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Weltkirche

  Auf dieser Seite lesen Sie:
1. Vier neue Universitäten der katholischen Kirche in England: Leeds und Birmningham,
St. Mary Twickenham und Benedictus in London im kommenden Jahr
2. Staatlich anerkannte Hochschule in Schweden: Katholisches Newman-Institut in Uppsala
3. Starke Zuwanderung und Konversionen zur katholischen Kirche in Norwegen und Schweden:
Norwegen: 1950 - 43.000 Katholiken, 2005 - 50.000, 2007 - 83.000, 2012 - 110.000, heute etwa 230.000
Schweden: 1950 - 4.300 Katholiken, 1957 - 55.000
4. Norwegen: Ein neues Bistum wird in Trondheim errichtet. Die Kathedrale ist im Bau
5. Kasachstan: Die größte katholische Kathedrale Asiens ist in Karaganda eingeweiht
6.Jordanien: Erste Katholische Universität für 3.000 Studenten in Madaba am Flughafen Amman eröffnet
7. Irak: Erste Katholische Universität im Irak in der kurdischen Stadt Erbil für 3.000 Studenten im Bau
8. Pakistan: Ein Koreaner in den USA finanziert die Erste Katholische Universität in Islamabad
9.  Vietnam: Kathholische Universität kommt!
10. Ungarn: Interview mit dem Erzbischof von Esztergom-Budapest Péter Kardinal Erdö
11. Heiliges Land: Der neue Patriarch für 100.000 Katholiken ist der jordanische Erzbischof Fuad Twal, Jerusalem
12.  Kreml: Seit vier Jahren volle diplomatische Beziehung des Vatikans zur Russischen Föderation
13. Moskau: Neuer Nuntius: Erbischof Antonio Mennini - Erzbischof Dr. Paolo Pozzi für Moskau ernannt
14. Russische Bischofskonferenz versammelte sich in Novosibirsk
15. Novosibirsk: Interview mit dem Bischof von Westsibirien Joseph Werth
16. St. Petersburg: Pater Richard Stark SVD baut deutsche katholische Gemeinde im ehemaligen Leningrad auf
17. Minsk: Tarzisio Kardinal Bertone zur Friedensvisite in Weißrussland,Armenien, Aserbaidschan
18. Aserbaidschan: erste katholische Kirche in der Hauptstadt Baku eingeweiht
19. Mongolai: Erste Katholische Kathedrale Sankt Peter und Paul in Ulan Bator
20. Südsudan: Nach der Gründung des Staates erste Katholische Hochschule in Planung
21. Sudan: Bischof Daniel Advok berichtet über 20 Jahre Christenverfolgung
22. Benin: Feierlichkeiten mit dem Papst für 150 Jahre Mission in diesem westafikanischen Land
23. Vietnam: Großer Bericht über die blühende Kirche in Vietnam - 7 Millionen Katholiken
24. Korea: Die katholische Kirche wächst unermesslich im Land. 250 Jahre Mission

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Foto oben: „Trinity University College“ in Leeds Foto unten: „Newman University College“ in Birmingham

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 Erstmals wieder katholische Universitäten in Großbritannien
   Erstmals seit der Reformation sollen zwei katholische Colleges in Großbritannien wieder zu Universitäten auf- gewertet werden. Über entsprechende Pläne der Regierung berichtet die in London erscheinende katholische Wochenzeitschrift „The Tablet“. Den vollen Status einer Hochschule sollen demnach das „Trinity University College“ in Leeds und das „Newman University College“ in Birmingham erhalten. Beide Einrichtungen wurden in den 1960er Jahren für die Lehrerausbildung gegründet und haben das Recht, akademische Grade zu vergeben. Die dritte katholische Hochschule ist St. Mary's University College in Twickenham bei London Fotos unten, die älteste und größte der katholischen Bildungseinrichtungen in England. RVmg121202bbcKNA

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GB-ClareHornsby-LondonUni-Zz             Die vierte katholische Benedictus-University in London

Gründungsmitglieder der Benedictus Universität in London: Prof. Clare Hornsby Foto oben links
  Prof. Anthony O’Hear Foto unten rechts und Prof. Roger Scruton Foto unten links

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   Der Name der vierten katholischen Universität in England ist “Benedictus”. Die “Benedictus University” wird im nächsten Jahr in London eröffnet. Bekannte Namen stehen hinter dieser Neugründung: die Philosophen Roger Scruton und Anthony O’Hear. An dieser Hochschule können akademische Grade erworben werden. Die Studiengebühren werden 16.800 Euro im Jahr betragen.
   Mit dieser Gründung wird es vier katholische Universitäten in England geben: St.Mary’s Twickenham, Trinity in Leeds, Newman University in Birmingham und jetzt die Benedictus University in London, die nach dem Heiligen Benedikt von Nursia benannt ist.  Diese neue Universität vertritt das Leitbild, dass der katholische Glaube und die geisteswissenschaftliche Bildung in der europäischen Tradition steht. Trotz unserer Trennung von Rom durch die Reformation hatte England einen großen Anteil an dieser Entwicklung. Der breite Strom des katholischen intellektuellen Lebens jener Zeiten blieb durch die Tradition unserer Universitäten erhalten. Der brillante Oxford Gelehrte des 19. Jahrhunderts, der Lehrer und einflussreicher katholischer Konvertit Kardinal Newman – der von Papst Bendedikt XVI. Im Jahre 2010 in Birmingham selig gesprochen wurde – ist zu Recht eine der inspirierenden Vorbilder für die Erzieher im Vereinigten Königreich und einer der Patrone der Benedictus-Universität. Hier in dieser neuen Universität werden alle Studienbereiche – nicht nur die theologischen Vorlesungen – durchdrungen vom Wissen der zentralen Stellung des Christentums in der Entwicklung der westlichen Zivilisation.
  Zu den Gründern der Benedictus Universität gehört auch Prof. Clare Hornsby, ehemalige ViceDirektorin der British Shool in Rom. Sie erklärte gegenüber der Sunday Times, dass Oxford und Cambridge nicht mehr den Studierenden der Geisteswissenschaften eine erleuchtende Ausbildung vermitteln. Sie sagte: “Wissen an sich wird nicht länger geschätzt. Zu viele  Universitäten ignorieren das reiche intellektuelle Erbe, worauf die westliche Zivilisation gegründet ist.
   Philosophie beginnt nicht erst mit Descartes oder Kant, und die Literatur beginnt nicht erst mit dem Roman. Eine universitäre Bildung sollte die Studierenden mit der Logik des Aristoteles, der Poesie von Dante und der Schönheit von Fra Angelico vertraut machen. Wir wollen die breite geisteswissenschaftliche Bildung anbieten, wie sie in den USA verfügbar ist, aber fast völlig in England fehlt. Studenten in Großbritannien verdienen eine Alternative zu den Einzel-Themen-Kursen, die den Bachelor Markt beherrschen.”
   Die Benedictus Universität wird nächsten Jahr mit 50 Studierenden eröffnen: Sie werden in einem umfasenden Programm Galileo, Descartes, Leonardo da Vinci und Chaucer studieren, ebenso aber auch Plato, Aristoteles und Thomas von Aquin. Zum Studium gehören auch die Bibel und Homer.  CH150305Übersetzung:kbwn

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Erste katholische Hochschule in Schweden staatlich anerkannt

   Das katholische Newman-Institut in Uppsala ist staatlich anerkannt worden. Damit wird das Institut eine eigene Hochschule. Die katholische Bildungseinrichtung wurde 2001 vom Jesuitenorden und von Mitarbeitern der katho- lischen Kulturzeitschrift „Signum“ gegründet. Ziel des Instituts sei es, eine Ausbildung in katholischer Theologie und Philosophie anzubieten.  Das  gab der Rektor des Instituts, Pater Philip Geister, bekannt. Seit sieben Jahren besteht eine Zusammenarbeit zwischen dem Newman-Institut und der theologischen Fakultät der Universität Upp- sala. Bereits am 25. August 2010 hatte die schwedische Hochschulbehörde dem Antrag des Instituts auf staatliche Anerkennung zugestimmt. - Die römisch-katholische Kirche in Schweden ist eine Diasporakirche. Rv090922 
Schweden: Erste katholische Hochschule seit der Reformation
   Im schwedischen Uppsala darf sich jetzt eine Hochschuleoffiziell Hochschule nennen: Das Newman-Institut. 2001 wurde die katholische Einrichtung für das Studium der Theologie, Philosophie und vereinzelt anderer Kulturwissen- schaften von Jesuiten gegründet. Anfang 1909 hatte aber die schwedische Regierung erst genehmigt, dass das Institut staatlich anerkannte Bachelor- und höhere Diplomabschlüsse verleihen darf.
   Auch Papst Benedikt persönlich hat zur Neueinweihung der Hochschule gratuliert. In einem von Kardinalstaats- sekretär Tarcisio Bertone unterzeichneten Schreiben lässt der Papst seine Freude über die Arbeit des Newman- Institutes mitteilen. Dieser Ort solle die intellektuellen und spirituellen Beziehungen zwischen den nördlichen Ländern und ganz Europa verstärken. Außerdem solle das Newman-Institut sich durch zwei Dinge auszeichnen: Eine Verbindlichkeit gegenüber dem Glauben an Gott und dem menschlichen Verstand – beides solle zusammen- wirken.
   Philip Geister ist der Direktor des Institutes, das längst mehr ist als eine kircheninterne Forschungseinrichtung. „Der Name Institut ist jetzt tatsächlich etwas veraltet. Wir haben auch lange überlegt, ob wir ihn ändern sollen und uns einfach die Newman-Hochschule nennen sollen. Als Institut haben wir begonnen, sind jetzt aber auch im deutschen Sinn eine staatlich anerkannte Hochschule. Das heißt, die staatlichen Behörden haben eine gründliche Prüfung durchgeführt und haben festgestellt, dass sowohl die akademischen, administrativen und auch finanzi- ellen Voraussetzungen sehr gut sind und dass wir deshalb auch im Namen des Staates eine vollständige Aus- bildung anbieten können.“
   Das letzte Mal, dass ein katholisches Institut in Schweden staatliche Anerkennung fand, war 1477, die von Papst Sixtus IV. gegründete Universität von Uppsala. Für den Nachfolger, das heutige Newman-Institut, sei Schweden der richtige Standort, so Philip Geister. Schließlich sei Schweden ein hochgebildetes Land. Allerdings blieben in der säkularisierten Gesellschaft viele Dinge unerfüllt – ein Motivationsgrund für die Dozenten der Hochschule.
   „Die wichtigste Aufgabe des Newman Instituts wird es sein, auch deutlich zu machen, dass der Mensch ein reli- giöses Wesen ist. Wir müssen den Menschen als religiöses Wesen ernst nehmen. Und der Säkularismus tut das nicht. Wir versuchen ein Angebot zu machen, wo Menschen auch verstehen, dass Theologie, dass auch philo- sophische Reflexion über den Menschen ein wichtiger Teil des Selbstverständnisses von Menschen ist. Und diesen Beitrag möchten wir aus der katholischen Tradition heraus der schwedischen Gesellschaft geben.“
   Ein Vertreter genau dieser religiös-reflexiven Tradition ist der Namenspatron der Hochschule: John Henry Newman. Der vom Anglikanismus zum Katholizismus konvertierte Kardinal hat als Philosoph und Theologe bis heute eine zentrale Wirkung, so Geister. „Das eine ist, dass er doch in der katholischen Tradition eine Symbolfigur ist für die Vermittlung des katholischen Glaubens in die moderne Gesellschaft hinein. Das war ein wichtiger Punkt für uns. Und ich denke, dass er doch trotz seiner Konversion, oder vielleicht auch gerade deshalb, ein sehr ökumenischer Mann war, der die Wahrheit gesucht hat, auch wenn es ihn etwas gekostet hat. Das ist eine Haltung, zu der wir an einer Hochschule auch ermutigen wollen.“RV100904

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Nach gründlicher Prüfung: Newman-Institut jetzt staatlich anerkannt
30 bis 40 Studienanfänger pro Jahr erwartet. Foto: Bibliothek und Studierzimmer im Newman-Institut.

  Am 8. April 2010 hat die schwedische Regierung dem Newman-Institut in Uppsala die staatliche Anerkennung verliehen. Das Institut ist damit die dritte Hochschule der Jesuiten in der deutschen Provinz und die erste katholische Hochschule in Skandinavien seit der Reformation. Die Regierung teilte dem Newman-Institut hundert Vollzeitstudienplätze zu. Pro Jahr rechnet man also mit mindestens 30 bis 40 Studienanfängern, von denen wohl nicht alle die dreijährige philosophisch-theologische Ausbildung durchlaufen wollen, die das Institut anbietet.
  Der staatlichen Anerkennung des in der traditionsreichen Universitätsstadt Uppsala beheimateten Newman- Instituts ging eine gründliche Prüfung durch die schwedische Hochschulbehörde voraus. Die von der Hochschulbehörde eingesetzte Kommission zeigte sich in ihrem Abschlussbericht beeindruckt:
Hohes akademisches Niveau
   Das typisch katholische Profil der Ausbildung, das sich deutlich von den sonst stark religionswissenschaftlich geprägten Ausbildungen an den theologischen Fakultäten der schwedischen Universitäten abhebt, wurde von den Prüfungskommissionen als positiver Neuansatz gewertet. Hervorgehoben wurde auch das hohe akademische Niveau der Dozenten und Dozentinnen des Instituts. Lob fand darüber hinaus das von der Hochschule entwickelte Mentorensystem, das einen an die individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen der Studierenden anknüpfenden Studiengang ermöglicht. Dass der Betreiber der Hochschule der in Schweden über Jahrhunderte gefürchtete Jesuitenorden ist, stellte für die Prüfungskommission ganz offensichtlich kein Problem dar.
   In einer religiösen Landschaft, die immer noch stark von der lutherischen Kirche dominiert ist, empfand man eine stärkere katholische Präsenz als sehr wünschenswert. Neben einem Bachelor-Studiengang in Theologie bietet das Institut auch die komplette philosophisch-theologische Ausbildung für die Priesteramtskandidaten des Bistums Stockholm an. Das Priesterseminar wurde aus diesem Grund von Stockholm nach Uppsala verlegt und befindet sich nun in eigens dafür errichteten Räumlichkeiten in unmittelbarer Nähe des Instituts.
  Zum jetzigen Zeitpunkt hat das Newman-Institut sieben fest angestellte Dozenten, von denen vier Jesuiten sind. Darüber hinaus gibt es etwa 25 akademische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich vertraglich verpflichtet haben, Lehrveranstaltungen zu geben und die Entwicklung der Hochschule zu fördern. So hat das Institut im Verhältnis zur Anzahl der Studierenden einen der größten und kompetentesten Dozentenkreise aller schwedischen Hochschulen oder Universitäten.
Im Geist von John Henry Newman
   Der Patron des Instituts, John Henry Newman, der im September 2010 von Papst Benedikt seliggesprochen wurde, war eine vielseitige Persönlichkeit und sein Leben und seine Schriften sind für das Newman-Institut eine Quelle der Inspiration. So ist es ein großartiges Zusammentreffen, dass die staatliche Anerkennung ausgerechnet im Jahr der Seligsprechung von Kardinal Newman ausgesprochen wurde.
   John Henry Newman hat immer wieder daran erinnert, dass Menschen selten als Folge gründlichen Nachdenkens zum Glauben kommen. Die Entscheidung für den Glauben ist vielmehr eine spontane (aber nicht unbedachte) Stellungnahme jedes Menschen. Man trifft eine Entscheidung für den Glauben auf dem Hintergrund von viel mehr Eindrücken und nicht nur als Folge des Denkens. Deshalb sind zum Beispiel auch künstlerische Ausdrucksformen des Glaubens von großer Bedeutung, wenn es darum geht, den christlichen Glauben zu verstehen.
   Das Newman-Institut hat diese Fülle der christlichen Glaubenserfahrung zum Ausgangspunkt der Studienplanung gemacht und den Fachbereich „Kulturstudien" in die Ausbildung integriert.
Themen, die die Menschen Bewegen
   Für Newman waren die Glaubenswahrheiten der Kirche keine toten, unbegreiflichen Texte. Es sind Überzeugungen, die ihre Kraft in jeder Zeit neu entfalten. Der Reichtum der theologischen Reflexion in der Vergangenheit zeigt seine Kraft in der Begegnung mit den Herausforderungen unserer Zeit. Viele Fragen, die in Schweden engagiert diskutiert werden, können im Licht des Glaubens betrachtet neue Konturen bekommen. Dies gilt vor allem für Fragen im Grenzbereich von Glaube und Naturwissenschaften, aber auch für viele gesellschaftliche und ethische Themen, die die Menschen in Skandinavien bewegen.
  Nicht zuletzt ist John Henry Newmans Persönlichkeit dem Institut eine Verpflichtung. Seine Zeitgenossen beschrieben ihn als einen im besten Sinne vornehmen Mann. Er hatte starke persönliche Uberzeugungen und zeichnete sich dennoch durch große Generosität gegenüber Andersdenkenden aus. Ohne Zweifel eine Kombination, die inspiriert und verpflichtet.
   Als die Kommission Weltkirche der Bischofskonferenz und Mitarbeiter des Bonifatiuswerkes vor kurzem in Schweden zu Besuch waren, drückte der Nuntius der nordischen Länder den Gästen gegenüber seine Uberzeugung aus, dass eine Neu-Evangelisierung Europas durchaus vom Norden ausgehen könnte. Im Hinblick darauf, wie multikulturell, dynamisch und jung die Kirche in Skandinavien ist, kann von den Ländern des Nordens zumindest ein wichtiger Impuls erhofft werden.
Neu-Evangelisierung Europas > Jahr des Glaubens
   Das Newman-Institut hofft, mit einer attraktiven theologischen Ausbildung seinen Beitrag zur Verkündigung des Evangeliums in Schweden zu leisten. Und wenn das Licht am Ende dann vielleicht doch nicht aus dem Norden kommt,  kann es für die Kirche in Zentraleuropa dennoch eine gute Idee sein, ab und zu mal nach oben zu schauen. AnsgarInfo10/03PhilipGeisterSJ

Erzbischof Anders Aborelius Stockholm         epAndersAboreliusStockh

Skandinavien: Staat schätzt Integration durch Kirchen

   Die katholische Kirche in Schweden und Norwegen braucht mehr Gotteshäuser und Priester. Grund sei die wachsende Zahl Gläubiger durch katholische Zuwanderer und durch Konversionen, sagte der Vorsitzende der Nordischen Bischofskonferenz, Anders Arborelius aus Stockholm, zum Abschluss der Vollversammlung in Münster. Wegen der Zuwächse habe die katholische Kirche in Schweden der protestantischen zuletzt zwölf Gotteshäuser abgekauft. Sechzig weitere würden regelmäßig für Gottesdienste genutzt. Die Priesteramtskandidaten werden erstmals im eigenen Land ausgebildet. Katholiken befinden sich in Skandinavien in der Minderheit. In Schweden liegt ihr Anteil bei 1,9 Prozent, in Norwegen bei einem Prozent. Die Zahl der Gläubigen stieg dort von 4.300 Katholiken im Jahr 1950 im Jahr 2007auf gut 55.000 an; jährlich gibt es nach Angaben des Konferenzvorsitzenden achtzig Konvertiten. Unter den Katholiken sind 85 Prozent Ausländer aus Osteuropa, Irak, Asien und Afrika. Viele der Katholiken seien auch aus Ländern in Afrika oder Asien geflüchtet, unterstrich der Bischof. Staatliche Stellen wüssten die Integrationsleistung der Kirchengemeinden inzwischen zu schätzen. Der Priesternachwuchs konnte laut Arborelius bislang nur im Ausland Theologie studieren. Die Fakultäten der Universitäten in Schweden und Norwegen seien aber nicht konfessionell gebunden. Daher hätten sie sich der Neuerung geöffnet.  DTkna070324
  
Die Zahl der Katholiken in Norwegen hat sich im Vergleich zu 2005 nahezu verdoppelt. Das berichtet der ökumenische Pressedienst „ENI“ in Genf unter Berufung auf das norwegische Statistik Amt. Demnach hat sich die Größe der römisch-katholischen Gemeinschaft von rund 43.000 auf rund 83.000 erhöht. Gründe für den Zuwachs sieht der Osloer Erzbischof in der Zuwanderung des Landes. Laut Markus Eidsvig immigrieren viele Katholiken aus Vietnam, Chile, Sri Lanka oder Vietnam nach Norwegen. Außerdem verzeichne die katholische Kirche zahlreiche Eintritte. Dies begründete Eidsvig damit, dass die katholische Kirche „etwas anderes“ biete als die lutherische Staatskirche. So sprächen vor allem die vielfältigen Formen liturgischer Feiern die Menschen an. Von den rund vier Millionen Norwegern gehören 86 Prozent der Staatskirche an. RV111213kap

epBerntIvarEidsvig-Trondheimy       Erzbischof Bernt Ivar Eidsvig CRSA Trondheim/Norwegen

Bernt Ivar Eidsvig CRSA Foto obenErzbischof des Bistum Oslo und Apostolischer Administrator der Prälatur Trondheim wirbt für das Jahr 2014 für den Bau einer neuen Kathedrale in Trondheim Foto unten.

     Die norwegische Kirche ist eine Kirche von Einwanderern. Die große Mehrheit der Gläubigen ist in den letzten fünf Jahren ins Land gekommen.  Im Jahre 2005 waren in Norwegen 50.000 Katholiken registriert, heute sind es 110.000. Auf Grund der Einwanderungs-Statistik sind wahrscheinlich noch weitere 110.000 - 120.000 katholische Christen eingewandert, die noch nicht registriert sind.
 Der bisherige Dom in Trondheim hat nur 130 Sitzplätze und ist viel zu klein für die für die 1.000 bis 1.500 Besucher der heiligen Messe. Die neue Kirche soll am alten Standort des alten Gotteshauses entstehen, der sich gegenüber dem norwegischen Nationalheiligtum, dem Nidaros-Dom, befindet. „Wir sind uns der Bedeutung dieses Standortes bewusst und wollen dem besondere Rechnung tragen“, betonte Bischof Eidsvig.
   Bischof Eidsvig hat evangelische Theologie in Oslo studiert, ehe er 1977 zur katholischen Kirche übertrat und 1982 zum Priester geweiht wurde. Viele Geistliche und Ordensleute sind Konvertiten. Im Bistum Oslo gibt es jährlich etwa 150 Übertritte zur katholischen Kirche, darunter auch lutherische Geistliche und Theologieprofessoren. Das ist eine ganz neue Entwicklung. Bei vielen spielt die Sehnsucht nach einem sakramentalen Leben in der Kirche eine wichtige Rolle. DT120519ReginaEinigAnsgarwerk

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Der Bischof von Oslo, Bernt Eidsvig     ep-BerntEidsvig,Oslo-Z

Norwegen: Kirche im Aufbruch statt im Umbruch

  Während in vielen europäischen Ländern Kirchen leer stehen und gar verkauft werden, gibt es ein Land in Europa, in dem sogar eine neue Kathedrale entsteht. Die katholische Kirche in Norwegen wächst jeden Monat um ein Prozent. Und noch einen Unterschied gibt es zur Lage in anderen Ländern des Kontinents: im reichen Norwegen ist die Kirche materiell arm. Der Norwegen-Kenner und Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Georg Austen, sprach darüber mit Radio Vatikan. Am Mittwoch hatte Papst Franziskus das Engagement des Diaspora-Hilfswerkes der deutschen Katholiken für die Kirche in Norwegen gewürdigt. Dazu empfing er Austen und den Bischof von Oslo, Bernt Eidsvig. „Das zeigt sicherlich auch die besondere Wertschätzung Roms gegenüber den Gläubigen, die in einer extremen Minderheitssituation leben“, sagte Austen.
   Die Vertreter sprachen nach eigenen Angaben mit dem Papst über die Diaspora-Situation der Kirche in Norwegen und Deutschland. Grund für das rasante Wachstum in dem skandinavischen Land sei der Zuzug von Menschen aus aller Welt, die zum Studieren oder Arbeiten nach Norwegen kommen und ihren Glauben mitbringen. „Die katholische Kirche in Norwegen ist im Aufbruch und nicht wie bei uns in Deutschland im Umbruch“, so Austen.
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Kasachstan: Kathedrale in Karaganda geweiht
   Im kasachischen Karaganda hat Kardinaldekan Angelo Sodano Foto die größte katholische Kirche Zentralasiens am 09. September 2012 geweiht. Der ranghöchste Kardinal würdigte die Kathedrale als ein Symbol für die neue Religionsfreiheit im mehrheitlich muslimischen Kasachstan. Papst Benedikt XVI. richtete zu dem Anlass eine Grußbotschaft an die Katholiken in Kasachstan. Die 42 Meter hohe Kathedrale „Unsere Liebe Frau von Fatima - Mutter aller Nationen“ ist mit rund 1.000 Quadratmetern deutlich größer als die bisherige Kathedrale St. Joseph in Karaganda. Sie bietet 500 Menschen Platz. Die im neugotischen Stil errichtete neue Kathedrale liegt zudem anders als ihre Vorgängerin nahe dem Stadtzentrum. An der Weihe nahmen hohe Vertreter der orthodoxen Kirche und der muslimischen Gemeinde teil. Sodano dankte insbesondere Staatspräsident Nursultan Nasarbajew. Er habe den Bau der Kathedrale sehr gefördert. Nasarbajew hatte Sodano in der kasachischen Hauptstadt Astana empfangen und lobte er die gute Zusammenarbeit mit dem Vatikan. In Kasachstan, der früheren zweitgrößten Sowjetrepublik, sind etwa 70 Prozent der mehr als 16 Millionen Einwohner Muslime. 26 Prozent bekannten sich bei der Völkszählung 2009 zum Christentum. Der Großteil der gut vier Millionen Christen in Kasachstan gehört der orthodoxen Kirche an. Die Zahl der Katholiken beträgt landesweit rund 150.000. Viele von ihnen gehören der deutschen Minderheit an. Das Bistum Karaganda wurde 1999 gegründet. Es zählt gut 40.000 Mitglieder. Landes- weit gibt es laut Präsidentenpalast mehr als hundert katholische Kirchen und Kapellen. rvDT100911KNA 

