifender Andacht verfolgt. Stimmengewaltig riefen Männer, Frauen und Kinder: „Viva!“ als die Prozession durch die regennassen Straßen zog. Ordner mühten sich zwei Stunden, damit der Festzug sich in Bewegung setzte. Unüberschaubare Menschengruppen drängten sich zur Christus-Statue um sie mit ihren Taschentüchern zu berühren. Viele Filipppinos schreiben dieser Ikone eine heilkräftige Wirkung zu und geloben jedes Jahr an diesem Festzug teilzunehmen – solange sie leben. Viele tragen dabei t-shirts mit Bildern von Jesus Christus mit der Dornenkrone.  
   Isko Morena, der 2. Bürgermeister von Manila, berichtet über ABS-CBN-TV, dass sich etwa eine Million an dieser Prozession beteiligen und noch weitaus mehr stehen an den Straßenrändern in der Altstadt Manilas. Der Leiter des Amtes für Katastrophen, Johnny Yu, beklagte im Fernsehen den Tode eines Mannes, der in der Nähe der Statue durch einen Herzinfarkt starb.    Von den 100 Millionen Fillipinos sind 82 Millionen katholische Christen. Das Fest des „Schwarzen Nazarener gibt Zeugnis von dem lebendigen Glauben der Teilnehmer und ist eine spirituelle Vorbereitung auf den Besuch des Papstes.
  Während der vier Tage seines Besuches möchte Franziskus die Opfer des todbringenden Taifun Haiyan auf der zentralen Leyte-Insel trösten und die Festmesse für Millionen Filipinos im größten Park von Manila, der Hauptstadt der Philippinen, feiern.

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Fliegende Pressekonferenz auf dem Flug nach Manila: Terrorismus und Umwelt-Enzyklika

   Papst Franziskus hat bestätigt, dass es derzeit erhöhte Sicherheitsmaßnahmen rund um seine Person gibt. Bei der „fliegenden Pressekonferenz“ zwischen Sri Lanka und den Philippinen erklärte er vor Journalisten, er sorge sich besonders wegen der Gläubigen und habe darüber mit der vatikanischen Sicherheit gesprochen. Was ihn selbst betreffe, sei die beste Art, mit terroristischen Bedrohungen umzugehen, „mit Demut und ohne Aggression“, auch wenn manche das nicht verstünden. Er habe jedoch „eine gute Dosis Leichtsinn“. Scherzend fuhr der Papst fort: „Manchmal habe ich gefragt: und wenn mir etwas zustößt? Herr, dann mach bitte wenigstens, dass es mir nicht weh tut! Ich bin nicht mutig im Umgang mit Schmerz.“
Umwelt-Enzyklika im Frühsommer
   Seine Umwelt-Enzyklika werde im Juni oder Juli erscheinen, sagte Papst Franziskus auf eine weitere Frage der Journalisten. Im März werde er sich eine Woche Zeit nehmen, um das Dokument fertigzustellen. Er habe zum Thema viel Hilfreiches „von meinem geliebten Bruder Bartholomaios“ gelesen, dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel. Die Enzyklika werde aber keine gemeinsame Erklärung verschiedener Religionen oder Konfessionen sein. Sie solle rechtzeitig vor der nächsten UNO-Klimakonferenz in Paris erscheinen. Die Klimakonferenz in Peru „hat mich enttäuscht“, bekannte Franziskus rundheraus: „Da fehlte der Mut.“
Bevorstehende Heiligsprechung: Junipero Serra  
   Auch eine neue Heiligsprechung gab der Papst bekannt: Im September möchte er bei seiner Reise in die USA den Spanier Junipero Serra heiligsprechen, teilte er den Journalisten mit. Der aus Mallorca gebürtige Serra, ein Franziskaner, wirkte als Missionar an der Westküste der USA und gilt als Gründer von San Francisco. Er starb 1784 im Alter von 70 Jahren. Johannes Paul II. sprach ihn 1988 selig.
Mit Blick auf Selbstmord-Anschläge sagte der Papst, das Problem sei „noch nicht vorüber“, und es sei auch nicht örtlich auf nur wenige Regionen der Welt begrenzt. Eine solche Form von Terrorismus habe immer mit Totalitarismus zu tun. „Totalitarismus tötet – Möglichkeiten, Zukunft, auch Leben.“ Viele Menschen, etwa Missionare, gäben ihr Leben, um Gutes zu tun; ein Selbstmordattentäter aber gebe das Leben, um sich selbst und andere zu zerstören. Wie Papst Franziskus den mitreisenden Journalisten sagte, seien Überlegungen zu einem neuen Friedenstreffen der Weltreligionen im Gange. Er habe darüber bereits mit Kardinal Jean-Louis Tauran gesprochen, dem Präsidenten des vatikanischen Rates für den interreligiösen Dialog.
„Charlie Hebdo“: „Töten im Namen Gottes ist eine Abirrung“
   Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit seien zwei Menschenrechte, beantwortete der Papst eine Frage danach, wie weit Meinungsfreiheit gehen dürfe. „Sprechen wir über Paris, sprechen wir klar und deutlich“, so der Papst mit Blick auf die islamistischen Attentate gegen die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“. Jeder habe das Recht, seine Religion auszuüben, ohne einen anderen zu beleidigen. Man dürfe auch im Namen der Religion keine Gewalt ausüben oder gar töten: „Töten im Namen Gottes ist eine Abirrung“, sagte Franziskus wörtlich. 
Doch Satire darf nicht alles, sagt Franziskus
   Zur Meinungsfreiheit sagte der Papst, dass jeder nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hat, zu sagen was er denkt um damit dem Gemeinwohl zu helfen. Allerdings darf auch Satire nach den Worten von Papst Franziskus nicht alles: beleidigen, beschimpfen oder provozieren sei nicht in Ordnung. „Man darf sich nicht über den Glauben der anderen lustig machen.“ Viele Menschen betrachteten das Lächerlichmachen von Religion als ein Spiel, so der Papst, und fügte hinzu: „Es gibt Grenzen der Meinungsfreiheit.“ Jede Religion, die das menschliche Leben wertschätze, habe eine Würde und dürfe nicht lächerlich gemacht werden, das sei die Grenze.  Rv150115 

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Presse-Echo zum Interview über den Wolken

Die FAZ schrieb dazu in einem Kommentar: Was heilig ist
   Auch gegenüber dem Satiremagazin „Charlie Hebdo" handelt Papst Franziskus nach seiner Maxime: den Schmerz des anderen verstehen. Auf dem Weg nach Manila hat sich das Oberhaupt der katholischen Kirche nicht dem fast europaweiten Chor „Je suis Charlie" angeschlossen. Er verurteilte den Terroranschlag von Paris zwar scharf, er kritisierte aber auch die Karikaturen als eine Beleidigung religiöser Gefühle. Papst Franziskus erinnerte dabei an eine Grundweisheit im Umgang der Menschen untereinander: Wer beleidigt, was anderen heilig ist, wer also bewusst und geschmacklos provoziert, der muss eben mit entsprechenden Reaktionen rechnen. Daher habe er Verständnis für den Zorn der Muslime. So wie der mit seiner Faust rechnen müsse, der seine Mutter beleidige. Das war ein sehr direkter Papst, wie er früher in den Favelas Südamerikas gepredigt hat.
   Franziskus erinnert an einen trivialen Zusammenhang: Der Staat sichert zwar Freiheiten, er kann den verantwortlichen Umgang mit ihnen aber nicht sanktionierend einfordern.  Es liegt daher an den Menschen, mit diesen Freiheiten verantwortlich umzugehen und Respekt füreinander zu zeigen. Man muss die Gefühle der anderen ja nicht teilen, sollte sie aber respektieren. Daher ergeben sich Selbstbeschränkungen und Grenzen - so wie ja auch nicht alles erlaubt ist, was technisch möglich ist. Die Gläubigen, gleich welcher Religion, sind freilich ungleich leichter angreifbar und ein Objekt der Satire als Atheisten, denen nichts mehr heilig ist und die Verletzungen bestenfalls dann empfinden, wenn die Massentierhaltung gegen ihre Ideale verstößt.
   Je mehr in Westeuropa die Kirchen an Bedeutung verloren haben, desto irrelevanter wurde das Delikt der Beschimpfung der Religion. Das verändert sich wieder, weil die Muslime darauf bestehen, die Ehre Allahs und ihres Propheten zu schützen. Will eine pluralistische Gesellschaft den öffentlichen Frieden bewahren, kommt der Staat nicht daran vorbei, die Werte, die etwa diesen Muslimen heilig sind, zu schützen, ohne sich damit mit ihnen zu identifizieren. Franziskus weist dazu einen Weg, wenn er aufruft, den Schmerz des anderen - der Großfamilie „Je suis Charlie", aber auch der Muslime - zu verstehen. Dieses Verständnis ist ein Bitten um Empathie, keineswegs die Billigung einer Tat. Und nur über Verständnis kommt eine Verständigung in Gang.       FAZ150117RainerHermann
Hamburger Abendblatt: Auch die Meinungsfreiheit hat ihre Grenzen
   Satire darf nach den Worten von Papst Franziskus nicht alles: „Es gibt eine Grenze, jede Religion hat Würde", sagte er im Blick auf die Zeitschrift „Charlie Hebdo" auf dem Weg nach Manila. „Jede Religion, die das menschliche Leben, die menschliche Person achtet, kann ich nicht einfach zum Gespött machen", so der Papst. Die Freiheit auf ungestörte Religionsausübung ist nach seinen Worten ein ebenso fundamentales Grundrecht des Menschen wie die Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit beinhalte auch „die Pflicht, das zu sagen, was man dem Gemeinwohl für förderlich hält". Es müsse eine „Freiheit ohne Beleidigen" sein. Auch für die Meinungsfreiheit gebe es Grenzen: „Man darf nicht provozieren, man darf den Glauben anderer nicht beleidigen", sagte Franziskus.
   Gleichzeitig deutete Franziskus ein gewisses Verständnis dafür an, dass Menschen auf Beleidigungen ihrer persönlichen und religiösen Identität heftig reagieren. Scherzhaft verwies er auf seinen Reisemarschall Alberto Gasbarri, der neben ihm stand: „Wenn Doktor Gasbarri, der mein Freund ist, meine Mutter beleidigt, kriegt er eins mit der Faust." Zugleich betonte er: „Man darf im Namen der Religion nicht verletzen, Krieg führen oder töten." Religion wird nach seinen Worten in der heutigen Zeit zu oft ins Lächerliche gezogen und ausgegrenzt wie eine Subkultur, die mit der herrschenden Kultur  nichts mehr zu tun hat.                                                 HAZ150116kna

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Papst Franziskus wird auf dem Flughafen von Manilia von Erzbischof Kardinal Tagle begrüßt

   Nach seinem zweitägigen Besuch auf Sri Lanka ist Papst Franziskus am 15. Januar 2015 um 17.45 Ortszeit pünktlich in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, gelandet. Damit beginnt die zweite Etappe seiner Asienreise. Ein herzlicher Empfang erwartete ihn in dem katholischsten Land Asiens. Die Regierung, unter ihnen auch Staatspräsident Benigno Aquino III. und die Kardinäle begrüßte Papst Franziskus mit Handschlag, einen nach dem anderen. Kardinal Louis Antonio Tagle, wurde herzlich umarmt von Papst Franziskus, während im Hintergrund hunderte von Jugendlichen abwechselnd die Flaggen ihrer eigenen Nation und die des Vatikans hin und herschwenkten und traditionelle Tänze aufführten. Der Wind wehte die päpstliche Kopfbedeckung, das sogenannte Pileolus zwar davon, doch Papst Franziskus lächelte lediglich über den Verlust, als zuvor noch wie üblich die beiden Hymnen, die der Philippinen und die des Vatikans gespielt wurden.
   Viele Sicherheitskräfte, eine Entourage von mindestens zehn Polizeiautos, Blitzlichtgewitter, Rot-blaue Sirenen und ein Meer von erhobenen Smartphones begleiteten Papst Franziskus auf seinem Weg im Papamobil vom Flughafen zum Sitz des apostolischen Nuntius, welcher etwa 9 km entfernt vom Flughafen liegt. Dort wird Papst Franziskus sein Abendessen mit den Erzbischöfen und Kardinälen des Landes einnehmen.
   Bis Montag stehen Treffen mit verschiedenen kirchlichen Gruppen, ein Treffen des Staatspräsidenten sowie eine Begegnung mit Überlebenden und Hinterbliebenen der Taifun-Katastrophe vom November 2013 auf dem Programm. Höhepunkt seines Aufenthalts auf den Philippinen ist die Messe unter freiem Himmel, die Papst Franziskus am Sonntag im zentralen Rizal-Park der Hauptstadt Manila feiert.
   Die Regierung des Landes hat während des Besuches von Papst Franziskus nationale Feiertage ausgerufen, denn es sei wie ein „großes, großes, großes nationales fiesta“ erklärte Erzbischof von Manila, Kardinal Tagle in einem Interview vor der Ankunft des Papstes. Der Besuch sei genau zum richtigen Zeitpunkt, wenn „die Menschen einen moralischen und spirituellen Auftrieb von jemanden erhalten, der sich wirklich darum sorgt.“  rv150115no

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Papst Franziskus beginnt seinen vier-Tage-Besuch auf den Philippinen,
dem Staat mit dem größten Anteil von Katholiken in einem asiatischen Land

   Dieser Besuch wird wohl zu einem Höhepunkt seines Pontifikates werden. Die staatlichen Autoritäten haben diese vier Tage in Manila zu Feiertagen erklärt, um sicherzustellen, dass möglichst viele Menschen dieses Ereignis miterleben können. Franziskus landete auf dem Villamor-Flughafen in Manila und wurde in einem Auto-Corso in die Apostolische Nuntiatur in der Taft Avenue gebacht. 300.000 Menschen säumten die Straße. Der Papst traf noch am Flugplatz mit Präsident Aquino zusammen. Schüler von 19 Schulen hatten eine choreografischen Gruß eingeübt. Ein Junge und ein Mädchen in der traditionellen Tracht überreichten dem Papst Blumen. Nach einer herzlichen Umarmung stieg er die Treppendes Fliegers herab.r
Programm
Do
nnerstag 15. Januar
17:45 Landung auf den Philiippinen – Flughafen Villamor, Manila
Auto-Corso zur Apostolischen Nuntiatur Taft Avenue, Manila
Freitag 16. Januar
9:15 Begrüßungszeremonie im Malacañan Palace, Manila
10:15 Treffen mit Vertretern des Staates und dem Diplomatischen (Rede von Papst Franziskus)
Auto-Corso zur Marien-Kathedrale in Manila  
11:15 Heilige Messe mit Bischöfen, Priestern und Ordensleuten – Marienkathedrale, Manila (Predigt des Papstes)
Auto-Corso zur Mall of Asia Arena, Pasay
17:30 Begegnung mit Familien – Mall of Asia Arena, Pasay (Ansprache des Papstes)
Samstag, 17. Januar
08:15 Abfahrt zur Erzdiözese Palo – Flughafen Villamor
09:30 Ankunft Flughafen Tacloban
10:00 Heilige Messe – Flughafen Tacloban Airport (Predigt des Papstes)
12:45 Lunch mit den Armen und Überlebenden der Katastrophe von Gonzagahaus (Erzbischofshaus Palo)
15:00 Einweihung des “Pope Francis Center für die Armen” – Palo, Leyte
15:30 Treffen mit Priestern und Ordensleuten - Kathedrale Verklärung des Herrn – Palo, Leyte (Rede des Papstes)
17:00 Abflug nach Manila
18:15 Ankunft in Manila – Flughafen Villamor
Sonntag, 18. Januar
09:45 Kurzes Treffen mit Vertretern der Religionen
10:30 Begegnung mit der Jugend – Päpstliche Universität Santo Tomas, España, Manila (Ansprache des Papstes)
Auto-Corso zum Rizal Park, Manila
15:30 Abschlussmesse im Rizal Park, Manila (Predigt des Papstes)
Montag, 19. Januar
09:45 Abschiedszeremonie Flughafen Villamor
10:00 Abfahrt nach Rom – Flughafen Villamor
17:40 Ankunft in Rom Flughafen Ciampino
CatholicHerald150115

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Empfang auf den Philippinen: „Eine von authentischen Werten geprägte Gesellschaft“ 

