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Retina

          Lesen Sie unten auf dieser Seite:
          Ritonoblastom: Früherkennung ders häufigsten Tumor im Auge bei kleinen Kindern,
          der sich vor allem im Alter zwischen zwei und fünf Jahren entwickelt

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Sehstörungen können ein Alarmsignal sein, beispielsweise für die Ablösung der Hornhaut.
Wer in seinem Blickfeld ungewöhnliche Erscheinungen wie Blitze, seitliches Leuchten
oder vermeintliche Rauchschwaden hat, sollte einen Augenarzt aufsuchen.

au-Retina-2z  Rauchschwaden im Blickfeld

Die Ablösung der Netzhaut ist eine ernsthafte Erkrankung,
die von einem Augenarzt behandelt werden sollte

   Zuerst sieht man Lichtblitze, einen Ascheregen oder vermehrt fliegende Mücken vorm Auge, und dann schiebt sich eine dunkle Wand vor das Auge. Dies sind die typischen Anzeichen für eine Netzhautablösung.
   Wohl kaum ein Sinnesorgan dürfte dem Menschen so wertvoll sein wie das Auge. Deshalb ist es wichtig, schon bei kleinsten Veränderungen im Blickfeld wachsam zu sein. Im Zweifelsfall gilt: Sicher ist sicher - wer frühzeitig den Augenarzt konsultiert, kann Spätfolgen minimieren.
   Eine Netzhautablösung ist eine sehr ernsthafte Erkrankung des Auges und kann unter Umständen sogar zu Erblindung führen. Normalerweise ist die Netzhaut lediglich an zwei Stellen fest verbunden: hinten an der Austrittstelle des Sehnervs sowie vorne an der Iris. In den anderen Bereichen wird sie quasi von dem dahinterliegenden Gewebe, der Aderhaut, „angesaugt" und mit wichtigen Nährstoffen versorgt.
   Bei der sogenannten „Amotio retinae" löst sich die Netzhaut aus verschiedenen Gründen ab. Wenn etwa der Glaskörper im Innern des Auges schrumpft, zieht er an der Netzhaut. Wenn es dabei zum Beispiel zu kleinen Rissen kommt, kann Flüssigkeit zwischen die Aderhaut und die Netzhaut gelangen. Der Kontakt geht verloren, und die betroffenen Teile der Netzhaut werden nicht mehr versorgt. Das Gewebe droht hier abzusterben.
   Alarmsignale für solche eine Netzhautablösung sind zum Beispiel ungewöhnliche Erscheinungen im Blickfeld: ein Blitzen oder seitliches Leuchten oder ein Schatten, der aussieht wie eine Wand oder eine Blase. Auch der Eindruck von aufsteigendem Rauch oder Nebel wird beschrieben, ebenso kleine schwarze Punkte, die sich vermehren. Die Netzhautablösung verursacht in der Regel keine Schmerzen, denn die Netzhaut im Innern des Auges hat keine Schmerzsensoren.
   Die Netzhautablösung trifft verstärkt Menschen, bei denen es in der Familie bereits ähnliche Erkrankungen gegeben hat oder die eine hohe Kurzsichtigkeit (weniger als -5 Dioptrien) aufweisen. Auch starke Erschütterungen, Schläge oder Unfälle erhöhen das Risiko. Darüber hinaus zählen auch bestimmte Augenoperationen oder die Schädigung der Augen durch die Diabeteserkrankung als Risikofaktoren. Bei einer Netzhautablösung ist unter Umständen eine Laserbehandlung möglich. Vor allem, wenn der Riss in der Netzhaut frisch und die unterspülte Fläche noch nicht zu groß ist, verspricht diese Therapie Erfolg.  In manchen Fällen hilft nur noch eine Augenoperation, bei der versucht wird, die Netzhaut wieder an die dahinterliegende Aderhaut anzulegen.
   Trotz bestehender Therapiemöglichkeiten ist die Netzhautablösung keinesfalls zu unterschätzen. Eine Garantie für einen guten Erfolg bei der Behandlung gibt es nicht. Dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle, zum Beispiel die Dauer der Ablösung, die Art der Therapie, die Größe des abgelösten Teiles oder vorbestehende Schädigungen. Wichtigster Faktor ist jedoch, dass der Patient bei Auffälligkeiten seine Augen frühzeitig beim Augenarzt durchchecken lässt. NOZBazillus100816MartinDove

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Das Auge immer im Blick erhalten

Bei ersten Symptomen einer Netzhautablösung sollte sofort der Augenarzt aufgesucht werden. Ab 40 ist eine jährliche Kontrolle wichtig. Foto rechts: Privatdozent Dr. Lars Wagenfeld ist leitender Oberarzt der Augenklinik am UKE HH Foto links: Mit Tropfen zur Weitstellung der Pupillen Kann der Augenarzt die Netzhaut gut kontrollieren

   Helle Blitze, schwarzer Regen und schwarze Schatten und ein dunkler Schleier im Gesichtsfeld sind Symptome einer Netzhautablösung und sollten unverzüglich augenärztlich untersucht werden. Jährlich erkranken etwa 8.000 bis 10.000 Menschen in Deutschland an einer Netzhautablösung (Ablatio retinae und Amotio retinae) - manchmal auch ohne diese genannten störenden Symptome.
   Die Netzhaut Retina befindet sich zwischen Aderhaut und Glaskörper des Auges, sozusagen „gegenüber" der Pupille. Sie kleidet den hinteren Teil des Auges wie eine Tapete von innen aus. Neben zahlreichen Blutgefäßen enthält die Netzhaut Stäbchen und Zapfen, die Photorezeptoren (griech. photo: Licht), die uns tagsüber das farbige Sehen und in der Nacht das Schwarz-Weiß-Sehen ermöglichen.
   Denn die Netzhaut nimmt die Farb- und Lichtreize unserer Umgebung auf und leitet diese an den Sehnerv weiter, über den die Informationen im Gehirn zu Bildern zusammengesetzt werden. Beim gesunden Auge versorgt die Aderhaut die direkt über ihr liegende Netzhaut mit lebenswichtigen Nährstoffen und Stoffwechselprodukten. Wird diese Versorgung unterbrochen, wird die Netzhaut geschädigt und kann im schlimmsten Fall sogar irreparabel absterben.
   Vor wenigen Jahrzehnten noch bedeutete eine Netzhautablösung den Verlust des Augenlichtes, heute werden selbst die Vorstufen normalerweise gut erkannt und erfolgreich behandelt - auch wenn eine medikamentöse Behandlung genauso wenig möglich ist wie präventives Verhalten.

           Teilweise kann sich die Netzhaut auch erst eine geraume Zeit nach einem Trauma lösen.
                                                                                                      Dr. Lars Wagenfeld

   Doch warum kann sich überhaupt im hintersten Augenwinkel ein so wichtiger Teil des Auges ablösen, manchmal sogar unbemerkt? Die häufigste Ursache ist der natürliche Alterungsprozess des Glaskörpers, der im Laufe der Jahrzehnte an Geschmeidigkeit verliert und etwas schrumpft. Durch diesen Vorgang zieht der Glaskörper an der Netzhaut, die nicht festgewachsen ist, sondern nur vom Pigmentepithel angesaugt wird. Dieses Ziehen einerseits und Saugen andererseits kann zu Rissen und Löchern führen. „Stellen Sie sich einen alten Socken vor, der an der Ferse dünn geworden ist", sagt Dr. Georg Eckert vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA). „Der kann sehr schnell einreißen - so in etwa ist das bei der Netzhaut". Dieser Riss führt zu einem Loch in der Netzhaut, durch das Flüssigkeit eintreten kann, was wiederum die Ablösung der Netzhaut mit sich bringt.
   Diese so genannte rhegmatogene Netzhautablösung wird durch starke Kurzsichtigkeit ab etwa vier Dioptrin begünstigt, denn der Augapfel ist bei Kurzsichtigkeit etwas länger, ebenso auch die Netzhaut.
   Bei der so genannten exsudativen Netzhautablösung tritt Flüssigkeit aus den Gefäßen der Aderhaut aus und sammelt sich unter der Netzhaut. Die Ursache liegt hier in einer schweren Augenentzündung wie Skleritis (Entzündung der Lederhaut) oder Uveitis (Regenbogenhautentzündung) oder in einem intraokularen Tumor.
   Bei einer Entzündung der Bindehaut aufgrund von Heuschnupfen, Allergien, geplatzten Adern oder unsachgemäßem Kontaktlinsengebrauch geht keine Gefahr für die Netzhaut aus - denn die Bindehaut ist auf der sichtbaren Oberfläche des Auges und somit weit weg.

Langjähriger Diabetes erhöht ebenso wie eine Frühgeburt Risiko einer Ablatio
  
Auch eine durchgeführte Operation des Grauen Stars und ein Schlag auf das Auge können zur Verletzung der Netzhaut führen. „Teilweise kann sich hier die Netzhaut auch erst eine geraume Zeit nach dem Trauma lösen", sagt Privatdozent Dr. Lars Wagenfeld, leitender Oberarzt an der Augenklinik des UKE, in der letztes Jahr an die 450 Patienten mit Netzhautablösung behandelt wurden. „Grundsätzlich sollte jedes Auge, das einen Schlag erlitten hat, mit weitgestellter Pupille untersucht werden."
   Bei der Untersuchung blickt der Augenarzt durch die weit gestellte Pupille des Patienten. Bemerkt er Auffälligkeiten, wird er dann den Augenhintergrund genauer ausleuchten. Bei einer entsprechenden Diagnose sollte die sofortige Einweisung in eine augenärztliche Klinik erfolgen.
   Neben der Laserkoagulation kann der Augenchirurg bei größeren Rissen eine Vereisung Kryokoagulation vornehmen. Bei den sogenannten eindellenden Operationen von außen können Kunststoffpolster Silikonplomben angebracht werden, der Augapfel kann außerdem mittels flexibler Silikonbänder Cerclage umschnürt und somit die Abhebung behandelt werden.
   Zunehmend wird aber auch von innen her gearbeitet: Dabei wird bei der Vitrektomie ein glaskörperchirurgischer Eingriff zusammen mit der Gabe von Gas oder Silikonöl vorgenommen. Die Gasblase wird bei dieser Operation so gelenkt, dass sie gegen das Loch drückt und dadurch keine Flüssigkeit mehr unter die Netzhaut laufen kann. Das Gas selbst wird nach einigen Wochen resorbiert. „Je nach Krankheitsverlauf wird das Problem von außen oder von innen behandelt", sagt Dr. Wagenfeld. „Ist dabei das Einbringen von Silikonöl unumgänglich, besteht jedoch ein hohes Risiko, dass die natürliche Linse danach trüb wird und durch eine Kunstlinse ersetzt werden muss. Wenn allerdings ältere Patienten bereits eine Kunstlinse haben, ist in vielen Fällen die Entfernung des Glaskörpers von Vorteil", sagt der leitende Oberarzt.
  Der Großteil der Patienten muss nur ein einziges Mal operiert werden, was meist in Vollnarkose durchgeführt wird. Je nach Situation und Routine dauert der Einsatz zwischen 30 und 90 Minuten. Ist die Netzhaut allerdings schon sehr dünn und vielleicht an verschiedenen Stellen gerissen, können auch mehrere Operationen erforderlich sein. Trotz großer Erfolge in der Augenheilkunde in den letzten Jahrzehnten muss man durchschnittlich bei jedem fünften Fall mit einer erneuten Ablösung rechnen. Entscheidend für den Erhalt der vollen Sehkraft ist, ob an der Stelle des schärfsten Sehens die Netzhaut abgehoben war, denn das reduziert die Prognose erheblich.
   Ab 40 Jahren sollte man deshalb an die jährliche Kontrolluntersuchung beim Augenarzt denken - egal, ob kurz-, normal- oder weitsichtig. Denn auch wenn viele Ablösungen bei vorher vorher unauffälliger Netzhaut entstehen, kann der Augenarzt  mögliche Löcher oder deren Vorstufen rechtzeitig entdecken und dementsprechend behandeln. HA150509KatjaDeutsch