Hirtenwort der Bischöfe von Kasachstan
   “Die Stadt Karaganda selbst und ihre Umgebung haben in der Zeit der Verfolgung der Kirche seitens des atheistischen Sowjetstaates eine besonders traurige Berühmtheit erlangt als Ort der Verbannung und der Repression von Menschen verschiedener Nationalitäten und Konfessionen. Symbol jener Zeit wurde das sogenannte „Karlag“ – eines der Hauptlager der stalinistischen Diktatur. Aufgrund der enormen Zahl der Opfer der Repression, die durch das „Karlag“ gingen, ist die Erde um Karaganda mehr als ein anderer Ort Kasachstans mit dem Blut und den Tränen von unschuldig getöteten Menschen getränkt.
   Die drei Hauptziele für die neue Kathedrale – ein würdiges Aussehen, Stätte des Gedenkens und der Sühne für die Opfer des „Karlag“, Zeichen und Werkzeug der Evangelisierung – haben eine zutiefst seelsorgliche Eigenschaft, denn sie drücken das Streben aus, Gott die größere Ehre zu geben und die Menschen zum ewigen Heil zu bringen. Mit diesem Ziel beschloss Erzbischof Jan Pawel Lenga Ende 2002, mit dem Bau der neuen Kathedrale zu beginnen und sie dem Schutz Unserer Lieben Frau von Fatima zu weihen.
   Wie allen bekannt ist, erschien die allerseligste Jungfrau Maria am 13. Mai 1917 den drei kleinen Hirtenkindern Luzia, Francisco und Jacinta in der portugiesischen Ortschaft Fatima. In ihren Botschaften sprach die Gottesmutter von der Gefahr der Irrtümer, welche Russland auf der ganzen Welt verbreiten wird. Und in der Tat, einige Monate später fand die sogenannte Oktoberrevolution in Russland statt, welche dieses Land in den ersten Staat in der Menschheitsgeschichte mit der herrschenden kommunistischen Ideologie verwandelte. Die Sowjetunion, zu welche zwangshalber auch unser geliebtes kasachisches Land gehörte, hat auf dem ganzen Erdenrund den Atheismus und die Glaubensverfolgung verbreitet. In Fatima rief die allerseligste Jungfrau Maria die Gläubigen dazu auf, Werke der Busse und der Sühne für die Sünden zu verrichten, damit den Menschen der Frieden geschenkt werde und Russland sich bekehre. Im Licht der Geschichte bedeutet das folgendes: damit Russland, d.h. die Sowjetunion, und alle anderen Länder von den kommunistischen Irrtümern des Materialismus und des Atheismus befreit werden.
   Am Gedenktag der Erscheinung von Fatima, dem 13. Mai 2003, hat das Bistum Karaganda das Grundstück für den Bau der neuen Kathedrale erworben. Am 18. Mai 2003, dem Geburtstag des seligen Johannes Paul II., hat Kardinal Angelo Sodano, der damalige Kardinalstaatssekretär, der sich seinerzeit zu einem offiziellen Besuch in Kasachstan befand, im Beisein aller Bischöfe Kasachstans das Grundstück und den Grundstein für die neue Kathedrale gesegnet. Dieses Grundstück, das sich auf einem solch würdigen Ort in Karaganda befindet, wurde freigegeben dank der Mitwirkung des Präsidenten der Republik Kasachstan, N.A.Nasarbajew. Mit Dankbarkeit betrachten wir diese Geste als Zeichen der Wertschätzung der katholischen Kirche seitens der Republik Kasachstan, wie das auch in der Rede des Staatsoberhauptes während der Begrüßung von Johannes Paul II. in Astana zum Ausdruck kam: „Die katholische Kirche ist für uns nicht eine fremdartige, von aussen gebrachte Wirklichkeit. Sie setzte jene kulturschaffenden und geistlichen Beziehungen fort und erneuert sie, welche in der fernen Vergangenheit entwickelt wurden.“ Möge diese Kirche Unserer Lieben Frau von Fatima - Mutter aller Nationen künftig ein Zeichen und ein Ort sein, an dem Katholiken und andere Menschen verschiedener Nationen Jesus Christus, den einzigen Erlöser der Menschen, finden, Ihn anbeten und Ihn lieben können. Dadurch werden sie den Reichtum der göttlichen Gnaden für ihr zeitliches und ewiges Heil empfangen. Möge die Jungfrau Maria, die Mutter aller Nationen, alle zu ihrem Sohn bringen.
  Erheben wir unsere Stimme im Gebet zu Gott mit diesem Worten aus dem Ritus der Weihe der Kirche; „Herr, unser Gott, auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria und aller Heiligen erhöre unsere Bitten. Mache dieses Haus, das wir Deinem Namen weihen, zu einem Haus der Gnade und des Heiles. Hilf Deinem Volk, wenn es hier zusammenkommt, Dich im Geist und in der Wahrheit anzubeten und in Liebe zu wachsen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.“
Mit dem Segen und der Liebe Christi, die Bischöfe und Ordinarien von Kasachstan:
Astana, 30.04.2012
+ Tomash Peta, Erzbischof Metropolit der Erzdiözese der heiligen Maria in Astana, Vorsitzender der Konferenz der katholischen Bischöfe von Kasachstan
+ Janusz Kaleta, Bischof von Karaganda und Apostolischer Administrator von Atyrau Foto unten rechts mit seinem bischöflichen Wappen: “In fide, spe et caritate” - In Glaube, Hoffnung und Liebe Foto unten Mitte.
+ Jose Luis Mumbiela, Bischof der Diözese der heiligsten Dreifaltigkeit in Almaty
+ Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der heiligen Maria in Astana Bericht im nächsten Artikel
Erzpriester Wasil Hovera, Delegat der Kongregation der Ostkirchen für die griechisch-katholischen Gläubigen von Kasachstan und Mittelasien

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 Bischof Athanasius Schneider ORC, 51, Foto oben links  ist Weihbischof im Erzbistum der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana. Er wurde als jüngstes von vier Kindern in eine schwarzmeerdeutsche Familie geboren. Seine Eltern Josef Schneider und Maria geb. Trautmann waren nach dem Zweiten Weltkrieg als sowjetische Internierte von Berlin in den Ural verschleppt worden. 1969 siedelte die Familie nach Valga in Estland über, wo Antonius die russische Schule besuchte, bis sie 1973 nach Deutschland ausreisen konnte und sich in Rottweil niederließ. Nach dem Abitur 1982 trat er im selben Jahr in den Orden der Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz (Kreuzorden) auf Burg St. Petersberg bei Silz in Tirol ein und nahm den Ordensnamen Athanasius an. Von 1984 bis 1990 studierte er Philosophie und Theologie an der ordenseigenen Hochschule im brasilianischen Anápolis. Das Sakrament der Priesterweihe empfing er am 25. März 1990 durch den Bischof von Anápolis, Dom Manoel Pestana Filho. Danach war er ein Jahr in der Seelsorge in Aparecida tätig und gleichzeitig Spiritual des dortigen Klosters des Ordens.
   P.Athanasius Schneider studierte von 1991 bis 1993 Patristik in Rom, erwarb 1993 das Lizenziat an der Dominikaner-Universität Angelicum und gab danach Vorlesungen an der ordenseigenen Hochschule in Anápolis/Brasilien über die Kirchenväter. Den Doktortitel erwarb er 1997 durch seine Dissertation am Augustinianum in Rom bei den Professoren Prosper Grech und Vittorino Grossi über den Hirten des Hermas. Von 1993 bis 2001 war er in der Ordensleitung in Rom als Generalrat tätig. Seit 1999 gab er theologische Gastvorlesungen am Priesterseminar im kasachischen Karaganda, wohin er 2001 übersiedelte und zum Spiritual und Direktor der Studien wurde.
   Im Oktober 2005 nahm er an der Bischofssynode in Rom über die Eucharistie teil und sprach über seine eucharistischen Erfahrungen im ehemaligen Kommunismus. Er beherrscht neben seiner Muttersprache Deutsch auch Italienisch, Englisch, Russisch, Lateinisch, Griechisch und Portugiesisch.
   Bischof Schneider baute in der Diözese Karaganda kleine Gemeinden (Hauskirchen) und Kirchen auf und war gleichzeitig diözesaner Kanzler und Generalvikar. Ebenfalls fungiert er als Sekretär der liturgischen Kommission der russischen Bischofskonferenz. Am 5. Februar 2011 ernannte ihn Benedikt XVI. zum Weihbischof im Erzbistum der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu Astana.

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Jordanien: Erste Katholische Universität
  In der jordanischen Stadt Madaba unweit des Internationalen Flughafens von Amman entsteht die erste Katholische Universität des Landes. Bulldozer haben mit den Ausschachtarbeiten für die Universität von Madaba, sagte Bischof Giacinto-Boulos Marcuzzo Foto oben links in Nazaret. Die Einrichtung solle eine Erinnerung an die Pilgerreise von Papst Johannes Paul II. im Jahre 2000 ins Heilige Land sein.  DTkna061024
   Nach seinem Aufenthalt auf dem Berg Nebo Foto unten und dem Besuch der byzantinischen Basilika der Mose- Gedenkstätte fuhr Papst Benedikt XVI. im Auto nach Madaba, in die heute fünftgrößte Stadt Jordaniens. Dort stattete er dem christlichen Viertel einen Besuch ab und segnete den Grundstein der geplanten Universität des Lateinischen Patriarchats. Diese erste katholische Universität von Jordanien wird voraussichtlich rund 3.000 Studenten aufnehmen können.

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Grundsteinlegung für die Universität des Lateinischen Patriarchats in Madaba
Bauleute einer gerechten und friedlichen Gesellschaft sein
»Ich bete, dass Ihre Träume bald wahr werden, dass Sie Generationen von qualifizierten Christen, Muslimen und Gläubigen anderer Religionen erleben können, sagte der Papst in seiner Ansprache:

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    “Das Königreich Jordanien hat der Aufgabe der Ausweitung und Verbesserung des Bildungswesens mit Recht Vorrang gegeben. Es ist mir bekannt, dass Ihre Majestät Königin Rania bei dieser edlen Mission besonders aktiv ist. Ihr Engagement wirkt sich auf viele inspirierend aus. Während ich den Bemühungen der Menschen guten Willens um die Erziehung Tribut zolle, stelle ich mit Genugtuung die kompetente und kulturell qualifizierte Teilnahme christlicher, besonders der katholischen und orthodoxen Institutionen bei dieser globalen Aufgabe fest. Dies ist der Hintergrund, der die katholische Kirche veranlasst hat, mit der Unterstützung der jordanischen Behörden ihre Kräfte in die Förderung von Hochschulausbildung in diesem Land und anderswo zu stecken. Die Initiative geht auch auf die Wünsche vieler Familien ein, die zufrieden über die Ausbildung, die sie in den von Ordensgemeinschaften geführten Schulen empfangen haben, nun eine analoge Option im universitären Bereich fordern.
   Ich bekunde den Förderern dieser neuen Institution meine Anerkennung für ihr mutiges Vertrauen in gute Ausbildung als ein Sprungbrett für persönliche Entwicklung wie auch für Frieden und Fortschritt in der Region. In diesem Zusammenhang wird die Universität von Madaba sicherlich drei bedeutende Ziele im Auge behalten. In der Entwicklung von Talenten und erstrebenswerten Einstellungen bei künftigen Generationen von Studenten wird sie diese vorbereiten, der größeren Gemeinschaft zu dienen und ihre Lebensstandards anzuheben. In der Weitergabe von Wissen und durch das Einfließenlassen einer Liebe zur Wahrheit bei den Studenten wird sie deren Bindung an Werte und deren personale Freiheit beträchtlich erhöhen. Schließlich wird diese geistige Ausbildung ihre kritischen Fähigkeiten schärfen, Unkenntnis und Vorurteil zerstreuen und den Bann durchbrechen helfen, der durch alte und neue Ideologien entstanden ist. Das Ergebnis dieses Prozesses ist eine Universität, die nicht nur eine Plattform für die Festigung der Bindung an Wahrheit und an die Werte einer gegebenen Kultur, sondern einen Ort des Verständnisses und des Dialogs darstellen. Indem sie ihr eigenes Erbe in sich aufnehmen, werden junge Jordanier und - andere Studenten der Region zu einer tieferen Kenntnis der Errungenschaften der Menschheit geführt, bereichert durch andere Standpunkte und in Verständnis, Toleranz und Friede geformt.
   Diese »breitere« Ausbildung besteht in dem, was man von den universitären Einrichtungen und von ihrem kulturellen Milieu erwartet, sei es säkular oder religiös. In der Tat unterdrückt der Glaube an Gott nicht die Suche nach der Wahrheit; im Gegenteil, er ermutigt sie. Der heilige Paulus ermahnte die ersten Christen, ihr Herz zu öffnen für alles, »was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist« Phil 4,8. Selbstverständlich kann die Religion, wie Wissenschaft und Technologie, wie Philosophie und alle Ausdrucksweisen unserer Suche nach Wahrheit, verzerrt werden. Religion wird entstellt, wenn sie in den Dienst der Ignoranz oder des Vorurteils, der Geringschätzung, der Gewalt oder des Missbrauchs gedrängt wird. Hier sehen wir nicht nur eine Entstellung der Religion, sondern auch eine Korrumpierung der menschlichen Freiheit, eine Verengung und Blindheit des Denkens. Natürlich ist ein solches Ergebnis nicht unvermeidbar. In der Tat, wenn wir Erziehung fördern, bekunden wir unser Vertrauen in die Gabe der Freiheit. Das menschliche Herz kann verhärtet werden durch sein begrenztes Umfeld, seine Interessen und seine Leidenschaften. Aber jeder Mensch ist ebenso zu Weisheit und Rechtschaffenheit aufgerufen, zur grundlegenden und überaus bedeutsamen Wahl des Guten vor dem Bösen, der Wahrheit vor der Unaufrichtigkeit, und jeder kann bei dieser Aufgabe unter- stützt werden.
   Die Berufung zur moralischen Redlichkeit wird durch die ernsthaft religiöse Person wahrgenommen, da man dem Gott der Wahrheit und der Liebe und der Schönheit nicht anders dienen kann. Ein reifer Glaube an Gott trägt stark dazu bei, die Aneignung und die rechte Anwendung des Wissens zu leiten. Wissenschaft und Technologie bieten außerordentliche Vorteile für die Gesellschaft und haben die Lebensqualität vieler Menschen entscheidend verbessert. Zweifellos ist dies eine der Hoffnungen jener, die diese Universität fördern, die das Motto »Sapientia et Scientia« führt. Zugleich hat die Wissenschaft ihre Grenzen. Sie kann nicht alle Fragen über den Menschen und seine Existenz beantworten. In der Tat, die menschliche Person, ihr Platz und ihr Sinn im Universum lassen sich nicht in den Grenzen der Wissenschaft erfassen. »Die zu erstrebende Vollendung der Vernunftnatur der menschlichen Person ist die Weisheit, die den Geist des Menschen sanft zur Suche und Liebe des Wahren und Guten hinzieht« Gaudium et spes, 15. Der Gebrauch wissenschaftlicher Kenntnisse benötigt das Orientierungslicht der ethischen Weisheit. Diese Weisheit inspirierte den Eid des Hippokrates oder die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948, die Genfer Konvention und andere lobenswerte internationale Verhaltensregeln. Daher spielen religiöse und ethische Weisheit, indem sie Fragen nach Sinn und Wert beantworten, eine zentrale Rolle in der beruflichen Ausbildung. Und folglich leisten jene Universitäten, in denen das Streben nach Wahrheit mit der Suche nach dem, was gut und edel ist, Hand in Hand geht, einen unentbehrlichen Dienst für die Gesellschaft.
   Mit diesen Gedanken im Herzen ermutige ich in besonderer Weise die christlichen Studenten Jordaniens und der Nachbarregionen, sich verantwortungsvoll Ihrer eigenen professionellen und moralischen Ausbildung zu widmen. Ihr seid gerufen, Bauleute einer gerechten und friedlichen Gesellschaft zu sein, die sich aus Menschen mit verschiedenem religiösen und ethnischen Hintergrund zusammensetzt. Diese Gegebenheiten - ich möchte es nochmals betonen - dürfen nicht zur Entzweiung, sie müssen zu gegenseitiger Bereicherung führen. Die Mission und die Berufung der Universität von Madaba liegt gerade darin, ihnen zu helfen, noch mehr an dieser hohen Aufgabe teilzuhaben.
   Liebe Freunde, ich möchte meine Gratulation an das Lateinische Patriarchat von Jerusalem erneuern und nochmals allen meine Ermutigung aussprechen, denen das Projekt am Herzen liegt, gemeinsam mit denen, die bereits im Erziehungsapostolat in diesem Land engagiert sind.
   Der Herr segne und erhalte Sie! Ich bete, dass Ihre Träume bald wahr werden, dass Sie Generationen von qualifizierten Christen, Muslimen und Gläubigen anderer Religionen erleben können, die im Besitz beruflicher Fertigkeiten, sachkundig in ihren Gebieten und gebildet in den Werten von Weisheit, Redlichkeit, Toleranz und Friedfertigkeit ihren Platz in der Gesellschaft einnehmen.
   Ihnen und allen zukünftigen Studenten und Angestellten dieser Universität und ihren Familien erbitte ich den reichen Segen des Allmächtigen Gottes!” englOR090510

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Katholische Universität in Jordanien geht online
  Zwei Jahre nach der Grundsteinsegnung durch Papst Benedikt XVI. stehen die Arbeiten an der katholischen Amerikanischen Universität (AUM) im jordanischen Madaba vor dem Abschluss. Der Lehrbetrieb an der ersten katholischen Universität Jordaniens wird im Oktober 2011 aufgenommen werden. Die Internetseite ist bereits online. Die neue Hochschule unweit des Internationalen Flughafens von Amman umfasst sieben Fakultäten und bietet Platz für bis zu 8.000 Studenten und 500 Dozenten. Neben einer wirtschafts- und einer naturwissenschaftlichen Fakultät werden Ingenieurswissenschaften, Gesundheitswissenschaften, Informatik, Kunst und Design sowie Sprachen und Kommunikation als Studienfächer angeboten. Unterrichtssprache ist Englisch. Nach Angaben des Patriarchates soll die katholische Universität, die seit Mai den Namen „Amerikanische Universität Madaba" trägt, „Flaggschiff der Bildung" werden und künftige Führungspersönlichkeiten Jordaniens und der Region hervorbringen. Geplant sind Kooperationen und Austauschprogramme mit europäischen und US-amerikanischen Universitäten. Die Initiative zu einer katholischen Universität geht unter anderem auf den Wunsch vieler Familien zurück, die kirchlich getragene Ausbildung in Schulen auch auf universitärer Ebene weiterzuführen. Die AUM solle für Studierende aus Jordanien und den Nachbarländern ein Ort der Verständigung und des Dialogs sein, hatte der Papst bei der Grundsteinsegnung im Mai 2009 hervorgehoben. DT110721kna

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   Am 17. Oktober 2011 startete das erste offizielle Studienjahr an der ca. 35 km von Amman (Jordanien) entfernt gelegenen Amerikanischen Universität von Madaba (AUM). Das für 8.000 Studenten geplante Projekt ist nun Wirklichkeit geworden. Im Jahr 2005 hat der Hohe Rat für Bildung dem lateinischen Patriarchat von Jerusalem die Erlaubnis für eine eigene Universität erteilt. Der Lateinische Patriarch von Jeruslaem Fouad Twal sagte in seiner Erklärung von 2005: "Jeder würde im Moment eine Universität in Jordanien eröffnen wollen. Die Tatsache, dass die Regierung uns und nicht anderen die Lizenz dafür gab, ist eine Anerkennung der Arbeit unserer Schulen, die hier seit 1849 tätig sind. Wir haben mehr als hundert Schulen mit 70.000 Schülern, die stets für alle, Christen und Muslime, offen sind. Um dieses Bildungsangebot zu vervollständigen, wollte mein Vorgänger, Patriarch Michel Sabbah, diese Universität: Bis jetzt gibt es keine katholischen Universität in Jordanien." Papst Benedikt XVI. unterstützte dieses Projekt, spendete 15 Millionen Euro und segnete den Grundstein des Campus bei seinem Besuch im Mai 2009: "Durch die Entwicklung von Talenten und die richtige Einstellung jeder nachfolgenden Generation bereitet die Universität die Studenten darauf vor, der Gemeinschaft umfassender dienen zu können und ihren Lebensstandard zu erhöhen …. Durch die Wissensvermittlung und die Vermittlung der Liebe zur Wahrheit wird die Universität den Studenten helfen, solide Werte und ihre persönliche Freiheit zu bewahren. Schließlich wird die intellektuelle Bildung ihre kritischen Fähigkeiten schärfen, um Unwissenheit und Vorurteile zu zerstreuen, und jedem dabei helfen, mit alten und neuen Ideologien zu brechen. "Den Namen Amerikanische Universität von Madaba (AUM) erhielt die Hochschule wegen ihrer Partnerschaft mit der Universität von New Hampshire, die diese Initiative stark unterstützt.

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Foto links: Universität Madaba Foto rechts: Köinig Abdullah II begrüßt den Lateinischen Patriarch Fouad Twal

   200 Studenten, Christen und Muslime, haben sich bisher eingeschrieben. 1.000 Studenten werden für das nächste Studienjahr erwartet. Die meisten von ihnen sind Jordanier, andere kommen aus Saudi Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Iran, Irak, Kuwait und aus dem Heiligen Land. Desweiteren sind Austauschprojekte zwischen den Studenten von acht ausländischen Universitäten am Entstehen: zwei amerikanische Notre-Dame und Gannon, fünf italienische Katholische Universität und Polytechnikum in Mailand, Universitäten von Pavia, Genua und Enna und eine ungarische katholische Universität Peter Pazmany.

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  Die Ausbildung bietet ein hohes wissenschaftliches Niveau mit einer klaren Gesellschaftsvision. "Wir wollen“, so der Patriarch von Jerusalem, “ein Umfeld basierend auf der Kultur von Ehrlichkeit und Offenheit gegenüber anderen schaffen; eine Institution, die die „Leader“ einer friedlichen und zufriedenen Gesellschaft, die für jedermann offen ist, ausbildet. Ich glaube fest an die Rolle der Bildung in Bezug auf Frieden und Koexistenz."
  Die Universität hat sieben Fakultäten, alle in englischer Sprache: Wissenschaft, Ingenieurwesen, Informatik, Gesundheitswissenschaften, Wirtschaft und Finanzen, Kunst und Design, Sprachen und Kommunikation. Für das Jahr 2011-2012 können die Studenten unter 18 Fachrichtungen wählen, für das kommende Jahr sind 32 geplant. Die 50 hervorragend ausgebildeten Lehrer kommen von jordanischen und europäischen Universitäten, einige von ihnen sind Amerikaner.
   Sobald das gesamte Projekt abgeschlossen ist, werden die Studenten von einem modernen Campus mit Laboratorien, Konferenzräume, Internetzugang mit WLAN und Sportanlagen profitieren können. Eine neue Generation von Führungskräften steht bevor. weitere Informationen > www.aum.edu.jo
AmélieDeLaHougueDanielLeÜbersetzung:BarbaraFrua

is-aepGioirgioLinguaNuntius Irak: Nuntius würdigt neue katholische Universität

   Der Irak hat seine erste katholische Universität. Der Grundstein für die Lehranstalt wurde bereits vor zwei Wochen gelegt. In der kurdischen Stadt Erbil soll in drei Jahren das Gebäude fertig gestellt sein. Es handelt sich um „ein mutiges Zeichen“, sagt im Gespräch mit Radio Vatikan der Nuntius im Zweistromland, Erzbischof Giorgio Lingua. Er nahm zusammen mit dem chaldäischen Bischof von Erbil, Bashar Warda, sowie lokalen Autoritäten an der Gründungsfeier teil.
   „Es ist sowohl ein mutiger Akt als auch ein Zeichen, dass man gegen den Strom schwimmen möchte. Mutig finde ich, dass sich Christen im Irak dafür einsetzen und dafür Geld sammeln. Der Irak ist nicht nur vom Krieg und von den immer noch verbreiteten Gewalthandlungen geprägt. Auch hier spürt man die Wirtschaftskrise und da ist es alles andere als selbstverständlich, dass man genügend Finanzmittel für ein solches Vorhaben findet.“
   Andererseits sei die Universität ein Symbol dafür, dass die Gläubigen im Irak gegen den Strom schwimmen, so der Nuntius. „Denn mit dieser Lehranstalt wollen die Christen bezeugen, dass sie in dem Land bleiben möchten. Damit kann man auch ganz konkret die Auswanderung stoppen oder zumindest verlangsamen, weil man den Christen eine Alternative im Irak aufzeigt. Diese Universität ist ein schönes Geschenk des chaldäischen Bischofs Bashar Wada an die Jugend. Es ist aber auch ein starkes Symbol für das gesamte Land, um zu zeigen, dass die Christen ein bedeutender Teil der Gesellschaft sind.“
   Die Arbeiten sollen bis 2015 abgeschlossen werden. Danach werden bis zu 3.000 Studenten an der neuen Universität studieren können. Es sind geisteswissenschaftliche wie auch technisch-wissenschaftliche Fakultäten geplant. Das Gelände gehört der chaldäischen Kirche und umfasst insgesamt 30.000 Quadratmeter. RV121031mg

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Eine Universität, die in Islamabad entsteht, soll nach Shahbaz Bhatti benannt werden.

