MM-DKWN-x
kbwn

         o n l i n e :       
www.

kbwn.de

Weltjugendtag

Auf dieser Seite lesen Sie:

y-ak-122-Z

Fotobericht vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro 2013 und Madrid 2011 > Weltjugendtag I 

ff-373-Zz

Papst an Jugendliche: Jeden Monat ein Werk der Barmherzigkeit 
Papst Franziskus lädt Jugendliche nach Krakau ein

  Jetzt wissen wir endlich, was der Papst während seiner „Sommerferien“ gemacht hat: Er hat, u.a., eine Botschaft zum nächsten Weltjugendtag geschrieben, der 2016 in Krakau stattfindet. Das Schreiben trägt das Datum 15. August und wurde an diesem Montag vom Vatikan veröffentlicht.
  „Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden“ Mt 5,7: Unter diesem Motto steht die Papst-Botschaft. Sie fügt sich damit thematisch in das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ein. Franziskus schwebt für Krakau „ein richtiges Jubiläum der Jugendlichen auf Weltebene“ zum Thema Barmherzigkeit vor. In seiner Botschaft erklärt er: „In Jesus spricht alles von Barmherzigkeit. Ja, Er selber ist die Barmherzigkeit.“ Gottes Barmherzigkeit sei „sehr konkret“, er warte auf uns und könne unser ganzes Leben verändern. Franziskus wörtlich: „Es mag sein, dass einer von euch eine Last auf dem Herzen hat und denkt: Ich habe das gemacht, ich habe jenes gemacht … Fürchtet euch nicht! Er wartet auf euch! Er ist Vater: Er wartet immer auf uns!“ In der Beichte könne jeder „auf die barmherzige Umarmung des Vaters treffen“.
   Das „beredteste Zeichen von Gottes Barmherzigkeit“ ist nach Ansicht des Papstes das Kreuz; hier lasse sie sich buchstäblich „berühren“. Er empfiehlt seinen Lesern die „Werke der Barmherzigkeit“ und bemerkt dann: „Wie ihr seht, ist die Barmherzigkeit weder ein „Alles-Gutheißen“ noch reine Gefühlsseligkeit. Hier bewahrheitet sich die Echtheit unseres Jüngerseins Christi, unsere Glaubwürdigkeit als Christen in der heutigen Welt.“ Junge Leute sollten sich zur Vorbereitung auf den Weltjugendtag jeden Monat „ein leibliches und ein geistiges Werk der Barmherzigkeit auswählen“ und es in die Tat umsetzen.  Rv150928sk

 y-2kr-01Z

Im Wortlaut: Papst-Botschaft zum Weltjugendtag - Der kommende Weltjugendtag findet 2016 in Krakau statt
   Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden
Mt 5,7: Unter diesem Motto steht die Botschaft von Papst Franziskus zum bevorstehenden Weltjugendtag 2016 in Krakau. Der Text wurde an diesem Montag vom Vatikan veröffentlicht. Wir dokumentieren ihn hier in vollem Wortlaut:

y-2kr-08-ZzZ

Liebe junge Freunde,
   wir haben die letzte Etappe auf unserem Pilgerweg nach Krakau erreicht, wo wir im Monat Juli des kommenden Jahres gemeinsam den XXXI. Weltjugendtag feiern werden. Auf unserem langen und anspruchsvollen Weg werden wir von den Worten Jesu aus der „Bergpredigt“ geführt. Wir haben diese Strecke im Jahr 2014 begonnen, indem wir gemeinsam über die erste Seligpreisung nachgedacht haben: »Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich« Mt 5,3. Für das Jahr 2015 war das Thema »Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen« Mt 5,8. Im kommenden Jahr wollen wir uns von den Worten inspirieren lassen: »Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden« Mt 5,7.
Das Jubiläum der Barmherzigkeit
   Mit diesem Thema fügt sich der WJT in Krakau 2016 in das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ein, sodass es ein richtiges Jubiläum der Jugendlichen auf Weltebene wird. Es ist nicht das erste Mal, dass ein internationales Jugendtreffen mit einem Jubiläumsjahr zusammenfällt. Es war in der Tat während des Heiligen Jahres der Erlösung (1983/1984), dass der heilige Johannes Paul II. zum ersten Mal die Jugendlichen der ganzen Welt für den Palmsonntag zusammenrief. Danach war es während des Großen Jubiläums des Jahres 2000, dass sich über zwei Millionen Jugendliche aus etwa 165 Ländern in Rom zum XV. Weltjugendtag versammelt haben. Wie es in diesen beiden vorausgehenden Fällen geschah, so bin ich gewiss, dass das Jubiläum der Jugendlichen in Krakau eines der bedeutendsten Momente dieses Heiligen Jahres sein wird!
   Einige von euch werden sich vielleicht fragen: Was für eine Bewandtnis hat es mit diesem Jubiläumsjahr, das in der Kirche gefeiert wird? Der biblische Text in Levitikus 25 hilft uns verstehen, was für das Volk Israel ein „Jubeljahr“ bedeutete. Alle fünfzig Jahre hörten die Hebräer das Horn ertönen jobel, das sie zusammenrief jobil, um ein heiliges Jahr als eine Zeit der Versöhnung jobal für alle zu feiern. In dieser Zeit sollte man auf der Grundlage der Unentgeltlichkeit ein gutes Verhältnis zu Gott, dem Nächsten und der Schöpfung wiederfinden. Deswegen wurden unter anderem der Erlass der Schulden, eine besondere Hilfe für die in Elend Geratenen, die Besserung der Beziehungen unter den Personen und die Befreiung der Sklaven gefördert.
   Jesus Christus ist gekommen, um eine immer währende Gnadenzeit des Herrn zu verkünden und zu verwirklichen, indem er den Armen die gute Nachricht, den Gefangenen die Entlassung, den Blinden das Augenlicht und den Zerschlagenen die Freiheit bringt vgl. Lk 4,18-19. In Ihm, aber besonders in seinem Ostergeheimnis, findet der tiefste Sinn des Jubiläums seine vollkommene Erfüllung. Wenn die Kirche im Namen Christi ein Jubeljahr einberuft, dann sind wir alle eingeladen, eine außerordentliche Gnadenzeit zu leben. Die Kirche selbst ist aufgerufen, Zeichen der Gegenwart und Nähe Gottes im Überfluss anzubieten, in den Herzen die Fähigkeit zu wecken, auf das Wesentliche zu blicken. Dieses Heilige Jahr der Barmherzigkeit ist im Besonderen »die Zeit für die Kirche, den Sinn des Auftrags wieder neu zu entdecken, den der Herr ihr am Ostertag anvertraut hat: Zeichen und Werkzeug der Barmherzigkeit des Vaters zu sein«  Predigt bei der Ersten Vesper vom Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, 11.  April 2015.
Barmherzig wie der Vater
   Das Motto dieses außerordentlichen Jubiläums lautet: »Barmherzig wie der Vater« vgl. Misericordiae Vultus, 13, und mit ihm wird das Thema des kommenden WJT angestimmt. Versuchen wir daher besser zu verstehen, was die göttliche Barmherzigkeit bedeutet.
   Das Alte Testament gebraucht verschiedene Begriffe, um von der Barmherzigkeit zu sprechen; die bedeutungsvollsten sind hesed und rahamim. Der erste Begriff, auf Gott angewandt, drückt seine unermüdliche Treue zum Bund mit seinem Volk aus, das er liebt und dem er immer wieder verzeiht. Der zweite, rahamim, kann als „Eingeweide“ übersetzt werden und weist besonders auf den Mutterschoß hin; er lässt uns die Liebe Gottes zu seinem Volk verstehen, die wie die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind ist. So stellt es der Prophet Jesaja dar: »Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: ich vergesse dich nicht« Jes 49,15. Eine solche Liebe bringt mit sich, dass man in sich Raum für den anderen schafft, mit dem Nächsten fühlt, leidet und sich freut.
   Im biblischen Konzept der Barmherzigkeit ist auch die Konkretheit einer Liebe eingeschlossen, die treu und unentgeltlich ist und verzeihen kann. In der folgenden Stelle bei Hosea haben wir ein sehr schönes Beispiel für die Liebe Gottes, die mit der Liebe eines Vaters zu seinem Kind verglichen wird:

        »Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb, ich rief meinen Sohn aus Ägypten. Je mehr ich sie rief, desto mehr liefen sie von mir weg. […] Ich war es, der Efraim gehen lehrte, ich nahm ihn auf meine Arme. Sie aber haben nicht erkannt, dass ich sie heilen wollte. Mit menschlichen Fesseln zog ich sie an mich, mit den Ketten der Liebe. Ich war da für sie wie die, die den Säugling an ihre Wangen heben. Ich neigte mich ihm zu und gab ihm zu essen« Hos 11,1-4.

   Trotz der verfehlten Haltung des Kindes, die eine Bestrafung verdienen würde, ist die Liebe des Vaters treu und vergibt immer einem Kind, das Reue zeigt. Wie wir sehen, ist in der Barmherzigkeit immer die Vergebung mit eingeschlossen; sie »ist nicht eine abstrakte Idee, sondern eine konkrete Wirklichkeit, durch die Er seine Liebe als die Liebe eines Vaters und einer Mutter offenbart, denen ihr Kind zutiefst am Herzen liegt. […] Sie kommt aus dem Innersten und ist tiefgehend, natürlich, bewegt von Zärtlichkeit und Mitleid, von Nachsicht und Vergebung« Misericordiae Vultus, 6.
   Im Neuen Testament hören wir von der göttlichen Barmherzigkeit eléos als Zusammenfassung des Werkes, zu dessen Verwirklichung Christus im Namen des Vaters in die Welt gekommen ist vgl. Mt 9,13. Die Barmherzigkeit unseres Herrn offenbart sich vor allem, wenn Er sich dem menschlichen Elend zuwendet und sein Mitleid gegenüber demjenigen zeigt, der des Verständnisses, der Heilung und der Verzeihung bedarf. In Jesus spricht alles von Barmherzigkeit. Ja, Er selber ist die Barmherzigkeit.
   Im 15. Kapitel des Lukasevangeliums finden wir drei Gleichnisse über die Barmherzigkeit: das vom verlorenen Schaf, das vom verlorenen Geldstück und jenes, das als das Gleichnis „vom verlorenen Sohn“ bekannt ist. In diesen drei Gleichnissen beeindruckt uns die Freude Gottes, die Freude, die Er empfindet, wenn er einen Sünder wiederfindet und ihm vergibt. Ja, die Freude Gottes ist das Vergeben! Hier finden wir die Zusammenfassung des ganzen Evangeliums. »Jeder von uns ist jenes verlorene Schaf, jenes verlorene Geldstück; jeder von uns ist jener Sohn, der seine Freiheit vergeudet hat, falschen Götzen, Blendwerken des Glücks, gefolgt ist und alles verloren hat. Doch Gott vergisst uns nicht, der Vater verlässt uns nie. Er ist ein geduldiger Vater, er erwartet uns immer! Er respektiert unsere Freiheit, doch er bleibt immer treu. Und wenn wir zu ihm zurückkehren, nimmt er uns in seinem Haus wie Kinder auf, da er niemals aufhört, auch nicht einen Augenblick, uns voll Liebe zu erwarten. Und sein Herz feiert ein Fest für jedes Kind, das zurückkehrt. Es feiert ein Fest, weil es eine Freude ist. Gott hat diese Freude, wenn einer von uns Sündern zu ihm geht und um seine Vergebung bittet« Angelus, 15. September 2013.
   Die Barmherzigkeit Gottes ist sehr konkret und wir alle sind gerufen, diese Erfahrung in eigener Person zu machen. Als ich siebzehn Jahre alt war und einmal mit meinen Freunden ausgehen sollte, habe ich beschlossen, zuerst eine Kirche zu besuchen. Dort habe ich einen Priester getroffen, der mir ein besonderes Vertrauen eingeflößt hat, sodass ich den Wunsch verspürte, mein Herz in der Beichte zu öffnen. Diese Begegnung hat mein Leben verändert! Ich habe entdeckt, dass, wenn wir das Herz in Demut und Aufrichtigkeit öffnen, wir sehr konkret die Barmherzigkeit Gottes betrachten können. Ich hatte die Gewissheit, dass in der Person jenes Priesters Gott auf mich schon wartete, noch bevor ich den ersten Schritt tat, um die Kirche zu besuchen. Wir suchen ihn zwar, aber Er ist es, der uns immer zuvorkommt; er sucht uns immer und er findet uns zuerst. Es mag sein, dass einer von euch eine Last auf dem Herzen hat und denkt: Ich habe das gemacht, ich habe jenes gemacht … Fürchtet euch nicht! Er wartet auf euch! Er ist Vater: Er wartet immer auf uns! Wie schön ist es, im Sakrament der Versöhnung auf die barmherzige Umarmung des Vaters zu treffen, den Beichtstuhl als Ort der Barmherzigkeit zu entdecken, sich von dieser barmherzigen Liebe des Herrn berühren zu lassen, der uns immer verzeiht!
   Und du, lieber junger Freund, liebe junge Freundin, hast du jemals diesen Blick unendlicher Liebe auf dir ruhen gespürt, die trotz aller deiner Sünden, Grenzen und deines Versagens dir weiter vertraut und deine Existenz voll Hoffnung betrachtet? Bist du dir deines Wertes vor Gott bewusst, der dir aus Liebe alles gegeben hat? Wie uns der heilige Paulus lehrt: »Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren« Röm 5,8. Verstehen wir aber wirklich die Kraft dieser Worte?
   Ich weiß, wie lieb euch allen das Kreuz der WJT ist – ein Geschenk des heiligen Johannes Paul II. –, das seit 1984 alle eure Welttreffen begleitet. Wie viele Veränderungen, wie viele wahre und wirkliche Bekehrungen sind im Leben von so vielen Jugendlichen durch die Begegnung mit diesem nackten Kreuz hervorgegangen! Vielleicht habt ihr euch die Frage gestellt: Woher kommt die außergewöhnliche Kraft dieses Kreuzes? Die Antwort ist diese: Das Kreuz ist das beredteste Zeichen von Gottes Barmherzigkeit! Es bezeugt uns, dass das Maß der Liebe Gottes zur Menschheit ein Lieben ohne Maß ist! Im Kreuz können wir die Barmherzigkeit Gottes berühren und uns von seiner Barmherzigkeit selbst berühren lassen! An dieser Stelle möchte ich an die Episode von den zwei Verbrechern erinnern, die neben Christus gekreuzigt worden waren. Einer von ihnen war überheblich, hat sich nicht als Sünder bekannt, hat den Herrn verhöhnt. Der andere hingegen bekennt, gefehlt zu haben, wendet sich an den Herrn und sagt zu ihm: »Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst«. Jesus schaut ihn mit unendlicher Barmherzigkeit an und antwortet ihm: »Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein« .vgl. Lk 23,32.39-43 Mit welchem von beiden identifizieren wir uns? Mit dem, der überheblich ist und seine Vergehen nicht anerkennt? Oder mit dem anderen, der zugibt, der göttlichen Barmherzigkeit zu bedürfen, und sie von ganzem Herzen erfleht? Im Herrn, der für uns sein Leben am Kreuz hingegeben hat, werden wir immer eine bedingungslose Liebe finden, die unser Leben als ein Gut betrachtet und uns immer wieder die Möglichkeit gibt, neu zu beginnen.
Die außergewöhnliche Freude, Werkzeug der Barmherzigkeit Gottes zu sein
   Das Wort Gottes lehrt uns: »Geben ist seliger als nehmen« Apg 20,35. Gerade deswegen preist die fünfte Seligpreisung die Barmherzigen selig. Wir wissen, dass der Herr uns zuerst geliebt hat. Aber wir werden nur dann wirklich selig und glücklich sein, wenn wir in die göttliche Logik des Geschenks, der unentgeltlichen Liebe eingehen, wenn wir entdecken, dass Gott uns unendlich geliebt hat, um uns fähig zu machen, wie Er zu lieben ohne Maß. Wie der heilige Johannes sagt: »Liebe Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe. […] Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat. Liebe Brüder, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben«  1 Joh 4,7-11.
   Nachdem ich euch ganz kurzgefasst erklärt habe, wie der Herr seine Barmherzigkeit uns gegenüber ausübt, möchte ich euch nun vorschlagen, wie wir konkret Werkzeuge eben dieser Barmherzigkeit gegenüber unserem Nächsten sein können.
   Da kommt mir das Beispiel des seligen Pier Giorgio Frassati in den Sinn. Er sagte: »Jesus besucht mich jeden Morgen in der Kommunion, ich vergelte es ihm in der mir möglichen ärmlichen Weise, indem ich die Armen besuche«. Pier Giorgio war ein junger Mann, der verstanden hatte, was es heißt, ein barmherziges Herz zu haben, das empfindsam ist gegenüber den am meisten Notleidenden. Ihnen gab er weit mehr als nur materielle Dinge; er gab sich selbst, er widmete Zeit, Worte und die Fähigkeit zuzuhören. Er diente den Armen mit großer Einfühlsamkeit, ohne sich jemals zur Schau zu stellen. Er lebte wirklich das Evangelium, das sagt: »Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten« Mt 6,3-4. Denkt nur, am Tag vor seinem Tod, als er schwer krank war, gab er Anweisungen, wie seinen bedürftigen Freunden geholfen werden sollte. Bei seiner Beerdigung waren seine Familienangehörigen und Freunde verblüfft wegen der Anwesenheit so vieler ihnen unbekannter Armer, um die sich der junge Pier Giorgio gekümmert und denen er geholfen hatte.
   Ich verbinde immer gerne die Seligpreisungen mit dem 25. Kapitel des Matthäusevangeliums, wo Jesus uns die Werke der Barmherzigkeit vorstellt und sagt, dass wir einst nach ihnen gerichtet werden. Deswegen lade ich euch ein, die Werke der leiblichen Barmherzigkeit neu zu entdecken: Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde aufnehmen, Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Tote begraben. Und vergessen wir nicht die geistigen Werke der Barmherzigkeit: Zweifelnden recht raten, Unwissende lehren, Sünder zurechtweisen, Betrübte trösten, Beleidigungen verzeihen, Lästige geduldig ertragen, für Lebende und Verstorbene zu Gott beten. Wie ihr seht, ist die Barmherzigkeit weder ein „Alles-Gutheißen“ noch reine Gefühlsseligkeit. Hier bewahrheitet sich die Echtheit unseres Jüngerseins Christi, unsere Glaubwürdigkeit als Christen in der heutigen Welt.
   Euch jungen Freunden, die ihr sehr konkret seid, möchte ich gerne für die ersten sieben Monate des Jahres 2016 vorschlagen, ein leibliches und ein geistiges Werk der Barmherzigkeit auszuwählen, das jeden Monat in die Tat umgesetzt wird. Lasst euch vom Gebet der heiligen Faustyna inspirieren, die eine demütige Apostelin der göttlichen Barmherzigkeit unserer Zeit ist:

