MM-DKWN-x
kbwn

         o n l i n e :       
www.

kbwn.de

Riester

Auf dieser Seite lesen Sie:
1. Die Zahl der Riester-Verträge sinkt erstmals
2. Volle Riester-Zulage für 5,9 Millionen
3. Riestern lohnt sich für fast alle
4. Wie weiter mit der Riester-Rente -  Experten plädieren für Reform
5. Riesterverträge zu Ende gedacht
6. Riester-Rente unter der Lupe-Neue Faltblatt-Serie zur privaten Altersvorsorge
7. Zuspruch für die Riester-Rente - Rentenversicherung teilt die Kritik einer DIW-Studie nicht
8. Riestern lohnt sich  für Frauen, Geringverdiener und Kindererziehende
9. Kompliziert und unrentabel? - Die Riester-Rente hat nicht alle Erwartungen erfüllt
10. Kostenverteilung im Riester-Vertrag rechtens
11. Geringe Vorsorge ist verständlich
12. Riester-Renten sollen transparenter werden
13. Riester für bessere Riester-Rente - Bundesregierung will Vergleiche erleichtern /
 Kosten beim Wechsel sollen gedeckelt werden
14. Hoher Zuschuss vom Staat für Riester-Rente
15. Riester-Rente ist Erfolgsmodell. 45 Milliarden an Beiträgen eingezahlt. Auch Geringverdiener nutzen Zuschuss
16. Riester-Sparen lohnt sich - Untersuchung kommt zu eindeutigem Befund - Kritik an zu wenig Transparenz
17. Bester Vertrag bringt 10.000 Euro mehr - Stiftung Warentest ermittelt große Angebotsunterschiede -
Nur zwei Tarife mit Bestnote
18. Riester: Diese Rente ist wirklich, wichtig, richtig und richtig gut - Aber leider auch nicht ganz einfach
19. Ansehnliche Renditen für Riester-Sparer
20. Mitnahmeeffekte bei der Riester-Rente - Institut: Angebot zielgenauer gestalten
21. Skepsis gegen Riester-Rente wächst
22. Die Reichen kassieren Riester-Förderung

Die Zahl der Riester-Verträge sinkt erstmals
Nur noch zwei Drittel der Geförderten setzen auf Versicherungspolicen / Trägt die Rentendebatte dazu bei?

Die Zahl der staatlich geförderten Rentenversicherungen nimmt schon seit dem Jahr 2012 ab. Nun ist die Dynamik im Absatz von Riester-Produkten auch insgesamt zum Erliegen gekommen, wie die jüngste Statistik des Bundessozialministeriums zeigt. Im ersten Vierteljahr fiel die Zahl der Verträge insgesamt um 1000 auf nun 16.481-000. Zwar stieg die Zahl der Wohnriester-Verträge und der Fondssparpläne. Doch das reichte nicht mehr aus, um die Abgänge bei Banksparplänen und Versicherungen auszugleichen. Erstmals seit Beginn der Förderung im Jahr 2001 war die Zahl der beendeten Verträge somit größer als die der neu abgeschlossenen.
   „Die aktuelle Entwicklung ist einerseits darauf zurückzuführen, dass viele Sparer bereits einen Riester-Vertrag haben oder über ihren Betrieb für das Alter Vorsorgen und dementsprechend weniger neue Verträge abgeschlossen werden", kommentiert Peter Schwark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Versichererverband GDV, die Zahlen. Die abnehmende Dynamik sei aber auch auf eine Verunsicherung der Menschen zurückzuführen. Schwark sprach von einer unsachlich geführten Rentendebatte. „Wir fordern die Politik daher dringend dazu auf, die Rahmenbedingungen für die private Altersvorsorge zu verbessern, anstatt die erreichten Erfolge zu zerreden." Spätestens seit der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer die Riester-Förderung Anfang April kurzerhand für gescheitert erklärt hatte, wird das Thema wieder grundsätzlicher diskutiert. „Ein auf Dauer stabiles Rentensystem braucht mehr private Vorsorge, nicht weniger", sagt Schwark.
   Die Attraktivität privater Rentenversicherungen hat in den vergangenen Jahren unter den niedrigen Zinsen an den Anleihemärkten gelitten. Zwar liegt auch die Inflationsrate weiterhin nahe null Prozent, doch viele Kunden blicken auf die Nominalgarantien, die kontinuierlich gefallen sind. Anders als für die Versicherungskunden bedeutet der Nullzins für die Unternehmen eine existenzielle Bedrohung. Einige Anbieter haben sich aus dem verwaltungsaufwändigen Fördergeschäft zurückgezogen. „Es gibt weniger Produzenten und weniger Vertriebe, die Riester anbieten. Das muss man mit Vertrauen und Kompetenz kompensieren", sagt Ralf Götz, Chefvolkswirt des in diesem Segment führenden Finanzvertriebs DVAG. Viele Anbieter hätten wegen geringer Margen hinterfragt, ob sich die Förderprodukte für sie lohnten. „Dabei ist die Fördersystematik gut, weil Geringverdiener und Gutverdiener gleichermaßen profitieren", sagt Götz. In seltenen Fällen könnten Kunden auf diesem Wege sogar eine jährliche Rendite auf ihre Beiträge von 8 Prozent erzielen, positiv falle die Bilanz aber in jedem Fall aus.
Kritiker des Fördersystems dagegen halten die schwächere Dynamik für ein gutes Zeichen. „Dass Vertragszahlen zurückgehen, muss kein Anzeichen dafür sein, dass die Verbraucher weniger fürs Alter vorsorgen", sagt Niels Nauhauser, Fachmann für Altersvorsorge in der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Andere, vor allem kostengünstigere Verträge eigneten sich zum Teil besser als förderfähige. Die aktuelle Rentendebatte habe das Anliegen der Verbraucherverbände wieder in den Vordergrund gerückt, effiziente Vorsorgeformen zu schaffen. „Wenn der Gesetzgeber der Ansicht ist, dass die ‚Breitenwirkung' nicht ausreichend ist, dann steht er nun in der Verantwortung, geeignete Maßnahmen vorzuschlagen", sagt Nauhauser. FAZ160608pik

Volle Riester-Zulage für 5,9 Millionen

   Nur5,9 Millionen Riester-Sparer bekommen die maximalen staatlichen Zulagen. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor. Insgesamt gibt es rund 16,5 Millionen Riester- Verträge. Für die volle Zulage müssen Sparer jedes Jahr mindestens vier Prozent ihres Brutto-Einkommens in ihren Riester-Vertrag einzahlen. Nach den jüngsten Zahlen waren das 2012 und 2011 jeweils rund 5,9 Millionen, wobei die Zahl in dieser Zeit um fast 24.000 Menschen sank. Zuvor war die Zahl gestiegen. NOZ160603

sta-106-Z-Riester

Riestern lohnt sich für fast alle
 Rechnung mit vielen Unbekannten: die Altersvorsorge will gut geplant sein.

   Hohe Gebühren haben viele Riester-Sparer verärgert. Doch nicht alle Verträge sind überteuert. Durch staatliche Zulagen, Steuervorteile und vor allem mit einem sorgsam ausgewählten Produkt kann der Anleger sinnvoll für sein Alter vorsorgen.
   Viele der derzeit 16 Millionen Riester-Verträge beruhen auf einem Missverständnis. Die staatliche Zulage wurde mit einer Art Staatsgarantie für eine gute Altersvorsorge verwechselt.  Ein oft teurer Irrtum. Die Anbieter von Riester-Verträgen hatten leichtes Spiel. „Wenn Sie bis zum Jahresende noch abschließen, sichern Sie sich die volle Förderung noch für das ganze Jahr", ließen sich die Kunden nicht selten zu einem schnellen Vertragsabschluss drängen. Doch die staatliche Zulassung als zertifizierter Riester-Anbieter ist nichts anderes als eine Prüfung formaler Kriterien. Sie sagt nichts darüber aus, ob der Anleger tatsächlich einen vernünftigen Vertrag für seine Altersvorsorge abgeschlossen hat.
   Tatsächlich hat der Abschluss vieler Riester-Verträge ohne den Blick ins Kleingedruckte stattgefunden und das Erwachen ist vielfach böse. In diesen Wochen erhalten die Riester-Kunden wieder ihre Jahresabrechnungen. Beispielhaft eine im Dezember 2006 abgeschlossene Riester-Rente: Das Vertragsguthaben beträgt nach mehr als acht Jahren 12.200 Euro. Doch der Kunde hat 13.400 Euro eingezahlt. Dazu kamen fast 2.000 Euro staatliche Zulagen. Doch der Versicherer hat fast 5.000 Euro an Gebühren kassiert. Die haben damit die staatlichen Zulagen weit überwogen und auch die Erträge aus der Geldanlage von rund 1.800 Euro locker aufgefressen. Von den Kosten war im Beratungsgespräch natürlich nie die Rede. Nur von den Zulagen. Die Anbieter verweisen nun darauf, dass die Kosten in den ersten fünf Jahren besonders hoch seien und dann geringer würden. Aber selbst im Jahr neun des Vertrages fallen noch 220 Euro Gebühren an.
   Der Absatz neuer Riester-Verträge ist mittlerweile zum Erliegen gekommen. Dabei ist Riester für fast alle Anspruchsberechtigten – im Wesentlichen sind das die Beitragszahler in die Rentenversicherung und die Beamten - sinnvoll. 154 Euro im Jahr beträgt die Grundzulage für einen Riester-Vertrag. Dazu kommen 185 Euro im Jahr für jedes vor 2008 geborene Kind und 300 Euro für jedes Kind, das 2008 oder später geboren wurde. Wegen der hohen Kinderförderung entstand der Eindruck, die Riester-Rente eigne sich nur für kinderreiche Familien. Doch das ist falsch. Bis zu 2.100 Euro Jahresbeitrag können als Sonderausgabe bei der Einkommensteuer geltend gemacht werden. Schon Kinderlose mit mittleren Einkommen haben einen Steuervorteil von 500 Euro im Jahr und erhalten zusätzlich die Grundzulage von 154 Euro. Für Gutverdiener beträgt der Steuervorteil oft mehr als 800 Euro im Jahr bei einer Beitragszahlung von knapp 2000 Euro.
   Um die Zulagen zu erhalten, muss der Riester-Sparer wenigstens 4 Prozent seines Vorjahreseinkommens in den Riester-Vertrag einzahlen, "abzüglich der Zulagen. Wer zum Beispiel 50.000 Euro verdient hat, müsste 2.000 Euro einzahlen. Da er zwei kleine Kinder hat, kann er von diesem Mindestbeitrag seine eigene Zulage von 154 Euro und je 300 Euro für die beiden Kinder abziehen. Er muss also nur mindestens 1.246 Euro einzahlen, um die Zulage von 754 Euro im Jahr zu erhalten. Um die volle Zulage zu erhalten, müssen jedoch nie mehr als 2.100 Euro abzüglich Zulagen eingezahlt werden. Dem Riester-Sparer steht es dennoch frei, jährlich einen höheren Betrag einzuzahlen. Das kann Steuervorteile haben und sorgt zudem für ein höheres Sparguthaben im Vertrag, das im Alter für die Rente zur Verfügung steht.
   Der Mindestbeitrag sind 60 Euro im Jahr. Schon mit diesem geringen Beitrag können sich Personen in Elternzeit, Arbeitslosigkeit, Bezieher von Krankengeld, aber auch Mini-Jobber, die sich nicht von der Rentenversicherungspflicht haben befreien lassen, den Anspruch auf die eigene staatliche Zulage und die Kinderzulage erwerben. Für sie bespart dann fast ausschließlich der Staat den Riester-Vertrag. Allerdings wird mit einem solch geringen Eigenbeitrag auf Dauer auch kein hoher Renten-Anspruch aus dem Riester-Vertrag erwachsen. Aber allein die Zulagen summieren sich mit zwei kleinen Kindern - für die solange Kindergeld fließt auch Zulagenanspruch besteht - binnen 20 Jahren auf mehr als 15.000 Euro.
   Durch die Zulagen lohnt sich Riestern für die meisten Sparer. Doch es reicht nicht, bloß Anspruch auf staatliche Zulagen zu haben oder einen Steuervorteil einzustreichen. Es ist unerlässlich, sich die Angebote genauer anzuschauen, um nicht wie eingangs beschrieben in eine Gebührenfalle zu tappen. Und hier sehen die klassischen Riester-Versicherungslösungen nicht gut aus. Ihr Vorteil war bislang eine hohe Sicherheit. Denn den Sparern wurde garantiert, dass ihnen im Rentenalter nicht nur ihre eingezahlten Beiträge und die Zulagen zur Verfügung stehen, sondern dass ihr Kapital auch verzinst wird. Betrug die Mindestverzinsung bei den ersten Riester-Verträgen aber noch 3,25 Prozent ist sie mittlerweile für Neuverträge auf 1,25 Prozent gesunken. Das heißt nicht, dass das Kapital der Anleger am Ende wirklich nur mit 1,25 Prozent im Jahrverzinst wird. Garantiert wird ihm eine höhere Verzinsung aber nicht mehr.
   Und damit ist die Garantie aus der teuren klassischen Riester-Rentenversicherung kaum mehr höher als bei den günstigeren Riester-Fondssparplänen. Hier sind nicht Versicherer die Anbieter, sondern Fondsgesellschaften. Das Geld der Anleger fließt vornehmlich in Aktien-, aber auch in Anleihe- oder Mischfonds. Dem vollen Kapitalmarktrisiko wird der Riester-Sparer indes nicht ausgesetzt. Seine eingezahlten Beiträge plus der staatlichen Zulage stehen ihm auch hier bei Rentenbeginn mindestens zur Verfügung. Nur eine garantierte Verzinsung hat er nicht.
   Doch die Chance auf eine höhere Rendite als bei den Versicherungsverträgen ist groß. Marktführer unter den Anbietern von Riester-Fonds ist mit 1,8 Millionen Verträgen die Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Der meist verkaufte Riester-Vertrag heißt hier Uni Profi Rente. Das Geld der Anleger fließt zunächst ausschließlich in den global anlegenden Aktienfonds Uni Global, später auch in den Anleihefonds Uni Euro Renta. Die Aktienquote soll so lange wie möglich 100 Prozent betragen. Kommt es jedoch zu Kursrückschlägen am Aktienmarkt und der Rentenbeginn des Sparers ist nicht mehr allzu fern, finden Umschichtungen in den Rentenfonds statt. Damit will die Union Investment den garantierten Kapital- und Zulagenerhalt zum Rentenbeginn sichern. Eine Umschichtung zurück in den Aktienfonds findet nicht statt. Das hat in den Jahren 2008 und 2009 zu einigem Ärger von Kunden geführt, deren Riester-Produkte nahe der Kurstiefs am Aktienmarkt zu einem Gutteil oder komplett in den Anleihefonds umgeschichtet wurden. Die anschließende Aktienhausse ist diesen Anlegern weitgehend entgangen. Im Regelfall, vor allem bei jüngeren Sparern mit noch langen Vertragslaufzeiten, ist die Aktienquote jedoch hoch, so dass dieser Riester-Vertrag eine wesentlich höhere Rendite erwarten lässt als die Versicherungs- Verträge. Eine Rückkehr aus Anleihe- in Aktienfonds und zudem eine größere Fondsauswahl bietet die seit 2012 angebotene Variante „Select".
   Billig sind die Riester-Renten der Union Investment jedoch nicht. Der Anleger zahlt bei der Uni Profi Rente bei jedem Kauf des Aktienfonds 5 Prozent Ausgabeaufschlag und anschließend jährlich gut 1,5 Prozent für den Fonds. Der Kauf des Rentenfonds wird mit einem Ausgabeaufschlag von 3 Prozent belegt und dann jährlich knapp 0,9 Prozent. Dies sind dieselben Gebühren, die ein Fondskäufer auch ohne die Riester-Dienstleistungen zahlen muss. Insofern ist es ein faires Angebot. Das Produkt kann nur bei der Volks- und Raiffeisengruppe erworben werden und ist nicht mit Rabatten online oder bei anderen Banken erhältlich.
   Insofern ist die DWS Toprente aus dem Hause der Deutschen Bank günstiger zu haben. Auch hier fallen prinzipiell die Ausgabeaufschläge und Verwaltungsgebühren der Fonds an. Wer das Produkt direkt bei der DWS erwirbt, bekommt jedoch einen Rabatt von 50 Prozent auf die Ausgabeaufschläge. Es sind zudem immer wieder Anbieter am Markt, die das Produkt auch ganz ohne Ausgabeaufschläge anbieten. Die DWS stellt zwei Varianten zur Auswahl: bei der Variante „Dynamik" werden bis zu 100 Prozent des Geldes in Aktienfonds angelegt werden. Sie eignet sich vor allem für jüngere Anleger mit Ansparphasen von noch wenigstens 20, besser 30 Jahren. Bei der Variante „Balance" beträgt der Aktienanteil nur bis zu 60 Prozent. Für den Riester-Fonds steht die gesamte Fondspalette der Deutschen Bank zur Verfügung. Es wird also nicht nur in die teuren aktiv gemanagten Fonds der DWS investiert, sondern auch in die günstigeren Indexfonds von db X-Trackers. Je nach Börsenentwicklung finden auch hier Umschichtungen statt. Anders als bei der Uni Profi Rente kann jedoch auch aus dem Anleihefonds in den Aktienfonds umgeschichtet werden. Die DWS bietet zudem auch noch die DWS Riester Rente Premium an. Sie wird vor allem von Vermittlern und Beratern angepriesen, weil sie höhere Gebühren aufweist. Wie bei den Riester- Versicherungen werden dem Anleger in den ersten fünf Beitragsjahren hohe Gebühren aufgeladen.  In diesem Fall 5,5 Prozent der zu erwartenden Beitragssumme der voraussichtlichen Gesamtlaufzeit. Dazu kommen die laufenden Fondskosten. Daher ist die günstigere DWS Toprente vorzuziehen, vor allem, wenn sie mit Rabatten auf den Ausgabeaufschlag erworben wird.
   Den weitgehend zwischen Union Investment, Deutscher Bank und zu einem kleineren Teil der zur Sparkassen- gruppe gehörenden Deka Bank aufgeteilten Markt aufzumischen, versucht seit dem Sommer die Fairr.de GmbH. Sie bietet ihr Fairriester genanntes Produkt zu jährlichen Gesamtgebühren von teilweise weniger als 1 Prozent im Jahr an. Das vor allem im Internet, aber auch bei einigen Honorarberatern erhältliche Produkt, investiert ausschließlich in günstige Index­fonds. Wer mehr als 10.000 Euro im Vertrag angelegt hat, zahlt an die hinter dem Produkt stehende Hamburger Privatbank Sutor www.sutorbank.de  und den Anbieter Fairr.de zusammen nur 0,5 Prozent im Jahr. Dazu kommen die Fondsgebühren, die allerdings bei Indexfonds oft nur 0,1 Prozent im Jahr ausmachen. Die Gebühren für geringere Anlagebeträge sind höher, sollen aber ab April gesenkt werden.
   Fairriester verfolgt zudem einen anderen Anlageansatz. Während die klassischen Anbieter von Riester-Fonds aus Vorsichtsgründen bei Rückschlägen am Aktienmarkt oft die Aktienquote zurückfahren, also prozyklisch agieren, hält Fairriester lange an einer hohen Aktienquote fest und senkt sie erst linear zum Ende der Ansparphase hin. Bei Union, DWS und Deka kann die Aktienquote hingegen auch kurz vor Beginn der Auszahlphase noch 100 Prozent betragen, wenn der Sparer dem nicht widerspricht und eine Umschichtung in Anleihefonds fordert.
   Für den Anleger ist der Verlauf der Aktienquoten wie ihn Fairriester bietet im Regelfall attraktiver. Der Anbieter geht dabei aber das Risiko ein, am Beginn der Rentenphase bei sehr ungünstigem Marktverlauf weniger Geld als die eingezahlten Beiträge und Zulagen im Fairriester-Vertrag des Anlegers zu haben. Damit der staatlichen Garantie Genüge getan wird, würde die Sutor Bank die Verträge entsprechend aufstocken und dafür rechtzeitig im Bedarfsfall Rückstellungen bilden.
   Das angesparte Fondsvermögen verbleibt in allen Fällen immer im Eigentum des Sparers, auch und gerade wenn der Anbieter insolvent werden sollte. Stirbt der Sparer vor seinem 85. Geburtstag, wird der Riester-Fondsvertrag vererbt. Ehepartner mit eigenem Riester-Vertrag und noch förderberechtigte Kinder erhalten ihn komplett mit Zulagen. Andere Erben müssen die Zulagen zurückzahlen. Nach dem 85. Geburtstag hängt die Vererbung von den individuellen vertraglichen Regelungen ab. Bei Riester-Versicherungen hängt die Vererbbarkeit in der Auszahlphase immer von der vertraglich vereinbarten Garantiezeit ab. Bei Renteneintritt können generell bis zu 30 Prozent aus dem Riester-Vertrag entnommen werden. Wer mehr entnehmen will, muss die Zulagen zurückzahlen. Wer im Alter die staatliche Grundsicherung erhält, muss die Riester-Rente darauf anrechnen lassen, erhält also entsprechend weniger Grundsicherung. Doch es wäre fahrlässig, mit dem Verweis, man werde dereinst im Alter wohl ohnehin nur die Grundsicherung erhalten, auf jegliche private Altersvorsorge zu verzichten. Die Höhe der staatlichen Alimente ist nicht in Stein gemeißelt. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld und Hartz IV-Leistungen in der Ansparphase werden jedoch nicht durch Vermögen in einem Riester-Vertrag geschmälert. FAZ150307DanielMohr