   Dies teilt Paul Bhatti, der Bruder des vor einem Jahr ermordeten katholischen Ministers für religiöse Minderheiten Shahbaz Bhatti, dem Fidesdienst mit. Die Baugenehmigung und der Finanzierungsplan seien bereits vorhanden, das Bauvorhaben wurde auf den Weg gebracht: Derzeit suche man nach einem geeigneten Grundstück. Die neue Universität wird auch von der pakistanischen Regierung genehmigt und soll institutionell anerkannt werden. Paul Bhatti ist Sonderberater des pakistanischen Premierministers und Vorsitzender des „Shahbaz Bhatti Memorial Trust“, der das Projekt unterstützt. Bildung sei in Pakistan der Bereich, der einen Mentalitätswandel in der Gesell- schaft im Zeichen der Werte des Dialogs, des Friedens und der Harmonie herbeiführen könne, so Bhatti. Die Universität wird von dem in Amerika lebenden koreanischen Christen Do Won Chang finanziert, der mit Shahbaz persönlich befreundet war und eine bekannte Bekleidungsfirma besitzt. RV120301fides

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Vietnam: Katholische Uni kommt – Foto: Ho-Chi-Minh-Stadt

   Eine katholische Universität in Ho-Chi-Minh-Stadt soll noch im Jahr 2016 ihre Tätitgkeit aufnehmen. Das bestätigt der Vorsitzende der Vietnamesischen Bischofskonferenz, Erzbischof Paul Bui Van Doc. Nachdem die Regierung das Projekt der Bischöfe im letzten August offiziell genehmigt hat, machte auch die vatikanische Bildungskongregation den Weg dafür frei. Derzeit werden organisatorische Fragen im Hinblick auf die konkrete Umsetzung des Projekts gelöst, das Bachelor-Titel, Lizenzen und Doktortitel erteilen soll. Damit hält die Kirche Einzug in den Bereich der Bildung, was die kommunistischen Behörden Vietnams bisher nicht zugelassen hatten. „Wir freuen uns sehr. Der Herr hatte Erbarmen mit uns“, kommentiert der Erzbischof. Er spricht von einem „historischen Schritt“. Rv151220sk

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Péter Kardinal Erdö Foto: „Wir sind eine organisierende Kraft gegen die Anarchie”
Foto: Kathedrale von Esztergom-Budapest. Interview mit von Reinhard Olt in der FAZ

   Der Erzbischof von Esztergom-Budapest und Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen sieht in Osteuropa eine Rückbesinnung auf die Religion da, wo der Zusammenbruch des Kommunismus zum Zerfall der öffentlichen Ordnung geführt habe.
Eminenz, ist Europa ein gottloser Kontinent geworden?
   Kein Kontinent ist gottlos. Wenn Sie damit meinen, dass kein Gottesbezug im Entwurf für die später ohnehin abgelehnte Verfassung stand, dann ist das nicht das wichtigste Kriterium, wenn man beurteilen will, ob ein Volk oder eine Gemeinschaft einen Gottesglauben in sich trägt und daraus lebt.
Was überhaupt hätte eine Erwähnung Gottes in der Verfassung bedeutet?
   Die westlichen Kulturen von Mesopotamien bis Amerika sind dadurch charakterisiert, dass sie in ihren großen ge- setzgeberischen Werken die menschliche Gemeinschaft mit dem Universum und der Weltgeschichte in Verbindung setzen. Man denke beispielsweise an den Codex Justinianus, der mit dem Glaubensbekenntnis beginnt. Ohne Unterstützung durch die Moralität der Gesellschaft ist das positive Recht zu schwach. Man kann nicht hinter jeden Menschen einen Polizisten stellen.
Was kann das Christentum bewirken?
   Alle nationalen Kulturen Europas sind durch das Christentum inspiriert. Religiöse Traditionen, künstlerische Aus- drucksformen und Moralität der Gesellschaft hängen miteinander zusammen.
Die Ablehnung des Gottesbezugs im EU-Verfassungsvertrag war aber doch ein Symptom für die weitgehende Säkularisierung der europäischen Gesellschaften.
   Das kann ich nur für die postkommunistischen Länder beurteilen. Dort ist nach dem Untergang der früheren offiziellen Ideologie ein großes Vakuum an Weltanschauung entstanden. Die Orientierungslosigkeit der Gesell- schaft hat in manchen Ländern zur Kriminalisierung und zum Zerfall der öffentlichen Ordnung geführt. Das wie- derum hat indirekt einen Rückgriff auf die Religion bewirkt und zu einer höheren Wertschätzung für sie geführt. Einige Politiker beginnen zu erkennen, dass die Religion eine organisierende Kraft gegen die Anarchie ist.
Wo sehen Sie das?
   In Russland etwa. Mittelfristig kann dies Wirkung haben.
Das Christentum gewissermaßen als Gesellschaftskitt?
   Wir können zwar über Gott reden oder schweigen, aber das ist noch nicht das Wesen der Religiosität. Als Christen sind wir davon überzeugt, dass die Religion nicht nur eine formale verbindende Kraft ist, sondern vor allem inhaltlich recht hat.
Wie erklären Sie den Menschen, dass der Glaube recht hat? Anders gefragt: Haben Sie neue Ansätze zu seiner Verkündigung?
   Es beginnt mit der Wahrnehmung der geänderten anthropologischen Situation. Der heutige Mensch ist audio- visuell bestimmt und hat Schwierigkeiten mit dem logischen Denken und bei Willensentscheidungen in existentiellen Fragen. „Pensiero debole”, schwaches Denken, nennt das der Papst auf Italienisch.
Das scheint mir aber ein negativer Befund.
  Er ist nicht nur negativ. Die audiovisuellen Effekte waren bei der Kirche von jeher zu Hause: Bilder, Symbole, Schauspiel, Musik. Der audiovisuell bestimmte Mensch kann stärker emotional bewegt werden, er ist freilich auch leichter manipulierbar. Die Visualisierung kann aber die anthropologischen Grundlagen der westlichen Demokratie schwächen, die als eine ihrer Voraussetzungen hat, dass die Menschen politische Programme lesen und verstehen können und dann nach ihren Interessen und Wertvorstellungen entscheiden.
Religiöser Glaube gilt heute vielen per se als fundamentalistisch und intolerant.
   In Ungarn ist kürzlich eine große soziologische Untersuchung veröffentlicht worden, die festgestellt hat, dass religiöse Menschen toleranter sind als andere. Dabei rede ich nicht von einem individuellen Glauben, sondern von einem, der gemeinschaftlich praktiziert wird. Wer so lebt, kann sich besser vorstellen, dass auch ein anderer eine solche Identität hat. Das behaupte nicht ich, das haben - wie gesagt - Soziologen festgestellt.
Die katholische Kirche leidet unter einem Mangel an Priesternachwuchs. Würde die Aufhebung der Zölibatsverpflichtung helfen, ihn zu beheben?
   Im Westen sieht man das sehr romantisch. Bei uns in Ungarn fordert eigentlich niemand die Änderung der Kirchendisziplin in dieser Sache. Im Priesterseminar hier in Budapest war ich mit vielen griechisch-katholischen Priesteramtskandidaten zusammen, sie waren meine Klassenkameraden. Sie kamen aus den Dörfern an der ukrainischen Grenze. Sie erwarteten ein Leben in der Ehe, wir bereiteten uns auf ein zölibatäres Priestertum vor. Keiner von uns hat den anderen beneidet. Priester mit Familie zu sein ist jedenfalls nicht leichter als das zölibatäre Priestertum. Stellen Sie sich vor, wie schwer es für sie sein kann, die christlich-kirchliche Morallehre beispielhaft zu vertreten, auch in ihrem eigenen Familienleben. In der Reformierten Kirche Ungarns gibt es neuerdings mehr Geistliche, aber die bekommen dann keine Gemeinde.
Ein Problem bereitet die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten. Wie ist Ihre Haltung dazu?
   Die Gültigkeit der Unauflöslichkeit der Ehe ist - bitte schön - in katholischen Kreisen anerkannt. Das sind emotionale Tendenzen: Es gibt viele Leute, die traurig sind, weil sie etwas möchten, wofür sie aber die Bedingungen nicht erfüllen wollen. Auch das gehört zur allgemeinen Tendenz des erwähnten „schwachen Denkens”.
Wie sehen Sie das Verhältnis von Christentum und Islam? Ist mit dem Islam ein Dialog möglich?
   Der Islam ist eine Offenbarungsreligion, wenngleich er Offenbarung anders versteht als das Christentum. Die Menschen im Westen können mit dem Islam deshalb weniger anfangen, weil sie selbst in ihren eigenen Wertvorstellungen unsicher sind. Die westliche Welt muss die christlichen Werte stärker vertreten, damit sie kulturell selbstsicherer wird. Das ist die Voraussetzung für den Dialog.
Wie ist es in Ungarn um die Ökumene bestellt?
   Die Ökumene mit den Reformierten und den Protestanten ist sehr gut bei uns. Das Jahr 2008 haben wir gemeinsam zum Jahr der Bibel erklärt. Wir haben im Parlament an die Abgeordneten Bibeln verteilt. Wir haben auch ein Gebetsjahr für die Einheit der Nation. Auch zu den Juden ist das Verhältnis gut. Die Juden gehören zu den vier „historischen Kirchen” Ungarns. In vielem, was uns berührt, treten die vier auch dem Staat gemeinsam gegenüber.
Und wie steht es um das Verhältnis von Staat und Kirche? Stehen Ihnen eigentlich genügend Ressourcen zur Verfügung, um karitative Aufgaben zu erfüllen?
  Wir verfügen über ein Konkordat, das vieles regelt. Das von der Regierung Antall 1990 verabschiedete Rückgabegesetz sah vor, dass kirchliche Immobilien nur dann zurückzugeben waren, wenn sie 1948 für kirchlich- religiöse oder soziale Zwecke gebraucht wurden.  Das war mehr, als die Kirche überhaupt wollte, und es dauerte einige Zeit, bis wir dieser organisatorischen Aufgabe gewachsen waren.
Die katholische Kirche Ihres Landes war bekannt für ihre guten Schulen. Gilt das noch immer?
   Nur sechs Prozent der Schulen sind heute noch katholisch, aber sie sind normaler als der Durchschnitt.
Was heißt „normaler”?
   Dass man unterrichtet, zum Beispiel; die Stunden werden gehalten. Bei uns in Ungarn ist ein allgemeiner institutioneller Zerfall im Gange. Dem können wir mit katholischen Schulen Widerstand leisten.
Woher rührt die tiefe Spaltung der ungarischen Gesellschaft?
   Ja, die gibt es bedauerlicherweise. Auch die Kirchenspaltung trug dazu bei, wiewohl die Segregation von Magyaren und anderen Nationalitäten nicht durchweg als katholisch-protestantische Spaltung begriffen werden darf. Heute jedenfalls soll die katholische Religion nicht parteispezifisch sein. So vertritt die christlich-soziale Partei allein nicht die Katholiken.
Sie sprechen brillant Deutsch. In welcher Sprache reden Sie mit dem Papst?
   Italienisch. Da tut er sich bei theologischen Themen leichter. Das ist auch deshalb einfacher für ihn, weil er ständig Gäste hat, mit denen er italienisch redet.

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Lateinisches Patriarchat von Jerusalem: Erzbischof Michel Sabach Foto links
tritt nach Erreichung der Altersgrenze zurück. Nachfolger: Erzbischof Fuad Twal rechts

  Bischof Sabach ist ein Mann der „leidenden Kirche”. Das Erbe der Märtyrergemeinde unter den Römern blieb bei ihm wach. Die israelische Besatzung ist für ihn ein ständiges Thema. Nachfolger Twal ist eher ein Diplomat und Geistlicher. Zum Patriarchat gehören die Katholiken von Zypern bis Jordanien, gut 100.000 Christen im Heiligen Land. Vor allem für die Christen im israelischen Galiläa muss nach Sabachs Auffassung Israel ein Staat aller Religionen sein; „denn ein nur jüdisches Israel diskriminiert per definitionem Christen und Muslime”, sagt er. Twal ist auch Araber. Er wurde 1940 im jordanischen Madaba geboren. Doch der Erzbischof ist vor allem ein Kirchendiplomat, war in Honduras, Peru und Deutschland eingesetzt.
   1966 erhielt Twal die Priesterweihe, blieb zunächst in der Region, bis er 1972 zum Weiterstudium nach Rom und bald danach in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls wechselte. 1992 entsandte ihn der Papst als Bischof nach Tunis, wo man ihn als korrekten und ausgewogenen Oberhirten schätzte. Nun mag der Vatikan den 67 Jahre alten Geistlichen nach Jerusalem geschickt haben, damit im langwierigen Streit um Steuern und Immobilien mit Israel nicht auch noch durch politische Äußerungen weitere Probleme entstehen.
   Anders als das byzantinisch griechisch-orthodoxe Patriarchat ist das römisch-katholische erst eine Schöpfung der Kreuzfahrer. Als 1847 das Amt auch am Ort wieder besetzt wurde, war auch schon das armenische Patriarchat 500 Jahre besetzt. Die junge westkirchlich-katholische Entsendung war vor allem Antwort auf die im Heiligen Land aktiven Protestanten. Seit dem beginnenden 14. Jahrhundert residierte hier freilich schon der franziskanische Custos als westchristlicher Wächter über die heiligen Stätten in Jerusalem. Er darf in der Grabes- und Auferstehungskirche zelebrieren, nicht der Patriarch.
  Zudem agiert unabhängig von Patriarch und Custos auch noch der Nuntius des Heiligen Stuhls in Jerusalem. Während es in der Vergangenheit immer einmal Spannungen zwischen Patriarch und Nuntius gab, dürfte die neue Besetzung mehr für Einklang sorgen. Twal soll auf beiden Seiten der Mauer die Christen zusammenhalten. Bei aller Diplomatie ist er darum auch deutlich: „Die Mauer schafft keinen Frieden. Sie steht auf palästinensischem Land, sie raubt palästinensischen Familien ihre Lebensgrundlage. Die Mauer sagt: Wir Israelis sind die Starken, ihr seid die Schwachen. Das ist nicht Friede. Denn Friede bedeutet Gerechtigkeit, wo niemand mehr in Angst leben muss. Wichtig ist, dass man aber nicht nur an die sichtbare Betonmauer denkt.” FAZJörgBremer080322 

Israel: Patriarch Twal warnt vor Entmutigung
   Der neue Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, hat die Christen im Nahen Osten aufgerufen, sich von negativen Erfahrungen der Vergangenheit und Gegenwart nicht entmutigen zu lassen. Er drängt zudem zu mehr Einsatz für die Ökumene im Heiligen Land. Der Jordanier übernahm das Amt vor kurzem von Patriarch Michel Sabbah, der es 20 Jahre innehatte. Twal kündigte im Vorfeld an, sich stärker auf die Seelsorge zu konzentrieren und „weniger auf die Politik”. Das bedeute jedoch nicht, dass er die Zusammenarbeit mit Politikern meiden werde, betont der Lateinische Patriarch:
   „Wenn wir uns um den Menschen kümmern, ist es klar, dass die Politik das Leben dieser Menschen betrifft. Die Sorge um die Menschen haben wir mit der Politik gemeinsam. Die Zivilbehörden tun ihr möglichstes für die Würde, die Arbeit, die Gesundheit der Menschen. Wir bemühen uns unsererseits sowohl um die materielle Dimension, aber auch um die Freiheit, Würde und Spiritualität der Menschen. Als Religionsführer haben wir viel gemeinsam mit politischen Vertretern zu tun. Wir müssen unsere Bemühungen für das Wohlergehen der Menschen koordinieren, unabhängig von deren Religion, ob sie christlich, muslimisch oder jüdisch ist.” Er selbst sei nicht immer so hoffnungsvoll wie jetzt gewesen, sagt Twal, der seinem Vorgänger Sabbah als Koadjutor zur Seite stand. „Angesichts der dramatischen Lage hatte meine Ernennung als Koadjutor mich am Anfang erschreckt, in einer Situation ohne Zukunft, ohne Hoffnungsschimmer. Mit der Zeit habe ich aber erlebt, dass viele Freunde mir zur Seite stehen, dass ich nicht allein bin. Auch bei meinen Kontakten hier in Rom an der Kurie und mit dem Papst persönlich habe ich viel Unterstützung erfahren. Jetzt übernehme ich gern die Verantwortung.“  rv080704bg 

B-440xxMedwedjew  Volle diplomatische Beziehungen mit Russland

  Der Heilige Stuhl und die Russische Föderation wollen ihre diplomatischen Beziehungen aufwerten. Das teilten der Vatikan und der Kreml mit. Zuvor hatte Papst Benedikt XVI. den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew Foto in Audienz empfangen. Beide hatten laut Vatikanmitteilung die bereits bestehenden „herzlichen Beziehungen“ gewürdigt und sich auf den Ausbau der Kontakte zu vollen diplomatischen Beziehungen verständigt.
 Der Heilige Stuhl und Russland unterhielten bislang - mit Rücksicht auf die russisch-orthodoxe Kirche - nur Arbeits- kontakte unter der Leitung eines Botschafters in Rom und eines Nuntius in Moskau. Wie der Kreml mitteilte, soll die Vertretung Russlands im Vatikan den Status einer Botschaft erhalten.
   Medwedew habe den entsprechenden Erlass unterzeichnet, meldete die Nachrichtenagentur „Ria Novosti“. Das russische Außenministerium wurde beauftragt, die erforderlichen Verhandlungen durchzuführen, hieß es. Der russische Staatspräsident hatte sich bereits im Juni für die Entsendung von Botschaftern ausgesprochen.
   Medwedews erster Besuch bei Papst Benedikt habe „einem Meinungsaustausch“ über internationale wirtschaftliche und politische Fragen gedient, erklärte der Vatikan. Zudem habe man über die aktuellen Herausforderungen für Sicherheit und Frieden gesprochen. Thematisiert wurden laut Mitteilung des vatikanischen Presseamtes auch kulturelle und soziale Fragen von gemeinsamem Interesse, wie der Wert der Familie und der Beitrag der Gläubigen für das öffentliche Leben in Russland. Medwedew erhielt als Geschenk eine Ausgabe der Sozialenzyklika Benedikts in russischer Übersetzung. Rv091204

ep-aepAntoniaMenniniMosk-  Apostolischer Nuntius in der Russischen Föderation nimmt seine Arbeit auf

 Im Außenministerium von Moskau hat der erste Apostolische Nuntius des Heiligen Stuhls bei der Russischen Föderation sein Beglaubigungsschreiben überreicht. Erzbischof Antonio Mennini, Titularerzbischof von Ferento, wird den Heiligen Stuhl in der russischen Hauptstadt vertreten. Bei der feierlichen Übergabe des Schreibens erinnerte der Nuntius daran, dass die Russische Föderation und der Heilige Stuhl auf internationaler Ebene häufig eine wirksame Übereinstimmung hinsichtlich der Bewahrung der sittlichen Werte und der Förderung des Friedens gezeigt hätten. Außerdem übermittelte Erzbischof Mennini den herzlichen Gruß des Heiligen Vaters an den russischen Prä- sidenten und sicherte seine Zusammenarbeit für einen weiteren Ausbau der Beziehungen zu. OR100730
  
Erzbischof Antonio Mennini Foto hat nach Angaben von Radio Vatican als erster Päpstlicher Nuntius im Rang eines Botschafters in der Russischen Föderation Außenminister Sergej Lawrow sein Beglaubigungsschreiben überreicht. Kurz davor hatte Papst Benedikt XVI. das Beglaubigungsschreiben des russischen Vatikanbotschafters Nikolaj Sadlitschow - er war bereits bisher Moskaus Vertreter für den Vatikan - entgegengenommen. Nuntius Mennini erinnerte im Gespräch mit „Radio Vatikan" daran, dass Russland und Heiliger Stuhl sich auf internationaler Ebene „oft auf einer Linie wiederfinden, etwa wenn es um den Schutz moralischer Werte oder um die Förderung des Friedens geht". Die Aufwertung der diplomatischen Beziehungen zwischen Moskau und dem Vatikan war im Dezember 2009 beschlossen worden. DT100731Rv
Die katholische Kirche kann nur dann wachsen, wenn es in dem Land auch eine starke russisch-orthodoxe Kirche gibt. Das sagte der Generalsekretär der russischen Bischofskonferenz in einem Interview mit der Zeitung „Nezavismimaya Gazeta“. P. Igor Kovalevsky fügte hinzu, dass es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede zwischen beiden Kirchen gebe. Einzig die Rolle des Papstes sei noch umstritten. Um weiter zu wachsen, seien neue Pfarreien notwendig. Besonders in Moskau gebe es zu wenig katholische Kirchen, so P. Kovalesky. Auch der Moskauer Erzbischof Paolo Pezzi wünscht sich dringend ein weiteres Kirchengebäude in Moskau. Er beantragte bei der Stadtverwaltung vergangenes Jahr ein viertes Gotteshaus, weil die Sonntagsmessen häufig überfüllt seien. RV100907asianews

   Ein Italiener ist neuer Vorsitzender der katholischen Russischen Bischofskonferenz. Der Erzbischof in Moskau, Paolo Pezzi, Foto unten folgt auf den seit sechs Jahren amtierenden Bischof von Nowosibirsk, den deutsch- stämmigen Joseph Werth. Neuer Vize-Vorsitzender der Russischen Bischofskonferenz ist Clemens Pickel, der aus Sachsen stammende Bischof von Saratow in Südrussland. Die Angehörigen der Bischofskonferenz wählten den Vorsitzenden und seinen Stellvertreter bei ihrer Vollversammlung in Irkutsk. In Russland leben gut eine Million Katholiken. RV110120interfax

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Erzbischof für Moskau ernannt. Foto links: Kathedrale der Erzdiözese “Mutter Gottes” in Moskau
Foto rechts Mitte: Erzbischof Dr. Paolo Pezzi

   Der Vatikan hat die katholische Kirchenspitze in Moskau neu besetzt. Der italienische Geistliche Paolo Pezzi (47), bislang Rektor des Priesterseminars von Sankt Petersburg, wurde zum neuen Metropolitan-Erzbischof in der russischen Hauptstadt ernannt. Er tritt die Nachfolge des polnischstämmigen Weißrussen Tadeusz Kondrusiewicz an, der am gleichen Tag zum Metropolitan-Erzbischof von Minsk-Mohilev ernannt wurde. Gegen Kondrusiewicz war immer wieder Kritik von Seiten des orthodoxen Moskauer Patriarchats laut geworden. Pezzi ist seit fast fünfzehn Jahren als Seelsorger in Russland tätig. Er wurde 1990 als Mitglied der Priesterbruderschaft der Missionare von Karl Borromäus zum Priester geweiht. Im selben Jahr promovierte er an der Lateran-Universität über das Thema: “Die Katholiken in Sibirien, Herkunft, Verfolgung, heute.” Zwischen 1993 und 1998 war er Dekan der sibirischen Zentralregion in der heutigen „Diözese der Verklärung” in Nowosibirsk. Danach wurde Pezzi Generalvikar seines Ordens. Seit 1998 ist er zudem Verantwortlicher für die Bewegung „Comunione e Liberazione” in Russland. Der neue Erzbischof von Moskau spricht neben russisch auch englisch, spanisch und französisch. DTknaANSA090722

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Russland: Bischöfe trafen sich in Novosibirsk  -  Paolo Pezzi, Erzbischof von Moskau

   Das Verhältnis zum russischen Staat war eines der Themen der Versammlung der russischen katholischen Bischöfe in Novosibirsk. Die Bischöfe sprachen vergangene Woche auch über die Jugendpastoral sowie die Tätigkeit von Caritas Russland. Auch der Generalsekretär von Caritas Europa, Jorge Nuno Mayer, war anwesend. Er erläuterte, wie die Caritas weltweit tätig ist. Als Fazit der Bischofsversammlung schreiben die Oberhirten in ihrer Mitteilung, dass es „Aufgabe und Ziel der katholischen Kirche in Russland“ sei, die Nächstenliebe zu fördern. Zum Abschluss des Treffens eröffnete der Erzbischof von Moskau, Paolo Pezzi, den Pan-russischen Eucharistie-Kongress mit dem Thema „Eucharistie, Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes“. Rv150608mg

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   Interview mit Bischof Joseph Werth, Diözese „Verklärung des Herrn“ (Sibirien). Auf dem Weg zu einem besseren Verständnis der Christen in Russland. Foto oben links: Im Rahmen einer Privataudienz informierte Bischof Werth über die Situation der in Westsibirien lebenden katholischen Gläubigen; Foto oben rechts: Bischof Joseph Werth vor der im August 1997 eingeweihten Kathedrale in Nowosibirsk. Das Gotteshaus ist gebaut in Form der drei Hütten, die Petrus gemäß dem Bericht des Evangeliums bei der Verklärung des Herrn für Mose, Elija und Jesus bauen wollte.

    Kirchliche Einheit, ökumenischer Dialog, Förderung der Berufungen zum Priestertum und  Zeugnis für das Evan- gelium: auf diese pastoralen Anliegen wies Papst Benedikt XVI. die Bischöfe aus Russland im Vatikan  hin.
Über die Umsetzung dieser Ziele berichtete der Bischof der Diözese »Verklärung des Herrn«,
Joseph Werth, in einem Interview mit Mario Ponzi vom Osservatore Romano. 

Man kann sagen, dass die katholische Kirche in Russland nach 1991 neugeboren ist.
Was waren die wichtigsten Stationen auf dem in diesen fahren zurückgelegten Weg?

