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Santiago de Compostela

Sie lesen auf dieser Seite Berichte über den Wallfahrtsort Santiago de Compostela
und unten auf dieser Seite die Weihe der Basilika “Sagrada Familia” in Barcelona

 Santiago      Com-Jakobus-d.Jüng-z      Apostel Jakobus der Jüngere

Vom „Campo Stella“ zur Kathedrale

   Campo Stellae, Sternenfeld – so der malerische lateinische Name des Ortes, an dem der Apostel Jakobus be- graben liegt. Ein Hirte fand die Grabstätte Anfang des 9. Jahrhunderts, eine Sternschnuppenerscheinung wies ihm den Weg. Nachdem Jakobus sieben Jahre lang versucht hatte, die Galicier zum Christentum zu bekehren, fand er im Jahr 44 auf Befehl Agrippas in Palästina den Tod, der Leichnam wurde danach zurück nach Galicien überführt. Wo früher freies Feld war, erhebt sich heute die mächtige Kathedrale von Santiago de Compostela. Auch heute leuchten über dem imposanten Bauwerk die Sterne, nur der einsame Hirte hat mehr Gesellschaft: Im Heiligen Jahr 2010  erlebte  Santiago, das seit 1985 zum Weltkulturerbe zählt, mit über 257.000 Pilgern einen echten Besu- cherrekord.
   Die Kathedrale von Compostela, päpstlich als Grabeskirche des Apostels Jakobus anerkannt und seit dem Mittel- alter Zielpunkt von Pilgern aus aller Welt, erreicht man vom Obradoiro-Platz aus über eine doppelte Treppe. Herz- stück der Kirche ist der prächtige Hauptaltar über dem Grab des Apostels Jakobus. Den Altar schmückt ein vergol- deter Baldachin, darunter liegt die Gruft des Jakobus mit einem silbernen Schrein, der die Reliquien enthält. Unter anderem wird hier ein auf das Jahr 874 datiertes goldenes Kruzifix aufbewahrt, das einen Splitter des Kreuzes Christi beinhalten soll.
   Ein weiteres Zentrum der Kirche ist natürlich das Standbild des Apostels im Mittelgiebel der Kathedrale, als Pilger dargestellt und begleitet von seinen Schülern Atanasius und Theodor. Um Sündenablass zu erhalten, umarmen die Pilger die Statue von hinten, sie erreichen sie über eine kleine Treppe, die zu einem Raum hinter der Figur führt. Viel Zeit bleibt beim großen Pilgerandrang im Heiligen Jahr 2010 für die Umarmung des Apostels leider nicht - aber zum Glück ist ja in diesem Jahr noch die „Pforte der Vergebung“ geöffnet, die die Pilger durchschreiten und die der spirituellen Erneuerung zusätzlich symbolisches Gewicht verleiht. Das Heilige Jahr wird übrigens immer dann begangen, wenn der Festtag des Heiligen Jakobus, der 25. Juli, auf einen Sonntag fällt. Das ist erst im Jahtr 2021 wieder der Fall.
   Zur feierlichen Stimmung in der Kathedrale trägt neben der Messe unter anderem das 50 Kilogramm schwere Weihrauchfass – „Botafumeiro“ – bei, das bei besonderen Anlässen am langen Seil durch das Querschiff ge- schwungen wird. Sechs Männern und 30 Meter Seil sind notwendig, um den Weihrauch – wenn auch nicht bis zu den Sternen, so doch bis unter die Decke – zu schwingen. Auch bei Benedikts Besuch fehlt dieser Programmpunkt nicht. Überhaupt hat Santiago de Compostela wohl schon lange nicht mehr einen solchen Höhepunkt erlebt.
   Der erste Papst, der Santiago de Compostela anlässlich eines Heiligen Jahres besuchte, war Papst Johannes Paul II. In seiner Predigt betonte Benedikts Vorgänger die Vorbildwirkung eines apostolischen Lebens in Nachfolge und Demut. Das christliche Europa müsse sich auf seine Wurzeln besinnen, die Völker der dritten Welt um Verge- bung bitten und ein Leuchtturm in der Welt sein, so der damalige Papst.  RV101106pr

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Leitmotive der Spanienreise: Pilgerschaft und Schönheit

   Pilgerschaft und Schönheit: Im Zeichen dieser beiden Themen sieht Papst Benedikt XVI. selbst seine Visite in Spanien. Wie Benedikt bei der Pressekonferenz im Flugzeug sagte, die bei Papstreisen mittlerweile Gewohnheit geworden ist, hätten beide Themen zusammen eine Botschaft: „Unterwegs sein, den Weg des Glaubens nicht verlieren, die Schönheit des Glaubens finden, die Neuheit und die Tradition des Glaubens, der sich in der moder- nen Schönheit, in der Welt von heute auszudrücken und zu treffen weiß“.
   Das Unterwegssein sei ihm quasi schon in die Biografie geschrieben, antwortete der Papst auf eine der Journa- listenfragen. Abgesehen von diesem äußeren Element sei der Glaube seinem Wesen nach immer zugleich Pilger- schaft.
   „Es ist nicht nur ein Hinausgehen aus sich selbst auf etwas Größeres hin, sondern immer auch ein zusammen Unterwegssein. Pilgern verbindet. Wir gehen gemeinsam auf das Andere zu und finden uns so gegenseitig. Man braucht nur daran zu erinnern, dass der Jakobsweg zur Herausbildung der spirituellen Einheit Europas beige- tragen hat. Auch heute wird diese Bewegung wiedergeboren, dieser Traum, spirituell und körperlich in Bewegung zu sein, einander zu finden und so Stille, Freiheit, Erneuerung und schließlich Gott zu finden.“
     Benedikt lobte Spanien als Land großer Heiliger, die die Kirche erneuerten, wie Ignatius von Loyola, Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz. Heutzutage allerdings sei in Spanien ein aggressiver Laizismus und Antiklerika- lismus entstanden, der an die Dreißiger Jahre erinnere. Der Papst spielte damit auf die Zeit des Spanischen Bürgerkrieges (1936-1939) an, als eine Reihe von Priestern, Ordensleuten und Laien zu Märtyrern wurden. Der vor kurzem gegründete Rat für die Neuevangelisierung habe in Spanien also eine wichtige Aufgabe, so wie in allen großen Ländern des Westens, erklärte Papst Benedikt. RV101106gs

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Pilger im Gespräch: „Reise bringt mich ins Reine“