Wie weiter mit der RiesterRemte
Zu teuer, zu kompliziert, zu wenig geragt – Experten plädieren für Reform der privaten Altersvorsorge

   Die Riester-Rente soll eigentlich vor Altersarmut schützen, doch das klappt nicht - darin sind sich nicht wenige Sozialpolitiker, Verbraucherschützer, Gewerkschafter und Finanzexperten einig. Kürzlich hat mit Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erstmals sogar einer der führenden deutschen Politiker die unter SPD- Sozialminister Walter Riester eingeführte staatlich geförderte Altersvorsorge für „gescheitert" erklärt. Aber auch manche Versicherungsmanager räumen ein, dass diese Altersvorsorge nicht so funktioniert wie geplant. Sie wollen sie aber nicht abschaffen, sondern reformieren.
   Die Idee hinter der 2002 eingeführten Riester-Rente klang logisch: Die deutsche Bevölkerung wird immer älter, was Abstriche bei den Renten unvermeidlich macht. Deshalb sollen die Arbeitnehmer eine zusätzliche Vorsorge aufbauen, indem sie mit Versicherungen, Sparplänen oder Fonds ein Kapital fürs Alter ansparen - vom Staat gefördert mit Zulagen und Steuerersparnissen.
   Doch inzwischen gibt es etliche Kritikpunkte: So hat nur etwa die Hälfte der Berechtigten überhaupt einen solchen Vertrag abgeschlossen. Und dabei handelt es sich gerade nicht um diejenigen, die ihn im Alter am nötigsten bräuchten. Gerade für Menschen mit sehr kleinen Renten lohnt sich diese Vorsorge auch gar nicht, weil sie im Alter von der staatlichen Grundsicherung abgezogen wird. Viele Riester-Sparer fordern auch die ihnen zustehenden Zuschüsse, die durchaus beachtlich sind, nicht richtig ab. Neben der jährlichen Grundzulage von 154 Euro gibt es für jedes nach 2008 geborene Kind noch mal 300 Euro obendrauf. Nach Ansicht der Kritiker aber werfen die Verträge im Verhältnis zu den gezahlten Beiträgen meist zu wenig Rente ab - auch eine Folge der hohen Kosten und der heute extrem niedrigen Marktzinsen.
   Kritik hagelt es auch von wissenschaftlicher Seite. „Die Riester-Rente ist hochgradig ineffizient; ein Großteil der Beiträge geht für Verwaltung und Provisionen drauf", sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsförderung (DIW) dem „Spiegel". Während das DIW schon lange für seine negative Einschätzung bekannt ist, kommen jetzt ähnliche Äußerungen von ganz anderer Seite. „Wir subventionieren durch die Riester-Rente die Ersparnisse von Leuten, die sowieso sparen. Es ist eine Umverteilung zugunsten der Gutverdienenden und Finanzdienstleister", erklärte der neue Chef des ifo-Instituts, Clemens Fuest.
   Das will die Branche so nicht stehen lassen. „Private Altersvorsorge wird schlechtgeredet", erklärt der Chef der Mecklenburgischen Versicherungsgruppe, Thomas Flemming. Angesichts der niedrigen Zinsen sei nicht weniger, sondern mehr Altersvorsorge nötig. „Ich habe meiner 21-jährigen Tochter selbst einen Riester-Vertrag ans Herz gelegt", sagt Flemming. Er räumt allerdings ein, dass es Reformbedarf gibt. Nötig sei vor allem eine drastische Vereinfachung. Zudem fordert die Branche eine Anhebung der Zulagen für Riester-Sparer. Derzeit sind es pro Jahr maximal 154 Euro plus bis zu 300 Euro für jedes Kind. Zu unrentabel, zu unflexibel, zu bürokratisch - so lauten die Vorwürfe, die nicht nur nach Ansicht der Verbraucherschützer viele Menschen abschrecken. Das Neugeschäft der Versicherer mit der Riester- Rente ist minimal. „Da kommt kaum noch was", sagt etwa VGH-Vorstandsmitglied Jörg Sinner. Er sieht die Verantwortung für die schwache Nachfrage ebenfalls beim Staat. „Der Gesetzgeber hat schließlich die Vorgaben gemacht." HAZ160502AlbrechtScheuermann

Wie man nachrechnet…

   Der für die Verbraucherzentrale Niedersachsen tätige Finanzexperte Adrian Englschalk hat als gut bewertete Riester-Verträge nachgerechnet und kommt zu bedenklichen Ergebnissen: Es sei heute sinnvoller, auf einem Tagesgeldkonto Geld fürs Alter anzusparen, als eine Riester-Versicherung abzuschließen - Zulagen und Steuereffekte berücksichtigt.
  
Damit beim Riester-Vertrag mehr herauskommt, müsse man meist über 90, teilweise sogar über 100 Jahre alt werden, sagt Engischalk. Zudem bleibe man ohne einen solchen Vertrag viel flexibler. Allerdings hat er dabei nur die garantierten Leistungen berücksichtigt, nicht die Überschussbeteiligung, was die Kraft seiner Aussagen nach Ansicht von Versicherungsexperten massiv einschränkt.
Eine andere Rechnung macht die Hannoversche Leben auf, die von der Stiftung Warentest zu den wenigen guten Anbietern gerechnet wird. Demnach bekommt ein Lediger mit Jahresbruttoeinkommen von 35.000 Euro, der mit 35 Jahren einen Riester-Vertrag abschließt und seinen Mindesteigenbeitrag für die Höchstzulage leistet, ab
67 eine Garantierente von 169 Euro. Wenn er 82 Jahre und fünf Monate alt wird, hat er seine Einzahlungen wieder heraus. Einschließlich Überschussbeteiligung erhält er 238 Euro Rente und hat die Einzahlungen schon mit gut 77 Jahren raus.
Zwei Schönheitsfehler hat auch diese Rechnung: Die Überschussbeteiligung kann sinken - und die Rente ist zu versteuern.  HAZ160502AlbrechtScheuermann

Riester-Verträge zu Ende gedacht - Viele Riester-Sparpläne ignorierten früher die Auszahlungsphase.
Im Alter wird ein Teil des Kapitals in eine Versicherung umgewandelt. Ein Vergleich lohnt.