Diabetiker sind besonders gefährdet
Nach einer OP ist Schonung besonders wichtig. Kein Lesen, kein TV, kein PC und insgesamt Stress vermeiden

   Ab 40 Jahren steigt das Risiko einer Netzhautablösung. In Deutschland ist einer von 10.000 Einwohnern pro Jahr von dieser Diagnose betroffen. Neben dem Alter erhöhen eine starke Kurzsichtigkeit, eine durchgeführte Operation wegen Grauen Stars und bestimmte Augenentzündungen das Risiko einer Ablösung.
   Diabetiker sind besonders gefährdet: 557.000 Betroffene hatten im Jahr 2012 eine diabetische Netzhautschädigung, die im schlimmsten Fall auch zur Blindheit führen kann. Mit 2000 Fällen pro Jahr gilt sie als Hauptursache für Erblindungen im erwerbsfähigen Alter, doch nur jeder zweite Diabetiker lässt regelmäßig seine Augen untersuchen. Bei erwachsenen Sportlern führt jeder dritte Augenunfall zu schweren Verletzungen, zehn Prozent der verletzten Augen erblinden. Im Schulsport passie­ren jährlich über 12.000 Augenverletzungen.
   Zunehmend leiden Patienten mit gelaserten Augen an Verletzungen der Netzhaut. Ob das mit dem kurzzeitig hohen Druck während des Laserns zusammenhängt oder die Ursache in der ehemals sehr starken Kurzsichtigkeit liegt, ist noch nicht geklärt.
   Mögliche Probleme nach der Operation können Schmerzen im Auge, im Gesicht oder am Kopf sein. Häufig erzählen Patienten von Lichterscheinungen Photopsien. Wetterfühligkeit kann ebenso wie Wärme- und Kälteempfindlichkeit auftreten. Auch Glaskörpertrübungen und der Verlust von Sehkraft sind möglich.
Nach einer Operation sollten die Patienten folgenden Rat von Ärzten und Fachpersonal beachten:
   Unbedingt die vorgegebene Kopfhaltung einhalten - meistens heißt das, auf den Bauch legen und Gesicht nach unten! Lesen und fernsehen sollte unterbleiben. Kein Wasser oder Shampoo ins Auge gelangen lassen. Nachts ist das Tragen einer Schutzbrille nötig, tagsüber empfiehlt sich eine Sonnenbrille, wenn man wieder ins Freie darf. Jegliche Erschütterungen sind verboten, dazu gehören besonders Sportarten wie Joggen, Trampolin springen und Reiten. Natürlich sollte man auch auf Sportarten, bei denen ein Ball oder Schläger ins Auge geraten könnte, verzichten. Kopf- und Handstand sind keine gute Idee. Wandern, Klettern und Tauchen sollte ebenso unterbleiben wie Flugreisen. Blasinstrumente darf man nicht benutzen, auch schweres Heben ist zu unterlassen.
   Allgemein richtet sich die Dauer der Schonung nach Schwere und Art der Operation und wird vom Arzt entschieden. Möglicherweise ist es auch hilfreich, mit dem Rauchen aufzuhören. Weniger am PC zu arbeiten und den Stress insgesamt zu vermindern, hilft den Augen ebenfalls.
   Unterstützend wirken die Inhaltsstoffe zum Beispiel aus Heidelbeersaft und Holundersaft, die man trinken oder als Extrakt einnehmen kann. Auch Carotin (in Möhren), Selen und Zink haben sich bewährt.    HA150509kde   
www.netzhaut-selbsthilfe.de

Drahtlose Sehprothesen

   Mit erstmals implantierten, drahtlosen Sehprothesen können sechs blinde Menschen teilweise wieder sehen. Die neuartigen Sehprothesen wurden bei Patienten in Aachen und Essen eingesetzt, teilte das Bundesforschungs- ministerium mit. Das einzigartige System vereinfache die Handhabung für Patienten mit der Erbkrankheit Retinitis pigmentosa. Sie könnten optische Muster unterscheiden. Das System werde im nächsten Schritt mit einer Kamera gekoppelt, die per Funk Signale an das Implantat sende. Das Ministerium förderte das Projekt seit 1995 mit 17,5 Millionen Euro.    HA080311

Der erste drahtlose Sehchip, der ohne eine Kabelverbindung nach draußen ins Auge verpflanzt wurde,
 ist in Deutschland entwickelt worden. Sechs blinden Patienten hat man die Mikrochips probeweise
 für einige Wochen eingepflanzt und bei ihnen zumindest Seheindrücke erzeugt.

Kleine Wunder mit weißen Balken
   Blinde heilen ist das große Ziel. Doch Sehprothesen, die ins Auge verpflanzt oder mit Nerven verkabelt werden, stehen erst am Anfang. Die Chips sind weit weg vom Ersatzorgan.
   Ein blinder Mann benennt nacheinander vier je etwa zehn Zentimeter große Buchstaben richtig und setzt sie in der richtigen Reihenfolge, in der sie ihm gezeigt werden, zu dem Wort „Mika" zusammen. Lesen kann man das nicht nennen, eher eine Entschlüsselung weißer Balken. Eberhart Zrenner,der Direktor des Forschungsinstituts für Augenheilkunde an der Universität Tübingen, wollte auf der Tagung „Artifcial Vision" in Bonn jüngst mit dieser Videoaufnahme den Beweis antreten, dass ein Netzhautchip inzwischen viel zu leisten vermag. Der zweite Forscher, der die dort versammelte Elite der Sehprothesenforschung zu beeindrucken versuchte, war Brian Mech. Er vertrat die im kalifornischen Sylmar angesiedelte Firma Second Sight. Er zeigte die Aufnahme einer blinden Frau, die mit Hilfe eines Netzhautchips einen weißen Balken auf schwarzem Boden zielsicher bis zum Ende abschritt. Diese vorläufigen Höhepunkte der Netzhautchip-Geschichte wurden wie zur Ermutigung gegen Ende einer Tagung präsentiert, die eigentlich davon zeugte, welche immensen Schwierigkeiten es zu überwinden gilt, wenn man über die bloße Wahrnehmung von Hell auf Dunkel hinausgelangen  und mittels Sehprothesen etwas ermöglichen will, was man tatsächlich als Sehen bezeichnen darf.
   Die Blinden, um die es hier vor allem geht, leiden an Retinitis pigmentosa. Ihre Lichtsinneszellen, die Photo- rezeptoren, sind zugrunde gegangen. Jedoch sind noch andere, den Photorezeptoren nachgeschaltete Netz- hautzellen vorhanden, und das will man ausnutzen. Zrenner und Mech stehen für zwei verschiedene Strategien. Es geht um die Lage des Chips in der Netzhaut. Der subretinale Chip liegt in der Schicht der zugrunde gegangenen Photorezeptoren. Darüber, in Richtung Augeninneres, schließen sich weitere Zellschichten an. Der drei mal drei Millimeter große Chip enthält Photozellen, die einfallendes Licht aufnehmen. Das wird in elektrische Impulse für die darüberliegenden Nervenzellen umgewandelt. Die andere Strategie, wie sie auch in Kalifornien verwendet wird, arbeitet mit einer Kamera, die etwa an einem Brillengestell befestigt wird. Das Kamerabild wird kodiert, ebenfalls in Reize für die Netzhaut umgewandelt und an den Chip im Auge übermittelt. Dieser liegt epiretinal, auf der Netzhaut. Der Hauptnachteil besteht darin, dass die Kamera die natürliche Augenbeweglichkeit nicht zu nutzen vermag, Bewegungen des Augapfels stören in diesem Fall sogar. Einer der Nachteile der sub- retinalen Lösung ist dagegen das schwierigere Operieren. Beide Herangehensweisen kranken zudem daran, dass sie eine, wenn auch winzige Drahtverbindung durch die Wand des Augapfels nach außen benötigen.
   Die in Gießen ansässige Firma EpiRet bietet inzwischen mit Epiret-3 die erste drahtlose Prothese an, die vollständig ins Auge eingepflanzt werden kann. Peter Walter, Direktor der Universitätsaugenklinik in Aachen und Leiter der Bonner Tagung, erläuterte, dass diese Prothese bei sechs blinden Versuchspersonen ohne Komplikationen in den Augenkliniken Aachen und Essen eingesetzt und nach vier Wochen wieder entfernt werden konnte. Solche vorläufigen Machbarkeitsstudien prüfen die Sicherheit der Operation und die Verträglichkeit der Prothesen. Den blinden Probanden ist es hoch anzurechnen, dass sie sich eigens für solche Studien ohne einen Nutzen für sie operieren lassen. Mit immer mehr Operationsvarianten erkundet man neue Implantationsorte, um den kritischen Bezirk Netzhaut zu umgehen. Forschergruppen aus der Schweiz und aus Japan erläuterten in Bonn, wie man die Chips sicher außen auf der Bindehaut befestigen kann. Nur noch einzelne Elektroden bohren sich dann wie lange Pfähle von dort bis zur Netzhaut hindurch.
  Wenn die Operation funktioniert, beginnen die prinzipiellen Schwierigkeiten. Nicolas Cottaris vom Kresge Eye Institute der Universität in Detroit hat mit seinem Team ein Detektorsystem entwickelt, das die Qualität von Sehprothesen bewerten kann. Es ertastet am Hinterhaupt des Probanden wie eine Art Radar, wie die elektrischen Impulse, mit der man die Netzhaut reizt, vom Gehirn wahrgenommen werden. Leider kommen Linien meist nicht als Linien an, eher als diffuse Flächen. Das ist auch nicht verwunderlich, wie die Ausführungen von Shelley Fried von der Abteilung für Neurobiologie am Massachusetts General Hospital in Boston zeigen. Er will klären, wie man künftig am besten eine diffuse Reizung allzu vieler Nervenzellen durch die Netzhautchips vermeidet. Das ist derzeit einer der limitierenden Faktoren für eine bessere Kontrastauflösung. Der Physiker Daniel Palanker von der Stanford-Universität zeigte schließlich, wie man sich langsam an das ideale Material und die ideale Form der künstlichen Photodioden in der Netzhaut herantasten muss, damit langfristig Narben vermieden werden.
   Die größte Hürde für die Sehchip-Forschung beschrieb indes Bryan Jones vom Moran Eye Center der Utah- Universität in Salt Lake City. Seine Bilder ließen zweifelsfrei erkennen, dass die Netzhaut des Netzhautkranken schon lange nicht mehr das ist, was man mit einem Chip zu reizen hofft. Sobald der Untergang der Photorezeptoren beginnt, geraten die eigentlich wohlgeordneten Zelllagen durcheinander. Sie brauchen den Input der Photorezeptoren, bekommen aber keinen. Die vergeblichen Versuche, mit anderen Nervenzellen Kontakt aufzunehmen, enden in den von Bryan beschriebenen Mikroneuromen. Das sind Knäuel von neu aussprießenden Nervenfortsätzen, die zu Tausenden in der kranken Netzhaut zu finden sind und die aufgrund ihrer mangelhaften Verdrahtung für enorme elektrische Verwirrung sorgen. Nicht zuletzt aus diesem Grund wollen manche Forscherteams den Chip gar nicht erst in die Netzhaut pflanzen. Sie reizen zum Beispiel den Sehnerv hinter dem Auge oder einen Teil des Sehzentrums der Hirnrinde am Hinterkopf wie eine Art Nadelkissen.
   Die Bonner Tagung spiegelte wider, dass die Sehprothesenforschung trotz der Schwierigkeiten weltweit boomt. Nur Deutschland verhält sich antizyklisch. Nach vielen Jahren großzügiger Förderung der Sehchip-Entwicklung sind die Förderquellen nahezu versiegt.  Die Regierung von Australien stellt dagegen dreißig Millionen Euro zur Verfügung, wie Gregg Suaning berichtete. Suaning leitet als Ingenieur an der Universität von Sydney ein Team. Dass die Avantgarde der deutschen Retinaforschung gleichwohl vielversprechende Projekte entwickelt, bewies Heinz Wässle vom Max Planck Institut für Hirnforschung in Frankfurt. Wo alle sich auf künstliche Chips stürzten, eröffnet er gleichsam natürliche Wege, die Funktion der untergegangenen Sinneszellen biologisch zu ersetzen.
   Rhodopsin heißt der Sehfarbstoff, mit dem die Photorezeptoren Licht in elektrische Signale umwandeln. Wässles Arbeitsgruppe hat es geschafft, dass bei Mäusen, deren Photorezeptoren aufgrund eines Gendefekts zerstört werden, die Produktion einer Rhodopsinvariante - des Channelrhodopsin 2 - von etwa einem Drittel einer nachgeschalteten Zellpopulation der Netzhaut übernommen wurde. Die Mäuse reagierten daraufhin sogar auf Licht, allerdings benötigte man hierfür Helligkeitsverhältnisse wie bei Sonnenschein in einer Schneelandschaft. Wässle gab sich vorsichtig optimistisch. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis man ein Rhodopsin finde, dass sowohl ausreichend lichtempfindlich sei als auch brauchbare elektrische Impulse hervorbringe. FAZ091007MartinaLenzen- Schulte