   Sie sind die Protagonisten: Die Pilger in Santiago de Compostela sind aus der ganzen Welt in der galicischen Stadt anwesend. Unter ihnen ist auch der Papst. Unser Korrespondent, Mario Galgano, hat auch Benedikts Lands- leute sowie viele deutschsprachige Pilger auf dem Weg Richtung Jakobus-Kathedrale angetroffen.
   Der allerletzte Abschnitt des Jakobwegs führt vom Monte del Gozo – einem kleinen Hügel – direkt zur Kathedrale hin. Immer wieder trifft man Pilger auf der Strasse. Zur Grundausstattung gehört ein Rucksack mit baumelnder Jakobsmuschel und wenn möglich ein Stock mit einem Kürbis dran. Eine dieser Protagonistinnen ist aus Salzburg.
   „Ich habe nicht den ganzen Weg gemacht. Ich habe in Lourdes begonnen und habe zwischendurch haupt- sächlich Klöster angeschaut. Den letzten Teil habe ich dann schon noch gemacht.“
   In diesem Heiligen Jahr 2010 sind fast 300.000 Pilger auf dem klassischen „Camino frances“ unterwegs. Wer diesen Weg macht, sucht eine spirituelle Antwort. Das gilt auch für die Pilgerin aus Salzburg. „Auch bei mir war es das Spirituelle. Ich wollte einen Wechsel in meinem Leben einleiten, alles ein bisschen durchreinigen und sehen, wie ich wieder klar komme.“
   Dass sie gerade jetzt nach Santiago gegangen ist, ist kein Zufall, fügt die Salzburgerin an. „Ich will mit meiner Präsenz den Papst unterstützen. Ich finde, er wird derzeit zu viel attackiert. Das finde ich nicht gut. Vielleicht können wir mit unserer Geste doch etwas Positives bewirken. Benedikt XVI. ist auch ein Mensch, wie wir alle. Und er bittet wie wir um Vergebung.“
   Sie bleibt noch zwei Tage und dann kehrt sie zurück. Derweil begrüßt uns in der Stadt eine Gruppe galicischer Musikanten. Ein Pilger aus Bochum erzählt von seiner Reise hier nach Santiago. „Wir sind bis Leon geflogen und dann von dort mit dem Fahrrad hierher gefahren. Das war anstrengend. Das war für mich und meinem Sohn ein Ereignis. Wir haben viele Leute getroffen und es war auch interessant, so viele Herbergen zu sehen.“ Vater und Sohn auf dem Jakobsweg, das kommt wohl nicht alle Tage vor. „In der Tat, das war ein Geschenk meines Sohnes. Ich hätte die Reise wahrscheinlich nicht unternommen. Wir gehen jetzt noch bis Finisterre, ans sogenannte „Ende der Welt“. Santiago ist eigentlich ein Zwischenstopp. Als ich dann erfahren hatte, dass der Papst da ist, wollte ich ihn unbedingt auch sehen.“
    Der Pilger aus Bochum hat verschiedene Beweggründe. Die Reise biete nämlich mehr als „nur“ eine spirituelle Fahrt zu einer Kathedrale. „Ich denke, dass durch die vielen Erzählungen und das Buch von Hape Kerkeling hatte ich mir auch vorgenommen, diese Reise als sportliche Herausforderung zu machen. Wir hatten dann eine Woche Vorbereitungszeit und haben dann 400 Kilometer geplant. Aber die spirituelle Dimension spielt schon eine wichtige Rolle.“RV101106mg

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 Papst Benedikt in Santiago: „Kirche ist Umarmung Gottes“

   Unter begeisterter Anteilnahme Tausender Gläubiger und imposanten Orgelklängen hat Papst Benedikt um die Mittagszeit die Kathedrale von Santiago besucht. Er trat über die Heilige Pforte, die aus Anlass des Pilgerjahres geöffnet ist, erhielt bei seinen Rundgang in der prachtvollen Kirche kurzzeitig eine braune Pilgerpelerine mit Jakobsmuschel um die Schultern gelegt, stieg über enge, von Abermillionen Pilgerfüßen abgeschliffene Treppen in die Krypta und betete am Grab des Apostels Jakobus. Wie Jakobspilger es machen, umarmte er danach die Statue des Apostels. In Anspielung darauf bezeichnete er in seiner Ansprache die Kirche als „Umarmung Gottes“.
   „Ich komme, um euren Glauben zu stärken, eure Hoffnung zu beleben und eure Sorgen, Mühen und Anstren- gungen für das Evangelium der Fürbitte des Apostels anzuvertrauen. Als ich sein heiliges Bild umarmte, habe ich im Gebet auch alle Söhne und Töchter der Kirche mitgenommen. Die Kirche hat ja ihren Ursprung im Geheimnis der Gemeinschaft, die Gott ist. Wir werden in gewisser Weise von Gott umarmt und umgewandelt von seiner Liebe. Die Kirche ist diese Umarmung Gottes, in der die Gläubigen auch lernen, die eigenen Brüder zu umarmen, indem sie in ihnen Abbild und Ähnlichkeit Gottes entdecken, die die tiefste Wahrheit ihres Seins begründen und Ursprung der wahren Freiheit sind.“
   Zwischen Wahrheit und Freiheit gebe es einen engen und notwendigen Zusammenhang, so der Papst. Die Kirche stehe im Dienst beider und könne auf beide nicht verzichten, „weil hier das Sein des Menschen auf dem Spiel steht“. Ohne Streben nach Wahrheit, nach Gerechtigkeit und nach Freiheit würde der Mensch sich selbst ver- lieren.
  „Erlaubt mir, hier in Compostela alle Gläubigen der Kirche in Spanien aufzufordern, im Licht der Wahrheit Christi zu leben, den Glauben mit Freude, Konsequenz und Schlichtheit zu Hause, bei der Arbeit und bei den staatsbür- gerlichen Aufgaben zu bekennen.“
    Der Erzbischof von Santiago, Julian Barrios, dankte dem Papst für die „spirituelle Feinheit, intellektuelle Tiefe und evangelische Entschlossenheit, mit der er das Schiff Petri“ lenke. Danach kam eines der Wahrzeichen der Pil- gerkathedrale zum Einsatz: Acht Männer setzten das mächtige Weihrauchfass in Bewegung, das an einer Kette von der Decke der Basilika hängt und, vor den Augen des Papstes durch das Querschiff schwingend, seinen Duft verströmte. Immer wieder flammten Viva il papa-Rufe auf, als ein gelöst wirkenden Papst den Apostolischen Segen erteilte. Die Spanier und die Pilger bereiteten Benedikt, wie so oft auf spanischer Erde, einen herzlichen Empfang. RV101106gs

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 Die Ansprache des Papstes in der Kathedrale von Santiago de Compostela