   Die Anleger haben Jahr für Jahr ihre Beiträge überwiesen, Zulagenanträge ausgefüllt, angepasst und in der Steuererklärung die Einzahlungen in die Riester-Rente als Sonderausgaben verrechnet. In den vergangenen Jahren hat sich so zwar kein Vermögen, doch ein ganz ansehnliches Sümmchen angesammelt. Viele Riester-Sparer der ersten Stunde haben ihren Sparplan beim Abschluss jedoch nicht bis zum Ende geplant. Schließlich wussten damals in den ersten Jahren nach Einführung des Produktes auch etliche Anbieter von Bank- und Fondssparplänen nicht, wie und mit welchem Partner sie die Auszahlungsphase konkret gestalten wollen. Dabei ist für Anleger nicht nur relevant, in der Sparphase einen guten Vertrag abzuschließen - auch vor der Auszahlungsphase des Sparplans lohnt ein Vergleich.
  Wenn kurz vor dem wohlverdienten Ruhestand das Schreiben des Riester-Spar- plan-Anbieters im Briefkasten liegt, ist die Ernüchterung bei einigen Anlegern groß. Denn von dem Ersparten zieht der Anbieter zunächst einen Betrag ab, der in eine Leibrente fließt. Diese garantiert eine lebenslange Rente ab dem 85. Lebensjahr. So sieht es das Alterszertifizierungsgesetz vor. In diesem ist auch festgehalten, dass die Auszahlungen über die gesamte Rentendauer stets in gleicher Höhe erfolgen oder steigen müssen. Nach Abzug des Beitrags für die Leibrente wird die verbliebene Summe bis zum 85. Geburtstag an den Riester-Sparer ausgezahlt. Je höher der Betrag, der in die Rentenversicherung fließt, desto geringer fällt in der Regel die monatliche Zahlung bis zum 85. Geburtstag aus. Alternativ bieten Banken eine Sofortrente an. Doch dazu später mehr.
   „Irgendwann gerät jeder Riester-Sparer in die Fänge der Versicherungswirtschaft", sagt Finanzmathematiker Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. Ausnahmen gibt es lediglich bei Wohn-Riester. Das sei vielen Anlegern, die in den ersten Jahren einen Riester-Sparplan abgeschlossen haben, nicht bewusst. Haben sie sich doch für einen Fondssparplan entschieden, um sich eine möglichst hohe Rendite in der Ansparphase zu sichern, oder wegen der großen Flexibilität einen Banksparplan unterschrieben. Von Versicherung sei oft keine Rede gewesen. Auch nicht von der Absicherung biometrischer Risiken in der Auszahlungsphase.
Staatlich geförderte kapitalgedeckte Altersvorsorge
  
„Riester-Sparer sollten nicht nur beachten, was in der Ansparphase am Ende herauskommt. Relevant ist auch, was im Alter Monat für Monat garantiert ausgezahlt wird und ob der Anbieter im Bedingungswerk Möglichkeiten eingebaut hat, diese Garantiezusagen zum Nachteil des Kunden abändern zu können“, sagt Joachim Haid, Versicherungsmakler und Geschäftsführer der Softfin UG, der in seiner Datenbank viele hundert Riester- Bedingungen eingespeist hat. Nur so könnten einzelne Riester-Produkte miteinander verglichen werden. Ein komplexes Unterfangen. Denn bei Riester-Sparplänen gibt es in der Regel überhaupt keine Rentengarantien.
  Zu Rentenbeginn muss – wie bei allen Riester-Verträgen – lediglich sichergestellt sein, dass mindestens die eingezahlten Beiträge und die staatlichen Zulagen zur Verfügung stehen. In der Vergangenheit hätten Analysten bei der Bewertung einzelner Produkte jedoch oft nur die Ansparphase und somit lediglich eine Hälfte der staatlich geförderten
Altersvorsorge
berücksichtigt.
   Aber der Reihe nach. Zum 1. Januar 2002 führte die damals rot-grüne Regierung die Riester-Rente ein. Eine staatlich geförderte kapitalgedeckte Altersvorsorge, mit der die Absenkung des Nettorentenniveaus in der gesetzlichen Rentenversicherung kompensiert werden sollte. Der ehemalige Bundesarbeitsminister Walter Riester sagte damals in der ARD, die Reform sei das größte Altersvermögensprogramm, das es in Deutschland je gegeben habe. Staatliche Zulagen und Steuerersparnisse sollen die Bundesbürger seitdem animieren, in jungen Jahren Geld für das Alter zurückzulegen.
   Die volle staatliche Zulage erhalten direkt oder indirekt riesterberechtigte Anleger, wenn sie mindestens vier Prozent ihres Vorjahresbruttoeinkommens abzüglich der staatlichen Zulagen in den Vertrag einzahlen – mindestens 60, maximal 2.100 Euro.
16,4 Millionen Bundesbürger mit Riester-Vertrag
  
Der Staat überweist dann die Grundzulage von 154 Euro, für jedes Kind gibt es 185 Euro, für jeden von 2008 an geborenen Sprössling erhält der Anleger ganze 300 Euro. Die Kinderzulage gibt es, solange Eltern Anspruch auf Kindergeld haben. Alternativ können die emsigen Vorsorgesparer ihre Einzahlungen in die Riester-Rente auch als Sonderausgaben in der Steuererklärung verrechnen. Das Finanzamt prüft dann in einer sogenannten Günstigerprüfung, welche Variante im Einzelfall die günstigere ist. Doch auch wenn sich der Staat gegenüber den Vorsorgesparern in jungen Jahren großzügig zeigt: Im Alter holt er sich einen Teil der Förderung wieder zurück. Die Auszahlungen aus der Riester-Rente müssen Ruheständler in voller Höhe mit ihrem persönlichen Steuersatz versteuern.
   Bis zum Ende des 3. Quartals 2015 haben nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales 16,4 Millionen Bundesbürger einen Riester-Vertrag unterzeichnet. Mit knapp elf Millionen dominieren die Versicherungsverträge, gefolgt von Investmentfonds (3,1 Millionen) und Wohn-Riester (1,5 Millionen). Das Schlusslicht bilden Banksparpläne mit 806.000 Verträgen. Wer zu den knapp vier Millionen Anlegern gehört, die einen Sparplan abgeschlossen haben, sollte sich nicht nur um Zulagen und Steuerersparnisse, sondern auch um seine Auszahlungsphase kümmern. Anbieter von Fondssparplänen wie Union Investment, DWS und Deka bieten ihren Kunden einen Auszahlplan an. Bei einem Riester-Banksparplan können Anleger in der Regel zwischen einer Sofortrente über eine Versicherung und einem Bankauszahlplan wählen. Im Fall des Auszahlplans fließen je nach Anbieter 20 bis 35 Prozent des Ersparten zu Rentenbeginn in eine Leibrente. Das ergab eine Umfrage bei Deka, Union Investment, DWS und der Mainzer Volksbank.

Rechnungszins von 3,25 auf 1,25 Prozent geschrumpft
  
Ein Beispiel: Ein Mann geht mit 65 Jahren in Rente. Er hat in den vergangenen 14 Jahren rund 34.500 Euro in seinem Riester-Banksparplan „MVB-Rente Plus“ angespart. Die Mainzer Volksbank unterbreitet ihm folgendes Angebot: Der Sparer kann wählen zwischen einer sofort beginnenden Rentenversicherung bei dem Kooperationspartner R+V Versicherung in Höhe von 126,63 Euro im Monat (ohne Todesfallschutz) und einem Bankauszahlplan mit Verrentung ab dem 85. Lebensjahr. In diesem Fall fließen bei Verzicht auf den Todesfallschutz zu Rentenbeginn rund 30 Prozent des Ersparten, also 10.004,71 Euro, an die Versicherung. Unterm Strich ergibt sich eine monatliche Rente von 127,88 Euro. Der Banksparplan wird derzeit in der Auszahlungsphase mit einem festen Zinssatz von zwei Prozent verzinst. Mit umfassendem Todesfallschutz minimiert sich die monatliche Rente auf 117,59 Euro bei der Sofortrente oder 117,67 Euro beim Bankauszahlplan.
   Die Leibrente ab dem 85. Lebensjahr garantiert eine lebenslange monatliche Auszahlung – ganz gleich, welches Alter der Ruheständler auch erreichen mag. Wie hoch der Anteil des Ersparten letztendlich ist, der in die Leibrente fließt, hängt von den zum Zeitpunkt der Verrentung gültigen Konditionen und Rechnungsgrundlagen des Versicherungspartners ab. Maßgeblich sind dies die Sterbewahrscheinlichkeit, die Höhe des Rechnungszinses sowie die Kosten.
   Konditionen und Rechnungsgrundlagen haben sich seit der Einführung der Riester-Rente 2002 zuungunsten der Sparer entwickelt. Das gilt auch für Riester-Rentenversicherungen. Die Deutschen werden immer älter. Zudem ist der Rechnungszins von damals 3,25 auf 1,25 Prozent geschrumpft, die Unisex-Tarife wurden eingeführt. Diese Entwicklungen haben auch Auswirkungen auf die Höhe des Sparanteils, der in die Rentenversicherung fließt, um das Langlebigkeitsrisiko abzusichern. „Wie hoch dieser ausfällt, erfährt der Anleger jedoch erst zu Rentenbeginn“, kritisiert Versicherungsmakler Haid.
„Entsprechend niedriger fällt die Rente bis 85 aus“
  
Er illustriert dies an einem Beispiel: Ein Mann hat im Jahr 2002 einen Fondssparplan abgeschlossen. Damals galt die Sterbetafel DAV1994R, der Rechnungszins lag bei 3,25 Prozent. „Die statistische Restlebenserwartung eines 65- jährigen Mannes lag damals bei 86 Jahren“, sagt Haid. Daher wären bei Vertragsabschluss zehn Prozent des angesparten Kapitals für den Abschluss der Leibrente zu Rentenbeginn ausreichend gewesen. So war es ursprünglich von Walter Riester auch einmal vorgesehen.
   13 Jahre später, kurz vor Rentenbeginn, haben sich die Parameter verändert. Seit 2004 gilt die Sterbetafel DAV2004R, die den Bundesbürgern eine statistisch deutlich höhere Lebenserwartung bescheinigt. Unser Mann, der 2015 seinen 65. Geburtstag feiert, wird nach aktueller Sterbetafel nun statistisch gesehen vier Jahre älter, also 90 Jahre alt. Zudem ist der Rechnungszins in den vergangenen Jahren von 3,25 Prozent auf 1,25 gesunken. Daher werden dem Mann zu Rentenbeginn nun 20 bis 30 Prozent des Ersparten für die Leibrente abgezogen. Und dieser Anteil könnte laut Haid in den kommenden Jahren weiter steigen.„Entsprechend niedriger fällt die Rente bis 85 aus“, sagt Haid.
   Wer vor Jahren einen Riester-Sparplan abgeschlossen hat, sollte vor der Auszahlungsphase verschiedene Angebote einholen. Schließlich ist im Gesetz über die Zertifizierung von Altersvorsorgevermögen ausdrücklich geregelt, dass jeder Riester-Sparer zu Beginn der Auszahlungsphase kündigen und die angesparte Summe auf einen anderen Riester-Anbieter übertragen kann. „Und abschätzen, ob das Angebot des eigenen Anbieters für die Auszahlungsphase nun gut oder schlecht ist, kann der Anleger nur dann beurteilen, wenn andere Angebote vorliegen“, sagt
Martin Schulz, Projektleiter Altersvorsorge bei Finanztest. Die Konditionen in der Auszahlungsphase seien schließlich sehr unterschiedlich. So unterscheiden sich die einzelnen Angebote beispielsweise bei den Verwaltungskosten, der Verzinsung sowie dem Todesfallschutz.
Keine Steuerersparnisse bei Auszahlung
  
Doch ganz so einfach ist das mit den Alternativen im Alter bei Riester dann doch nicht. „Es ist schwer, auf dem Markt ein Angebot zu finden“, sagt Schulz. Eine Umfrage der Experten von Finanztest ergab zu Beginn des Jahres, dass von 44 befragten Assekuranzen lediglich zwei das Guthaben älterer Riester-Sparer direkt zur Auszahlphase akzeptieren: die Debeka und die HanseMerkur24. Die Allianz nimmt laut Finanztest Kunden mit einer vorherigen Sparphase von zwei Jahren auf. Bei vielen anderen Gesellschaften ist ein Wechsel jedoch lediglich bis Anfang, Mitte 50 möglich.
   Keinen Handlungsbedarf sieht Schulz für die Riester-Sparer der ersten Stunde, die ihre Unterschrift unter einen Versicherungsvertrag gesetzt haben. Sie profitieren auch in der Auszahlungsphase von dem aus heutiger Sicht ansehnlichen Garantiezins. Bei Abschluss vor 2004 lag dieser bei bis zu 3,25 Prozent, bis 2007 noch bei bis zu 2,75 Prozent. Aktuell liegt dieser bei 1,25 Prozent. „Daher wäre es nicht sinnvoll, jetzt einen neuen Vertrag abzuschließen“, sagt Schulz.
   Ohnehin lohnt sich jede Leibrente aufgrund der sehr vorsichtig kalkulierten Sterbetafeln erst, wenn jemand ein hohes Alter erreicht. „Daher rechnen sich viele Rentenversicherungen erst, wenn jemand 95 Jahre oder älter wird“, sagt Niels Nauhauser, Altersvorsorge-Experte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Bis dahin erhielten Sparer lediglich das Geld zurück, das sie ohnehin eingezahlt haben.
   Wer nicht so recht an ein biblisches Alter glaubt und seine Eigentumswohnung oder sein Häuschen noch nicht abgezahlt hat, kann sein komplettes Riester-Vermögen nutzen, um den Kredit zu tilgen. Das ist unterm Strich oft profitabler als so mancher Auszahlplan oder so manche Sofortrente. Die schlechteste aller Varianten ist jedoch oft, den Riester-Vertrag zu kündigen und sich das Geld auszahlen zu lassen. In diesem Fall verlangt der Staat sämtliche Zulagen und Steuerersparnisse zurück. Besser ist, den Vertrag beitragsfrei zu stellen. So erhält der Anleger zu Rentenbeginn auf jeden Fall die eingezahlten Beiträge plus Zulagen zurück.
FAZ151206BarbaraBrandstetter

Wann lohnt es sich zu riestern? Wer im Alter im eigenen Haus leben will,
kann eine staatliche Förderung bekommen. Doch Wohn-Riester ist nicht für jeden geeignet

   Wohn-Riester ist beliebt: 2014 wuchs der Bestand nach Angaben des Verbandes der Privaten Bausparkassen um 223.000 Verträge auf insgesamt 1,4 Millionen. Damit verzeichnete diese Riester-Sparte die höchsten Zuwachsraten. Insgesamt gibt es vier verschiedene Anlageformen für das Riester-Sparen: die Riester-Versicherungsverträge, Riester-Banksparverträge, Riester-Investmentfondsverträge und Wohn-Riesterverträge.
   Gedacht ist die Eigenheimrente als Ergänzung für die eigene Altersvorsorge. Sie kommt für Menschen infrage, die eine Immobilie bauen, kaufen oder entschulden wollen. Förderberechtigt sind unter anderem rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer, Beamte, Richter oder Berufssoldaten. Voraussetzung ist aber: Sie müssen das Haus oder die Wohnung selbst bewohnen.
   Ein wichtiger Vorteil: Durch die staatlichen Zulagen und oft auch zusätzlichen Steuervorteile können Immobilienkäufer ihren Kredit schneller tilgen und damit Zinsen sparen, erklärt Jörg Sahr von der Zeitschrift „Finanztest". Ralf Scherfling, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, rechnet vor: „Wer bei einer Rate von 800 Euro insgesamt 30 Monate früher fertig ist als bei einem ungeförderten Darlehen, kann 24.000 Euro sparen."
   „Sozialversicherungspflichtige Geringverdiener und Familien mit vielen Kindern profitieren besonders von den staatlichen Zulagen", sagt Scherfling. Sie erhalten zusätzlich zur Grundzulage in Höhe von 154 Euro für jedes Kind, das zum Bezug von Kindergeld berechtigt ist, bis zu 300 Euro extra pro Jahr.Gut verdienende Singles profitieren dagegen vor allem vom Sonderausgabenabzug. Denn jährlich können Sparbeiträge bis maximal 2.100 Euro von der Steuer abgesetzt werden. Sahr rät, die Steuervorteile für die einsetzen."
   Ein Haken für Kunden: Der Betrag auf dem Wohnförderkonto unterhegt grundsätzlich der nachgelagerten Besteuerung. Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) sieht genau darin ein Risiko. „Bei Wohn-Riester werden fiktive Erträge besteuert. Es erfolgt also keine Auszahlung wie bei einem normalen Riester- Vertrag, von dem die Steuerbelastung bezahlt werden kann", sagt Rauhöft.
   Der Grund: Das Wohnförderkonto ist ein fiktives Konto. „Es wird also nichts angespart, sondern eigentlich nur die geförderten Tilgungsleistungen bis maximal 2.100 Euro jährlich und eventuelle Kapitalentnahmen aus Riester- Verträgen registriert. Die Beträge werden mit 2 Prozent jährlich verzinst. Das bedeutet, nach 30 Jahren ergibt sich ein Betrag von knapp 86.600 Euro", erklärt Scherfling. Spätestens wenn das Konto mit 68 Jahren aufgelöst wird, muss dieser Betrag dann versteuert werden - „entweder sofort mit einem 30-prozentigen Rabatt oder ohne Rabatt durch Verteilung der Steuerschuld auf die Jahre bis zum 85. Lebensjahr", sagt Scherfling. Die nachgelagerte Versteuerung kann zur Folge haben, dass man im Alter möglicherweise mit hohen Zahlungen konfrontiert ist.
   Sahr ist dennoch davon überzeugt: „In der Regel sind die Vorteile aus der Förderung während der Immobilienfinanzierung deutlich höher als die Steuern, die man im Rentenalter auf das Wohnförderkonto zahlen muss." Der Experte warnt aber: „Wer meint, dass er sich eine Immobilie nur durch Zulagen und Steuervorteile leisten kann, sollte die Finger davon lassen."  HAZ150515IsabelleModler