   Als ich nach Sibirien kam, da gab es in ganz Sibirien auf einem Territorium von 13 Millionen km² nur drei katholische Priester. Es existierten einige Gemeinden, ganz wenige, die von diesen Priestern betreut wurden, und sonst lebten die vielen Katholiken zerstreut auf diesem riesengroßen Territorium. So bestand die erste Aufgabe darin, diese Leute zu finden und sie in kleinen oder größeren Gemeinden zu sammeln. Ich denke hierbei insbesondere an meine Diözese, die nur ein Drittel von diesem großen Sibirien, nämlich Westsibirien, ausmacht. Diese Diözese heißt »Verklärung des Herrn« in Nowosibirsk. Wir haben jetzt nur noch 4 Millionen km², und auf diesem kleineren Territorium haben wir heute etwa 60 registrierte Gemeinden und vielleicht noch fast 300 Außenstationen, also kleinere Gemeinden, die von den Priestern besucht werden. Als ich nach Sibirien kam und gesehen habe, dass keine Priester da sind, da war die erste Frage: Woher sollen wir die Priester nehmen? Gewiss, ich habe die Kirche im Ausland aufgerufen, sie solle uns helfen. Heute kommen die meisten unserer Priester aus dem Ausland.
Was tun Sie für die Förderung von Priesterberufungen im Land?
  Ich habe sofort an ein Priesterseminar gedacht. Obschon die Kräfte noch nicht ausgereicht haben, ein wirkliches, richtiges Priesterseminar zu schaffen, habe ich 1993 ein sogenanntes Vorseminar gegründet. Dieses Vorseminar hat in diesen 16 Jahren schon 120 Studenten gehabt. Bei weitem nicht alle, sondern nur die wenigsten von ihnen sind Priester geworden, aber das war eben der Anfang im Jahr 1993. Auch in Moskau wurde im selben Jahr ein richtiges Priesterseminar gegründet. Es wurde dann später nach Sankt Petersburg verlegt. Wir hatten im Jahr 1991 nur eine kleine Kirche in Nowosibirsk gehabt. Es ist sofort die Notwendigkeit aufgekommen, Kirchen zu bauen oder Gebetshäuser zu gründen. Dies haben wir getan, und diese Arbeit muss weitergeführt werden, denn auch heute haben noch längst nicht alle Gemeinden Kirchen oder auch nur Gebetshäuser. Meistens werden die Gottesdienste in den Privathäusern gefeiert, dort, wo die Familie lebt. Auf diese Weise feiert der Priester die heilige Messe mit der kleinen Gemeinde.
Wie ist die Situation heute in Russland in bezug auf die Religionsfreiheit?
   Ich wurde in der Sowjetunion geboren, und ich weiß, wie es in der sowjetischen Zeit war. Deshalb kann ich heute mit Begeisterung sagen: Wir haben Religionsfreiheit. Das heißt aber noch nicht, dass wir eine Staatskirche sind, oder eine Kirche, die vom Staat ganz besonders bevorzugt wird. Im Gegenteil: Wir haben keine besonderen Privilegien. Wir haben einige Schwierigkeiten, etwa mit dem Visum. Wir warten nun darauf, dass der Staat diese Gesetze so vervollkommnet, dass wir auch hier im Ausland nicht nur eine Art Touristenvisum für unsere Priester und Schwestern bekommen, sondern ein Visum, mit dem sie wirklich ungestört längere Zeit bei uns sein und arbeiten können. Direkte religiöse Unfreiheiten habe ich in diesen letzten 18 Jahren noch nie erlebt.
Wie sind die Beziehungen zur orthodoxen Gemeinschaft?
   Ich muss ehrlich sagen, dass diese Beziehungen besser sein könnten. Und wir hoffen auch, dass sie einmal besser werden. Ich arbeite, wie bereits erwähnt, auf einem Gebiet von 4 Millionen km², und auf diesem Gebiet gibt es zehn Diözesen der orthodoxen Kirche. Ich konnte mich bisher nur mit wenigen Bischöfen treffen. Die meisten Bischöfe lehnen es ab. Vor Weihnachten habe ich Weihnachtsglückwünsche an meine orthodoxen Brüder geschickt und dann kam die Nachricht, dass der Patriarch Seine Heiligkeit Aleksij II. gestorben ist. Da habe ich noch unter den Text mit der Hand geschrieben, dass wir für den verstorbenen Patriarchen beten. Von zehn Bischöfen habe ich dann zwei Antworten bekommen, und das ist auch schon erfreulich. Man muss sich auch freuen können über kleine Erfolge.
   Am 19. Dezember, am Tag des heiligen Nikolaus, habe ich mit unserem Nuntius in Moskau, Erzbischof Antonio Mennini, in der Stadt Kemerovo der orthodoxen Kirche eine Reliquie des heiligen Nikolaus aus Bari überreicht. Das war wirklich ein wunderbares Erlebnis, und ich hoffe, dass solche Erlebnisse in der Zukunft mehr und mehr werden. Wenn der Dialog auf höchster Ebene vielleicht noch schwierig ist, so hat er an der Basis stets fortbestanden, besonders in der kommunistischen Zeit, wo die orthodoxe Kirche und die katholische Kirche und alle anderen Religionen dieselben Schwierigkeiten gehabt haben, denn sie wurden alle verfolgt. Da sind sich die gläubigen Menschen auch viel näher gekommen.
  Schade, dass wir in diesen jüngeren Zeiten diese Chancen nicht genutzt haben und zwar auf beiden Seiten, auf der orthodoxen aber auch auf der katholischen Seite, um wenn auch nicht zur Einheit, aber doch zumindest zu einem besseren Verständnis zu kommen. Wir müssen beten, dass diese Zeiten in erreichbarer Zukunft kommen.
Wie zeigt sich die Präsenz der Kirche in der Gesellschaft und wie wird sie von den Menschen angenommen?
   Die katholische Kirche ist in Russland eine Minderheit. Menschen, die katholische Wurzeln haben - aber das bedeutet noch gar nicht, dass sie auch ihren Glauben praktizieren -, also solche Menschen, die in der Vergangenheit polnische, deutsche, ukrainische, litauische Eltern oder Großeltern hatten, schätzt man auf rund 1 % der Bevölkerung in Russland. Aber die praktizierenden Katholiken, die jeden Sonntag zur Kirche kommen, sind viel weniger. Und deshalb kann so eine kleine Minderheit sich nicht so spürbar in der Gesellschaft präsentieren.
   In unserer Diözese haben wir eine gut funktionierende Caritas, so haben wir zum Beispiel in Nowosibirsk verschiedene soziale Projekte realisiert, die auch von der Stadt und von den Menschen sehr gut angenommen werden. Wir haben in der Diözese zwei Schulen, eine Grundschule und ein Gymnasium. Wir haben eine katholische Zeitung. Wir haben in Nowosibirsk ein Fernsehstudio, ein Studio, das Videokassetten produziert und Videomaterial herausgibt, und in Nowosibirsk selbst hatten wir mehr als fünf Jahre lang sogar jede Woche dieses von uns produzierte Videomaterial ausstrahlen können.
Kann die katholische Kirche durch diese Kommunikationsmittel ihre Botschaft in Rußland frei verbreiten?
   Bis jetzt haben wir keine Schwierigkeiten gehabt. Uns wurde niemals verboten, durch diese Kommunikationsmittel in Russland Informationen zu verbreiten. Es gibt in einigen Gemeinden Internetseiten, auf denen man auch einige Informationen von den Gemeinden bekommen kann, so zum Beispiel über die Gottesdienstzeiten usw. Schwieriger ist es vielleicht, in Schulen oder Universitäten präsent zu sein.
   Zu den pastoralen Herausforderungen, denen Sie sich stellen müssen, gehört mit Sicherheit die Festigung der christlichen Präsenz im Land, die Verkündigung des Evangeliums in einem Umfeld, das insgesamt schwierig und wenig aufnahmebereit ist, sowie die Familienpastoral.
Wie stellen Sie sich diesen Heraus- forderungen?
  Es gibt heute wirklich sehr viele Herausforderungen für die Christen sowohl im Westen als auch in unserem Land, wo 70 Jahre lang der kämpferische Atheismus herrschte. Das fordert von uns Christen ganz besonders die Einheit, denn allein kann die katholische Kirche fast nichts machen, und sogar die orthodoxe Kirche ist allein viel zu schwach. Wenn aber alle christlichen Kirchen gemeinsam darauf hinarbeiten würden, dann könnte man die christlichen Werte viel besser schützen und bewahren. Wir in unseren Gemeinden arbeiten besonders viel mit jungen Familien.
   Es ist ja bekannt, dass in Russland unter den Kommunisten besonders die Familie gelitten hat. In Gemeinden, die seit 15 Jahren und länger organisiert bestehen, wachsen jetzt langsam junge Familien heran. Es kommt immer öfter zu Kindertaufen, im Gegensatz zu früher, wo es meistens Erwachsenentaufen gab. Auch lassen sich immer mehr junge Familien trauen. Wir haben wahrscheinlich in allen Gemeinden, zum Beispiel bei uns in der Kathedrale in Nowosibirsk jeden Monat ein Familientreffen, zu dem junge Familien eingeladen werden, einfach so zum Gedankenaustausch. Ein Priester erläutert hierbei irgendein bestimmtes Thema,  worauf ein bisschen diskutiert wird. Danach wird meist noch miteinander gesprochen und Tee getrunken. Solche Begegnungen sind sicherlich sehr wichtig für unsere Familien.
   Die Familienpastoral scheint einer der dringendsten Bereiche zu sein, dem die Kirche sich widmen muss. Man dachte auch an ein gemeinsames Projekt mit den Orthodoxen, indem man der Familie einen Tag der Reflexion widmen wollte. Warum ist daraus nichts geworden? Wie ist die aktuelle Situation der Familie in Russland?
   Wir haben in unserer Diözese jedes Jahr eine große Pastoralkonferenz, bei der alle unsere Priester und Ordens- schwestern zusammenkommen. Alle zwei oder drei Jahre laden wir auch Mitglieder unserer Gemeinden dazu ein. Zweimal war das Thema dieser Pastoralkonferenz der Familie gewidmet. Das war im vergangenen Jahr und im Jahr 1997 der Fall, weil die Familie die erste und wichtigste Zelle der menschlichen Gesellschaft und auch der katholischen Kirche ist. Wie ich schon gesagt habe, wird in jeder Gemeinde etwas unternommen, um die Familie zu stärken. Ich weiß nicht, was mit den Orthodoxen gemeinsam geplant war. Vielleicht in irgendwelchen Bewegungen. Vielleicht haben die Fokolaren oder die Neokatechumenalen oder andere etwas geplant, darüber bin ich jetzt allerdings nicht unterrichtet. Aber ich weiß, dass in Nowosibirsk seit vielen Jahren mit den Orthodoxen zusammengearbeitet wird im Kampf oder in den Bemühungen gegen die Abtreibung. Wir haben zum Beispiel einige Frauen - katholische und orthodoxe Frauen -, die in Krankenhäusern oder auch in Schulen Veranstaltungen zu diesem Thema abhalten. Durch diese Arbeit sind rund 100 Kinder gerettet worden. Wie gesagt, haben die Katholiken hierbei mit den Orthodoxen zusammengearbeitet. Wollen wir hoffen, dass auch diese Situation sich immer besser entwickeln wird.
   Die aktuelle Situation der Familie in Russland scheint doch recht hoffnungsvoll zu sein. Es gibt zum Beispiel in Russland seit einigen Jahren ein konkretes politisches Programm zur Förderung der Familien und der Geburten. Eltern erhalten bei der Geburt eines zweiten Kindes 250.000 Rubel, das waren noch vor kurzem, vor der Finanzkrise, rund 10.000 Dollar. Dies ist gewiss ein guter Ansporn für die jungen Familien. Der Staat hat auch andere Maßnahmen unternommen, um die Familien zu stärken und zu fördern. Wenn man heute auf die Straße geht und mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, kann man sehr oft schwangere Frauen oder Familien mit kleineren Kindern sehen - und das hat man vor zehn Jahren fast nicht gesehen. Ich meine doch, dass sich die Situation in Russland in den letzten Jahren etwas gebessert hat.  OR090207MarioPonzi

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„Die Menschen mögen uns”.
In Sankt Petersburg baut Pater Richard Stark SVD eine deutsche katholische Gemeinde auf.

   Pater Richard Stark SVD, 67, lebt und arbeitet im russischen Sankt Petersburg. Zwischen tristen Plattenbauten und Fabrikgeländen hat ihn Mitte der neunziger Jahre die Steyler Ordensleitung gesandt. Er lernte Russisch und ging nach Moskau. Seit Februar 2005 arbeiten er und seine vier Mitbrüder in Sankt Petersburg. Er ist der erste deutsche katholische Pfarrer in der Millionenstadt. Zurzeit renovieren sie die alte Kirche, die als einziges Gebäude auf dem Gemeindeareal die Jahre der Diktatur überlebt hat. In dem Gebäude stehen noch die Apparaturen eines ehemaligen landwirtschaftlichen Instituts.
   Trotz aller Schwierigkeiten fühlt sich Pater Stark in Sankt Petersburg wohl. „Ich staune immer, mit welcher Herzlichkeit mir die Menschen hier begegnen”,sagt der aus Münsterland bei Osnabrück gebürtige Seelsorger. Das Dritte Reich und das Leid, das deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg über die Stadt, die damals noch Leningrad hieß, gebracht haben, scheinen vergessen. „,Das waren die Faschisten, ihr Deutsche seid doch in Ordnung', bekomme ich immer wieder zu hören“, sagt er.
   Pater Stark hat sich in Sankt Petersburg viel vorgenommen. Er hat damit begonnen, die vor der kommunistischen Machtergreifung bestehende Pfarrei „Maria Heimsuchung” an der Mineralnaja Straße 21 wieder aufzubauen. Das nach der Revolution enteignete Gelände hat der Staat der Erzdiözese Moskau, zu der die Pfarrei heute gehört, zurückgegeben. Noch zählt  „Maria Heimsuchung” nur wenige Mitglieder. Doch die Zahl derer, die sich für den katholischen Glauben, interessieren, wächst beständig. Nach Jahren der Unterdrückung und des stalinistischen Terrors in den dreißiger Jahren sollen Katholiken in Sankt Petersburg nun wieder eine Heimat bekommen.
Anfänge leben im achtzehnten Jahrhundert
   Eine katholische Gemeinde gab es in Sankt Petersburg schon vor der Revolution. Die Anfänge gehen bis in die Frühe Neuzeit zurück. Handwerker aus allen Teilen Europas folgten zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts dem Ruf Zar Peter I. des Großen und halfen mit, die Prachtbauten entlang der Newa zu errichten. Viele der Neuankömmlinge waren Katholiken und hatten das Privileg, ihren Glauben frei zu praktizieren. Überall im Stadtgebiet entstanden kleinere katholische Gemeinden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gestattete Zar Alexander II. am 20. Januar 1856  die Errichtung eines katholischen Friedhofs nebst Kapelle auf dem „Kulikowe- Feld”. Zeitweilig lebten mehr als 110.000 Katholiken in der Stadt. Im Jahre 1885 nahm die Gemeinde ein eigenes Pflege- und Altenheim in Betrieb. Im Jahre 1912 wurde ein katholisches Gymnasium eröffnet.
  Infolge der bolschewistischen Revolution drangen im Juli 1920 Rotarmisten auf den Friedhof ein und raubten hundertzwanzig Metallsärge, mit den sterblichen Überresten polnischer Katholiken, darunter denen eines Erz- bischofs. Die Särge wurden von den Aktivisten geöffnet und die Überreste in ein Massengrab geschaufelt. Die Särge gingen später in die Eisenverwertung. Die Kommunisten wollten nach der Machtergreifung jedes religiöse Bewusstsein vernichten, und anstelle des von Gott geschaffenen Menschen den neuen „sowjetischen Menschen” setzen. Wer sich dagegen auflehnte, wurde erschossen oder nach Sibirien deportiert. Auch in Sankt Petersburg beschlagnahmte die bolschewistische Regierung alle Kirchen. Sie wurden zu Kuhställen umfunktioniert, Gemeindesäle in Freizeitclubs, Kinosäle oder Autowerkstätten umgewandelt. Nichts sollte mehr daran erinnern, dass es außer der kommunistischen Partei noch eine höhere Macht gibt.
  „Seit der Öffnung 1991 kommen Menschen aus aller Welt in die Geschäftsmetropole Sankt Petersburg, darunter auch viele Katholiken”, beschreibt der Priester die jetzige Lage. BenediktVallendarT061007

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Pastoralbesuch von Kardinal Tarcisio Bertone in Weißrussland: “Volle Kraft voran”

   Zwischen Weißrussland und dem Vatikan bahnen sich vielversprechende und positive Beziehungen an. Dieses Resümee zieht Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone nach einer Pastoralvisite in die frühere Sowjetrepublik. In der Hauptstadt Minsk hatte Bertone mit dem Präsidenten Alexander Lukaschenko, dem Außenminister und dem für Religion zuständigen Staatssekretär Gespräche geführt.
   „Die Treffen waren sehr positiv, und wir haben konkrete Resultate erzielt: Es besteht die Aussicht auf ein Grundlagen-Übereinkommen mit Weißrussland, das beide Seiten natürlich gründlich prüfen müssen. Wir haben auch gute Erfolge zu verzeichnen, was etwa die Möglichkeit betrifft für den Bau neuer Kirchen, eines neuen Sitzes für die Apostolische Nuntiatur und eines neuen Bischofssitzes in Minsk. Es ging auch um die Anerkennung von Studienabschlüssen katholischer Institute. Der Präsident hat richtiggehend dazu ermutigt, höhere Bildungseinrichtungen zu gründen. Ich denke wirklich, dass wir in Weißrussland, so wie übrigens in den anderen Ländern Osteuropas auch, neue Wege eröffnet haben, die bis vor kurzem undenkbar schienen.”
  Die Diplomatie des Heiligen Stuhles, so Bertone weiter, schreite „mit zwei Flügeln” voran. Das eine sei das pastorale Engagement, denn die päpstlichen Repräsentanten seien per Statut dazu verpflichtet, die Ortskirchen zu unterstützen. Das andere sei die Intensivierung der Beziehungen mit den zivilen und nationalen Autoritäten. Er selbst, so Bertone, bemühe sich auf seinen Pastoralreisen, die vom Papst angeordnet seien, in erster Linie darum, die Bischöfe und die Diözesen zu besuchen. Lobende Worte fand der Kardinalstaatssekretär für die ökumenischen Beziehungen sowie jene zwischen den verschiedenen Riten der katholischen Kirche in Weißrussland. „Ich würde fast sagen, es ist ein Moment geradezu idyllischer Übereinstimmung, des Respekts und der gegenseitigen Förderung der Initiativen der verschiedenen Kirchen”, so Bertone wörtlich. rv080703gs

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 Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone zur Friedensvisite in Armenien/Aserbaidschan
Fotos: Flaggenl  l-r Armenien, Vatikan, Aserbaidschan

   Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone besuchte in einer dreitägigen Reise Armenien. Der Besuch musste um zwei Tage verschoben werden, weil in den vergangenen Tagen die politische Situation eskaliert war. Nach blutigen Protesten wegen des Ausgangs der Präsidentenwahl starben acht Menschen und wurden mehr als einhundert verletzt. Der scheidende Staatschef Robert Kotscharjan verhängte bis zum 20. März den Ausnahmezustand.
  Der Apostolische Nuntius in Armenien und Aserbaidschan, Erzbischof Claudio Gugerotti, sieht im Besuch von Kardinal Bertone „ein Zeichen der Friedensstiftung”.
  „Die Situation in Armenien ist im Augenblick sehr angespannt, da es in den vergangenen Tagen bereits so viel Blutvergießen gab. Die Erwartungen an Bertones Besuch sind deshalb sehr hoch, weil bisher hier weder die internationale Staatengemeinschaft noch andere ausländische Institutionen interveniert sind. Die Menschen setzen große Hoffnung auf den Kardinalstaatsekretär, weil er mit den politischen Führern sprechen wird.”
   Bertone setzte seine Reise am folgenden Tag in Aserbaidschan fort. In den beiden Ländern im Kaukasus sind die Katholiken eine Minderheit. „In Aserbaidschan wird er ein Land vorfinden, das verzweifelt versucht, sich vom postsowjetischen Erbe zu lösen. In diesem mehrheitlich muslimischen Land grassiert die Korruption, und die Wirtschaft hat enorme Schwierigkeiten. Deshalb ist Aserbaidschan vor allem durch den islamischen Fundamentalismus bedroht. Doch das Land möchte sich durch Toleranz auszeichnen und hat deshalb Kardinal Bertone eingeladen.” rv080303afp

Kardinal Fernando Filoni cdd-FernandoFiloni-x Besuch in Aserbaidschan: Samen, der aufgeht

   Erfreuliches aus einer winzigen Ortskirche: In Aserbeidschan trifft die katholische Kirche auf eine öffentliche Unterstützung, wie sie selten ist in einem überwiegend muslimischen bzw. religionsindifferenten Staat. Das berichtet Kardinal Fernando Filoni, der Präfekt der vatikanischen Missionskongregation, nach seiner Rückkehr von einem offiziellen Besuch der Ortskirche in dem zentralasiatischen Land.
   „Die Autoritäten betrachten die Aktivitäten der Kirche im Land mit Wohlgefallen, und sie sind es, die diese Präsenz sogar ermuntern. Meine Anwesenheit dort sollte auch die Dankbarkeit des Heiligen Stuhles gegenüber dem Staat Aserbeidschan zeigen, der kürzlich die katholische Kirche anerkannte und so ihre Präsenz und ihre Aktivitäten gesetzlich zuließ.“
   In Aserbeidschan gibt es derzeit nur 450 Katholiken. Dennoch spricht Kardinal Filoni von einem „Samen, der aufgeht“. Der Kommunismus hatte die christliche Präsenz in Aserbeidschan von einigen zehntausend Gläubigen im Jahr 1931 ausradiert, der einzige Priester wurde ermordet, die einzige Kirche zerstört. Im Jahr 2000 schrieben die wenigen Dutzend verbliebenen Katholiken in Aserbeidschan einen Brief an den Papst und baten um den Beistand eines Priesters. Kardinal Filoni:
   „Papst Johannes Paul II. begriff intuitiv diesen bedeutsamen Moment, die alte Geschichte dieser Kirche, die einige Historiker auf die ersten Jahrhunderte nach Christus zurückdatieren. Er beschloss, das Land zu besuchen. Das war 2002. Dieser Besuch öffnete die Türen, er war seinerzeit so wichtig für die Kirche und das Land Aserbeidschan, dass der damalige Präsident versprach, ein Grundstück für den Bau einer Kirche zu geben. Heute, zehn Jahre später, fand ich eine zwar kleine, aber bedeutsame und allseits anerkannte Kirche vor.“

Baku-Aserbaidschan  Baku/Aserbaidschan 

Erste katholische Kirche in Baku eingeweiht  mis-AserbaidschanBakuKathKirche-xx

Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone hat in Aserbaidschan die erste katholische Kirche des Landes eingeweiht. In seiner Ansprache wertete er die Errichtung des Gotteshauses mit Unterstützung des Staates und anderer Religionsgemeinschaften als Indiz für ein friedliches Zusammenleben zwischen den Religionen HAkna080308
Aserbaidschan: Bertone in russisch-orthodoxer Kirche
   Die christlichen Kirchen „von Orient und Okzident” sollten „ihre Wiederversöhnung zu Ende führen”. Dazu hat der vatikanische Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone aufgerufen. In Baku besuchte er die dortige russisch- orthodoxe Kathedrale. Dabei meinte er wörtlich: „Wir sollten uns keine Konkurrenz machen, sondern gemeinsam das Zeugnis geben, dass Gott die Liebe ist.” Er hoffe, dass sich die Differenzen zwischen dem Vatikan und der russisch-orthodoxen Kirche bald beilegen ließen. Bertone ist in der aserbaidschanischen Hauptstadt, um eine katholische Kathedrale einzuweihen. Der Kardinal war auch zu Gast in einer Moschee und in der Synagoge der Stadt. rv.ansa080308sk Foto:Kirche in Not

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Mongolischer Bischof berichtet über Missionsarbeit

  BDer einzige katholische Bischof in der Mongolei, Wenceslao Padilla, hat in München eine Bilanz seiner Mission gezogen. Als er vor 20 Jahren von Papst Johannes Paul II. in das ehemals kommunistische Land entsandt worden sei, habe es dort keinen einzigen einheimischen Katholiken gegeben, sagte der 57-jährige gebürtige Philippiner. Inzwischen zählten 410 Gläubige zu seiner Gemeinde. Auf die Kirche aufmerksam geworden seien die Menschen durch deren soziales Tun. Padilla äußerte sich zum Auftakt des „Monats der Weltmission”, einer Kampagne des Internationalen Katholischen Missionswerks missio. Padilla setzt sich vor allem für die wachsende Zahl von Obdachlosen und Straßenkindern in den Städten ein. Zum Schutz vor der tödlichen Kälte richteten sich im Winter viele Arme in Heizungsschächten unter Straßen oder Treppen einen Schlafplatz ein. „Wir versorgen die Kinder mit Essen, Kleidung und medizinischer Hilfe.” Inzwischen sind ein Altenheim, ein Behindertenzentrum, ein Kindergarten und Schulen entstanden. Missionare müssten durch ihr Tun überzeugen, betonte der Bischof. Mission sei heute keine Einbahnstraße mehr, sagte der Münchner Kardinal Friedrich Wetter. Dies sei ihm bei seinen Reisen nach Afrika und Lateinamerika deutlich geworden. „Überall habe ich Gottesdienste gefeiert und eine Lebendigkeit erfahren, die ich mir auch bei uns hier wünschen würde.” DTkna071009
Mongolei bat Papst um Hilfe. Toleranz hat eine lange Tradition in der Mongolei
  1991 wandte sich die Mongolei mit dem Wunsch, diplomatische Beziehungen aufzunehmen, an den Vatikan. Sie bat die katholische Kirche um Hilfe im Aufbau ihres Landes und lud sie ein, Missionare zu entsenden. Ein Jahr davor hatte sich die „Volksrepublik Mongolei”, ein von der Sowjetunion gesteuerter Satellitenstaat, von der Fremdherrschaft befreit. 70 Jahre hatte das kommunistische Regime fast alles religiöse Leben in dem Nomadenstaat erstickt. Mehr als 700 buddhistische Klöster waren zerstört und Tausende Mönche ermordet worden. 1992 trat die neue demokratische Verfassung nach westlichem Vorbild in Kraft. Sie gewährt Religionsfreiheit.
   Toleranz gegenüber Religionen hat in der Mongolei eine lange Tradition. Anfang des 13. Jahrhundert lebten am Hof des Dschingis Khan Christen, Muslime und Buddhisten friedlich nebeneinander. Der Schamanismus ist die ur- sprüngliche Religion des Landes. Heute wird sie nur noch von einigen wenigen Anhängern praktiziert. Die Mehrheit der 2,5 Millionen Mongolen sind Anhänger des Lamaismus. Diese tibetische Form des Buddhismus etablierte sich Ende des 16. Jahrhunderts. missio071009  Mehr zum Thema: www.missio.de

