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Wort Gottes

Wort Gottes - Dei Verbum - über die göttliche Offenbarung 

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VERBUM DOMINI - - das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit - >>>
Verbum Domini  

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Eröffnung der XII. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode in Rom

   Der Generalrelator der Bischofssynode, Kardinal Marc Ouellet PSS sagte in der Relatio ante disceptationem, die Weltbischofssynode soll konkrete Maßnahmen gegen mangelnde Bibelkenntnisse unter Katholiken finden. Die vom Zweiten Vatikanischen Konzil angeregte Beschäftigung mit der Heiligen Schrift habe sich in der breiten Öffentlich- keit nicht durchgesetzt. In einer von Relativismus und Esoterik geprägten Gesellschaft müsse man den Begriff der Offenbarung neu klären, so der kanadische Kardinal in seinem zweistündigen Referat. Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, unterstrich in Statement den Charakter der Bibel als »Buch der Kirche«. OR081010

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Weltbischofssynode: “Bibel - das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche”

   George Pell (67), Foto links australischer Kardinal und 2008 Gastgeber des Papstes beim Weltjugendtag in Syd- ney, war einer der drei Präsidenten der Weltbischofssynode. Die beiden anderen Präsidenten des Weltbischofs- treffens waren der amerikanische Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal William Joseph Levada, Foto Mitte und Kardinal Odilo Scherer von Sao Paulo Foto rechts. Die Synode fand vom 5. bis 26. Oktober 2009 im Vatikan statt und stand unter dem Motto: „Bibel - das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche”.

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Fotos: + Bischof Wilhelm Egger, Erzbischof Laurent Monsengwo Kardinal Pasinya, Kardinal Marc Quellet

   Anstelle des plötzlich verstorbenen Bischof von Bozen-Brixen Wilhelm Egger hatte Papst Benedikt XVI. als Sondersekretär für die Weltbischofssynode den kongolesische Erzbischof Laurent Monsengwo Kardinal Pasinya berufen. Der 67-jährige Monsengwo ist Erzbischof von Kinshasa und Präsident von Pax Christi International. Er war 1970 der erste Afrikaner, der – am Biblicum in Rom - in Bibelwissenschaften promovierte. Danach lehrte er als Professer und anerkannter Alttestamentler in Zaire und Kinshasa. Die Universität Löwen ehrte ihn 1993 mit dem Ehrendoktortitel. In den 60-er Jahren war er ein halbes Jahr in Graz zu einem Studienaufenthalt. Der Erzbischof spricht neben seiner Muttersprache Französisch, Englisch, Italienisch, Holländisch, Griechisch, Latein und auch Deutsch”. Der Papst ernannte den Erzbischschof von Quebéc  Kardinal Marc Quellet zum Generalrealtor der Welt- bischofssynode. rv080823gsKiZLinz  

Ernennungen für Weltbischofssynode

   Unter den 32 vom Papst ernannten Mitgliedern der Weltbischofssynode befand sich als einziger aus dem deutschsprachigen Raum der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner. Die beiden Mitglieder, die nicht aus den Rängen der Kardinäle und Bischöfe stammen, sind der Generalobere des Jesuitenordens, Pater Adolfo Nicolas, und der Präsident von Comunione e Liberazione, Julian Carron. Vielfältiger war das Bild bei den quantitativ größeren Gruppen, deren Mitglieder vom Generalsekretär der Bischofssynode ernannt wurden, nämlich die Experten einer- seits und die Hörer und Hörerinnen andererseits. Von den 41 Experten waren rund ein Viertel Laien, darunter aus Deutschland der in Wuppertal lehrende Bibelfachmann Thomas Söding und der Generalsekretär der Katholischen Bibelföderation, Alexander Schweitzer, sowie aus Österreich der Exeget Michael Waldstein (Gaming). Sechs der zehn Laien in der Gruppe der Experten waren Frauen, darunter die US-amerikanische Dogmatikerin Sara Butler, die auch der Internationalen Theologischen Kommission angehört. Von den 37 „Hörern und Hörerinnen” waren mehr als die Hälfte Frauen, darunter die in Dresden lehrende Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz, die Vorsitzende der Internationalen Union der Generaloberinnen, Schwester Louise Madore, sowie die neue Präsi- dentin der Fokolarbewegung Maria Voce. Außerdem waren unter den Hörern der Bibelsynode: Nikolaus Lobkowicz, emeritierter Rektor der Katholischen Universität Eichstätt.
   Die Weltbischofssynode wurde am 5. Oktober 2009 mit einem Papstgottesdienst in Sankt Paul vor den Mauern eröffnet. Bei der Versammlung im Vatikan sprachen rund 250 Bischöfe und Fachleute über “Das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche”. Das Treffen endete am 26. Oktober mit einer gemeinsamen Eucharistiefeier unter Leitung des Papstes im Petersdom. rv080906gs

Im Zeichen des interreligiösen Dialogs

   Die Bischofssynode stand ganz im Zeichen des ökumenischen und interreligiösen Dialogs. Bei einer Presse- konferenz im Vatikan stellte der Generalsekretär der Synode, Erzbischof Nikola Eterovic, die Schwerpunkte der Versammlung vor: „Mit den jüdischen Mitbrüdern teilen wir den Respekt vor der Heiligen Schrift. Unsere Wurzeln befinden sich schließlich im Judentum. Die Taufe und die Bibel hingegen verbinden uns Christen untereinander. Deshalb war auch der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. dabei sein. Da wir das Paulusjahr ökumenisch feiern, sprach der Patriarch zu diesem Thema.” Neben theologischen Themen wurden auch pastorale Probleme besprochen, fügte der Generalsekretär der Bischofssynode hinzu.
   „So ist zu bedenken, dass beispielsweise der afrikanische Kontinent neuen Schwung in das Leben der katho- lischen Kirche bringt. Dennoch gibt es in Afrika Probleme, die wir nun vertiefend behandeln müssen. Man kann aber ohne weiteres sagen, dass die Universalkirche aus Afrika sehr viel zurückbekommt, und umgekehrt bestärkt die Universalkirche die katholischen Gemeinschaften in Afrika.” rv080927mg

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Weltbischofs-Synode: Papst zum Auftakt - Nur „Wort Gottes” ist ewig

  „Ein Realist ist, wer im Wort Gottes das Fundament allen Seins erkennt.” Das sagte Papst Benedikt XVI. zum Auftakt der Weltbischofssynode im Vatikan. Die 253 Synodenväter aus 113 Bischofskonferenzen, 13 Ostkirchen und der römischen Kurie haben mit dem gemeinsamen Stundengebet am Morgen die Arbeiten zum Thema „Das Wort Gottes in Sendung und Mission der Kirche” aufgenommen.
   In einer freien Rede wandte der Papst sich an die in der Vatikanischen Synodenaula versammelten Männer und Frauen; neben Bischöfen und Kardinälen gehören 41 berufene Experten sowie 37 Hörer und Hörerinnen zum Pub- likum. Benedikt XVI. betonte zum Auftakt die bleibende und ewige Bedeutung des Wortes Gottes. Nur das Wort Gottes sei Realität, alle Elemente des alltäglichen Lebens, alle scheinbar zentralen Punkte in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft seien lediglich „Realitäten zweiter Ordnung”. Die aktuelle Weltmarktkrise sei eine Mahnung, sich nicht auf falsche Werte zu verlassen. Der Zusammenbruch der großen Banken zeige, dass Geld einfach verschwinden könne und letztlich nichts sei.
   Ein Realist ist nach Worten des Papstes also, „wer sein Leben auf dem Fundament baut, das ewig bleibt.” Das Wort Gottes sei zeitlos gültig. Der Bund Gottes mit den Menschen gehe daher schon der Schöpfung voraus, sei vielmehr Bedingung und wahre Ursache. Das Ziel der Schöpfung sei Christus und sein Wort, so der Papst. Bibel- studium sei daher immer mehr als die Beschäftigung mit einem literarischen Text, vielmehr sei es grundlegender Bestandteil unserer Existenz.
   Kontakt mit dem Wort Gottes führe aus unserer menschlichen Begrenztheit hinaus, so Benedikt XVI. Auch der Kontakt mit der Kirche, die das Wort Gottes verkündet, ist laut den Worten des Papstes weitaus mehr als der „Kontakt mit einer kleinen Gruppe”, sondern führe zur „Gemeinschaft mit der ganzen Menschheit”. In diesem Sinn sei Verkündigung nie „kirchlicher Kolonialismus”. Die Kirche eröffne so vielmehr den „universalen Horizont der ganzen Menschheit” und verbinde über alle kulturellen Unterschiede hinweg. - Außerdem sprachen zur Eröffnung der Generalsekretär der Synode, Erzbischof Nikola Eterovic, einer der Präsidenten, der Präfekt der Glaubens- kongregation Kardinal William Levada sowie der Generalrelator Kardinal Marc Ouellet. Fotos weiter oben. rv081006bp

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Bartholomaios I. predigt auf Synode im Vatikan – „Wie könnten wir nicht Brüder sein?”