            »Hilf mir, o Herr, […]
            - dass meine Augen barmherzig schauen, damit ich niemals nach äußerem Anschein verdächtige und richte, sondern wahrnehme, was schön ist in den Seelen meiner Nächsten, und ihnen zu Hilfe komme […]
            - dass mein Gehör barmherzig wird, damit ich mich den Bedürfnissen meiner Nächsten zuneige, dass meine Ohren nicht gleichgültig bleiben für Leid und Klage der Nächsten […]
            - dass meine Zunge barmherzig wird, dass ich niemals über meine Nächsten abfällig rede, sondern für jeden ein Wort des Trostes und der Vergebung habe […]
            - dass meine Hände barmherzig und voll guter Taten sind […]
            - dass meine Füße barmherzig sind, dass sie meinen Nächsten immer zu Hilfe eilen und die eigene Mattheit und Müdigkeit beherrschen […]
            - dass mein Herz barmherzig ist, auf dass ich alle Leiden der Nächsten empfinde« (Tagebuch, Nr. 163).

   Die Botschaft der göttlichen Barmherzigkeit stellt somit ein sehr konkretes und herausforderndes Lebensprogramm dar, weil es Werke einbezieht. Eines der offensichtlichsten Werke der Barmherzigkeit, aber vielleicht auch eines das am schwierigsten durchzuführen ist, besteht darin, dem zu verzeihen, der mich beleidigt hat, der mir Böses getan hat, eben denen, die wir als unsere Feinde ansehen. »Wie schwer ist es anscheinend, immer und immer wieder zu verzeihen! Und doch ist die Vergebung das Instrument, das in unsere schwachen Hände gelegt wurde, um den Frieden des Herzens zu finden. Groll, Wut, Gewalt und Rache hinter uns zu lassen, ist die notwendige Voraussetzung für ein geglücktes Leben« Misericordiae Vultus, 9.
   Ich begegne so vielen jungen Menschen, die sagen, dass sie diese so geteilte Welt leid sind, in der Anhänger verschiedener Parteien zusammenstoßen, in der es so viele Kriege gibt und es sogar Leute gibt, die die eigene Religion als Rechtfertigung für die Gewalt benutzen.  Wir müssen den Herrn bitten, er möge uns die Gnade schenken, mit dem barmherzig zu sein, der uns Böses tut. So wie Jesus, der am Kreuz für jene gebetet hat, die ihn gekreuzigt hatten: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun« Lk 23,34. Der einzige Weg, um das Böse zu besiegen, ist die Barmherzigkeit. Die Gerechtigkeit ist notwendig, ja sehr, aber sie alleine genügt nicht. Gerechtigkeit und Barmherzigkeit müssen zusammen gehen. Wie möchte ich, dass wir uns alle in einem gemeinsamen, aus der Tiefe unserer Herzen kommenden Gebet vereinten, um zu bitten, dass der Herr Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt habe!
Krakau wartet auf uns!
   Es fehlen noch wenige Monate bis zu unserem Treffen in Polen. Krakau, die Stadt des heiligen Johannes Paul II. und der heiligen Faustyna Kowalska, wartet mit offenen Armen und Herzen auf uns. Ich glaube, dass die göttliche Vorsehung uns geführt hat, gerade dort das Jubiläum der Jugend zu feiern, wo diese beiden großen Apostel der Barmherzigkeit unserer Tage gelebt haben. Johannes Paul II. hatte erfasst, dass dies die Zeit der Barmherzigkeit sei. Zu Beginn seines Pontifikats hat er die Enzyklika Dives in Misericordia geschrieben. Im Heiligen Jahr 2000 hat er Schwester Faustyna heilig gesprochen und auch das Fest der Göttlichen Barmherzigkeit für den zweiten Sonntag nach Ostern eingesetzt. Und im Jahr 2002 hat er persönlich in Krakau das Heiligtum des Barmherzigen Jesus eingeweiht, indem er die Welt der göttlichen Barmherzigkeit anvertraut hat mit dem Wunsch, dass diese Botschaft alle Einwohner der Erde erreiche und die Herzen mit Hoffnung erfülle: »Diesen Funken der Gnade Gottes müssen wir entfachen und dieses Feuer des Erbarmens an die Welt weitergeben. Im Erbarmen Gottes wird die Welt Frieden und der Mensch Glückseligkeit finden!« Predigt bei der Weihe des Heiligtums der Göttlichen Barmherzigkeit in Krakau, 17. August 2002.
   Liebe junge Freunde, der Barmherzige Jesus, der auf dem vom Volk Gottes im ihm geweihten Heiligtum in Krakau verehrten Bild dargestellt ist, erwartet euch. Er verlässt sich auf euch und rechnet mit euch! Er hat jedem und jeder von euch so viele wichtige Dinge zu sagen… Habt keine Angst, seine von unendlicher Liebe zu euch erfüllten Augen anzuschauen, und lasst euch von seinem barmherzigen Blick treffen, der bereit ist, jede eurer Sünden zu verzeihen; es ist ein Blick, der euer Leben zu verwandeln und die Wunden eurer Seele zu heilen vermag, ein Blick, der den tiefen Durst stillt, der sich in euren jungen Herzen befindet: der Durst nach Liebe, nach Frieden, nach Freude und wahrem Glück. Kommt zu Ihm und habt keine Angst! Kommt und sagt Ihm aus tiefstem Herzen: „Jesus, ich vertraue auf Dich!“. Lasst euch von seiner grenzenlosen Barmherzigkeit berühren, damit auch ihr durch die Werke, die Worte und das Gebet zu Aposteln der Barmherzigkeit werdet in unserer von Egoismus, Hass und so großer Verzweiflung verwundeten Welt.
   Tragt die Flamme der barmherzigen Liebe Christi – von der der heilige Johannes Paul II. gesprochen hat – in das Umfeld eures alltäglichen Lebens und bis an die Grenzen der Erde. Auf dieser Sendung begleite ich euch mit meinen Wünschen und meinen Gebeten. Ich empfehle euch alle auf dieser letzten Wegstrecke der geistlichen Vorbereitung auf den kommenden WJT in Krakau der Jungfrau Maria, der Mutter der Barmherzigkeit, und segne euch alle von Herzen.                                                                                                         
fr-sign--
Aus dem Vatikan, am 15. August 2015  -  Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel   rv150928

 y-ak-KrakauLogo-2016-- Y-w-Kugelschreiber-

Papst an Jugendliche: Sexualität nicht banalisieren - Papst Franziskus zum Weltjugendtag 2016

ff-333-Z y-ak-KrakauLogo-2016--

„Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.“ Unter diesem Motto steht eine Botschaft von Papst Franziskus an Jugendliche, die der Vatikan jetzt publizierte. „Das kostbarste Gut, das wir im Leben haben können, ist unsere Beziehung zu Gott“, schreibt der Papst in dem Text, der sich auf den bevorstehenden Weltjugendtag bezieht. Hier finden Sie den vollen Text der Papstbotschaft in der offiziellen deutschen Fassung.
Botschaft von Papst Franziskus zum XXX. Weltjugendtag 2015:
»Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen« Mt 5,8
Liebe junge Freunde,
  setzen wir unsere geistliche Pilgerfahrt nach Krakau fort, wo im Juli 2016 die nächste internationale Veranstaltung des Weltjugendtags stattfinden wird. Als Führer auf unserem Weg haben wir die Seligpreisungen aus dem Evangelium gewählt. Im vergangenen Jahr haben wir über die Seligkeit derer nachgedacht, die arm sind vor Gott; sie steht im größeren Zusammenhang der „Bergpredigt“. Gemeinsam haben wir die umwälzende Bedeutung der Seligpreisungen entdeckt und den nachdrücklichen Aufruf Jesu, uns mutig in das Abenteuer der Suche nach dem Glück zu stürzen. In diesem Jahr wollen wir über die sechste Seligpreisung nachdenken: » Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen « Mt 5,8.

Y-w-Kugelschreiber-

1. Die Sehnsucht nach Glück
   Das Wort selig – das heißt glücklich – erscheint neunmal in dieser ersten großen Predigt Jesu vgl. Mt 5,1-12. Es ist wie ein Refrain, der uns an den Ruf Jesu erinnert, gemeinsam mit ihm einen Weg zu gehen, der ungeachtet aller Herausforderungen der Weg zum wahren Glück ist.
   Ja, liebe junge Freunde, die Suche nach dem Glück ist allen Menschen aller Zeiten und jeden Alters gemeinsam. Gott hat jedem Mann und jeder Frau eine unbezwingbare Sehnsucht nach Glück, nach Fülle ins Herz gelegt. Spürt ihr nicht, dass eure Herzen unruhig sind und ständig auf der Suche nach einem Gut, das ihren Durst nach Unendlichkeit stillen kann?
Die ersten Kapitel aus dem Buch Genesis zeigen uns die wunderbare Seligkeit, zu der wir berufen sind und die in dem vollen Einklang mit Gott, mit den anderen, mit der Natur und mit uns selbst besteht. Der freie Zugang zu Gott, die Vertrautheit mit ihm und seine Schau war vom Anfang der Menschheit an Teil von Gottes Plan für sie und bewirkte, dass das göttliche Licht alle menschlichen Beziehungen mit Wahrheit und Transparenz durchdrang. In diesem Zustand ursprünglicher Reinheit gab es keine „Masken“, keine Winkelzüge, keine Gründe, sich voreinander zu verstecken. Alles war durchsichtig und klar.
   Als der Mann und die Frau der Versuchung nachgeben und die Beziehung einer vertrauensvollen Gemeinschaft mit Gott brechen, tritt die Sünde in die menschliche Geschichte ein vgl. Gen 3. Die Folgen machen sich sofort bemerkbar, auch in ihren Beziehungen zu sich selbst, zueinander und zur Natur. Und sie sind dramatisch! Die ursprüngliche Reinheit ist wie vergiftet. Von jenem Moment an ist der direkte Zugang zur Gegenwart Gottes nicht mehr möglich. Statt dessen herrscht die Tendenz sich zu verstecken, der Mann und die Frau müssen ihre Blöße bedecken. Ohne das Licht, das die Schau des Herrn vermittelt, sehen sie die Wirklichkeit, die sie umgibt, verzerrt, verschwommen. Der innere „Kompass“, der sie in ihrer Suche nach dem Glück leitete, verliert seinen Bezugspunkt, und die Verlockungen der Macht, des Besitzes und das Verlangen nach Vergnügen um jeden Preis führen sie in den Abgrund der Traurigkeit und der Angst.
   In den Psalmen finden wir den Schrei, den die Menschheit aus tiefster Seele an Gott richtet: » Wer lässt uns Gutes erleben? Herr, lass dein Angesicht über uns leuchten!« Ps 4,7. Und in seiner unendlichen Güte antwortet der himmlische Vater auf dieses Flehen, indem er seinen Sohn sendet. In Jesus nimmt Gott ein menschliches Gesicht an. Mit seiner Menschwerdung, seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung erlöst er uns von der Sünde und eröffnet uns neue, bis dahin unvorstellbare Horizonte.
   Und so, liebe junge Freunde, findet sich in Christus die vollkommene Erfüllung eurer Träume von Güte und Glück. Er allein kann eure Erwartungen befriedigen, die so oft aufgrund von falschen weltlichen Versprechungen enttäuscht wurden. Der heilige Johannes Paul II. sagte dazu: » Er ist die Schönheit, die euch so anzieht; Er ist es, der euch provoziert mit jenem Durst nach Radikalität, der euch keine Anpassung an den Kompromiss erlaubt; Er ist es, der euch dazu drängt, die Masken abzulegen, die das Leben verfälschen; Er ist es, der in euren Herzen die wahreren Entscheidungen herausliest, die andere am liebsten ersticken würden. Jesus ist es, der in euch etwas entfacht: die Sehnsucht, aus eurem Leben etwas Großes zu machen« Gebetswache Tor Vergata, 19. August 2000: Insegnamenti XXIII/2, [2000], 212.