Chips im Auge

Ein Augenchip soll Blinden visuelle Orientierung ermöglichen
   Der Chip im Auge ersetzt den Blindenstock. Zu Beginn der neunziger Jahre erschien diese Idee noch völlig utopisch. Inzwischen aber werden elektronische Sehhilfen in klinischen Studien erprobt und vermitteln erblindeten Patienten mit degenerativen Netzhauterkrankungen Seheindrücke. Auf einem internationalen Symposium in Bonn werden unterschiedliche technische Ansätze miteinander verglichen und diskutiert. Leonardo090921

med-Dr.ThomasWheelerSchilli      Dr. Thomas Wheeler-Schilling, Universität Tübingen

 Universitätsklinik Tübingen: Blinden Seh-Chip implantiert

   HOPE steht für Erbliche Netzhauterkrankungen - und bezieht sich auf ein Krankheitsbild, welches in Deutsch- land ca. 30.000 Menschen betrifft und sehr häufig zu schwerer Sehbehinderung bis hin zur Erblindung führt. Von besonderer Bedeutung ist die enge Einbindung der Patientenorganisation "ProRetina Deutschland e.V." in dieses Forschungskonzept, erläutert Dr. Thomas Wheeler-Schilling, Leiter der Stabsstelle Wissenschaftsmanagement an der Universitäts-Augenklinik. Pro Retina wurde 1977 als "Deutsche Retinitis Pigmentosa-Vereinigung" von Betroffenen und deren Angehörigen zum Zweck der Förderung der gegenseitigen Patientenhilfe und der wissenschaftlichen Forschung gegründet. Die Pro Retina gliedert sich in über 60 Regionalgruppen, die über das ganze Bundesgebiet verteilt sind. "Durch diese enge Anbindung der betroffenen Patienten mit den beteiligten Forschungsinstituten ergibt sich die Chance die Bedürfnisse und Anforderungen von Forschern und Patienten eng abzustimmen", resümiert Prof. Wissinger. Damit besteht zumindest die Hoffnung in nicht allzu ferner Zeit den betroffenen Patienten eine Behandlungsperspektive zu bieten. "Hoffnung", ist schon der korrekte Titel für dieses Forschungsvorhaben.
   Mit einem Mikrochip haben Ärzte der Universität Tübingen einem „Spiegel"-Bericht zufolge erblindeten Menschen wieder eine einfache Form des Sehens ermöglicht. Besonderen Erfolg erzielte das Team um den Augenarzt Eberhart Zrenner demnach bei einem 45 Jahre alten Patienten aus Finnland, dem ein Chip unter die Netzhaut implantiert wurde.„Wir konnten bei Mika zeigen, dass er mithilfe der Sehprothese die Grenzen überschritten hatte, jenseits deren er rechtlich nicht mehr als blind gilt", zitierte das Nachrichtenmagazin Zrenner. NOZ091221apd

Blinde sehen wieder – mit einem Chip. Studie der Uni-Klinik Tübingen

   Ärzten des Tübinger Uniklinikums ist es in ersten Tests gelungen, Blinden mit Hilfe eines Netzhaut-Chips einfache Seheindrücke zu verschaffen. Seit Herbst 2005 sei sieben Patienten ein Chip unter die Netzhaut gepflanzt worden, sagte der Leiter des Forschungsinstitutes für Augenheilkunde, Prof. Eberhart Zrenner. Mit dem Chip könnten die Patienten Lichtquellen wie Lampen oder Fenster erkennen. Teilweise hätten die Betroffenen helle Gegenstände auf dunklem Untergrund lokalisiert.
   Der Chip übernehme die Funktion von abgestorbenen Sehzellen. Der Mediziner warnte vor überzogenen Erwartungen, es handele sich um eine Pilotstudie. Geeignet sei die Therapie nur für Menschen, die früher sehen konnten und deren Sehnerven und die entsprechenden Hirnregionen intakt seien. Prof. Christian Ohrloff, Sprecher der Ophthalmologischen Gesellschaft, der wissenschaftlichen Vereinigung der Augenärzte, verwies darauf, dass andere Forschergruppen in Deutschland an ähnlichen Ansätzen arbeiteten. dpaHA070315dpa070315

Retina-Wrobelx

Das Auge ist für die Menschen wichtig.  Doch was tun, wenn Krankheiten blind machen?
Tübinger Forscher haben jetzt ein neuartiges Retina-Implantat entwickelt, das direkt die Nervenzellen stimuliert. Vormals Blinde können sich damit wieder im Raum zurechtfinden

Foto oben: Walter G. Wrobel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Retina Implant GmbH
mit einem Augenmodell, will Blinden helfen