   Premiere im Vatikan: Zum ersten Mal hat ein nicht-katholischer Kirchenführer auf einer Weltbischofssynode im Vatikan gepredigt. In der Sixtinischen Kapelle wandte sich der orthodoxe Patriarch Bartholomaios I. von Konstanti- nopel an die Bischöfe, die an der Synode teilnehmen. Im Beisein des Papstes, der ihn eingeladen hatte, betonte das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christen in aller Welt die fundamentale Bedeutung der Heiligen Schrift für die Christen und ihre Einheit. Unter den Fresken des Michelangelo nahmen Papst und Patriarch auf gleicher Augen- höhe Platz.
   „Natürlich wäre die Evangelisierung sehr viel stärker und wirksamer, wenn alle Christen mit einer Stimme in einer vereinten Kirche sprechen würden... Deshalb ist es angemessen, dass diese Synode ihre Türen für die ökume- nischen Bruderdelegierten geöffnet hat, damit wir alle uns unserer gemeinsamen Pflichten in der Evangelisierung und auch der Probleme bei ihrer Umsetzung in der heutigen Welt bewusst werden.” Ausführlich legte Bartholo- maios die Lehre der Kirchenväter zur Heiligen Schrift dar. Der heilige Johannes Chrysostomus erinnere daran, dass vom „Sakrament des Altars” das „Sakrament unseres Nächsten” nicht getrennt werden könne.
   „Traurigerweise haben wir die Berufung und die Verpflichtung zu teilen nicht beachtet. Soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit, weltweite Armut und Krieg, Umweltverschmutzung und –zerstörung sind Folgen unserer Un- fähigkeit oder Widerwillens zu teilen. Wenn wir am Sakrament des Altars festhalten wollen, können wir nicht auf das Sakrament des Nächsten verzichten oder es vergessen – es ist eine grundlegende Bedingung dafür, das Wort Gottes in der Welt, im Leben und in der Sendung der Kirche zu verwirklichen.“
  Die theologische Ansprache des Ökumenischen Patriarchen war ein Höhepunkt der Bischofssynode. Sie fiand vom 5. bis 26. Oktober im Vatikan statt und befasste sich mit dem Wort Gottes – von der Bibel bis zur Predigt. Benedikt XVI. bedankte sich zum Abschluss für die Rede des Patriarchen, die eine Erfahrung echter Gemeinschaft gezeigt habe. Die Christen in Ost und West hätten gemeinsame Kirchenväter, betonte er unter Hinweis auf die vielen Zitate des Patriarchen aus dem religiösen Erbe des Orients. „Wenn wir gemeinsame Kirchenväter haben, wie können wir dann nicht Brüder sein?”, so der Papst. In der traditionellen Kapelle der Papstwahl nahmen die 253 Bischöfe des Kirchentreffens, darunter rund 40 Kardinäle, sowie die Beobachter, Delegierten und Experten an dem Gottesdienst mit Bartholomaios I. teil. Zum Abschluss erteilten Papst und Patriarch nacheinander den Segen.
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Synode: „Die Kirchengeschichte wäre anders verlaufen”
Foto: Rt. Rev. Nicholas Thomas Wright, anglikanischer Bischof von Durham

   Große Hoffnung für die Ökumene schöpft der Vertreter der Anglikaner bei der Weltbischofssynode aus den aktu- ellen Beratungen im Vatikan. Er ist einer der so genannten „Brüderlichen Delegierten” bei der Vollversammlung, die im Oktober Aufgaben für die Kirche von heute zum Thema „Wort Gottes” behandelte. „Ich habe mehrmals in den vergangenen Wochen gedacht, wenn das die Menschen vor 400 Jahren gehört hätten, wäre die Kirchen- geschichte anders verlaufen”, sagt Nicholas Thomas Wright, Bischof von Durham und einer der führenden Bibel- wissenschaftler im englischen Sprachraum. Der Wunsch der katholischen Bischöfe, die Bibel mit Blick auf die moder- ne Gesellschaft neu zu lesen, begeistert den Anglikaner.
   „Zu hören, dass Taufe und Bibel die Basis der Einheit sind, war einer der wichtigsten Punkte der Synode. Das heißt, wir taufen nicht neu, wenn jemand zu uns kommt. Wir hatten Schwierigkeiten mit der Übersetzung des Alten Testaments oder mit der Auswahl der Bücher, doch das sind in gewisser Weise Randprobleme. Wirklich wichtig scheint mir die Anstrengung, Menschen jeden Alters und aus allen Kulturen mit der Bibel vertraut zu machen.”
  Die Betonung der Predigt seitens der katholischen Synodenväter erregt die besondere Aufmerksamkeit des Angli- kaners. Dass jede Eucharistiefeier eine Predigt braucht, „das ist eines der Anliegen der Reformatoren im 16. Jahrhundert gewsen, weil sie das in der katholischen Kirche vermissten.” Der erfahrende Exeget und Kirchenmann ist mehr als very amused über seine Anwesenheit im Zentrum der katholischen Kirche. „Das ist sehr aufregend und ein echtes Privileg. Ich kneife mich jede morgen und erinnere mich daran, dass ich in den Vatikan gehe und mit diesen Menschen rede und arbeite, von denen ich bislang nur gelesen habe. Es ist wirklich etwas Besonderes, Teil einer Konferenz zu sein, die – so denke ich – große Auswirkungen in der Welt haben wird. Das ist sehr, sehr auf- regend.”
   Wrigth zieht Vergleiche mit der Weltkonferenz der Anglikaner siehe dazu: Anglikaner II und meint, dass die Syn- ode mit ihrer Arbeitsweise und der klaren Struktur der Diskussionen gewinnt. „Es ist sehr fruchtbar, dass die Synode sich auf ein bestimmtes Thema konzentriert. Interessant ist es auch, die verschiedenen Berichte der Sprachgruppen zu hören. Ich denke, dass hier mehr verschiedene Kulturkreise der Welt versammelt sind, als bei unserer Lambeth-Konferenz.”
   Die Herausforderungen von Säkularismus, Relativismus und Postmoderne sind für alle Kirchen dieselben. Das hatte Wright auch in seiner Wortmeldung in der Synodenaula betont. Redebeiträge und Pausengespräche spiegelten diese Erfahrung wider - in den Bildern aus verschiedenen Kontinenten und Kulturkreisen. Wright: „Auch wenn wir noch ein gutes Stück Weg zurücklegen müssen, müssen wir protestantischen und anglikanischen Kreise erkennen, dass auch wir herausgefordert sind. Es ist nicht so, dass nur wir die Bibel verstanden haben und die Katholiken nicht. Wir sind zusammen dazu aufgerufen, die Bibel neu zu lesen. Diesen Weg können wir nur gemein- sam gehen. rv081023bp

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Papst gegen einseitige Bibelauslegung

   Benedikt XVI. bittet katholische Exegeten, nicht starr auf den biblischen Text zu blicken, sondern auch die Tradition und den lebendigen Zusammenhang der Kirche zu berücksichtigen. Im Vatikan empfing er die Päpstliche Bibelkommission, die an der Glaubenskongregation angesiedelt ist. In seiner Ansprache bezog der Papst sich u.a. auf die Enzyklika „Divino afflante Spiritu“ von Papst Pius XII.; diese dränge katholische Exegeten, „der positiven Beiträge aus der Wissenschaft Rechnung zu tragen“, aber dabei doch „zu Lösungen zu kommen, die in voller Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche stehen“.
   „Das wissenschaftliche Studium der Heiligen Schriften an sich ist nicht ausreichend. Um die Kohärenz des kirchlichen Glaubens zu berücksichtigen, muss der katholische Exeget darauf achten, in diesen Texten das Wort Gottes wahrzunehmen – im Innern des kirchlichen Glaubens. Fehlt dieser entschei- dende Bezugspunkt, bleibt exegetische Forschung unvollständig, weil sie ihren Endzweck aus den Augen verliert und sogar Gefahr läuft, bloß eine Art intellektueller Gedankenspielerei zu werden. Interpretation der Heiligen Schrift darf nicht nur eine intellektuelle Anstrengung sein, sondern muss sich ständig konfrontieren mit, einschreiben in und beglaubigen durch die lebende Tradition der Kirche.“
   Es stimme keinesfalls, dass sich die biblischen Texte außerhalb der „Gemeinschaft der Glaubenden“ am besten verstehen ließen, so der Papst mit Nachdruck. Vielmehr sei das Gegenteil wahr: Diese Texte seien nicht den Forschern anvertraut, „um ihre Neugier zu befriedigen“, sondern seien in der Obhut der Kirche, „um den Glauben zu nähren“. Der Kirche treu sein, heißt, sich in die Strömung der großen Tradition der Kirche zu stellen, die unter Leitung des Lehramts die kanonischen Schriften als Wort erkannt hat, das Gott an sein Volk richtet,  und die nie aufgehört hat, darüber nachzudenken und seinen unerschöpflichen Reichtum zu ent- decken.“
   Tradition und Bibel seien „eng miteinander verbunden und kommunizieren miteinander“ – so zitierte der Papst die Konstitution Dei Verbum des Zweiten Vatikanischen Konzils. „Beide haben denselben göttlichen Ursprung, und beide sind gewissermaßen eine Einheit und haben das gleiche Ziel.“ Benedikt wörtlich: „Nur der kirchliche Kontext erlaubt es, die Heilige Schrift als authentisches Wort Gottes zu verstehen, das das Leben der Kirche und das geistliche Wachstum der Gläubigen leitet und bestimmt.“

Als nachsynodales Apostolisches Schreiben VERBUM DOMINI  [Wort des Herrn]
hat Papst Benedikt XVI. das Ergebnis der Arbeit von 250 Bischöfen auf der Weltbischofs-Synode im Vatikan
“über das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche” veröffentlicht.
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VAT-CC-II-      2. Vatikanisches Konzil

Die Dogmatische Konstitution über die GÖTTLICHE OFFENBARUNG
“Dei Verbum”
wurde auf dem II. Vatikanischen Konzil am 18. November 1965 feierlich verkündet.
Eine dogmatische Konstitution stellt eine Aussage des höchsten Lehramtes der katholischen Kirche dar,
die das Gewissen des katholischen Christen, auch der lehrenden, binden
und nicht als pastorale Erbaulichkeiten abgetan werden dürfen.