Zuspruch für die Riester-Rente - Rentenversicherung teilt die Kritik einer DIW-Studie nicht

   Eine Riester-Rente ist für Arbeitnehmer mit kleineren Einkommen oder mehreren Kindern eine interessante Altersvorsorge. Sie lohnt sich durchaus nicht nur für Besserverdiener. Das zeigt eine jetzt vorgestellte Untersuchung der Deutschen Rentenversicherung. Ihre Ergebnisse weichen von den Aussagen einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Freien Universität Berlin ab. Diese hatten festgestellt, dass Bezieher höherer Einkommen in der Praxis viel stärker von der Riester-Förderung profitierten als die wichtige Zielgruppe der Gering- und Mittelverdiener.
   Tatsächlich hat dies zum Teil schlicht mit unterschiedlichen Untersuchungsansätzen zu tun. Die DIW-Studie lenkt den Blick vor allem auf den Befund, dass die Riester-Förderung überproportional stark von Beziehern höherer Einkommen in Anspruch genommen wird. Die Rentenversicherung zeigt hingegen anhand aufwendiger Modellrechnungen, welche Nettorenditen Versicherte mit einer Riester-Rente je nach Einkommenshöhe und Kinderzahl erzielen können. Ergebnis: Geringverdiener sowie Versicherte mit mehreren Kindern bekommen für ihre Beitragszahlungen später überdurchschnittlich viel heraus.
   Welche genaue Rendite jemand später mit seiner Riester-Rente erzielt, hängt verständlicherweise von vielen Faktoren ab, über die sich zunächst nur Annahmen treffen lassen - darunter die Zinsentwicklung sowie die Entwicklung von Einkommen und Steuerrecht. Dennoch aber lässt sich bei einheitlichen Annahmen gut vergleichen, wie sich die Ergebnisse je nach Einkommen und Kinderzahl unterscheiden.
   Betrachtet man etwa einen 20-jährigen Mann, der heute einen Riester-Vertrag abschließt und aus dem er zwischen dem 67. und 89. Lebensjahr Rente beziehen wird, lassen sich mit den Berechnungen folgende Feststellungen treffen: Falls der Mann sein Leben lang als Durchschnittsverdiener arbeitet und sich die angelegten Gel­der über die Zeit mit durchschnittlich von 3,25 Prozent verzinsen, dann kann er mit seinen eingezahlten Beiträgen eine Nettorendite von - je nach Kinderzahl - 2,8 bis 3,4 Prozent erreichen. Verdient er nur die Hälfte des Durchschnitts, sind es 2,6 bis 5,3 Prozent; verdient er das Doppelte, sind es 2,6 bis 3,0 Prozent. Der niedrigste Wert gilt jeweils für den Fall, dass der Mann kinderlos bleibt, der höchste für den Fall, dass er drei Kinder haben wird.
   Für die Nettorendite werden einerseits die um Steuervorteile bereinigten Eigenbeiträge zur Riester-Rente (ohne die staatliche Zulage) betrachtet, andererseits der spätere Auszahlungsbetrag, der auch von der Zulage gesteigert wird, abzüglich der anfallenden Steuern. Auch wenn Bezieher kleinerer Einkommen bisher seltener Riester-Verträge abschlössen, böten diese durchaus eine recht günstige Vorsorge, urteilt die Rentenversicherung. Der positive Grundton ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Rentenversicherung im Gegensatz zu privaten Anbietern kein gezieltes Interesse am Vertrieb von Riester-Produkten hat. FAZ150715de

Neue Berechnung: Für wen sich „Riestern" lohnt
Rentenversicherung nennt Frauen, Geringverdiener und Kindererziehende

   Lohnt sich der Ab­schluss einer Riester-Rente? Und wenn ja: für wen? Diese Debatte flaut seit Jahren nicht ab. Nun hat sich auch die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) in die Diskussion eingeschaltet. Aufgrund eigener Berechnungen kommt sie zu dem Schluss: „Riestern" lohnt sich besonders für Frauen, Geringverdiener und Kindererziehende. Sie erreichen er­kennbar höhere Renditen als andere Zielgruppen.
   „Es dürfte für diese Men­schen schwer sein, auf dem Markt für private Altersvorsorge etwas vergleichbares zu finden", fasst Christian Rieckhoff vom DRV-Geschäftsbereich Forschung und Entwicklung die Ergebnisse der Untersuchung zusammen. „Wir leisten Unterstützung für unsere Versicherten. Viele wissen nicht, was sie zur zusätzlichen Altersvorsorge machen sollen", sagt Rieckhoff auf die Frage, warum sich die gesetzliche Rentenversicherung mit den Produkten privater Anbieter beschäftigt. Ähnlich äußert sich auch Reinhold Thiede, der Leiter des Forschungsbereichs.
   Eine indirekte Empfehlung der Rentenversicherung ergibt sich schon aus dem Produkt, das die DRV-Experten unter die Lupe genommen haben: Es ist eine na­mentlich nicht genannte Direktversicherung „mit günstiger Kostenstruktur". Betrachtet wird der Netto-Eigenbetrag zur Riester-Rente und die später gezahlte Netto-Riester- Rente nach Steuern. Die Renditen schwanken je nach Eintrittsalter, Kinderzahl, Einkommen und persönlicher Steuerlast erheblich.
   Einige Rechenbeispiele: Wenn ein 20-jähriger Mann heute eine Riester-Rente abschließt und bis zum 67. Lebensjahr arbeitet, kann er eine Netto-Rendite nach Steuern von 2,8 Prozent erwarten. Durch Kinder steigen die Zulagen und erhöht sich die Rendite - auf bis zu 3,4 Prozent (bei drei Kindern). Bei diesem Modell (Nr. 1) wird allerdings unterstellt, dass die Lebensversicherung zusätzlich zum Garantiezins von aktuell 1,25 Prozent einen Zinsüberschuss von zwei Prozent erwirtschaftet - angesichts der Niedrigzinsphase eine durchaus optimistische Annahme. Legt man ausschließlich den Garantiezins zugrunde (Modell Nr. 2), sinkt die Rendite auf 1,00 Prozent, bei drei Kindern sind es 1,6 Prozent.
   Unterstellt ist stets ein jährliches Bruttoeinkommen von 35.000 Euro, das ist der Durchschnitt, den die Versicherten der DRV gegenwärtig erreichen. Mit sinkenden Durchschnittseinkommen steigen die Renditen: bei jenem 20-Jährigen auf bis zu 5,9 Prozent (bei drei Kindern und 25 Prozent des durchschnittlichen Einkommens).
   Schließt eine 20-jährige Frau mit durchschnittlichem Einkommen einen Riester-Vertrag ab, kann sie nach Modell Nr. 1 eine Rendite von 3,0 Prozent erwarten, mit drei Kindern ergeben sich 3,7 Prozent. Nach Modell Nr. 2 (also nur auf Basis des Garantiezinses) sind es 1,4 Prozent oh­ne Kinder und 2,0 Prozent mit drei Kindern.
   Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind mit unterschiedlicher Lebenserwartung zu erklären. 1995 geborene Frauen haben nach aktuellen Sterbetafeln mit 67 Jahren noch eine Restlebenserwartung von 24 Jahren und sieben Monaten, bei Männern des gleichen Jahrgangs sind es nur 21 Jahre und sechs Monate. NOZ150715UweWestdörp

Kompliziert und unrentabel?    -   Die Riester-Rente hat nicht alle Erwartungen erfüllt

  Über 15 Millionen Riester-Verträge wurden in den vergangenen zehn Jahren abgeschlossen. Und trotz aller Kritik, vor allem wegen der hohen und wenig transparenten Kostenbelastung, kann die Riester-Rente ein richtiger Bau- stein zum Aufbau einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge sein. „Entscheidend ist immer die richtige Produkt- und Anbieterauswahl, wobei nicht jeder Vertrag für jeden geeignet ist", sagt Christine Bergmeyer von der Verbraucherzentrale Osnabrück.
   In einer neuen Faltblatt-Serie haben die Verbraucherzentralen jetzt Informationen und Orientienmgshilfen zum komplizierten Thema Riester-Rente zusammengestellt. Das Faltblatt „Die Riester-Rente - (K)Ein Bund fürs Leben?" beschreibt, wie die Riester-Rente überhaupt funktioniert, wie flexibel die Produkte sind und worauf vor Vertrags- abschluss besonders zu achten ist.
   Im zweiten Faltblatt „Riester-Rente - Die Produktarten" werden die zum Ansparen einer Riester-Rente angebotenen unterschiedlichen Produkte beschrieben.
   Außerdem gibt es kurze Empfehlungen, welches Produkt für welche Zielgruppe besonders geeignet sein kann. Wer die Riesterforderung für die Finanzierung der eigenen vier Wände einsetzen möchte, findet Informationen in dem Faltblatt „Wohn-Riester Die Eigenheimrente".
 Und wer feststellt, dass sein schon bestehender Riester-Vertrag unpassend, zu renditeschwach oder zu teuer ist, findet Hinweise zur möglichen Kündigung oder Stilllegung des Vertrages im vierten Faltblatt „Riester- Rente - Was tun, wenn der Vertrag nicht (mehr) passt?"
   Abgerundet wird die Serie mit dein Faltblatt „Altersvorsorge statt Altersarmut?", das sich vor allem an Geringverdiener, Arbeitslosengeld-II-Empfänger oder auch Berufsanfänger richtet. Kurz beschrieben werden darin die Grundsicherung im Alter und die geplanten Modelle zur Bekämpfung von Altersarmut.
   Die vom Bund geförderten Faltblätter sind kostenlos in der Beratungsstellen der Verbraucherzentralen erhältlich. NOZ130202pm

sen13 Riester,Walter-x

Kompliziert und unrentabel?    -   Die Riester-Rente hat nicht alle Erwartungen erfüllt

   Seit mehr als zehn Jahren gibt es das Modell der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge schon - die sogenannte Riester-Rente. Mittlerweile haben über 15 Millionen Deutsche einen solchen Riestervertrag abgeschlossen. Die Grundlagen:
Wie funktioniert die Riester-Rente?
Um die Senkungen des durchschnittlichen Rentenniveaus auszugleichen, fördert der Staat private Vorsorge mit einer Zulage und Steuervorteilen. Wer 4 Prozent seines Gehalts, maximal 2.100 Euro pro Jahr, in einen Riester- Vertrag fließen lässt, bekommt dafür vom Staat einen Zuschuss von 154 Euro jährlich. Familien mit Kindern erhalten zusätzlich 185 Euro für Kinder, die bis zum Jahr 2007 geboren sind und 300 Euro für ab 2008 geborene Kinder. Ein zusätzlicher Steuervorteil entsteht dadurch, dass die Beiträge für die Altersvorsorge in der Steuererklärung als „Sonderausgabe" ausgewiesen werden können.
Für wen lohnt sich diese staatlich geförderte Altersvorsorge?
 
Riester-Verträge sind für versicherungspflichtig Beschäftigte gedacht, für Freiberufler gibt es die sogenannte Rürup- Rente. Menschen mit einem niedrigen Einkommen und vielen Kindern profitierten besonders von den staatichen Zulagen, erklärt Kornelia Hagen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Denn die staatlichen Zuschüsse fallen in Relation zum eigenen Sparbetrag sehr hoch aus. Besserverdienende profitierten dagegen von den Steuervorteilen, erklärt sie. Grundsätzlich müsse man aber von Fall zu Fall entscheiden, ob sich ein Abschluss lohnt. „Das hängt ganz von der Lebenssituation und dem Produkt ab", sagt Alexandra Kunze von der Verbraucher- zentrale Niedersachsen.
Welche unterschiedlichen Riester-Produkte gibt es?
   Die meisten Riester-Sparer haben sich bisher für die Form der Rentenversicherung entschieden. Der Vorteil ist, dass der Sparer eine garantierte Mindestrendite von zurzeit 2,25 Prozent bekommt. Es ist also schon beim Abschluss klar, wie viel Geld dem Sparer im Rentenalter zusätzlich zur Verfügung steht.
   Alternativ können Riester-Kunden eine fondsgebundene Rentenversicherung, einen Banksparplan, einen Fonds- sparplan oder einen sogenannten Wohn-Riester abschließen. „Ich halte Banksparpläne grundsätzlich für sinnvoll", sagt Erk Schaarschmidt von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Dafür stellten die Anbieter keine Abschlusskosten oder Provisionen in Rechnung. Fondssparpläne seien risikoreicher, böten aber auch höhere Renditechancen. Die Wohn-Riester-Darlehen halten viele Experten ebenfalls für attraktiv, wenn man in naher Zukunft eine Immobilie kaufen will.
■ Was wird kritisiert?
  