Hochwürdigste Herren Kardinäle,liebe Mitbrüder im Bischofsamt,
geschätzte Vertreter des öffentlichen Lebens,
liebe Priester, Seminaristen, Ordensmänner und Ordensfrauen,
liebe Brüder und Schwestern, liebe Freunde!
   Ich danke dem Herrn Erzbischof Julián Barrio Barrio von Santiago de Compostela für die freundlichen Worte, die er soeben an mich gerichtet hat, die ich gerne erwidere. So grüße ich euch alle herzlich in Christus und danke euch für euer Kommen an diesen so bedeutsamen Ort.
   Pilgern heißt nicht einfach irgendeinen Ort aufsuchen, um seine Naturschönheiten, Kunstschätze oder seine Ge- schichte zu bewundern. Pilgern bedeutet vielmehr, aus uns herauszutreten, um Gott dort zu begegnen, wo er sich offenbart hat, wo sich die göttliche Gnade mit besonderem Glanz gezeigt hat und unter den Gläubigen überaus große Früchte der Bekehrung und Heiligkeit hervorgebracht hat. Christen pilgerten zunächst zu den Orten, die mit dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung des Herrn verbunden sind, in das Heilige Land. Dann nach Rom, der Stadt des Martyriums der Apostel Petrus und Paulus, und ebenso nach Compostela, das als ein mit dem Andenken des heiligen Jakobus verbundener Ort viele Pilger aus aller Welt aufgenommen hat, die Sehnsucht danach hatten, ihren Geist mit dem Zeu- nis des Glaubens und der Liebe des Apostels zu stärken.
   In diesem Heiligen Jahr von Compostela wollte auch ich als Nachfolger des heiligen Petrus zum Haus des „Señor Santiago“, des heiligen Jakobus, pilgern, das sich anschickt, sein 800jähriges Weihejubiläum zu feiern. Ich komme, um euren Glauben zu stärken, eure Hoffnung zu beleben und eure Sorgen, Mühen und Anstrengungen für das Evangelium der Fürbitte des Apostels anzuvertrauen. Als ich sein heiliges Bild umarmte, habe ich im Gebet auch alle Söhne und Töchter der Kirche mitgenommen. Die Kirche hat ja ihren Ursprung im Geheimnis der Gemeinschaft, die Gott ist. Durch den Glauben sind wir hineingeführt in das Geheimnis der Liebe, das die Heiligste Dreifaltigkeit ist. Wir werden in gewisser Weise von Gott umarmt und umgewandelt von seiner Liebe. Die Kirche ist diese Umar- mung Gottes, in der die Gläubigen auch lernen, die eigenen Brüder zu umarmen, indem sie in ihnen Abbild und Ähnlichkeit Gottes entdecken, die die tiefste Wahrheit ihres Seins begründen und Ursprung der wahren Freiheit sind.
   Zwischen Wahrheit und Freiheit gibt es einen engen und notwendigen Zusammenhang. Das aufrichtige Suchen und Streben nach der Wahrheit ist die Bedingung für eine authentische Freiheit. Man kann nicht das eine ohne das andere leben. Die Kirche, die bemüht ist, der menschlichen Person und ihrer Würde mit allen ihren Kräften zu dienen, steht im Dienst beider, der Wahrheit und der Freiheit. Die Kirche kann auf beide nicht verzichten, weil hier das Sein des Menschen auf dem Spiel steht und weil die Liebe zum Menschen, „der auf Erden das einzige Ge- schöpf ist, das Gott um seiner selbst willen gewollt hat“ Gaudium et spes, 24, sie bewegt. Ohne solches Streben nach Wahrheit, nach Gerechtigkeit und nach Freiheit würde der Mensch sich selbst verlieren.
   Erlaubt mir, hier in Compostela, dem geistlichen Herzen Galiciens und zugleich Lehrstätte einer Universalität ohne Grenzen, alle Gläubigen dieser geschätzten Erzdiözese und alle Gläubigen der Kirche in Spanien aufzufor- dern, im Licht der Wahrheit Christi zu leben, den Glauben mit Freude, Konsequenz und Schlichtheit zu Hause, bei der Arbeit und bei den staatsbürgerlichen Aufgaben zu bekennen.
  Die Freude, sich als geliebte Kinder Gottes zu erkennen, führe euch auch zu einer immer tieferen Liebe zur Kirche, indem ihr sie in ihrer Aufgabe unterstützt, Christus zu allen Menschen zu bringen. Betet zum Herrn der Ernte, dass sich viele junge Menschen dieser Sendung im Amt des Priesters und im gottgeweihten Leben übereignen: Heute, wie immer, lohnt es sich, das ganze Leben der Aufgabe zu widmen, die Neuheit des Evangeliums zu verkünden.
   Ich will nicht schließen, ohne vorher allen spanischen Katholiken meine Segenswünsche und meinen Dank für die Großzügigkeit bekundet zu haben, mit der sie zahlreiche Einrichtungen der Caritas und der humanitären Hilfe un- terstützen. Werdet nicht müde, diese Werke aufrecht zu erhalten, die der ganzen Gesellschaft zugute kommen und deren Wirksamkeit sich besonders in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sowie bei den großen Natur- katastrophen, von denen verschiedene Länder heimgesucht wurden, gezeigt hat. Mit diesen Gedanken bitte ich den Allerhöchsten, daß er allen den Mut gebe, den der heilige Jakobus hatte, um den auferstandenen Christus zu bezeugen. Bleibt ebenso treu auf den Wegen der Heiligkeit. Gebt euch für die Ehre Gottes und das Wohl der am meisten verlassenen Brüder hin. Vielen Dank. RV101106

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Benedikt XVI.: „Europa, öffne dich für Gott!“

Erste Etappe von Benedikts Apostolischer Visite war Santiago de Compostela. Dort feierte der Papst anläss- lich des Heiligen Compostelanischen Jahres eine Messe mit Gläubigen auf der Plaza del Obradoiro.
   „Europa muss sich Gott öffnen, muss ohne Angst heraustreten hin zur Begegnung mit Ihm, muss mit seiner Gnade für die Würde des Menschen arbeiten...“
 In Santiago de Compostela, an einem der historischen Kreuzungspunkte Europas, erinnerte Papst Benedikt XVI. – wie schon zuvor sein Vorgänger Papst Johannes Paul II. – an die christlichen Wurzeln Europas. Zur Papstmesse drängten sich Gläubige aus aller Welt auf der übervollen Plaza. Einheit und Glauben seien wichtige Stützen für die Zukunft des Kontinents, sagte ihnen der Papst:
  „Das Europa der Wissenschaft und Technologien, das Europa der Zivilisation und Kultur muss zugleich ein Europa sein, das offen ist für die Transzendenz wie auch für die Brüderlichkeit mit den anderen Kontinenten, offen für den lebendigen und wahren Gott vom lebendigen und wahren Menschen her. Das ist es, was die Kirche Europa bringen will: auf Gott und auf den Menschen zu achten aus dem Wissen heraus, dass uns beides in Jesus Christus dargeboten wird.“
   Dass sich im 19. Jahrhunderts in Europa die Überzeugung durchgesetzt habe, Gott sei ein „Gegenspieler des Menschen und Feind seiner Freiheit“, sei eine „Tragödie“, so Benedikt. Bereits auf dem Flug nach Santiago hatte er vor Journalisten einen „aggressiver Laizismus und Antiklerikalismus“ beklagt; der neu gegründete Rat für Neu- evangelisierung sei für Spanien deshalb besonders wichtig. Gott sei doch „Ursprung unseres Seins, Fundament und Gipfel unserer Freiheit“, erinnerte der Papst eindringlich. Und er fragte weiter:
   „Wie kann der sterbliche Mensch sich auf sich selbst gründen, und wie kann der sündige Mensch sich mit sich selbst versöhnen? Wie ist es möglich, dass über diese erste und wesentliche Wahrheit des menschlichen Lebens in der Öffentlichkeit geschwiegen wird? Wie kann das, was im Leben am meisten maßgebend ist, in die bloße Privatsphäre verwiesen oder in den Halbschatten verbannt werden?“
   Die Gefährdung des Christentums – sie zeigt sich aktuell auch an Diskussionen um sein Symbol, das Kruzifix, in verschiedenen europäischen Staaten wie zuletzt der Schweiz. So ist es wohl kein Zufall, dass Benedikt XVI. ge- rade in Santiago de Compostela, am Kreuzungspunkt verschiedener Länder und Pilgerwege, an die Bedeutung des Kreuzes erinnerte:
   „Dieses Kreuz, Zeichen der höchsten Liebe, die bis zum Äußersten ging, und deshalb Gabe und Vergebung zugleich, muss unser Leitstern in der Nacht der Zeit sein. Kreuz und Liebe, Kreuz und Licht sind Synonyme unserer Geschichte, weil sich Christus in dieser Geschichte annageln ließ, um uns das höchste Zeugnis seiner Liebe zu ge- ben, um uns zu Vergebung und Versöhnung einzuladen, um uns zu lehren, das Böse durch das Gute zu besiegen. Hört nicht auf, die Lehre dieses Christus der Kreuzungen auf den Lebenswegen zu lernen. In ihm kommt uns Gott entgegen als Freund, Vater und Führer. O gesegnetes Kreuz, leuchte immerzu in den Ländern Europas!“
   Weiter wendete sich der Papst an die Politiker sowie auch insbesondere junge Gläubige: Der Dienst am anderen sei „nicht bloße Option, sondern wesentlicher Teil des Seins“, er bemesse sich nicht an weltlichen Kriterien des „Unmittelbaren, Materiellen und Scheins“, sondern zeige sich an „einfachen Gesten“, so der Papst. Daran erinnere das Heilige Jahr von Compostela und überhaupt die Erfahrung eines jeden echten Pilgers:
   „...  denn wo es keinen Einsatz für die anderen gibt, entstehen Formen von Anmaßung und Ausnutzung, die einer echten ganzheitlichen Entwicklung des Menschen keinen Raum lassen.“
   Benedikt XVI. – auch er ist an diesem Wochenende Pilger, auch wenn er die begehrte Urkunde nicht erhält, denn er ist ja mit Flugzeug und Papamobil angereist. Es war ein nachdenklicher, demütiger Papst, der sich an diesem Samstagnachmittag den Gläubigen zeigte:
   „In diesem Heiligen Jahr komme ich als Pilger unter Pilgern, gemeinsam mit vielen, die hierher kommen und nach dem Glauben an den auferstandenen Christus dürsten, nach dem Glauben, der von den Aposteln wie dem heiligen Jakobus dem Älteren (…) treu verkündet und weitergegeben wurde.“ RV101106pr

