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Zeitun, Kairo

Auf dieser Seite lesen Sie:
 1.  Die erstaunlichen Marienerscheinungen in Zeitun, Kairo
2. Originalfoto von der Marienerscheinung über der Marienkirchein Zeitun
3. Mariengebet der koptischen Christen
4. Archäologische Funde und Forschungen in Ägypten und im Heiligen Land
5. Carsten Peter Thiede: auf den Spuren Jesu in der Wüste zwischen Beer-Schewa und Ägypten
6. Carsten Peter Thiede: “Ein Fisch für den römischen Kaiser” - Buchauszüge
7. Sensationelle Schriftfunde am mittleren Nil
8. Nachrichten aus dem Wüstensand

Die erstaunlichen Marienerscheinungen in Zeitun, Kairo

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Friedliche Wege der Muttergottes können Herz und Verstand zu gewinnen
Foto: Bildbericht in der Tageszeitung Al Ahram aus Kairo zur Marienerscheinung in Zeitun

   1968 war ein unruhiges Jahr: Studentenunruhen, Protest gegen Humanae Vitae, eine Antiautoritätswelle, neo- marxistisches und pseudospychologisches Gerede in Richtung auf eine permissive Gesellschaft. Aber 1968 war auch das Jahr einer anderen nachhaltig schweigenden Demonstration – nicht in den westlichen Universitäten, sondern für die Armen in einem alten Kulturland, in Ägypten. Es war ein Zeichen vom Himmel, ein Zeichen der Jungfrau Maria – und Millionen Zeugen haben es gesehen.

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Foto links: Pater Constantine Moussa, Pfarrer der Marienkirche in Zeitun/Kairo, Ägypten
Foto rechts: Originalfoto von der Marienerscheinung über der Marienkirche in Zeitun

  Die Erscheinungen der Muttergottes über der koptisch-orthodoxen Kirche von al-Zeitun am Rande von Kairo begann am 02. April 1968. Im Jahre 2008 begingen die Kopten das 40-jährige Jubiläum dieser Erscheinungen in besonderer Festlichkeit.
   Der muslimische Sicherheitsbeamte Abed al-Aziz Ali, der neben der Kirche in der Werkstatt der öffentlichen Transportgesellschaft arbeitete, bemerkte ein helles Licht auf der Kuppel der Kirche und holte noch andere Mitarbeiter herbei. Zunächst meinten sie ein junges Mädchen zu sehen, das auf das Dach der Kirche geklettert und durch das Straßenlicht beleuchtet war. In der Sorge, sie könne sich hinabstürzen, riefen sie ihr zu, sie möchte vorsichtig sein. Dann rief jemand die Polizei herbei. Nach ihrer Ankunft wurde das helle Licht viel klarer und überstrahlte deutlich das Straßenlicht. Einige Zuschauer begannen zu erkennen, dass sie Zeugen einer Vision von "Om el-Nur" wurden, der Mutter des Lichtes, der heiligen Jungfrau Maria, die hier über einer Kirche erschien, die ihr geweiht war.
   Die Polizei jedoch vermutete einen koptischen Trick mit elektrischen Lampen, um der muslimischen Bevölkerung ein christliches Wunder vorzutäuschen. Sie begannen nun die Straßenlaternen zu zerschlagen, aber die Vision blieb unverändert. Dann unterbrach die Polizei die Stromversorgung der ganzen Region. Diese Stromabschaltung führte zur Bestätigung der Vision, die klar und hell weiter erstrahlte: es war die Muttergottes, die nun die Menge herbeiwinkte. Einige moslemische Extremisten begrüßten keineswegs diese Erscheinung: einen Besuch vom Himmel von "Isa dem Propheten", wie sie Jesus nennen. Aber Zehntausende Menschen, Muslime und Kopten, Katholiken, Orthodoxe, Protestanten, Skeptiker und Ungläubige drängten sich um die Kirche, um einen Blick auf die außergewöhnliche Erscheinung zu werfen. Die Erscheinungen der Jungfrau Maria erfolgten mehr als ein Jahr, einige dauerten ein paar Minuten, während andere mehrere Stunden andauerten. Bald folgte auch die kirchlich Anerkennung dieser Erscheinungen. Anfang Mai 1968 gab der koptische Papst Kyrillos VI. folgende Erklärung heraus:

   "Seit dem Abend des 02. April 1968 erleben wir nun die Erscheinungen der heiligen Jungfrau Maria, der Mutter des Lichtes, und sie geschehen weiter in der koptisch-orthodoxen Kirche in Zeitun, Kairo, die ihr zu Ehren geweiht ist. Die Erscheinungen geschahen in vielen Nächten und setzen sich noch fort in unterschiedlicher Weise. Manch- mal erscheint die heilige Jungfrau Maria in ganzer Größe und dann wieder als Büste, umrahmt von einem leuchtend hellen Heiligenschein. Zeitweilig wurde sie in den Öffnungen auf dem Dach der Kirche gesehen, dann auch wieder außerhalb der Kuppel, wo sie sich bewegte und über das Dach der Kirche und der Kuppel ging. Als sie in Ehrfurcht vor dem Kreuz niederkniete, leuchtete das Kreuz in hellem Licht. Sie bewegte ihre heiligen Hände und nickte mit ihrem heiligen Haupt und segnete die Menschen, die neugierig gekommen waren, das Wunder zu schauen. Manchmal erschien die Gestalt ihres Leibes wie ein leuchtende Wolke, und manchmal als Lichtgestalt, wobei vor ihr sich himmlische Körper, die aussahen wir Tauben, Foto unten sehr schnell bewegten. Die Erscheinungen waren am Dienstag, dem 30. April 1968, über zwei Stunden zu sehen – von 02.45 Uhr bis zur Morgendämmerung 05.00 Uhr. Tausende Menschen verschiedener Bekenntnisse und Religionen, Ägypter und ausländische Besucher, Pries- ter und Wissenschaftler von unterschiedlichen Bereichen und Berufen – sie alle sahen dies Erscheinungen. Die Beschreibung einer jeden Erscheinung dieser Zeit, des Ortes und der Gestalt wurde von allen Zeugen in gleicher Weise bezeugt. Das macht diese Erscheinung einzigartig und hebt sie aus anderen heraus."

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   Als Frucht der Erscheinungen benennt Kyrillos VI. die Rückkehr vieler abständiger Christen zum Glauben und die Konversion von Nichtgläubigen zum Christentum. Mehr noch: eine beträchtliche Anzahl von Kranken wurde geheilt und Blinde konnten wieder sehen.
   Zeitun liegt auf dem Weg, den die Heilige Familie Joseph, Maria und das Kind bei der Flucht nach Ägypten gegan- gen sind. Der koptisch-katholische Patriarch Kardinal Stephanos I. bestätigte dieses Überzeugung, wie auch der Superior der Jesuiten und Pastor Dr. Ibrahim Said, Sprecher der evangelikalen Protestanten in Ägypten. Ende April hat dann ein Bevollmächtigter des Vatikans einen Bericht dieser Erscheinungen für Papst Paul VI. angefertigt.
   Die ägyptische Kirche geht auf die apostolische Zeit zurück. Der heilige Markus war der erste Bischof von Alexandria. Ägypten wurde ein mehrheitlich christliches Land; im 4. Jahrhundert entstand dort das Mönchstum. Durch einen militanten Islam wurden 300 katholische Diözesen in Nordafrika überrannt. Unter der moslemischen Unterdrückung leben die koptischen Christen seit 1.400 Jahren in ihrer Heimat. Sie leiden unter einer staatlich sanktionierten Diskriminierung, weil sie sich nicht zum Islam bekennen, und werden häufig von extremistischen Gruppen angegriffen. Heute leben in Kairo auch viele christliche Flüchtlinge aus Khartum, die den inhumanen Scharia-Gesetzen im Sudan entkommen sind.  

   Nach offizieller Darstellung unterschieden sich die Erscheinungen der Gottesmutter. Manchmal trug Maria einen Olivenzweig, ein Symbol des Friedens. Das Wort "zeitun" ist das arabische Wort für Olive. Gelegentlich trug Maria auch das Jesuskind in ihren Armen. Die himmlischen Tauben, die manchmal der Jungfrau vorhergingen oder sie begleiteten erschienen aus dem Nichts. Sie bewegten sich sehr schnell, ohne die Flügel zu benutzen und verschwanden so plötzlich wie sie gekommen waren. Einige Beobachter hielten sie für Engel. Manchmal erschien über der Kuppel ein Licht und das Kreuz über der Kirche erstrahlte hellleuchtend. Weihrauch schien aus den verschlossenen Fenstern der großen Kuppel zu kommen – wie ein leuchtender Nebel, der süßlich duftete: "Der Duft war so stark wie aus einer Million Weihrauchfässern", beschrieb der Bischof seine Wahrnehmung. Das alles war wie ein Schauspiel der himmlischen Mächte.
   Die Polizei durchsuchte die Gegend um die Kirche im Umkreis von 25 km; schließlich mussten die Beamten zu- geben, dass diese Erscheinungen nicht natürlich zu erklären seien. Um die Menschenmenge zufrieden zu stellen wurde die Werkstatt gegenüber der Kirche abgerissen, die Bäume heruntergeschnitten oder entfernt, damit die Leute diese nicht erklettern konnten. Die Behörde erlaubte die koptische Liturgie über Lautsprecher zu verkünden, auch durch örtliche Radioübertragung in den Wohnblöcken. Gewöhnlich war die Verkündigung der christlichen Botschaft außerhalb der Kirche oder in privaten Räumen gesetzlich verboten. Auch Präsident Abdul Nasser wurde Zeuge der Erscheinungen.