VORWORT
   1. Gottes Wort voll Ehrfurcht hörend und voll Zuversicht verkündigend, folgt die Heilige Synode den Worten des heiligen Johannes: “Wir künden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschien. Was wir gesehen und gehört haben, künden wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft habt mit uns und unsere Gemeinschaft Gemeinschaft sei mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus” 1 Jo1,2-3.
   Darum will die Synode in Nachfolge des Trienter und des Ersten Vatikanischen Konzils die echte Lehre über die göttliche Offenbarung und deren Weitergabe vorlegen, damit die ganze Welt im Hören auf die Botschaft des Heiles glaubt, im Glauben hofft und in der Hoffnung liebt. vgl. Augustinus, Büchlein vom ersten katechetischen Unter- richt 4: PL40, 316.

ERSTES KAPITEL: DIE OFFENBARUNG
   2. Gott hat in seiner Güte und Weisheit beschlossen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens kundzutun vgl. Eph 1,9: dass die Menschen durch Christus, das fleischgewordene Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und teilhaftig werden der göttlichen Natur vgl.Eph 2,18;2 Petr1,4. In dieser Offenbarung redet der unsichtbare Gott vgl. Kol 1,15;  1 Tim 1,17 aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde vgl.Ex 33, 11; Jo 15,14-15 und  verkehrt mit ihnen vgl. Bar 3,38, um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen. Das Offenbarungsgeschehen ereignet sich in Tat und Wort, die innerlich miteinander verknüpft sind: die Werke nämlich,die Gott im Verlauf der Heilsgeschichte wirkt, offenbaren und bekräftigen die Lehre und die durch die Worte bezeichneten Wirklichkeiten; die Worte verkündigen die Werke und lassen das Geheimnis, das sie ent- halten, ans Licht treten. Die Tiefe der durch diese Offenbarung über Gott und über das Heil des Menschen er- schlossenen Wahrheit leuchtet uns auf in Christus, der zugleich der Mittler und die Fülle der ganzen Offenbarung ist. Vgl. Mt 11,27;Jo 1, 14 und 17; 14,6; 17,1-3; 2 Kor 3, 16;4 6; Eph 1,3-14.
  3. Gott, der durch das Wort alles erschafft vgl. Jo 1,3 und erhält, gibt den Menschen jederzeit in den geschaffe- nen Dingen Zeugnis von sich vgl. Röm 1,19-20. Da er aber den Weg übernatürlichen Heiles eröffnen wollte, hat er darüber hinaus sich selbst schon am Anfang den Stammeltern kundgetan. Nach ihrem Fall hat er sie wieder- aufgerichtet in Hoffnung auf das Heil, indem er die Erlösung versprach vgl. Gn 3,15. Ohne Unterlass hat er für das Menschengeschlecht gesorgt, um allen das ewige Leben zu geben, die das Heil suchen durch Ausdauer im guten Handeln vgl. Röm 2,6-7. Später berief er Abraham, um ihn zu einem großen Volk zu machen vgl. Gn 12,2, das er dann nach den Patriarchen durch Moses und die Propheten erzog, ihn allein als lebendigen und wahren Gott, als fürsorgenden Vater und gerechten Richter anzuerkennen und auf den versprochenen Erlöser zu harren. So hat er dem Evangelium den Weg durch die Zeiten bereitet.
  4. Nachdem Gott viele Male und auf viele Weisen durch die Propheten gesprochen hatte, „hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns gesprochen im Sohn” Hebr 1,1-2. Er hat seinen Sohn, das ewige Wort, das Licht aller Menschen, gesandt, damit er unter den Menschen wohne und ihnen vom Innern Gottes Kunde bringe vgl. Jo 1,1-18. Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, als „Mensch zu den Menschen” gesandt, Brief an Diognet VII, 4: F. X. Funk, Patres Apostolici I Tübingen 1901 „redet die Worte Gottes” Jo 3,34 und vollendet das Heilswerk, dessen Durch- führung der Vater ihm aufgetragen hat vgl. Jo 5,36; 17,4.
   Wer ihn sieht, sieht auch den Vater vgl. Jo 14,9. Er ist es, der durch sein ganzes Dasein und seine ganze Er- scheinung, durch Worte und Werke, durch Zeichen und Wunder, vor allem aber durch seinen Tod und seine herrliche Auferstehung von den Toten, schließlich durch die Sendung des Geistes der Wahrheit die Offenbarung erfüllt und abschließt und durch göttliches Zeugnis bekräftigt, dass Gott mit uns ist, um uns aus der Finsternis von Sünde und Tod zu befreien und zu ewigem Leben zu erwecken.
   Daher ist die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und endgültige Bund, unüberholbar, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit vgl. 1 Tim 6,14 und Tit 2,13.
  5. Dem offenbarenden Gott ist der „Gehorsam des Glaubens” Röm 16,26; vgl. Röm 1,5; 2 Kor 10,5-6 zu leisten. Darin überantwortet sich der Mensch Gott als ganzer in Freiheit, indem er sich „dem offenbarenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwirft”. I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 3: Denz. 1789 (3008) und seiner Offenbarung willig zustimmt. Dieser Glaube kann nicht vollzogen werden ohne die zuvorkommende und helfende Gnade Gottes und ohne den inneren Beistand des Heiligen Geistes, der das Herz bewegen und Gott zuwenden, die Augen des Verstandes öffnen und „es jedem leicht machen muss, der Wahrheit zuzustimmen und zu glauben“ II. Konzil von Orange, can. 7: Denz. 180 (377); I. Vat. Konzil, a. a. O.: Denz. 1791 (3010).
   Dieser Geist vervollkommnet den Glauben ständig durch seine Gaben, um das Verständnis der Offenbarung mehr und mehr zu vertiefen. I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 2: Denz. 1786 (3005).
   Durch seine Offenbarung wollte Gott sich selbst und die ewigen Entscheidungen seines Willens über das Heil der Menschen kundtun und mitteilen, „um Anteil zu geben am göttlichen Reichtum, der die Fassungskraft des mensch- lichen Geistes schlechthin übersteigt”.
  6. Die Heilige Synode bekennt, „dass Gott, aller Dinge Ursprung und Ziel, mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen sicher erkannt werden kann” vgl. Röm 1,20; doch lehrt sie, seiner Offenbarung sei es zuzuschreiben, „dass, was im Bereich des Göttlichen der menschlichen Vernunft an sich nicht unzugänglich ist, auch in der gegenwärtigen Lage des Menschengeschlechtes von allen leicht, mit sicherer Gewissheit und ohne Beimischung von Irrtum erkannt werden kann”. Ebd.: Denz.1785 und 1786 (3004 und 3005).