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Predigt Benedikt XVI. bei der Messe in Santiago de Compostela: Pilgern öffnet für die Suche

Liebe Brüder und Schwestern in Jesus Christus!
   Ich danke Gott für das Geschenk, hier sein zu dürfen, auf diesem herrlichen Platz voller Kunst, Kultur und geist- licher Bedeutung. In diesem Heiligen Jahr komme ich als Pilger unter Pilgern, gemeinsam mit vielen, die hierher kommen und nach dem Glauben an den auferstandenen Christus dürsten, nach dem Glauben, der von den Apos- teln wie dem heiligen Jakobus dem Älteren, der seit unvordenklichen Zeiten in Compostela verehrt wird, treu verkündet und weitergegeben wurde.
   Ich danke Erzbischof Julián Barrio Barrio, dem Hirten dieser Teilkirche, für seine freundlichen Worte des Willkom- mens und Ihren Königlichen Hoheiten, dem Prinzenpaar von Asturien, den Kardinälen wie auch den zahlreichen Mitbrüdern im Bischofs- und Priesteramt für ihre werte Anwesenheit. Einen aufrichtigen Gruß richte ich auch an die Abgeordneten des Europaparlaments, die Mitglieder der Vereinigung „Camino de Santiago“ sind, sowie an die Vertreter des öffentlichen Lebens auf nationaler, regionaler und örtlicher Ebene, die heute an dieser Feier zuge- gen sein wollten. All das ist Zeichen der Verehrung gegenüber dem Nachfolger Petri und auch der tiefen Empfin- dung, die der heilige Jakobus von Compostela in Galicien und in anderen Orten Spaniens, das diesen Apostel als seinen Patron und Beschützer bekennt, wachruft. Herzlich grüße ich ebenso die Personen des geweihten Lebens, die Seminaristen und Gläubigen, die an dieser Eucharistiefeier teilnehmen, und mit besonderer Gemütsbewegung die Pilger, die den echten „jakobischen“ Geist bilden, ohne den man wenig oder nichts von dem, was hier statt- findet, verstehen würde.
   Ein Satz aus der ersten Lesung sagt mit bewundernswerter Einfachheit: „Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn“ Apg 4,33. In der Tat findet steht am Ausgangspunkt von all dem, was das Christentum war und weiter ist, nicht eine menschliche Initiative oder ein menschlicher Plan, sondern Gott, der Jesus gerecht und heilig erklärt gegenüber dem Urteil jenes menschlichen Gerichts, das ihn als Gotteslästerer und Umstürzler verurteilte; Gott, der Jesus Christus dem Tod entrissen hat; Gott, der allen Gerech- tigkeit verschafft, die ungerechterweise die Gedemütigten der Geschichte sind.
   „Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen“ Apg 5, 32, sagen die Apostel. So gaben sie nämlich Zeugnis vom Leben, vom Tod und von der Auferstehung Jesu Christi, den sie von der Zeit her kannten, als er predigte und Wunder wirkte. An uns liegt es heute, liebe Brüder, dem Beispiel der Apostel zu folgen, den Herrn jeden Tag mehr kennenzulernen und ein klares und gültiges Zeugnis seines Evangeliums zu geben. Es gibt keinen größeren Schatz, den wir unseren Zeitgenossen anbieten können. So ahmen wir auch den heiligen Paulus nach, der inmitten vieler Plagen froh ausrief: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen;so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt“2 Kor 4,7.
   Zusammen mit diesen Worten des Völkerapostels sind da die Worte des Evangeliums selbst, das wir soeben vernommen haben, die dazu einladen, nach der Demut Christi zu leben, der in allem dem Willen des Vater ge- horchte und gekommen ist, „um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ Mt 20,28. Dem Bruder zu dienen ist für die Jünger, die Christus nachfolgen wollen, nicht eine bloße Option, sondern wesentlicher Teil des eigenen Seins. Es ist ein Dienst, der nicht anhand der weltlichen Kriterien des Unmittelbaren, des Materiel- len und des Scheins gemessen wird. Vielmehr macht er die Liebe Gottes zu allen Menschen und in allen Aspekten gegenwärtig und gibt selbst in den einfachsten Gesten Zeugnis von Ihm. Wenn Jesus diese neue Weise der Be- ziehung in Gemeinschaft auf der Grundlage der Logik der Liebe und des Dienens vorschlägt, wendet er sich auch an die „Herrscher der Völker“, denn wo es keinen Einsatz für die anderen gibt, entstehen Formen von Anmaßung und Ausnutzung, die einer echten ganzheitlichen Entwicklung des Menschen keinen Raum lassen. Und ich möchte, dass diese Botschaft vor allem die jungen Menschen erreicht: Gerade euch zeigt dieser wesentliche Inhalt des Evangeliums den Weg, damit ihr im Verzicht auf eine egoistische Denkweise von kurzer Reichweite, die euch oft vorgeschlagen wird, und in der Annahme der Denkweise Jesu euch voll verwirklichen und Samen der Hoffnung sein könnt.
   Daran erinnert uns auch die Feier dieses Heiligen Jahres von Compostela. Das ist es, was viele Pilger, die nach Santiago de Compostela gehen, um den Apostel zu umarmen, im Innersten ihres Herzens erleben – deutlich bewusst oder in einem Spüren, ohne es in Worte fassen zu können. Die Beschwerlichkeit des Gehens, der Ab- wechslungsreichtum der Landschaft, die Begegnung mit Personen anderer Nationalität machen sie offen für das, was uns zutiefst und gemeinsam mit den Menschen verbindet: Wir sind Wesen, die auf der Suche sind, Wesen, die der Wahrheit und Schönheit bedürfen, der Erfahrung von Gnade, Liebe und Frieden, Vergebung und Erlösung. Und ganz tief verborgen in all diesen Menschen hallen Gottes Gegenwart und das Wirken des Heiligen Geistes wider. Ja, jeder Mensch, der in seinem Inneren still wird und sich von seinen Leidenschaften, Wünschen und unmittel- baren Tätigkeiten löst, der Mensch, der betet, den erleuchtet Gott, damit er ihm begegne und Christus erkenne. Wer nach Santiago pilgert, tut das im Grunde, um vor allem Gott zu begegnen, der im Abbild der Majestät Christi ihn bei seiner Ankunft am Portikus der Glorie empfängt und segnet.