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   Zahlreiche wunderbare Heilungen geschahen während der Erscheinungen. Zum Beispiel diese: Durch einen Unfall wurde dem Fotograf Wagih Rizk im Jahr zuvor der linke Arm abgerissen. Die Ärzte hatten ihn wieder angenäht, aber die Nerven und Sehnen waren durchtrennt, dazu kamen noch gravierende Brüche. Schließlich erklärten ihm die Ärzte, dass eine Heilung nicht mehr möglich sei. So trainierte er seinen rechten Arm und machte die Fotos einhändig.
   Am 09. April erlebte Wagih die Erscheinung der Muttergottes. Am 11. April war er zu ergriffen und verwundert, um Fotos zu schießen. Am 13. April war er entschlossen, die Gelegenheit zum Fotografieren zu nutzen. Die heilige Jungfrau erschien um 03.40 Uhr. Sehr schnell machte er Fotos. Danach ging er nach Hause. Auf dem Bett dachte er über die Entwicklung seiner am frühen Morgen geschossenen Fotos nach und bemerkte plötzlich, dass er seinen linken Arm und die linke Hand benutzt hatte, um die Kamera schnell einzustellen: "Ich begann meine linke Hand zu bewegen, auf und nieder, zur Seite und drehte und bewegte sie in der Luft bei ausgestrecktem Arm …. Ich war geheilt … vollkommen geheilt durch die einmalige Erscheinung der Jungfrau Maria … die fünf Chirurgen, einige gehörten zu den bekanntesten Ärzten in Ägypten, hatten ihm keine Hoffnung geben können und hatten ihm bestätigt, er könne den Arm nie wieder bewegen."
 Viele Menschen kamen, um die Priester um einen Exorzismus zu bitten. "Mit Hilfe der heiligen Jungfrau ist es leicht, den Teufel auszutreiben!" meinte ein junger koptischer Mönch.
  Ein ausführlicher Bericht über die Marienerscheinungen in Zeitun ist in der Schrift von Francis Johnston nachzulesen: "Als Millionen Maria sahen" When Millions saw Mary. Im Internet finden sich zahlreiche Original-Fotos von den Marienerscheinungen, von denen wir hier einige zeigen, unter: www.zeitun-eg.org.
   Die Ereignisse in Zeitun sind kaum in der westlichen Welt bekannt – vielleicht, weil sie im Umfeld einer koptischen Kirche in der 3. Welt geschahen. Weitere Erscheinungen der Muttergottes werden glaubhaft bezeugt: 1982 in Edfu, 1986-91 in einem weiteren Vorort von Kairo: Shobfra, 1997 in Shentana El Hagar, 2000 – 2001 in der St. Markus- Kathedrale in Assiut, Oberägypten, und 2001 in Gabal Dranka. Der Himmel stärkt und ermutigt die verfolgten Gläubigen.  CTFrFrancisMarsden080601

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 Foto links: die Muttergotteserscheinung in Zeitun      Foto rechts: Marienkirche in Zeitun  

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Foto links:  Muttergottesbild in der größten Kuppel der Marienkirche  Foto rechts  in Zeitun, Kairo

Die koptischen orthodoxen Christen
verehren  im täglichen Breviergebet die Muttergottes in der Prim mit diesem Gebet:

Gebet der koptischen Christen:
Muttergottes, Du zweiter Himmel,
du bist die verehrte "Mutter des Lichtes".
Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang
lobpreisen dich die Gläubigen.
Du bist die strahlende und unveränderliche Blume,
du bist die Mutter, die Jungfrau blieb,
denn der Vater erwählte dich
und der Heilige Geist überschattete dich
und der Sohn liess sich herab, von dir Fleisch anzunehmen
Darum bitte den Herrn um Erlösung für die Welt,
die er geschaffen hat
und dass er sie bewahre vor aller Verwirrung.
Lasst uns den Herrn preisen und ihm ein neues Lied singen
heute, für immer und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

   Die westliche Welt meint, sie könne den Verstand und die Herzen der arabischen Welt durch Krieg und Armeen gewinnen. Aber vergessen wir nicht, dass die Gottesmutter friedlichere und wirksamere Wege kennt, die Herzen zu erobern.

   Alte Traditionen der koptischen (= altägyptishen) Kirche berichten, dass Jesus nach der Flucht vor Herodes
in Ägypten an diesen Stätten der Marienerscheinungen Aufnahme gefunden hatte.

   Anhand neuer Forschungen und archäologischer Funde zeichnet Carsten Peter Thiede in seinem Buch:
"Ein Fisch für den römischen Kaiser". [Verlag Luchterhand ISBN 3-630-87994-2] ein lebendiges Bild
von der Welt, in der Jesus, die Juden und die ersten Christen lebten. Wir bringen hier für Sie einen Auszug.
   Carsten Peter Thiede, geboren 1952, ist Historiker und Papyrologe, Mitglied des Departments of History
(Center for German Studies) der Ben-Gurion Universität des Negev in Beer-Scheva, Israel.

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Die Wüste lebt: Nachrichten aus dem Wüstensand
auf den Spuren Jesu in der Wüste zwischen Beer-Scheva und Ägypten

  ... Wurde der Kampf gegen die vordringende Wüste irgendwo aufgegeben, so dauerte es nicht lange, bis der Sand die Dörfer zudeckte, und mit ihnen alles, was die Einwohner als wertlos zurückgelassen hatten. Das trocke- ne Klima und der Abbruch der Besiedlung wirkten hier gleichermaßen konservierend. Heute erst entsteigen die Bücher,  Urkunden und Briefe, von trockenem Sand gehortet, in unermesslicher Zahl den Ruinen antiker Ortschaf- ten und den Schutthaufen. So beschreibt Hubert Metzger die außergewöhnliche Entdeckungsgeschichte der ältes- ten Zeugnisse antiker Literatur. Die Wüste hat uns diese Quellen bewahrt, auch in Beer-Scheva, aber vor allem in den Siedlungsgebieten am Nil, in Hermopolis, in Oxyrhynchus, Fayyum, Elephantine, auf Tonscherben, auf Papyrus, Leder oder Pergament. Hier konnte das trockene Klima in Verbindung mit den schützenden Schichten von Müll und Sand das empfindliche Material über Jahrtausende hinweg bewahren.  Nur wenige andere Orte, wie Qumran am Toten Meer, boten ähnlich günstige Bedingungen. Die Fülle der ägyptischen Funde überbietet jedoch alles andere: Weit mehr als 70 Prozent aller heute erhaltenen antiken Handschriften wurden in Oxyrhynchus gefunden, dem heutigen Behnesa.
   Die jüdischen und frühchristlichen Texte aus den ägyptischen Fundorten reichen bis ins 1. Jahrhundert zurück, andere stammen erst aus dem 6. und 7. Jahrhundert, und es sind so viele, dass ihre Veröffentlichung auch mehr als hundert Jahre nach den ersten Entdeckungen noch nicht abgeschlossen ist. Einige solcher Papyri werden in diesem Buch noch öfter auftauchen; am Beginn der Spurensuche soll ein besonders eigenartiges, winziges Fragment stehen. Und obwohl es auf den ersten Blick wenig spektakulär zu sein scheint, führt es uns zurück zum noch nicht einmal zwei Jahre alten Jesus, der aus Bethlehem über Beer-Scheva nach Ägypten gekommen war, vielleicht nach Hermopolis, vielleicht an einen anderen jener Orte, die Gäste aus der Fremde nach alter Sitte aufnahmen.
   In Cologny, oberhalb des Genfer Sees, steht das Haus des Martin Bodmer. Es beherbergt eine der wertvollsten Handschriftensammlungen der Welt, die »Bibliotheca Bodmeriana«. Seit Martin Bodmers Tod ist sie eine Stiftung, deren Mitarbeiter den Forschern gern und hilfsbereit zur Verfügung stehen. Hier fallen vor allem die einzigartigen Handschriften aus der Antike auf - der älteste, vollständige Papyrus einer Komödie des Menander beispielsweise, oder der älteste nahezu vollständige Kodex des Johannes-Evangeliums. Und wohlverwahrt im Panzerschrank liegt auch ein briefmarkengroßes Stück Papyrus. Es misst 3,7 mal 2,1 Zentimeter und enthält nicht mehr als neun vollständige Buchstaben, vier auf der Vorderseite, fünf auf der Rückseite. Bekannt ist es seit 1961, als der Genfer Wissenschaftler Rodolphe Kasser den großen griechischen Papyrus-Kodex Bodmer XVII veröffentlichte und dabei zwischen dessen Seiten auf dieses kleine Stück stieß. Damals kündigte er eine spätere Veröffentlichung an, doch die ließ dann noch neunundzwanzig Jahre lang auf sich warten.
 Immerhin hatte Kasser schon 1961 eine später bestätigte Vermutung über Inhalt und Entstehungszeit des Bruchstücks. Die Handschrift war jener des großen »Bodmer XVII« so eng verwandt, dass er einen Zusammenhang annahm. In der Erstausgabe wurde das weitergeführt: Die Schreiber sind identisch. Da schon der große Kodex mit vielen anderen, datierten Handschriften verglichen werden konnte, machte bereits Kasser einen Datierungsvorschlag: spätes 6., frühes 7. Jahrhundert. Er bemühte sich verständlicherweise nicht um größere Präzision, denn Handschriften aus dieser Zeit schienen für den griechischen Text des Neuen Testaments und dessen Verständnis nicht mehr allzu wichtig zu sein - gut fünfhundert Jahre nach der Entstehung der Evangelien war es unwahrscheinlich, dass ein Fragment noch neue, wichtige Erkenntnisse bieten konnte. In der Tat hatte Kasser auch - und völlig zu Recht, wie sich herausstellte - bereits 1961 vorgeschlagen, dass dieses Fragment aus dem Neuen Testament stammte, ebenso wie der große Kodex, zwischen dessen Blättern er es gefunden hatte. Seit der Erstedition steht der Text zweifelsfrei fest: Es handelt sich um kleine Teile von Versen aus dem Matthäus- Evangelium, 25,43 auf der Vorderseite und 26,2-3 auf der Rückseite. Mehr ist nicht erhalten geblieben. Nach der Rekonstruktion der Zeilen können wir dort lesen:

   »Ich war ein fremder und Obdachloser, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht.« Mattäus 25,43.
   
»Ihr wisst, dass in zwei Tagen das Passahfest beginnt; da wird der Menschensohn ausgeliefert und gekreuzigt werden.« Um die gleiche Zeit versammelten sich die Hohenpriester und die Ältesten des Volks im Palast des Hohenpriesters, der Kajaphas hieß... Mattäus 26,2-3

   In beiden Stücken spricht Jesus. Mit Mt 25,43 sind wir am Ende der großen Rede über das Weltgericht, die Jesus auf dem Ölberg in Jerusalem vor den Jüngern hielt. Und mit den ersten Versen des 26. Kapitels beginnen bereits die letzten Tage vor der Kreuzigung. Das heißt: Wir sind nicht am Anfang, sondern am Ende des irdischen Lebens Jesu. Und die Geschichte hinter dem Papyrus aus Martin Bodmers Sammlung in Cologny verbindet die letzte große Rede Jesu mit der Wüstenreise des kaum zweijährigen Kindes.
  Rodolphe Kasser, der Herausgeber des großen Bodmer XVII, ist Koptologe. Koptologen befassen sich, wie die Bezeichnung nahelegt, mit den Kopten. Und die Kopten sind keineswegs nur eine Erscheinung der Antike. Auch heute leben noch rund zehn Millionen von ihnen, nicht immer unter besonders angenehmen Bedingungen, im muslimischen Ägypten. Tatsächlich hat Ägypten eine uralte, lebendige christliche Tradition und Kultur, auch wenn dies nur gelegentlich in das allgemeine Bewusstsein gelangt. Die Kopten verstehen sich als die einheimischen Christen Ägyptens seit der Antike; ihre Kirche geht nach eigener Überlieferung zurück bis zu Markus, dem Begleiter des Petrus, der das älteste Evangelium schrieb und später, in der vom Neuen Testament nicht mehr erfassten Zeit nach 62 n. Chr., in Alexandria gewirkt haben soll. Ägyptisches Christentum war zweifellos von größter Bedeutung in den ersten Jahrhunderten: Pantaenus, Riemens von Alexandria, Tertullian, Origenes, Athanasius, Augustinus - das sind nur einige der Namen, die mit dem Christentum Ägyptens eng verbunden sind. Hier entwickelten die Christen auch eine eigene Sprache, die sie neben dem Griechischen und dem Lateinischen benutzten, das Koptische mit zwei Hauptformen, dem ursprünglichen Sahidisch und dem späteren Bohairisch. Was so technisch klingt, ist Teil des Reichtums der ältesten christlichen Überlieferung. Viele Forscher sind davon überzeugt, dass die Übersetzungen der neutestamentlichen Schriften ins Koptische schon im 2. Jahrhundert einzigartige Einsichten in die ältesten Textschichten und in die Interpretation schwieriger Stellen ermöglichen.
   An der Wende vom 6. zum 7. Jahrhundert, als der Kodex Bodmer XVII und das kleine Fragment entstanden, das bei seiner Erstveröffentlichung die Nummer Bodmer L erhielt, war die koptische Kirche die unangefochtene religiöse Macht in Ägypten. Man hatte sich im Jahr 451, nach dem Konzil von Chalcedon, von der römischen Kirche getrennt, weil man nicht an zwei Naturen in Christus glaubte (Gott und Mensch), sondern Gott und Mensch in Christus als in einer Natur vereint sah. Dann kamen zwei Katastrophen. Zuerst der sogenannte Persersturm, als die Sassaniden 616 n. Chr. bis nach Karthago vordrangen und nach altem Erobererbrauch mordeten und brandschatzten, Kirchen zerstörten, Bücher und Bibliotheken vernichteten. Schon zwölf Jahre später ging das Sassaniden-Reich unter, doch die Ruhe währte nicht lange. Kaum waren die Kirchen wieder aufgebaut und die Bibliotheken neu eingerichtet, da folgte in den Jahren 639 bis 641 die muslimische Eroberung Ägyptens. Die Muslime waren weniger grausam als vor ihnen die Perser, und dennoch war die Vorherrschaft eines machtvollen, auch kulturell prägenden Christentums in Ägypten beendet. Die Kopten rangen um eine akzeptable Minderheitenrolle, die ihnen schließlich - bis heute - gewährt wurde.
   Irgendwann in dieser Zeit entstanden unsere beiden Handschriften. Schon Rudolphe Kasser hatte anhand charakteristischer Merkmale erkannt, dass sie von griechisch schreibenden Kopten stammen. Wo genau im koptisch besiedelten Ägypten sie geschrieben wurden, wird wohl ein Rätsel bleiben: Der Sammler Martin Bodmer hat seine Bezugsquellen verheimlicht. Nur ungefähre Angaben sind überliefert, und sie führen tatsächlich in die Gegend der großen Funde, zwischen Oxyrhynchus, Hermopolis und Luxor.  Unweit der Dishna-Ebene, auf halber Strecke zwischen Panopolis und Luxor, stieß im Juli 1952 ein Beduine namens Hasan aus Abu Mana Bahari zufällig auf alte, zusammengebundene Bücher. Natürlich wusste er zuerst nichts vom Wert seiner Entdeckung, verschenkte einige der Kodizes und benutzte einzelne Blätter, um seine Wasserpfeife anzuzünden oder einfach nur den aromatischen Geruch des brennenden Papyrus zu genießen. Doch die Entdeckung sprach sich herum. Das Koptische Museum in Kairo wollte sie für sich gewinnen, aber da befanden sie sich bereits im Haus eines koptischen Priesters, und die ägyptischen Behörden respektierten dessen besonderen geistlichen Status. So kam es nicht zur Konfiszierung der Papyri; statt dessen konnte der Priester mit Hilfe von Mittelsmännern nach zahlungskräftigen Kunden Ausschau halten. Schließlich gelang es einem gewissen Phokion Tano, einem Händler in Kairo, die Handschriften zu erwerben und nach Europa weiterzuverkaufen. Einige gelangten in die Sammlung Chester Beatty nach Dublin, andere zu Martin Bodmer nach Cologny.
   Es war eine Zeit der sensationellen Funde: Fünf Jahre zuvor, 1947, entdeckten Beduinen in den Höhlen von Qumran beim Toten Meer die erste Höhle mit jüdischen Schriftrollen. Wiederum zwei Jahre früher, 1945, hatten Beduinen im oberägyptischen Nag Hammadi eine Bibliothek pseudochristlicher Schriften des 4. nachchristlichen Jahrhunderts entdeckt, unter denen sich auch das sogenannte Thomas-Evangelium befand. So waren antike Handschriften plötzlich ungemein wertvoll geworden, und die Beduinen hatten das schnell gemerkt. Es brauchte da schon Millionäre wie Chester Beatty und Martin Bodmer, um - so weit wie möglich außerhalb der Schlagzeilen und vorbei an den staatlichen Institutionen - möglichst geschlossene Sammlungen zu erwerben.
   Ebenso wie die genauen Erwerbskanäle ist auch das exakte Datum für Handschriften dieser Epoche nicht leicht zu ermitteln. Stammen sie noch aus der Zeit vor der ersten Zerstörung der Bibliotheken, vor dem Persersturm? Gehören sie in die Phase, als neue Abschriften angefertigt wurden, um Verluste wieder abzugleichen, in jenen wenigen Jahrzehnten, ehe der Islam kam? Die gängige, pauschale Zuteilung ins gesamte 7. Jahrhundert hilft nicht weiter, denn die entscheidenden Umbrüche fanden bekanntlich gerade in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts statt. Rudolphe Kasser hatte gute Gründe für ein früheres Datum gesehen, spätestens das Ende des 6. Jahrhunderts. Vergleiche mit zwei ebenfalls von Kopten geschriebenen Papyri des Mattäus-Evangeliums sprechen nachhaltig dafür: Da ist zum einen der Papyrus 14.1.527 (P44) im Metropolitan Museum of Art in New York, der von der Wende des 6./7. Jahrhunderts stammt, und vor allem der Papyrus K 7244 (P96) aus der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien, ein kleines, aber eindeutig zuzuordnendes Fragment mit Mattäus 3,13-15 vom Ende des 6. Jahrhunderts.
   Das also ist der Hintergrund, vor dem wir uns die folgende Szene vorstellen können, ohne den historischen Boden der Tatsachen aus den Augen zu verlieren: Ein Kopte hat den Auftrag erhalten, eine Abschrift des Matthäus- Evangeliums anzufertigen.  Mit geübter Hand setzt er die Buchstaben auf den Papyrus, groß und klar, sauber getrennt, aber ohne Abstände zwischen den Wörtern und Sätzen, ohne Vers- und Kapiteleinteilungen - ganz so, wie es Brauch war. Es ist keine rein mechanische Arbeit, denn er ist Christ und ist mit seinen Gedanken bei dem, was er da schreibt. Und schließlich, die Arbeit nähert sich dem Ende, kommt er zur Rede Jesu über das Weltgericht. Oben auf dem Ölberg, mit dem Blick auf den Tempel, bestätigt Jesus, dass er eines noch unbestimmten Tages (»Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern allein der Vater«, hatte er kurz zuvor, Kapitel 24,36, ausdrücklich erklärt) als Richter über die Welt wiederkommen wird. Er teilt die Völker in zwei Gruppen auf, und was zuerst wie Schwarzweißmalerei klingt, erweist sich schnell als ein überaus dramatischer Text und als sozialpolitische Herausforderung schon zur Zeit der ersten Christen, zur Zeit des koptischen Schreibers, und unverändert noch heute. Jesus spricht von sich in der dritten Person als König:

   Dann wird der König zu denen auf der rechten Seite sagen: »Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.  Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war ein Fremder und Obdachloser, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.« Dann werden ihm die Gerechten antworten: »Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?« Darauf wird der König ihnen antworten: »Wahrlich, ich sage euch, was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.« Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: »Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Teuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben ...«

   Und dann folgt der bereits zitierte Vers, der als Fragment auf dem Papyrus des Kopten erhalten ist:
»... ich war ein Fremder und Obdachloser, und ihr habt mich nicht aufgenommen, ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht.« Und wieder weiter, nun außerhalb des Papyrus:

  Dann werden auch sie antworten: »Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen?« Darauf wird er ihnen antworten: »Wahrlich, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.« Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben. Mattäus 25,34-46.

   Ewiges Feuer, ewige Strafe - das klingt nicht nach einer politisch korrekten Theologie, die auf eine allgemeine Versöhnung mit Gott und allen Religionen abzielen würde. Aber darauf kommt es in diesen Versen auch gar nicht an. Ihr Kern, die Aufforderung, an allen Mitmenschen so zu handeln, als wären sie Jesus selbst, sind für die christliche Sozialethik schon immer von größter Bedeutung gewesen.
   Für unseren koptischen Schreiber stellt sich die Situation jedoch auch noch ganz anders dar: Er konnte sich ja anfangs, Vers für Vers, mit wachsender Zufriedenheit in dem Gefühl entspannen, einer der Gerechten zu sein. Denn es waren seine Vorfahren gewesen, die nicht nur allgemein an irgendwelchen Mitmenschen, sondern ganz unmittelbar an Jesus selbst das verwirklicht hatten, von dem er in seiner Gerichtsrede sprach. Erinnern wir uns:

  »Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten« Mattäus 2,14. Die Flucht nach Ägypten, die Gastfreundschaft, die Jesus dort mit Josef und seiner Mutter Maria erfuhr - all das war in der Tat die praktische Umsetzung dieses Verses der Weltgerichtsrede: »Ich war ein Fremder und Obdachloser, und ihr habt mich aufgenommen.«
   Wer, außer den ersten Christen Ägyptens, konnte das schon auf der Habenseite verbuchen? Und umgekehrt: Auf wen traf es weniger zu als auf sie, wenn es dann über jene »auf der linken Seite« hieß: »Ich war ein Fremder und Obdachloser, und ihr habt mich nicht aufgenommen«?

  In sicheren, festen Buchstaben steht dieses »nicht«, griechisch »ouk«, als einziges vollständig erhaltenes Wort auf dem Papyrus Bodmer L.Hier schrieb einer, der sich nicht betroffen fühlte. Die Einsicht kam wenige Verse später, beim Abschreiben der unmissverständlichen Zusammenfassung: »Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.« Hier konnte sich auch der Kopte nicht mehr sicher sein. Auf dem winzigen Bruchstück ist die Reaktion nicht mehr ablesbar: Wurde seine Schrift etwas weniger selbstsicher? Ließ sich ein Zögern beim Ansetzen der Feder erkennen? Der Vers fehlt, ist abgerissen oder verfallen wie so viele Teile antiker Handschriften. Hier, spätestens an dieser Stelle, müsste aber der koptische Schreiber begriffen haben, dass er selbst gefordert war. Nicht die unbestreitbare Leistung seiner Vorfahren, die als einzige in der Geschichte für den historischen Jesus all das taten, was er nun am Ende seines Lebens so herausfordernd zuspitzte, zählt noch für ihn. Für ihn kann nur zählen, was er selbst tut, ganz unmittelbar, an seinen Nächsten.
  Das Fragment Bodmer L, eines der kleinsten Bruchstücke der neutestamentlichen Textüberlieferung, schlägt in der Tat die Brücke vom Wüstensand, in dem es einst entdeckt wurde, zurück zu den Anfängen des Lebens Jesu und von dort in unsere eigene Gegenwart. Das lässt sich ganz unabhängig von Glaubensfragen feststellen. Quellensuche, das Abwägen zwischen Mythos und Geschichte, die Untersuchung der ältesten Spuren: Das alles ist nicht nur wissenschaftlicher Selbstzweck. Lebendig werden können die Quellen der Antike nur, weil sie uns auch heute noch etwas zu sagen haben.

  Oscar Wilde, einer der großen Spötter und Aphoristiker der Weltliteratur, den man nicht so schnell mit dem christlichen Glauben in Verbindung bringt, beschrieb in seinem Gedicht »Easter Day« wenige Monate vor seinem Tod die Prachtentfaltung der Kirche am Ende des 19. Jahrhunderts. Und in den letzten beiden Versen blickt auch er zurück auf die Anfänge, die der koptische Schreiber vor Augen hatte:

                     My heart stole back across wide wastes of years
                     To One who wandered by a lonely sea,
                     And sought in vain for any place of rest:
                     »Foxes have holes, and every bird its nest.
                     I, only l, must wander wearily,
                     And bruise my feet, and drink wine salt with tears.«

(Mein Herz schlich sich zurück durch weite Jahreswüsten, Zu Einem, der an einem einsamen See entlangging Und vergeblich nach irgendeinem Ruheplatz suchte: »Füchse haben Höhlen, und jeder Vogel sein Nest. Nur ich allein muss müde wandern, Meine Füße wundlaufen und Wein mit dem Salz der Tränen trinken.«)