Banken und Versicherungen erheben oft hohe Gebühren auf ihre Angebote. Diese Kosten verschlingen - zumindest in den ersten Jahren - die staatlichen Zulagen. Kritiker bemängeln auch, dass die Versicherungen die Lebenserwartung zu hoch ansetzen. „Man muss sehr alt werden, um alle eingezahlten Beiträge wiederzube- kommen", sagt Kornelia Hagen. Wenn eine 35-jährige Frau im Jahr 2001 einen Vertrag abgeschlossen habe, müsse sie 78 Jahre alt werden, um ihr eingezahltes Geld und die darauf erhaltenen Zulagen wieder auf ihrem Konto zu haben - noch ohne Rendite. HAZ120927AnneGrüneberg

Intransparenz bei Riester-Zulagen - Behörde hält Fristen nicht ein

   Bei der Rückbuchung von bereits gezahlten Riester-Zulagen verstoßen die Behörden laut Stiftung Warentest teilweise gegen geltendes Recht. Wie die Zeitschrift „Finanztest" in ihrer Oktober-Ausgabe berichtete, holte sich der Staat im Jahr 2012 rund 700 Millionen Euro an Förderung von Riester-Sparern zurück. Die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) kann Zulagen zurückbuchen, wenn der Riester-Sparer sie zu Unrecht erhalten hat - allerdings mit einer Frist von maximal vier Jahren. An diese Frist hält sich die ZfA aber nicht, wie laut „Finanztest" aus internen Unterlagen des Finanzministeriums hervorgeht
   Allein für das Beitragsjahr 2005 habe die ZfA in 84410 Fällen die Zulage erst nach Ablauf der Frist neu berechnet und damit teilweise zurückgefordert, heißt es demnach in einem Vermerk. In dem automatisierten Verfahren der ZfA gebe es zudem immer wieder Fehler. Die Rückbuchung erfolge dennoch ohne Vorwarnung und ohne Begründung. Eine Beschwerde sei daher kompliziert und extrem langwierig. „Die Bearbeitungsdauer für einen entsprechenden Festsetzungsantrag liegt bei weit über einem Jahr", zitiert die Zeitschrift aus dem Vermerk des BMF.
   Mit der Riester-Rente fördert der Staat die private Altersvorsorge. Wer vier Prozent des rentenversicherungs- pflichtigen Einkommens in Bank- und Fondssparpläne oder eine Rentenversicherung steckt, erhält eine Grundzulage von 154 Euro jährlich. NOZ130908

Kostenverteilung im Riester-Vertrag rechtens

  Anbieter von „Riester"-Verträgen für die private Altersvorsorge dürfen auch weiterhin die Abschluss- und Vertriebskosten gleichmäßig auf die ersten fünf Jahre der Laufzeit verteilen. Eine Klausel, die dies festlege, benachteilige die Anleger nicht unangemessen, wie der Bundesgerichtshof entschied Az.: IV 292/10. Damit wiesen die Karlsruher Richter eine Klage eines Verbraucherschutzverbandes ab, der gegen eine entsprechende Klausel in den Verträgen der „DWS Riester Rente Premium" vorgegangen war. Er hatte argumentiert, die Verteilung der Kosten verstoße gegen eine Regelung, wonach die für die Kostendeckung einzubehaltenden Beträge im ersten Laufzeitjahr auf ein Drittel der regelmäßigen Beiträge begrenzt und danach auf die gesamte übrige Laufzeit gleichmäßig verteilt werden müssten. Dem BGH zufolge ist diese Regelung jedoch gar nicht einschlägig. FAZ121108cbu

re-gRentenniveau     Geringe Vorsorge ist verständlich

   Man kann es den Bundesbürgern nicht verdenken, wenn sie beim Thema Altersvorsorge nur noch abwinken, wie die jüngste Postbank-Studie zeigt. Denn wer über Jahrzehnte für das Alter sparen soll, braucht eine verlässliche Basis: eine sichere und stabile Währung und einen Zins, der nach Abzug der Inflationsrate noch einen Zuwachs des Vermögens ermöglicht.
   An beiden Voraussetzungen gibt gegenwärtig Zweifel, und es ist nicht abzusehen, dass sich daran so schnell etwas ändern wird. Auf Bekenntnisse, dass der Euro unter allen Umständen gerettet wird, vertrauen die Menschen längst nicht mehr. Denn gerade weil das mit immer neuen, größeren Rettungsfonds geschehen soll, fürchten die Sparer, dass sie am Ende auch mit ihrer Altersvorsorge dafür haften müssen oder dass ihre Ersparnisse von der Inflation aufgezehrt werden.
   Wer unter diesen Umständen seine Altersvorsorge nicht weiter aufstockt oder sein Geld lieber in die eigenen vier Wände steckt, handelt vollkommen rational. Zwar mag auch der schlechte Ruf der Riester-Rente zum Desinteresse an der Altersvorsorge beitragen. Aber von überhöhten Kosten einzelner Anbieter einmal abgesehen, leidet die Riester-Rente wie andere Lebensversicherungsprodukte vor allem unter der Euro-Krise. In deutsche Staatspapiere kann nicht investiert werden, weil sie nicht einmal den Garantiezins erwirtschaften, und bei höher verzinsten Staatsanleihen aus Spanien oder Italien müssen die Versicherer einen Schuldenschnitt wie bei Griechenland fürchten. Erst muss die Staatsschuldenkrise gelöst werden, dann wird auch das Interesse an der Altersvorsorge wieder steigen. HA121005SteffenPreissler

Dämpfer für private Altersvorsorge: Bereitschaft zum Riestern sinkt
   Immer weniger Menschen wollen trotz aller Debatten über Altersarmut zusätzlich Vorsorgen. Nach einer Allensbach-Studie für die Postbank lehnen 42 Prozent der Bürger eine Erweiterung ihrer privaten Altersvorsorge ab. Damit ist in der seit 2003 jährlich wiederholten Befragung ein Negativrekord erreicht. Die Bundesregierung kündigte unterdessen an, den demografischen Wandel ins Zentrum ihrer Politik stellen zu wollen.
   Die Aufwendungen für pri­vate Renten sinken: Gaben die Berufstätigen 2005 noch 204 Euro pro Monat für ihre private Altersvorsorge aus, sind es jetzt nur noch 185 Euro, so das Allensbach-Institut.
   Nur 14 Prozent aller, die sich nicht ausreichend abgesichert fühlen, würden sich der Umfrage zufolge für eine sichere Altersvorsorge ein­schränken. Vor zwei Jahren waren noch 24 Prozent dazu bereit. Jeder Vierte im Alter zwischen 16 und 29 Jahren hält seine heutige Altersvorsorge für ausreichend. Vor fünf Jahren glaubte das nur jeder Sechste. Nimmt man alle Altersgruppen der Berufstätigen zusammen, erklären 44 Prozent, genug für ihr Alter vorzusorgen.
    Nach der Erhebung liegen die Ursachen für die Entwicklung auch in der Schuldenkrise. Knapp über die Hälfte der 1.642 Befragten bangt deswegen um die Sicherheit der Altersversorgung. Die Bereitschaft neue und langfristige Vorsorgeverträge abzuschließen, ist dementsprechend gering", so Postbank-Vorstand Michael Meyer.
   Gefragt sind dagegen Immobilien. Fast jeder Dritte, der die Vorsorge ausbauen will, plant den Bau oder Kauf eines Eigenheims. Das ist gut ein Viertel mehr als vor zehn Jahren. Besonders stark legten vermietete Häuser und Wohnungen zu. Meyer warn­te aber davor, alles Geld auf die eine Karte Immobilienkauf zu setzen. „Die Streuung von Anlageformen ist immer der bessere Weg."
   Ein gutes Viertel der befragten Berufstätigen setzt auf die Verwandtschaft, Noch nie zuvor in der zehnjährigen Umfragereihe spielten Erbschaften eine so große Rolle für die Alterssicherung. Die staatlich geförderte Riester- Rente erscheint dagegen immer unwichtiger. War sie vor fünf Jahren noch für 31 Prozent eine ideale Form der Alterssicherung, ist sie es jetzt nur noch für jeden Vierten.
   Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte unterdessen beim ersten Demografiegipfel der Regierung, der Veränderungsdruck, der von der Alterung der Gesellschaft ausgehe, sei den Herausforderungen durch die Globalisierung vergleichbar. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verlangte, jeder Bürger müsse bereit sein zur Veränderung. Alle gesellschaftlichen Bereiche seien davon betroffen, dass die Bevölkerung schrumpfe und älter werde.~HAZ~13714epd

Der Druck auf die Riester-Renten wächst  -  Das Produkt muss beweisen, dass es besser als sein Ruf ist
Auftakt einer Serie zur Kapitalanlage bei Niedrigzinsen

   Nur noch 610.000 Kunden haben im vergangenen Jahr eine Riester-Renten-Versicherung abgeschlossen. Für Markus Faulhaber ist die Sache klar: Den Rückgang des Neugeschäfts um mehr als ein Drittel führt der Vorstandsvorsitzende der Allianz Leben auf negative Presseberichte zurück. Dass Kunden angesichts der Niedrigzinsphase zurückhaltender geworden sind oder die Riester-Rente mit rund 16 Millionen Verträgen (davon 11 Millionen als Versicherungen) an eine natürliche Grenze gestoßen sei, glaubt der Manager nicht, der zusätzlich im Branchenverband GDV dem Ausschuss Lebensversicherung vorsteht.
   Klar ist indes, dass die Riester-Produkte unter der Lage am Kapitalmarkt leiden. Durchschnittlich schrieben Versicherer ihren Riester-Kunden im vergangenen Jahr nur noch 3,56 Prozent auf den Sparanteil der Policen gut, wie eine Untersuchung der Ratingagentur Assekurata zeigt. Über das vergangene Jahrzehnt haben die Versicherer dennoch bessere Renditen erzielt als die Alternative, die Anbieter von Riester-Fonds, hat das Institut für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA) errechnet. „Versicherer investieren den Großteil der Beiträge und Zulagen in festverzinsliche Anlagen und sind somit von Aktiencrashs weniger betroffen gewesen", heißt es in der Analyse. Für die Zukunft lässt sich diese Aussage aber nicht fortschreiben. Je länger die Niedrigzinsphase anhält, desto mehr geraten die Anbieter unter Druck. Das gilt genauso für Banksparpläne. Fondssparpläne und fondsgebundene Riester-Versicherungen dagegen profitierten zuletzt von der positiven Börsenentwicklung.
   Knapp 70 Prozent der Riester-Verträge sind Versicherungen. In mehreren Schritten hat die Bundesregierung seit Einführung der Produkte 2002 die Garantieverzinsung auf nunmehr 1,75 Prozent gesenkt. Die garantierten monatlichen Ren­ten sind heute somit nur noch halb so hoch wie vor einem Jahrzehnt. Durch Überschussbeteiligungen kann das teilweise ausgeglichen werden. Noch profitieren die Lebensversicherer von hohen Zinsversprechen ihrer zum Teil sehr lange laufenden Papiere. Zudem gewichten sie ihre Anlagen um und nehmen etwas höhere Risiken in Kauf.
   Die negativen Berichte, über die Faulhaber und viele andere in der Branche klagen, haben mit der hohen Kostenbelastung zu tun. 16,5 Prozent von den Beiträgen und 7,5 Prozent von den Zulagen behält der teuerste Versicherer für Abschluss- und Verwaltungskosten ein, hat Finanztest ermittelt. Ein solcher Vertrag kommt nur schwer auf eine attraktive Beitragsrendite - insbesondere, wenn die Zinsen weiter so niedrig sind wie derzeit. Dass die Kosten höher als bei privaten Rentenversicherungen sind, liegt an dem hohen Aufwand für die Zulagenanträge, die sich je nach Familienstand und Einkommenshöhe ändern können. Doch sowohl beim Kapitalanlageerfolg als auch bei den Kosten sind die Unterschiede zwi­schen den Anbietern erheblich.
   Nach der ITA-Analyse behält der güns­tigste Anbieter nur 1,6 Prozent von Beiträgen und Zulagen für seine Kosten ein - umso mehr geht in die Altersvorsorge. Vor allem Direktversicherer wie Huk 24, Cosmos Direkt und Hanse Merkur 24, die ohne Außendienst kaum Abschlussprovisionen zahlen, kommen deshalb bei ihren garantierten Rentenleistungen in der Fnanztest-Untersuchung gut weg. In der Kapitalanlage sind Debeka, DEVK, Alte Leipziger und Stuttgarter am erfolgreichsten. Ihre Produkte werfen für die Kunden auch jetzt noch attraktive Erträge ab - auch wenn sie nicht mehr so hoch sind, wie manch ein Sparer vielleicht noch bei Vertragsabschluss kalkuliert hat.
   Die viel beachtete Kritik des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) an der Riester-Rente zielt auf die Effizienz der staatlichen Zulagen ab. Seit 2002 hat der Bund die Produkte mit 15,4 Milliarden Euro gefördert. Angesichts dieses Aufwands halten die Forscher den Erfolg für bescheiden. Anleger allerdings müssen eine andere Rechnung aufmachen: Wie hoch fällt ihre monatliche Rente im Vergleich zu alternativen Produkten inklusive der Zulagen - aber abzüglich der Steuern - aus? Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) hat eine solche Rechnung aufgestellt und dabei angenommen, dass der Steuersatz in der Rentenphase 70 Prozent des Satzes in der Erwerbsphase beträgt. Nach Steuern warfen die Riester-Policen für einen Mann im schlechtesten Fall eine Rendite von 3,2 Prozent ab, im besten Fall von 6,6 Prozent. Frauen kamen wegen ihrer höheren Lebenserwartung sogar auf 3,8 und 6,8 Prozent. Ungeförderte Policen dagegen lagen nur zwischen 2,6 und 4,3 Prozent.
   Ein weiterer Strang der Kritik bezieht sich darauf, wie die Anbieter die Lebenserwartung kalkulieren. Das hat Einfluss darauf, ab welchem Alter die Rentenzahlungen die Beiträge übersteigen. Um in jedem Fall die Rentenversprechen einzuhalten, rechnen sie mit höheren Werten als die Generationentafeln des Statistischen Bundesamts. Das begründet der GDV damit, dass wissenschaftliche Trends der Lebenserwartung einfließen und die Tatsache, dass eher Kunden eine Police mit lebenslanger Auszahlung abschließen, die mit einem langen Leben rechnen. Alle Rentenversicherungen bedeuten „immer eine Wette gegen den eigenen Todeszeitpunkt", schreibt der frühere Wirtschaftsweise Bert Rürup in einem Fachaufsatz. Nach der Berechnung des IVFP kann ein Riester-Sparer durchschnittlich im Alter von 76 Jahren damit rechnen, dass die Rentenzahlungen die Beiträge übersteigen. Und wenn der Sparer wegen einer höheren Kinderzahl mehr Zulagen erhält, ist der Zeitpunkt noch früher erreicht.
FAZ130529pik

Riester-Renten sollen transparenter werden - Gesetzentwurf sieht standardisiertes Produktinformationsblatt vor