   Von hier aus möchte ich als Botschafter des Evangeliums, das Petrus und Jakobus mit ihrem Blut bekräftigten, einen Blick auf Europa werfen, das nach Compostela pilgerte. Welche sind die großen Bedürfnisse, Ängste und Hoffnungen Europas? Was ist der besondere und grundlegende Beitrag der Kirche für dieses Europa, das in den letzten fünfzig Jahren einen Weg hin zu neuen Gestaltungsformen und Entwürfen zurückgelegt hat? Ihr Beitrag geht um eine Wirklichkeit so einfach und entscheidend wie diese: Gott existiert, und er hat uns das Leben ge- geben. Er allein ist absolut, er ist treue und unvergängliche Liebe, unendliches Ziel, das hinter allem Guten, hinter aller wunderbaren Wahrheit und Schönheit dieser Welt durchscheint – alles wunderbar, aber für das Herz des Menschen nicht genug. Dies hat die heilige Teresa von Jesus gut erfasst, als sie schrieb: „Gott allein genügt.“
   Es ist eine Tragödie, dass sich in Europa, besonders im 19. Jahrhundert, die Überzeugung durchsetzte und ver- breitete, dass Gott der Gegenspieler des Menschen und der Feind seiner Freiheit sei. Damit wollte man den wah- ren biblischen Glauben an Gott verdunkeln, der seinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt hat, damit keiner zugrunde gehe, sondern alle das ewige Leben haben vgl. Joh 3,16.
   Gegenüber einem Heidentum, dem zufolge Gott den Menschen beneidet und verachtet, bekräftigt der Verfasser des Buches der Weisheit entschieden: Weshalb hätte Gott alles erschaffen, wenn er es nicht geliebt hätte, Er, der in seiner unbegrenzten Fülle keiner Sache bedarf? vgl. Weish 11,24-26. Weshalb hätte er sich den Menschen offenbart, wenn er sie nicht hätte beschützen wollen? Gott ist der Ursprung unseres Seins und das Fundament und der Gipfel unserer Freiheit, nicht ihr Gegner. Wie kann der sterbliche Mensch sich auf sich selbst gründen, und wie kann der sündige Mensch sich mit sich selbst versöhnen? Wie ist es möglich, dass über diese erste und we- sentliche Wahrheit des menschlichen Lebens in der Öffentlichkeit geschwiegen wird? Wie kann das, was im Leben am meisten maßgebend ist, in die bloße Privatsphäre verwiesen oder in den Halbschatten verbannt werden? Wir Menschen können nicht im Finstern leben, ohne das Licht der Sonne zu sehen. Und wie ist es nun möglich, dass Gott, der Sonne des Verstandes, der Kraft des Willens und dem Magnet unserer Herzen, das Recht abgesprochen wird, dieses Licht anzubieten, das jede Finsternis vertreibt? Es ist deshalb notwendig, dass der Name Gottes unter dem Himmel Europas freudig wieder erklingt; dass dieses heilige Wort nie achtlos ausgesprochen wird; dass es nie verdreht wird und für ihm fremde Zwecke verwendet wird. Es muss heilig ausgesprochen werden. Es ist erforderlich, dass wir es so im täglichen Leben, im Schweigen der Arbeit, in der brüderlichen Liebe und in den Schwierigkeiten, die die Jahre mit sich bringen, wahrnehmen.
   Europa muss sich Gott öffnen, muss ohne Angst heraustreten hin zur Begegnung mit Ihm, muss mit seiner Gnade für die Würde des Menschen arbeiten, die von den besten Traditionen erschlossen worden ist: Neben der biblischen, die diesbezüglich grundlegend ist, sind dies die Traditionen der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit, aus denen die großen philosophischen und literarischen, kulturellen und sozialen Schöpfungen Europas hervorgingen.
   Dieser Gott und dieser Mensch sind es, die sich in Christus konkret und historisch kundgetan haben. Diesen Christus können wir auf den Wegen finden, die nach Compostela führen, da auf ihnen stets ein Kreuz ist, das an den Kreuzungen einen empfängt und einem die Richtung weist. Dieses Kreuz, Zeichen der höchsten Liebe, die bis zum äußersten ging, und deshalb Gabe und Vergebung zugleich, muss unser Leitstern in der Nacht der Zeit sein. Kreuz und Liebe, Kreuz und Licht sind Synonyme unserer Geschichte, weil sich Christus in dieser Geschichte an- nageln ließ, um uns das höchste Zeugnis seiner Liebe zu geben, um uns zu Vergebung und Versöhnung ein- zuladen, um uns zu lehren, das Böse durch das Gute zu besiegen. Hört nicht auf, die Lehre dieses  Christus der Kreuzungen auf den Lebenswegen zu lernen. In ihm kommt uns Gott entgegen als Freund, Vater und Führer. O gesegnetes Kreuz, leuchte immerzu in den Ländern Europas!
   Lasst mich von hier aus die Größe des Menschen verkünden und vor den Bedrohungen seiner Würde durch die Aberkennung seiner ursprünglichen Werte und Reichtümer, durch Ausgrenzung oder Tod, die den Schwächsten und Ärmsten zugefügt werden, warnen. Man kann Gott keine Verehrung erweisen, ohne den Menschen als sein Kind zu beschützen, und man kann dem Menschen nicht dienen, ohne zu fragen, wer sein Vater sei, und auf diese Frage Antwort zu geben. Das Europa der Wissenschaft und Technologien, das Europa der Zivilisation und Kultur muss zugleich ein Europa sein, dass offen ist für die Transzendenz wie auch für die Brüderlichkeit mit den anderen Kontinenten, offen für den lebendigen und wahren Gott vom lebendigen und wahren Menschen her. Das ist es, was die Kirche Europa bringen will: auf Gott und auf den Menschen zu achten aus dem Wissen heraus, dass uns beides in Jesus Christus dargeboten wird.
   Liebe Freunde, richten wir einen hoffnungsvollen Blick auf alles, was Gott uns versprochen hat und uns anbietet. Er schenke uns seine Kraft, stärke die Erzdiözese Compostela, belebe den Glauben seiner Kinder und helfe ihnen, ihrer Berufung treu zu bleiben, das Evangelium auszusäen und ihm Nachruck zu verleihen, auch in anderen Ländern. Der heilige Jakobus, der Freund des Herrn, erwirke reichen Segen für Galicien, für die anderen Völker Spaniens, Europas und vieler anderer Orte jenseits des Meeres, wo der Apostel Zeichen christlicher Identität und Förderer der Verkündigung Christi ist. RV101106ord