   Es sind Zeilen, die zurückgreifen auf eine Stelle des Mattäus-Evangeliums, die auch der koptische Schreiber des Bodmer-Papyrus abgeschrieben hatte, ehe er zu der Gerichtsrede im 26. Kapitel kam: »Als Jesus die vielen Menschen sah, die um ihn waren, befahl er, ans andere Ufer zu fahren. Da kam ein Schriftgelehrter zu ihm und sagte: Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus sagte zu ihm: Füchse haben ihre Höhlen und Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.« Matthäus 8, 18-20. Das war unmissverständlich: Wer sich Jesus anschließen wollte, musste sein privilegiertes Leben aufgeben. Oder anders: Er konnte nicht erwarten, ein privilegiertes, wohlstandsgesättigtes Leben zu gewinnen. Oscar Wilde hatte, auch in der Abwehrhaltung gegen die Privilegien der Kirche seiner Zeit, viel vom historischen Jesus verstan- den, und als sprachgestaltender Dichter nahm er das auch in das Bild von der »weiten Wüste« der Jahre hinein, der »wide wastes of years«, die ihn von den Ereignissen trennte. Es war kein Zufall, denn Wilde hatte in Oxford klassische Philologie studiert, Gedichte in lateinischer und griechischer Sprache verfasst und sich einige Jahre, ehe er das Gedicht schrieb, mit einer erstaunlichen Sachkenntnis über den historischen Jesus geäußert,die erst heute und auch erst langsam zum Allgemeingut der Neutestamentler wird: »Man hat immer angenommen, dass Christus aramäisch sprach. Selbst Renan glaubte das. Aber jetzt wissen wir, dass die galiläischen Bauern, wie die irischen Bauern unserer Tage, zweisprachig waren, und dass Griechisch die allgemeine Verkehrssprache in ganz Palästina, ja in der ganzen östlichen Welt war. Mir hatte noch nie die Vorstellung gefallen, dass wir von den ureigenen Worten Christi nur durch die Übersetzung einer Übersetzung Kenntnis hätten.« (De Profundis, 1897).
   Es war und ist eine vernetzte Welt. Von Oscar Wildes Einsicht in den vielsprachigen Alltag der Umwelt Jesu, in der neben der aramäischen Muttersprache auch das Griechische selbstverständlich war und von seinem Bild der Wüste, die uns von den Anfängen zu trennen droht, blicken wir auf ein Fragment, hinter dem ein ägyptischer Christ Gestalt gewinnt, der sich als Glied einer Kette weiß, die zurückreicht bis in die Kindheit Jesu, als er durch die Wüste nach Ägypten kam. Die Wüste - die bildhafte ebenso wie die am eigenen Leib erlebte - war und bleibt eine Herausforderung und eine Chance für die Suche nach Quellen. Ob die Bezugspunkte nun Beer-Scheva heißen, Ägypten oder Qumran, oder ob wir an Johannes den Täufer denken, der als sprichwörtlicher »Rufer in der Wüste« den Bogen von sich selbst zurück zum Propheten Jesaja schlug »Ich bin die Stimme eines Predigers in der Wüste: Ebnet den Weg des Herrn, wie der Prophet Jesaja gesagt hat« - Johannes 1,23 / Jesaja 40,3: Die ersten Spuren finden sich da, wo spurenloses, wüstes Land zu sein scheint.
   Wer je in der Wüste war, weiß, dass man sich dort von der Wirklichkeit nicht entfernt, sondern ihr eher näher kommt.  Johannes der Täufer hatte es so empfunden, Abraham mit Sicherheit, und zweifellos auch Jesus, der im- mer wieder allein die Wüste aufsuchte, um Kraft und Klarheit zu finden. Nicht weit von Beer-Scheva, beim Kibbutz Sede Boquer, hinter dem Grab von David und Paula Ben Gurion, liegt eine Terrasse, die den Blick freigibt in den Negev, die Wüste aus Stein, Sand und Geröll. Mitten hindurch, von grüner Vegetation umsäumt, fließt ein Rinnsal, im Sommer das ausgetrocknete Wadi, im Winter ein reißender Strom. Wer hier steht, sieht den Spannungsbogen von den Anfängen bis heute vielleicht deutlicher als an irgendeinem anderen Ort. Und nicht nur in Gedanken, sondern ganz praktisch und erdverbunden, gelangt man von hier in einer guten Stunde in eine andere Wüste, in jene am Toten Meer, mit ihren Wadis und Oasen, in das blühende En Gedi, in die Dürre des Nahal Hever, zu den üppigen Feldern von En Feschcha, und schließlich in die Ruinen von Qumran, das einst Sechacha hieß Josua 15,61 und in dessen zwischen 1947 und 1956 wiederentdeckten Höhlen einer der bedeutendsten Handschriftenfunde dieses Jahrhunderts zu Tage kam. Hier, in einer dieser Höhlen, wurden Schriftrollen und Fragmente entdeckt, die Sensationen versprachen und leidenschaftliche Kontroversen auslösten. Einigen von ihnen werden wir in diesem Buch “Ein Fisch für den römischen Kaiser” begegnen, darunter auch einem aramäischen Text auf Leder, der zu verstehen hilft, warum jener kaum zweijährige Jesus, der in der Wüste und in Ägypten war, schon vor seiner Geburt für Unruhe sorgte.
   Es sind Bruchstücke, mit denen wir arbeiten, Fragmente, die wir - mit den Worten aus T. S. Eliots Gedicht The Waste Land - gegen die Ruinen der Kultur und unseres heutigen Wissens aufschichten,  um sie zu stützen. Die Zeit des 1. Jahrhunderts, die Zeit Jesu und seiner ersten Nachfolger, die Zeit der Juden, Griechen und Römer ist dennoch alles andere als wüstes Land. Keine Tagesreise von der Wüste im Süden war man auch damals wieder dort, wo die Kultur in ihren verschiedensten Formen blühte. Wer sich, wie Jesus, immer wieder in die Wüste hinter Jerusalem zurückzog, blieb stets in der Nähe einer hochentwickelten Zivilisation.

   Als langjähriger Mitarbeiter an der Ben-Gurion-Universität des Negev in Beer-Sheva hatte Carsten Peter Thiede am Rande der Wüste im südlichsten Ort Israels gelebt. Der Weg aus Israel nach Ägypten geht durch Beer-Scheva. Auch Jesus, Maria und Josef sind  auf der Flucht vor Herodes dem Großen von Betlehem nach Ägypten diese Straße durch die Wüste gezogen. Der Historiker und Papyrologe sucht Spuren des historischen Jesus.

Die Wüste lebt:
  
Nichts ist so wenig tot wie das Tote Meer, und nichts ist so lebendig wie die Wüste - mit diesen Widersprüchen lebt es sich gut, südöstlich des Mittelmeers, auf der Suche nach Spuren des historischen Jesus und seiner Umwelt. Etwa 72 Kilometer südlich von Jerusalem liegt Beer-Scheva, die Stadt in der Wüste, die Stadt Abrahams.