Willkommen! Präsident Benigno Aquino und Papst Franziskus
   Es sind die kulturellen Wurzeln, die für die Entwicklung einer Gesellschaft wichtig sind, vor allem aber nicht nur im Umgang mit Leid und Katastrophe. Das war der rote Faden der Ansprache von Papst Franziskus vor Vertretern von Staat und Gesellschaft der Philippinen.
   Zuvor war der Papst vom Präsidenten der Philippinen, Benigno Aquino, empfangen worden, seine kurze Anreise – in einem kleinen Wagen, nicht im Papamobil – wurde wieder von tausenden von Menschen an den Straßen begleitet. 21 Salutschüsse, ein traditionell philippinischer Empfang mit einem Glas Wasser und einem Tuch, dann der Eintrag ins goldene Buch und eine private Unterredung mit dem Präsidenten begannen für den Papst den Tag und diesen Abschnitt der Reise offiziell.
   Danach traf er im Präsidentenpalast 350 Vertreter von Staat und Gesellschaft und das diplomatische Corps. Gleich zu Beginn seiner Ansprache betonte der Papst, dass es ihm wichtig sei, seine Solidarität mit denen auszudrücken, die durch den Taifun Yolanda 2013 Leid, Verlust und Zerstörung erfahren hätten. „Gemeinsam mit vielen Menschen auf der ganzen Welt habe ich die Stärke, den Glauben und die Ausdauer bewundert, die so viele Filipinos angesichts dieser Katastrophe gezeigt haben.“ Diese Tugenden, die unter anderem auch in der Hoffnung und der Solidarität wurzelten, welcher der christliche Glaube wecke, habe zu einer Flut von Güte und Großzügigkeit geführt, vor allem bei jungen Menschen.
   „Dieses Beispiel von Solidarität im Einsatz für den Wiederaufbau lehrt uns etwas Wichtiges. Wie eine Familie greift jede Gesellschaft in Zeiten von Herausforderungen auf ihre tiefsten Quellen zurück. Die Philippinen sehen sich gemeinsam mit anderen Ländern Asiens vor der Aufgabe, eine moderne Gesellschaft auf gesunde Fundamente zu bauen - eine Gesellschaft, die von authentischen menschlichen Werten geprägt ist, die unsere gottgegebene Würde respektiert und bereit ist, neue und komplexe politische und ethische Fragen anzugehen.“
Mehr als jemals zuvor brauche es gerade in der Politik Ehrlichkeit, Integrität und Einsatz für das Gemeinwohl.
   Wesentlich beim Einsatz für das Gemeinwohl sei „der moralische Imperativ, soziale Gerechtigkeit und Respekt vor der Würde des Menschen“ sicher zu stellen. „Die große biblische Tradition legt allen Völkern die Pflicht auf, auf die Stimme der Armen zu hören. Die verlangt von uns, die Fesseln der Ungerechtigkeit und der Unterdrückung zu zerbrechen, die zu eklatanten und wirklich skandalösen Ungleichheiten geführt haben.“  Um die sozialen Strukturen, welche die Armut erhalten, verändern zu können, brauche es zunächst eine Bekehrung an Geist und Herz. Papst Franziskus ging kurz auf das von der philippinischen Kirche ausgerufene „Jahr der Armen“ ein, er hoffe, dass alle Ebenen der Kirche und der Gesellschaft davon herausgefordert würden.
   „Eine grundlegende Rolle in der Erneuerung der Gesellschaft spielen natürlich die Familie und besonders die jungen Menschen,“ fuhr der Papst fort. Wie alle Gaben Gottes könne auch die Familie entstellt und zerstört werden, sie brauche Unterstützung. „Wir wissen, wie schwierig es für die Demokratien heute ist, grundlegende Menschliche Werte zu erhalten und zu verteidigen wie den Respekt vor der Unverletzlichkeit der Würde jedes Menschen, Respekt vor dem unveräußerlichen Recht auf Leben, beginnend mit dem ungeborenen und bis hin zum alten und schwachen Leben,“ mahnte Papst Franziskus die anwesenden Vertreter des Staates.
   Abschließend würdigte Papst Franziskus die Rolle der Philippinen für die Kooperation und das Verständnis unter den Staaten Asiens. Ganz besonders nannte er in diesem Zusammenhang den Beitrag der philippinischen Diaspora am Wohlergehen vieler Gesellschaften; viele Filipinos arbeiten außer Landes, vor allem in den Golfstaaten oder als Besatzungen von Schiffen. Er wolle im Licht des reichen kulturellen und religiösen Erbes, auf welches das Land zu recht stolz sei, eine „Ermutigung im Gebet“ geben: „Mögen die tiefsten geistlichen Werte des Volkes der Philippinen sich weiterhin im Bemühen ausdrücken, den Mitmenschen eine volle menschliche Entwicklung zu ermöglichen. So wird jeder Mensch fähig, sein oder ihr Potential zu entwickeln und weise und gut zur Zukunft des Landes beizutragen.“ Rv150116

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Papstansprache: Die Pflicht, die Stimme der Armen zu hören

Im Wortlaut: Die Ansprache von Papst Franziskus bei der Begegnung mit den Vertretern des öffentlichen Lebens und mit dem Diplomatischen Korps, Manila, Malacañang Palace, 16. Januar 2015.  

Meine Damen und Herren,
   ich danke Ihnen, Herr Präsident, für den freundlichen Empfang und für Ihre Worte der Begrüßung im Namen der Vertreter des öffentlichen Lebens und des Volkes der Philippinen wie auch der ehrenwerten Mitglieder des Diplomatischen Korps. Für Ihre Einladung, die Philippinen zu besuchen, bin ich Ihnen sehr dankbar. Mein Besuch ist vor allem pastoraler Natur. Er findet zu der Zeit statt, da sich die Kirche in diesem Land auf die Fünfhundertjahrfeier der ersten Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi auf diesen Inseln vorbereitet. Die christliche Botschaft hat einen beachtlichen Einfluss auf die philippinische Kultur ausgeübt. Ich hoffe, dass dieses wichtige Jubiläum ein Zeichen ist für ihre bleibende Fruchtbarkeit und ihr Potential, eine Gesellschaft zu inspirieren, die sich der Qualität, der Würde und der Bestrebungen des philippinischen Volkes als würdig erweist.
   In besonderer Weise soll dieser Besuch meine Nähe zu unseren Brüdern und Schwestern zum Ausdruck bringen, die durch den Taifun Yolanda Leid, Verlust und Zerstörung erlitten haben. Gemeinsam mit vielen Menschen auf der Welt habe ich die heroische Stärke, den Glauben und die Widerstandsfähigkeit so vieler Philippiner und so vieler anderer angesichts dieser Naturkatastrophe bewundert. Diese Tugenden, die nicht zuletzt in der vom christlichen Glauben beseelten Hoffnung und Solidarität wurzeln, führten zu einer Flut der Anteilnahme und Großzügigkeit, vor allem seitens so vieler junger Menschen. In dieser Zeit der nationalen Krise eilten unzählige Menschen ihren Nachbarn in Not zur Hilfe. Unter großen Opfern stellten sie Zeit und Ressourcen zur Verfügung, schafften Netzwerke gegenseitiger Hilfe und arbeiteten für das Gemeinwohl.
   Dieses Beispiel von Solidarität beim Wiederaufbau ist für uns eine wichtige Lehre. Wie eine Familie schöpft jede Gesellschaft aus ihren tiefsten Ressourcen, um neue Herausforderungen zu meistern. Heute sehen sich die Philippinen, gemeinsam mit vielen anderen Ländern Asiens, vor die Herausforderung gestellt, auf einem soliden Fundament eine moderne Gesellschaft aufzubauen – eine Gesellschaft, die die authentischen menschlichen Werte respektiert, unsere von Gott gegebene Menschenwürde und -rechte schützt und fähig ist, neue und komplexe politische und ethische Fragen anzugehen. Wie viele Stimmen in Ihrem Land darauf hingewiesen haben, ist es jetzt mehr denn je notwendig, dass sich die politischen Verantwortungsträger durch Aufrichtigkeit, Integrität und Engagement für das Gemeinwohl auszeichnen. Auf diese Weise können sie mithelfen, die reichen menschlichen und natürlichen Ressourcen zu bewahren, mit denen Gott dieses Land gesegnet hat. So werden sie in der Lage sein, die für die Herausforderungen der Gegenwart notwendigen moralischen Mittel bereitzustellen und den kommenden Generationen eine Gesellschaft von authentischer Gerechtigkeit, Solidarität und Frieden weiterzugeben.
   Wesentlich für die Verwirklichung dieser nationalen Ziele ist die moralische Verpflichtung, soziale Gerechtigkeit und Anerkennung der Menschenwürde zu gewährleisten. Die große biblische Tradition legt allen Völkern die Pflicht auf, die Stimme der Armen zu hören und die Fesseln des Unrechts und Unterdrückung zu lösen, die zu krassen und in der Tat skandalösen sozialen Ungleichheiten führen. Die Reform der sozialen Strukturen, welche die Armut und die Ausgrenzung der Armen weiter aufrechterhalten, erfordert zunächst eine Bekehrung von Geist und Herz. Die Bischöfe der Philippinen haben darum gebeten, dieses Jahr als „Jahr der Armen“ auszurufen. Ich hoffe, dass dieser prophetische Appell jeden Einzelnen in allen gesellschaftlichen Schichten dazu auffordert, jede Form von Korruption, welche die Mittel von den Armen abzweigt, zurückzuweisen und mit vereinten Kräften die Inklusion von jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind im Leben der Gemeinschaft zu gewährleisten.
   Bei der Erneuerung der Gesellschaft spielen natürlich die Familie und besonders die jungen Menschen eine bedeutende Rolle. Ein Höhepunkt meines Besuchs wird mein Treffen mit Familien und jungen Menschen hier in Manila sein. Die Familie hat eine unerlässliche Aufgabe in der Gesellschaft. In der Familie nämlich werden die Kinder zu soliden Werten, hohen Idealen und echter Sorge für andere erzogen. Aber wie alle Gaben Gottes kann auch die Familie entstellt und zerstört werden. Sie braucht unsere Unterstützung. Wir wissen, wie schwierig es für unsere Demokratien heute ist, so grundlegende menschliche Werte zu bewahren und zu verteidigen wie die Achtung der unantastbaren Würde jedes Menschen, die Achtung der Gewissens- und der Religionsfreiheit sowie die Achtung des unveräußerlichen Rechts auf Leben, beginnend mit dem Leben der Ungeborenen und bis hin zum Leben der Alten und Kranken. Aus diesem Grund müssen Familien und lokale Gemeinschaften in ihren Anstrengungen ermutigt und unterstützt werden, unserer Jugend die Werte und die Perspektiven weiterzugeben, die helfen können, eine Kultur der Rechtschaffenheit aufzubauen – eine Kultur, in der Güte, Aufrichtigkeit, Treue und Solidarität hochgehalten werden als stabile Grundlage und moralisches Bindemittel, das die Gesellschaft zusammen hält.
Herr Präsident, werte Vertreter des öffentlichen Lebens, liebe Freunde,
   zu Beginn meines Besuches in diesem Land möchte ich die wichtige Rolle der Philippinen hinsichtlich der Förderung von Verständigung und Zusammenarbeit zwischen den Ländern Asiens nicht unerwähnt lassen wie auch den häufig vernachlässigten, doch bedeutenden Beitrag der Philippiner im Ausland zum Leben und Wohlstand der Gesellschaften, in denen sie leben. Gerade angesichts des reichen kulturellen und religiösen Erbes, auf das Ihr Land stolz ist, möchte ich Ihnen eine Aufforderung und ein Wort geistlicher Ermutigung mitgeben. Mögen die tiefsten spirituellen Werte des philippinischen Volkes weiterhin in Ihren Bemühungen Ausdruck finden, Ihren Mitbürgern eine ganzheitliche menschliche Entwicklung zukommen zu lassen. Auf diese Weise wird jeder Mensch in der Lage sein, sein Potenzial auszuschöpfen und daher klug und dienlich zur Zukunft dieses Landes beizutragen. Ich vertraue darauf, dass die lobenswerten Bemühungen, den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern der verschiedenen Religionen zu fördern, Frucht bringen werden hinsichtlich der Erreichung dieses erhabenen Ziels. Insbesondere bin ich zuversichtlich, dass der zur Wiederherstellung des Friedens im Süden des Landes erzielte Fortschritt gerechte Lösungen im Einklang mit den Grundprinzipien der Nation und der Achtung der unveräußerlichen Rechte aller, einschließlich der einheimischen Bevölkerung und der religiösen Minderheiten, hervorbringen wird.
   Ihnen allen und allen Männern, Frauen und Kindern dieser geschätzten Nation erbitte ich von Herzen Gottes reichen Segen.                                                                                  Rv150116ord  

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Foto unten: Rückblick auf die Philippinen-Reise von Papst Johannes Paul II.  in dessen Papamobil

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Franziskus war der dritte Papst in der Kirchengeschichte, der die Philippinen besucht.
Als erster reiste Papst Paul VI. vor 45 Jahren in das Land.

   27. November 1970: Paul VI. trifft in Manila ein, für einen dreitägigen Besuch. Er kommt aus dem Iran und Westpakistan, dem heutigen Bangladesh. Am Flughafen kommt es zu einem Zwischenfall: Ein offenbar geistesgestörter Maler aus Bolivien, als Priester verkleidet, sticht auf den Papst ein. Der Reporter Alex Alan steht in der Nähe, er erzählt dem Sender ABC News: „Es ging alles sehr schnell; ein Priester war offenbar der Attentäter. Ich griff nach ihm und hielt ihn fest, andere halfen mir dabei. Der Papst blieb sehr gefasst.“ Das vorgesehene Programm wird ungerührt fortgesetzt, dabei ist Paul verletzt; sein blutbeflecktes Hemd wird Jahrzehnte später, im Oktober 2014, bei seiner Seligsprechung in Rom gezeigt, als Reliquie.
   „Die Menschen waren so demoralisiert damals, dass die Ankunft des Papstes eine starke Emotion im Land auslöste“, erzählt der Journalist Alan heute. „Paul wurde als eine Art Retter gesehen, Retter vor der Armut und den Taifunen.“ In den Monaten vor dem Kommen des Papstes haben die Philippinen unruhige Zeiten erlebt: Der Stern von Präsident Ferdinand Marcos beginnt zu sinken, in Manila kommt es zu Studentenunruhen und Bombenanschlägen. In Quezon Circle, an der Peripherie der Hauptstadt, feiert Paul am 29. November 1970 eine heilige Messe mit zwei Millionen Menschen, darunter viele junge Bauern und Fischer. „Jesus ist der Offenbarer des unsichtbaren Gottes“, predigt der Papst, „er ist der Erstgeborene der Schöpfung, der Lehrer der Menschheit... Er ist das Brot und die Quelle lebendigen Wassers für unseren Durst... Er war klein wie wir, arm, gedemütigt, ein Arbeiter, ein Rechtloser. Für uns hat er ein neues Reich begründet, wo die Armen selig sind, wo der Friede das Zusammenleben regelt, wo alle gesättigt werden, die nach Gerechtigkeit hungern, wo alle Brüder sind!“
   „Die Menschen waren enthusiastisch; sie empfingen Paul VI. wie eine Gnade vom Himmel“, erinnert sich der heutige Kardinal von Manila, Luis Antonio Tagle, damals dreizehn Jahre alt. „Der Papst ließ es sich auch nicht nehmen, zu den Armen zu gehen. Er besuchte arme Familien im Distrikt Tondo von Manila, das war das schlimmste Elendsviertel der Gegend. Und die Menschen dort denken noch heute an diesen Besuch. Als ich dort vor kurzem eine Messe feierte, zeigten sie mir die Stelle, wo ein Haus gestanden hatte, in das der Papst gegangen war.“ Tondo:  Das Viertel wird ein paar Jahre später mit seinem Smokey Mountain, einem hohen Müllberg direkt am Hafen, zu einem peinlichen Wahrzeichen der Hauptstadt werden.
   „Aus Anlass des Besuchs von Paul VI. kamen Bischöfe aus ganz Asien nach Manila. Und dort gründeten sie, mit seiner Ermutigung, den Verband asiatischer Bischofskonferenzen. Das war der Anfang. Der Papst weihte auch Radio Veritas Asien ein, so dass von da an über das Radio evangelisiert werden konnte. Das sind alles Dinge, die bleiben.“
   Mit einer feierlichen Botschaft wendet sich Paul VI. am letzten Reisetag, dem 29.11.1970, über Radio Veritas an alle Völker Asiens. Er spricht von einer „Kreuzung antiker und moderner Kulturen“ und urteilt, Asien habe „erhebliche Bedeutung für die Zukunft der ganzen Welt“. „Mit der spirituellen Vision, die zu eurer Tradition gehört, mit eurem Sinn für Disziplin, Moral und Familie solltet ihr die Kraft haben, euch dem Materialismus entgegenzustemmen und in dieser Hinsicht auch der westlichen Zivilisation zu helfen...“

   1981: Wieder kommt ein Papst auf die Philippinen, diesmal ist es Johannes Paul II. Immer noch regiert Ferdinand Marcos, längst zum Diktator mutiert; immerhin hat er noch vor dem Eintreffen des Papstes das Kriegsrecht wieder aufgehoben, das fast zehn Jahre in Kraft gewesen war. Am Flughafen raspelt Marcos Süßholz, während seine prunksüchtige Frau Imelda in der ersten Reihe sitzt. „Heiliger Vater, wir setzen in Sie die Hoffnung, dass Sie diesen Staat und unsere Kirche zurückführen werden zu Jesus Christus!“
   Der Papst nimmt sich Zeit, reist auch ins Landesinnere, geht in Slums und Flüchtlingslager, spricht wie schon sein Vorgänger über Radio Veritas. „An euch, ihr Völker Asiens wende ich mich, an euch, Hunderte Millionen Männer und Frauen...“ Vor allem aber ist er gekommen, um Lorenzo Ruiz seligzusprechen, einen Laienmissionar aus dem 17. Jahrhundert. Es ist die erste Zeremonie dieser Art außerhalb von Rom oder Avignon, die erste überhaupt in Asien: Die Philippinen bekommen ihren ersten einheimischen Seligen. Aber die internationalen Medien beobachten auch interessiert, wie Johannes Paul Dissidenten im Land Stichworte liefert. „Ich will meine Brüder und Schwestern der katholischen Kirche in ihrem Glauben an unseren Herrn Jesus Christus stärken, der unsere Gerechtigkeit und unser Friede ist.“ Von der Papstreise geht eine Ermutigung für katholische Widerständler aus, die fünf Jahre später mit beiträgt zu der sogenannten Rosenkranz-Revolution.  Marcos flieht ins Ausland, die Demokratie hält Einzug im Land.