Y-w-Kugelschreiber-

2. Selig, die ein reines Herz haben…
   Jetzt versuchen wir, der Frage auf den Grund zu gehen, wie diese Seligkeit ihren Weg über die Reinheit des Herzens nimmt. Zuallererst müssen wir die biblische Bedeutung des Wortes Herz verstehen. Für die hebräische Kultur ist das Herz das Zentrum der Gefühle, der Gedanken und der Absichten des Menschen. Wenn die Bibel uns lehrt, dass Gott nicht auf das schaut, was vor den Augen ist, sondern auf das Herz vgl. 1 Sam 16,7, dann können wir auch sagen, dass es unser Herz ist, von dem aus wir Gott schauen können. Und das, weil das Herz den Menschen in seiner Ganzheit und Einheit von Leib und Seele zusammenfasst, in seiner Fähigkeit, zu lieben und geliebt zu werden.
   Was hingegen die Definition von „rein“ betrifft, so lautet das griechische Wort, das der Evangelist Matthäus verwendet, katharos und bedeutet im Wesentlichen sauber, klar, frei von Schadstoffen. Im Evangelium sehen wir, wie Jesus ein gewisses, an Äußerlichkeiten gebundenes Verständnis ritueller Reinheit aus den Angeln hebt, das jeden Kontakt mit als unrein angesehenen Dingen oder Personen (u. a. Aussätzigen und Ausländern) verbot. Zu den Pharisäern, die wie viele Juden jener Zeit nicht aßen, ohne die rituellen Waschungen vorgenommen zu haben, und sich an zahlreiche Überlieferungen hielten, die mit dem Abspülen von Gegenständen zusammenhingen, sagt Jesus ganz entschieden: » Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein. Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft « Mk 7,15.21-22.
   Worin besteht also die Seligkeit, die aus einem reinen Herzen entspringt? Aus der Liste der von Jesus aufgezählten Übel, die den Menschen unrein machen, ersehen wir, dass das Problem vor allem den Bereich unserer Beziehungen betrifft. Jeder von uns muss lernen zu unterscheiden, was sein Herz „verunreinigen“ kann, und sich ein aufrichtiges, feines Gewissen bilden, das fähig ist, zu » prüfen und erkennen … was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist « Röm 12,2. Wenn für die Bewahrung der Schöpfung, für die Reinheit der Luft, des Wassers und der Nahrung eine gesunde Aufmerksamkeit notwendig ist, um wieviel mehr müssen wir dann die Reinheit dessen schützen, was uns am kostbarsten ist: unsere Herzen und unsere Beziehungen. Diese „menschliche Ökologie“ wird uns helfen, die reine Luft zu atmen, die aus den schönen Dingen, der echten Liebe, der Heiligkeit hervorgeht.
   Einmal habe ich euch die Frage gestellt: » Wo ist dein Schatz? … Auf welchem Schatz ruht dein Herz? « Interview mit einigen Jugendlichen aus Belgien, 31. März 2014. Ja, unsere Herzen können sich an wahre oder an falsche Schätze hängen, können eine echte Ruhe finden oder einschlummern, indem sie träge und abgestumpft werden. Das kostbarste Gut, das wir im Leben haben können, ist unsere Beziehung zu Gott. Seid ihr davon überzeugt? Ist euch bewusst, wie unschätzbar wertvoll ihr in Gottes Augen seid? Wisst ihr, dass ihr von ihm bedingungslos geliebt und angenommen werdet, so wie ihr seid? Wenn diese Wahrnehmung schwindet, wird das Menschsein ein unverständliches Rätsel, denn gerade das Wissen darum, dass wir von Gott bedingungslos geliebt werden, verleiht unserem Leben Sinn. Erinnert ihr euch an das Gespräch Jesu mit dem reichen jungen Mann vgl. Mk 10,17-22? Der Evangelist Markus vermerkt, dass der Herr ihn ansah und ihn liebte vgl. V. 21 und ihn dann einlud, ihm zu folgen, um den wahren Schatz zu finden. Ich wünsche euch, liebe junge Freunde, dass dieser liebevolle Blick Christi euch euer ganzes Leben hindurch begleiten möge.
   Die Zeit der Jugend ist die, in der der große Reichtum des Gefühlslebens aufblüht, der in euren Herzen vorhanden ist, der tiefe Wunsch nach einer wahren, schönen und großen Liebe. Wie viel Kraft steckt in dieser Fähigkeit, zu lieben und geliebt zu werden! Lasst nicht zu, dass dieser kostbare Wert verfälscht, zerstört oder verdorben wird. Das geschieht, wenn in unsere Beziehungen die Instrumentalisierung des Nächsten für die eigenen egoistischen Zwecke – manchmal als bloßes Lustobjekt – eindringt. Nach diesen negativen Erfahrungen bleiben im Herzen Verletzung und Traurigkeit zurück. Ich bitte euch: Habt keine Angst vor einer wahren Liebe, wie Jesus sie uns lehrt und die der heilige Paulus so umreißt: » Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf « 1 Kor 13,4-8.
   Indem ich euch einlade, die Schönheit der menschlichen Berufung zur Liebe neu zu entdecken, fordere ich euch auch auf, euch der verbreiteten Tendenz zur Banalisierung der Liebe zu widersetzen, vor allem wenn versucht wird, sie allein auf den sexuellen Aspekt zu reduzieren, und man sie so von ihren wesentlichen Merkmalen der Schönheit, der Gemeinschaft, der Treue und der Verantwortung trennt. Liebe junge Freunde, » in der Kultur des Provisorischen, des Relativen predigen viele, das Wichtige sei, den Augenblick zu „genießen“, sich für das ganze Leben zu verpflichten, endgültige Entscheidungen „für immer“ zu treffen, sei nicht der Mühe wert, denn man weiß ja nicht, was das Morgen bereithält. Ich hingegen bitte euch, Revolutionäre zu sein; ich bitte euch, gegen den Strom zu schwimmen; ja in diesem Punkt bitte ich euch, gegen diese Kultur des Provisorischen zu rebellieren, die im Grunde meint, dass ihr nicht imstande seid, Verantwortung zu übernehmen; die meint, dass ihr nicht fähig seid, wirklich zu lieben. Ich habe Vertrauen in euch junge Freunde und bete für euch. Habt den Mut, „gegen den Strom zu schwimmen“. Und habt auch den Mut, treu zu sein « Begegnung mit den freiwilligen Helfern des Weltjugendtags von Rio de Janeiro, 28. Juli 2013.
  
Ihr jungen Leute seid tüchtige Forscher! Wenn ihr euch in die Erforschung der reichen Lehre der Kirche auf diesem Gebiet stürzt, werdet ihr entdecken, dass das Christentum nicht etwa aus einer Reihe von Verboten besteht, die unsere Wünsche nach Glück ersticken, sondern in einem Lebensprojekt, das unsere Herzen begeistern kann!

Y-w-Kugelschreiber-

3. …denn sie werden Gott schauen
  
Im Herzen jedes Mannes und jeder Frau erklingt unentwegt die Einladung des Herrn: » Sucht mein Angesicht! « Ps 27,8. Zugleich müssen wir uns immer mit unserer ärmlichen Lage als Sünder auseinandersetzen. Es ist das, was wir zum Beispiel im Buch der Psalmen lesen: » Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn, wer darf stehn an seiner heiligen Stätte? Der reine Hände hat und ein lauteres Herz« Ps 24,3-4. Doch wir dürfen weder Angst haben, noch den Mut verlieren: In der Bibel und in der Geschichte eines jeden von uns sehen wir, dass immer Gott den ersten Schritt tut. Er ist es, der uns läutert, damit wir Zugang erlangen zu seiner Gegenwart.
Als der Prophet Jesaja die Berufung des Herrn empfing, in seinem Namen zu sprechen, erschrak er und sagte: » Weh mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen « Jes 6,5. Der Herr aber reinigte ihn, indem er ihm einen Engel sandte, der seinen Mund berührte und ihm sagte: » Deine Schuld ist getilgt, deine Sünde gesühnt « V.7. Im Neuen Testament, als Jesus am See von Gennesaret seine ersten Jünger rief und das Wunder des außerordentlichen Fischfangs wirkte, fiel Simon Petrus ihm zu Füßen und sagte: » Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder « Lk 5,8. Die Antwort ließ nicht auf sich warten: » Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen « V.10. Und als einer der Jünger Jesu ihn bat: » Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns «, antwortete der Meister: » Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen « Joh 14,8-9.
   Die Einladung des Herrn, ihm zu begegnen, ist darum an jeden von euch gerichtet, an welchem Ort und in welcher Lage auch immer er sich befindet. Es genügt, » den Entschluss zu fassen, sich von ihm finden zu lassen, ihn jeden Tag ohne Unterlass zu suchen. Es gibt keinen Grund, weshalb jemand meinen könnte, diese Einladung gelte nicht ihm « Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium,3. Wir alle sind Sünder und haben es nötig, vom Herrn gereinigt zu werden. Doch es reicht, einen kleinen Schritt auf Jesus zuzugehen, um zu entdecken, dass er uns immer mit offenen Armen erwartet, besonders im Sakrament der Versöhnung, einer bevorzugten Gelegenheit für die Begegnung mit der göttlichen Barmherzigkeit, die unsere Herzen reinigt und neu belebt.
   Ja, liebe junge Freunde, der Herr will uns begegnen, sich von uns „schauen“ lassen. „Und wie?“, könnt ihr mich fragen. Auch die heilige Teresa von Avila, die vor genau 500 Jahren in Spanien geboren wurde, sagte schon als kleines Mädchen zu ihren Eltern: » Ich will Gott sehen. « Später hat sie den Weg des Gebetes entdeckt als » eine innige freundschaftliche Beziehung zu dem, von dem wir uns geliebt fühlen « Das Buch meines Lebens, 8,5. Deshalb frage ich euch: Betet ihr? Wisst ihr, dass ihr mit Jesus, mit dem Vater, mit dem Heiligen Geist sprechen könnt, wie man mit einem Freund spricht? Und nicht mit irgendeinem Freund, sondern mit eurem besten und vertrauenswürdigsten Freund! Versucht es einmal, in Einfachheit. Ihr werdet das entdecken, was ein Bauer aus Ars zu dem heiligen Pfarrer seines Dorfes sagte: » Ich schaue ihn an, und er schaut mich an «, wenn ich vor dem Tabernakel bete Katechismus der Katholischen Kirche, 271.
   Noch einmal lade ich euch ein, dem Herrn zu begegnen, indem ihr häufig in der Heiligen Schrift lest. Wenn ihr diese Gewohnheit noch nicht habt, fangt mit den Evangelien an. Lest jeden Tag einen Absatz. Lasst das Wort Gottes zu euren Herzen sprechen und eure Schritte erleuchten vgl. Ps 119,105. Ihr werdet entdecken, dass man Gott auch im Gesicht der Mitmenschen „schauen“ kann, besonders derer, die am meisten vergessen sind: die Armen, die Hungrigen,  die Durstigen,  die Fremden,  die Kranken, die Gefangenen vgl. Mt 25,31-46. Habt ihr das nie erfahren? Liebe junge Freunde, um in die Logik des Gottesreiches einzutreten, muss man sich als Armer mit den Armen erkennen. Ein reines Herz ist notwendig auch ein entblößtes Herz, das versteht, sich zu erniedrigen und das eigene Leben mit denen zu teilen, die am meisten Not leiden.
   Die Begegnung mit Gott im Gebet, durch die Lektüre der Bibel und im brüderlichen Leben wird euch helfen, den Herrn und euch selbst besser zu kennen. Wie es den Emmaus-Jüngern erging vgl. Lk 24,13-35, wird die Stimme Jesu eure Herzen entflammen, und es werden euch die Augen aufgehen, um seine Gegenwart in eurer Geschichte zu erkennen. Und so werdet ihr den Plan der Liebe entdecken, den er für euer Leben hat.
   Einige von euch spüren oder werden spüren, dass der Herr sie zur Ehe, zur Gründung einer Familie beruft. Viele meinen heute, diese Berufung sei „veraltet“, aber das ist nicht wahr! Genau aus diesem Grund erlebt die gesamte Gemeinschaft der Kirche eine besondere Zeit des Nachdenkens über die Berufung und Sendung der Familie in der Kirche und der Welt von heute. Darüber hinaus lade ich euch ein, die Berufung zum geweihten Leben oder zum Priestertum in Betracht zu ziehen. Wie schön ist es, junge Menschen zu sehen, die die Berufung ergreifen, sich völlig Christus und dem Dienst seiner Kirche hinzugeben! Fragt euch mit lauterem Herzen, und habt keine Angst vor dem, was Gott von euch erbittet! Aufgrund eures „Ja“ zum Ruf des Herrn werdet ihr neues Saatgut der Hoffnung in der Kirche und in der Gesellschaft werden. Vergesst nicht: Der Wille Gottes ist unser Glück!

Y-w-Kugelschreiber-

4. Auf dem Weg nach Krakau
   »Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen« Mt 5,8. Liebe junge Freunde, wie ihr seht, betrifft diese Seligpreisung hautnah euer Leben und ist eine Gewähr für euer Glück. Darum wiederhole ich es euch noch einmal: Habt den Mut, glücklich zu sein!
   Der diesjährige Weltjugendtag führt zur letzten Etappe des Weges der Vorbereitung auf das nächste große Welttreffen der Jugendlichen in Krakau im Jahr 2016. Genau vor dreißig Jahren führte der heilige Johannes Paul II. in der Kirche die Weltjugendtage ein. Diese Jugendpilgerfahrt durch die Kontinente unter der Leitung des Nachfolgers Petri war wirklich eine gottgewollte und prophetische Initiative. Danken wir gemeinsam dem Herrn für die kostbaren Früchte, die sie im Leben so vieler Jugendlicher auf dem ganzen Erdkreis gebracht hat! Wie viele wichtige Entdeckungen, vor allem die Entdeckung Christi als Weg, Wahrheit und Leben und die Entdeckung der Kirche als eine große und gastfreundliche Familie! Wie viele Neuorientierungen des Lebens, wie viele Entscheidungen für eine geistliche Berufung sind aus diesen Versammlungen hervorgegangen! Möge der heilige Papst, der Patron der Weltjugendtage, Fürsprache halten für unsere Pilgerfahrt in sein Krakau. Und der mütterliche Blick der seligen Jungfrau Maria, die voll der Gnade, ganz schön und ganz rein ist, begleite uns auf diesem Weg.
Aus dem Vatikan, am 31. Januar 2015, dem Gedenktag des heiligen Johannes Bosco FR-SIGN---

y-1Krakau-Z2

Mehr als zwei Millionen junge Christen werden zum Weltjugendtag 2016 in Krakau erwartet

   Auf dem letzten Weltjugendtag in Rio de Janeiro war diese Flagge mit dem Namen Krakow (Krakau) zu sehen. Nun hat der Vatikan das Programm dieses Weltfestes der Jugend in Krakau 2016 bestätigt.
   Ein neuer Flughafen, erneuerte Straßen und Bahnverbi ndungen, eine Flotte von „Traum-Bussen“ und eine Jugendbibel sind für die Gäste des 14. Internationalen Weltjugendtags der Katholischen Kirche bereit. Monsignore Bronislaw Fidelus, der Mitorganisator dieses Ereignisses vom 26. Juli bis 01. August 2016, freut sich: „Es sind nur noch wenige Monate bis zur Eröffnung, aber die Planung ist gut vorangekommen. Großes Interesse für dieses Jugendfestival zeigt sich im Ausland. Angemeldet haben sich große kirchliche Gruppen aus den USA, Europa und Latein-Amerika. Wir sind sicher, dass unser Thema von der „Göttlichen Barmherzigkeit“, das speziell von Papst Franziskus ausgesucht wurde, unter den jugedlichen Teilnehmern eine Offenheit für Jesus Christus schaffen wird.“ Die Organisatoren erwarten 2016 mehr als zwei Millionen junge Christen aus der ganzen Welt.
    Msgr. Fidelus teilt mit, dass am 13. März das vorbereitete Programm von einer vatikanischen Delegation unter Leitung des Kardinals Stanislaw Ryłko, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Laien, angenommen wurde. Die polnische Kirche erwartet von diesem fünf-Tage-Ereignis eine Erneuerung des Glaubens der Jugendlichen weltweit.Nachdem die Vorbereitung auf gutem Wege sind, sucht nun die örtliche Vorbereitungsgruppe in diese Planung die Stadt Krakau einzubeziehen hinsichtlich der Verkehrsverbindungen der Straße und Bahn mit den europäischen Staaten. Auch die Schulen im Großraum Krakau werden renoviert, um angemessene Übernachtungsplätze für die Pilger anzubieten. „Durch die vielen Pilgergruppen zum Haus des verstorbenen Heiligen Johannes Paul II. in der Stadt, sind wir gut vorbereitet für Großveranstaltungen wie diese“, sagt der Sprecher des Krakauer Stadtrates Filip Szatanik einer amerikanischen Presseagentur, “viele große alte Kirchen in der Stadt erzählen von der christlichen Geschichte Polens. Das Interesse der Gäste wird nachhaltig geweckt.“
   Der heilige Papst Johannes Paul II hatte 1985 – also vor dreißig Jahren – diese Idee vom Weltjugendtag, der jährlich auf Ortsebene gefeiert wird und alle zwei bis drei Jahre als internationals Treffen mit dem Papst. Auf dem letzten großen Weltjugendtag in Rio de Janeiro hat Papst Franziskus zum Weltjugendtag 2016 nach Krakau aufgerufen. Das Thema in Krakau wird sein:

y-2kr-31-zx

und wird eine Fortsetzung der 1050-Jahr-Feier der Bekehrung Polens zum Christentutm, das im April 2016 gefeiert wird. Papst Franziskus plant die vom Fernsehen übertragene Prozession des Heiligen Kreuzes vom Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit in Krakau anzuführen. Dann folgt eine Gebets-Vigil mit Themen der Jugend in der Nähe der Salzbergwerke I Wieliczka, und die Abschlussmesse im Blonia Park in Krakau.
   Auf der Web-Site des Weltjugendtages heißt es, ein Zelt-Museum mit vatikanischen Ausstellungsstücken und Konzerten, sowie weitere Ausstellungen an über 100 Locations, außerdem auch “unterwegs-Katechesen im dreißig Sprachen und einen “Versöhnungsbereich” mit mehreren hundert Freiluft-Beichtstühlen. In den 44 (Erz-)Diözsen stehen Übernachtungspätze für 373.000 ausländische Besucher bereit. Organisiert werden auch Bootsfahrten und Bergwanderungen für ausländische Pilger, um ihnen die Möglichkeit zu bieten, beispielhaft am Leben des heiligen Johannes Paul II teilzuhaben, der Erzbischof von Krakau in den Jahren 1964-1978 gewesen ist. Papst Franziskus ist eingeladen, während seines Besuches Wadowice zu besichtigen, wo Johannes Paul II 1920 geboren wurde. Vorbereitet ist auch eine Jugendbibel, die von der katholischen Universität von Lublin erarbeitet wurde, und die das Neue Testament in die Alltagssprache – ohne altertümliche Ausdrücke – übersetzt.
   Am 13. März ist ein “virtueller Gebets-Marathon” gestartet, der junge Christen die Möglichkeit gibt, zu zeigen, wo sie “die Welt durch Gebete verändern” wollen – oder auch um ein Gebet bitten, indem sie auf die website des WJT klicken.
   Im Juli wird dann eine Flotte von gelben “Traum-Bussen”, die vom Kalwaria Marienwallfahrtsort in Polen gechartert werden, durch ganz Europa touren, um die Festlichkeiten des Weltjugendtages bekannt zu machen.
    Inzwischen ist das Weltjugendtags-Kreuz von 1983 in das National-Heiligtum Jasna Gora und in das ehemalige KZ Auschwitz gebracht. Das heilige Kreuz wird in allen Städten Polens gezeigt werden. Pater Tomasz Kijowski, der Sprecher des Weltjugendtages erwartet dadurch einen mobilisierenden Effekt auf junge Leute in Polen. Viele polnische “Jugendliche haben der Kirche den Rücken gekehrt – und wir brauchen eien Schock, einen Impuls, diesen Trend aufzuhalten und umzukehren”, sagt Pater Kijowski der KAI, der polnischen katholischen Nachrichenagentur. “Ich will nicht untersellen, dass wir eine Vision für ein christliches Polen haen, aber wir wollen einen Prozess anstoßen, der auch nach dem Weltjugendtag weitergeführt wird, und nicht mit dem Papstbesuch endet.”
CatholicHerald150329JohanthanLuxmoreCNSArbeitsübersetzung:kbwn 

y-2kr-04-ZZ

y-2kr-22-Z

y-ak-KrakauLogo-2016-z

Vorbereitungen für Krakau 2016

   Auch in Deutschland sind jetzt die Vorbereitungen für den nächsten Weltjugendtag angelaufen: Er findet im Juli 2016 im polnischen Krakau statt. In Fulda trafen sich am Mittwoch und Donnerstag die deutschen Verantwortlichen aus Bistümern, Verbänden, Orden und Gemeinschaften, um ihre Vorbereitungen zu koordinieren. Ein polnischer Publizist führte die Teilnehmer des Treffens in die Besonderheiten der polnischen Kirche und Gesellschaft ein, Bischof Josef Clemens vom Päpstlichen Laienrat erläuterte die Geschichte der Weltjugendtage vom hl. Johannes Paul II. bis heute. Clemens betonte, dass Weltjugendtage „sowohl eine soziale als auch eine spirituelle Dimension“ haben: „Sie sind ein Modell der Erneuerung der Jugendpastoral.“ Der XXXI. Weltjugendtag wird unter dem Motto stehen: „Selig, die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden“ Mt 5,7. Rv 150522 

y-2kr-51-Z

Programmschema vorgestellt   Unsere Freunde in Polen haben ein Programmschema erstellt,
 an dem Schema kann sich jeder Informieren, wie so ein Weltjugendtag (bzw. eine Woche) aussieht.

f-184-Zz

   Nach dem traditionellen Mittagsgebet der Kirche, dem Engel des Herrn, schrieb sich der Papst auf einem elektronischen Gerät als erster Teilnehmer zum Weltjugendtag in Krakau ein. Die Versammlung findet nächstes Jahr in der ehemaligen Bischofsstadt des heiligen Papstes Johannes Paul II. statt. Da der Weltjugendtag 2016 während des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit stattfinde, werde er gewissermaßen ein „Jubiläum der Jugend“ sein, erklärte Franziskus, der „die Jugendlichen der ganzen Welt“ dazu einlud, nach Krakau zu kommen oder sich geistlich der Pilgerschaft zum Thema Barmherzigkeit anzuschließen.  Rv150726gs 

y-2kr-52-ZZcdStanislawRylko-ZZ

Eine eigene Heilige Pforte für den Weltjugendtag  -  Foto: Kardinal Stanislaw Rylko
Kardinal Rylko ist Präsident des päpstlichen Laienerates und damit Verantwortlicher für den Weltjugendtag

   „Der Weltjugendtag in Krakau wird ein echtes ‚Jubeljahr der Jugend’, auch auf weltkirchlichem Niveau“. So beschreibt Kardinal Stanislaw Rylko, Präsident des Päpstlichen Laienrates und damit Vatikanverantwortlicher für den Weltjugendtag (WJT), das Ereignis, das in genau einem Jahr beginnen wird. Es wird der zweite Weltjugendtag in Polen nach 1991 in Częstochowa sein. An diesem Sonntag hatte sich bereits Papst Franziskus offiziell als Teilnehmer angemeldet.
   Die Jugend würde eingeladen, über die Barmherzigkeit nachzudenken, die ein Ideal für das Leben sei und auch ein Kriterium für die Glaubwürdigkeit des Glaubens, schreibt der Kardinal in seiner Botschaft. Von Krakau müsse eine Botschaft in die gesamte Welt ausgehen, eine Botschaft der Hoffnung und der barmherzigen Liebe Gottes für jeden einzelnen Menschen auf der Welt. Das geistliche Zentrum dieses Heiligen Jahres der Jugend werde das Heiligtum der Göttlichen Barmherzigkeit in der Stadt sein und die Kirche der Heiligen Faustina Kowalska, der Botschafterin dieser Barmherzigkeit. Johannes Paul II. hatte das Gotteshaus 2002 geweiht. 
   Am zentralen Versammlungsplatz für den WJT, den man „Campus Misericordiae“ genannt habe, werde es eine eigene heilige Pforte geben, kündigte der Kardinal weiter an. Papst Franziskus werde diese Pforte gemeinsam mit einigen Jugendlichen zur Vigilfeier vor dem Abschlussgottesdienst am 31. Juli öffnen. Zum Abschluss des WJT würden fünf Gruppen von Jugendlichen mit Kerzen symbolisch auf die fünf Kontinente der Welt geschickt, um das Licht der Barmherzigkeit Gottes zu verbreiten. Rv150727ord

y-2kr-53-ZZ

Weltjugendtag in Krakau 2016

45.000 Anmeldungen binnen 24 Stunden: das ist das stolze Erstergebnis für den Weltjugendtag in Krakau im Sommer nächsten Jahres. Papst Franziskus hatte sich beim Angelusgebet am Sonntag persönlich via Tablet angemeldet und damit die Einschreibung eröffnet. Aus Deutschland werden sich um die 16.000 Jugendliche auf den Weg nach Krakau machen, schätzt Wolfgang Ehrenlechner, der Bundesvorsitzender der BDKJ – dem Bund der Deutschen katholischen Jugend; so viele seien es erfahrungsgemäß, wenn das katholische Großevent in Europa stattfindet. Allerdings meint Ehrenlechner auch, mit Papst Franziskus gebe es noch Spielraum nach oben:
   „Ich glaube, man muss immer den aktuellen Weltjugendtag und somit auch die Themen im Blick haben, die die jungen Menschen dorthin mitbringen. Wir haben mit Papst Franziskus einen Papst, der viele junge Menschen anspricht, wo viele hoffen, dass er frischen Wind in die Kirche bringt, von daher glaube ich, dass viele junge Menschen der Einladung folgen werden und den Weltjugendtag auch nutzen, ihre Vorstellungen von Kirche neu zum Ausdruck zu bringen.“
Was sind die Vorstellungen der Jugendlichen von der Kirche?
   „Für die jungen Menschen ist es wichtig, dass die Kirche ihre Lebenswelt kennt und sich darauf einlässt. Da haben wir bisher die Erfahrung gemacht, dass es große Zurückhaltung gab, sich auf diese Lebensweit einzulassen. Das, denke ich, könnte sich mit Papst Franziskus ändern, der ein menschennaher Papst ist.“
Das Thema des Krakauer Weltjugendtages ist Barmherzigkeit, ein Herzensthema von Franziskus. Inwiefern hat dieses Thema hohe Aktualität?
   „Barmherzigkeit ist ein großes Wort, und die Barmherzigkeit können wir im Alltag leben. Wenn wir an die vielen Schutz suchenden Flüchtlinge denke, die zu uns nach Europa, nach Deutschland kommen, weil an so vielen Orten der Welt Krieg und Vertreibung herrscht, so viele Menschen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr auf der Flucht sind, dann wird das ein Thema sein, das auch die jungen Menschen beim Weltjugendtag in Krakau beschäftigen wird. Wir als BDKJ werden wieder ein international
youth hearing veranstalten und auch dort wird mit Sicherheit die Situation gerade auch von jungen Menschen, die auf der Flucht sind überall auf der Welt, ein Thema sein.“
Es gibt bei den Weltjugendtagen immer auch einige, die mit dabei sind, mitfeiern und sich freuen, aber dann nach Hause fahren und alles vergessen. Ist dieser Tatsache, dass auch Gleichgültige dabei sind, trotzdem etwas abzugewinnen?
   „Ich glaube, der wichtigste Programmteil des Weltjugendtages sind die Tage der Begegnung. Denn das, was die jungen Menschen dort erleben, das werden sie mit Sicherheit nicht einfach vergessen. Das Erlebnis, so viele Jugendliche aus anderen Teilen der Welt und mit anderen kulturellen Hintergründen zu treffen, das wird die Teilnehmer prägen. Von daher auch wenn es sicherlich viele gibt, die dorthin kommen, um zu feiern, um Spaß zu haben, das ist ja auch völlig ok, auch dann werden sie etwas vom Weltjugendtag mitnehmen, wenn sie nach Hause fahre.“ Rv150728gs

Schon 220.000 Anmeldungen für Weltjugendtag in Krakau

   Für den katholischen Weltjugendtag 2016 im südpolnischen Krakau haben sich im ersten Monat nach dem Start des Anmeldeportals rund 220.000 Teilnehmer registrieren lassen. Das Interesse an dem Großereignis mit Papst Franziskus sei nicht nur in Europa, sondern auch in Süd- und Nordamerika groß, sagte der Erzbischof von Krakau, Kardinal Stanislaw Dziwisz nach Angaben der polnischen Nachrichtenagentur KAI.
   Franziskus werde auf seiner Polenreise neben Krakau vielleicht auch den wichtigsten Wallfahrtsort des Landes, Tschensto-chau, und das ehemalige Konzentrations­lager Auschwitz besuchen, so Kardinal Dziwisz.
   Der 31. Weltjugendtag findet vom 26. bis 31. Juli 2016 in Krakau statt. Für den Abschlussgottesdienst rechnen die Organisatoren mit bis zu 2,5 Millionen Teilnehmern. Die Veranstaltung steht unter dem Thema »Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden«. OR150904

y-2kr-54ZZ

Deutsche Fassung der Weltjugendtags-Hymne veröffentlicht - 2016 findet der Weltjugendtag in Krakau, Polen statt

Zehn Monate vor Beginn des Weltjugendtages in Krakau ist die deutsche Fassungder Hymne für das Event im kommenden Jahr erschienen. Zeitgleich mit dem Auftritt der Band LIVEWORSHIP am Samstag bei einer Auftaktveranstaltung in Köln wurde die Musikaufnahme auch ins Internet gestellt. „Wir wollten die Hymne nicht nur als Audiofile veröffentlichen, sondern sie sollte auch dort Premiere feiern, wofür sie komponiert wurde: für den Glauben, die Freude und das Feiern der jungen Menschen“, so Paul Metzlaff, zuständig für den Weltjugendtag bei der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz.
   Das Organisationskomitee des Weltjugendtags in Krakau hatte die nationalen Bischofskonferenzen dazu aufgerufen, landessprachliche Fassungen zu erstellen. Dies nahm die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge zum Anlass, einen Wettbewerb zur deutschen Textfassung der Hymne auszuschreiben. Unter den vielen Einsendungen aus Deutschland und Österreich konnte sich das überkonfessionelle Kollektiv LIVEWORSHIP durchsetzen. Der Inhalt des Liedes lehnt sich an das Motto des Weltjugendtages im kommenden Jahr: „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden“ Mt 5, 7. Die polnische Originalversion der Hymne stammt von Jakub Blycharz.
LIVEWORSHIP ist ein musikalischer Dienst um Initiator Daniel-John Riedl, Bandleader Dario Große und Produzent Philip Müller. Das Team hofft, „die junge Generation für den Kern der Sache zu begeistern. Barmherzigkeit, Erbarmen, Gnade, Vergebung und Hilfe: Das sind wesentliche Aspekte des gelebten Glaubens. Da kommt Glaube aus dem Hinterzimmer und geht auf die Straße“, so Daniel-John Riedl.
Der Weltjugendtag ist ein Treffen des Papstes mit der Jugend aus aller Welt, das alle zwei bis drei Jahre statt findet. Zur nächsten Auflage vom 26. bis 31. Juli 2016 in Krakau werden 2,5 Millionen Teilnehmer erwartet. rv150926vs

y-2kr-55-ZZ

Weltjugendtag in Polen: Organisatoren stellen in Wien Details vor
Papst Franziskus war der erste, der sich für den Weltjugendtag in Polen online registrierte (26. Juli 2015).

   Papst Franziskus reist am 28. Juli 2016 nach Krakau in Polen und feiert dort mit über einer Million Jugendlichen den 31. katholischen Weltjugendtag (WJT). Das alle drei Jahre in einer anderen Großstadt – zuletzt Rio de Janeiro 2013 – abgehaltene internationale Großtreffen gehört zu den Top-Pilgerzielen während des am Dienstag von Papst eröffneten „Heiligen Jahres des Barmherzigkeit“ Iubilaeum Misericordiae. Das WJT-Motto lautet in diesem Sinne „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“ Matthäus 5,7. Mitglieder des WJT- Organisationskomitees gaben bei einer Pressepräsentation in Wien einen Überblick über den bisherigen Stand der Vorbereitungen.
   Wie sie berichteten, hätten sich bereits jetzt 520.000 ausländische Gäste zum WJT angemeldet, der am 26. Juli beginnt und mit einer Papstmesse in Wieliczka-Brzegi am 31. Juli endet. Auch fast 6.000 Österreicher sind bis jetzt registriert. Das größte Kontingent stellen allerdings die Italiener mit mehr als 200.000 Teilnehmern. Vor und nach dem WJT finden Begegnungstage in allen 41 polnischen Diözesen statt. Beginn der Begegnungstage ist der 20. Juli. In Krakau selbst geht es dann am 26. Juli los; dann feiert Erzbischof Kardinal Stansilaw Dziwisz die Eröffnungsmesse zum WJT. Für 28. Juli wird das Eintreffen des Papstes erwartet. Auf der großen Stadtwiese Blonia im Krakauer Zentrum soll er die Besucher des Weltjugendtages begrüßen. Wie WJT-Komiteemitglied Andrzej Wolpiuk auf „Kathpress“-Anfrage sagte, seien die genauen Reisepläne jedoch noch nicht fixiert. Angedacht werde ein großer Empfang in Warschau, eine Weiterreise nach Tschenstochau und ein Anflug von dort nach Krakau. Franziskus werde voraussichtlich im Zuge seines viertägigen Aufenthalts in Krakau auch das 60 Kilometer entfernt gelegene ehemalige NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besuchen.
Höhepunkt: Papst-Messe am 31. Juli
   Der Höhepunkt des sechstägigen WJT wird die Messe mit Papst Franziskus am Sonntag, 31. Juli, auf dem Freigelände Brzegi beim berühmten Salzbergwerk Wieliczka zehn Kilometer südöstlich von Krakau sein. Dazu werden drei Millionen Gläubige erwartet. Laut Wolpiuk gibt es in Krakau selbst kein genügend großes Gelände. In Brzegi sei auch die notwendige Sicherheit gewährleistet, der die Organisatoren, in Kooperation mit den Behörden, größtes Augenmerk schenkten. Bereits Samstagnachmittag soll der mehrstündige Pilgerweg von Krakau nach Brzegi starten. Mehrere Hunderttausend sollen dort nach einer Vigil im Freien oder in Zelten übernachten.
   Auch für den 29. Juli (Freitag) gibt es einen wichtigen Programmpunkt mit Papst Franziskus: den Kreuzweg im „Heiligtum der Barmherzigkeit“ in Lagwieniki. Die Gebetsstätte ist untrennbar mit zwei Heiligen aus Krakau verbunden: Sr. Maria Faustyna Kowalska (1950-1938) und Papst Johannes Paul II. (1920-2005). Maria Faustyna Kowalska war eine Mystikerin, die am 30. April 2000 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde und die in ihren Aufzeichnungen die  Überzeugung von der Unendlichkeit der Barmherzigkeit Gottes verbreitete. Sie inspirierte Johannes Paul II. zur Enzyklika
"Dives in misericordia" und zur Einführung eines jährlichen "Sonntags der Barmherzigkeit", jeweils eine Woche nach Ostern. Im kommenden Juli möchte sich dann Papst Franziskus durch seinen Lagwieniki-Pilgerbesuch symbolisch in diese mystische Tradition stellen.
   In den Tagen des WJT findet auf Bühnen in Krakau auch ein Jugendfestival statt, bei dem Stars aus vielen Ländern auftreten. Dazu kommen Tanz- und Theateraufführungen, gemeinsame Sportveranstaltungen sowie Kunstworkshops. Befragt, wie es den Polen mit Franziskus als Papst gehe, sagte Wolpiuk: „Johannes Paul II. war Papst der Polen. Aber ebenso war Benedikt XVI. Papst der Polen und ist Franziskus Papst der Polen. Krakau wartet auf Franziskus, und wir möchten, dass er am ‚Fenster des Papstes‘ stehen wird und von dort zu den jungen Menschen spricht.“ Das berühmte „Fenster des Papstes“ befindet sich im Krakauer Erzbischöflichen Palais.  Rv151211ma