  Hier lebte der Patriarch, auf den sich drei Religionen zurückführen: das Judentum, das Christentum und der Islam. Für Jesus wird der Anspruch gleich im ersten Vers des Mattäus-Evangeliums erhoben, in der Kurzfassung seines Stammbaums: Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. Eine gute Stunde fährt man von Jerusalem nach Beer-Scheva. Kurz hinter Jerusalem beginnt die Wüste, Kamele kreuzen den Weg, Beduinen suchen mit ihren Ziegenherden in den Hügeln nach Weidegrund. Die Fahrt geht am palästinensisch verwalteten Hebron vorbei, wo Abraham und seine Frau Sarah begraben sind. Und dann, wieder auf dem Staatsgebiet Israels, die ersten Häuser von Beer-Scheva: Eine moderne Großstadt mitten in der Wüste, mit einer neuen Universität, die nach David Ben Gurion benannt ist, dem ersten Ministerpräsidenten Israels, der in dem nahe gelegenen Kibbuz Sede Boquer lebte. Araber studieren hier, Beduinen, Juden und Christen. Sie versuchen zusammenzukommen, ohne sich von politischen Zwängen vereinnahmen zu lassen.
   Und Abraham selbst, der Erzvater? Biblische Texte erzählen: In Beer-Scheva »rief er den Namen des Herrn, des ewigen Gottes, an«1.Mose / Genesis 21,33. Seine Frau Sarah, die, wie es lange schien, vergeblich auf Nachwuchs hoffte, gab ihm die ägyptische Sklavin Hagar zur Nebenfrau. Mit ihr zeugte er Ismael, doch als Sarahs Gebete erhört wurden und sie Isaak zur Welt brachte, den ehelichen Sohn, wurde Ismael mit Hagar buchstäblich in die Wüste geschickt 1.Mose/Genesis  21,8-19. Hier, bei Beer-Scheva, führte ein Engel Gottes sie zu einem Brunnen. Später lebte Ismael in der Wüste Paran, heiratete eine Ägypterin und traf mit seinem Stiefbruder Isaak zusammen, um den gemeinsamen Vater Abraham zu bestatten 1.Mose/Genesis 25,9. Aus solchen kärglichen Angaben leiteten bereits jüdische Kommentatoren im 1. Jahrhundert n.Chr. ab, dass der Wüstensohn Ismael der Stammvater der Beduinen und damit in gewisser Weise auch der Araber war. Und zu Beginn des 7. nach- christlichen Jahrhunderts konnte sich dann der Araber Mohammed, der Stifter des Islam, über Ismael auf Abraham zurückführen. Das Judentum durch alle Generationen, das Christentum durch den Juden und Abraham-Nachfahren Jesus, der Islam in der Inanspruchnahme durch Mohammed, blicken gemeinsam zurück in die Wüste. Hier beginnt jede Spurensuche, auch die nach dem historischen Jesus.
   Die Stadt der gemeinsamen Anfänge, Beer-Scheva, ist auch die Stadt der Brunnen in der Wüste. An einem von ihnen überlebten Ismael und seine Mutter Hagar, andere gruben Abraham und Isaak selbst 1.Mose/Genesis 26,18, und einer von ihnen wird heute fünf Kilometer westlich der Stadt vor dem Torweg im archäologischen Grabungsbereich des Tel Beer-Scheva als Brunnen Abrahams gezeigt. Durch mehr als fünf Meter Fels hatten die Brunnenbauer gegraben, elf Meter tief ging es, bis die Wasseroberfläche erreicht wurde. Diese Brunnen und die anderen archäologischen Funde in Beer-Scheva gehen bis in die Jungsteinzeit zurück, ins 4. Jahrtausend v.Chr. Vor gut fünfundzwanzig Jahren wurden ein aus biblischer Zeit stammender Altar und ein Tempel ausgegraben, Kultstätten, die der Prophet Amos heftig angegriffen hatte: »Zu der Zeit werden die schönen Jungfrauen und die Jünglinge verschmachten vor Durst, die jetzt schwören bei dem Abgott Samarias und sprechen: >So wahr dein Gott lebt, Dan!< und: >So wahr dein Gott lebt, Beer-Scheva!< Sie sollen so fallen, dass sie nicht wiederaufstehen können« Amos 8,14. In das 4. vorchristliche Jahrhundert führen beschriftete Tonscherben(Ostraca) in aramäischer Sprache zurück, mit Informationen über Getreidelagerung und einer Reihe von jüdischen, edomitischen und auch arabischen Eigennamen. Noch aus der frühen Phase der römischen Besiedlung stammt ein besonders eindrucksvoller Fund - ein fast palastähnliches Gebäude mit Badehaus. Im Vorhof wurde eine Münze des Augustus gefunden. Im 2. nachchristlichen Jahrhundert befestigten die Römer den Ort, nannten ihn Berosaba und bewachten von dort aus diesen strategischen Punkt an der wichtigen Handelsstraße von Syrien nach Ägypten.  Im 4. Jahrhundert, unter Kaiser Konstantin, erhielten Christen die Möglichkeit, dort eine Kirche zu errichten, und die Stadt wurde Bischofssitz. 1996 wurde mitten im heutigen Beer-Scheva eine Kirche aus dem 5. Jahrhundert ausgegraben. Ein 1,5 mal 2 Meter großes Fußbodenmosaik zeigt eine Taube, die einen Ölzweig im Schnabel trägt - vielleicht einer der symbolträchtigsten Funde der letzen Jahre. Die dargestellte Szene bezieht sich auf 1. Mose/Genesis 8,8-12, wo die von Noah ausgesandte Taube mit einem grünenden Ölzweig zur Arche zurückkehrt. Die Sintflut ist vorüber, es gibt wieder Land. Gott, so heißt es, hatte mit den Menschen Frieden geschlossen. Noch heute ist die Taube mit dem Ölzweig in aller Welt das Symbol des Friedens.
   Obwohl der Ort im Neuen Testament kein einziges Mal genannt wird, wussten auch die frühen Christen, die diese Kirche bauten, welche Bedeutung er für ihre Tradition hatte. Jesus war ohne die Linie zurück zu Abraham und damit auch zu seiner Stadt nicht denkbar. Und hier, inmitten der Wüste, kam noch ein anderer Aspekt hinzu: Christliche Interpreten suchten von Anfang an, von den ersten Tagen nach Pfingsten in Jerusalem, 30 n.Chr., nicht nur nach historischen Wurzeln und Querverbindungen, sie suchten auch die symbolischen Bezüge, an denen man zeigen konnte, wie die Geschichten des Tanach, der hebräischen Bibel, schon voraufweisen auf den kommenden Messias. Von Beer-Scheva brach Abraham nach alter Überlieferung auf, um seinen Sohn Isaak zu opfern 1. Mose/ Genesis 22,3-19, und nach Beer-Scheva kehrte er zurück. Diese Opferung des Sohnes durch den Vater wurde im letzten Augenblick nicht vollzogen. Denn als Abrahams Bereitschaft erprobt und erkannt war, stand ein Widder bereit, der an der Stelle des Sohnes zum Opfer gebracht wurde. Eine grausame, paradoxe, schwer zu begreifende Erzählung - und doch wird dieser bedingungslose Gehorsam gegenüber Gott schon in frühchristlicher Zeit von jüdischen Kommentatoren wie Philo von Alexandria als die »größte von Abrahams Taten« verstanden. Denn seine Bereitschaft, den Sohn zu töten, galt bereits als gleichwertig mit dem tatsächlichen Vollzug. Der Brief des Jakobus, der neben dem Hebräerbrief unter allen Schriften des Neuen Testaments am intensivsten jüdisch argumentiert und vielleicht sogar der älteste Brief des Neuen Testaments ist (um 47/48 n.Chr.), bezieht sich ausdrücklich auf das Opfer Isaaks: »Ist nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerecht geworden, als er seinen Sohn Isaak auf dem Altar opferte? Da siehst du, dass der Glaube zusammengewirkt hat mit seinen Werken, und durch die Werke ist der Glaube vollkommen geworden. So ist die Schrift erfüllt in der es heißt: >Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden<, und er wurde >ein Freund Gottes< genannt« Jakobus 2,21- 23.
  
Später wurde darin bis hinein in die christliche Kunst eine Präfiguration gesehen: Die Opferung Isaaks durch Abraham wird als die Vorwegnahme der Opferung Jesu durch seinen Vater, das heißt also durch Gott selbst verstanden. Das Opfer Jesu, das hier nach christlicher Lehre für die Sünden der Menschen tatsächlich vollzogen wird, erfährt in der Auferstehung Jesu eine Lösung, die mit dem Weiterleben Isaaks verglichen wurde. Denn so, wie Abraham durch Isaak Nachfahren »wie Sterne am Himmel und wie Sand am Meer« erhielt Genesis 22,17, so konnten nach den Worten des zum Christen gewordenen Juden Paulus die (geistlichen) Nachfahren des auferstandenen Jesus die Welt bevölkern und zugleich die Linie wieder zurück zu Abraham ziehen. Solche Inter- pretationen mögen im 4. Jahrhundert Grund genug gewesen sein, in Abrahams Beer-Scheva einen Bischofssitz zu errichten.
   Und noch ein weiteres Mal vermitteln die alten Schriften eine Beziehung zwischen der Wüstensiedlung Beer- Scheva und Jesus. Als Jakob zu seinem Sohn Josef nach Ägypten aufbricht, hält er mitten in der Wüste: »Und als er nach Beer-Scheva kam, brachte er Opfer dar dem Gott seines Vaters Isaak«, heißt es im ersten Buch des Alten Testaments 1.Mose/Genesis 46,1. Das Motiv der Reise nach Ägypten kennt auch die christliche Tradition, sie ist eines der beliebtesten Sujets der Malerei und vieler erbaulicher Geschichten. Anlass ist der Reisebericht am An- fang des Mattäus-Evangeliums Mattäus 2,13-15; 19-23. Diese Reise war eine Flucht, die Flucht von Maria, Joseph und dem kleinen Jesus vor Herodes dem Großen und dessen Kindermord in Betlehem. Wie auch immer wir uns das im einzelnen vorzustellen haben: Eine Reise von Betlehem nach Ägypten führte über Beer-Scheva. Der karge, unaufgeregte Bericht des Matthäus bietet nur die knappsten Informationen, er nennt keine Ortsnamen. Doch jeder Landeskundige wusste und weiß, dass sie auf dieser Route durch die Wüste gereist sein müssen. Wie Jakob kamen sie nach Ägypten; Mattäus verrät uns nicht, wo sie dort blieben, ehe sie drei, vier Jahre später - nach dem Tod des Herodes - wieder zurückkehrten und sich in Nazareth niederließen. Erst ein späterer Text füllt diese »Lücke«.
   Über die Jahrhunderte hinweg entwickelten sich immer mehr erbauliche Legenden rund um die Kindheit Jesu, die gerade auch deswegen so beliebt waren, weil sie all die unterhaltsamen Dinge boten, die in den auf sparsame historische Information konzentrierten Evangelien natürlich nicht zu finden waren. Einen Höhepunkt dieser Entwicklung bietet der im 8. Jahrhundert n. Chr. entstandene »Pseudo-Mattäus«. Dabei handelt es sich um ein Sammelwerk, das wie eine Art Readers’ Digest die anschaulichsten Beschreibungen zusammenfasst. Bis ins späte Mittelalter beeinflusste diese Schrift die Literatur, die Kunst und den Volksglauben. Und hier finden wir nun auch die bisher noch fehlende Angabe über den ägyptischen Aufenthaltsort von Maria, Joseph und Jesus: »Und freudig und jubelnd kamen sie im Gebiet von Hermopolis an und zogen in eine ägyptische Stadt ein, die Sotinen heißt« Pseudo-Matthäus 22,2.
 