Aktuelle Fotos

Führung durch die Kathedrale     com-KathedraleSantiago-z

com-Portico-de-la-gloria-z  Der Papst begrüßt die Menge vom Portico 

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Foto oben: Prinz Felipe und Prinzessin Letitia in der Eucharistiefeier mit Papst Benedikt XVI.

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Reliquien des heiligen Jakobus in der Krypta der Kathedrale von Santiago de Compostela

Das Apostelgrab Jakobus der Jüngere

   Bei Jakobus, dem Bruder des Apostels Judas Thaddäus, der in den Evangelien und in der Apostelgeschichte als Sohn des Alphäus bezeichnet wird, und jenem Jakobus, der an einer anderen Stelle des Evangeliums „Herren- bruder“ genannt wird (also Cousin, um den korrekten hebräischen Begriff zu gebrauchen) und Sohn von Maria – einer der unter dem Kreuz Jesu stehenden Frauen – und Frau des Klopas, „Schwester“ (also Schwägerin) der Jungfrau Maria, handelt es sich wahrscheinlich um ein- und dieselbe Person. Klopas und Alphäus könnten in der Tat zwei Namen derselben Person sein, oder besser: zwei Formen desselben aramäischen Namens. Jakobus, der „Bruder“ Jesu, wird von Paulus als eine der „Säulen“ der Kirche bezeichnet – wie Petrus und Johannes. Und zwar in Jerusalem, wo er seit der Abreise Petri nach Rom Bischof war (44 n.Chr.) bis zum Martyrium am Osterfest des Jahres 62. Die Kirche des Ostens unterscheidet aber sehr wohl zwischen dem Apostel und dem Bischof von Jerusalem. Der Grund dafür ist eine Tradition, die zwischen Ende 2./ Beginn 3. Jahrhunderts von pseudoklemen- tinischen Schriften eingeführt wurde Hypothyposen, VI. Diese Tradition wurde zwar von Eusebius von Caesarea und Johannes Chrysostomos übernommen, von vielen griechischen Kirchenvätern aber nicht. In der Kirche des Abendlandes hat das Konzil von Trient jedoch bekräftigt, dass es sich um ein- und dieselbe Person handelt.
   Das Martyrium des Jakobus ist uns durch Josephus Flavius überliefert Antiquitates Iudaicae [Jüdische Altertümer] XX, 197. 199-203. In dieser auf das Ende des 1. Jahrhunderts zurückgehenden Schrift gibt Eusebius von Caesarea detailliert die vorherige Erzählung des Hegesippus Memoiren, 5 wider. Der Hohepriester Annan der Jüngere soll die Zeitspanne zwischen der Absetzung eines römischen Statthalters Festus und der Ankunft von dessen Nachfolger Albinus ausgenützt haben, um im Jahr 62 die Steinigung des Jakobus verfügen zu lassen.
   Jakobus wurde von den Zinnen des Tempels herabgestürzt, und, da er den Sturz überlebte, gesteinigt. Als er niederkniete, um für seine Peiniger zu beten, „schlug einer davon dem Gerechten mit der Stange eines Walkers so heftig auf den Kopf, dass er ihn tötete. Der Märtyrer wurde am selben Ort bestattet, in der Nähe des Tempels, wo noch heute sein Denkmal steht“ Hegesippus, in Eusebius, Kirchengeschichte, II, 23,18. Sein Grabstein soll dem Zeugnis des Hieronymus nach bis zur Zeit von Kaiser Hadrian (117-138) dort geblieben sein; danach verloren sich seine Spuren. Erst Mitte des 4. Jahrhunderts wurde die sterbliche Hülle des Jakobus, zusammen mit denen der Märtyrer Simeon und Zacharias, von dem Eremiten Epiphanius wieder aufgefunden. Die sterblichen Überreste des Jakobus wurden von Bischof Cyrill am 1. Dezember 351 nach Jerusalem übertragen; danach wurden sie in die Kirche gebracht, die neben dem Ort der Auffindung errichtet worden war. Überliefert ist auch eine Übertragung – ebenfalls am 1. Dezember – in eine andere Kirche in Jerusalem, die unter dem byzantinischen Kaiser Justinus II. (565-578) erbaut und dem Jakobus geweiht wurde. Aber hier sind die verschiedenen Überlieferungen nur schwer unter einen Hut zu bringen. In Einklang gebracht werden müssen hier nämlich eine Übertragung der Reliquien von Jerusalem (oder vielleicht Konstantinopel?) nach Rom und der Beginn des Baus einer den Aposteln Jakobus und Philippus geweihten Basilika zur Zeit von Papst Pelagius I. (556-561), deren liturgisches Fest seither in der west- lichen Welt am 1. Mai gefeiert wurde (heute am 3. Mai). Die Basilika wurde von Papst Johannes III. (561-574) vollendet und nach den 12 Aposteln benannt.
   Wie schon im Zusammenhang mit Philippus führte auch hier (Januar 1873) eine wissenschaftliche Kommission eine Recognitio unter dem Altar der Zwölf-Apostel-Kirche in Rom durch. Die Reliquien stammten von zwei verschie- denen Personen. Der robustere der beiden, von dem nur Knochensplitter und -fragmente vorhanden sind, sowie ein Oberschenkelknochen, der sich ab immemorabili in der Basilika befand, wurde als Jakobus der Jüngere identi- fiziert. 1879 wurden die Reliquien in einen Marmorsarg gebettet und in die Kirchenkrypta übertragen, genau ge- sagt unter den Hauptaltar, also an den Ort, wo man sie gefunden hatte. Dort befinden sie sich noch heute. Die Oberschenkelknochen-Reliquie dagegen wurde in ein eigens angefertigtes Reliquiar gelegt, das derzeit nicht für die Gläubigen ausgesetzt ist.
   In Santiago de Compostela wird die Reliquie des Hauptes von Jakobus dem Jüngeren verehrt. Einer Über- lieferung zufolge soll sie vom Bischof von Braga, Mauricio Burdin, in den Westen gebracht worden sein, der sie wiederum um 1104 von seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land aus Jerusalem mitgebracht hatte. Um 1116 kam Urraca, Königin von Kastilien und Leon, in ihren Besitz und schenkte die Reliquie der Kirche von Santiago, wo sie sich noch immer in einem Büstenreliquiar in der dem Apostel geweihten Kapelle befindet. Ein anderer, Jakobus dem Jün- geren zugeschriebener Schädel, ist seit dem Mittelalter auch in Ancona bekannt und befindet sich derzeit im Diözesanmuseum gleich neben St. Cyriacus: Untersuchungen, die nach der Recognitio der Reliquien in Rom durch- geführt wurden, ergaben, dass die Reliquien kompatibel sind. 30GiorniLorenzoBianchi

Nach dem Besuch in Santiago de Compostela begab sich Papst Benedikt XVI. nach Barcelona,
um dort die Basilika “Sagrada Familia” zu weihen

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Papst Benedikt XVI. weiht die weltberühmte Sagrada Familia in Barcelona
Sie ist seit 128 Jahren eine Baustelle. Jetzt hat sie der Papst  zur Basilika erhoben.

  Papst Benedikt XVI. hat am Sonntag den weltbekannten Sakralbau Sagrada Família in Barcelona geweiht und da- bei zur Basilika erhoben. Symbolisch erhielt der Papst in einer heiligen Messe die Schlüssel zu diesem Meisterwerk des Architekten Antoni Gaudí (1852-1926). Etwa 7.000 Gläubige verfolgten die Zeremonie in dem noch unfertigen Gotteshaus, dessen Bau vor 128 Jahren begonnen worden ist. Auch das spanische Königspaar Juan Carlos und Sophia war anwesend. Zehntausende sahen die Weihe des Altars und der Basilika der Sagrada Família mit Weih- wasser draußen auf Großbildschirmen.
   In seiner Predigt nannte der Papst das auch als Kathedrale des 21. Jahrhunderts gepriesene Gotteshaus „eine wunderbare Synthese aus Technik, Kunst und Glauben“, geschaffen von einem gleichermaßen genialen Archi- tekten wie konsequenten Christen. Gaudí habe damit verwirklicht, „was heute zu den wichtigsten Aufgaben gehört, die Überwindung der Spaltung zwischen menschlichem und christlichem Bewusstsein.“ Die Weihe der Basi- lika sei ein bedeutsames Ereignis in einer Zeit, „in der der Mensch sich anmaßt, sein Leben hinter Gottes Rücken aufzubauen, so als hätte er ihm nichts mehr zu sagen.“ Energisch setzte sich Benedikt auch für den Schutz der Ehe, der Familie und des ungeborenen Lebens ein. Die Kirche widersetze sich jeder Ablehnung des menschlichen Lebens, das von dem Augenblick der Empfängnis an heilig sei, wandte er sich erneut gegen Abtreibung. Der Staat müsse die, die eine Familie gründeten, „wirklich unterstützen“. Benedikt sprach auch von einer „natürlichen Ord- nung“ in der Familie.

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   Vor der Messe in der Sagrada Família kam das Oberhaupt der Katholiken zu einem privaten Treffen mit dem spa- nischen Königspaar Juan Carlos und Sophia zusammen. Am Nachmittag stand noch der Besuch einer katholischen Sozialeinrichtung in Barcelona auf dem Programm. Spaniens sozialistischen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero wollte der Papst kurz vor seinem Rückflug am Abend nach Rom treffen.
   Seit 128 Jahren wird an der Sagrada Família gebaut Das sakrale Monument gilt als Meisterwerk des katala- nischen Architekten Antoni Gaudí, dessen Stil ganz Barcelona prägt. Das Bauwerk könnte in 15 Jahren vollendet sein. Die Bauarbeiten für den Temple Expiatori de la Sagrada Família (Sühnetempel der Heiligen Familie) begannen bereits 1882. Doch 1926 starb Gaudí – er wurde von einer Straßenbahn überfahren. Auch der spanische Bürgerkrieg zwischen 1936 und 1939 bremste die Arbeiten, Pläne und Modelle wurden bei einem Brand zerstört. Zudem finanziert sich der Bau ausschließlich aus Spendengeldern und dem Eintritt, derzeit zwölf Euro.
   Seit rund 20 Jahren kommen die Bauarbeiten schneller voran. Die Olympischen Sommerspiele in Barcelona 1992 brachten der Stadt viele zusätzliche Touristen, inzwischen besuchen jährlich zweieinhalb Millionen Menschen die Sagrada Família. Die verantwortlichen Architekten schätzen, dass sie die Arbeiten 2026 abschließen können - das wäre genau 100 Jahre nach dem Tod Gaudís.
  Es gibt aber noch viel zu tun: Direkt nach dem Papstbesuch soll mit dem Bau der Sakristei begonnen werden. Auch wird dann ein Saal gebaut, der als Fundament für den zentralen Glockenturm dienen soll. Dieser wird Jesus Christus gewidmet und soll fast 180 Meter in die Höhe ragen. Derzeit stehen bereits acht Glockentürme, die mit venezianischem Mosaik verziert sind, 18 Glockentürme sollen das Bauwerk künftig krönen. Gebaut werden muss auch noch die Hauptfassade der Sagrada Família, die "Fassade der Herrlichkeit“. Dieses Jahr fertiggestellt wurde das 60 Meter hohe Hauptschiff. Durch die Fenster strömt viel Licht in die Kirche, ein typisches Element der Architektur Gaudís. Spektakuläre Ornamente zieren das Monument, dessen Säulen im Innenraum wie Bäume der Kirchendecke zustreben und sich dort in Form von Ästen verzweigen.
   Gebaut wird zwar nach den Plänen Gaudís, Kritiker fordern aber immer wieder einen Baustopp. Ihnen zufolge wird das Werk des Architekten verfälscht. Seit 2005 stehen Teile des Monuments auf der UNESCO-Weltkulturerbe- Liste. Nach der Weihung der Sagrada Família durch Papst Benedikt XVI. kann in der Kirche die heilige Messe gefeiert werden. HA101107