  Januar 1995: Der internationale Weltjugendtag kommt erstmals nach Asien, nach Manila – und mit ihm kommt auch Johannes Paul. Er ist schwächer als bei seinem letzten Besuch, im Jahr zuvor hat man bei ihm Parkinson diagnostiziert. Am 15. Januar nehmen deutlich über vier Millionen Menschen an der Abschlussmesse des Weltjugendtags im Rizal-Park teil; eine japanische Firma, die Luftaufnahmen macht, kommt sogar auf etwa sechs Millionen. Es ist der größte Gottesdienst, wahrscheinlich sogar die größte Menschenansammlung in der Geschichte. Kardinal Jaime Sin hat nachgeholfen, hat alle sonstigen Messfeiern in den Pfarreien der Stadt untersagt, so dass die Gläubigen zum Papst strömen. Für das Papamobil ist kein Durchkommen, Johannes Paul muss den Hubschrauber nehmen. 
   „Jesus Christ ist derselbe für einen jeden, und seine Botschaft ist immer dieselbe!“, ruft der Papst der Menge zu: „In ihm gibt es keine Spaltungen, keine ethnischen Rivalitäten, keine soziale Diskriminierung. Alle sind Brüder und Schwestern in der einen Familie Gottes!“ Johannes Paul versucht, von Manila aus ganz Südostasien zu erreichen: „Beten und handeln“, das rufe er heute vor allem den jungen Leuten auf den Philippinen und den jungen Leuten Chinas zu. Allerdings, das Regime von Peking hat jungen Leuten nicht die Anreise zu dem Großereignis von Manila erlaubt, zwischen der Volksrepublik und dem Vatikan herrscht Eiszeit. „Söhne und Töchter dieser Weltregion, die das Zuhause eines Großteils der Menschheitsfamilie ist – zu jedem von euch sagt Christus: ‚Ich sende dich aus!’“ Der Enthusiasmus ist ungeheuer, auch wenn die Worte des Papstes gar nicht von allen in dieser Riesenmenge gehört werden können. Und jetzt, 2015: die Reise von Papst Franziskus auf die Philippinen. Die Geschichte geht weiter. Rv150114

2015 Franziskus besuchte das katholischste Land Asien
Die Geschichte der Philippinen ist eine Erfolgsgeschichte der katholischen Mission
Ein herzlicher Empfang der Bevölkerung ist ihm sicher: Manilas Straßen sind für das Großereignis geschmückt

  Papst Franziskus besuchte das katholischste Land Asiens. Während insgesamt laut kirchlicher Statistik nur 3,2 Prozent der gut vier Milliarden Einwohner Asiens katholisch sind - also weit weniger als auf allen anderen Kontinenten -, gehören auf den Philippinen 85 Prozent der etwa 100 Millionen Einwohner der katholischen Kirche an. Abgesehen von der kleinen Republik Timor-Leste sind die Philippinen das einzige Land Asiens mit katholischer Bevölkerungsmehrheit. Kein Wunder also, dass die Philippinen in Rom besondere Aufmerksamkeit genießen. Im November 1970 besuchte Paul VI. als erster Papst die Inselgruppe: Er traf sich mit Armen, Laien, kirchlichen Gemeinschaften und den Bischöfen Asiens, appellierte in Manila für den Frieden in Vietnam, weihte Priester und eröffnete „Radio Veritas", einen internationalen katholischen Sender unter der Patronage der asiatischen Bischöfe. Johannes Paul II. besuchte die Philippinen sogar zweimal: im Februar 1981 und im Januar 1995. Jetzt warten die philippinischen Katholiken auf den vierten Papstbesuch, der unter dem Motto „Barmherzigkeit und Mitgefühl" steht.
   Die Geschichte der Philippinen wird immer wieder als gelungenes Beispiel christlicher Missionierung erzählt. Diese beginnt mit der Entdeckung der Inselgruppe durch den Portugiesen Ferdinand Magellan 1521. Der große Seefahrer nannte die Inseln „Archipel des heiligen Lazarus", ließ seinen Schiffskaplan Pedro de'Valdemarra die erste Heilige Messe auf der Inselgruppe feiern und trug persönlich zu den ersten Bekehrungen bei. Magellan selbst wurde auf der kleinen Insel Mactan von einem lokalen Häuptling erschlagen. Von seinen fünf Schiffen, die mit 265 Mann Besatzung ausgezogen waren, kehrte letztlich nur ein Schiff mit 22 Mann nach Spanien zurück - reich beladen mit Gewürzen. 1565 begann die spanische Krone mit der systematischen Eroberung des fernen Archipels, und zugleich auch mit der Missionierung: Der Eroberer Miguel Lopez de Legazpi wurde begleitet von Augustinermönchen unter der Führung von Andres de Urdaneta. Die Christianisierung begann dort, wo auch Magellan gelandet war, auf Cebu. Hier fanden die Spanier ein Bild des Jesuskindes, welches Magellan der Frau des bekehrten Häuptlings Humabon zur Taufe geschenkt hatte, hier weihten sie ihre erste Siedlung dem heiligsten Namen Jesu, hier errichteten sie die erste Kirche und das erste Kloster.
  1571 eroberten die Spanier Manila, vertrieben den muslimischen König Rajah Sulayman, und bauten die Bucht der Stadt zu einem internationalen Handelsknotenpunkt aus. 13 Jahre lang lag die Christianisierung der Philippinen ganz in der Hand der Augustiner, dann landeten auch Franziskaner,Jesuiten und Dominikaner auf der Inselgruppe. Domingo de Salazar, ein spanischer Dominikaner und Schüler des berühmten Bartolome de Las Casas, welcher sich für die Rechte der Ureinwohner Ameri­kas eingesetzt hatte, wurde der erste Bischof von Manila, das 1595 zur Erzdiözese erhoben wurde und seitdem auch kirchlich die dominante Rolle auf dem Archipel einnahm. Bischof Salazar berief eine Synode ein, die die Sklaverei verurteilte und beschloss, das Evangelium in den Landessprachen zu verkündigen. Diese mutigen Entscheidungen musste der Bischof von Manila sogar vor dem königlichen Gericht in Madrid verteidigen.
   Der dominikanische Historiker Lucio Gutierrez schrieb, dass die Eroberung der Philippinen weniger durch das Schwert der Eroberer erfolgte als durch das Kreuz der Missionare: „Es war der Eifer und die fürsorgliche Liebe der Missionare, die die Filipinos in den Schoß der Kirche führten." Das erste auf den Philippinen gedruckte Buch war die 1593 von Dominikanern vervielfältigte „Doctrina Christiana", aus der fortan vor den Sonntagsmessen gelesen wurde. Die Missionare betrieben intensive Katechesen, nicht nur vor, sondern auch nach der Taufe. Dabei wurden althergebrachte Traditionen durchaus integriert oder beibehalten.
   Die Ordensleute bauten nicht nur Kirchen und Klöster, sondern Straßen, Brücken, Farmen, Krankenhäuser und Waisenhäuser. Augustiner und Franziskaner eröffneten Schulen, die Jesuiten und die Dominikaner gründeten die ersten Universitäten Asiens in Manila: die Päpstliche Universität
   Santo Tomas, wo Papst Franziskus am 18. Januar seine Begegnung mit den Religionsführern haben wird, und die Universität San Ignacio in Manilas Stadtkern Intramuros. Bald wuchsen heimische Berufungen. Im 17. Jahrhundert wurden die ersten Filipinos geweiht. Kongregationen, Gebetsgemeinschaften, Bruderschaften und religiöse Vereine wurden gegründet.
   Aus dem missionierten Land wurde auch ein Land der Missionare: 1637 starb der Filipino Lorenzo Ruiz, der der dominikanischen Bruderschaft vom Heiligen Rosenkranz angehörte, in Japan den Märtyrertod. Johannes Paul II. sprach ihn 1981 als ersten Filipino in Manila selig, und 1987 in Rom heilig. Der philippinische Laienkatechet Pedro Calungsod erlitt 1672 in Guam, bei der Evangelisierung der größten Insel des Marianen-Archipels im westpazifischen Ozean, das Martyrium. Er wurde von Speeren der Eingeborenen durchbohrt, als er sich schützend vor einen Missionar stellte. Papst Benedikt XVI. sprach den Laienmissionar 2012 heilig.
   1773 wurde das erste Priesterseminar zur Ausbildung eines lokalen Weltklerus in Manila gegründet. Dadurch, aber auch durch die Unterschiede im Ausbildungsniveau, kam es zu Spannungen zwischen dem Ordensklerus und dem neuen, angestammten Weltklerus. Ein gutes Jahrhundert später erschütterte die Unabhängigkeitsbewegung das Land: Jose Rizal gründete 1892 die „Liga Filipina". Zu dieser Zeit gab es auf der Inselgruppe 967 Pfarreien und Missionen, von denen mindestens 800 von Ordensleuten geführt wurden. Im Laufe der „Philippinischen Revolution" von 1898 wurden 400 von ihnen gefangengenommen, viele auch ermordet. Die Vereinigten Staaten von Amerika beschlossen den Krieg gegen Spanien und eroberten gemeinsam mit philippinischen Einheiten Manila. Noch im selben Jahr wurde die erste Verfassung verabschiedet, die USA kauften Spanien im Frieden von Paris die Philippinen für 20 Millionen Dollar ab. Damit, und mit dem kurzen philippinisch-amerikanischen Krieg, begann eine Epoche der faktischen Herrschaft Washingtons über die Philippinen.
   1905 ernannte der Heilige Stuhl den ersten einheimischen Weltpriester zum Bischof. Leo XIII. rühmte die Vitalität der Kirche auf den Philippinen. Doch gleichzeitig zeichneten sich neue Herausforderungen ab: Amerika stellte das Landeigentum der Ordensgemeinschaften in Frage. Protestantische Missionare kamen auf den Archipel. 1937 waren die Philippinen als erstes asiatisches Land Gastgeber des Internationalen Eucharistischen Kongresses. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, an dem mit Rufino Jiao Santos auch der erste philippinische Kardinal teilnahm, präsentierte sich die katholische Kirche auf den Philippinen als „Kirche der Armen". Das Ende der zwei Jahrzehnte währenden Marcos-Diktatur 1986 verdankt sich nicht zuletzt der Tatsache, dass sich die Bischöfe schließlich offen gegen den Autokraten wandten. Heute zählt die Kirche im katholischsten Land Asiens 86 Erzdiözesen, Diözesen und Apostolische Vikariate. Mit einer Vielzahl von Gemeinschaften und Initiativen setzt sich die Kirche für Arme, Obdachlose und Slum-Kinder ein. DT151010StephanBaier

Der Schwarze Nazarener von Manila: Wallfahrt der Superlative
Auf dem Weg zur Kathedrale: Papst Franziskus

   Auf dem Weg zur Kathedrale ist Papst Franziskus auch durch Quiapo gefahren: Hier steht die berühmte Wallfahrtskirche des Schwarzen Nazareners, deren Fest jedes Jahr im Januar Millionen von Filipinos anzieht. „Wir sind extra nicht mit der Statue des Schwarzen Nazareners zum Papst gegangen, sonst hätten die Leute sich nur noch auf die Statue gestürzt und nicht mehr so sehr für den Papst interessiert.“ Das sagte uns der zweite Leiter der Pilgerseelsorge in Quiapo, Pater Ricardo Valencia jr., bei einem Gespräch in seinem Büro neben der Kirche. Wir fragten ihn nach der Geschichte und der Bedeutung der Wallfahrt.
   „Die Statue des Schwarzen Nazareners kam aus Mexiko, aus Acapulco; sie wurde von den ersten Missionaren hierher gebracht und zunächst in einer Kirche namens St. Johannes der Täufer im Luneta-Park aufgestellt; diese Kirche lag außerhalb der (spanischen Stadt-)Mauern, also extra-muros. Als sie zerstört wurde, gelangte die Statue in eine Kirche in Intramuros, und jetzt ist sie hier, seit 1706.“
Warum diese unglaubliche Verehrung für den Schwarzen Nazarener?
   „Dazu gibt es viele Theorien. Soziologen würden sagen: Er ist so populär bei uns Filipinos, weil er zum einen ebenfalls eine dunkle Hautfarbe hat. Zum anderen können wir uns mit einem Bild des Leidens identifizieren, weil unsere Geschichte in erster Linie eine Leidensgeschichte war; darum sagt uns ein Abbild Christi auf seinem Kreuzweg unmittelbar etwas.
   Wenn man auf die Statue des Schwarzen Nazareners schaut, muss man bedenken, wieviel er vielen Menschen bedeutet. Sie stellt nicht einen Menschen vor, der vom Leiden schon besiegt ist; wenn man genau hinsieht, stellt man fest: Er fällt nicht, sondern er steht gerade wieder auf. Nach der Überlieferung ist Jesus auf seinem Kreuzweg zum Kalvarienberg dreimal gestürzt – aber das Bild, das wir hier haben, ist eines der seltenen, das ihn beim Wiederaufstehen darstellt. Er steht wieder auf, und seine andere Hand ist ausgestreckt, um denen zu helfen, die seine Hilfe brauchen. Für uns Filipinos bedeutet das symbolisch eine Ermutigung, fortzufahren in unserer Aufgabe. Wer Ermutigung braucht, findet sie in seinem Antlitz – darum ist das für uns ein Bild der Hoffnung.
„Er fällt nicht, sondern steht wieder auf“
  
Hinzu kommt, dass der Schwarze Nazarener als ausgesprochen wundertätig gilt. Wenn Sie mit seinen Verehrern sprechen, dann werden Sie hören: An einem bestimmten Punkt in ihrem Leben haben sie Hilfe von ihm gespürt. Ich halte das für etwas ganz Natürliches: Wenn Sie irgendwo hingehen, um um etwas zu bitten, kommen Sie doch nicht hinterher wieder, wenn Sie nichts bekommen haben. Viele Filipinos, die aus Arbeitsgründen ins Ausland ziehen, kommen vorher hier vorbei, bitten um Erleuchtung und Hilfe. Und wenn sie wieder in die Heimat kommen, dann kommen sie auch hierhin.
   Es ist auch sehr eingebettet in unsere Kultur als ein Volk, das sehr dankbar ist. Wenn Sie uns etwas Gutes tun, dann werden wir das niemals vergessen. Und deswegen kommen die Menschen immer wieder hierhin – aus Dankbarkeit. Nicht nur, um um etwas zu bitten, sondern auch zum Dank. Aus Dankbarkeit.“

Erzählen Sie uns doch bitte auch etwas von der Prozession des Schwarzen Nazareners durch Manila,
jedes Jahr am 9. Januar