Woher auch immer die Schreiber und Sammler des »Pseudo-Mattäus« ihre Ideen hatten, eins klingt dem Historiker vertraut: Das »Gebiet von Hermopolis«, die Hermo(u)polis Magna. Es liegt am Westufer des Nils, auf halber Strecke zwischen Alexandria und Luxor und heißt heute El-Ashmunein; zur römischen Zeit war es die wichtigste Zollstation zwischen Mittel- und Oberägypten. Neben vielerlei archäologischen Entdeckungen, die in die vorchristliche, ptolomäische Epoche zurückreichen - Wandmalereien, Inschriften, Tempelanlagen und Gräberfelder - gelangen den Archäologen hier vor allem zahlreiche Handschriftenfunde. Die Texte aus Hermopolis gehören zu den berühmten ägyptischen Entdeckungen, denen wir einen Großteil unseres heutigen Wissens über antike Literatur, Alltagsleben und Verwaltung verdanken. Schon 1809 wurden die ersten Funde bekannt, und bis heute wird weiter in Hermopolis geforscht. Einer dieser Funde ist für die Textgeschichte des Neuen Testaments besonders wichtig: Es ist eine fragmentarische Handschrift mit Teilen des Matthäus- und des Lukas-Evangeliums. Vor 300 n. Chr. von einer früheren Vorlage abgeschrieben, gehört sie zu den ältesten Handschriften dieser beiden Evangelien. Und auf jeden Fall ist sie eine der ältesten Textspuren des Neuen Testaments, die mit Sicherheit aus der Zeit vor Konstantin dem Großen stammen.

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Sensationelle Schriftfunde am mittleren Nil

   Etwa 72 Kilometer südlich von Jerusalem liegt Beer-Scheva, die Stadt in der Wüste, die Stadt Abrahams. Hier lebte der Patriarch, auf den sich drei Religionen zurückführen: das Judentum, das Christentum und der Islam. Kurz hinter Jerusalem beginnt die Wüste, Kamele kreuzen den Weg, Beduinen suchen mit ihren Ziegenherden in den Hügeln nach Weidegrund. Die Fahrt geht am palästinensisch verwalteten Hebron vorbei, wo Abraham und seine Frau Sarah begraben sind. Und dann, wieder auf dem Staatsgebiet Israels, die ersten Häuser von Beer-Scheva.
  Und Abraham selbst, der Erzvater? Biblische Texte erzählen: In Beer-Scheva »rief er den Namen des Herrn, des ewigen Gottes, an« Gen 21,33. Seine Frau Sarah, die, wie es lange schien, vergeblich auf Nachwuchs hoffte, gab ihm die ägyptische Sklavin Hagar zur Nebenfrau. Mit ihr zeugte er Ismael, doch als Sarahs Gebete erhört wurden und sie Isaak zur Welt brachte, den ehelichen Sohn, wurde Ismael mit Hagar buchstäblich in die Wüste geschickt Gen 21,8-19. Hier, bei Beer-Scheva, führte ein Engel Gottes sie zu einem Brunnen. Später lebte Ismael in der Wüste, heiratete eine Ägypterin und traf mit seinem Stiefbruder Isaak zusammen, um den gemeinsamen Vater Abraham zu bestatten Gen 25,9.
    Beer-Scheva, ist auch die Stadt der Brunnen in der Wüste. An einem von ihnen überlebten Ismael und seine Mutter Hagar, andere gruben Abraham und Isaak selbst Gen 26,18, und einer von ihnen wird heute fünf Kilometer westlich der Stadt als Brunnen Abrahams gezeigt. Durch mehr als fünf Meter Fels hatten die Brunnenbauer gegraben, elf Meter tief ging es, bis die Wasseroberfläche erreicht wurde. Noch aus der frühen Phase der römischen Besiedlung stammt ein besonders eindrucksvoller Fund - ein fast palastähnliches Gebäude mit Badehaus.  Im Vorhof wurde eine Münze des Augustus gefunden. Im 2. nachchristlichen Jahrhundert befestigten die Römer den Ort an der wichtigen Handelsstraße von Syrien nach Ägypten.
    Im 4. Jahrhundert, unter Kaiser Konstantin, erhielten Christen die Möglichkeit, dort eine Kirche zu errichten, und die Stadt wurde Bischofssitz. 1996 wurde mitten im heutigen Beer-Scheva eine Kirche aus dem 5. Jahrhundert ausgegraben. Ein 1,5 mal 2 Meter großes Fußbodenmosaik zeigt eine Taube, die einen Ölzweig im Schnabel trägt - vielleicht einer der symbolträchtigsten Funde der letzen Jahre. Die dargestellte Szene bezieht sich auf Gen 8,8-12, wo die von Noah ausgesandte Taube mit einem grünenden Ölzweig zur Arche zurückkehrt. Die Sintflut ist vorüber, es gibt wieder Land. Gott, so heißt es, hatte mit den Menschen Frieden geschlossen. Noch heute ist die Taube mit dem Ölzweig in aller Welt das Symbol des Friedens.
     Obwohl dieser Ort im Neuen Testament kein einziges Mal genannt wird, wussten auch die frühen Christen, die diese Kirche bauten, welche Bedeutung er für ihre Tradition hatte. Christen suchten in der hebräischen Bibel nach Geschichten, die auf den Messias hingewiesen haben. Von Beer-Scheva brach Abraham nach alter Überlieferung auf, um seinen Sohn Isaak zu opfern Gen 22,3-19, und hierhin kehrte er zurück. Diese Opferung des Sohnes durch den Vater wurde im letzten Augenblick nicht vollzogen. Denn als Abrahams Bereitschaft erprobt und erkannt war, stand ein Widder bereit, der an der Stelle des Sohnes zum Opfer gebracht wurde. Der Brief des Jakobus, der neben dem Hebräerbrief unter allen Schriften des Neuen Testaments am intensivsten jüdisch argumentiert und vielleicht sogar der älteste Brief des Neuen Testaments ist um 47/48 n. Chr., bezieht sich ausdrücklich auf das Opfer Isaaks: »Ist nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerecht geworden, als er seinen Sohn Isaak auf dem Altar opferte? Da siehst du, dass der Glaube zusammengewirkt hat mit seinen Werken, und durch die Werke ist der Glaube vollkommen geworden. So ist die Schrift erfüllt, in der es heißt:
   >Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden<, und er wurde >ein Freund Gottes< genannt« Jak 2,21-23. Die Opferung Isaaks durch Abraham wird als die Vorwegnahme der Opferung Jesu durch seinen Vater, das heißt also durch Gott selbst verstanden. Das Opfer Jesu, das hier nach christlicher Lehre für die Sünden der Menschen tatsächlich vollzogen wird, erfährt in der Auferstehung Jesu eine Lösung, die mit dem Weiterleben Isaaks verglichen wurde. Denn so, wie Abraham durch Isaak Nachfahren »wie Sterne am Himmel und wie Sand am Meer« erhielt Gen 22,17, so konnten nach den Worten des zum Christen gewor- denen Juden Paulus die (geistlichen) Nachfahren des auferstandenen Jesus die Welt bevölkern und zugleich die Linie wieder zurück zu Abraham ziehen. Solche Interpretationen mögen im 4. Jahrhundert Grund genug gewesen sein, in Abrahams Beer-Scheva einen Bischofssitz zu errichten.
  Und noch ein weiteres Mal vermitteln die alten Schriften eine Beziehung zwischen der Wüstensiedlung Beer- Scheva und Jesus. Als Jakob zu seinem Sohn Josef nach Ägypten aufbricht, hält er mitten in der Wüste: »Und als er nach Beer-Scheva kam, brachte er Opfer dar dem Gott seines Vaters Isaak«, heißt es im ersten Buch des Alten Testaments Gen 46,1.