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katholische Kathedrale Sankt Peter und Paul in Ulan Bator, Mongolei

   Die katholische Kirche in der Mongolei feierte im Juli 2012 ihr 20-jähriges Bestehen. Zu den Feierlichkeiten am 10. und 11. Juli besuchte auch der Sekretär der päpstlichen Missionskongregation, Savio Hon Taifai, das Land. In dem ehemals sozialistischen Staat, der seit 1992 eine demokratische Verfassung hat, sind Katholiken eine verschwindende Minderheit: Nur 825 gibt es von ihnen, unter insgesamt 2.800.000 Einwohnern. Der Missionar und apostolische Vizepräfekt der Mongolei, Pater Ernesto Viscardi, ist stolz auf die Fortschritte, die die katholische Kirche im Land in den letzten zwei Jahrzehnten gemacht hat. Es sagte im Interview mit Radio Vatikan:
   „Das ist eine erste Etappe auf einem Weg, der im Jahr 1992 begonnen hat und zwar mit den ersten drei Missionaren, die in die Mongolei kamen. Es war ein langsamer Prozess, der aber der Situation des Landes und allen Notwendigkeiten einer ersten Evangelisierung gegenüber aufmerksam war, es ging um Nachdenken, aber auch um die Erinnerung und Pläne für die Zukunft.“
   Nach Ende des Kommunismus in der Mongolei hatte der damalige apostolische Nuntius von Südkorea, der philippinische Bischof Wenceslao Padilla, in der Mongolei die erste katholische Mission eröffnet. Er ist bis heute im Land als apostolischer Präfekt tätig. Heute gibt es in der Mongolei 64 Missionare aus neun Kongregationen und 18 verschiedenen Ländern der Welt. Der wirtschaftliche Aufschwung des einstigen Nomadenstaates hat in den vergangenen Jahren zu rasanten Veränderungen in der Mongolei geführt. Pater Viscardi:
   „Der Rückzug der Russen aus der Mongolei hat ein Land zurückgelassen, in dem alles neu gemacht werden musste. Heute präsentiert sich die Mongolei der Welt mit einem jährlichen Wachstum von 17 Prozent, vor allem Dank des Reichtums an Rohstoffen – Kohle, Kupfer, Uran, Gold – und der Investitionen aus dem Ausland. Unter Einfluss dieses wirtschaftlichen Aufschwungs verändert sich die Mongolei auch stark in sozialer und kultureller Hinsicht. Das hat positive und negative Seiten: Die Modernität und Öffnung dem Weltmarkt gegenüber dämpft ein wenig die reichen Traditionen, hebt aber andererseits für alle den Lebensstandard.“
   Das stelle auch die Kirche vor neue Fragen, sei doch kaum abzusehen, wie die Mongolen mit dem Fortschritt zurechtkämen: „Wie werden die Mongolei und ihr soziales Gefüge in fünf Jahren aussehen? Welche religiösen Bedürfnisse wird es dann geben? Wir erleben hier keinen leichten Transformationsprozess, der vollzieht sich ja – im Vergleich zu der Entwicklung damals in den europäischen Kulturen – innerhalb kürzester Zeit. Die Hoffnung ist, dass der Staat, die Verwaltung und die gesamte Kultur und Gesellschaft diesem Prozess positiv und effizient begegnen können.“
   Mit der Regierung und den Lokalbehörden habe die Kirche inzwischen ein halbwegs gutes Verhältnis etabliert, so der Viscardi. Diskriminiert würden Christen zwar nicht, dennoch könnten die bürokratischen Abläufe - etwa bei Genehmigungen - hier und da auch etwas schneller sein.
    „Der aktuelle Bischof, Monsignor Padilla, hat im Laufe der Jahre immer versucht, eine offene und freundliche Arbeitsbeziehung mit den verschiedenen Behörden zu unterhalten. Das nationale Gesetz sieht Religionsfreiheit vor. Tatsächlich wird die Religionsfreiheit aber je nach Region sehr unterschiedliche angewendet. Auf lokaler Ebene braucht jede religiöse Einrichtung, unsere eingeschlossen, eine besondere Erlaubnis, um religiöse Aktivitäten an einem bestimmten Ort durchzuführen. Jedes Mal, wenn wir ein Gemeindezentrum eröffnen wollen, gibt es einen langen bürokratischen Prozess, um die Genehmigung dafür zu bekommen. Was die Ausweisung von Missionaren betrifft, die hat es nicht gegeben, der Staat beobachtet aber, was wir tun.“
   Die katholische Kirche ist heute vor allem im sozialen Bereich und im Bildungswesen aktiv. Das werde inzwischen auch geschätzt, so Pater Viscardi: „Unsere Kirche hat in diesen 20 Jahren fünf Kirchengemeinden gegründet. Rund um diese Gemeinden haben soziale Aktivitäten begonnen, die auch von den Lokalbehörden geschätzt werden: Arbeit mit Straßenkindern, Suppenküchen der Mutter-Teresa-Schwestern, Ausbildungszentren der Salesianer usw. Die Kirche hat mit diesen Projekten dem Staat ihre Identität gezeigt; der Staat hatte ja keine Erfahrung mit der Kirche und hat vage Ideen auch vom Vatikan. Heute hat man die Anwesenheit der Kirche verstanden, man versteht auch die Bedeutung unserer Kirche auf globaler Ebene. Letztes Jahr hat unser Präsident den Papst besucht, was für die Kirche in der Mongolei natürlich sehr wichtig war.“
   Papst Benedikt XVI. hatte den mongolischen Präsidenten Tsachiagiin Elbegdordsch im Oktober 2011 in Privataudienz empfangen. Diplomatische Beziehungen zwischen der Regierung in Ulan-Bator und dem Heiligen Stuhl bestehen seit 1992. RV120710pr

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Südsudan: Bald kommt die katholische Universität

   In der südsudanesischen Hauptstadt Juba will die katholische Kirche eine Hochschule eröffnen. Mit der Genehmigung der südsudanesischen Regionalregierung sollen die ersten Kurse auf dem Gelände einer Sekundarschule stattfinden. Der Jesuit Michael Schultheiss, der die Planung leitet, erwartet 40 Studenten. In Juba sollen sozial- und geisteswissenschaftliche Fächer angeboten werden, in der Stadt Wau Agrar- und Ingenieurwissenschaften. Das Comboni-College in der Hauptstadt Khartum im Nordsudan soll außerdem Kurse in Computerwissenschaften anbieten. kipaRV080813sk  

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Nur die Kopten bleiben. Die Christen Sudans werden über kurz oder lang den Norden verlassen

   Gemeinhin heißt es, die Mehrheit der Christen in der islamischen Republik Sudan lebe in der seit dem Friedensschluss 2005 autonomen Südregion, die ihre staatliche Unabhängigkeit erhalten hat. Das stimmt aber nur proportional. Noch wohnen nach Angaben des katholischen Nuntius zum Beispiel in der Hauptstadt Khartum im Norden gut 970.000 Katholiken; im Herzen des christlichen Südens, in Juba, dagegen nur 680.000. Aber der Großraum von Khartum hat mehr als 23 Millionen Einwohner, Juba aber nur 880.000. Die Mitglieder der römisch- katholischen Kirche stellten die stärkste christliche Gruppe im bisherigen Staat, waren jedoch eine Minderheit unter insgesamt 43 Millionen Menschen.
   Meistens heißt es, 70 Prozent der Sudanesen seien sunnitische Muslime. 25 Prozent werden dem „Animismus" zugerechnet: verschiedenen Kulten, in denen bestimmte Plätze der Natur und Naturphänomene verehrt werden. Im Übrigen seien nur fünf Prozent der Menschen in Sudan Christen. Es gibt aber auch Schätzungen, wonach etwa 15 Prozent an Jesus Christus glauben. So rechnet zum Beispiel die katholische Hilfsorganisation für die leidende Kirche „Aiuto alla Chiesa che Soffre" (ACS). Sie zählte im letzten Jahresbericht  ähnlich wie die päpstliche Nuntiatur, 5,879 Millionen „Dominikantes", also Besucher der Sonntagsmesse. Viele Christen trauen sich nicht, den Behörden ihre Konfession zu offenbaren. Sie lassen sich nur innerhalb ihrer Gemeinden zählen. Die lange ACS-Liste mit Verstößen gegen die Glaubens- und Gewissensfreiheit durch Anwendung des islamischen Rechts, der Scharia, im Norden könnte das begründen.
    Die Organisation berichtet über Verfahren gegen Christen im Norden wegen der „Diffamierung" des islamischen Glaubens. Durch Prügelstrafen wurden 2010 zum Beispiel Frauen verletzt, die „ungebührlich gekleidet" gewesen sein sollen. Es wird von erzwungenen Konversionen zum Islam gesprochen. Vor Gericht habe die Aussage eines Muslims mehr Gewicht als die eines Christen. Sozialleistungen bekomme zunächst der Muslim, dann erst der Christ. Es dürften keine Kirchen gebaut werden. Dabei wurde 2007 in Khartum als Folge des Friedensschlusses eine interreligiöse Kommission „für die Rechte nichtislamischer Bürger" gegründet. Sie hilft, die Ungleichheit in Recht und Alltag auszugleichen; und sie habe auch einigen Erfolg, sagt der ACS-Bericht.
       Im Süden dagegen herrsche Religionsfreiheit. Die autonome Regierung dort sei auf die „Harmonie zwischen den Religionen" aus, schreibt die Hilfsorganisation in ihrem Jahresbericht und vollzieht damit die Trennung der beiden Landesteile. Derzeit trägt aber wohl keine Statistik  weit.  Die Menschen wandern wieder. Schon jetzt, da als sicher gilt, dass das Referendum Nord und Süd völlig voneinander getrennt wurden, strömen Muslime in den Norden. 100.000 Christen seien dagegen in Richtung Süden aufgebrochen, schätzt die Nuntiatur. Sie sehen im muslimischen Norden keine Chance mehr, seit es einen christlichen Südstaat für sie gibt. Präsident Omar al Baschir, seit einem Militärputsch 1989 an der Macht, habe schließlich für seinen Norden schon angekündigt, dass die Scharia vollständig verwirklicht werden müsse, auch wenn er Minderheitenrechte zugestehen wolle, heißt es.
   Wahrscheinlich werden nur die angestammten Kopten im Norden bleiben, im Grenzgebiet zu Ägypten. Im Übrigen zieht es neben den Katholiken auch die Christen anderer Denominationen südwärts: Die verschiedenen reformierten und presbyterianischen Gemeinden, die etwa eine halbe Millionen Mitglieder zählen; evangelikale Christen der „Africa Inland Church" mit ihren 123.000 Mitgliedern, die Pfingstler sowie die alten Kirchen - die griechisch-orthodoxen und die äthiopisch-orthodoxen Christen. Die meisten dieser Gruppen - außer den armenischen Katholiken und den Adventisten - gehören zu einem sudanesischen Kirchenrat (SCC), der sich 1967 bildete, um gemeinsam stärker auftreten zu können.  Doch der Einfluss dieses Rates blieb gering.
   Das historische Nubien der Pharaonen am oberen Nil war im 6. Jahrhundert ein christliches Land, als es von den muslimischen Omaijaden erobert wurde. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts begannen Katholiken und britische Anglikaner von Süden her mit ihrer Mission. Dabei gaben die Kolonialherren auch nur diesen Süden zur Mission frei. Die Missionare teilten sich das Gebiet in ein katholisches, ein britisch-anglikanisches und ein amerikanisch- presbyterianisches Missionsreservoir auf. Im Norden konnte sich nur unter den traditionell dort lebenden ägyptischen Kopten ein Nebenzweig koptisch-evangelikaler Christen entwickeln, der heute eine eigene presbyterianisch-evangelikale Kirche bildet.
   Die römisch-katholische Kirche unterhält im Norden eine Erzdiözese mit Kardinal Gabriel Zubeir Wako an der Spitze; ihm untersteht auch die Diözese El Obeid mit der vom Bürgerkrieg gebeutelten Region Darfur. Wako ist derzeit Vorsitzender der sudanesischen Bischofskonferenz. Der Süden wird von der Erzdiözese Juba unter Erzbischof Lukudu Loro regiert; ihm unterstehen sechs Diözesen. Insgesamt teilt sich Sudan also in neun Diözesen auf. Es gibt einen katholischen Radiosender; vor allem aber ungezählte Ordenswerke, die sich die Arbeit bei Kindererziehung und Schule, für Kranke und Behinderte teilen.
   Diese Organisationen, betrieben von Orden wie den „Weißen Vätern" oder den „Müttern vom Carmel", wirkten bisher im ganzen Land. Sie sollen nach Auskunft der Nuntiatur auch im zukünftigen Norden „in einer noch eindeutiger muslimischen markierten Umwelt" bestehen bleiben. Gleichzeitig aber wird ein Umbau nötig; denn vor allem im Süden fehlen Schulen, Krankenhäuser und Sozialstationen. Dorthin werden sich die christlichen Institutionen verstärkt hinwenden müssen. Sie treffen dort auch auf offene Herzen.
   In Südsudan stiftet das Christentum Identität: Durch ihren Glauben können sich die über Jahrhunderte als Arbeitskräfte der Herren in Khartum missbrauchten Menschen von jenem Norden absetzen. Als schwarze Christen verfügen sie zudem über starke Koalitionspartner in der Welt: die Schwarzen in den Vereinigten Staaten und die Kirchen, vor allem den Vatikan. Zudem stützt Schwarzafrika die Eigenstaatlichkeit.  FAZ110115JörgBremer

Der Südsudan ist unabhängig, weltweit wurde die Geburt dieses neuen Staates begrüßt

Experten warnen aber vor negativen Folgen für die Christen im muslimisch geprägten Nordsudan. Anne Preckel von Radio Vatikan hat darüber mit Daniel Ottenberg vom Hilfswerk „Open Doors“ gesprochen.
   „Für die Christen im Nordsudan bedeutet dies – bei aller Freude - wahrscheinlich nichts Gutes. Man kann das daran festmachen, dass der Präsident des Nordsudan, Omar Baschir bereits im Dezember 2010 erklärt hat, dass man - wenn die Unabhängigkeit kommen wird, und das war damals noch nicht klar - keine Rücksicht mehr nehmen müsse auf andere Ethnien und Religionen. Die Scharia könne so durchgesetzt werden, wie man sie verstehe, ohne auf internationale Beziehungen Rücksicht nehmen zu müssen.“
Der Nordsudan ist ja muslimisch geprägt. Im Südsudan gibt es dagegen mehr Christen und Anhänger von Naturreligionen. Welche Rolle haben Christen im Nordsudan überhaupt bisher gespielt?
   „Die Christen im Nordsudan sind meist Arbeitsmigranten aus dem Süden und waren als solche geduldet. Sie hatten in Khartum sogar eine gewisse Freiheit ihren Glauben zu leben. Es gibt in Khartum durchaus große Kirchen. Wir hören aber dass inzwischen 75 Prozent der katholischen Christen geflohen sind und eine große Wanderungs- bewegung in den Süden zu verzeichnen ist. Die Christen haben Sorge, dass nach der Unabhängigkeit die Scharia durchgesetzt wird.“
Der Nordsudanesische Bischof Markham Gasis befürchtet, dass hat er neulich in einem Pressegespräch in Wien geäußert, neben der Einschränkung der Religionsfreiheit in Nordsudan auch Massenausweisungen von Südsudanesen, und weiter berichtete der Bischof, dass in Khartum Christen in hohen politischen Funktionen durch Muslime ersetzt würden. Haben Sie ähnliche Informationen?
   „Diese Informationen habe ich zwar nicht, aber das passt natürlich in das allgemeine Bild. Man muss sehen, dass vieles noch nicht befriedet ist. Die Frage ist auch, wie die Regierung im Nordsudan sich weiter verhalten wird. Präsident Al-Bashir hat noch letzte Woche gesagt, dass man um die Grenzprovinzen kämpfen werde. Das Regime versucht seine Macht zu festigen, und da passt es durchaus ins Bild, dass Christen durch regimetreue muslimische Beamte ersetzt werden und ihnen die Staatsbürgerschaft aberkannt wird."
Wenn es jetzt tatsächlich zu einem Exodus aus dem Nordsudan kommt, und Hunderttausende in den Süden zurückkehren, was bedeutet das denn für den noch jungen Staat Südsudan und welche Rolle spielt da die Kirche?
   „Es ist richtig, auch wir haben gehört, dass Hunderttausende auf der Flucht sind und ihre Flucht aus dem Norden planen. Für den Süden stellt das natürlich ganz große Probleme. Es gibt praktisch noch keinen Staat, seit sechs Jahren jetzt diese umfassende Friedensabkommen, aber viele Fragen sind noch überhaupt nicht geklärt. Ein Problem ist das Öl, das überwiegend im Süden liegt, aber über den Norden transportiert werden muss. Die Frage ist, wie werden die Einnahmen aufgeteilt. Ein weiteres Problem: Es gibt kaum Arbeitsplätze im Südsudan und es besteht die Gefahr der Vetternwirtschaft.
   Die Kirchen können hoffentlich eine einigende Funktion ausüben. Soweit mir bekannt ist, haben die Kirchen bisher gesagt, sie werden diese Teilung nicht mit nachvollziehen. Das heißt, es wird auf katholischer Seite beispielsweise weiterhin eine gemeinsame Bischofskonferenz geben. Es wird also keine Bischofskonferenz für den Norden geben und eine für den Süden, sondern eine Gemeinsame, von daher ist die Hoffnung, dass die Kirche eine Brückenfunktion haben wird.“
Der Südsudan ist ja sehr heterogen, ethnisch gesehen also christlich animistisch geprägt. Es gibt aber auch zum Beispiel arabischsprachige Schwarzafrikaner und die Lord’s Resistance Armee. Ist mittlerweile mehr Frieden eingekehrt oder ist eher der Gegenteil der Fall?
   „Im Süden selbst ist im Moment mehr Ruhe eingekehrt. Zumindest hören wir jetzt nichts von Übergriffen gegen Christen oder gegen andere Minderheiten. Allerdings gibt es weiterhin starke Grenzkonflikte. Viele Christen sym- pathisieren in diesen Regionen mit der Befreiungsarmee. Von daher sind Übergriffe nicht immer nur mit Christen- verfolgung zu erklären. Allerdings haben wir auch Nachrichten, dass islamistische Milizen mit „Allahu al-Akbar“ auf Kirchen losstürmen, sie niederbrennen und auch einzelne Christen umbringen. Diese Verfolgungen haben aber immer auch eine politische Dimension. Ich bin daher eher vorsichtig von einer wahren Befriedung zu sprechen."
Eine abschließende Frage: Ein Berg von Problemen, aber nichtsdestotrotz der Süd Sudan unabhängig. Wie sehen die Christen das im Land, wie ist die Stimmung?
   „Die Stimmung ist, ich würde mal sagen, vorsichtig optimistisch. Man freut sich, dass die Unabhängigkeit erstmal ohne Blutvergießen erreicht wurde. Vor neun Monaten hätte keiner gedacht, dass überhaupt die Abstimmung stattfinden kann, einigermaßen in Frieden und auch frei und fair. Jetzt hat nicht nur die Abstimmung stattgefunden, sondern es wurde sogar die Unabhängigkeit erklärt und ein neuer Staat gegründet. Allerdings sehen die Christen durchaus auch die Schwierigkeiten, die mit dieser Unabhängigkeitserklärung verbunden sind. Und deswegen ist es so wichtig dass die Christen am Aufbau des Staates mitarbeiten, auch auf politischer Ebene. Das jeder seinen Glauben frei leben kann, also eben auch die Muslime die im Südsudan sind.“ RV110710

Bischof Daniel Advok    tn_epADVOK.Khartum_jpg      tn_Sudan_jpg

Sudan: 20 Jahre Christenverfolgung    - FrFrancisMarsdenCT0407/FAZkum040823/HA040831