y-3kr-OsnabrückerGruppe-Zz

nord-Esterwegen-xx   Kapelle im Lager Esterwegen

Vor dem Weltjugendtag: Auseinandersetzung mit der Geschichte

   Rund 140 junge Leute aus dem Bistum Osnabrück fahren im Juli zum Weltjugendtag nach Krakau. Gut zwei Drittel von ihnen bereiteten sich in der Gedenkstätte Esterwegen auf die Reise inhaltlich vor. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Auseinandersetzung mit der Geschichte:
   Als Deutsche nach Polen zu reisen, und dabei nur wenige Kilometer vom ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz anzukommen, erfordere eine besondere Beschäftigung mit diesem Thema, so die Organisatoren der Reise. Die jungen Leute beschäftigten sich im ehemaligen Konzentrationslager Esterwegen künstlerisch, biografisch und religiös mit dem Thema. In einem Gottesdienst sagte Generalvikar Theo Paul, ein Weltjugendtag sei mehr als eine Reise: „Ihr tragt aktiv zur Völkerverständigung zwischen Deutschen und Polen bei", sagte er den jungen Teilnehmern.
   Mitte Juli brechen die 140 Teilnehmer aus dem Bistum nach Polen auf. Die erste Hälfte der Reise verbringt die Gruppe in Olsztyn (Allenstein) im Norden des Landes. Anschließend geht es weiter nach Krakau, wo bis zu eine Million Menschen erwartet werden. KiBo160619

y-ak-111-Krakau-ZZ

Papst Franziskus: „Der Jugendtag beginnt heute und geht zu Hause weiter“
Der Weltjugendtag geht weiter: Übergabe von Fackeln an Vertreter der Kontinente

   Höhepunkt und Abschluss zugleich: Gemeinsam mit den Jugendlichen feierte Papst Franziskus an diesem Sonntag die heilige Messe auf dem „Campus Misericordiae“, dem „Feld der Nächstenliebe“, wie das Gelände anlässlich von WJT und Papstreise getauft worden war.
   Die Jugendlichen seien nach Krakau gekommen, um Jesus zu begegnen, eröffnete Papst Franziskus seine
Predigt, um dann das Evangelium einer solchen Begegnung auszulegen, die Geschichte des Zöllners Zachäus. Der Zollpächter musste Hindernisse überwinden, um Jesus begegnen zu können, davon handelten die Worte des Papstes.
   „Das erste ist seine geringe Körpergröße. Es gelang Zachäus nicht, den Meister zu sehen, weil er selbst klein war. Auch heute können wir Gefahr laufen, Jesus fern zu bleiben, weil wir uns ihm nicht gewachsen fühlen, weil wir eine geringe Meinung von uns selber haben.“ Das sei auch im Glauben manchmal der Fall. Die echte „Körpergröße“ des Menschen sei aber daran bemessen, dass der Heilige Geist im Menschen wohnen wolle, „wir sind zur ewigen Freude mit Gott berufen!“, so der Papst. Diese wahre Identität gelte es zu erkennen. „Und Gott rechnet mit dir aufgrund dessen, was du bist, nicht aufgrund dessen, was du hast: In seinen Augen ist es absolut unbedeutend, welches Kleid du trägst oder welches Handy du benutzt; es ist ihm nicht wichtig, ob du mit der Mode gehst, sondern du selbst bist ihm wichtig.“
Größe, Scham, Umgebung
   Zachäus hatte ein zweites Hindernis auf dem Weg zur Begegnung mit Jesus, so der Papst, und zwar die lähmende Scham. „Auf der einen Seite [war da] eine gute Neugier, nämlich die, Jesus kennen zu lernen; auf der anderen das Risiko einer entsetzlichen Blamage. Zachäus war eine bekannte Persönlichkeit. Er wusste, dass er sich mit dem Versuch, auf den Baum zu steigen, in den Augen aller lächerlich machen würde – er, ein Vorgesetzter, ein Machtmensch.“ Die Scham habe er überwinden können, weil die Anziehungskraft Jesu stärker war, so der Papst. Verliebtsein würden die meisten hier wohl kennen, „Dann kann es geschehen, dass man bereitwillig Dinge tut, die man sonst nie getan hätte. Etwas Ähnliches geschah im Herzen von Zachäus“. Vor Jesus könne man nicht mit verschlungenen Armen abwartend sitzen bleiben, so Papst Franziskus
   Das dritte Hindernis des Zachäus war seine Umgebung. „Es ist die raunende Menge, die ihn zuerst aufgehalten und dann kritisiert hat: Jesus durfte doch nicht in sein Haus eintreten, in das Haus eines Sünders!“ Das könne auch heute noch passieren, warnte der Papst die Jugendlichen. „Sie mögen euch hemmen, indem sie versuchen, euch einzureden, dass Gott fern, streng und wenig einfühlsam ist, gut mit den Guten und böse mit den Bösen. Stattdessen lässt unser himmlischer Vater ‚seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten’. Sie mögen euch belächeln, weil ihr an die sanfte und demütige Kraft der Barmherzigkeit glaubt. Habt keine Angst. Sie mögen euch als Träumer beurteilen, weil ihr an eine neue Menschheit glaubt, die den Hass zwischen den Völkern nicht annimmt, die die Grenzen der Länder nicht als Barrieren ansieht und die eigenen Traditionen ohne Egoismen und Ressentiments hütet. Verliert nicht den Mut: Mit eurem Lächeln und mit euren offenen Armen predigt ihr Hoffnung und seid ein Segen für die eine Menschheitsfamilie, die ihr hier so gut vertretet!“   Dieser Jesus, der alle annehme und selbst zum Sünder aufgeschaut habe, wolle auch heute und jeden Tag allen begegnen. „Der Weltjugendtag, könnten wir sagen, beginnt heute und geht morgen zu Hause weiter, denn dort will Jesus dir von nun an begegnen.“ Rv160731ord

y-ak-112-ZzZ-Vigil

Schätzungsweise 1,6 Millionen junge Menschen nehmen an der Gebetsvigil in Krakau teil.

  „Wenn  ihr nicht euer Bestes gebt, wird sich die Welt nie ändern”, ruft Franziskus den Jugendlichen zu. “Ihr seid nicht da, um auf dem Sofa zu liegen, das wäre ein langweiliges Leben. Ihr sollt Spuren in der Geschichte hinterlassen und nicht zulassen, dass andere eure Zukunft bestimmen. Wie im Fußballspiel sind nur die Spieler auf auf dem Spielfeld; da ist kein Platz für Hinterbänkler“, sagt der Papst den jungen Leuten im Nachtgebet in Krakau. "Die heutige Welt erwartet, dass ihr Vorkämpfer der Geschichte seid, denn das Leben ist dann schön, wenn wir das Leben in Fülle suchen, um Zeichen zu setzen.“
   1 Million 600.000 Jugndliche waren bis zu sechs Kilometer zu Fuß gelaufen, um zum Platz der Barmherzigkeit zu kommen. Vereint mit dem Papst wurde es zur Nacht des Gehetes. Bei seiner Ankunft im Papamobil winkte Franziskus an den Scharen von jungen Menschen zu, die ihre Hände im entgegenstreckten. Franziskus verließ seinem Wagen an einem aus Holz errichteten Tor mit der Überschrift in fünf Sprachen: „Jesus, ich vertraue auf dich“. Dort wurden sie von mehreren jungen Männern und Frauen begrüßt. Hand in Hand durchschritten sie dann die „Pforte der Göttlichen Barmherzigkeit“.

y-ak-113-ZzZ-PforteDerBarmhzgkt

   Dann überraschte Franziskus die Jugendlichen, als er einige von ihnen in seinen offenen Wagen einlud. Sichtlich bewegt und mit großen Augen stiegen sie ein und begleiteten den Papst, der grüßend durch die Menge fuhr. Auf der Altarbühne standen dann neben dem Papst junge Menschen aus Polen, Syrien und Paraguay die von ihren Erfahrungen wie sie Hoffnung fanden inmitten von Unglauben, Krieg und Sucht.

y-ak-114-ZZ-PforteDBarmhzgkt

  Natalia, eine junge Polin aus Łódź, sprach über ihre praktische Erfahrung im Sakrament der Versöhnung, wo sie die Liebe Gottes erfahren hatte, nachdem sie zwanzig Jahre mit der Kirche nichts mehr am Hut hatte. „Als ich jetzt zur Beichte ging war ich überzeugt, unrettbar das ewige Leben verloren zu haben. Stattdessen habe ich gehört, dass Gott alles Schlechte, was ich getan hatte, für immer von mir weggenommen hat“, sagte Natalia.
   Rand Mittri, eine 26-jährige syrische Frau aus Aleppo, empfand Schmerz und Trauer angesichts ihrer „total zerstörten Stadt“. Sie sagt: „Unser Leben ist sinnlos geworden. Wir sind die vergessene Stadt“. Mittri beschrieb dann, wie sie und viele Familien in ständiger Angst leben, dass sie ihre Häuser verlassen müssen und nicht wissen, wann die Katastrophe eintritt. "Vielleicht werden wir an diesem Tag getötet; oder vielleicht auch unsere Familien. Es ist hart und schmerzlich vom Tod und töten umgeben zu sein, es gibt keine Möglichkeit zu entkommen, niemand hilft uns", erzählt sie. Trotz der Schrecken, denen, den Sie täglich ausgesetzt ist, erfährt sie im Glauben an Jesus „Gott lebt – trotz allem – Jesus, ich vertraue auf dich!“
  Miguel von Asunción, Paraguay, gab das letzte Zeugnis des Abends. Er erzählt von seinem 16-jährigen Kampf mit der Drogenabhängigkeit. Im Alter von 11 Jahren begann er mit Drogen, mit 15 Jahren kam er ins Gefängnis, sagte Miguel. Danach beging er erneut Straftaten bis er schließlich zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Ein Priester brachte ihn in Brasilien zu einer „Fazenda de la Esperanza”, [Haus der Hoffnung - eine kirchliche Wohngruppe für Jugendliche]. Hier konnte er wie in einer Familie mit anderen jungen Menschen leben. “Seit zehn Jahren bin ich clean und seit drei Jahren bin ich verantwortlich für “Quo vadis”: die Fazenda de la Esperanza in Cerro Chato in Uruguay”, sagte Miguel.
   Zwischen diesen Lebenszeugnissen gab es auf der Bühne Tanzdarbietungen: Eine Frau stellte die heilige Faustina Kowalska dar, die ungläubig auf Jugendliche schaute, die gebannt auf ihre Smartphones und Tablets blickten. Die weißgekleidete junge Frau umtanzte diese Gruppe und winkte ihnen zu, damit sie mitmachten.
   In einer weiteren Darbietung über die Schönheit der Vergebung zeigte diese Szenem die in einer Gefängniszelle spielt Da sitzt der heilige Papst Johannes Paul II. neben Mehmet Ali Agca, der den Papst ermorden wollte. Der Heilige verzeiht ihm.
   Danach spricht Papst Franziskus zu den Jugendlichen und ruft:  Lasst euch nicht von euren i-phones und Computern gefangen nehmen lassen, denkt lieber einmal an Rand Mittri, die täglich unter Gewalt und Krieg leidet. “Sie haben einen Namen, sie haben ein Gesicht, sie haben eine Geschichte und sind in unmittelbarer Nähe”, sagt Franziskus mit Nachdruck. Unter Hinweis auf die Lebenszeugnisse von Natalia und Miguel, dankte der Papst ihnen dafür dass sie hier auf dem Weltjugendtag über ihre Kämpfe berichtet haben. „Ihr seid ein lebendiges Zeichen für das, was die Barmherzigkeit Gottes in uns erreichen will! In einer Welt, voller Konflikte, Terror und Tod bleiben Brüderlichkeit und Gemeinschaft die einzig wahre Antwort.“ Der Papst lud dann alle Anwesenden ein sich an den Händen zu fassen und still zu beten: „Stellt vor den Herrn eure eigenen Kämpfe, eure inneren Anstrengungen, die jeder von euch in seinem Herzen trägt.“ Stille umfasste nun die hunderttausende Jugendlichen auf dem Weltjugendtag in Krakau – und Franziskus schloss sich dem Gebet der jungen Menschen an. Dann warnt der Papst die Pilger vor einer „Lähmung, einem scheinbaren Glück auf dem Sofa. Dieses Sofa verspricht Komfort, Sicherheit und Entspannung, ist aber eine heimtückische Form der Lähmung ", die jungen Männer und Frauen stumpf und schläfrig macht. Ihr seid nicht in der Welt um dahinzuvegetieren, sondern Spuren in der Geschichte zu hinterlassen. Wenn wir uns entscheiden, bequem und behaglich zu leben, wenn wir das Glück im Konsum suchen, dann werden wir einen hohen Preis dafür zahlen: Wir verlieren unsere Freiheit!“ Der Papst lud sie ein, „den Weg der Einfachheit unseres Gottes zu gehen, der uns Christen drängt die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit zu tun. Wie Miguel,  der den Ruf Gottes entdeckt , indem er anderen Jugendlichen in der Wohngemeinschaft hilft, so ruft Gott auch euch; er ermutigt euch davon zu träumen! Gott will, dass ihr seht, dass durch euch die Welt anders werden kann. Tatsache ist: wenn ihr nicht euer bestes Gott anbietet, wir die Welt niemals anders werden.“ Weiter fordert der Papst von den Erwachsenen, dass sie die junge Generation lehren „wie man in der Vielfalt und im Dialog leben kann und die kulturellen Verschiedenheiten nicht als Bedrohung, sondern als Chance erleben kann. Junge Menschen müssen unsere Ankläger sein, wenn wir ein Leben zwischen Mauern, ein Leben der Feindschaft, ein Leben des Krieges wählen. Seid mutig und lehrt uns, dass es einfacher ist Brücken statt Mauern zu bauen“, war die Forderung des Papstes auf dem Weltjugendtag in Krakau.   160801CatholicHeraldLondon-Arbeitsübersetzung:kbwn

y-ak-117-Z

Papstpredigt: Die Hindernisse des Zachäus  -  Messe mit Papst Franziskus
 Abschussmesse des Weltjugendtages, Krakau, Campus Misericordiae, 31. Juli 2016