jud-gFlucht-Ägypten-xxx Darstellung der Flucht, Portal am Nil

  Das Motiv der Reise nach Ägypten kennt auch die christliche Tradition. Anlass ist der Reisebericht am Anfang des Matthäus-Evangeliums Mt 2,13-15;19-23. Diese Reise war eine Flucht, die Flucht von Maria, Joseph und dem kleinen Jesus vor Herodes dem Großen und dessen Kindermord in Betlehem. Eine Reise von Betlehem nach Ägypten führte über Beer-Scheva. Der karge, unaufgeregte Bericht des Matthäus bietet nur die knappsten Informationen, er nennt keine Ortsnamen. Doch jeder Landeskundige wußte und weiß, dass sie auf dieser Route durch die Wüste gereist sein müssen. Wie Jakob kamen sie nach Ägypten; Matthäus verrät uns nicht, wo sie dort blieben, ehe sie fast vier Jahre später - nach dem Tod des Herodes - wieder zurückkehrten und sich in Nazareth niederließen. Erst ein späterer Text füllt diese »Lücke«.

jud-gFluchtNÄgypten-xxx

    Der im 8. Jahrhundert n.Chr. entstandene »Pseudo-Matthäus« berichtet nun auch die bisher noch fehlende An- gabe über den ägyptischen Aufenthaltsort von Maria, Joseph und Jesus: »Und freudig und jubelnd kamen sie im Gebiet von Hermopolis an und zogen in eine ägyptische Stadt ein, die Sotinen heißt« Pseudo-Mat 22,2. Zur römi- schen Zeit war es die wichtigste Zollstation zwischen Mittel- und Oberägypten. Hier gelangen den Archäologen hier vor allem zahlreiche Handschriftenfunde: eine frag- mentarische Handschrift mit Teilen des Matthäus- und des Lukas-Evangeliums. Vor 300 n. Chr. gehört sie zu den ältesten Handschriften dieser beiden Evangelien. Und auf jeden Fall ist sie eine der ältesten Textspuren des Neuen Testaments, die mit Sicherheit aus der Zeit vor Konstantin dem Großen stammen - unmittelbar vor der größten und gefährlichsten aller Christenverfolgungen entstanden - jener des Diokletian, die von 303 bis 313 dauerte.  Es ist kein Papyrus, sondern ein Pergament.
    In der Zeit um 62 n. Chr., wechselte man von der traditionellen, meist nur auf der geschützten Innenseite beschriebenen Schriftrolle zum Vorläufer des heutigen Buchs aus beidseitig beschriebenen, mehrfach gefalteten Lagen, dem sogenannten Kodex. Und was darüber hinaus unter jüdischen Schreibern eine Ausnahme war - die Benutzung des aus dem Mark der Zyperngrasstaude hergestellten Papyrus statt des aus Tierhaut gewonnenen Leders oder, verfeinert bearbeitet, des Pergaments - das scheint unter den Judenchristen von Anfang an die Regel gewesen zu sein. Vom ältesten erhaltenen Schriftrollen-Fragment des Neuen Testaments, dem Papyrus 7Q5 aus der Qumran-Höhle 7 mit zwei Versen aus Kapitel 6 des Markus- Evangeliums, bis zu Handschriften des 7. Jahrhunderts: Immer wieder stoßen wir gerade in der frühesten Schicht auf Papyri.

Nachrichten aus dem Wüstensand

    Wurde der Kampf gegen die vordringende Wüste irgendwo aufgegeben, so dauerte es nicht lange, bis der Sand die Dörfer zudeckte, und weit mehr als 70 Prozent aller heute erhaltenen antiken Handschriften wurden hier gefunden.  Die  »Bibliotheca Bodmeriana« verwahrt  ein  Papyrus-Stück. Es handelt sich um kleine Teile aus Mt 25, 43 auf der Vorderseite und 26,2-3 auf der Rückseite.
  »Ich war ein Fremder und Obdachloser, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht.«
   »Ihr wißt, dass in zwei Tagen das Passahfest beginnt; da wird der Menschensohn ausgeliefert und ge- kreuzigt werden.«
Um die gleiche Zeit versammelten sich die Hohenpriester und die Ältesten des Volks im Palast des Hohenpriesters, der Kajaphas hieß ...
  In beiden Stücken spricht Jesus. Mt 25,43: Ende der großen Rede über das Weltgericht, die Jesus auf dem Ölberg in Jerusalem vor den Jüngern hielt. Und mit den ersten Versen des 26. Kapitels beginnen bereits die letzten Tage vor der Kreuzigung. Das heißt: Wir sind nicht am Anfang, sondern am Ende des irdischen Lebens Jesu.

jud-FluchtNÄg-koptKreuz-xxx        Altes koptisches Kreuz

  An der Wende vom 6. zum 7. Jahrhundert war die koptische Kirche die unangefochtene religiöse Macht in Ägypten. Dann kamen zwei Katastrophen. Zuerst der sogenannte Persersturm, als die Sassaniden 616 n. Chr. bis nach Karthago vordrangen und nach altem Erobererbrauch mordeten, Kirchen zerstörten, Bücher und Bibliotheken vernichteten. Schon zwölf Jahre später ging das Sassaniden-Reich unter, doch die Ruhe währte nicht lange. Kaum waren die Kirchen wieder aufgebaut und die Bibliotheken neu eingerichtet, da folgte in den Jahren 639 bis 641 die muslimische Eroberung Ägyptens. Die Muslime waren wenigergrausam als vor ihnen die Perser, und dennoch war die Vorherrschaft eines machtvollen, auch kulturell prägenden Christentums in Ägypten beendet.
   1952 war eine Zeit der sensationellen Funde am mittleren Nil. Fünf Jahre zuvor, 1947, entdeckten Beduinen in den Höhlen von Qumran beim Toten Meer die erste Höhle mit jüdischen Schriftrollen.
   Ein Kopte hat den Auftrag erhalten, eine Abschrift des Matthäus-Evangeliums anzufertigen. Mit geübter Hand setzt er die Buchstaben auf den Papyrus, groß und klar, sauber getrennt, aber ohne Abstände zwischen den Wörtern und Sätzen, ohne Vers- und Kapiteleinteilungen - ganz so, wie es Brauch war. Es ist keine rein mechanische Arbeit, denn er ist Christ und ist mit seinen Gedanken bei dem, was er da schreibt. Und schließlich, die Arbeit nähert sich dem Ende, kommt er zur Rede Jesu über das Weltgericht. Oben auf dem Ölberg, mit dem Blick auf den Tempel, bestätigt Jesus, daß er eines noch unbestimmten Tages (»Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern allein der Vater« hatte er kurz zuvor Mt 24,36 ausdrücklich erklärt) als Richter über die Welt wiederkommen wird. Er teilt die Völker in zwei Gruppen auf, und was zuerst wie Schwarzweißmalerei klingt, erweist sich schnell als ein überaus dramatischer Text und als sozialpolitische Herausforderung - schon zur Zeit der ersten Christen, zur Zeit des koptischen Schreibers, und unverändert noch heute. Jesus spricht von sich in der dritten Person als König:
    Dann wird der König zu denen auf der rechten Seite sagen: »Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war ein fremder und Obdachloser, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.« Dann werden ihm die Gerechten antworten: »Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und auf- genommen oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?« Darauf wird der König ihnen antworten: »Wahrlich, ich sage euch, was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.«
   Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: »Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben«

Und dann folgt der bereits zitierte Vers, der als Fragment auf dem Papyrus des Kopten erhalten ist:
   »... ich war ein Fremder und Obdachloser, und ihr habt mich nicht aufgenommen, ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht.«
Und wieder weiter, nun außerhalb des Papyrus:
   Dann werden auch sie antworten: »Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen?« Darauf wird er ihnen antworten: »Wahrlich, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.« Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben. Mt 25, 34.-46.
   Für unseren koptischen Schreiber stellt sich die Situation jedoch auch noch ganz anders dar: Er konnte sich ja anfangs, Vers für Vers, mit wachsender Zufriedenheit in dem Gefühl entspannen, einer der Gerechten zu sein. Denn es waren seine Vorfahren gewesen, die nicht nur allgemein an irgendwelchen Mitmenschen, sondern ganz unmittelbar an Jesus selbst das verwirklicht hatten, von dem er in seiner Gerichtsrede sprach. Erinnern wir uns: »Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten« Mt 2,14. Die Flucht nach Ägypten, die Gastfreundschaft, die Jesus dort mit Josef und seiner Mutter Maria erfuhr - all das war in der Tat die praktische Umsetzung dieses Verses, der Weltgerichtsrede: »Ich war ein Fremder und Obdachloser, und ihr habt mich aufgenommen.« Wer, außer den ersten Christen Ägyptens, konnte das schon sagen? Und umgekehrt: Auf wen traf es weniger zu als auf sie, wenn es dann über jene »auf der linken Seite« hieß: »Ich war ein Fremder und Obdachloser, und ihr habt mich nicht aufgenommen«?
   In sicheren, festen Buchstaben steht dieses »nicht«, griechisch »ouk«, als einziges vollständig erhaltenes Wort auf dem Papyrus Bodmer L. Hier schrieb einer, der sich nicht betroffen fühlte.
Ausüge aus: Carsten Peter Thiede - Ein Fisch für den römischen Kaiser 

kbwn:Zeitun, Kairo

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