ZWEITES KAPITEL:  DIE WEITERGABE DER GÖTTLICHEN OFFENBARUNG
  7. Was Gott zum Heil aller Völker geoffenbart hatte, das sollte - so hat er in Güte verfügt - für alle Zeiten unver- sehrt erhalten bleiben und allen Geschlechtern weitergegeben werden. Darum hat Christus der Herr, in dem die ganze Offenbarung des höchsten Gottes sich vollendet vgl. 2 Kor 1,20; 3,16-4,6, den Aposteln geboten, das Evangelium, das er als die Erfüllung der früher ergangenen prophetischen Verheißung selbst gebracht und per- sönlich öffentlich verkündet hat, allen zu predigen als die Quelle jeglicher Heilswahrheit und Sittenlehre Vgl.Mt 28, 19-20 und Mk 16,15. Konzil von Trient, Dekret über die kanonischen Schriften: Denz. 783 (1501) und ihnen so göttliche Gaben mitzuteilen. Das ist treu ausgeführt worden, und zwar sowohl durch die Apostel, die durch münd- liche Predigt, durch Beispiel und Einrichtungen weitergaben,  was sie aus Christi Mund, im Umgang mit ihm und durch seine Werke empfangen oder was sie unter der Eingebung des Heiligen Geistes gelernt hatten, als auch durch jene Apostel und apostolischen Männer, die unter der Inspiration des gleichen Heiligen Geistes die Botschaft vom Heil niederschrieben Vgl. Konzil von Trient, a. a. O.; I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glau- ben Dei Filius, Kap. 2: Denz. 1787 (3006).
   Damit das Evangelium in der Kirche für immer unversehrt und lebendig bewahrt werde, haben die Apostel Bischöfe als ihre Nachfolger zurückgelassen und ihnen „ihr eigenes Lehramt überliefert” Irenäus, Adv.Haer. III, 3,1: PG 7, 848; Harvey 2,9. Diese Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift beider Testamente sind gleichsam ein Spiegel, in dem die Kirche Gott, von dem sie alles empfängt, auf ihrer irdischen Pilgerschaft anschaut, bis sie hingeführt wird,  ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen, so wie er ist vgl. 1 Jo 3,2.
  8. Daher musste die apostolische Predigt, die in den inspirierten Büchern besonders deutlichen Ausdruck gefun- den hat, in ununterbrochener Folge bis zur Vollendung der Zeiten bewahrt werden. Wenn die Apostel das, was auch sie empfangen haben, überliefern, mahnen sie die Gläubigen, die Überlieferungen, die sie in mündlicher Rede oder durch einen Brief gelernt haben vgl. 2 Thess 2,15, festzuhalten und für den Glauben zu kämpfen, der ihnen ein für allemal überliefert wurde vgl. Jud 3 Vgl.II. Konzil von Nicaea: Denz. 303 (602). IV. Konzil von Konstantinopel, Sess. X, an. 1: Denz. 336 (650- 652).
   Was von den Aposteln überliefert wurde, umfasst alles, was dem Volk Gottes hilft, ein heiliges Leben zu führen und den Glauben zu mehren. So führt die Kirche in Lehre, Leben und Kult durch die Zeiten weiter und übermittelt allen Geschlechtern alles, was sie selber ist, alles,was sie glaubt.
   Diese apostolische Überlieferung kennt in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes einen Fortschritt Vgl. 1. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 4: Denz. 1800 (3020): es wächst das Verständnis der überlieferten Dinge und Worte durch das Nachsinnen und Studium der Gläubigen, die sie in ihrem Herzen erwägen vgl. Lk 2,19.51, durch innere Einsicht, die aus geistlicher Erfahrung stammt, durch die Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen haben; denn die Kirche strebt im Gang der Jahrhunderte ständig der Fülle der göttlichen Wahrheit entgegen, bis an ihr sich Gottes Worte erfüllen.
  Die Aussagen der heiligen Väter bezeugen die lebenspendende Gegenwart dieser Überlieferung, deren Reich- tümer sich in Tun und Leben der glaubenden und betenden Kirche ergießen. Durch dieselbe Überlieferung wird der Kirche der vollständige Kanon der Heiligen Bücher bekannt, in ihr werden die Heiligen Schriften selbst tiefer ver- standen und unaufhörlich wirksam gemacht. So ist Gott, der einst gesprochen hat, ohne Unterlass im Gespräch mit der Braut seines geliebten Sohnes, und der Heilige Geist, durch den die lebendige Stimme des Evangeliums in der Kirche und durch sie in der Welt widerhallt, führt die Gläubigen in alle Wahrheit ein und lässt das Wort Christi in Überfülle unter ihnen wohnen vgl. Kol 3,16.
  9. Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift sind eng miteinander verbunden und haben aneinander Anteil. Demselben göttlichen Quell entspringend, fließen beide gewissermaßen in eins zusammen und streben demselben Ziel zu. Denn die Heilige Schrift ist Gottes Rede, insofern sie unter dem Anhauch des Heiligen Geistes schriftlich aufgezeichnet wurde. Die Heilige Überlieferung aber gibt das Wort Gottes, das von Christus dem Herrn und vom Heiligen Geist den Aposteln anvertraut wurde, unversehrt an deren Nachfolger weiter, damit sie es unter der erleuchtenden Führung des Geistes der Wahrheit in ihrer Verkündigung treu bewahren, erklären und ausbreiten. So ergibt sich, dass die Kirche ihre Gewissheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein schöpft. Daher sollen beide mit gleicher Liebe und Achtung angenommen und verehrt werden. Vgl. Konzil von Trient, Dekret über die kanonischen Schriften. Denz. 783 (1501).
   10. Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes. Voller Anhänglichkeit an ihn verharrt das ganze heilige Volk, mit seinen Hirten vereint, ständig in der Lehre und Gemeinschaft der Apostel, bei Brotbrechen und Gebet vgl. Apg 8,42 griech., so dass im Festhalten am überlieferten Glauben, in seiner Verwirklichung und seinem Bekenntnis ein einzigartiger Einklang herrscht zwischen Vorstehern und Gläubigen. Vgl. Pius XII.,  Apost. Konst. Munificentissimus Deus, 1. Nov. 1950: AAS 42 (1950) 756. Vgl. die Worte Cyprians: "die Kirche, das mit dem Priester vereinte Volk und die ihrem Hirten anhängende Herde", Ep. 66, 8: CSEL 3, 2, 733. Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte Vgl. I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 3: Denz. 1792 (3011). Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut Vgl. Pius XII., Enz. Humani generis, 12. Aug. 1950 AAS 42 (1950) 568-569; Denz. 2314 (3886), dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird.
  Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist, weil es das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft.
   Es zeigt sich also, dass die Heilige Überlieferung, die Heilige Schrift und das Lehramt der Kirche gemäß dem weisen Ratschluss Gottes so miteinander verknüpft und einander zugesellt sind,  dass keines ohne die anderen besteht und dass alle zusammen, jedes auf seine Art, durch das Tun des einen Heiligen Geistes wirksam dem Heil der Seelen dienen.

DRITTES KAPITEL: DIE GÖTTLICHE INSPIRATION UND DIE AUSLEGUNG DER HEILIGEN SCHRIFT
   11. Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden; denn aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben vgl. Jo 20,31; 2 Tim 3, 16; 2 Petr 1,19- 21; 3,15-16, Gott zum Urheber haben und als solche der Kirche übergeben sind. Vgl. I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 2: Denz.1787 (3006); Bibelkommission, Dekret, 18. Juni 1915: Denz.2180 (3629) und Ench. Bibl. 420; Hl. Officium, Brief, 22. Dez. 1923: Ench. Bibl. 499. Zur Abfassung der Heiligen Bücher hat Gott Menschen erwählt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu dienen sollten Vgl. Pius XII., Enz. Divino afflante, 30. Sept. 1943: AAS 35 (1943) 314; Ench. Bibl.556, all das und nur das, was er - in ihnen und durch sie wirksam in und durch den Menschen: vgl. Hebr 1, 1; 4, 7 (in); 2 Sam 23, 2; Mt 1, 22 und passim (durch); I. Vat. Konzil, Schema über die katholische Lehre, Note 9: Coll. Lac. VII, 522 - geschrieben haben wollte, als echte Verfasser schriftlich zu überliefern Leo XIII., Enz. Providentissimus Deus, 18. Nov. 1893: Denz. 1952 (3293); Ench. Bibl.125..
   Da also alles, was die inspirierten Verfasser oder Hagiographen aussagen, als vom Heiligen Geist ausgesagt zu gelten hat, ist von den Büchern der Schrift zu bekennen, dass sie sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte. Vgl. Augustinus, De Gen. ad litt. 2, 9, 20: PL 34, 270-271; CSEL 28, 1, 46-47 und Brief82, 3: PL 33, 277; CSEL 34, 2, 354; Thomas v. Aquin, De ver. q. 12, a. 2, C; Konzil von Trient, Dekret über die kanonischen Schriften: Denz. 783 (1501); Leo XIII., Enz. Providentissimus Deus: Ench. Bibl. 121 124 126-127; Pius XII., Enz. Divino afflante: Ench. Bibl. 539. Daher „ist jede Schrift, von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Beweisführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Gott gehörige Mensch bereit sei, wohlgerüstet zu jedem guten Werk” 2 Tim 3,16-17 griech..
   12. Da Gott in der Heiligen Schrift durch Menschen nach Menschenart gesprochen hat Augustinus, De Civ. Dei XVII, 6, 2: PL 41, 537; CSEL 40 2, 228, muss der Schrifterklärer, um zu erfassen, was Gott uns mitteilen wollte, sorgfältig erforschen, was die heiligen Schriftsteller wirklich zu sagen beabsichtigten und was Gott mit ihren Wor- ten kundtun wollte. Um die Aussageabsicht der Hagiographen zu ermitteln, ist neben anderem auf die literarischen Gattungen zu achten. Denn die Wahrheit wird je anders dargelegt und ausgedrückt in Texten von in verschie- denem Sinn geschichtlicher, prophetischer oder dichterischer Art, oder in anderen Redegattungen.
   Weiterhin hat der Erklärer nach dem Sinn zu forschen, wie ihn aus einer gegebenen Situation heraus der Hagio- graph den Bedingungen seiner Zeit und Kultur entsprechend - mit Hilfe der damals üblichen literarischen Gattun- gen - hat ausdrücken wollen und wirklich zum Ausdruck gebracht hat  Augustinus, De Doctr. Christ. III, 18, 26: PL 34, 75-76; CSEL 80, 95..
  Will man richtig verstehen, was der heilige Verfasser in seiner Schrift aussagen wollte, so muss man schließlich genau auf die vorgegebenen umweltbedingten Denk-, Sprach- und Erzählformen achten, die zur Zeit des Verfas- sers herrschten, wie auf die Formen, die damals im menschlichen Alltagsverkehr üblich waren Pius XII., a.a O.: Denz. 2294 (3829- 3830); Ench. Bibl. 557-562.
   Da die Heilige Schrift in dem Geist gelesen und ausgelegt werden muss, in dem sie geschrieben wurde Vgl. Benedikt XV., Enz. Spiritus Paraclitus, 15. Sept. 1920: Ench. Bibl. 469; Hieronymus, In Gal. 19-21: PL 26, 417 A, erfordert die rechte Ermittlung des Sinnes der heiligen Texte, dass man mit nicht geringerer Sorgfalt auf den Inhalt und die Einheit der ganzen Schrift achtet, unter Berücksichtigung der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche und der Analogie des Glaubens. Aufgabe der Exegeten ist es, nach diesen Regeln auf eine tiefere Erfassung und Auslegung des Sinnes der Heiligen Schrift hinzuarbeiten, damit so gleichsam auf Grund wissenschaftlicher Vorar- beit das Urteil der Kirche reift. Alles, was die Art der Schrifterklärung betrifft, untersteht letztlich dem Urteil der Kirche, deren gottgegebener Auftrag und Dienst es ist, das Wort Gottes zu bewahren und auszulegen.
   13. In der Heiligen Schrift also offenbart sich, unbeschadet der Wahrheit und Heiligkeit Gottes, eine wunderbare Herablassung der ewigen Weisheit, "damit wir die unsagbare Menschenfreundlichkeit Gottes kennenlernen und erfahren, wie sehr er sich aus Sorge für unser Geschlecht in seinem Wort herabgelassen hat”  Denn Gottes Worte, durch Menschenzunge formuliert, sind menschlicher Rede ähnlich geworden, wie einst des ewigen Vaters Wort durch die Annahme menschlich-schwachen Fleisches den Menschen ähnlich geworden ist.