   Sehen ist unsere wichtigste Orientierungshilfe im Leben. Etwa 80 Prozent unserer Sinneseindrücke gehen auf das Konto der Augen. Ein besonders wichtiger Teil ist dabei die Netzhaut. Dort sitzen die Sinneszellen, die das Licht und die damit verbundenen Seheindrücke in elektrische Signale umwandeln und über den Sehnerv weiter zum Gehirn leiten. Doch die Sinneszellen der Retina können durch die erblich bedingte Krankheit Retinitis Pigmentosa (RP) wie auch die Altersbedingte Makula-Degeneration(AMD) zerstört werden. Allein in Deutschland leben etwa 33.000 Menschen, die aufgrund dieser Krankheiten erblindet sind. Jährlich kommen mehr als 4.000 Betroffene hinzu. Doch jetzt gibt es Hoffnung für die Patienten. Ein winziger Computerchip kann ihnen zumindest teilweise das Sehvermögen zurückgeben.
   In einer Pilotstudie an der Universitäts-Augenklinik Tübingen ist das sogenannte Retina-Implantat bereits erfolgreich an sieben blinden Patienten erprobt worden. Ihnen wurde in einer siebenstündigen Operation ein etwa drei Mal drei Millimeter großer mikro-elektronischer Chip unter die Netzhaut eingepflanzt, der dort die abgestorbenen Sehzellen ersetzen sollte. „Wir haben bei diesem Verfahren einen völlig neuen Ansatz verfolgt”, sagt Barbara Wilhelm, Koordinatorin der klinischen Studie. Winzige lichtempfindliche Fotodioden auf dem Chip übernehmen die Aufgaben der degenerierten Zapfen und Stäbchen und leiten die Signale weiter an die Nervenzellen der Netzhaut. Über die Fasern des Sehnervs gelangen sie dann in die Sehrinde des Gehirns, wo die eigentliche Sehwahrnehmung erst entsteht. Die Behandlungsmethode ist daher nur für Blinde ge- eignet, wenn unter anderem deren Sehnerven sowie die dazugehörigen Regionen im Gehirn noch intakt sind.
   Die Methode hat offenbar Erfolg. Die Patienten konnten mit Hilfe des Chips Lichtquellen erkennen und lokalisieren - eine entscheidende Voraussetzung, um sich selbständig im Raum zu orientieren. Die Patienten konnten auch helle Gegenstände auf kontrastreichem Hintergrund wahrnehmen und orten - etwa weiße Teller und Tassen auf einem dunklen Tischtuch. Mithilfe von zusätzlichen Elektroden neben dem Chip konnten die Mediziner überdies Seheindrücke gezielt stimulieren. Sie erzeugten durch elektrische Reize bestimmte Muster, die so vom Patienten auch tatsächlich im Gehirn wahrgenommen wurden. „Diese zusätzlichen Untersuchun- gen waren wichtig, um nachzuweisen, dass die Anregung der Netzhaut durch den Chip auch tatsächlich exakt funktioniert”, erklärt Reinhard Rubow, Geschäftsführer des Herstellers Retina Implant, der die Studie gemein- sam mit dem Bundesforschungsministerium finanziert hat.
   Durch die sogenannte subretinale Anregung sei inzwischen gesichert, dass die Lichtreize korrekt in elektrische Impulse verschlüsselt und im Gehirn ein realistisches Bild erzeugt würde. „Das ist wichtig, damit der Patient die Dinge nicht nur sieht, sondern auch ihre Position im Raum richtig wahrnehmen kann”, sagt Rubow. Denn was nützt es dem Patienten, wenn sein Gehirn eine Vase auf dem Tisch plötzlich scheinbar in der Luft schweben lässt? Diese Gefahr konnte die Studie glaubhaft ausschließen. Das Implantat funktioniert offenbar wie vorgesehen, indem es nicht nach dem Zufallsprinzip arbeitet. Vielmehr nutzt es das neuronale Netzwerk der Retina, regt gezielt Nervenzellen an und erreicht dann die gewünschten Regionen der Sehrinde.
   Dennoch ist noch einiges zu verbessern, bis das bisher nur für Forschungszwecke zugelassene Muster ein marktreifes Serienprodukt wird. Ein mittlerweile gelöstes Problem etwa ist die Energieversorgung. Denn erst von einer bestimmten Reizschwelle an können die Nervenzellen der Netzhaut überhaupt stimuliert werden. Das  schafft der haardünne Chip allerdings nicht allein. Weil bei normalem Tageslicht das Sehen mit dem Retina-Implantat nicht funktionieren würde, wird zusätzlich Energie über feine Drähte am Schädelknochen entlang von außen zugeführt. Sie werden an ein Netzteil angeschlossen, das von den Patienten an einem Band um den Hals getragen wurde. „Für ein vermarktungsfähiges Produkt ist eine drahtlose Energieversor- gung über eine Spule unter der Haut vorgesehen”, sagt Rubow.
   Der Geschäftsführer schätzt, dass das Implantat jetzt allgemein zugelassen sein könnte. Ob die Kasse die Kosten komplett übernehmen wird, ist noch nicht geklärt. Etwa 25.000 Euro kostet allein die Sehprothese - so viel wie ein Blindenhund. Hinzu kommen die Kosten für die Operation. Da die Augenheilkunde bislang aller- dings noch keine überzeugende Therapie für erbliche oder altersbedingte Netzhautdegeneration anbieten kann, stehen die Chancen für eine Kassenleistung nicht schlecht. Bis Blinde mit Hilfe des Retina-Implantats wieder Zeitung lesen können, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Vorerst freuen sich die Mediziner der Tübinger Augenklinik, die Patienten der Pilotstudie und der Hersteller über den ersten großen Erfolg.
   Die Firma Retina Implant GmbH hat ein Servicetelefon für Patienten eingerichtet. Anfragen nimmt sie entgegen unter Telefon 07121 - 7 01 21 80. KirstenAlleeHAZ070524

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Blinder kann durch Netzhautchip sehen. Foto: Der Chip verwandelt das aufgenommene Bild
in elektrische Impulse,die dann über Netzhautneuronen an das Gehirn weitergeleitet werden.
Chip hilft Blinden wieder sehen - Mit Netzhautimplantat Buchstaben und Wörter erkannt

   Blinde wieder sehen lassen - diesem Ziel sind Forscher jetzt ein Stück näher gekommen. Die Wissenschaftler um Eberhart Zrenner von der Universität Tübingen pflanzten in ihrer Pilotstudie drei Blinden einen Netzhautchip ein. Mithilfe des Chips konnten die Teilnehmer diverse Sehaufgaben erfüllen, etwa verschiedene Gegenstände auf einem Tisch lokalisieren. Einem Probanden gelang es demnach sogar, 16 Buchstaben in Daumengröße zu unterscheiden und ganze Wörter zu lesen. Ihm war als Einziger der Chip direkt unter den gelben Fleck implantiert worden, den Ort des schärfsten Sehens. Die Ergebnisse der Studie werden im Journal „Proceedings of the Royal Society B" präsentiert. Die Studie könnte den Forschern zufolge dabei helfen, Krankheiten wie den erblich bedingten Netzhautrückgang zu heilen. HA101103dpa

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Foto links: Der Chip liegt weit hinten unter der Netzhaut. Ein Kabel für Stromversorgung und Chipsteuerung
führt hinter das Ohr Foto rechts: Drei mal drei Millimeter groß ist der Chip:
er enthält 1.500 lichtempfindliche Dioden, Verstärker und Elektroden

   Ein neuartiges Netzhautimplantat kann bei Blinden grundlegende Sehleistungen wiederherstellen. Ein licht- empfindlicher Chip vermittelt dem Gehirn Informationen, die bis zum Erkennen von Buchstaben und Wörtern reichen können.
  Den Erfolg des Implantats, das in Zusammenarbeit mit einem Partner aus der Wirtschaft entwickelten wurde, konnten nun Wissenschaftler der Abteilung für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen in einer Studie erstmals zeigen. Über die Ergebnisse der Untersuchungen berichtet die Universität Tübingen.
   Ziel des Projektes ist es, bei Blinden, deren Stäbchen und Zapfen in der Netzhaut degeneriert sind – beispielsweise durch die Erkrankung Retinitis Pigmentosa –, diese verlorene Funktion durch ein Netzhaut- implantat zu ersetzen. Retinitis Pigmentosa, eine erbliche Netzhautdegeneration, ist eine der häufigsten Ursachen für eine Erblindung in jungen Jahren. Die neue Technologie ist den Wissenschaftlern zufolge allerdings nicht einsetzbar, wenn die Netzhaut in weit fortgeschrittenen Stadien der Netzhautdegeneration stark vernarbt und nicht mehr durchblutet ist oder der Sehnerv massiv beschädigt wurde.
   Das elektronische Netzhautimplantat, das von der Firma Retina Implant AG in Reutlingen produziert wird, arbeitet mit 1.500 lichtempfindlichen Dioden, Verstärkern und Elektroden auf einem drei mal drei Millimeter großen Chip. Er verwandelt das aufgenommene Bild in elektrische Impulse, die dann über Netzhautneuronen an das Gehirn weitergeleitet werden. Mit diesen Informationen kann das Gehirn von blinden Menschen lernen, Licht- quellen oder Gegenstände zu lokalisieren und zu erkennen. Auf dem Weg zur Entwicklung des Implantats gab es einige Hürden zu überwinden: Es galt, die richtigen Materialien zu finden, die zum einen für den Menschen bioverträglich sind und gleichzeitig der empfindlichen Elektronik ausreichend Schutz bieten. Außer- dem mussten die Augenchirurgen eine neue Implantationstechnik entwickeln, die es erlaubt, den Chip weit nach hinten unter die Netzhaut zu schieben und gleichzeitig eine Kabelverbindung zu einem Ort hinter dem Ohr für Stromversorgung und Chipsteuerung zu schaffen. Offenbar waren die Bemühungen der Wissen- schaftler erfolgreich. Elf Patienten, die zwischen 2 und 15 Jahre lang blind gewesen waren, wurde das Implantat eingesetzt. Fünf von ihnen konnten das Implantat tatsächlich nutzen, um Lichtquellen oder große helle Objekte zu erkennen und zu lokalisieren. Einer der Studienteilnehmer konnte sogar unbekannte Objekte korrekt identifizieren, eine große Uhr ablesen sowie einzelne Buchstaben und Wörter erkennen. NOZ101104dapd

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 Ein Chip für künstliches Sehen. UKE Hamburg entwickelt Sehprotesen für Blinde

   Das Kernstück des Retina-Implantats ist ein nur ein Millimeter großer Chip, der in die Netzhaut des Patienten eingepflanzt wird. Von diesem Chip aus werden die Seheindrücke, die vorher von einem kleinen Computer in elektrische Signale umgewandelt wurden, ins Gehirn weitergeleitet.