„Die Königin der Fiestas“
  
„Wir sehen das als die Königin unserer Fiestas, und der Höhepunkt der Fiesta besteht darin, dass die Statue in feierlicher Prozession von der Stelle, wo sie ursprünglich einmal aufgestellt war, hier nach Quiapo getragen wird. Früher mal fand diese Prozession nur hier in der Kirche von Quiapo statt, und wir müssen vielleicht wieder dahin zurückkehren, vor allem um die vielen Unfälle zu verhindern, zu denen es leider am Rand der Prozession jedes Mal kommt. Letztes Jahr haben zwölf Millionen Menschen an unserer Fiesta teilgenommen, und dieses Jahr waren es noch mehr – vielleicht dreizehn oder vierzehn Millionen. Sie sehen ja, noch ein paar Tage nach der Fiesta haben wir hier ziemlich viel Betrieb.
   In Quiapo haben wir jeden Tag zehn Messen; an Sonn- und Feiertagen sind es fünfzehn. Und alle diese Messen werden auf tiefe Weise erlebt; dabei stehen noch mehr Menschen draußen vor der Kirche als drinnen. Die Kirche fasst 5.000 Menschen, die meisten stehen deshalb draußen um die Kirche herum. Zur Fiesta kommen so viele Menschen – ein ständiges Kommen und Gehen –, dass wir uns sehr professionell organisieren müssen, um das alles zu managen; wir können auf freiwillige Helfer zählen, und die Regierung stellt uns alles zur Verfügung, was wir anfragen. Nur damit Sie sich eine Vorstellung machen: Bei der jetzigen Fiesta hatten wir mindestens 29.600 Freiwillige. Dazu kamen 4.000 Polizisten, verstärkt durch Militär, 3.000 freiwillige Helfer aus dem Arzt- und Erste- Hilfe-Bereich, 82 voll besetzte Krankenwagen mit Ärzten und Krankenschwestern.
   Die Vorbereitung auf die Fiesta beginnt jedes Jahr sechs Monate im voraus. Eine nicht nur logistische, sondern auch geistliche Vorbereitung: Jede Woche schicken wir eine oder zwei Gruppen in geistliche Exerzitien, aber die Freiwilligen sind so viele, dass wir noch nicht einmal zehn Prozent von ihnen erfasst haben. Zum Glück bilden sie selbst Gruppen und kommen vor allem an Freitagen (wo an das Leiden Jesu gedacht wird). Unser letzter Freitag im Jahr hat alle Rekorde gebrochen, da kamen so viele Menschen, dass man noch nicht mal eine Stecknadel hätte fallen lassen können, ohne dass sie jemanden getroffen hätte. Alles war voller Menschen; es ist während dieser Stunden nicht einfach, hierhin zu kommen.“
„Dann greifen wir erst recht zu!“
  
Für einen Europäer ist diese Art der Volksfrömmigkeit auf den Philippinen etwas Überraschendes; wir haben große Theologie, aber keine so vollen Kirchen wie hier. Woher kommt diese philippinische Art des Katholisch-Seins? Ist das eine Mentalitätsfrage, oder ist das wirklich eine andere Art des Christseins?
   „Es gibt eben ganz verschiedene Arten und Weisen, wie die Kirche sich in der Welt manifestiert! Der europäische Katholizismus hat einen hohen Grad an Reinheit des Glaubens, weil er sehr rationell ist, aber er verliert gleichzeitig seine Gläubigen. Dabei sind eure Kirchen in Europa viel größer als unsere… aber sie leeren sich, und einige verwandeln sich sogar in Museen. Hierhin dagegen kommen die Leute – nicht etwa, weil sie die Dinge theologisch oder rationell gut verstanden hätten. Es sieht also so aus: Die Kirchen, die auf Reinheit des Glaubens und seine systematische Durchdringung setzen, verlieren Gläubige. Die Kirchen hingegen, die auf Volksfrömmigkeit, Heiligenverehrung, Prozessionen, Sakramente und Gottesdienste setzen, sind die Kirchen, die immer noch voll von Menschen sind.
   Wir sind Asiaten: Wir sind sehr expressiv in unserem Glauben. Wenn Sie uns sagen ‚Bitte nicht anfassen‘, dann greifen wir erst recht zu! Wenn wir unsere Liebe zu jemandem ausdrücken wollen, dann müssen wir das aus innerem Antrieb auch physisch fühlen. Darum ist es im Orient auch etwas ganz Normales und nicht etwa Verfängliches, wenn sich Männer in aller Öffentlichkeit an der Hand halten. Hier zum Schwarzen Nazarener bringen sich die Menschen – das werden Sie überall sehen – Stofftüchlein mit, oder was auch immer sie gerade haben, um damit die Statue zu berühren, und das nehmen sie dann wieder mit nach Hause. Und auch wenn das nur ein Augenblick war – diese Berührung werden sie ihr Leben lang im Gedächtnis behalten.
„Das ist keine Idolatrie“
  
Das ist keine Idolatrie im protestantischen Verständnis; wir sind einfach Menschen, die gerne Bilder haben. Wir nehmen gern ein Andenken mit von etwas, das wir mögen. Sie werden sehen, wie die Menschen am Schwarzen Nazarener Fotos machen, während alle anderen in der Schlange warten müssen, aber das ist eben unsere Art und Weise, unsere Liebe, unsere Zuneigung, unsere Gastfreundlichkeit auszudrücken. Unsere Aufmerksamkeit. Unsere Vereinigung mit dem Göttlichen. Natürlich bemühen wir uns, diese Sichtweise (so gut wir können) durch Weiterbildung zu reinigen, durch Gespräche und Seminare; aber dabei müssen wir natürlich weiter die Art respektieren, auf die die Menschen ihre Verehrung ausdrücken. Uns geht es nur darum, diese Verehrung zu vertiefen.
   Es ist nicht leicht, die Menschen zu unserer Art und Sichtweise zu bekehren; es ist einfacher, ihre Lebensweise zu respektieren und ihre Sprache zu sprechen, und von da ausgehend kommen wir auf unsere Vorstellungen, auf das, was wir studiert haben, und auf die Lehre, die wir kennen.“ rv140116sk

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Papstmesse: „Bildet Netzwerke der Solidarität“  -  Messfeier in der Kathedrale von Manila

   Was heißt es, Botschafter Christi zu sein? Dieser Frage ging Papst Franziskus an diesem Freitag in seiner Predigt in der Kathedrale von Manila nach. Er feierte die gemeinsam mit den Bischöfen, Priestern und Ordensleuten des Landes. Er rief zum Bilden von „Netzwerken der Solidarität“ auf und zum „prophetischen Zeugnis“ zu Aufbau einer gerechteren Gesellschaft, wider jede  „skandalöse Ungleichheit“.
   Jeder pastorale Einsatz wird durch Liebe geboren: Diese Botschaft setzte der Papst an den Beginn seiner Predigt, er sprach über die Jesusworte „Liebst du mich? Weide meine Schafe!“ Joh 21,15.17. „Ja” antworteten die Menschen in der Kathedrale spontan, gefolgt von einem allgemeinen Lachen. „Sagt das nicht mir, sagt das Christus!“
   Die Ordensleute und Priester stünden in einer guten Tradition der Verkündigung, aber auch der Taten der Liebe, des Aufbaus einer Gesellschaft, die von den Werten des Evangeliums geprägt sei, von Wohltätigkeit, Verzeihung und Solidarität. „Wie eure Vorgänger seid ihr berufen, Brücken zu bauen, die Herde Christi zu weiden und der Frohen Botschaft in Asien zu Beginn einer neuen Zeit frische Wege zu bereiten.“ „Wir alle sind berufen, Botschafter Christi zu sein“, setzte der Papst seinen Gedanken mit Bezug auf die Lesung fort 2 Kor 5. „Unser Dienst ist ein Dienst der Versöhnung, wir verkünden die Frohe Botschaft der unendlichen Liebe, Barmherzigkeit und des Mitgefühls. … Dies kann den Aufbau einer wirklich gerechten und erlösten sozialen Ordnung inspirieren.“
   Im Kern des Botschafter-Seins für Christus läge die persönliche Begegnung mit Jesus Christus vgl. Evangelii gaudium, 3, so müsse das auch der Kern der Verkündigung sein. Gleichzeitig riefe diese Botschaft aber auch zu einer Gewissenserforschung auf, persönlich und als Gesellschaft. „Die Kirche auf den Philippinen ist dazu berufen, die Gründe für die tief verwurzelte Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu erkennen und zu bekämpfen, die das Gesicht der philippinischen Gesellschaft entstellen und damit der Lehre Christi klar widersprechen. Das Evangelium beruft christliche Gemeinschaften dazu, ‚Kreise der Integrität’ zu bilden, Netzwerke der Solidarität, die sich ausweiten, um die Gesellschaft durch ihr prophetisches Zeugnis zu umarmen und umzuwandeln.“ Und spontan fügte der Papst hinzu: „Die Armen. Die Armen stehen im Zentrum des Evangeliums, wirklich im Zentrum des Evangeliums. Wenn wir die Armen aus dem Evangelium heraus nehmen, dann können wir die Botschaft Jesu Christi nicht verstehen.“
   Als Bischöfe, Priester und Ordensleute müssten sie gemeinsam den ersten Schritt dazu machen, so Papst Franziskus weiter, es sei ein Aufruf zu ständiger Bekehrung und eine Absage an die „geistliche Weltlichkeit“.
   „Für alle von uns bedeutet das, die Armut Christi zu betrachten, dessen gesamtes Leben darauf ausgerichtet war, den Willen des Vaters zu tun und anderen zu dienen. (..) Nur dadurch, dass wir selber arm werden und alle Selbstzufriedenheit ablegen, können wir an der Seite unserer schwächsten Brüder und Schwestern stehen. Wir werden die Dinge in einem neuen Licht sehen und so mit Ehrlichkeit und Integrität auf die Herausforderung antworten, die Radikalität des Evangeliums in einer Gesellschaft zu verkünden, die es sich mit soziale Ausgrenzung und der skandalösen Ungleichheit bequem gemacht hat.“
   Einen besonderen Aufruf richtete er an die jungen Priester, Ordensleute und Seminaristen. Sie sollten ihren Enthusiasmus mit ihren Altersgenossen teilen, so der Papst. „Seid bei denen, die inmitten einer Gesellschaft leben, die von Armut und Korruption belastet ist, die im Geist gebrochen sind, die versucht sind aufzugeben, die Schule zu verlassen und auf der Straße zu leben. Verkündet die Schönheit und Wahrheit der christlichen Botschaft einer Gesellschaft, die von verwirrenden Vorstellungen von Sexualität, Ehe und Familie versucht sind.“
   Die Tradition des Glaubens auf den Philippinen und besonders die Frömmigkeit enthalte missionarisches Potential, schloss der Papst seine Gedanken. Er rief die Gläubigen dazu auf, auf diesem Fundament aufzubauen. Er wünsche ihnen, dass sie sich selbstlos im Dienst für die Nächsten einsetzen könnten.

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   Begrüßt worden war der Papst von Kardinal Luis Antonio Tagle im Foto rechts, dem Erzbischof der Stadt. In seiner kurzen Ansprache deutete er den Papstbesuch als Hilfe für die Menschen, nach Katastrophen und Leid immer wieder aufzustehen. Außerdem würdigte er den Besuch als einen Erneuerungsimpuls für die Kirche, Papst Franziskus bringe „Feuer der Reinigung, ein Erdbeben des Aufweckens und Waffen des Glaubens", so Tagle.
   2.000 Menschen waren in die Kathedrale gekommen, Repräsentanten aller Bistümer der Philippinen und mit Kardinal Oswald Gracias war auch der Präsident der Bischofskonferenzen ganz Asiens am Altar.
   Bereits zuvor war der Papst auf dem Vorplatz von Tausenden Menschen mit Jubel erwartet worden, auch während der Messe war die gesamte Umgebung der Kirche voller Menschen. Auch den fünf Kilometer langen Weg vom Präsidentenpalast, wo die offizielle Begrüßung durch Benigno Aquino und ein Treffen mit Politikern und Diplomaten stattgefunden hatte, zur Kathedrale säumten große Menschenmengen. Franziskus legte die Strecke in einem offenen Wagen zurück. Rv150116ord  

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Tägliche Begegnung mit dem Herrn    -     Einzug in die Kathedrale von Manila
Predigt von Papst Franziskus bei der Eucharistiefeier mit Bischöfen, Priestern und Ordensleuten
Manila, Marien-Kathedrale, 16. Januar 2015   -   Papstpredigt im Wortlaut.

   „Liebst du mich? …  Weide meine Schafe!“ Joh 21,15-17.“ – „Ja“ unterbricht die Gemeinde – „Danke, aber ich habe die Worte des Herrn vorgelesen. Sagt das nicht mir, sagt das Jesus! Die Worte Jesu an Petrus im heutigen Evangelium sind die ersten Worte, die ich an euch richte, liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst, liebe Ordensleute und junge Seminaristen. Diese Worte erinnern uns an etwas Wesentliches. Jeder pastorale Dienst wird aus Liebe geboren, jeder pastorale Dienst wird aus Liebe geboren. Jedes geweihte Leben ist ein Zeichen der versöhnenden Liebe Christi. Wie die heilige Thérèse ist in der Vielfalt unserer Berufungen jeder von uns berufen, in irgendeiner Weise die Liebe im Herzen der Kirche zu sein.
   Ich begrüße euch alle mit großer Liebe. Und ich bitte euch, meine Liebe zu allen euren alten und kranken Brüdern und Schwestern zu bringen und zu all denen, die heute nicht bei uns sein können. Da die Kirche in den Philippinen auf den fünfhundertsten Jahrestag ihrer Evangelisierung schaut, empfinden wir Dankbarkeit für das Erbe, das so viele Bischöfe, Priester und Ordensleute vergangener Generationen uns hinterlassen haben. Ihr Einsatz galt nicht nur der Verkündigung des Evangeliums und dem Aufbau der Kirche in diesem Land, sondern sie bemühten sich auch, eine Gesellschaft zu formen, die von der Evangelienbotschaft der Liebe, der Vergebung und der Solidarität im Dienst des Gemeinwohls geprägt ist. Heute setzt ihr dieses Werk der Liebe fort. Wie sie seid ihr berufen, Brücken zu bauen, Christi Herde zu weiden und in Asien beim Anbruch eines neuen Zeitalters neue Wege für das Evangelium vorzubereiten.
   „Die Liebe Christi drängt uns“ 2 Kor 5,14. In der heutigen ersten Lesung sagt uns der heilige Paulus, dass die Liebe, die zu verkünden wir berufen sind, eine versöhnende Liebe ist, die aus dem Herzen des gekreuzigten Erlösers strömt. Wir sind  berufen, „Gesandte an Christi statt" 2 Kor 5,20 zu sein. Uns obliegt der Dienst der Versöhnung. Wir verkünden die Frohe Botschaft von Gottes grenzenloser Liebe und Barmherzigkeit und seinem unendlichen Mitgefühl. Wir verkünden die Freude des Evangeliums. Denn das Evangelium ist die Verheißung von Gottes Gnade, die allein unserer zerrissenen Welt Ganzheit und Heilung bringen kann. Sie kann den Aufbau einer wirklich gerechten und ausgeglichenen Gesellschaftsordnung anregen.
   Die Armen. Die Armen stehen im Zentrum des Evangeliums, wirklich im Zentrum des Evangeliums. Wenn wir die Armen aus dem Evangelium heraus nehmen, dann können wir die Botschaft Jesu Christi nicht verstehen.
   Gesandter an Christi statt zu sein, bedeutet vor allem, alle zu einer erneuten persönlichen Begegnung mit Jesus, dem Herrn, einzuladen vgl. Evangelii gaudium, 3. Unsere persönliche Begegnung mit ihm. Diese Einladung muss im Mittelpunkt eurer Gedenkfeier der Evangelisierung der Philippinen stehen. Doch das Evangelium ist auch eine Aufforderung zur Umkehr, zu einer Gewissenserforschung als Einzelne wie als Volk. Wie die Bischöfe der Philippinen zu Recht gelehrt haben, ist die Kirche in den Philippinen berufen, die Ursachen der tief verwurzelten Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu erkennen und zu bekämpfen, die das Gesicht der philippinischen Gesellschaft verunzieren und in krassem Widerspruch zur Lehre Christi stehen. Das Evangelium fordert die einzelnen Christen auf, ein Leben der Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit zu führen und sich um das Gemeinwohl zu kümmern. Doch es fordert auch christliche Gemeinschaften auf, „Zirkel der Rechtschaffenheit“ zu bilden, Netzwerke der Solidarität, die sich so ausdehnen können, dass sie durch ihr prophetisches Zeugnis die Gesellschaft umarmen und sie verwandeln. 
   Als Gesandte an Christi statt sollten wir Bischöfe, Priester und Ordensleute die Ersten sein, die die versöhnende Gnade in unsere Herzen aufnehmen. Der heilige Paulus macht deutlich, was damit gemeint ist. Es bedeutet, weltliche Sichtweisen abzulegen und im Licht Christi alles neu zu sehen. Es bedeutet, dass wir als Erste unser Gewissen erforschen, unsere Fehler und Sünden erkennen und den Weg der ständigen Umkehr einschlagen müssen. Wie können wir anderen die Neuheit und die befreiende Kraft des Kreuzes verkünden, wenn wir selbst uns weigern, dem Wort Gottes zu erlauben, unsere Selbstgefälligkeit, unsere Angst vor Veränderungen, unsere kleinlichen Kompromisse mit den Wegen dieser Welt, unsere „spirituelle Weltlichkeit“ vgl. Evangelii gaudium, 93 zu erschüttern?
   Für uns Priester und geweihte Personen schließt die Umkehr zur Neuheit des Evangeliums eine tägliche Begegnung mit dem Herrn im Gebet ein. Die Heiligen lehren uns, dass dies die Quelle allen apostolischen Eifers ist! Für Ordensleute bedeutet das Leben der Neuheit des Evangeliums auch, im Gemeinschaftsleben und -apostolat stets aufs Neue den Ansporn zu finden für eine immer engere Verbindung mit dem Herrn in vollkommener Liebe. Für uns alle bedeutet es, ein Leben zu führen, das die Armut Christi widerspiegelt, dessen ganzes Leben darauf konzentriert war, den Willen des Vaters zu tun und den anderen zu dienen. Die große Gefährdung eines solchen Lebensstils ist sicherlich ein gewisser Materialismus, der sich in unser Leben einschleichen und das Zeugnis, das wir bieten, beeinträchtigen kann. Nur wenn wir selber arm werden, wenn wir unsere Selbstgefälligkeit ablegen, werden wir fähig sein, uns mit dem Geringsten unserer Brüder und Schwestern zu identifizieren. Wir werden die Dinge in neuem Licht sehen und uns so mit Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit der Herausforderung stellen, die Radikalität des Evangeliums in einer Gesellschaft zu verkünden, die es sich mit sozialer Ausgrenzung, Polarisierung und skandalöser Ungleichheit bequem gemacht hat.
   Hier möchte ich ein spezielles Wort an die jungen Priester, Ordensleute und Seminaristen unter uns richten. Ich bitte euch, eure Freude und eure Begeisterung für eure Liebe zu Christus und zur Kirche mit allen, besonders aber mit euren Altersgenossen zu teilen. Seid jungen Menschen nahe, die vielleicht desorientiert und mutlos sind, die Kirche aber immer noch als ihre Gefährtin auf der Reise und als eine Quelle der Hoffnung ansehen. Seid denen nahe, die, weil sie inmitten einer von Armut und Korruption belasteten Gesellschaft leben, innerlich zerbrochen und versucht sind, aufzugeben, die Schule zu verlassen und auf der Straße zu leben. Verkündet einer Gesellschaft, die durch verwirrende Darstellungen von Sexualität, Ehe und Familie in Versuchung geführt wird, die Schönheit und die Wahrheit der christlichen Botschaft. Wie ihr wisst, geraten diese Realitäten zunehmend unter den Beschuss mächtiger Kräfte, die drohen, Gottes Schöpfungsplan zu entstellen und eben jene Werte zu verraten, die das Beste in eurer Kultur inspiriert und geformt haben.
   Die philippinische Kultur ist tatsächlich durch die Vorstellungen des Glaubens geprägt worden. Überall sind die Philippinen bekannt für ihre Liebe zu Gott, ihre glühende Frömmigkeit und ihre herzliche Verehrung der Gottesmutter und ihres Rosenkranzes. Dieses bedeutende Erbe enthält ein machtvolles missionarisches Potenzial. Es ist der Weg, auf dem euer Volk das Evangelium inkulturiert hat und sich dessen Botschaft immer noch zu Eigen macht vgl. Evangelii gaudium, 122. Baut bei euren Bemühungen zur Vorbereitung der Fünfhundert-Jahr-Feier auf diesem soliden Fundament auf.
   Christus ist für alle gestorben, so dass wir, wenn wir in ihm gestorben sind, nicht mehr für uns selbst leben dürfen, sondern für ihn vgl. 2 Kor 5,15.  Liebe Brüder im bischöflichen und priesterlichen Dienst und im Ordensleben, ich bitte Maria, die Mutter der Kirche, für euch alle das Geschenk eines überströmenden Eifers zu erwirken, so dass ihr unseren Brüdern und Schwestern selbstlos und mit ganzer Hingabe dient. Möge auf diese Weise die versöhnende Liebe Christi immer vollkommener in die Struktur der philippinischen Gesellschaft eindringen und durch euch zu den fernsten Gegenden der Welt gelangen. Rv150116ord 