   Die Bundesregierung bringt die geplanten Veränderungen bei der Riester-Rente vorzeitig auf den parlamentarischen Weg. Damit will sie trotz des Streits über die von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen(CDU) geplante Zuschussrente handlungsfähig bleiben. Mit dem „Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz" soll die Transparenz der geförderten Altersvorsorge verbessert werden. Zudem sollen die Anreize für den Aufbau einer zusätzlichen Absicherung erhöht werden. Das Kabinett soll den Entwurf des federführenden Finanzministeriums schon kommende Woche unabhängig vom gesamten Rentenreformpaket verabschieden.
  Damit Kunden die Riester-Produkte besser vergleichen können, müssen die Anbieter künftig ein Produktinformationsblatt ausgeben, das für Versicherer, Banken und Fondsgesellschaften einheitlich ist. Mit dem leicht verständlichen, standardisierten „Beipackzettel" sollen Verbraucher die Angebote im Hinblick auf Chancen und Risiken, Garantien und Kosten besser vergleichen können. Er soll die bisherigen sehr umfangreichen Informationspflichten ersetzen. Die Versicherungswirtschaft, über die 11 der 15,6 Millionen Riester-Verträge geschlossen wurden, begrüßt das Vorhaben. Es folge seiner Initiative, die Auswirkungen der Kosten auf die Rendite in einer einheitlichen Kennziffer auszudrücken, erklärte der Branchenverband GDV.
  Die Angaben des Riester-Beipackzettels sollen entweder von unabhängiger Stelle berechnet oder zumindest kontrolliert werden. Der Gesetzentwurf enthält auch die Anregung des Bundesarbeitsministeriums, die Verwaltungkosten beim Wechsel des Anbieters auf 150 Euro zu begrenzen. Unter dem Eindruck der öffentlichen Diskussion hatte zuletzt der Dortmunder Versicherer Volkswohl Bund diese Gebühr von mehr als 800 auf 50 Euro verringert. Auch Abschlusskosten, die bei einem Wechsel neu anfallen, sollen begrenzt werden. Nicht enthalten ist dagegen der ursprüngliche Plan, den Anteil der Risikogewinne, der direkt an Kunden ausgeschüttet werden muss, von 75 auf 90 Prozent zu erhöhen.
      Um den Anreiz zum Abschluss einer zusätzlichen Altersvorsorge zu steigern, wird die Förderhöchstgrenze von 20.000 auf 24.000 Euro erhöht. Die Absicherung der Berufs- und Erwerbsunfähigkeit wird steuerlich stärker begünstigt. Außerdem sollen Riester-Sparer leichter als bisher Vorsorgekapital zur Bildung von selbstgenutztem Wohneigentum entnehmen können. Auch der Erwerb von Geschäftsanteilen an einer Wohnungsgenossenschaft soll erleichtert werden. Die finanziellen Folgen der Neuregelung für die öffentliche Hand sollen sich im Rahmen halten, die Steuermindereinnahmen werden für 2014 auf 10 Millionen und die Folgejahre auf je 20 Millionen Euro beziffert. FAZ120920ennPik

Riester für bessere Riester-Rente
Bundesregierung will Vergleiche erleichtern / Kosten beim Wechsel sollen gedeckelt werden

   Die Bundesregierung will Riester-Renten besser vergleichbar machen. Künftig soll allen Anbietern vorgeschrieben werden, in einfacher und einheitlicher Form einen Überblick über wichtige Kennzahlen wie die Verwaltungskosten, die Rendite-Erwartung und das Anlagerisiko zu geben. Das Bundesfinanzministerium hat dazu eine sogenannte Formulierungshilfe erstellt, die ins Kabinett soll. Die CDU/CSU-Fraktion soll den Entwurf dann im Bundestag einbringen.
   „Kern ist, die Transparenz und die Vergleichbarkeit von geförderten Anlageprodukten zu erhöhen", sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums. Zugleich sollen die Kosten bei einem Versicherungswechsel gedeckelt werden.
   Verbraucherschützer bemängeln zu hohe Kosten und zu geringe Erträge bei vielen Angeboten. Erst jüngst hatte die Stiftung Warentest eine Untersuchung veröffentlicht, wonach nur fünf von 29 untersuchten Riester-Renten- verträgen die Note „gut" verdienen. Demnach lag die garantierte Mindestrente bei den besten Verträgen um 17 Prozent über den schlechtesten Verträgen.
   Der ehemalige Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD), der die nach ihm benannte staatlich geförderte Altersvorsorge 2001 auf den Weg gebracht hatte, begrüßte die Gesetzesinitiative. „Ich halte es für richtig, dass die Kosten transparent und nachvollziehbar dargestellt werden", sagte er. Er selbst habe schon damals Transparenzregeln in das Gesetz aufgenommen, beispielsweise die Pflicht zum jährlichen Ausweis der Kosten.
   Riester meldete indessen Zweifel an, ob die geforderten Informationspflichten - etwa zu den Rendite- Erwartungen - ohne Weiteres umgesetzt werden können. „Das hört sich sinnvoll an", sagte Riester, aber gerade in der heutigen Zeit könne niemand genau sagen, welche Rendite er in fünf, zehn oder auch nur drei Jahren erwirtschaften werde. Es stelle sich auch die Frage, warum beispielsweise bei Kapitallebensversicherungen nicht die gleichen Anforderungen an die Transparenz gestellt würden.
   Der Versicherungsanbieter Debeka - der bei Tests gut abschneidet - könnte mit dem geforderten Datenblatt leben. „Bei einem staatlich geförderten Produkt wie der Riester-Rente hat der Gesetzgeber das Recht, Rahmen bedingungen zu setzen", sagte ein Sprecher. Auch die Huk Coburg sieht die Forderung nach mehr Transparenz gelassen.
   Die Frage, inwieweit sich das Riestern lohnt, bewegt schon länger die Gemüter. Eine Untersuchung des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hatte der Riester-Rente generell ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Hingegen kam das Institut für Transparenz zu einem positiven Ergebnis. Über die Studie des DIW kann sich Riester noch heute erregen. Die Studie sei „unverantwortlich" und habe die Menschen verunsichert. „Es gibt keine bessere Alternative", so Riesters Meinung zur Riester-Rente. HA120920AntjeSchroeder

Hoher Zuschuss vom Staat für Riester-Rente

  Bereits 15,5 Millionen Menschen in Deutschland haben einen Vertrag über eine Riester-Rente abgeschlossen. Damit hat dieses Instrument nach anfänglichen Schwierigkeiten wegen seiner zunächst allzu bürokratischen Ausgestaltung breite Anerkennung gefunden. Allerdings nehmen noch immer längst nicht alle Anspruchsberechtigten die mit der Riester-Rente verbundene staatliche Förderung in Anspruch, beklagt das Deutsche Aktieninstitut.
  Seit  Anfang  2008  können b is zu 4 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Einkommens, maximal aber 2.100 Euro jährlich, in einen Riester-Vertrag eingezahlt werden. Einen Teil davon erbringt der Sparer als Eigenbeitrag, ein anderer Teil wird vom Staat ergänzt. Die Grundzulage für Eheleute beträgt 154 Euro pro Person; je Kind kommen nochmals 185 Euro hinzu. Wenn also ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 45.000 Euro 4 Prozent (1.800 Euro) in einen Riester-Vertrag einzahlt, erhält es Zulagen von insgesamt 678 Euro. Die Eigenleistung beträgt in diesem Fall nur noch 1.122 Euro im Jahr bzw. 93,50 Euro im Monat - der Staat gibt mehr als die Hälfte des eigenen Sparbetrages hinzu.
   Bei der jährlichen Steuererklärung prüft das Finanzamt darüber hinaus automatisch, ob der Riester-Sparer mit einem Abzug des Sparbeitrags als Sonderausgabe nicht noch besser fährt als mit der Zulage. Auf alle Fälle ist die staatliche Förderung so attraktiv, dass kein Anspruchsberechtigter darauf verzichten sollte. Dies gilt um so mehr, als die eingezahlten Beträge - auch die Zulagen - von den Anbietern der Riester-Verträge garantiert werden müs- sen. Das Risiko ist also begrenzt. HAZkl080325

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen   po-UrsulaVdLeyen-z

Riester-Rente ist Erfolgsmodell. Bisher45 Milliarden Euro an Beiträgen eingezahlt.
Auch Geringverdiener nutzen Zuschuss.Arbeitsministerin Ursula von der Leyen verspricht mehr Transparenz:

   Trotz der Bedenken wegen hoher Abschlusskosten und geringer Zinserträge bleibt die Riester-Rente der Renner in der privaten Altersvorsorge. 15,5 Millionen Riester-Verträge gibt es in Deutschland, allein im vergangenen Jahr wurden neu 971.000 abgeschlossen. Das geht aus Zahlen des Bundesarbeitsministeriums hervor. Die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen, die an die Versicherten die staatliche Förderung auszahlt, hat ausgerechnet, dass seit Einführung 2002 insgesamt 45 Milliarden Euro in Riester-Verträge geflossen sind. Davon, sagte der Leiter der Zulagenstelle, Ulrich Stolz, seien 13,2 Milliarden vom Staat gekommen.
  Die Riester-Rente soll dafür sorgen, dass die Bürger zukünftig bei sinkendem Rentenniveau aus dem gesetzlichen Topf auch im Alter ihren Lebensstandard halten können. Die alternde Gesellschaft mit weniger Beitragszahlern und mehr Rentnern tut ihr Übriges. Dafür gibt es beim Abschluss einer privaten Rentenversicherung laufend Geld vom Staat - einen Sockelbetrag sowie Zulagen für Kinder und Berufseinsteiger (bis 25 Jahre).
 Allerdings ruhen derzeit 18,5 Prozent aller Riester-Verträge, weil keine Beiträge gezahlt werden, zum Beispiel wegen Arbeitslosigkeit. Dieser Anteil, so Stolz, sei aber noch unter der Ruhequote bei den „normalen" Verträgen der Versicherungswirtschaft. Die meisten Riester-Verträge (68 Prozent) kommen von Versicherungen. Aber auch Kapitalanlagegesellschaften (18 Prozent) verkaufen viele Policen. In den vergangenen Jahren stark nachgefragt waren Wohn-Riester-Verträge. Damit lassen sich die eigenen vier Wände als Alterssicherung vom Staat bezuschussen.
Kritiker bemängeln zu hohe Kosten für die privaten Verträge
   Und offensichtlich, das belegen neue Zahlen der Zulagenstelle, die zwischen Rentenversicherung und Finanz- ministerium angesiedelt ist, profitieren vor allem Geringverdiener und Frauen von den Zulagen. Jeder dritte Riester- Sparer mit staatlicher Förderung verdient weniger als 10.000 Euro im Jahr brutto. 70 Prozent haben ein Einkommen unter 30.000 Euro, also klar unter dem Durchschnittsverdienst. „Der Kinderzuschlag kommt bei den Familien an", sagte Sabine Ohsmann von der Deutschen Rentenversicherung. Von jedem Euro Staatsförderung flössen gut 40 Cent als Kinderzulage.
   Das ist Wasser auf die Mühlen von Ministerin von der Leyen. Ihr geplantes Modell einer Zuschussrente für Geringverdiener ist derzeit in der Kritik, weil sie künftig nur den Menschen die Niedrigrente auf etwa 850 Euro im Monat aufstocken will, wenn diese eine private Riester-Rente abgeschlossen haben.
   Kritiker der Riester-Rente bemängeln jedoch, dass häufig die Kosten für die privaten Verträge so hoch seien, dass auch alle staatlichen Zuschläge nicht für eine adäquate monatliche Rentenzahlung sorgen. So hatte beispielsweise das Magazin „Ökotest" ausgerechnet, dass ein Familienvater von Mitte 30 mit zwei Kindern bis zur Rente mit 67 Jahren 10.000 Euro Staatsgeld bekommt, aber die Versicherung fast 8.900 Euro an Gebühren kassiert. Deshalb raten die Verbraucherzentralen von einigen Riester-Produkten ab.
Ministerin von der Leyen hat einen „Beipackzettel" für Riester-Versicherungen versprochen.
   Doch der lässt noch auf sich warten. Aus der Unionsfraktion hieß es, das Finanzministerium sei gebeten worden, eine Formulierungshilfe für einen Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen auszuarbeiten. Dieser solle im Herbst vorliegen. Die Deutsche Rentenversicherung arbeitet an einer jährlichen Renteninformation, die auch die private Altersvorsorge einschließt. Dann hätte jeder Arbeitnehmer schwarz auf weiß, was er an Renten zu erwarten hat. Doch ein solcher Überblick sei wegen der unterschiedlichen Anlagen (Betriebsrente, Banksparplan etc.) schwierig zu erstellen, heißt es bei der Rentenversicherung. HA120713ChristophRybarczyk

Von der Versicherung bis zum Banksparplan
  Die Riester-Rente gibt es in verschiedenen Produkten. Je nach Risikoneigung und verbleibender Zeit bis zur Rente kann der passende Vertrag gewählt werden. Für alle Produktarten gilt: Mindestens die eingezahlten Beiträge plus die staatliche Förderung sind zum Ende der Laufzeit garantiert.
Klassische Rentenversicherung: Sparanteil wird mit dem Garantiezins von 2,25 Prozent verzinst. Anlage vorwiegend in festverzinslichen Wertpapieren. Zusätzlich gibt es eine Überschussbeteiligung,  die nicht garantiert ist.
Vorteile: Durchgängiger Vertrag von der Anspar- bis zur Verrentungsphase. Mindestrente steht bei Vertrags- abschluss bereits fest. Sehr großes Angebot und daher hohe Akzeptanz bei den Verbrauchern.
Nachteile: Hohe Abschlusskosten, die in den ersten fünf Jahren mit den Beiträgen verrechnet werden. Nachteile bei Ausstieg aus dem Vertrag oder eine Reduzierung der vereinbarten Einzahlungen. Niedrige Zinsen begrenzen Rendite.
Geeignet für: Menschen, die auf eine bequeme und berechenbare Altersvorsorge Wert legen und sich sicher sind, dass sie den Vertrag durchhalten.
Fondssparplan:Geld fließt in Aktien- und Rentenfonds. Rendite hängt vorwiegend von Kursgewinnen und Dividenden ab.
Vorteile: Hohe durchschnittliche Renditen von bis zu zehn Prozent pro Jahr möglich.
Nachteile: Fünf Prozent Ausgabeaufschlag beim Kauf der Fondsanteile. Hohe Schwankungen des Kapitals in der Einzahlungsphase durch hohen Aktienfondsanteil möglich. Bei einem Produktwechsel kann es deshalb zu Einbußen kommen.
Geeignet für: Kunden bis Mitte 40, die von den Chancen des Aktienmarktes profitieren wollen.
Banksparplan: Sparvertrag mit flexibler Verzinsung.
Vorteile: Fast keine Kostenbelastung, sehr transparentes Produkt. Kein Verlustrisiko bei vorzeitigem Ausstieg.
Nachteile: Angebote nicht überall, begrenzte Rendite.
Geeignet für: Sehr sicherheitsorientierte Sparer und über 50-Jährige. Außerdem gut für Kunden, die ihr Guthaben zwischendurch für die Finanzierung einer selbst genutzten Immobilie nutzen wollen. HAstp071201

„Allianz benachteiligt Arme"
   Die Allianz benachteiligt nach Angaben von Verbraucherschützern ältere, ärmere sowie kinderreiche Kunden, die eine Riester-Rente bei ihr abgeschlossen haben. Diese würden nur eingeschränkt an den Überschüssen beteiligt, teilten der Bund der Versicherten und die Verbraucherzentrale Hamburg mit. Sie mahnten den Marktführer nach eigenen Angaben ab und forderten ihn auf, eine Unterlassungserklärung abzugeben. HAZ120605afp

so-gRiester-z

Riester-Sparen lohnt sich - Untersuchung kommt zu eindeutigem Befund - Aber Kritik an zu wenig Transparenz