 Für die Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa gibt es bisher keine Therapie. Hoffnung verspricht eine Technik, die jetzt in Studien getestet wird. Ein winziger Chip soll blinden Menschen helfen, wieder sehen zu können. Wissenschaftler am Universitätsklinikum Eppendorf arbeiten an einer neuen Technik, dem Retina-Implantat. Dieses soll vor allem Patienten zugutekommen, die an der sogenannten Retinitis pigmentosa leiden. „Das ist eine vererbte Erkrankung, bei der die Sehzellen in der Netzhaut, die Stäbchen und Zapfen, zugrunde gehen, aber die inneren Netzhautschichten intakt bleiben”,erklärt Prof. Gisbert Richard, Direktor der Augenklinik am UKE Foto oben.  Die Krankheit zeigt sich bei den Betroffenen daran, dass sie zunehmend Probleme beim Sehen in der Dunkelheit haben, bis sie sich irgendwann im Dunkeln gar nicht mehr zurechtfinden. „Im Endstadium dieser Erkrankung, die meist im Alter zwischen zehn und dreißig Jahren beginnt, sind die Patienten weitestgehend blind. Und eine Behandlungs- möglichkeit gibt es für diese Patienten zurzeit nicht”, erklärt der Augenspezialist.
   Hoffnung verspricht jetzt ein winziger Chip, der nur einen Millimeter groß ist und in das Auge eingesetzt wird. Schon seit mehreren Jahren leitet Prof. Richard Studien, in denen diese neue Technik, das Retina-Implantat, entwickelt und erprobt wird. Das Grundprinzip: Visuelle Eindrücke werden mithilfe eines winzigen Computers zu elektrischen Signalen verarbeitet und auf einen Chip auf der Netzhaut geleitet. Von dort werden die Signale über den Sehnerv ins Gehirn des Patienten weitergeleitet und dort zu Sehwahrnehmungen verarbeitet.
  „Nach einer ersten Studie in Tierversuchen haben wir zusammen mit anderen Kliniken in einer wei- teren Studie überprüft, was die Patienten sehen können, wenn man ihnen diesen Chip auf die Netzhaut legt und mit Computersignalen reizt. Wir stellten fest, dass sie dabei sehr präzise Farben, Gegenstände und deren Größe erkennen konnten”, erklärt Richard. Die viel versprechenden Ergebnisse führten zu einer Folgestudie, in der die Chips, die drahtlos mit der Technik außerhalb des Körpers verbunden sind, dauer- haft in das Auge eingesetzt werden. „Den ersten drahtlosen Chip weltweit haben wir im vergangenen November einem Patienten eingesetzt. Dieser Chip besteht aus einem Teil, der sich auf der Netzhaut befindet, und einem Empfänger, der außerhalb des Auges eingesetzt wird. Mit diesem Chip, der 49 Elektroden enthält, kann der Patient Helligkeiten sehen, sich bewegende Gegenstände und unter- schiedliche Strukturen erkennen. Das Ziel ist, ihm zu helfen, sich in gewohnter Umgebung besser zurechtzufinden“, so Richard. Dabei muss das Auge sich erst mal auf die neue Technik einstellen. „Der Patient muss teilweise das Sehen neu erlernen. Deswegen kann es eine Zeit dauern, bis er die neue Technik richtig nutzen kann.“ Jetzt soll in einer weiteren Untersuchung das komplette System geprüft werden. „Wir werden - erstmalig weltweit - diesen Chip mit einer Kamera verbinden. Das wird dann so aussehen, dass der Patient eine Brille trägt, in der sich eine winzige Kamera befindet, die von außen nicht sichtbar ist. Über diese Kamera werden Bilder aus der Umgebung über einen Sender im Brillenbügel an den Empfänger und von dort an den Chip weitergeleitet. Das alles geschieht, drahtlos. Die Energie- versorgung und die Umwandlung der Kamerabilder in Signale leistet ein Prozessor von der Größe eines Walkmans, der am Körper getragen wird“, erklärt der Augenexperte. Das komplette System soll europaweit bei Patienten mit Retinitis pigmentosa getestet werden, in einer Studie, die noch in diesem Jahr beginnt. Mit der Markteinführung des Implantates rechnet Richard innerhalb der kommenden zwei Jahre. Er erwartet auch noch bessere Ergebnisse. „Die Sehfunktion des Implantats wird sich mit der fortschreitenden Chiptechnik  immer weiter verbessern lassen.”
   An der Studie teilnehmen können Patienten, die aufgrund einer Retinitis pigmentosa erblindet sind und an keinen weiteren Erkrankungen leiden. Interessierte können sich an die Augenklinik am UKE wenden: Fax 428 03-49 06 oder per eMail: augenklinik@uke.uni-hamburg.de     CorneliaWernerHA0602

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Blinder konnte nach 13 Jahren seinen Sohn wieder “sehen”. Ein Bericht des Telegraph Weekend London

  Terry Byland war überwältigt, als er nach der Operation seinen Sohn nach dreizehn Jahren zum ersten Mal wieder sehen konnte. Er hatte sein Leben lang Werkzeuge verkauft, nun weinte er Freudentränen, dass er den 18jährigen wahrnehmen konnte. Damals wurde bei ihm Retinitis pigmentosa festgestellt, und der Arzt sagte ihm, dass er für den Rest seines Lebens im Dunkeln sein würde. Nun erhielt er eine begrenzte Sehfähigkeit zurück. Der 58jährige, der in der Nähe von Los Angeles lebt, sagt: “Mit 37 Jahren ist es das Letzte was du hören willst, dass du blind wirst – und man könnte nichts für dich tun. Es war wundervoll etwas zu sehen, wenigstens einen Lichtschimmer,  als wir die implantierten Chips langsam ausprobierten. Schon vor der Operation wurde uns gesagt, es würde ein sehr langsame Fortschritt geben – und nun sind wir schon weit darüber hinaus. Wenn ich zuhause oder in einem anderen Haus bin, kann ich in jedes Zimmer gehen und das Licht einschalten, oder ich kann auch das Licht durch das Fenster sehen. Wenn ich die Straße entlang gehe, kann ich herabhängende Zweige meiden, ich kann die Umrisse der Zweige erkennen. Zunächst war es wie eine Ansammlung von Punkten, nun ist es weit mehr als das. Nun lerne ich visuell von Tag zu Tag dazu. Noch kann ich keine Gesichter erkennen, aber ich kann sie wie dunkle Schatten sehen. Ich kann eine belebte Straße überqueren, ich kann die Zebrastreifen sehen. Als ich mit meinem Sohn spazieren ging … das letzte Mal war er fünf Jahre … unnötig zu sagen, dass ich an diesem Tag Tränen der Freude geweint habe.” NicFlemingTelegraphWeekend061230

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Bionische Augenoperation in Moorfields (England) lässt Blinde wieder sehen. Durch eine Pionierleistung
der Augenärzte der bedeutendsten Augenklinik in Großbritannien können Blinde ihre Familien sehen.
Bionic-Eye-OP Foto Links: Patient  Foto rechts: Bionische Augen-OP

Erbsengroße Kamera wird eines Tages ins Auge implantiert.
So können Blinde wieder sehen:
- Kamera und Sender werden in die Brille eingebaut
- Die Kamera sendet drahtlos über ein Gerät zum elektronischen Empfänger
- Eine Elektrode wird im Auge mit der Retina verbunden
- Elektroden stimulieren die Retinal-Nerven, die Signale über den Sehnerv ans Gehirn leiten
- Das Gehirn empfängt Muster heller und dunkler Punkte
 

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Zwei Blinde Patienten sehen zum ersten Mal ihre Familien – dank der ersten „bionischen“ Augenoperation
 in Morfields England. Foto rechts: Moorfields Eye Hospital, London

   Der Londoner „Evening Standard“ berichet, wie Londoner Augenärzte die bahnbrechende Operation ausführten. Das Leben tausender blinder Menschen kann nun verändert werden. Die Operationen wurden durch ein Team der Moorfields Eye Hospital an der City Road in London durchgeführt. Aus Datenschutzgründen ist von den Patienten nur bekannt, dass beide Männer in den fünfziger Jahren waren.
   Die Technologie beteht aus einer winzigen Kamera und sehr kleinem Sender, die auf die Brille montiert werden. So wird ein Signal drahtlos zu einem ultra-dünnen elektronischen Empfänger und Elektroden gesandt, die im Auge implantiert werden. Die Elektroden, die an der Retina hinten am Auge besfestigt sind, stimulieren die verbliebenen Nerven, die so diese Signale über den Hauptsehnerv zum Gehirn weiterleiten. Im Gehirn werden Lichtmuster und dunkle Punkte empfangen, die dem Patienten ein rudimentäres Sehen ermöglicht.
   Diese Behandlungsmethode richtet sich auf die erkrankte Retina und wird nun in einer klinischen Versuchsreihe getestet. Die beteiligten Ärzte hoffen, dass diese Operationen in wenigen Jahren über die Krankenkasse abgerechnet werden können.
   Dr. Lyndon da Cruz Foto oben links, Facharzt für Retina-Erkrankungen im Moorfields-Hospital, bestätigt, dass er mit einem Team im April 2009 zwei Operationen durchgeführt hat, die beide Patienten gut überstanden haben. Er sagt: „Moorfields ist stolz, zu den ausgewählten drei Kliniken in Europa zu gehören, um an dieser spannenden medizinischen technologischen Entwicklung teilzunehmen. Die Geräte wurden beiden Patienten erfolgreich ein- gesetzt und sie befinden sich auf dem Weg zur Besserung. Es ist etwas Besonderes, an einem solchen Programm teilzunehmen, das eine völlig neue Behandlung von Patienten ermöglicht, die sonst Keine Chance zur Verbesserung ihre Sehkraft hätten.“
   Die Operation wurde ausgeführt unter der Supervision amerikanischer Ärzte, die diese Methode „Argus II“ entwickelt haben, zusammen mit der Second Sight Gesellschaft. Das US-Team vom Doheny Eye Institut aus Los Angeles hatte dieselbe Operation durchgeführt. Die Amerikaner arbeiten jetzt daran, die Kamera noch zu verkleinern, damit sie winzig-klein wird, um sie direkt in den Augapfel einzupflanzen. In Planung ist eine erbsengroße Kamera. Nach Meinung der Forscher könnte sie in drei bis fünf Jahren für die Operationen zur Verfügung stehen. 
   Bei dieser Technologie wird die Kamera mit einer künstlichen Retina verbunden, die bewegte Bilder über den Sehnerv zum Gehirn schickt. Der Patient erhält grobe Schwarz-weiß-Bilder.
   Die Moorfields Augenklinik wurde 1804 in Londen gegründet und ist eine der ältesten und größten Augenkliniken der Welt. EveningStandardLondon090227SophieGootchild

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Lichtiblick fiir Blinde - Bionisches Auge: Netzhaut-Implantate

   Es klingt wie Science Fiction: Mit einer Kamera und winzigen Elektroden, die mit dem Gehirn verbunden sind, kann ein blinder 73-Jähriger wieder hell von dunkel unterscheiden. Weltweit sind bereits 18 Patienten an einer Studie beteiligt.
   Der 73-Jährige erhielt vor sieben Monaten ein bionisches Auge - genannt Argus II - in der Londoner Augenklinik Moorfield. Die früher für unmöglich gehaltene Mikro-Technik zeigt inzwischen erstaunliche Ergebnisse. Das bionische Auge arbeitet mit einer Kamera, die an der Brille des Patienten befestigt ist und Bilder schnurlos an einen winzigen Empfänger sendet, der am Auge sitzt. Dieser Empfänger schickt per Mikro-Kabel Informationen an Elektroden, die auf der Netzhaut angebracht werden. Bei Stimulation dieser Elektroden werden die Daten über den Sehnerv an das Gehirn gesendet. Je nachdem welche Elektroden aktiviert wurden, kann das Gehirn hell oder dunkel registrieren.
   Die Technik für das bionische Auge - Bionik kombiniert Technik und Biologie - stammt aus den USA. Sie wurde bereits an 18 Patienten getestet, drei davon in der Londoner Moorfield-Klinik. Das kalifornische Unternehmen Second Sight soll vor allem Patienten mit Retinitis Pigmentosa helfen. Diese erbliche Netzhautdegeneration tritt meist im Jugendalter ein, dann lässt die Sehkraft allmählich nach - bis zur völligen Erblindung. In Großbritannien sind 20.000 bis 25.000 Menschen davon betroffen. Weltweit leiden drei Millionen darunter. NOZ090306klat

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   Med Uni Graz startet Österreichs einziges “Artificial Vision Center”.  Das international einzigartiges Konzept:
Mit einer Kombination aus Operation, durchgängigem Trainingsprogramm und speziell entwickelten Sehtests blinden Menschen zu einem Orientierungssehvermögen verhelfen.