   Ist es eine Sünde wenn ein Priester stolz auf seine Gemeinde ist? Der Pfarrer hatte um Spenden für den Sudan gebeten. Bei 220 Besuchern der Sonntagsmesse kamen 4.200 Euro zusammen. Es ist wunderbar zu sehen, wie großherzig Christen auf Not reagieren.
   Die Spende wurde der „Aktion Kirche in Not” für die Opfer von zwanzig Jahren Krieg und Unterdrückung durch das islamistische Regime in Khartum gegen die Christen im Süden des Sudan gegeben und auch für die neuen Opfer der Djandjawid-Milizen. In den Massenmedien wird wenig über die Lage im Sudan berichtet. In den letzten zwanzig Jahren sind etwa 2,5 Millionen Menschen im Süden des Landes durch die Regierungssoldaten umge- kommen. Für die Presse und Fernsehsender in Europa war das keine Nachricht. 
   „Kirche in Not” und andere kirchliche Hilfswerke wie „Misereor”, „Missio” und „Caritas” haben in den Jahren der Not Hilfe gebracht. Der Papst hat wiederholt öffentlich auf die religiöse Verfolgung von Christen im Sudan hingewiesen. Die europäischen Medien haben ihren Blick auf Afghanistan und den Irak gerichtet; dadurch ist die verzweifelte Notlage im Sudan fast in Vergessenheit geraten. 
    Vor kurzem unterzeichnete das Khartum Regime ein Friedensabkommen mit der Befreiungsarmee des sudanesischen Volkes (SPLA)  im Süden des Landes. Der Weihbischof von Khartum Daniel Adwok hält diesen Vertrag für Betrug an seinem Volk.  Das langfristige Ziel der sudanesischen Regierung bleibe trotz des Friedensabkommens die Vorherrschaft über Nicht-Araber und Nicht-Muslime in Südsudan. Er schreibt: „Dieser zweifelhafte Einsatz im muslimischen Norden des Landes  für den ‚Frieden’ entspricht der öffentlichen Meinung im Norden, wo die Mehrheit keine Beendigung des Kriegs im Süden wünscht; sie wollen einen bedingungslosen Sieg über den Süden”. Der „Friedens”prozess sei ein Betrug der Regierung. In Darfur im Westsudan, mussten in den letzten Monaten mehr als eine Million Menschen aus ihren Häusern fliehen, 30.000 von ihnen sind durch Djandjawid-Milizen, die von der Regierung gestützt werden, getötet worden. Bischof Daniel schreibt: „Die Tatsache, dass zur Stunde Darfur in Flammen steht, sagt uns viel über die Menschen mit denen wir in der internationalen Gemeinschaft zu tun haben. Das zentrale Problem im Sudan ist die Zentralregierung, die von einer sehr kleinen ethnischen Gruppe beherrscht wird, die alle anderen Gruppen im Sudan an den Rand gedrängt hat und versucht, ihre Vorstellung einer multi- kulturellen, multiethnischen, multireligiösen Gesellschaft aufzuerlegen.”
   „Kirche in Not” hilft dem Sudan in besonderer Weise: mit Kinderbibeln, Ausbildung von Priesteramtskandidaten und Novizinnen, unterstützt Priester und Ordensschwestern, aber besonders die Schulbildung und die Grundversorgung der Bevölkerung mit sauberem Wasser.
   Die Verfolgung der Christen durch das islamistische Regime ist unsäglich. „Christliche Häuser wurden willkürlich zerstört, Friedhöfe durch Planierraupen eingeebnet, Kirchen dem Erdboden gleichgemacht, christliche Frauen für die Verletzung von islamischen Scharia-Gesetzen geschlagen und ins Gefängnis gebracht,  Arbeitsplätze wurden ihnen verweigert und strenge Geldstrafen aus nichtigen Gründen auferlegt”, berichtet die Hilfsorganisation „Kirche in Not”. 
    Etwa eine Million Menschen sind aus dem Süden des Sudan in den Norden des Landes gebracht und als Sklaven verkauft worden; ihre Kinder wurden in Koranschulen gezwungen. Viele leben in Lagern in den Außenbezirken von Khartum und zerstreut im Norden Sudans.  Ihr christlicher Glaube macht sie Bürgern zweiter Klasse in ihrem eigenen Land.
   Die katholische Kirche in Khartum hat ein Programm entwickelt unter dem Motto: „Rettet, die wir retten können”, um Kindern eine Schulbildung zu geben, für die es keine Schulen gibt oder die in von der Regierung betriebenen islamistischen Schulen gezwungen werden, wo sie selbst in den Mathe-Stunden mit den islamischen Lehren indok- triniert werden. Kardinal Gabriel Zubeir Wako, der Erzbischof von Khartum, nennt diese Aktion „Rettet, die wir retten können” eine Initiative, die seinem Herzen ganz nahe steht. Mit diesem diözesanweiten Programm werden für 70.000 Kinder billige oder kostenlose Schulen errichtet. Die Schulden für diese Aktion sind auf über eine Million Euro angestiegen.
    Aus Geldmangel ist er gezwungen, die Schulspeisung auf etwa 45.000 Schüler in 22 Schulen zu reduzieren, und den Kindern wenigstens täglich eine Mahlzeit zu geben ist nicht mehr finanzierbar. Inzwischen musste er Schulgeld einführen.
   Emma*, eine Schülerin in einer Schule „Rettet, die noch zu retten sind” in Mayo, einem Lager im Süden von Khartum sagte: „Meine Schule ist wirklich wichtig für mich. Ohne sie würde ich keine Möglichkeit haben, zu Hause zu bleiben. Sie ist meine einzige Hoffnung, meinen Traum zu erfüllen, Ärztin  zu werden.”
    Durch ihren Einsatz ist die Kirche tiefer und tiefer in die roten Zahlen gekommen. Bischöfe, Priester, Ordensschwestern, Jung und Alt betrachten es aber als ihre Aufgabe, diese Chance für die Christenheit im Sudan als eine ihrer größten Herausforderungen anzunehmen. Sie hoffen, dass die Christen im Ausland ihren Schrei  hören und ihnen zu Hilfe kommen.
   Die UNICEF der UNO weigerte sich zu helfen. Sie geben Geld für die islamischen Regierungsschulen, tun aber nichts in die christlichen Schulen. Der Grund für die religiöse Diskriminierung der UNO ist nicht klar. „Kirche in Not” unterstützt die christlichen Schulen in diesem Jahr mit 180.000 Euro. Die Hilfswerke bitten um mehr Spenden, um besser helfen zu können. 
    In einer der Schulen “Rettet, die wir retten können” meint der 16-jährige Daniel*,  Flüchtling aus dem Süden:  "Es gibt viele Leute, die das Christentum in diesem Land auslöschen wollen; aber es wird niemals sterben! Ich will, dass es weiter geht. Ich bin bereit, dem Volk Gottes als ihr Priester zu dienen.”
   Als Kleinkind hatten er und seine Familie ihr Haus im Südsudan verlassen, als ihr Dorf bombardiert wurde. Sie waren zu Fuß hunderte von Meilen in den Norden geflohen. So erreichten sie Khartum und zogen in die Baracken- siedlung, wo ihre Lehmhütte gebaut wurde. “Ich fürchtete mich wirklich davor, getötet zu werden”, sagt er, wird ganz still und richtet seine Augen auf den Boden.  
    Die Bischöfe des Sudans klagten gegen die Unterdrückung der Religionsfreiheit. Weihbischof Daniel Adwok sagte: „Christen, besonders den vertriebenen und verletzbaren, wird wegen ihrer Religion Gewalt angetan. Angesichts fortwährender Vertreibung tragen sie schwere Lasten, Grundrechte werden ihnen vorenthalten und sie werden nicht selten zu Sündenböcken in Zeiten der Krise gemacht.”
   „Kirche in Not” berichtet von Michelle*, einer Mutter von zwei kleinen Kindern, die dem Morden im Südsudan entkommen sind und nun im Norden in einem Lager in Lehmhütten für heimatvertriebene Christen leben. “Vier Millionen Flüchtlinge aus dem Süden sind so den Kämpfen und Luftangriffen entkommen.”
    Michelle* beschreibt ihren Kampf um einen auskömmlichen Lebensunterhalt als Köchin und Raumpflegerin im Zentrum der Stadt Khartum zu finden. Sie erklärt, wie ihre Arbeitgeber und die Stadtverwaltungen sie dauernd bedrängen, Muslima zu werden;  sie locken mit einem neuen Haus, einer besseren Aufgabe, mehr Lebensmittel, schönen Schulen für ihre Kinder und so vieles mehr. „Es ist besser, nur von diesem Wasser zu leben und ein Christ zu bleiben, als meinen Glauben zu verleugnen und in Lüge zu leben,” sagt sie und greift nach einem Becher Wasser. 
    Trotz dieser Christenverfolgung ist die Zahl der Katholiken im Land von weniger als einer Million auf etwa fünf Millionen in den letzten vierzig Jahren gewachsen. „Das Blut der Märtyrer ist die Saat der Christen.”
    Unten im christlichen Süden des Landes „sind die Menschen begeistert vom Glauben”, stimmt Bischof Joseph Gasi von Tombura-Yambio zu. „Sie beten und tanzen wie David im Alten Testament. Eheschließungen sind sehr zahlreich, und es gibt eine blühende Hingabe an das Heiligste Herz Jesu. Der Herr ist wirklich mit uns ruhig und ermutigt uns.”
    Aber viele riskieren ihre Leben, um die heilige Messe zu besuchen. „An hohen Kirchenfesten kommen sehr viele Besucher. Aber in Yei wurden wir fast jeden Sonntag bombardiert, um die Eucharistiefeier zu sprengen und die Christen zu zerstreuen”, sagt Bischof Erkolano Lodu. „Die sudanesische Regierung hat die Sonntage ausgewählt, um die Kirchen zu bombardieren, weil sie dann voll sind.”
    Für eine kurze Zeit wurden die Luftangriffe eingestellt. Aber für wie lange? Bischof Adwok meint: „Allzu lange haben wir uns wie wie ein vergessenes Volk gefühlt. Wir haben versucht, die Probleme, denen sich unser Volk gegenüber sieht,  aussprechen,  aber manchmal denken wir  niemand hört uns zu.”
*Die Namen im Bericht sind verändert, um die Betroffenen zu schützen”

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Papst-Reise nach Benin
  Papst Benedikt XVI. besuchte ein zweites Mal Afrika. Von 18. bis 20. November 2011 reiste er nach Benin. Der Besuch hatte pastoralen Charakter, Anlass waren die Feierlichkeiten zu 150 Jahren Evangelisierung des westafrikanischen Landes. Benedikt hat den Repräsentanten aller afrikanischen Bischofskonferenzen bei der Gelegenheit sein Abschluss-Schreiben zur Afrika-Bischofssynode von 2009 übergeben. Benedikt reiste auf Einladung des Staatspräsidenten, Boni Yayi, und der örtlichen Bischofskonferenz. rv101126
   Papst Benedikt hat das postsynodale Schreiben am 19. November in der Kirche der Unbefleckten Empfängnis Mariens in Ouidah unterschrieben. Übergeben wurde es dann am Sonntag bei einer Messe im Stadion der Freundschaft in Cotonou. Weitere Schwerpunkte der Reise waren ein Besuch am Grab von Kardinal Bernard Gantin und in Afrika Treffen mit Vertretern der Regierung und Gesellschaft und mit Vertretern der Kirche Afrikas. Rv110928

   Benin hat eine Bevölkerung von etwa 8.779.000 Menschen, von denen knapp 3 Millionen katholisch sind. Die zehn Bistümer haben gemeinsam 338 Pfarreien und 801 Zentren. 811 Priester, 1.386 Ordensleute und 11.251 Katecheten kümmern sich um die Seelsorge, dazu kommen knapp 500 Seminaristen.
   Knapp 58.000 Schüler und Studenten besuchen eine der 234 katholischen Bildungseinrichtungen des Landes, von Kindergärten bis zu Universitäten. Dazu kommen zwölf Krankenhäuser, 64 Kliniken, drei Leprakolonien, sieben Heime für Senioren oder für Menschen mit Behinderungen, 41 Waisenhäuser, drei Familien-Beratungsstellen und anderes mehr. RVvis111115ord

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Der Papst war nicht gekommen, “um Lektionen zu erteilen“

   Benedikt XVI. reiste nach Benin - warum gerade nach Benin? Päpste besuchen - das ist ein Teil der Antwort - immer nur politisch stabile Staaten; nicht jede Destination in Afrika ist also möglich. Das kleine Benin hingegen erfüllt die Kriterien der päpstlichen Reiseplaner. Zwar ist es schon das dritte Mal, dass ein Papst nach Benin kommt, aber dieses Mal ist mit den anderen nicht zu vergleichen aufgrund seiner Tragweite. Das denkt der Priester und Intellektuelle André Quenum, Leiter der katholischen Wochenzeitung „La Croix du Benin“ und Pressesprecher des Papstbesuches. Er sagte uns in einem Interview:
   „Der Papst kommt nach Benin, aber nicht nur für Benin, sondern für ganz Afrika. Er unterzeichnet und überreicht eine wichtige Botschaft, die Postsynodale Exhortation der Afrika-Synode. Die Leute von Benin sollen verstehen, dass das hier ein großer Besuch ist, dass der Papst mit einer Botschaft kommt, die sich an ganz Afrika richtet, damit Afrika sich erhebt und den Weg der Versöhnung einschlägt, der Gerechtigkeit und des Friedens.“
   André Quenum ist fest davon überzeugt, dass es keine rein innerkatholische Botschaft ist, die Benedikt im Gepäck hat. „Christen und Nichtchristen sollen die Themen verstehen, die der Papst hier entwickelt hat. Und sie sollen verstehen,  dass die Kirche hier auf einem Weg der Hoffnung ist. Afrika hat alles, was es braucht: Es hat Brot, es hat Wasser. Aber es kann sie nicht nutzen, weil es Konflikte und Ungleichheiten gibt. Von Versöhnung und von Gerechtigkeit sprechen, das ist, worauf Afrika setzen muss, damit der Frieden Wirklichkeit wird. Die Kirche kommt nicht, um hier Lektionen zu erteilen, sondern sie stellt sich in den Dienst dieser Sache.“
   Was drinsteht in der Botschaft des Papstes an den afrikanischen Kontinent, ist naturgemäß noch nicht bekannt. Doch die Neugier ist groß. Entsprechend panafrikanisch sind die Anfragen, die auf einer ganz handgreiflichen logistischen Ebene die Vorbereiter der Papstreise erreichen. Das Stadion in Cotonou hat eine begrenzte Kapazität, 55.000 Menschen finden dort Platz - viel weniger, als kommen wollen. André Quenum sagt:
   „Für die drei Tage des Papstbesuchs versuchen wir ein System zu finden, das der Mehrheit der Pilger das Gefühl gibt, dabei zu sein. Nicht alle werden direkt an den Orten sein können, wo der Papst ist: aus Sicherheitsgründen und auch, weil die Orte so klein sind.“
Hintergrund
   Der Papst unternahm vom 18. bis 20. November seine Pastoralreise in den westafrikanischen Staat Benin. Bei seinem zweiten Afrikabesuch wurde das Schlussdokument der Afrikasynode vom Oktober 2009 veröffentlicht. Zudem feierte er mit den Gläubigen den Beginn der katholischen Mission in dem westafrikanischen Land vor 150 Jahren. Benedikt XVI. folgte mit der Reise einer Einladung von Staatspräsident Yayi Boni und seiner Regierung sowie der Bischofskonferenz von Benin. Die Afrikasynode hatte vom 4. bis 25. Oktober 2009 im Vatikan unter dem Motto „Die Kirche in Afrika im Dienst für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden“ getagt. Das Schlussdokument soll Grundlage für die Pastoral der Kirche in den kommenden Jahren sein.  RVkap111102hsMg

Benedikt XVI.: Mut zur Versöhnung, die aus der Vergebung kommt
   Am Samstag, 19. November 2011 - am frühen Nachmittag - hat der Papst in Benin das Schlussdokument der Afrikasynode von 2009 unterzeichnet: In der Kathedrale von Ouidah setzte er im Rahmen einer kurzen Zeremonie seine Unterschrift unter eine englische, französische, portugiesische und italienische Textfassung. Das rund 150 Seiten umfassende Päpstliche Schreiben mit dem lateinischen Titel „Africae munus“, übersetzt „Das Engagement Afrikas" legt Leitlinien für das kirchliche Wirken in Afrika fest.
   Die Fragen nach Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden sind wichtige Fragen für die ganze Welt, für Afrika haben sie aber eine gewisse Dringlichkeit. Das sagte Papst Benedikt XVI. bei der Unterzeichnung von Africae Munus in Ouidah. Eine mit sich selbst und mit Gott versöhnte Kirche könne ein prophetisches Zeichen der Versöh- nung sein: in jedem Land und auf dem ganzen Kontinent. Die Kirche Afrikas sei nach der Versammlung der Bischofssynode gerufen, Frieden und Gerechtigkeit zu fördern, so der Papst. Diese Suche nach neuen Wegen des Frieden dürfe die Kirche niemals aufgeben,  denn Frieden sei einer der größten Schätze. Dazu brauche des den Mut, der aus der Vergebung komme, es brauche den Willen, gemeinsam leben zu wollen und eine gemeinsame Vision für die Zukunft und die Überwindung von Schwierigkeiten. Zum Abschluss rief der Papst „Afrika, dem Land eines neuen Pfingsten“ zu, ganz auf Gott zu vertrauen. „Afrika, gute Nachricht für die Kirche, werde gute Nachricht für die ganze Welt!“
   Am Sonntag überreichte der Papst das Dokument im Stadion von Cotonou nach einem Gottesdienst an Repräsentanten der 35 afrikanischen Bischofskonferenzen sowie der sieben übernationalen Zusammenschlüsse. rvKNA111119ordPR

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Ein Mann bringt die Dekoration an der Außenfassade der Sankt-Josefs-Kathedrale in Hanoi an. Der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Evangelisation der Völker, Kardinal Crescenzio Sepe Foto oben links, war in Hanoi zu Besuch, als 57 Diakone vor dem Dom zu Priestern geweiht wurden.  CT.Reuters051204

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Vietnam: Interview mit Pietro Parolin über die Beziehung der Kirche
zur Regierung von Ha Noi: Auf kleinen Schritten auf den Wegen des Hó Chi Minh

Foto links: Ein Priester segnet eine Pilgergruppe im Marien-Wallfahrtsort La Vang in der Provinz Quang Tri.
Foto rechts: Der von Papst Johannes Paul II. ernannte Kardinal Jean-Baptiste Phan Minh Mán wird bei seiner Rückkehr nach Vietnam in der Stadt Than Po Hó Chi Minh empfangen.

  „Man kann nur hoffen, dass die Bereitschaft besteht, zu dem Geist zurückzukehren, von dem Ho Chi Minh beseelt war. Der - in der berühmten Verfügung Nr. 234 von 1955 - der Kirche keine Beschränkungen auferlegte, was die Zahl der Bischofsernennungen anging, die Zulassung zu den Seminaren oder die Arbeit der religiösen Gemeinschaften.” Die Stellungnahme des Untersekretärs der vatikanischen Abteilung  für die Beziehungen mit den Staaten.
   “Die einzige wirkliche Erklärung für die Ernennung von Kardinal Phan Minh Mán beim letzten Konsistorium ist die Sorge des Papstes um die vietnamesische Kirche. Eine Kirche, die nicht nur lebendig, vereint ist, sondern auch mit einer wahren Blüte von Priester- und Ordensberufungen aufwarten kann.” Eine Kirche, die, mitten in der Realität des Landes stehend, nichts anderes wünscht, als dem Gemeinwohl zu dienen. Die Ernennung wurde übrigens auch vom kommunistischen Regime begrüßt, das in einer Erklärung des Pressesprechers des Außenministeriums bekräftigte:  „Es ist eine gute Botschaft für die vietnamesischen Katholiken, jetzt einen weiteren Kardinal zu haben. Zum ersten Mal in der Geschichte  der katholischen Kirche  des Vietnam  hat unser Land gleich zwei Kar- dinäle.”
   Prälat Pietro Parolin, Untersekretär der Abteilung für die Beziehungen mit den Staaten leitete die vatikanische Delegation, die nach Vietnam reiste und zu der auch Prälat Luis Mariano Montemayor gehörte, Nuntiatur-Berater beim Staatssekretariat, und Prälat Barnabe Nguyen Van Phuong, von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker. Nach diesem Besuch kann man durchaus von einer Beziehung sprechen, die „auf dem Wege der Besserung” ist.
Der neuernannte Kardinal Phan Minh Mán hat öffentlich vorgeschlagen, das Thema der Religionsfreiheit an- zugehen; eine Rückbesinnung auf das, was der Gründervater des kommunistischen Vietnam, Ho Chi Minh, festgelegt hatte. Was halten Sie davon?
    Ich halte das für einen durchaus wertvollen Vorschlag. Der Kardinal hat da etwas überaus Vernünftiges getan, seine Initiative verdient jede Unterstützung. Man kann also nur hoffen, dass die Bereitschaft besteht, zu dem Geist zurückzukehren, von dem Hó Chi Minh beseelt war. Der - in der berühmten Verfügung Nr. 234 von 1955 - der Kirche keine Beschränkungen auferlegte, was die Zahl der Bischofsernennungen anging, die Zulassung zu den Semnaren oder die Aktivität der religiösen Kongregationen. Darüber hinaus wurde bei den offiziellen Unter- redungen oft eine jüngst verabschiedete Resolution des Zentralkomitees der kommunistischen Partei erwähnt, in der die vietnamesischen Bürger als „vollwertige Bürger” bezeichnet werden und die Entschlossenheit der Regierung bekräftigt wird, „den geistlichen Bedürfnissen jenes Teils der Bevölkerung Rechnung tragen zu wollen,  die einem religiösen Glauben anhängen.” Eine derartige Haltung der Partei kann man natürlich nur begrüßen. Ein anderes Thema, das bei verschiedenen Anlässen wieder aufgegriffen wurde, ist der Wunsch der vietnamesischen Ansprechpartner, in den Beziehungen zur katholischen Kirche die Vergangenheit hinter sich zu lassen und vertrauensvoll in die Zukunft zu blicken.
Was können Sie uns über Ihren Aufenthalt im Vietnam sagen?
   Die Delegation des Vatikans hat, wie schon bei ihren vorherigen Missionen, im wesentlichen zwei Zwecke verfolgt: einen Dialog mit den Regierungsbehörden zu führen, um die gegenseitigen Beziehungen zu festigen, die Frage der Beziehungen zwischen Kirche und Staat zu behandeln und gleichzeitig den katholischen Gemeinschaften entgegen zu kommen. So wurde uns die Freude zuteil, uns mit dem Präsidenten der Bischofskonferenz, den Mitgliedern des Ständigen Rates derselben und mit den Bischöfen der Kirchenregion Ha Noi an einen Tisch setzen zu können. Wir waren in der Diözese Xuan Loc und Ban Me Thuot. Diese Diözesen waren noch nie von den Delegationen des Vatikans besucht worden, und dass das endlich möglich geworden war, war, in einem gewissen Sinne, eine Überraschung. Xuán Lóc, im Süden Vietnams,  ist die größte Diözese des Landes, in der die Katholiken ca. 30% der Bevölkerung ausmachen. Ban Mé Thuót befindet sich auf der Hochebene in der Mitte des Landes, dort leben etwa 40 ethnische Minderheiten, „Montagnards” genannt. Es gibt dort bekanntlich viele Spannungen. Über das, was sich Anfang April zugetragen hat, haben wir von den örtlichen Behörden Informationen erhalten. In Ha Noi konnten wir die Messe im Priesterseminar feiern,und in Thanh Pho Hó Chi Minh wurde eine Begegnung mit den Vertretern des Klerus, des geweihten Lebens, der Laien und der katholischen Institutionen der Erzdiözese organisiert. Auf Regierungsebene wurden zwei Arbeitssitzungen mit dem Büro für religiöse Angelegenheiten sowie Höflichkeitsbesuche beim Vizeminister für Äußeres, dem Vizepräsidenten der Kommission für äußere Angelegenheiten des Zentralkomitees des Vietnam organisiert, und während des Besuchs in den Diözesen bei den örtlichen Behörden. Wir wurden mit sehr viel Respekt behandelt, ja, ich würde fast schon sagen, überaus herzlich aufgenommen; eine Haltung, die auch wir stets vermitteln wollten. Ich bin der Meinung, dass die Unterredungen mit den Repräsentanten des Büros für Äußeres überaus nützlich waren, wenn auch nicht alle Fragen geklärt werden konnten.
Gibt es in Sachen Religionsfreiheit gute Nachrichten?
   Seit den ersten Besuchen der Delegation des Heiligen Stuhls bis heute sind 15 Jahre vergangen, und es hat zweifellos Fortschritte gegeben. Wir haben erfahren, dass die Behörden in einigen Regionen die Ordensschwestern um Hilfe bei der Betreuung Aids-Kranker gebeten haben. An anderen Orten wieder wurde die Genehmigung für Neuzugänge an religiösen Instituten erteilt. Das alles ist Zeichen für eine offenere Haltung der katholischen Kirche gegenüber. Ich denke aber dennoch, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben. In der Zwischenzeit hoffe ich, dass der Dialog weitergeht, dass mit dem Dialog Verständnis und Vertrauen wachsen. Die Kirche will nicht mehr, als in Freiheit ihre Mission erfüllen zu dürfen, stellt sich großzügig in den Dienst des Landes und seiner Einwohner.
Und was ist mit den von der Regierung auferlegten Bedingungen bei den Bischofsernennungen?
   Die Delegation des Vatikans ist auch nach Vietnam gekommen, um mit den Regierungsbehörden über die Bischofsernennungen zu sprechen, die derzeit in Vietnam nach einer Sonderregelung unterliegen. Natürlich haben wir die Hoffnung, dass es auch in  diesem Bereich zu einer Normalisierung kommen wird. Dieser letzte Besuch hat auch Fortschritte gebracht.
Gibt es eine Episode um Ihre Reise nach Vietnam, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
  Ich denke, dass uns das am meisten bewegt hat, was sich in Ban Mé Thuót ereignete. Am Nachmittag feierten wir die heilige Messe in der Kapelle des Bischofshauses und für den Morgen darauf war der private Besuch der Kapelle vorgesehen. Und dann haben wir bei unserer Ankunft eine zum Bersten mit Gläubigen gefüllte Kirche vorgefunden, die spontan gekommen waren, als sie von der Ankunft der vatikanischen Delegation gehört hatten. Es war eine sehr intensive Erfahrung, die sich nur wenig später im Haus der Schwestern Mariens wiederholte, die vor allem mit den „Montagnards” zusammenarbeitet. Ich muss allerdings sagen, dass alle Begegnungen mit der Kirche von tiefer Spiritualität geprägt waren, einem Klima intensiver kirchlicher Gemeinschaft und einem starken Gefühl der Verbundenheit, Verehrung und Treue dem Nachfolger Petri gegenüber: etwas, das die Delegation dem Heiligen Vater bei ihrer Rückkehr in Rom nur allzu gerne berichtet hat. GiovanniCubeddu30GIORNI0405

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Besuch der vatikanischen Delegation in der Diözese Quy Nhon

   Seit zwanzig Jahren haben bilaterale Besuche den Weg geebnet zu diplomatischen Beziehungen. Bei den Arbeitssitzungen der Delegationen wurden Fragen besprochen, die Leben und Aktivitäten der katholischen Kirche in Vietnam  besprochen, darunter besonders die Bischofsernennungen, der Bau von Kultstätten und der Beziehung zwischen Staat und Kirche.
   Die stark wachsende Kirche hat die Besucher aus dem Vatikan mit großer Freude empfangen. Die große Zahl der Ordensschwestern und Priester ist beeindruckend. Die vietnamische Kirche legt ein Zeugnis voller Vitalität ab. Sie nimmt sich nicht nur derer an, die bedürftig und notleidend sind, auch in Sachen Bildung und Soziales ist sie stark engagiert. Die junge Kirche ist sich der Probleme bewusst, die eine schnelle Industrialisierung und ein starker Wirtschaftsaufschwung mit sich bringt. Die Wachstumsrate von 8,4 Prozent in diesem Jahr liegt weltweit an zweiter Stelle.   

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   Die Kirche in Vietnam wächst. Ein Weg der Geduld. Die Wirtschaftskrise, der Glaube der Neugetauften,
der Streit um die konfiszierten Kirchengüter. Reise des Papstes ins Land von Ho Chi Minh?  
Interview von Gianni Valente mit Pierre Nguyen Van Nohn, Präsident der vietnamesischen Bischöfe.