VIERTES KAPITEL: DAS ALTE TESTAMENT
  14. Der liebende Gott, der um das Heil des ganzen Menschengeschlechtes besorgt war, bereitete es vor, indem er sich nach seinem besonderen Plan ein Volk erwählte, um ihm Verheißungen anzuvertrauen. Er schloss mit Abraham vgl. Gn 15,8 und durch Moses mit dem Volke Israel vgl. Ex 24,8 einen Bund. Dann hat er sich dem Volk, das er sich erworben hatte, durch Wort und Tat als einzigen, wahren und lebendigen Gott so geoffenbart, dass Israel Gottes Wege mit den Menschen an sich erfuhr, dass es sie durch Gottes Wort aus der Propheten Mund all- mählich voller und klarer erkannte und sie unter den Völkern mehr und mehr sichtbar machte vgl. Ps 21,28-29; 95, 1-3; Is 2, 1-4; Jr 3,17. Die Geschichte des Heiles liegt, von heiligen Vgl. I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap.2:Denz.1788 (3007). Johannes Chrysostomus, In Gn.3,8 (hom.17,1): PG 53, 134:„herabgelassen“, lateinisch „attemperatio“, griechisch „synkatábasis“ Verfassern vorausverkündet, berich- tet und gedeutet, als wahres Wort Gottes vor in den Büchern des Alten Bundes; darum behalten diese von Gott eingegebenen Schriften ihren unvergänglichen Wert:  „Alles nämlich, was geschrieben steht, ist zu unserer Unter- weisung geschrieben, damit wir durch die Geduld und den Trost der Schriften Hoffnung haben” Röm 15,4. 
  15. Gottes Geschichtsplan im Alten Bund zielte vor allem darauf, das Kommen Christi, des Erlösers des Alls, und das Kommen des messianischen Reiches vorzubereiten, prophetisch anzukündigen vgl.Lk 24,44; Jo 5,39; 1 Petr 1, 10 und in verschiedenen Vorbildern anzuzeigen vgl. 1 Kor 10,11. Die Bücher des Alten Bundes erschließen allen entsprechend der Lage, in der sich das Menschengeschlecht vor der Wiederherstellung des Heils in Christus be- fand, Wissen über Gott und Mensch und erschließen die Art und Weise, wie der gerechte und barmherzige Gott an den Menschen zu handeln pflegt. 
   Obgleich diese Bücher auch Unvollkommenes und Zeitbedingtes enthalten, zeigen sie doch eine wahre göttliche Erziehungskunst. Pius XI., Enz. Mit brennender Sorge, 14. März 1937: AAS 29(1937) 151. Ein lebendiger Sinn für Gott drückt sich in ihnen aus. Hohe Lehren über Gott, heilbringende menschliche Lebensweisheit, wunderbare Ge- betsschätze sind in ihnen aufbewahrt. Schließlich ist das Geheimnis unseres Heiles in ihnen verborgen. Deshalb sollen diese Bücher von denen, die an Christus glauben, voll Ehrfurcht angenommen werden.
   16. Gott, der die Bücher beider Bünde inspiriert hat und ihr Urheber ist, wollte in Weisheit, dass der Neue im Alten verborgen und der Alte im Neuen erschlossen sei Augustinus, Quaest. in Hept. 2, 73: PL 34, 623. Denn wenn auch Christus in seinem Blut einen Neuen Bund gestiftet hat vgl. Lk 22,20; 1 Kor 11,25, erhalten und offenbaren die Bücher des Alten Bundes, die als Ganzes in die Verkündigung des Evangeliums aufgenommen wurden Irenäus, Adv. Haer. III, 21, 3: PG 7, 950 (= 25, 1: Harvey 2, 115); Cyrill von Jerusalem, Catech. 4, 35: PG 33, 497; Theo- dor von Mopsuestia, In Soph. 1, 4-6: PG 66, 452 D- 453 A., erst im Neuen Bund ihren vollen Sinn vgl. Mt 5,17; Lk 24, 27; Röm 16, 25-26; 2 Kor 3,14-16, wie sie diesen wiederum beleuchten und deuten.