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Die schöpferische Kraft Antoni Gaudis beeindruckt den Papst, weil sie gleichzeitig aus der Vergangenheit schöpft und in die Zukunft wirkt. Ein Zeichen auch für unsere Zeit, sagte Benedikt XVI.

  „Gaudi hatte den Mut, sich in die großen Traditionen der Kathedralen zu stellen, und dennoch wagte er in seinem Jahrhundert, und mit einer komplett neuen Vision, den Ort der Begegnung zwischen Gott und dem Menschen in großer Feierlichkeit neu zu schaffen. Es ist etwas Schönes, dieser Mut, in der Tradition zu stehen, aber mit einer neuen Kreativität, die die Tradition erneuert und so die Einheit und den Fortschritt der Geschichte zeigt.“
   Ja, die Begegnung von Glauben und Kunst sei eines der wichtigen Themen seines Pontifikates, beantwortete Papst Benedikt die diesbezügliche Frage.
   „Sie wissen, dass ich sehr auf der Beziehung zwischen Glaube und Vernunft bestehe. Aber gleichermaßen wichtig ist die Beziehung zwischen Glauben und Kunst, weil die Wahrheit, Ziel und Leben der Vernunft, in der Schönheit zum Ausdruck kommt. Und sie selbst wird in der Schönheit, die sich selbst als Wahrheit findet. Und des- halb muss dort, wo die Wahrheit ist, die Schönheit werden. Dort, wo das menschliche Wesen sich realisiert auf korrekte, gute Weise, drückt es sich in Schönheit aus. Die Beziehung zwischen Wahrheit und Schönheit ist unauflöslich, und deshalb brauchen wir Schönheit. Von Anfang an war in der Kirche, selbst in der großen Be- scheidenheit und Armut der Zeiten der Verfolgung, die Kunst, die Malerei – der Ausdruck von Gottes Heil durch Gott in den Bildern der Welt -, der Gesang, auch das Gebäude, konstitutiv, und sie bleiben konstitutiv für immer.“
   Deshalb war die Kirche für viele Jahrhunderte „Mutter der Künste“, führte Benedikt den Gedankengang fort. Der große Schatz der Kunst, Musik, Architektur und Malerei „ist geboren aus dem Glauben an die Kirche“. Anders sei die Lage heute.
   „Heute gibt es einen gewissen Abstand, aber das schädigt sowohl die Kunst als auch den Glauben. Kunst, die die Wurzel der Transzendenz verlöre, ginge nicht mehr auf Gott zu, sie wäre eine halbierte Kunst, sie kappte ihre lebendige Wurzel ab. Und ein Glaube, der die Kunst bloß in seiner Vergangenheit hätte, wäre nicht mehr Glaube in der Gegenwart, wo sich der Glaube doch gerade heute neuerlich ausdrücken muss als Wahrheit, die immer präsent ist. Aus diesem Grund ist der Dialog oder, wie ich es nennen würde, die Begegnung zwischen Kunst und Glaube eingeschrieben im tiefsten Inneren des Glaubens. Wir müssen alles tun, damit auch heute der Glaube sich in authentischer Kunst ausdrückt, so wie Gaudi in der Kontinuität und in der Neuheit, und damit die Kunst nicht den Kontakt zum Glauben verliert.“ RV101106

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Papst in Barcelona: „Gaudi war Fackel des Glaubens“

    „Und wir denken vor allem an jenen Mann, der die Seele und der Urheber dieses Projekts war: Antoni Gaudí, ein genialer Architekt und konsequenter Christ, dessen Fackel des Glaubens bis zum Ende seines Lebens brannte, das er in Würde und völliger Schlichtheit führte. Dieses Ereignis ist in gewisser Weise auch der Höhepunkt und das Ergebnis einer Geschichte der katalonischen Region, die vor allem seit Ende des 19. Jahrhunderts eine Vielzahl von Heiligen und Ordensgründern, Märtyrern und christlichen Schriftstellern hervorbrachte: Geschichte der Heiligkeit, des künstlerischen und dichterischen Schaffens, das aus dem Glauben heraus entstanden ist und das wir heute in dieser Eucharistie zusammenfassen und Gott zum Opfer darbringen.“
   Er sei auch froh darüber, dass dieser Sakralbau von Anfang an eng mit der Gestalt seines bürgerlichen Namens- patrons Josef verbunden sei, sagte Josef Ratzinger, jetzt Benedikt XVI. „Besonders bewegt hat mich die Sicher- heit, mit der Gaudí angesichts der zahllosen Schwierigkeiten, die er bewältigen musste, voll Vertrauen auf die göttliche Vorsehung ausrief: „Der heilige Josef wird die Kirche vollenden.“ 
   Die Weihe einer solchen Kirche sei ein sichtbares Zeichen des unsichtbaren Gottes, fügte der Papst an. Der katalanische Architekt sei vor allem von der Natur und der Heiligen Schrift inspiriert gewesen. „Und er verwirklichte das, was heute zu den wichtigsten Aufgaben gehört: die Überwindung der Spaltung zwischen menschlichem und christlichem Bewusstsein, zwischen der Existenz in dieser zeitlichen Welt und der Öffnung zum ewigen Leben, zwischen der Schönheit der Dinge und Gott als der Schönheit selbst. Antoni Gaudí verwirklichte all dies nicht mit Worten, sondern mit Steinen, Linien, Oberflächen und Spitzen. In Wirklichkeit ist die Schönheit das große Bedürfnis des Menschen; sie ist die Wurzel, die den Stamm unseres Friedens und die Früchte unserer Hoffnung hervorbringt. Die Schönheit ist auch Offenbarerin Gottes, denn das schöne Werk ist wie er reine Unentgeltlichkeit, es lädt zur Freiheit ein und entreißt den Menschen dem Egoismus.“
  Die Kirche habe die große Aufgabe, allen zu zeigen, dass Gott ein Gott des Friedens sei und nicht der Gewalt, der Freiheit und nicht des Zwangs, der Eintracht und nicht der Zwietracht. „In diesem Sinne glaube ich, dass die Weihe dieser Kirche der „Sagrada Familia“ in einer Zeit, in der der Mensch sich anmaßt, sein Leben hinter Gottes Rücken aufzubauen, so als hätte er ihm nichts mehr zu sagen, ein sehr bedeutsames Ereignis ist. Gaudí zeigt uns durch sein Werk, dass Gott der wahre Maßstab des Menschen ist, dass das Geheimnis der wahren Originalität, wie er sagte, darin besteht, zum Ursprung zurückzukehren, der Gott ist. Indem er selbst in dieser Weise seinen Geist für Gott öffnete, konnte er in dieser Stadt einen Raum der Schönheit, des Glaubens und der Hoffnung schaffen, der den Menschen zur Begegnung mit jenem führt, der die Wahrheit und die Schönheit selbst ist.“ Benedikt XVI. sprach in der Sagrada Familia aber auch einige Anliegen deutlich an, die schon an seinem ersten Reiseziel am Samstag, Santiago de Compostela, angeklungen waren: Die Worte über den Schutz von Ehe und Familie sowie des Lebens werden in den spanischen Medien wohl besonders beachtet werden.
   „Die Lebensumstände haben sich zutiefst gewandelt, und gleichzeitig gab es enorme Fortschritte im tech- nischen, sozialen und kulturellen Bereich. Wir können uns mit diesen Fortschritten nicht begnügen. Mit ihnen müssen immer auch sittliche Fortschritte einhergehen, wie die Beachtung, der Schutz und die Unterstützung der Familie, denn die großherzige und unauflösbare Liebe zwischen einem Mann und einer Frau ist der fruchtbare Rahmen und die Grundlage des menschlichen Lebens bei seinem Entstehen, seiner Geburt, seinem Wachstum und seinem natürlichen Ende. Nur dort, wo Liebe und Treue vorhanden sind, entsteht die wahre Freiheit und dauert sie fort. Daher fordert die Kirche angemessene wirtschaftliche und soziale Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, dass die Frau zu Hause und am Arbeitsplatz ihre volle Verwirklichung finden kann; dass der Mann und die Frau, die den Ehebund schließen und eine Familie gründen, vom Staat wirklich unterstützt werden; dass das Le- ben der Kinder vom Augenblick ihrer Empfängnis an als heilig und unantastbar verteidigt wird; dass die Geburten auf rechtlicher, sozialer und legislativer Ebene Anerkennung, Wertschätzung und Unterstützung erhalten. Daher widersetzt sich die Kirche jeglicher Form der Ablehnung des menschlichen Lebens und hält das aufrecht, was die natürliche Ordnung im Bereich der Familie als Institution fördert.“
   In der Umgebung der Kirche wurden rund 36.000 Stühle und 31 große Übertragungsleinwände aufgebaut, die die Messe und Weihe der Sagrada Familia, des Wahrzeichens von Barcelona, live übertrugen. Das staatliche katalanische Fernsehen TV3 setzte bei seiner Live-Übertragung sechzig Kameras ein. Der Papstbesuch wurde weltweit von rund 150 Millionen Fernsehzuschauern verfolgt. Der letzte Besuch eines Papstes in der katalanischen Mittelmeermetropole liegt bereits 28 Jahre zurück: Papst Johannes Paul II. kam 1982 nach Barcelona. rv101107mg