  Mit den Forschungsarbeiten im Team von Univ.-Prof. Dr. Michaela Velikay-Parel wird die Vision, blinden Menschen mit Retinopathia pigmentosa zu einem Orientierungssehvermögen zu verhelfen, eine realistische Möglichkeit. In Zukunft werden die Patienten im Forschungszentrum “Artificial Vision Center” (AVC) nach einem - auch im internationalen Vergleich - völlig neuartigen Konzept behandelt: Zuerst werden durch eine Chipimplantation die “technischen” Voraussetzungen zum Sehen geschaffen werden. Die aufwendige Operation wird an der Grazer Universitäts-Augenklinik durchgeführt. Anschließend wird mit einem durchgängigen Trainingsprogramm und neu entwickelten Sehtests den Patienten der Umgang mit dem neuartigen Sehen vermittelt. Die infrastrukturellen Voraussetzungen dafür wurden in Form des Forschungszentrums geschaffen: Mit dem “Artificial Vision Center”(AVC) wurde ein Sehlabor eingerichtet, das nach völlig neuen Ansätzen geplant und aufgebaut wurde. “Sehen ist eine der wichtigsten Gaben des Menschen. Blinden dazu zu verhelfen, dass sie wenigstens Licht-Schatten und Konturen erkennen können, ist eine wichtige Aufgabe in diesem Projekt”, betont Rektor Univ.-Prof. Dr. Gerhard Franz Walter.
Retina-Implantat als erster Schritt
   Das Prinzip des Implantatsystems ist, mithilfe elektrischer Reizungen die Netzhaut zu stimulieren, um so Licht- wahrnehmungen hervorzurufen. Damit werden die fehlenden Photorezeptoren ersetzt. Ein kleiner Kamerachip, der an einer Brille montiert ist, nimmt die Bildinformation auf. Die Information wird mittels Kabel zu einem Pocket- prozessor umgeleitet (an der Kleidung befestigt), wo die Bildinformation umgewandelt und reduziert wird und mit einem Retina-Encoder zu Stimulationsbefehlen umgearbeitet wird. Diese Information wird wieder an die Brille geleitet, von welcher die Daten dann über Infrarot an das Auge gesendet werden. Im Auge befindet sich das Retina-Implantat, wo die Daten drahtlos empfangen werden, in elektrische Impulse umgewandelt und an den Stimulationsteil, der an der Netzhaut fixiert ist, weitergegeben werden. Mit diesem System sind die “technischen Voraussetzungen” geschaffen, Lichtsignale zu erkennen. Mit dem Industriepartner IMI (Intelligent Medical Implant) war das Forschungsteam um Michaela Velikay-Parel einer der maßgeblichen klinischen Partner in der Entwicklung des Implantatsystems. “Mit der Entwicklung und dem Einsatz aktiver Implantate wird in der Augenheilkunde ein völlig neues Kapitel aufgeschlagen”, macht Universitäts-Prof. Dr. Andreas Wedrich, Vorstand von der Universitäts- Augenklinik, bewusst.

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Foto oben: Das AVC-Forschungsteam Universitäts-Prof. Michaela Velikay-Parel, Dr.Domagoj Ivastinovic, Angela Kundengraber (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Thomas Georgi (v.r.n.l.).
Foto oben rechts: Das einer Sonnenbrille ähnelnde Visual Interface enthält eine Kamera zur Aufnahme von Videobildern, die mittels Kabel an einen Pocketprozessor weitergeleitet werden. Dieses Kästchen in der Größe eines Walkmans, das an der Kleidung befestigt wird, wandelt die Bilddaten in Stimulationskommandos für den Retina-Stimulator um. Die Informationen werden dann wieder an die Brille geschickt und von dort drahtlos in das Augeninnere gesendet.
Weiterführendes Training als zweiter Schritt zu einem Orientierungssehen. Der Erfolg des neu gewonnen Sehens mithilfe des Implantats ist maßgeblich abhängig vom anschließenden Trainingsprogramm
   Eine bestimmte erbliche Netzhauterkrankung (Retinopathia pigmentosa) kann zu einer Erblindung führen, für die es noch keine Heilung gibt. Der technische Fortschritt ermöglichte nun durch eine interdisziplinäre Kombination der Fachbereiche Mikroelektronik, Signalverarbeitung, Chip-Design und Medizin, aktive Implantate für blinde Menschen zu entwickeln und so einen Teil der Sehfähigkeit wieder herzustellen. Weltweit arbeiten auf diesem Standard nur zwei bis drei Forschungsgruppen an Implantatsystemen. Das Team der Med Uni Graz ist mit dem neu entwickelten Konzept führend auf diesem Gebiet, “insbesondere aufgrund der speziellen und umfassenden Betreuung der Patienten, die nach der Operation mit einem intensiven Trainingsprogramm und gezielt entwickelten Sehtests begleitet werden”, betont Michaela Velikay-Parel. Das Ausmaß des neu gewonnen Sehens wird wesentlich von den im AVC durchgeführten Trainings beeinflusst. “Mit dem Einsetzen eines Netzhautimplantats beginnt für die Patienten eine neue Herausforderung: Da die elektrische Reizung der Netzhaut völlig neu ist, muss das Gehirn erst lernen, diese Reize zu einem sinnvollen Bild zusammenzufügen”, beschreibt Michaela Velikay-Parel die Problematik. In der Augenheilkunde gab es bislang keine geeigneten Testmethoden, um die Verbesserung dieses neuen Sehens und deren praktische Bedeu- tung überprüfen zu können.
Entwicklung von speziellen Sehtests zur Überprüfung des neuen, verbesserten Sehens
   Die neuen Tests wurden in Zusammenarbeit mit IMI, lokalen Blindenverbänden und Behinderteninstitutionen (z.B. Odilieninstitut) erstellt und für die Praxis überprüft. Die erste Testserie wurde mit dem Ziel entwickelt, zunächst die Werte vor der Implantation und dann den Verlauf der Sehentwicklung mit dem Implantat zu ermitteln. Im AVC werden die Patienten erste Erfahrungen mit dem Implantat sammeln. Konkret bedeutet das: Nach einer Heilungsphase müssen die elektrischen Reize individuell an jeden einzelnen Patienten angepasst werden, um eine optimale Information zu liefern. Danach muss der Patient erst an die neuen Eindrücke gewöhnt werden. Dafür ist eine mehrstufige Trainingsphase notwendig: Zuerst wird das Erkennen von Lichtpunkten und einfachen Mustern trainiert. Für den Patienten entsteht dadurch ein Seheindruck im 2-dimensionalen Raum. Die Überprüfung der Sehleistung erfolgt anhand des neuen Testsystems, in dem an eine große Wand Punkte oder Muster (z.B. Streifen) projiziert werden. Die weiteren Übungsschritte dienen der Erfahrung des 3-dimensionalen Raums. Blinde Menschen besitzen ein besonders gutes Vorstellungsvermögen und können durch Ertasten Gegenstände gut erkennen. So können implantierte Menschen die ertastete Erfahrung mit den neuen Seheindrücken in Zusammenhang bringen. Dadurch gewinnt das neue Sehen eine praktische Bedeutung. Ziel ist es, dem Patienten die Orientierung in fremder Umgebung zu erleichtern. Speziell dafür wurde der Labyrinth Test im AVC entwickelt, um die Orientierungsfähigkeit messen zu können. Das Labyrinth besteht aus verwinkelten Gängen, in dem leichte Hindernisse aufgestellt sind. Je schneller der Patient das Labyrinth durchquert und je weniger Hindernisse dabei berührt werden, um so größer ist die Orientierungsfähigkeit. Die Rehabilitation des Sehens dauert einige Monate.
Visionen und Grenzen
   Zurzeit ist es nicht möglich, mithilfe des Implantats eine Sehleistung zu erzeugen, die Lesen oder das Erkennen von Gesichtern ermöglicht. “Aber bereits die reduzierte Form des Sehens stellt einen großen Fortschritt für einen blinden Menschen dar. Mit dem Erkennen von Licht und Umrissen gewinnt die Unabhängigkeit enorm. Für unsere Patienten bedeutet dieses Sehvermögen eine entscheidende Verbesserung”, veranschaulicht Michaela Velikay- Parel. “Mit der Erprobung der ersten Implantate befindet sich die Med Uni Graz im Spitzenfeld der Forschung auf diesem Gebiet. Gelingt das Forschungsvorhaben - und davon sind wir überzeugt - ist das ein großer Durchbruch in der Augenheilkunde”, freut sich Andreas Wedrich.

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Foto oben - v.l.n.r.: Hans Jürgen Tiedke, Geschäftsführer IMI (Intelligent Medical Implants), Univ.-Prof.Dr. Michaela Velikay-Parel, Leiterin des Forschungszentrums AVC, Univ.-Prof. Dr. Andreas Wedrich, Vorstand der Univ.- Augenklinik Foto rechts: Konventionelle Sehtests können bei implantierten Menschen nicht sinnvoll eingesetzt werden. Daher wurden im AVC neue Sehtests entwickelt, etwa um das Erkennen von Hell und Dunkel zu überprüfen.
Fakten:
   * Rund 30.000 - 60.000 Menschen in Österreich und Deutschland leiden an der Netzhauterkrankung “Retino-              pathia pigmentosa”; bei ca. 30 Prozent der Betroffenen führt die Erkrankung zur Erblindung.
   * 10 Jahre Entwicklungsarbeit stecken in den Implantaten
   * Die Behandlung ist mehrstufig: Das Implantat wird in die Mitte des Auges eingepflanzt. Diese Operation wird an der Grazer Universitäts-Augenklinik durchgeführt. Anschließend erfolgt die Rehabilitation, die mehrere Monate dauert und ein umfassendes Trainingsprogramm beinhaltet. Grund dafür ist, dass sich das Gehirn erst an die neuen Reize und Eindrücke gewöhnen muss. Der neue Seheindruck wird erst Stück für Stück erlernt. Die Patienten brauchen Erfahrung im Umgang mit dem neuen Seheindruck.
  * Zur Messung und Rehabilitation entwickelte das AVC neue Sehtests (Punkt-Erkennung, Punkt-Lokalisation, Punkt-zu-Punkt-Diskriminierung, Mustererkennung, Table-Test, Test-Labyrinth).
   * Partner des AVC: Die Grazer Univ.-Augenklinik (Durchführung der Operationen) und das deutsche Unter- nehmen IMI Intelligent Medical Implant (Entwicklung des Implantats). Kooperationen mit TU Graz, Siegmund Freud Universität Wien und lokalen Blindenverbänden; geplante Zusammenarbeit mit der KFU, Institut für Psychologie(Labor für Brain-Computer Interfaces).