   Liebe junge Freunde,
ihr seid nach Krakau gekommen, um Jesus zu begegnen. Und das Evangelium erzählt uns heute ausgerechnet von der Begegnung zwischen Jesus und einem Mann, dem Zachäus, in Jericho vgl. Lk 19,1-10. Dort beschränkt Jesus sich nicht darauf, zu predigen oder jemanden zu besuchen, sondern er will – wie der Evangelist sagt – durch die Stadt gehen vgl. V. 1. Mit anderen Worten, Jesus möchte sich dem Leben eines jeden nähern, unseren Weg ganz und gar gehen, damit sein Leben und unser Leben sich wirklich begegnen.
   Und so kommt es zu der äußerst überraschenden Begegnung, der Begegnung mit Zachäus, dem obersten Zollpächter, das heißt dem Chef der Steuereinnehmer. Zachäus war also ein reicher Mitarbeiter der verhassten römischen Besatzer; er war ein Ausbeuter seines Volkes, einer, der sich wegen seines üblen Rufes nicht einmal dem Meister nähern konnte. Doch die Begegnung mit Jesus verändert sein Leben, wie es für jeden von uns war und jeden Tag sein kann. Zachäus musste aber einige Hindernisse überwinden, um Jesus zu begegnen: wenigstens drei, die auch uns etwas sagen können.
   Das erste ist seine geringe Körpergröße. Es gelang Zachäus nicht, den Meister zu sehen, weil er selbst klein war. Auch heute können wir Gefahr laufen, Jesus fern zu bleiben, weil wir uns ihm nicht gewachsen fühlen, weil wir eine geringe Meinung von uns selber haben. Das ist eine große Versuchung, die nicht nur die Selbsteinschätzung betrifft, sondern auch den Glauben angeht. Denn der Glaube sagt uns: » Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es«1 Joh 3, 1: Wir sind nach seinem Bild geschaffen; Jesus hat unser Menschsein angenommen und sein Herz wird sich nie von uns trennen; der Heilige Geist möchte in uns wohnen; wir sind zur ewigen Freude mit Gott berufen! Das ist unsere „Körpergröße“, das ist unsere geistliche Identität: Wir sind Gottes geliebte Kinder, immer. Begreift also, dass sich selbst nicht zu akzeptieren, unzufrieden zu leben und negative Gedanken zu haben bedeutet, unsere wahrste Identität nicht zu erkennen: Das ist, als wendete ich mich ab, während Gott mich anschauen möchte; es bedeutet, den Traum, den er für mich hegt, auslöschen zu wollen. Gott liebt uns so, wie wir sind, und keine Sünde, keine schlechte Angewohnheit, kein Fehler bringt ihn davon ab. Für Jesus – das zeigt uns das Evangelium – ist niemand gering und entfernt, niemand unbedeutend, sondern alle sind wir bevorzugt und wichtig: Du bist wichtig! Und Gott rechnet mit dir aufgrund dessen, was du bist, nicht aufgrund dessen, was du hast: In seinen Augen ist es absolut unbedeutend, welches Kleid du trägst oder welches Handy du benutzt; es ist ihm nicht wichtig, ob du mit der Mode gehst, sondern du selbst bist ihm wichtig. In seinen Augen bist du wertvoll, und dein Wert ist unschätzbar.
   Wenn es uns geschieht, dass wir in unserem Leben wenig erwarten, anstatt hohe Ziele anzustreben, dann kann uns diese große Wahrheit helfen: Gott ist in seiner Liebe zu uns treu, sogar hartnäckig. Er wird uns helfen, daran zu denken, dass er uns mehr liebt als wir uns selbst, dass er „immer für uns schwärmt“ wie der Unverbesserlichste der Fans. Immer erwartet er uns voller Hoffnung, auch wenn wir uns in unseren Traurigkeiten verschließen und ständig über empfangenes Unrecht und über die Vergangenheit brüten. Doch die Traurigkeit liebzugewinnen, ist unserer spirituellen Statur nicht würdig! Es ist vielmehr ein Virus, der alles verseucht und blockiert, der jede Tür verschließt, der verhindert, das Leben neu zu entfachen und von vorn zu beginnen. Gott ist dagegen hartnäckig hoffnungsvoll: Er glaubt immer, dass wir wieder aufstehen können, und findet sich nicht damit ab, uns erloschen und freudlos zu sehen. Denn wir sind immer seine geliebten Kinder. Erinnern wir uns daran zu Anfang jedes Tages! Es wird uns gut tun, es an jedem Morgen im Gebet zu sagen: „Herr, ich danke dir, dass du mich liebst; Mach, dass ich mich in mein Leben verliebe!“ Nicht in meine schlechten Angewohnheiten – die müssen korrigiert werden –, sondern in mein Leben, das ein großes Geschenk ist: Es ist die Zeit, zu lieben und geliebt zu werden.
   Zachäus hatte ein zweites Hindernis auf dem Weg zur Begegnung mit Jesus: die lähmende Scham. Wir können uns vorstellen, was im Herzen von Zachäus vorging, bevor er auf jenen Maulbeerfeigenbaum stieg, es wird ein ziemlicher Kampf gewesen sein: auf der einen Seite eine gute Neugier, nämlich die, Jesus kennen zu lernen; auf der anderen das Risiko einer entsetzlichen Blamage. Zachäus war eine bekannte Persönlichkeit. Er wusste, dass er sich mit dem Versuch, auf den Baum zu steigen, in den Augen aller lächerlich machen würde – er, ein Vorgesetzter, ein Machtmensch. Doch er hat die Scham überwunden, weil die Anziehungskraft Jesu stärker war. Ihr werdet erfahren haben, was passiert, wenn ein Mensch so attraktiv wird, dass man sich in ihn verliebt: Dann kann es geschehen, dass man bereitwillig Dinge tut, die man sonst nie getan hätte. Etwas Ähnliches geschah im Herzen von Zachäus, als Jesus ihm so wichtig wurde, dass er für ihn alles getan hätte, denn Jesus war der Einzige, der ihn aus dem Fließsand der Sünde und der Unzufriedenheit herausziehen konnte. Und so gewann die lähmende Scham nicht die Oberhand. Zachäus » lief voraus «, sagt das Evangelium, » stieg hinauf « und dann, als Jesus ihn rief, » stieg er schnell herunter « V. 4.6. Er ist das Risiko eingegangen und hat sich selbst aufs Spiel gesetzt. Das ist auch für uns das Geheimnis der Freude: die gute Neugier nicht auslöschen, sondern sich selbst aufs Spiel setzen, denn das Leben darf nicht in eine Schublade eingeschlossen werden. Vor Jesus kann man nicht mit verschlungenen Armen abwartend sitzen bleiben; ihm, der uns das Leben schenkt, kann man nicht mit einem Gedanken oder mit einer bloßen „Kurzmeldung“ antworten!

y-ak-116-ZZ-Vigil

   Liebe Junge Freunde, schämt euch nicht, alles vor ihn zu bringen, besonders die Schwachheiten, die Mühen und die Sünden in der Beichte: Er wird es verstehen, euch mit seiner Vergebung und seinem Frieden zu überraschen. Habt keine Angst, ihm mit dem ganzen Elan eures Herzens „Ja“ zu sagen, ihm großherzig zu antworten, ihm zu folgen! Lasst eure Seele nicht betäuben, sondern setzt auf das Ziel der schönen Liebe, die auch den Verzicht und ein starkes „Nein“ zum Doping des Erfolgs um jeden Preis und zur Droge eines Denkens verlangt, das nur um sich selbst und die eigenen Annehmlichkeiten kreist
   Nach der geringen Körpergröße und der lähmenden Scham gibt es ein drittes Hindernis, das Zachäus angehen musste – nicht mehr in seinem Innern, sondern in seiner Umgebung. Es ist die raunende Menge, die ihn zuerst aufgehalten und dann kritisiert hat: Jesus durfte doch nicht in sein Haus eintreten, in das Haus eines Sünders! Wie schwierig ist es, Jesus wirklich aufzunehmen, wie hart ist es, einen Gott zu akzeptieren, » der voll Erbarmen ist « Eph 2,4 Sie mögen euch hemmen, indem sie versuchen, euch einzureden, dass Gott fern, streng und wenig einfühlsam ist, gut mit den Guten und böse mit den Bösen. Stattdessen lässt unser himmlischer Vater » seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten « Mt 5,45 und lädt uns ein zum wahren Mut: stärker zu sein als das Böse, indem wir alle lieben, sogar die Feinde. Sie mögen euch belächeln, weil ihr an die sanfte und demütige Kraft der Barmherzigkeit glaubt. Habt keine Angst, sondern denkt an die Worte dieser Tage: » Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden « Mt 5,7. Sie mögen euch als Träumer beurteilen, weil ihr an eine neue Menschheit glaubt, die den Hass zwischen den Völkern nicht annimmt, die die Grenzen der Länder nicht als Barrieren ansieht und die eigenen Traditionen ohne Egoismen und Ressentiments hütet. Verliert nicht den Mut: Mit eurem Lächeln und mit euren offenen Armen predigt ihr Hoffnung und seid ein Segen für die eine Menschheitsfamilie, die ihr hier so gut vertretet!
   Die Menge hat Zachäus an jenem Tag das Urteil gesprochen, sie hat ihn von oben herab angesehen; Jesus hingegen hat das Gegenteil getan: Er hat zu ihm hinaufgeschaut V.5. Der Blick Jesu reicht über die Mängel hinaus und sieht die Person; er bleibt nicht bei dem Schlechten aus der Vergangenheit stehen, sondern ahnt das Gute in der Zukunft; er gibt angesichts der Absperrungen nicht auf, sondern sucht den Weg der Einheit und der Gemeinschaft; mitten unter allen hält er sich nicht bei der äußeren Erscheinung auf, sondern schaut auf das Herz. Mit diesem Blick Jesu könnt ihr eine andere Menschheit wachsen lassen, ohne zu erwarten, dass man euch lobt, sondern indem ihr das Gute um seiner selbst willen sucht und froh seid, euer Herz rein zu halten und friedlich für Ehrlichkeit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Bleibt nicht an der Oberfläche der Dinge stehen und misstraut den weltlichen Huldigungen des Scheins, dem Make-Up der Seele, um besser zu erscheinen. Installiert hingegen gut die stabilste Verbindung, die eines Herzens, welches das Gute sieht und unermüdlich vermittelt. Und jene Freude, die ihr umsonst von Gott empfangen habt, gebt sie umsonst weiter vgl. Mt 10,8, denn viele warten auf sie!
   Hören wir schließlich die Worte Jesu an Zachäus, die eigens für uns gesagt scheinen: » Komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein « V. 5. Jesus richtet dieselbe Aufforderung an dich: „Heute muss ich in deinem Haus zu Gast sein.“ Der Weltjugendtag, könnten wir sagen, beginnt heute und geht morgen zu Hause weiter, denn dort will Jesus dir von nun an begegnen. Der Herr will nicht nur in dieser schönen Stadt oder in den lieben Erinnerungen bleiben, sondern er möchte zu dir nach Hause kommen, in deinem Alltagsleben wohnen: im Studium und in den ersten Arbeitsjahren, in den Situationen von Freundschaft und liebevoller Zuneigung, in den Plänen und den Träumen. Wie gefällt es ihm, wenn all das im Gebet vor ihn getragen wird! Wie hofft er, dass unter all den Kontakten und Chat des Alltags an erster Stelle der goldene Faden des Gebetes stehe! Wie wünscht er sich, dass sein Wort zu jedem deiner Tage spreche, dass sein Evangelium das Deine werde und dein „Navigator“ auf den Straßen des Lebens sei!
   Während Jesus dich bittet, zu dir nach Hause kommen zu dürfen, ruft er dich beim Namen, wie er es mit Zachäus getan hat. Dein Name ist ihm kostbar. Der Name Zachäus erinnerte in der Sprache der Zeit an das Gedenken Gottes. Vertraut dem Gedenken Gottes: Sein Gedächtnis ist keine „Festplatte“, die alle unsere Daten registriert und archiviert, sondern ein Herz, das weich ist vor Mitgefühl, das Freude daran hat, jede Spur des Bösen in uns auszulöschen. Versuchen nun auch wir, das treue Gedächtnis Gottes nachzuahmen und das Gute, das wir in diesen Tagen empfangen haben, zu bewahren. Im Stillen gedenken wir dieser Begegnung, bewahren wir die Erinnerung an die Gegenwart Gottes und seines Wortes, lassen wir in uns die Stimme Jesu, die uns beim Namen ruft, wieder aufleben. So beten wir schweigend, indem wir uns erinnern und dem Herrn danken, der uns hier haben wollte und uns begegnet ist.  Rv160731ord

y-ak-118-Krakau-JPII-Z3

Papstpredigt: Kirche im Aufbruch in die Welt - Papstmesse mit Priestern und Ordensleuten -
Predigt von Papst Franziskus bei der Eucharistiefeier mit polnischen Priestern, Ordensleuten und Seminaristen (Krakau, Heiligtum Johannes Paul II.  30. Juli 2016)

Der Evangelienabschnitt, den wir gehört haben vgl. Joh 20,19-31, spricht uns von einem Ort, von einem Jünger und von einem Buch.
   Der Ort ist der, an dem sich die Jünger am Abend des Ostertages befanden: Von ihm wird nur gesagt, dass seine Türen verschlossen waren vgl. V. 19. Acht Tage danach befanden sich die Jünger noch einmal in jenem Haus und die Türen waren wieder verschlossen vgl. V. 26. Jesus tritt ein, stellt sich in die Mitte und bringt seinen Frieden, den Heiligen Geist und die Vergebung der Sünden – in einem Wort: die Barmherzigkeit Gottes. In diesem verschlossenen Ort ertönt kraftvoll die Aufforderung, die Jesus an die Seinen richtet: » Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch « V. 21.
   Jesus sendet. Er wünscht von Anfang an, dass die Kirche im Aufbruch ist, in die Welt geht. Und er will, dass sie es so tut, wie er selbst es getan hat, wie er vom Vater in die Welt gesandt worden ist: nicht als Machtmensch, sondern » wie ein Sklave « Phil 2,7, nicht » um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen « Mk 10,45 und die gute Nachricht zu bringen vgl. Lk 4,18. So sind auch die Seinen Ausgesandte, zu allen Zeiten. Der Kontrast beeindruckt: Während die Jünger aus Furcht die Türen verschlossen haben, sendet Jesus sie in die Mission. Er will, dass sie die Türen öffnen und hinausgehen, um  mit der Kraft des Heiligen Geistes die Vergebung und den Frieden Gottes zu verbreiten.
   Dieser Ruf gilt auch uns. Wie könnte man darin nicht den Widerhall der großen Aufforderung des heiligen Johannes Paul II. hören: „Öffnet die Türen!“? Dennoch kann in unserem Leben als Priester und Gottgeweihte oft die Versuchung bestehen, ein wenig in uns selbst und in unsere Kreise eingeschlossen zu bleiben, aus Furcht oder aus Bequemlichkeit. Die Richtung, die Jesus angibt, ist aber eine Einbahnstraße: aus uns selbst hinausgehen. Es ist eine Reise ohne Rückfahrkarte. Es geht darum, einen Exodus aus unserem Ich zu vollziehen, das Leben für ihn zu verlieren vgl. Mk 8,35, indem man dem Weg der Selbsthingabe folgt. Andererseits liebt Jesus nicht die nur halb gegangenen Wege, die angelehnt gelassenen Türen, die zweigleisigen Leben. Er verlangt, sich unbeschwert auf den Weg zu machen, aufzubrechen unter Verzicht auf die eigenen Sicherheiten, allein in ihm verankert.
   Mit anderen Worten: Das Leben seiner engsten Jünger, die zu sein wir berufen sind, besteht aus konkreter Liebe, das heißt aus Dienst und Verfügbarkeit. Es ist ein Leben, in dem es keine verschlossenen Räume und private Besitztümer für die eigenen Annehmlichkeiten gibt. Wer sich entschieden hat, das ganze Leben Jesus gleichzugestalten, wählt nicht mehr die eigenen Orte, sondern geht dorthin, wohin er gesendet wird; bereit, dem zu antworten, der ihn ruft, wählt er nicht einmal mehr die eigenen Zeiten. Das Haus, in dem er wohnt, gehört ihm nicht, denn die Kirche und die Welt sind die Freiluftbühne seiner Sendung. Sein Schatz besteht darin, den Herrn mitten in sein Leben zu stellen, ohne etwas anderes für sich zu suchen. So flieht er die Situationen, die Befriedigung schenken und ihn ins Zentrum setzen würden, er richtet sich nicht auf den wankenden Sockeln der weltlichen Mächte auf und gibt sich nicht den Bequemlichkeiten hin, die die Verkündigung des Evangeliums schwächen; er vergeudet keine Zeit damit, eine sichere und gut bezahlte Zukunft zu planen, damit er nicht in die Gefahr der Abschottung und der Finsternis gerät, eingeschlossen in die engen Wände eines Egoismus ohne Hoffnung und ohne Freude. Froh im Herrn, gibt er sich nicht mit einem mittelmäßigen Leben zufrieden, sondern ist erfüllt von dem brennenden Verlangen, Zeugnis zu geben und die anderen zu erreichen; er liebt das Wagnis und bricht auf, nicht unter dem Zwang bereits vorgezeichneter Wege, sondern offen und treu gegenüber den vom Heiligen Geist angezeigten Routen: Er mag nicht nur so dahinleben, sondern freut sich, das Evangelium zu verkünden.