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Fotos: König Juan Carlos mit Königin Sophía bei der Konsekration der Sagrada Familia in Barcelona

be-104axBarcel-Sagr.Familia   „Sagrada Familia soll 2026 fertig werden“

   Sagrada Familia: Kennt jeder. Kulturerbe der Menschheit, Wahrzeichen von Barcelona. 1882 wurde der Grund- stein dieser Basilika gelegt, ein Jahr später verschrieb sich Antoni Gaudì, der geniale Architekt aus Katalonien, mit Haut und Haaren diesem Bau. Wohnte wie ein Landstreicher gekleidet auf dem Gelände, zeichnete Pläne für Fas- saden, baute Modelle, trieb die Arbeiten voran. Und immer noch ist die Kirche nicht fertig, lange nach Gaudìs Tod im Jahr 1926. Jetzt ist schon der fünfte Architekt an diesem Großprojekt zugange: Jordi Faulí. Kein Neuling auf der Baustelle im Norden von Barcelona:
   „Ich habe schon 22 Jahre lang an der Sagrada Familia mitgearbeitet. Dass ich dort jetzt noch größere Verant- wortung tragen darf, ist für mich eine große Genugtuung. Auch wenn ich die wachsende Verantwortung fühle. Hier geht es ja um die Fertigstellung des Projekts eines großen Architekten. Und um eine Kirche, die schon jetzt alle Christen in der Welt interessiert.“
  So viele große Kirchen im Bau gibt es ja auch nicht heutzutage. Selbst der Papst war schon auf der Baustelle, er hat vor genau zwei Jahren die Basilika eingeweiht, als endlich das Dach eingezogen wurde. Die Sagrada Familia: ein Monument des Jugendstils Marke Barcelona. Muss man sie überhaupt fertigbauen? Oder besser, darf man das, auch wenn man damit riskiert, den Geist Gaudìs zu verfälschen?
   „Doch, die Kontinuität ist sehr wichtig, und das war sie auch immer in der Geschichte der Sagrada Familia. Das ist wie bei jeder Kathedrale: Da bewundern wir ein fertiggestelltes Gebäude und reden gar nicht mehr darüber, wie denn jetzt die Architekten hießen. Hier bei der Sagrada Familia gibt es einen Architekten: Und das ist Gaudì. Auch nach seinem Tod gab es immer eine Kontinuität zu ihm, eine Treue zu seinem Projekt und zu seinen Plänen. Übrigens gibt es auch eine Kontinuität, die sich über die Generationen hinweg an Personen festmacht: An der Sagrada Familia haben immer Architekten aus Gaudìs Jahrhundert gearbeitet, und das jetzt schon in fünfter Generation – und das Wissen ist immer von einer Generation an die nächste weitergegeben worden.“
   Immer noch im Bau - dabei hat die Sagrada Familia schon sehr unterschiedliche Zeiten erlebt: Als Gaudì, für den übrigens ein Seligsprechungsverfahren läuft, Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Bau begann, gab es ständig Attentate und Anarchistenunruhen in Barcelona. Der Bauherr hat im Kreuzgang der Basilika sogar einen Anarchis- ten verewigt, als Statuette, eine Bombe in der Hand. Dann gingen der spanische Bürgerkrieg und die Franco-Ära über das Gebäude hin – und heute herrschen Wirtschaftskrise und Separatismus.
   „Gaudì selbst hat die Krypta fertiggestellt und die Weihnachts-Fassade, durch die die Sagrada Familia sofort in der ganzen Welt bekannt wurde. Dann haben seine Schüler auf der Basis seiner Zeichnungen und Modelle die Fassade der Passion Jesu errichtet. In den letzten 25 Jahren haben wir unter der Leitung des Architekten Jordi Bonet das Mittelschiff gebaut, den inneren Teil der Basilika und den liturgischen Raum.“
   Subventionen vom Staat bekommen die Bauleute nicht: Die Bruderschaft, die die Basilika baut, finanziert das Ganze nur durch Spenden und Eintrittsgelder. Acht der geplanten zwölf Glockentürme sind schon fertig, über hundert Meter hoch. Am Schluss, wenn das zentrale Kuppelgewölbe obendrauf sitzt, wird die Sagrada Familia 170 Meter Höhe erreichen – und sehr viel anders aussehen als jetzt. Irgendwie byzantinischer.
   „Wir arbeiten im Moment vor allem an zweierlei: Erstens an einer der beiden Sakristeien, das ist ein Gebäude von ca. vierzig Metern Höhe in Form einer Kuppel. Wir stützen uns dabei auf ein Gipsmodell von Gaudì. Und zweitens wagen wir uns an den zentralen Teil heran: Das ist ein sogenannter Turm der Jungfrau Maria über der Apsis. Außerdem entsteht über dem Mittelschiff der höchste Turm, der Jesus Christus gewidmet sein wird. Die Säulen für diesen Mittelturm sind schon in Arbeit.“
   Vieles an der Sagrada Familia erinnert an gotische Kathedralen – etwa an die von Barcelona, die nur ein paar Kilometer Luftlinie entfernt ist. Doch die Sagrada Familia beweist uns heute, dass die Epoche großer Kirchenbauten noch nicht vorbei ist.
     „Im Moment gehen wir davon aus, dass die Sagrada Familia 2026 fertig sein wird. Wir hoffen das vor allem, weil es ein sehr wichtiges Datum ist, dann wird nämlich der 100. Todestag von Gaudì begangen. Aber auch, wenn wir uns den Fluss an Spendengeldern anschauen und den entsprechenden Rhythmus der Bauarbeiten, glauben wir, sagen zu können: 2026 ist das wahrscheinliche Datum für einen Abschluss des architektonischen Teils der Kirche.“  rv121017sk

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