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Begegnung mit Jugendlichen in Manila: „Wirklichkeit ist wichtiger als Ideen“

   Ein Straßenkind, ein Jura-Stundent und ein junger Mann mit einer eigenen kleinen Hilfsorganisation: Papst Franziskus begegnete an diesem Sonntagmorgen exemplarisch der Wirklichkeit von Jugendlichen auf den Philippinen. An der katholischen Thomas-Universität in Manila fand eine Veranstaltung der Begegnung mit Jugendlichen statt, auf dem Sportplatz der Universität waren schon vor Beginn der Veranstaltung 30.000 von ihnen versammelt, mehrere tausend weitere verfolgten die Begegnung von außerhalb. Aber die Menschenmenge nahm immer weiter zu, die Radio Vatikan Korrespondenten sprechen von zum Schluss nicht mehr zählbaren Mengen.
   Zuerst gedachte der Papst der jungen Frau, die bei der Messe an diesem Samstag ums Leben gekommen war und betete gemeinsam mit den Tausdenden von Menschen für sie:  „Gestern, als die Messe begann, fiel ein Teil von einem Gerüst herunter und traf eine junge Frau, die dort arbeitete, und sie starb. Sie hieß Kristel. Sie arbeitete für eine Organisation, die die Messe vorbereitete. Sie war 27 Jahre alt, jung wie ihr auch. Sie arbeitete als Freiwillige für den Catholic Relief Service. Ich möchte euch alle, die ihr auch jung seid, bitten einen Augenblick in Stille mit mir zu beten und dann werden wir unsere Mutter im Himmel um Fürsprache bitten. [Stille, dann leitet Papst Franziskus ein Ave Maria] Lasst uns auch für ihre Eltern beten. Sie war ihr einziges Kind. Ihre Mutter kommt aus Hong Kong hierher und ihr Vater ist hier, in Manila. [Papst Franziskus betet ein Vater Unser]."
„Unter euch sind nur wenige Mädchen"
   Drei Jugendliche erzählten aus ihrem Leben. Ein junges Mädchen, ein ehemaliges Straßenkind, war voller Emotionen und konnte gar nicht mehr aufhören zu weinen. Papst Franziskus versuchte sie mit Umarmung zu trösten. Ein weiterer Jugendlicher übergab dem Papst ein versiegeltes Glasgefäß voller Zettel, auf jedem ein Gedanke eines Studierenden an der Hochschule für den Papst.
   „Unter euch sind nur wenige Mädchen, zu wenige. Frauen haben uns so viel zu sagen in unserer Gesellschaft heute. Manchmal sind wir zu sehr „Macho“ und erlauben Frauen nicht genug Raum. Aber Frauen können die Dinge aus einem anderen Blickwinkel sehen, mit anderen Augen. Frauen können Fragen stellen, die wir Männer unfähig sind zu verstehen. Schaut genau hin: Sie [die junge Frau, die dem Papst eine Frage gestellt hatte] ist die einzige, die mir eine Frage gestellt hat, auf die es keine Antwort gibt. Sie konnte es nicht in Worten ausdrücken, aber mit Tränen. Wenn also der nächste Papst nach Manila kommt, bitte lasst mehr Mädchen dabei sein.“

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Warum leiden Kinder?
   „Ich danke Jun, dass sie so mutig war und über ihre Erfahrungen gesprochen hat“, fuhr der Papst fort. Jun, 14 Jahre alt, hatte von ihrer Zeit als Straßenkind berichtet, von „fürchterlichen Dingen, die meinen Freunden auf der Straße passiert sind", von Kriminalität und Prostitution. Sie brach in Tränen aus und konnte nicht weiter sprechen. „Wie ich schon gesagt habe, das Herz deiner Frage hat keine Antwort. Nur wenn wir über die Dinge, die zu erzählt hast, weinen können, können wir in die Nähe einer Antwort kommen. Warum leiden Kinder so viel? Warum leiden Kinder? Wenn das Herz diese Fragen stellen kann und weint, dann können wir sie verstehen.“ Es gebe ein weltliches Mitleid, das letztlich nutzlos sei, das Mitleid des Griffs in die Tasche und der Almosen. „Wenn Christus diese Art von Mitleid gehabt hätte, hätte er einige Menschen gegrüßt, ihnen etwas gegeben und wäre weitergegangen.“ Erst als er selbst geweint habe, verstand er das Leben der Menschen, so Papst Franziskus. „Liebe Jungen und Mädchen, die Welt heute kann nicht mehr weinen. (..) Aber bestimmte Wirklichkeiten des Lebens kann man nur mit den Augen sehen, die durch Tränen gereinigt wurden. Ich lade euch alle ein, euch zu fragen: Habe ich gelernt zu weinen? Das möchte ich euch heute als erstes sagen: lasst uns lernen, zu weinen, wie sie [Jun] hier geweint hat und lasst uns das nicht vergessen.
Werte in der Welt von heute
   Leandro Santos, der zweite Sprecher und ein Student der Hochschule, hatte von Werten und Vorbildern in der Informationsgesellschaft gesprochen. Papst Franziskus begann seine Antwort damit, dass er diese neue Welt erst einmal wertschätzte. Aber: „Wir haben so viel Information aber vielleicht wissen wir gar nicht mehr, was wir damit tun sollen. Wir werden zu einem Museum von jungen Menschen, die alles haben, aber nicht mehr wissen, was sie damit tun sollen.“ Das Evangelium habe eine Antwort, die drei Sprachen des Verstandes, des Herzens und der Hände müssten gemeinsam wirken. „Was du denkst, musst du auch fühlen und tun. Die Informationen kommen zum Herzen und werden auch umgesetzt. (..) Fühle, was du denkst und fühle, was du tust. Tue, was du denkst und was du fühlst. Diese drei Sprachen, könnt ihr das alle wiederholen? Denken, fühlen, tun … .“
   Rikki, ein Ingenieur-Student, blickte noch einmal zurück auf den Taifun von 2013, den er selber erlebt hatte, erzählte und fragte nach dem Sinn in all dem. Gemeinsam mit anderen Studenten betreibt er ein Projekt, Licht und damit ein Stück moderne Welt zu Menschen zu bringen, die sonst nichts davon haben. „Rikki hat eine gute Idee, was wir alle in unserem Leben tun können. Danke, Rikki, für all das, was du und deine Freunde tun. Ich möchte dir eine Frage stellen: Du und deine Freunde helfen anderen, aber erlaubt ihr euch auch selber, zu empfangen? Antworte darauf mit deinem Herzen.“
Auch tätigen Menschen würde eine Sache fehlen: zu Bittenden werden, fuhr Papst Franziskus fort. „Das ist nicht einfach zu verstehen (…), von den Armen evangelisiert zu werden, von denen, denen wir helfen, den Kranken, den Waisen, sie alle haben uns so viel zu geben.“ Das sei es, was das eigene Tun reifen lasse, so Papst Franziskus.
„Das ist es, was ich euch heute sagen möchte. Es tut mir leid, dass ich nicht das vorgelesen habe, was ich für euch vorbereitet habe, aber es gibt einen Satz, der mich tröstet: Wirklichkeit ist wichtiger als die Ideen. Eure Wirklichkeit ist wichtiger als das Papier, das hier vor mir liegt. Ich danke euch. Betet für mich!“      rv150118

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Peripherie Manilas: Ein Besuch in Pasay City

Pasay City, am Stadtrand von Manila
   „Die Armen sind das Zentrum des Evangeliums; die Armen sind im Herzen des Evangeliums. Wenn wir die Armen aus dem Evangelium herausnehmen, können wir nicht mehr die ganze Botschaft von Jesus Christus verstehen.“ Das sagte Papst Franziskus, von seinem Redetext abweichend, in der Kathedrale von Manila. Unmittelbar danach besuchte er überraschend ein gleich gegenüber liegendes Heim für Straßenkinder und blieb 20 Minuten bei den mehr als 200 Jungen und Mädchen. Überall in Manila gibt es Armut, himmelschreiende Armut. Ein Besuch im Elendsviertel ‚Pasay City‘ am Rand der Hauptstadt. 
   Mit Trommeln heißen uns die Menschen willkommen in ihrem Mülldorf. Sie haben gehört, dass wir vom Vatikan kommen und für den Papst arbeiten, das ist für sie Grund genug zum großen Bahnhof. „Die Menschen hier sind sehr aufgeregt, dass der Papst kommt,  weil er immer sehr klar und deutlich seine Liebe zu den Armen gezeigt hat“, erklärt uns der Pfarrer, zu dessen Pfarrei das Mülldorf gehört. „Der Papst sagt immer wieder, dass wir den Armen helfen und sie verteidigen sollen, damit sie ein von Gott erfülltes, menschenwürdiges Leben haben. Darum ihre Aufregung: Sie sehen den Papst auf ihrer Seite. So dass er sie von ihrer Armut befreit.“

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   Von einer Armut, die uns Besuchern als allererstes in die Nase steigt: mit dem durchdringenden Geruch nach Exkrementen. Überall laufen schmutzige Kinder herum, Hütten sind aus Pappe, Holzresten, Wellblech zusammengestückelt, Hühner hocken in erbärmlichen Käfigen. Strom- oder Wasserversorgung? Fehlanzeige. Der Papst kann diese Menschen doch nicht von ihrer Armut befreien, Herr Pfarrer… „Das stimmt zwar. Aber er inspiriert jeden von uns dazu, nicht aufzugeben. Er befeuert unsere Hoffnung. Er gibt die Inspiration dazu, dass jeder die Dinge zum Besseren wenden kann. So können wir dann die Gesellschaft verändern, wir können unser Leben verändern, so dass wir die alles umwandelnde Kraft Gottes erfahren. Nicht nur auf der persönlichen Ebene, sondern auch auf der Ebene der Gesellschaft.“
   Zwischen einem Drittel und einem Viertel der Bevölkerung: So hoch ist die Quote der Filipinos, die in extremer Armut leben. Das Mülldorf von ‚Pasay City‘ liegt neben einer Schnellstraße, rund um eine stinkende Brache, in der Abfälle treiben. Über die Schnellstraße soll, irgendwann in diesen Tagen, Franziskus in seinem Papamobil rollen. Und die Menschen aus dem Elendsviertel wollen ihn sehen. „Selbstverständlich! Viele wollen den Papst sehen, und ich habe gehört, dass einige von unseren jungen Leuten auf die Dächer klettern wollen, wie in der Bibel! Der Papst fährt durch diese Straße da hinten.“

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   Mitten im Gewirr des Elendsviertels: eine Straßenmesse, zelebriert in einem improvisierten Verschlag, Hunderte nehmen andächtig teil. Pater Dexter ist ein Rogationistenpater: rotes T-Shirt, Brille. Seit zwölf Jahren lebt er in einer Hütte mitten in der Misere von ‚Pasay City‘, hilft den Menschen, sich bessere Behausungen zu bauen, organisiert dafür sogar Subventionen von der Regierung. Vor allem aber geht es ihm darum, mit den Armen zu leben. „Ich glaube, das Entscheidende ist wirklich starker Glaube – ohne ihn wäre dieses Leben zu hart. Und dieser Glaube sollte gepaart sein mit leidenschaftlicher Liebe und Hoffnung, denn in dieser Leidenschaft drückt sich der Glaube aus! Wenn man die Bedürftigen liebt, braucht man eine lebendige Hoffnung, weil sonst die Probleme einen einfach erdrücken.“
   Pater Dexter hat von Kardinal Tagle von Manila die Erlaubnis bekommen, das Allerheiligste in seiner Hütte aufzubewahren. Der Tabernakel steht in dem winzigen Zimmer, in dem Dexter und zwei weitere Patres, die die gleiche Armutsentscheidung getroffen haben, auf engstem Raum wohnen. Selbstgebaute Schlafstätten, darauf die Bücher für die Doktorarbeit, an der Pater Dexter nebenher schreibt, in der Ecke das Allerheiligste, darüber ein Kreuz, daneben eine kleine Madonnenstatue. Hier zelebrieren die Patres die Messe. ‚Wenn ich das Allerheiligste hochhebe und sage, das ist mein Leib – das ist ein unglaublicher Moment‘, sagt Pater Dexter. ‚Ich sehe die Hostie in meiner Hand und unten, durch das Fenster, das Gewimmel der Armen. Das ist sein Leib.‘
   „Ich bin richtig überwältigt von der Präsenz der Menschen draußen, denn ihr Leben hält meine Spiritualität mit beiden Beinen auf dem Boden. Für mich ist Spiritualität nichts, was über uns in der Luft hängt: Sie ist Gemeinschaft mit Gott – und gleichzeitig Gemeinschaft mit anderen, vor allem mit den Armen.“
   Die Entscheidung dieser Patres zur radikalen Armut lässt auf den statusbetonten Philippinen viele aufhorchen. Sogar Präsident Aquino war schon mal hier, um sich das anzusehen. Doch den Familien der Patres hat das zunächst gar nicht gefallen, wie einer der drei zugibt. „Die haben das am Anfang nicht gern gesehen; als sie uns das erste Mal hier besuchten, war ihnen sehr unbehaglich. Sie wollten, dass wir zu ihnen zurückkämen, aber wir haben ihnen erklärt, dass das hier jetzt unser Leben ist. Als Priester müssen wir bei den Leuten sein, es ist der einzige Weg. Bei den Armen sein und mit ihnen in Armut auf Gott zugehen.“
  Es ist fast peinlich für einen Europäer, als Besucher durch diese nackte Armut von ‚Pasay City‘ geführt zu werden. Familien im Dreck, elende Hütten, auf einmal unvermittelt eine Protzkirche, die eine Sekte hier errichtet hat. An vielen Stellen steigt Rauch auf, die Leute kochen sich was über offenem Feuer. Und fast peinlich ist auch, dass alle rufen „Hello, Sir“, „What`s Your Name?“, peinlich – diese Freundlichkeit, dieses herzliche Willkommen. ‚Die Armen lehren uns etwas‘, sagt Papst Franziskus immer wieder mal – was lehren sie uns denn?, frage ich Pater Dexter. Der muss einen Moment nachdenken, dann sagt er:
   „Das Erste ist: leer werden. Leer werden von Stolz. Leer werden von uns selbst. Das erlaubt Gott, in unser Leben hineinzukommen. Und darum lehren uns die Armen, wie wir Gott in uns, in unser Leben hineinlassen. Und zweitens zeigen uns die Armen, wie man großzügig sein kann. Wenn wir ihnen etwas geben, zeigen sie uns, wie wir Gott etwas geben können. Sie lehren uns also die Liebe zu Gott. Und die Einfachheit ihres Lebens lässt uns auch verstehen, wo unsere Prioritäten liegen oder liegen sollten. Am wichtigsten aber ist die Liebe zu Gott. Diese Menschen haben nichts, sie hängen also nur von Gott ab. Das lehrt uns, dass wir in unserem Leben, was auch immer wir tun, von Gott abhängen.“ Rv140116sk