y-ak-119-Z-portJgd

   An zweiter Stelle taucht im heutigen Evangelium die Figur des einzigen Jüngers auf, der mit Namen genannt wird, Thomas. In seinem Zweifel und seiner Unruhe, begreifen zu wollen, ähnelt uns dieser auch ziemlich eigensinnige Jünger ein wenig und ist uns sogar sympathisch. Ohne zu wissen, macht er uns ein großes Geschenk: Er bringt uns Gott näher, denn Gott verbirgt sich nicht vor dem, der ihn sucht. Jesus zeigt ihm seine verherrlichten Wundmale, er lässt ihn die unendliche Zärtlichkeit Gottes, die lebendigen Zeichen dafür, wie viel er aus Liebe zu den Menschen gelitten hat, mit Händen fassen.
   Für uns Jünger ist es sehr wichtig, unser Menschsein mit dem Leib des Herrn in Berührung zu bringen, das heißt, vertrauensvoll und in absoluter Aufrichtigkeit das, was wir sind, restlos vor ihn zu tragen. Wie die heilige Faustina sagte, ist Jesus froh, wenn wir über alles mit ihm sprechen; unser Leben, das er ja bereits kennt, ist ihm nicht langweilig; er wartet, dass wir es mit ihm teilen, sogar den Bericht über unseren Tagesablauf vgl. Tagebuch der Schwester Faustina, 6. September 1937. So sucht man Gott, in einem Gebet, das offen sein und nicht vergessen soll, ihm die Erbärmlichkeiten, die Mühen und die Widerstände anzuvertrauen und zu übergeben. Das Herz Jesu wird von der ehrlichen Offenheit gewonnen, von Herzen, die ihre eigenen Schwächen einzugestehen und zu beweinen wissen, im Vertrauen darauf, dass gerade dort die göttliche Barmherzigkeit handeln wird. Was verlangt Jesus von uns? Er wünscht sich wirklich geweihte Herzen, die von der Vergebung leben, die sie von ihm empfangen haben, um sie voll Mitgefühl über die Brüder und Schwestern auszugießen. Jesus sucht Herzen, die offen und weich gegenüber den Schwachen sind und niemals hart; gelehrige und ehrliche Herzen, die vor denen, die in der Kirche die Aufgabe haben, den Weg zu lenken, nicht heucheln. Der Jünger zögert nicht, sich Fragen zu stellen, er hat den Mut, im Zweifel zu leben und ihn vor den Herrn, vor die Ausbilder und vor die Vorgesetzten zu tragen, ohne Berechnung und Verheimlichung. Der treue Jünger führt eine wachsame und beständige Unterscheidung durch, da er weiß, dass das Herz jeden Tag erzogen werden muss, angefangen bei den Gefühlen, um sich vor jeder Falschheit im Verhalten und im Leben zu hüten.
   Der Apostel Thomas ist am Ende seiner leidenschaftlichen Suche nicht nur dahin gelangt, an die Auferstehung zu glauben, sondern hat in Jesus alles für sein Leben gefunden, seinen Herrn; er hat zu ihm gesagt: » Mein Herr und mein Gott « Joh 20,28. Es wird uns gut tun, jeden Tag betend diese wunderbaren Worte zu sprechen, mit denen wir ihm sagen: Du bist mein einziges Gut, der Pfad für meinen Lauf, das Herzstück meines Lebens, mein Alles.
   Im letzten Vers, den wir gehört haben, ist schließlich die Rede von einem Buch: Es ist das Evangelium, in dem die vielen anderen Zeichen, die Jesus vollbracht hat, nicht aufgeschrieben sind vgl. V.30. Wir könnten das so verstehen, dass es nach dem großen Zeichen seiner Barmherzigkeit nicht mehr nötig war, anderes hinzuzufügen. Es gibt da aber noch eine Herausforderung: Es bleibt Raum für die Zeichen, die wir vollbringen – wir, die wir den Geist der Liebe empfangen haben und berufen sind, die Barmherzigkeit zu verbreiten. Man könnte sagen, dass das Evangelium, das lebendige Buch der Barmherzigkeit Gottes, das wieder und wieder gelesen werden muss, am Schluss noch weiße Seiten hat: Es bleibt ein offenes Buch, und wir sind berufen, es im selben Stil weiterzuschreiben, das heißt indem wir Werke der Barmherzigkeit vollbringen. Ich frage euch: Die Seiten im Buch eines jeden von euch – wie sind sie? Werden sie jeden  Tag beschrieben? Werden sie ein bisschen ja und ein bisschen nein beschrieben? Sind sie völlig weiß? Möge uns darin die Muttergottes helfen: Sie, die das Wort Gottes voll und ganz in ihr Leben aufgenommen hat vgl. Lk 8,20-21, schenke uns die Gnade, lebendige Schreiber des Evangeliums zu sein. Unsere Mutter der Barmherzigkeit lehre uns, dass wir uns konkret um die Wunden Jesu in unseren bedürftigen Brüdern und Schwestern kümmern, um die nahen wie die fernen, um den Kranken wie den Migranten, denn wenn man dem Leidenden dient, ehrt man den Leib Christi. Die Jungfrau Maria helfe uns, dass wir uns ganz und gar für das Wohl der uns anvertrauten Gläubigen verausgaben und dass bei uns einer sich des anderen annimmt wie wahre Geschwister in der Gemeinschaft der Kirche, unserer heiligen Mutter.
   Liebe Brüder und Schwestern, jeder von uns bewahrt in seinem Herzen eine ganz persönliche Seite des Buches der Barmherzigkeit Gottes: Es ist die Geschichte unserer Berufung, die Stimme der Liebe, die unser Leben angezogen und verwandelt hat und uns dazu geführt hat, auf sein Wort hin alles zurückzulassen und ihm zu folgen vgl. Lk 5,11. Frischen wir heute dankbar die Erinnerung an seinen Ruf wieder auf – an diesen Ruf, der stärker ist als aller Widerstand und alle Mühe. Wenn wir nun mit der Eucharistiefeier, der Mitte unseres Lebens, fortfahren, wollen wir dem Herrn danken, dass er mit seiner Barmherzigkeit durch unsere verschlossenen Türen eingetreten ist; dass er uns wie Thomas beim Namen gerufen hat und dass er uns die Gnade schenkt, sein Evangelium der Liebe weiterzuschreiben. Rv160729ord

y-ak-121-ZzZ

Papst: „Der Jugendtag beginnt heute und geht zu Hause weiter“
Der Weltjugendtag geht weiter: Übergabe von Fackeln an Vertreter der Kontinente

   Höhepunkt und Abschluss zugleich: Gemeinsam mit den Jugendlichen feierte Papst Franziskus an diesem Sonntag die heilige Messe auf dem „Campus Misericordiae“, dem „Feld der Nächstenliebe“, wie das Gelände anlässlich von WJT und Papstreise getauft worden war.
   Die Jugendlichen seien nach Krakau gekommen, um Jesus zu begegnen, eröffnete Papst Franziskus seine Predigt, um dann das Evangelium einer solchen Begegnung auszulegen, die Geschichte des Zöllners Zachäus. Der Zollpächter musste Hindernisse überwinden, um Jesus begegnen zu können, davon handelten die Worte des Papstes.
   „Das erste ist seine geringe Körpergröße. Es gelang Zachäus nicht, den Meister zu sehen, weil er selbst klein war. Auch heute können wir Gefahr laufen, Jesus fern zu bleiben, weil wir uns ihm nicht gewachsen fühlen, weil wir eine geringe Meinung von uns selber haben.“ Das sei auch im Glauben manchmal der Fall. Die echte „Körpergröße“ des Menschen sei aber daran bemessen, dass der Heilige Geist im Menschen wohnen wolle, „wir sind zur ewigen Freude mit Gott berufen!“, so der Papst. Diese wahre Identität gelte es zu erkennen. „Und Gott rechnet mit dir aufgrund dessen, was du bist, nicht aufgrund dessen, was du hast: In seinen Augen ist es absolut unbedeutend, welches Kleid du trägst oder welches Handy du benutzt; es ist ihm nicht wichtig, ob du mit der Mode gehst, sondern du selbst bist ihm wichtig.“
Größe, Scham, Umgebung
   Zachäus hatte ein zweites Hindernis auf dem Weg zur Begegnung mit Jesus, so der Papst, und zwar die lähmende Scham. „Auf der einen Seite [war da] eine gute Neugier, nämlich die, Jesus kennen zu lernen; auf der anderen das Risiko einer entsetzlichen Blamage. Zachäus war eine bekannte Persönlichkeit. Er wusste, dass er sich mit dem Versuch, auf den Baum zu steigen, in den Augen aller lächerlich machen würde – er, ein Vorgesetzter, ein Machtmensch.“ Die Scham habe er überwinden können, weil die Anziehungskraft Jesu stärker war, so der Papst. Verliebtsein würden die meisten hier wohl kennen, „Dann kann es geschehen, dass man bereitwillig Dinge tut, die man sonst nie getan hätte. Etwas Ähnliches geschah im Herzen von Zachäus“. Vor Jesus könne man nicht mit verschlungenen Armen abwartend sitzen bleiben, so Papst Franziskus.
   Das dritte Hindernis des Zachäus war seine Umgebung. „Es ist die raunende Menge, die ihn zuerst aufgehalten und dann kritisiert hat: Jesus durfte doch nicht in sein Haus eintreten, in das Haus eines Sünders!“ Das könne auch heute noch passieren, warnte der Papst die Jugendlichen. „Sie mögen euch hemmen, indem sie versuchen, euch einzureden, dass Gott fern, streng und wenig einfühlsam ist, gut mit den Guten und böse mit den Bösen. Stattdessen lässt unser himmlischer Vater ‚seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten’. Sie mögen euch belächeln, weil ihr an die sanfte und demütige Kraft der Barmherzigkeit glaubt. Habt keine Angst. Sie mögen euch als Träumer beurteilen, weil ihr an eine neue Menschheit glaubt, die den Hass zwischen den Völkern nicht annimmt, die die Grenzen der Länder nicht als Barrieren ansieht und die eigenen Traditionen ohne Egoismen und Ressentiments hütet. Verliert nicht den Mut: Mit eurem Lächeln und mit euren offenen Armen predigt ihr Hoffnung und seid ein Segen für die eine Menschheitsfamilie, die ihr hier so gut vertretet!“
   Dieser Jesus, der alle annehme und selbst zum Sünder aufgeschaut habe, wolle auch heute und jeden Tag allen begegnen. „Der Weltjugendtag, könnten wir sagen, beginnt heute und geht morgen zu Hause weiter, denn dort will Jesus dir von nun an begegnen.“ Rv160731ord

y-ak-124-Zy-ak-123-ZZ

Papstmesse: Gebt euch nicht mit mittelmäßigem Leben zufrieden
Papstmesse im Zentrum "Habt keine Angst", zu Ehren des heiligen Johannes Paul II.

   Wer der Berufung zum Dienst an Gott und der Kirche nachgibt, lebt ein Leben von „konkreter Liebe“ und ist nicht mehr Herr seiner selbst. Doch „froh im Herrn, gibt er sich nicht mit einem mittelmäßigen Leben zufrieden, sondern ist erfüllt von dem brennenden Verlangen, Zeugnis zu geben und die anderen zu erreichen“. Das betonte Papst Franziskus in seiner Predigt bei der Messe mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen an diesem Samstag. Ausdrücklich würdigte er auch die Verdienste der Personen des geweihten Lebens für diesen Dienst, der stets ein Aufbruch sei und dem weltlichen Machtstreben komplementär entgegen stehe.
   Etwa 2.000 Menschen fanden in der Johannes Paul II. gewidmeten Wallfahrtsstätte Platz, weitere tausende von Menschen nahmen an der Messe über Bildschirme teil, die auf dem Platz vor dem „Hab-Keine-Angst“-Zentrum aufgestellt wurden.
   In Anlehnung an das gehörte Evangelium und in bester jesuitischer Tradition meditierte der Papst in einem Dreischritt über einen Ort, einen Jünger und ein Buch. Dabei sei der Ort derjenige, an dem sich die Jünger nach dem Tod Jesu hinter verschlossenen Türen versammelten, als auf einmal Jesus selbst zu ihnen trat. „In diesem verschlossenen Ort ertönt kraftvoll die Aufforderung, die Jesus an die Seinen richtet: » Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch « (V. 21). Jesus sendet. Er wünscht von Anfang an, dass die Kirche im Aufbruch ist, in die Welt geht. Und er will, dass sie es so tut, wie er selbst es getan hat, wie er vom Vater in die Welt gesandt worden ist: nicht als Machtmensch, sondern » wie ein Sklave « (Phil 2,7), nicht » um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen « (Mk 10,45) und die gute Nachricht zu bringen (vgl. Lk 4,18). So sind auch die Seinen Ausgesandte, zu allen Zeiten.
   Bedeutsam sei in diesem Zusammenhang der Kontrast zwischen der Furcht der Jünger und der Aufforderung Jesu, hinaus zu gehen, um mit der Kraft des Heiligen Geistes die Vergebung und den Frieden Gottes zu verbreiten. Papst Franziskus: „Dieser Ruf gilt auch uns. Wie könnte man darin nicht den Widerhall der großen Aufforderung des heiligen Johannes Paul II. hören: „Öffnet die Türen!“? Dennoch kann in unserem Leben als Priester und Gottgeweihte oft die Versuchung bestehen, ein wenig in uns selbst und in unsere Kreise eingeschlossen zu bleiben, aus Furcht oder aus Bequemlichkeit. Die Richtung, die Jesus angibt, ist aber eine Einbahnstraße: aus uns selbst hinausgehen. Es ist eine Reise ohne Rückfahrkarte.“ Er allein sei es, der dem Leben des Berufenen die Sicherheit gebe, denn wer berufen sei, habe keinerlei materielle oder anders geartete Sicherheit, die ihn selbst ins Zentrum setze, mehr.

y-ak-131-ZxxZ

Der Dienst muss konkret sein
   Das Leben seiner engsten Jünger bestehe also aus konkreter Liebe, das heißt aus Dienst und Verfügbarkeit, die keinen Platz mehr für private Wahlmöglichkeiten lasse – wo man gebraucht werde, müsse man tätig werden, betont der Papst. Doch gleichzeitig sei dieses Leben frei von vielfältigen Zeitverschwendungen, man könnte sich auf das Wesentliche konzentrieren: „Er mag nicht nur so dahinleben, sondern freut sich, das Evangelium zu verkünden,“ fasst der Papst dieses Leben zusammen.
   Der Jünger, von dem das gehörte Evangelium namentlich spreche, sei der Ungläubige Thomas, fährt Franziskus fort: „In seinem Zweifel und seiner Unruhe, begreifen zu wollen, ähnelt uns dieser auch ziemlich eigensinnige Jünger ein wenig und ist uns sogar sympathisch. Ohne zu wissen, macht er uns ein großes Geschenk: Er bringt uns Gott näher, denn Gott verbirgt sich nicht vor dem, der ihn sucht.“ Im Gegenteil, er lasse sich von Thomas in seinen Wunden berühren, und gebe ihm so die Gelegenheit, sein unzulängliches Menschsein vertrauensvoll vor ihn zu tragen.
Im Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit
   Der offene Austausch mit Gott, frei von Heuchelei und im Vertrauen auf die Göttliche Barmherzigkeit sei es, der das Herz Jesu gewinne, so Papst Franziskus zu den Teilnehmern der Messe. „Der Jünger zögert nicht, sich Fragen zu stellen, er hat den Mut, im Zweifel zu leben und ihn vor den Herrn, vor die Ausbilder und vor die Vorgesetzten zu tragen, ohne Berechnung und Verheimlichung. Der treue Jünger führt eine wachsame und beständige Unterscheidung durch, da er weiß, dass das Herz jeden Tag erzogen werden muss, angefangen bei den Gefühlen, um sich vor jeder Falschheit im Verhalten und im Leben zu hüten.“ Der Apostel Thomas selbst sei am Ende seiner leidenschaftlichen Suche nicht nur dahin gelangt, an die Auferstehung zu glauben, sondern habe in Jesus Alles für sein Leben gefunden.
   Im letzten Vers des gehörten Evangeliums schließlich sei von einem Buch die Rede gewesen: „Es ist das Evangelium, in dem die vielen anderen Zeichen, die Jesus vollbracht hat, nicht aufgeschrieben sind“. Vielleicht sei es nach dem großen Zeichen seiner Barmherzigkeit nicht mehr nötig gewesen, anderes hinzuzufügen, meditierte Franziskus. Doch vielmehr berge diese Leerstelle eine große Herausforderung, denn sie lasse Raum für die Zeichen, die wir selbst vollbringen können: „wir, die wir den Geist der Liebe empfangen haben und berufen sind, die Barmherzigkeit zu verbreiten.“
   Jeder müsse sich nun fragen, was er selbst tue, um seine „weißen Seiten“ mit Taten der Barmherzigkeit zu füllen. Dies könne durch konkrete Taten geschehen und verlange nach einer vollständigen Hingabe für den Nächsten, welcher Natur auch immer sein Leiden sei. Jeder der Anwesenden verwahre in seinem Herzen eine besondere Seite des Buches der Barmherzigkeit Gottes, nämlich die Geschichte seiner persönlichen Berufung zum Dienst an Gott und der Kirche. „Frischen wir heute dankbar die Erinnerung an seinen Ruf wieder auf – an diesen Ruf, der stärker ist als aller Widerstand und alle Mühe. Wenn wir nun mit der Eucharistiefeier, der Mitte unseres Lebens, fortfahren, wollen wir dem Herrn danken, dass er mit seiner Barmherzigkeit durch unsere verschlossenen Türen eingetreten ist; dass er uns wie Thomas beim Namen gerufen hat und dass er uns die Gnade schenkt, sein Evangelium der Liebe weiterzuschreiben“, schloss Franziskus seine Predigt. Rv160730cs

y-ak-126-ZxxZ

Vigilfeier - Nachtgebet

y-ak-125-ZZ

Abschluss des WJT: Andere Spiritualitäten ausprobieren
Nachwache: Jugendliche auf dem Feld vor der Messe am Sonntag