Von der Blindheit befreit. Mit der Hand über dem Gen: Schwerer Netzhautdefekt verhindert

  Von den angeborenen Erkrankungen der Netzhaut ist die Retinitis pigmentosa besonders gefürchtet. Sie kommt am häufigsten vor und führt nicht selten zur völligen Erblindung. Die lichtempfindlichen Rezeptoren der Netzhaut, die Stäbchen und Zapfen, gehen allmählich vom Rand des Gesichtsfeldes hin zur zentralen Mitte zugrunde, so dass die Betroffenen mitunter ihre Umwelt nur noch wie durch eine Röhre sehen können. Inzwischen sind mehr als hundert Gendefekte identifiziert worden, die letztendlich dafür verantwortlich sind, dass die Sinnesrezeptoren etwa in ihrer Struktur verändert und deshalb nicht funktionstüchtig sind.
   Selbst wenn man bei einzelnen Mutationen durch das richtige Gen Abhilfe schaffen könnte - eine Gentherapie für mehr als hundert verschiedene Genveränderungen gleichzeitig ist heute praktisch unmöglich. Naomi Chadderton und Marius Ader stellten jetzt allerdings auf dem dritten „Pro Retina Research Colloquium” in Potsdam ein ausgesprochen elegantes Verfahren in Aussicht, die vielen krankhaften Genvarianten gleichsam mit einem Streich zu therapieren. Die beiden gehören zur Gruppe um Jane Farrar und Pete Humphries, die am Trinity College in Dublin neue therapeutische Ansätze bei Gendefekten untersucht. Die Forscher gingen daran, das fragliche Gen in den Zellen gänzlich auszuschalten, ob nun gesunde Kopien vorlagen oder kranke. In einem zweiten Schritt wurde dann die ausgefallene Funktion durch ein gesundes Gen ersetzt. Wie Chadderton und Ader in Berlin erläuterten, ist ihnen der Nachweis, dass dies funktionieren könnte, nicht nur an Zellkulturen der Netzhaut, sondern auch im Tierversuch bereits gelungen.
   Dabei kam ihnen zu Hilfe, dass es durch ein vergleichsweise junges Verfahren, die Ribonukleinsäure, kurz RNA- Interferenz, möglich wird, zu verhindern, dass die Geninformation in ein Protein umgesetzt wird. Kleine RNA-Stücke werden in die Zelle gegeben, wo sie mit der passenden RNA, die sie stören sollen, einen Komplex bilden, der innerhalb der Zelle verdaut wird. Auf diese Weise ist es gelungen, fast neunzig Prozent der „Genbefehle” zu unterdrücken, eine Quote, die bei dieser Technik als besonders hoch gilt.
   Zudem konnte das irische Team zumindest indirekt den Nachweis führen, dass die Einschleusung eines gesunden Gens mit Hilfe von Virusvektoren das gewünschte Produkt entstehen lässt. Jene Schicht in der Netzhaut, die ihre Impulse direkt vom einfallenden Licht empfängt, war bei den gentherapierten Mäusen deutlich besser erhalten als bei ihren Artgenossen, die kein funktionstüchtiges Gen erhalten hatten. Die Ergebnisse sind nicht nur für Augenkranke ermutigend. Auch bei etlichen anderen Krankheiten versucht man, die Vielfalt der Gendefekte inzwischen durch diesen neuen Ansatz zu umgehen, nämlich komplett auszuschalten und komplett zu ersetzen. Bisher hat man das allerdings im Tierversuch noch nie erreicht. FAZMartinaLenzen-Schulte070423

tn_au301_psd     Dr. Karsten Feil

Ein Implantat kann Sehbehinderten helfen

   Schon vor 15 Jahren demonstrierte Dr. Karsten Feil, Vorstand der Retina Implant AG, auf der Biotechnica in Hannover mit Hilfe eines Ein-Cent-Stücks, wo der von seiner Firma entwickelte Chip bei einem kranken Auge eingesetzt werden muss Foto oben. Nach Feils Worten leidet ein Viertel der erblindeten Menschen an einer degenertierten Netzhaut.
   Die Retina Implant AG in Tübingen plant die von ihr entwickelten Implantate in einer ersten klinischen Pilot- studie in einer Kooperation mit den Universitäts-Augenkliniken Tübingen und und Regensburg einzusetzen. Augenärzte teilten anlässlich der “Woche des Sehens” mit, dass die Zahl der Blinden in Deutschland steigen werde. Grund sei der Verzicht auf Vorsorgeuntersuchungen und die Volkskrankheit Diabetes, die Blindheit bewirken kann. Derzeit gibt es in Deutschland 155.000 Blinde. NOZddp021008

a_tn_P_OP_3_jpg    Thema: Netzhaut

Richtungweisende Netzhaut. Wie das Auge das Gehirn über bewegliche Bilder informiert.

Bild: Diese Nervenzellen in der Netzhaut, die hier mit einem besonderen Verfahren zum Leuchten gebracht wurden, reagieren auf bestimmte Bewegungsrichtungen eines Lichtreizes. Zur Veranschaulichung haben die Forscher die Zelle rechts oben, die mitsamt ihren Ausläufern etwa 0,2 mm Durchmesser hat, mit einem bei den Experimenten verwendeten Lichtmuster hinterlegt. FAZ020808

   Was wir von der Welt sehen, sehen wir über die Netzhaut. Das auch als Retina bezeichnete Gewebe, das den Glaskörper des Auges netzartig umfasst, wandelt Licht in Nervensignale um. Aus den Signalen erzeugt das Gehirn ein Bild von der Welt. Die Netzhaut ist aber keineswegs bloß eine lichtempfindliche Schicht. Anders als beispielsweise der Bildsensor in der Digitalkamera “denkt” sie mit, wenn Lichtsignale auf sie treffen. Sie leistet erhebliche Vorarbeit beim Auswerten der Information und darf daher als ausgelagertes Miniatur-Gehirn gelten. Wissenschaftler um Thomas Euler vom Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung in Heidelberg haben nun eine der faszinierendsten Leistungen der Netzhaut, die Analyse von Bewegungsrichtungen, näher ergründet.
   Für die Übertragung der visuellen Information von der Retina zum Gehirn sind die so genannten Ganglienzellen zuständig. Schon vor knapp 40 Jahren haben Wissenschaftler die erstaunliche Beobachtung gemacht, dass manche Ganglienzellen nur dann deutlich reagieren, wenn sich ein im Auge abgebildetes Muster in einer bestimmten Richtung bewegt. Diese Nervenzellen nehmen demnach dem Gehirn Arbeit ab, indem sie darüber informieren, in welche Richtung ein im Sichtfeld befindliches Objekt wandert. Zu den am besten gehüteten Geheimnissen der Netzhaut gehörte aber bisher, wo und wie die Bewegung analysiert wird. Die Frage war, ob die Berechnungen erst in den Ganglienzellen oder schon an einer vorgeschalteten Stelle erfolgen.
   Immer mehr Untersuchungsergebnisse lieferten Hinweise darauf, dass der entscheidende Schritt bei der Richtungserkennung in sogenannten Starburst-Amakrinzellen stattfindet. Diese reich verzweigten Zellen stellen ein wichtiges Bindeglied zwischen Ganglien-Zellen  und den übrigen Schichten der Retina dar.  Eine ihrer Besonderheiten besteht darin, nur über eine Sorte von Ausläufern zu verfügen - über Dendriten. Diese Strukturen sind üblicherweise auf das Empfangen von Eingangssignalen spezialisiert. Eine bei anderen Nervenzellen vorkommende zweite Sorte von Ausläufern, die der Weiterleitung von Ausgangssignalen dienenden Axone, fehlt den meisten Amakrinzellen. Diese Funktion wird dann ebenfalls von Dendriten übernommen.
  Trotz mancher widersprüchlicher Forschungsergebnisse zeichnete sich immer klarer ab, dass die Information über Bewegungsrichtungen tatsächlich von den Starburst-Amakrinzellen bereitgestellt wird. Größte Schwierigkeiten bereitet es aber, die entsprechenden elektrischen Vorgänge direkt zu erfassen. Wie sich nämlich herausstellte, zeigte der Zellkörper selbst keine richtungsbezogene elektrische Aktivität. Die entscheidenden Prozesse finden in einzelnen Dendriten statt. Diese winzigen Strukturen lassen sich jedoch selbst mit feinsten Mikroelektroden nur schwer untersuchen. Daher haben die Heidelberger Forscher ein neues optisches Verfahren angewendet, die Multiquanten-Mikroskopie.
  Für die Untersuchung nutzt man einen gepulsten Infrarotlaser. Dessen für das Auge unsichtbare Licht ist millionenfach intensiver als direkte Sonnenstrahlung. Kurze Pulse des Lasers wurden auf die isolierte, aber noch intakte Netzhaut von Kaninchen gelenkt. Anhand einer vom Laserlicht zum Fluoreszieren angeregten Substanz konnten die Forscher die Konzentration von Kalzium-Ionen in den Dendriten ermitteln. Die Ionen-Konzentration wiederum gibt Auskunft über die Aktivität dieser Zellausläufer.
   Im weiteren Versuchsverlauf reizten die Wissenschaftler die isolierte Retina mit beweglichen Lichtmustern. Das optische Verfahren ermöglichte es ihnen dabei, der Netzhaut gewissermaßen beim Rechnen zuzusehen.  Dabei zeigte sich, dass die verschiedenen Dendriten einer Zelle unterschiedlich auf bestimmte Bewegungsrichtungen reagieren können. Einzelne Starburst-Amakrinzellen verfügen demnach über mehrere voneinander weitgehend unabhängige Richtungsdetektoren, wie die Forscher jetzt in der Online-Ausgabe der Zeitschrift “Nature” berichten. Nach den Worten von Euler wurde damit erstmals nachgewiesen, dass die Information darüber, wohin sich ein Objekt in unserem Sichtfeld bewegt, bereits auf einer Stufe vor den Ganglienzellen errechnet wird. 