Das Allerheiligste im Müll: Papst begegnet Straßenkindern - Kultur des Wegwerfens: Straßenkinder in Manila

   Papst Franziskus hat an diesem Freitag direkt nach der Messfeier in der Kathedrale ein Haus für Straßenkinder besucht. Neben der Kirche gelegen kümmert sich die Stiftung TNK, geleitet vom französischen Priester Pater Mathieu, um zwanzig Kinder, die sonst auf der Straße leben würden. Zu diesem Anlass dazu gekommen waren viele weitere Kinder, die in anderen Häusern in Manila untergebracht sind. Für zwanzig Minuten habe der Papst mit den Kindern gesprochen, sie umarmt, Fotos machen lassen und kleine Geschenke entgegen genommen. Darunter war ein Holzbild einer Muttergottes, ein Foto des ausgesetzten Allerheiligsten inmitten von Müll, denn viele Kinder müssen sich ihren Lebensunterhalt als Müllsammler verdienen, und ein von einem Kind gemachtes Mosaik aus farbigem Papier.
   Ein sehr bewegender Augenblick wie Papstsprecher Pater Federico Lombardi gegenüber Radio Vatikan berichtet. Abgeschlossen wurde die kurze Begegnung durch den Segen des Papstes.
   Unser Korrespondent Stefan von Kempis berichtet dazu, dass Manila diese Straßenkinder als allererstes aus dem Blickfeld der Weltöffentlichkeit verbannt hätte. Entlang der Wege, die der Papst nimmt, sind selten die Ärmsten der Armen zu sehen. Zum einen liege das natürlich daran, dass das Land sich positiv präsentieren wolle. Aber auch viele Gläubigen wollten lieber, dass der Papst den Glauben, die Begeisterung und die Freude sehe, als die Armut und die Schattenseiten.  Rv150116ord 

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Hoch emotional: Franziskus und die Philippinos

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„Eigentlich sind Filipinos ,mexikanische Katholiken´!“ - Filipinos oder Mexikaner?

   Dass Papst Franziskus auf den Philippinen so gut ankommt, liegt daran, weil die Filipinos die Latinos Asiens sind. Das sagt im Gespräch mit Radio Vatikan der deutsche Seelsorger in Manila, der Steylerpater Franz-Josef Eilers. Diese tiefe und vor allem fröhliche Religiosität habe man während der Papstreise ganz klar sehen können, so Pater Eilers.
   Franz-Josef Eilers war an mehreren Universitäten der Philippinen als Dozent tätig, seit 1988 leitete er das „Office of Social Communication“ der Asiatischen Bischofskonferenz. „Eigentlich sind die Filipinos geschichtlich betrachtet mexikanische Katholiken“, erläutert der Steyler Missionar im Interview mit Radio Vatikan. Das Land selbst, Politik wie Gesellschaft, sei jedoch von Korruption geplagt, „ein katholisches Land muss da ein anderes Beispiel geben“.
   Eilers wies ausdrücklich auf eine weitere Besonderheit hin, man dürfe auch nicht vergessen, dass zehn Prozent der Filipinos im Ausland leben. „Wenn Sie nach Hongkong gehen, dann sind es ja die Filipinos, die dort die Ortskirche tragen“. Deshalb kenne das katholischste Land Asiens auch die schwierige Lage der Katholiken in jenen asiatischen Ländern gut, in denen die Kirche verfolgt werde. Es sei deshalb kein Zufall, dass auch chinesische Katholiken auf die Philippinen inkognito gereist seien, da sie sonst kaum eine andere Gelegenheit hätten, den Papst so direkt zu sehen und hören zu können.
Predigt in Tacloban wird prägen
   Und was wird von der Papstreise bleiben? Besonders die Predigt in Tacloban werde wohl noch lange das Land prägen, so Eilers. In seiner Predigt habe der Papst eine sehr wichtige theologische Botschaft vermittelt, die vor allem für die unterdrückte Kirche in Asien wichtig sei: Christus steht im Zentrum. Gerade im interreligiösen Dialog mit anderen asiatischen Religionen ist diese Bestärkung wichtig.
Hauptprobleme: Politik und Clans
   Das Hauptproblem auf den Philippinen sei die Politik: hier regiere nicht das Parlament sondern Familien. Dazu käme noch, dass die junge Generation – Pater Eilers nennt sie „Tablet-Generation“ – davon ausgehe, dass „der Lehrer alles weiß und sie nichts“. Und dann gibt es die Kirche: „Unsere Kirchenhierarchie ist davon geprägt, dass etliche unserer Bischöfe regelrecht Fürsten sind. Das ist die Clan-Mentalität in der Kultur“, so Eilers. Das schlage sich dann auch in der Politik nieder. Doch Papst Franziskus unternehme viel dagegen, sagt Eilers: „Ich hoffe, dass es ihm gelingen wird, denn das ist so tief im Blut drin. Aber ich bin sicher, dass dieser Besuch des Papstes einiges ändern wird, vor allem im Denken. Wie weit das durchgesetzt wird und bleibt, ist eine andere Frage.“ Rv150117mg

Franziskus auf den Philippinen:   Die fünf stärksten emotionalen Momente

   Auf dem Rückflug von den Philippen sagte Papst Franziskus vor den Reportern wie stark er berührt sei von der herzlichen Zuneigung der Filipinos. „Die Gesten des Volkes haben mich sehr bewegt. Das waren nicht Gesten des Protokolls, es waren gute Gesten, mitfühlende Gesten, aus dem Herzen kommende Gesten. Meine Augen wurden feucht. Alles war da: der Glaube, die Liebe, die Familie, die Zukunft“.

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Ein überraschender Besuch bei den geretteten Straßenkindern . . .
   Papst Franziskus besuchte überraschend eine Stiftung für gerettete Straßenkinder in Manila. Nach der feierlichen Messe in der Kathedrale von Manila besuchte Franziskus etwa dreihundert Kinder für eine halbe Stunde in der AMALK- Tnk-Stiftung

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Die Tacloban Messe am Ort der Taifun-Katastrophe . . .
   Die heilige Messe feierte der Papst bei einem hefti-gen Tropensturm mit den Angehörigen und Überlebenden des Haiyan-Taifuns vor 14 Monaten. In einer freien Rede bei Starkregen und Sturm zeigte er Verständnis für ihre Verzweiflung und gab ihnen das Versprechen: „Dank der Liebe von Jesus und Maria – Ihr seid nicht allein!

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Der Papst tröstet ein weinendes Mädchen . . .
   Franziskus legte die vorbereite Ansprache für das Treffen mit jungen Filipinos in der Universität Santo Tomas beiseite, als die 12-jährige Glyzelle Palomar von ihrem Leben auf der Straße berichtete und schluchzend die Frage stellte: „Warum lässt Gott dieses Leid zu?“ Der Papst hörte aufmerksam zu und nahm das Mädchen in seine Arme und antwortete ihr: „Bestimmte Gegebenheiten im Leben kann man nur mit den Augen sehen, die durch Tränen gereinigt sind.“ Glyzelle hat nun Geborgenheit im Haus der ANAK-Tnk-Stiftung gefunden.

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Die große Abschlussmesse seines Besuchs in Manila . . .
   Der Papst feierte die größte Heilige Messe der Ge-schichte mit über sechs Millionen Filipinos

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Das Treffen mit dem Vater von Kristel Padasas . . .
   Kristel Padasas, eine 23-jährige Frau aus Hong-Kong, die mit einem Touristen-Visum aus China als freiwillige Helferin zur Abschlussmesse gekommen war, wurde tödlich verletzt, als be idem Sturm das Gerüst eines Laustsprechers auf sie fiel. Papst Franziskus und Kardinal Tagle besuchten den Vater der jungen Chinesin. Der Papst sagte in der Pressekonferenz: “Von dem Gespräch mit ihrem Vater war ich angerührt und erbaut, als er sich tröstete mit den Worten: ‘sie starb im Dienst der Kirche’.”

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  Diese fünf emotional stärksten Momente des Asienbesuchs von Papst Franziskus auf den Phillippinen
  müssen Sie sich unbedingt ansehen auf fünf Video-Sequenzen des CATHOLIC HERALD, LONDON:
clicken  Sie auf diesen Link:
  >>>  www.catholicherald.co.uk/commentandblogs/2015/01/20/pope-francis-in-the-philippines-five-emotional-moments/

Catholic Herald London as-p-2f-Z direkt und digital

  Nur wer weinen kann, kann die richtigen Fragen stellen“
Papst Franziskus mit Kindern in der Universtiät Manila

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    Der Besuch bei seiner zweiten Asienreise wird auf den Philippinen zum Triumphzug für den Papst. Franziskus wendet sich besonders an die jungen und armen Menschen. Die Schlussmesse hält er vor sechs Millionen Gläubigen.  
   Am Ende ist es der mit 57 Jahren vergleichsweise junge Erzbischof von Manila, Luis Antonio Tagle im Foto oben ganz links, der das Schlusswort für den Besuch der Philippinen von Papst Franziskus finden muss. „Wir Filipinos versprechen, für dich zu beten", sagt der Kardinal, der selbst als möglicher neuer Papst gegolten hatte, bevor die Wahl auf den Argentinier fiel. Tagle verspricht noch mehr: Wenn der Papst am Montag die Philippinen verlasse, „dann will jeder Filipino mit Dir gehen. Aber nicht nach Rom, sondern an die Peripherie. In die Slums, die Gefängniszellen, die Krankenhäuser, in die Welt der Politik, der Finanzen, der Kunst, der Wissenschaft, der Kultur, der Bildung und der sozialen Kommunikation."
   Es ist das Versprechen, dem Oberhaupt der katholischen Kirche bei der Verbreitung der christlichen Botschaft zu helfen. Der Papst hatte die Bevölkerung der einzigen katholischen Nation des Kontinents zuvor aufgefordert, Missionare in Asien zu sein. In kaum einer Region wächst das Christentum so stark wie hier, auch wenn die Katholiken in den meisten asiatischen Ländern eine verschwindend kleine Minderheit sind. Von Beginn des Papstbesuchs an ist es klar, dass die volksfrommen Filipinos und der „Volkspapst" gut zueinander passen. Symbolisch steht dafür der dünne, gelbe Plastikregenmantel, den der Papst am Sonntag genauso selbstverständlich über seine Gewänder zieht wie die einfachen Gläubigen ihn über ihre T-Shirts ziehen. Trotz des anhaltenden Regens und anderer Widrigkeiten wird der Besuch zu einem Triumphzug. Die Menge jubelt, tanzt und singt.

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   Überall, wo der Papst in den Philippinen hinkommt, laufen die Menschen kreischend und winkend auf sein weißes Gefährt zu. Es ist einem typischen philippinischen „Jeepney" nachempfunden, einer Kreuzung aus einem amerikanischen Armeejeep und einem Kleinbus. Der Höhepunkt ist am Sonntag die Papstmesse im Rizal Park von Manila. Der Veranstaltung war zuvor das Potential zugesprochen worden, die größte katholische Versammlung der Geschichte zu werden - größer noch als die Messe, die Papst Johannes Paul II. 1996 aus Anlass des Weltjugendtags der katholischen Kirche am selben Ort gefeiert hatte. Und tatsächlich: Obwohl es am Sonntag in Strömen regnet, nahmen laut den Behörden die Rekordzahl von mehr als sechs Millionen Menschen teil.
   Über viele Stunden warten die Gläubigen im Regen auf den Papst, entweder am Straßenrand oder vor den Eingängen des Parks. Sie wurden für die meisten am Morgen um sechs Uhr geöffnet, mehr als neun Stunden vor dem Beginn der Messe. „Wir haben seit zwei Uhr nachts hier gewartet", sagt Lorenzo Tirad, einer der Gläubigen. „Doch als ich ihn sah, war ich nicht mehr müde." Leider war es nicht sein einjähriger Sohn, der an diesem Parkabschnitt den segnenden Kuss des Papstes bekam, sondern ein anderes Kleinkind, erzählt der 34 Jahre alte Familienvater. Die Mutter des anderen Kindes war daraufhin vor Glück laut schluchzend auf einen Stuhl gesunken.
   Tirad bezeichnet sich selbst als einen der Armen, denen der besondere Einsatz des „Volkspapstes" Franziskus gilt, und die etwa ein Viertel der philippinischen Bevölkerung ausmachen. Er habe im vergangenen Jahr seinen Job verloren und versuche nun, seine Familie mit einem kleinen Laden über Wasser zu halten, den er von zu Hause aus betreibe, sagt der Mann. Das sei auch ein Grund, warum er zu der Messe mit dem Papst gepilgert sei, um für eine neue Arbeitsstelle zu beten. Außerdem wolle er seinen Sohn zu einem guten Christen erziehen, sagt er.
   Das Schicksal der Kinder ist auch eines der zentralen Themen der Predigt, die Papst Franziskus am Sonntag vor dem Millionenpublikum hält. „Wir müssen uns um unsere jungen Menschen kümmern und dürfen nicht zulassen, dass sie ihrer Hoffnung beraubt und dazu verurteilt werden, auf der Straße zu leben", sagt der Papst. Der dritte Sonntag im Januar ist auf den Philippinen auch der Festtag des Santo Nino. Zu Ehren des Jesuskindes tragen die Kinder ein Christkind in ihren Händen. Ein spanischer Eroberer hatte sie 1565 in Cebu gefunden. „Der kindliche Jesus ist der Schutzherr dieses großartigen Landes", sagt Franziskus. Die Gläubigen waren deshalb aufgefordert worden, Jesus-Statuen zu der Messe in den Park mitzubringen. Zu Zigtausenden halten sie die bunten und reich verzierten Figuren über ihre Köpfe. Die Zuschauer tanzen einen traditionellen Tanz aus Cebu, und die Statuen wippen hin und her.
  Die jungen Menschen sind auch das Thema des ersten Termins, den der Papst am Morgen absolviert hatte. In der Päpstlichen Universität, die nach dem heiligen Thomas von Aquin benannt ist, trifft er Kinder und Jugendliche. Ein zwölf Jahre altes Mädchen berichtet ihm aus ihrem früheren Leben als Straßenkind, das sein Dasein zwischen Drogen und Prostitution fristete. Schon nach wenigen Sätzen bricht sie weinend ab. Sie fragt: „Warum lässt Gott das zu?" Der Papst nimmt sie lange in den Arm und sagt, dass sie ihn sehr gerührt habe. Franziskus nennt das Mädchen ein Vorbild für andere. Nur wer weinen kann, könne die richtigen Fragen stellen, sagt er.