FÜNFTES KAPITEL: DAS NEUE TESTAMENT
  17. Das Wort Gottes, Gottes Kraft zum Heil für jeden, der glaubt vgl. Röm 1,16, kommt zu einzigartiger Darstellung und Kraftentfaltung in den Schriften des Neuen Bundes; denn als die Fülle der Zeit kam vgl. Gal 4, hat das Reich Gottes auf Erden wiederhergestellt, in Tat und Wort seinen Vater und sich selbst geoffenbart  und sein Werk durch Tod, Auferstehung, herrliche Himmelfahrt und Sendung des Heiligen Geistes vollendet. Von der Erde erhöht zieht er alle an sich vgl. Jo 12, 32 griech.; denn er allein hat Worte des ewigen Lebens vgl. Jo 6,68. Anderen Geschlechtern ward dieses Geheimnis nicht kundgetan, wie es nun geoffenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Heiligen Geist vgl. Eph 3,4- 6 griech., damit sie das Evangelium verkünden, den Glauben an Jesus als Christus und Herrn wecken und die Kirche sammeln. Dafür sind die Schriften des Neuen Bundes das unvergängliche und göttliche Zeugnis.
   18. Niemandem kann es entgehen, dass unter allen Schriften, auch unter denen des Neuen Bundes, den Evan- gelien mit Recht ein Vorrang zukommt. Denn sie sind das Hauptzeugnis für Leben und Lehre des fleischgewor- denen Wortes, unseres Erlösers.
   Am apostolischen Ursprung der vier Evangelien hat die Kirche immer und überall festgehalten und hält daran fest; denn was die Apostel nach Christi Gebot gepredigt haben, das haben später unter dem Anhauch des Heiligen Geistes sie selbst und Apostolische Männer uns als Fundament des Glaubens schriftlich überliefert: das viergestaltige Evangelium nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes Irenäus, Adv. Haer. III, 11, 8: PG 7, 885; Ausg. Sagnard, 194.
 19. Unsere heilige Mutter, die Kirche, hat entschieden und unentwegt daran festgehalten und hält daran fest, dass die vier genannten Evangelien, deren Geschichtlichkeit sie ohne Bedenken bejaht, zuverlässig überliefern, was Jesus, der Sohn Gottes, in seinem Leben unter den Menschen zu deren ewigem Heil wirklich getan und gelehrt hat bis zu dem Tag, da er aufgenommen wurde cf.Apg 1,1-2.
   Die Apostel haben nach der Auffahrt des Herrn das, was er selbst gesagt und getan hatte, ihren Hörern mit jenem volleren Verständnis überliefert, das ihnen aus der Erfahrung der Verherrlichung Christi und aus dem Licht des Geistes der Wahrheit Vgl. Jo 14,26; 16,13. zufloss. Vgl. Jo 2,22; 16,16; vgl. 14,26; 16,12-13; 7,39. Die bibli- schen Verfasser aber haben die vier Evangelien redigiert, indem sie einiges aus dem vielen auswählten, das mündlich oder auch schon schriftlich überliefert war, indem sie anderes zu Überblicken zusammenzogen oder im Hinblick auf die Lage in den Kirchen verdeutlichten, indem sie schließlich  die Form der Verkündigung beibehielten, doch immer so, dass ihre Mitteilungen über Jesus wahr und ehrlich waren Vgl. die Instruktion Sancta Mater Ecclesia der Päpstlichen Bibelkommission: AAS 56 (1964) 715. Denn ob sie nun aus eigenem Gedächtnis und Erinnern schrieben oder auf Grund des Zeugnisses jener, „die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wor- tes waren”, es ging ihnen immer darum, dass wir die „Wahrheit“ der Worte erkennen sollten, von denen wir Kunde erhalten haben vgl. Lk 1,2-4.
  20. Der neutestamentliche Kanon umfasst außer den vier Evangelien auch die Briefe des heiligen Paulus und andere apostolische Schriften, die unter der Eingebung des Heiligen Geistes verfasst sind. In ihnen wird nach Gottes weisem Ratschluss die Botschaft von Christus dem Herrn bestätigt, seine echte Lehre mehr und mehr er- klärt, die heilbringende Kraft des göttlichen Werkes Christi verkündet; die Anfänge der Kirche und ihre wunderbare Ausbreitung werden erzählt und ihre herrliche Vollendung vorausverkündet. Denn der Herr Jesus ist bei seinen Aposteln geblieben, wie er verheißen hatte vgl. Mt 28,20, und hat ihnen als Beistand den Geist gesandt, der sie in die Fülle der Wahrheit einführen sollte vgl. Jo 16,13.
SECHSTES KAPITEL: DIE HEILIGE SCHRIFT IM LEBEN DER KIRCHE
   21. Die Kirche hat die Heiligen Schriften immer verehrt wie den Herrenleib selbst, weil sie, vor allem in der heili- gen Liturgie, vom Tisch des Wortes Gottes wie des Leibes Christi ohne Unterlass das Brot des Lebens nimmt und den Gläubigen reicht. In ihnen zusammen mit der Heiligen Überlieferung sah sie immer und sieht sie die höchste Richtschnur ihres Glaubens, weil sie, von Gott eingegeben und ein für alle Male niedergeschrieben, das Wort Gottes selbst unwandelbar vermitteln und in den Worten der Propheten und der Apostel die Stimme des Heiligen Geistes vernehmen lassen. Wie die christliche Religion selbst, so muss auch jede kirchliche Verkündigung sich von der Heiligen Schrift nähren und sich an ihr orientieren. In den Heiligen Büchern kommt ja der Vater, der im Himmel ist, seinen Kindern in Liebe entgegen und nimmt mit ihnen das Gespräch auf. Und solche Gewalt und Kraft west im Worte Gottes, dass es für die Kirche Halt und Leben, für die Kinder der Kirche Glaubensstärke, Seelenspeise und reiner, unversieglicher Quell des geistlichen Lebens ist. Darum gelten von der Heiligen Schrift in besonderer Weise die Worte: „Lebendig ist Gottes Rede und wirksam” Hebr 4,12, „mächtig aufzubauen und das Erbe auszuteilen unter allen Geheiligten” Apg 20,32; vgl. 1 Thess 2,13.
   22. Der Zugang zur Heiligen Schrift muss für die an Christus Glaubenden weit offen stehen. Darum hat die Kirche schon in ihren Anfängen die älteste Übersetzung des Alten Testamentes, die griechische, die nach den Siebzig Septuaginta benannt wird, als die ihre übernommen. Die anderen orientalischen und die lateinischen Übersetzun- gen, besonders die so genannte Vulgata, hält sie immer in Ehren. Da aber das Wort Gottes allen Zeiten zur Ver- fügung stehen muss, bemüht sich die Kirche in mütterlicher Sorge, dass brauchbare und genaue Übersetzungen in die verschiedenen Sprachen erarbeitet werden, mit Vorrang aus dem Urtext der Heiligen Bücher. Wenn die Über- setzungen bei sich bietender Gelegenheit und mit Zustimmung der kirchlichen Autorität in Zusammenarbeit auch mit den getrennten Brüdern zustande kommen, dann können sie von allen Christen benutzt werden. 
  23. Die Braut des fleischgewordenen Wortes, die Kirche, bemüht sich, vom Heiligen Geist belehrt, zu einem immer tieferen Verständnis der Heiligen Schriften vorzudringen, um ihre Kinder unablässig mit dem Worte Gottes zu nähren; darum fördert sie auch gebührender Weise das Studium der Väter des Ostens wie des Westens und der heiligen Liturgien. Die katholischen Exegeten und die anderen Vertreter der theologischen Wissenschaft müssen in eifriger Zusammenarbeit sich darum mühen, unter Aufsicht des kirchlichen Lehramts mit passenden Methoden die göttlichen Schriften so zu erforschen und auszulegen, dass möglichst viele Diener des Wortes in den Stand gesetzt werden, dem Volke Gottes mit wirklichem Nutzen die Nahrung der Schriften zu reichen, die den Geist erleuchtet, den Willen stärkt und die Menschenherzen zur Gottesliebe entflammt.Vgl. Pius XII., Enz. Divino afflan- te: Ench. Bibl. 551 553 567; Päpstl. Bibelkommission, Instruktion über die rechte Art, in Klerikalseminarien und Ordenskollegien über die Bibel zu dozieren, 30. Mai 1950: AAS 42 (1950) 495-505.
  Die Heilige Synode ermutigt die Söhne der Kirche, die Bibelwissenschaft treiben, das glücklich begonnene Werk mit immer neuen Kräften und ganzer Hingabe im Geist der Kirche fortzuführen. Vgl. Pius XII., ebd. 569.
 
24. Die heilige Theologie ruht auf dem geschriebenen Wort Gottes, zusammen mit der Heiligen Überlieferung, wie auf einem bleibenden Fundament. In ihm gewinnt sie sichere Kraft und verjüngt sich ständig, wenn sie alle im Geheimnis Christi beschlossene Wahrheit im Lichte des Glaubens durchforscht.  Die Heiligen Schriften enthalten das Wort Gottes und, weil inspiriert, sind sie wahrhaft Wort Gottes: Deshalb sei das Studium des heiligen Buches gleichsam die Seele der heiligen Theologie Vgl. Leo XIII., Enz. Providentissimus Deus: Ench. Bibl. 114; Benedikt. XV., Enz. Spiritus Paraclitus: Ench. Bibl. 483. Auch der Dienst des Wortes, nämlich die seelsorgliche Verkündigung, die Katechese und alle christliche Unterweisung – in welcher die liturgische Homilie einen hervorragenden Platz haben muss - holt aus dem Wort der Schrift gesunde Nahrung und heilige Kraft. 
   25. Darum müssen alle Kleriker, besonders Christi Priester und die anderen, die sich als Diakone oder Kate- cheten ihrem Auftrag entsprechend dem Dienst des Wortes widmen, in beständiger heiliger Lesung und gründ- lichem Studium sich mit der Schrift befassen, damit keiner von ihnen werde zu „einem hohlen und äußerlichen Prediger des Wortes Gottes, ohne dessen innerer Hörer zu sein” Augustinus, Serm. 179,1: PL 38, 966, wo er doch die unübersehbaren Schätze des göttlichen Wortes, namentlich in der heiligen Liturgie, den ihm anvertrauten Gläubigen mitteilen soll.
   Ebenso ermahnt die Heilige Synode alle an Christus Glaubenden, zumal die Glieder religiöser Gemeinschaften, besonders eindringlich, durch häufige Lesung der Heiligen Schrift sich die „alles übertreffende Erkenntnis Jesu Christi” Phil 3,8 anzueignen. „Die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen.” Hieronymus, Comm. in Is., Prol.: PL 24, 17; vgl. Benedikt XV., Enz. Spiritus Paraclitus: Ench. Bibl. 475-480; Pius XII., Enz. Divino afflante: Ench. Bibl. 544. Sie sollen deshalb gern an den heiligen Text selbst herantreten, einmal in der mit göttlichen Worten gesättigten heiligen Liturgie, dann in frommer Lesung oder auch durch geeignete Institutionen und andere Hilfsmittel, die heute mit Billigung und auf Veranlassung der Hirten der Kirche lobenswerterweise allenthalben verbreitet werden. Sie sollen daran denken, dass Gebet die Lesung der Heiligen Schrift begleiten muss, damit sie zu einem Gespräch werde zwischen Gott und Mensch; denn “Ihn reden wir an, wenn wir beten; ihn hören wir, wenn wir Gottes Weisungen lesen” Ambrosius, De officiis ministrorum I, 20, 88; PL 16, 50.
   Die kirchlichen Vorsteher, „bei denen die Lehre der Apostel ist” Irenäus, Adv. Haer. IV, 32, 1: PG 7, 1071 (= 49, 2: Harvey 2, 255), sollen die ihnen anvertrauten Gläubigen zum rechten Gebrauch der Heiligen Bücher, namentlich des Neuen Testamentes und in erster Linie der Evangelien, in geeigneter Weise anleiten durch Übersetzungen der heiligen Texte, die mit den notwendigen und wirklich ausreichenden Erklärungen versehen sind, damit die Kinder der Kirche sicher und mit Nutzen mit den Heiligen Schriften umgehen und von ihrem Geist durchdrungen werden.
    Darüber hinaus sollen mit entsprechenden Anmerkungen versehene Ausgaben der Heiligen Schrift geschaffen werden, die auch Nichtchristen gebrauchen können und die ihren Verhältnissen angepasst sind. Die Seelsorger und die Christen jeden Standes sollen auf jede Weise klug für ihre Verbreitung sorgen.
    26. So möge durch Lesung und Studium der Heiligen Bücher „Gottes Wort seinen Lauf nehmen und verherrlicht werden” 2 Thess 3,1. Der Schatz der Offenbarung, der Kirche anvertraut, erfülle mehr und mehr die Herzen der Menschen. Wie das Leben der Kirche sich mehrt durch die ständige Teilnahme am eucharistischen Geheimnis, so darf man neuen Antrieb für das geistliche Leben erhoffen aus der gesteigerten Verehrung des Wortes Gottes, welches „bleibt in Ewigkeit” Is 40,8; vgl. 1 Petr 1,23-25. 