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Foto links: Benedikt XVI. mit dem Bischof von Da Lat, Nguyen Van Nhon rechts: Kathedrale Phát Diem
Foto unten links: Kathedrale Sankt Josef in Hanoi Foto unten rechts: Kathedrale von Phát Diem

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   Pierre Nguyen Van Nhon, Bischof der Diözese Da Lat, hofft, dass ein Papst bald zum ersten Mal vietnamesischen Boden betritt. „Es wäre zu unser aller Vorteil. Für uns Katholiken, weil wir im Glauben gestärkt würden. Aber auch für die Regierung, die nicht dagegen ist: der Besuch des Papstes wäre ein deutliches Zeichen für alle, dass Vietnam die Verschiedenheit und die Freiheit akzeptiert." Als günstiger Zeitpunkt bietet sich der 50. Jahrestag der Errichtung der katholischen Hierarchie in Vietnam durch Papst Johannes XXIII. Und es jährt sich auch der 350. Jahrestag der Errichtung der ersten beiden apostolischen Vikariate im Land.
Was wird der Papst vorfinden, wenn er in diesem historischen Moment nach Vietnam kommt?
   Wir alle können sehen, wie sich die weltweite Wirtschaftskrise auch auf das Leben des Einzelnen auswirkt. 90% der Menschen hier arbeiten auf dem Land, aber aufgrund der Wirtschaftskrise liefern die Produkte, die uns der Boden schenkt, nicht mehr die lebensnotwendige Nahrung. Die Folge ist die Landflucht. Die Menschen strömen in die Städte, lassen ihre Familien, ihre Freunde, ihr gewohntes Leben hinter sich. Viele werden dann aber mit den Problemen, die sich ihnen stellen, nicht fertig. Saigon musste in kurzer Zeit zwei Millionen Einwanderer aufnehmen, darunter auch 100.000 Katholiken. Bei diesen Menschen hat sich ein Gefühl der Verlassenheit und Wehrlosigkeit breit gemacht. Viele verlieren den Kontakt zur Kirche, hören auf zu beten.
Wie sind Sie eigentlich Christ und dann später Priester geworden?
   Meine Familie war schon seit Generationen katholisch. In jeder katholischen Familie gab es wenigstens ein Familienmitglied, das sich zum Ordens- oder Priesterleben berufen fühlte. In meiner Familie waren wir sechs Kinder; meine beiden Schwestern sind ins Kloster eingetreten, ich ins Seminar. Wir sind in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Fast jeden Tag gingen wir zur Messe. Wir empfingen die Kommunion, beteten abends gemeinsam, und auch vor und nach dem Essen. Genau das also, was man in den meisten katholischen Familien in Vietnam beobachten kann. Ich danke Gott und bin glücklich darüber, dass er mich in meiner Berufung bestärkt hat.
Und wie sieht die Situation jetzt aus?
   Jetzt haben sich viele Dinge geändert. Viele werden von der Arbeit in Anspruch genommen, haben keine Zeit mehr, die Messe zu besuchen. Ich danke Gott, dass die christlichen Familien im Allgemeinen trotzdem noch immer sehr fromm sind. Sie haben einen einfachen Glauben, der vom Gebet und von den Sakramenten genährt wird. Viele Menschen werden Christen, wenn sie schon im Erwachsenenalter sind.
Und wie kommt es gewöhnlich dazu?
   Viele treten in die katholische Kirche ein, wenn sie einen Katholiken oder eine Katholikin heiraten. Manche - meist sind es Intellektuelle - empfinden aber auch eine gewisse Unzufriedenheit, stellen sich Fragen. Und sie begegnen dann vielleicht jemandem, Priestern, Laien oder Ordensleuten, die ihnen bei ihrer inneren Suche helfen, ihnen Antworten geben können.
Ist es einfach, die Taufe zu empfangen?
  Für die Taufbewerber sind zwei Jahre Vorbereitung vorgesehen. Oft aber sind es nur sechs Monate oder ein Jahr. In meiner Diözese haben wir jedes Jahr acht bis neuntausend Getaufte,davon dreitausend Erwachsene, und fünf- bis sechstausend Kinder aus christlichen Familien. In den großen Diözesen haben wir vier- bis fünftausend Erwachsenentaufen pro Jahr.
Gilt sich taufen zu lassen immer noch als etwas Exotisches; etwas für Leute, die eine „westliche Religion" angenommen haben?
   Solche Dinge sagt man in der Absicht, Propaganda zu machen oder alte Probleme wieder auszugraben. Jesus Christus wurde in Asien geboren. Seine Gleichnisse sind voller Hinweise auf das Leben der asiatischen Völker. Als die Verkündigung des Evangeliums mit den französischen und portugiesischen Missionaren dann nach Vietnam kam, wurde auf einmal gesagt, es wäre etwas Fremdes. Manche sagen aber auch, das Christentum sei eine Religion des Ostens. Meiner Meinung nach ist es Zeitverschwendung ist, darüber zu reden. Man sollte diesen Dingen zumindest die richtige Dimension geben. Katholisch heißt „für alle". Natürlich muss die apostolische Sendung den kulturellen Gegebenheiten des jeweiligen Umfelds Rechnung tragen. Bei einer Begegnung in Thailand, wo es um die Mission in Asien ging, wurde gesagt, dass wir das Leben Jesu so erzählen sollen wie er selbst vor 2000 Jahren mit Hilfe seiner Gleichnisse gepredigt hat. Auf eine orientalische, also nicht auf eine rationalistische Weise.
Und wie soll man die Nachrichten über jüngste Spannungen mit der vietnamesischen Regierung verstehen, die sich angeblich weigert, konfiszierte Kirchengüter zurückzugeben?
   Das ist eine Frage, die man im Zusammenhang mit der Geschichte unseres Landes sehen muss. Früher  gab es bei uns Privatbesitz. Dann konnte sich das System des Kollektivbesitzes der Güter durchsetzen. Gewiss, die Welt gehört allen; was Gott geschaffen hat, hat er für alle geschaffen. Aber das zu sagen, kann abstrakt sein. Da sind die Einzelpersonen, die sozialen Gruppen mit ihren Rechten. Wenn diese Rechte einem höheren Gut dienen, so ist das verständlich. Wenn man aber Güter einzieht, die angeblich allen zur Verfügung stehen sollen, diese dann aber für egoistische Zwecke benutzt, damit sich irgendjemand bereichern kann, dann ist das nicht in Ordnung, und dann kann man sich dafür auch nicht auf das Gemeinwohl berufen.
Hat sich das auch mit den einstigen Kirchengütern so verhalten?
   Nicht immer wurden diese konfiszierten Güter auch wirklich zum Gemeinwohl eingezogen. Die Kirche will sie nicht für sich selbst zurückhaben; sie will sich nicht damit bereichern, sondern hat einfach nur den Wunsch, dass sie zum Wohl des Volkes genutzt werden.
   Wir sind Kirche. Die Kirche geht immer den Weg des Dialogs. Und sie respektiert die zivilen Behörden. Der Papst hat uns gesagt, dass die Kirche ihre Kinder auffordert, sich auf loyale Weise für den Bau einer gerechten und soliden Gesellschaft einzusetzen. Die Kirche - und das hat uns Benedikt XVI. im Rahmen unseres letzten ad-Limina-Besuches wortwörtlich so gesagt - „will keineswegs an die Stelle der politisch Verantwortlichen treten, sondern möchte nur in einem Geist des Dialogs und der respektvollen Zusammenarbeit auf angemessene Weise am Leben der Nation teilnehmen, im Dienst für das ganze Volk."
Hat die Wiederlangung der Kirchengüter derzeit wirklich Vorrang?
   Wir versuchen nicht, uns Güter anzueignen, um reich und mächtig zu werden. Wir wollen einfach nur das Not- wendige, um weiter arbeiten und unserem Volk dienen zu können. Die Kirche wächst, und sie braucht die Mittel, um ihre apostolische Sendung erfüllen und den Armen helfen zu können. Und für diese Arbeit können die Werkzeuge hilfreich sein.
Kann uns die Entwicklung der Beziehungen zwischen Kirche und vietnamesischem Regime zeigen, wie man die anomale Situation in der Volksrepublik China lösen kann?
   Ich denke, dass es im Leben der Kirche nicht darum geht, irgendwelche Verhaltensmodelle zu verbreiten. Die Kirche in Vietnam ist der Situation in Vietnam angepasst. China ist ein so großes, komplexes Land. Ich weiß nicht, ob das, was man in Vietnam tut, auch in China getan werden kann. Wir müssen auf Jesus blicken, auf die von ihm gegründete Kirche: das ist das Vorbild für uns alle. Jesus hat seine Kirche auf Petrus und dessen Nachfolger gebaut. Und das ist das Modell, das für alle gilt, in Vietnam genauso wie in China, Amerika und überall anders.
Aber Unterschiede gibt es doch. Die vietnamesische Kirche z.B. zeigt sich als demütige Kirche, und das auch schon deswegen, was sie in der Vergangenheit durchmachen musste.
   Ja, aber diese Demut ist unser aller Berufung. Die ganze Kirche muss demütig, einfach, wohltätig sein; sie muss Jesus nachfolgen. Das gilt für die gesamte Kirche, auch für die Kirche in Amerika, wenn sie Kirche Christi sein will.
Auch auf dem Weg zur Normalisierung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und vietnamesischer Regie- rung hat die Entscheidung für die Geduld Früchte getragen. Es wurde gut gesät, in aller Stille, ohne sich in den Vordergrund zu stellen.
   Ein erster Ansatz war der von Kardinal Etchegaray im Jahr 1989. Seit damals hat es offizielle Besuche gegeben. Msgr. Pietro Parolin, der Untersekretär des Staatssekretariats, der derzeit die Geschehnisse in Vietnam verfolgt, ist in den letzten Jahren viermal zu uns gekommen. Und es hat gute Resultate gegeben. Wir beten viel darum, dass uns die Aufgeschlossenheit für diplomatische Beziehungen zwischen Rom und vietnamesischer Regierung einen ständigen päpstlichen Repräsentanten vor Ort bescheren wird, und nicht nur einmal im Jahr. Früher oder später wird es soweit sein.  30Giorni GianniValente090607

  Die sozialistische Regierung in Vietnam erlaubt erstmals ein offizielles katholisches Gesangbuch. Die vietna- mesischen Bischöfe stellten das zweibändige Projekt jetzt in Ho-Chi-Minh-Stadt vor. Das erste Gesangbuch enthält 500 Kirchenlieder, die unter den 4.000 beliebtesten des Landes ausgewählt wurden. Die musikalische Bandbreite reicht von Gregorianik bis zu Kompositionen der 70er Jahre. Der zweite Band soll spätestens im Januar 2011 vor dem Abschluss des 300-Jahr-Jubiläums der Kirche in Vietnam erscheinen. Überwachung und Zensur durch die staatlichen Organe verboten bislang die Veröffentlichung eines einheitlichen Gesangbuchs. Viele Gemeinden hätten ihre eigenen Kirchenlieder getextet und komponiert, so die Bischöfe. Diese sprachliche Modernisierung habe zwar für mehr Verständlichkeit gesorgt, sei aber nicht immer theologisch korrekt. Rv091123asianews

Bischof Paul Bui Van Doc   miss-Viet-epPaulBuiVanDoc-x   Interview

Die Lage der Christen in Vietnam sorgt regelmäßig für negative Schlagzeilen. Zu Recht?
   Es gibt sicher Probleme und Krisen. Aber ich würde auf keinen Fall von Christenverfolgung sprechen. Das entspricht nicht der Realität. Es ist sogar schädlich für die Kirche, von Verfolgung zu reden. Solche Begriffe heizen die Spannungen nur an und behindern Fortschritte. Dabei sind Gespräche der einzig mögliche Weg, um die Situation der Kirche langfristig zu verbessern. Der Dialog ist schwierig, aber ohne Alternative, und wir müssen ihn fortsetzen.
Mit welchen Schwierigkeiten ist die Kirche in Vietnam konfrontiert?
   Ein großes Thema, auch in internationalen Medien, ist der Streit um Land. Ich selbst bitte meine Provinzregierung seit Jahren um die Rückgabe von etwa 2.000 Quadratmetern Kircheneigentum. Bisher vergeblich. Aber das ist aus meiner Sicht kein großes Problem. Ich bin geduldig. Und die viel wichtigere Aufgabe für die Kirche ist doch, das Evangelium zu verkünden und für die Menschen da zu sein. Das müssen wir auch deutlich machen.
Trägt auch die Kirche zu den Spannungen bei?
   Manchmal ja. Es gibt eben auch innerhalb der Kirche verschiedene Strömungen und Kräfte, die gegen den Dialog und die Verständigung mit der Regierung sind.
Wie ist die Haltung der Regierung zur Kirche?
   Innerhalb der staatlichen und regionalen Behörden gibt es natürlich auch Hardliner, die gegen jedes Zugehen auf die Kirche sind. Oft zeigen sich die offiziellen Stellen aber offen. Auch die derzeitige Regierung des Landes ist sehr aufgeschlossen und sieht den Beitrag, den die Kirche etwa im Sozialbereich leisten kann. Diese offene Haltung zeigt sich etwa daran, dass sowohl unser Ministerpräsident als auch unser Staatspräsident in den ver- gangenen Jahren bei Papst Benedikt XVI. waren.
Sind solche Besuche mehr als schöne Gesten?
   Sie haben schon Einfluss auf die Lage im Land. Unmittelbar nach solchen Besuchen gibt es zwar oft negative Schlagzeilen. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Dessen unbenommen gibt es einen positiven Gesamttrend. Im Vergleich zu anderen kommunistischen Ländern wie China, Nordkorea, Kuba oder Laos ist die Lage der Kirche in Vietnam viel besser.
Wie schlägt sich das konkret nieder?
   Anders als in China werden hier etwa keine Bischöfe verhaftet. Auch läuft kein Christ Gefahr, wegen seines Glaubens hingerichtet zu werden, wie es etwa in einigen islamischen Ländern der Fall ist. Die Kirche in Vietnam ist sehr lebendig. Unsere sieben Priesterseminare haben viel Zulauf. Außerdem ist Caritas Vietnam mittlerweile von der Regierung anerkannt. So etwas wäre früher nie denkbar gewesen.
Es wurde immer wieder über einen Besuch des Papstes spekuliert. Welche Bedeutung hätte eine solche Reise für die Kirche im Land?
  Sie hätte sehr große Auswirkungen. Die regierenden Kommunisten stehen derzeit vor der Entscheidung, wohin sich das Land entwickeln soll. Ein Besuch von Benedikt XVI. würde die Öffnung Vietnams stärken. Zumal wir dieses Jahr ja zwei Jubiläen feiern: Die Einrichtung einer Kirchenhierarchie vor 50 Jahren sowie die Gründung der beiden Apostolischen Vikariate im Norden und im Süden des Landes vor 350 Jahren. Wir würden uns freuen, wenn Benedikt XVI. zum Abschluss der Feiern im Januar 2011 nach Vietnam kommen könnte. DT100304CarolineSchulke

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Reist der Papst nach Vietnam? Foto links: Benedikt XVI. mit dem vietnamesischen Mininisterpräsidenten
Nguyen Tan Dung 2007 Rom  Foto rechts: Msgr. Pietro Parolin, mit Nguyen The Doanh, Leiter des Büros
für religiöse Angelegenheiten der vietnamesischen Regierung; Hanoi 19. Februar 2009

   Die vietnamesische Regierung „ist nicht gegen" einen Besuch des Papstes in Vietnam. Das sagt Bischof Pierre Nguyen Van Nhon. Die vietnamesischen Bischöfe haben den Papst bei ihrem ad-limina-Besuch Mitte Juni in Rom wissen lassen, dass das Regime in Hanoi nichts gegen einen Papstbesuch hätte. Kardinal Jean-Baptiste Pamh Minh Man, Erzbischof von Ho Chi Minh Stadt, hat in einem Interview mit der Presseagentur Uca-news bestätigt, dass diese informelle Nachricht aus dem Büro für religiöse Angelegenheiten in Hanoi kam. Diese positive Entwicklung würde natürlich auch Benedikt XVI. den Weg in eines jener Länder ebnen, die seinem reisefreudigen Vorgänger noch verschlossen geblieben waren. Bis Ende des Jahres wird es in Rom - zum zweiten Treffen der gemeinsamen Arbeitsgruppe kommen, die die diplomatischen Beziehungen zwischen Vietnam und dem Vatikan voranbringen soll. Im Dezember wird der vietnamesische Präsident Nguyen Minh Triet zu einem Staatsbesuch nach Italien kommen. Ein Besuch beim Papst liegt dann nahe. Auf kirchlicher Seite fehlt es gewiss nicht an Gelegenheiten für eine Reise von Papst Benedikt XVI. nach Vietnam. Anlass könnte der 350. Jahrestag der Errichtung der ersten beiden apostolischen Vikariate und der 50. Jahrestag der Errichtung der katholischen Hierarchie in Vietnam sein. Das Festprogramm wird mit einer Wallfahrt zum Nationalheiligtum in La Vang ausklingen und sieht auch eine kirchliche Versammlung in Hanoi vor, an der Repräsentanten aller vietnamesischen Diözesen teilnehmen werden.

mis-Viet-LaVang-xx Marienheiligtum La Vang, Vietnam

   Der Besuch des Papstes wäre ein deutliches Zeichen für die vor mehr als 20 Jahren eingeleitete Entspannungs- phase zwischen Vietnam, Vatikan und Ortskirche. Vorausgegangen war dem die dunkle Phase unmittelbar nach der Wiedervereinigung des Landes und die Machtübernahme des kommunistischen Regimes. Mit der Reise von Kardinal Roger Etchegaray, damals Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, nach Hanoi konnten die Kontakte im Jahr 1989 wieder hergestellt werden. Seit damals waren 16 vatikanische Delegationen in Vietnam, um die Komplikationen, die die politische Kontrolle des kirchlichen Lebens mit sich brachte, durch Ver- handlungen mit den zivilen Behörden zu lösen. Mit der Zeit konnten die neueröffneten Seminare ihre Arbeit wieder aufnehmen; man fand einen modus vivendi bezüglich der Vorgangsweise bei der Bischofswahl; und es wurden die Voraussetzungen für ein immer größeres Netz der sozialen und karitativen Initiativen der Kirche geschaffen.
   In der letzten Zeit gab es Spannungen zwischen der vietnamesischen Regierung und der Ortskirche wegen  der Rückgabe der konfiszierten Grundstücke wie der Sitz der Nuntiatur und einer Pfarrei in Thai Ha. Der Vatikan hat zur Mäßigung und zum Dialog ermahnt. Inzwischen wurden von den Behörden eine Reihe von Forderungen erfüllt, die das gewöhnliche kirchliche Leben in Vietnam betreffen. Im Herbst 2007 hat z.B. auch das Seminar von Nha Trang - nach dem von Hanoi und Ho Chi Minh Stadt - die Erlaubnis erhalten, jedes Jahr neue Priester-Kandidaten aufzunehmen. Womit das alte System, das die Zahl der Seminaristen bürokratisch eingeschränkt hatte, endgültig ad acta gelegt war. Nach den jüngsten, erst am 25. Juli bekanntgegebenen Ernennungen, wird nur die Diözese Ban Me Thout, im Landesinnern, noch von einem über 75 Jahre alten Bischof geleitet. Im Oktober 2008 konnte die vietnamesische Caritas nach dreißig Jahren mit Genehmigung des Regierungsbüros für religiöse Angelegenheiten endlich wieder ihre Arbeit aufnehmen, und zwar nicht nur auf nationaler, sondern auch auf Pfarreiebene. Schwierigkeiten für die etwaige Papstreise liegen eher im finanziellen Bereich: die vietnamesische Kirche ist arm, die wenigen Ressourcen werden für das Wachstum der katholischen Gemeinschaft eingesetzt.  30T090607

Der Vatikan und Vietnam verhandeln zum zweiten Mal intensiv über bilaterale Fragen.
  Dabei geht es auch um die nötigen Schritte für eine mögliche Wiederherstellung von diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Die Arbeitsgruppe hatte sich Mitte Februar letzten Jahres in Hanoi ein erstes Mal getroffen. Nach dem Ende des Vietnamkriegs 1975 hatten die kommunistischen Machthaber die Beziehungen zum Heiligen Stuhl abgebrochen; die Situation der Kirche in dem südostasiatischen Land galt seither als schwierig. Seit 1990 versuchen beide Seiten, durch Verhandlungen auf Vize-Außenministerebene offene Kirchenfragen wie Bischofsernennungen oder Zulassungsquoten zu Priesterseminaren zu klären. Dabei gibt es durchaus Fortschritte, die manche sogar von einem Papstbesuch in Vietnam träumen lassen; allerdings sorgt der Streit um früheres Kircheneigentum an mehreren Stellen des Landes für immer neue Unruhe unter den Gläubigen. Von den 86 Millionen Einwohnern in Vietnam sind über sechs Millionen Katholiken. Es handelt sich um eine der größten Katholiken- gemeinden Asiens. Seit 2008 hat der Heilige Stuhl sieben neue Bischöfe in Vietnam ernannt, darunter einen neuen Erzbischof von Hanoi; die Bischöfe ihrerseits konnten Hunderte von Priesterweihen vornehmen. rv100621

VietnDiöQuyNohon-xx

Vietnam: Viele wollen Priester werden

  Alle Aktivitäten außerhalb der Kirche – wie Gebetstreffen, katechetische Veranstaltungen in privaten Wohnungen, Seminare – sind im Vietnam genehmigungspflichtig. Die Hauskirche ist deshalb im südostasiatischen Land eine Form, mit der die Christen ihren Glauben leben, denen der Zugang zu einer Kirche ihrer Wahl verwehrt ist oder die sich keiner staatlichen Kontrolle unterziehen wollen. Christen der Hauskirchen treffen sich außer in Wohnungen auch in Parks und in Wäldern, um zu beten und Gottesdienste zu feiern. Priester gibt es aber dennoch viele und es könnten noch mehr sein, denn die wenigen Priesterseminare im Land erleben einen wahren Ansturm an Priesteramtskandidaten, wie der Sekretär der vietnamesischen Bischofskommission für den Klerus und Seminaristen, Pater Joseph Do Manh Hung, gegenüber Radio Vatikan bestätigt. rv80728rv

   Die Zahl der Berufungen im Land nimmt trotz der schwierigen Lage für die katholische Kirche zu. Das erklärte ein Sprecher des Priesterseminars in Ho-Chi-Minh-Stadt gegenüber der Nachrichtenagentur Fides. Nach Ansicht von Joseph Do Manh Hung suchen junge Menschen in einer Zeit, in der Vietnam sich zunehmend der Marktwirtschaft und dem Konsumdenken öffnet nach Wahrheit und neuen Lebensmodellen. Die besondere Herausforderung sei daher die Mission und Evangelisierung. Trotz Repressalien seitens der Regierung, etwa durch Beschlagnahme kirchlicher Güter sieht er dennoch eine Öffnung gegenüber der Kirche. 2008 hatte sie die jährliche Aufnahme von neuen Seminaristen genehmigt. Von den 87 Millionen Vietnamesen sind rund 7 Millionen Katholiken. RV111124fides

Vietnam: Seligsprechungsverfahren für Priester

   Das Bistum Cân Tho freut sich über einen Bescheid der vatikanischen Heiligen-Kongregation. Die Behörde aus Rom hat dem Bistum im Süden Vietnams grünes Licht für einen Start des Seligsprechungsverfahrens für François- Xavier Truong Buu Diêp gegeben. Der Priester starb 1946 im ersten Indochina-Krieg, um das Leben seiner Pfarrei- Angehörigen zu retten. Er bot sich der paramilitärischen Gruppe der Vietminh im Austausch für siebzig festgenommene Christen an und wurde daraufhin gefoltert und umgebracht. Sein Grab in Tac Say erfreut sich seit Jahrzehnten großer Verehrung. Rv141214sk

Kirchliches Jubiläum in Vietnam

   Etwa 120.000 katholische Christen nahmen an den Eröffnungsfeierlichkeiten des vietnamesischen Heiligen Jahrs aus Anlass des 350. Jahrestages der Errichtung des ersten Vikariats im Land. Die Feier wurde jedoch beeinträchtigt vom Rücktritt des Erzbischofs von Hanoi von seinem Amt. Beobachter nehmen an, dass die Regierung hier Druck ausgeübt hat.
   Vier Kardinäle, 30 vietnamesische Bischöfe von allen 26 Diözesen und 1.200 Priester und 120.000 Gläubige von den nördlichen Diözesen Vietnams versammelten sich zu diesem Fest. Zahlreiche ausländische Geistliche aus Euro- pa und den Vereinigten Staaten von Amerika waren darunter. Die Feierlichkeiten wurden eröffnet in dem Ort So Kein, etwa 70 km südlich von Hanoi. Hier wurde es der vietnamesichen Kirche erlaubt, mehrere größere Gebäude zu errichten.
   Anlass des Jubiläums war nicht nur das 350jährige Jubiläum der Errichtung eines Apostolischen Vikariats, sondern auch der 50. Jahrestag der Einsetzung einer katholischen Hierarchie in Vietnam. Das Fest begann mit einer einstündigen Prozession der Christen mit den Reliquien ihrer Martyrer. Der Präsident der vietnamesichen Bischofskonferzen Bischof Peter Nguyen Van Nhon leitete die Liturgie. Die Festversammlung wurde an die Christenverfolgungen zwischen 1625 und 1886 erinnert und an die 53 Erlasse der Herren und Könige von Nguyen gegen die Christen. Jeder Verfolgungswelle war härter als die vorhergehende. Die Versammlung der vietnamesischen Kirche sprach in dieser Feier ihre Dankbarkeit gegenüber den 130.000 Opfern dieser Verfolgungen aus. 117 Martyrer wurden von der Kirche heilig gesprochen. Ct091206TomLomax

Diplomatischer Durchbruch?