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   Wie so oft hält sich der Papst auch hier nicht an die vorbereiteten Texte. Franziskus missfällt, dass ihm außer dem Mädchen sonst kein einziger weiblicher Gast vorgestellt wurde: „Wir sind oft zu ,macho' und lassen den Frauen keinen Raum. Aber Frauen sehen die Dinge mit anderem Blick und können Fragen stellen, die wir noch nicht einmal verstehen. Also: Wenn der nächste Papst kommt, bitte mehr Frauen und Mädchen!"
   Die von manchen jungen Filipinos erhofften Hinweise auf eine Abkehr des Papstes von dem traditionellen katholischen Familienbild bleiben allerdings aus. Stattdessen prangert er in seiner Predigt am Sonntag „heimtückische Angriffe auf die Familie" an. Schon am Freitag hatte er sich gegen die „Relativierung der Institution Ehe" und eine „ideologische Kolonialisierung" ausgesprochen, was laut seinem Sprecher Federico Lombardi auch eine Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Ehe bedeute. Die meisten philippinischen Bischöfe werden ihm dafür dankbar sein. Sie hatten unter anderem erfolglos gegen die kostenlose Abgabe von Verhütungsmitteln gekämpft. Doch die Philippinen bleiben ein konservatives Land, in dem selbst Scheidungen bis heute nicht erlaubt sind.   
   Die moderne Welt entwickelt sich offenbar auch nicht ganz nach dem Geschmack von Papst Franziskus. Am Vor- mittag spricht er über die Informationen, mit denen sich junge Leute heutzutage unterhalten. In seiner Predigt im Rizal Park prangert er den „Schnickschnack" an, mit dein sich die Menschen beschäftigen würden „Wir vergessen, auf die Dinge ausgerichtet zu bleiben, auf die es wirklich ankommt. Wir vergessen, im Innersten Kinder Gottes zu bleiben. Darum ist die Botschaft vom Jesuskind so wichtig."
  Eigentlich hatte Franziskus auch über den Klimawandel und das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt sprechen wollen. Aber diese Themen fallen am Sonntag unter den Tisch. Am Tag davor halte er in den Zentralphilippinen aber wie angekündigt die Opfer des Taifuns Haiyan getroffen. Seinen Aufenthalt in dem Katastrophengebiel, das im November 2013 verwüstet worden war, musste er wegen eines neuerlichen Tropensturms vorzeitig abbrechen. „Wir haben für gutes Wetter in Tacloban gebetet, aber vielleicht wollte Gott dem Papst einen kleinen Eindruck davon geben, was Yolanda war", sagt der Sprecher des philippinischen Präsidenten.
   Der Sprecher benutzt den philippinischen Namen für Taifun Haiyan. Der verheerende Sturm war der Hauptgrund für die erste Reise des Papstes nach Südostasien. Er habe die Katastrophe vor mehr als einem Jahr von Rom aus beobachtet „ und entschieden, auf die Philippinen zu reisen, sagte der Papst. „Ich bin hier, um bei euch zu sein. Ein wenig spät, muss ich sagen, aber ich bin da", sagte Franziskus zu Beginn der Messe, die er gemeinsam mit den Taifun-Opfern ebenfalls in strömendem Regen in Tacloban gefeiert hatte.
   Franziskus schreckte in Manila auch nicht davor zurück, die grassierende Korruption in der Politik zu kritisieren. Die Geistlichen warnte er am Freitag vor den Versuchungen des Materialismus. Doch wird sich nach seinem Besuch auch der Klerus in den Philippinen ändern, der eng in das politische System aus Korruption und Patronage eingewoben ist? Sicher ist das nicht, denn die mächtigen philippinischen Bischöfe sind bekannt dafür, sich in die Politik einzumischen. Zumindest wenn es ihnen gerade passt. Präsident Benigno Aquino hatte das am Freitag kritisiert. Philippinische Journalisten bezeichneten seine Äußerungen später als „kontrovers", vor allem weil er sie im Beisein des Papstes getätigt hatte.
   „Hoffentlich hören sie auf ihn", sagt Rhodora Ofalsa am Sonntag auf die Frage, was sie von den Worten des Papstes gegen die Korruption halte. Der Frau war im Alter von sechs Jahren wegen Knochenkrebs ein Bein amputiert worden. Sie gehört zu den Auserwählten, die bei der Messe in einer der ersten Reihen sitzen dürfen. Aufgeregt und voll überschäumender Begeisterung wartet sie auf den Besucher aus Rom. Der Kardinal Luis Antonio Tagle wird nach der Messe am Sonntag gefragt, ob der Papst denn nun „progressiv" oder „konservativ" sei. „Er ist, was er ist", sagt Tagle. Dafür haben ihn die Menschen in den Philippinen in ihr Herz geschlossen.      FAZ150119TillFähnders

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Wie alle Gaben Gottes kann auch die Familie entstellt und zerstört werden. Sie braucht unsere Unterstützung",
sagte Papst Franziskus in Manila 
bei einem Treffen mit Gläubigen am Freitag in der „Mall of Asia"

  Bei einem Treffen mit zehntausenden Gläubigen in der „Mall of Asia" in Manila wich Franziskus von seinem vorbereiteten englischen Redetext ab und sagte auf Spanisch: „Es gibt heute einen ideologischen Kolonialismus, auf den wir aufpassen müssen. Er versucht, die Familie zu zerstören. Das kommt von außen, deshalb nenne ich das Kolonialismus. Unsere Völker müssen Nein sagen zu diesem Kolonialismus!" Die Familien müssten weise und tapfer sein, um Nein sagen zu können zum neuen Kolonialismus, forderte der Papst.
   Vehement warnte Franziskus vor einem „Lifestyle, der die Familien zerstört", kritisierte den Relativismus und den Mangel an Offenheit für das Leben. Papst Paul VI. habe in einer Zeit des Bevölkerungswachstums die Stärke gehabt, „die Offenheit für das Leben zu verteidigen", darum sei er ein mutiger und guter Hirte gewesen, sagte der Papst unter dem Applaus der Familien. Zustimmend zitierte er den heiligen Johannes Paul II.: „Die Zukunft der Menschheit geht über die Familien" und rief: „Also schützt eure Familien!"
   Mit der Bemerkung, sein Englisch sei so armselig, wechselte Franziskus in seiner Rede an die Familien immer wieder ins vertraute Spanisch. So erinnerte er an seine eigenen Eltern und forderte die Familien auf, ihren Traum von den eigenen Kindern und von der Liebe des Ehegatten nie aufzugeben. „Als Christen seid ihr aufgerufen, wie Joseph ein Heim für Jesus zu bereiten", sagte der Papst und zitierte Mutter Teresa: „Eine Familie, die zusammen betet, bleibt auch zusammen." Kinder würden in der Familie lernen, zu lieben, zu vergeben, großzügig zu sein und nicht selbstsüchtig. Neuerlich in seiner Muttersprache nannte der Papst den heiligen Joseph einen „starken Mann des Schweigens" und erzählte diese Anekdote: „Ich habe eine Darstellung des schlafenden heiligen Joseph. Schlafend wacht er über die Kirche. Wenn ich ein Problem oder eine Schwierigkeit habe, dann schreibe ich das auf einen Zettel und schiebe es unter die Statue - so dass er darüber schlafen kann."
   In seiner Ansprache forderte Franziskus den Schutz des menschlichen Lebens „von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod". Bereits in seiner ersten Rede in Manila, am Freitagmorgen im Präsidentenpalast, hatte Franziskus die Rolle der Familie bei der Erneuerung der Gesellschaft betont: „Die Familie hat eine unerlässliche Aufgabe in der Gesellschaft. In der Familie nämlich werden die Kinder zu soliden Werten, hohen Idealen und echter Sorge für andere erzogen. Aber wie alle Gaben Gottes kann auch die Familie entstellt und zerstört werden. Sie braucht unsere Unterstützung." Gleichzeitig mahnte Franziskus in Anwesenheit der politischen und gesellschaftlichen Spitze der Philippinen, „so grundlegende menschliche Werte zu bewahren und zu verteidigen wie die Achtung der unantastbaren Würde jedes Menschen, die Achtung der Gewissens- und der Religionsfreiheit sowie die Achtung des unveräußerlichen Rechts auf Leben, beginnend mit dem Leben der Ungeborenen und bis hin zum Leben der Alten und Kranken". Die Familien müssten „ermutigt und unterstützt werden, unserer Jugend die Werte und die Perspektiven weiterzugeben, die helfen können, eine Kultur der Rechtschaffenheit aufzubauen: eine Kultur, in der Güte, Aufrichtigkeit, Treue und Solidarität hochgehalten werden als stabile Grundlage und moralisches Bindemittel, das die Gesellschaft zusammenhält."
   Auch in der Kathedrale von Manila, wo der Papst am Freitagvormittag eine Messe mit Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Seminaristen feierte, machte Franziskus die Familie zum Thema und mahnte: „Verkündet einer Gesellschaft, die durch verwirrende Darstellungen von Sexualität, Ehe und Familie in Versuchung geführt wird, die Schönheit und die Wahrheit der christlichen Botschaft. Wie ihr wisst, geraten diese Realitäten zunehmend unter den Beschuss mächtiger Kräfte, die drohen, Gottes Schöpfungsplan zu entstellen und eben jene Werte zu verraten, die das Beste in eurer Kultur inspiriert und geformt haben."                                DT150117StephanBaier

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Hoch emotional: Franziskus und die Philippinos  -  Papst Franziskus in Tacloban

   Die Tage für Papst Franziskus auf den Philippinen neigen sich dem Ende zu. Wie läuft die Reise, von Manila aus gesehen?  Das fragen wir Stefan Kempis von Radio Vatikan
 Hält der Papst-Hype immer noch an?
   „Ja, das tut er. Wobei jetzt in der Presse allmählich auch inhaltliche Botschaften durchdringen und nicht mehr nur dieses ständige ‚Wahnsinn, der Papst ist da‘. Vor allem Franziskus` Nein zur Korruption scheint in Manila angekommen zu sein, denn zwei der drei großen Tageszeitungen haben das als Schlagzeile auf die Seite eins gehoben. Das Titelbild der dritten Tageszeitung, des ‚Philippine Daily Inquirer‘, gefällt mir allerdings noch besser: Da prangt in großen Buchstaben, neben einem herzlich lachenden Papst, sein Zitat aus der Ansprache bei der Begegnung mit Familien am Freitag: ‚Verliert nicht die Fähigkeit zu träumen‘. Dieses Zitat transportiert viel von der Art dieses Papstes, finde ich.“
Wie kommen denn die Worte des Papstes gegen Korruption an?
   „Die Menschen hier haben darauf gewartet, viele sagen, sie seien erleichtert, dass das von Anfang an angesprochen worden sei. Mit Ärger vermerken die Filipinos und auch die Medien übrigens, dass viele wichtige Politiker Franziskus gleich zweimal getroffen und gesprochen haben, nämlich beim Empfang am Flughafen am und dann gleich noch einmal im Präsidentenpalast am darauffolgenden Morgen. Man muss sich einmal vorstellen, wie das auf Menschen wirkt, die stundenlang bei Sturm und Regen ausharren, um Franziskus einmal von weitem, in einem Pulk von Polizisten, vorüberrasen zu sehen.“ 
Was ist das beeindruckendste Bild, der beeindruckendste Moment von diesem Samstag?
   „Ganz eindeutig: Franziskus, wie er bei der Messe in Tacloban wie alle anderen auch ein gelbes Regencape über dem Messgewand trägt, an dem der Sturm zerrt. Da fühlte sich auch der Papstsprecher, Pater Lombardi, an Johannes Paul II. erinnert, speziell an einen Schneesturm während eines Gottesdienstes des ‚Eiligen Vaters‘ im zerstörten Sarajewo in Bosnien. Vielen Messteilnehmern in Tacloban liefen die Tränen über das Gesicht, als Franziskus in seinem Regencape mit einfachen, spontanen Worten predigte, ohne vorbereiteten Text.“
Hinterher hat der Papst ja, wenigstens kurz, mit Überlebenden des Taifuns von 2013 zu Mittag gegessen. Wissen Sie darüber ein paar Einzelheiten?
   „Kardinal Tagle von Manila hat hinterher uns Journalisten ein wenig davon erzählt, es war nach seiner Darstellung zwar kurz, aber offenbar tief bewegend. Tagle selbst kämpfte mit den Tränen, als er davon berichtete, er sagte, er sei ‚emotional erschöpft‘. Die Überlebenden hätten Franziskus gebeten: ‚Können Sie bitte für die Seelen unserer Verwandten beten, die bei dem Taifun getötet wurden?‘ Denn jeder von ihnen hatte einen Bruder, seine Kinder, die Eltern, Angehörige bei dem Desaster verloren. Und der Papst habe entgegnet: ‚Ich habe gleich, als ich vom Taifun erfuhr, damals die Messe für alle Todesopfer gefeiert. Und die Messe morgen im Rizal-Park werde ich ebenfalls in diesem Anliegen feiern.‘ Da seien, so Tagle, die Überlebenden in Beifall ausgebrochen. Ansonsten hätten sie immer wieder auf den Papst gestarrt, und der habe gesagt: ‚Esst doch etwas!‘ Übrigens – das geht jetzt ins Anekdotische – hat Kardinal Tagle offenbar zum Papst gesagt: ‚Ihre Suppe ist ja schon kalt.‘ Und der Papst antwortete: ‚Nein, hier ist es warm‘, und zeigte dabei in den Raum. Was sich natürlich nicht auf die Suppe bezog, sondern auf die anrührende Atmosphäre.“
Das war also offenbar anrührend auch für den Papst selbst…
   „Ja, genau. Beim Abflug von Tacloban, der wirklich stürmisch verlief (das nachfolgende Flugzeug konnte ja, wie wir wissen, wegen des Windes schon nicht mehr abheben) hat Franziskus zu Kardinal Tagle gesagt: ‚Diese Reise ist wirklich etwas für mich. Eine Erfahrung. Ich lerne hier etwas.‘ Franziskus ist hier in seinem Seelsorger-Element.“
Gab es auch Momente und Bilder auf dieser Reise, die weniger geglückt waren?
   „Ja, leider, das gab es auch. Als Franziskus am Freitag in der ‚Mall of Asia‘ Familien traf, da wurde ihm zu Beginn die Familie des Besitzers vorgestellt, der zu den reichsten Männern Südostasiens gehört und dem Vernehmen nach seinen Arbeitern ungerechte Verträge aufzwingt. Dieser superreiche Geschäftsmann konnte also zusammen mit seinen Angehörigen dem ‚Papst der Armen‘ eine Blumengirlande umhängen – der Preis dafür, dass er der Kirche dieses hypermoderne Shopping-Center überließ. Für mich war das ein ausgesprochen peinlicher Moment. Seltsamerweise habe ich aber in der philippinischen Presse kein Foto davon gesehen. Übrigens: Auch von Franziskus` spontanem Besuch bei Straßenkindern am Freitag in Manila habe ich in der Presse nur ein einziges Foto entdeckt.“
Woran könnte das liegen?
   „Gute Frage. Es ist nicht so, als ob man das Thema Straßenkinder oder Armut absichtlich, massiv verstecken würde, jedenfalls meinem Eindruck nach; aber es scheint den Leuten, auch den einheimischen Journalisten, einfach nicht so wichtig zu sein wie uns Beobachtern von draußen. Mein Verdacht: Vielleicht haben sich die Filipinos einfach an die täglichen Szenen der Armut gewöhnt?
   Denn ansonsten kommen Kinder und junge Leute in Wort und Bild durchaus häufig vor in der Presse. Zum Beispiel eine Gruppe von kleinen Jungen, die als Schweizergardisten verkleidet rechts und links vom Eingang der Kathedrale stehen durften, als Franziskus dort einzog. Das war sehr malerisch – diese Kinder durften dann hinterher in einer Zeitung ausführlich und mit Fotos erzählen, wie dieses Erlebnis für sie war. Ein Interview mit den Mädchen aus dem Straßenkinder-Heim habe ich dagegen in der Presse nirgendwo gesehen.“ Rv150117sk

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Die Papstpredigt bei der Abschlussmesse in Manila   -   Papstmesse im Regen: Rizal-Park, Manila