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Stuttgarter Neues Testament

Einheitsübersetzung mit Kommentar und Erklärungen, € 24,90, ISBN: 978-3-438-02429-9,
Verlag: Deutsche Bibelgesellschaft, 589 S., 18 x 24,5 cm, Einbandart: Farbiger Festeinband

   Diese Ausgabe enthält ausführliche Erklärungen in allgemein verständlicher Sprache. Der Kommentar steht direkt beim Bibeltext. Erklärt werden sachliche, thematische und theologische Zusammenhänge. Ausführliche Einfüh- rungen in die einzelnen Schriften des Neuen Testaments informieren über Inhalt, Entstehung, Verfasser und Quellen. Ein kleines Lexikon mit biblischen Begriffen und mit Stichwörtern zum historischen Umfeld der Bibel findet sich im Anhang.
   Wir bringen hier für Sie einen Auszug vom 16. Sonntag im Jahreskreis A: Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen Mt 13,24ff Die beiden Fotos vom Unkraut (“Taumellolch”) sind von uns hinzugefügt. kbwn.

Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen: Matthäus 13,24-30

Mt 13,24 Und Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. 25 Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg. 26 Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. 27 Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten:  Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? 28 Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? 29 Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. 30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.

   Was der eine (ein Mensch) getan hat, indem er guten Samen auf seinen Acker säte, lässt einen anderen, seinen Feind, nicht schlafen; er geht in der Nacht hin und sucht das Werk des ersten zu verderben. Bemerkenswert ist der Gegensatz, in dem die Erregung der Knechte dieses ersten Mannes und ihr verständlicher Eifer zu der souve- ränen Ruhe und Gelassenheit ihres Gutsherrn stehen. Der nämlich scheint seinen Feind zu kennen und nichts anderes von ihm erwartet zu haben. Statt nun nervös zu werden und Unbedachtes zu tun (an sich war es durch- aus üblich, Unkraut auszureißen),verfügt er, dass nichts getan wird. Die Ernte ist sicher, und mit Sicherheit wird sich dann unterscheiden und voneinander scheiden lassen, was aus der Saat des einen und aus der des anderen hervorgewachsen ist. (Bei dem Unkraut des Gleichnisses handelt es sich offenbar um den Taumellolch, Foto oben der vom Weizen erst zu unterscheiden ist, wenn er seine schwarzen Früchte ansetzt; bei der Ernte war es üblich, Unkraut auszusortieren und gleichfalls einzusammeln, weil man es im holzarmen Palästina als Brennmaterial benutzte.) - Das Gleichnis, gerichtet an alle, will die Augen öffnen für die überlegene Macht Gottes (Gutsherr), die alle Angst und Sorge und einen daraus erwachsenden falschen, letztlich nur schädlichen Aktionismus verbietet: Der gute Same ist gesät und wird seine Frucht bringen. Keiner lasse sich im Glauben an die kommende und schon hereinbrechende Gottesherrschaft verunsichern durch den Anblick des »Unkrauts«, das oft gerade dort aufschießt, wo an sich guter Same gesät wurde. Der diesen Samen gesät hat, wird seine Ernte einbringen, allen Stör- manövern des »Feindes« zum Trotz; was aus dessen Saat hervorgegangen ist, wird im Gericht ausgeschieden werden.

Das Gleichnis vom Senfkorn: 13,31-32
Mt 13,31
Er erzählte ihnen ein weiteres Gleichnis und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. 32 Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hoch- gewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, so dass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.
Das Gleichnis vom Sauerteig: 13,34
33
Und er erzählte ihnen noch ein Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.

  Auch diese Gleichnisse wollen Mut machen und klarstellen, dass der »Erfolg« Gottes Sache - und darum garan- tiert - ist. Das Handeln des Mannes, der ein (!) Senfkorn säte, und ebenso das der Frau bildet Jesu Wirken ab, in dem das Leben des Gottesreiches beginnt. Zum Senfkorngleichnis vgl. Mk 4,30-32 und Erklärung. Wenn Matthäus von einem Baum spricht und von den Vögeln in seinen Zweigen, so denkt er an die Endgestalt des universalen, die Heiden einschließenden, Gottesreiches. - Eine Teigmasse unter einem großen Trog Mehl (wörtlich: drei Sea = »Maß«; ca. 36 Liter) ist für einen Privathaushalt eine unvorstellbar große Menge; hier bestimmt die Größe der gemeinten Sache die Wahl des Bildes.

Die Bedeutung der Gleichnisse: 13,34-35
Mt 13,34
Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge durch Gleichnisse;er redete nur in Gleichnissen zu ihnen. 35 Damit sollte sich erfüllen, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund und rede in Gleich- nissen, / ich verkünde, was seit der Schöpfung verborgen war.

  Die von Jesus angekündigte und in ihm anbrechende neue Welt Gottes erscheint als Sinn und Ziel der Schöpfung. Dieser seit der Schöpfung verborgen vorhandene Sinn wird in den Gleichnissen aufgedeckt - für jeden, der »verstehen« kann und will. Der Psalmvers wird in Anlehnung an die alte griechische Übersetzung zitiert.

Die Deutung des Gleichnisses vom Unkraut: 13,36-43
Mt 13,36
Dann verließ er die Menge und ging nach Hause. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. 37 Er antwortete: Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Men- schensohn; 38 der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen; 39 der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel. 40 Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein: 41 Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben,42 und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. 43 Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

   Ab V. 36 wendet sich Jesus betont an die Jünger, an die Verstehenden und »Erkennenden«, um ihnen weiteres Verstehen zu erschließen. Die Deutung des Gleichnisses von V.24-30 zeigt wie die des Sämannsgleichnisses wieder stark die Sprache der Gemeinde, ja die des Evangelisten selbst. Die nachösterliche Situation steht im Vordergrund. Der Säende ist der Menschensohn, der Acker die (ganze) Welt V. 37f. Diese ist zum Machtbereich des Menschensohnes geworden. Er durchdringt ihn und eignet sich ihn zu durch das Dasein und die Tätigkeit seiner Jünger. Zähneknirschen V.42 meint das  Knirschen in Schmerz aufeinander gepresster Zähne.

Protestanten verweigern gemeinsame Bibelübersetzung

   Die evangelischen Christen wollen nicht mehr gemeinsam mit der katholischen Kirche an einer neuen Einheitsübersetzung der Bibel für den deutschen Sprachraum arbeiten. Der Rückzug wurde  vom Vorsitzenden des Rates der EKD Wolfgang Huber bekanntgegeben. Als Grund nannte Huber eine 2001 herausgegebene Anweisung des Vatikans zum „Gebrauch der Volkssprache bei der Herausgabe der Bücher der römischen Liturgie”. Teile dieser Instruktion seien für die evangelische Seite nicht akzeptabel. HAap050
   Den Wortlaut der von der Kongregation für Gottesdienst und Sakramentenordnung am 28. März 2001 von Jorge A. Cardinal Medina Estévez in Rom herausgegebenen Instruktion bringen wir auf unserer Seite > Liturgie

cdK.Lehmann-x

  Kardinal Karl Lehmann Foto äußerte Bedauern. Er lastete der EKD an, die Entscheidung einseitig und ohne weitere Rücksprache getroffen zu haben. Die Mitteilung Hubers erwecke den Eindruck, dass allein die katholische Kirche am Scheitern der Zusammenarbeit schuld sei. Der Rat der EKD habe „einseitig und ohne weitere Rück- sprache” das gemeinsame Projekt aufgegeben. Das Argument der evangelischen Seite, die Bindung der katholi- schen Seite an die Instruktion der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung „Liturgiam authenticam” vom 28. März 2001 und damit an eine bestimmte lateinische Textfassung verhindere einen Rückgang auf den biblischen Urtext, ließ Lehmann nicht gelten. Trotz der Bedeutung der lateinischen Bibelübersetzung Vulgata sehe auch die katholische Kirche „eine Übersetzung ,vor allem aus den Urtexten der heiligen Bücher’ ” schrieb Lehmann, einen Text des Zweiten Vatikanischen Konzils zitierend.   Die Instruktion habe das Vorhaben, die Einheitsübersetzung gemeinsam zu revidieren, daher nicht grundsätzlich behindert. Vielmehr sei eine letzte Einigung über die Revision an dem grundsätzlichen  Misstrauen gegenüber den Anforderungen der Instruktion und einem verantwortlichem Umgang damit gescheitert. Weiterhin wies der Kardinal den von evangelischer Seite erweckten Eindruck zurück, als ob die deutschen Bischöfe „unerträglichen Zeitdruck” ausgeübt habe. Zwar habe die Bischofskonferenz seit dem Frühjahr 2004 auf den inneren Zusammenhang der Revision der „Einheits- übersetzung” mit der Arbeit an einem neuen Gebet- und Gesangbuch und der Revision des deutschen Messbuchs hingewiesen. Diese Vorhaben seien jedoch schon lange zuvor bekannt gewesen. Ihretwegen Druck ausgeübt oder gar eine Drohung ausgesprochen wurde nach Lehmanns Worten nie.
   Der Kardinal sagte, es sei eine „erhebliche Belastung”, wenn gerade im Land der Reformation das gemeinsame Zeugnis in Gestalt der Einheitsübersetzung unterbrochen werde - während viele Nachbarn in anderen Ländern inzwischen ökumenisch vereinbarte Übersetzungen geschaffen hätten. „Wir hoffen inständig, dass wir später auch wieder neue gemeinsame Wege finden können,” sagte Kardinal Lehmann. Nach seinen Worten wird die Deutsche Bischofskonferenz nun gemeinsam mit der Österreichischen und der Schweizer Bischofskonferenz sowie den (Erz-) Bischöfen von Bozen-Brixen, Lüttich, Luxemburg, Straßburg und Vaduz zügig an eine Revision der Einheits- übersetzung gehen. HAapFAZ050909