   Der Heilige Stuhl und Vietnam verhandeln über die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen. Das gab der Vatikan bekannt. Ein erstes Treffen der dazu eingerichteten gemeinsamen Arbeitsgruppe fand laut einer knappen Mitteilung Anfang dieser Woche in Hanoi in einer „Atmosphäre der Offenheit, der Freimütigkeit und des gegenseitigen Respekts“ statt. Der Untersekretär für die Beziehungen zu den Staaten, Pietro Parolin, leitete die Vatikan- Delegation, die auf Einladung der vietnamesischen Regierung nach Hanoi gereist war. Der Heilige Stuhl respektiere die Unabhängigkeit Vietnams, die katholische Kirche unternehme keinerlei politische Aktivitäten, sagte Parolin. Er würdigte im Rahmen des Treffens die „positiven Entwicklungen“ im Bereich Religionsfreiheit in Vietnam; „noch offene Fragen in den bilateralen Beziehungen“ ließen sich „mit gutem Willen und einem ehrlichen Dialog“ klären. Der vietnamesische Vize-Außenminister Nguyen Quoc Cuong erläuterte laut Vatikanerklärung die Linie Vietnams zur Religionsfreiheit. Er habe den Wunsch geäußert, der Heilige Stuhl möge zur Solidarität zwischen den Religionen und der Bevölkerung des Landes beitragen. Die bilaterale Arbeitsgruppe vereinbarte ein weiteres Treffen, ein Datum steht noch nicht fest. Auf dem Programm der vatikanischen Delegationsreise standen außerdem Gespräche mit Regierungsvertretern und Bischöfen. – Nach der kommunistischen Machtübernahme in Vietnam wurden die diplomatischen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl 1975 gekappt. Seit 1990 beraten beide Seiten über bilaterale Fragen wie etwa die Möglichkeit zu Bischofsernennungen. Ein neuerlicher Botschafteraustausch ist seit zwei Jahren wieder im Gespräch. Rv090220
Papst Benedikt XVI. entsendet einen nicht-residierenden Vatikan-Vertreter nach Vietnam. Das geht aus dem Schlusskommunique einer Verhandlungsrunde von Heiligem Stuhl und Vietnam hervor, die am 23. und 24. Juni 2010 in Rom stattfand. Es handele sich um einen ersten Schritt im Ausbau diplomatischer Beziehungen, so der Vatikan. Zwischen ihm und Vietnam gibt es seit dem Ende des Vietnamkriegs 1975 keine diplomatischen Beziehungen mehr. Die Ankündigung gilt als Indiz für Fortschritte in den seit mehreren Jahren geführten Verhandlungen über eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen sowie die Lage der Kirche in Vietnam. rv100626kipa
Über eine Normalisierung ihrer diplomatischen Beziehungen wollen der Heilige Stuhl und Vietnamweiter verhandeln. Das teilte Vatikansprecher Federico Lombardi mit. Die bilaterale Gesprächsrunde tage in Hanoi, fügte er an. Nach einigen Besuchen von Erzbischof Leopoldo Girelli, dem „nichtresidierenden päpstlichen Repräsentanten für Vietnam“, wolle man den Stand der Beziehungen erörtern, schreibt Lombardi dazu. Mit dem Ende des Vietnamkriegs 1975 hatten die kommunistischen Machthaber die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl abgebrochen. Nach langen Verhandlungen galt die Nominierung Girellis im Januar 2011 als entscheidender Schritt zu einer Aufnahme vollständiger diplomatischer Beziehungen. RV120224
  
Die diplomatischen Beziehungen zwischen Vietnam und dem Heiligen Stuhl befinden sich auf einem guten Weg. Das geht aus einer Vatikanerklärung hervor, die nach Abschluss bilateraler Gespräche in Hanoi veröffentlicht wurde. Man sei gemeinsam zur Einschätzung gelangt, dass sich das Verhältnis „positiv entwickelt“ habe. Das sei dem „gutem Willen“ und einem „konstruktiven Dialog“ beider Seiten zu verdanken, heißt es in der Vatikanerklärung. Erfreut zeigte sich der Heilige Stuhl insbesondere über die gute Zusammenarbeit mit den Behörden im Jubiläumsjahr 2010 und bei Besuchen des nicht residierenden Vatikangesandten Erzbischof Leopoldo Girelli. Der Heilige Stuhl habe allerdings auch die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass „seine Rolle und seine Mission“ in Vietnam „verstärkt“ und „ausgeweitet“ werden könnten, heißt es in der Erklärung weiter. Rv120228

Vatikan/Vietnam: Kontakte sind leichter möglich
   Der Vatikan zeigt sich nach dem jüngsten Treffen der bilateralen Arbeitsgruppe für die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Vietnam vorsichtig zufrieden. Das Land fördere eine Verbesserung der Kontakte zwischen beiden Seiten, hieß es am Donnerstag nach dem zweitägigen Treffen in Hanoi. Die Arbeitsbesuche des nicht-residierenden päpstlichen Repräsentanten mit Sitz in Singapur, Erzbischof Leopoldo Girelli, seien von Staats wegen erleichtert worden. Der Heilige Stuhl bekräftigte demnach seinen Wunsch nach vollen diplomatischen Beziehungen mit dem sozialistischen Land und einem stärkeren kirchlichen Engagement im Bildungs- und Gesundheitssystem sowie bei humanitären Projekten. Die vietnamesische Seite habe ihrerseits den Respekt vor der Glaubens- und Gewissensfreiheit der Bürger zugesagt. Ebenso wolle sie die katholische Seite dabei unterstützen, „aktiv an der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung“ des Landes teilzuhaben. Der Papst habe die jüngsten Entwicklungen im Verhältnis beider Staaten „mit Interesse“ verfolgt und die katholische Gemeinschaft Vietnams ermutigt, weiter ihren Beitrag zur Entwicklung des Landes zu leisten, heißt es in der Erklärung weiter.
    Papst Franziskus hatte im Rahmen seiner Korea-Reise den Wunsch geäußert, dass asiatische Staaten ohne Botschafteraustausch diplomatische Beziehungen zum Heiligen Stuhl knüpfen mögen. Es nannte dabei kein Land explizit. Das Treffen in Hanoi war das fünfte der beiden Delegationen der Arbeitsgruppe. Geleitet werden sie von den jeweiligen Vize-Außenministern.  Vietnam hatte 1975 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen. Seit den 90er Jahren verhandeln Delegationen ebenfalls unter Leitung der jeweiligen Vize- Außenminister ein- bis zweimal jährlich über aktuelle Kirchenfragen einschließlich der Ernennung von Bischöfen. Rv140911pr
Vietnams Regierungschef kommt zum Papst
   Papst Franziskus empfängt am kommenden Samstag, den 18. Oktober, den Regierungschef von Vietnam, Nguyên Tán Dung. Das hat der vatikanische Pressesaal an diesem Samstag bekannt gegeben. Die Begegnung zwischen dem Kirchenoberhaupt und dem Premierminister der sozialistischen Republik werde auch dazu dienen, die „bilateralen Beziehungen“ zwischen Heiligem Stuhl und Vietnam zu vertiefen, heißt es in der Mitteilung weiter. Im Raum steht die Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen. Im vergangenen September hatte – zum fünften Mal - eine beiderseitig besetzte Arbeitsgruppe in Hanoi getagt. Papst Franziskus hatte im Rahmen seiner Korea-Reise den Wunsch geäußert, dass asiatische Staaten ohne Botschafteraustausch diplomatische Beziehungen zum Heiligen Stuhl knüpfen mögen.
   Seit Januar 2011 gibt es einen nicht-residierenden päpstlichen Repräsentanten für Vietnam mit Sitz in Singapur. Diese Vorstufe der vollen diplomatischen Beziehung gilt als Erfolg des heutigen Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin, der als stellvertretender Außenminister des Heiligen Stuhles unter Papst Benedikt XVI. mit den Verhandlungen zu Vietnam betraut war. Parolin bereiste das Land mehrmals mit diesem Auftrag. Vietnam hatte 1975 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen. Seit den 90er Jahren verhandeln Delegationen ebenfalls unter Leitung der jeweiligen Vize-Außenminister ein- bis zweimal jährlich über aktuelle Kirchenfragen einschließlich der Ernennung von Bischöfen. Von den 86 Millionen Einwohnern Vietnams sind 6,3 Millionen Katholiken. Es handelt sich um eine der größten katholischen Gemeinschaften Asiens. RV141011gs

Vatikan/Vietnam: Kontakte sind leichter möglich

   Der Vatikan zeigt sich nach dem jüngsten Treffen der bilateralen Arbeitsgruppe für die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Vietnam vorsichtig zufrieden. Das Land fördere eine Verbesserung der Kontakte zwischen beiden Seiten, hieß es am Donnerstag nach dem zweitägigen Treffen in Hanoi. Die Arbeitsbesuche des nicht-residierenden päpstlichen Repräsentanten mit Sitz in Singapur, Erzbischof Leopoldo Girelli, seien von Staats wegen erleichtert worden. Der Heilige Stuhl bekräftigte demnach seinen Wunsch nach vollen diplomatischen Beziehungen mit dem sozialistischen Land und einem stärkeren kirchlichen Engagement im Bildungs- und Gesundheitssystem sowie bei humanitären Projekten. Die vietnamesische Seite habe ihrerseits den Respekt vor der Glaubens- und Gewissensfreiheit der Bürger zugesagt. Ebenso wolle sie die katholische Seite dabei unterstützen, „aktiv an der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung“ des Landes teilzuhaben. Der Papst habe die jüngsten Entwicklungen im Verhältnis beider Staaten „mit Interesse“ verfolgt und die katholische Gemeinschaft Vietnams ermutigt, weiter ihren Beitrag zur Entwicklung des Landes zu leisten, heißt es in der Erklärung weiter.
   Papst Franziskus hatte im Rahmen seiner Korea-Reise den Wunsch geäußert, dass asiatische Staaten ohne Botschafteraustausch diplomatische Beziehungen zum Heiligen Stuhl knüpfen mögen. Es nannte dabei kein Land explizit. Das Treffen in Hanoi war das fünfte der beiden Delegationen der Arbeitsgruppe. Geleitet werden sie von den jeweiligen Vize-Außenministern. Vietnam hatte 1975 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen. Seit den 90er Jahren verhandeln Delegationen ebenfalls unter Leitung der jeweiligen Vize-Außenminister ein- bis zweimal jährlich über aktuelle Kirchenfragen einschließlich der Ernennung von Bischöfen. Rv140911kna

Vietnams Regierungschef beim Papst
  Papst Franziskus hat am 18. Oktober 2014 den Regierungschef von Vietnam, Nguyên Tán Dung, empfangen . Das  Die Begegnung zwischen dem Kirchenoberhaupt und dem Premierminister der sozialistischen Republik soll auch dazu dienen, die „bilateralen Beziehungen“ zwischen Heiligem Stuhl und Vietnam zu vertiefen, heißt es in der Mitteilung weiter. Im Raum steht die Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen. Im vergangenen September hatte – zum fünften Mal - eine beiderseitig besetzte Arbeitsgruppe in Hanoi getagt. Papst Franziskus hatte im Rahmen seiner Korea-Reise den Wunsch geäußert, dass asiatische Staaten ohne Botschafteraustausch diplomatische Beziehungen zum Heiligen Stuhl knüpfen mögen.
  Seit Januar 2011 gibt es einen nicht-residierenden päpstlichen Repräsentanten für Vietnam mit Sitz in Singapur. Diese Vorstufe der vollen diplomatischen Beziehung gilt als Erfolg des heutigen Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin, der als stellvertretender Außenminister des Heiligen Stuhles unter Papst Benedikt XVI. mit den Verhandlungen zu Vietnam betraut war. Parolin bereiste das Land mehrmals mit diesem Auftrag. Vietnam hatte 1975 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen. Seit den 90er Jahren verhandeln Delegationen ebenfalls unter Leitung der jeweiligen Vize-Außenminister ein- bis zweimal jährlich über aktuelle Kirchenfragen einschließlich der Ernennung von Bischöfen. Von den 86 Millionen Einwohnern Vietnams sind 6,3 Millionen Katholiken. Es handelt sich um eine der größten katholischen Gemeinschaften Asiens. rv141011gs

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Erzdiözese Hue (Vietnam): Bau einer Wallfahrtskbasilika im Jubiläumsjahr

    Die Erzdiözese Hue hat sich für das Jubiläumsjahr ein großes Ziel gesteckt: den Wiederaufbau der nationalen Marienwallfahrtskirche auf dem bisher von der vietnamesischen Regierung beschlagnahmten und jetzt der Kirche wieder zurückgegebenen Grundstück. Im Januar 2011 ist die Basilika „Unserer Lieben Frau von La Vang“ fertiggestellt worden. Am 6. Januar 2011 endete das Jubiläumsjahr der Kirche aus Anlass des 350. Jahrestag der Gründung der kirchlichen Hierarchie im Lande. Die Wallfahrtskirche bietet Raum für 5.000 Pilger. Die hier vor dem Krieg stehende Basilika Foto oben war 1972 während der Kämpfe in Vietnam zerstört worden. Die Muttergottes ist hier im Jahre 1798 erschienen und ermutigte die Christen in der schweren Verfolgungszeit.
  „Die Planung umfasst eine Kapelle, eine große Bühne für Feierlichkeiten, ein Konferenzzentrum, ein besonderes Gebäude für die eucharistische Anbetung, ein Haus für Exerzitien und Einkehrtage, ein Ausstellungszentrum und einen Bereich, um Pilger unterzubringen. Schon bevor diese Anlage im nächsten Jahr vollendet sein wird, steht das Zentrum den Pilgern offen“, sagt der Wallfahrtsleiter Pater Jacob Le Si Hien. „Wir sind zur Zeit dabei, das Gelände zu planieren und zu reinigen und sind bereit, die Pilger aus der Umgebung schon jetzt zu empfangen, die den Jubiläumsablass gewinnen wollen.“
  Im Rahmen des zwischen der vietnamesischen Regierung und der Kirche erreichten Tauwetters haben die Behörden von dem 1975 beschlagnahmten 17 ha Grundstück jetzt 15 ha an die katholische Kirche zurückgegeben. Die restlichen 2 ha bleiben im Besitz des Staates und werden in gegenseitigem Einvernehmen von der Regierung mit Bäumen bepflanzt. Private Sponsoren bringen die Kosten von etwa 15 Millionen Euro auf. Die Regierung unterstützt das Projekt durch die Erschließung des Grundstückes. Neue Straßen zur Wallfahrtsstätte sind im Bau.
  Pater Hien berichtet auch, dass die Ortskirche für die auf dem beschlagnahmten Gebiet angesiedelten 20 Fami- lien Entschädigung zu leisten habe. Die Regierung erlaubt ihnen, Häuser auf dem konfiszierten Land zu errichten, sie dürfen Speisen und Andenken an die Pilger verkaufen und eis und Feldfrüchte anbauen. CT091227TomLomax

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Vietnam: Eindrücke von einer blühenden Kirche  Foto: Die Kirche wächst

   Gibt es in Vietnam Religionsfreiheit? Ja – „in gewissem Maße“. So formuliert das der Jesuit Klaus Väthröder, der jetzt gerade von einer Reise durch Vietnam zurückgekehrt ist. „Religionsfreiheit in dem Sinn, dass seit doch schon längerer Zeit die Kirche in ihrem pastoralen Handeln nicht eingeschränkt wird. Früher war es gang und gäbe, dass der Bischof mal unter Hausarrest gestellt wurde, oder er musste um Erlaubnis fragen, wenn er reisen wollte. Das ist jetzt nicht mehr der Fall! Man hat natürlich noch mit Einschränkungen zu kämpfen, z.B. beim Erwerb von Grundstücken, bei Baugenehmigungen, oder jetzt in einem Fall bei den Jesuiten um die Erlaubnis zu einer Priesterweihe – aber es hat sich schon sehr viel gebessert, wenn man zurückblickt auf die letzten zwanzig Jahre.“
   Er habe im Norden von Vietnam und dann auch im Süden, in Ho-Chi-Minh-Stadt, eine ausgesprochen lebendige Kirche vorgefunden, so der Leiter der Nürnberger Jesuitenmission, des deutschen Welt-Hilfswerks des Ordens.
   „Die Kirchen sind voll! Neunzig Prozent der Katholiken des Bistums Bagnin gehen jeden Sonntag in die Kirche, zehn Prozent derer, die keinen Pfarrer haben, gehen jeden Tag zum Beten in die Kirche. Man trifft sich zum gemeinsamen Beten und Singen – wirklich, es ist eine blühende Kirche!“ Wie es gelingen konnte, dass der Glaube trotz der Kriege und Regime derart in der katholischen Minderheit verwurzelt blieb, stellt allerdings auch Pater Väthröder vor ein Rätsel. „Also, ich glaube, dass auch während der kommunistischen Unterdrückung nach 1954 im Norden oder nach 1975 im Süden die Leute weiterhin sich sozusagen selbst organisiert haben, ihren Glauben weiter gelebt haben und auch ein Stück weit gegen das Regime, also gegen die kommunistische Macht – na ja, nicht aufbegehrt haben, aber das war ihr Glaube! Dazu stehen sie, und dafür leben sie.“
   Bei diesem Festhalten am Glauben kommt den Katholiken von Vietnam nach der Beobachtung des deutschen Jesuiten der „Charakter“ ihres Volkes zugute: „Was man macht, das macht man richtig“, laute die Devise der Menschen dort. „Wenn man Katholik ist, dann ist man richtig Katholik und nicht so ein Wischiwaschi-Katholik! Dann geht man jeden Sonntag in die Kirche, unterstützt die Gemeinde, nimmt am Kirchenleben teil.“
Wenn schon Katholik, dann richtig
  
Das hört sich zunächst einmal nach einer wichtigen Rolle der Laien in der vietnamesischen Kirche an. Ganz so hat das der Besucher aus Nürnberg allerdings nicht erlebt: „Die Kirche in Vietnam ist sehr klerikal, hierarchisch. Der Priester ist alles. Es gibt nicht so etwas wie Laiengremien oder Mitverantwortung. Was es gibt, ist eine rege Teilnahme auch im sozialen Bereich, oder wenn die Kirche renoviert oder neu gebaut wird, da machen viele mit, auch finanziell. Von daher ist auch der Bischof so etwas wie der Schutzpatron.“ Und der Papst, das ferne Oberhaupt in Rom, werde von Vietnams Katholiken sehr respektiert, ja geradezu verehrt. Sie sähen in ihm auch ein Gegengewicht zu ihren kommunistischen Herren.
   Verfolgung von Christen „gibt es in Vietnam überhaupt nicht“, sagt Pater Väthröder. „Der Großteil der Vietnamesen würde sich als Atheisten bezeichnen, obwohl sie auch an irgendetwas glauben. Es gibt natürlich noch eine gewisse buddhistische Tradition, die aber mit den Katholiken sehr gut auskommt. Christsein in Vietnam heißt in der Regel katholisch sein, es gibt, glaube ich, nur knapp 500.000 Protestanten – und sechs Millionen Katholiken. Das sind immerhin acht Prozent der Bevölkerung. Eine kleine, aber doch starke Gruppe, auf die man Rücksicht nimmt.“ Das Regime lege den Katholiken hier und da Steine in den Weg, das ja – aber in der Bevölkerung würden die Katholiken sehr geachtet. „Ich war bei der Einweihung einer neuen Kirche in einem Dorf mit 300 Katholiken und vielleicht 1.000 Einwohnern – da kommen dann alle zum Fest! Die sind alle eingeladen und kommen auch alle, ganz klar.“
   In westlichen Medien wird Vietnam immer wieder mal als aufstrebende Wirtschaftsmacht geschildert. Doch Väthröder hat das Entstehen einer Konsumgesellschaft nur in Ansätzen beobachten können. Vielleicht könnten sich ein paar junge Arbeiter in einer Samsung-Fabrik auch mal Fußballklamotten leisten, aber das sei schon fast alles. Von Menschenrechten oder den Rechten von Arbeitern sei öffentlich keine Rede. „Das ist immer noch ein Einparteienstaat, der den Daumen fest draufhält, auch auf Presse usw. Es gibt, wenn man mit den jungen Leuten spricht, in diesen Fabriken sehr unterschiedliche Arbeitsbedingungen. Die sagen z.B.: Samsung ist sehr interessiert an guter Presse, und darum sind die Arbeitsbedingungen dort eigentlich ganz gut. Natürlich verdienen sie nicht dieselben Gehälter wie in anderen Ländern, aber die Arbeitsbedingungen sind nicht so schlecht. Das sieht in chinesischen Fabriken ein bisschen anders aus!“
   Überrascht war der deutsche Jesuit bei seinem Vietnam-Besuch darüber, dass die Menschen dort durchaus über die Flüchtlingskrise in Europa sprechen. Und zwar, wie er berichtet, „mit einem ganz bestimmten Zungenschlag“. „Auch in den kleinen Dörfern, wo ich war, wurden wir darauf angesprochen, dass wir Deutsche waren, und Angela Merkel wurde sehr, sehr gelobt. Die haben die alle bewundert, dass wir Deutschen doch so gut sind und die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen. Das hat mich sehr gewundert und auch sehr gefreut, weil normalerweise das Bild der Deutschen im Ausland nicht immer so positiv ist.“
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Märtyrer in Korea: Wir können noch viel von den Heiligen außerhalb Europas lernen

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Foto links: Eine Statue von Adreas Kim Taegon steht in der Marienkirche in Schanghai.  Sie wurde ein bekannter Wallfahrtsort für katholische Christen aus Korea. Hier wurde der Märtyrer im Jahre 1845 zum Priester geweiht.
 Foto rechts: Pater Mateo Ricci SJ.

   Die katholische Kirche in Korea wächst Tag für Tag unermesslich. In Europa ist das kaum bekannt. Das liegt wohl an uns. Über die Geschichte der Kirche in Korea lohnt es sich, mehr zu erfahren. Der liturgische Kalender erinnert weltweit am 20. September an den Heiligen Andreas Kim Taegon und andere korenische Märtyrer. Der Heilige war der erste koreanische Priester, er war der Sohn eines Märtyrers und wurde selbst Märtyrer.
 Die Missionierung Koreas geschah ganz außerordentlich nicht durch Priester, sondern durch Laien. Vor 250 Jahren saßen dort einige koreanische Philosophen, Denker und Schriftsteller zusammen, um tiefgründige Fragen zu besprchen, über die Wahrheit und über den Sinn menschlicher Existenz. Sie studierten ein Dokument des italienischen Jesuitenpaters Mateo Ricci, der nach China ging, dort die chinesische Lebensart übernahm und viele Chinesen in Peking und darüber hinaus zum Glauben führte. Seine Schrift: “Die wahre Lehre des Herrn des Himmels” eröffnete ihnen einen Blick auf Wirklichkeit des Jesus Christus. Sie ließen sich überzeugen von der Wahrheit des katholischen Glaubens. Aber es gab in Korea keine Priester nur wenig Kontakt zur weiten katholischen Welt. Durch den chinesischen Botschafter in Korea erreichten sie den Kontakt zur katholischen Kirche in China und baten um Informationen, um mehr über die christliche Religion zu erfahren. Dieses außerordentliche Geschehen gehört zum Erbe der koreanischen Kirche.
   Im 19. Jahrhundert gingen drei abscheuliche Chirstenverfolgungen durch das Land: 1837, 1866 und 1867. Der Grund dafür: der christliche Glaube schien den Glauben und die Praxis zu untergraben, worauf die Gesellschaft aufgebaut war. Das betraf insbesondere den Ahnenkult und die weit verbreitete Philosophie des Konfuzius. Im frühen 19. Jahrhundert war der Regent Koreas noch ein Junge, für den seine Mutter die Regierungsgeschäfte übernahm. Sie erließ ein Gesetz, dass alle, die sich zu den “heidnischen Riten” der katholischen Kirche bekannten, als Verräter anzusehen seien und der Folter und dem Tod zu übergeben seien. Christen wurden als eine Sonder- gruppe gesehen, Leute, die nicht die seit Jahrhunderten geübten Traditionen annehmen konnten. Viele Christen starben als Märtyrer.  
  Inzwischen aber waren aus Paris Priester eingetroffen, die sich den wachsenden Gemeinden zur Verfügung stellten, die heilige Messe feierten und die Beichte abnahmen. Als die ersten Missionare im 1800 eintrafen, entdeckten sie die christlichen Gemeinschaften, die sich dem Glauben hingaben, Christus liebten, und sehnsüchtig auf Priester warteten, die ihnen erstmalig die Feier der heiligen Messe ermöglichten.
   Der heilige Andreas Kim Taegon stammt von einer führenden aristokratischen Familie in Korea. Sein Vater wurde Christ und wurde Märtyrer. Andreas Kim wurde im Alter von 15 Jahren getauft, und hatte den sehnlichen Wunsch, Priester zu werden. Er sah sich großen Schwierigkeiten gegenüber. Er musste eine 2.500-km-Reise auf sich nehmen, um nach Macau zu gelangen. Dort konnte er das Theologiestudium aufnehmen, um Priester zu werden. Zu gegebener Zeit wurde er in die große Schar von mehr als 8.000 koreanischen Märtyrern aufgenommen. Korea steht in der Zahl der Märtyrer an vierter Stelle in der Kirche! Die Priesterweihe erhielt er in der Marienkirche in Schanghai; danach wollte er als Priester unter seinem Volk leben. Aber 1846 – im Alter von 25 Jahren – wurde er verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Nach schwersten Misshandlungen wurde er dann schließlich hingerichtet. Als er um seinen nahen Tod wusste, schrieb er in einem Brief aus dem Gefängnis an sein Volk:  ”Meine lieben Brü-der und Schwestern, ihr sollt wissen: Unser Herr Jesus Christus, nachdem er in diese Welt herabgestiegen war, nahm unermessliche Schmerzen auf sich und gründete die heilige Kirche durch sein eigenes Leiden und mehrte es durch die Passion ihrer Gläubigen ... Auch heute wütet eine Verfolgung.
   Viele Christgläubige, darunter auch ich selbst, wurden ins Gefängnis geworfen. Wir sind hier zwanzig, und  Gott sei Dank, allen geht es gut.  Wenn einer  getötet wird,  bitte ich euch,  seine Familie nicht zu vergessen. Noch vieles hätte ich euch zu sagen, aber wie kann ich es ausdrücken mit Feder und Papier? Da wir nun dem Kampf nahe sind, bitte ich euch euren Weg im Glauben zu gehen, damit wir  – wenn ihr schließlich in den Himmel kommt – dort einander grüßen…”
   Der heilige Andreas Kim und seine Gefährten wurden 1984 von Papst Johannes Paul II. als Märtyrer heilig gesprochen. Diese Heiligsprechung nahm der Papst nicht in Rom vor, sondern in Seoul. Nun steht die Kirche in Südkorea in voller Blüte. Im Norden des Landes, unter dem kommunistischen Regime, herrscht seit Jahren Hunger, und viele Menschen starben an Entkräftung. Viele befinden sich in Konzentrationslagern. Später werden wir erfahren, wie sehr die einfachen Menschen dort leiden mussten.
   Die europäischen Christen sollten mehr von den Heiligen anderer Länder lernen. Ihre mutige Geschichte kann uns ermutigen, erheben und begeistern. JoannaBogleCT070916

              kbwn:Weltkirche

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