Predigt von Papst Franziskus bei der Eucharistiefeier in Manila, Rizal Park, 18. Januar 2015, der auf den Philippinen als „Jesuskind-Sonntag“ begangen wird. Text im Wortlaut.
  „Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt“ Jes 9,5. Es ist mir eine besondere Freude, den „Jesuskind- Sonntag“ mit euch zu feiern. Das Bild vom heiligen Jesuskind, begleitete von Anfang an die Verbreitung des Evangeliums in diesem Land. Mit königlichen Gewändern bekleidet und eine Krone auf dem Haupt, trägt es das Zepter, den Globus und das Kreuz. So erinnert es uns ständig an die Verbindung zwischen dem Reich Gottes und dem Geheimnis der spirituellen Kindschaft. Jesus sagt es uns im heutigen Evangelium: „Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen“ Mk 10,15. Das Jesuskind verkündet uns fortwährend, dass das Licht der Gnade Gottes über einer Welt aufgestrahlt ist, die in der Finsternis wohnte; es hat die Frohe Botschaft unserer Freiheit von der Sklaverei gebracht und uns auf die Wege des Friedens, des Rechtes und der Gerechtigkeit geführt. Es erinnert uns auch an unsere Berufung, Christi Reich auf der ganzen Welt zu verbreiten.
   In diesen Tagen während meines ganzen Besuches habe ich euch das Lied singen hören: „Wir alle sind Kinder Gottes“. Das ist es, was das Jesuskind uns sagt. Es erinnert uns an unsere eigentliche Identität. Wir alle sind Kinder Gottes, Mitglieder der göttlichen Familie. Heute hat der heilige Paulus uns verkündet, dass wir in Christus Gottes Adoptivkinder geworden sind, Brüder und Schwestern in Christus. Das ist es, was wir sind. Das ist unsere Identität. Einen wunderschönen Ausdruck davon haben wir gesehen, als die Philippinen sich um unsere vom Taifun betroffenen Brüder und Schwestern geschart haben.
   Der Apostel sagt uns, dass wir reich gesegnet sind, da Gott uns erwählt hat! „Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel“ Eph 1,3. Diese Worte haben auf den Philippinen einen besonderen Klang, denn es ist das führende katholische Land in Asien; das ist als solches ein besonderes Geschenk Gottes, ein Segen. Aber es ist auch eine Berufung. Die Philippinen sind berufen, hervorragende Missionare des Glaubens in Asien zu sein.
  Gott hat uns zu einem bestimmten Zweck erwählt und gesegnet: heilig und untadelig vor ihm zu sein vgl.Eph 1,4. Er hat uns erwählt – einen jeden von uns –, damit wir in dieser Welt Zeugen seiner Wahrheit und seiner Gerechtigkeit sind. Er hat die Welt als einen wunderschönen Garten erschaffen und uns aufgefordert, für sie zu sorgen. Doch durch die Sünde hat der Mensch diese natürliche Schönheit entstellt; durch die Sünde hat der Mensch auch die Einheit und Schönheit unserer Menschheitsfamilie zerstört und Gesellschaftsstrukturen geschaffen, die Armut, Unwissenheit und Korruption fortbestehen lassen.
   Manchmal, wenn wir überall um uns Mühen, Schwierigkeiten und Unrecht sehen, sind wir versucht aufzugeben. Es scheint, als gelten die Verheißungen des Evangeliums nicht; als seien sie unrealistisch. Doch die Bibel sagt uns, dass die große Gefährdung von Gottes Plan mit uns von jeher die Lüge ist. Der Teufel ist der Vater der Lügen. Oft verbirgt er seine Fallen hinter dem Anschein der Kultiviertheit, hinter der Verlockung, „modern“ und „wie alle anderen“ zu sein. Er lenkt uns ab mit dem Köder kurzlebiger Vergnügen, oberflächlichen Zeitvertreibs. Und so vergeuden wir unsere gottgegebenen Geschenke, indem wir uns mit Schnickschnack beschäftigen; wir verschwenden unser Geld für Spiel und Getränke und drehen uns um uns selbst. Wir vergessen, auf die Dinge ausgerichtet zu bleiben, auf die es wirklich ankommt. Wir vergessen, im Innersten Kinder Gottes zu bleiben. Denn Kinder haben, wie der Herr uns sagt, ihre eigene Weisheit, die nicht die Weisheit der Welt ist. Darum ist die Botschaft vom Jesuskind so wichtig. Es spricht uns alle zutiefst an. Es erinnert uns an unsere eigentliche Identität, an das, was wir als Gottes Familie zu sein berufen sind.

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   Das Jesuskind erinnert uns auch daran, dass diese Identität geschützt werden muss. Christus als Kind ist der Schutzherr dieses großen Landes. Als er in die Welt kam, war sein eigenes Leben durch einen korrupten König bedroht. Jesus selbst bedurfte des Schutzes. Er hatte einen irdischen Beschützer: den heiligen Josef. Er hatte eine irdische Familie, die Heilige Familie von Nazareth. Auf diese Weise erinnert er uns daran, wie wichtig es ist, unsere Familien zu schützen wie auch jene umfassenderen Familien, nämlich die Kirche – die Familie Gottes – und die Welt – unsere Menschheitsfamilie. Leider muss die Familie in unseren Tagen allzu oft gegen heimtückische Angriffe und Programme verteidigt werden, die im Gegensatz zu all dem stehen, was uns wahr und heilig ist, zum Schönsten und Edelsten in unserer Kultur.

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   Im Evangelium empfängt Jesus die Kinder, er umarmt und segnet sie. Auch wir müssen unsere Jugendlichen schützen, führen und ermutigen, indem wir ihnen helfen, eine Gesellschaft aufzubauen, die ihres großen spirituellen und kulturellen Erbes würdig ist. Besonders müssen wir jedes Kind als ein Geschenk betrachten, das angenommen, gehegt und beschützt werden muss. Und wir müssen uns um unsere jungen Menschen kümmern und nicht zulassen, dass sie ihrer Hoffnung beraubt und dazu verurteilt werden, auf der Straße zu leben.
  Ein zartes, schutzbedürftiges Kind war es, das Gottes Güte, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit in die Welt brachte. Gottes Sohn widersetzte sich der Unehrlichkeit und der Korruption, welche die Erbschaft der Sünde sind, und besiegte sie durch die Kraft des Kreuzes. Jetzt, am Ende meines Besuches auf den Philippinen, empfehle ich euch ihm, Jesus an, der als ein Kind in unsere Mitte kam. Möge er all die geliebten Menschen dieses Landes befähigen zusammenzuarbeiten, indem sie beim Aufbau einer Welt der Gerechtigkeit, der Rechtschaffenheit und des Friedens einander beschützen – angefangen bei euren Familien und Gemeinschaften. Möge das Jesuskind die Philippinen weiterhin segnen und die Christen dieser großen Nation in ihrer Berufung unterstützen, in Asien und in der ganzen Welt Zeugen und Missionare der Freude des Evangeliums zu sein. Bitte, betet für mich! Gott segne euch alle!           rv150118ord

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Auf Bäume geklettert: Eindrücke vom Rizal Park in Manila  -  Viele, viele Menschen: Rizal Park, Manila

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   Schon ein paar Stunden vor Beginn der Papstmesse sind alle Boulevards rund um den Rizal Park blockiert: Menschenmassen strömen hin und her, Straßenverkäufer bieten mitten im Gewühl warme Maiskolben an, viele Menschen schwenken Figuren des ‚Santo Nino‘, des von den Filipinos sehr verehrten Jesuskindes, dessen Fest auf diesen Sonntag fällt. Die Stimmung ist ausgelassen und doch diszipliniert, der Regen ist heftig; wer kein Regencape hat und keinen Schirm, hält sich ein Stück Pappe oder Plastik über den Kopf.
   Am Straßenrand stehen Lautsprecherwagen, aus denen Radio-Reportagen vom Rizal-Park zu hören sind. Eine kleine Gruppe von Katholiken fängt an, trotz des Gedrängels zu singen und zu tanzen: ‚Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt‘, singen sie. Wahrscheinlich Charismatiker. Auch Straßenkinder, barfuss, sind in der Menge zu sehen, sie laufen unbekümmert durch die Pfützen. Nur mit Mühe bahnt sich ein Krankenwagen den Weg.
   Bis zum „Roxas Boulevard“ direkt am Eingang des Rizal-Parks (oder ‚Luneta‘, wie die Einwohner von Manila meist sagen) komme ich, dann geht es nicht mehr vorwärts und auch nicht mehr zurück. Man sieht von hier eigentlich nur die philippinische Fahne, die hoch über den Köpfen am Monument des Widerstandskämpfers Rizal weht; viele Menschen sind auf Bäume oder Laternenmasten geklettert, um besser zu sehen. Vom Papst-Podium dröhnen Musik und Lautsprecher-Durchsagen herüber. Wieviele Millionen das hier sind? Wie soll ich das zählen. Die Menschen sind jedenfalls sehr viele – und wenn man sie fragt, warum sie gekommen sind, sagen sie fast unisono: „Wir wollen den Papst sehen.“
   „Wir hoffen, dass wir ihn sehen“, sagt dieser junge Mann. „Bis zum Luneta-Park stoßen wir nicht durch, darum warten wir hier auf ihn.“ Aber hier rast er doch nur in einer Sekunde vorbei? „Das macht nichts. Hauptsache, wir hören seine Worte und sehen ihn, das reicht uns. Danach gehen wir ins Auditorium und sehen den Papst im Luneta-Park per Live-Stream.“ Ich frage ihn, was ihn am Papstbesuch bisher beeindruckt hat. Aber darauf geht er nicht ein: „Wie Zachäus, wie Zachäus in der Bibel“, sagt er. „Ich will ihn einfach nur sehen. Selbst wenn ich ihn nicht anfassen kann, fühle ich mich doch schon so gesegnet!“
   „Der Papst hat schon die Herzen vieler Menschen hier berührt“, sagt mir eine Frau. Sie hat die Visite von Anfang an am Fernsehen mitverfolgt. Was sie am meisten beeindruckt? „Seine Einfachheit.“ „Seine Worte der Weisheit“, fällt eine Freundin ein. „Er hat wirklich unsere Herzen angerührt. Das war das, was wir Filipinos von ihm erhofft hatten: dass er uns ändern würde. Wir sind Christen, wir sind Katholiken!“ Das klingt schon etwas Schlachtruf-artig. Auch die zwei Frauen sind nicht bis in Sichtweite des Papstpodiums vorgestoßen, aber sie wollen ihn wenigstens vorbeifahren sehen. „Es erhebt unsere Herzen jedes Mal, wenn wir ihn sehen.“
   Um sechs Uhr früh ist eine Familie (Vater, Mutter, Sohn) heute aufgestanden, um Franziskus zu sehen. „Wir sind zur St.-Thomas-Universität gegangen, aber da haben wir es nicht geschafft, ihn zu sehen. Darum versuchen wir unser Glück jetzt hier.“
   „Wir wollen den Papst sehen, weil er die wichtigste Person in der katholischen Welt ist“, sagt ein Jugendlicher. Und seine Mutter fügt an: „Sein Besuch ist ein Segen für die Philippinen.“ Aber die Sicherheit? Die verhindert doch, dass der Papst wirklich in Kontakt zu den Menschen hier kommt? „Das macht nichts. „Wenn wir ihn sehen, dann spüren wir seine Liebe zu uns. Und das reicht uns.“  Rv140118sk

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Fliegende Pressekonferenz: Weitere Papstreisen und die Frage nach dem Faustschlag  
Sprechen mit Hand und Mund: Papst Franziskus bei der Pressekonferenz

   Die anstehenden Reisen, die Verwirrung um den „Faustschlag“ bei der letzten Pressekonferenz und ein Treffen mit dem Dalai Lama: Einige der Fragen im Flugzeug an Papst Franziskus bei der Rückkehr von der Asienreise. Hier einige der Fragen und der Antworten des Papstes.
Papstreisen: Afrika, Amerika
   Zwei Mal sei er nun schon in Asien gewesen, ob den nun auch Afrika an der Reihe sei, wollte ein französischer Journalist wissen. „Ich antworte einmal hypothetisch“, so der Papst. „Der Plan ist, in die Zentralafrikanische Republik und nach Uganda zu Reisen, in diese beiden Länder, und zwar in diesem Jahr. Ich glaube, wegen des Klimas eher gegen Ende des Jahres. (…) Diese Reise ist etwas verspätet, wegen des Problems von Ebola. Es ist eine große Verantwortung, große Versammlungen bei möglicher Ansteckung zu machen, nicht wahr? Aber in diesen beiden Ländern gibt es das Problem nicht. Diesen beiden Länder sind es möglicherweise, in diesem Jahr.“
   Angesprochen auf mögliche Reisen nach Amerika, in die USA oder nach Zentralamerika, sagte der Papst, dass er auf jeden Fall nach Philadelphia, New York und Washington fahre, wenn das Weltfamilientreffen im September besuche. „Ich würde gerne nach Californien fahren, um die Heiligsprechung von Junipero Serra vorzunehmen, aber das ist ein Zeitproblem, das würde zwei Tage mehr bedeuten. Deswegen denke ich, dass ich die Heiligsprechung in Washington vornehmen werde.
   „Habe ich was vergessen? Ah, die drei lateinamerikanischen Länder, die für dieses Jahr vorgesehen sind – alles noch im Planungsstadium – das sind Ecuador, Bolivien und Paraguay, diese drei. Im kommenden Jahr, so Gott will, möchte ich Chile, Argentinien besuchen – aber da ist noch nichts geplant. Und Peru fehlt. Wir wissen noch nicht, wo wir das unterbringen sollen.“
   Ein Journalist sprach die Armut an, die ihm in Manila auf der Straße begegnet sei und die ihn beschämt habe, er erwähnte auch die Slums in Sri Lanka während des ersten Teils der Reise. „Als jemand von Ihnen mich gefragt hat, was ich für eine Botschaft für die Philippinen habe, habe ich geantwortet: Die Armen. Das ist die Botschaft, welche die Kirche heute hat. Auch das, was Sie über Sri Lanka sagen, die Tamilen [in den Baracken], die Diskriminierung, die Armen sind die Opfer der Kultur des Wegwerfens.“ Papst Franziskus sprach von seinem eigenen ehemaligen Bistum Buenos Aires und vom Kontrast mit dem Reichtum dort. Die Menschen hätten die Tendenz, sich an so etwas zu gewöhnen. „Die schlimmste Bedrohung hierbei ist die Weltlichkeit“, fuhr der Papst fort, der Nichtregierungsorganisation, die sich Kirche nennt. Der Weg Jesu sei schwierig, er sei der Weg des sich Kümmerns.
   Beim Treffen mit den Familien in Manila hatte der Papst von einer ideologischen Kolonisierung gesprochen. Ein Journalist fragte nach, was genau er damit meinte. „Zu den Menschen gehen mit einer Idee, die nichts mit ihnen zu tun hat“, das sei damit gemeint. Er brachte das Beispiel einer Schule in Argentinien, die gebaut werden sollte unter der Bedingung, dass ein bestimmtes Schulbuch gebraucht würde, das eine ganz bestimmte Geschlechter- Theorie vertrat. „Die Menschen zu kolonisieren mit einer Idee, welche die Mentalität oder Struktur ändert oder ändern will. Während der Bischofssynode haben die Afrikanischen Bischöfe sich darüber beklagt.“ Kolonisierung sei es, weil die Nöte der Menschen dazu benutzt würden, Zugang zu ihnen zu gewinnen, vor allem über die Kinder und die Jugend. Der Papst verglich das mit den Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts und den faschistischen Jugendorganisationen. „Jedes Volk hat seine Kultur, seine Geschichte, aber wenn Bedingungen von den kolonisierenden Reichen auferlegt werden, dann wollen sie, dass es seine Identität verliert und alles gleich wird.“
   In der gleichen Frage war er auch auf Paul VI. und die Frage nach Sexualität und Ehe angesprochen worden, Papst Franziskus bestätigte, dass die Offenheit für das Leben Bedingung für das Sakrament der Ehe sei. Es sei Paul VI. aber nicht nur um die persönliche Sphäre gegangen, sondern um die damals geäußerte Befürchtung, über Geburtenkontrolle wolle die armen Länder mit Hilfe der Geburtenregelung kontrollieren (Neo-Malthusianismus genannt). „Paul VIl war nicht rückständig, abgeschlossen. Nein, er war ein Prophet, der damit gesagt hat: passt auf diesen Neu-Malthusianismus auf, der auf uns zukommt. Das wollte ich sagen.“
Faustschlag und Meinungsfreiheit
   Bei der ersten fliegenden Pressekonferenz der Reise auf dem Weg von Sri Lanka auf die Philippinen hatte eine Bemerkung des Papstes viel Aufsehen erregt. Er war dahingehend falsch verstanden worden, als ob unter bestimmten Umständen ein Faustschlag, also Gewalt, zu rechtfertigen sei. Es war um die Provokation der Meinungsfreiheit gegangen, der Papst hatte gesagt, dass wenn einer seiner Mitarbeiter seine Mutter beleidige, er das Risiko eingehe, geschlagen zu werden. In Theorie sei das alles falsch, antwortete der Papst, Gewalt werde vom Evangelium abgelehnt. „In Theorie sind wir alle einer Meinung, aber wir sind Menschen, und es gibt die Klugheit, eine Tugend des menschlichen Zusammenlebens. Ich kann niemanden dauernd beleidigen oder provozieren, denn dann gehe ich das Risiko ein, ihn zu erzürnen und eine ungerechte Reaktion hervor zu rufen. Das ist menschlich.“ Die Meinungsfreiheit müsse auf die menschliche Wirklichkeit Rücksicht nehmen.
   Angestoßen vom Überflug über China, der gerade in diesen Momenten begann, wurde der Papst auch auf den Dalai Lama angesprochen, der vor einiger Zeit in Rom war, aber nicht empfangen wurde. Das sei nicht aus irgendeiner Angst vor China geschehen, versicherte der Papst, das sei nicht wahr. „Das Protokoll sieht vor, dass ein Staatsoberhaupt oder jemand dieses Standes nicht empfangen werden, wenn sie zu einer internationalen Konferenz in Rom sind.“ Der Dalai Lama habe um eine Audienz gebeten und es sei ihm auch ein Datum genannt worden. Aber das sei nicht für die angesprochene Woche vorgesehen gewesen. Rv150109ord

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                          kbwn:Philippinen

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