ep-aepGerhard-LudwigMüller-x     Bischof Gerhard Ludwig Müller

 Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, Vorsitzender der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofs- konferenz, erklärte: „So wie Kardinal Lehmann bedauere auch ich als Vorsitzender der Ökumene-Kommission die Absage evangelischerseits, an der Revision der Einheitsübersetzung mitzuarbeiten. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass die Heilige Schrift, die das Wort Gottes an uns enthält, die sicherste Basis für das Zusammenwachsen der Christen verschiedener Konfessionen hin zu der einen Kirche ist, die Christus will. Von der EKD war nicht verlangt worden, dass sie sich den Bestimmungen der Instruktion ,Liturgiam authenticam’ - wie in manchen Kommentaren etwas bissig gesagt wurde - ,unterwirft’. Ich selbst habe die Diskussion im evangelisch- katholischen Kontaktgesprächskreis mitbekommen. Es ging darum, sich in strittigen Einzelfragen auf einen ge- meinsamen Text zu einigen. Das Ganze ist ein schwerer Rückschlag für die Ökumene. Vehement wird trotz fehlen- der Einheit im Eucharistieverständnis und im Begriff der Kirche die gemeinsame Feier des Herrenmahls eingefor- dert, während die Einheit in der Heiligen Schrift, die schon da ist, nicht in der gemeinsamen deutschen Sprache ausgedrückt sowie geistlich  und  theologisch fruchtbar werden darf.” DT050910

Zurück zum „Urtext”? Zum Rückzug der deutschen Protestanten aus der katholisch-evangelischen Arbeit
an der Einheitsübersetzung der Bibel schreibt Rudolf Mosis, em. Alttestamentler, Mainz,
in “Der Tagespost” Würzburg: Eine viel zu simple Entgegensetzung

   Der Ausstieg der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aus der Revisionsarbeit an der Einheitsüber- setzung der Bibel hat großes öffentliches Echo geweckt. Die FAZ brachte gleich auf der ersten Seite hierzu einen ausführlichen Bericht sowie einen Kommentar. Dieser Kommentar „Ohne Protestanten” spricht nun vom Über- setzen und von Bibelübersetzungen in einer erstaunlich naiven Weise. Er setzt einen klaren Gegensatz voraus: auf protestantischer Seite „der Urtext selbst” - auf katholischer Seite die Überfremdung dieses „Urtextes” durch spätere Tradition. Vor allem mit Blick auf die römische Instruktion von 2001 über den Gebrauch der Volkssprache in liturgischen Büchern des römischen Ritus stellt der Kommentar fest, dass katholischerseits „Kirchenväter und spätere Auslegung eine gewichtigere Rolle spielen als der Urtext selbst”.
   Drei Beispiele dafür, dass sich das Verhältnis von protestantischer und katholischer Bibelübersetzung nicht so einfach beschreiben lässt: Ex 19,6 gibt Martin Luther so wieder: „Vnd jr solt mir ein priesterlich Königreich vnd ein heiliges Volck sein”. Mit „priesterlich Königreich” folgt Luther der Tradition der lateinischen Vulgata: „regnum sacerdotale”. Nach Luther und Vulgata ist hier von einer kollektiven Größe, vom heiligen und priesterlichen Volk als Ganzem, vom königlichen Herrschaftsbereich Gottes die Rede. Die Überarbeiter der Lutherbibel haben den Luthertext geändert. Jetzt liest man: „Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern ... sein”.
   Ähnlich auch die bisherige Einheitsübersetzung: „ ... ein Reich von Priestern”. Danach wäre hier von den einzel- nen Gliedern des Volkes die Rede, die jeweils die Funktionen von Priestern ausüben. Die Deutung des hebräischen „Urtextes selbst” ist unter Exegeten umstritten. Meines Erachtens gibt die Vulgata und der ursprüngliche Luther- text den Sinn richtiger wieder als die revidierte Lutherbibel und die Einheitsübersetzung. Aber wie immer man sich hier entscheidet: Beide möglichen Wiedergaben stehen jeweils in einer gewissen Abhängigkeit von einer Tradi- tion; die Wiedergabe der revidierten Lutherbibel in der spezifisch protestantischen Auffassung vom allgemeinen Priestertum, nach der es neben diesem ein besonderes Amtspriestertum nicht geben darf. Der „Urtext selbst” ist von den Revisoren des Luthertextes übersetzt in Rücksichtnahme auf eine „spätere Auslegung”.
   Als zweites Beispiel Micha 6,8: Nach dem hebräischen Text und allen alten Übersetzungen wird hier vom Men- schen verlangt, „das Rechte zu tun”. Dem Kampf Luthers gegen „Werkgerechtigkeit” ist dieser Bibeltext wenig dienlich. Luther nimmt sich die Freiheit, ihn in einer stark interpretierenden Weise wiederzugeben. Statt „das Rechte tun” schreibt er das ihm genehmere „Gottes Wort halten”. Diese Neuformulierung Luthers hat die Revi- sionen des Luthertextes unversehrt überstanden und steht als fettgedruckter Merkspruch in der heute gebrauch- ten Lutherbibel. Mit dieser Fassung wurde eine gegenüber dem „Urtext selbst” und seinen alten Übersetzungen „spätere Tradition” begründet, die protestantischerseits bis heute beachtet wird.
   Als drittes Beispiel Ps 23,4, ein Vers aus dem Gut-Hirten-Psalm. Wie viele moderne Übersetzungen nach ihm findet schon Luther den Tod nicht erwähnt, er spricht lediglich vom „finstern Tal”, ähnlich auch die Neovulgata: „in valle tenebrosa”. Anders die alte griechische Übersetzung der Septuaginta und mit ihr die Tradition der Kirchen des Ostens, anders die Vulgata und mit ihr die Tradition der lateinisch-westlichen Kirche. Sie alle sehen hier den Tod erwähnt, sie sprechen von der „Mitte des Todesschattens” und vom „Tal des Todes”. Jedoch wohl schon die Überlieferer des hebräischen Textes, die Masoreten, jedenfalls aber die lange Kette jüdischer Erklärer und Über- setzer des hebräischen Textes sehen hier den Tod erwähnt, man lese nach bei Moses Mendelsohn, bei Leopold Zunz, bei Martin Buber und anderen.
  Wenn man bei der Überarbeitung der Einheitsübersetzung der eingangs erwähnten römischen Instruktion folgt, man solle sich bei mehreren Übersetzungsmöglichkeiten an der Tradition der alten Übersetzungen orientieren, dann werden künftige Beter des Ps 23 wieder vom „Schatten des Todes” reden dürfen, der sich über ihren Weg legen kann, abweichend von Luther, abweichend von der bisherigen Einheitsübersetzung, abweichend auch von der Neovulgata.
   Die angeführten Beispiele - sie ließen sich um viele vermehren - dürften zeigen, dass die Entgegensetzung: hier protestantisch und „Urtext selbst“ - dort „spätere Traditionen“ und katholisch, viel zu einfach, um nicht zu sagen: viel zu simpel ist. Auch ein treukatholischer Theologe - ich meine, ein solcher zu sein - darf es sich erlauben, das oder jenes an der oder jener römischen Instruktion zu kritisieren. Wenn aber die Instruktion > „Liturgiam authenticam” von 2001 dazu anhält, sich bei mehreren Verstehens- und Übersetzungsmöglichkeiten an die Tradition der Kirchenväter und der alten Übersetzungen, insbesondere der Septuaginta zu halten, leistet sie ein Zweifaches. Zum einen erinnert sie für den westlich-lateinischen Bereich der Kirche daran, dass die alten Tradi- tionen der Kirchen des Ostens, die ja auf der Septuaginta basieren, nicht unbeachtet bleiben dürfen, ein wahrhaft ökumenisches Anliegen, das für die katholische Kirche nicht weniger wichtig ist als der Abbau unbegründeter Schranken zwischen Protestanten und Katholiken. Vor allem aber hilft sie dazu, bei der Revisionsarbeit an der Einheitsübersetzung ein Denken in allzu vereinfachenden Schablonen zu  vermeiden, wie es im eingangs zitierten Kommentar der FAZ offensichtlich zum Vorschein gekommen ist.

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