   Seit es die staatlich geförderte Altersvorsorge mit dem Kurznamen „Riester-Rente" gibt, wird heftig über sie gestritten. Zu kompliziert, zu intransparent, zu reglementiert, zu unrentabel - so lauten häufig die Vorwürfe. Zumindest in einem wichtigen Punkt wird die nach dem früheren Arbeitsminister Walter Riester benannte Vorsorgeform nun aber rehabilitiert. Nach dem ersten Langzeittest auf der Grundlage von tatsächlichen Finanzdaten kommt das Institut für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA) zu einem eindeutigen Befund: „Sparen in Riester-Renten ist sinnvoll und lohnt sich."
   „Angesichts der massiven öffentlichen Kritik an der Riester-Rente waren wir selbst ein wenig von diesem überragenden Ergebnis überrascht", kommentierte der Gründer und Chef des Instituts, Mark Ortmann, die ermittelten Renditen von teilweise über 7 Prozent für Riester-Sparer.
   Ein Manko der Untersuchung: Die Experten hatten 43 Anbieter zur Teilnahme an der Untersuchung aufgefordert, aber nur sechs Unternehmen beteiligten sich. Insgesamt wurden acht Angebote auf ihre Ergebnisse nach einer zehnjährigen Laufzeit von Anfang 2002 bis Ende 2011 untersucht.
   Alle Angebote erbrachten für die Kunden unter dem Strich positive Resultate. Die Auszahlungen übertrafen also die Summe aus geleisteten Beiträgen und staatlichen Zulagen. Zudem sei in jedem Fall die durchschnittliche Geldentwertung von 1,6 Prozent mindestens ausgeglichen worden.
   Alleinstehende erwirtschafteten den ITA-Berechnungen zufolge Renditen zwischen 3,22 und 5,19 Prozent. Ein lediger Riester-Sparer mit einem Kind kam demnach sogar auf Renditen zwischen 5,44 und 7,34 Prozent. Wegen der staatlichen Zulagen erhöht sich dieser Wert mit jedem weiteren Kind noch. Als besten Anbieter nennt ITA die Debeka Lebensversicherung.
   Große Unterschiede stellten die Fachleute bei den Kosten fest. Das günstigste Angebot begnügte sich für Abschluss-, Vertriebs- und Verwaltungskosten mit einem Anteil von 1,6 Prozent der Beiträge und staatlichen Zulagen, das teuerste verschlang 9,49 Prozent. In absoluten Werten machte dies in der untersuchten Konstellation einen Unterschied von 1.159 Euro bei den Kosten aus.
   Das Institut interessierte sich auch für den Zusammenhang zwischen der Art des Riester-Vertrages und seinen Resultaten. Dabei zeigte sich, dass in dem Untersuchungszeitraum klassische Rentenversicherungen deutlich besser abschnitten als Fondssparpläne. Diese litten unter den diversen Krisen und Börseneinbrüchen. Allerdings könnten Fondsprodukte bei guter Entwicklung auf den Finanzmärkten künftig auch erheblich besser abschneiden, geben die Experten zu bedenken.
Fazit: „Für den betrachteten Zeitraum von zehn Jahren dürfte es kaum andere Anlagen für Kleinsparer gegeben haben, die höhere Rendite gebracht haben als die von uns untersuchten Produkte." Das Institut könne daher die „ständige öffentliche Kritik" am Riester-Sparen nicht unterstützen. Allerdings mangele es dem Markt nach wie vor an Transparenz, kritisierte ITA-Chef Ortmann. Hier sollte der Gesetzgeber handeln. HAZ120519AlbrechtScheuermann

Bester Vertrag bringt 10.000 Euro mehr
Stiftung Warentest ermittelt große Angebotsunterschiede - Nur zwei Tarife mit Bestnote

   Die von der Stiftung Warentest herausgegebene Zeitschrift „Finanztest” hat 35 klassische Riester- Rentenversicherungen verglichen. „Es gibt große Unterschiede”, kommentierte Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen das Ergebnis. Zwei Tarife landeten am Ende ganz vorne: die „Riester-Rente R1-A” von Cosmos Direkt und die „Riester-Care AR7” von Hanse Merkur. Knapp dahinter platzierte sich die Debeka mit ihrer „Förderrente F1 01/07”. Als gut bewertet wurde auch die HL Garant (Tarif AV1D) der Hannoverschen Leben.
   Die Stiftung empfiehlt klassische Rentenversicherungen vor allem für 40- bis 50-Jährige. Für Jüngere seien eher Riester-Fondssparpläne geeignet, da sie mehr Gewinnchancen an der Börse bei garantiertem Kapitalerhalt bieten. Älteren rät Tenhagen zu Riester-Banksparplänen, die ordentliche und sichere Renditen ohne teure Abschlusskosten bringen.
   Die klassischen Riester-Rentenversicherungen seien etwas „für Bequeme”, sagt der Finanztest-Chef: „Die Verträge garantierten 2,25 Prozent Rendite auf den Sparanteil, und man muss sich um diese Geldanlage lebenslang nicht mehr kümmern.” Wichtig sei aber die regelmäßige Zahlung der Beiträge, da die Provision für den Vermittler dem Kunden in den ersten fünf Jahren nach Höhe der vereinbarten Beiträge in Rechnung gestellt werde.
 Schon bei der garantierten Mindestrente gibt es laut Tenhagen zwischen den Anbietern Unterschiede von rund 20 Prozent. So zahle Cosmos Direkt im Modellfall einem 40-jährigen Alleinstehenden bei 25 Jahren Laufzeit rund 5000 Euro mehr Mindestrente als ein schlecht bewerteter Anbieter wie Victoria. Hinzu kommt die prognostizierte Überschussbeteiligung, die um so höher ausfällt, je besser der Versicherer das Geld der Kunden anlegt und je kostengünstiger das Unternehmen arbeitet.
  Bei Cosmos erhält der Kunde so unterm Strich laut Tenhagen rund 10.000 Euro mehr. Die Stiftung geht dabei von einem Modellkunden aus, der pro Jahr rund 1.000 Euro einzahlt. „Bei Spitzenverdienern können die Anlagesummen doppelt so hoch sein”, so der Verbraucherschützer. Damit summiere sich der Vorteil bei den besten Anbietern sogar auf bis zu 20.000 Euro.
   Am schlechtesten schnitten im Test neben der Victoria die Basler und die Itzehoer ab. Alle drei Anbieter werden bei den getesteten Produkten nur mit ausreichend bewertet. Immerhin acht Tarife stuft die Stiftung Warentest als gut ein, darunter Asstel (Riester-Rente Classic), die Huk-Coburg (Zuschussrente) und der Marktriese Allianz (Zukunftsrente).
   Neben klassischen Riester-Rentenversicherungen bietet die Assekuranz auch Riester-Rentenpolicen an, die mit Fonds kombiniert werden. Davon rät die Stiftung ab. Zum einen erhielten die Kunden nur eine minimale Garantie. Zum anderen sei die Kostenstruktur ungünstig. Günstiger sei der Abschluss von Riester-Fondssparplänen. Gleichwohl  hätten die Versicherer  bereits mehr zwei Millionen der vergleichsweise teuren fondsgebundenen Riester-Rentenversicherungen verkauft. HAZThomasWüppek071119

gRiester-Rente-xx  Riester: Diese Rente ist wirklich, wichtig, richtig und richtig gut

Aber leider auch nicht ganz einLassen Sie sich jedoch nicht abschrecken von dem Mix aus Beiträgen,
Zulagen und Steuervorteilen. Wer im Alter genug Rente haben möchte, wird um Riester kaum herumkommen.

   Ganz einfach ist sie nicht: Mit ihrem Mix aus verdienstabhängigem Beitrag, staatlichen Zulagen und möglichen Steuervorteilen lässt sich die Riester-Rente nicht auf eine leicht überschaubare Formel bringen. Aber sie lohnt sich. Rund ein Drittel des jährlichen Beitrages von 1.600 Euro steuert in unserem Beispielfall des 35-Jährigen Angestellten siehe Tabelle unten der Staat bei. Seit 2008 lohnt sich die Riester-Rente noch mehr, denn die Zulagen erhöhten sich um rund ein Drittel. Statt 114 Euro Grundzulage gibt es nun für jeden Sparer 154 Euro vom Staat. Die Kinderzulage erhöhte sich von 138 auf 185 Euro. Zusätzlicher neuer Bonus: Für ab Januar 2008 geborene Kinder gibt es 300 Euro. Zwar steigt auch der Eigenbeitrag von drei auf vier Prozent des Vorjahreseinkommens. Zum Ausgleich erhöhen sich die steuerlichen Abzugsmöglichkeiten.
  So muss der Angestellte rechnen: Vier Prozent seines Einkommens von 40.000 Euro sind 1.600 Euro. Doch selbst einzahlen muss er nur 1.076 Euro, weil die Zulagen noch abgezogen werden. Würde seine Frau nicht arbeiten, könnte sie einen Riester-Vertrag auch ohne eigene Einzahlungen, jedoch mit der vollen Riester-Förderung, also 154 Euro Zulage, abschließen. Der eigene Gesamtaufwand würde dann nur noch 922 Euro betragen, die Förderung fast 40 Prozent erreichen. „Viele unterschätzen den Zulageneffekt, der allein schon eine Rendite garantiert”, sagt Dorothea Kleine vom Verbraucherzentrale-Bundesverband. Außerdem passt sich die Zusatzrente steigenden Einkommen und veränderten Familienverhältnissen an.
Die Riester-Rente ist steuerpflichtig
   Die staatliche Förderung hat auch ihren Preis. Anleger müssen sich mit weniger Flexibilität als bei nicht geförderten Anlagen arrangieren. Riester-Produkte bieten nur lebenslange Monatsrenten, frühestens vom 60. Lebensjahr an. Teilauszahlungen von bis zu 30 Prozent des angesparten Kapitals sind aber möglich. Und im Alter will der Fiskus seinen Bonus. Die Riester-Rente ist steuerpflichtig.
   Angesichts zahlreicher Reformen bei der gesetzlichen Rente ist die Riester-Rente Pflicht, um Vorsorgelücken aus- zugleichen. „Die Riester-Rente ist nur ein Ausgleich für die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus von 53 auf etwa 46 Prozent des Bruttoeinkommens”, betont Kleine. Das sei vielen gar nicht bewusst. Fast allen steht die Riester-Rente offen: Arbeitnehmern, Beamten, Lehrlingen, Hausfrauen, Kindererziehenden während der dreijährigen Elternzeit, Wehr- und Zivildienstleistenden. Ein knappes Budget gilt nicht als Ausrede. Da sich der eigene Beitrag nach dem Vorjahresbruttoeinkommen richtet und sich noch um die Zulagen reduziert, ist die Riester- Rente für fast alle finanzierbar. „Je nach Einkommen und Familienstand erreicht die Förderung einen Anteil zwischen 25 und 90 Prozent”, sagt Holger Schmitt vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.
   Dennoch ist es möglich, dass die Riester-Rente nicht lohnt. Fällt später die staatliche Rente so niedrig aus, dass sie mit der Grundsicherung, einer Art Sozialhilfe für Rentner, aufgestockt werden muss, läuft die Riester-Rente ins Leere. Denn sie wird mit der Grundsicherung verrechnet. Nach Berechnungen des ARD-Wirtschaftsmagazins „Plusminus” liegt die Einkommensgrenze bei 1.900 Euro monatlich, um in den vollen Genuss der Riester-Ersparnisse zu kommen. Das gilt natürlich nur, wenn das Einkommen im Verlauf nicht steigt und im Alter keine weiteren Einkünfte (z.B. Rente des Ehepartners) und Vermögen zur Verfügung stehen.
Das Finanzamt prüft den Steuervorteil
   Während Familien vor allem von Grund- und Kinderzulage profitieren und so ihren eigenen Beitrag reduzieren, können sich Singles, die nur die Grundzulage erhalten, über einen zusätzlichen Steuerbonus vom Finanzamt freuen. Deshalb ist wichtig, dass sie eine Einkommensteuererklärung abgeben. Das Finanzamt prüft, ob der Steuervorteil aus den absetzbaren Einzahlungen höher ist als die Zulagen. Die Differenz wird als Steuerrückzahlung erstattet.
   Bei den Produkten gibt es eine große Auswahl. Wer sich für eine Rentenversicherung entscheidet, sollte sie auch durchhalten. „Denn ein vorzeitiger Ausstieg oder Umstieg zu einem anderen Anbieter muss teuer bezahlt werden”, sagt Susanne Meunier von der Stiftung Warentest. Bei der Auswahl sollte man vor allem auf die Höhe der garantierten Rente achten. „Da alle Anbieter mit dem gleichen Garantiezins von 2,25 Prozent rechnen, lässt sich so auf die Höhe der Kosten schließen”, sagt Meunier. Wer mehr bietet, hat geringe Kosten.
   Bei den Fondssparplänen fließt die Rente zunächst aus dem angesparten Kapital, kann also nur aufgrund von Annahmen einer bestimmten Wertentwicklung prognostiziert werden. Ein solcher Entnahmeplan ist bis zum 85. Lebensjahr konzipiert. Danach schließt sich eine lebenslange Restrentenversicherung an, die bereits zum Ende der Sparphase mit einem Teil des angesammelten Kapitals eingekauft wird. Rund neun Prozent Rendite bringen die besten Angebote bei den Fondssparplänen, ermittelte die Stiftung Warentest. Sie favorisiert vor allem die Angebote von Union-Investment und DWS.
   Damit die Riester-Rente nicht zum Rohrkrepierer wird, muss einiges beachtet werden: So gibt es die Zulagen nur auf Antrag. 1,4 Millionen Sparer haben bisher ihre Zulagen verfallen lassen. „Die Kunden verschenken Geld, weil sie den komplizierten Weg der Zulagenbeantragung scheuen”, sagt Hans-Jürgen Löckener, Vorstandschef der Neue Leben. Dabei gibt es längst Dauerzulagenanträge. Solange sich die Lebensumstände nicht verändern, ist der einmal ausgefüllte Antrag gültig. Löckener: „Das Formular schickt ihnen der Rentenanbieter automatisch zu.” Riester - einfach ist das nicht. HASt.Preißler021201