ProfBarbaraKäsmann-Kellner-     Prof. Barbara Käsmann-Kellner

Kranke Netzhaut verhindert Farbsehen

   Etwa 300.000 Menschen leiden in Deutschland unter Achromatopsie. Was sich dahinter verbirgt, erklärt Prof. Barbara Käsmann-Kellner, Kinderaugenärztin der Universitätsklinik des Saarlandes in Hoburg.
Was ist Achromatopsie?
   Achromatopsie ist eine angeborene Netzhauterkrankung. Die Betroffenen können weder Farben noch Grautöne erkennen, sehen sehr schlecht, unterscheiden nur nach ihren Helligkeiten (Leuchtdichten der Sehobjekte) und sind extrem blendungsempfindlich.
Was können die Betroffenen erkennen?
   Die Sehschärfe von Achromatopsiebetroffenen liegt bei etwa fünf bis zehn Prozent. Ein Wort, dass ein normalsichtiger Mensch auf einer Tafel in zehn Metern Entfernung lesen kann, erkennt ein Achromatopsie- Betroffener erst in einer Entfernung von 50 bis 100 Zentimetern. Dieses Bild ist ungefähr vergleichbar mit dem, was wir am Rande unseres Gesichtsfeldes sehen (Augen geradeaus, aber die Konzentration auf das periphere Sehfeld lenken).
Welche Ursache hat die Sehschwäche?
   Achromatopsie beruht auf einer genetischen Mutation. Sie bewirkt, dass bestimmte Zellen, die so genannten Zapfen, in unserer Netzhaut ausgeschaltet werden. Sie liegen vorwiegend in der Netzhautmitte und sind für das Farbsehen und die Sehschärfe zuständig. Hell und Dunkel unterscheiden wir dagegen mit Hilfe von Stäbchen. Diese Zellen liegen verstreut auf der gesamten Netzhaut  und sind für das Nachtsehen zuständig. Bei der Achromatopsie funktionieren durch den genetischen Defekt nur noch die Stäbchen. Daher müssen die Betroffenen auch bei Tag mit den Sinneszellen schauen, die eigentlich für das Dämmerungssehen da sind.
Wie kann man Achromatopsie erkennen?
   Die sicherste Methode ist ein Gentest oder die Elektrodiagnose der Netzhaut. Dabei wird die Funktion der Sehzellen gemessen. Bei Säuglingen lässt sich die Krankheit daran erkennen, dass sie in den ersten Lebensmonaten kaum mit den Augen auf ihre Eltern reagieren. Häufig denken diese deshalb, ihr Kind sei blind. Ab dem dritten Monat kommt dann das Zittern der Augäpfel hinzu. Betroffene Kinder blinzeln schon bei Zimmerbeleuchtung und weigern sich häufig hinauszugehen.
Was unterscheidet Achromatopsie von der häufigen Rot-Grün-Blindheit?
   Die Rot-Grün-Schwäche tritt überwiegend bei Männern auf, weil sie mit dem X-Chromosom vererbt wird. Achromatopsie kann Frauen und Männer gleichermaßen betreffen. Außerdem ist bei der Rot-Grün-Blindheit nur ein bestimmtes Farbspektrum betroffen. Andere Farben können die Betroffenen durchaus erkennen, und auch ihre Sehschärfe ist normal. Zudem leiden sie nicht unter Symptomen wie Augenzittern oder Blendungsempfindlichkeit.
Ist Achromatopsie heilbar?
   Bisher noch nicht. Aber es gibt Hilfsmittel, die den Achromatopsie-Betroffenen zum Beispiel das Lesen erleichtern, wie spezielle Vergrößerungsprogramme für Computer, Lupen oder auch elektronische Lesegeräte. Das Augenzittern kann man mit einer Operation etwas beruhigen. Spezielle Filtergläser in Brillen helfen außerdem gegen die hohe Lichtempfindlichkeit der Augen. Kinder, die früh genug beim Sehen gefördert werden, können sogar eine ganz normale Schule besuchen. Das Hauptproblem ist aber bisher, dass die Krankheit häufig auch von Augenärzten nicht erkannt wird, weil man den Augen sowohl äußerlich als auch oft bei der Augen-Hintergrund- untersuchung der Netzhaut nichts ansieht. InterviewMelanieOssenkopHAZ050831 

Netzhaut verrät Neigung zu Hochdruck

  Die Netzhautgefäße eines Menschen geben offensichtlich Aufschluss über eine verstärkte Neigung zu Bluthochdruck. Menschen mit besonders engen Arterien und Venen in der Netzhaut haben nach einer australischen Studie ein deutlich erhöhtes Risiko, später einen hohen Blutdruck zu entwickeln. Die Forscher der Universität Melbourne maßen laut einem Bericht der medizinischen Fachzeitschrift „British Medical Journal” bei rund 2.500 Menschen mit normalem Blutdruck den Durchmesser der Netzhautgefäße. Das Ergebnis: Die Personen mit den schmälsten Gefäßen in der Retina hatten im Vergleich zu jenen mit besonders weiten Blutgefäßen eine dreifach höhere Wahrscheinlichkeit, zehn Jahre später an Bluthochdruck zu leiden. apFAZ040720

Adulte Stammzellen im menschlichen Auge

   In der Netzhaut des Menschen sind wie in vielen andere Körpergeweben Stammzellen enthalten, die sich im Reagenzglas vermehren und zu unterschiedlichen Geweben des Auges verwandeln lassen. Das haben kanadische und eidgenössische Forscher herausgefunden. Wie sie in den „Proceedings” Bd.101, S.15772 der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften  berichten, wurden die multipotenten Zellen aus dem äußeren Rand der Netzhaut von verstorbenen Organspendern im Alter zwischen wenigen Tagen und mehr als sechzig Jahren gefunden. Allerdings sind sie dort nicht besonders zahlreich vorhanden.
  Den Schätzungen der Forscher zufolge dürfte jedes Auge etwa zehntausend Stammzellen enthalten. Deren gezielte Vermehrung und Verwandlung könnte aber künftig möglicherweise helfen, unterschiedliche Krankheiten insbesondere der Netzhaut zu behandeln.   FAZ041027

Langzeitschädigung:Schnüffeldrogen gefährden das Augenlicht

   Die Langzeitschäden durch Schnüf­eldrogen sind nach aktuellen Forschungen gefährlicher als bislang angenommen. Der Konsum sogenannter „Poppers"-Drogen schädige die Netzhaut der Augen in einem größeren Ausmaß als bisher bekannt, teilte das Universitätsklinikum Münster mit. Forschungen von Wissenschaftlern des Klinikums belegten, dass durch den Drogenkonsum nicht nur einzelne Funktionen, sondern auch die gesamte Netzhaut beeinträchtigt werden könne. Das könne zu irreparablen und dauerhaften Einschränkungen der Sehkraft führen. Zwar sei seit einigen Jahren bekannt, dass die Inhalation der Droge die Makula, der Netzhautbereich mit der größten Dichte von Sehzellen, schädigt, erklärte das Uniklinikum. Das Forscherteam habe nun aber ein weit größeres Ausmaß dieser Schädigung entdeckt. Die Ergebnisse des Teams wurden den Angaben zufolge in der renommierten Fachzeitschrift „Eye" veröffentlicht. HA150509EPD

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Spanische Behörden melden Erblindungen durch deutsche Arznei  -   In Spanien sind nach Behördenangaben 13 Menschen nach Verwendung eines in Deutschland hergestellten Arzneimittels auf mindestens einem Auge erblindet

   In Spanien sind nach Behördenangaben 13 Menschen nach Verwendung eines in Deutschland hergestellten Arzneimittels auf mindestens einem Auge erblindet. Bislang seien insgesamt 41 Fälle bekannt, in denen Patienten von der Anwendung des in der Chirurgie zum Einsatz kommenden Produkts betroffen seien, teilte die spanische Medikamentenbehörde (Aemps) mit. Es seien 13 Fälle einer Amaurose bestätigt, also eines kompletten Verlusts der Sehkraft auf einem Auge. Daneben wurden weitere Beeinträchtigungen gemeldet, darunter Einschränkungen der Sehkraft.
   Ende Juni hatte Aemps bereits eine Warnung herausgegeben und erklärt, dass das Produkt des deutschen Herstellers Alamedics GmbH vom Markt genommen worden sei. Für weitere Analysen wurden demnach Proben an eine Forschungseinrichtung in Spanien geschickt. Es gebe diesbezüglich eine Zusammenarbeit mit dem deutschen Labor in Dornstadt sowie mit den deutschen Behörden, hieß es. In Frankreich teilten die Behörden im September mit, dass das Produkt vom Markt genommen sei. Das deutsche Labor sprach zudem von "einem Fall in Italien".
   Die französische Behörde für Medikamentensicherheit (ANSM) veröffentlichte auf ihrer Internetseite eine ins Französische übersetzte E-Mail von Alamedics-Geschäftsführer Christian Lingenfelder. In der eMail vom 13. Juli warnte er demnach die Händler, dass Ala Octa im Verdacht stehe, für einen Degenerationsprozess der Netzhaut verantwortlich zu sein. Der Verkauf sei gestoppt, bis die Umstände vollständig aufgeklärt seien. Alamedics war für eine Stellungnahme zu den Erblindungen in Spanien zunächst nicht zu erreichen. 
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Retinoblastom - Blitzlicht-Diagnose

   Weist ein kleines Kind eine weißliche oder auch gelbliche Augenfarbe statt eines roten Auges auf einem Blitzlichtfoto auf, sollten Eltern dies abklären lassen, warnt Dr. Monika Niehaus, Kinder- und Jugendärztin aus Weimar. Denn die Verfärbung kann durch ein Retinoblastom verursacht sein. Auch bei hellen Lichtverhältnissen kann dieser Effekt sichtbar sein. „Ein Retinoblastom ist der häufigste Tumor im Auge bei kleinen Kindern, der sich vor allem im Alter zwischen zwei und fünf Jahren entwickelt. Er ist relativ leicht mit bloßem Auge zu erkennen. Frühzeitig behandelt, kann das betroffene Auge gerettet und das Kind von umfangreichen und beschwerlichen Therapien, wie z.B. Chemotherapie, bewahrt werden", sagt Dr. Niehaus. Bei einem Verdacht sollten Eltern aus ca. vier Metern Entfernung ein Foto des Kindes von vorne mit Blitz anfertigen. Die automatische Beseitigung des Rote-Augen-Effekts sollte ausgeschaltet sein. Reflektiert die Pupille eines Auges oder beider Augen nicht rötlich, sondern weißlich, kann dies ein Hinweis sein, den sie mit einem Facharzt besprechen sollten. Die Erkrankung ist meist gut behandelbar. HA150911

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