   Der WJT geht dem Ende entgegen, viel zu viel ist passiert, als dass man alles berichten könnte. Wie das Ganze vor Ort ausgesehen hat, das haben wir unseren Kollegen Johannes Schröer vom Kölner Domradio gefragt.
RV: Überstrahlt wurde der Weltjugendtag natürlich vom Papst, von der Flüchtlingsfrage, vom Besuch in Auschwitz und so weiter. Aber eigentlich ging es ja um junge Menschen. Wie haben die den Weltjugendtag erlebt?
Johannes Schröer: Als ein großes Glaubens- und Friedensfest haben die Jugendlichen den Weltjugendtag erlebt – eine mega woche – sei das gewesen – supertoll – eine Erholung für die Seele – so beschreiben sie das. Für alle waren die Tage in Krakau auch ein ganz besonderes Gemeinschaftserlebnis – gerade in einer Welt, in der Terrorismus, Nationalismus und Kriege allgegenwärtig zu sein scheinen – gerade in so einer Welt – war der Weltjugendtag eine hoffnungsfrohe positive Gegenbewegung des Friedens und des Glaubens. Und das nehmen jetzt hunderttausende Jugendliche aus aller Welt auch mit nach Hause: die Botschaft: ein friedliches Miteinander ist möglich – ein lebendiger gewaltfreier Glaube, der zusammenschweißt – und sich auch solidarisch mit den Armen, den Schwachen, den vielen Flüchtlingen zeigt.
RV: Immer wieder hat man Bezüge auf Johannes Paul II. gehört und gesehen, ist der unter der Jugend Polens und der Welt immer noch so präsent, wie die Reden uns denken lassen?
Schröer: Natürlich – Johannes Paul II. lacht die Menschen hier in Krakau aus jedem Schaufenster an – in jeder Kirche ist er präsent – auf Straßen und Plätzen steht er. Krakau ist seine Stadt. Das heißt jetzt aber nicht, dass Papst Franziskus deswegen weniger wert wäre. Nein – Johannes Paul II. hat ihm auf diesem Weltjugendtag nicht die Show gestohlen, wie viele Medien vermutet haben. Franziskus wurde hier mit Leidenschaft gefeiert – Fähnchen mit seinem Bild gab es überall – Postkarten – en orthopädischer Schuster hat sogar damit geworden, dass seine Firma die Schuhe für Franziskus geschustert hat. Daran sieht man, dass Johannes Paul II. präsent ist – aber auch Franziskus mit großer Herzlichkeit verehrt wird.
RV: Wie ist das mit Sicherheit und Organisation abgelaufen, lief da alles glatt oder gab es Probleme?
Schröer: Ein großes Aufatmen – nichts ist passiert – man konnte sich hier in Krakau immer und überall sicher fühlen. Angst hat hier keiner gehabt. Das lag auch an der unglaublichen Polizeipräsenz hier – dauernd kreisten Hubschrauber in der Luft – an jeder Ecke standen schwer bewaffnete Polizisten – das hat aber gar nichts bedrohliches gehabt – eher war man darüber beruhigt – und fühlte sich beschützt. Und die Weltjugendtagsbesucher haben auch mit bewundernswerter Geduld die vielen, vielen Kontrollen  - schon weit vor den Stadtgrenzen beginnend – über sich ergehen lassen.
RV: Jetzt ist immer von Glaubensfest die Rede – vom Feiern und Fete machen. Wie fromm hast Du denn die Jugendlichen erlebt?
Schröer: Für mich war das mit das Spannendste hier – zu erleben: wie vielfältig Frömmigkeit in der globalen katholischen Kirche ist – wie plural der Glaube gelebt wird – wie pluralistisch die katholische Kirche auch hier ist. Also wir deutschen sind da ja eher verhalten – wir gehen nicht an jeder Straßenecke in die Knie und beten vor einem Marienbild – das tun die Menschen aber in anderen Ländern – auch in Polen. zum Beispiel gab es hier einen großen Beichtpark – mit hunderten Beichtstühlen – vielen deutschen Jugendlichen wurden ganz neugierig, als sie sahen, wie andere hier wie selbstverständlich gebeichtet haben – also das steckte an, auch mal eine ganz andere Spiritualität – ich sage mal salopp, auszuprobieren.
Rv160731ord   

y-ak-127-ZZ

Nachtrag: Papst und Polens Bischöfe - Pastoral und Migranten - Papst und Bischöfe in Krakau

   Säkularismus, Barmherzigkeit, neue Formen der Pastoral und Flüchtlinge – das waren die wesentlichen Themen der Gespräche der polnischen Bischöfe mit Papst Franziskus zu Beginn des Weltjugendtags in Krakau. Der Osservatore Romano hat am Dienstag vier Fragen der Bischöfe und die entsprechenden Antworten von Papst Franziskus im Wortlaut veröffentlicht.
Rausgehen gegen eine Entchristianisierung
   Der Erzbischof von Lodz, Marek Jedraszewski, verzeichnete eine Spaltung in Polen zwischen Gläubigen und säkularen Kräften und fragte Papst Franziskus, welche pastoralen Antworten die katholische Kirche Polens auf die „zeitgenössische atheistisch-liberale Kultur“ geben könne.
   Franziskus betonte, dass es in der modernen Welt neben der Säkularisierung ein gravierenderes Problem gebe: die Entchristianisierung. Zwar nehme der Sinn für Spiritualität wieder zu, doch diese sei zunehmend agnostisch, sie sehe ab von Jesus Christus. Die Menschen suchten einen Gott ohne Christus, ein Volk ohne Kirche. Die Kirche verwaise aber ohne Jesus Christus. Gegen diese Verwaisung und eine agnostische Spiritualität könne nur die Nähe von Priestern, Ordensleuten und Laien zum Volk Gottes helfen.
   Viele Märtyrer, Frauen und Männer hätten alles aufgegeben, um ihr Leben in Schulen und Krankenhäusern zu verbringen. Franziskus nannte hier das Beispiel einer 83-jährigen italienischen Ordensfrau, die seit über 20 Jahren in Zentralafrika lebte und wirkte. Die Werke der Barmherzigkeit bestünden im Anfassen, Lehren und Trösten, es gehe darum, Zeit zu schenken für die Armen und Kranken, betonte Franziskus.
   Aus Sicht der Kirche sei es wichtig, dass die Bischöfe immer für ihre Priester da seien. Auch nach Feierabend müsse ein Bischof noch Anrufe entgegennehmen, um zu zeigen, dass er Vater sei und da sei für die Priester. Auch die Jugend müsste in den Blick genommen werden. Auch wenn es mühsam sei und Geduld erfordere, mit ihren Erwartungen umzugehen, sie hier Nähe entscheidend. Johannes Paul II. habe es vorgemacht: Er habe seine Studenten auf Ausflüge mitgenommen. „Es gibt kein Geheimrezept, aber wir müssen raus ins Feld“, betonte der Papst.
Barmherzigkeit wider des Götzens des Geldes
   Eine zweite Frage drehte sich um das Thema Barmherzigkeit. „Wie können wir die Lehre der Barmherzigkeit anwenden und wem sollen wir sie vermitteln?“, fragte der Erzbischof von Danzig, Slawoj Leszek Glodz.
   Franziskus betonte, dass die Barmherzigkeit nicht seine Erfindung sei, sondern bereits bei Paul VI. und Johannes Paul II., dem „Giganten der Barmherzigkeit“, hervorgehoben wurde. „Es ist seit Jahren ein Prozess in der Kirche“, so Franziskus. In einer Welt voller Ungerechtigkeit, fehlender Liebe und Korruption sei das Zeugnis der Barmherzigkeit entscheidend
   Franziskus wiederholte seine Formel vom herrschenden „Götzen des Geldes“, der den Menschen aus dem Zentrum der Schöpfung dränge, ihn ausbeute und töte. Auch die Schöpfung leide darunter, sowie die Jugendlichen, die keine Arbeit fänden. Sie müssten sich aber nützlich fühlen können.
   Es gebe viele Zeugen der Barmherzigkeit, Laien, Jugendliche, die gute Werke vollbrächten, für die Kranken da seien, sich für Arme einsetzten. „Auf diesem Weg müssen wir vorangehen, Dinge tun, die die menschliche Würde stärken“, so Franziskus. Angesichts eines religiösen Analphabetismus sei es wichtig, die Menschen auf dem Weg des Glaubens zu begleiten. Mit Worten allein sei das nicht zu machen. „Wir müssen dem religiösen Analphabetismus heute mit drei Sprachen entgegentreten: der Sprache des Geistes, der Sprache des Herzens und der Sprache der Hände“, so der Papst.
Die Gemeinde als Referenzpunkt muss bleiben
   Wie dem schnelllebigen Alltag der Gläubigen als Kirche begegnen? Darum drehte sich die dritte Frage eines Weihbischofs aus Tarnow.
   Franziskus hob hier die Bedeutung der Kirchengemeinde als Referenzpunkt im Wandel der Zeit hervor. In einer dynamischen Welt verliere sie nicht an Wert – im Gegenteil: „Es ist eine Struktur, die wir nicht einfach zum Fenster rauswerfen dürfen“, so der Papst. Er räumte ein, dass es heute angesichts vieler Probleme sehr „anstrengend“ sein könne, eine Gemeinde zu leiten. „Die Bischöfe müssen die Erneuerung der Gemeinden immer im Auge behalten: Wie geht es der Gemeinde? Was wird getan? Wie läuft die Katechese? Wie wird sie vermittelt? Ist sie offen?“
   Franziskus nannte ein Negativbeispiel aus seiner Zeit in Buenos Aires, wo ein Ehepaar sich an die Gemeinde wandte, um sich kirchlich trauen zu lassen. Die Gemeindesekretärin habe entgegnet: „In Ordnung, das kostet dann so und so viel“. „Das geht nicht, so kann eine Gemeinde nicht funktionieren,“ betonte Franziskus. Anstatt „Zeugen des Satans“ zu sein, die Menschen abzuschrecken und verschlossene Türen zu haben, müssten die Gemeinden die Menschen aufnehmen. Dazu gehöre auch, dass im Beichtstuhl immer das Licht an bleibe. Auch Spiel- und Fußballplätze in den Gemeinden seien eine wichtige Institution für die Kinder und Jugendlichen.
   Trotz vieler Veränderungen im Alltag der Menschen gelte: „Die Gemeinde wird nicht angerührt: Sie muss ein Ort der Kreativität, ein Referenzpunkt bleiben. Nur so kann sie eine Gemeinde im Hinausgehen sein.“
Flüchtlinge: Aufnahme hängt vom einzelnen Land ab
   Die letzte Frage betraf die Flüchtlingsthematik, die Papst Franziskus während seiner Polenreise häufig ansprach. Franziskus betonte, dass die Wurzel der Migration heute die Korruption sei. Heute flöhen viele Menschen weniger, weil sie Arbeit suchten, sondern vor Hunger und Krieg. Deshalb sei es wichtig, die Korruption und den Waffenhandel in den Herkunftsländern zu stoppen.
   Nicht jedes Land könne auf gleiche Weise reagieren, aber es sei ein weltweites Problem. „Man kann keine allgemeine Antwort geben, die Aufnahme hängt stark von der Situation jedes Landes und seiner Kultur ab“, sagte Franziskus. Jedes Land, das Flüchtlinge aufnehme, müsse einen Weg finden, möglichst großzügig im christlichen Sinne zu sein. Manchen Ländern sei die Integration der Migranten gut gelungen, in anderen gebe es regelrechte Ghettos. „Es braucht eine weltweite Reform im Umgang und der Aufnahme von Flüchtlingen“, so Franziskus. Zwar habe jedes Land eigene Bedingungen, um zu helfen, eines müsse jedoch für alle gelten: „Ein offenes Herz, um aufzunehmen“, so Franziskus. Rv160802cz

y-ak-120-ZxxZ

Abschied in Krakau - Einladung nach Panama

y-ak-129-ZZ

 Nächster WJT: „Oh wie schön ist Panama!“  -  Die Fahne Panamas am Ende der Messfeier

   Der nächste internationale Weltjugendtag wird 2019 in Panama stattfinden. Das gab Papst Franziskus an diesem Sonntag am Ende der großen Abschlussmesse des Weltjugendtages bekannt. Damit wird der Dreijahresrhythmus zwischen den einzelnen internationalen Weltjugendtagen, der wegen der brasilianischen Ausrichtung der Fußball- WM und der Olympischen Sommerspiele etwas verändert wurde, wieder eingeführt.
   Zur Abschlussmesse in Krakau war auch Juan Carlos Varela angereist, der Präsident Panamas, der gemeinsam mit dem polnischen Präsidenten Duda dem Papst nach der Messe für die Einladung dankte und dann mit den Jugendlichen aus Panama, die fahnenschwenkend zum Altar gekommen waren, feierte.
Rv160731ord

y-ak-130-ZxxZ

WJT in Panama: Zwischen Nord und Süd, arm und reich
Große Freude bei der Schlussmesse des WJT: die Fahne Panamás

  Nach dem Weltjugendtag ist vor dem Weltjugendtag: 2019 trifft sich die katholische Jugend der Welt in Panamá. Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck kennt das Land und findet die Wahl ungewöhnlich, aber gut: „Panama hat einen eigenen Charme und ist natürlich ein ungewöhnlicher Ort , allerdings sehr passend deswegen, weil es an der Schnittstelle zwischen Nord- und Südamerika liegt als Land, das nicht nur den Pazifik mit dem Atlantik verbindet, sondern auch wie ganz Mittelamerika die Schnittstelle zwischen Nord- und Südamerika bildet. Das bietet auch die Chance, diese Themen politisch wie auch kirchlich öffentlich zu machen." 
   Man könne schon an den Sprachen sehen – „vieles ist Spanisch, aber auch vieles ist Englisch“ -, dass in Panamá zwei Kulturen zusammenkämen, die bereits jetzt den südlichen Teil der USA bedeutend prägten. Somit werde eine gewisse Form des Weltkirchentums schon vorgelebt. Auch die Schnittstelle zwischen Arm und Reich, Nord und Süd, die das Land in gewisser Weise verkörpere, könne mit dem Weltjugendtag fruchtbar genutzt werden: „Ich glaube dass die Impulse im Blick auf die Frage der Armut dahin gehen können, zu sagen, was müssen wir sozial tun, was müssen wir auch gesellschaftspolitisch und ökonomisch tun?“ Das Land sei in vielfacher Weise von ausländischen Geldgebern und anderen abhängig. 
   Der Jugendbischof der Deutschen Bischofskonferenz Overbeck hatte sich auch unter seinen Kollegen beim Weltjugendtag in Krakau umgehört, was sie von der Wahl Panamas halten: „Die sagten, das ist eine große Chance für das Land - sowohl kirchlich, als auch politisch und gesellschaftlich. Alle Akteure in diesem Land werden sich diese Riesenchance nicht entgehen lassen, ein solches Megaereignis der katholischen Kirche in 2019 beherbergen zu dürfen.“  Rv160802cs

y-1-Kr-z

Fotobericht vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro 2013 und Madrid 2011 > Weltjugendtag I 

                  kbwn:Weltjugendtag

 

[kbwn] [Blindenwerk] [Reisen Fahrten] [Hörbücher] [Heilung] [HiTech] [Kirche] [Vatikan] [Glaube & Leben] [weltweite Kirche] [Weltjugendtag] [Weltkirche] [Europa] [Türkei] [Nahost] [Nordamerika] [Mittelamerika] [Südamerika] [Afrika] [China aktuell] [China] [Indien] [Korea] [Philipppinen] [Himmel & Erde] [Dialog der Religionen] [Recht] [Alterssicherung]