Änderungen auch bei Riester-Rente

    Im Zusammenhang mit der schrittweisen Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 67 kommt es zum 1. Januar 2012 für Produkte der geförderten Altersvorsorge sowie für die Lebensversicherung zu wichtigen Änderungen. Darauf weist der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft hin.
Beispiel Riester-Rente: Staatlich geförderte Riester-Rentenverträge, die ab dem 1. Januar 2012 abgeschlossen werden, dürfen als möglichen Auszahlungsbeginn der Riester-Rente frühestens das 62. Lebensjahr vorsehen. Nur dann ist sichergestellt, dass der Riester-Kunde die volle staatliche Förderung erhält und keine Zulagen zurück- zahlen muss. Für Verträge, die noch vor 2012 abgeschlossen wurden, ist weiterhin das 60. Lebensjahr als frühester Auszahlungsbeginn der Rente möglich.
   Der geänderte Auszahlungsbeginn bei der Riester-Rente ab dem 62. Lebensjahr gilt auch für die staatlich geförderte Basisrente. Wer also ab dem Jahr 2012 eine Basisrente abschließen und seine Altersvorsorgebeiträge mit einem Sonderausgabenabzug staatlich fördern lassen möchte, muss ebenfalls auf den neuen frühestmöglichen Auszahlungsbeginn (62. Lebensjahr) achten. Ansonsten ist keine steuerliche Förderung in Form des Sonderausgabenabzugs möglich. Für Verträge, die vor 2012 abgeschlossen wurden, kann die Basisrente schon mit Vollendung des 60. Lebensjahres ausgezahlt werden. Steuervorteile gibt es auch bei der Lebensversicherung. Erträge aus privaten Lebensversicherungen, die ab dem Jahr 2012 abgeschlossen werden, werden nur zur Hälfte zur Besteuerung herangezogen, wenn die Versicherungsleistung nach Vollendung des 62. Lebensjahres und nach Ablauf von 12 Jahren seit Vertragsabschluss ausgezahlt wird. Erfolgte der Vertragsabschluss dagegen noch vor 2012, ist die Vollendung des 60. Lebensjahres maßgebend.  NOZ111022dapd

Ansehnliche Renditen für Riester-Sparer

   Riester-Sparen ist anscheinend besser als an sein Ruf. „Es ist deutlich besser als der Sparstrumpf und eine sehr, sehr gute Anlageform für Kleinsparer", sagte Mark Ortmann vom Institut für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA) in Berlin. Sechs untersuchte Riester-Renten hätten über die vergangenen zehn Jahre eine Rendite zwischen 3,22 und 5,19 Prozent für einen alleinstehenden Kinderlosen erbracht. Ein Riester-Sparer mit einem Kind habe wegen der höheren Zuschüsse sogar zwischen 5,44 und 7,34 Prozent erzielt. Einer der größten Hebel bei der Rendite waren die staatlichen Zuschüsse, die rund zwei Prozentpunkte bei Kinderlosen ausmachten und deutlich mehr bei Versicherten mit einem Kind. Ortmann bedauert allerdings, dass von 43 befragten Anbietern mit der vollen Laufzeit von zehn Jahren nur sechs auf seine Testfragen geantwortet hätten. Er forderte mehr Transparenz von den Ver- sicherern. Alle müssten jedes Jahr die Rendite den Versicherten mitteilen. FAZ120516dapd

Mitnahmeeffekte bei der Riester-Rente - Institut: Angebot zielgenauer gestalten

   Das Angebot der staatlich geförderten Riester-Rente erreicht die sozialpolitisch erwünschten Zielgruppen wie Geringverdiener und Jüngere, löst jedoch auch beträchtliche Mitnahmeeffekte aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA). Unter den Riester-Sparern gebe es eine überdurchschnittlich große Zahl an Gutverdienern und Kinderlosen, die wohl auch ohne Förderung Sparverträge ab geschlossen hätten, sagte DIA-Sprecher Bernd Katzenstein in Berlin. Angesichts der beträchtlichen staatlichen Zuschüsse von mehr als einer Milliarde Euro müsse über Korrekturen nachgedacht werden, meinte Katzenstein.
   Das DIA, eine Einrichtung der Versicherungswirtschaft und der Deutschen Bank, hat zehn Jahre nach Einführung der Riester-Rente untersuchen lassen, wer eigentlich „riestert". Rund 15 Millionen Verträge gibt es mittlerweile. Die größte Gruppe sind laut DIA-Studie junge Familien (30 Prozent); aber auch Alleinerziehende (20 Prozent) nutzen das Angebot mehr als Alleinlebende oder kinderlose Paare. Die Zahl der 18- bis 29-Jährigen unter den Riestersparern ist zwischen 2004 und 2007 von 8 auf 19 Prozent gestiegen und liegt nach der DIA-Auswertung heute bei etwa 26 Prozent. HAZ110913GabiStief

Versicherer verteidigen Riester-Rente Branche weist Kritik des DIW zurück
  
Die deutschen Versicherer sehen die Riester-Rente, mit der sie gute Geschäfte machen, als großen Erfolg. Für die meisten Deutschen rechne sich diese Anlage besser als jede andere Altersvorsorge, wirbt der Gesamtverband GDV. Hinter der wachsenden Kritik an der staatlich massiv geförderten Zusatzvorsorge vermutet die Branche auch politische Motive.
    Schlechte Renditen, hohe Gebühren, intransparente Kalkulationsgrundlagen - zum zehnjährigen Bestehen der Riester-Rente hatte das angesehene Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kürzlich eine abschreckende Bilanz vorgelegt. Die Riester-Produkte hätten sich auch deshalb zuungunsten der Verbraucher entwickelt, weil der Staat die Angebote zu lax kontrolliere, hieß es.
   Die Versicherer, die zwei Drittel der 15 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen haben, sehen das ganz anders. Verbandschef Peter Schwark präsentierte gestern gleich mehrere Modellrechnungen, die zeigen sollen, dass die wachsende Kritik unberechtigt ist. Weder sei es richtig, dass die Kosten der Verträge die staatlichen Zulagen auffräßen. Noch stimme es, dass man steinalt werden müsse, dass sich ein Riester-Vertrag überhaupt lohne.
   Im Gegenteil rechne sich die Riester-Vorsorge schon wegen der hohen Zulagen für viele schon nach wenigen Rentenjahren, argumentiert die Branche. Ein Alleinverdiener mit 30.000 Euro Jahreseinkommen etwa, der jedes Jahr 1.200 Euro in einen Rentenvertrag einzahlt, wovon 154 Euro der Staat übernimmt, bekomme ab 67 Jahren 4284 Euro Zusatzrente im Jahr. Damit habe er seine eingezahlten eigenen Beiträge mit 74 Jahren „wieder raus", ein Jahr später auch die staatlichen Zulagen. Falls er 85 Jahre wird, erziele er eine Rendite von 3,72 Prozent, hieß es.
   Auch die GDV-Experten räumen aber ein, dass sich für Einkommensschwache der Abschluss nicht auszahle, da die Zusatzrente in der Regel nicht reiche, um über die derzeit staatlich garantierte Grundsicherung zu kommen. HAZ111207ThomasWüpper

re-gRiesterrente

Die Deutschen verlieren ihr Zutrauen in private Vorsorge
Allensbach: Gesetzliche Rente und Pension halten 48 Prozent für sicher, die normale Riester-Rente 16 Prozent

   Angesichts der Finanzkrise ist das Ansehen der gesetzlichen Rente gestiegen, während private Lebensversicherungen und die staatlich geförderte private Altersvorsorge (Riester-Rente) bei den Deutschen an Zuspruch verloren haben. Dies zeigt eine Umfrage des Instituts Allensbach im Auftrag der Postbank. Die gesetzliche Rente und die Beamtenpension halten 48 Prozent der Berufstätigen für sicher. Im Vorjahr waren es weniger. Die privat abgeschlossene Riester-Rente stufen 16 Prozent als deutlich weniger sicher als in den drei vorausgehenden Jahren ein. Noch stärker sank das Vertrauen in die über Arbeitgeber abgeschlossene Riester-Rente (auf 4 Prozent). Die privaten Rentenversicherungen sind nach Ansicht von 22 Prozent der Berufstätigen sicher. Auch Renten aus Lebensversicherungen erfuhren einen kräftigen Vertrauensschwund.
   Deutlich besser wird die Sicherheit durch das eigene Haus und die vermietete Immobilie eingeschätzt. Das hat Konsequenzen. Fast jeder dritte Berufstätige, der seine Altersvorsorge noch erweitern will, plant nach der Studie den Bau oder den Kauf eines Eigenheims. Das ist gut ein Viertel mehr als in der ersten derartigen Befragung im Jahr 2003. Nach stärker wächst die Liebe zur vermieteten Immobilie. 14 Prozent wollen aus Gründen der Altersvorsorge in diese investieren. Damit hat sich das Interesse an dieser Form der Altersversorgung gegenüber dem Jahr 2011 verdoppelt.
   Die Umfrage zeigt eine erhebliche Ambivalenz der Deutschen zu ihrer Altersvorsorge. Angst vor einer zu niedrigen Rente hat mehr als die Hälfte der Befragten. Trotzdem wollen nur 42 Prozent ihre Altersvorsorge ausbauen. Das ist der niedrigste Wert, den es dazu in der seit dem Jahr 2003 vorgenommenen Erhebung gegeben hat. Die Bürger halten es eigentlich für geboten, dafür monatlich 269 Euro zurückzulegen. Tatsächlich wenden sie nur 185 Euro auf. Seit dem Jahr 2009 ist dieser Wert gesunken. Damals erreichte er den Höchstwert von 209 Euro.
   Die wenigsten sind offenbar bereit, sich heute einzuschränken, um im Alter mehr zu haben. Nur noch 14 Prozent der Berufstätigen, die sich nicht ausreichend abgesichert fühlen, gaben an, sich für eine sichere Altersvorsorge in ihren heutigen Ausgaben einzuschränken. Vor zwei Jahren waren dies mit 22 Prozent noch deutlich mehr. Gut die Hälfte der Berufstätigen sorgt sich wegen der Staatschuldenkrise im Euroraum um ihre Altersvorsorge, weil man befürchtet, dass entweder wegen der Hilfe an andere Euro-Länder weniger Geld für die staatliche Rente zur Verfügung stehen oder es eine Inflation geben wird.
   „Die Bereitschaft in dieser Situation neue und langfristige Vorsorgeverträge abzuschließen, ist entsprechend gering", sagte Postbank-Vorstand Michael Meyer. Gleichzeitig gab es in zehn Jahren noch nie so viele Befragte, die meinten, genug für ihr Alter vorzusorgen. Die gute Beschäftigungslage wiege offenbar viele in Sicherheit, sagte Meyer. Er nannte es alarmierend, dass die Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge sinke: „Wir müssen davon ausgehen,  dass es sich hier nicht um eine kurzfristige Erscheinung handelt,  sondern um einen längerfristigen Trend."
   Wie die Befragung von 1642 in Deutschland lebenden Bürgern über 16 Jahren weiter ergab, spielen für mehr als jeden vierten Berufstätigen erhaltene oder anstehende Erbschaften „eine wichtige Rolle bei der Planung der eigenen privaten Altersvorsorge". Im Jahr 2003 gab dies nicht einmal jeder Fünfte zu Protokoll. Während Erbschaften in der Planung für das Alter eine wichtigere Rolle spielen, verläuft die Entwicklung bei der im Jahr 2002 eingeführten privaten Riester-Rente genau umgekehrt. Inzwischen sehen hierin nur noch 24 Prozent der Deutschen eine „ideale Form der Alterssicherung". Vor fünf Jahren waren es noch etwa 31 Prozent - also gut ein Viertel mehr. Fast 48 Prozent der Befragten sind gegen eine Pflicht zu einer privaten Riester-Rente, nur halb so viele halten dies für eine gute Idee. Gleichzeitig sind sie mehrheitlich für eine verpflichtende betriebliche Altersversorgung. NOZ121005mas

Die Reichen kassieren Riester-Förderung  -  Studie: Vielverdiener streichen großen Teil des Geldes ein

   Die Riester-Rente soll vor Altersarmut schützen und die Menschen motivieren, besser für das Alter vorzusorgen - doch ein großer Anteil der staatlichen Fördergelder landet bei Personen mit deutlich überdurchschnittlichem Einkommen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung(DIW) und der Freien Universität Berlin (FU), die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorab vorliegt. „38 Prozent der Gesamtförderung entfallen auf die oberen zwei Zehntel der verfügbaren Einkommen in der Gesamtbevölkerung", errechneten Carsten Schröder (DIW), Johannes König und Giacomo Corneo (beide FU) aus Statistiken der Bundesbank. Von den 2,79 Milliarden Euro Fördergeld, die der Staat im Jahr 2010 - auf das sich die Studie bezieht - ausgeschüttet hat, entfielen damit mehr als eine Milliarde Euro auf Menschen, die mehr als 60.000 Euro Nettoeinkommen im Jahr verdienten. Auf die unteren beiden Zehntel der Einkommensbezieher entfielen demnach nur 7 Prozent der Gesamtfördersumme.
   Das Ergebnis ist insofern erstaunlich, als die staatliche Riester-Zulage (154 Euro für eine Einzelperson im Jahr) gerade auch Klein- und Mittelverdienern zugutekommen sollte. „Man braucht aber offenbar ein gewisses Einkommen, um sich die Teilnahme an der Riester-Rente überhaupt leisten zu können", sagt FU-Ökonom König. Sparer, welche die volle staatliche Zulage kassieren wollen, müssen mindestens 4 Prozent ihres Vorjahresbruttoeinkommens ansparen - für viele Niedrigverdiener sei das schwer zu stemmen. Ein zweiter Grund, der nach Ansicht der Forscher dazu führt, dass Geringverdiener tendenziell die Finger von Riester-Verträgen lassen: „Riester-Renten werden im Alter auf die Grundsicherung angerechnet und nachgelagert voll besteuert", sagt König. Wer frühzeitig wisse, dass er auf Grundsicherung angewiesen sein wird, habe wenig Anreize, einen entsprechenden Vertrag abzuschließen.
   Auf die Ungleichheit der Einkommensverteilung hat die Riester-Förderung nach Berechnungen der Forscher indes keine nennenswerte Auswirkung. Geringverdiener schließen zwar seltener einen Vertrag ab, was zu mehr Ungleichheit führen könnte. Da die fixen Fördersummen für sie aber im Vergleich zum Einkommen stärker ins Gewicht fallen als bei Vielverdienern, relativiere sich der Effekt.
   Die Studie ist ein weiteres negatives Zeugnis für die Riester-Rente. Denn andere Studien belegten, so die Autoren, dass die Menschen trotz der staatlichen Förderung nicht, wie erhofft, mehr sparen. „Es hat sich empirisch mehrfach gezeigt, dass die Sparneigung gleich bleibt - nur, dass ein Teil der Summe nun vom Staat aufgebracht wird."
FAZ150707jpen

                       kbwn:Riester 

[kbwn] [Blindenwerk] [Reisen Fahrten] [Hörbücher] [Heilung] [HiTech] [Kirche] [Vatikan] [Glaube & Leben] [weltweite Kirche] [Himmel & Erde] [Dialog der Religionen] [Recht] [Alterssicherung] [Rente & Steuer] [Rente] [Basis-Rente] [Riester] [Privatrente] [Betriebsrente] [Hartz IV] [Pflege]